pfung in& Str. 126. Wonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1,50. tadt 61- onttsbetlagen: Oberhefftiche Familienzeitung( täglich) ttwoch, nag Impfpflig borigen Ja en aus früher welche imp ejer öffentlic de in denselbe Ich find. Sie Impfun chlufie auf sein falls ihm i ntliche Frift drohung gef Kinder, weld Wunsch ih Kinder müffe ine zur Nad der Impfun nnen gleichfal us dem Lande und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Mittwoch, den 1. Juni 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jufertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Bis. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Postzeitungslifte No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechenschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Beglar; Lofalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. frühjahrsparade des Gardekorps. L Berlin, 31. Mai. Auch wer wicht wußte, was heute„ los" war, wie der inen borgeste Berliner so schön sagt, mußte, wenn er den Pulsschlag des Hauptstädtischen Lebens zu beobachten weiß, bemerken, daß Bäsche und retwas besonöcres im 2erfe war. Schon daß die Schulht werden. finder nicht zur Schule gingen, wohl aber in dichten Scharen chon früh morgens um 7 Uhr nach einer bestimmten Richtung der Stadt strebten, hätte ihn daran erinnert, daß heute der Steckende Kca angebrochen sei. roße Tag im Berliner Schulleben:„ Frühjahrsparade- Ferien" Und den jubelnden Sileinen folgten die termine Mauern standen bald die Schauluſtigen, die das Schauspiel genießen wollten, die Truppen zum Tempelhofer Paradefelde ausrücken zu sehen, an den bekannten Anmarschstraßen. Und wenn dann die braven Gardisten, in den üblichen weißen Hosen und den historischen Mützen, anrüdten, empfing fie freudiger Jubel von Groß und Klein. Der Berliner hängt mit Leib und Seele am Militär. Ihm Die allen Preußen steckt der Soldat im Blut und beim Klange des friegerischen Spiels fallen die Beine wie von selbst in aftmäßigen Marschrhythmus. Also, wen sie irgend tragen wollen, Hnaus durch die Friedrich- und Bellealliancestraße eben den stattlichen langen Kriegern her zum Paradefelde. Sießen. 9. im vormaligen forderlichen F. Schreiner, arbeiten m. 11 Uhr ungen liegen hreibstube zur r daselbst er Zeitpunkt an ge. t. ung. chm. 5 thr in dem hefigen berg. Zwar ist dort nicht mehr so viel zu sehen, wie früher, als dem Publikum fast ungehindert der Zutritt aufs Feld getattet war. Als sich unter der oft sengenden Glut der Jungommersonne ein fröhliches Jahrmarktstreiben entfaltete und an den Tischen und Wagen der fliegenden Restaurateure unählige Weißen und erfrischende saure Gurken verzehrt wurden. Die Beiten sind unwiderbringlich dahin. Die Abperrungsmaßregeln sind jetzt sehr streng, aber der Berliner hat trotzdem immer noch genug zu sehen. Die faiserliche Suite fommt von der Kaserne des 1. Draonerregiments daher, an der Spitze die Majestäten. Der Faiser trägt die Uniform des 2. Garderegiments mit den Beneralabzeichen, die Kaiserin das weiße Uniform- Reitkleid der Königin- Kürassiere. Hinter ihnen eine Schar glänzender Uniformen. Der Kaiser ritt die Aufstellung der Truppen b, die in zivci parallel zur Tempelhofer Chaussee gelegenen Treffen formiert waren. Dann folgte der Parademarsch, den ider Kaiser von der historischen„ cinsamen Pappel" abnahm. Der ersie Vorbeimmarsch erfolgte in Kompagnie bezw. Eskadrons- oder Batteriefront, der zweite Vorbeimarsch für die Fußtruppen in Regiments- bezw. Bataillons- Kolonne, für