Nr. 27. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., a's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Gratisbetlagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Dienstag, den 2. Februar 1904 Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz Ober hessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 s. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Neue Verlufte in Südweftafrika. Nur eine kurze und eine feineswegs erfreuliche Nachricht ist aus Deutsch- Südwestafrika neuerdings hier eingetroffen. Der Kommandant S. M. S. ,, Habicht" meldet: ,, Bei Ausfallgefechten bei Okahandja bis 21. Januar gefallen: Eisenbahnsekretär Rock, Kur, Spock tam p. Omaruru ist am 27. mit großer Macht angegriffen, Angriff abgeschlagen. Von Otjimbingwe keine Nachricht, wahrscheinlich belagert. Bahnbau hinter Karibib wieder in Angriff genommen, da Regen nachläßt." Der Tod Rocks, eines Berliners, war schon vorher gemeldet worden. Seine Frau entging dem Tode nur dadurch, daß sie kurz vor dem Ausbruch des Aufruhrs eine Reise zu ihren Eltern in Berlin antrat. Sie befindet sich 3. 3t. auf hoher See und dürfte von dem tragischen Schicksal ihres Gatten, der sie erst im vorigen Jahre ehelichte, noch nichts wissen. Die beiden Frauen, deren Ermordung bei Windhuk bereits früher gemeldet wurde, sind die Ehefrau des gleichfalls ermordeten Ansiedlers Pilet und deren Schwester, ein Fräulein Helene Dombsky aus Berlin. Lettere fam erst am 10. Januar in Windhuf an, zwei Tage später hatte ihr Dasein ein jähes Ende gefunden. Unrichtig muß in der obigen Depesche die Erwähnung des Ansiedlers Kur als eines der Opfer des Aufstandes sein. Kur hält sich nämlich zur Zeit in Berlin auf; er will übrigens trotz des Aufstandes am 6. Februar nach seiner Farm zurückkehren. Schwere Besorgnisse hegt man in Berliner amtlichen Kreisen wegen des Schicksals des Gouverneurs Leutwein und seiner Truppe. Leutwein hätte am 23. in Windhut sein müssen. Man fürchtet, daß ihm unterwegs etwas zugestoßen sein könnte. Andererseits ist es auch nicht ausgeschlossen, daß seine nach Karibib entsandten Depeschenboten von Herero abgefangen worden sind und daß man so über sein Eintreffen in Windhuk an der Küste nichts hat erfahren können. Hoffentlich erweist sich diese leşte Möglichkeit als die richtige. Vor der Entfcheidung. Fast ausschließlich" negative" Meldungen, d. h. De= mentis, liegen heute zum ostasiatischen Konflikt vor. Zuwächst wird von Rußland aus die Meldung dementiert, daß dic russische Antwort an Japan schon festgestellt sei; zur Absendung werde die Note kaum vor Mitte dieser Woche fommen. Ferner werden von Petersburg aus die englischerJeits verbreiteten Gerüchte, Statthalter Ale rejem sei an Vergiftung gestorben, als völlig unwahr bezeichnet. Andere russische Dementis treten den Meldungen der englischen Presse, in der Mandschurei herrsche infolge von Kriegsbefürchtungen große Beunruhigung, entschieden entgegen. Aber auch die Japaner dementieren: Die Tokioter Regierung erklärt das in London in Umlauf gesetzte Gerücht, es sei durch den japanischen Gesandten in Petersburg, Kurino, eine seindselige Antwort Rußlands nach Totio übermittelt worden, für völlig haltlos. Vielleicht werden auch die Meldungen über neue Rüstungen, die gegenwärtig wieder auftauchen, dementiert werden. Indessen dürften sie zutreffen. Nach diesen Meldungen ist die japanische Flottenreserve in der vergangenen Woche mobilisiert worden. Auch die erste Armee= Reserve ist zum Teil mobilisiert worden, und zwar mit großer Heimlichkeit; die Mannschaften treffen, als Kulis verkleidet, an den Bestimmungsorten ein. Der übrige Teil der ersten Armee- Reserve hat Befehl erhalten, sich zur Einberufung bereit zu halten. Vierzig Transportschiffe mit der Division von Kumamoto liegen im Hafen von Takeshiki zur Abfahrt bereit. Russischerseits wird ganz offen die Tatsache der beschleunigten Mobilisierung aller Reservemannschaften zugegeben; das amtliche russische Telegraphenbureau meldet aus Wla di wo st of: Hier umlaufenden Gerüchten zufolge wird in diesen Tagen der Befehl zur Mobilisierung der Reservisten aller Gebiete des fernen Ostens erwartet. Es werden Vorbereitungen zur Mobilisierung der der Aushebung unterliegenden Pferde getroffen. Im Februar wird in Wladiwostok die Ankunft von mehr als 50 000 Mann zur Verstärkung der Garnison erwartet. Ferner wird die Meldung bestätigt, daß sieben russische Regimenter auf dem Marsche nach dem Jalu- Flusse seien, um Antung und andere Punkte, einschließlich mehrerer am Südufer des Flusses, zu besetzen; einige Abteilungen seien bereits dort. In Tientsin hat Rußland 20 000 Tonnen KaipingKohlen gekauft. Wegen weiterer 30 000 Tonnen steht Rußland noch mit China in Unterhandlung. Die Politik. Giner der bekanntesten deutschen Staatsmänner, der frühere hessische Staatsminister Jakob Finger, ist in Darmstadt im achtzigsten Lebensjahre gestorben. Finger war ursprünglich Rechtsanwalt: in den sechziger Jahren gehörte er als Anhänger der Fortschrittspartet der zweiten hechen Kammer an. Nach 1866 trat er lebhaft für den Anschluß der süddeutschen Staaten in den norddeutschen Bund ein. 1872 trat Finger in den hessischen Staatsdienst als Ministerialrat im Justizministerium. 1884 wurde er zum Staatsminister ernannt. Die Einführung einer Umsatzstener für die größeren Mühlenbetriebe wird in einer Petition verlangt, die der deutsche Müllerbund in nächster Zeit den einzelnen Landtagen der Bundesstaaten überreichen wird. Es heißt in der Petition u. a.: Die 44 000 binnenländischen Mühlenbetriebe des Reiches befinden sich in wachsender Bdrängnis durch die Vorteile und Vergünstigungen, die eine kleine Anzahl an den Hafenpläßen und Wasserstraßen gelegener Einfuhrmühlen genießen. Als besonders unbillig wird die Ungleichheit der Besteuerung empfunden. Die müllerischen Großbetriebe zahlen im Verhältnis zu ihren Produktionsmengen viel geringere Steuern, als die Mittel-____ und Kleinbetriebe, besonders da auf vielen älteren Mühlen noch eine besondere Rentenabgabe liegt. Dadurch ist die Produktion der legteren ungünstig belastet und der Wettbewerb erschwert. Es erscheint daher als eine Forderung ausgleichender Gerechtigkeit, einen Besteuerungsmodus einzuführen, der die gewerbliche Steuer nach der Produktions- oder Umsatzmenge bemißt und zwar so, daß die Steuer mit der Größe des Umfaßes staffelförmig steigt." Bisher besitzt nur Bayern eine staffelförmige Umsagsteuer für Mühlen. Ein früheres Gesuch des Deutschen Müllerbundes um eine allgemeine Einführung einer solchen Steuer von Reichs wegen wurde abschlägig beschieden, mit der Begründung, daß die Besteuerung der Betriebe Sache der einzelnen Bundesstaaten sei. Italien. In vatikanischen Kreisen erhält sich das Gerücht, Bapst Tins plane eine ſtrenge Ueberwachung der zahlreichen ensländischen Klerifer in Rom. Wer feinen triftigen Grund Hi seinen Aufenthalt in Rom angeben könne, solle unnachsichtlich nach seiner Diözese zurückbefördert werden. Balkan- Staaten. Om Krieg sind alle Mittel erlaubt," denkt Herr Boris Sarafow, und er schickt sich an, nene Niederträchtigkeiten zu Segehen. Er hat jetzt in Desterreich große Quantitäten Fes angekauft, die zusammen mit türkischen Uniformen an Bulgaren in den europäischen Wilajets verteilt werden sollen, damit die von diesen verübten Attentate türkischen Soldaten zugeschoben würden. Auch in Serbien hat Sarafow seine Wühlarbeit nicht umsonst begonnen. In Vranja und anderen Orten Serbiens werden z. Zt. Heimlich. Dynamit und Bomben angefertigt, die in den Wilajets verwendet werden sollen. Man fann es den Türken wirklich nicht allzusehr verübeln, wenn sie solchem Lumpengesindel kein Pardon geben. Der„ diplomatische Boykott", der von den europäischen Mächten über den Hof Peters I. von Serbien verhängt ist, wird nicht eher aufhören, die Gesandten werden nicht eher nach Belgrad zurückkehren, ehe nicht der Hof von den Königsmördern gänzlich gesäubert sei. Man macht jetzt einen scharfen Unterschied zwischen den Verschwörern, das heißt jenen 300 oder 400 Offizieren, die an der Verschwörung gegen Alerander beteiligt waren, und den Mördern, die die Mordtat vollbrachten. Mit ersteren fönnte ein diplomatischer Verkehr stattfinden, mit letteren unter gar keinen Umständen. So wird dem Serbenkönig wohl nichts übrig bleiben, als die Königsmörder in entlegene Garnisonen zu entsenden. Amerika. * Aus Santo Domingo fommt die Nachricht von einem deutsch- dominikanischen Zwischenfall. Der deutsche Dampfer Schaumburg" ist von dem dominikanischen Kreuzer Presidente" an der Einfahrt in den Hafen von Montechrist o verhindert worden, der von der dominikanischen Regierung fürzlich für geschlossen erklärt wurde. Der Kapitän der Schaumburg" hat der Meldung zufolge gegen diese Anordnung der dominikanischen Behörden Einspruch erhoben. Da wir ein paar Kriegsschiffe in den dominikanischen Gewässern haben, dürfte dem Einspruch wohl ohne viel Federlejens nachgegeben werden. Ueber Nacht ist im Kabinett der Vereinigten Staaten eine Ministerkrise ausgebrochen. Der Kriegsminister Root hat seinen Abschied eingereicht. Sein Nachfolger ist Mr. Taft, der seit 1900 Gouverneur der Phlippinen ist. Ueber den Grund der Krise verlautet einstweilen nicht das mindeste. -Im Staate Newyork ist jetzt den Frauen das Stimmrecht in Schulsachen bewilligt worden. Die Hoffnung der Regierung von Uruguay, sie werde mit der neuerdings ausgebrochenen Rebellion binnen kurzem fertig werden, ist unerfüllt geblieben: Mord und Brand herrschen im Lande des Liebigschen Fleischertrafts. Der Umstand, daß der Kriegsminister dieser Tage in einem Ge fedzt mit den Aufständischen fiel, hat diesen offenbar neuen Mut gemacht, und so ist es denn von neuem zu heftigen Nämpfen in den Städten San Ramon und San José in der Nähe der Hauptstadt Montevideo gekommen. Der größere Teil der Regierungstruppen folgt ihnen. Die Regierung bat mehrere Bataillone Nationalaarden und zwei Bataillone Polizeimannschaften in das Innere gesandt und hierdurch die Hauptstadt von Polizei entblößt. Das Pressen von Leuten zu Soldaten ist an der Tagesordnung. Viele hervorragende Nationalisten, darunter zwei Mitglieder der Stadtverwaltung, sind verhaftet worden. Diese Maßregeln, die die Bevölkerung für übertrieben und chifanös hält, können leicht zu einer allgemeinen Volkserhebung- gegen das Kabinett führen. ** Hof und Gesellschaft. Gutem Vernehmen nach wird die Mittelmeerfahrt des Kaiserpaares, die schon seit geraumer Zeit geplant ist, in den nächsten Wochen ihren Anfang nehmen. Die Kaiserjacht„ Hohenzollern" hat, wie aus Kiel gemeldet wird, ihre Winterreparatur beendet und lief zur forcierten Probefahrt aus. Am 15. d. M. geht die Kaiserjacht nach dem Mittelmeer ab. Das Depeschenboot Sleipner" traf hierzu bereits aus Danzig in Kiel ein. *** Fürst Mar Egon zu Fürstenberg, Mitglied des preußischen Herrenhauses, ist vom Kaiser zum OberstMarschall ernannt worden. Deer und flotte. Eine Selbstfahrer- Versuchstruppe vom Eisenbahnregiment ausgerüstet mit Automobilen, Lastwagen und Rädern, wird sich demnächst von Berlin auf etwa 14 Tage nach Jlsenburg begeben, um von dort aus Versuchsfahrten in den Harz zu unternehmen. Es soll hierbei erprobt werden, wie sich die Fahrzeuge bei Schnee und Eis im Gebirge bewähren. Englische Heeresreformen. Laut amtlicher Bekanntgabe beabsichtigt die englische Regierung, den Rat des Kriegsamts. ausschusses auszuführen und nach dem Vorbilde der Admira lität einen Militärischen Rat zu bilden. Der Posten des Oberbefehlshabers soll abgeschafft und die dem Kriegsanu unterstehende Stelle eines Generalinspekteurs geſchaften werden, welcher über die Leistungsfähigkeit der Truppen Bericht zu erstatten hat. Unfer Heer in der neuesten Literatur. Unser Mitarbeiter schreibt uns: Durch die Tagespresse geht jetzt die Nachricht, der verflossene Leutnant Bilse jabe ein„ Militärdrama" unter der Feder. Sogar der Titel wird verraten;„ Wahrheit" soll das Stück benamjet werden. Bilse scheint sich seinen talentvollen Vorläufer Franz Adam Beyerlein zum Vorbild genommen