Nr. 104. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., m's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Mittwoch, den 4. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Bfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen. In der Zeit vom 3. Mat 1. Js. bis einschließlich 16. Mai I. Js. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen die Arbeiten des III. Abschnittes von den Wiesen, nämlich: 1. zwei Zuteilungskarten, 2. die Gütergeschosse, 3. die Zusammenstellung der Gütergeschosse, 4. das Zuteilungsverzeichnis, 5. ein Heft Verzeichnis der Aufschläge, 6. das Protokoйbuch Fur Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen htergegen findet statt: Dienstag, den 17. Mai 1. J., vormittags von 9-10 Uhr im Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aftengröße( mindestens 1/2 Bogen) einzureichen. Friedberg, den 27. April 1904. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Spamer, Kreisamtmann. Bekanntmachung. Betr.: Entschädigung für infolge von Rotlauf gefallene oder getötete Schweine. Gemäß Art. 7 des Gesetzes vom 24. September 1900 und§ 11 der hierzu erlassenen Ausführungsanweisung vom 20. Oftober 1900 bringen wir hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß die vom Kreisausschuß ge= wählte Kommission die Preise, welche als Entschädigung für an Rotlauf gefallene oder wegen dieser Seuche getötete Schweine zu Grunde zu legen sind, mit Wirkung bom 1. Mai 1. s. ab, wie folgt, festgesetzt hat. Es werden angesetzt für: Die ersten 10 Kilogramm je 1.20 Mr. Das 11.- 20. 1." " " Das 21.- 40. 0.80 " " Das 41.- 60. 0.60 " " " 1 Jedes weitere 0.50 " " Gießen, den 2. Mai 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Hechler. Der Krieg in Oftalien. Immer klarer geht aus den eingelaufenen Berichten hervor, daß die Russen sich vom Jalu in schleuniger Flucht zurückgezogen haben. Die japanische Kavallerie und Infanterie folgten ihnen dicht auf den Fersen in der Richtung auf Föngh. wanghtscheng und sollen, was allerdings noch der Bestätigung bedarf, eine Menge Gefangene gemacht und Kanonen erbeutet haben. Troßdem fann nur immer wieder darauf hingewiesen werden, daß das Gefecht für die Japaner durchaus keinen großen strategischen Erfolg zu bedeuten hat. Die Russen konnten sich zurückziehen, da für die Verfolgung im großen Stil, die erst die Früchte der Schlachtenerfolge wirklich zu pflücken bermag, es den Japanern an der notwendigen Reiterei gebricht. Als Sammelpunkt und zweite Verteidigungsstellung für die Russen bietet sich Fönghwanghtscheng an der Straße vom Jalu nach Mukden, wo anscheinend bereits eine stärkere russische Abteilung gestanden hat. Es liegt 50 Kilometer nordwestlich von dem Fluß im Gebirge, das eine Reihe von Querriegeln nach Südwesten wirft, die nur an wenigen Stellen überschritten werden können. Die japanische 5. Division fand 1894 bei der Verfolgung der bei Kiulientschöng geschlagenen Chinesen ganz außerordentliche Hindernisse in dem Zustand der vielfach als steilwandige, schmale Einschnitte laufenden Wege. Verhältnismäßig schwache Kräfte vermögen die Pässe zu sperren, da auch umgehungen äußerst schwierig sind. Taktisch ist der Hauptgewinn, welchen die Japaner aus dem Sieg ziehen, die Eroberung der 28 Schnellfeuergeschütze, d. H. der gesamten Artillerie einer russischen Schüßendivision, vermutlich der dritten. Außerdem ist die Maschinengewehrabteilung des 9. Schüßenregiments verloren gegangen, die einzige, über welche das 3. Sibirische Armeekorps verfügte. Höchstwahrscheinlich hat die russische Artillerie sich, um den Rückzug der Infanterie zu decken, in eine sehr erponierte Lage bringen müssen. Bisher bestand schon eine große Ueberlegenheit der Japaner an Geschützen, die jetzt nun noch vermehrt ist. Während die Russen so am Jalu eine, wenn auch keineswegs entscheidende, so doch immerhin empfindliche Schlappe davongetragen haben, soll ein siegreiches Gefecht des russischen Wladiwostokkorps bei Gensan stattgefunden haben. Londoner Blätter melden darüber folgendes: 3006 Russen näherten sich am Sonntag Gensan; eine gleich starke japanische Streitmacht trat ihnen entgegen. Es entspann sich ein heftiges Gefecht, in welchem beide Parteien erhebliche Verluste erlitten. Die Japaner zogen sich schließlich nach Gensan zurück. Zwei hohe russische Offiziere wurden verwundet. In London nimmt man an, daß diese Meldung, falls sie den Tatsachen entspricht, sich auf die Operation der Kavallerie des Generals Rennenkampf bezieht, der einen Flankenangriff auf die Japaner beabsichtigt haben soll. Die Nachricht klingt, troßdem sie noch der offiziellen Betätigung bedarf, nicht unwahrscheinlich. Dagegen dürfte die folgende auf recht schwachen Füßen stehen, die von der Bernichtung japanischer Brander vor Port Arthur zu berichten weiß. In Petersburg verlautet aus Port Arthur, daß 8 japanische Brander und 2 Torpedoboote, als sie in der Nacht zum 3. Mai herankamen, um Minen zu legen, jämtlich in den Grund gebohrt wurden. Wenn etwas wahres an dem Gerücht ist, so werden doch sicher an den Ziffern beträchtliche Abzüge vorzunehmen sein. Die Politik. Eine Konferenz über Deutsch- Südwestafrika fand gestern beim Kaiser statt. An ihr nahmen der Reichskanzler, der Kriegsminister, der Generalstabschef v. Schlieffen und Kolonialdirektor Stuebel teil. Die Besprechung galt der Ausführung des von uns schon mitgeteilten Beschlusses des Kaisers, 1500 Mann nebst zwei Feldbatterien nach der Kolonie zu schicken. Die Karlsruher Kaiserrede gibt der politischen Welt des In- und Auslandes nach wie vor Anlaß zu allerhand Kombinationen über ihre Bedeutung. Neuerdings hat ein mit britischen Diplomatenkreisen Beziehungen unterhaltendes Londoner Blatt, der„ Sunday Special", eine eigenartige Deutung der Kaiserrede gegeben. Das Blatt schreibt: Der europäische Kontinent und selbst Rußland betrachteten zweifellos das englisch- französische Abkommen als das Mittel einer eventuellen Intervention zu gunsten Japans. Die Karlsruher Rede des deutschen Kaisers wird nun gedeutet, als habe der Kaiser dem Zaren versprochen, nicht nur jeder Intervention fernzubleiben, sondern auch, wenn nötig, einer von Rußland nicht gewünschten Intervention Widerstand zu leisten. Deutschland hoffe, dadurch eine Erweiterung des Kriegsschauplages zu verhindern und zu bewirken, daß beide kriegführende Mächte den Krieg allein ausfechten. Leider ist es nicht an dem, daß man in Rußland das englisch- französische Abkommen als mittelbar gegen das Zarenreich gerichtet ansähe. Und so töricht sind die Franzosen auch nicht, daß sie sich zu einer solchen antirussischen Aktion hergäben. Die richtige Deutung der Karlsruher Kaiserrede ist wohl die: Der Kaiser ist entschlossen, für den Fall, daß die Chinesen den Russen an der mandschurischen Grenze Schwierigkeiten machen, den Russen den Rücken zu decken und dafür später mit Zustimmung der Russen das deutsche Einflußgebiet in China über die ganze Provinz Schantung auszudehnen. Die dem Reichstage jegt zugegangene Vorlage über die Entlastung des Reichsgerichts bezweckt eine Einschränkung des Beschwerderechts und eine Hinauffezung der Höhe der Revisionssumme. Beschwerden in Armenrechtssachen sollen mit Rücksicht auf ihre soziale Bedeutung nach wie vor ohne Einschränkung zugelassen werden. Was die Erhöhung der Revisionssumme angeht, so schließt die neue Vorlage alle bermögensrechtlichen Streitigkeiten unter 2000 Mark ausnahmslos von der Revision aus. De Sachen zwischen 2000 Mark und 3000 Mark Wert sollen nur dann von der Revision ausgeschlossen werden, wenn zwei Instanzen vorher in der Sache dasselbe Urteil gefällt haben. Alle Sachen über 3000 Mark bleiben wie bisher unbedingt revisionsfähig. Ob dieser Weg zur Entlastung des Reichsgerichts sich bewähren wird, will uns noch zweifelhaft erscheinen. Der preußische Kultusminister hat eine neue Ferienordnung für die preußischen Volksschulen erlassen. Sie bezweckt eine Einschränkung der Zahl der schulfreien Tage. Als Norm für die jährliche Dauer der Ferien sett der Minister 70 Tage fest. In Gegenden, wo außer den allgemein anerfannten Fest- und Feiertagen noch besondere Feiertage be. gangen werden, wie Gelöbnistage oder die Tage des vierzigstündigen Gebets, sollen die eigentlichen Ferien möglichst um die Zahl dieser schulfreien Tage verkürzt werden. Die Schulfreiheit an Fahrmarktstagen soll möglichst beseitigt mer. den. Der Minister ordnet weiter an, daß die Weihnachts. ferien möglichst nicht eher als am Abend des 2. Januar be. endet werden sollen. Wegen der Verteilung und der Lage der für die Sommer- und Serbstferien bestimmten fecs Wochen bleibt es bezüglich der Städte mit höheren Zehranstalten bei der bisherigen Anordnung. Für die übrigen Schulorte hat die Verteilung der fraglichen Ferien auf die geeignetsten Sommer- und Herbstzeiten die örtlichen Bedürfnisse zu beachten. Sie ist daher auf dem Lande und in Landstädten vom Landrat und dem Kreisschulinspektor nach Anhörung der Ortsschulbehörden vorzunehmen. Es Fann auch gestattet werden, daß zur Berücksichtigung landwirtschaftlicher Bedürfnisse während der arbeitsreichen Sommermonate der gesamte Unterricht unter Einfügung an gemessener Pausen zwischen den einzelnen Lektionen- auf den Vormittag gelegt wird. Ob für Zeiten dringender wirtschaftlicher Arbeiten ausnahmsweise Halbtagsunterricht zugelassen werden darf, ist in jedem einzelnen Falle unter Berücksichtigung der obwaltenden besonderen Verhältnisse von der Schulaufsichtsbehörde zu entscheiden. Dabei