Nr. 102. Abonnementeprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., n's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblafen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Montag, den 2. Mai 1904. Gießener 13. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonit 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Vfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Leutwein bleibt! Oberst Leutwein bleibt militärischer Leiter der Operationen in Südwestafrika und Gouverneur der Kolonic. 50 hat der Kaiser, wie unser Berliner CB- Mitarbeiter hört, auf den Vortrag des Reichskanzlers in Karlsruhe verfügt. Maßgebend für diesen Entschluß des Kaisers war zunächst die Tatsache, daß Leutwein bei den militärischen Operationen gegen die Herero ebenso wie früher gegen diese und andere Negerstämme neben großem Schneid auch die gebotene Umsicht und Vorsicht an den Tag legte. Wenn er bisher nicht mehr erreichte, so liegt das nicht sowohl an ihm als an feinen Unterführern, die das Land nicht kannten. Bum andern ist zu besorgen, daß eine Abberufung Leutweins einen Abfall der Witboois veranlassen könnte. Hendryk Billboot ist dem Gouverneur persönlich treu ergeben; ob ein anderer Oberkommandeur ebenso sicher auf Witbooi zählen könnte, ist höchst fraglich. Beutwein wird, so hat der Kaiser weiter entschieden, ohne weiteres diejenigen Verstärkungen erhalten, die er verlangt. Dafür rechnet der Kaiser auf eine baldige Niederwerfung des Aufstandes. Zeigt sich Leutwein nicht im Stande, diese Aufgabe zu lösen, so würde selbstverständlich an seiner Statt ein anderer, und dann wahrscheinlich ein zur Generalität gehöriger Offizier, das Oberkommando übernehmen. Indessen darf erwartet werden, daß Leutwein, der als Truppenführer in der Kolonie schon Bedeutendes geleistet hat, mit den erforderlichen Hilfskräften den Aufstand binnen kurzem nied erzwingen wird. Nachrichten über neue Ereignisse in Südwestafrika liegen anfteilen nicht vor. Dagegen kommt eine nachträgliche Del dung, die recht unerfreulich ist: In dem Gefecht kei Omitotorero ist das Maschinengeschüß, das der Stalb des Majors v. Glasenapp bei sich führte, in die hände der Herero gefallen. Auch aus dem Süden der Kolonie, aus dem Bondelzwartsund Namagebiet, wird Unerfreuliches gemeldet. Ein Ansiedler in Namaland hat nach der Heimat ein Schreiben ge= richtet, in dem dem Gouverneur der Vorwurf einer Demütipung Deutschlands vor den Bondelzwarts gemacht und die Lage im Süden gefährlich genannt wird. Es heißt in dem Brief: Ein Rätsel ist für uns alle hier der von der Regietumg erbetene Friede. Es ist eine Schande, daß wir um Frieden nachgesucht haben, troßdem Stationen beraubt und Ansiedler ermordet, trotzdem Millionen verschleudert worden sind. Nicht das geringste ist geschehen, um den Hottentotten Achtung oder gar Furcht vor unserer Stärke und Ariegsfähigkeit beizubringen. Zweimal sind wir durchgeprügelt worden nach kurzer Gefechtsdauer, dann aber haben bir unter dem Beistand der Hottentottenverbündeten nach wei tägigem Gefecht die Rebellen aus ihren Stellungen vertrieben. Jetzt, nachdem wir seit Kaisers Geburtstag wirklich den ersehnten Frieden haben, eilen alle Ansiedler, Deutsche und Buren, an und über die Grenze nach dem Süden. Vom Missionär wurde bei der Kaisergeburtstagsfeier von der Kanzel herab mitgeteilt, daß die Regierung den Frieden erbeten habe, und Hottentotten beftätigten dies. Erst jest nach dem Friedenscheint der Aufenthalt hier wirklich gefährlich zu berden. Ein Ansiedler hat einen Staudamm aufführen wollen, der aber, weil mit den Hottentottenarbeitern nicht mehr auszukommen war, nicht vollendet wurde. Die Wassermassen haben ihn zum größten Teil zerstört, und unser neuer Herr, der Hottentottenfapitän, verbietet jett, ihn von neuem aufzubauen. Nur fort von hier, den letzten beißen die Hunde." Der eilige Friedensschluß mit den Bondelzwarts, der diefen gegenüber allzu große Nachgiebigkeit zeigte, ist dem Gouverneur allerdings auch außerhalb der Kolonie, von der Rolonialverwaltung, verübelt worden. Indessen hat Leutbein für sein Entgegenkommen gegen die Bondelzwarts immer die Erklärung, daß er den Aufstand im Süden schleunigft beilegen mußte, um im Norden gegen die Herero freie band zu bekommen. Was der Ansiedler über die Abwanderung der Weißen aus der Kolonie sagt, ist hoffentlich übertrieben. Jedenfalls aber wird dafür gesorgt werden müssen, daß auch die Stationen im Süden stärker besetzt werden. Wie unser CB- Mitarbeiter hört, soll auch der Kaiser in Karlsruhe das ausdrücklich gefordert haben. Der Krieg in Oftafien. Die Japner sind weiter eifrig dabei, in kleinen Trupps en Jalu zu überschreiten. Ob es ihnen gelungen ist, sich in Miu lientscheng bereits festzusetzen, ist immer noch nicht mit Sicherheit zu konstatieren. Wenn man der Mehrzahl der über. die Operationen der Japaner am Jalu borliegenden Nachrichten glauben will, so bereiten sie den lebergang über den Strom genau an jener Stelle vor, an der sie ihn schon im Kriege aegen die Chinesen überfekt haben. Das vielgenannte Widschu, die jetzige Operationsbasis der ersten japanischen Armee, ist für die Japaner eine historische Stätte. Die Chinesen gingen nach dem für sie unglücklichen Gefechte bei Pingyang am 16. September 1894 in großer Hast hinter den Jalu zurück, obwohl bei Andschu zu ihrer Aufnahme ein Detachement stand und das Gelände bei diesem Orte einen vortrefflichen Stützpunkt für die Verteidigung bot. Erst hinter diesem Flusse leisteten sie 26 000 Mann mit gegen 80 Geschüßen stark- Widerstand. Feldmarschall Yamagata war am 23. Oftober bei Widscht angelangt; am 24. Oktober überschritten die japanischen Truppen bei dieser Stadt und an verschiedenen Orten, einige Meilen weiter stromaufwärts liegend, so bei Sukutschin und Nushan, einer damaligen Bergfeftung auf dem chinesische: Ufer, den Fluß. Mehrere am koreanischen Ufer aufgepflanzte Batterien deckten den Uebergang. Es folgte dann die Entscheidungsschlacht bei Kiulientscheng, welche bekanntlich mit einer völligen Niederlage der Chinesen endete und den japanischen Truppen den Weg nach Port Arthur_freimachte. Die Schneeschmelze. Ein Vergleich der damaligen Situation mit der heutigen ist natürlich vollständig ausgeschlossen, da ja die Chinesen meder versuchten, das Ueberschreiten des Flusses zu verhindern, noch auch in den verschiedenen sogenannten Schlachten jenes Krieges ernstlichen Widerstand leisteten. Was aber die Hauptsache ist: der Jalu ist in der gegenwärtigen Jahreszeit, mährend der Schneeschmelze, fast in seinem ganzen Laufe ein reikender Strom, während er zur Zeit des japanischchinesischen Krieges, im Oktober, ein Wasserlauf zu sein pflegt, der an die Kunst der Vioniere nicht übermäßige Forderungen stellt. Nach Mitteilungen der Verwaltung der Wasserstraßen des Amurbeckens ist die Schiffahrt auf dem Ussuri und dem Sungari vor kurzem eröffnet worden; der Amur ist bei Blagowestschenst und stromaufwärts bis Kitmara eisfrei. Unterhalb Blagowestschensk bis zum Dorfe Neini Tambbwsk herrscht Eisgang, so daß fürzlich zehn Handelsschiffe, die hier überwinterten, durch Eispressung Havarie erlitten. Die Flottenbewegungen. Infolge der plöblichen lebhaften Tätigkeit des Wladiwostok- Geschwaders sah sich der japanische Oberbefehlshaber genötigt, einen Teil seines Geschwaders dorthin zu detachieren, um den Hafen zu überwachen. Japanische Schiffe wurden bereits in der Ussuribucht gesichtet. Auch vor Port Arthur halten zehn Kreuzer und mehrere Torpedoboote scharfe Wacht. Eine bedeutende Schlacht am Jalu soll nun doch in den Tagen vom 29. bis 30. April ſtattgefunden und die Japaner einen glänzenden Sieg davongetragen haben. An dem für die Japaner günstigen Ausgang habe besonders die Garde den Hauptanteil gehabt. In Petersburg wird behauptet, daß gleichzeitig ein großer Landungsversuch bei Port Arthur ins Werk gesetzt worden sei, für den der Kommandant der zweiten japanischen Armee eine volle Division entsandte. Auch auf Nuitschwang sei ein Borstoß im Gange. Zotio, 1. Mai. Die Japaner haben heute Kialient se genommen, das als Schlüssel der russischen Stellung auf dem rechten Jalunfer ailt. Hier wird angenommen, daß die Russen sich nach Fönghwangtschöng zurückziehen. Tokio, 1. Mai. Am leßten Dienstag begannen die Japaneram Jalu den Angriff. Der Kampf dauerte Mittwoch, Donnerstag Freitag und Samstag an. Für heute wird ein entscheidendes Gefecht erwartet. Donnerstag vollführten die Japaner den Uebergang über den Jalu und ihre Konzentration auf dem rechten Ufer des Flusses. Gestern erstreckte sich der Kampf räumlich auf ein langes Gebiet, wobei mit schweren Geschüßen über den Fluß gefeuert wurde. Der Kampf wurde heute bei Tagesanbruch wieder aufgenommen. Die Zahl der Russen wird auf 30000 Mann geschäßt. Die Japaner berichten von geringen Verlusten. Tokio, 1. Mai.( Reuter.) Die 12. japanische Division hat gestern vor Tagesanbruch den Jalu oberhalb Widschu überschritten. Um 8 Uhr abends war ein zweiter Bonton fertig. Während der Nacht überschritten die Gardediv sion und die zweite Division den Fluß und nahmen Fühlung mit dem linken Flügel der Russen. Heute früh begann ein allgemeiner Angriff, an dem sämtliche japanische Batterien auf dem linken Flügel und die Kanonenboots flottille teilnahmen. Die Japaner sind nach Stellung der Zahl im Vorteil. Die Politik. Nach Marienburg- 3schopau haben die Sozialdemo fraten nun noch einen zweiten von den Reichstagswahlkreisen, die sie bei der Wahl erobert hatten, verloren. Bei der Reichstaas- Ersatwahl im Wahlkreise Herzogtum SachsenAltenburg siegte Dr. Porzig( Konservativ und Bund der Landwirte) über Buchwald( Soz.). Bei der Hauptwahl im Juni vor. J. war bekanntlich Buchwald gewählt worden. Die Wahl wurde aber nachträglich für ungültig erklärt. In. teressant ist das Anwachsen der bürgerlichen und der Rück. gang der sozialdemokratischen Stimmen seit der Hauptwahl, In beiden Fällen handelt es sich um eine Differenz von etwa 1000 Stimmen. * Die preußische Regierung hat ihren Vorsaz, ein neues Vereinsgesetz oder doch eine Novelle zu dem bestehenden Vereinsgesetze dem Parlament vorzulegen, wieder aufgegeben. Dagegen steht ein Gesetzentwurf in Aussicht, wonach in öffentlichen Versammlungen, in denen poli. tische Angelegenheiten erörtert werden, nur die deutsche Sprache gebraucht werden darf. Das Gesez richtet sich selbstverständlich vor allem gegen die polnische Agitation. Die Hauptversammlung des Bundes der Landwirte für Rheinland und Westfalen findet am Sonntag, 8. Mai in Düsseldorf statt. Chefredakteur Dr. Dertel und Dr. Hahn werden sprechen. * O Der Leipziger Krankenkassenkonflikt geht seinem Ende entgegen. Nachdem der Kassenvorstand inne geworden ist. daß er den Regierungsforderungen nicht gerecht werden kann, hat er eine Vereinbarung mit den streifenden Aerzten angebahnt. Für diese haben die Aerzte als Vorbedingung die Abschaffung des Distriktsarztsystems und die Einführung der freien Arztwahl hingestellt; in der Honorarfrage wollen sie mit sich reden lassen. Es ist anzunehmen, daß der Kassenporstand auf diese Vorschläge eingehen wird. Denn es bleibt hm kaum etwas anderes übrig. Frankreich. O Der Streik der Handelsschiffsoffiziere zieht, wie voraus zu ſehen war, immer weitere Streise. Jezt wird aus Bordeaux gemeldet, daß die Reeder, Kapitäne, Offiziere und Maschinisten der Handelsmarine beschlossen haben, sich mit ihren Kollegen in Marseille und Havre solidarisch zu erklären und den Ausstand der Schiffsoffiziere in Mareille nicht dadurch zu hindern, daß sie ihre Schiffe nach diesem Hafen schicken, um dort Ladung zu nehmen. In Vorbeaur stehen also auch die Reder auf seiten der Schiffsoffiziere. An dem endgiltigen Siege der Streifenden ist nicht zu zweifeln; die