zu haben, der mit seinem Roman Jena oder Sedan?" große Sensation erregt und in seinem Schauspiel Zapfenstreich" ein bemerkenswertes dramatisches Talent verraten hat. Man tut aber unrecht, Bilse und Beyerlein in einem Atemzug zu nennen. Die Arbeiten des letteren haben zum Teil einen bleibenden literarischen Wert, während der Bilsesche Schundroman als Sensationsnummer zwar effektvoller wirkte, aber bald der verdienten Vergessenheit anheimfallen dürfte. Worin besteht nun der Unterschied zwischen dem Schicksal und der Aufnahme, die diese Erzeugnisse der Militärbelletristik trotz ihrer Stoffverwandtschaft gefunden haben? Es ist ja unverkennbar, daß Franz Adam Beyerlein ein starkes literarisches Talent ist, während Bilse als Pamphletist nicht einmal eine landläufige stilistische Gewandtheit aufweist. Immerhin aber hätte vielleicht der behandelte Stoff doch auch bei ihm einigen Anspruch auf Interesse, wenn sich in seiner Produktion der objektive Drang nach Wahrheit zu erkennen gegeben hätte. Das ist keineswegs der Fall. Bilse will nicht die typischen Erscheinungen im Heere treffen, sondern er zielt auf die Persönlichkeiten. Seine Darstellung ist daher kleinlich, gehässig und ohne eigentlichen Mittelpunkt, während Beyerlein die Schärfe seiner Kritik gegen die sachlichen Interessen des Militärlebens wendet, die agierenden Persönlichkeiten aber zumeist wohlwollend schildert. So hat das deutsche Volf instinktiv herausgefunden, daß der eine dieser beiden Schriftsteller bestehende Mißstände geißeln und hierdurch beseitigen will, während der andere nur schimpft, aber nicht fritisiert. In einem aber stimmen beide überein und zwar in der Schilderung der Geistesöde in dem täglichen Garnisondienst. Es fehlt den jungen Offizieren nicht an gesellschaftlicher, wohl aber an wissenschaftlicher Anregung, wenn sie nicht das Glück haben, in größeren Städten, wo es an Kunstinstituten und wissenschaftlichen Bildungsstätten nicht fehlt, in Garnison zu stehen. Man würde aber unrecht tun, wenn man die Offiziere und nicht die Zustände in der Garnison dafür verantwortlich machen würde. Eine Reform ist nur dadurch zu erreichen, daß die jüngeren Offiziere nicht allzu lange an einem fleinen Orte verbleiben und daß man vor allen Dingen nicht die minderwertigen Elemente in solchen Garnisonen geradezi wie in einem Raritätenkasten sammelt. In einer so großer Organisation, wie in dem deutschen Heer, ist es naturgemä unvermeidlich, daß trotz der strengen Durchsiebung aller Mit glieder von Zeit zu Zeit auch Unwürdige entdeckt werden, di dem Stande keine Ehre machen. Mit diesen menschlicher Mängeln hat ein jeder Stand zu rechnen. Es ist deshall unrichtig, wenn ein Teil der Presse die literarisch wertvoller Produkte der Benerleinschen Muse förmlich als einen Be Aussprache von selbst. handelt es sich um die verfluchte Liebe!" murmelte er zornig mit denen seine Bescheidenheit sich begnügte. Monologe in den zwei Zimmern des rechten Seitenflügels, So hielt denn der Arte feine ftilen mer auf einen zierlange in Yokoham bleiben , Entschieden fammenleben würden, und io mar sie nach dem Gespräch mit ihrem Bruder genau den ein tägles das hatte Silda ſich ſchon ſelbſt gesagt, Beisammensein gerade nicht behaglicher und derartige Empfindungen würund mit Morden fenior zumachen. fein geführt. Von dem andern Herrn weiß ich nur zu " Ja wohl, er ist mir bekannt!" man ist und Demetrius Banescu heißt der Name bekannt zu sein, lieber Norden." fagen, daß er ebenfalls das Geld mit beiden Händen hinwirft, daß er ungarischer Magnat, leidenschaftlicher SportsIhnen scheint ( Fortiebung folgt.). alles, lieber Franz!" Ah!" rief Louise. ,, Wie neu, Hausgang stehen sehen." Klavier habe ich in meinem ganzen Leben noch in keinem bei uns zu Hause nicht so verschwenderisch eingerichtet und ein " Das ist kein Song, lieber Schwiegervater, sondern Hm," sprach der alte Breßler, der Hausgang ist aber weis für den sittlichen und geistigen Niedergang unsere Heeres ausspielt. Beyerleins Werk ist eben lediglich eir neues Genre in der Reihe der Militärromane und bilde gewissermaßen das Gegenstück zu den Dichtungen des Major Josef Lauff. Während dieser als Optimist die Zustände des Heeres in rosigen Farben schildert, hat Beyerlein den natu ralistischen Pessimismus in die Militärbelletristik eingeführt Das ist alles. Sachkenntnis aber kann man aus dem Beyer leinschen Roman doch nur in recht dürftigem Maße schöpfen Ein bayerisches Trappisten- Muftergut. München, 1. Februar. Der bekannte Zentrumsabgeordnete Dr. Heim, dessen Zwist mit dem liberalen Abgeordneten Gäch lezzthin in der Kammer zu recht unparlamentarischen Szenen führte, hat auf der eben beendeten Generalversammlung der landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft in Ansbach einen eigenartigen Plan entwickelt. Dr. Heim stattete als Vorstand den Rechenschaftsbericht ab und machte dabei die erfreuliche Mitteilung, daß die Reserven der Genossenschaft zur Zeit 132 000 Mark betragen und mit dem 30. Juni 1904 der Reservefonds bis zur Höhe des Gesellschaftskapitals ange. wachsen sein werde. Von diesem Zeitpunkt an, so schlug er vor, solle man den Reingewinn zur Anlage eines großen Landwirtschaftlichen Muster- und Lehrgutes verwenden, zu dessen Leitung er Mönche aus dem Trappistenorden ausersehen habe. dabei in beiderseitigem Einverständnisse derart betrügerisch bor, daß von dem ganzen Vermögen des unehelichen Fürstensohnes derzeit für den serbischen Staat kaum eine halbe Million Francs mehr übrig bleibt. König Alexander er hielt die von ihm beanspruchten 300 000 Francs durch seine beiden Vertrauensmänner im Vergleichswege" ausgezahlt. Ferner erhielt, ebenfalls im Vergleichswege, der gegenwär tige ungarische Ackerbauminister Bela Tallian, welcher Anspruch auf das Vermögen des Velimir Theodorowitsch aus dem Titel erhoben hatte, daß seine Mutter eine geborene Obrenowitsch sei, gleichfalls 300 000 Francs. Ferner prä sentierten verschiedene Advokaten in Rumänien, Ungarn und Serbien folossale Kosten, gleichfalls im Betrage von mehr als 300 000 Francs, so daß bereits im ersten Handumdrehen eine Million auf diese Weise verbraucht war. Dr. Heim hat, wie er mitteilte, sich bereits mit einem Trappistenabt in Bayern selbst gibt es bisher diesen Orden nicht in Verbindung gesetzt und ihn gefragt, ob er geneigt wäre, sich in Bayern niederzulassen. Das Gut solle mindestens 1000 Tagwerk umfassen, womöglich mit Wasser, Wiesen und Wald versehen sein, alle Betriebsarten der Landwirtschaft und alle Nebenbetriebe umfassen, ein Alumnat für 100 junge Leute im Alter von 16 bis 25 Jahren erhalten. Die landwirtschaftliche Zentralgenossenschaft solle für jeden jungen Mann jährlich eine bestimmte Zahlung leisten, die Wintermonate sollen dem theoretischen Unterricht, die Sommermonate der praktischen Arbeit gewidmet ſein. Der Abt erklärte sich hierzu bereit und hat auch die Zustimmung seines Ordensvorgesezten erhalten. Minister Velimir Theodorowitsch, Alexanders böser Geist, verwickelte den geschäftsunkundigen König, der nur bestrebt war, sich über seine Zivilliste hinausgehende Geldmittel zu beschaffen, in die verschiedensten anrüchigen Geschäfte. So zum Beispiel wollte er ihn dazu haben, eine Spielbank in Topschider zu errichten, wobei er ebenfalls die Vermittelung übernahm und zugleich als Hofadvokat und als Anwalt der Spielbank auftrat. Sein Mitschuldiger, Milosch Petronjewitsch, der als Günstling des Königs Alerander über die Köpfe aller anderen Beamten hinweg zum Sektionschef aufstieg, führte ein außerordentlich luxu riöses Leben und war als leidenschaftlicher Kartenspieler bekannt. Ihre Verhaftung ist mit allgemeiner Genugtuung begrüßt worden und, so wie die Dinge liegen, harrt ihrer eine schwere langjährige Kerkerſtrafe. Zur Begründung seines Vorschlags, die Bewirtschaftung des Gutes gerade den Trappisten zu übertragen, wies Dr. Heim darauf hin, daß die Regeln dieses Ordens die Landwirtschaft in den Vordergrund der Pflichten eines jeden Mitgliedes stellen. Selbst dem gebildeten Pater, nicht nur dem Laienbruder, ist täglich eine einstündige Arbeit in der Landwirtschaft vorgeschrieben. Der Trappistenorden habe sich als Träger der landwirtschaftlichen Kultur einen Weltruf erworben.„ Ich erinnere, so führte Dr. Heim aus an die Trappistenkolonien in Natal; die englische Regierung unterstützt sie durch Geldzuwendungen; selbst im englischen Parlament ist ihrer Tätigkeit schon die öffentliche Anerkennung gezollt worden. Ich erinnere an die Musterwirtschaften, die von Trappisten in Deutschland geleitet werden, an Delenberg im Elsaß und an die Arbeiterkolonie auf der hohen Veen. Ich erinnere an die großartige Abtei Maria Stern bei Banjaluka in Bosnien, woselbst deutsche Patres geradezu Träger der Kultur und gewissermaßen die Bahnbrecher deutschen, kolonisatorischen Geistes in dem vorher türfisch regierten Lande geworden sind." Dr. Heim erbat sich von der Generalversammlung die Ermächtigung für Vorstandschaft und Aufsichtsrat zu Verhandlungen mit den Behörden und die Genehmigung eines Voranschlags von 20 000 Mark aus laufenden Mitteln für das erste Jahr für die Bezahlung der Jahrespension der Zöglinge und Bezahlung der weltlichen Lehrkräfte. Diese Ermächtigung wurde ihm, wie vorauszusehen war, ohne weiteres erteilt. Wie sich allerdings die Behörden zu dem Heimischen Plan stellen werden, bleibt vorläufig eine offene Frage. König Alexanders böfer Geift. Belgrad, 28. Januar. Hus dem Gerichtssaal. Das Todesurteil gegen den Matrosen Köhler bestätigt Wie aus Wilhelmshaven gemeldet wird, ist dort die Beſtätigung des über den Matrosen Köhler vom deutschen Kriegsschiff Loreley" gefällten Todesurteils eingetroffen. Der an den Unteroffizier Bindrizky im Hafen von Athen verübte feige Mord wird demnach in den nächsten Tagen seine irdische Sühne finden. Die Hinrichtung wird voraussichtlich in Aurich stattfinden. § Der Ueberfall auf den Hofkapellmeister Mikorey durch den früheren Opernsänger Kienlechner gelangt heute( Dienstag) vor der Dessauer Strafkammer zur Aburteilung. Der Fall erregte, wie erinnerlich, im Oktober des letzten Jahres großes Aufsehen. Kienlechner übersiel den Stapellmeister, gegen den er seit längerer Zeit tiefen Groll begte, weil jener jich obfällig über seine gesanglichen Leistungen ausgesprochen haben sollte, mitten in einer der belebtesten Straßen Dessaus. Er schlug den ihm an Körperkraft bedeutend Unterlegenen mit der Faust ins Gesicht, warf ihn dann zur Erde und mißhandelte den Wehrlosen mit Fußtritten. In Dessau ſieht man de: Ausgang des Prozesses mit Spannung entgegen. Bunte Chronik. Am Bord des spanischen Petroleumdampfers Ciudad Reus" fand bei Sevilla eine Explosion statt, durch welche drei Seeleute schwer verletzt wurden. -In Kiel wurde der Obermaat Käders unter dem dringenden Verdacht verhaftet, seine Wirtin, Frau Schünemann, ermordet zu haben. § Wegen Aufruhrs haben sich vor dem Kieler Schwurgericht der Maurergeselle Weber, die Schlächtergesellen Schmidt und Tröger, der Hausknecht Kühn, sowie die Arbeiter Heins und Friemuth zu verantworten. Sie sollen, zusammen mit dem Bruder des Weber, einem Matrosen unserer Marine, gegen Schußleute revoltiert und, unterstützt von einer ganzen von ihnen aufgestachelten Menschenschar, diese gefährlich bedroht haben. Der Matrose Weber ist bereits vom Militärgericht zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt worden. Volkes Stimme, Gottes Stimme! Das alte Sprichwort bewahrheitet sich wieder einmal hinsichtlich des Haupthelden der neuesten Sensationsaffaire, die das an Aufregungen aller Art in letzter Zeit genugsam gewöhnte serbische Publikum aufgetischt bekommen hat: Der von der Volksstimme seit langem als böser Geist des ermordeten Königs Alerander bezeichnete frühere Minister Velimir Thesdorowitsch wurde zusammen mit dem früheren königlichen Privatsekretär Milosch Petronjewitsch wegen eines Millionenbetruges verhaftet. Der Verdacht der öffentlichen Meinung, die den Minister und Vertrauten Aleranders zu dessen Lebzeiten- damals allerdings nur im geheimen für einen ausgemachten Schurken erklärte, hat sich nur zu sehr als begründet erwiesen. Im Dorf Deuthen bei Allenstein kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Zivilisten und Soldaten. Die Soldaten, von denen zwei schwer verwundet wurden, wollten ein Haus anzünden, in das sich ihre Gegner flüchteten. Im Rietschgrunde bei Königstein wurde die 40jährige geschiedene Frau Bachmann von dem Dekorationsmaler Gehrisch, mit dem sie in wilder Ehe lebte, ermordet. Der Täter ist flüchtig. Vermischtes. X InfanterieSeffischen) Rote Adler ΣΑ ** Vorftellunge Der Str bon Bloem br boren. a. M. und * In flinit wur * * Die für bessis in der Zeit werden. 