Str. 128 bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertelfähr Hah Mr. 1.50. Wattsbetlagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 3. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jusertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Streife Wezlar und Marburg 10 Pfa ionit 15 fa. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Sebaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluk Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) D: für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Reform des Wohnungsgeldzufchuffes. Von einem Beamten wird uns geschrieben: Der preuische Landtag, der in den nächsten Tagen wieder zusammentritt, hat sich unter anderm auch mit einem Antrage zu lefassen, auf dessen Erledigung nicht bloß die preußische, ondern auch die Reichsbeamtenschaft mit einer gewissen Spannung hinsieht. Es handelt sich um den Antrag Dr. Hiße und Schmedding, der eine Reform des Wohnungseldzuschusses und zwar nach dem System einer Abstufung rn Berhältnis der Kinderzahl in Vorschlag bringt. Da die Gehaltssäße der Reichsbeamten stets im gleichen Schritt und nach dem Verhältnis der preußischen Beamtengehälter fattfinden, wodurch sich z. B. in Preußen der Widerstand der Regierung gegen eine Umänderung der Gehaltsordnung klärt, so ist diese Frage keine innerpreußische, sondern ine allgemeine deutsche Angelegenheit. Ehe wir auf eine nähere Kennzeichnung dieses Antrags ingehen, möge darauf hingewiesen sein, daß der Wohnungseldzuschuß und die Teuerungszulagen gewissermaßen ein Gehaltsjurrogat find. Ursprünglich sollte der Beamte seinen Lufwand zur Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses aus einem Gehalt bestreiten, da aber die Preisverhältnisse an en verschiedenen Orten nicht die gleichen sind, so hätte darin Ene Ungerechtigkeit gelegen, der man mit der Gewährung on Wohnungsgeldern zu begegnen suchte. Diese werden ach den sog. Servisklassen abgestuft, d. h. die einzelnen Drtschaften werden je nach den Teuerungsverhältnissen in Categorien eingeteilt, und danach werden die Zulagen beresen; aber auch in den billigsten Ortschaften wird jetzt ein Bohnungsgeldzuschuß bezahlt. Da der Staat von seinen Beamten nicht bloß die dienstliche Pflichterfüllung, sondern uch in ihrem Privatleben ein standesgemäßes Auftreten erlangt, so sollte der Wohnungsgeldzuschuß außer nach dem bjektiven Merkmal der Teuerungsverhältnisse in den einelnen Ortschaften auch nach dem subjektiven Bedarf des einelnen Beamten abgestuft sein. Während beispic.sweise ein unggeselle aus dem Wohnungsgeld noch Ersparnisse macht, hat ein verheirateter Beamter oft 50-70 Prozent iles Wohnungsgeldes aus eigenen Mitteln auf die Miete zulegen und der Aufwand steigert sich ganz entschieden je nach der Zahl der Familienmitglieder. Zweifellos pürde eine derartige Reform des Wohnungsgeldes, wie fe von Dr. Hize und Schmedding vorgeschlagen ist, für die Formulierung einige Schwierigkeiten ergeben. Allein so ganz absonderlich kann er doch nicht mehr sein, wenn in dem Riquelschen Steuergeset sich eine Analogie dazu findet. Samilienbäter mit einem Einkommen von unter 3000 m. Bönnen für jedes Kind unter 14 Jahren einen Abzug nachen. Der Gedanke, daß Familienväter je nach der Zahl er Kinder in verschiedener Weise zu den Staatspflichten Eerangezogen werden, führt eigentlich ganz von selbst auch einer verschiedenartigen Bemessung der Rechtsansprüche p den Staat. Es wäre deshalb zu wünschen, wenn der atrag Size- Schmedding möglichst einmütige Annahme inde, und noch erfreulicher wäre es, wenn die preußische andesregierung und die deutsche Staatsregierung ihn vor. illichten. Vom Hereroaufftand Niegen Nachrichten von neuen Gefechten z. 3t. nicht vor. Die einzelnen Rolonnen sind offenbar sämtlich im Vormarsch muf den Waterberg begriffen, wo die Hauptmacht der Herero ter Samuel Maharero steht. Von anderen Nachrichten erzeichnen wir die folgenden: Das Militärwochenblatt" veröffentlicht eine neue VerIftliste aus Deutsch- Südwestafrika. Bemerkenswert ist daElei, daß bei einer Dynamitexplosion St. Johann- Albrechtshöhe zwei Reiter verwundet worden sind. In den amtlichen Berichten hat über eine de Explosion bisher nichts gestanden. Hoffentlich folgen cald nähere Angaben, wie es zu dieser Explosion hat kommen Corinen. Der Lloyddampfer„ Aachen" ist Mittwoch nachmittag 5 Uhr mit einem Truppentransport on 12 Offizieren, 3 Portepee- Unteroffizieren, 177 Unterofizieren und Mannschaften, sowie 289 Pferden nach DeutschSüdwestafrika abgegangen, nachdem die Truppen vom kommandierenden General des 9. Armeekorps v. Bock und Polach rabschiedet worden waren. Am 30. Mai sind in Hamorg die verwundeten Offiziere der 4. Feldompagnie der Schußtruppe angekommen. Hauptmann lie foth, der am 29. Januar bei dem Gefecht am Stanenoberg einen Schuß durch die Schulter erhielt, trägt en Arm noch immer in der Binde. Oberleutnant Frhr. 10 Schönau- Wehr, der am 25. Februar bei Ojihinamaparero ins Knie getroffen wurde, mußte auf einer Bahre Om Schiff getragen werden. Der gleichzeitig verwundete Beutnant b. Stülpnagel hat noch einen steifen Arm. Pferde für Deutsch- Südwestafrika find nun auch in Schlesien angekauft worden. In Oberhlesien waren an drei Verkaufsorten zusammen über 1600 ferde zum Verkauf gestellt, von denen 110 als für den Tropendienst tauglich befunden und zum Gesamtpreise von 38 000 Mart angekauft wurden. Der Durchschnittspreis war etwa 500 Mark. In Myslowitz verlangte ein Bauer aus patriotischem Interesse für ein zum Ankauf gestelltes Pferd nur 280 Mark. Die Kommission schätzte jedoch den Wert des Tieres auf 400 Mark und zahlte auch diesen Preis. Ein Scherz und seine Folgen. Einen üblen Possen hat ein südwestafrikanischer Spaßmacher, ohne es zu wissen, dem Abg. Bebel gespielt. Bebel hatte am 17. Mai im Reichstage u. a. gesagt: „ Das blutsaugerische Volk der Händler hat die Herero in ihren Klauen. 126 000 Schuldeneintreibungsformulare sollen seit dem Erlaß der bekannten Verjährungsverordnung in der Kolonie gedruckt sein. Da mußten sich die Herero allerdings sagen, daß es offenbar auf ihren Untergang abgesehen war." Jezt stellt sich heraus, daß diese Mitteilung Bebels auf einer scherzhaften Annonce beruht, die der erwähnte Witzbold in der Swakopmunder Südwestafr. Ztg. veröffentlicht hatte. Die Anzeige forderte die Händler zum gemeinschaftlichen Bezug der Eintreibungsformulare auf, da diese dann billiger fämen. Dabei hatte der Verfasser der Anzeige mit tollster Uebertreibung davon gesprochen, 126 000 solcher Formulare jeien schon verlangt, wer noch welche haben wolle, solle sich unter affer 100" postlagernd Okahandja melden. Der Zweck der Annonce, deren scherzhafter Charakter ohne weiteres einleuchtet, da die Herero ja überhaupt nur 15 000 Köpfe zählen, war, das Gouvernement zu ärgern, weil es die Verjährungsverordnung erlassen hatte, die den Händlern ein Dorn im Auge war. Diesen faulen Wiz nahm Herr Bebel für bare Münze, und jetzt mß er sich gefallen lassen, daß er in der Presse deswegen gehörig verulkt wird. Ein Kartengruß von Hauptmann Franke. An Hauptmann Franke hatten aus Anlaß seines siegreichen Eingreifens bei den zehnstündigen Kämpfen an der Wasserstelle bei Dijihinanta am 25. Februar Mitglieder des Kriegervereins in Schmölln eine Postkarte gerichtet, in der sie ihm ihre dankbare Bewunderung aussprachen. Daraufhin ist jetzt aus Windhuk folgende Feldpostkarte von Hauptmann Franke eingetroffen: Ein unaufgeforderter Begleiter bei Märschen und Ge fechten, die Malaria, hat mich ins Lazarett getrieben Die Zeit ist günstig, da Waffenruhe eingetreten ist in Er wartung von Verstärkungen. Dadurch habe ich Zeit ge wonnen, manchen mir zugegangenen freundlichen Glück wunsch und Gruß zu beantworten. Was meine braver Leute unter meiner Führung getan, war ja unsere Sol datenpflicht; Anerkennung erfreut darum nicht weniger Besten Dank im Namen meiner Kompagnie! Franke Hauptmann." Inzwischen ist Hauptmann Franke von seiner Erkrankung bekanntlich längst wieder hergestellt, augenblicklich säubert ei den Distrikt von Omaruru vom Feinde. Der Krieg in Oftafien. Zu der Fülle von Nachrichten, die in den letzten Tagen vom Kriegsschauplatz eingelaufen waren, steht die heutige Stille in auffälligem Gegensaß. Man darf aber aus ihr nicht auf Untätigkeit der Parteien schließen. Die Japaner bereiten sich mit Energie zum letzten entscheidenden Sturm auf Port Arthur vor, und die Russen suchen ihnen das Vordringen auf die Kwantunghalbinsel nach Möglichkeit zu erschweren. Die angebliche Niederlage Kuropatkins wird von Londoner Blättern aufrechterhalten. Doch fehlt bisher jede amtliche Bestätigung, und die ganze Art, wie der Bericht abgefaßt ist, läßt darauf schließen, daß er von einem sensationslüsternen Reporter erfunden ist. Das Treffen soll unweit von Samatse( nordöstlich von Fönghwanghtscheng, auf dem rechten Seitenweg nach Liautschang und Mukden) stattgefunden haben. Die Russen räumten alle ihre Stellungen östlich von Haitschöng. Ganze Schwadronen Kosaken wurden gefangen genommen, auch mehrere Kanonen fielen in die Hände der Japaner. Zuverlässig wird nur gemeldet, daß nach Fönghwanghtscheng große japanische Verstärkungen gelangt sind, unter anderm 10 000 Mann der bei Takuschan gelandeten Truppen. Noch immer beschäftigt sich die russische öffentliche Meinung lebhaft mit den Geschützen von Kintschau. Während sich die Russen bisher damit trösteten, daß es nur Museumsgeschüße" gewesen seien, mit denen ihre Artillerie die wichtige Stellung auf dem Höhenkranz südlich des Forts verteidigte, kommen sie jetzt mit der Behauptung zu Lage, die Kanonen seien, ehe sie in die Hand des Feindes fielen, unbrauchbar gemacht worden. Wozu war denn das nötig, wenn sie überhaupt nicht brauchbar waren? Außerdem sucht man sich über die schwere strategische Niederlage zu trösten, indem man konstatiert, daß die russische Einbuße an Toten und Verwundeten nur 30 Offiziere und 800 Mann betragen habe, also viermal geringer sei als der Verlust, den die Japaner zu beklagen bätten. Der Trost ist wohlfeil, aber trügerisch. Der japanische General Oku hatte von vornherein gewußt, daß ihn der Sturm auf die Höhen von Kintschau ungeheure Opfer an Menschenleben kosten würde. Er hat aber diesen Einsatz um des Gewinnes wegen nicht zu hoch befunden. Ein weiteres russisches Armeekorps mobilisiert. Nachdem bereits gegen die anfängliche Absicht das X. und XVII. Armeekorps mobilisiert worden ist, soll nun, wie in Petersburger Militärkreisen behauptet wird, auch noch das XVIII. Armeekorps( Wilna) mobilisiert werden. Man zweifelt jetzt nicht mehr, daß es zweckentsprechender gewesen wäre, sofort beim Ausbruch des Krieges ganze Armeekorps auf Kriegsfuß zu setzen, anstatt aus Konglomeraten verschiedener Regimenter sibirische Schüßenregimenter zu formieren, da diese in ihrer Ausbildung hinter der feindlichen Infanterie zurückstehen. Khakiuniformen für die russische Armee. Die beiden jetzt nach dem Kriegsschauplaze abgehenden mobilisierten Armeekorps haben ihre weißen