beiten. en und eine und Maurer: affes erf. cf. bom in Lungite mit Betona on Donnerst helmstraße 2 mit Ausnah , zum Selb uffchrift find tags 11 Uh hen. Iniverfita Verein gen. Mr. 78. Zweites Blatt. nementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 fg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. @bellagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Dus Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den.2 April 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jusertionspreis: Die einspaltige Betitzelle für ganz O heffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonft 15 Reklamen die Betitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechenschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Es wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Händler Innocenz Krack, Schloßgasse 11, mit Wirkung poin 1. April d. Js. an vorläufig zum Wasenmeister ün die Stadt Gießen bestellt worden ist. Der bisherige Wasenmeister Johannes Bender stellt agen für seine Tätigkeit mit dem heutigen Tage ein. Gießen, den 31. März 1904. t Listen heru gsflotte wer udh die klein us dem gan bunden auf den, um al Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen J. V.: Curschmann. Bekanntmachung. As Wieger für die Lastwage am NeustädterSchiffe dient vor ist heute Christian Weidig verpflichtet worden. Gießen, den 31. März 1904. den Namen er Vorstan en. et 1883, nd Lager: Bahnanschl Giessen Telefon 298. u. Gaskocher, en, Wegen Wäschetrock er, Vogelki en, Stehleit ftpressen, affia- Baft et ssen eb. Tel. 410. licher bauten efert eder Art. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Donnerstag, den 7. Avri! 1904, nahm. 3 Uhr woerden auf dem hiesigen Ortsgericht 7 an der Noonstraße gelegene Baupläte versteigert. Gießen, den 31. März 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Wir bringen zur Kenntnis, daß mit Genehmigung Großh. Kteisam ts dahier, bis auf Weiteres die Funktionen des Fiener visitators in der Stadt Gießen durch die Beanaten unseres Hochbauamts ausgeübt werden. Gießen, den 31. März 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Die am 7. If. Mts. angeordnete Sperre der WetterBase wird hiermit aufgehoben. Gießen, 31. März 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Bei Meidung der Richtberücksichtigung sind bis spätestens den 1. Mai d. Js. alle noch rückständigen Rechnungen über die in der Zeit vom 1. April 1903 bis 31. März 1904 zur Uterhaltung der städtischen Straßen u. s. w. ausgeführten Abeiter und Lieferungen in doppelter Ausfertigung an uns eira, zureichen. O Gießen, 2. April 1904. Städt. Tiefbauamt. Braubach. Deer und flotte. Der Mannschaftsetat der Marine einschließlich der Deckfiziere ist für die Jahre 1904 und 1905 folgendermaßen festgesetzt worden: Die Kopfstärke wird betragen: Matrosen- Divisionen Werft- Divisionen Torpedo- Abteilungen 1904 14 476 10 889 4 265 1905 15 356 11 869 4 513 2 444 Matrosen- Artillerie- Abteilung 2422 Im Jahre 1904 wird die Kopfstärke also 32 052 und 1905 Diensten. 34182 betragen, sodaß eine Vermehrung um 2130 Man 0000 äscherei er en weg blenz 4. strasse 4-6. ach a. M. terstrasse 34. bach O/ H. egründet 1848. entreten wird. Von dieser Zahl werden entfallen: 880 auf die Matrosen- Divisionen, 980 auf die Werft- Divisionen, 248 auf die Torpedo- Abteilungen und 22 auf die Matrosen- Artillerie- Abteilungen. Der Zuwachs bei den Matrosen- und Werft- Divisionen entspricht der Vermehrung der Linienschiffe und Kreuzer, da Zuwachs bei den Torpedoabteilungen der Vermehrung des orpedobootmaterials. Die Personalvermehrung bei den boier Matrosen- Artillerie- Abteilungen ist unbedeutend, da eine Bermehrung der Küstenbefestigungen nicht geplant wird Hus dem Gerichtsfaal. § Der Vatermord von Vari. Das Schwurgericht in ucera sprach die drei jungen Mädchen, die wegen Ermordung ihres gemütsrohen Vaters, des Landmannes de Franasco in Bari, unter Anklage standen, frei. Das Publikum, Bas den Gerichtsverhandlungen mit außerordentlicher SpanAung gefolgt war, überschüttete die freigesprochenen Mädchen, Berer ergreifendes Martyrium der Prozeß dargetan( die eine ar om eigenen Vater vergewaltigt worden) mit SympathieHundogebungen. § Von schwerer Anklage freigesprochen wurde in Allenstein fim Wiederaufnahmeverfabren der Gastwirt Mendraikki, der am 28. Oktober 1898 wegen eines angeblich an seiner 13jährigen Stiestochter Anna Aschewski begangenen Sittlichkeitsverbrechens zu 2 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt worden war und die Strafe auch verbüßt hatte. Die Strafanzeige war nach voraufgegangenem Streit von der Ehefrau des Angeklagten erfolgt, seine Verurteilung auf Grund der Aussagen der Ehefrau, seiner Schwiegermutter, ferner der angeblich gemißbrauchten Stieftochter und eines Dienstmädchens. Im jetzigen Termin tauchten der= artige Widersprüche in den Aussagen der Belastungszeuginnen auf und ihr Charakter erschien in so häßlicher Beleuchtung, daß der Gerichtshof den Angeklagten nicht für überführt hickt und ihn freisprach. Nab und Fern. A Ginem Patenkinde des Kaisers, dem achten Sohne des Bauergutsbesizers Schröter in Hartau bei Sprottau in Schlesien, ließ der Monarch bei dessen jetzt erfolgter Konfirmation durch den Ortsgeistlichen eine prachtvolle Bibel überreichen. Diese trägt auf dem Titelblatt folgende eigenhändige Widmung des Kaisers:„ Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht, Wilhelm I. R." Mutter und Sohn mit der