10 Bahnhof Landtag ge Mart wo leiftet.- werden no bau danach * Son in dem die genauen Be teil, Provir Mecum, B fowie Profe vereins. A waren zugez Sicherheitst Stellung ein fönnten. Tu flattgehabte Borstand ge Ueberschußb [ Ueber Welthandel und Weltfinanzen] macht das statistische Amt in Washington interessante Mitteilungen. Die Gesamtausfuhr aller Länder betrug im Jahre 1902( für einige Länder mußte allerdings das Jahr 1901 zu grunde gelegt werden) 10 278 616 000 Dollar nud die Gesamteinfuhr 11 525 755 000 Dollar. Der Unterschied in diesen Zahlen bringt teils den Wertausschlag infolge der Transportfosten zur Erscheinung, teils erklärt er sich dadurch, daß die Einfuhr eines Landes schärfer kontrolliert wird als die Ausfuhr. Die Staatseinkünfte aller Länder belaufen sich auf 7 854 301 000 Dollar und die Gesamtausgaben auf 7 939 540 000 Dollar. Die Schuldenlasten werden mit 34 389 604 970 Dollar angesetzt und der Zinsendienst hierfür mit 1 416 397 448 Dollar. Staatliches Geld gibt es in der Höhe von 11 999 300 000 Dollar, wovon ein Drittel, nämlich 2 963 600 000 Dollar, ungedecktes Papiergeld darstellt, 5 355 000 000 Dollar aus Gold besteht und 3 680 700 000 Dollar aus Silber. § Noblesse oblige! Ein recht häßliches Sittenbild entrollte ein Prozeß zwischen zwei Mitgliedern des polnischen Adels vor der Pofener Straffammer. Der Graf Mielzynski auf Köbnitz hatte sich wegen öffentlicher Beleidigung des Grafen Bninsti auf Dembno zu verantworten. Graf Mielzynski hatte den Grafen Bninski des Falschspielens beschul digt und war vom Schöffengericht zu 100 Mark Geldstrafe und zur Tragung der Kosten verurteilt worden. Graf Mielzynski stellte nun den Antrag, den gegenwärtigen Prozeß hinauszuschieben, bis ein vor der Straffammer in Schneide mühl gegen den Grafen Bninski eingeleitetes Verfahren wegen Betruges und Falschspielens beendet sei. Graf Bninski erklärte, Graf Mielzynski sei einer Dame wegen auf ihn eifersüchtig. Die Untersuchung in Schneidemühl habe er selbst beantragt. Der Gerichtshof beschloß, wegen erneuter Beweisaufnahme die Verhandlung zu vertagen. [ Unfreiwillige Polizisten.] Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß jeder Mann verpflichtet ist, einem englischen Polizisten zu Hilfe zu kommen, falls dieser ihn im Namen des Königs dazu auffordert. Wenn die Polizei die Lage für bedenklich hält, so kann sie sogar jeden Bassanten als Hilfspolizisten sofort in Dienst nehmen und vereidigen. Auf der Insel Wight wurde kürzlich ein Herr, der sich nicht zum Hilfspolizisten machen lassen wollte, zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt, und in Davontry in Northampshire wurde gestern ein Fischer verhaftet, weil er auf die Aufforderung eines Polizisten, bei einer Arretierung behilflich zu sein, mit Lachen geantwortet hatte. Das Lachen dürfte ihm vergehen, denn der Untersuchungsrichter nahm die Sache so ernst, daß er den Verhafteten vor das Schwurgericht verwies. +[ Die Glücksfliege.] Der Aberglauben der Spieler ist bekannt, aber selten bringt ihr Vertrauen auf glückverheißende Zeichen ihnen so viel Segen, wie dies kürzlich in Monte Carlo der Fall war. Auf dem sogenannten„ Selbstmörder"- Roulettetisch in den Spielsälen sette sich auf Nr. 13 eine Fliege hin, und zwar zu einer Zeit, in der die Spieler ständig Unglückt hatten. Die abergläubischen Spieler tauschten heimlich Blicke aus und suchten in ihren Taschen nach Geld zu neuen Einsätzen. In wenigen Augenblicken waren die Nummern 13 bis 24 reichlich mit Einsätzen bedeckt. Darauf erhob sich ein ältlicher Spieler und häufte Napoleons um das Fleckchen, wo die Fliege gesessen hatte, wobei er die Nummern 10 bis 17 besetzte. Die Elfenbeinkugel ging um das Rouletterad herum, ein Augenblick bänglicher Erwartung folgte, und dann verkündete der Croupier, daß die Numer 13 gewonnen hatte. Merkwürdigerweise kam dieselbe Nummer dreimal hintereinander. Die Fliege kostete dem Rasino 100 000 Mark. § Der Zwickauer Wechselreiterprozes förderte interessante Einzelheiten über die raffinierte Art und Weise zutage, wie der Hauptangeklagte Händel in ganz Deutschland Gimpel in seine Neze zog. Er gab sein Afzept gegen ein bestimmtes Entgelt denjenigen solventen Firmen, die sich auf feine in über 70 der größten deutschen Zeitungen veröffentlichten Inserate hin meldeten, als Zahlungsmittel, jedoch auch solchen Geschäftsleuten, die ihre eigenen Akzepte oder Akzepte anderer Personen zum Kauf oder gegenseitigen Austausch anboten. Für jedes in Blanko gegebene Akzept zahlte er 50, auch 60 und 75 Pfennig, während er von den Firmen, die Akzepte als Zahlungsmittel von ihm entnahmen, 2 bis 3 Prozent der Wechselsumme zu beanspruchen und durch Poſtnachnahme zu erheben pflegte. Falls die Prolongation gewünscht wurde, forderte er 1 Prozent der Wechselsumme. Die„ Hintermänner" des Angeklagten waren stellenlose Kommis, Agenten, Privatlehrer, Weichensteller, Maler, Magistratsarbeiter, Postboten und Kellner, die zum großen Teil den Offenbarungseid geleistet hatten. Viele dieser Leute wollen durch bitterste Not dazu gezwungen worden sein, der Zwickauer Zentrale ihre Wechselunterschrift gegen ein Honorar von 25 bis 75 Pf. einzusenden. Zur Erleichterung dieser Arbeit, und um zugleich den Anschein zu erwecken, als ob es sich um eine kreditwürdige Firma handele, wurde den Leuten ein schöner Gummistempel mit ihrem Namen von Zwickau geliefert. Einer von ihnen antwortete auf die Frage, ob er denn keine Bedenken gehabt habe, als er an Händel mehrere Dußend Blankowechsel, Stück für Stück 50 Pf., lieferte, ganz naiv:„ Gefälligkeit ist des Christen Pflicht." Velimir Theodorowitsch hat, soweit es sich übersehen läßt, etwa 700 000 Francs, sein diebischer Genosse etwa 300 000 Francs über Seite gebracht. Die ganze Augelegenheit ist die Folge eines sensationellen Erbschaftsprozesses, welchen König Alexander gegen den serbischen Fiskus wegen der Hinterlassenschaft des unehelichen Sohnes des in Topschider seinerzeit ermordeten Fürsten Michael Obrenowitsch, namens Velimir Theodorowitsch, führte. Dieser Velimir Theodorowitsch steht jedoch trok Namensgleichheit in keinerlei verwandtschaftlichem Verhältnisse zu dem jetzt Verhafteten. Er erbte nach Fürst Michaels Tode laut testamentarischer Bestimmung fast dessen ganzes Vermögen im Werte von ca. zweieinhalb Millionen Francs. Dieses Vermögen bestand nur zum kleineren Teile aus Bargeld, größtenteils aus Gütern in Rumänien. Michaels Sohn war nun schon bei Lebzeiten ein großer Wohltäter des serbischen Staates und der serbischen Nation. Und als er vor wenigen Jahren in München als Privatmann starb, setzte er den serbischen Staat als Universalerben ein. König Alexander erklärte mun sofort, daß er das Testament des Theodorowitsch anfechten werde und als Verwandier des unehelichen„ Obrenowitsch" einen Pflichtteil von 300 000 Francs für sich fordere. Trotz der Vorstellungen seiner eigenen Anhänger und der Minister, die ihm zu be denken gaben, daß Theodorowitsch zu ihm in keinerlei vom Gesetze anerkannten Verwandtschaftsgrade stehe, war König Alexander von diesem im vorhinein aussichtslosen Prozeß nicht abzubringen. Um aber seine Hand beständig in dem Prozeß zu haben, ernannte König Alexander zum Staatsprofurator seinen eigenen Privatsekretär Milosch Petronjewitsch und zu seinem eigenen Vertreter seinen Minister und Hofadvokaten Velimir Theodorowitsch. Diese beiden verschleppten nun wie behauptet wird, im Auftrage König Aleranders- den Prozeß und gingen Nab und Fern. die Wiederm des Beifig r Robert trat. 1. Sprecher, Schriftführe Turnwat, und Otto wurde H. S fein schloß * ** Ein vereinfachtes Abfertigungsverfahren gelangt he kanntlich vom 1. Februar ab im Bereich der preußisch- hessischen Eisenbahn gemeinschaftlich zur Einführung. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß dieses Verfahren lediglich die Vereinfachung des inneren Abfertigungsgeschäftes dient, ohne die bisherige Tätigkeit des Publikums irgendwie zu berühren; denn der Frachtbrief bleibt in seiner jezigen Form bestehen! Nur, wenn es sich um Frankosendungen mit Frachtbeträgen von 1 Mark oder weniger handelt, welche nicht mit Nachnahme belastet sind, ist es dem Versender anheimgegeben, Eisenbahnmarken zu verwenden. Eine Verpflichtung der Versender zur Markenflebung besteht also nicht! Es empfiehlt sich, für Sendungen nach Stationen der preußischen Eisenbahnverwaltung die neuerdings gelieferten Frachtbriefe zu verwenden, welche in der linken oberen Hälfte eine das vereinfachte Abfertigungsverfahren erleichternde Ergänzung erfahren haben. Diese Ergänzung beschränkt sich indessen auf Vordrucke für dienstliche Vermerke und bleibt bei Ausfertigung der Frachtbriefe durch die Versender unberücksichtigt. Die deutsche Hilfsexpedition in Aalesund hat jetzt ihren Dienst bis in die kleinsten Einzelheiten geregelt und bereits Hospitäler und Volksküchen an Land eingerichtet, um deren schnellem Aufbau die Mannschaften des deutschen Kreuzers Prinz Heinrich" sich große Verdienste erworben haben. Tausende von Personen werden täglich beherbergt und gespeist, die Stadtverwaltung von Aalesund und die Regierung zu Christiania ließen durch Vertreter ihren Dank für die aufopfernde Tätigkeit der Deutschen abstatten. An Bord der Phönicia" wurde der erste Gottesdienst nach dem Brande abgehalten, an welchem 800 Personen teilnahmen; die Feier war ergreifend. Pfarrer Dahl aus Aalesund schloß seine Predigt mit einem Danfgebet für Kaiser Wilhelm, sein Haus und sein Volk. Der Flügeladjutant des Kaisers, Fregattenkapitän v. Grumme, ist überall zur Stelle und hilft mit Rat und Tat; seine Gemahlin ist den ganzen Tag als barmherzige Schwester tätig und verteilt Medikamente und Kleidungsstücke an die notleidenden Frauen. Der Direktor der Landmannsbank aus Aalesund ist in Christiania eingetroffen, um zu versuchen, durch das Feuer versengtes Papiergeld im Betrage von 50 000 Stronen bei der Bank von Norwegen einzulösen. tag in ad deslotterie Ein Schlauer. Er:„ Ach, Fräulein Ellen, wenn Sie eine Ahnung hätten, wie ich Sie liebe, und wenn Sie wüßten, was ich verdiene, Sie würden mich sicher erhören!"- Sie: ,, Was verdienen Sie denn?" Er:„ Eine recht gute, brave Frau!" Lose recht * Sam Die Deutsch Südwestafri Landsleute Ein Genügsamer. Dame: Sie machen ein Gesicht, als ob Sie etwas sehr Geistreiches sagen wollten!"