Sommerröcke, Mäntel, Müßen und Zelte mit gleichen im Khafi vertauſcht. Es ist dies das erste Mal, daß Khafiuniformen in der russischen Armee eingeführt werden. Auch die alten schwerfälligen vierrädrigen Feldküchenwagen haben leichten zweirädrigen Karren Plak machen müssen. Auch die Offiziersmiformen haben verschiedene Aenderungen erfahren, die alle darauf hinauslaufen, den praktischen Anforderungen cines Sommerfeldzuges in der tropischen Hize Ostasiens Rechnung zu tragen. Die Pferde beider Armeekorps sind mit einem besonderen Serum gegen die sibirische Peſt ge= impft worden. Das baltische Geschwader. Der wahrscheinliche Termin für die Abfahrt des baltischen Geschwaders nach Ostasien wird immer eifriger beprochen. Wie aus Brüssel berichtet wird, soll der russische Generalkonsul in Antwerpen dortige Schiffsmakler verständigt haben, daß die Reise ungefähr am 8. Juli angetreten werden solle und daß sonach alle angekauften FrachtDumpfer, welche das Geschwader zu begleiten haben werden, bis dahin abzuliefern sind. Die Verwendung von Petroleum an Stelle von Kohle zur Heizung der Dampffessel auf den Kriegsschiffen des baltischen Geschwaders wird eifrig erwogen, weil sich die Ergänzung des Petroleumvorrats auf hoher See von den begleitenden Frachtdampfern leichter bewerkstelligen läßt, als das Kohlenfassen. Die Politik. Dem preußischen Abgeordnetenhause ist ein Gefeßentwurf, betr. die Grenzregulierung zwischen der Provinz Hannover und dem Herzogtum Braunschweig, zugegangen. Es sollen durch diesen Gesezentwurf endlich, nach jahrzehntelangen Verhandlungen recht verwickelte Grenzverhältnisse geregelt werden. Da ist z. B. in der Gemeinde Woltwiesche, die einem preußischen und einem braunschweigischen Gemeindevorsteher untersteht und teilweise dem preußischen Kreise Peine, teilweise dem Herzogtum Braunschweig angehört, eigentlich überhaupt keine Grenze auffindbar. Nicht etwa, weil die Grenzlinie durch Kneipen lief, in denen infolgedessen an einer Stelle die Polizeistunde den nächtlichen Trunk verbot, dem, wenn man den Stuhl etwas weiter rückte, an anderer Stelle fröhlich gehuldigt wer den durfte, sondern weil die im Dorfe kunterbunt liegenden Höfe bald braunschweigisch, bald preußisch waren! Daß ein solcher Zustand so lange ertragen werden konnte, ist in der Tat höchst merkwürdig. Ueber die Petroleumfunde in Kamerun wird weiter bekannt, daß das Del ganz rein sein und schon in Lampen gebrannt werden soll. Die Westafrikanische Pflanzungs. gesellschaft Viktoria in Berlin sendet mit dem nächsten Dampfer größere Bohrmaschinen hinaus. Bei Ankündi gungen von Petroleumfunden, namentlich in Afrika, muž man allerdings sehr vorsichtig sein, und man wird gut tun abzuwarten, welche Beschaffenheit dieses Kameruner Petroleum hat. Proben des gewonnenen Petroleums sind unterwegs und werden demnächst untersucht werden. Der Gouberneur von Kamerun v. Puttkamer ist in Berlin eingetroffen. Er bestätigt, daß im Schuhgebiet alles ruhig ist. In der Gegend von Yaunde waren einige Häuptlinge auffässig geworden und wollten einen Aufst and ein leiten, jezt aber sißen sie hinter Schloß und Riegel. Spanien. Ein bisher noch unbestätigtes Gerücht meldet die Ver. lobung des Königs Alfons mit der Prinzessin Victoric von Connaught. Die der anglikanischen Kirche an gehörige Prinzessin werde zum Katholizismus übertreten. Sehr unwahrscheinlich ist die Meldung nicht. Die Berlin, 2. Jupi.( Produktenmarkt.) Furcht vor der zunehmenden Trockenheit und Preiserhöhun gen in Amerika wirkten belebend auf den hiesigen Markt. Große Käufe in Weizen und Roggen schnellten die Preise um 1½ Mark in die Höhe. Von Futtermitteln Hafer lebhaft gefragt und anziehend, Mais still. Das Geschäft in Mehl war recht fest. Rübol lustlos. wohnen müffen?! Ich möchte weinen, daß solche diese Fesseln noch länger in dem Hause, unter dessen Dach wir mit ihm den jedes Wort, was er anmaßend zu bir spricht, jeder Atemzug bes Herrn Moritz eine Erniedrigung für mich, für uns beide, ftellend. at man da eine Wahl? Ist nicht jeder Blick und der Erniedrigung?" fragte Franziska, fich erstaunt dich beranlassen fönnen, зи Dreizehnte عد.... überlassen schnöder teberwachung ansah. gegen diese filiale Fürsorge, welche sie als eine Art bon mochte oder wollte. Die alte Dame sträubte sich allerdings Moritz blieb an jenem Abend bei seiner Mutter er in ihrem gereizten Zustande nicht sich selbst belche Ein altes Fräulein, welches bei ihr die Stelle einer Rofe oder Geſellſchafterin mit der Sei Der jeder ergeben! götten Tunft Und lacht dir nicht Musengunst, Gestalte zum Kunstwerk dein Lebeu! Der Mond blinzelte schelmisch, Paare gegenseitig den Irrtum zu erklären suchten. als er hörte, wie die beiden D, nein. Henvy mit Realff Leceds? Und nun fuhren wohl Myra mit Mrs. Humphreys und Die Kämpfe in Tibet. Berichte, die auf telegraphischem Wege von Indien nach London gesandt worden sind, lassen erkennen, wie gefahrvoll die Lage der britischen Tibetexpedition bei Gyangtse eine Zeit lang war Ueber die Einschließung der Expedition in Gyangtse durch die Tibetaner, heißt es 3. B. in dem Bericht: 400 Tibetaner hatten sich in einem die Flanke des britischen Lagers bestreichenden Dorfe, etwa 1200 Schritt entfernt, eingenistet, hatten dort Wallbüchsen auf den hohen dicken Mauern angelegt und machten sich mit ihrem Feuer schr unangenehm bemerklich. Es wurde daher, nachdem die erste britische Verstärkungskolonne 320 Mann- cingetroffen war, nicht gesäumt, das Dorf vom Feinde zu säubern. Am 26. Mai vor Tagesanbruch machten sich 300 Engländer daran, es von drei Seiten einzuschließen. Als der Morgen graute, entspann sich ein langwieriges, erbittertes Feuergefecht aus der Entfernung, während das Dorf Haus für Haus nacheinander gesprengt, gestürmt und zerstört werden mußte. Die Mauern waren zum Teil bis 10 Meter hoch und 3 Meter dick. Im ganzen mußten sieben Breschen gelegt werden, und jedesmal entspann sich beim Sturme ein erbitterter Einzelkampf, da die Tibetaner sich, selbst wenn sie verwundet waren, meist nicht ergeben wollten. Wenn sie ihre Gewehre nicht mehr zu laden vermochten, warfen sie noch schwere Steine, und einzelne Verwundete wehrten sich noch mit Fäusten und Zähnen. Gegen Mittag versuchte eine kleine Abteilung Tibetaner, 15 Mann auf schwarzen Maultieren und einige 40 Krieger zu Fuß, dem Dorfe zu Hilfe zu kommen. Sie famen indessen in ein englisches Höllenfeuer aus Geschüßen, Marim- und Infanteriegewehren, so daß nur einer am Leben blieb und flüchten konnte. Von den Tibetanern, die das Dorf besetzt gehalten hatten, sollen einige 50 entkommen, ebenso viele gefangen worden und die übrigen alle tot oder verwundet sein. Neben sonstigen Waffen hatten die Leute im Dorfe lange Schwerter, schwere, ungeschickte Waffen, wie sie in den Tagen der Kreuzfahrer geschwungen wurden. Das Dorf wurde fast ganz zerstört und der Rest von den Engländern besetzt. Nichtsdestoweniger werden die Tibetaner den Briten noch manche harte Nuß zu knacken geben: In Lhassa wird nach Aussage der Gefangenen stark gerüstet und die Stimmung ist sehr kriegsmutig. Und die in Lhassa, das auf hohem Berge liegt, verschanzten Tibetaner ver igen nicht nur über so vorsintflutliche Waffen, wie ein Teil ihrer Landsleute bei Gyangtse, sondern dürften dank der freundwilligen Gesinnung der Russen gegen die Engländer mit modernem Kriegsmaterial reichlich versehen sein. Ueber den Berg sind die Engländer also noch keineswegs. Nab und fern. Das zweite deutsche atlantische Kabel ist soeben vollendet und somit die zweite dirette Verbindung zwischen Deutschland und Amerika hergestellt worden. Aus Nordenham wird dazu gemeldet: Am 1. Juni abends 9 Uhr ist die Legung der Newyork- Azoren- Strecke des von den hiesigen Norddeutschen Seekabelwerken hergestellten zweiten atlantischen Kabels durch ihre beiden Kabeldampfer„ Stephan" und„ v. Podbielski" in der Nähe von Newyork beendet ¡ vorden. Der Kabeldampfer„ Stephan" hat am 11. Mai in der Nähe von Newyork an die im vorigen Jahre von dem Kabeldampfer„ v. Podbielsti" verlegte Küstenstrecke angesplißt und in faum 11 Tagen ohne jede Unterbrechung zirka 3750 Kilometer im Gewichte von rund 4000 Tonnen ausgelegt, mit der bedeutenden Geschwindigkeit von 13 bis 16 Kilometer in der Stunde, bei einer durchschnittlichen Meerestiefe von 4550 Meter; die größte bisher erreichte Tiefe beträgt sogar 6530 Meter. Der Kabeldampfer„ von Podbielski", welcher 495 Kilometer Kabel im Gewicht von 500 Tonnen an Bord hatte, konnte das Küstenkabel bei Horta infolge eintretenden schlechten Wetters erst am 29. Mai verlegen und erfolge die Auslegung des Restkabels am Schlusse hier. * Die Raubfischerei ausländischer Fischdampfer in deutschen Gewässern nimmt neuerdings erschreckend zu. Nachdem erst in den letzten Wochen drei fremde Fischdampfer, zwei englische und ein belgischer, durch die Wachsamkeit der deutschen Fischereischutzschiffe auf deutschem Fischereigebiete abgefaßt und ihrer Bestrafung entgegengeführt worden, kommnt jetzt von der Insel Sylt die Weldung, daß dort während vier Tage eine ganze Flotte englischer Fischdampfer innerhalt der deutschen Hoheitsgrenze gefischt hat. Es waren 25 große englische Fischdampfer, die in der Nähe der Insel völlig ungestört die deutschen Fischereigründe abfischten, dann aber in schnellster Fahrt davonjagten, als in südlicher Richtung ein Torpedoboot gesichtet wurde. Der Kölner Raubmörder Kauerk gestand im Verhör, daß er bei dem Diebstahl in der Mansarde vom Dienstmädchen getroffen und dieses nach viertelstündigem hartnäckigen Rampfe niedergeschlagen habe. Als später die Herrin der Ermordeten klingelte, faßte Kauert den Entschluß, auch diese zu töten, sobald sie das Haus beträte, was glücklicherweise nicht sofort geschah. Die Kölner Behörde entdeckte die Spur des Mörders durch Angaben zweier Leute, die auf einer Kölner Herberge die von dem Mörder zurückgelassene Hose mit Kauert ausgetauscht hatten. Der Streit um die Gräber. Ueber einen höchst eigenartigen Kirchhofstreit wird vom oberen Schwarzwald berichtet. St. Georgen ist das höchstgelegene Städtchen des badischen Schwarzwalds und durch seine überaus fleißigen, soliden Uhrmacher, die teils in Heimarbeit, teils in Fabrikindustrie tätig sind, bekannt. Bei der langen, oft sicbenmonatigen Dauer des Winters ist es meistens erst Ende April oder Mai möglich, die Gräber auf dem Friedhof in Ordnung zu bringen. Ta in den letzten Monaten seit Eintritt des Schnees mehrere Leerdigungen stattgefunden hatten, entstand nun in letzter Zeit Streit, wem das eine und andere Grob gehörte. Die Deffnung einzelner Gräber führte zu Feinem Ergebnis, da eben im steinarmen Schwarzwald fast alle Särge von Holz sind und aus der Größe oder Beschaffenbeit des Sarges kein sicherer Schluß auf den Inhaber des Grabes möglich war. So bleibt zur Schlichtung des unRemütlichen Kirchhofstreits nichts übrig, als die Erlaubnis der Behörde zur Deffnung der Särge einzuholen. Betrogene Auswanderer. 