Sie berittenen Waffen wie beim ersten Vorbeimarsch, jedoch im Trabe. Das militärische Schauspiel, das zwei Stunden gepährt hatte, war kurz vor 10 Uhr beendet. Der Kaiser verammelte darauf die Generale und Stabsoffiziere um sich, um eine kurze Kritik abzuhalten. Und dann kam für die geduldig harrende Menge der große Abschluß des Tages. Der Kaiser setzte sich an die Spitze Der Fahnenkompagnie, die mit dem Musik- und Trompeter00000 forps an der Chauſſee auf ihn wartete. Und umbrauſt von den Jubelrufen seiner Berliner Feht der Kaiser unter den fhallenden Klängen der Militärmusik an der Spitze seiner ffaubbedeckten Braven zum Schloß zurück. g! W schenreife 60 Pfg. an 100" Kisten von gutsbesitzer Rh. und Reine arine! lonial: nausauf die Der Krieg in Oftalien. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Japaner entschlossen find, Port Arthur so schnell wie möglich mit Sturm zu nehmen. Ihre Landtruppen sind kaum mehr als 20 Kilo: meter von der Festung entfernt, und die Flotte unter Admiral Togo unterstützt die Operationen General Okus, des Siegers von Kintschau, auf das nachdrücklichste. Eine Rekognoszierung durch japanische Torpedoboote egegen den Hafen von Port Arthur wurde mit derselben un erschütterlichen Todesverachtung vorgenommen, die das japa nische Landheer beim Sturme auf die verderbenspeiender Geschützschlünde der Verschanzungen von Hantschau bewieser Ihat. Aus Tokio wird über das Unternehmen, das von Erfolç getrönt war, unter dem 31. d. Mts. berichtet: Gestern früh sandte Admiral Togo vier Kanonenboote zwei Torpedobootszerstörer und zwei Torpedoboote nad Port Arthur, die dort unter dem heftigen Feuer der Strand batterien eine sorgfältige Rekognoszierung vornahmen. Si stellten fest, daß die Russen auf einem der beiden neuer Forts am Liautischan- Vorgebirge eine neue Scheinwerfer station eingerichtet haben. Das Kanonenboot Nr. 3 wurd bon einem feindlichen Geschoß getroffen, wobei ein Unter offizier getötet, drei Mann verwundet und ein Geschüt beschädigt wurde; die übrigen Kanonenboote blieben un beschädigt. Wie ein englischer Korrespondent wissen will, gedenken Die Japaner ihre Belagerungsarmee auf 100 000 Mann zu Ibringen und dann mit voller Wucht den Sturm auf Port Arthur anzusetzen. Die Opfer würden ungeheuer sein, müßten aber gebracht werden. Nach Ueberzeugung des japa nischen Oberkommandos sei es besser, Tausende von Menschen u verlieren, die ersetzt werden könnten, als die kostbare Zeit, die sich nicht wieder einholen ließe. Uebrigens wird die Widerstandskraft der Festung von der modernen Kriegskunst nicht sonderlich hoch geschätzt. Unser Mitarbeiter schreibt uns darüber: Wenn auch die Russen seit Jahren schon alle Vorsicht geübt haben, niemand Einblick in die Festungswerke zu gestatten, so existiert dock eine englische Admiralitätskarte, die ein ziemlich verläßliches Bild der Landbefestigungen Port Arthurs bietet. Die Mehr zahl der Werke liegt auf dem Drakonowni genannten Höhenrücken, der sich nordöstlich der Stadt in einer Länge von un gefähr 6 Kilometer hinzieht. Hier liegen drei große und neun kleinere Forts. Die Werke sind meist von dem deutschchinesischen General Herrn v. Hannefen angelegt worden. Das eine große Fort heißt auf chinesisch HwangtschantschenFort und bildet den Stützpunkt für den rechten Flügel der ganzen Befestigungsreihe. Das zweite große Fort bildet den Kernpunkt, und das letzte beherrscht die Bahnlinie Port Arthur Port Adams auf der östlichen Seite, während sich westlich