- Herr:„ Na, das freut mich, daß ich wenigstens schon so'n Gesicht mache!" Der Landwirt. Der Brinzre der deutsche in Südwest In dem B falles darn Verschlimm untergebrac Befferung, Gemeindef der in Privat Die Preisbewegung des Schweinefleisches hat jetzt in ähnlicher Weise wie in München auch die Dessauer Behörden beschäftigt. Die regelmäßig beobachtete Echeinung, daß die Fleischpreise zwar den Viehpreisen in der Auswärtsbewegung pünktlich folgen, nicht aber in der umgekehrten Richtung, hat die städtische Verwaltung zu einer beachtenswerten Maßnahme veranlaßt. Danach wird der Magistrat künftig die Preise des Schlachtviehes monatlich einmal veröffentlichen und die Fleischpreise dazusetzen, so daß sich das Publikum selbst ein Bild von der Lage des Marktes machen kann und ein entsprechender Druck auf die Gewerbetreibenden ausgeübt wird. Um einen Vergleich zu ermöglichen, werden auch die Preise der Städte Berlin, Leipzig und Halle beigefügt. Die Bichpreise werden mit Hilfe der Landwirtschaftskammer, die Fleischpreise mit Hilfe der Fleischerinnung ermittelt. -In ärzt eigentliche S daß also betreffenden Das ist freili auch nicht zeigte fich fofort nach Lähmunge indes glüd fich noch n noch nicht Schon auß Buftand Mehrere von deur So berzi in der K Der die Dame Thre etwas fich an -Bon d eine telegr Morneweg Aliceverein * He in Fran Deutscher zilchtern einen noch lungen dr März in Landes G des theink bandes, fo angefchloff Schuß find des Lande Um diesm ler bestätigt ort die Beitä tfajen Striegs troffen. Der then berübte 1 feine irdische ussichtlich in Petroleumne Explosion wurden. Cer dem drin Sdhünemann, es zu einem id Soldaten. wet wurden, Begner flüd Sie 40jährige orationsmaler mordet. Der nacht das sta lungen. Die e 1902( für 1 zu grunde e Gesamteined in diesen r Transporturch, daß die als die Ausufen sich auf usgaben auf werden mit sendienst hierBeld gibt es in n ein Drittel, apiergeld dar besteht und nicht allgemein nem englischen hn im Namen lizei die Lage Bassanten als reidigen. Auf sich nicht zum hn Tagen Gempshire wurde Aufforderung ch zu sein, mit ihm vergehen, e so ernst, daß erwies. Der Spieler ist lückverheißende lich in Monte Selbstmörder" Nr. 13 eine Spieler ständig tauschten heimnach Geld zu paren die Numft. Darauf eroleons um das i er die Num I ging um das her Erwartung - die Num se kam dieselbe ege kostete dem en gelangt he preußisch- heffi mg. Es wird erfahren ledig. gungsgeschäftes likums irgend tin seiner jegi rankosendungen handelt, welche dem Versender wenden. Eine ung besteht also nach Stationen Cuerdings gelie in der linken gungsverfahren Diese Ergänzung dienstliche Ver achtbriefe durch Ellen, wenn Sie nn Sie wüßten, ren!"- Sie: echt gute, brave achen ein Gen wollten!"- schon so'n Gehat jetzt in auer Behörden einung, daß die wärtsbewegung jrten Richtung, nswerten Maß trat fünftig die beröffentlichen das Publikum achen kann und enden ausgeübt verden auch die beigefügt. Die tschaftskammer, ng ermittelt. Lokales. 2. Februar 1904. Verliehen. Dem Hauptmann Krause im Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm( 2. Großherzoglich Hessischen) Nr. 116 wurde vom König von Preußen der Rote Adlerorden vierter Klasse mit der Krone verliehen. ** Theaterverein Gießen. Die beiden ersten Vorstellungen des Zugabe- Abonnements werden die Nev täten „ Der Strom" von Max Halbe und„ Es werde Recht" bon Bloem bringen. Als Gäste sind Herr Diegelmann- Frankfurt a. M. und Herr Loehr- Darmstadt in Aussicht genommen. ** In der Gießener Universitäts- Frauenflinit wurden im Jahre 1903 insgesamt 447 Kinder ge= boren. ** Die Jahresversammlung des Gesamtvereins für hessische Geschichte und Landeskunde soll in der Zeit vom 3.- 5. August in Marburg abgehalten werden. ** 100 000 mt. werden zur Erweiterung des Bahnhofs in Gießen als Schlußrate im Preußischen Landtag gefordert. Die Gesamtkosten betragen 3 550 000 Mart wozu die hessische Regierung 300 000 Mt. Zuschuß leistet. Zur Erweiterung des Bahnhofs in Langgöng werden noch 50000 Wt. gefordert, es kostet der Erweiterungsbau danach 150 000 Mt. - Sonntag wurde der Leibsche Festsaal in Gießen, in dem die Theatervorstellungen stattfinden, einer genauen Besichtigung unterzogen. Es nahmen daran teil, Provinzialdirektor Dr. Breidert, Oberbürgermeister Mecum, Polizeiamtmann Hechler, Brandoirektor Traber, semie Professor Dr. Fromme als Vorsitzender des Theatervereins. Auch die Chargierten der Freiwilligen Feuerwehren waren zugezogen. Die Besichtigung hatte den Zweck, etwaige Sicherheitsvorkehrungen zu besprechen, die bis zur Fertigstellung eines neuen Theatersaales noch getroffen werden fönnten. ** Turnverein Grünberg. Die am Sonntag ftattgehabte Generalversammlung war gut besucht; der vom Vorstand gegebene Rechenschaftsbericht schließt mit einem Ueberschuß von ca. 80 Mt. ab. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes mit Ausnahme des Beisitzers Ludw. Stein, an dessen Stelle Herr Otto Robert trat. Dem Vorstand gehören an: A. H. Jödel, 1. Sprecher, Fr. Schröder, 2. Sprecher, Heinr. Kaiser, Schriftführer, H. Schmidt I., Rechner, H. Schmidt jun., 1. Turnwa t, K. Möser, 2. Turnwart. Betsizer: H. Möser und Otto Robert. Als Abgeordneter zum Gauturntag wurde H. Schmidt jun. gewählt. Ein gemütliches Geisammen sein schloß sich der Versammlung an. ** Hessische Staats- Lotterte. Bereits Montag in acht Tagen findet die vorletzte Ziehung unserer Landeslotterie statt und wollen die Leser unseres Blattes ihre Lose recht balt bei den Kollefteuren in Empfang nehmen. * Sammlungen für Deutsch- Südwestafrika. Die Deutsche Kolonialgesellschaft hat zu Gunsten der in Südwestasrita durch den Aufstand der Hereros notleidenden Landsleute eine Sammlung von Geldbeträgen eröffnet. Der Prinzregent von Bayern überwies der Abteilung München der deutschen Kolonialgesellschaft für die bedrängten Deutschen in Südwestafrifa 2000 Mart. - * * Der Darmstädter Vergiftungsfa II. In dem Befinden der noch an den Folgen des Vergiftungsfalles darniederliegenden Patienten ist im allgemeinen eine Verschlimmerung nicht eingetreten. Die im Krankenhause untergebrachte Frau Bernius ist auf dem Wege der Besserung, ebenso zwei der im Elisabethenstift weilenden Gemeindeschwestern. Der Zustand der dritten Schwester und der in Privatpflege befindlichen Kranken ist immer noch bedentlich. In ärztlichen Kreisen neigt man der Ansicht zu, daß der eigentliche Krankheitserreger der sog. Bazillas botulinus ist, daß also Wurstvergiftung vorliegt. Wie die Infektion der betreffenden Bohnenbüchse mit diesem Baziaus zustande fam, das ist freilich noch immer sehr unklar und wird wahrscheinlich auch nicht zu ermitteln sein. Wie das Gift wirkte, das zeigte sich u. a. besonders klar bei Fräulein Heißig, die sofort nach dem Genuß einer fleinen Quantität Bohnensalat Lähmungserscheinungen verspürte, die infolge Erbrechens indes glücklicherweise bald wichen. Ob die Zahl der Opfer sich noch weiter erhöht, ist mit Bestimmtheit leider immer noch nicht zu sagen. So soll es Frl Schleuning, die man schon außer Gefahr glaubte, wieder schlechter gehen. Der Zustand der Schwestern im Stift ist unverändert. Mehrere Personen sind nur durch einen glücklichen Zufall von dem tragischen Geschick der Vergiftung bewahrt geblieben. So verzichtete eine Dame vom Theater auf das Mittagessen in der Kochschule, weil die Probe zu lange gedauert hatte. Der Großherzog hat folgendes Beileidstelegramm an die Damen des Alicefrauenvereins gerichtet: London, 30. Jan. Von ganzem Herzen kann ich Shre fürchterliche Sorge mitempfinden; wenn irgend etwas zur Erleichterung der Kranten notwendig ist, bitte sich an Hofmarschallamt wenden. Ernst Ludwig. Von der Prinzessin Heinrich von Preußen lief ebenfalls eine telegraphische Anfrage ein. Der Oberbürgermeister Morneweg hat ein herzliches Schreiben dem Vorstand des Alicevereins zugehen lassen. * Hessische Geflügelzüchter- Versammlung in Frankfurt. Die zweite in vorigen Monat im „ Deutschen Hof" tagende Versammlung von Geflügelzüchtern und Vogelliebhabern aus dem Großh. Hessen hatte einen noch stärkeren Besuch zu verzeichnen. Die Verhand lungen drehten sich um die Programmberatungen der Mitte März in Offenba a. M. stattfindenden„ Ersten Hessischen Landes Geflügel- und Vogel- Ausstellung". Die Mitwirkung des rheinhessischen, des oberhessischen und des Maingauverbandes, sowie fast aller an einen der Verbände noch nicht angeschlossenen Einzelvereine ist zugesagt. Dem Ehrenaus: schuß sind bereits über fünfzig Herren aus den ersten Kreisen des Landes sowie der Ausstellungsstadt Offenbach beigetreten. Um diesmal den Stand der hessischen Geflügelzucht feststellen zu können, und das Ausstellen allen hervorragenden hess. Züchtern zu ermöglichen, was im Hinblick auf den zu gewinnenden Gesamteindruck von der Geflügelzucht im Großherzogtum erwünscht ist, wurde beschlossen, von der Berufung hess. Preisrichter abzusehen und nur erste Autoritäten außer halb des Landes zu gewinnen. Es werden einheitliche Standgeldpreise für Hühner, Tauben, Wassergeflügel und Konkurrenzfänger( Kanarien) dementsprechend auch gleichwertige Preise vorgesehen. Geflügelhändler werden als Aussteller nicht zugelassen. Ausführliche Programme mit Klasseneinteilung versendet die Geschäftsstelle der„ Ersten Hessischen Landes- Geflügel- Ausstellung" in Offenbach a. M.( G. Winter, Bismarckstraße 86), woselbst auch weitere Auskunft erteilt wird. ** Aus dem Vogelsberg. Ein Landwirt kaufte einem Megger ein Schwein ab, deſſen Gewicht die GemeindeWaage auf 620 Pfund feststellte. Der Meister schien aber cer letteren nicht zu trauen, er wünschte ein Nachwiegen mittelst der städtischen Waage seines Wohnsißes, die maßgebend sein sollte. Die aber ließ den Zweifler schmählich un Stich, ihr Zünglein wich sogar nach der Unglücksseite und leckte dem Verblüfften noch 3 Mt. mehr aus dem Portemonnaie, als er anfänglich zu zahlen gehabt hätte.- Wer den Schaden hat....! * Winke über den Nußen der Geflügelzucht! Der Nußen der Geflügelzucht hängt ab von dem Stall, der Rasse, dem Alter und der Fütterung, im ganzen genommen von der Behandlung des Geflügels. Es heißt nicht umsonst: wer nicht säet soll auch nicht ernten, so ist es auch in der Geflügelzucht. Der Stall soll nicht in den Viehstall, um die Hühner warm sißen zu haben, sondern wenn möglich allein gebaut sein. Denn durch die Ausdünstung des Viehes, welche die Hühner einatmen müssen, fönnen leicht begreiflich Krankheiten entstehen. Auch werden sie im Winter durch die Kälte des Morgens so geschreckt, daß sie das Eierlegen ganz einstellen. Der Stall soll wenn möglich aus Steinen, am besten Tuffsteinen, gemauert sein, wenn aus Holz, dann aber doppelte Wände ausgestopft mit Torfmull oder Lohe. Innen muß er mit Kaltwasser mit etwas Creolin vermischt geweißt werden. Der Fußboden des Stalles soll mit Sand oder Torfmull gestreut sein. Da ist die Hauptsache, welche den Züchtern an's Herz zu legen ist, der Stall ist fast jeden Monat einmal zu reinigen und jedes Vierteljahr einmal zu weißen. Die Sißstangen müssen die Breite von 5-6 Zentimeter haben, an beiden Seiten etwas abgerundet und nicht höher als 1/2 Meter von dem Boden des Stalles angebracht sein, doch soweit von der Wand entfernt, daß sich die Hühner die Schwänze nicht verstoßen; denn es sieht nichts schlechter aus als ein Huhn mit verstoßenem Schwanz. Was die Rassen anbelangt, ist zu empfehlen: Italiener, rebhuhnfarbig, schwarz, gesperbert, gelb, weiß und silberhalsig; Minorfa schwarz und weiß; Wyandottes, silber, gold, weiß, gelb 2c. Dieses sind die besten Nutzhühner für den Landwirt. Man hört öfter sagen, wir auf dem Lande können feine Reinzucht treiben, das ist falsch, man gibt seinem Nachbar eben Hähne von der Rasse, welche man züchtet, oder zäunt einen Hahn mit 5-10 der besten Hennen ein, dann geht es doch. Denn durch die Rassezucht wird die Liebe zum Geflügel erweckt und dadurch auch schon die Geflügelzucht gehoben. Frisches Blut muß jedes zweite bis dritte Jahr eingesetzt werden. Um das Alter der Hühner festzuftellen, lege man Fußringe an, damit man nicht über 4 Jahre alten das Gnadenbrot gibt, denn solche legen noch nicht das Futter raus. Die Fütterung soll folgenderma en stattfinden, morgens Weichfutter, mittags und ehe sie zu Stall gehen, Körner, als Gerfte und Weizen, welches das beste ist. Das Weichfutter fann aus Kartoffeln nnd Weizenschale bestehen, auch können ihnen die Refte vom Mittagstisch darunter gemengt werden. Die Hauptsache aber ist, daß dieses morgens warm gegeben wird. Grünfutter darf nie fehlen, auch ist den Geflügelzüchtern zu empfehlen im Frühjahr und Sommer die Eierschalen zu sammeln und diese den Hühnern im Winter unter das Weichfutter zu bröckeln, oder roh hin zu werfen, denn das wirkt folossal auf den Eierertrag. Sollten die Winke Anklang und Verwendung finden, wird auch der Erfolg nicht ausbleiben und die Hühner auch im Winter ihr Futter durch Eier bezahlen. Auch eine Hauptsache ist es, jeden Abend die Eier aufzuschreiben, denn erst wenn am Schlusse des Jahres der Geflügelzüchter ziffernmäßig den Ueberschuß aus der Geflügelzucht vor sich sieht, wird er ihr