2000 italienische Land. arbeiter, die von schurkischen Agenten, die ihnen kontraktlich Beschäftigung zugesagt hatten, aus ihrer Heimat gelockt und um ihr Letztes gebracht worden sind, liegen in Montreal buchstäblich auf der Straße und sterben vor Hunger. Von der italienischen Regierung gesandte Unterstützungen sind erschöpft, und man befürchtet, daß die verzweifelten Opfer betrügerischer Habgier sich zu blutigen Ausschreitungen hinreißen lassen. Wann wird den berüchtigten Auswandererhyänen endlich einmal energisch das Handwert gelegt werden? Eine sonderbare Erpressungsaffäre beschäftigt die Newyorker Behörden. Der 85jährige Millionär John R. Platt beschuldigt die Mulattin Hannah Elias, ihm durch Drohungen 700 000 Dollars abgepreßt zu haben. Platt lernte die Wulattin 1876 gelegentlich eines Sensationsprozesses kennen, bei dem sie als Zeugin eine Rolle spielte, und trat mit ihr in intime Beziehungen. Sie gab sich Platt, der Witwer und Vater zweier Töchter war, gegenüber für unverheiratet und spanische Untertanin aus. Nach einiger Zeit trat sie mit der Eröffnung hervor, daß sie das Weib eines Negers namens Davis sei und daß dieser gedroht habe, Platt und sie zu ermorden, wenn sie ihm nicht reichliche Geldmittel zufließen lasse. Daraufhin gab Platt ihr große Summen. Als er sich späterhin weigerte, immerfort in die Tasche zu greifen, drohte sie, seinen Töchtern Enthüllungen über ihr gegenseitiges Perhältnis zu machen. Er ließ sich wieder breitschlagen, bis ihm jetzt die Sache über geworden ist. Ein schweres Verbrechen wurde von dem Kesselschmick Groh an seiner Geliebten im Walde bei Offenbach verübt Das Verhältnis zwischen den beiden drohte Folgen zu haben und Groh zog es vor, sich durch eine Bluttat von dem un glücklichen Mädchen zu befreien. Er schlug sie so lange mi einem Stein auf den Kopf, bis sie scheinbar leblos liegen blieb. Doch erholte sie sich wieder, als der Mörder entflohen war, und liegt jetzt schwer verwundet im Krankenhause. Grok wurde verhaftet. Den Sieg im englischen Derbyrennen, das auf der Nenn bahn von Epsom zum Austrag kam, trug Herrn 2. de Roth schilds Hengst St. Amant davon. Der französische Favorit Gouvernant mußte sich mit dem sechsten Platz begnügen. Aus dem Gerichtsfaal. § Doppelche. Vor der Straffammer zu Hanau hatte sich der 59 Jahre alte Arbeiter Ungermann wegen Doppelehe zu verantworten. Ungermann wanderte vor vielen Jahren nach Amerika aus und verheiratete sich im Jahre 1870 in Newyork. Als im Jahre 1897 seine Frau starb, heiratete er bald danach in Newyork eine 62jährige Witwe mit 10 Kindern. Seine Frau und die Stieffinder machten ihm das Leben recht schwer und er entwich ihnen nach Deutschland. Im Vorjahre ließ er sich sodann in Hanau unter Geheimhaltung seines noch in Amerika bestehenden Eheverhältnisses mit der Witwe Rosa Stamm aus Hünfeld standesamtlich trauen. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe von 7 Monaten verurteilt. § Als Jack, der Aufschlitzer" machte der arbeitsscheue ,, Arbeiter" Stari Uzat gewisse Gegenden Berlins zur Nachtzeit unsicher. Er knüpfte mit Frauenzimmern an und zwang sie dann unter Drohungen, ihm Geld zu opfern, indem er erklärte, er sei Jack der Aufschlitzer". Er wurde zu 1½ Jahren Zuchthaus verurteilt. § Ein zweiter Dippold. Wegen Sadismus à la Dippold" hatte sich der aus Berlin gebürtige 33jährige Schriftsteller Martin Ludwig Greiner vor der 2. Straffammer am Landgericht Hamburg zu verantworten. Der Angeklagte wurde beschuldigt, in den Jahren 1900 bis 1903 zu Berlin den elfjährigen Knaben Krone, dessen Schularbeiten er be aufsichtigte, zur Befriedigung seiner Wollust unmenschlich gezüchtigt zu haben. Der Knabe wurde wiederholt des Nachts von seinem Lehrer aus dem Bette geholt und in der brutalſten Weise mittels Rohrstockes gemißhandelt. Der Angeklagte hatte sich den Knaben von dessen Mutter, mit der er eine Zeitlang intime Beziehungen unterhalten hatte, später von Berlin nach Hamburg schicken lassen. Die Mutter stellt dem Knaben ein ungünstiges Zeugnis als Lügner und Dieb aus, während seine früheren Lehrer ihn als einen braven Schüler kennen gelernt hasen. Der Knabe will seiner Mutter niemals Mitteilungen von seinem Martyrium gemacht haben, weil er wußte, dann würde er noch mehr gezüchtigt. Der Angeklagte wurde wegen fortgesetter Sittlichkeitsverbrechen zu 1 Jahr Gefängnis und 2 Jahre Ehrverlust verurteilt. § Der Mord an der Pariser Halbweltlerin Fougère bieschäftigt 3. 3t. das Geschworenengericht von Savoyen. Angeklagt sind die Dienerin und Vertraute der Ermordeten, Giria, der Gelegenheitsarbeiter Bassot und ein Erdarbeiter. Die Giriat, die gefnebelt am Tatorte aufgefunden wurde, ist die eigentliche Anstifterin. Ausgeführt wurde der Mord von Bassot in Gemeinschaft mit dem Lyoner Schneidergesellen Cadermann, der sich im Augenblick seiner Verhaftung erhängte. Von dem reichen Schmuck der Ermordeten konnten die Verbrecher nur einen kleinen Teil für 10 000 Francs absetzen. Den Rest der Juwelen verbargen sie in einem Gebüsch bei Neuville am Saomeufer, wo ihn der jetzige dritte Angeklagte, der dort mit Erdarbeiten beschäftigt war, fand. Er behiel den Schmuck und suche ihn uner der Hand zu verkaufen, weshalb auch er sich jetzt auf der Anklagebank befindet. Bilse" eine Beleidigung. Der frühere Redakteur der ,, Ulmer Zeitung", Schönfelder, wurde wurde wegen Be leidigung des Obersten a. D. Hüger zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Er hatte in einem Artikel den Obersten, der wegen Streitigkeiten mit seinen Vorgesetzten eine heftige Broschüre veröffentlicht hatte, einen„ Ulmer Bilse" und eine Querulantenseele" genannt. In beiden Ausdrücken fand der Gerichtshof den Tatbestand der Beleidigung. In der Begründung des Urteils heißt es: Dem Angeklagten mangelt nicht aller Grund, die Vorbringungen Hügers als überspannt, ja als querulierend zu bezeichnen. Die Art und Weise, wie Hüger seine Sache vorbringt, berechtigten ihn von seinem Standpunkt aus zu dieser Bezeichnung. Jedoch ist durch den Ausdruck Querulantenseele in der Form zu weit gegangen und dadurch den Schutz des§ 193 verwirkt worden. Das Buch Bilses zählt vom literatischen Standpunkte aus zur Schundliteratur, das mußte der Beschuldigte in seiner Stellung wissen. Bilse ist nicht mehr als individuelle Persönlichkeit, sondern als Typus eines Mannes aufzufassen, der die in gewissen Kreisen herrschende Abgeschlossenheit und Vertraulichkeit geflissentlich gemißbraucht hat, um die Skandalsucht zu befriedigen. Es fehlte Bilse an anständigem Charakter. Ein Vergleich mit ihm sei also eine Ehrenkränkung. Vermischtes. [ Rattenplage.] Die Bewohner des ostpreußische Städtchens Wisset haben unter einer furchtbaren Rattenplag zu leiden. In ungeheuren Scharen haben sich die häßliche Nager in Ställen, Scheunen, ja segar in den Wohnhäuser eingenistet und richten auf den Getreideböden und in de Kellern großen Schaden an. Auch unter dem jungen Ge flügel räumen sie auf. Bei einer vor einigen Tagen vor genommenen Jagd auf Ratten wurden in der Scheune eine Besitzers nicht weniger als 48 Ratten erschlagen. +[ Todesstrafe für- Renupferde.] In Eßlingen bildet ein sonderbares Ereignis das Tagesgespräch. Auf dem dortiger Eisberge ließ der Major v. Rautenberg seine beiden Kenn pferde erschießen, aus Aerger darüber, daß sie den erhofften Sieg beim letzten Weilen Rennen nicht davon getragen haben Wie man sich denken kann, wird das schneidige Justizverfah ren, das der durch seine Rennpferde so schnöde um seine Hoffnungen betrogene Sportsman anzuwenden beliebte, gerade nicht mit den freundlichsten Glossen von seiten der Bürgerschaft begleitet. Das heißt denn doch die Eigentums. gewalt über Tiere gar zu frivol auffassen! Sihung der Stadtverordneten. n Gießen, 2. Juni 1904. erhoben, barunter 27 331 Quabrat wurden fämtlich dort entstehenden man folle unter ländeaustauf a Bahl behält ab herausfommen. bemerit, erft ein Chauffierung der fitatsbibliothet be Der Befchluß von Polizeiverordnung gangivelehr der pur bon einer bertogt, man wi teil erft weiter alten Glof Arbeiten sollen wird besonders heffifchen Befchi mit eingebaut Jugendfefte dem daß im gegen gewefen höheren Mädcher nungsabschluß b ( hierzu ift ein 8 erforderlich) wer borliegenden Gef wurden alle gutg das Gafthaus zu Herr Oberbürgermeister Mecum eröffnet 45 Uhr bie Sigung und giebt zum 1. Punft der Tagesordnung bekannt, daß er Herrn Geh. Medizinalrat Professor Dr. Riegel zu dessen 25 jährigen Jubiläum als Leiter der medizinischen Klinik im Namen der Stadt beglückwünscht habe; die Antwort darauf kam zur Verlesung. Ferner fam zur Verlesung ein Schreiben von Herrn Wihelm Homberger, des 1. Vorsitzenden des Geschäftsführenden Ausschusses vom Nationalen Gesangswettstreites, worin der Stadt nochmals gedankt wurde für die Bewilligung der drei Ehrenpreise. In jüngster Zeit ist auf Anregung des Herrn Forstmeister Köhler, ein alter Rosthaufen durchsucht worden, wobei mehrere Gegenstände aus der röm sch germanischen Zeit vorgefunden wurden. Dieselben sind, wie Oberb. Mecum ebenfalls mitteilt, bei Wahrung des Eigentumsrechtes der Stadt dem überwiesen worden. Oberhessischen Geschichtsverein überwiesen Kommenden Dienstag wird eine auswärtige Firma auf dem Hof der Bürgermeisterei Feuerlöschgeräte u. a. auch freistehende Steigleitern ausstellen und probieren lassen.- Am Mittwoch darauf wird Oberbaurat Smick von Darmstadt nach hier kommen und in Qued born das Wasserwerk zwecks verschiedenen vorzunehmenden Arbeiten in Augenschein nehmen. Abendes 8 Uhr hält er dann im Café Ebel den angefündigten Vortrag über unsere Kanalisation. Auf Anregung des Herrn Beigeordneten Georgi soll das Wichtigste aus diesem Vortrag, weil der Vortrag von allseitigem Interesse ist, gedruckt werden. Punkt 2 betraf 8 Bau- Dispensgesuche. Angenommen wurden das von Ferdinand Schmidt für Wetsteingasse 31( es handelt sich um den Bau eines Giebels), das von Prof. Mittermaier Liebigstraße 36, das für Büttrer& Damm für Ederstraße ( dieselben wollen zu ihren bereits erbauten Häusern, welche außer der Baufluchtlinie stehen, noch ein Hinterhaus errichten), das von Jakob Müller V. für Rodheimerstraße 69( der Gesuchsteller hat Dachräume zu einer Wohnung umgewandelt), das der Eisenbahnverwaltung für die Frankfurterstraße( hier dreht sichs um den Bau weiterer Arbeiterhäuser), das von Louis Hellmold wegen eines Schuppens in der Schwarzlach. Ausgesetzt wurde der Gesuch des L. Huhn für die Wetsteingasse. Abgelehnt wurde das Dispensgesuch der Deutsch. Amerikanischen Petroleumgesellschaft zur Errichtung eines Petroleumlagers. StadtverordnetenverDie Gesuchstellerin will ein Tanklager hier errichten und zwecks besserer und bequemer Überleitung des Petroleums vom Eisenbahnwaggon nach der Anlage eine unterirdische Rohrleitung legen lassen, welche den Mittelweg freuzt; hierzu ist laut§ 5 des Drtebaustatuts Dispens erforderlich. Diese Angelegenheit beschäftigte schon einmal und zwar am 4. Januar die sammlung; das Gesuch wurde damals abgelehnt, weil man der Ueberzeugung ist, daß die D.-A. P.