der Bahnlinie ein zweiter Höhenrücken erhebt, der mit vier Werken gekrönt ist. Drei davon sind als reine Landbefestigungen anzusehen, während das vierte, am weitesten nach Westen vorgeschobene, auch noch nach der Seeseite hin wirfen kann. Ob sich unter denselben ein größeres Werk befindet, ist nicht genau bekannt. Der eben beschriebene Befestigungsgürtel hat zwei schwache Punkte. Der eine ist zu suchen auf dem rechten Flügel des Drakonowyj- Rückens, wo sich allerdings ein besonders großes und starkes Fort befindet. Dasselbe ist auch auf seiner Ostfront zu Lande unangreifbar, da es hier von der See geschützt ist. Aber dafür fann es von der Seeseite mit Leichtigkeit durch Kriegsschiffe unter Feuer genommen werden. Nach seinem Fall würde sich für Port Arthur dieselbe Lage ergeben, wie für Sebastopol nach dem Falle des Malakow, das heißt die Japaner sind dann imstande, die im Süden und Südosten der Stadt gelegenen Werke im Rücken zu fassen, beziehungsweise in der Flanke. Sie sind ferner in der Lage und das ist das Bedenkliche die Stadt und den Hafen zu beschießen, und hieran kann sie auch das größte aller Werfe, das Fort auf dem„ Goldenen Hügel", welches südlich der Stadt liegt, nicht hindern, weil dessen Hauptfront nach Süden gerichtet ist. Der 3rvette schwache Punkt der Landbefestigungen ist die verhält nismäßig leichte Durchführung einer Bekämpfung der Werke auf dem Höhenzuge westlich der Bahnlinie. Sie können umfaßt werden, owohl vom Ingenieurangriff als durch Batterien. Ihr Fall würde aber dieselbe Wirkung haben, wie der des Forts Hwangtschenischen, das heißt Stadt und Hafer würden dem Feuer der japanischen Geschütze preisgegeben sein. Da trotz aller Ausstreuungen von russischer Seite auf einen Entsag durch Kuropatkin nicht zu rechnen ist, scheint Port Arthurs Schicksal besiegelt. Meldungen, daß der russische Obergeneral mit 60 000 Mann von Liautschang heranziehe, um den Japanern in den Rücken zu fallen, sind in das Gebiet der Fabel zu verweisen. Für Kuropatkin liegt der Schwerpunkt der Entscheidung jet wie früher an der Linie Liautschang- Mulden. Er würde seinem ganzen bisher befolgten Strategem untreu werden, wenn er seine Truppen verzettelte. Für ihn ist es eine bittere, aber unungängliche Notwendigkeit, Port Arthur sich selbst zu überlassen. In Lokio rechnet man, daß der entscheidende Angriff auf Port Arthur für den 15. Juni ge= plant sei. Dalny von den Russen geräumt. Die Russen räumten Dalny Hals über Kopf, nachdem sie versucht hatten, die Stadt zu zerstören. Die japanischen Patrouillen berichten, daß mehr als 100 Gebäude, Kasernements, Depots, Eisenbahn- und Telegraphen- Bureaus beschädigt seien. Die Russen zerstörten den großen Kai und sperrten die Einfahrt zum Hafenbassin mit versenkten Dampfern. Man glaubt, daß die Armee des Generals Oku Dalny unverzüglich besetzen wird. Inzwischen beginnt man auf japanischer Seite auch den Kosakenstreifzügen in Korea mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher. Man scheint entschlossen zu sein, sich die gefährliche Bedrohung der Rückzugslinie ein für allemal von Halse zu schaffen. Nach Meldungen, die in Washington eingegangen sind, ist eine neue Division der japanischen Armee von Japan abgegangen. Obwohl noch nicht bekannt gegeben ist, wohin diese Streitkräfte gesandt werden, nimmt man an, daß sie versuchen sollen, die russische Nachhut im Nordosten von Korea zu umzingeln und die russische Kavallerie, welche die Verbindung mit der Armee des Generals Kuroki