Interesse entgegenbringen. Er selbst muß einsehen, daß die Hühner das Getreide besser bezahlen als der Händler. Usingen, 1. Febr. Infolge des stetig wachsenden Verkehrs auf unserer Strecke erweisen sich faft alle Bahnhofsanlagen als zu flein. Aus diesem Grunde sollen auf hiesigem und Bahnhof Anspach bedeutende Gleisverlängerungen borgenommen werden. Hungen, 1. Febr. Seitens der Eisenbahnverwaltung wird die Erweiterung unseres Bahnhofs und des Bahnsteigs geplant. Für die mehr als 36 hier regelmäßig verkehrenden Büge sind die Gleisanlangen nicht ausreichend. Die Kosten des Grunderwerbs sind auf 416 000 Mt. veranschlagt. Gleichfalls soll der Bahnhof in Stockheim erweitert werden, die Kosten betragen 354 000 Mt., die bei beiden Bauten der hessische Staat zu tragen hat. 1 Kesselbach, 1. Febr. Unser seitheriger Bürgermeister wurde bei der Bürgermeisterwohl mit 80 Stimmen( es sind im ganzen 82 Wahlberechtigte hier) wiedergewählt. Es ist die dritte Wahlperiode die unser Bürgermeister antritt. Abends wurde ihm ein Fackelzug gebracht. X Alsfeld, 1. Febr. Zwecks Errichtung einer Kornhausgenossenschaft hatte der Direktor des landw. Bezirksvereins Alsfeld die Landwirte des Kreises Alsfeld und der benachbarten Ortschaften vorigen Samstag zu einer Versammlung in das Deutsche Haus" dahier eingeladen, die außerordentlich stark besucht war. Die Versammlung kam nach eingehender Beratung zu dem Beschluß eine Sternhausgenossenschaft in Alsfeld zu errichten; es wurde sodann das Statut beraten und unterzeichneten dasselbe sofort gegen 60 Landwirte. Auf dieselben dürfen ca. 200 Geschäftsanteile entfallen. Die Wahl des Vorstandes ergab: Gutspächter Deylsen- Dogelrod, Direktor, Gustav Korell- Leusel, Stellvertreter und Eduard Luz- Elpenrod. In den Aufsichtsrat wurden gewählt: Engeland- Altenburg, Pfannstiel- Angenrod, Bürgermeister Korell- Schwabenrod, Schröder Elbenrod, P. H. Korell- Eudorf, K. Simon- Zell. Nachdem die Eintragung der neuen Genossenschaft in das Genossenschaftsregister vollzogen ist, soll sofort mit den Vorarbeiten, der Aufstellung der Pläne usw. begonnen und dieselben so beschleunigt werden, daß die Genossenschaft im Herbst d. Is. den Betrieb eröffnen kann. + Alsfeld, 1. Febr. Der hiesige Gemeinderat faßte den Beschluß in aller Kürze mit der Erbauung des Schlachthauses zu beginnen und die Realschule in eine Ober- Realschule zu erweitern. Des weiteren wird die Verwirklichung zweier Bahnprojekte angestrebt und zwar die Strecken nach Ülrichstein und Nieder- Aula- Hersfeld. ** Frankfurt a. M., 1. Febr. Eine hiesige Firma beabsichtigt eine Bergbahn auf den Melibokus zu bauen. Aus dem Odenwald, 1. Februar. Verschiedenen Lehrern auf abgeleg nen Orten wurden dieser Tage von Staatswegen persönliche Zulagen von 100-150 Mt. gewährt. Breitenbrunn i. O., 1. Febr. Johannes Riedel Eheleute feierten gestern nach 65 jähriger glücklicher Ehe das Fest der„ Eisernen Hochzeit". Der Jubilar ist 87, die Jubilarin 85 Jahre alt. Der Großherzog hat dem ehrwürdigen Paare durch ein Schreiben seine Glückwünsche übermittelt. ▷ Aus dem Rodgau, 1. Febr. In unserer Gegend sind die Wurst- und Schweinefleischpreise neuerdings um 6-10 Pfg. pro Pfd. zurückgegangen. ▷ Mainz, 31. Jan. Zur Kaisergeburtstagsfeier war der„ Schoß“ eines in Kassel liegenden Soldaten, ein Dienstmädchen in Biebrich, herübergekommen. Nachdem es bis gegen 1 Uhr weidlich getanzt hatte, trat es aus irgend welchen Gründen allein den Rückweg an. Auf offener Landstraße in der Nähe der Unteroffiziersschule Biebrich befam es plöglich Gesellschaft: Freund Adebar gesellte sich zu ihm und legte ihm einen gesunden Jungen in den Schooß, dann verduftete er schleunigst. Das Mädchen aber nahm ihr Buby und trabte damit zurück nach Amöneburg, von wo Mutter und Kind wohlbehalten nach Mainz in die Entbindungsanstalt gebracht wurden. + Kassel, 1. Febr. Im Etat für 1904/05 sind Erhöhungen fast sämtlicher Gemeindesteuern vorgesehen und zwar: 100 Proz. Zuschlag zur Staatseinkommensteuer ( bisher 96 Proz.), 150 Proz. zur Grund- u. Gebäudesteuer ( bisher 136 Proz.), 150 Prozent zur Gewerbesteuer( bisher 136 Prozent). Die durch diese Erhöhung erzielte Mehreinnahme ist auf 187 700 Mt. veranschlagt. Geschäftliches. Man soll den Tag nicht vor dem Frühstück loben. Denn lagt auch draußen der herrlichste Sonnenschein wenn man schlecht gefrühstückt hat, ist man für den ganzen Tag verstimmt. Unter einem schlechten Frühstück in hygienischem Sinne ist aber ein solches zu verstehen, das nachteilig auf unseren Magen oder unsere Nerven wirft. Von diesem Gesichtepunkte aus betrachtet, gibt es unter den Getränken nur sehr wenige, die man als gute und hygienisch einwandfreie Frühstücksfost bezeichnen kann. Vor allem ist vor dem täglichen Genuß des foffeinhaltigen Bohnenkaffee, im Anschluß an die Veröffentlichungen des Reichsgesundheitsamtes, entBer genauer Prüfung bleibt eigentlich schieden abzuraten. nur Kathreiners Malzkaffee als ein Getränk, das allen Bersonen unterschiedslos gleichmäßig gut bekommt und sich deshalb wie kein zweites zum täglichen Familiengetränk eignet. Marktberichte. Gießen, 2. Februar. Auf dem heutigen Wochenmarlt lofteten Butter per Pfd. 090-1.00 wer., Hühnereter 2 Stite 14-16 Bfg., Enteneter St. 8 fg., Käse per St. 6-8 Bfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Bfg., Erbsen per Liter 21 Bfg., Vinsen per Liter 32 Pfg., Tauben per Paar M. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Pid. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 62-66 Bfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Bfg. Schweinefleisch gesalzen per Pfund 0.80 Bfg., Kalbfleisch per Pfd. 70-76 Pfg., Hammelfleisch per Bfd. 56-74 Bfg., Kartoffeln pro 100 Kilo 5.50 6.00 mt., Zwiebeln per 3t. Mr. 4.50-5.00, Aepfel per Gentner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Pfg. Dauer der Marktjeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Frankfurter Vichmarkt. Zum Verkauf standen 474 Ochsen 35 Bullen, 680 Kühe und Färsen( Stiere und Rinder), 286 Kälber, 215 Schafe und Hämmel, 1606 Schweine. Aus Desterreich 000 Ochsen. Bezahlt wurde für 50 Kilo Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren Mt. 70-73, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mt. 64 bis 66, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mt. 60-62, d) gering genährte jeden Altecs Mt. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes Met. 64-66, b) mäßig genährte jüngere und Kühe gut genährte ältere Mt. 61-63, c) gering genährte Mr. und Färsen,( Stiere und Rinder): a) vollfleischige, ausgemästete Färsen ( Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes Mt 61-63, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes( bis zu 7 Jahren) Mt. 57-59, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mt. 45-47, d. mäßig genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mt. 42-44, e) gering genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mt. Bezahlt wurde für 1 Pfund a) feinste Mast-( Vollm.- Mast) und ( Lebendgewicht) befte Saugfälber( Schlachtgewicht) 82-84 Pfg. 48-50 fg., b) mittlere aft- und gute Saugfälber( Schlachtge wicht) 73-76 Pfg.,( Lebendgewicht) 46-49 Pfg., c) geringe Saugfälber 60-62 Pfg., d) ältere gering genährte Kälber( Fresser) Bfg., Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel 68-70 Pfg., b) ältere Masthämmel 53-57 Pfa., e) mäßig genährte Hämmel und Schafe( Märzschafe) 49-51 Pfg. Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1 Jahren ( Schlachtgewicht) 52 Pfg.,( Lebendgewicht) 41 Pfg., b) fleischige wickelte, sowie Sauen und Eber( Schlachtgewicht) 42-44 Pfg., ( Schlachtgewicht) 51 Pfg.,( Lebendgewicht) 40 Pfg. c) gering entLebendgewicht-, d) ausländ. Schweine unter Angabe der HerPfg. Das Geschäft in Hornvieh war gut und ist der funft Markt geräumt. Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechfoal": Fr. Oppermann Einladung. Die Vertreter der Vereinsgemeinden werden zur ordentlichen Haupt- Versammlung, Bekanntmachung. Betr. Ausführung des Gesetzes betreffend Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. Nach§ 10 des rubrizierten Gesetzes- abgedruckt im Gießener Anzeiger Nr 150 vom 23. Dezember 1903 haben die Arbeitgeber, die Kinder(§ 2) in gewerblichen Betrieben regelmäßig, wenn auch nur in Zwischenwelche Freitag, den 19. Februar 1. I, nachmittags 3½ Uhr im Saale der höheren Mädchenschule zu räumen wiederkehrend, beschäftigen, vor Beginn der BeGießen( Schillerstraße) stattfindet, ergebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Mitteilung des Ergebnisses der Oberrevision der Rechnung für 1901 durch Großh. Ober- Rechnungskammer. 2. Desgleichen des Ergebnisses der Vorprüfung der Rechnung für 1902 durch den bestellten Revisor. Entlastung des Rechners. 3. Mitteilung des Ergebnisses der stattgehabten Kassenrevision. 4. Verteilung des Reingewinns und Bewilligung der Mittel a) zur Prämiterung von Dienstboten, b) zur Prämiierung von Sparern, c) zu wohlthätigen und gemeinnüßigen Zwecken. 5. Bewilligung der Kosten für die Pfennig- Sparkasse.. 6. Beratung und Festsetzung des Voranschlags für 1904. 7. Wahl von Verwaltungsratsmitgliedern. 8. Wahl von drei Sparkassenvertretern. I'd do mebe ni og all that rogut bio misioning adj.one 10 rost 3s bio ionnsu 9. Die Hessische Landeshypothekenbank, hier: Beteiligung der Sparkassen als Aktionärin. med Gießen, den 30. Januar 1904. Der Direktor der Spar- und Leihkasse Gießen. ,, Contentia" ( Wohltätigkeitsverein.) Wiener. Sonntag, den 7. Februar, s Ubr, 11 min. abends Grosser Maskenball mit Jahrmarktsrummel in sämtlichen festlich dekorirten Räumen des., Neuen Saalbanes." Nur Mitglieder und eingeladene Gäfte haben Zutritt. Erstere haben Vereinsabzeichen zu tragen, leßtere Einladungskarten vorzu zeigen. Geheimkarten für Obige sind beim 1. Vorsitzenden C. Wagner, Ebelstraße und beim Kaufmann E. Borrmann, Neustadt zu haben. Nichtmastierte haben sich am Saaleingang mit Maskenabzeichen zu versehen. Der Vorstand. Räumungs- Ausverkauf. berkaufe Wegen Umzug von Wolkengaffe 20 nach Schloßgaffe 5 sämtliche Schuhwaren aus hochfeinen Borcalf- und sonstigen Ledern, sowie prima Harburger Gummischuhe 15% Rabatt. gegen bar Johannes Hecker, Schnellbesohlanstalt. Wolkengasse 20. - Gießen. Schloßgaffe 5. Kalk- und Marmerwerke, Dampfziegelei, August Gabriel jr., Giessen Hülsenfrüchte von ausgezeichneter Kochart als: Linsen Bohnen, weise Erbsen, gesch. Erbsen, ungesch. Erbs n, grüne holl. ferner: Sauerkraut Salzgurken Essiggurken empfiehlt Robert Stuhl Gießen, Neustadt 23. NUBERTROFFEN Waschen und Putzen NUR MIT WASCHET BISETZLICHL NAUMANNIA SEIFE GESCHUT Massenfabrikation. Bahnanschlüsse. Werke Abendstern. Telephon Nr. 84. CNAUMANN OFFENBACHE Holz- Versteigerung schäftigung diesbezügliche schriftliche Anzeige bei uns zu erstatten. Diese Verpflichtung liegt sowohl den Arbeitgebern ob, die fremde Kinder beschäftigen, als auch solchen, die eigene Kinder für Dritte beschäftigen( cf.§ 3). Die Anzeige muß enthalten die Angabe über: 1. Vor- und Zunahmen des Kindes; 2. Tag und Jahr der Geburt des Kindes; 3. Letzten dauernden Aufenthaltsort des Kindes; 4. Name, Stand und letzten Wohnort des gesetzlichen Vertreters( Vaters, Vormundes 2c.); 5. Art des Betriebes des Arbeitgebers; 6. Beschäftigungsart des Kindes. Unterlassungen werden in jedem Falle nach§ 26 des Gesetzes mit Geldstrafe bis zu 30 Mt. geahndet. Grünberg, den 30. Januar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer. Bekanntmachung. Betr.: Maßregeln zur Abwehr der Maul- und Klauenseuche, sowie der Schweinepest. Mit Rücksicht auf erneutes Auftreten der i. Gießner Stadtwald. Schweinepest in benachbarten Kreisen wird das BerFreitag, d. 5. Februar 1904 bot des Hausierhandels mit Schweinen für den vormittage 9 Uhr Kreis Gießen zunächst bis zum 1. April 1. Js. verbeginnend, werden im Gießener längert. Stadtwald in den Distrikten Gießen, den 30. Januar 1904. Waldshute, Oberhag Unterhag versteigert: 11 Rm. Eichen- Scheitholz Nadel-" und Eichen- Knüppelholz NadelH Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Dr. Kranzbühler. Eichen- Stockholz zerft. Betr.: Wie oben. 3 13 " 166 10 7 " " 1 gew. 48 Nadel" " 45 " get. 370 Wellen Eichen- Reisig Nadel1840 Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der 4. Schneise. Gießen, am 27. Januar 1904. Gr. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Ein reiner Vogelsberger Zuchtbulle 17 Monate alt, zu verkaufen. W. Peppler I, Rodheim a. d. Bieber. Gießen, den 30. Januar 1904. Das Großherzogl. Kreisamt Gießen an sämtliche Ditspolizeibehörden des Kreises. Wir beauftragen Sie, die vorstehende Bekanntmachung in Ihrer Gemeinde alsbald in ortsüblicher Weise zu beröffentlichen. J. V.: Dr. Kranzbühler. Verdingung. Das Seßen und Reinigen der Defen in den städtischen Gebäuden im Rechnungsjahr 1904/05 foll Montag, den 8. Februar d. Js., Vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Die Bedingungen liegen während der Dienststunden bet uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der Städt. Wohnungsnach- baselbst erhältlich, find bis zum genannten Termin bet uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 1. Februar 1904. weis Gießen. Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 14. Geschäftsstunden von 8-1 und bon 3-6 Uhr Es sind zu vermiet.: 50 Wohnung von 1 bis 9 Zim., 3 möbl. 3im. 0 unmöbl. Zimmer, Zimmer zur Aufbewahrung von Mobiliar. Zu mieten gesucht: 30 Wohnungen von 1 bis 7 Zimmern. Die Vermieter haben eine Einschreibgebühr zu entrichten und zwar für eine Wohnung mit einem jährlichen Mietwert bis 300 Mr. einschließlich 0.20 Mr., von mehr als 300 Mr. bis 500 mt. einschließlich 0.50 Mt., und von mehr als 500 Mt. 1.00 Mt.; außerdem ist für jede Wohnungsanmeldung 1.00 Mt. zu hinterlegen. Mark. Zöpfe, Scheitel, Frisets, Toupe werden naturgetreu angefertigt und aufgearbeitet. Städtisches Hochbauamt. J. V.: Gerbel. Ackerverpachtung. Die 2 neulich verpachteten Pfarräcker, für die rechtzeitig Nachgebote eingelegt worden sind, sollen nochmals verpachtet werden. Es sind die Aecker: qm 1. Acker am Altenfeld, Flur 15, Nr. 127, 5254 q 2. Acker, die Leimenfaut( unweit des Feldschlößchens, an der Rodheimerstraße) Flur 38, Nr. 236, 3829 qm. Die Verpachtung soll stattfinden am nächsten Mittwoch, den 3. Februar, vormittags 11 Uhr, im Konfirmandensaale der Johanneskirche. Gießen, den 30. Januar 1904. Damen Kopfwaschen O Spezialität: Grane und weiße Haar- Arbeiten. H. Tichy. Gießen Seltersweg 43, Ecke Göthestrasse Wer Stelle fucht, verl. dte Deutsche Vakanzenpost' Eklingen Der evangelische Gesamt- Kirchenvorstand. Dr. Naumann. Für Bäcker! 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Gießen, Bismarckitrake 17. Einf. möbl. 3immer zu vermieten Bleichstraße 10, Hinterh. 2 Tr. allerdings ihre Bedingungen. Sascha muß bei schönem Wetter täglich mindestens 3 Stunden in der frischen Luft fein, fodann wollte fie fich in der Woche einmal nach dem AUS FERNEN ZONEN Nr. 25. Dienstag, den 2. Februar 1904. inderarbeit eahndet. e nad§ 26 berg. nd Klauen(.Js. ver nt für den d das Ber: ceten der uar 1904. her Weise zu Bekanntmach Kreises. Gießen 11 Uhr 4/05 foll jen in den Termin bei Ordruck, der ienſtſtunden allerdings ihre Bedingungen. Sascha muß bei schönem Wetter täglich mindestens 3 Stunden in der frischen Luft sein, sodann wollte sie sich in der Woche einmal nach dem Wohlbefinden ihres Lieblings bei mir erkundigen. Auch darin willigte ich schließlich ein. Thusnelda ging nun mit mir die Lebensgewohnheiten Saschas auf das genaueste durch. Ich mußte mir alle Lieblingsspeisen notieren, ebenso wie jene Gerichte, gegen die Sascha eine unüberwindliche Abneigung empfand. Ich versprach ihr alles getreulich zu erfüllen und empfahl mich, mein neues Besitztum an der Leine hinter mir herziehend. Auf der Treppe ruft mir Thusnelda noch nach, ich soll nur nicht vergessen, gleich die Hundesteuer zu entrichten. Das war der erste Wermutstropfen in den Freudenkelch. Mit Sascha noch nicht an der Haustür und schon ein Goldfuchs fort. Doch es sollte noch ganz anders kommen. Ich gehe aufs Postamt, um eine Marke zu kaufen. Das Mitbringen von Hunden ist verboten" besagt das Plakat und so werde ich höflichst hinauskomplimentiert. Kaum habe ich den kleinen Aerger heruntergeschluckt, als ein Dienstmädchen mit dem Marktkorbe über die Hundeleine stolpert und der Inhalt des Korbes die Straße bedeckt. Das Mädel hatte sich glücklicherweise nichts getan. Ihr ein Markstück in die Hand drückend, entziehe ich mich und Sascha eiligst den Schmährufen des Pöbels. Griesgrämig blieb ich den Abend zu Hause und wollte ihn gleich meiner Sascha weihen. Merkwürdig aber, so artig sie bei ihrer alten Herrin gegen mich war, hier in meinem Heim schien sie mich nicht respektieren zu wollen. Auf meine Liebkosungen antwortete sie nur mit Zähnefletschen und ehe ichs mich versah, hatte sie mir eine blutende Wunde am Zeigefinger der linken Hand beigebracht. Meine Wirtin verbindet ihn mir, meinen neuen Zimmergenossen mit nicht sehr liebevollen Blicken betrachtend. Sascha hat sich ohne Zweifel nicht sehr gut bei mir eingeführt. Aus alten Decken und Kissen mache ich Sascha ein Lager Aber statt zu ruhen, stimmte sie ein geradezu jämmerliches zurecht, über das zu klagen sie wirklich keine Ursache hat. Geheul an. Ich machte die ganze Nacht kein Auge zu, erst gegen sieben Uhr duselte ich etwas ein. Na, das kann ja heiter werden, sagte ich mir, als ich mir am nächsten Morgen noch schlaftrunken die Augen rieb. Saschas wildes Gebell machte mich jedoch bald munter. Nach vielen Bemühungen gelang es mir, sie durch Liebkosungen und Zucker zu beruhigen. Aber erst der Tag sollte mir die Freuden eines Hundeliebhabers zeigen. Im Café wies man mir mit meiner Begleitung höflich die Tür. Mittags im Restaurant ließ man mich zwar nachsichtig hinein, doch wollte man sich nicht dazu verstehen, mir Sascha zu servieren. Gekränkt verließ ich das Lokal, ich hatte ja Thusnelda mein heiliges Versprechen gegeben, nie ihres Schüßlings Wohl aus dem Auge zu verlieren und so ging es weiter. Eine Woche hatte ich mich schon mit dem Tier herumgeplagt, da erschien Thusnelda, sich nach ihrem Schüßling zu erkundigen. Ich erzählte ihr aules. Sie hat nicht die richtige Ernährung, gehen Sie statt drei Stunden täglich vier Stunden mit ihr spazieren," war ihre Antwort. Ich suchte ihr verständlich zu machen, daß es das beste wäre, wenn sie Sascha wieder zu sich nähme, ich bat, ich flehte alles vergeblich. Mit der ihr eigenen Ruhe suchte mir Thusnelda klar zu machen, daß eine Rücknahme für beide Teile unvorteilhaft wäre. Eine wahre Abneigung empfand ich jetzt gegen dieses Tier, das mir mein Leben so verbitterte. Keinen Schritt konnte ich tun, ohne daß seine Gegenwart sich mir nicht unangenehm bemerkbar machte. Um mich des Tieres zu entledigen, griff ich schließlich zu einem Verzweiflungsmittel. Ich begebe mich mit Sascha in den dichtesten Trubel der Friedrichstadt und versuche ihr dann zu entkommen. Aber morgens beim Erwachen hörte ich von draußen das mir so vertraute Gebell zwei kleine Mädchen bringen mir Sascha zurück. Da gab ich denn gestern folgendes Inserat auf: Pudelhündin, Prachieremplar, fehlerlos, zutraulich, an!, änglich, ganz besonderer Umstände halber zu verschenken. Darunter meine Adresse. " Jetzt bin ich dabei, meinen Rache durst an der MenschI eit zu fühlen und harre mit Wonnegefühlen der Bewerber um ineine Pudelhündin. AUS FERNEN ZONEN Malayische Kriegssikken. Die Kriegserklärung unter den Eingeborenen des malayischen Archipels, die dem häufig eintretenden und lange währenden Kriegszustande vorausgeht, hat merkwürdige und ganz bestimmte Formen, in denen sich ausspricht, daß der Krieg unter diesen Wilden nicht in blinder Wut und Leidenschaft, die alle Rücksichten beiseite setzt, sondern in nobler, ritterlicher Weise, mehr aus Liebhaberei als Sport geführt werde. Der Batta kündigt durch Fehdebriefe den Krieg an. Er verhandelt tagelang lebhaft und in feuriger Rede unter Schlichtungsversuchen benachbarter Häuptlinge, ehe er zu den Waffen greift, und schließlich entscheidet der erste Tote über Sieg oder Unterliegen. Ein Fehdebrief aber besteht aus einem handlangen Bambusrohre, worauf Beschwerde und Kriegserklärung geschrieben sind, einem Bündel Stroh, Brandlegung bedeutend, einem aus Bambus geschnitzten Messer, welches an das Halsabschneiden erinnert, einer aus Bambus geschnitten Lanzenspitze zur Verdeutlichung des Stoßes ins Herz- was alles in einem Bündel nachts bei dem Feinde an leicht sichtbarem Drte aufgehängt wird. Die Alfuren auf Ceram warnen ihre Opfer, ehe sie sich in den Hinterhalt legen, durch Beschädigung ihrer Fruchtbäume und durch Einstecken abgebrochener Zweige des Kadiehobaumes in den Boden. Bei den Jlongaten auf den Philippinen bedeutet ein Bündel Pfeile oder Besprengung des Weges mit Blut Krieg. Aber nach dieser Erklärung bricht dennoch der Krieg nicht aus, wenn nicht innerhalb acht Tagen eine entschieden feindselige Tat begangen wird. Kr: egerischer Sinn ist den Malayen überhaupt nicht abzusprechen, das beweisen schon die tausende, dem Seeraube ergebenen Bugi und Alfuren, sowie die kühnen Sklavenräuber an den Küsten Neuguineas, wenn auch ganze große Völkerschaften, wie die Javanen, in langer Unterdrückung und unter der Last der Fronen entnervt sind. Die Eingeborenen Borneos sind geborene Krieger. Was ihren Waffen an moderner Vollkommenheit fehlt, wird dadurch ersetzt, daß sie vollkommen der Natur des Landes entsprechen und mit Geschicklichkeit gehandhabt werden. Schon die Erziehung der Knaben geht auf Weckung der kriegerischen Tüchtigkeit aus. Kriegstänze, religiöse Weihen ausziehender Krieger, Behängen mit Talismanen, auf Timorlaut das Verschlingen eines Schmetterlings, um Schnelligkeit zu erlangen und ähnliches helfen den Mut stärken. Auch die Weiber und selbst die Kinder nehmen vielfach am Kriege teil. Merkwürdig ist die Sitte der Batta, zu ihren Kriegen Borkämpfer von weither, z. B. aus Atschin, kommen zu lassen, die, je weiter sie hergeholt werden, desto mehr Vertrauen erwecken genau, wie sichs bei uns Höchstzivilisierten mit gewissen Mode- oder Literaturwaren verhält. Nach beendigtem Kriege wird der Friede noch heute häufig durch Menschenopfer besiegelt, wie Blutvermischung, welche die Freundschaft der Männer zur Blutbrüderschaft erhebt. Nach kleinen Streitigkeiten des täglichen Lebens bildet dagegen die Sirihbüchse das ausreichende Mittel und Symbol der Verständigung, wie anderwärts die Pfeife oder Rumflasche. es Buntes Allerlei. Ein eigenartiger Fischfang wird in dem nordamerikanischen großen Columbiafluſſe betrieben. In der Mitte der Strömung werden zahlreiche Schaufelräder quer zum Strome aufgestellt, die bei ihrer Drehung die Fische fangen und in große Tröge am Ufer schleudern. Hier werden vorzüglich die Lachse verpackt und überallhin versandt. Zuweilen wurden auf diese Weise an einem Tage gegen 100 Zentner Fische gefangen. Kameele als Ackertiere. Nicht nur bei den Turkmenen, sondern auch bei den Russen, und zwar in den Gouvernements Orenburg, Astrachan, Stawropol, Taurien und im südlichen Teil des Dongebiets, in der Krim und in zwei Kreisen des Gouvernements Samara wird das Kameel mit Erfolg für Feldarbeiten benutzt. Viele bäuerliche Wirtschaften besitzen außer Kameelen kein anderes Arbeitsvieh und auch die Gutsbesitzer ziehen Kameele Ochsen und Pferden vor. In geringerer Zahl kommen Kameele auch in den Gouvernements Charkow, Pultava, Woronesch, Saratow und vielleicht in noch anderen Gegenden des europäischen Rußlands vor. Gegen Kälte unempfindlich und nur Feuchtigkeit des Bodens fürchtend, tönnen Kameele in fast ganz Rußlan' leben Nr. 25. Dienstag, den 2. Februar Oberhessische Familienze Cägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. evad ni. Beslag hos Stefren Briegsbrade, vorm. Bil. ReBore novel( g. 1788); ( 22. Fortsetzung.) Der Beuge. Roman von Marie Bernhard. Hilda fühlte zu ihrem Aerger, daß sie jählings errötet war, und, wie das meistens beim Rotwerden zu gehen pflegt, je mehr sie darnach ſtrebte, unbefangen auszusehen, desto mehr verwirrte sie sich. Wunderschön sah sie aus in dieser peinlichen Bestürzung, und Hellmut vergaß die Schale mit Früchten, die er gerade in der Hand hielt, weiterzugeben und starrte sie wie verzaubert an. Kein Wunder," mußte er denken, wenn sie diesen exzentrischen Freier jetzt endlich dennoch erhört! Ein Anbeter, der ihr eine solch eklatante Probe seiner Liebe zu kosten gibt, daß er ihretwegen über das Weltmeer segelt, um ihr abermals sein Herz und seine Millionen zu Füßen zu legen, findet sich nicht alle Tage und ist wohl imstande, selbst ein stolzes, eigenwilliges Mädchenherz zu rühren!"