Rettungsmedaille dekoriert. Bei der Semesterschlußfeier im Gymnasium Ernestinum zu Gotha gab der Direktor, Geh. Oberschulrat Dr. v. Bamberg, bekannt, daß Kaiser Wilhelm dem Oberprimaner Werner Otto Hentig, Sohn des Staatsministers Hentig, die preußische Rettungsmedaille am Bande verliehen hat. Die gleiche ehrenvolle Auszeichnung hat auch die Mutter des jetzt 17 Jahre alten Otto Hentig, Frau Staatsminister Hentig, erhalten. Wie bekannt wurde, handelt es sich bei dieser Angelegenheit um einen Hergang, bei dem eine frühere französische Erzieherin in der Familie des Staatsministers durch Mutter und Sohn mit höchster eigener Lebensgefahr aus einem Alpensee der Schweiz vom Tode des Ertrinkens gerettet worden ist. * Ueber die Katastrophe auf der Insel Réunion, durch die diese fast gänzlich vernichtet wurde, liegen jetzt Schilderungen des französischen Abgeordneten Brunot, der während der Schreckenstage dort weilte, vor. In der Nacht ließ sich eine furchtbare Detonation hören, und es folgten heftige Erderschütterungen. Die Eingeborenen liefen aus ihren Hütten ins Freie und sahen eine große Rauchsäule, untermischt mit Wasserdämpfen, aus den beiden Kratern, besonders aus dem Berge Kartala, aufsteigen. Blige von ganz eigenartigen Farben wurden am Himmel sichtbar; schließlich stieg ein mächtiges Lichtbündel fast senkrecht aus dem Kraterschlund in die Höhe, in Farben, die von sattem Rot bis zu dem Weiß einer geschmolzenen Metallmasse variierten. Ein Ueberfall auf einen russischen Eisenbahnzug wurde durch die Wachsamkeit des Personals vereitelt. Die Räuber hatten den Versuch gemacht, in der Nähe der Station Wladikow den Post- und Gepäckwagen, die den Schluß des Zuges bildeten, loszukoppeln. Der hinzueilende Gepäckkondukteur wurde durch einen Schuß verwundet, der Versuch aber, die wei Wagen abzulösen, vereitelt. Die Räuber entfamen. Der erste deutsche Heimatschutz- Kongreß trat in Dresden unter zahlreicher Beteiligung von Gelehrten aller deutschen Länder zusammen. Die Tagung bezweckt in erster Linie die Erhaltung der Naturdenkmäler und des deutschen Waldes gegenüber den Uebergriffen des modernen Lebens mit seiner rücksichtslos einseitigen Verfolgung praktischer Zwecke. Bunte Chronik. In Bremerhaven fand geſtern die Schlußbesichtigung des Schulschiffs Großherzogin Elisabeth" des deutschen Schulschiffvereins unter Teilnahme des Großherzogs von Oldenburg und von Vertretern der Marinebehörden stott. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Aufgebote. Am 24. März. Hermann Friedrich Wilhelm Voß, Weichen steller in Großen- Buseck mit Maria Müller in Langgöng. 28. Auguft Adolph, Soldat dahier mit Helene Rinn in Heuchel. heim. 29. Dr. Otto Adolf Eduard August Karl Koch, Chemiter in Offenbach mit Anna Marie Charlotte Melzer dahier. Heinrich Friedrich Neu, Buchdruckerei- Faktor in Offenbach a. M. mit Anna Sophie Kreie dahier. 30. Heinrich Ernst Bischoff, Schlosser dahier mit Katharine Elisabeth Schmidtmann in Haina. 31. Wilhelm, genannt Friedrich Ernst, Fuhrmann dahier mit Emma Arehbaft hierselbst. Eheschließungen. Am 26. März. Wilhelm Jakob Boft, Sergeant dahier mit Marie Nöhring in Weißenfels. 29. Johannes Müller, Bahlmeister- Aspirant dahier mit Raroline Helfenbein hierselbst. 30. Reinhold Sustav Johannes Stübs, Sergeant dahier mit Katharina Schmitt in Sunterod. Geborene. Am 21. März. Dem Schneider Ludwig Hormann eine Tochter, Berta. Dem Taglöhner Philipp Spuck eine Tochter, Marie, Anna. 23. Dem Glaser Theodor Schäfer eine Tochter, Elsa, Anna. 24. Dem Schlosser Julius Gennies ein Sohn, Lothar, Arthur, Julius. Dem Hoboisten Friedrich Curths eine Tochter. 27. Dem Schneider August Bertram eine Tochter, Frieda. Dem PolizeikommissariatsAspiranten Heinrich Weller ein Sohn, Heinrich. Dem Meßger und Wirt Friedrich Wenzel eine Tochter, Ottilie Erna, Katharine. 28. Dem Bierbrauer Gabriel Jakobi ein Sohn. 29. Dem Kaufmann Wilhelm Dürbeck eine Tochter, Ilta, Franziska, Thefla, Minna, Johanna. Gestorbene. Am 26. März. Georg Ludwig Weißenbach, 7 Jahre alt, Sohn des Schuhmachermeisters Friedrich Weißenbach dahier. 27. Heinrich Schieferstein, 20 Tage alt, Sohn des Taglöhners Johann Schieferstein dahier. 28. Richard Mor Franz Georg Strohwig, 6 Monate alt, Sohn des Schriftsezers Richard Strohwig dahier. 29. Marie Bellof geb. Brück, 36 Jahre alt, Ehefrau des Taglöhners Christoph Bellof dahier. 31. Katharine Steinmüller, 9 Jahre alt, Tochter des Taglöhners Heinrich Steinmüller dahier, Ernst Göbel, 9 Monate alt, Sohn des Dachdeckers Wilhelm Göbel, dahier. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst In der Stadtkirche. 1. Osterfeiertag, den 3. April. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthäus- und Markusgemeinde. Pfarrer Dr. Schlosser. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Kollefte für die Kirchenkasse. 2. Osterfeiertag, den 4. April. Vormittags 9 30 Uhr: Pfarrer Schwabe. Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Anmeldung zu sämtlichen Abendmahlsfeiern vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Matthäusgemeinde. Pfarrer Dr. Schloffer. Abends 6 Uhr: Siehe Johanneskirche. Am Sonntag Quasimodogeniti, den 10. April findet die Konfirmation der Kinder aus der Matthäusgemeinde und in Verbindung damit Feier des heil. Abendmahls statt. Die Beia te wird Samstag, den 9. April nachmittags 2 Uhr gehalten. In der Johanneskirche. 1. Osterfeiertag, den 3. April. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannesgemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrassistent Schulz. Abends 6 Uhr: Pfarrer Euler. Beichte. Kollefte nach allen Gottesdiensten für die Kirchentasse. 2. Osterfeiertag, den 4. April. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Euler. Konfirmation der Kinder aus der Lukas- und Militärgemeinde. Im Anschluß an dieselbe Feier des heil. Abendmahls. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. stellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Johannesgemeinde. Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Schulz. BorBesondere Kollekte für die Armen. der Kinder aus der Lukasgemeinde. Die Beichte hierzu Nächstfolgenden Sonntag, den 10. April: Konfirmation findet Samstag nachmittags 2 Uhr statt. Katholische Gemeinde. Sonntag, den 3. April. Nachmittags um 5 Uhr und Abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Montag, den 4. April. Ostermontag. um 7 Uhr an: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Ausgeteilung der Kommunion. 8 " " " Die zweite heil. Messe. um 9.30 Uhr: Hochamt. Nachm. um 2,30 Uhr: Andacht. Methodistengemeinde, Asterweg 16. Am 1. Ofterfeiertag nachm. 2 Uhr: Sonntagsschule. Abends 8 Uhr: Predigt. Für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein. heil. - CHE LANDE GEW PREISRBE AUSST NEDAILLE 1879 EFENBACH Carl Stückrath, Möbelfabrik 47 Asterweg 47. Geschäftsgründung 1868. 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Bild u. ,, Veritas" Berlin N3 megftens erschien es, als ob fich die amerikanischen departstores, was gute und großen deutschen nelle nicht messen fönnen. sogenannte floorwalkers, geben dem Bedienung anbelangt, Ordnung, und haben ein wachſames 9 Käufer Aufschluß, in welchem Teu Gebäudes ein bestimmter Artikel zu finden ist, Jorgen zugleich für die Aufit unfersonen, rechterhaltung der FELD UND DFLUR uaansalua uig Nr. 73. 1904. Samstag, den 2. April. sische Familienzeitu g. achtelborten sen. assas NON wenigstens erschien es, als ob sich die amerikanischen department stores, was gute und schnelle Bedienung anbelangt, mit unseren großen deutschen Geschäften nicht messen können. Aufsichtspersonen, sogenannte floorwalkers, geben dem Käufer Aufschluß, in welchem Teil des Gebäudes ein bestimmter Artikel zu finden ist, sorgen zugleich für die Aufrechterhaltung der Ordnung, und haben ein wachsames Auge auf Ladendiebe, von denen diese Etablissements oft empfindlich gebrandschazzt werden. Bemerkenswert ist die dem Publikum gezeigte Kulanz. Jeder gekaufte Artikel, die oben erwähnten bargains ausgenommen, wird bereitwilligst umgetauscht, während jeder Einkauf, sei er auch noch so klein, bereitwilligst in das Haus des Käufers gesandt wird. Welchen Umfang die Geschäfte eines derartigen Etablissements haben, geht daraus hervor, daß zu dem Versand der gekauften Gegenstände fünfzig delivery- wagons notwendig und allein die Registrierung und Verpackung der Pakete in der Expedition zehn Angestellten Beschäftigung giebt. Selbstverständlich steht auch König Reklame bei den department stores in hohem Ansehen. Speziell die Zeitungsreklame wird im allergrößten Maßstab betrieben. So zum Beispiel inseriert ein department store in Philadelphia tagtäglich in fünf der großen Philadelphia Zeitungen; er gebraucht für seine Inserate je die ganze letzte Seite, welche übrigens am fostspieligsten ist. So teuer auch diese Zeitungsreklamen zu stehen kommen die Insertionskosten dürften 10 000 Mark pro Tag recht nahe kommen- so sind diese enormen Ausgaben zweifellos durch den Erfolg gerechtfertigt. Für die Damen der Stadt der Bruderliebe ist es eben jeden Morgen die letzte Seite der Zeitung nach Gelegenzu einer selbstverständlichen Gewohnheit geworden, sich heitskäufen" anzusehen. Eine ausgedehnte Reklame betreiben die department stores in den nahe gelegenen, kleinen Städten, sowohl durch Inserate, als auch durch postars" in der Nähe der Bahnlinie. Der Kleinstädter fährt gerne nach der Stadt und macht seine Einkäufe im department store, wenn er überzeugt ist, daß er dort ebenso gut oder besser und bedeutend billiger einkaufen kann als daheim. Hierher gehören auch die großen Spezialausstellungen, besonders zur Ostern- und Weihnachtszeit, veranstalten und welche eine wirkliche Sehenswürdigkeit sind. Unser Besuch im department store hat mehrere Stunden in Anspruch genommen; wir verabschieden uns von unserem liebenswürdigen Führer und verlassen den großartigen Warenpalast, dessen Besichtigung uns amerikanischen Unternehmungsgeist so deutlich vor Augen geführt hat. Der Erfolg, welchen die amerikanischen department stores zweifellos zu verzeichnen haben, beruht auf mancherlei Gründen, deren hauptsächlichster wohl der sein dürfte, daß sie alle mit einem großen Kapital arbeiten und ihre Einfäufe bar bezahlen; ein System, welches es ihnen ermöglicht, dem Publikum äußerst preiswürdige Kaufgelegenheit zu offerieren. Ein anderer Grund sind die Bequemlichkeiten, welche sie dem Publikum bieten. Der Amerikaner, für den Zeit Geld bedeutet, und der trotz allem Hasten nach dem allmächtigen Dollar ein großer Freund von Bequemlichkeit ist, weiß es wohl zu schätzen, wenn er seine Einkäufe in einem Geschäft abmachen kann, anstatt in einem Dußend Läden umherrennen zu müssen. Der department store ist jedoch, um auch auf seine Schattenseiten einzugehen, eine schwere Gefahr für den Kleinen Kaufmann, und schon seit Jahren wogt ein erbitterter Kampf über die department store- Frage. Man hat