zu unterbrechen droht, abzuschneiden. Kurokis Truppen selbst lieferten sich mit den Russen in der Umgebung von Fönghwanghtscheng weiter Vorpostengefechte, bei denen es auf beiden Seiten mehrere Tote und eine ganze Zahl von Verwundeten gab. Die Politik. Oberst Leutwein telegraphiert aus Windhuk: Die Heliographenstation Otowafuatjimi wurde am 28. früh von einer Hercrobande anacariffen. Der Gegner wurde zurücks geschlagen und verlor 4 Tote. Seine Verfolgung wurde durch eine stärkere Patrouille ausgenommen. Okowafuatjimi liegt am Fuße der Konjati- Berge, eiwa auf dem halben Wege zwischen Karibib und Dutjo. In politischen Kreisen verlautet, daß von der bevorstehenden Monarchenbegegnung in Kiel König Eduard von England trifft dort bekanntlich zum Besuch des Kaisers ein- bedeutsame politische Ergebnisse zu erwarten seien. Der deutsche Gesandte in London, Graf Metternich, wird heute die politischen Fragen feststellen, die bei der Entrevue zur Sprache kommen sollen. * * Die Opfer an Gut und Blut, die wir jetzt in unseren südafrikanischen Kolonien bringen müssen, haben die alte Gegnerschaft wider unsere gesamte Kolonialpolitik wachge. rusen. Wohl hauptsächlich aus diesem Anlaß sprach der Oberpräsident von Pommern Frhr. v. Malzahn- Gülz auf dem Festmahl, das in Stettin zu Ehren der dort tagenden Deutjchen Kolonialgesellschaft gegeben wurde, warme Worte über und für unsere kolonialen Bestrebungen:„ Wenn man zurückblidt auf die kolonisierende Tätigkeit des Mittelalters und damit das folonisierende Vorgehen jetzt vergleicht, so finden sich da der Aehnlichkeiten außerordentlich viel und der Rückblick kann für uns tröstlich sein. Vor allem ist damals wie jetzt das Ziel nicht im schnellen Anlauf gewonnen, sondern durch die andauernde, immer wiederholte, immer neu einsetzende Arbeit von mehreren Generationen. Damals sind schwere Rückschläge erfolgt, Rückschläge, die fast den Glauben crwecken konnten, als ob das Werk völlig gescheitert wäre. Und dennoch ist es schließlich gelungen. Auch die Kräfte, die damals kolonisierend wirften, sind dieselben, die in anderer Form auch heute zusammenwirfen: Der Krieger und die Mission, damals der Bischof und der Ritter. Ja, und das ist damals auch mite heute gewesen, daß vielfach der Krieger zuerst fam." Es ist begreiflich, daß diese geistreichen wie ermutigenden Ausführungen den Beifall der Festversammlung fanden. * Die württembergische Regierung hat die Zulassung der Feuerbestattung im Königreich Württemberg beschlossen. Gute Fortschritte macht die in die Wege geleitete Beseitigung der Arbeiten von Strafgefangenen zugunsten einzelner Unternehmer. Sowohl die Arbeiterschaft als auch die Gewerbetreibenden sprechen sich über die neuen Maßnahmen befriedigt aus. Gegen die Begründung von Invalidenhäusern für alte Krieger sprach sich auf dem Kriegervereinsbezirkstage zu Rothenfelde der Vorsitzende des Deutschen Kriegerbundes, General z. D. v. Spitz, aus. Der Staat, so führte der General aus, habe die Invalidenhäuser aufgelöst, weil sich dort allerlei Unfug, ein Faulenzerleben und Müßiggang breimachte. Wenn man den Invaliden helfen wolle, könne dies besser durch Zulagen geschehen. Ein Antrag, die Begründung von Invalidenhäusern beim Bundesrat anzuregen, wurde darum nach den Ausführungen des Generals v. Spitz von den Antragstellern zurückgezogen. Oefterreich- Ungarn. Auf dem letzten Deutschen Turntage war nach heftigem Meinungskampfe bekanntlich beschlossen worden, die aus der österreichischen Turnerschaft