Matrosensyndikate, gegen deren Terrorismus fich der Streik richtet, werden wohl oder übel klein beigeben müssen. Die französischen Sozialdemokraten bemühen sich übrigens, im Interesse der ihnen nahestehenden Matrosensyndikate den Konflikt zwischen diesen und den Schiffsoffizieren durch Vermittelungsvorschläge aus der Welt zu schaffen. Balkan- Staaten. + Die Errichtung einer bulgarischen diplomatischen Vertretung in Berlin steht unmittelbar bevor. Die bulgarische Regierung hatte diese Absicht schon wiederholt angekündgt, bisher war der Plan jedoch bei den Berliner maßgebenden Stellen auf Widerstand gestoßen. Diesen Widerstand hat man jetzt fallen lassen, und die Errichtung der bulgarischen Agentie wird unmittelbar nach der bevorstehenden Sommer reise des Fürsten Ferdinand, bei der er dem Berliner Hofe einen Besuch abstatten will, stattfinden. England. Mit großer Genugtuung begrüßt man in England einen Telegrammwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard. Bei seiner Kreuzfahrt im Mittelmeer hat Kaiser Wilhelm nämlich wiederholt große Bewunderung für die dort tationierte britische Flotte ausgedrückt. Von Malta aus hat er dann an König Eduard ein langes Telegramm, das einer Bewunderung der Flotte Ausdruck gab, nach Kopenjagen gesandt Er erklärte darin u. a., die britischen Matrosen seien bewunderswert schneidig und vorzüglich eineyerziert. Das Telegramm schloß mit einer warmen Beglückwünschung König Eduards zu der Tüchtigkeit seiner Seeleute. König Eduard dankte dem Kaiser in einem Herzichen Telegramm. Deutler Reichstag. ( 80. Sizung.) CB Berlin, 30. April. Die Befürchtung, daß die Debatten über die Börsencse novell e in Wiederholungen verfallen würden, da alle arteien bereits ihre Stellung hatten darlegen lassen, erivies sich bei der heutigen Fortsetzung der ersten Beratung als unbegründet. Der nationalliberale Abg. Dr. SemmI er verstand es, noch einmal lebhaftes Interesse für den Gegenstand zu wecken, nicht nur weil er in der Beurteilung der wichtigsten dabei in Betracht kommenden Fragen ganz erheblich von seinem Fraktionsgenossen Dr. Lucas abweichend, sondern auch, weil er seinen Standpunkt zu den Dingen ungemein flar fennzeichnete. Vielleicht kein anderer Redner hat so lichtvoll, wie er, die wirtschaftliche Bedeutung und die wirtschaftlichen Wirkungen des Zeitgeschäftes geschildert. Er findet mit einem Teile seiner Freunde in der Novelle einen richtigen Ausgleich ridersinltender Interessen, ein geeignetes Mittel, Mißviauchen entgegenzutreten, ohne die notvendige Bewegungsfreiheit der. Börse in unzulässiger Weise den Ebbe wahrzunehmen. war narbig, ungebrauchs behaftet. wegs tadellos, die Handschuhe mit bügelt, der Paletot grau und verfchossen, die Wäsche teines= Der Zylinder Er war allem Anschein nach schon lange anoch und ich schentte mir daher jede uma elifatesse und So hatte ich nallrouren lave en Gedem Trockene meine eigenen Finanzen, die zu starke Belastung Lage hinweg, er wurde orde unter, erzählte heitere vortreffliche Wein täuschten Knallropp über das Duster seiner nicht ertragen konnten. Und der Baron konnte arg belasten. eine gar Wir waren im besten Gespräch. Das gute Mahl, der fräftig über seine eigenen Klub- und Turfgeschichten, so fann man ihnen imponieren feinen Aber nun bleiben fbir นา ante er for me b Portemonnaie zu ziehen, nahm er eine energisch abwehrense Geld die Beche schon bei meiner ersten Bewegung, mein Er rief den Kellner, zahlte von dem soeben erhaltenen ander" länger in diesem Lotal. Gehen wir in ein Miene - cin Anzuschranken. Dr. Arendt, der nach den Herren von Kardorff und Gamp, als dritter für die Reichspartei sprach, ist dieser Meinung nicht; r hält die wichtigsten Bestimmungen der Vorlage für verfehlt, hofft aber trotzdem, daß die Kommission eine brauchbare gesetzgeberische Arbeit zustande bringen werde. Von der Regierung trat noch einmal für die Vorlage der Staatssekretär Graf Posadomsky ein, der die vielen Feinde der Börse ermahnte, Verfehlungen einzelner von der großen wirtschaftlichen Aufgabe der Institution zu trennen, und ihr nicht zur Last zu Tegen, wofür ganz andere Faktoren verantwortlich seien. Einige Bemerkunge der Abgg. Dasbach vom Zentrum, Dr. Wolff von der wirtschaftlichen und Dove von der freisinnigen Vereinigung brachten die Diskussion zum Abschluß. Das Haus überwies die Vorlage einer Kommission von 21 Mitgliedern und trat dann in die erste Beratung der No- belle zuni Stempelsteuergeseß ein, die der Reichsschatzsekretär Freiherr von Stengel furz begründete. Die Vorlage fand im allgemeinen eine günstige Aufnahme und wurde nach verhältnismäßig kurzer Debatte an die Budgetkommission verwiesen. Preussischer Landtag. ( 64. Sigung.) Haus der Abgeordneten. macht hat, sind Sie in Ihrer allerdings berechtigten Notwehr doch zu weit gegangen; Sie hätten den Hund statt mit der Schneide der Art, mit dem Stiel abwehren können."- Ja, Herr Amtsrichter," sagt Andreas, dat harr ick ok dahn, wenn mi de lorksche Täwe( Hund) mit'n Swanz, un nich mit de Tähnen bäten harre." Für diese Bemerkung muß Holz. nagel„ megen Ungebühr vor Gericht" 5 Mark zahlen, wurde im übrigen aber freigesprochen. § Strafvorkcit des nächtlichen Hundegebells. Wegen einer eigenartiger nächtlichen Ruhestörung batten sich der Kaufmann May Troplowitz und der Kutscher Tscheppe vor dem Königl. Schöffengericht in Charlottenburg zu verantworten. Die Hofhunde des Angeklagten Troplowit hatten derartig laut gebellt, daß verschiedene Bewohner der Villenkolonie Grunewald in ihrer Nachtruhe gestört worden waren. Auf Grund der Beweisaufnahme wurde Troplowitz zu 30 Mark Geldstrafe verur eilt, sein Rutscher aber freigesprochen. Interessant dürfte die Tatsache sein, daß diese nächtliche Ruhestörung seitens des Gerichts unter den juristischen Begriff „ grober Unfug" gestellt worden ist.. .RK Berlin, 30. April. Die Hochwasservorlage für die obere und mittlere Oder, die bereits gestern erörtert worden war, gab in der heutigen Sigung noch zu einigen Bemerkungen Anlaß. Der Nationalliberale( I a tel hatte Einwände gegen die Höhe des Etaatsbeitrags zu den Kosten. Der Staat will% der Kosten übernehmen. Sonst wurde wenig gegen die Vorlage vorgebracht. Im Anschluß an diese Vorlage beriet das Haus dann die Denkschriften über das Hochwasser im Oder- und Weichselgebiet vom Juli 1903 und über die dadurch veranlaßte staatliche Hilfsaktion. Sie wurden nach kurzer Debatte durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt", wie der Kunstausdruck lautet. Dann ging es im Geschwindschritt an die Erledigung einer Anzahl kleinere: Vorlagen. Im Handumdrehen hatte das Haus die 1. und 2. Beratung des Gesetzentwurfs, betr. Aenderung von Amtsgerichtsbezirken, der vom Herrenhaus bereits unverändert angenommen ist, hinter sich und der Gesetzentwurf wurde der Justizkommission über wiesen. In erster und zweiter Lesung wurde dann der Gesetzentwurf über die Wechselproteſtſtunden angenommen. Die übrigen Vorlagen waren durchweg lokaler Natur und boten kein allgemeines Interesse. Die nächste Sigung findet am Dienstag statt. Wehrlofe Kriegsfahrzeuge. die § Vertauschte Rollen. Daß der Staatsanwalt die Freisprechung eines Angeklagten, der Verteidiger jedoch dessen Verurteilung fordert, dürfte im Gerichtssaal nicht oft vorkommen. Ein solcher Fall ereignete sich in einer Verhandlung, die vor dem Kriegsgericht der 1. Gardedivision zu Berlin stattfand. Der Grenadier Vorn von der 2. Kompagnie des 3. Garde- Infanterie- Regiments zu Fuß hatte sich wegen tchen Angriffs gegen einen Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft zu verantworten. Dieser Angriff bestand darin, daß er einen Unteroffizier, trotzdem er sehr gut an ihn vorbei konnte, angerempelt und mit dem Ellenbogen in den Rücken gestoßen hatte. Da aus der Zeugenvernehmung nicht mit Sicherheit hervorging, ob er die Tat mit Willen begangen habe, so beantragte der Vertreter der Anflage Freispred ung. Der militärische Verteidiger dagegen führ aus, daß der Angeklagte den Vorgesetzten vor versammelter Mannschaf angerempelt habe; eine grobe Nachlässigkeit, die seiner 2 icht nach als Achtungsverletzung aufgefaßt und demgemäß auch hart bestraft werden müsse. Der Gerichtshof sprach den angeklagten Grenadier frei. Nab und Fern. er hatte Gift genommen. Durch die Anstaltskleidung konnte seine Identität zweifellos festgestellt werden. uno jagte, nirge bierung der Infe wie im Madride [ Die Rang Schneider.] Die Rangliste" geor Biell Sdmciderme In die erfte Ran A Mutter und Kind ermordet. In St. Pölten wurde die Frau des Kurzwarenhändlers Subler mit ihrem achtjährigen Töchterchen ermordet aufgefunden. Die Leichen lagen in Geschäftsladen mit durchschnittenem Halse. Im Gewölbe be fand sich alles in größter Unordnung. Wäschestücke, Uhren und andere Gegenstände lagen verstreut umher. Die vierzig jährige Frau ist mit ihrem Kinde zweifellos, während iht Mann sich auf einer Geschäftsreise befand, einem Raub morde zum Opfer gefallen. A Der Kopf des Briganten. Kürzlich wurde bei Castro. novo in Sizilien ein abgeschlagener Menschenkopf gefunder, an dem ein Kärtchen befestigt war, das ihn für den des be rüchtigten Banditen Varsalona erklärte, der durch Feindes. hand den wohlverdienten Tod gefunden. Wie sich jetzt heraus. stellt, hat die Tochter Varsalonas den Zettel geschrieben. Sie und der glückliche Finder der scheußlichen Trophäe wurden berhaftet. Mutmaßlich handelt es sich um einen Trick, die Wachsamkeit der Behörden einzuschlieen. Wer der Ermordete ist, steht noch nicht fest. + Die neue Eisenbahn- Rheinbrücke bei Mainz wurde in Gegenwart des Kaisers und des Großherzogs von Hess n gestern dem Verkehr übergeben. Durch sie wird die Verbindung der linken Rheinseite mit dem auf der rechten Seite westlich von Mainz gelegenen Verkehrsgebiete, mit Wiesbaden und den im Taunusgebiet liegenden Bahnen hergestellt und zwar ohne die Notwendigkeit, erst Mainz zu berühren. Auch im Interesse der Landesverteidigung war diese neue Verbindung geboten, was den Anlaß gab, daß das Reich 60 v. H. an den Baukosten partifizierte. Das Testament des Millionärs. Der verstorbene ame rikanische Millionär Gordon Mackay aus Pittsfield, der durch die Erfindung von Schuhfabrikmaschinen reich geworden ist, hat der Harvard- Universität mehr als 4 Millionen Dollars hinterlassen. Seine frühere Gattin, jezige Frau von Brü ning erhält eine jährliche Rente von 11 500 Dollars, seine beiden Söhne dagegen nur 100 Dollars jährlich, weil sie sich die Ungnade ihres Vaters zugezogen haben. weite die großen bie mittleren G taufend anderen lifte. Die Einteil auf den neuen L unberechtigten einen höheren Mo beite gewöhnliche feine Atelierarb fammlung famo die Genossenscha notorischen Sch diefer Lifte geid Namen, Charat das genaue Kör enthält die Scha Bemerkungen, h feit 1889 wieder aber zahlt nichts Fled im Gefichte doch zahlt er nich Die Lifte foll #[ Die japa Heereszügen in u bei dem Heere n nend ist auch, da woran früher ni alten Gewohnhe ist es gewöhnt, dienen zu lassen militärische Anf Menge diejer K fig umherwand im Dienstzimme entspricht nicht würde einer cen lichen Geschäfte, den, fallen ihnen Schulen z. B., Rehrer oder Sch meijen die Frem braucht. Den gung des Stalle wie das Sattel Kleindienst ob, würde. Der Ka feren Begriffen natürlich jeder fnechte gehören eme große Gild bribaten Pferde A[ Japanhaß in Rußland.] Japanische Zirkuskünstler wer den demnächst auf einer Gastspielreise begriffen, in Berlin eintreffen. Die Künstler hatten wegen feindlichen Verhaltens des Publikums ihnen gegenüber ihre Vorstellungen in Baku abbrechen müssen und sind nun über Warschau nach der deut schen Reichshauptstadt abgereist, nachdem sie der nordameri kanische Konsul in seine Obhut genommen hatte. Bei den Festgästen