ist jedoch Sorge zu tragen, daß die Kinder der Oberstufe während dieser Zeit mindestens drei Stunden täglich und auch nur an Vormittagen unterrichtet werden. Italien. Erst nachträglich wird bekannt, der Vatikan habe während der Anwesenheit des Präsidenten Loubet in Rom allen Nuntien in Europa eine heftige Protestnote gegen die neue schwere Beleidigung des Hauptes der katholischen Kirche gesandt, die darin liege, daß Loubet den Papst nicht aufgesucht habe. Die französische Regierung hat die Entgegennahme dieser Protestnote abgelehnt. Balkan- Staaten. König Peter von Serbien wird jetzt von den über ihre Kaltstellung verschnupften Königsmördern der Mitschuld an der Belgrader Mordtat geziehen. Mehrere Gesandten rieten dem König, anläßlich der Jahreswende seiner Thronbesteigung eine feierliche Seelenmesse für König Alexander abhalten zu lassen. Hierdurch würde das völlige Ende der Aera der Königsmörder vor Europa erwiesen werden. Aber Peter hat dazu keine rechte Lust; die Königsmörder, die jetzt behaupten, er habe, wenn auch indirekt, den Königsmord mit borbereitet, noch weiter zu reizen wagt er nicht. Offenbar fürchtet er, daß sie noch deutlicher werden. Und das könnte ihm vielleicht etwas kompromittieren... Türkei, Abdul Hamid, der Großherr, hat wieder einmal schwere Sorgen. Sein älterer Bruder Murad V., der vor ihm auf dem Thron der Türkenherrscher saß, liegt im Sterben. Das ließe die brüderliche Liebe Abdul Hamids wohl ziemlich gleichgültig, wenn der Sultan nicht fürchtete, Murads Tod Fönnte dessen zahlreichen Anhängern Veranlassung zu einer Kleinen Rebellion geben. Murad, der nach der Ermordung bon Abdul Aziz Sultan wurde, bald aber wegen angeblicher Geistesstörung seinem jüngeren Bruder Abdul Hamid Plak machen mußte, galt und gilt noch heute als ein Freund der in der Türkei weit verbreiteten jungtürkischen Reformbewegung. Daß aber die Reformer seinen Tod zum Anlaß eines Putsches nehmen sollten, ist kaum denkbar. Abdul Hamid aber trifft mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre, Vorsichtsmaßregeln, und auf den Straßen Konstantinopels wimmelt es nur so von Militärpatrouillen. Hof und Gesellschaft. In Gegenwart des Kaiserpaares und des Kronprinzen wurde im Berliner Tiergarten gestern das von Prof. Brütt geschaffene Jung- Wilhelm- Denkmal enthüllt. Das fräftige Aussehen des Kaisers, dessen Gesichtsfarbe stark gebräunt ist, rief allgemeine Freude hervor, wie auch schon am Abend vorher, als der Kaiser von Potsdam aus zu Pferde in Berlin einritt. Nach der Denkmalsenthüllung stattete er dem Reichskanzler Grafen Bülow einen Besuch ab und hörte dann Vorträge. Auf der kaiserlichen Besizung Schloß Urbille bei Curzel in Lothringen sind mehrere Fälle von Typhuserkrankungen festgestellt worden. Dadurch ist es zweifelhaft geworden, ob der geplante Besuch des Kaisers in Urville zur Ausführung kommen wird. Dagegen wird das Kaiserpaar am 14. d. M. der Denkmalsenthüllung in Osnabrück bei wohnen und am 15. nach dem Neuen Palais zurückkehren. Heer und flotte. Gine interessante Erinnerung an unsere Marine im Jahre 1870 bringt eine soeben erschienene Biographie des fürzlich verstorbenen Vizeadmirals Grafen Franz Waldersee. Es galt, für die deutsche Marine einen schnellen Dampfer anzufaufen, der als Torpedofahrzeug zu verwenden war. Im Inlande war ein solcher nicht zu beschaffen, und da die neutralen Staaten an die kriegführenden Mächte kein Kriegsinaterial liefern dürfen, mußte Kauf und Ueberführung eines Dampfers insgeheim geschehen. Dieses Auftrags entledigte er sich mit größtem Geschick und Erfolg. Zuerst ging er von Wilhelmshaven nach England. Dort stellte sich heraus, daß ein geeignetes Schiff nicht zu finden war; indessen wurde man cuf ein Fahrzeug in holländischem Besiz aufmerksam, das zu einem Blockadebrecher für den amerikanischen Krieg bestimint gewesen war. Mit dem Besitzer dieses Schiffes trat Waldersee als„ Mr. John Smith" in Verbindung, reiste nach Rotterdam und kaufte das Schiff für 12 500 Pfd. Sterl. Unter besonderen Schwierigkeiten wurden Lotsen und Mannschaften für die Fahrt nach London angeworben. Als die Maas verlassen war, glückte es Herrn Smith, den Kapitän zu einer Fahrt nach Delfzyl zu veranlassen, unter dem Vormande, daß er von seinen Leuten aus London dorthin bestellt jei. Mit Hilfe der Karten, die er bei sich führte, bestimmte Waldersee den Kurs in dem schwierigen Fahrwasser, dem da mtals natürlich alle Seezeichen fehlten. In der Ems begeg nete man einem preußischen Kanonenboot. Nachdem dieses angerufen und verständigt war, verwandelte sich Herr John Smith in einen deutschen Marineoffizier. Mit Hilfe der Mannschaft und in Begleitung des deutschen Kanonenbootes crreichte der neueste Zuwachs der Marine glücklich den Hafen von Emden. Aus dem bisherigen Heinrich Heister" wurde Ser deutsche Aviso„ Falke". Deutfcher Reichstag. ( 82. Sitzung.) CB Berlin, 3. Mai. Die heutige Sigung nahm einen sehr merkwürdigen Verlauf. Auf der Tagesordnung stand die Erledigung der Etatsreste, und man durfte eine nicht sehr aufregende finanztechnische Erörterung erwarten. Statt dessen wuchs sich die Diskussion zu leidenschaftlichen Anklagen aus, die die Vertreter der Rechten gegen die Regierung wegen ihrer Lässig. feit in den Maßnahmen zur infraftsegung des neuen Zolltarifs erhoben. Von der Linken wurden diese Anklagen in entsprechender Tonart, die zeitweise fast an die Kämpfe aus der Zeit der Zollobstruktion erinnerte, erwidert. Daß in dieser Debatte auch Anspielungen auf die zur selben Zeit im preußischen Abgeordnetenhause verhandelte Kanalaktion hin. einflangen, konnte nicht Wunder nehmen. Noch eigenartiger als die Tatsache, daß es zu dieser Auseinandersetzung kam, war die Veranlassung. Es handelte sich nämlich um die eigentlich rein budgetmäßige und rechnerische Frage, ob ein ungedeckter Ausgabebetrag des Reiches in Höhe von 17 Millionen durch eine Zuschußanleihe des Reiches oder durch Matrikularbeiträge aufgebracht werden soll. Man war sich nämlich im Grunde darüber einig, daß die aufsteigende wirtschaftliche Entwickelung die Einnahmen aus den Zöllen und Verbrauchssteuern derartig steigern wird, daß es weder einer solchen Zuschußanleihe noch der Steigerung der Matrikularbeiträge bedürfen würde. Aber die Konservativen und das Zentrum hatten den Beschluß, den Fehlbetrag des Reiches vorläufig zu Lasten der Einzelstaaten zu buchen, in der ausgesprochenen Absicht gefaßt, dem Bundesrate es zu Gemüte zu führen, daß er sich nicht ausreichend für die Kündigung der Handelsverträge bemüht habe. Die Abgg. Graf Schwerin, Gamp und v. Kardorff machten aus dieser Absicht, einen Druck auf die Regierungen der Einzelstaaten zu üben, fein Hehl. Gegen diesen Vorwurf legte nicht nur der Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel Verwahrung ein, sondern nacheinander nahmen- was das Eigenartige der Situation noch erhöhte die Vertreter Bayerns, Badens, Württembergs, Sachsen- Weimars das Wort, um die Not ihrer einzelstaatlichen Finanzen zu schildern und um Abänderung des Beschlusses der Budgetkommission zu bitten. Schließlich wurde, nachdem ein Duett zwischen dem Freisinnigen Gothein und dem Reichsparteiler Bamp zur Erheiterung des Hauses, wie schon so oft, beigetragen hatte, den Bitten der Regierungsvertreter die Erfüllung versagt. Preufsifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ( 65. Sigung.) RK Berlin, 3. Mai. Das Wort Kanalvorlage hat aus vergangener Zeit bei den Habitués des Parlaments noch einen guten Klang, 3 erweckt die Erinnerung an Konflikte und leidenschaftliche Debatten. Daher hatte denn auch heute die auf der Tages. ordnung stehende erste Beratung des Gesezentwurfes betreffend die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen bas Publikum in großer Anzahl auf die Tribünen des Abgeordnetenhauses gelockt. Aber es dauerte nicht lange, da entstanden Lücken, die größer und größer wurden. Die Herrschaften, die sich auf Besonderes gespigt hatten, brauchten nicht viel Zeit, um zu erkennen, daß sie nicht auf ihre Rechnung kommen würden. Graf Bülow, der sich kürzlich noch hatte mit seiner Berufung zum Kaiser entschuldigen lassen, blieb heute der Situng stillschweigend fern. Die Regierung will die Kanalvorlage als eine rein wirtschaftliche betrachtet wissen und deshalb übernahm ihre Vertretung nicht der Ministerpräsident, sondern der Ressortminister von Budde. Eine Ueberraschung gab es aber wenigstens Vor Eintritt in die Tagesordnung trat der Minister der öffentlichen Arbeiten noch der Legende ent gegen, daß die Dreimillionen- Nachtragsetats zum Besten der Eisenbahnarbeiter durch den Streif in Ungarn veranlaßt worden seien; er wies unter dem Beifall des Hauses aftenmäßig nach, daß sie schon vorbereitet wurden, als an jenen Aufstand noch nicht zu denken war. Dann schritt Herr v. Budde zur Begründung der Kanalvorlage. Er erörterte zunächst ausführlich und gründlich die Frage, ob im Zentrum der Eisenbahnen etwa die Wasserstraßen sich überlebt hätten. Er wies das Gegenteil nach und zeigte, wie sie zur Ergänzung der Schienenwege unter Umständen geradezu notwendig sind. Unter strenger Ausscheidung aller eigentlich politischen Anspielungen brachte er eine Fülle von Material bei, um die zu er weckenden Bedenken gegen das Gesez, insbesondere gegen ben Bau des Rhein- Hannover- Kanals, zu beschwichtigen. Dem Minister trat von den Gegnern zuerst Abg. Dr. A m Behnhoff( 3entr.), ein Rheinländer, gegenüber, der mit rheinischer Behaglichkeit und