wegen des Arierparagraphen" ausgetretenen fortschrittlichen Turnvereine als einen besonderen Turnfreis 15b in die deutsche Turnerschaft aufzunehmen. Die an dem Arierparagraphen festhaltenden österreichischen Turnvereine, der Turnkreis 15 der deutschen Turnerschaft, haben darauf aus dieser ausscheiden wollen. Auf ihrem vorgestrigen Kreisturntage fand ein dahingehender Antrag zwar eine große, aber nicht die nach den Statuten erforderliche Zweidrittelmajorität. Daraufhin nahm der Kreisturntag mit derselben Mehrheit eine Resolution an, in der es heißt, der Beschluß des deutschen Turntages betr. die Bildung eines Turntreises 15b verstoße gegen das Grund. gesep der Turnerschaft. Die Aufhebung dieses Beschlusses wird in der Resolution gefordert und gleichzeitig bekannt gegeben, daß in anderen Falle der Turnkreis 15 aus der tiden Turnerschaft austreten werde. Da an eine Ab& nderung des Turntagbeschlusses nicht zu denken ist, muß der Mastritt des 15. Turnkreises aus der Turnerschaft als sicher gesehen werden. Belgien. Die eben bouzogenen Wahlen zum Senat und zur Kammer haben den Liberalen auf Kosten der Katholikenpartei und der Sozialisten einen zwar nicht großen, aber immerhin bemerkenswerten Mandatszuwachs gebracht. Die Zahl der liberalen Mandate ist in der Kammer von 34 auf 43 gestiegen, die der Katholikenpartei ist von 96 auf 93 gefallen. Die Sozialisten sind mit 28 Mann statt 34 in dic Rammer wiedercingezogen, die christlichen Demokraten zählen nach wie vor 2 Abgeordnete. Danach beträgt die jetzige katholische Majorität nur noch 20 Stimmen gegen 26 im Vorjahre. Aehnlich hat sich das Stimmenverhältnis im Senat ae staltet: Dort betrug die katholische Mehrheit bisher 16, jetzt 11 Stimmen. Man rechnei angesichts dieses Wahlausfalls damit, daß die Katholitenpartei bei den nächsten Wahlen, 1906, überhaupt nicht mehr im Stande sein wird, die Majorität zu behaupten. Alien. Immer mehr gewinnt es den Anschein, als wolle sich aus der englischen Expedition nach Tibet ein großer innerasiatischer Krieg entwickeln, dem schließlich wohl auch gewisse europäische Mächte nicht völlig teilnahmlos zusehen würden. Ein russischer Kenner der Völkerſtämme Innerasiens, der als zuverlässiger Berichterstatter bekannt ist, schreibt einem russischen Blatte: Unter den Mongolen, die sämtlich Buddhisten sind, macht sich eine sonderbare Erregung bemerkbar. Sie sind durch aus Lhassa stammende Nachrichten aufs höchste beunruhigt, was bei der großen Heiligkeit Chassas für die Buddhisten durchaus verständlich ist. Alle diese die Mongolei bevölkernden kriegerischen Reiter- und Nomadenstämme, welche durch zahlreiche aus Chassa ausgesandte Lamas zum heiligen Kriegegegen England aufgewiegeli werden, bereiten sich zu etwas Außerordentlichem vor. Sie scheinen bereit, dem Hilferuf aus Lhassa Folge zu leisten, und es fann keinem Zweifel mehr unterliegen, daß das Vorgehen Englands in Tibet eine Erhebung der Mongolei hervorrufen wird. Eine solche Erhebung würde freilich eine Gefahr für England bedeuten, deren Konsequenzen noch nicht abzusehen sind. Für die gute Bewaffnung der Mongolen werden die Russen schon unter der Hand sorgen. Aus dem Kaukasus wird gemeldet, daß infolge der Ereignisse in Sassun in Türkisch- Armenien unter der armenischen Grenzbevölkerung große Aufregung herrscht. Die russische Regierung hat den Behörden im Kaufasus Befehl gegeben, zu verhindern, daß russische Armenier über die Grenze gehen, um ihren Glaubensgenossen in der Türkei Hilfe zu