bemerkten wir den Kriegsminister v. Einem, Staatsminister Rothe, Finanzminister Grauth. Mit dem Gleckenschlag 12 Uhr traf der Hofzug über die neue Strecke Bischofsheim- Mainz hier mit dem Kaiser, der Kaiserin und dem Großherzog von Hessen und Gefolge ein. Unter dem Gefolge befand sich auch Graf Bülow. Nach Abschreiten der Ehrenkompagnie und Ueberreichung eines Buketts durch den Oberbürgermeister Dr. Gaßner richtete Eisenbahnminister Budde eine Ansprache an den Kaiser. Die neue Brücke erhielt den Namen Kaiserbrücke. Der Seekrieg hat viel entsetzlichere Greuel im Gefolge als der Landkrieg. Ohne eine eigentliche Schlacht sind wieder im russisch- japanischen Seekriege, der so wenig Schlachten bringt, zahlreiche Opfer gefallen durch den Untergang des Transportdampfers Kinschiu Maru", der von den Russen in den Grund gebohrt wurde. Die japanische Heldensage freilich ist um ein neues Kapitel bereichert worden. Ein Teil der an Bord befindlichen japanischen Soldaten, der sich nicht ergeben wollte, wurde mit dem Transportschiffe in die Luft gesprengt; andere hatten den angebotenen Pardon angenommen und waren vor der Katastrophe der„ Kinschiu Maru" an Bord der feindlichen Fahrzeuge gegangen Die Legende wird über diese leicht hinweggehen; sie wird den Mut und die Todesbegeisterung jener preisen, die auf einem wehrlosen Schiffe dem Vaterlande das Opfer ihres Lebens dargebracht haben. Die„ Kinschiu Maru" ist ohne eine Schlacht zugrunde gegangen. Es fann von einer solchen nicht die Rede sein zwischen zwei Torpedojägern und einem mit nur vier kleinfalibriger. Schnellfeuerfanonen bewaffneten ungepanzerten Schiffe. Ein Militärtransportdampfer ist selbst unter Bedeckung einer Eskadre von Kriegsschiffen das wehrlose Opfer eines jeden Angriffs; ein einziger wohlgezielter Schuß genügt, um ihn auf den Meeresgrund zu senden oder in die Luft zu sprengen. Mannschaft mit Repetiergewehren kann allerdings vom Bord eines solchen Dampfers Torpedobooten, die sich zu nahe wagen, Schaden bereiten, und da die Depesche des Kontreadmirals Jessen von einem bewaffneten Widerstande der Besatzung der„ Kinschiu Maru" spricht, so hat ein Teil der Japancr dies versucht. Aber der ungleiche Kampf hatte sehr rasch ein Ende. Der Episode kann ein ganz analoges Beispiel aus der Geschichte des chinesisch- japanischen Konflikts zur Seite gestellt werden. - Der [ Die klare Frage.] Ein englisches Blatt gibt folgenden hübschen Dialog zwischen einem Staatsanwalt und einem Zeugen aus einem kürzlich geführten Prozeß wieder. Staatsanwalt fragte:„ Haben Sie ich weiß, Sie haben nicht, aber ich muß Ihnen die Frage stellen am 24.— es war nicht der 24., sondern der 25., aber das falsche Datum beruht auf einem Irrtum in den Attenden Beklagten ge sehen? Eigentlich handelt es sich nicht um den Beklagten, sondern um den Kläger, denn es liegt eine Gegenflage vor, aber das verstehen Sie nicht also: Ja oder nein?" Die einzige Antwort des so befragten Zeugen war ein lang. gedehntes:„ Was?" Aus Anlaß der Einweihung der Umgehungsbahn ist der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten Bud de in den erblichen Adelstand erhoben worden. Der tommandierende General des 18. Armeekorps, General der Infanterie von Lindequist, als Nachfolger des Grafen Waldersee zum Armeeinspekteur ernannt. Generalleutnant v. Eichhorn( 9. Division, Glogau) zum fommandierenden General des 18. Armeekorps ernannt. Der bisherige Gouverneur von Mainz, Generalleutnant Frhr. v. Scheele, zum Gouverneur des Invalidenhauses in Berlin ernannt. Generalleutnant v. Voigt, bisher Kommandeur der 14. Division( Düsseldorf), zum Gouverneur von Mainz ernannt. Freiherr v. Sa gern, Provinzialdirektor der Provinz Rheinhessen in Mainz, erhielt vom Kaiser den Kronenorden 2. Klasse mit Stern. Noch vor dem Ausbruche der Feindseligkeiten traf der damalige Kapitän und jezige Admiral Togo das englische Schiff Ranshing", das 1500 für Südkorea bestimmte chinesische Soldaten an Bord hatte. Kapitän Togo forderte den Dampfer zur Uebergabe auf und der englische Schiffskommandant mit seiner Mannschaft war bereit, beizudrehen und sich von den Japanern ins Schlepptau nehmen zu lassen. Der Befehlshaber der chinesischen Abteilung verhinderte dies und als der Kapitän und die Matrosen, den Signalen Togos Folge leistend, die Boote aussetzten und zu dem Kriegsschiff: ruderten, feuerten ihnen die Chinesen nach. Togo schoß dann den Kanshing" in den Grund und in den Diskussionen über die Berechtigung eines derartigen Angriffes waren es interessanterweise englische Völkerrechtslehrer, die das Vorgehen Togos als forrekt erklärten. Und noch ein zweites Mal kam im Verlaufe des chinesisch- japanischen Krieges die Wehrlosig. keit von Transportschiffen zum eklatantesten Ausdruck. Acht von vier chinesischen Kriegsschiffen begleitete Dampfer wurden von einer Eskadre von drei japanischen Kreuzern angegriffen, nach kurzem Kampfe gingen ein chinesischer Kreuzer und ein Transportschiff mit tausend Mann auf den Grund, die chinesischen Kriegsschiffe flüchteten nach Weihaiwei und die übrigen Transportdampfer mußten sich ergeben. Derartige Erfahrungen aus ihrer eigenen modernen, so furzen Kriegsgeschichte hätten die Japaner lehren müssen, daß man nicht Transportdampfer ohne entsprechende Bedeckung Gewässer befahren lassen darf, in denen auch nur ein einziges operationsfähiges feindliches Kriegsschiff sich noch befindet. Hus dem Gerichtsfaal. - arcaenstat cines Wahnsinnigen. In Berlin stürzte sich der Schneidermeister Jahnke in einem Anfall von Geistesrung mit seinem sieben wconate alten Sohnchen aus dem dritten Stock seines Hauses auf den gepflasterten Ho hinab. Das Kind war sofort tot, der Vater starb bald darauf. Bergwerkskatastrophe. Wie aus Madrid gemelde! wird, erfolgte in der der Madrid- Alicante- Eisenbahn gehöri gen Kohlenzeche„ Reunion" bei Seville eine furchtbare Cata strophe, bei der weit über 50 Bergleute getötet wurden. Ein Zug auf der Fahrt zur Weltausstellung in St. Louis entgleift. Die Eröffnung der Weltausstellung in St. Louis, die programmmäßig am 1. Mai vor sich ging, wurde durch die Nachricht von einem furchtbar.n Unglück in traurigster Weise gestört. Ein Sonderzug mit Ausstellungsbesuchern entgleiste bei Kimmsbrot( Missouri) Soweit bisher feststeht, sind 50 Personen verunglückt. Eine große Anzahl ist tot. Vermischtes. [ Eine seltene Jagdbeute,] die eine naturgeschichtliche Merkwürdigkeit bildet, wurde, wie uns aus Regensburg ge meldet wird, vom Grafen von Walderdorff in seiner Privat jagd erlegt: ein Rackelhahn( Tetrao medius heyer). Gr gilt als Bastard zwischen Auerhahn und Birkwild und kommt in Skandinavien öfter, in Deutschland fast gar nicht vor. Sein Aeußeres stellt eine Vermischung der genannten großen Waldhühner dar. Die Eröffnung der Ausstellung erfolgte auf ein Zeichen, das Präsident Roos velt in Washington durch Druck auf den Knopf einer elektrischen Leitung gab, worauf die riesigen Maschinen ihre Tätigkeit begannen. § Treffende Antwort. Als der Zimmermann Andreas Holznagel in Verden kürzlich von der Arbeit heimkehrte, hatte ihm der bissige Hund eines Müllers ein großes Loch in die Manchesterne( Hose) und einige kleine in die linke Wade gerissen. Einem Angriff auf die rechte jedoch kam Holznagel zuvor, indem er seinem Angreifer mit der Art den Stopf spaltete. Tarob ist er nun vom Müller verklagt worden und vor das Amtsgericht zu Verden gekommen.„ Wie mir scheint," sprich der Richter, als Colnagel ieine Ausione ae[ Nette Bücherfreunde!] Die Verwaltung der öffent lichen Lesehalle in Jena richtet an die dortigen Zeitungen eine Zuschrift, worin sie Klage führt, daß einzelne sich nicht scheuen, die Lesehalle zu bestehlen, und zwar Leute der ge bildeten Stände. Es sind in den letzten Wochen allmählich sämtliche fremdsprachlichen Lerika und deutschen Sprach. wörterbücher aus dem Bücherleſezimmer entwendet worden, bor längerer Zeit eine ganze Anzahl ausländischer geogra phischer Zeitschriften, die zum Teil schwer, zum Teil überhaupt nicht zu ersetzen waren. Die hier mitgeteilten Dieb. stähle sind leider nicht die einzigen. Den Burschen ist nichts heilig gewesen. Das erste Buch, das gestohlen wurde, war -- die Bibel, das zweite das Strafgesetzbuch! Das gestörte Gebet. Eine schreckliche Szene ereignet sich im Unterkunftshaus für unbemittelte Israeliten in Ham burg. Ein älterer polnischer Auswanderer geriet über die Störung seiner Gebetsübung durch einen Glaubensgenossen derart in Wut, daß er ihm einen tötlichen Stich mit dem Dolchmesser in den Hals versetzte. Die Frau des Erstochenen berfiel bei dem Anblick in Tobsucht. Der Täter versetzte dann sich selbst mehrere Dolchstiche und wurde tödlich verletzt in bas Krankenhaus geschafft, ebenso die irrsinnige Frau. Der Liebesgram eines Siebzigjährigen. In Krumm beck bei Schönberg( Holstein) erschoß sich nachts auf offener Straße der 70jährige Arbeiter Schümann. Nach einem hin terlassenen Briefe ist verschmähte Liebe das Motiv zu dem Selbstmorde. [ Gin interessantes Standesamtsaufgebot] ist seit einigen Tagen im Koburger Rathaus zum Aushang gefommen; es lautet:„ Medizinalrat Dr. Christian Carl Julius Florschüt mit Johanna Friederike Wilhelmine Maria Lydia Horschüß geb. Jack, seine geschiedenen Ehefrau, Koburg." Für Amerika gehört die Wiederverheiratung zwischen Geschiedenen ja all mählich zu den Alltäglichkeiten, in Deutschland aber ist sie etwas durchaus Neues. Selbstmord eines Raubmörders. Im Bornstedter Holze bei Eisleben wurde der Arbeiter Preußer aus Bayer naumburg vergiftet aufgefunden, der vor etwa vier Jahren den Schreiber Klaube im Riestedter Walde erschlagen und be. raubt hate. Die grausige Tat mußte jedoch ungesühnt blei ben, da sich bei dem Raubmörder während seiner Haft Spu ren von Geistesstörung zeigten, was seine Ueberführung in die Frrenanstalt zu Nietleben bei Halle zur Folge hatte. Von dort war er vor einigen Tagen auf verwegene Weise ent wichen und wurde jetzt im Walde als Leiche aufgefunden Ku NO. Werefd fische Künstler Petropawlowst wurde stets für nichts weiter hi und eine kleine und seine Ausst war er sehr frei findet sich neben Gemälde„ Der [ Schatzgräberei auf Martinique.] Ein neuer Erwerbs. zweig hat sich in letzter Zeit auf der Insel Martinique ausge bildet. Die Inselbewohner sind zu der Ansicht gekommen, daß vom Mont Pelêe vorläufig nichts mehr zu befürchten sei, und graben daher mit größtem Eifer in den Ruinen von St. Pierre nach Wertgegenständen, besonders gemünztem Geld und Juwelen. Es sollen schon recht gute Funde gemacht worden sein, was nicht zu verwundern ist, da ja in einer Stadt, die 25 000 Einwohner zählte und einen blühenden Handel trieb, viele Tausende in bar und Schmucksachen aller Art vorhanden sein mußten. Unzweifelhaft wird die Suche nicht eingestellt werden, ehe nicht der Schutt drei- bis viermal umgekehrt worden ist. Der Vulkan trägt wieder das frühere Gepräge, das die Einwohner der unglücklichen Stadt in Sicherheit gewiegt, denn er stößt kaum noch hie und da ein Dünnes Rauchwölkchen aus. Diese Stätte, eine der größten Tragödien, die die Welt je gesehen hat, wird jetzt von Lausenden von Touristen besucht. fichagin selbst a Der Oberförster Kir A( Todesfal der Stadt Gieß schied heut Nac ** Mit Schlafräume Wir machen aufmertfam, alsbaldige [ Gine kostbare Schmetterlingssammlung] ist dieser Tage im wiadrider wiuseum eingetroffen, dem sie von dem deut schen Naturforscher Seebold geschenkt worden ist. Es ist die reichhaltigste Sammlung dieser Art, die es auf der Welt gibt, dennn sie enthält nicht weniger als 48 000 Exemplare. Ea waren 300 Kisten, die einen ganzen Waggon einnahmen. Alle Exemplare sind vollkommen präpariert und konserviert. Nicht ein Veinchen ist beschädigt oder abgebrochen, auch keinem Flügel ist der farbige Staub auch nur im geringsten ver wischt. Die Sammlung stellt lange Jahre geduldiger Arbeit und kostspieligen Sammelns in allen Weltteilen dar. Herr Seebold hätte seine Sammlung für schweres Geld verkaufen können, er 30g es aber vor, sie dem Museum zu schenken hat, wo aud find. Wird laffung der Bestrafung auf die Beta Leil. = = De lieben, von al holden Ma o viel befung beißt es jubeln fingen die Kin nicht schon mi Rai und wer Seelen mit der Lebens Mai bl Der Dichter, ba und feine Freud folange unfere in Stadt und erftandenen Ma Beit noch Gefa Sonntag im Ghoren zog Biefen und 2 Bergeswanden Auf eingel Burudtommen, in der nähere frober Laune lieg zwar ab eidung fount Iten wurde du m aditjährige chen lagen in m Gewölbe be heitide, Ubre Die vierai , während einem Hau rde bei Cait topf gefund Für den des durch Feinde ich jetzt hera schrieben. cophäe wurd inen Trid, Ber der Gr ritorbene am field, der dur geworden i lionen Dolla rau von B Dollars, fe ch, weil sie f ustünstler fen, in Ber hen Verhalte ungen in nach der de der nordam te. gibt folgende alt und einer wieder. 