- G mit der Zeit eine Monopolisierung des ganzen Petroleumhandels herbeiführen werde und der Konsument Nachteile zu erwarten habe. Die Firma hat sich darauf hin an Großh. Ministerium des Innern gewandt und dessen Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe forderte von der Handelskammer Bingen, Gießen, Worme, Friedberg, Mainz, Darmstadt und Offenbach Berichte ein. Gießen hatte vor dem schon beantragt, man möge nicht durch besondere Vergünstigung den Bau der Tankanlagen dieser Firma mit fördern helfen und so der Monopolisierung Vorschub leisten. Für diesen Antrag sprachen sich die Handelskammern Bingen und Worms aus, Friedberg und Offenbach im gewissen Sinne dagegen, während die anderen Handelstammern eine direkte Stellung zu diesem Antrag nicht äußerten. Diese ganzen Berichte waren der Bürgermeisterei durch das Kreisamt zugestellt worden, sie kamen zur Verlesung und trotzdem beharrten auch dieses Mal wieder die Stadtverordneten einstimmig auf ihrem früher gefaßten Beschluß: den Dispens zu versagen.-- Punft 3: Umbau des vom Uhrmacher Schmidt läuft ch erworbenen Haus& der alten Hirsch. apotheke am Marktplatz wurde in nichtöffentlicher Sizung ver handelt. Die Bau- Deputation hätte, so bemerkte D.-B. Mecum vorher, das Gesuch nicht befürwortet. Der neue Fluchtlinienplan der Neuen Bäue ist vom Ministerium genehmigt worden Natürlich wird dessen Durchführung nur von Fall zu Fall vergenommen werden. Stadtv. Emmelius erinnerte hierbei an den Zustand der Krachenburg, wozu D... Mecum erklärt, daß nun erst die Besitzer Gebr. Weber durch neue Verfügung des schon einmal erlassenen Polizeibefehls auf Abbruch ge zwungen werden können. Auch sei das s. Zt. vom Architekt Weber eingebrachte Baugesuch für das Krachenburg gelände, welches damals nicht gutgeheißen wurde, somit abgelehnt. Gegen den in letter Sizung beschlossenen Fluchtlinienplan der Schwarzlach hatten mehrere Grundstücks besißer Einspruch fchaft zum Herkul Don Adam Di Phil. Reigel fi Roch für Refta nachtungsgebäude für Bleichstraße + Gieß gefomten Operet Am Dienstag, Inferat befannt liebter Betto findet außer E diefer erften Bo 6 Vorftellunger Abonnement fir ab bei Herrn Abonnements vorgesehen un wobei etwaig Fledermaus Bigeunerbaro A Cin find für fomme berein i ein Waldfeft an der nötig Stemm u Mitgliedern nehmer von Arbeiterv den Gießener haus„ Hochw (:) Der 12. Juni das daß Sr. Maj in der Fahne auch der Gar Feft in größ Inferat noch De hält seine no Forsthause ** Vi und 27. getrieben 12 Der n 1904 ftat *** Un feminar wil Baugelände $$ Ein gericht zu 3 unter 12 J A Gri rats am Sa folgende Tag lehrerin Joha des Lehrer Ro eines Feldgefo Der Pflastera eines Bücherfa Shaffung des A Grün und Vogelzuch Mit de 8 Tim без оftprengi tbaren Hatten n fich die ha Sen Wohnha boden und in dem jungen einigen Lagen Der Scheune dhlagen. GBlingen bilde Auf dem do eine beiden B fie den erb on getragen eidige Suitize schnöde um uwenden bel en bon feiten och die Eigent [! Oneten. Juni 1904 ffnet 45 U Bordnung bela for Dr. Rin r der medizin t habe; die ner tam zur Homberg Ausidues Stadt nod ei Ehrenprei Derrn Form den, wobei me Zeit vorgefa Mecum eberi es der Stadt a fen worde ge Firma a den u. a. and f ren laffen.id von Darmsta das Wasserwe ten in Augenschei im Café Ebel da Kanalisation Georgi foll d Vortrag bond Bunft 2 betre wurden das b 31( es hande Grof. Mitterma für Ederstra Säufern, welt erhaus errichten aße 69( der& ng umgewandelt furterstraße( h r), das von Lou warzlach. Au Die Wegsteingof der Deuts crichtung eine ein Tanklage ner Überleitun der Anlage ein den Mittelw tatuts Dispe te schon einm dtverordnetenver elehnt, weil ma 3 mit der 8 myandels hech zu erwarten ha Minifterium r Landwirt 18fammer Bing fladt und Of schon beantra ung den Bau Ifen und so n Antrag pro is aus, Frid en, während tellung zu di richte waren worden, fie fa Tes Mal wieder iher gefaßten! : Umbau des 3 der alten Si icher Sigung tte D.-B.Med - Der ne Bäue ift ich wird di enommen we den Bufian Im erflärt, neue Verfüg auf Abbrud St. bom Ard denburg yel mit abgelehnt Fluchtlinien befizer Einp - A Garbenteich, Unser Gesangverein„ Biftoria" hält am 10. Juli, das Fest der Fahnenweihe. Es werden schon die nötigen Vorbereitungen getroffen, den Festteilnehmern einige genußreiche Stunden zu bereiten. Die Festwirtschaft hat der Wirt zum grünen Baum übernommen. Griedel. 2. Juni. In der Nähe der Schwimmananstalt, dicht am Ufer, ertrant gestern in der Wetter der 8jährige Junge Karl Klee. Die Leiche wurde eine Stunde nach dem Unglück gelandet. erhoben, darunter auch Stadtv. Löber, welcher allein mit teil ersichtlich, am 4., 5. und 6 Juni seine IV. Lokal- Ge-| 27331 Quadratmetern dabei interessiert ist. Die Einsprüche flügel- Ausstellung in Ulrichstein ab. Eröffnet wurden sämtlich abgewiesen. Zwecks besserer Einteilung des wird die Ausstellung Samstag, den 4. Juni, nachmittags dort entstehenden Baugeländes schlägt Stadtv. Huhn vor, 2 Uhr; Sonntags ist die Ausstellung von 9 Uhr an geman solle unter den Gelände besigern einen allgemeinen Geöffnet; Schluß der Ausstellung ist Montag, den 6. Juni, ländeaustausch anstreben, so, daß jeder seine Quadratmeter- mittags 12 Uhr. Die Prämierung fir det Samstag, den Zahl behält aber doch wieder bessere Baugrundstücke dabei 4. Juni, vormittags statt. Sonntag, den 5. Juni, von herauskommen. Hierzu bedarf es, wie Ober- B. Mecum nachmittags 3 Uhr ab, tonzertiert die Ulanen- Kapelle aus bemerkt, erst einer Umänderung der Bauordnung. Die Hanau unter persönlicher Leitung des Königl. Musikdirektors Chaussierung der Bismarckstraße wurde, da die Univer- Herrn Urbach. Montag, den 6. Juni, findet eine Verfitätsbibliothek demnächst bezogen werden soll, genehmigt. Losung vom Geflügel all.r Art statt. Der Beschluß von letter Stadtv.- Versammlung, wonach durch Polizeiverordnung bestimmt werden soll, daß der Durchgangsverkehr der Woltengasse, der engen Passage wegen, nur von einer Seite stattzufinden habe, wurde sozusagen vertagt, man will die Kanalisationsarbeiten in diesem Stadtteil erft weiter vorwärts haben. Für den Umbau des alten Schlosses sind noch 16 300 Mk. verfügbar. Die Arbeiten sollen bis Herbst fertig sein. Der Treppenbau wird besonders interessant werden, da mehrere, dem oberhessischen Geschichtsverein gehörende Altertumstafeln dabei mit eingebaut werden sollen.- Die Abhaltung des Jugendfestes in diesem Jahre wurde beschlossen, troßdem daß im Schulvorstand eine erhebliche Minderheit dagegen gewesen ist. Die Unterbringung einer Klasse der höheren Mädchenschule in der Aliceschule, ferner der Rechnungsabschluß der Gießener Omnibus- Gesellschaft für 1903 ( hierzu ist ein Zuschuß von 577,77 Mt. aus der Stadtkasse erforderlich) werden genehmigt. Die zum Schluß der T.-D. vorliegenden Gesuche um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb wurden alle gutgeheißen und zwar von May Jaskowsky für das Gasthaus zum Löwen, von Georg Löhr für die Wirtschaft zum Herkules, von Heinrich Heyne für das„ Aquarium", von Adam Dieß für„ Restaurant Hohenzollern,", von Phil. Reizel für Erweiterung des Hotel Schüß, von Anton Roch für Restaurant Perfeo", von Schell für die Uebernachtungsgebäude an den Bahnhöfen und von Schildhäuer für Bleichstraße 5. Lokales. 3. Juni 1904. + Gießener Stadttheater.( Gastspiel der gesamten Operette des Großh. Kurtheaters Bad- Nauheim) Am Dienstag, den 7. Juni, geht, wie heute auch durch Inserat bekannt gegeben, als erste Operette Millöckers beliebter Bettelstudent" in Szene. Diese Vorstellung findet außer Abonnement statt und es wird vom Besuche dieser ersten Vorstellung abhängen, ob ein Abonnement auf 6 Vorstellungen aufgelegt werden kann. Für das geplante Abonnement sind 6 Borstellungen vorgesehen, wozu von heute ab bei Herrn Challier eine Liste zur Einzeichnung auf Abonnements aufliegt. Als Spieltage sind die Dienstage vorgesehen und folgende Operetten in Aussicht genommen, wobei etwaige enderungen vorbehalten sind:" Mikado", „ Fledermaus"," Puppe"," Chansonette"," Nañon" und " Bigeunerbaron". Eine große Anzahl Veranstaltungen sind für kommenden Sonntag in Aussicht. Der Krieger verein Gießen hält im Licher Walde 2. Schneise rechts ein Waldfest ab. Auf der Liebigshöhe wird es an der nötigen Unterhaltung nicht fehlen; der 1 Gießener Stemm- und Ringklub führt u. A. Ringkämpfe mit Mitgliedern des Weglarer Vereins aus, die für die FestteilDer Ev. nehmer von großem Interesse sein werden. Arbeiterverein unternimmt einen Spaziergang durch den Gießener Stadtwald und versammelt sich dann im Forsthaus" Hochwart". - ( Der Gardeverein Gießen begeht am 11. und 12. Juni das Fest der Fahnenweihe. Mit Rücksicht darauf, daß Sr. Maj. der Kaiser huldvollst genehmigt haben, daß in der Fahne neben dem hessischen und sonstigen Wappen auch der Gardeadler und Gardestern geführt wird, wird das Fest in größerem Stile gefeiert. Das Programm wird durch Inserat noch näher befannt gegeben. [:] Der Verein ehem. Jäger und Schüßen hält seine nächste Versammlung am kommenden Sonntag, im Forsthause bei Krofdorf ab. ** Viehmarkt zu Gießen. Bei dem am 26. und 27. Mai 1904 stattgefundenen Markte waren aufgetrieben 1209 Stück Rindvieh, 901 Schweine. Der nächste Markt findet am 7. und 8. Juni 1904 statt; am letzten Tage auch Krämermarkt. Um das neu zu errichtende hessische Volksschullehrerseminar will sich nun auch Büdingen bewerben. Das Baugelände soll kostenfrei gestellt werden. §§ Ein Hanauer Bäckermeister wurde vom Schöffengericht zu 3 Mt. Geldstrafe verurteilt, weil er einen Jungen unter 12 Jahren zum Brödchenaustragen benutzte. - A Grünberg, 3. Juni. Für die Sigung des Gemeinderats am Samstag, den 4. d. Mts., abends 8 Uhr, ist folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Gesuch der Industrilehrerin Johannette Balser um Gehaltserhöhung. 2. Gesuch des Lehrer Roth um Anbringung von Fensterläden.- 3. Wahl eines Feldgeschworenen für Jakob Haas III. 4. Vergebung der Pflasterarbeit bei dem Schulsaal. 5. Anschaffung eines Bücherschrankes für die höhere Bürgerschule. 