bringen, und die armenischen Soldaten im Kaukasus strenge zu überwachen. Der erste Gehilfe des russischen Generalgouverneurs des Kaukasus, Oberst Lakhow, unternimmt gegenwärtig im Auftrage der russischen Regierung und mit Zustimmung der türkischen Regierung eine größere Rundreise durch die Wilajete Wan und Erzerum, um Informationen über die Lage daselbst einzuziehen. Im Lande Multatulis, in Niederländisch- Indien, ist wieder einmal ein Eingeborenenaufstand ausgebrochen. In der Residentschaft Surabaja griffen etwa 100 Bewaffnete eine von einem Leutnant befehligte Streifwache an. Der Resident, der Vertreter der Regierung, forderte die Aufrührer auf, die Waffen niederzulegen, würde aber von ihnen ins Wassergeworfen. Darauf gab die Streifwache Feuer, schoß 72 Mann nieder und nahm 12 gefangen. Das Haus des Anführers wurde umzingelt und er selbst niedergemacht. Als Ursache dieses Aufstandes, an dessen Spize ein Hadschi( mohamedanischer Priester) stand, wird der traurige Verlauf des letzten Pilgerzuges nach Mekka angegeben. Zahlreiche muselmanische Javanen sind in Arabien von räuberischen Beduinen ermordet worden, und die Zurückgekehrten wußten von schaudererregenden Auftritten und von dem Elend der Geretteten zu erzählen. Da in vielen Familien tiefe Trauer und Erbitterung herrscht, ist es erklärlich, wenn fanatische Hadichis von dieser Stimmung Gebrauch machten und mit Erfolg die Bevölkerung zum„ heiligen Krieg" aufricjen. Was geht in frankreich vor? Im Innern unseres Nachbarreiches gärt es in gefahrvoller, gefahrdrohender Weise. Sach- und landkundige Männer behaupten, die vierte Revolution stehe vor der Schwelle des französischen Staatswesens. Dem Politiker ziemt das Prophezeien noch weniger als anderen Sterblichen. Aber auch ohne daß man sich auf den Propheten hinausspielt, wird man doch kühnlich behaupten können, daß eine elektrische Spannung im franzöſischen Volke aufgespeichert liegt, zu deren Entladung es nur eines kleinen Anlasses bedarf. Und die Entladung würde mit explosiver Kraft sich vollziehen und vielleicht das ganze heutige Staatsgefüge der Republik über den Haufen werfen.... So schreibt uns unser Mitarbeiter: Wenn Frankreich jezt seine vierte Revolution erleben soll, so wird es eine Revolution des Säbels und der Soutane haben. Heer und Geistlichkeit sind einander verbünDer Wildhirt. Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Becker. ( Fortsetzung) ( Nachdruck verboten.) Der Burkhennersch aber fam zum großen Verdruß des Tiophel jetzt häuffiger noch als sonst in's Dorf. Er war auch wieder zur Kirmeß da, nicht um sich zu erlustigen, sondern um als zufünftiger Schwiegersohn in der Wirtschaft zu helfen. Er verstand sich ausgezeichnet auf das Geschäft, denn er setzte sich, wenn es gerade die Zeit erlaubte, unter die Burschen, half ihnen singen, führte sie auf allerhand lustige Streiche und brachte es so weit, daß man von ihm sagte: er ist' n cichtiger Schwalangschee". Der Tiophel stand und saß zeitwielig auch bei der Kirmeß herum, meistens aber allein Wenn er da war, cuhten die Blicke seiner tiefliegenden Augen mit unheimlichem Feuer auf dem gewandt sich umherbewegenden Elschen oder mit verbissener Wuth, mit dem raubtier= artigen Ausdruck in seinem Gesicht, auf dem Burkhennersch. Wenn er so still sich umherdrückte und Jemanden so eigentümlich mit seinen Blicken betrachtete, dann führte er etwas im Schilde, und gewöhnlich nichts Gutes. Am letzten Sirmeßtag machte sich der Burkhennersch bei Zeiten zurecht, um