- Aber während Hellmut dies dachte, fühlte er sich von einem wilden Born und Gram ergriffen, daß es ihn von Kopf bis Fuß durchrüttelte; gewaltsam fast machte er seine Augen von dem schönen, errötenden Mädchen los und sprach während der weiteren Mahlzeit keine Silbe mehr. Walter Ermshagen geleitete seine Schwester sonst jedes mal bis in ihre Zimmer; jetzt aber, da die Abende so schön wurden, pflegte Hilda nach dem späten Diner noch ein wenig in den Park zu gehen, der, von schönen Coniferen, hohen Kamelienbäumen und immergrünen Kamelienhecken bestanden, einer der größten und prächtigsten von ganz Yokohama war. Hellmut folgte der leichten weißen Gestalt, wie sie zwischen diesen immergrünen Hecken verschwand, sehnsüchtig mit den Blcken, allein er bezwang sich, schlug den Weg zu seiner Wohnung ein und rief Hot- sumi, das Satteln zu bestellen, er wolle ausreiten. Walter dagegen, durch eine kurze Rücksprache mit seinem Chef noch im Speisezimmer festgehalten, eilte, seine Schwester einzuholen, und er fand sie auf einer Bank sipend, die von einer prachtvollen Zeder beschattet wurde. Du gestattest!" sagte er und setzte sich neben sie. Sie nichte nur, antwortete aber nicht. Da sie das Gespräch nicht anfing, so begann der Bruder endlich:„ Nun, was sagst du?" Hilda bewegte ein wenig unmutig die Schultern. Was soll ich sagen? Herr Demetrius Vanescu wird mir in Mokohama nicht anders erscheinen, wie er mir in Hamburg crschienen ist. Der Mensch bleibt doch ganz derselbe!" „ Das schon! Aber durch sein Erscheinen hier in Japan hat er dir den denkbar größten Beweis einer anscheinend idlich ungewöhnlichen Liebe geliefert. Sollte das dein Berz gegen ihn nicht etwas mehr erweichen?" ,, Nein, das tut es ganz und gar nicht! Weite Seeen sind für Männer vom Schlag des Herrn Vanescu weder eine Gefahr, noch ein besonders wichtiges Unternchmen, sondern einfach eine Art von Sport, der ihnen gons geläufig ist und durchaus nichts Ungewöhnliches bebeutet. Ich bin fest überzeugt, daß der Baron um eines ivonen, seltenen Pferdes willen ebenso ruhig nach Ceylon oder den Kurilen segeln würde, wie er jegt um meinet willen nach Japan gesegelt ist. Er ist Egoist durch und 1904. ( Nachdruck verboten.) 7 durch, er jagt dem unermüdlich nach, was er für sein ück hält. Ich finde das verzeihlich, aber nicht besonders terführerisch! Er hat nun einmal seinen Kopf darauf geseßt, mich mit allen ihm zu Gebot stehenden Mitteln zu erringen, koste es, was es wolle. Ich setze ebenso meinen Kopf darauf, an mich und mein Lebensglück zu denken, wie er an sich und das seine, und mein Glück ist nicht bei Herrn Vanescu zu suchen. Ich finde, die Partie steht ganz gleich, und beide sind wir in unserem Recht, ich mehr noch als er, denn ich habe ihm deutlich genug gezeigt, daß ich ihn nicht will! Seine Ankunft läßt mich ganz falt, ich ärgere mich nicht einmal darüber, denn hier in Yokohama fann er deiner Stellung nicht weiter schaden, man ist hier an ganz andere Abenteuer gewöhnt, und er kann uns durch seine auffallenden Manöver nicht von hier vertreiben, wie er uns leider von Hamburg vertrieben hat!" ,, Du bist verzweifelt verstandeskühl, Hilda!" „ Meinst du? Es käme vielleicht doch darauf an! Leute wie Herr Vanescu können mir allerdings nicht gefährlich werden! Mögen mich die Männer doch in Gottes Namen in Ruhe lassen, ich will ja nichts von ihnen!" dein Feind Nein, das tust du nicht, mein Kind, muß es dir lassen. Du müßtest eine schwarze Sammetmaske vor dem Gesicht tragen, um nicht so viel Unheil an zustiften, ich sagte es neulich schon zu Norden junior!" ,, So hast du ihm erzählt „ Die Geschichte mit dem Ungarn? Ja! Sollte ich etwa nicht? Ich berichtete ihm, warum wir von Hambur fortgingen, Hendrichs hatte ihm nichts davon geschrieben. Er bewunderte deine Schönheit-" ,, Wer? Hendrichs?" " Unsinn! Hendrichs! Norden junior natürlich, und se kam es, daß ich ihm den kleinen Roman erzählte!" Und was sagte er dazu?" " Nun, er schien sehr erbaut von deinen Prinzipien. Ueberhaupt will es mir zuweilen scheinen,... wohin denn mit einemmal?" Hilda war rasch aufgestanden. Ich möchte eine kleine Promenade machen! Man kommt ja nur eben vom Sitzen!" Walter Ermshagen folgte ihr, die sehr eilfertig daherschritt, bequemen, langsamen Schrittes nach.„ Aha!" dachte er und pfiff ganz leise vor sich hin. Hätte dein Stündlein vielleicht doch geschlagen, junge Turandot? Am .. zu verwundern wär's nicht! Ein merkwürdig reizender Mensch, dieser Hellmut Norden!" Ende Schon am folgenden Tage gegen fünf Uhr es war dies die übliche Visitenstunde in Yokohama ließen sich zwei Herren, George Sydney, Earl of Stratmore" und ,, Demetrius Vanescu" schlichtweg bei Fräulein Ermshagen melden. Hilda saß, bereits zum Diner angekleidet, mit einem französischen Buch in ihrem kleinen Salon, als ihr Tommy, der japanische Bediente, mit wichtiger und gravitätischer Miene die beiden Visitenkarten auf einem Tablet präsentierte. Sie warf einen raschen Blick darauf und war ganz auf ihre Antwort vorbereitet. sollen noch er, für die Nr. 236, Schlößchens, 7, 5254 qm im Kon ften Mitt 0000 vorstand. Je Expedition 0000 liche unab when die Be anonyme Off. Herrn zweck8 S.w. 12 pofti. teten Rimmer Stod, mit enweg 28. bermieten. tenanteil, foFamilienBimmer nterh. 2 Tr. vom 12. Dirjenigen Luruswagen, Wagantoma Betr.: Die Aus lich aufgeftel werken, welche entrichtet haben Ende Febru richtung de diesem Termine Die Groß und Radfahrtar Kreises werden Gießen, d und sodann dre üblich befonnt n 19 Unter der zu Geilshausen hoftiperre ange Betr.: Schwein Gießen, 6 Dorf- G Bei einem Betr.: Rollauf Schweinerotlauf Siegen, இ ,, Sage den Herren, ich ließe bedauern, sie nicht annehmen zu können. In den Stunden, da mein Bruder, Mr. Ermshagen, in Geschäften abwesend sei, empfinge ich keine Herrenbesuche. Du hast richtig verstanden, und wirst wörtlich bestellen, nicht wahr? Ich weiß, auf dich kann ich mich verlassen!" - Tommy hob sein intelligentes Gesicht mit einem schlauen Blinzeln zu seiner Herrin empor, er hatte sich in der Tat mit der den Japanern eigenen Begabung überraschend schnell in die europäischen Sitten gefunden, die ihm nichts destoweniger immer noch zur innerlichen Verwunderung Anlaß boten.„ Seltsame Menschen, diese Fremden!" dachte der Japaner, während er das Tablett wegsetzte und sich fachte rückwärts schlängelte. Im Grunde imponierte ihm die Kaltblütigkeit, mit der seine junge Herrin zwei so reiche und vornehme„ Fürsten", von denen Hot- sumi Wunderdinge zu erzählen wußte, ohne weiteres vor der Tür abfertigte, einfach, weil es ihr nicht beliebte, sich sprechen zu lassen! Tommy, der den einstigen Nikadar vollständig abgestreift und sich in einen perfekten englischen Diener um gewandelt zu haben glaubte, richtete wirklich die ihm aufgetragene Bestellung Wort für Wort aus, mit ehrbar gesenkten Augen, aber einem malitiösen Schmunzeln um die Lippen. Als die Herren davongingen, grinste ihnen Tommy vergnügt nach. Er amüsierte sich gut. Bei Tisch fand Hilda, als der dröhnende Ton des ,, Gongs", der großen, im Flursaal aufgehängten Erzplatte, sie in das luftige Speisezimmer gerufen hatte, zwei Kuverts mehr als gewöhnlich gelegt, und eine unbehagliche Vorempfindung sagte ihr, daß diejenigen, die sie vor einer guten Stunde abgewiesen hatte, ihr jetzt bei Tisch gegenüber ſizen sollten. So war es in der Tat, und es war, nach allgemeinen Begriffen, weiter nichts Merkwürdiges dabei. Die Herren hatten Empfehlungsbriefe aus London an Norden ſenior gehabt, und dieser hatte sie, als sie ihm dieselben am späten Vormittag überbracht, ohne weiteres zu Tisch gebeten, wie er das mit zahllosen Europäern schon zuvor getan hatte. Die Herren waren auf Yokohama fremd, sein Londoner Geschäftsfreund bat ihn gewissermaßen, für sie zu sorgen, sein Haus übte stets Gastfreundschaft im erschöpfendsten Maß und fand dies nicht mehr wie selbstverständlich eine Einladung zum Familiendiner war nur der Anfang der Höflichkeiten, die Frizz Norden den beiden Reisenden zu erweiſen_gedachte. Hilda kam rasch über ihre unangenehme Empfindung hinweg. Einmal am Ende mußte eine erste Begegnung stattfinden, da war es besser, es geschah vor Zeugen, als unter vier Augen. Als jetzt die Erwarteten durch die gegenüberliegende Tür eintraten, gewahrte sie hinter denselben Hellmut Norden, und als sein Blick ihr unruhig und erwartungsvoll entgegenflog, lächelte sie ihm zu, und dies Lächeln hieß, in Worte übersetzt:„ Sei ruhig! Du hast nichts zu befürchten!" Norden senior erledigte die Vorstellung der neuen Anfömmlinge in seiner stattlich- höflichen Manier, Demeter Vanescu ließ ihn ruhig aussprechen, dann trat er auf Hilda zu. - Ich nehme das Recht einer alten Bekanntschaft für mich in Anspruch, Miß Ermshagen!" sagte er in französischer Sprache und beugte sich tief auf die Hand der jungen Dame herab. Frizz Norden horchte gespannt auf bei dieser Ertennungsszene und heftete einen hoffnungsvollen Blick auf das bei einanderstehende Paar; als er Hildas kalten Ausdruck und ihr konventionell höfliches Gesicht sah, seufzte er fast unmerklich in bitterer Enttäuschung und wandte sich dann ab. Demeter Vanescu hatte eine eher kleine und ziemlich schmächtige, dabei aber nervige Gestalt, der sich große körperliche Gewandtheit zutrauen ließ, sein schmales gebräuntes Gesicht wurde von einem Paar unruhig funkelnder schwarzer Augen belebt, Haar und Bart waren gleichfalls tiefschwarz, mit bläulichen Schattierungen durchsetzt, das Gesicht, das man nicht ohne Interesse ansehen konnte, zeichnete sich durch ein merkwürdig zuckendes, bewegliches Mienenspiel aus, man konnte darauf schwören, daß es innerhalb einer Minute mehrmals den Ausdruck wechselte. Die Kleidung war, obgleich gewählt, doch von einer gewissen studierten Nachlässig feit, was um so mehr auffiel, als der Earl of Stratmore sich einer auffallend korrekten äußern Haltung und Gewanbung befleißigte. Aeußerlich boten die beiden Freunde die stärksten Gegensäge: des Engländers Gesicht erschien unbeweglich, wie aus Holz geschnitten, seine Bewegungen waren gemessen, Haupt- und Barthaar so weißblond, daß man Mühe zu hatte, ihr Dasein überhaupt entdecken. Dieser Kerl sieht aus," dachte der unehrerbietige Koßmann bei sich, während er seinen Platz am untern Ende der Tafel einnahm, wie in meiner ostpreußischen Heimat ein Gebäck mit Namen Zwieback, das man über und über in dünne Milch getaucht hat. Geht mir mit euren Millionen! Unser Junior hat vielleicht deren drei oder vier weniger als ihr, aber dafür hat ihm unser Herrgott auch einen ganz andern Empfehlungsbrief ins Angesicht geschrieben. Wäre ich ein Frauenzimmer, ich verliebte mich ja Hals über Konf in ihn, und, ich weiß nicht so wenig ich auch unsere schöne Miß Hilda persönlich fenne... fast traue ich ihr den guten Geschmack zu, daß sie das auch fertig bekommt!" Indes war eine ganz herkömmliche Konversation zu stande gekommen, über die Reise der beiden Herren, über die Vorzüge ihrer Jacht, das neue englische Hotel, in welchem sie hier in Yokohama logierten, und sonstige naheliegende Dinge, aber während dessen flackerten die unruhigen Augen des Ungarn unausgesetzt von Hilda zu Hellmut Norden, von diesem wieder zu ihr zurück. Im übrigen machte Demeter Vanescu hier ebensowenig wie in Hamburg aus seinen Gefühlen für das schöne Mädchen ein Hehl. Er richtete seine Reden fast ausschließlich an sie, ließ seine Blicke eine sehr unzweideutige, beredte Sprache führen und trug seine Leidenschaft so offen zur Schau, daß die ganze