rheinischem Humor wiederholt starte Heiterfeit entfesselte und so seinen Betrachtungen den Stachel nahm, den die Gegner etwa darin hätten fühlen fönnen. Er konnte namens seiner Freunde eine Erklärung weder für noch gegen die jezige Kanalvorlage abgeben, aber das erhellte doch aus seiner ganzen Rede, daß das Zentrum ihr nicht so entschieden ablehnend gegenüberstehe als den früheren, die den ganzen Mittellandkanal enthielten. Wir werden wohlwollend prüfen und annehmen, was irgend annehmbar ist, darin ungefähr gipfelten seine Auslassungen. Und ähnlich klang es von den Lippen des konservativen Abg. Grafen Limburg- Stirum und des freikonservativen Abgeordneten Dr. Rewoldt. Die frühere förm liche Feindseligkeit gegen alles, was Kanalvorlage heißt, ist offenbar auch auf der Rechten geschwunden. Nab und fern. Die Pocken in Posen. Wie aus Schmiegel gemeldel wird, sind im Dorf Bronsko in der Familie eines Bergarbeiters, der vor etwa 4 Wochen aus Westfalen zurück gekehrt war, die schwarzen Pocken ausgebrochen. Bisher sind zwei Personen gestorben. Zwei andere Personen sind erfrankt. Die mit den Kranken in Berührung gekommenen Personen sind sämtlich isoliert. + Am Wirtshaustisch vom Blik erschlagen wurde der Würz. burger Student Bertram Andree. Er hatte mit fünf anderen wie er dem Korps Rhenania angehörigen Kommilitonen einen Ausflug nach Reichenberg gemacht, wobei sie in einem Gartenrestaurant von einem schweren Gewitter überrascht wurden. Ein Blizz schlug mitten in die fröhliche Tafelrunde hinein. Außer Andree, der sofort tot war, wurde noch der Student Freiherr v. Schirndenger schwer verlegt, die übrigen waren nur leicht betäubt. Ein schwerer Eisenbahnunfall ereignete sich auf der Strede Regensburg- Passau. Die Maschine eines Schnellzuges stürzte um, wobei der Heizer getötet und der Lokomotivführer schwer verwundet wurde. Von den Reisenden trug nur eine Frau leichte Verletzungen davon. Eine Brandstifterbande wurde in Fulda verhaftet. Sie besteht aus fünf Personen, darunter ein erst zwanzigjähriger Bürgerssohn, der gestanden hat, daß er bereits zweimal das Anwesen seines Vaters anzündete. Die Anarchistin als Nonne. Großes Aufsehen erregte die Verhaftung einer angeblichen Nonne in dem großen Staatsgefängnis zu Kingston im kanadischen Staate Ontario. Sie wurde abgefangen, als sie einen großen Beutel mit Dollarstücken den im Gefängnis ſizenden drei Anarchisten, welche seinerzeit das Stauwerk des Mellandkanals mit Dynamit zerstört hatten, überbringen wollte. Es stellte sich dann heraus, daß die Nonne eine Newyorker Anarchistin war, welche vor drei Monaten nach Quebek gekommen war und sich als angebliche Ordensschwester in ein dortiges Kloster eingeschlichen hatte. Als Nonne drängte sie sich dann zum Dienst in den Gefängnissen und kam endlich in die Strafanstalt zu Kingston, wo sie den dort internierten Anarchisten die Mittel zur Bestechung der Gefängniswärter überbringen wollte. Familientragödic. In Barmen spielte sich eine furcht bares Drama ab. Der Fabrikarbeiter Speiser drang in die Wohnung seiner Schwiegermutter ein und verwundete seine bon ihm geflüchtete Frau, die sich weigerte, zu ihm zurückzu. tehren, durch einen Revolverschuß schwer und seine Schwieger. mutter lebensgefährlich. Als Speiser dann seine Schwägerin gegenübertrat, tötete er sie und erschoß sich dann selbst. Katastrophe auf einem amerikanischen Kreuzer. Auf bem amerikanischen Kreuzer Nashville", der zur Zeit bei St. Louis auf dem Mississippi anfert, ereignete sich eine furcht. bare Katastrophe. Auf dem Oberdeck drängte sich eine solche Fülle von Besuchern zusammen, die das Schiff besichtigen wollten, daß das Deck zusammenbrach und 80 Personen ins Unterdeck hineinstürzten. Viele unter ihnen wurden schwei berwundet, einige tödlich. Aus dem Gerichtsfaal. § Wegen Giftmischerei erschienen der Kalfarbeiter Augus Schier und dessen Ehefrau vor dem Braunschweiger Schwurgericht. Die Anklage beschuldigt die Frau Schier, in das Essen der mit ihr eine gemeinsame Küche benußenden Eheleute Sorge fortgesezt Salz ure und Schnupftabak getan, und den Ehemann, diese Stoffe herbeigeschafft zu haben. Frau Sorge war körperlich so heruntergekommen, daß sie eine Klinik aufsuchen mußte. Seitdem die Angeklagten das Haus verlassen mußten, bekommt ihr das Essen wieder. § Der Vatermordprozeß Stolze in Göttingen endete mit der Verurteilung des Bergarbeiters Hermann Stolze wegen Totschlags zu 6 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Seine des Mordversuchs an ihrem Mann mitangeklagte Mutter wurde freigesprochen. Lokales. 4. Mai 1904. Der Großherzog übernahm das Protektorat über den Mainzer Ruderverein. * ** * Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 11, ausgegeben am 2. Mai, enthält u. A. die Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1904 genehmigten Umlagen der Kommunalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Alsfeld. ** Eine Wahlmännerversammlung in Friedberg, die sich mit der Mandatsniederlegung des Abg. Weith Niederwöllstadt beschäftigte, beschloß, den Rechtsanwalt WindeckerFriedberg aufzustellen. * ** Der Sonder- Ausschuß zur Prüfung der Wahlrechts- Vorlage trat heute unter Vorsiz des Geh. Regierungsrats Haas wieder zusammen. Sollte eine endgültige Einigung nicht zustande fommen, so dürfte der Zusammentritt des Plenums der Kammer überhaupt bis zum Herbste verschoben werden. * ** Professor D. Herrmann in Marburg wurde als Vertreter der deutschen Professoren beim Fest der deutschen Wissenschaft in Chicago von der dortigen Universität wie seine vier Mitdeputierten zum Dr. utriusque juris ernannt. P. A. Die Vorarbeiten für den Nationalen Gefangswettstreit in Gießen zu Pfingst.n schreiten rüftig vorwärts und werden in zahlreichen Beratungen der Einzelausschüsse und des geschäftsführenden Gesamtausschusses ständig gefördert. Alle Bauarbeiten sind vergeben, auch die Restaurants des Festplazes verpachtet worden. Die vier hiesigen großen Brauereien, sowie die Firmen Ihring- Lich und Melchior- Bußbach haben je eine Halle übernommen. Von der Errichtung eines Cafés hat man Abstand genommen, dagegen wird auch in der Festhalle Bier gegen mäßige Preise berabfolgt werden. Der Verkauf der Festpostkarten wurde der Firma Jung in Gießen übertragen. Besondere Schwierigteiten hat der Wohnungsausschuß zu bestehen, da ihm Räume zum Unterbringen unserer Gäste in noch nicht ge= nügender Anzahl zur Verfügung stehen. Hoffentlich wird der auch in unserem Blatte zum Abdruck gebrachte diesbezügliche Aufruf seine Wirkung nicht verfehlen. Eine für Wirte und Vereine wichtige Entscheidung Das Kgl. Kammergericht in Berlin hatte sich am 18. April mit dem Versammlungsrecht, resp. mit dem Eintritt der Polizeistunde bei Versammlungen zu beschäftigen. Anläßlich der Reichstagswahlbewegung im vorigen Jahre wurde im Dorfe Weidenhausen im Kreise Wezlar von einem Redakteur einer Versammlung abgehalten, zu der der Redakteur das betreffende Wirtslokal gemietet hatte. Der Polizeidiener Kuhl aus Großrechtenbach bot nun um 11 Uhr Feierabend und löste die Versammlung auf. Der Redakteur erhielt wegen Uebetretung der Polizeistunde einen Strafbefehl von 3 Mt. Die eingelegten Berufungen ans Schöffen- und Landgericht waren erfolglos, und auf die vom Angeklagten eingelegte Revision ans Oberlandesgericht wurde die Angelegenheit vor dem Kammergericht verhandelt. Das Urteil murde aufgehoben und die Sache behufs weiterer Beweisaufnahme ans Berufungsgericht zurückverwiesen. Es soll nämlich festgestellt werden, ob der betreffende Raum für diesen Abend gemietet war. Das Kammergericht nahm dies als wahr an und fällte folgende Entscheidung:„ Dann aber war der vermietete Raum für die Dauer des Mietvertrags nicht mehr eine Schantstube im Sinne des§ 365 Absatz 1 des Str.-G.-B., weil die Schantwirtin als die bisherige Inhaberin des Raumes das Verfügungsrecht darüber an den Angeklagten als den nunmehr Verfügungsberechtigten abgetreten hatte und hierdurch dem Raume die Eigenschaft einer öffentlichen Schankstätte entzogen war. Die in 1. und 2. Instanz aufgeworfene und dort mit Recht verneinte Frage, ob die von dem Angeklagten veran staltete Versammlung eine geschlossene Gesellschaft war, ist hier ohne Bedeutung, da nicht diese Versammlung, sondern eine Einzelperson( der Angeklagte) Mieter des Raumes gewesen sein soll. Hiernach mußte das auf einem Rechtsirrtum beruhende Berufungsurteil, wie geschehen, aufgehoben werden." Damit hat also das Kgl. Kammergericht im Prinzip entschieden, daß bei Versammlungen in einem gemieteten Lokale die Feierabendstunde erst mit Schluß der Versammlung durch den Mieter eintritt. + Von hessischen Behörden werden u. A. steckbrieflich verfolgt: Taglöhner Johann Dehmer aus Eberstadt wegen Strafvollstreckung, Schreinergeselle Heinrich Vogel aus Würzburg wegen Diebstahls vom Großh. Staatsanwalt und der Reisende Dstar Mahalet aus Bischofsheim wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt zu Gießen. * ** Die hessischen Bäckerinnungen, die in einen Verband geschlossen sind, hielten vorgestern in Mainz eine Delegiertenversammlung ab. Gestern tagte in Frankfurt eine Anzahl von Synodal- Abgeordneten aus dem Großherzogtum Hessen, der Provinz Hessen- Nassau und dem Konsistorialbezirk Frankfurt, um über einen Zusammenschluß der Evangelischen aller Landeskirchen Deutschlands zu beraten. Folgende Erklärung wurde zum Beschluß erhoben: Die Bersammlung ist der Ansicht, daß eine Organisation auf synodaler Grundlage geschaffen werden