nach beim zu geben. Er war damit wenigstens das Elschen ruhen konnte, die Nächte am Längsten aufgeblieben und des morgens wieder am Frühesten bei der Hand gewesen. Er hatte sich durch diese Anstrengung, der er sich aus Rücksicht für seine Braut unterwarf, ein freundliches Lächeln und zutrauliches Benehmen von ihr erworben, und das machte ihn glücklich, denn er hoffte auch noch ihre Liebe zu erringen und ihr den Hangcurt ganz vergessen zu det, und der gemeinsame Gegner ist das gegenwärtige Regime. Der Ausgang eines Kampfes zwischen beiden kann nicht zweifelhaft sein: Hinter der Armee und ihren Führern und hinter der Geistlichkeit steht fast das ganze Volk der Franzosen; hinter dem Kabinet stehen lediglich die Intellektuellen", die„ aufgeklärten Pariser", die„ ville lumière". Der Konflikt zwischen dem Kabinet und dem Vatikan ist es, der zur Ursache eines solchen Kampfes, eines Bürgerkrieges von allerdings wohl nur kurzer Dauer zu werden droht. Papst Pius hat sich bei dem Pariser Kabinett darüber beschwert, daß Präsident Loubet, das politische Oberhaupt einer fast durchweg katholischen Nation, bei seinem Besuch in Rom dem geistlichen Oberhaupt der gesamten katholischen Welt den schuldigen Höflichkeitsbesuch nicht gemacht habe. Minister Combes hat die Entgegennahme des Protestes berweigert und erklärt, er erachte diesen Protest als nicht borhanden. Da kam der päpstliche Staatssekretär Merry del Val und stellte die Protestnote mit einigen Zusätzen den anderen katholischen Mächten zu. Unter anderen erhielt sie auch Fürst Albert von Monaco. Der gab sie seinem verirauten Ratgeber, und der wiederum war ein Freund des Herrn Combes. Vermöge dieser Freundschaft erhielt Herr Combes Kenntnis von dem Wortlaut dieser päpstlichen Note an die katholischen Höfe. Und da Herr Combes nicht nur ein Freund des Herrn Jaurès ist, sondern auch eine Veröffentlichung der Note wünschte, um sie als eine Beleidigung Frankreichs durch den Vatikan vor aller Welt hinstellen zu fönnen, so fam es, daß diese Note eines Morgens in dem Blatte des Sozialdemokraten Jaurès auftauchte. Sofort erhob sich die gesamte antiklerikale Bresse von Paris, und in hundert Variationen wurde die Note als eine Beleidigung des französischen Prestige angegriffen. Die Regierung rief, froh der von den Blättern erzeugten Entrüstung der Pariser, eilends den Botschafter beim Vatikan Nisard ab, und die Kammer sagte dazu Ja und Amen. Der diplomatiſche Bruch zwischen der Pariser Regierung und dem Vatikan war so gut wie fir und fertig. Aber Herr Combes will sich daran, im Vertrauen auf die große Mehrheit, die dies sein Vorgehen in der Kammer gefunden, nicht genügen lassen. Er will, als Extrem- Radikaler, die völlige Trennung von Staat und Kirche in Frankreich durchführen. Er hat diese Absicht in dürren Worten in der Kammer kundgegeben, und er tat es in Wendungen, die im Vatikan und auch in den Kreisen der französischen Katholiken starf verschnupfen mußten. Combes ganzes Auftreten erweist, daß er sich bewußt ist, va banque zu spielen. Er ist nahe an die Achtzig und sagt sich, daß er, so oder so, nichts mehr zu gewinnen und nichts mehr zu verlieren hat. Deshalb macht er sich an das Wagnis, das Band zwischen Kirche und Staat in Frankreich kurzerhand zu zerreißen. Es ist möglich, daß ihm das formell gelingt: Die Kammer wird auch diese Sache mitmachen. Aber das Bolk, das schon nach den ersten unhöflichen Wechselreden zwischen dem Pariser Kabinett und dem Vatikan zu murren anfing, und