es, vergebens, mit erhöhter Besteuerung versucht; eine andere Handhabe, ihm beizukommen, hat sich bis jetzt noch nicht gefunden und wird wohl auch schwer zu finden sein. Die Berechtigung dieses Kampfes gegen den department store muß, vom wirtschaftlichen Standpunkte aus, anerkannt werden, daß aber das große Publikum demselben Interesse entgegenbringt und seine Bequemlichkeiten anerArgument die hohen Dividenden, welche die department fennt, beweisen und dies ist ein gutes, kaufmännisches store- Gesellschaften ihren Aktionären halbjährlich zu zahlen im stande sind. 2) FELD UND FLUR L Im Lenzeswehen. - Der Lenz ist erwacht vergessen ist des harten Winters bittre Not. Vor wenigen Wochen noch waren Feld und Wald in eine starre, weiße Decke eingehüllt; Lampe benagte hungernd die zarten Stämmchen im Pflanzgarten; das Rebhuhn scharrte mit munden Tritten nach färglich verstreuten Samer= körnchen; seine sonstige Scheu vergessend wagte sich das Reh die Läufe schweißten stark von den Einschnitten der scharfen Eistruste bis dicht an die menschlichen Wohnungen heran, um gierig das von mitleidigen Händen ausgestreute Lupinenheu anzunehmen. Dann kam die warme Frühlingssonne; die gewaltigen Schneemassen schmolzen hinweg, neue Gefahr für das arme Getier draußen in Wald und Feld erzeugend: was glücklich Hunger und Kälte überstanden hatte, sah plötzlich unermeßliche Fluten in wilder Haft die Gefilde überstürzen. Aber auch die Wasser verzogen sich nach und nach, zartes Grün sproßte aus der befruchteten Erde hervor, Blätter knospeten, und mit verschwenderischer Fülle übergoß die Lenzessonne Baum und Strauch mit ihrem Blütensegen. Jetzt klingt ein Jubilieren, Zwitschern aus üppig wucherndem Gezweig hervor. Verklungen ist das bald lockende, bald herausfordernde kirr- heck, kirr- heck des Rebhahns: das warme Nest ist gebaut, und fleißig bebrütet das Huhn die fünfzehn, in schöner Ordnung rings im Nest aufgebauten braungelben Gier. Der glockenartige Flötenruf des Pirols übertönt das hundertfältige Stimmengewirr all der kleinen gefiederten Sänger, die Liebeslust und Lebensfreude aus grünem Blätterwerk in die warme Frühlingslust hinausschmettern. Droben in den dichtbelaubten Baumkronen hascht sich ein Eichkätzchenpaar in neckischem Spiel, und drunten äst das scheue Reh in saftigem Waldesrasen, die zartesten Spizen und wohlschmeckendsten Kräuter naschend. Und wer möchte es euch wohl verdenken, ihr lieblichen Geschöpfe unter deutschen Waldungen, wenn ihr es euch wohl sein laßt und das Leben genießt? Wie lange noch, so hallt es in den Dickungen wieder von Hörnerruf und Büchsenknall, und entgeht ihr dem tötlichen Blei des Jägers, so steht wieder ein Schreckgespenst vor euch: der hungerbringende Winter! Ein Künstler unter den Vögeln ist der sogenannte Schneidervogel( Orthotomus), der in ganz Indien lebt, soweit irgend Bäume vorhanden sind. Der Schneidervogel weiß nicht nur zuzuschneiden und zu nähen, sondern er kann auch spinnen und weben, indem er rohe Baumwollfasern für seine Zwecke in richtige Fäden zu weben vermag. Mit diesen Fäden näht er seine Nester, und zwar bedient er sich zum Zeug des nächstliegenden Materials, nämlich der Baumblätter. Aus ihnen verfertigt er einen Sack, indem er die Blattränder mit so schönen Stichen zusammennäht, wie sie irgend ein Schneider oder eine Näherin nicht besser machen könnte. In die Höhlung baut er dann das Nest für seine Jungen. Selbstverständlich sucht er sich als Wohnort Pflanzen mit recht großen und kräftigen Blättern aus. Der Hausfrau Frühlingsspaziergang. Das angenehme mit bem nüßlichen verbinden kann man so recht bei einem Spaziergange an schönen Frühlingstagen! Mit Vergnügen pflückt die sparsame Hausfrau und groß und klein hilft emsig die ganzen Blättchen von Löwenzahn, Sauerampfer, Schafgarbe, Zichorie und Melde, um sie am folgenden Tage als angenehmes erstes Frühlingsgemüse aufzutischen. Man verliest die Blätter sorgsam, wäscht sie und kocht sie im offenen Topfe mit Salzwasser weich; Sauerampfer und Löwenzahn am besten für sich. Dann hackt man das Gemüse, läßt Butter zergehen, fügt etwas Salz, geriebene Muskatnuß und geriebene Semmel hinzu und tut das Gemüse hinein. Nachdem es heiß geworden, gibt man noch 1 Liter gute Milch hinzu. Auf erwärmter Schüssel richtet man das Gemüse erhöht an und besteckt es mit gerösteten Semmelstreifen. Führt der Spaziergang in den Wald, so versäume man nicht, Waldmeister zu sammeln. Man trocknet ihn sorgfältig und füllt ihn mit feinem Zucker schichtweise in ein weites Einmache glas, welches man mit Pergamentpapier luftdicht verschließt. Auf 300 Gramm getrockneten Waldmeister rechnet man ein Kilogramm Zucker. Beim Gebrauch nimmt man nur den Zucker, der das Aroma des Waldmeisters völlig angenommen, löst ihn in Wasser auf und setzt Rheinwein zu. Wenigstens in materieller Hinsicht kann man sich so den lieblichen Mai mitten im Winter hervorzaubern. Nr. 73. Samstag, den 2. April. 1904 Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. 2nd and Beslag ber Glebener Berlagsbruderet, vorm. Duh. Keller'fe Budbrudsret( gegz. 1788); zetwerk (( 2. Fortsetzung.) Gewissensqualen. Kriminal- Roman von Robert Buchanan. Raum hatte ich es beendet, als mit einem heftigen Ruck der Wagen still stand. Ich sprang auf und sah nach vorne. Der Wagen vor uns war ebenfalls stehen geblieben, ja noch mehr, die Dame war ausgestiegen und stand jetzt mitten auf dem Wege. Es war ein ganz einsamer Play, und so weit das Auge reichte, war keine Spur einer menschlichen Wohnung oder ein anderes Lebenszeichen zu entdecken. Aber wie groß wurde erst meine Verwunderung im nächsten Augenblicke, als ich sah, wie die geheimnisvolle Dame zum Gebete niederkniete und ihr Gesicht mit den Händen bedeckte. Auch mein Kutscher, der sie aufmerksam beobachtet hatte, nahm jetzt ehrfurchtsvoll den Hut ab. Was ist denn das?" sagte ich leise zu ihm.