6. Ab schaffung des Simmentaler Bullen wegen Bösartigkeit. - - A Grünberg, 3. Juni Der Vogelsberger Geflügelund Vogelzuchtverein Grünberg hält, wie aus dem Inseraten-| Mit dem heutigen Tage eröffne ich 8 Lindenplay 8 Verkaufsstelle. eine Dampfmolkerei Gießen. Jac. Persyn. Schanzenstraße 4 und Lindenplatz 8. Gießen. Hausen, 2. Juni. Die hiesige Lehrerstelle wird zurzeit durch Herrn Schulemte aspiranten Meyer aus Lich verwaltet. O Butzbach, 2. Juni. Die geftrige Versammlung der hessischen Angehörigen des Johanniterordens in der Comthurkirche zu Niederweisel war von etwa 20 Herren besucht. + Bad- Nauheim, 1. Juni. Herr Geheimrat Professor Dr. v. Behring- Marburg Erz. hat das der evang. St. PetriGemeinde in St. Petersburg hier gehörige Grundstück fäuflich erworben. Der Genannte weilt zur Zeit in unserem Bade und hat im Park Hotel Wohnung genommen. Marburg, 1. Juni. Seit heute Mittag sind die zahlreichen Baustellen verödet, nur hier und da sieht man noch einige Handlanger beschäftigt. Einige Unternehmer sperrten nämlich heute Morgen die Maurer aus, die an der geftrigen Versammlung teilgenommen hatten. Fast sämtliche Mitglieder des christlichen wie auch des allgemeinen Maurerverbandes legten darauf die Arbeit nieder. Die Maurer verlangen zehnftündige Arbeitszeit und 40 Pfg. Stundenlohn. Es ist dies in Marburg der erste größere Arbeiterausstand. En Besoch uff dem Gäßer Sengerstreit. Von Guschtav Velten aus L.... ( Fortseßung.) De annern Morje imm 7 Auer fing mei Ahlt o se brumme en saht, mer wellte emol en die Stoadt gieh. Ech zog mech o, en m'r ginge üwersch Kreuz uff de Selterschweg en wo m'r biegucke, dere harre se all die Fohne rausgehängt en hie en do Grines o die Häuser gemoacht. De Trenthause Guschtav hatt sogor en Hoob en e Schauer met Desch en Bent bestellt en e gruß Schald erausgehänkt. M'r ginge den Selterschweg widder erat en do m'r nu groat en d'r Neh woaru, ginge m'r zum Arnold em Schipfapaß, wo die„ Cäcilia" vo Lich eiquartirt woar, en bestellte us äbbes. De Nochmettog ginge m'r noch emol beim Fischerhofs Loui, wo die Germania" vo Krofdorf ässe sellt, en moachte us dann de Owend bei Zeit en de Feschthall. Wäi m'r em Owend nu so e meil dogesesse harre, funge se uff amol o se sänge vom deutsche Lied en de Mausig dert debei spiehn,' s woar wirklich schie, en dar met seim Stecke an de Haand, der vern dofehr stann en goab de Tun oh, dert sich alle Mäuh o, die Sach richtig en Schwung se ärwern, se sahr sogar, he hätt doas Lied selbst gemoacht en aach noch de Festgruß vom Owend verher. Doaß muß ech lowe, so Leu tann m'r brauche, de fer de Sengerei woas iwrig hu. Hernoch foame die ganze Gäßener Senger, ech glawe, & woarn bal dausig Mann, de sunge Zu Straßburg uff der Schanz" en"' s giht bei gedämpfter Trommelflang" en noch so e poar Denger en soleßt sunge äbbes vom Barbarossa ( der eß doch scho längst gestorbe) en de Mausig dert debei spiele, doaß mei Ahlt se heule aafing, weil de Melodei aach so schie tlinge dert. Wäi dann valles so weit fertig woar, ging ech mit meiner Ahle beim Rahnefeld, wo de Gesangverein Liederzweig" vo Walldorf enr quartirt wern seйt en bläib mit meiner Ahle do üwer Nocht. De annern Morge, ech glaab' s woar gegen 6 Auer, do moachte se uff amol so'n Speckdokil uff d'r Gasse, doaß m'r glaabte,'& det brenne, en wäi ech vam Fester gucke dert, moacht unne die Mausig verbei. M'r zoge us o en ginge emol uff de Bohnhoob, wo die fremde Senger sellte fomme, en wäi m'r so e Zeit lang do gestannen harre, toame se aach wäi die Biene aus d'r Eisebooh gefrowelt en jerer hat sei Fohn bei sich. Häi vern stann die Mausig schon sericht en em Tritt gings en die Stoadt. Um 10 Auer moachte m'r us en Clubsoal, weil m'r doch aach amol doas Preissenge herrn wollte, en sette us owe uff de zwate Stock. Wäi m'r nu so e Weilche do gesesse harre, funge se uff amol o se senge, ale a Bortion noach de annere. Se däre sich jo oalle Mäuh o, die Sach richtig en die Reih se ärwern, nur däi de lezt sunge, koannte net so wäi se wollte. Wäi nu die Singerei fehrtig woar, ginge m'r en de fühle Grund", wo d'r Gesangverein„ Arion" vo KleinLinden sich uffhahn dert en äffe se mettog. Gege 1 Auer ginge m'r en die Stoadt, weil m'r de Festzug wollte seh, en wäi m'r dann e Weil do geftanne harre, fomne se. Erscht die Mausig en dann so e goar feine Herrn, däi läiße sich In meiner mech. Schreinerei| Wegen Anlage einer Zen- mit Motorbetrieb finden mehrere tralheizung ca. 40 gut erhaltene Defen zu verkaufen. Hotel Prinz Karl, Gießen. Schreiner oder foahrn, en die Rodfohrer en die Gäßer Feuerwehr en die Senger met ihr Fohne. So en gruße Baug harr ech sei Lebdog noch nät geseh, aach bei ußer Kirmes näit. Wäi m'r nu hernoch wirrer uff de Festplatz foame; stanne se all imm se karesell erimm en do owe druff stann de Verstand vom Fescht en saht, m'r wehrn all willkomme en wer all en Preis grid hatt. Um 4 Uhr ginge m'r en Steins Corte, weil m'r amol herrn wollte, wer de Ehrenpreis groag, en wäi se do fertig woarn, wußte däi Richter näit rechtig, wer de Preis sellt grieje, so gaut harre se gesunge. ( Forts Bung folgt.) Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 4. Juni. Beitweise windig, wolfig, Temperatur wenig verändert, stellenweise Regenfälle( besonders im Osten und Süden.) Näheres durch die Gießener Wetterfarte. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. 1. nach Trinitatis, den 5. Juni. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Marcusgemeinde. Vormittags 9.30 Uhr: Professor Dr. Eck. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Euler. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrassistent Schulz. In der Johannesfirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neufonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannesgemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Katholische Gemeinde. Samstag, den 4. Juni. Nachmittags um 5 Uhr und abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 5. Juni. 2. Sonntag nach Pfingsten. Borm. von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heilig. Kommunion. " um 7 Uhr: " 11 8# Die zweite heil. Messe. um 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. " Nachm. um 12.30 Uhr: Christenlehre, darauf Andacht mit Segen. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. Sabbath feier am 4. Juni 1904. Freitag Abend: 8.00 Uhr. Samstag vormittags: 8.00 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgarg 9.20 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr, abends 8.00 Uhr. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter: haltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Teil Karl Klose, Grünberg. Praktisch, bequem u. angenehm unentbehrlich für Gebirge, Jagd, Sport, Reise, sowie für die See sind meine wasserdichten, wetterfesten, echt steyrische Loden- Fabrikate. Wasserdichte Wetterkragen mit abknöpfbarer Kapuze und Durchgreifschlitz, in tadelloser Ausführung von Mk. 17 110 cm Länge aufwärts. Julius Fischer Giessen, Schulstrasse 6. Lahn- Kalk- und Marmor- Industrie August Gabriel junior, Kalkwerke: Abendstern. Telefon 84. Jederzeit frischgebrannten Grau- und Weisskalk in Stücken und fein gemahlen. Prima Hartbrand- Ziegelsteine. Gebrauchte Drehbank gesucht 1-2 Mtr. Spiz nweite. Offerte unter 4489 Exp. d. Bl. erbeten. an die Glasergesellen Laden Seltersweg 73, dauernde Arbeit. H. Kekler, Lollar. Kleine Wohnung zu vermieten. Näheres: Gießen, Weidengasse Nr. 9. ist mit oder ohne Wohnung per sofort zu vermieten. Näh. Seltersweg 65, Gieken. Möbl. Zimmer per sofort zu vermieten. Gießen, Marktstraße 11. Laden zu vermieten. pro Jahr 250 Mt. und möbliertes Zimmer per sof. Gießen, Lindenplaz Nr 12. Freibant. Ochsenfleisch gesal. 40 B. Warenhaus A. Goldschmidt Schulstrasse 6 GIESSEN Schulstrasse 6 Samstag 4., Sonntag 5. und Montag den 6. Juni Achtundvierzig- Pfennig- Tage Alle Artikel des ganzen Waren- Lagers sämtlicher Abteilungen im Verkaufspreise von 54 Pfg., 58 Pfg., 65 Pfg., 68 Pfg., 72 Pfg. bis 75 Pfg. werden an diesen Tagen zum Einheitspreise von 48 Pfg. verkauft. Dieser Einheitspreis hat nur an diesen Tagen Gültigkeit. Stadt- Theater Gießen. Radfahrer- Verein„ Wanderlust" Grünberg. Gastspiel der gesamten Operette des Großh. Kurtheaters Bad- Nauheim. Dienstag, den 7. Juni d. 38., abends 8 Uhr ( Direktion Steingoetter.) ( Außer Abonnement): 1. Vorstellung: Juni d. Js.: Gemeinschaftliche Fahrt nach Ulrichstein anläßlich der dortselbst stattfindenden Geflügel- Ausstellung verbunden mit Konzert der Ulanenfapelle aus Hanau. Abfahrt früb präzise 7 Uhr vom Vereinslokal zum wilden Mann". Gebrauchter 2fiziger Tüchtige Verkäuferin Sportwagen * g.Blutstock.Timermann fucht, geftügt auf gute Zeugnisse, billig zu verkaufen. Näheres Stellung in Schuhbrauche bis Gießen, Weidengoffe Nr. 9. 15. d. Mts. oder später. Offerten unter H. 1000, Weklar, poſt- Hilfe* amburg, dichteſtr. 33. Hengrasversteigerung der Stadt Gießen. lagernd erbeten. Der Bettelstudent. Sengrasversteigerung Komische Operette in 3 Akten von Millöcker. Preise der Plätze im Vorverkauf bei Herrn Ernst Challier wie an der Abendkasse; Loge Mr. 3.- Sperrfitz Mt 2.50, 1 Parkett Mt. 2., 2. Parkett Mr. 1.50, Estrade Mt. 1.25, Gallerie Mt. 0.50. Falls sich genügende Beteiligung findet, ist im Sommer ein Abonnement auf 6 Operettenvorstellungen geplant. Eine Abonnementslifte zur Einzeichnung liegt von heute ab bei Herrn Ernst Challier auf. Der Abonnementspreis für 6 Vorstellungen ist folgendermaßen gestellt: Für Nichtmitglieder: Für Theatervereinsmitglieder: 13,80 Mt. Sperrsiz 11.Loge " f 1. Barfett 8.25 " " 15.- Mt. 12." 9." 7.50 " 2. Parkett 6.90 Vorgesehen sind außer Bettelstudent die Operetten Mikado, Puppe, Chansonette, Zigeunerbaron, Fledermans. Die Direktion behält sich etwaige Aenderungen vor. Grosse Geflügel- Ausstellung des Vogelsberger Geflügel- und Vogelzuchtvereins Grünberg zu Ulrichstein am 4., 5. und 6. Juni 1904. Sonntag, den 5. Juni, nachmittag 3 Uhr: Grosses Militär- Konzert ausgeführt von der Kapelle des Thüringischen Ulanen- Regiments Nr. 6 aus Hanau, unter persönlicher Leitung des Königl. Musikdirektors Herrn Urbach. Das Ausstellungs- Komitee. Donnerstag den 9. und Freitag den 10 Juni 1904, jedesmal vormittags 9 Uhr beginnend, soll das Heugras von den städtischen Wiesen meistbietend versteigert werden und zwar: Donnerstag, den 9. Juni 1904: a) an Orte und Stelle von den Wiesen im Neustädter Feld. b) bormittags 102 Uhr in der Restauration von Melchior Schäfer Wtw., Grünbergerstraße 6, von den Wiesen im Heegstrauch, in der Stephansmart und im Rußland. c) nachmittags 2 Uhr im Philosophenwald von den Wiesen im Fürstenbrunnen, im Wiesecktal und von 2 Hospitalwiesen, sowie 2 Pfarreiwiesen in der Gemarkung Wieseck, und um 5 Uhr von zirka 20 Morgen Wiesen in der Schwarzlach. Freitag, den 10. Juni 1904: d) von den Ochsenwiesen, einer Hospitalwiese, von den Wiesen im Stolzenmorgen, Utersbrunnen und Altentisch. e) nachmittags 2 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Rödgen. f) nachmittags 123 Uhr von den Wiesen in der Gemarfung Alten- Buseck. Bekanntmachung. && Das Hebregister über die Umlagen der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1904 liegt vom 4. bis 12. Juni d. Js. auf der Bürgermeisteret, Zimmer Nr. 15, zur Einsicht eines jeden Beteiligten offen. wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Beschwerden gegen dasselbe nach Vorschrift des Art. 96 der Städteordnung binnen 4 Wochen bet daß später vorgebrachte Reflamationen feine Berückfichtigung finden können. herzoglichem Kreisamt Gießen vorzubringen sind und der Umlagen durch Großh. Kreisamt Gießen im RegierGleichzeitig wird bemerkt, daß die Bekanntmachung ungsblatt unterm 28. Mai erfolgt ist, daß daher die Frist zur Vorbringung von Reflamationen, welche gegen Erhebung der Umlagen überhaupt gerichtet sind, von diesem Tage und für Reklamationen, welche gegen die Beitragspflicht oder das angenommene Beitragsverhältnis gerichtet sind, vom Ende der Offenlegungsfrist abläuft. Gießen, den 3. Juni 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Für einen Teil des Teufelsluftgärtchens entlang der Nowackschen Besizung ist ein neuer Fluchtlinienplan festgestellt. Derselbe fann beim städtischen Tiefbauamte( Gartenstraße 2) eingesehen werden. Gießen, den 30. Mat 1904. Großherzogliche Bürgermeisteret Gießen. Mecum. Bekanntmachung. und Die Kaplansgasse zwischen Kreuzplatz Katharinengasse wird von heute an bis auf weiteres für Fuhrwerksverkehr gesperrt. den Gießen, den 1. Juni 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. g) nachmittags 3 Uhr von den Wiesen in der Ge- Cabnkalk- Industrie Grossenmarfung Großen- Buseck. Die Zuſammenkunft ist am 9. Juni am Neu- Linden- Giessen. städtertor, am 10 Juni in den Ochsenwiesen. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, Vorstehendes in ihrer Gemeinde bekannt machen zu lassen. Gießen, den 2. Juni 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Inhaber: Carl Haas junior. Gießen. Ringofen- Kalkwerke. Grau Weiß- Stückkalk sowie Sackkalk u. stets vorrätig. Telephon: Kalfwerke Nr. 200, Kontor Nr. 282. INST UND JETZT Herzog Audienz und, trotzdem vorher kein einziger Plat unbesetzt war" fofort auch Engagement." Das war der Beginn der theatralischen Karriere Friedrich Haases. تم - 123 Freitag, ben 3 Junt. ssische Familienzein 1964 en EINST UND JETZT Ein könig'iches Handbillet. Es ist wirklich nicht gleichgültig, ob man einen König oder nur einen gewöhnlichen Sterblichen zum Paten hat. Namentlich junge Schauspieler können bei ihrer Geburt nicht vorsichtig genug in dieser Hinsicht sein, denn eine solche königliche Gevatterschaft kann ihnen einst sehr von Nutzen sein, wenn sie aus dem Fache der Säuglingsrollen" in die älteren Fächer der jugendlichen Liebhaber und ersten Helden übergehen. Für die Unanfechtbarkeit dieser Behauptung ist kein besseres Beugnis anzuführen, als der berühmte Schauspieler Friedrich Haase. Dieses große Glückskind war schon bei seiner Geburt vom Glücke begünstigt. Als Sohn des Kammerdieners Friedrich Wilhelms IV. am 1. November 1829 im Schlosse zu Berlin geboren, erhielt er unmittelbar nach seiner Geburt den Besuch einer Gesellschaft von Musen und Grazien, die allerlei kleine Patengeschenke in seine Wiege legten. Etwas später kam auch der König( damals noch Kronprinz) und wurde Pate des Neugeborenen. Er würdigte ihn fortwährend seiner Huld und Gnade, gab ihm, als seine schauspielerischen Neigungen lebendig wurden, Ludwig Tieck zum Lehrmeister und war auch sein Protektor, als die Zeit gekommen war, die ihn aus der Theorie in die Praxis seiner Kunst überführen sollte. Weimar wurde als erste Etappe der theatralischen Laufbahn Friedrich Haases ausersehen. Mit dem väterlichen Segen des Meisters und einem empfehlenden Handbillet des Königs an den Großherzog von Weimar in der Tasche, zog der jugendliche Mime an einem schönen Wintertage des Jahres 1846, im Alter von 17 Jahren, die Brust von Hoffnungen geschwellt, hin nach der klassischen Residenz an der Ilm. Nach mehrtägiger Fahrt mit der Post langte er daselbst an, und sein erster Weg war nach dem Theaterbureau. Ein alter Beamter, welcher im Vorzimmer des Intendanten sich befand, empfing den blöden und schüchternen Jüngling, welcher bescheiden sein Anliegen vorbrachte. Es ist ganz unmöglich, hier engagiert zu werden, alle Fächer sind besetzt." So lautete der niederschlagende Bescheid. In seinen jungen Hoffnungen geknickt, stand der Berliner Menschendarsteller da, und der alte Herr hatte noch so viel Mitleid mit ihm, um von seinem Dasein dem Intendanten wenigstens Kunde zu geben. Aber durch die halbgeöffnete Tür konnte unser armer Held aus dem Munde des Intendanten nur die Bestätigung seines Schicksals vernehmen. Keine Idee, gar nicht daran zu denken, alle Fächer besetzt!" so tönte es, kurz und schroff abweisend, zu ihm heraus, noch bevor jener Beamte es ihm verkündete, und Verzweiflung im Herzen wandte er sich zum Gehen. Was soll ich nun aber mit dem Handbillet anfangen?" fragte er mit bewegter Stimme den alten Herrn. Was für ein Handbillet?" ,, Nun, das, welches ich vom Könige mitbekommen habe. Wa. was vom Kö... vom Könige haben Sie ein Handbillet und an wen?" rief, mühsam nach Luft schnappend, der ganz aus der Fassung gebrachte Beamte." Nun, an den Großherzog." Vom König ein Handbillet an den Großherzog?! D, warum haben Sie denn das nicht gleich gesagt, verehrter Herr." " Und wie umgewandelt bot der plötzlich von heillosem Respekt ergriffene Beamte unserem vorher kaum beachteten Mimen einen Stuhl und eilte mit dem erbetenen„ Handbillet" unter tiefen Bücklingen zurück zum Intendanten. ,, Ah, freue mich unendlich, ganz unendlich, das Vergnügen zu haben," rief der Herr Intendant, mit dem freundlichsten Gesicht von der Welt unverzüglich aus seinem Bureau tretend und dem jungen Schauspieler die Hand schüttelnd. " Hab' schon viel schönes von Ihnen gehört, mein Bester, recht viel schönes; freue mich wirklich ganz ausnehmend. Werde Serenissimus das Handbillet überreichen, sollen Nachmittag Audienz haben, werden ganz gewiß engagiert, teurer Freund, ganz gewiß, au revoir!. Ob dieser Herr Intendant ein Nachkomme des seligen Hofmarschalls von Kalb gewesen, habe ich trotz der eifrigsten genealogischen Forschungen nicht zu ergründen vermocht; Tatsache ist: das königliche Handbillet hatte Wunder gewirkt. Noch selbigen nachmittags erhielt Haase beim Großherzog Audienz und, trotzdem vorher kein einziger Plat unbesetzt war", sofort auch Engagement. Das war der Beginn der theatralischen Karriere Friedrich Haases. * Bunte Blätter. Das erste Pferd auf der Bühne. Corneilles Tragödie Andro meda, welche im Jahre 1650 zum erstenmale in Paris über die Bretter ging, erheischte einen Pegasus, den man durch ein wirk> liches Pferd, dem man Flügel angeklebt hatte, darzustellen beschloß. Um nun aber das Dichterroß recht mutig und feurig erscheinen zu lassen, bediente man sich folgenden Kunstgriffes. Man ließ es erst recht hungern, und als es auf der Bühne erschien, wurde ein Statist in die Kulissen gestellt, der Hafer schwingen mußte. Das Pferd geberdete sich nun ganz nach Wunsch und soll durch die musterhafte Durchführung seiner Rolle nicht wenig zum Erfolge des Stückes beigetragen haben. Das war das erste Pferd auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Unter seinen Nachfolgern sollen wenig gewesen sein, die in ihrer Rolle so ganz an ihrem Plak" waren. Einseitig. Eine für den Dichter Uhland und seine bekannte knappe Weise sehr charakteristische Anekdote wird uns mitgeteilt. Der betagte Meister war mit seiner Frau eines Abends bei dem ,, alten Schott" in Stuttgart, und gab sich im Gespräch allerlei pessimistischen Grörterungen hin, an deren Schluß er bei der ewigen Wahrheit anlangte:" Jedes Ding hat eben seine zwei Seiten." Da unterbrach ihn seine treue Gattin lächelnd mit den Worten: ,, Ein Ding hat aber doch nicht zwei Seiten."„ Und das wäre?" fragte Uhland verwundert. Deine Brief', die haben alleweil nur eine Seite." Merkwürdiger Standeswechsel. Amadeus VIII. von Sa bohen, den seine Zeitgenossen den zweiten Salomo nannten, erlebte wohl den merkwürdigsten Standeswechsel, den je ein ge= fröntes Haupt erfuhr. Von 1391-1416 regierte er als Graf; Kaiser Sigismund erhob ihn 1416 zum Herzoge; 1434 legte er die Regierung nieder und ging zu Ripaglia ins Kloster, wo er den Orden des heiligen Mauritius stiftete. Als 1439 das Baseler Konzil den Papst Eugen IV. absetzte, wurde Amadeus VIII. zum Papste erwählt und bestieg als Felix V. den heiligen Stuhl, den er nach 1449 Nikolaus V. freiwillig überließ. Er blieb dann bis zu seinem Tode 1451 Kardinal, war also 25 Jahre Graf, 18 Jahre Herzog, 5 Jahre Mönch, 10 Jahre Papst und 2 Jahre Kardinal. Selbstguillotiniert. Ein Amerikaner, namens Pillsbury, hat sich vor einiger Zeit in seiner Wohnung zu Chelsea( Massachusetts) bermittelst einer von ihm erbauten Guillotine auf die sinnreichste Weise vom Leben zum Tode befördert. Diese Guillotine unterschied sich von der in Frankreich üblichen durch eine selbsttätige Nebenvorrichtung, welche an der Maschine zu dem Zwecke angebracht war, das Fallbeil nach einigen Minuten zum Niederfallen zu bringen. Das todbringende Werkzeug wurde nämlich durch eine, mit Wasser gefüllte lecke Gießfanne im Gleichgewicht erhalten. So bald ein Teil des Wassers abgelaufen war, überwog die Schwere des Fallbeiles, und dieses tat nun in einem Nu seine Schuldigkeit. Namen der Trinkgefäße. Im Gegensaße zur Auffassung des antiken Kulturlebens, welches Personen zu Sachen herabwürdigt, erhob germanische Gesittung Tiere und Sachen durch Beilegung von Eigennamen in das Bereich einer gewissen Persönlichkeit. Die altdeutsche Tierfavel belegt dies mit vielen Beispielen, und Häuser, Schiffe, Geſchütze, Schwerter, Glocken und Trinkgefäße verdanken von früher Zeit her deutschem Sinn und Wizz bezeichnende Eigennamen. Wir wollen hier nur in kleiner Auswahl unseren Lesern solche mitteilen, mit welchen der Frohmut wackerer Trinker Pokale, Humpen und Kannen bezeichnete, die den edlen Stoff für gemütliche und für feierliche Gelage hergaben. Daß die Beilegung eines solchen Namens in einem festlichen Akte durch eine„ Taufe" stattfand, die durch eine angemessene humoristische Rede inauguriert wurde, soll hier nur ganz kurz angedeutet sein. Unter den Namen, welche sich durch geistreiche oder wißige Bezüglichkeit einer Ueberlieferung würdig gemacht haben, finden wir an Humpen, Pokalen und Bechern aus edlen Metallen: Willkomm Trußgram Freudhold Allwert ( Stehauf) Netegaum Grüßgast Runde herumgeht) Durstgram aufhebt) Löschbrand - - - Wendunmut Allenrecht Stülpum Gerundium( der in der Hebenstreit( der den Streit Suffolk Klagefurt Labegern Nothelfer Sangwinicus( Sang, Wein, Kuß Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang 2c.) Maulbronn Hietrint( Hi trink). - - Mr. 123 Freitag, den 3 Junt. 