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Se Beld bertaufen 134 fhenten und sagte, nirgendwo erfolge ore praparierung und Stonjervierung der Insekten mit so viel Sorgfalt und Geschicklichkeit wie im Madrider Museum. [ Die Rangliste und schwarze Liste" der Wiener Schneider.] Die Wiener Schneidermeister sind jetzt nach einer Rangliste" geordnet. Die Wiener besiben nun ganz offiziell Schneidermeister ersten, zweiten und dritten Ranges. In die erste Rangklasse gehören alle Hofschneider, in die zweite die großen Schneider ohne Hoftitel und in die dritte die mittleren Schneidermeister aller Bezirke Wiens". Die tausend anderen Kleinmeister stehen allerhalb der Rangliste. Die Einteilung der drei Gilden erfolgte mit Rücksicht auf den neuen Lohntarif der Stückmeister, welche den nicht unberechtigten Wunsch hegten, daß ihnen ein Hofschneider einen höheren Macherlohn für einen Frack zahle, wie der erſtbeste gewöhnliche Schneider, der ja auch höhere Preise für seine„ Atelierarbeiten" verlangt und erhält. In der Versammlung fam auch die schwarze Liste" zur Sprache, welche die Genossenschaft zum Schuße ihrer Mitglieder gegenüber notorischen Schuldenmachern herausgibt. Die Aufstellung dieser Liste geschieht nicht ohne Humor. Sie enthält außer Namen, Charakter, Wohnort und Familienverhältnissen das genaue Körpermaß der Schuldenmacher. Eine Rubrik enthält die Schadenssumme, eine andere verschiedene spaßige Bemerkungen, wie beispielsweise wörtlich: Schuldner trägt feit 1889 wieder blonde Haare;- ist ein großer Redner, aber zahlt nichts; Schuldner hat mehr wie einen schwarzen Fleck im Gesichte; kommt zwar sehr freundlich entgegen, doch zahlt er nichts; verspricht viel und zahlt nichts usw. Die Liste soll sehr viele Namen enthalten. [ Die japanischen Troßknechte,] die bei früheren Heereszügen in ungezählten Mengen mitgingen, sind diesmal bei dem Heere nur in beschränkter Zahl vorhanden. Bezeichnend ist auch, daß man diese Leute mit Schwertern ausrüstet, woran früher nicht gedacht wurde. Dieser Bruch mit einer alten Gewohnheit ist sehr bemerkenswert, denn der Japaner ist es gewöhnt, sich von Dienern, Kosukai, wie sie heißen, beSienen zu lassen. Betritt man ein öffentliches Gebäude, eine militärische Anstalt, ja sogar eine Kaserne, so sieht man eine Menge dieser Kosukai im Alter von 10-60 Jahren geschäftig umherwandeln oder, was noch häufiger ist, tatenlos im Dienstzimmer herumlungern. Denn die Zahl der Leute entspricht nicht dem Maße ihrer Arbeit. In Deutschland würde einer genügen, wo in Japan fünf sind. Alle die täglichen Geschäfte, welche bei uns von Soldaten besorgt wer den, fallen ihnen zur Last. Sie bringen, in den militärischen Schulen z. B., die Befehle herum, sie rufen die Offiziere, Lehrer oder Schüler zum Direktor, sie besorgen die Post, sie meisen die Fremden zurecht, kurz, zu allem werden sie gebraucht. Den Stalldienern, Betto genannt, liegt die Reinigung des Stalles und der Pferde, das Vorführen derselben wie das Satteln, das Füttern, mit anderen Worten der Kleindienst ob, zu dem man bei uns Gemeine brauchen würde. Der Kavallerieoffizier hat keinen Burschen nach unseren Begriffen für sein Pferd, er hat einen Betto. Ebenso natürlich jeder andere berittene Offizier. Diese Pferdefnechte gehören übrigens zur Hefe des Volkes. Sie bilden eine große Gilde, die fremde Elemente nicht zuläßt und den privaten Pferdebefizern oft terroristisch entgegentritt. Kunft und Wissenschaft. NO. Wereschtschagins letztes Bild. Der berühmte russische Künstler Wereschtschagin, der beim Untergang der " Petropawlowsk" vor Port Arthur einen jähen Tod fand, wurde stets für sehr reich gehalten. In der Tat aber hat er nichts weiter hinterlassen als ein Landhaus bei Petersburg und eine kleine Villa im Kaukasus. Seine langen Reisen und seine Ausstellungen kosteten ihm viel Geld, und überdies war er sehr freigebig. In seinem künstlerischen Nachlaß befindet sich neben einer Reihe von Studien ein einziges großes Gemälde Der Begräbnisplatz der Könige", das Wereschtschagin selbst auf 24 000 Mark geschätzt hatte. Lokales. 30. April 1904. ** Der Großherzog empfing am 30. April den Oberförster Kirchner von Wahlen( Oberhessen). A( Todesfall.) Ein sehr beliebter und angesehener Bürger der Stadt Gießen, Herr Professor Dr. Höhlbaum, der schied heut Nacht 2 Uhr nach 1/4 jährigem Lungenleiden. ** Mit der Revision der Mietwohnungen, Schlafräume und Schlafstellen wird demnächst begonnen. Wir machen die Vermieter derartiger Räume darauf aufmerksam, daß, soweil es noch nich geschehen ist, die alsbaldige Anmeldung bei dem Polizeiamte zu geschehen hat, wo auch die notwendigen Formulare zu erhalten find. Wird durch den Wohnungsinspektor die Unterlaffung der vorgeschriebenen Anzeige festgestellt, so ist Bestrafung zu befürchten. Im übrigen verweisen wir auf die Bekanntmachung des Polizeiamts im amtlichen Teil. == " Der gestrige Sonntag führte uns einen lieben, von allen froh begrüßten Gast bei uns ein, den holden Mai!- Kein Monat des Jahres wird wohl so viel befungen, wie gerade er.„ Der Mai ist gekommen" heißt es jubelnd in dem altbekannten Volksliede und fröhlich fingen die Kinder„ Alles neu macht der Mai!" Wer hätte nicht schon mit Heine zitiert:" Im wunderschönen Monat Mai" und wer tennt es nicht, das schwermütige Lied„ AllerSeelen" mit dem Refrain: Wie einst im Mai!"." Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder", sagt resigniert der Dichter, darum sollen wir Menschen den Wonnemonat und seine Freuden in Gottes weiter herrlicher Natur genießen, solange unsere Herzen noch schlagen. Daß Jung wie Alt in Stadt und Land dies zu beherzigen wissen, an der neu erstandenen Natur, troß unserer immer mehr schnell lebigen Beit noch Gefallen und Freude findet, zeigte eben der gestrige Sonntag im wahrsten Sinne des Wortes. In großen Scharen zog man hinaus, überall hin, wo schattige grüne Wiesen und Wälder winkten und durch Täler und an den Bergeswänden hallte es wieder:„ Der Mai ist gekommen". Auf einzelne Ausflugspunkte und Orte wollen wir nicht zurückfommen, es begegneten sich wie schon gesagt überall im der näheren und weiteren Umgegend Spaziergänger bei froher Laune und friedlicher Stimmung. Der Himmel ließ zwar ab und zu einen fleinen furzen Regenschauer her- niederfallen, was der Sonntagsstimmung aber feinen Abbruch tat. Erst am Abend, nachdem wohl so die allermeisten Ausflüger in ihrer Häuslichkeit wieder waren, öffnete es seine Schleusen und Tonner und Bliz hallten und leuchteten zwischendurch, gleichsam, um der Menschheit fund zu tun, wie wundervoll, aber auch wie unerforschlich das Werden und Vergehen der Natur ist. ** Gießener Volksbad. Im April wurden 9026 Bäder verabreicht gegen 7869 im März 1904 und 7140 im April 1903 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 354 Bäder gegen 271 im März 1904 und 286 im April 1903. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad: 4118 Männer, darunter 1159 zu 10 Pfg. 852 Frauen 165 10 Wannenbäder: 1. I. 247 Männer, 78 Frauen, 2. I. 679 490 " " Dampf und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 164 Männer, 36 Frauen. Brausebäder 2103 Männer, 259 Frauen. Die Personenwage wurde von 220 Personen benutzt, das Bad von 7 Personen besichtigt. ▲ Grünberg, 2. Mai. Ein besonderer Kunstgenuß war der gestern Abend in der Turnhalle veranstaltete Unterhaltungsabend des hiesigen Kirchengesangvereins aus Anlaß des 25jährigen Bestehens. Auf die einzelnen Nummern des fünstlerisch zusammengestellten Programms einzugehen erübrigt sich, wenn wir betonen, daß nur eine Stimme im Saale herrschte:" Heut ist gut gesungen worden!" und das mit Recht. Die Leitung lag wieder in den bewährten Händen des Herrn Lehrer Roth. Derselbe und sein Sängerchor hatten es an Fleiß und Mühe nicht fehlen lassen zum guten Gelingen der einzelnen Lieder. Auch der musikalische Teil v.rdient volle Anerkennung. Besonders verdient hervorgehoben zu werden Herr Apotheker Schäfer, welcher einige Tenor- Solis ruhig und taftvoll sang, sowie das Liederspiel„ Das Lorle", welches musterhaft zur Aufführung gelangte. Der darauffolgende Beifall wollte fast kein Ende nehmen. Mitternacht war schon längst vorbei, ehe das überaus reichhaltige Programm abgewickelt war und die sehr zahlreichen Teilnehmer vollauf befriedigt ihren Heimweg antreten konnten. Grünberg, 2. Mai. Am vorigen Samstag erzählte man sich in unserer Stadt von zwei pößlichen Todesfällen im hiesigen Schulhause. Glücklicherweise bestätigt sich dieses Gerücht nicht. Es wird uns mitgeteilt, daß ein 13jähriger Schultnabe einen totähnlichen Krampfanfall erlitt und sofort in die elterliche Wohnung gebracht werden mußte. Aerztliche Hilfe war alsbald zur Stelle. A Grünberg, 2. Mai. Die gestern vom hiesigen Musikverein arrangierte Walparthie nach dem Stadtwald( Bobenhäuser Kopf) ist in allen seinen Teilen als eine gutgelungene zu bezeichnen. Kurz vor 3 Uhr nachmittags zog Alt und Jung, Männlein und Weiblein, bei schönstem Wetter unter flingendem Spiel hinaus in den schönen grünen Wald. Hier entspann sich bald ein lebendiges Treiben, nur fröhliche Gesichter fonnte man erblicken. Für Erfrischungen aller Art war seitens des Herrn Chr. Röhm hinreichend gesorgt. Die Konzertvorträge unter bewährter Leitung des Herrn Schneidermeister Hamel fanden großen Beifall. Leider war der Grünberger Männergesangverein zu schwach vertreten, sodaß die von den wenigen anwesenden Sängern zum Vortrag gebrachten Lieder nicht genügend zur Geltung famen. Gegen 7 Uhr wurde unter Vorantritt des Musikchorps der Heimweg angetreten, auf dem Marktplatz Halt gemacht und im Gasthof zum wilden Mann" Einkehr gehalten. Eine Wiederholung derartiger allgemeiner Ausflüge wird in Grünberg stets Sympathie erwecken. A Grünberg, 2. Mai. Nachdem wir schon mehrere Verschönerungen unserer Stadt in letzter Zeit näher besprochen, fühlen wir uns auch veranlaßt, an dieser Stelle eines Mannes zu gebenken, welcher besonders das Wohl unserer Gemeinde bisher im Auge gehabt hat. Es ist dies Herr A. H. Jöckel, als Borsitzender des hiesigen Verkehrsvereins. Er war es, der auf dem Friedhof die neuen Baumanpflanzungen anlegte und auch in letzter Zeit wieder in der Nähe des Stadtwaldes, am sogen. Affenwäldchen, einige Steinbänke angebracht hat. Auch in der Stadt selbst ist von Herrn R. H. Jödel viel geschaffen worden, was aber nur erhalten bleiben kann, wenn die Bewohner von Grünberg darauf achten, daß die geschaffenen Wege entsprechend b achtet und geschont werden. A Köddingen. Beim Ausgraben der Fundamente zu einem Scheuerbau fanden Maurer in der Hofreite des hiesigen Gastwirts Heinrich Rühl XVI. einen Milchtopf voll Silbermünzen im Gewicht von drei Pfund. Da aber die Münzen nur Prägungszahlen von 1832 bis 1840 aufweisen, so farn der Schatz nicht in Kriegszeiten vergraben worden sein. r. Marburg, 1. Mai. In der Sigung des Kreistags machte das Mitglied Regierungsbaumeister Sardemann Mitteilungen über den Stand des Bahnbaues Marburg- Ebsdorfer Grund. Man hofft, die Arbeiten so weit zu fördern, daß der Betrieb am 1. Oktober eröffnet werden kann. Die Mainacht, d. h. der Eintritt des Monats Mai in der Sonnabendnacht um 12 Uhr, wurde hier wieder in außerordentlicher Weise gefeiert. An den Bergen um die Stadt brannten zahlreiche Freudenfeuer, Schloß und Siegesturm auf Spiegelslust waren prächtig illuminiert und bengalisch erleuchtet, Schüsse krachten fern und nah. Raketen stiegen am Nachthimmel empor und von allen Bergen schallt der Gesang des Mailiedes ins Tal. Auf dem Markt war eine große Menge Volks versammelt, um unter Führung des Studenten- Korps Nassonia" mit Begleitung der Jägermusik ebenfalls das Mailied zu fingen. Der Jubel über den Eintritt des Monats Mai und des Treiben in den Straßen dauerte die ganze Nacht. Schwanheim, 1. Mai. Die hiesige Gemeindevertretung vergab endgiltig den Bau der neuen Mainbrücke ** zwischen hier und dem Westend Griesheims für 333000 Mt. an die Brückenbauanstalt Gustave bura. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, den 29. April 1904. Der 15 jährige Gerberlehrling Friedrich Mühl von Friedberg und dessen Bruder Wilhelm stahle dem Gerbereibefizer Stern zu Friedberg über 40 Hasen-, Lammund Ziegenfelle, die zum größten Teil wieder auf Umwegen an Stern verkauft wurden. Friedrich Mühl wurde zu drei Wochen Gefängnis verurteilt, während der wegen Diebstahl bereits zweimal vorbestrafte Bruder Wilhelm mit 4 Monaten belegt wurde. Zu einer Gefängnisstrafe von 10 Monaten wurde der s. 8t. aus dem Arresthaus zu Gießen entrichene Alfred Meier von Bettenhausen verurteilt. Er hat zu Bad Nauheim, wo er bei einem Arzt in Diensten stand, einen Geldbetrag von etwa 30 Mt. unterschlagen und später die Quittuag gefälscht. Der Maurer Heinrich Jäger und berg gerieten mit Burschen von Dannenrod in Streit, der Schneider Heinrich Dietrich Fleischhauer von Schweingwobei verschiedene der letzteren Verlegungen davontrugen. Der hinzutretende Polizeidiener wurde beleidigt und mißhandelt, auch gab ihm einer der Angeklagten einen falschen Namen an. Die Verhandlung führte zu dem Ergebnis, daß Jäger wegen Körperverlegung und Widerstands zu 3 Monaten und 2 Tagen Gefängnis verurteilt wurde, während Fleischhauer mangels Beweise freigesprochen werden mußte.- Der " potheker B. Gerber von Groß- Felda hat gegen ein Urteil des Schöffengerichts Ulrichstein, monach er wegen Beleidigung durch eine anonyme Poftfarte zu einer Geldstrafe von 40 Mart verurteilt worden war, Berufung eingelegt. Die durch Vernehmung von mehreren Beugen und drei Sachver ständigen in die Länge gezogene Verhandlung endigte mit Sohl von Echzell hat in einer Wirtschaft zu Bingenheim Verwerfung der Berufung. Der Müllerbursche Heinrich dem Händler Ludwig Meyer von Schotten einen Geldbeutel mit etwa 40 Mt. Inhalt aus der Tasche gestohlen. Troz hartnäckigen Leugnens wurde er mit einer Gefängnisstrafe von Nieder- Dorfelden wurde unter der Anschuldigung, von 6 Monaten belegt. Der Weißbinder Wilhelm Ohl Schöffengericht Bilbel gestellt. In der Verhandlung stellt ein Huhn getötet zu haben, wegen Sachbeschädigung vor das sich heraus, daß er auch das Huhn mitgenommen hat, weshalb das Schöffengericht, da der Angeklagte rücfällig ist, seine Unzuständigkeit aussprach und die Sache an die Straffammer verwies, welche den Angeklagten zu einer GefängnisStrafe von 3 Monaten verurteilt. - Gießen, den 30. April 1904. Michelnau, der schon mit den höchsten zulässigen Der gerichtsbekannte Siebmacher Paul Baumbach von Strafen wegen Ruhestörung belegt worden ist, hat wieder in betrunkenem Zustande zu Nidda groben Unfug verübt, weshalb er vom Schöffengericht Nidda mit einer 14 tägigen Haftstrafe bedacht wurde. Gegen dieses Erkenntnis hat der Angeklagte Berufung eingelegt und bittet heute das Gericht um Freisprechung, da er von der ganzen Sache nichts wisse, er sei sinnlos betrunken gewesen. Nach wiederholter Be weisaufnahme fand das untergerichtliche Erkenntnis seine Bestätigung. Gießen nahm seine gegen ein Urteil des Schöffengerichts Der Schreinergeselle Berthold Walter zu übertretung in eine Geldstrafe von 3 Mt. verurteilt worden Gießen gerichtete Berufung, wonach er wegen einer Polizeiwar, vor der Hauptverhandlung zurück. Der Landwirt auf dem Gallusmarkt zu Grünberg Schweine ohne den tierChristian Simon von Hattenrod war angeklagt worden, ärztlichen Gesundheitsschein angefahren zu haben. Das Schöffengericht Grünberg nahm ihn dieserhalb in eine Geldstrafe von 3 Mt. Auf Berufung des Angeklagten erfolgte heute Freisprechung, da nicht ausgeschlossen ist, daß der Name des Angeklagten mißbraucht worden ist.- Den Schluß bildete die Privatklagesache des Obersten a. D. Spohr in Gießen gegen den Redakteur Dr. Trabert in Eisen, Beleidigung betreffend. Der Angeklagte wurde durch das Schöffengericht Gießen wegen eines Zeitungsartikels, in welchem Oberst a. D. Epohr eine Beleidigung erblickte, zu 60 Mt. Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Erfenntnis wurde von beiden Beteiligten Berufung eingelegt. Die heutige Verhandlung führte zur Erhöhung der Strafe auf 300 Mt. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Oberhessen für Dienstag, den 3. Mai 1904. Windig, zeitweise wolkig, stellenweise noch geringer Regen, fühler. Näheres durch die Gießener Wetterfarte. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 1 landw. Knecht, 2 jüngere Schmiede, 1 Schlosser, 1 jüngerer Wagner, 2 Holzbildhauer, 2 Möbelschreiner, 4 Bauschreiner, 1 Schneider, mehrere Arbeiter, 2 Maler, Lauffrauen, 2 Mädchen von 14 bis 16 Jahren. Lehrlinge: 2 Installateure, 2 Schlosser, 1 Buchbinder, 1 Tapezterer, 2 Schreiner, 1 Lackierer, 1 Drechsler, 3 Bäcker, 2 Metzger, 2 Friseure, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 2 Staufleute, 2 Sellner. Es suchen Arbeit: 1 Steinhauer, 1 Spengler, 1 Packer und Lagerarbeiter, 1 Bureaudiener, 2 Lauffrauen, 2 Bureaugehilfen, 1 Buchhalter. Lehrlinge: 1 Schreiner, 2 Kaufleute. Verantwortlich für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein; für den lokalen Teil Karl Klose. Betr. Ausführung des Mietwohnungsgesetzes. Bekanntmachung. Bekanntmachung. Die Stadtverordneten- Versammlung hat durch BeContentia. ( Wohltätigkeitsrerein Gießen.) Wir haben die Wahrnehmung gemacht, daß die schluß vom 21. d. Mts. den Bebauungsplau für die durch Artikel 4-6 und 11 des Gesetzes vom 1. Juli 1893 Schwarzlach und das Gartfel aufgestellt. Nach Festvorgeschriebene Anmeldung von Mietwohnungen( bestehend stellung des Planes sollen die Straße A- A- Q beider Sonntag, den 8. Mai, von nachmittags 3 Uhr an: aus 3 oder weniger Räumen einschließlich der Küche), seitig, sowie die zwischen dieser und der Steinstraße ge= Schlafräumen und insbesondere von Schlaf- legenen Seitenstraßen zur Bebauung eröffnet werden. stellen bezw. von Aenderungen in der Person des Der Bebauungsplan liegt bis zum 1. Juni d. Is. auf Mieters oder Vermieters nicht stattfindet. unserem Tiefbauamte offen. Einwendungen gegen denselben sind binnen der gleichen Frist bei Meidung des Ausschlusses bei uns vorzubringen. Wir bringen nachstehend die genannten Gesetzesbestimmungen zur allgemeinen Kenntnis mit dem Anfügen, daß die vorgeschriebenen Anzeigeformulare auf unserem Meldebureau zu haben sind. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß Bestrafung eintreten wird, falls bei der demnächst stattfindenden Revision der Mietwohnungen 2c. durch den städtischen Wohnungsinspektor, die Unterlassung von Anmeldungen festgestellt wird. Gießen, den 29. April 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Artikel 4. Verjenige, für dessen Rechnung eine Wohnung erst mals vermietet wird, oder dessen Vertreter ist verpflichtet, hiervon vor dem Einzuge des Mieters der Polizeibehörde Anzeige zu machen, wenn entweder 1. die Mietwohnung( einschl. der Küche und ausschl. solcher Räume, die in Aftermiete gegeben oder von anderen Personen regelmäßig mitbenutzt werden) aus drei oder weniger Räumen besteht, oder 2. Kellergeschosse oder nicht unterkellerte Räume, deren Fußboden nicht mindestens 0,25 Mtr. über Erde gelegen ist, oder 3. unmittelbar unter Dach( ohne Zwischendecke) befindliche Räume zum Wohnen vermietet werden sollen. Die Anzeige muß Auskunft geben über: a) den Eigentümer, sowie die Lage des Hauses nach Straße und Nummer, b) die Lage der Wohnung( ob im Haupt- oder Nebengebäude und in welchem Stockwerk), c) die Anzahl und Bestimmung der Räume, d) den Beruf des Mieters, ſein Verhältnis zu den in seiner Hausgemeinschaft befindlichen Personen, sowie Namen und Alter derselben. Die Vermieter sogenannter möblierter Wohnungen find von der Anzeigepflicht befreit, wenn und solange der Mietpreis für das Zimmer den Betrag von monat. lich 8 Mark überschreitet. Artikel 5. Der Polizeibehörde ist ferner binnen einer Woche Anzeige zu machen, wenn in der Person des Vermieters oder Mieters einer Wohnung der im Art. 4 bezeichneten Art eine Aenderung eintritt, oder wenn durch Verminderung der Zahl der Mieträume oder durch Aftervermietung die Wohnung nachträglich anzeigepflichtig wird. Die Anzeigepflicht trifft bei Aenderungen in der Person des Vermieters den neuen Vermieter. Bei Aenderungen in der Person des Mieters sind zugleich die im vorigen Artikel unter d vorgeschriebenen Angaben zu machen. Artikel 6. Wer dritten, nicht zu seiner Familie gehörigen Personen Schlafstellen, mit oder ohne Berechtigung zum Aufenthalt über Tag vermietet, hat hiervon vor Beginn der Mietbenutzung der Polizeibehörde Anzeige zu machen. Die Anzeige muß Auskunft geben über: a) Lage des Hauses nach Straße und Nummer, sowie über den Vermieter, b) Lage, Länge, Breite und Höhe der zu Schlafstellen bestimmten Räume, Gießen, den 29. April 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Der in der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung festgestellte Voranschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1904( vom 1. April 1904 bis Ende März 1905) sowie die Voranschläge des Stadterweiterungsfonds, des Elektrizitätswerts sowie des Gas- und Wasserwerks für dieselbe Zeit liegen nach Vorschrift des Artikels 83 der Städteordnung vom 2. bis 10. Mai auf der Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 15, zur Einsicht der Beteiligten offen. Gießen, den 30. April 1904. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Erstes großes Sommerfest auf der Schönen Aussicht". Alles Nähere die Plakate. Samstag, Sonntag und Montag: Preisschießen. Montag, abends 9 Uhr: Preisverteilung. NaturKrystall- Block- Eis. Meine sämtlichen Eishäuser und Eiskeller sind mit feinstem Krystall- Block- Eis gefüllt, die Eiswagen fahren vom 1. Mai ab regelmäßig und sehe ich guter Bestellungen entgegen. Wo Preisliste nicht zugesandt, bitte solche zu Emil Schmall, Für das städtische Hochbauamt Gießen wird ein gewandter im Zeichnen von Baukonstruktionen und in verlangen. der Bauführung erfahrener Bautechniker, welcher eine Baugewerbeschule mit gutem Erfolg besucht hat, zum alsbaldigen Eintritt gesucht. Bewerbungen sind unter Vorlage von Zeugnisabschriften und Angabe der Gehaltsansprüche bis spätestens 10. Mai d. Js. an das städtische Hochbauamt Gießen einzureichen, Gießen, den 2. Mai 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Durchfahrt von der Neuen- Bäue nach der Schulstraße in der Verlängerung der Sonnnenstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 2. Mai 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. gez. Herberg. SchulSchirme fabrizieren wir extra solid. = Kinder- Schirme in allen Preislagen. Preise ohne Konkurrenz. Casseler Schirmfabrik Giessen, Seltersweg 9. c) die Anzahl der in jedem einzelnen Raume bor Vorteilhaftes Angebot! handenen Schlafstellen. Von jedem Wechsel in der Person des Vermieters der Schlafftellen hat der neue Vermieter der Polizeibehörde binnen einer Woche Anzeige zu machen. Artikel 11. Mit Geldstrafe bis zu 30 Mark wird bestraft, wer die nach Artikel 4 bis 6 vorgeschriebenen Anzeigen zu machen unterläßt oder in diesen Anzeigen wissentlich unrichtige Angaben macht. Bekanntmachung. Mittwoch, den 4. Mai 1904. abends 6 Uhr, wird das Gras von den Wieseck böschungen zur einmaligen Ernte an Ort und Stelle meistbietend bersteigert. Die Zusammenkunft ist in der Bahnhofstraße an der Wieseckbrücke. Gießen, 30. April 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. In der Zeit vom 23. bis 30. April 1904 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 goldn. Damencing, 1 goldn. Damenuhrkette, 1 Brosche, 2 Taschenmesser, 1 schwarzer Sammetgürtel und 1 Bettuch; verloren: 1 3wanzig, 2 Zehnmarkstücke und ein Karren. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bet uns geltend zu machen. Gießen, den 30. April 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Direkter Bezug von der Fabrik für Private unter Ausfall d. Händleraufschlags! Die Fahrräder- und NähmaschinenVersandt, Ersatzteile, Reparaturen Carl Graf Gießen. Kirchenplak 15. an der Stadtkirche. Größte Spec. Reparaturwerkstatt Oberheffens. Prima Kartoffel Speise- u. Salatkartoffel zu den billigsten Tagespreisen empfiehlt J. Hankel Schlokgaffe - Gießen. UNUBERTROFFEN Waschen und Putzen WASCHET Gießen, Frankfurterstraße 7. 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Freilich ums liebe Brot malen immer malen und, sues bas werd' ich auch nicht die Konkurrenz und wenn man dann die Ich habe ja, wie Profeffor Dahlberg ſagt, ein ganz Qaistungen ermißt, dann finft me berheißungsvolles Talent gewiß, aber, du lieber Gott! heutzutage Nur bei einzelnen chronischen Leiden, namentlich bei hartgeichen von dem oben ermär Man hört oft lagen, daß das Kind kein nädigen Hautausschlägen oder bei Verdauungsstörungen kann es Natürlich darf man die Kinder andererseits auch nicht mit nüßlich sein, den Kindern zeitweilig das Fleisch ganz zu entziehen. Fleisch überfüttern. Mr. 97. Montag, den 2. Mat. sche Famil 1904. tete 4. rle Gießen. -ueбunsj P000'81 dlung. o Mark. ikon. d Wien. 0000 : 1 ng. rfett 3 Uhr an: es niemals wollen! Freilich immer malen und, sans phrase ums liebe Brot malen, das werd' ich auch nicht wollen. Ich habe ja, wie Professor Dahlberg sagt, ein ganz verheißungsvolles Talent gewiß, aber, du lieber Gott! heutzutage die Konkurrenz! Und wenn man dann die Großen und ihre Leistungen ermißt, dann sinkt man doch so recht in sich zusammen. Nein, ich werde mich verheiraten, denn mit dem weiblichen Cölibat ist das nichts! Hübsch, ohne süffisant zu sein, bin ich ja das sagt mir auch mein Konterfei, das mir der Photograph erst kürzlich nachschickte, und das ich nun in alter Freundschaft dir zu Füßen lege- und daß ich keine Moneten habe, ist zwar ein sehr bedauerliches Manko, aber, feine Sorge! Ich werde mich auch ohne Geld verheiraten und zwar aus eigenem Triebe und nicht der Not gehorchend", d. h. aus reiner, unverfälschter Liebe und nicht aus schnödester Vernunft. Ich habe den festen Willen dazu, und paß auf, ich kriege es fertig. Das Schicksal muß hier einem armen Mädchen helfen; denn unverlobt gehe ich lebendig nicht vom Platz, und wenn die Gnadenfrist verronnen ist, so präsentiere ich Großmutter prompt den geforderten Ersatz- Bräutigam. Dann endlich werden die beiden, sie und streichen. ihr dickes Protegee, vor dieser Tatsache jawohl die Segel ( Fortsetzung folgt.)) r Hausdoctor Sollen Kinder Fleisch essen? Daß ein Kind im ersten Lebensjahre noch kein Fleisch zu genießen braucht, darüber herrscht Einstimmigkeit. Der Fleischgenuß würde dem Säugling schädlich sein. Aber mit dem Beginn des zweiten Lebensjahres kann man den Versuch machen. Man kocht das Fleisch gar, ohne es weiter auszukochen, oder bratet es gut durch, befreit es von der Bratkruste, zerkleinert ein etwa Haselnußgroßes Stück aufs feinste, verteilt es in etwas Fleischbrühe und sucht es dem Kinde beizubringen. Treten infolge davon irgend welche Störungen ein, so wiederholt man den Versuch vorläufig nicht, sondern frühestens nach vierzehn Tagen oder selbst erst nach vier Wochen und nur dann, wenn das Kind völlig gesund und insbesondere mit der Verdauung ganz in Ordnung ist. Verträgt das Kind das Fleisch, so kann man allmählich die Menge vermehren bis zu einem wallnußgroßen Stück. Zu beachten ist, daß die Fleischmahlzeiten weit auseinander liegen sollen. Erfahrungsgemäß ertragen die Kinder zu rasch aufeinander folgende Fleischmahlzeiten schlecht. Gs genügen im allgemeinen zwei Fleischmahlzeiten am Tage. Aber wenn die Kinder in die Schule gehen, so kann es wünschenswert sein, sie sogleich beim ersten Frühstück Fleisch essen zu lassen. So entstehen dann drei Fleischmahlzeiten, morgens, mittags und abends, die auch gewöhnlich gut vertragen werden, wenn man nur eine zur Hauptmahlzeit macht. Morgens und abends gibt man nur sehr wenig Fleisch, mittags etwas mehr. Dringend zu warnen ist vor allen Ernährungsversuchen mit rohem Fleisch; sie sind gleich verwerflich, mögen sie in einem früheren oder in einem späteren Lebensalter angestellt werden. Man zum Beispiel nahm. Fressen doch auch diese das Fleisch roh, und ist auf sie verfallen, indem man sich die wilden, reißenden Tiere man müsse doch dem Fingerzeig der Natur" folgen. Durch das ,, unnatürliche" Kochen oder Braten sollte die Verdaulichkeit des Fleisches leiden. Auch der Nährwert des Fleisches sollte durch Kochen oder Braten sich verringern. Großen Kindern kann man, wenn sie gesund sind, soviel Fleisch geben, als sie begehren. Wenn sie genug haben, verlangen sie keins mehr. Kinder, die sich in gekochtem oder gebratenem Fleisch von selbst überessen, sind äußerst selten. Jede Art der Zubereitung des Fleisches kann gewählt werden, nur Gewürze sind zu vermeiden und namentlich Lorbeer und Pfeffer. Ein ungerechtfertigtes Vorurteil besteht gegen geräuchertes Fleisch. Tas Räuchern ist eine der ältesten und besten Erfindungen. Jüngere Kinder vertragen indessen geräuchertes Rindfleisch und geräucherte Zunge häufig schlecht, was man an den Störungen be= merkt, die dem Genusse im Laufe der nächsten 24-48 Stunden folgen. Besser vertragen sie geräuchertes Schweinefleisch, namentlich Schinken. Doch darf man nur solchen geben, der vollkommen durchgeräuchert ist. Nur bei einzelnen chronischen Leiden, namentlich bei hartnädigen Hautausschlägen oder bei Verdauungsstörungen kann es nüßlich sein, den Kindern zeitweilig das Fleisch ganz zu entziehen. Natürlich darf man die Kinder andererseits auch nicht mit Fleisch überfüttern. Man hört oft Klagen, daß das Kind kein Fleisch essen wolle. Das liegt, abgesehen von dem oben erwähnten Darreichen rohen Fleisches, oft an einem unzeitig angewendeten Zwange. Man teilt dem Kinde zuviel Fleisch zu und sagt ihm: „ Das ißt du auf, der Teller muß leer werden." So verekelt man dem Kind den Fleischgenuß. Oder man zwingt auch wohl das Kind durch Aussehung einer Belohnung, zuviel Fleisch zu essen, indem man ihnen Süßigkeiten und dergleichen verspricht. Das Kind hat vielleicht tatsächlich genug Fleisch genossen, es mag keines mehr, aber die versprochenen Süßigkeiten will es sich nicht entgehen lassen. Es ist also wider den Appetit und dann noch die Süßigkeiten. Von den verschiedenen Fleischarten wird für junge Kinder Kalbfleisch bevorzugt, rührt es jedoch von ganz jungen Tieren her, so verursacht es Durchfall, namentlich wenn es zweimal an ein und demselben Tage genossen wird. Geflügel gilt für besonders leicht und für junge Kinder besonders geeignet, namentlich das Brustfleisch von jungen Hühnern. Weißes Fleisch gilt überhaupt für leichter und verdaulicher als rotes und schwarzes. Uebrigens soll man nicht immer glauben, daß die leichtverdaulichen Nahrungsmittel auch stets die besten sind. Was die Fleischbrühe anbetrifft, so pflegt man sie um das Ende des ersten Jahres herum, aus Kalbfleisch, Huhn oder Taube, seltener aus Rindfleisch bereitet, zu geben. Sie soll nicht fett und nicht zu salzig sein und Reis, Gries, Graupen, Potsdamer Zwieback und dergleichen als Einlage erhalten. Sie hat eine mäßig anregende Wirkung. Doch braucht man die Kinder nicht zu ihrem Genuß zu zwingen. Wird die reine Brühe verweigert, so kann man versuchen, sie mit gleicher Menge Milch vermischt zu geben. Die Zubereitung der Hühner- oder Taubenbrühe erfolgt in der Weise, daß ein halbes Suppenhuhn oder eine Taube mit einem halben Liter Wasser unter Zusatz von etwas Salz gut zugedeckt 2-3 Stunden hindurch langsam gekocht wird. Stets muß man berücksichtigen, daß die Brühe kein Nahrungsmittel darstellt, sondern nur zur Anregung gegeben wird. Herztlicher Ratgeber. Reinigung der Nase bei Scharlach. Die fehlerhafte Reinigung der Nase während des Scharlachs kann leicht zu schweren Ohrenleiden Veranlassung gegeben. Es darf beim Ausschnauben nur immer ein Nasenloch zugehalten werden, und es darf nicht zu stark geschnaubt werden. Nasenausspritzungen sind zu vermeiden. Stillung des Nasenblutens. Der Kranke site vollkommen gerade auf einem Stuhl, lege beide Arme auf den Kopf und atme nun ruhig und tief bei offenem Munde. Hierdurch werden die Venen des Kopfes und der Nase möglichst blutleer gemacht, und das Nasenbluten steht. Neuerdings wird auch empfohlen, bei Nasenbluten infolge von Allgemeinerkrankungen heiße Umschläge auf die Nackengegend zu machen. Besonders empfehlenswert soll das Verfahren bei Arterienverkalkung, also bei älteren Leuten sein. Früher empfahl man bekanntlich kalte Umschläge oder einen kalten Schlüssel in den Nacken zu legen. Schmerzen im Fuß. Schmerzen im Fuß können aus den verschiedensten Ursachen auftreten; man denke nur an den Plattfuß, bei dem übermäßiges Gehen und Stehen Schmerzen erzeugt, ferner an Verstauchung, Sehnenscheidenentzündung am Fuß Knochenfraß u. s. w. Sehr charakteristisch aber sind Schmerzen in der Gegend der vierten Zehe. Diese Schmerzen treten anfallsweise auf, oft sogar des Nachts im Bette. Des Morgens beim Aufstehen sind sie ge= wöhnlich verschwunden. Oft stellen sie sich auch beim Gehen ein, Lassen aber meist nach, sobald die Schuhe ausgezogen werden. Druck mit dem Finger auf die betreffende Stelle verursacht ebenfalls Schmerz. Die Ursache für diesen Schmerz in der vierten Zehe ist zu enges und zu spißes Schuhwerk. Er läßt sich beseitigen, sobald passendes und bequemes Schuhwerk getragen wird. Schädlich ist auch das Tragen zweibälliger Schuhe, die abwechselnd bald auf dem rechten, bald auf dem linken Fuß getragen werden. Die Schmerzen in den Füßen können so heftig werden, daß die Kranken sich den Fuß abnehmen lassen wollen. Nr. 97. Montag, den 2. Mai. 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage bez Gießener Neueste Nachrichten. Smd auch Berlag bor Olebener Beringsbenderet, verm. Buh. Rellers: Dubrudsret( gegr. 1789); seas ( 6. Fortseßung.) Iwan der Schreckliche. Original- Roman von Hans Hoffmann. Kinder, wißt ihr das Neueste?" Mit dieſem lauten Ruf stürmte Alma nach jenem verhängnisvollen Spaziergang unter ihre Kameradinnen.