„ Ich glaube gar, sie betet." " Jawohl, Herr! Das arme, gnädige Fräulein!" Aber was bedeutet denn das? Warum kniet sie dort nieder?" Bst, sprechen Sie leise!" rief mir der Mann zu.„ Vor fünf Wochen haben sie ihren Vater- Gott hab' ihn selig da tot aufgefunden, und um die Stelle zu bezeichnen, wo er ſtarb, haben sie zu ſeinem Andenken dort jenen Steinhaufen errichtet." „ Aber wie ging das zu?" fragte ich weiter.„ Er ist wohl berunglückt?" „ Nein, Euer Gnaden; ganz gewiß ist er nicht verunglückt, er ist erschossen und ermordet worden. Straf' ihn Gott, der es getan hat." „ Ermordet? Der Vater der jungen Dame, sagen Sie?" " Ja, leider Gottes, und er war ein so feiner, offener, freimütiger Herr mit solch gutem Herzen und stets offener Hand! Ich erinnere mich jener Nacht noch ganz genau, denn mit demselben Gaul wie heute kam ich gerade vom Kilsyther Jahrmarkte nach Hause gefahren. Dort standen eine Menge Leute, und als ich von Bock springe, um zu sehen, was da los ist, liegt der Herr tot da. Es war eine finstere Nacht, Euer Gnaden, die Burschen hatten aber aus Reisern Fackeln gemacht und leuchteten damit über das Gesicht des Herrn. Na, niemand wußte so recht, was man mit ihm anfangen sollte, als gerade der Herr Doktor Mulligan vorbeigefahren fam. Als er hörte, was los war, drängte er sich durch die Menge und sah sich den Herrn an. Kerls, meinte er, er ist mausetot; ein Schurke hat ihn ins Herz getroffen. Wir müssen aufs Schloß gehen und Fräulein die böse Nachricht des Doktors Wagen, der aufs Schloß fuhr, und von dem bringen. Na, sie nahmen die Leiche auf und hoben sie auf jetzt gesehen haben." Lage an ist das arme Fräulein so gebrochen, wie Sie sie Diese Erzählung erweckte meine volle Teilnahme, ich war mächtig bewegt und wollte mich gerade nach Einzelheiten erkundigen, als die Dame mit einem lauten Seufzer sich erhob und wieder in ihren Wagen stieg, auf dem ihr Bedienter unbedeckten Hauptes saß. Sie hatte nicht nach uns hingeblickt und schien es ganz vergessen zu haben, daß es außer ihrem Kummer noch etwas anderes auf der Welt gab. ( Nachdruck verboten. Ihr Wagen fuhr nun rasch weiter, und auf meinen Wink folgte ihm mein Seutscher. An eine Fortsetzung der Unterhaltung war nicht mehr zu denken, denn der Weg wurde noch schlechter als bisher, dazu brach die Nacht rasch herein, und ein feiner Nebel, der mehr durchdrang, als wenn es heftig geregnet hätte, verschleierte die Landschaft. Ich wickelte mich in meinen Mantel, zog mir meine Reisemüße über die Ohren und suchte vergebens die Finsternis zu durchdringen, die uns, einer Wolke gleich, umhüllte. Nichts war zu sehen, und nur das Rasseln der Räder und ab und zu das Knallen der Peitsche gaben von dem Wagen vor uns Kunde. So ging es eine Strecke weiter, der Weg wurde immer holperiger und die Finsternis noch dichter. In meinem Wagen zurückgelehnt, dachte ich über das Gehörte nach, als plötzlich der Wagen hielt und der Kutscher sich zu mir wandte: ,, Da sind wir, Euer Gnaden!" Wo sind wir?" fragte ich. ,, Nun, in Mylrea, Herr! Können Sie dort das Licht erkennen? Das sind die Fenster vom Craigschlosse, und das Geräusch, das man hört, kommt von der See, die fast bis zum Tore des Schlosses reicht." ,, Wohnt dort das Fräulein Craig?" " Jawohl, Herr, und seitdem der Herr tot ist, ganz allein; nur ein paar Knechte und Mägde sind bei ihr." ,, Wissen Sie vielleicht hier ein gutes Wirtshaus, in dem man ein Unterkommen für die Nacht finden könnte?" „ Ein Wirtshaus? In ganz Mylrea gibt's kein Wirtshaus. Um ein Wirtshaus zu finden, müßten wir bis nach Kilsyth fahren, und das sind zehn Meilen von hier." Was sollen wir denn dann tun?" „ Soll ich vielleicht Euer Gnaden zurückfahren?" ,, Nein, ich denke nicht," gab ich zur Antwort. Gibt es denn im ganzen Orte kein Haus, in dem man übernachten könnte?" ,, Nein, Herr! Ich hatte bestimmt geglaubt, daß ich Euer Gnaden nach dem Schlosse fahren sollte, und dort würde ich für meinen Gaul auch Unterkommen und Futter bis morgen gefunden haben." So in die Enge getrieben, mußte ich bekennen, daß ich vom Schlosse ebensowenig als von seiner Besizerin kannte und daß ich mir unter feinen Umständen erlauben dürfte, dort vorzusprechen und um ein Obdach zu bitten. Es schien mir daher nichts übrig zu bleiben, als wieder zurückzufahren; das Pferd war aber so heruntergekommen und sah wie sein Herr so müde aus, daß es sich erst etwas ausruhen mußte. ,, Da giebt es nur einen Ausweg, Euer Gnaden", meinte schließlich der Kutscher. Ich will aufs Schloß fahren und dort im Stall meinen Gaul eine Stunde lang einstellen; sie werden ihm dort schon eine Mezze Hafer und eine Handvoll Heu geben." ,, Aber die Herrin... das Fräulein Craig?" Na, was die anbetrifft, so gehe ich jede Wette ein, daß Miß Ellen niemals weder Menschen noch Vieh ein Unterkommen verweigern wird. Als der Herr noch lehte, bielt er stets offenes Haus." " F061 ว เอ L * V09 นอน เอน Ini 12 แ av1p©“ ,, Das mag ja sein, aber ich möchte das Fräulein feines. wegs belästigen. Wenn Sie wollen, so stellen Sie Ihr Pferd im Schlosse