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerci, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. (( 12. Fortsetzung.). Die Rache ist mein. Driginalroman von Ottomar Beta Einige Raujacken, die in Hörweite dieses Gesprächs standen, stimmten einen höhnischen Chorus an, in welchen bald die gesamte Armee von Arbeitern mit einstimmte, und ein rohes Gewirr von gebrülltem Gesang und schallendem Gelächter hallte dem mißliebigen Napoleon" nach, während er den Ort verließ. Er fuhr, ohne sich von seiner Mutter zu verabschieden, in die Stadt und stürzte in das Fiebigerſche Bureau. „ Stöberer!" Dieser war in Akten vertieft und sah ihn wie aus weiter Ferne fremdartig an. ,, Was geschieht, wissen Sie nicht?" " Zwar alles weiß ich nicht, doch viel ist mir bewußt," zitierte dieser. ,, Wo ist dieser alte... dieser..." ,, Der Herr Justizrat? Verreist mit dem Frühzuge hat mir nur ein paar Zeilen hinterlassen nicht einmal wohin.' ,, Und dieser Amerikaner?" indifferent, weiß Herr Staudius ist ausgezogen in den Speicher, die alte Siederei, die Riek gepachtet hat. Uebrigens, Ihre Frau Mutter hat die Hypothek gekündigt, die auf das Staudiussche Haus, Herr Moriß. Ich war, wie Sie wiſſen und wünſchten, gestern früh draußen, um mit ihr abzurechnen, und da fie Ihren Intentionen gemäß von mir erfuhr, daß der junge Staudius hier Aufnahme gefunden, so befahl sie mir sofort die nötigen Schritte zu tun, einstweilen als Drohung. Ich hinterließ das Dokument gestern, damit Herr Fiebiger Einblick in dasselbe nehmen könnte Moritz, schon ohnehin leichenblaß, wurde nun olivenfarben. „ Das darf nicht sein," stieß er heiser, fast tonlos hervor. Leider zu spät... ich fand es nicht mehr vor. Ich dachte zuerst, daß dies die Veranlassung zu Herrn Fiebigers plöblicher Abreise sein könnte, aber ich habe mich geirrt. Die Löschung der Hypothek ist auf Grund des Dokuments bereits anstandslos erfolgt, und hier ist eine Anweisung des Herrn Rieg auf sechzigtausend Taler, auch Zinsen im aufgestellten Betrage, im ganzen neunundsechzigtausendvierhundertdreiundzwanzig Talern achtzehn Silbergroschen auf die Commercebant Union. Wollen Sie über den Empfang für Ihre Frau Mutter quittieren oder soll ich ihr das Papier lieber selbst aushändigen lassen? Wohl besser, da sie in Geldsachen feinen Spaß versteht." Moritz knirschte mit den Zähnen. Sie haben mich verraten, Stöberer! Sie durften meiner Mutter das nicht abnehmen. Sie wissen, daß... daß Ja, daß... daß... daß Stöberer trat hinter seinem Pult hervor und sah Herrn Moris ins Gesicht, Auge in Auge, ähnlich wie dieser ihm noch kürzlich ins Gesicht gesehen hatte. Er war auch ebenso bleich wie dieser und bebte jetzt vor höhnischer Wut. Dann sprach er ebenso leise und heiser: Verzeihen Sie, Herr Moriz, ich bin zu manchem Geschäft zu gebrauchen, aber Andeutungen, wie Sie sie mir ( Nachdruck verboten.)) vorgestern zu machen beliebten, lasse ich mir nicht gefallen. Was wollten Sie damit sagen: Zuchthaus in Sicht?" Was für Andeutungen? Ich verstehe Sie nicht," flüsterte Moritz, sich entsegt umsehend. ,, Aber ich habe Sie sehr wohl verstanden," zischte Stöberer durch die Zähne. Ihr Glück hat Sie größenwahnsinnig werden lassen, vielleicht bringt Sie das Unglück wieder zur Besinnung. Ich wache!" schloß er drohend. Die anwesenden Schreiber duckten sich tief über ihre Kopalien, aber sie schielten verstohlen empor und zuckten ängstlich zusammen, als das Wieselauge des gestrengen Herrn Stöberer über sie hinflog. Auch Moriz zuckte zusammen, dann stolperte er fast fassungslos hinaus und lief dabei wie blind mit der Stirn gegen die Türkante hinter der Portiere. Vierzehntes Kapitel. Es war ein schwerer Tag für Herrn Moritz, aber er verlor die Besinnung nicht. Trotz der Brausche an der Stirn trieb es ihn, nun Franziska noch zu sprechen und vom Hofe aus, um den nochmaligen Gang durch das Bureau zu vermeiden, zu ihr zu dringen. Er rief Anton Köberlein, um sich durch diesen bei der Tochter des Hauses melden zu lassen. Anton Köberlein wollte sich zuerst dem ausgesprochenen Wunsche gar nicht fügen. Er war sehr niedergeschlagen. " Ich bin daran schuld, daß Herr Staudius aus dem Hause gehen mußte." Sie?" starrte Moritz, sich die Brausche mit seinem Taschenmesser drückend. " Ja... es kommt alles daher, daß ich es Ihnen erzählt habe, daß der arme Stü'rmann sich bei mir Geld geborgt hat. Armut ist ein Verbrechen heutzutage, während es bei den Aposteln eine Ehre war. Damals hätte ich leben mögen, ich wäre eine Art von Johannes geworden." Morik zog einige Münzen heraus und wollte sie dem Sträflinge geben. Man hätte Sie gewiß als Märtyrer gebraten," sagte er höhnisch ,,, da nehmen Sie. „ Nein... nein," weigerte sich der Sträfling, das eine Auge pfiffig zukneifend,„ Sie wollen meine Seele kaufen, Herr Moriz." Moriz warf die Münzen zornig zu Boden. Melden Sie mich!" schrie er den Sträfling an,„ Sie Johannes Tappsius, Sie!" Dieser sah ihn an und verfiel in ein breites Grinsen; dann schob er sich die Müße über die Nase und kratzte sich hinter den Ohren. Moriz bebte vor Wut. ,, Nicht alles ist käuflich," sagte Köberlein, ich diene nur denen, deren Nase mir gefällt. Meinem Sergeanten seine gefiel mir zum Beispiel nicht Moritz stieß Köberlein zur Seite und stürmte die Balkon. treppe hinauf, fand aber den Zugang zum Salon verschlossen, und durch die Küche wollte er nicht gehen. Er stand eine eine Berüd gen find und Wochen bet ach Vorschrift hen Kenntnis offen. E eret, Zimmer liegt bom der Stadt tifden Tiefluchtlinienens entlang 17 lag und 息 eiteres für 50 Weile ratlos, dann trat er an den Sträfling heran, sich zur Gelassenheit zwingend: Aber, Köberlein, nehmen Sie doch Vernunft an. Es liegt im Interesse des Fräulein Fiebiger, daß ich sie jetzt spreche." „ Das ist otter Schose," erwiderte nun Köberlein,„ für das gnädige Fräulein laß ich mich totschlagen, aber Sie haben's zu verantworten." Er ging und meldete Herrn Moritz beim Hausmädchen, und diese trug die Meldung in die inneren Gemächer. Franziska öffnete bald darauf selbst die Balkontür, und bat Herrn Moritz, einzutreten. Dabei drohte sie Köberlein scherzend mit dem Finger. „ Er ist ein närrischer Kauz, Herr Moritz," sagte sie begütigend, man darf ihm nichts übel nehmen. Im Grunde feines Herzens meint er es gut." Dann bat sie Herrn Morib, Platz zu nehmen und beſtellte ein paar Biskuits und ein Glas Wein. " Sie fehen angegriffen aus, Herr Morik." Sie sah ihn, sich seßend, mit einer ihr eigenen ergebenen und zugleich Yaunigen Miene an, der Dinge harrend, die nun kommen würden. Sie sah reizend aus mit ihrem frischen Teint, dem leicht geträuselten Haar und dem lebensfroh leuchtenden Blick, und zwar an diesem Morgen reizender, als je zuvor. Eine große Last war von ihr und ihrem Vater abgewälzt worden, und das war über alle Erwartungen schnell gegangen. Aber sie wußte sich zu beherrschen und hatte sich vorgenommen, dem langjährigen Peiniger gegenüber die Unbefangene zu spielen. Sie sah ihn noch immer erwartungsvoll an und legte die Hände in den Schoß. " Ihr Herr Vater ist verreist," brachte Moritz endlich heraus. „ Nach Berlin, Herr Moriz, in Sachen der Aktiengesellschaft, wie ich glaube; Sie haben ja Ihre Beteiligung zugesagt, und das wird die Präliminarien gewiß erleichtern." „ Es kommt sehr überraschend; aber nicht um deswegen mit Ihnen zu sprechen.. Er stockte und biß sich auf die Lippen. Franziska sah ihn wiederum erwartungsvoll an. sch wollte um Entschuldigung bitten..." Weswegen?" Wegen der gestrigen Szene," fuhr Herr Moritz fort, indem er sich ein Lächeln abzwang und seine weißen Zähne zeigte. ... deswegen? Nachdem die Dinge eine so gute Wendung genommen haben, ist das kaum noch vonnöten," lautete Franziskas gleichmütige Entgegnung, und es wäre vielleicht besser, Sie sprächen nicht davon." Heilung bei Rotid le in Nordkore Fieren dort sehr ang haben sie mehrere Proviant stampje befürchter Forea fliehen biel letzten Worten völlig ins Schwanken geriet, so nickte sie aberDer R General Auropatti femem Ariegsplan bor Ligg bisher das Schwe hauptung der Linie fith, will er nunmeh Laulung- Halbinsel Integerischen Operati Cine Lofioter bar Nähe von Lifi Adams, das sich nu Wie schwer den meisten, sich selbst zu erkennen, ruffischer Bo cffaffen läßt. Das Gine Abteilung einen Zusammenst ! Kavallerie und Ar Nähe von Litiat harten Gefecht. D geworfen. Die ja darunter ein Offi ziere. Die Berlust Daß es sich um ei mird durch ein Teleg bestätigt, wonach 144 000 Mann auf dae Station Wafan begriffen ist. 16 Höchstwahrscheinl her bisher von ihm b efehl des Baren r tung in Petersbur nationalen telegraphij Frieden geben, daß Bionierarbeit im fallen soll, und b Trengungen zu jei härischen und polit so wurde der riegsrat abc I Imitänden Hilfe Auch der Höchst battin Lind fdire Bernichtung der Kriegsschiffe salle, so lautet Staffel, hat einen manweiſt, die Den Kommandant und fämpft mit liber heißt das: C General Kur vermeidliche füg ibt es am Ende chen General, se attin aber mit muß, ist klar. müßte er seine önnte leicht in un heren Gemi hrden. Daß es für tellung bei Mu erbor, daß seine ichen Lungusen iefer räuberische Winebene mit de Tie Bahn zu beun elben Liebesdien ,, Gnädiges Fräulein, Sie sind grausam," stieß nun der junge Kaufmann heraus, indem er um eine Schattierung Bleicher wurde. Ich muß davon reden, ich hätte gerne gestern schon... aber sie waren bereits fort, als ich Sie suchte. Ich hatte so große Mühe, meine Mutter zu beruhigen...' „ Es war doch aber sehr gut, daß wir uns aussprachen und daß wir auf diese Weise auseinander gekommen sind. Warum soll man sich zu einander zwingen, wenn man offenbar nicht zu einander gehört? Also, bitte, Herr Moriß, Lassen Sie das alles auf sich beruhigen." " Ja, ja," rief Morik, es ist wahr, man muß Gott danken, daß es so gekommen ist. Sie haben diese peinliche Geld angelegenheit, welche zwischen Ihrem Herrn Vater und meiner Mutter schwebte, stets als eine Fessel empfunden." mals mit dem Kopfe. Dann glättete sie ihr seidenes Schürzchen und deutete auf die Biskuits und den Wein. „ Wozu das alles?" fragte sie mit dem Tone leichten Vorwurfs, der dennoch die äußerste Gleichgültigkeit bekundete. ,, Sie zwingen mich, zu reden, im Namen meines Vaters, Herr Morib, der übrigens von dem früher zwischen uns Vorgefallenen nichts weiß. Es mangelt Ihnen, wenn ich meinen naiven Urteile folgen soll, an Menschenkenntnis. Sie meinen Ihre Ziele auf Pfaden erreichen zu müssen, die man nur gehen kann, gleichviel in welcher Absicht, in guter oder böser, wenn es einem gelingt, seine Mitmenschen wirklich zu täuschen, oder wenn man es mit Kreaturen zu tun hat, die einem auferlegten Drucke willenlos nachgeben. Aber wie Franziska nickte in Bestätigung.