„ Wir kriegen einen Tierbändiger ratet' mal, wen?" Alle horchten staunend auf. Einige Minuten lang weidete sie ihr Herz an der ängstlchen Erwartung der anderen; endlich hielt sie es selbst nicht mehr aus und offenbarte: Iwan den Schrecklichen!" ,, Aaah!" ,, Na, wer's glaubt!" ,, Alma lügt, wie gewöhnlich!" ,, Der! Was soll der bei uns? Der schießt ja?" ,, Alma, rede doch nicht so dummes Zeug!" ,, So wahr ich hier stehe," triumphierte Alma, er kommt: „ Ein König furchtbar prächtig, wie blut'ger Nordlichtschein!" Kinder, ihr glaubt gar nicht, wie ich mich darauf freue!" „ Aber was soll er uns denn für Stunden geben?" fragte Liesbeth Wippermann.„ Bei den Bengeln hat er doch Mathematik!" „ Und bei uns soll er das Gemütsleben vertiefen," sagte Alma weiſe,„ nämlich auch mit Mathematik- aber natürlich nur bei uns Reiferen!" setzte sie mit stolz erhobenem Kopf hinzu. Na, dann kenne ich das Tier, das er bändigen soll!" sagte Gretchen Ingenohl, die als Tugendspiegel bekannt und verachtet war. Alma rümpfte höhnisch die Nase. Natürlich, tugendſame Gänschen brauchen sich nicht erst bändigen zu lassen, die kriechen vor Angst immer von selbst in den richtigen Stall." Wißt ihr auch, was der Hauptspaß bei der ganzen Geschichte wird?" rief der Tugendspiegel.„ Wenn Alma zu Kreuze friecht! Das wird für Fräulein Leinemann der schönste Tag ihres Lebens!" " Ich?!" schrie Alma empört. ", du wirst dich schon ducken! Mit dem nimmst du's doch nicht auf! Ich sehe dich schon, wie du rot wirst und die Augen niederschlägst. Der wird dich zähmen wie ein Hündchen, wan der Schreckliche." Almas Augen funkelten. Die armen Mädchen entsetzten sich ordentlich über die Wut, die aus ihren Zügen und geballten Fäusten sprach. Sie begriffen nicht, wie die kleine Neckerei sie so maßlos aufregen konnte. Alma aber begriff es. Erröten! Augen niederschlagen! Welch ein Glück, daß niemand die Schmach gesehen hatte, die fie auf offener Promenade schon erlitten! Sie tat in ihrem Herzen den fürchterlichsten Racheschwur. ,, Wenn ihr wüßtet, wie ich den Menschen hasse!" schrie sie außer sich.„ ,, der soll mich kennen lernen!" Noch ehe der neue Unterricht begonnen hatte, erwachte in Alma ein rätselhaftes Interesse für die strenge Wissenschaft der Mahematik. Bei einem Besuch im Elternhause ließ sie sich von ihrem Bruder in die ersten Geheimnisse derselben einweihen und stahl ihm ein Lehrbuch, das sie, obgleich es längst nicht mehr so appetitreizend aussah, mit hingebendem Eifer studierte, nicht nur in ihren Mußestunden, sondern unter ( Nachdruck verboten.) dem Tisch auch in denjenigen Zeitabschnitten, welche durchaus weder für die Muße noch für die Mathematik bestimmt waren. Bald zeichnete sie mit großer Geschicklichkeit die saubersten Dreieckchen, Quadrätchen und Parallelogrämmchen; aber auch der geraden Linie an sich wußte sie Geschmack abzugewinnen, nur pflegte sie einer solchen zuletzt ein paar Widerhaken an zusetzen, um sie als Lanze zu kennzeichnen, die sie dann in Gedanken dem verhaßten Unterdrücker freier Mädchenseelen ins Herz bohrte; mit gleicher Kunst verstand sie aus jedem Kreise durch Anwendung eines konzentrischen Hilfskreises einen Mühlstein zu gestalten, den ihre Phantasie dem Feind um den Hals hängte, um ihn mit dieser Bürde ins Meer zu werfen, wo es am tiefsten ist. Ueber diesen Studien und Mordplänen kam der Tag der ersten Mathematikſtunde heran. Fräulein Leinemann hatte sieben Schülerinnen der Ehre gewürdigt, in diese männliche Wissenschaft eingeweiht zu werden, und zwar hatte sie Sorge getragen, nicht so sehr die begabtesten als die sittlich reifsten auszuwählen, von deren bewährtem Tugendsinn Almas Frevelmut keinerlei Rückendeckung zu erwarten hatte. Wohlgerüstet saß diese auf ihrem Play; sie erwartete ihren Feind, richtiger ihr Opfer, mit vollkommener Siegesgewißheit. Sie hatte ihren Schlachtplan mit aller Umsicht entworfen. Sie würde am Anfang der Stunde still mit gefalteten Händen wie ein leibhaftiger Gottesengel daſizen; zu diesem Zweck hatte sie sich eine sonderbare Madonnenfrisur angelegt, einen ganz glatten, streng pomadisierten Scheitel, der sich zu ihrem fecken Gesicht unendlich komisch ausnahm, so daß selbst die erlesene Tugend alle Mühe hatte, sich des Lachens zu erwehren. Wenn dann zufällig der Herr Lehrer sich an dem Tischrand, der zufällig dick mit Kreide beschmiert war, einen weißen Strich über den Bauch malte, was ging sie das an? Und wenn dann zufällig aus einer Schachtel in ihrer Kleidertasche ein Dußend Maikäfer hervorschwirrte, wer konnte ihr die Schuld auf den Kopf zusagen? Nach solchen harmlosen Vorpostengefechten freilich würde sie mutvoll zum offenen Angriff vorgehen; wenn sie jenem, der dann offenbar schon eingeschüchtert war, statt ſeiner philiströsen Quadrate und Dreiecke ganz gemütlich ein fröhliches Schweinchen, mathematisch stilisiert, präſenierte und ihn dazu treuherzig anlächelte, wie konnte er da seine Fassung behalten? Und wenn sie zuletzt auf seine Frage oder Drohung ihm unvermutet mit der nicht zu verkennenden Fistel. ſtimmme seines eigenen Gymnasialdirektors in die Parade führe, mußte er da nicht notwendig ein so dummes Gesicht machen, daß sie selbst diese sechs Tugendpinselchen als willenlose Lacher auf ihrer Seite hätte? Wahrlich, sie konnte mit Seelenruhe dem Kampf, entgegensehen. Im Nebenzimmer ging Doktor Belling mit unruhigen Schritten auf und ab, große Schweißtropfen auf der Stirn. Seine Stimmung war trostlos; er fühlte sich verurteilt, in einen bodenlosen Strudel zu tauchen, aus dem es keine Wiederkehr gab; er kam sich vor wie ein Betrüger, der heute öffentlich entlarvt werden sollte. Heute würde er den Mädchen und morgen den Knaben zum Gespött werden und übermorgen als ein geschlagener, unbrauchbarer Mann ohne reife Pfg. an, en von esitzer, GOOG iertes mmer preis rftrage 15. mmer eten. Zimmer torage 11. New! affe 21, II che elbank mann! Kinder n. erfbarnie! p Nr. 10 Abonnement In's Faus geb und bie Gratisbellage Das Blatt im Jahr 1890 beschluß, den e feiertag festlich Mittelpunkten einem Voltsga auseinanderjer Geiten in eine in Stellung. greiflich ist, m Heberraschunge tungen traf hnung hatte, mochten ungefäl worden, weil id drängenden M fich uns ein gan Wege zum Bolf Stand eine größe eine Batterie Ko mit Gewehr zu reinen Zufall An diesen die veränderten derung in unse 1. Mai шод nären die Charaft nach einer bei proletarischen estehen, haupt sein " no! Form der Feier Heimat und Nahrung seines Weges ziehen. Und er selbst war es, der dies Geschick sich in frevelhaftem Leichtsinn hers aufbeschworen! Fräulein Leinemann trat ein und begrüßte ihn: die Priesterin, welche den Stier zum Altar geleiten sollte. Er folgte ihr fast willenlos in die ihm bestimmte Folterkammer, wo die eiserne Jungfrau Alma seiner harrte. Fräulein Leinemann stellte ihn vor und setzte sich dann in eine Ecke, um dort der Stunde beizuwohnen; sie gedachte von der Methode des bewunderten Pädagogen etwas zu profitieren. Dieser stand einsam vor den sieben Jungfrauen, grüßte finster, setzte sich. Mmas Blicde maßen gespannt den trennenden Raum zwischen dem Tischende und seinem Rock; doch er saß steif aufgerichtet und berührte ihn nicht. Er sah grimmiger aus als je, ganz Iwan der Schreckliche. Alle bierzehn Mädchenaugen senkten sich, und selbst Almas Lippen hauchten unhörbar:„ Ein König, furchtbar prächtig, wie blut'ger Nordlichtschein!" Jezt ließ er einen scheuen Blick über das regungslose Häuflein schweifen; er entdeckte die abscheuliche Frisur Almas und wußte mit schauerlicher Sicherheit: dies bedeutete etwas. Er entfärbte sich und zitterte leise. Doch wie der einsame Mensch, der in baumloser Wüste plöglich einem Löwen gegenübersteht, das Ungetüm mit starren Blicken festhält und zu bannen sucht, so haftete sein schwarzes Auge unbewegt an dem Scheitel des gefährlichen Mädchens. Nie hatte er so dämonisch fürchterlich ausgesehen als in diesen Sekunden seiner äußersten Angst. Und Alma- Alma errötete über und über, bohrte die verwirrten Blicke in den Tisch und zitterte. Sie hatte die Empfindung, daß zwei scharfe Brenngläser unausgesetzt auf ihre Stirn gerichtet wären und dort erbarmungslos sengten und sengten; sie wäre in diesem Augenblick bereit geweſen, ihren schönsten Zopf zu opfern, wenn sie sich des entsetzlichen Madonnenscheitels hätte entledigen können. Umsonst versuchte sie sich zu trösten:„ Er merkt den Hohn ja gar nicht! Er weiß ja nicht, wie du sonst die Haare trägſt!“ Was half dieser Trost? Auf jeden Fall stand ihr die Frisur abscheulich schlecht. Thränen ohnmächtiger Wut füllten ihr Auge, eine heftige Rachſucht trotzte in ihr auf gegen den Menschen, der sich herausnahm, sie häßlich zu finden, und sie tastete leise unter dem Tisch nach dem lebenwimmelnden Kästchen in ihrer Tasche. Mit nervösen Fingern hielt sie es umflammert, auf einen günstigen Moment lauernd, den Deckel zu öffnen. Aber die entseglichen zwei Brenngläser sengten auch diese verborgene Hand; erschrocken zog sie dieselbe wieder heraus und legte sie in all ihrer unschuldigen Weiße offen auf den Tisch. In der Tat, diese Hand wenigstens war unzweifelhaft hübsch, rund, zart und reizend gegliedert. Hier taten die Brenngläser nicht mehr weh. Ich warte lieber noch eine Viertelstunde!" dachte sie.„ Er muß erst noch sicherer gemacht werden! Und ich bin selbst noch ein bischen zu aufgeregt!" Allein diese Viertelstunde ging herum und noch eine dazu - kein Maifäfer flog auf. Der Lehrer hatte sich längst in die Erklärung der schlichten Grundsätze der Geometrie vertieft und ließ erläuternde Zeichnungen anfertigen. Alma malt fein einziges Schweinchen, keine Lanze und feinen Mühlstein, sondern die allergesetzmäßigsten Linien, Quadrate und Kreise. Am allerwenigsten beging sie die Pietätlosigkeit, die eigenartige Klangfarbe einer Gymnasialdirektorstimme zu kopieren. Smmer demütiger, immer trauriger ward ihr kühnes Gesichtchen; sie tam fast einer Ohnmacht nahe, wenn sie an die verhängnisvolle Kreide auf dem Tischrand dachte. Zum Glück war Doktor Bellings Bauch nicht von zu beträchtlichen Ausmeſſungen; doch so oft er sich im Eifer des Beweises ein wenig borbeugte, richtete sie einen angstvoll flehenden Blick auf ihn, ais ob es gälte, ihn von einem Abgrund zurückzureißen. Sein Antlig aber wandelte sich nicht; sein Auge hing an Almas verängstigten Zügen mit unentwegter, düsterer Strenge. So ging diese denkwürdige Stunde herum und schloß mit einem unbezweifelten Sieg wans des Schrecklichen. Fräulein Leinemann trat auf ihn zu, drückte ihm die Hand und sagte leise: Ich bewundere Sie, Herr Doktor!" Der Herr Doktor empfand in seinem Gewissen, daß dieser Lobspruch eigentlich ein unverdienter sei, und fühlte doch zugleich, daß sein Herz ihn nur um so mehr mit einem gesteigerten Wohlwollen gegen die Lobende beantwortete. Die Betrachtung dieser eigenen Gefühle gab ihm einen genialen Gedanken ein. Er verneigte sich leicht vor Alma und sagte ernsthaft: ( Fräulein Alma, ich bewundere Sie!" Sie antwortete heiß errötend mit einem Blick, in welchem beschämtes Danfgefühl zugleich mit dem stillen Bekenntnis all ihrer geplanten Sünden und rückhaltlose Unterwerfung lag. Dann hielt sie ihren Abgang, stolz, hochaufgerichtet, mit einem verächtlichen Blick auf ihre Gefährtinnen; auf ihrer Stirn thronte der volle Triumph:" Seht, dieser Mann bewundert mich!" Jetzt war sein Sieg vollständig. Almas Tag von Da maskus war gekommen. Als sie in ihr Kämmerlein trat, zog sie die fatale Schachtel aus der Tasche, hob den Deckel ein wenig in die Höhe und betrachtete das frabbelnde Gewimmel. Ein Haß ergriff ste gegen diese mutlosen Geschöpfe, welche ihrer Pflicht so wenig genügt hatten, und sie verurteilte dieselben ohne Umstände samt und sonders zum Tode. Etwas vom Geist Iwans des Schrecklichen war über sie gekommen. Und zwar war ihnen der Tod durch das Fallbeil beſtimmt. Auf dem Tisch stand ein sinnvoller Apparat zum Zigarrenabschneiden, den sie vermittels einer hinzugefügten Stiderei als Geburtstagsgeschenk für ihren Vater verarbeitete; derselbe wies drei runde Löcher