unter; ich werde auf dem Wagen so lange warten, bis es sich ausgeruht und gefressen hat, und dann wollen wir nach Ballycroy zurückfahren." Wie Sie befehlen, Euer Gnaden!" antwortete der Mann, und von neuem suchten wir unseren Weg durch die Finsternis. Wir fuhren sehr langsam, und es wollte mir scheinen, als ob es einen steilen Berg hinaufginge. Jedoch schon nach ein paar Minuten sahen wir Lichter vor uns und hörten ein Gewirr von Stimmen. Der Kutscher sprang vom Bock, und nachdem er das Pferd durch ein eisernes Tor geführt hatte, blieb er vor einer Türe stehen, an die er mit dem Peitschen knopf mehrmals anklopfte. Die Türe wurde geöffnet und ein Mädchen mit einem Lichte in der Hand erschien auf der Schwelle. The der Kutscher noch ein Wort sprach, stieß das Mädchen einen Schrei freudiger Ueberraschung aus. Ah, Ihr seid es, Andreas!" rief sie. Gott sei Dank dafür, daß er Euch uns heute abend gesendet hat. Setzt Euch schnell auf Euren Gaul und holt den Doktor Mulligan, denn unser armes Fräulein liegt im Sterben." Was ist das?!" rief der erstaunte Andreas.„ Sie liegt im Sterben?" Seid Ihr denn taub oder betrunken?" fragte das Mädchen. Habe ich Euch denn nicht schon gesagt, daß sie stirbt, und dabei haben wir keinen Arzt hier, der unser liebes, gutes Fräulein retten könnte. Ihr wißt ja, wo Ihr den Doktor Mulligan finden könnt, und kommt ja nicht ohne ihn zurück!” Mit einem Gefühl der Bestürzung, in das sich jedoch auch etwas wie Genugtuung mischte, hatte ich zugehört. Ich sah hier eine Gelegenheit für mich und zögerte nicht, sie wahr zunehmen. Im nächsten Augenblick war ich aus dem Wagen gesprungen und stieß den Kutscher zur Seite. Wenn die Dame unwohl ist, kann ich ihr vielleicht dienen. Ich bin Arzt und will gern alles, was in meinen Kräften steht, für sie tun." Ohne ein Wort zu sprechen, ergriff mich das Mädchen am Arm und führte mich ins Schloß. Mit dem Augenblicke meines Eintrittes hatte sich die Finsternis, worin ich mich bisher befunden hatte, in eine Lichtflut verwandelt, und ich befand mich nun in einer geräumigen, mit Steinen gepflasterten Küche. Auf dem offenen Herde flackerte ein lustiges Feuer, und um ihn herum stand eine gemischte Gruppe von alten Männern und Frauen, jungen Burschen und Mädchen und zerlumpten Kindern. Im Vorbeigehen vernahm ich teilnahmsvolles Wehklagen; ich hatte aber nicht lange Zeit, mir die Leute anzusehen, denn schon wurde ich durch einen engen Flur nach dem vorderen Teile des Hauses geführt. „ Sie scheinen Gesellschaft gehabt zu haben?" fragte ich in meiner Unkenntnis irischer Sitten und Gewohnheiten. „ Ach, die Leute sind nur aus dem Dorfe hierhergekommen, um zu hören, was für Neuigkeiten Miß Ellen mit nach Hause gebracht hat," erklärte meine Führerin. Wir waren inzwischen in ein großes Vorzimmer gekommen, und von da führten uns ein paar Treppen nach einem alt= modisch ausgestatteten Wohnzimmer, wo, bewußtlos auf einem Ruhebette ausgestreckt, die Herrin des Gutes lag. Ohne Hut und Mantel, das Haar aufgelöst, lag sie allem Anschein nach so da, wie sie hingestürzt war. Neben ihr, sie sorgfältig haltend, stand eine ältliche Frau, die zum Erbarmen weinte und wehklagte. Ein Blick zeigte mir jedoch, daß die Daliegende nur ohnmächtig war. Knöpfen Sie ihr das Kleid auf," sagte ich zu der Frau, „ und öffnen Sie die Fenster, damit sie frische Luft atmen kann; ich laufe inzwischen nach meiner Tasche." Eilends begab ich mich zum Wagen, holte mir aus meiner Tasche einige für einen Arzt unentbehrliche Dinge, die mich auf allen meinen Reisen begleiteten, und kehrte wieder in das Zimmer zurück. Als ich auf meinem Wege durch die Küche fam, wurde ich mit beifälligem Gemurmel begrüßt. Meine Anordnungen waren befolgt worden; die Kranke war jetzt in einen losen Schlafrock gehüllt. Ich wandte die üblichen stärkenden Mittel an, und nach wenigen Minuten erhielten die freideweißen Wangen wieder Farbe, die Augenlider öffneten sich dann, und ihre Augen blieben auf mir haften. Wieder kam ein eigentümliches Gefühl von Furcht und Angst über mich, denn die Augen, die mich ansahen, schienen wieder dieselben zu sein, die ich in meinem Traume gesehen hatte, mit demselben ernsten und gedankenvollen Blick, der mich von Hause fortgetrieben. Mit großer Ueberwindung schüttelte ich das Unbehagen ab und sagte: Ich muß wegen meiner Anwesenheit hier um Entschuldi. gung bitten, ich ging gerade am Schlosse vorüber, als ich hörte, daß Sie unwohl geworden seien, und da ich Arzt bin, würde ich es mir zur größten Ehre rechnen, Ihnen dienlich sein zu können." Mit einem tiefen Seufzer wandte sie ihre Augen ab und sagte mit einer so unbeschreiblich wehmütigen Stimme, daß es mir förmlich ins Herz schnitt:„ Ich danke Ihnen, Herr Doktor." Und indem sie dann ihre Hand auf den Arm der Frau legte, die sich über sie gebeugt hatte, fuhr sie fort: " Ich glaube, Bridget, daß ich mich im Bett rascher erholen werde. Sie müssen mich entschuldigen, Herr Doktor," fuhr sie dann, sich wieder zu mir wendend, fort;„ ich habe einen schrecklichen Tag verbracht. Ich danke Ihnen für alles, was Sie für mich getan haben, und wenn Sie hier in Mylrea verweilen sollten, hoffe ich, daß Sie mit der Gastfreundſchaft des Schlosses vorlieb nehmen werden." Ich dankte ihr so gut, als ich es vermochte, und reichte ihr meine Hand, in die sie ohne Besinnen die ihrige legte, eine zierliche, kleine, weiße Hand. Bei der Berührung merkte ich, daß sie eiskalt war, und unwillkürlich fühlte ich nach ihrem Pulse. Haben Sie hier im Dorfe einen Arzt?" fragte ich. „ Sie schüttelte den Kopf. Doktor Mulligan ist unser Arzt, er wohnt jedoch zehn Meilen von hier entfernt." Plötzlich malte sich auf ihrem Gesicht wilde Verzweiflung und in größter Angst fragte sie mich:„ Glauben Sie denn, daß ich krank werde?" " Ich hoffe nicht. Ja, ich kann Ihnen versichern, daß das nicht geschehen wird, wenn Sie die gehörige Pflege haben. Ihre Nervosität ist jedoch so groß, daß sie sehr leicht Fieber und Entkräftung herbeiführen kann, und daher bedürfen Sie sorgfältiger Wartung." „ Oh nicht doch!