müsse, welche in ihrem Endziel das evangelische Deutschland umfaßt, und den Zweckt hat, die Interessen der evangelischen Kirche kraftvoll im öffentlichen Leben der Nation zur Geltung zu bringen, wobei eine Einbeziehung der freien Organisationen in jährlich wiederkehrenden Versammlungen in Aussicht zu nehmen ist. Der in der Versammlung gewählte geschäftsführende Ausschuß erhielt den Auftrag, zunächst die Synodalabgeordneten Westdeutschlands zu einer Versammlung im Herbst einzuladen, die dann den Zusammenschluß sämtlicher Synodalabgeordneten aus ganz Deutschland herbeiführen soll. Aerztestreit.] Am Tage, da in Gießen der Aerztekongreß für Psychiologie eröffnet wurde, so wird uns nachträglich mitgeteilt, tamen mit der Oberhessischen Bahn auch zwei Landbewohner aus der Gegend von Groß- Eichen auf Station Gießen an. Ueber die festliche Ausschmückung des Bahnhofes( die Feftleitung des Kongresses hatte dies sich nicht nehmen lassen) verwundert, fragt der Jüngere den Aelteren: Ei Chrischtoff, wois is dann eich hie los?" Der also Angeredete nimmt sein Pfeifchen aus dem Mund, drehte sich nach seinem Begleiter um und rauhnt ihm ins Ohr:„ Aertschtestroit" " *** Kurzes Eheglück! In Mandel bei Kreuznach fand am vergangenen Donnerstag, 28. April, die Trauung eines Ehepaares statt, am Freitag wurde die Frau Mutter und am Samstag retchte der Ehemann die Ehescheidungsklage ein. ** Lollar. Ein Jäger des Marburger Bataillons schoß sich am Samstag auf einer Jagdkommandoübung auf hiesiger Gemarkung mit seinem geladenen Gewehr einen Linger ab. A Grünberg, 4. Mai.( Eingesandt.) Vielleicht läßt sich die hiesige Stadtvertretung herbei, einen Saal für die Sammlung Grünberger Altertümer unentgeltlich herzugeben. Dieser Wunsch ist schon oft laut geworden, da eine ganze Anzahl solcher Altertümer, wie Bohrer, Schlüssel, Münzen 2c. vorhanden sind. So befindet sich z. B. der alte Zunftstiefel der alten Schuhmacherzunft aus dem Jahre 1745 im Befiße eines Grünberger Bürgers, ebenso die Zunfturkunde vom Landgrafen Ernst Ludwig und das Bunftschild. Die Einrichtung einer solchen Sammlung würde ohne große Kosten zu ermöglichen sein. X. Nidda, 2. Mai. Auf schreckliche Weise verunglückte gestern Vormittag der erst kürzlich eingetretene Provisor der Apotheke. Schon längere Zeit suchte er nach einem Pferd, um einmal auszureiten. Dieses Verlangen wurde ihm verschiedentlich abgeschlagen; endlich gab man seinem Drängen nach, und wollte er eine Tour uach Salzhausen machen. Obwohl gewarnt, nahm er einen Hund mit; durch diesen scheute das Pferd, machte einen Seitensprung und warf den Reiter ab, der mit dem Fuß im Büs gel hängen blieb und in das Feld geschleift wurde, wobei er verschiedene Huftritte erhalten haben muß, denn die Hirnschale war gebrochen. Ein vorüberfahrender Fuhrmann brachte ihn Ueberführung finnungslos d innere Berleg A Mi werks der Racht auf d von dem be Schlug auf i Toon Ruppert noch in der aft bor, der f ters wegen + Groß Surch die Forf brut eingefe ignet fich d mit Erlen Mit der E Ohm hat > Gl einen Gal wereine aus Die Anregun aus. Nächste lung im Saa iin welcher üb Unter t handlung ge Gießen unter Antla pregung, δι Magte bas Gu Ge 0000 S Ra ( für Fu Rute u Gfür Wa Dielen G Dachdi GDoppe TH 3 Nort Möbe Franzen, für Ferner: Bil Leiftungs Ia Ia etdung April Ein zu be gung Kreife halten, gemietet nbach mlung Bolizei en Bea olglos, Ober gericht Sache St 34 ob der Das lgende im für ube im bant Ver nmehr dem tzogen rt mit peran , ift nbern ge tsirr hoben ht im ge der tief Eber incid roßh. aus It zu ie in Mainz bon tum orial luß en zum ani üffe, um= ischen 7 zur freien ungen häftsSyno g im Licher foll der ung ahn chen Cung dies den und, ins fand eines und auf леп igt für gelt ben, et, .. Dem πίο Das rbe วน er brachte ihn zum Arzt und dieser ordnete seine sofortige Ueberführung zur Alinit nach Gießen an, wo er noch besinnungslos daniederliegt. Er hat wahrscheinlich noch andere innere Verlegungen davongetragen. Mücke, 2. Mai. Auf den Wächter des Dampffägewerks der„ Vogelsberger Holzindustrie" hier wurde in der Nacht auf den Sonntag ein Ueberfall ausgeführt. Ein Mann von dem benachbarten Merlau überfiel den Wächter und schlug auf ihn ein. Der Ueberfallene setzte die Gendarmerie bon Ruppertenrod telegraphisch in Kenntnis, worauf dieselbe noch in der Nacht den Täter feststellte. Es liegt ein Racheaft vor, der seine Beweggründe in einer Anzeige des Wächters wegen Holzdiebstahls hat. + Groß- Eichen, 2. Mai. In der Ilsbach wurde durch die Forstakademie zu Gießen in voriger Woche Forellenbrut eingesezt. Der von Höckersdorf kommende Ilsbach eignet sich durch sein Quellwasser, steiniges Wasserbett und mit Erlen beflanzte Ufer vorzüglich als Forellenbach. Mit der Einseßung von Forellenbrut in die benachbarte Ohm hat man die besten Ergebnisse zu verzeichnen. | > Gladenbach. In letzter Zeit taucht der Gedanke, einen Salzbödetal- Sängerbund für die Gesangvereine aus Gladenbach und Ümgegend zu gründen, auf. Die Anregung dazu geht vom Gesangverein Weidenhausen aus. Nächsten Sonntag, den 8. Mai, findet eine Versammlung im Saale des Herrn Bäulte( Weidenhausen) statt, in welcher über diese Angelegenheit beraten werden soll. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, den 3. Mai 1904. Unter teilweisem Deffentlichkeitsausschluß fand die Verhandlung gegen den Schneidermeister Heinrich Möller von Gießen wegen Sittlichkeitsverbrechen statt. Von zwei unter Anklage stehenden Fällen führte der eine zur Freisprechung, da nicht festgestellt werden konnte, daß der Angeflagte das Alter des Kindes gekannt hat. Bezüglich des - Deueste Nachrichten. + Der Krieg zwischen Rußland und Japan nimmt allem Anschein nach jetzt einen ernsteren Charakter an; Japan bemüht sich mit allen Mitteln, in den Besik von Port Arthur zu kommen. Die russischen Behörden erhielten gestern Nachmittag aus Port Arthur die Nachricht, daß Kraft auf die Hafeneinfahrt von Port Arthur losgeneun japanische Handelsschiffe mit äußerster dampft wären, mit der Absicht, die Hafeneinfahrt zu sperren. Sie wären durch die russischen Forts zum Sinten gebracht worden. Die Einfahrt sei frei. Nach einer und zwei Torpedo boote, als sie in der vergangenen anderen Nachricht wurden acht japanische Brander Nacht herankamen, um Minen zu legen, sämtlich in den Grund gebohrt. - andern Falles wurde auf 9 Monate Gefängnis und drei| geselle Ferdinand Furthner von Aurolzmünster wegen verJahre Ehrverlust erkannt. Die Ehefrau des Maurers schiedener Diebstähle, die er in Gießen zum Nachteile Heinrich Bind von Vilbel, eine vielbesuchte Karten- feiner Mitgefellen verübt, mit einer Gefängnisstrafe von 6 schlägerin, hatte sich wegen Betrugs zu verantworten. Sie Monaten belegt. hat eine Anzahl leichtgläubiger Frauen zu Vilbel um erhebliche Geldbeträge gebracht. Eine Mutter, die ihre Tochter gerne an einen reichen Mann verheiratet gesehen hätte, hat sie um 2-3000 Mt., abgesehen von den Kleidern und dem Weißzeug und somit um ihr ganzes Hab und Gut gebrach: ( Diese lettere als Zeugin geladen, blieb dem Termin fern; nach telephonischer Mitteilung aus Vilbel hat sie sich heute Nacht in der Nidder ertränkt.) Indem das Gericht die Leichtgläubigkeit der geschädigten Leute und das umfassende Geständnis der Angeklagten strafmildernd in Betracht zog, wurde auf 2 Jahre und 6 Monate Gefängnis, unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft, erkannt. Der frühere Schußmann aus Korsenz hat in den Gefängnissen zu Mühlhausen i. E. und Mannheim, sowie im Haftlokal zu Schliß nnd im Provinzialarresthaus zu Gießen sich eines ihm nicht zukommenden Namens bedient, wodurch bewirkt wurde, daß falsche Eintragungen in den Gefangenen= büchern vorgenommen wurden. Wegen intellektueller Urfundenfälschung wurde er dieserhalb zu 4 Bochen Gefängnis verurteilt. Wegen Angabe eines falschen Namens einem Gendarmen gegenüber wurde auf 14 Tage Haft erfannt und von der Anklage der Körperverlegung erfolgte mangels Beweis Freisprechung. Bei verschlossenen Türen wurde der noch jugendliche Bergwerksarbeiter Karl Hahn von Bernsfeld wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an einem Schulfinde, mit einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten belegt, worauf 14 Tage der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung kommen. Der Haftbefehl wurde aufgehoben und der Angeklagte in Freiheit gefeßt. Der Schuhmacher Johannes Diez von Wolf und dessen Schwester, Ehefrau Henkel, sind wegen Vergehens gegen§ 173,2 angeklagt. Das Gericht zog straferschwerend in Betracht, daß das Verhältniß nicht ohne Folgen blieb und verurteilte Dietz in eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten, während Frau Henkel mit 3 Monaten durchkam. Zum Schlusse wurde der Bäcker- - - Briefkasten. R. S. Grünberg. Ueber die in letter Gemeinderatssigung stattgefundene Debatte über Bewilligung von Gelände für die Grünberg- Licher Bahn berichten wir in den nächsten Tagen, wenn der Antrag dann formell mit auf der T.-D. gestanden hat. Da das letztere bisher nicht der Fall war, so betrachten wir diesen Antrag auch mehr als einen internen. Gruß! Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 5. Mai 1904. Windig, vorwiegend trüb, wenn auch zeitweise heiter, bei kälterer Nacht tagsüber etwas fühler, Regen besonders im Süden. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose. Gute Feldbrandsteine xxxxxxxxxx Geschäfts- Empfehlung. in kleineren und größeren Posten hat vom 20. Mai ab dauernd abzugeben Gewerkschaft Elisenburg, Grünberg Grube Stangenrod bei Lumda. Die Holzhandlung von Karl Schmierer, Grünberg empfiehlt Ia. schwedische Hobelbretter ( für Fußbodenbelag), 1 3oll start. glattkantig und mit Nute und Feder in Längen von 2,75-7 Mtr. Stabbord ( für Wandverkleidung) und Fuß- Sockel, sowie SchreinerDielen in verschiedenen Qualitäten und Dimensionen, Dachdielen" starke( Schachtelbretter), zöllige und Doppeldielen, sowie Dach- und Spalier- Latten zu äußerst billigen Preisen. Theodor Ming Vosamentenfabrik Ordentliche, zuverlässige und der Umgegend ergebenst mit, daß sie zu dem seitherigen Zeitungsträger Unterzeichnete teilen den Bewohnern Grünbergs für sofort gesucht. Zu melden in der Expedition d. Bl. XXXX Seltersweg 83. XXX Zimmergeschäft ein Dampffägewerk errichtet haben, und empfehlen sich im Lohnschnitt von Bauholz, Bohlen Brettern und Latten, sowie Brennholz Hilfe. luftod. Simerman pro Meter 50 Pfg; Ohne Fleiss keinen Preis Hamburg, Fichteftr. 33. AURORA Patentkummet der Deuzeit. Dreifacher Schutz. 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OOOGOGO0OGIGOGGO OGO Anzahl Losabschnitte: 1 1 1 1 2 4 8 Mark 28.-, 14.-, abzugeben. 7.—, 3.50 Wir weisen auf die auch in diesem Blatte öfters erscheinenden belehrenden Artikel über unsere Lotterie hin. Hochreuther& Töpelmann, amtlich bestellte Hauptkollektöre. Geschäftsstellen: Südanlage 5 und Steinstraße 92. Ernst Challier( Rudolphs Nachf.) Giessen. Special- Geschäft für Musikwaren aller Art. Grosse Auswahl, solide Preise. Illustrierte Preisverzeichnisse gratis und franko. Musikalien- Handlung und-Leihanstalt Spezialität: Billige Ausgaben. NAUMANNIA- SEIFE. mit dem Beste Seife nah undfern! £ I Nationaler Gesangswettstreit Gießen. An dem zu Pfingsten stattfindenden Gesangs= wettstreit werden etwa 2000 auswärtige Sänger teilnehmen, für die in der Stadt Unterkunft beschafft werden muß. Wir sind darauf angewiesen, an das schon oft betätigte Entgegenkommen der Einwohner nnserer Stadt zu appellieren und richten die freund liche Bitte an dieselben, uns durch gütige zahlreiche Ueberlassung von Quartieren in Brivathäusern Vorteilhaftes Angebot!| Direkter Bezug von der Fabrik für Private unter Ausfall d. Händleraufschlags! Die Fahrradfabrik ,, Schwalbe" Act.- Ges., gegründet 1896, Duisburg- Wanheimerort versendet zu Händler- Preisen ihre Fahrräder und Zubehörteile. Preisliste umsonst und portofrei. Zahnklinik Gießen, Bahnhofstraße 63. Wochentags 1-3 Uhr Unbemittelte unentgeltlich. Kleelamen, garantiert seidefrei, und Grassamen empfiehlt zu billigſten Breifen Robert Stuhl, Gießen, Neu ftadt 23. Mäntel schon zu ca. 4,20 Mk. GiessenerFischbaus Schläuche " 99" 2,80 99" 69.- ,, Cavalier Crême zu unterstützen. In den nächsten Tagen werden Mitglieder des für das Fest errichteten Wohnungsaus- la. Fahrräder schusses in den Häusern vorsprechen, um freundliche zustimmende Erklärungen entgegenzunehmen. Sollten geeignete Wohnräume nicht zur Verfügung stehen, dürfen wir wohl die weitere Bitte aussprechen, das Komitee durch Zuwendung von Geldbeträgen in den Stand zu setzen, anderweitig geeignete Unterkunft für die Festgäste beschaffen zu können. Liste ist in den Händen der Ausschußmitglieder; wir bitten, die Herren wohlwollend aufnehmen zu wollen. Der geschäftsführende Ausschuß. Eine Nationaler Gesangswettstreit Gießen 1904. Der Vertrieb der offiziellen Festpostkarten, owie der Plaz zur Errichtung eines Cigarrenstandes find zu vergeben. ist das beste Putzmittel für feineres schwarzes Lederwerk! Färbt nicht ab! Lässt keine Nässe durch und macht das alltägliche Putzen der Schuhe unnötig! In Dosen à 10 und 20 Pfennig überall vorrätig! Fabrik: Union Augsburg. Pelzwaren und Winterstoffe werden unter Garantie zur Aufbewahrung gegen Motten und Bewerber wollen Offerten bis zum 10. Mat ein- Fenerschaden angenommen. reichen. Afterweg 1. Täglich leb. frische Schellfische, Cabliau, sowie sämtliche Seefische Bekanntmachung. Die am 6. April I. Js. angeordnete Sperre der Marktstraße wird hiermit aufgehoben.. Gießen, den 2. Mai 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die Krofdorferstraße bis zum Gleibergerweg von Mittwoch, en 4. 1. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerksund Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, 3. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die von der Generalversammlung vom 30. d.Mts. gemigte Dividende mit 5 Projent in allen Preislagen. Sämtliche fa von heute ab bei uns in Empfang genommen Lahnfische, wie Hechte, Karpfen, Weißfische 2c. ftets leb. zu haben M. Simon. bei Prompter Versandt nach Auswärts. Brima Kartoffel Speise- u. Salatkartoffel zu den billigsten Tagespretsen empfiehlt J. Hankel Schloßgaffe Gießen. Prima Apfelwein empfiehlt stets frisch Deutscher Hof, Gießen, Neuentea. MAGGIS Georg Schultheis altbewährte Würze empfiehlt angelegentlichst Christian Der Musit-, Gesang- n. Bergnügungs- Ausschuß. Kürschner, Gießen, Marktstr. 3. Schönhals, Weserstrasse 1. A. Dickoré. Darmstädter Pferde- Lotterie. Pinsel Ziehung am 18. Mai.- 1 Los nur 1 Mt. ( Ziehungsliste und Porto 20 Pfg) 1 eleganter Wagen, Zweispänner mit 2 Pferden u. fompl. Geschirr im W. von ca. Mt. 6000. 1 Reitpferd m. Sattel u. Zaum, i. W. v. ca. Mt. 2000. 1 Stuh wagen mit 1 Pferd und Geschirr im Werte von ca. Mt. 1700. 17 Pferde oder Fohlen i. Gesamtwert v. Mt. 10300. 535 andere Gewinne im Gesamtw. v. Mr. 5000. Lose find zu beziehen durch: 2. F. Ohnacker, Lotteriebank, G.m.b.H. Darmstadt und alle Los verkauf8fteen. Emil Schön, Giessen Schreinerei mit Motorbetrieb. 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Vorschußz- Verein zu Grünberg eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Stammler. Ritter. Bekanntmachung. Möller. Die diesjährige Pferdemusterung für die Pferde der Stadt Grünberg wird Samstag, den 7. Mai 1. J., vormittags 9 Uhr, in der Nähe des Bahnhofes abgehalten. Die Aufstellung findet den laufendea Nummern nach in der Bahnhofstraße mit Nr. 1 bei Allendorf anfangend nach der Stadt zu statt. Jeder Pferdebesizer ist verpflichtet, seine sämtlichen Pferde zur Musterung zu gestellen mit Ausnahme: a. der unter 4 Jahre alten Pferde, b. der Hengste, c. der Stuten, die entweder hochtragend sind oder noch nicht länger als 14 Tage abgefohlt haben( als hochtragend find Stuten zu betrachten, deren Abfohlen innerhalb der nächsten 4 Wochen zu erwarten ist), d. der Vollblutstuten, die im Allgemeinen deutschen Gestütbuch oder den hierzu gehörigen offiziellen bom Unionklub geführten Listen eingetragen und von einem Vollbluthengst laut Deckschein belegt sind, auf Antrag des Besizers, e. der Pferde, welche auf beiden Augen blind sind, f. der Pferde, welche in Bergwerken dauernd unter Tag arbeiten. g. der Pferde, welche wegen Erkrankung nicht marschfähig sind oder wegen Ansteckungsgefahr den Stall nicht verlassen dürfen( in diesen Fällen ist tierärztliches Zeugnis vorzulegen), h. der Pferde, welche bei einer früheren Pferdemusterung als dauernd kriegsunbrauchbar bezeichnet worden sind, i. der Pferde unter 1,50 Meter Bandmaß. Von der Verpflichtung zur Vorführung ihrer Pferde sind ausgenommen: a. die aktiven Offiziere oder Sanitätsoffiziere bezüglich der von ihnen zum Dienstgebrauch gehaltenen Pferde. b. Beamte im Reichs- und Staatsdienst hinsichtlich der zum Dienstgebrauch, sowie Aerzte und Tierärzte hinsichtlich der zur Ausübung ihres Berufes am Tag der Musterung nnbedingt notwendigen Pferde, c. die Posthalter hinsichtlich derjenigen Pferdezahl, welche von ihnen zur Beförderung der Posten fon traftmäßig gehalten werden muß. Pferdehändler sind von der Vorführung ihrer Pferde nicht befreit. Unter besonderen Umständen, namentlich in dringenden Fällen fann Großh. Kreisamt Gießen Befreiung von der Vorführung eintreten lassen. Wir fordern hiernach sämtliche Pferdebesißer hiesiger Stadt auf, ihre Pferde in dem angegebenen Termin borzuführen, bezw. vorführen zu lassen und zu diesem wecke eine halbe Stunde vor Beginn der Musterung zur Stelle zu sein. Also präzis 8½ Uhr. Die Pferde sind gezäumt, im übrigen aber ohne Geschirr vorzuführen. Pferdebesizer, welche ihre geftellungspflichtigen Pferde nicht rechtzeitig oder vollzählig vorführen, haben außer der gesetzlichen Strafe bis zu 150 Mt. zu gewärtigen, daß auf ihre Kosten eine zwangsweise Herbeischaffung der nicht gestellten Pferde vorgenommen wird. Das Vorführen der Pferde durch Kinder oder durch alte gebrechliche Leute ist berboten. Insoweit bis zum Musterungstermin Veränderungen im Pferdebestand durch Zu- oder Abgang eintreten, hat der betreffende Pferdebesizer hiervon sofort auf dem Bürgermeisterei- Bureau Anzeige zu machen. Grünberg, den 2. Mai 1904, Großh. Bürgermeisterei Grünberg. 3immer. Bferchversteigerung Samstag, den 7. Mai 1904, nachmittags 5 Uhr. Grünberg, am 2. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. 