und darüber ein bewegliches Messer auf. Durch diese Löcher steckte sie hurtig die Köpfe von drei Maikäfern und guillotinierte sie mit der Präzision eines geprüften Nachrichters. ,,, wenn das doch die Köpfe von Fräulein Stübbe, Fräulein Kahlemann und Mademoiselle Picard wären!" feufzte sie mit einem wonnevollen Schauder, die Namen ihrer bestgehaßten Lehrerinnen aufzählend. ,, Na, gut," fügte sie hinzu,„ und jetzt kommen Herr Hoppmeyer, Herr Jonsky und Herr Dehnel an die Reihe!" Auch diese drei wackeren Erzieher wurden um einen Kopf kürzer gemacht. So ging die Blutarbeit fort, bis nur noch zwei besonders schöne und fette Exemplare übrig waren. Von diesen schien sich das eine für ihr phantasievolles Auge durch einen besonders sanften, seelischen Blick auszuzeichnen: das war natürlich Fräulein Leinemann. Diese wurde für sich allein mit solcher Leidenschaft hingerichtet, daß der Kopf weithin in das Zimmer flog. Ein Ausdruck wilder Befriedigung lag auf ihren Lippen, sie glich der Criemhild, da sie den grimmen Hagen erschlug. Jetzt packte sie den letzten Ueberlebenden. Der hatte etwas merkwürdig Finsteres, Despotisches im Ausdruck, wie ein gefangener Krieger. Gut, das war also Iwan der Schreckliche; der sollte nicht eines so ordinären Todes sterben, sondern mit der edlen friegerischen Lanze durchbohrt werden. Sie zog eine Nadel aus dem Kleid und setzte die Spize mordbereit auf seine Bruſt. Da überlief sie ein Grauen. Ihr Opfer hatte so dämonische Augen, die mit überlegenem Hohn ihr entgegenstarrten und sie nicht loslassen wollten. Da warf sie es hastig in großem Schwung aus dem offenen Fenster. Und siehe da, stolz wie ein Adler flog es der Sonne zu. Alma blickte ihm schwärmerisch nach und sprach feierlich: „ Ein König, furchtbar prächtig, wie blut'ger Nordlichtschein!" Hierauf brach sie in heftige Tränen aus. Doch, wenn man sie gefoltert hätte, sie würde nicht haben sagen fönnen, worüber sie weinte. Ueber die ermordeten Maikäfer doch schwerlich. Gotthold Belling kehrte in äußerst gehobener Stimmung Es war gut, daß keiner seiner Schüler nach Hause zurüd. den nunteren Ausdruck seiner Züge sah; wer weiß, ob nicht der Respekt darunter gelitten hätte! Nicht gerade Fräulein Leinemanns glänzende Arerkennung war es, was ihn so heiter durchwärmte, nicht der pädagogische Triumpho ja, freilich, das war etwas recht Schönes, noch mehr, ein wahres, großes Glück, eine rechte Rettung aus dringendster Gefahr, und doch, und doch auch dieses erhebende Bewußtsein fam nicht auf gegen die Erinnerung an den unbeschreiblich rührenden Blick jenes bildhübschen Geschöpfchens. Welcher Blick! Welcher Blick! Und wie wundervolle schwarze Augen! ( Fortsetzung folgt.) Einmal vielleicht im Leben Gab uns das Glück die Hand, Doch tausendmal beneidet Hat uns der Unverstand. Wie Hans zu seiner Ilse kam. Novelle von A. Wald. ( Nachdruck verboten.) Also, mon cher ami, Du wünscheſt, außer einem wohl gezählten Duhend anderer freundschaftlich teilnehmender Fragen, zu wissen, auf welche fuchsteufelschlaue Manier ich alter Frechling"- übrigens sehr schmeichelhaft für meine persönlichen Qualifikationen ich während deines dreijährigen Aufenthaltes da unten bei den Howas, zu einem so unberdient reizenden Juwel von Braut" und meiner jetzigen Frau gekommen? Die gedruckten Karten von damals und die beigefügten Photographien, als fait accompli, genügten deiner Wißbegier nicht. Nun, da muß ich mich denn nolens volens mal dazu entschließen, in einem wohlstilisierten Halbfilobriefe dir das Geheimnis anzuvertrauen. Schließlich bin ich, eingedenk unseres alten Pech- und Schwefelbundes, dir ja auch so etwas schuldig, obschon wir von der grünen Farbe, die wir ja leider Gottes die Tinte literweise vergeuden müssen, im allgemeinen eine heftige Aversion gegen alles unnötig Schriftliche haben. Hoffte überhaupt immer noch, du alter Vagabund würdest eines schönen Tages uns mal auf unserer Klitsche überfallen, um dich mit eigenen Augen von unserem Glück zu überzeugen. Sybaritisch freilich gehts bei uns nicht zu, doch sehr gemütlich, und ich hatte es mir so hübsch gedacht, an lauen Sommerabenden, wenn durch die Hainbuchenlaube vor unserer Tür das Mondlicht zittert und aus dem nahen Walde das„ Blatten" herübertönt, bei einer Flasche Wein und leidlichen Zigarren mit meinem alten Freunde Reminiszenzen auszutauschen. Nun, da aber deine Redaktion, in die du nach der Rückfehr eingetreten, wie ich aus deinem Schreiben erfuhr, dich fitrs erste noch nicht freigeben wird, so mags zunächst denn auf dem Papier geschehen. Aber eins zuvor, Erhard euch alten Nomanziers ist darin nicht recht zu trauen laß dir um Gottes willen nur nicht etwa beifallen, dies Aftenstück eines Tages unter irgend einem nom de guerre und viel leicht dem wirkungsvollen Titel„ Wie Hans zu seiner Ilse fam" in einem eurer Familienblätter zu publizieren. Ilse und ich würden dich höchst eigenhändig umbringen, zum mindesten dich wegen unbefugten Abdrucks gerichtlich verfolgen lassen. Ja, das würden wir tun, soweit die Präliminarien. Und nun los. Als du alter Weltenbummler damals im Auftrage deiner Gesellschaft delnen Madagaskar- Ausflug antratest, saß ich derweil, wie du dich entsinnen dürftest, noch im Schnee ver graben, da oben in Tannrode. Die Jagd dort war ja freilich prima, aber ist sie doch kein Aequivalent für alles; obendrein war der Alte ganz verteufelt schußneidisch, und im übrigen -- auch noch nach der Arbeit, in so einer weltverlorenen Einfamfeit stets so in ausschließlicher Gesellschaft dieses mür rischen Brummbären und seiner misanthropischen Hausunke - rein zum Grasfressen. Ich war daher keineswegs unangenehm überrascht, als ich eines Tages zur weiteren dienstlichen Verwendung meinen Wohnsitz nach Heidbergshausen zu verlegen hatte, um dort, als der letzten Uebergangsstation, meine endliche Beförderung auf eine verheiratete Oberförsterei" zu erwarten. Die Reviere dort sollten sehr ausgedehnte sein, auch der Wildbestand vorzüglich, und der alte Forstmeister ein fideles Haus, der seiner„ teuern" Söhne wegen, troy Ischias und Podagra noch immer nicht an die Pension heranwollte. Die Assessorstelle bei ihm war gut beleumdet, auch die gesellschaftlichen Verhältnisse der Umgegend wenigstens erträglich denn ich hielt es stets damit, nachdem wir beide damals im Manöver weißt du wohl noch?- bei unserem Wirt, einem Gutsbesizer, nach der„ werten Frau Gemahlin" uns erkunbigt, und tags zuvor war sie mit dem Nachbar durchgebrannt - wenn irgend möglich schon vorher über alles wichtigste so einigermaßen au fait au setn. Na, das nebenbei. Ich machte mich also guten Mutes auf, doch den Zug und die Minute meiner Ankunft hatte ich unbestimmt gelassen, da ich Abholen und Empfang nicht liebte. Ganz mutterseelenallein trat ich den Weg von der Haltestelle des verlorenen Haidedörfchens an, von dem aus, eine Stunde entfernt, das einsame Forsthaus und die Stätte meiner fünftigen Wirksamkeit liegen sollte. Ein wundervoller Maientag war's, und Pfingsten, das liebliche Fest, vor der Tür. Zu beiden Seiten der Land. straße, die sich in anmutigen Windungen durch den Wald dahinzog, hohe, prächtige Birkenstämme, durch deren helles Maiengrün die goldigen Sonnenstrahlen im zarten Waldgras ſpielten. Die Vögel flirteten, Blauveilchen blühten, und Schillernde Falter trieben ihr Spiel. Es war entschieden ein lyrischer Tag. Und lyrisch war auch mir ums Herz.„ Alles liebt und paart sich wieder," seufzte ich leise. Ja, das Paaren! Dazu gehörten und gehören bekanntlich zwei. Die kleinen Sänger freilich, die haben's leicht. Verlobung, Nestbau, Hochzeit, das sind die drei Phasen in ihrer Welt, und alles ohne Kosten und große Schwierigkeiten. Und auch im menschlichen Schicksalsdrama und dem eines Assessors im besonderen, sind sie, zuzüglich der staatlichen Anstellung, die großen Entwicklungsstufen Anstellung und Verlobung als der Höhepunkt der Handlung und die Heirat als die Peripetie aber- ob zum Guten oder Bösen?! Und in einer naheliegenden Ideenverbindung dachte ich wieder an die eigene, in absehbarer Zeit mir bevorstehende Oberförsterei. Allein zog ich dort nicht ein, das stand bei mtr fest. Dabei aber war ich anspruchsvoll und hatte von meinem Vorgänger mal was von minderwertigem weiblichen Remontematerial der Umgegend" gehört. Da waren die Aussichten freilich schlecht. Denn jung und hübsch, klug und liebenswürdig mußte sie" sein, und sollte sie Moneten haben, so würde auch das kein Hindernis bilden. Unter solchen Betrachtungen schritt ich rüstig meines Weges, in altbekannter Sorglosigkeit vertrauend, daß die Sache sich schon machen würde; denn umsonst ist man doch nicht an einem Sonntage geboren! Da plötzlich wurde ich gestört in meinen Reflexionen, denn kaum fünfzehn Schritte vor mir wechselte ein starker Bock über die Chaussee, äugte zu mir hinüber, schreckte, als wollt' er sagen:" Donnerwetter! Der neue Forstassessor!" und verschwand in einem der lauschigen, stillen Pfade, die in das Innere des Waldes führten. Ein paar Schritte bog auch ich in den schattigen Waldweg ein, um dem alten Herrn nachzuspähen, denn der Weidmann regte sich in mir. Natürlich war der alte Bursche längst verschwunden, und während ich interessiert auf die Fährte niederblickte, sah ich plötzlich etwas Lichtes vor mir liegen, ein zartgrünes, also offenbar weibliches" Briefkouvert. Ich hob es auf. Eine energische, beinahe männliche und doch elegante Handschrift und die Adresse an eine Frau Professor Helwig, Kurfürstendamm, Berlin, gerichtet. Das Kouvert, das unverschlossen und unfrankiert, war noch ganz tadellos geblieben, also hatte irgend jemand das Briefchen erst vor kurzem dort verloren. Aber wer? Darüber konnte nur das Briefblatt selbst mir Auskunft geben. So setzte ich mich denn auf eine Moosbank nieder, nahm die Bricfbogen heraus und hielt gleichzeitig auch eine Photographie in Händen. Und was für eine Photographie! Ein ganz liebreizendes, feines Gesichtchen- na, alter Freund, du kennst ja Ilses Bild aus eigener Anschauung und als ich länger als nötig es betrachtet, studierte ich auch den Inhalt des Briefes durch, denn hier war Indiskretion ja Pflicht; und da das kleine Schriftstück mich lebhaft interessierte, ja sehr folgenschwer für mich wurde, ſo iſt's erklärlich, daß ich es noch heute beinah auswendig weiß und dem Inhalt nach hier folgen lasse: „ Liebste Helene!" las ich. Da weile ich denn bereits jetzt eine volle Woche in meiner fashionablen Sommerfrische. Fashionabel insofern, wenn man die auserlesenste Einsamkeit, die ja bekanntlich als sehr vornehm gilt, aber andauernd genossen, auch recht langweilig ist, als den Kapitalvorzug dieser ländlichen Idylle auffassen will. Du weißt ja, weswegen mir diese„ Sommerfrische“ blühte- weil ich hier in der Einsamkeit zur Vernunft kommen" soll, ich, die auf Großmutters Befehl das dicke Monstrum von Kommerzienrat, den Karlsberger, nicht heiraten wollte. Und ich will's auch heut noch nicht und werd' hin verändert. fen, und die V der Sozialdem wickelt sich doch o mehr und me wird, wird aud Grund schwinde halte es durchau Traum, wenn ic lichkeit entgegens meine Festtag fü Billigung und meine Gerade desh Entwickelung un Sor erfte Maientag e fake in beiden uaman es ist immerhin Verlauf beobac Soweit die bon Mährischdabei felt бав, allmählich entz ein Symptom ihrer Stetigteit günstig beeinfl Die Sozialde Ther befannt ge lande durchaus muhigen Spani Heinen Ruhestö Gegenfäge zwis ebenso scharf zu efteuropas fa aifeier ohne durchweg ohne De ßeren Trupper Die Japaner wir von vornher Allerdings gli fientfcheng, wo fie Chinesischen Kriege eine g tatt, über die in worden ist, der f Abteilungen griffen, um Vo der ersten japanu Bu fönnen, am chen im Jalu a Der Garde mu 2. gbiele Gin gefangene Hudba