“ rief sie heftig. Ich darf ja nicht krank werden, ich darf nicht! Noch ein anderes Leben hängt von dem meinen ab! An meinen Händen klebt Blut genug, ich will nicht noch mehr Schuld haben." „ Miß Ellen," unterbrach sie Bridget, reden Sie doch nicht so etwas. An Ihnen soll Blut kleben! Sie, die Sie doch so unschuldig sind wie ein neugeborenes Kind. Der Herr Doktor hat recht, Kindchen. Sie haben das Fieber, denn sonst könnten Sie so nicht sprechen." ,, Nein, es ist nicht das Fieber," rief das Fräulein, deren Aufregung zunahm, und Tränen ergossen sich aus ihren Augen.„ Es ist der viele und große Kummer, der mir das Herz bricht. Ach, Bridget, wenn du ihn heute gesehen hättest wie ich: fo blaß und abgehärmt, der Schatten von dem, was er war! Er sagt, daß er unschuldig ist, und ich weiß das genau, und doch werden sie ihn zum Tode verurteilen. Als ob es nicht schon genug wäre, daß ich meinen lieben Vater verlieren mußte, werfen Sie noch die Schuld auf ihn und brechen so mein Herz." In ihrer Aufregung hatte sie meine Anwesenheit vollständig vergessen, und ich ließ sie ein Weilchen in der Umarmung der Frau, wobei sie in hysterischer Weise sprach und weinte. Als dann die Heftigkeit ihres Schmerzes etwas nachgelassen hatte, bat ich sie, einen Trunk zu nehmen, den ich inzwischen bereitet hatte, und sie tat dies sofort. Indem sie mir das leere Glas reichte, fragte sie mich: Sie sind kein Irländer, Herr Doktor?" „ Nein, gnädiges Fräulein, ich bin Engländer. Ich bin nur nach Irland gekommen, um mich zu erholen und meine Gesundheit zu kräftigen. Ich bin gegenwärtig vollkommen Herr meiner Zeit, und wenn ich Ihnen von irgend welchem Nutzen sein kann, so bitte ich Sie, über mich zu verfügen." „ Sie sind sehr gütig," erwiderte sie und sah dabei aufmerksam in mein Gesicht. Ob sie mich erkannte, vermag ich nicht zu sagen; aber ich möchte wohl glauben, daß es der Fall war, und daß sie sich wohl auch fragen mochte, ob meine Bereitwilligkeit ganz uneigennützig war. ,, Da Sie überaus liebenswürdig waren, mir ein Unterkommen für die Nacht anzubieten," fuhr ich fort, will ich gern von Ihrer Freundlichkeit Gebrauch zu machen; ich bitte Sie indessen, sich meinetwegen keine Umstände zu machen. Irgendwo ein Bett genügt genügt mir vollkommen, und bevor ich morgen früh meine Reise fortsege, werde ich mir nochmals die Ehre geben, Sie zu besuchen." ( Fortsetzung folgt.); Wenn mein Herz nicht spricht, dann schweigt auch mein Verstand, sagt die Frau- schwelge Herz, damit der Verstand zu Worte kommt, sagt der Mann. Wenn jemand liebt, und im Vertrau'n Davon zu andern spricht er, Wird er die Hörer schlecht erbau'n Oder er ist ein Dichter. * - schen Buges nicht entbehrte; allein bei der bekannten Mangelhaftigkeit der menschlichen Natur mögen sich aus derselben doch auch mancherlei Unzuträglichkeiten entwickelt haben; denn ganz abgesehen von der Tatsache, daß durch diesen Volksbrauch der Bestand der Birkenwälder gefährdet wurde, mag doch der intime Umgang zwischen den jungen Leuten verschiedenen Geschlechts nicht immer die Grenzen der Wohlanständigkeit und guten Sitte innegehalten haben. Und wenn auch infolge der Mailehenverteilung aus mancher anfangs blos scherzhaften Verbindung später eine glückliche The wurde, so mögen doch gefährliche Verirrungen zwischen den jungen Leuten viel häufiger gewesen sein; wir brauchen uns daher nicht zu wundern, wenn die Behörden schließlich zu bekämpfen ſuchten. Mädchenauktionen in Deutschland. die entartete Sitte mit allem Ernſte, freilich lange vergeblich, Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hat bei den leichtlebigen Bewohnern der mittleren Rheingegenden, in Hessen, der Rheinprovinz und zum Teil auch in Westfalen ein Volksbrauch bestanden, der, wenn er auch jetzt allenthalben erloſchen iſt, ſchon wegen seines teilweise poetischen Charakters, Amerikanische Department- Stores. verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. In den Landgemeinden der genannten Gegenden bestand nämlich in früheren Jahrhunderten die Sitte, daß sich die männliche Jugend am Abend des 1. Mai oder auch schon am Vorabende desselben unter der Dorflinde oder einem anderen geeigneten Plaze vereinigte, um die heiratsfähigen oder heiratsluſtigen Mädchen ihres Dorfes für das nächſtfolgende Jahr unter sich verteilen, das heißt, zu verlosen, oder nach Befinden auch auf das Meistgebot zu versteigern. Das Mädchen nun, welcher bei solcher Gelegenheit einem jungen Burschen durch das Los oder Meistgebot zufiel, bezeichnete man als sein Mailehen", weil ihm eben dieses anmutige Geschenk im Wonnemonat Mai auf ein Jahr zu Lehen gegeben wurde. An dieser Verlosung eventuell Versteigerung beteiligten sich aber nicht etwa nur die Söhne und Töchter der Grund stücksbesizer, sondern auch die Dienstboten beiderlei Ge schlechts. Freilich die Standesunterschiede wurden deshalb