3immer. Oftanlage 18 4 Zimmerwohnung( Mansarde) an ruhige Familie per sofort oder für Räder u. Motorräder August Schwab, Giessen. Grosses Lager sämtlicher ipäter zu vermieten. Plocktrasse 4, Zubehörteile billigst. H. W. Rina," Gießen Landgrafenstraße 3. Freibank. Fafelstierfleisch 50 Pfg. Das war nicht hübsch von Ihnen, Herr Affeffor!" begann fie thre hoch tariert!" und in zitternder ich habe Sie leise vibrierender Stimme. ch VALIS Mc. 66 Mittwoch, den 4 10205 1904. Sperre der n. Fuhrwerts on Mittwood, wird de Das war nicht hübsch von Ihnen, Herr Assessor!" begann sie ihre Philippika mit leise vibrierender Stimme. Ich ich habe Sie doch zu hoch taxiert!" Und in zitternder Erregung fuhr sie fort:„ Es mag hnen ja eine eitle Freude gewesen sein, mit einem scherzhaften und unbedachten Briefgeheimnis, in das Sie sich so unberechtigt eingedrängt, um es dann schnöde zu mißbrauchen, mich in eine so peinliche zu haben. Situation gebracht, und obendrein so hohnvoll mich düpiert Aber ritterlich und wie ein Edelmann gehandelt, war das nicht!" Und wie zwei blizende Tauperlen, so rann es ihr dabei plötzlich über das schmale, erblaßte Gesichtchen. Da, alter Erhard, war's um mich geschehen! Ich riß die schlanke Gestalt in meine Arme und küßte ihr die Tränen fort, und mußte doch meine ganze körperliche Kraft aufbieten, um meine widerspenstige Ilse zu zähmen; denn sie sie wehrte sich allen Ernstes mit einer ganz unglaublichen Bravour gegen den gewalttätigen Taugenichts und gegen den ach, doch so heißgeliebten Schatz! Nun, schließlich gab sie doch ermattet nach, denn dieser Taugenichts er blieb doch Sieger; und still, an seine Brust gelehnt, hörte sie, noch unter Tränen lächelnd, auf sein reumütiges Vergieb!" Und damit Schluß! Denn nun, mein alter Junge, weißt du ja, auf welche schlaue Manier ich alter Frechling zu meiner Ilse gekommen bin und alles weitere, bis auf die Tatsache, daß unsere allerliebste Freundin, die Frau Professor, wirklich in gelber Seide auf unserer Hochzeit weilte und sächlich. fürzlich Patin zu unserem Töchterchen geworden, ist nebenAber, mon cher ami, nochmals- die allerstrengste Diskretion! und denke an die schreckliche Drohung, die ich an den Mißbrauch des Vertrauens knüpfte! Du wärest sonst imstande, aus Sucht nach Stoff, uns literarisch auszubeuten, ja allerhand noch hinzuzudichten; denn Eure Schriftstellerei Pardon! ist schließlich doch nur Lügerei en gros! Historische Gegend. Auf burggekröntem Felsen stand Er mit der Liebsten Hand in Hand. Rings flammte und blühte der Frühlingstag; Ein Paradies vor ihnen lag. Er zeigte nieder auf ein Geheg: ,, Schau dort den alten Römerweg! Dort zogen des Varus' Legionen einher; Es klirrten die ehernen Rüstungen schwer. Und drüben, mein Lieb, im finster'n Wald, Da lag Armin im Hinterhalt. Und schau, wo die vielen Türme steh'n, Ist später noch ein Großes gescheh'n. Dort ward nach dreißigjährigem Krieg Besiegelt des Friedens erster Sieg. Fürwahr, man blickt von diesem Stein Weit in die Weltgeschichte hinein!" Das Mädchen schaut ihn lächelnd an: " Ich weiß noch mehr, viellieber Mann. Mit allem, was du mir jetzt erzählt, Hab' ich mich schon in der Schule gequält. Doch was für mich das wichtigste ist- Daran die Weltgeschichte bergißt: - Vor dritthalb Monden im Talgrund hier Bekam ich den ersten Auß von dir." इ 7 WITZ CND HUMOR Gedankensplitter. Wenn manche es wüßte, Wie mancher vergißt, Hätt' manche twohl manchen Manchmal nicht gefüßt. * Die Liebe, sagt man, wäre blind; Ich will den Satz nicht ganz bestreiten; Doch wo die meisten Taler sind, Sah sie recht gut zu allen Zeiten. Einfachstes Mittel. Weißt du, das Fräulein X. mag ich auf den Tod nicht leiden. Der könnte ich wirklich einen rechten Schaber: nack spielen."- Heirate sie doch!" Leicht abgeholfen. Hausfrau:„ Rieke, wir brauchen zum Umzug herbekommen?" vier bis fünf kräftige Männer, wissen Sie keinen Rat, wo wir die Dienstmädchen: Gnädige Frau, ich werde es einem oder dem anderen von meinen Schätzen sagen." Gute Empfehlung. Ein Bohner bietet ciner Dame seine Dienste zum Bohnen der Fußböden an. ,, Haben Sie gute Zeugnisse auf: zuweisen?" fragt die Dame des Hauses." Zu Befehl, gnädige Frau, belieben Sie sich nur an meine frühere Stelle zu wenden. Ich habe da das ganze Haus gebohnt die Fußböden und Trepper spiegelten nur so. Binnen Jahresfrist haben dort nicht weniger als sieben Personen den Arm oder das Bein gebrochen Abgetrumpft. Eine der beliebtesten Naiven des deutschen Theaters, die mit schwärmerischen Gedichten enthusiastischer Verehrer im Ueberma beglückt wird, erhielt vor einiger Zeit eine poetische Liebeserklärung eines Gymnasiasten. Der schwärmerische Jüngling bat die Dame um ihr Bild und um eine umgehende postlagernde Antwort. Die berühmte Naive ist aber eine ebenso gute Schauspielerin wie Gattin, und da sie in glücklicher Ehe lebt, so diktierte sie ihrem Manne die rechte Antwort auf diese Liebeserklärung des Jünglings. Der Brief, den der Romeo auf der Sekundanerbank auf dem Postamt unter der angegebenen Chiffre entgegennahm, war von dem Gatten der Künstlerin unterschrieben und lautete wie folgt: Mein junger Herr! Da meine Frau gerade im Begriff ist, ihr jüngstes Kind ein allerliebstes Mädchen in die Windeln zu legen, so be: auftragt sie mich mit der Antwort und sendet Ihnen mein Bild als das teuerste, was sie besitzt. Was die Photographie meiner Frau anbetrifft, so finden Sie dieselbe bei dem Photographen H. Gleichzeitig teile ich Ihnen mit, daß dieser wackere Künstler seine Photographien viel billiger läßt, wenn man sie gleich zu Dutzenden fauft. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst u. s. wv. Sein Himmel. Du bist mein Himmel, kleine Frau Natürlich, denn dein Aug' ist blau, Und auf den frischen Wangen loh't Dir stets ein schimmernd Morgenrot. Auch fehlt dir's nicht an Strichgewittern, Wo Donner rollen, Blize splittern; Doch wird davor mir niemals bange: Sie dauern ja zum Glück nicht lange; Und wenn dann deiner Augen Licht Sich in den reinsten Tropfen bricht, So fommt für mich heraufgezogen Der allerschönste Regenbogen. Sprachliche Verwandtschaft.„ Wie ist es der Frau X. nur möglich, so großen Pomp zu machen?"" Je nun, weil ihr Mann so großen Pump macht." - Sehr ähnlich. Photograph: Ihr Herr Sohn, der Studiosus, hat sich vor längerer Zeit ein halbes Dubend Kabinettphotographien anfertigen lassen. Hier hab' ich zufällig einen Probeabzug. Nicht wahr, das Bild sieht ihm sehr ähnlich; aber junge Herr hat die Sachen bis heut noch nicht bezahlt!" " Hm,... sieht ihm auch sehr ähnlich!" - der Vater: Nr. 99 Mittwoch, den 4 Mai. Oberhessische 1904. Tägliche Unterhaltungs- Beilage Familienzeitung. car Gießener Neueste Nachrichten. md u Berlag ber Opener Beringsbenderet, vorm. Bih. Roller'ide Dubradeset( ggs. 1783); var: Ibis Rietm ( 8. Fortsetzung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmon. ,, Ein köstlicher Gedanke!" lachte die Mama.„ Du- und ein armer Schulmeister!" Jezt stampfte Alma heftig mit dem Fuß auf, warf ihrer Mutter einen wütenden Blick zu und schrie: ,, Und nun gerade! Ja, ja, heiraten will ich ihn! Gerade heiraten! Dir zum Aerger erst recht! Und nachher wird er Schulrat, und wir lachen dich aus! Ein Schulrat ist doch viel mehr als so ein lumpiger Kommerzienrat, der bloß Geld hat und weiter gar nichts!" Die Mutter rang fassungslos die Hände. ,, Alma, du beleidigst deinen Vater!" ſtöhnte sie. Uebrigens würde Papa natürlich nie seine Einwilligung geben." " Papa?" lachte Alma spöttisch. Als ob er etwas zu sagen hätte! Hast du ihn denn je gefragt, wenn dir etwas paßte?" „ Kind! Und so sprichst du von deinem gütigen Vater!?"... Warum ist er auch bloß gütig und weiter nichts? Wagerade so mit ihm!" rum iſt er nicht ein bißchen forscher? Und du machst es doch sch bin seine Frau" Und ich bin seine Tochter und will Schulrätin werden! Es paßt mir nun einmal so." Jett stampfte die Kommerzienrätin genau so mit dem Fuß auf wie vorher ihre Tochter und rief: hungrigen Schulmeister!" Närrisch bist du, närrisch, komplet närrisch! Einen Wenn dein Mann nur so aussähe und so wäre! Er ist noch „ Na, weißt du, hungrig sieht er wahrhaftig nicht aus! Duelle! Und dann noch die Integralrechnung die ist nämviel forscher als der Vodungen. Denke doch nur an seine lich furchtbar schwer. Die würde nicht einmal Herr von Bodungen kapieren und Papa schon gar nicht." ,, Alma, schone deinen Vater!" Na ja, aber und Differentialrechnung! Denke dir doch, Papa und Differentialrechnung!" ,, Ach was, das sind brotlose Künste! Papa verdient zehnmal mehr mit bloßem Addiren und Multiplizieren. Ich nehme an, daß du mit deinen Kindereien jetzt zu Ende bist und Vernunft annehmen wirst. Ich denke auch, der Herr Schullehrer wird schon selbst verständiger sein als du. Was fangen?" sollte er auch mit einem so dummen Ding, wie du bist, anMit diesen Worten rauschte sie, sich kurz umwendend, hinaus, und Alma blieb nochmals allein in dem großen Saal. Jetzt trampelte sie mit beiden hübschen Füßen auf dem kostbaren Parketboden herum und rief: Und ich heirat' ihn doch! Ich heirat' ihn doch! Ich heirat' ihn doch!" Da klingelte es draußen. Der erste Gast war da. Es war Herr von Bodungen. Ein schöner, hochgewachsener Offizier von sicherem Auftreten und eleganten Bewegungen. Sein Gesicht hatte etwas Herrisches, aus seinen Augen sprach zuweilen ein trotziges Begehren. Die Kommerzienrätin führte ihn herein. " Ich bin so glücklich, gnädiges Fräulein, früher zu " ommen, als ich gehofft hatte; ich kann also meine Bitte um ( Nachdruck verboten.) I 11 den Cotillon persönlich wiederholen." ,, Bedauere, Herr Premierleutnant, bin schon versagt.' ,,, abscheulich also doch schon zu spät gekommen! Loses iſt?" Darf man fragen, wer der glückliche Gewinner des großen " Fragen dürfen Sie," sagte sie schnippisch, ob Sie aber eine Antwort bekommen, steht auf einem andern Blatt." Die Mutter warf ihr einen mild verweisenden, halb bittenden Blick zu. " Ich verdiente die Strafe, gnädige Frau," sagte Herr von Bodungen lächelnd. Wie kann man auch so naseweis fragen? Gnädiges Fräulein ist in ihrem Recht! Gnädiges Fräulein, welchen