Tafelrunde notwendigerweise davon Kunde bekam. Den wenigen Herren vom Nordenschen Geschäft, die zur Tafel zugezogen wurden, machte das Schauspiel, dessen Zeugen sie waren, ungeheures Vergnügen, sie hatten sich, mit Ausnahme des einen jungen Mannes, der seine Braut in Europa hatte, ſamt und sonders für die schöne Hilda begeistert, nur platonisch natürlich", da sie alsbald merken mußten, daß sich ihnen keine Chancen boten, aber die Tatsache, daß ein Anbeter ihretwegen bis nach Japan kam, war doch wirklich romantisch und des Erlebens wert! Im Lauf der Unterhaltung teilte Fritz Norden seinen Gästen mit, daß am folgenden Tage eine kirchliche Beremonie in Ossatuse, einem Stadtviertel Tokios, stattfinde, die für sie, als Fremde, vielleicht von Interesse sei, man beschloß, in pleno hinüberzufahren, um sich das merkwürdige Schauspiel anzusehen. und Und während man lebhaft sprach und disputierte, zuletzt über die Religion der Japaner, tauschten Hellmut und Hilda dann und wann einen kurzen, warmen Blick,— nichts weiter, aber er genügte ihnen. Der Bann, der über ihnen gelegen, war gebrochen wie durch Zauber war mit dem Erscheinen des Ungarn ein köstliches, stilles Einverständnis zwischen ihnen aufgewacht, und indessen Hellmut das Glaubensbekenntnis des japanischen Volkes, das aus einer Mischung des Buddhismus und Confucius besteht, auseinanderzusehen bestrebt war, und wirklich gut und anschaulich sprach, sandten seine Blicke eine rasche und verstohlene Botschaft nach der andern zu Hilda hnüber, und in diesen schönen Augen war wieder der goldene Sonnenstrahl eingefangen, der sich so leicht die Herzen gewann. Von Andacht und Glaubensfreudigkeit war nichts auf den Gesichtern der eleganten europäischen Gesellschaft zu lesen, die am folgenden Tage in Ossatusa, einem ziemlich abgelegenen Stadtteil Tokios, anlangte, um sich in den daselbst befindlichen großen japanischen Tempel zu begeben. Wie sollte es auch anders sein! Steht doch der protestantische Gottesdienst mit seiner ernsten Würde, seiner vollständig nach innen gekehrten Richtung im strengsten Gegensatz zu dem lärmenden Prunk und den grellen Aeußerlichkeiten, aus denen sich der Kultus der Japaner zusammensetzt! Nur Neugier und staunendes Befremden malten sich in den Blicken, welche jetzt auf einer langsam heranziehenden, weißgekleideten Pilgerschar ruhten, die, Gebete murmelnd und mit den von ihren Gürtein niederhängenden Glocken läutend, vorüberging, gesenkten Auges, ohne die beiseite stehenden Fremden" auch nur eines flüchtigen Blickes zu würdigen. Der spanische Vizekonsul samt seiner mißmutigen Gemahlin war selbstverständlich auch von der Partie, aber diesmal gelang es Herrn O'Vegas nicht, an Hildas Seite zu kommen, Demetrius Vanescu nahm sie ganz und gar für sich in Beschlag, und dies mit einer Beharrlichkeit und Geschicklichkeit, daß die junge Dame, ohne vor der ganzen Gesellschaft geradezu unhöflich zu sein, sich seinen in feinster Form dargebrachten Aufmerksamkeiten gar nicht entziehen konnte. Demetrius Vanescu schien den ganzen Ausflug zum Tempel von Ossafusa für weiter nichts als eine gute Gelegenheit zu nehmen, sich der Dame seines Herzens zu weihen, und, nach seinen unternehmenden Anstalten zu schließen, schien er gesonnen zu sein, heute einen entscheidenden Sturm auf die schöne Festung zu versuchen. Offenbar hatte der ungarische Herr auch Hilfstruppen dazu geworben, denn sein englischer Freund, der Earl of Stratmore, machte es sich zur Aufgabe, die übrige Gesellschaft zu unterhalten und möglichst von den beiden abzuziehen, was ihm überraschend gut gelang. Er hatte so viel zu sehen, zu fragen, so viele überraschte„ D's" und„ A's" auszustoßen, so oft seine Säße mit„ Wie ist" und Was bedeutet" zu beginnen, daß er die ganze Gruppe in Atem erhielt und Sennora O'Vegas, die an seinem Arm einherging, in ihrem apathischen Geist zu der stillen, verwun derten Frage veranlaßte, wie es doch käme, daß ein reicher Engländer von Familie sich für solche Dinge interessieren könne! Eine sauber gepflasterte Straße führte direkt auf das mächtige Tempeltor hin. Die Gesellschaft schritt zwischen Teebuden und Hausierständen aller Art, die dem Ort jede Ehrwürdigkeit nahmen und ihn einem deutschen Jahrmarktsplaz ähnlich sehen ließen, bis zum Vorhof, von welchem eine steile, unbequeme Treppe in die Vorhalle des Tempels führte. Gerade über dem Haupteingang erhob sich, durch Holzgitterwerk abgeschlossen, das Allerheiligste, ähnlich einem Altar, von vergoldeten Säulen getragen und umgeben. Feierlich leuchteten auf diesem Altar die heiligen, immer brennenden Lampen, und zu beiden Seiten fauerten in weißen und braunen Gewändern die kahlgeschorenen japanischen Prieſter über ihren glühenden Kohlenbecken. Gerade als die Europäer unter das Portal traten, erhoben diese Diener der Gottheit ihre Stimmen, um in monotoner, näselnder Tonart ihre Gebete abzusingen. Erschrocken fuhr Hilda zusammen, als mächtige, dröhnende Schläge an ein in der Nähe des Altars hängendes riesenhaftes ehernes Gong diese Gebete begleiteten, in immer rascherem Tempo, um dann plötzlich zu verstummen. Ein zitterndes Nachsummen ging durch den Tempel, irnd jetzt schlüpften gebeugte Gestalten, zumeist ärmlich gekleidete Greise, alte Frauen und abgezehrte Leidensgestalten, an den Fremden vorüber, von einigen Krüppeln gefolgt, die sich nur langsam fortzubewegen vermochten. Sie gingen alle zum Opferstock, einem dem Altar in der Vorhalle gegenüberstehenden vergitterten Holzkasten, der unaufhörlich unter einem Regen von Kupferstücken erklingt. Hier halten auch die Diener der japanischen Priester Orakelsprüche, auf pergamentartige Papierstreifen geschrieben, Amulets und Räucherwerk feil, letzteres fräuselt sich in blauen Rauch wölkchen aus wunderlich geformten Bronze- Urnen empor und verſchleiert die kleinen, hier und da angebrachten Hei ligenſchreine, deren Gößenbilder bis zur Unkenntlichkeit abgegriffen erschienen, da zahllose Hände sie berührt haben; die Bilder stehen im Ruf der Wundertätigkeit, und die Kranken und Elenden kommen weither, sie anzurühren. Mit Staunen gingen Hildas Blicke im Innern des Tempels umher, wo sie wunderbare Dinge bemerkte: ein langes, schartiges, ganz von Rost zerfressenes Schwert, das von vielem Opferrauch geschwärzte Bild eines auf hoher See gegen den Sturm anfämpfenden Schiffes, ein zermürbtes Obergewand. Hellmut Norden, der unbemerkt hinter sie getreten war, erklärte ihr mit flüsternder Stimme, es wären dies Dankopfer gläubiger Seelen, welche mit der Rettung der Ihrigen aus Lebensgefahr ihren Zusammenhang hätten. Unter den Gruppen der Beter, welche sich im Tempel befanden, waren es namentlch drei, welche Hildas Aufmerksam teit fesselten. Ein junges Mädchen, mit einem für eine Japanerin selten regelmäßig und edel geschnittenen Gesicht kniete in der Nähe des Altars nd hob ihr blasses Antlitz zum Allerheiligsten empor; schwere Tränen rannen unaufhörlich aus den mandelgeschnittenen Augen, das weiß- und gelbseidene Obergewand, das die junge Brust verhüllte, hob sich krampshaft unter den angstvollen Schlägen des Herzens. " Ich kenne sie zufällig," flüsterte Hellmuts Stimme von neuem an Hildas Ohr, sie ist eine von den Blumen" Tokios, eine berühmte Schönheit, und war mit einem tapfern Soldaten versprochen, eine gegenseitige glühende Leidenschaft, was hier zu Lande eine große Seltenheit ist! Ihr Verlobter aber ist ein Rebell, er ist unter die Aufständischen gegangen, die den seit einigen Jahren von ihren Besitztümern vertriebenen Fürsten, den Daimios, anhängen darum hat man ihn als vogelfrei erklärt, einen Preis auf seinen Kopf gesetzt, und vielleicht steckt jetzt, während die schöne Braut um sein Leben fleht, sein abgeschnittenes, entehrtes Haupt schon irgendwo am Panger. Sehen Sie, dort rechts die alte Frau, das ist seine Mutter!" Sie weinte nicht, die Alte, in ihren dürren Händen drehte sie unausgesetzt den Rosenfranz, ihre Lippen zitterten wie im Fieber, und ihr Haupt, unter dem unigemidelten Seidentuch, machte immer eine schüttelnde Beweging, die wen: fie sagen wollte:„ Nein- nein- nein das ist nicht möglicher ist nicht tot- kann nicht tot sein!" Jedesmal. wenn das Gong erdröhnte und die Priester ihre Stimmen zum Gebet erhoben, beugte sie sich tiefer zur Erde, daß ihre Stirn fast den Boden berührte, und wieder schüttelte der Fieberfrost ihre Glieder.- Wer litt wohl größere Schmerzen, das junge Mädchen oder die alte Frau? Und hinter den beiden ſtand, wie die verförperte Race, eine Gruppe von kräftigen Männern; ehemalige Soldaten waren es, man sah es an ihrer friegerischen Haltung, an den langen Schwertern, auf die sie ihre geballten Häuſte ſtützten. Sie machten nicht offene Rebellion, sie waren zit klug dazu, da sie einschen mußten, es sei nuplos, aber mit ihren glühenden Blicken flehten sie zum Gott der Schlachten und des Feuers, er möge das„ Sonnenreich" wieder herstellen in alter Macht und Herrlichkeit, er möge den vertriebenen Fürsten zu ihrem Recht verhelfen und die verhaßten Fremden vertilgen, die das Heilige Japan" überfluteten, seine Tempel entweihten, seine Feste entheiligten ( Fortsetzung folgt.) und sein Volk verdarben! Die Pudelhündin. Eine pudelnärrische Geschichte von A. Iger- Berlin. ( Nachdruck verboten.) Pudelhündin, jung, stubenrein, Umständehalber zu verschenken. Weißenburgerstraße 60, II. So stand eines Tages in den Lokalblättern unter„ Vermischtes" zu lesen. Ich muß gestehen, die Sache intereſſierte mich. Schon lange ging ich, der ich als eingefleischter Hagestolz auf Familienfreuden ganz verzichten mußte, mit dem Gedanken um, mir durch einen Vierfüßler die Einsamkeit meines Junggesellenheims etwas erträglicher zu gestalten. So kam das Inserat meinen Wünschen auf halbem Wege entgegen. Die Stelle betreffs der Schenkung kam mir etwas mystisch vor, und da ich für das Mystische von meiner frühesten Kindheit an ein unüberwindbares Interesse hatte, so setzte ich mich schleunigst in die Elektrische und fuhr dem freigebigen Hause zu. Ich bemühte mich, aus den beredten Angaben des„ stummen" Portiers Rückschlüsse auf die Pudelinhaberin zu ziehen. Sie kommen woll von wejen die Pudelhindin? Denn jehn Se man durch'n Hof links dritter Aufjang vier Treppen rechts," rief mir jemand aus einem Kellerfenster zu. Hof links, dritter Aufgang vier Treppen rechts- Thusnelda Nüte. Eine noch rüſtige Siebzigerin mit Hornbrille, Häubchen und all den Attributen Holder Weiblichkeit dieses Alters versehen. Zwei schwarze Pudel kommen mir bellend entgegengesprungen. Ruhig und gemessen erzählte Thusnelda mir die Geschichte.„ Wolf", ihr Pudel, sehnte sich nach einer Lebensgefährtin, und so überraschte sie ihn eines Tages mit " Sascha". Die Ehe gestaltete sich aber im weiteren Verlaufe zu einer höchst unglücklichen. Heulen, Beißen und Krazen standen bald auf der Tagesordnung. Da sie im ſtrengen Gerechtigkeitsgefühl Saſcha als die allein Schuldige erkannte, so sollte sie das Feld räumen. Thusnelda Nüte erklärte mir unumwunden, daß ich auf sie einen günstigen Eindruck machte, aber sie müsse doch erst Erkundigungen über mich einziehen, da sie ihren einstigen Liebling in guter Obhut wissen wollte. Hol dich der Kuckuck, dachte ich, sprang die vier Treppen in Eile herunter, setzte mich auf die„ Elektrische" und hatte bald die Pudelaffaire vergessen. Aber welche Ueberraschung harrte meiner. Nach einigen Wochen empfing ich eine Postkarte, auf der ich unter kricklichen Schriftzügen die Unterschrift„ Thusnelda Nüte" herauslesen konnte. Ist's möglich? Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis! Sei es, daß ein widriges Fatum über mir waltete, ſei es, daß irgend ein mir feindlich gesinnter Hausbewohner eine günstige Auskunft über mich abgab kurz und gut, ich soll glücklicher Besitzer der Pudelhündin werden. Eiligen Schrittes wende ich mich nach der Weißenburgerstraße und werde von Fräulein Nüte aufs freundlichste als künftiger Wächter ihrer Sascha begrüßt. Thusnelda hatte Long fe Betr.: Die S Die dies an 8 Arme der den. 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