„ Gewiß habe ich das." „ D, gnädiges Fräulein, wie konnten Sie sich durch so fleinliche Rücksichten mit irgend welcher Voreingenommenheit erfüllen lassen.... ich fürchte, ich muß hinzufügen, auch gegen mich.... besonders gegen mich?! Doch Gott sei Dank! Das ist nun fortgeräumt. Ich hoffe, es wird mir bergönnt sein, um so unbefangener... ich meine, Sie werden es mich nicht entgelten lassen... es war meine Absicht nämlich, selbst Besitzer jener Hypothek zu werden, und wenn meine Mutter von ihrem Born, ihrer tyrannischen Laune sich so weit fortreißen ließ, ehe ich selbst eine Ahnung davon hatte... ich war da, ich wäre gekommen, um alles ins gleiche zu bringen." Franziska hatte inzwischen ihren Gast mit einem Blick firiert, der ihn nötigte, auf seine Versicherungen keinen allzu großen Nachdruck zu legen, und da seine Stimme bei den wenige solcher Menschen gibt es doch! Freilich, oft ist der 3wang ja fast unwiderstehlich. Sie hatten das gut berechnet. Papa hat aus Rücksicht für mich, und ich habe aus Rücksicht für ihn jahrelang die Fessel getragen, mit der Sie uns beide widerstandslos unter ihr Gebot hinabzudrücken gedachten. Aber ich gebe Ihnen mein Wort, sobald es Ihnen eingefallen wäre, uns vor ein bestimmtes Entwederoder zu stellen, so wären wir lieber als Bettler aus diesem Hause gegangen. Keiner von uns würde es geduldet haben, daß der andere sich auch nur das mindeste vergäbe. Gestern standen wir vor dieser Wahl, und heute schon hätten Sie und Ihre Frau Mutter in dem eben von mir ausgesprochenen Sinne Ihren Bescheid erhalten, als es sich in lekter Minute als unnötig erwies, Ihrem Zwange nach irgend Richtung hin nachzukommen oder auszuweichen. Aber auch ohnedem, Herr Moritz, würde Ihre Strategie sich als eine falsche erwiesen haben. Ich kann nicht dafür, wenn Sie es mir übel nehmen, daß ich endlich einmal in dieser Weise offen heraus zu Ihnen rede. Denn Sie haben frühere Andeutungen, die ich Ihnen nach dieser Richtung hin machen mußte, nicht verstehen wollen und nicht beachtet. Ich hätte es ohnehin getan, um Ihnen die Ohnmacht der Mitttel zu zeigen, mit welchen Sie die Herrschaft über Ihre Mitmenschen ausüben zu können wähnen, während Sie sich in Wirklichkeit nur um den Dank, die Anhänglichkeit und die Dienstbereitschaft betrügen, die man Ihnen, wenn man die Dinge oberflächlich betrachtet, zu schulden glaubt." Sie schwieg, und da Morik nicht sogleich zu antworten wußte, gab sie noch eine Erläuterung. „ Das sind ungefähr die Worte, die Papa an Sie gerichtet haben würde, wenn er gestern noch dazu die Gelegenheit gehabt hätte, auch ehe es ihm durch die Dazwischenkunft dritter möglich wurde, sich finanziell mit Ihrer Frau Mutter auseinander zu setzen." Bei diesen Worten erhob sie sich, neigte den Kopf und verließ den Salon. Moritz starrte eine Zeit lang vor sich hin, dann verzerrte sich sein Mund. Er würgte an seinem Kragen, als hätte er eine Schlinge um den Hals. Es war jedenfalls die eigene Schlinge, in der er sich nun gefangen fühlte. Er hatte den Großmütigen spielen wollen, im Gegensatz zu seiner Mutter, und nun war er infolge ihrer Uebereilung aller weiteren Mühe nach dieser Richtung hin überhoben, freilich auch um alle weitere Gelegenheit gebracht worden, sich in ein schönes Relief zu setzen. Einer seiner großen Lebenspläne war gescheitert, nebst andern. Er hatte stets darnach gelechzt, diese stolze Franziska in sein Joch zu zwingen. Er kannte nur einen Weg dazu, sie, die Arme, durch die sieghafte Gewalt seines Reichtums zu erobern. Und seine Logik war nicht so ganz unrichtig. Aber mit solchen Dingen, wobei Frauenherzen beteiligt sind, hat die Logik im gewöhnlichen Sinne verzweifelt wenig zu schaffen. Moritz zuckte mit den Achseln und gestikulierte, wie mit sich selbst debattierend. Es ist wahr, Franziska hatte ihm bei früherer Gelegenheit einen Korb gegeben, vor Jahren, kurz, nachdem die Hypothek von seiner Mutter übernommen worden war; und er hatte sie damals inständigst gebeten, daß sie ihrem Vater von seinem Antrage nichts sagen, ihm den ferneren Verkehr im Hause nicht unmöglich machen möchte. ( Fortsetzung folgt.) fällt's Ihr Tun stets beim richtigen Namen zu nennen. Der Eitele rühmend von sich stets nur spricht, Die Wahrheit zu hören, behagt ihm oft nicht, Hektors Abschied. Skizze von A. v. Plankenberg. Die Chinefer Giihn gemacht, gewöhnlich ener Peting hat an Dorin er Inftruftion mgeben zu la Broße Hat ein wenn micht die Gebäu haft bewohnt Berlegung der 84 גג הטנט ab, vielleicht erholt er sich wieder. Du weißt ja, wie es boriges Jahr mit ihm ging." Der Forstmeister schüttelte zwar den Kopf, gab indessen nur allzu gern nach. Seit das Wort vom nahen Ende Heftors gefallen war, verdoppelte sich die Aufmerksamkeit und Teilnahme aller für den Hund, der zusehends teilnahmsloser und unzugänglicher wurde. Mit wachsender Besorgnis glaubte binnen kurzem der Forstmeister zu erkennen, daß sogar das Gehör Heferls bereits gelitten hatte. So viel gute Bissen ihm auch zugetragen wurden, er beachtete sie kaum und überließ die fleischigsten Knochen ohne weiteres der jungen Meute, die sich laut kläffend darum stritt.- Als bei der nächsten Dienstmeldung der Heger Kraft beim Abgange noch einmal fragte, ob der Herr Horstmeister sonst etwas zu befehlen habe, sagte dieser hastig: ( Nachdruck verboten.) Seine Tage sind längst gezählt. Er steht schon im achten Felde und darf auf Leistungen zurückblicken, die der junge Nachwuchs nicht so bald aus dem Gedächtnisse des gesamten älteren Forstpersonals verdrängen wird. Insbesondere der Forstmeister, sein Herr und Besizer, kann sich gar nicht entschließen, der Tätigkeit„ Heferls" ein Ende zu sehen. Vorigen Herbst, zu Beginn der Hühnerjagden, schien es bereits, als wäre es ein- für allemal damit vorbei. Dann aber kam plößlich das Jagdfieber in die Knochen des alten Hundes, vielleicht auch gab die Erinnerung einstiger Siege auf dem Felde der Ehre ihm neue Kräfte, genug, Hektor stand nach wie vor Kette um Kette und ließ es sich nicht nehmen, die ganze Jagdzeit bis zum Schlusse pünktlich und pflichtgetreu mitzumachen. Als aber die Tage kamen, an denen er müßig in der Kanzlei neben dem Ofen stundenlang der Ruhe pflegte und dem Augenblicke, da sein Herr den Sessel vom Schreibtische zurückschob, um sich zum Fortgehen zu rüsten, mit ungewöhnlicher Geduld entgegensah, da schüttelte der Forstmeister den Kopf und sagte nachdenklich:„ Hekerl, Heferl, was ist denn mit dir? Auf Böcke gehen wir zwei wohl nimmermehr miteinander. Hast dich dein Lebtag zu viel geplagt, wirst vor der Zeit alt, Hekerl, mein guter Bursch." Früher war Hektor derjenige gewesen, der mit bittendem Blick seinen Herrn so lange umschmeichelt hatte, bis ihm die ersehnte Liebkosung zu teil geworden, jetzt richtete er wohl die klugen Augen mit zärtlichem Ausdrucke auf den, der ihm so gute Worte gab, wedelte wohl auch als Zeichen des Verständnisses leise mit der Rute, aber er blieb ruhig liegen und ließ sich eben nur gefallen, was ehemals zu erringen ihm als kostbarste Beute galt. Um ihn her wuchs eine ganze Meute junger Hunde verschiedenster Rassen auf. Ich muß einen Nachfolger für meinen Hekerl erziehen," sagte seufzend der Forstmeister. Habe Auswahl genug und will mir doch keiner so recht gefallen. Einen zweiten Hektor gibt es freilich nicht mehr." Der alte Hund zeigte dem jungen Hundevolfe gegenüber dieselbe Nachsicht und Großmut, welche er stets den Kindern des Hauses erwiesen. Nur der drei Monate alte Pointer mit dem kastanienbraunen Fell, der schon jetzt sichtlich von Seite seines Herrn bevorzugt wurde, durfte ihm nicht zu nahe kommen, ohne in grollendem Tone angeknurrt zu werden. Der Kleine Dackl hingegen, der ihm oft genug über die Vorderpfoten kugelte, erfuhr nie die geringste Abweisung. Nicht selten schaute er sogar unter müdem Blinzeln den Spielen desselben zu, als dächte er bei sich: Freue dich nur deiner Jugend, hast alle Ursache dazu. War cuch einmal klein und gerade so närrisch wie du." Er schien es kaum zu sehen, daß die Kinder seines Herrn weit mehr Zärtlichkeit für den neuen Nachwuchs zeigten als für ihn, den cinstigen Spielgenossen. Wenn Hubert ihm in seiner lebhaften Weise über den Schädel strich und dazu rief:„ Auf, auf! Steh' doch auf, du fauler Hektor!" schloß er die Augen nur noch fester, erhob sich aber, obschon mit ungelenken Gliedern, im Nu, so oft der Forstmeister den Pointer zu Fich rief. Dicht drängte er sich in solchen Augenblicken an die Knie seines Herrn und hob den Kopf in die Höhe, wie um anzudenten: Ich bin ja noch da. Was russt du den anderen?" Die glänzenden Sterne in seinen braunen Augen aber erloschen von Tag zu Tag mehr. Es war kein Zweifel, das arme Tier begann zu erblinden. Wirst unserem Hekerl nicht lange mehr das Gnadenbrot geben brauchen, Mutter," sagte eines Tages bei Tische der Forsimeister zu seiner Frau.„ So schwer mir's wird es wäre eine Grausamkeit gegen den Hund, ihn lange leiden laffen Brächte ich es nur übers Herz, ihn selber zu erschießen!" Die Kinder schrieen laut auf, bittend legte die Frau ihre Hand auf den Arm des Gatten.„ Wart' noch den Frühling „ Mein Hekerl dort— Sie haben unter unseren Leuten die sicherste Hand- machen Sie's kurz, sobald ich auswärts bin. Aber nicht zu nah beim Hause, und daß der Hekerl nichts kennt. Sie verstehen mich." " Zu Befehl, Herr Forstmeister. Werd's schon machen. Schad' um das Tier, alle Achtung vor ihm. Es verdiente, hundert Jahre alt zu werden." Der Forstmeister wandte das Gesicht dem Fenster zu; er wußte am besten, welch treuen Gefährten er an dem Hunde verlor. Wenige Tage später, der Maimonat ging zu Ende und ein windfreier Abend versprach sichere Beute, lud der Forstmeiſter ſeinen Kugelstutzen. Hektor sah ihm von seinem Ofenplaze mit erhöhter Aufmerksamkeit zu. „ Nun, Alter, willst du noch einmal mit mir gehen? Wir zwei ganz allein, wie in früheren Zeiten?! Komm, Hekerl, komm! Kannst noch lange genug schlafen nachher. Es gilt ' nen feisten Bock, hörst du, einen Bock, Alter, einen Bock!" Langsam erhob sich der Hund, dehnte die Glieder und stellte sich an die Tür. Seinem Herrn zur Seite trottete er über die Straße und Wiesenpfade dem Walde zu, der sich meilenweit in undurchdringlichem Dunkel erstreckte. Unhörbar fast schlichen die beiden den Waldsaum entlang, der Lichtung zu, wo das Wild zu wechseln pflegte. Das leise Rauschen der Baumwipfel verschlang jedes Geräusch, nur zuweilen surrte aus den Zweigen der Eichen ein Maikäfer durch die Luft in den Sternenhimmel hinein. Der Forstmeister hatte sich, das Gewehr im Anschlag, hinter einer dickstämmigen Buche angestellt. Hektor saß ihm zu Füßen mit lauschend erhobenem Kopfe, als bemühe er sich, seinen er= sterbenden Sinnen die Witterung des erwarteten Bockes nicht entgehen zu lassen. Die Blicke seines Herrn ruhten gedankenvoll auf ihm.- ,, Wird heute nichts heißen, hätte den Hekerl nicht mehr mitnehmen sollen," murmelte er vor sich hin und ließ den Stußen sinken. Da eine Bewegung des Hundes... Drüben, vom Silberlichte der Mondsichel gestreift, zeigt sich zwischen den Stämmen die Gestalt eines Rehbockes, der vorsichtig äugend dem Bache zuwechselt. Aber was ist das? Hektor richtet sich noch höher auf. Er scheint alle Gesetze der Jagdschulung, die Pflichten seiner Aufgabe vergessen zu haben, denn ein wütendes Kläffen entringt sich jetzt seiner heiseren Kehle, und die kurzen Haare seines Felles sträuben sich, wie von Feindeshand berührt. Der Horstmeister hat begriffen. Er reißt den Stuten an die Backe.„ Steh' oder ich schieße!" Der andere aber ist schneller, weniger gewissenhaft wie er. Schon saust eine Kugel durch die Nachtluft, dicht an seinem Ohr vorüber, um in den Buchenstamm neben ihm einzuschlagen. Nun gibt es kein Halten mehr für den treuen Hund, der in diesem Augenblicke höchster Gefahr im Dienste seines Herrn noch einmal den Mut, das Feuer, die Kraft die Jugend wiederfindet. Wie ein Pfeil schießt er über den Wiesenstreif, der ihn von dem Angreifer trennt. Sein atemloses Gefläff schallt Hilfe heischend durch den nächtlichen Forst. Und nochmals blißt es drüben auf. Diesmal hat die Kugel ihr Ziel nicht verfehlt. Der Hund ist mitten im Saße zusammengebrochen, nur ein kurzes Todesröcheln hebt noch seine Bruſt. Er hört nicht mehr, daß es im Walde ringsum laut geworden, daß der Feind im Rücken von streifenden Jägern überrumpelt wird. Sein brechendes Auge sieht nur den geliebten Herrn, der ihm zur Seite knieet und über dem sterbenden Hunde vergessen hat, wie nahe ihm selber der Tod an seiner statt gewesen.