Tanz bewilligen Sie mir als Zeichen Ihrer Vergebung?" Welchen Sie wollen mir ganz gleichgiltig.". Darf ich Quadrille bitten?" " Mir auch. Jeder Tanz mit Ihnen ist gleich schön. Meinetwegen." " Sie reichte ihm die Tanzkarte. Er sah, daß für den Cotillon noch kein Name notiert war. Bedauerte gestern unendlich," sagte er,„ nicht bei Schünemanns sein zu können war beim Oberst- wußte, daß Sie dort waren oder nicht?" ,, Natürlich. Also Sie waren nicht da?" Meines Wissens nicht! Gnädiges Fräulein sind heute mehr boshaft als wahrheitsliebend. ,, Und Sie mehr wahrheitsliebend als boshaft. Aber Sie unterschätzen sich: daß sich auch Ihre Abwesenheit mir so bemerkbar machen sollte als Ihre Anwesenheit- nein, so schlimmm sind Sie wirklich doch nicht!" „ Alma! Alma!" rief die Frau Kommerzienrat entsetzt. Herr von Bodungen machte ein verblüfftes Gesicht; diese Grobheit ging denn doch über allen Spaß. ,, Unter diesen Umständen verzichte ich freilich wohl besser auf meine Quadrille," sagte er, sich verbeugend. ,, Schade!" lachte Alma. ,, Sie spotten! Warum schade?" Sie tanzen so gut." ,, Wie gnädig, an mir eine gute Eigenschaft anzuerkennen!" jedem." ,, Nun, irgend etwas Gutes findet sich am Ende bei „ Danke verbindlichst! Und irgend etwas Böses scheint es, auch bei der reizendsten jungen Dame." " ,, Sie tun also jedenfalls flüger, mich nicht aus zu großer Nähe kennen lernen zu wollen; bei nicht so naher Bekanntſchaft bin ich liebenswürdiger, ich verspreche es Ihnen. boshaft ,, Diesmal sind Sie, fürchte ich, so wahrheitsliebend als auf eigene Kosten. Ein Glück aber, daß Sie selbst diese Aeußerung machten, nicht ein anderer über Sie; er bekäme es mit mir zu tun." ,, Ach, wirklich, würden Sie ihm eine Grobheit sagen?" „ Allerdings eine einzige. Und die würde genügen." ,, Sie würden ihn fordern?" " Jeden, der Ihnen jemals zu nahe treten sollte, mein gnädiges Fräulein. ,, Dann schießen Sie sich nur zuerst mit meiner Mama; Dedihein be n eingetragen en offiziellen nen deutschen erwarten if), ren Abfohlen ind oder no en( als bod auernd unter n blind find, ift tierärzthr den Stall nicht marsch hnet worden demusterung B. ihrer Pferde efreiung bon in dringennicht befreit. Bferdehändler Boften fon digen Pferde, Pferdezahl, Berufes am ind Tierärzte it hinsichtlich Itenen Pferde tere bezüglich Uhr. aber ohne er Muster zu diesem nen Termin fiber hiesiger beifchaffung gewärtigen, haben außer htigen Pferde rd. r oder durch t auf dem ntreten, hat ränderungen 48 5 Uhr. berg. ant. 50 Big för δας ihr frü die macht mitunter Versuche, mir widerwärtige Dinge zuzumuten; so noch vor einer Viertelstunde! Fragen Sie fie nur!" ,, Rassen Sie das ungezogene Kind, lieber Herr von Bodungen," fiel die Kommerzienrätin verlegen und hastig ein, ..sie ist heute völlig ungenießbar, wie Sie sehen. Uebrigens habe ich ihr zur Strafe heute einen Schulmeister bestellt, der sie zur Raison bringen soll; Sie werden sich vortrefflich amisieren, zu sehen, wie gehorsam und demütig sie dann sein fann." Ein Schullehrer, ein gewisser Herr Belling," erläuterte die Mutter. " Ah, Iwan der Schreckliche!" rief der Premierleutnant. ,, Bin begierig, den Herrn kennen zu lernen, habe viel von ihm gehört, soll ein merkwürdiger Mensch sein, höchst schneidig, brillanter Schüße, wütender Draufgänger wird aber hoffentlich gegen gnädiges Fräulein nicht mehr den Schulmeister herauszukehren wagen, sonst Werde ich mich selbst zu schützen wissen," sagte Alma fühl. Als sie sein herausforderndes und hochmütiges Gesicht sah, erschraf sie einen Augenblick; dann aber drehte sie sich ruhig ab und murmelte:„ Herr Doktor Belling schießt ja viel besser!" Nun kamen auch andere Gäste, und der Saal füllte sich langsam mit buntfarbigen Kleidern, wehenden Locken und Frackschößen, weißen Schultern und Armen, blizenden Diamanten und Uniformknöpfen, mit Schärpen, Sträußen, Handschuhen, Batisttaschentüchern, Fächern, Riechfläschchen, Orden und Ordensbändern, weißen Kravatten, Haarbürsten, Handspiegeln, Brillen und Kneifern, Lackstiefeln und Klapphüten, blizenden Augen und Busennadeln, mit Schleppen, Einschnürungen und Auswüchsen und vielen anderen Zeichen menschlicher Fröhlichkeit. Alma war nun vollauf beschäftigt, alles zu empfangen und zu begrüßen. Endlich trat auch Doktor Gotthold Belling herein. Er fah furchtbar prächtig" aus. Sein Haar und Bart wallten feierlich wie eine Amtstracht, seine große, knochige Gestalt überragte alle anderen und hob sich von den buntjackigen, leichthüpfigen Husarenoffizieren in düsterer Würde ab. Alma näherte sich ihm jezt langsam und ängstlich. Er sah sie noch nicht, er war von dem Glanz geblendet und etwas verwirrt. Der eigentümliche Ballduft, der schon den Saal zu durchwehen begann, gemischt aus zahllos verschiedenen Wohlgerüchen und Halbwohlgerüchen, betäubte seine ungewohnten Sinne und erregte ihm eine unbehagliche Beklem mung. Dies ängstliche Gefühl ließ ihn sehr grimmig aus sehen, am grimmigsten, als er Alma erblickte. Denn ihre zierlich feste Gestalt, die sich in dem verwirrenden Menschengewühl so frei und sicher bewegte, hierhin und dorthin lächelte und nickte, den Fächer graziös auf- und zuklappte, übermütig tänzelte und wippte, diese entzückende Lichtgestalt mit den festlich aufgeregten Augen im reichen Ballschmuck, mit entblößten Schultern und flatternden Locken, die erschien ihm so fremdartig schön wie ein jäh aufgeflammtes Nordlicht, berführerisch anziehend zugleich und in glänzender Unnahbarkeit. In dem heiteren Selbstbewußtsein, das ihr der Spiegel eingehaucht hatte, trat sie auf ihn zu. Doch als sie seine finstere Miene erblickte, erschrak sie und ward wieder ganz klein und schüchtern wie ein Schulmädchen. Unwillkürlich tastete sie mit der Hand nach dem Kopf. weh," dachte sie, meine Frisur gefällt ihm nicht. Wie schändlich! Und ich fand sie so hübsch!" Er begrüßte sie mit steifer Herablassung, um so steifer, als es ihm unnatürlich dünkte, sich körperlich zu der hinabbeugen zu müssen, die wie ein Stern über ihm hätte stehen müssen. So ängstigten sie sich beide und fanden wenig Worte. Alma hielt ihm ihre Tanzkarte lockend vor die Augen, doch er schien nichts zu sehen. Wollen Sie nicht mit mir tanzen?" fragte sie endlich berlegen. „ Wenn Sie gestatten, Fräulein A-, Fräulein Kommerz, gnädiges Fräulein, sehr gern." Sie reichte ihm die Tanzkarte, die er umständlich studierte, als wenn sie ein noch nie gelöstes arithmetisches Problem enthielte. Sie haben nur noch den Cotillon frei," brachte er endlich ils Resultat seiner Berechnungen heraus und wollte ihr das Rärtchen zurückgeben. ,, Nun ja," sagte sie zaghaft ,,, wollen Sie den nicht mit mir tanzen?" ch?" fragte er ganz erstaunt, als wenn sie ihm ein Ministerportefeuille angeboten hätte. Sie erschrak.„ Himmel," dachte sie ,,,, er will gar nicht! Ich bin ihm zu jung! Oho, dann wird er wohl Fräulein Leinemann zum Cotillon führen wollen!" trotte sie in sich selbst. Das heißt", stotterte sie, wenn Sie keine Lust haben, natürlich nicht; wenn ich Ihnen zu unbedeutend bin- Herr Premierleutnant von Bodungen bat sehr um den Cotillon aber ich hoffte" Jetzt endlich begriff er. ,,, o, o," rief er, aber ich bitte Sie- ich darf- wenn Sie erlauben- ich konnte nicht denken, daß ich gerade - ich tanze aber nur schlecht- Er sah in seiner Verlegenheit so wütend aus, daß Alma abermals betrübt ihre Frisur betrachtete und sich unendlich geehrt fühlte, den Cotillon doch noch von ihm bewilligt zu bekommen. Ich habe übrigens Ihre verehrten Eltern noch nicht begrüßt," sagte er. Ihren Herrn Vater konnte ich nicht finden, und Ihre Frau Mama sah mich nicht, obgleich ich sie war so sehr in Anspruch genommmen ,, Ach, kümmern Sie sich um Mama nicht," entgegnete sie eifrig; die hat ihre kurzsichtigen Stunden- ihre Mucken meine ich Launen meine ich wenn man sich darum scheren wollte, hätte man viel zu tun. Und Papa Gott, Papa ist bei solchen Gelegenheiten überhaupt das fünfte Rad am Wagen. Ach, sehen Sie, aber da ist Fräulein Leinemann gekommen; die gute alte Schraube, was wird die heute wieder für Sanfimut flöten" Der Doktor blickte sie ernstlich erstaunt an. Sie fuhr ein wenig zusammen.„ Au," dachte sie,„ da hab' ich mich ' mal wieder verplappert!" ,, Seien Sie nicht böse," sagte sie demütig, wenn ich so rede. Man gewöhnt sich so etwas von den vielen Leutnants an. Ja, und was kann ich schließlich dafür, wenn ich vor jemand feinen Respekt habe!" platte sie auf einmal halb troßig heraus. Ich bitte Sie, Fräulein Alma," sagte er in stark schulmeisterlichem Tone, eine so hochverdiente Dame wie Fräulein Leinemann, die bei jedermann der höchsten Achtung genieẞt=" ,, Ach ja, ich weiß schon," unterbrach sie ihn kleinlaut ,,, die genießt Papa auch natürlich, bei mir auch aber Achtung, Achtung, das klingt so langweilig und ich wickle ihn mir darum doch um den Finger was hilft das alles? Furcht habe ich noch nie vor ihm gehabt." ,, Muß man denn fürchten, um Respekt zu haben?" fragte er mit etwas unsicherem Ton. Ich weiß nicht," versetzte sie, leicht errrötend ,,, aber ich glaube fast ich wenigstens man fann sogar, glaube ich, jemand erst richtig lieben, wenn man Furcht vor ihm hat." Er schwieg etwas betroffen. Sie wich scheu seinem Blick aus. Da wandelte Fräulein Leinmann heran und begrüßte die beiden. Sie war entzückt, ihren Lehrer und ihre einstige Schülerin so mit einander fraternisieren zu sehen. Alma aber benützte die Gelegenheit, um zu entschlüpfen; auf die Länge ward ihr das Gespräch mit dem fünftigen Schulrat zu streng und beänstigend; doch warf sie im Abgehen auf ihn einen Blick voll furchtsamer Verehrung, der ihn mit einem merkwürdig angenehmen Schauder überrieselte. Fräulein Leinemann hängte sich mit sanfter Energie an seinen Arm und ließ ihn nicht mehr los, sondern führte ihn im Triumph den Saaal auf und nieder, stolz umherblickend, als wollte sie aller Welt zurufen:„ Seht, das ist mein Lehrer!" So mußte er lange Zeit hindurch Leid und Lust der Geselligkeit mit ihr gemeinsam tragen. Doch war ihm das im Anfang nicht unlieb, denn seine Beklommenheit war nicht geringer geworden, er bedurfte einer Stüße. Noch war die ungemütliche Periode jeder deutschen Hausgesellschaft nicht vorüber, wo man sich mit Teetassen in den behandschuhten Händen unklar hin und her schiebt, von Zeit zu Zeit ein Küchelchen knabbernd, um damit wieder über einige Minuten hinwegzukommen, und wo die Hauptunterhaltung darin besteht, daß die Damen ihre Fächer und die Herren ihre Klapphüte oder Kneifer allerhand abenteuerlich wippende und kreisende Bewegungen ausführen lassen und dabei mit dem Bruſtton der Ueberzeugung unermüdlich den denkwürdigen Satz repetieren, das Wetter sei in diesem Jahr vollkommen abnorm. ( Fortsetzuna folat.)