nicht aufgehoben; denn kein Stall fräulein, und wenn es noch so schön gewesen wäre, wurde dem Sohne eines Begüter ten zugesprochen, und keine Bauerntochter, selbst wenn ihr Körper nur die spärlichsten Reize bot, durfte das„ Mailehen" eines Knechtes werden. Meine verehrten Leserinnen schütteln bei diesen Mit teilungen wahrscheinlich ungläubig mit den Köpfen und fragen verwundert, ob denn die Dorfschönen es sich so ruhig gefallen ließen, wenn sie so mir nichts dir nichts wie ein Stück Ware verlost und verauktioniert wurden? Trotz ihres Zweifels muß ich aber die Frage entschieden bejahen; denn wenn die Mädchen jener Zeit gegen diese Sitte ernſten Einspruch erhoben hätten, dann würde sie doch nicht jahrhundertelang bestanden haben und schließlich nicht so schwer auszurotten gewesen sein. Wir können die Stimmung der heiratslustigen Schönen aber schon deshalb vermuten, weil die Entscheidung in Wirklichkeit nicht so schroff ausfiel, wie es für den ersten Augenblick den Anschein hat. Bei Verteilung der Mailehen" wurde nämlich auf Liebschaften, die bereits bestanden, in der Regel mit einem gewissen Bartgefühl Rücksicht genommen; überdies hatte aber auch jedes Mädchen das Recht, den jungen Burschen, der ihm durch das Los oder Meistgebot zugefallen war, aber ihren Beifall nicht fand, einfach abzulehnen. Dies geschah dadurch, daß es ihm beim nächsten Vergnügen den ersten Tanz, auf welchen er zunächst Anrecht hatte, verweigerte. Wurde jedoch der Bursche in Gnaden als„ Mailehen" angenommen, was sein Mädchen dadurch zu erkennen gab, daß es bei der nächsten Dorffestlichkeit seinen Hut mit einem Blumenstrauß schmückte und den ersten Tanz mit ihm tanzte, dann war er auch verpflichtet, ein ganzes Jahr lang seinem Mailehen" gewisse Ritterdienste zu leisten, zum Beispiel sie bei Spaziergängen zu begleiten, bei Festlichkeiten nur mit ihr zu tanzen, überhaupt ihr alle die kleinen Aufmerksamkeiten zu erweisen, die ein Mädchen von seinem Liebhaber erwartet. Die erste Huldigung jedoch, die er ihr brachte, bestand darin, daß er vor ihrem Hause eine Maie pflanzte, deren Pflege er sich angelegen sein lassen mußte. Meine verehrten Leser und Leserinnen werden wohl zugeben, daß diese Sitte an und für sich eines gewissen poeti( Schluß.) Von Erwin Carlé. ( Nachdruck verboten.) Ein fortwährendes Sausen und Schwirren über unseren Köpfen, welches wir anfänglich nicht beachteten, lenkte unſere Aufmerksamkeit auf die Zahl- oder vielmehr Kaſſiermethode, welche eine sehr bequeme ist. Ueber den ganzen Raum sind eine Menge von Drähten gespannt, welche ihren Endpunkt an der Kasse, einem abgeschlossenen Raume im ersten Stock, haben. Kleine, runde, einem Gummiball ähnliche Behälter laufen auf Rädern auf diesen Drähten. Macht nun ein Kunde eine Zahlung, so steckt die Verkäuferin ihre Nota und den empfangenen Geldbetrag in den Behälter und befördert ihn mit einem leichten Stoß nach der Kasse; nach einigen Sekunden kommt die quittierte Rechnung und das herauszugebende Kleingeld auf demselben Wege zurück. Die Kassiermethode hat neben ihrer Bequemlichkeit noch den Vorzug, Versehen beinahe unmöglich zu machen, da auf diese Weise eine doppelte Kontrolle, sowohl an der Kasse als auch nochmals durch die Verkäuferin stattfindet. Nach einer kurzen Besichtigung der beiden Nebenräume, deren einer dem Verlaufe von Schuhwaren dient, während der andere Herrentoäsche, Kravatten und Hüte enthält, be. geben wir uns zurück zu dem mit Sofas und Spiegeln erste Stockwerk befördert. Dasselbe ist der Konfektionselegant ausgestatteten elevator, welcher uns rasch in das branche gewidmet und das Gedränge der Verkäufer und Verkäuferinnen beweist die große Beliebtheit, welcher sich diese Abteilung des department stores zu erfreuen hat. Im zweiten Stock finden wir ein Teppich- und Möbellager, dessen Reichhaltigkeit einem großen Geschäft dieser Branche zur Ehre gereichen würde. Müde von dem bereits Gesehenen wollen wir uns verabschieden, doch der Manager bittet uns, seine Gäste im Reſtaurant department stores zu sein. Beim Betreten des hohen, mit Palmen und Lorbeerbäumen geschmückten Raumes klingt uns die Musik eines guten Streichorchesters entgegen, und wir nehmen, diesmal durch des department stores Vielseitigkeit wirklich in Erstaunen gesetzt, an einem der kleinen runden Tischchen Platz. Das Restaurant ist sehr gut besucht, zur überwiegenden Mehrheit von Damen, Alfoholische Getränke giebt es nicht sonst würde uns keine Dame hereingehen, meinte der Manager achselzuckend- dagegen ist die Speiseauswahl sehr groß. Die Küche ist, jedem Besucher sichtbar, in der Mitte des Raumes gelegen und ist natürlich ein Muster von Accuratesse und Sauberkeit; dient sie ja doch Reklamezwecken. Im Gespräch giebt uns der Manager interessante Aufschlüsse darüber, wie ein department store geleitet und betrieben wird. Jede Abteilung hat einen Vorstand, welcher eine tüchtige, kaufmännische Kraft sein muß und für seinen Rayon in jeder Beziehung verantwortlich ist. Von ihm er. hält die Oberleitung, der Manager, Vorschläge in Betreff notwendiger Ergänzungen des Warenbestandes der Abteilung, er engagiert das für die Abteilung notwendige Verkäuferpersonal, und last not least, muß über die neuesten Erscheinungen in seiner speziellen Branche fortwährend orientiert sein. Das Verkäuferpersonal besteht fast ausschließlich aus Mädchen und ist sehr zahlreich, jedoch, wenigstens im allgemeinen, kaufmännisch nur wenig geschult. Mir นอน 10% под