- Durchs Leben helfen zwei Zauberworte, Sie öffnen zu jeglichem Glücke die Pforte; " Ich will!" ist der Schlüssel, aber„ Ich kann!" Ist nnentbehrlich als Bart daran. Du forschest oft nach Geist und seinen Gaben Und klagst ob der Enttäuschung des Versuchs? Getrost nur! Einen gibt's, den alle haben, Und dieser ist der Geist des Widerspruchs. - Wie Hans zu seiner Ilse kam. ( Schluß.) Novelle von A. Wald. ( Nachdruck verboten.)) Und wirklich vergingen beinahe zwei volle Wochen, so daß ich doch noch Zeit behielt, mit der Eroberung immer fühner vorzugehen, eh' sich der Horizont durch feindliche Elemente verdüstern sollte. Denn fast an jedem Morgen ging ich auf den Elfenrain, und wenn ich leer nach Hause kam, dann meinte der Alte schadenfroh:" Ja, ja, Assessor, ich sagte schon: ein ganz gerisiener Kerl!" Ja, es war ein ganz gerissener Kerl! Ich bekam ihn eben niemals schußgerecht, und mein Weidmanns- Renommee war demnach wohl etwas unverdient! Nun, dafür arbeitete ich inzwischen ganz bedeutend an meiner Bildung weiter; ist studierte eifrig Herzpsychologie und bildete noch obendrein mich als Palettenhalter und Amanuensis in der Malkunst aus. Da als ich an einem wundervollen Junimorgen mich wieder auf den Elfenrain begab, kroch ich urplötzlich scheu und schuldbewußt in mir zusammen, so ähnlich wie mein alter Hektor, als er auf der Jagd einst einen Hasen angeschnitten. Ich sah nämlich schon von weitem, daß die Katastrophe eingetreten und die Stunde der Entscheidung nahte; denn Fräulein Ilse saß zwar wie gewöhnlich auf ihrem alten Plate, doch nicht wie sonst, friedliche Rehe malend nein, einen Brief studierend, und in der Hand ein ganz zerknülltes Taschentuch, das also scheinbar schon recht tüchtig in Aktion getreten war. Da sank ich denn moralisch noch ein wenig mehr zu sammen, trat aber dennoch mit möglichst unbefangener Miene vor sie hin, die sich erschreckt bemühte, den Brief und die Zornestränen zu verbergen. Ich aber gab ihr kein Pardon; sie mußte heraus mit ihrem Kummer. " So eine schamlose Infamie!" begann ſie. Sie sei ganz außer sich darüber. Irgend so ein„ elender Patron" ,, oh weh!" schaltete ich im Geist ein habe sich die niederträchtige und geschmacklose Unverschämtheit herausgenommen und mit seiner ruchlosen Hand ihrem verloren gegangenen Brief eine ganz schändliche Ergänzung hinzugefügt, und die noch weit größere Frechheit dann begangen, das Schreiben in dieser Gestalt an seine Adresse abzuschicken. Denn nur so sei die Sache aus der ganz abstrus klingenden Briefantwort der Freundin ihr erklärlich. Schließlich nach vielem hin und her, wurde ich, als Ehrenmann, denn ins Vertrauen gezogen und in die schändlichen Details eingeweiht; denn die Frau Professor, die offenbar nicht recht gewußt, als was die Sache aufzufassen, hatte beinahe wörtlich das gefälschte Postskriptum wiedergegeben und se gefragt, ob bei ihrem ausgeprägten Schönheitssinn die Geschmacksverirrung wirklich ernst zu nehmen sei. Es wär' doch wohl nur Scherz gewesen. Allerdings sei in der Che der Charakter ja die Hauptsache aber Ilse möge sich die Sache lieber doch noch reiflich überlegen! " Unglaublich! So ein rothaariges Subjekt!" sekundierte ich. Na die Frau, die den mal kriegt, die kann sich gratulieren! Das muß ja eine Ausgeburt, ein selten schönes Exemplar von Häßlichkeit und Frechheit ſein- sofern die Personalien wirklich stimmen! Uebrigens gibt's doch noch eine schwache Möglichkeit, das Ungeheuer zur Verantwortung zu ziehen, nämlich für den Fall, daß er von traendwo aus in der Ferne wirklich die Unverschämtheit haben sollte, sein liebliches Konterfei an ihre Freundin ein zuschicken. Vielleicht ist er, mie's bei den Verbrechern häu figer vorkommt, nicht nur sehr frech, sondern gleichzeitig auch mal dumm; denn an der Hand des Bildes hätten wir doc immerhin schon einigen Anhalt zur Verfolgung. Man könnte dann einen Steckbrief hinter ihm erlassen und auch die Verbrecheralbums perlustrieren. Zuvor aber warten wir die Sache doch erst ab, denn vielleicht auch, Fräulein Ilse ist er gar so übel nicht!" Sie wollte auffahren, doch unbeirrt fuhr ich fort ,,, nämlich was die roten Haare anbetrifft, so ist das doch Geschmackssache. Schöner Teint ist die regelmäßige Begleiterscheinung mitunter freilich auch Sommersprossen, und möglicherweise beruht das mit dem goldigen Scheitel auch nur auf optischer Täuschung bei ihm; vielleicht ist er, wenn man genauer hinsieht so hübsch scheckig oder gestreift, oder dunkel, so wie ich," segte ich leise hinzu. Doch Fräulein Ilse verbat sich allen Ernstes derartige Spötteleien. Und der Buckel und das Schielen- und das Lispeln und die unerhörte Frechheit?!" warf sie dann erbittert ein. Ich zuckte die Achseln.„ Ja, freilich!"—- Eins aber stand bei mir fest, als ich zu Hause angelangt; jetzt hieß es eingestehen und dann im Sturm die Festung nehmen! So schrieb ich denn, mit der vielversprechenden Einleitung beginnend, daß Selbsterkenntnis bekanntlich der erste Schritt zur Beſſerung ſei, einen de- und wehmütigen Brief an Ilses Freundin, die Frau Professor in Berlin. Und da das Glück mir hold war, gelang es mir sogar, eine noch eben nachweisbare verwandtschaftliche Beziehung auszugraben, zwischen einem Urgroßonkel ihres Mannes einerseits und einer fast schon sagenhaften Tante meiner Mutter andererseits, so daß sie doch, zumal im Hinweise auf meine sonst recht angesehene und gut beleumundete Familie, sich über die Herkunft und Antecedenzien des fremden Schreibers be. ruhigen konnte. Im weiteren Verlaufe gestand ich ihr dann offen und reumütig meine Sünden ein, auch meine tiefe und herzinnige Liebe zu Ilse, und flehte die junge Frau mit rührenden Worten an, den tollen Scherz großmütig und in genialer Weise aufzufassen und obendrein mir bei dem Sturm auf Ilses Herz nach Kräften zu assistieren. Um nun zu diesem Angriff ihr wenigstens doch etwas in die Hand zu geben, legte ich dem Brief mein Bildnis bei- für Ilse, als die Aufklärung über den unbekannten Herzerwählten und für die Frau Professor zur Ueberzeugung, daß er nach außen doch noch nicht ganz so frech aussah, wie er in Wirklichkeit es doch wohl ist! Dann, als zum Schluß, bat ich noch untertänigst, das Bild, vielleicht mit der Bemerkung, daß es doch sonderbarer Weise so ein ganz klein wenig anders ausgefallen, als wie der Herzerwählte ihr beschrieben, so bald wie irgend möglich an Ilse weiter-, oder, um im Sinne des Betrugs zu bleiben, zurückzuschicken, und, ungeachtet etwaiger Vetobriefe, so ungezählte Glück- und Segenswünsche zu diesem Herzensbündnis beizufügen, daß Ilse, als die Adressatin, kaum noch da runter frauchen könne. Um diesen Freundschaftsdienst, im Hinblick auf unsere urgroßonkelige Stammberwandtschaft, bat ich die Frau Professor; das übrige, das wollte ich allein schon übernehmen. Und die um Hilfe angerufene Frau Professor sie war genial und fand sich in den übermütigen Scherz mit jener tadellosen und unvergleichlich anmutigen Noblesse, die nur vollendete Erziehung und liebenswürdige Gesinnungen verleihen. Sie ist darum noch heute, nächst meiner Flſe, die großartigste, d. h. die herrlichste und die idealste Frau der Welt! Am folgenden Mittag hielt ich nämlich bereits ein Tele gramm von ihr in den Händen:„ Einverstanden. Nur Mut und alles Glück". Und als ich dann zwei Tage später, in aller Frühe wieder zur Attacke ging, da war mir doch so ganz erbärmlich feigt und gar nicht sturmmäßig zu Sinn. Ich hatte- zur vollster Baffheit meines alten Forstmeisters in meiner Kopflosig. keit sogar die Flinte zu Haus vergessen! So schlich ich mich denn an das Wild heran, buchstäblich ohne alle Waffen. Und Ilse, jetzt also meine schöne Geg nerin, sie stand in ihrem reizenden Morgenkleide hochaufgerichtet am Stamme einer Fichte, mit ihren zornigen, schönen Augen mir finster und unheilvoll entgegenblickend. Nr. 1 Abonne In's Sau Gration n Дав ( 2 In schlüsse wurde d sprechend Spahn die Bö Schulde weinma berbleib Fini det. D Ausgab Bedeutu einem b die des Hau gen ist, elprad! Um pranume Reichsfi gaben. nad aber wa maßigen Art Re dem B hören er nid Gündi R Starfe schauu raschu ihren das m dann bon Ba warner ein ne Beden icheraf eine גיווג der beibi ein Reich balide gehrte lionen Dadun Behrun dieſe ungede dann n 2 Bat