von der Kirchenfeindlichen Politik des gegenwärtigen Kabinetts nichts wissen will? Und die Armee, vor allem das Offizierkorps, das fast durchweg kirchlich gesinnt und dem Kabinett alles andere als gewogen ist? Und die Geistlichkeit, die aufs schwerste vom Kabinett gereizt ist? Combes spielt mit dem Feuer, wenn er den Konflikt mit dem Papsttum noch weiter treibt. Und seine Position bei einem solchen Beginnen wird noch gefahrvoller, weil der Papst jetzt den Franzosen eine goldene Brücke baut. In Rom heißt es, der Papst werde den Empfang der Kardinäle an seinem Geburtstage, am Donnerstag, benugen, um Frankreich eine Entschuldigung auszusprechen, und so die Ernennung eines neuen Botschafters am Vatikan zu ermöglichen. Combes will davon nichts wissen, er erklärt, er werde keinen neuen Botschafter mehr ernennen, auch wenn die Protestnote zurückgezogen und Merry del Val entlassen werde. Er betrachte den Bruch als endgültig. Das kommt einer Ueberspannung des Bogens sehr nahe. Und wenn Combes trotz des Entgegenkommens des Papstes weiter gegen die Kirche losschlägt, und wenn ihm die Kammer dabei Heeresfolge leistet, so ist tausend gegen eins zu wetten, daß das Volk unter der Füh rung der Offiziere und des Klerus sich erhebt und Kabinets und Kammer auf dem Wege der Gewalt in den Orkus sendet. So scheint der vatikanisch- französische Konflikt sich zu einem historischen Ereignis auszuwachsen, das weit über die Gren zen Frankreichs und über die katholischen Kreise des In- und Auslandes auf höchste Beachtung Anspruch machen kann. Ein Unglücksmarch. R Paris, 31. Mai. Ganz Paris jubelte vorgestern früh über die lobenswerte machen. Darum hatte ihn auch das Elschen am letzten Tage schon frühzeitig gebeten, nach heim zu gehen und sich tüchtig auszuruhen, da es die letzte Kirmeßnacht, die so biel Anstrengung nicht mehr erforderte, mit seinen Eltern allein bewältigen könne. Wenn nun auch der junge Bursche sich schon am Nachmittage zum Fortgehen gerüstet hatte, so wurde es doch fast Abend, bis er zum Ziel", das heißt, bis ec fortgehen konnte. Auch Tiophel war am Nachmittage noch einmal dagewesen, aber alsbald wieder fortgegangen. ' s is ja mondhell," sagte der Burkhennersch beim Abschiede zu seiner Braut, und ich werd' tüchtig drauflos marschiren, da sein ich bald über den Wald' nüber." Es war immer noch Tag, als er zum Dorfe hinausging. Er hatte einen Regenschirm bei sich, den er mit dem Griff nach hinten über die Achsel gelegt trug. Von dem Griff hing den Rücken herab ein dicker weißer Backen, nämlich ein großes weißes Tuch mit Kirmeßfuchen. So schritt er rüstig durch die Wiesen und Felder dem Walde zu. Dort oben vor sich sah er die Höhe des Wolfslochs. Wenn er die erreicht, dann hatte er gewonnen, weil es nachher bergabwärts ging und er alsbald zum Walde hinaus gelangte. Nachher hatte er noch ein Weniges über eine Stunde zu gehen, bis er nach heim fam. Bevor er jedoch an die Höhe des Wolfslochs kam, hatte er noch eine tüchtige Strecke durch den Wald zu gehen. Ge erreichte diesen und verschwand in dem finsteren Buchendickicht. Es war ein breiter Holzabfuhrweg, auf dem er ging. Dieser wandte sich vor der ansteigenden Höhe seitswärts deren Fuß entlang und ging immer tiefer in den Wald hinein. Von der Wendung an Idee des Matin", den guten Pariser Patrioten Gelegen. heit gegeben zu haben, Herz und Auge an einer Musterfollektion aller Waffengattungen und Regimenter ihrer braven Armee zu erfreuen. Ein Wettmarsch" von Soldaten Sport und Baterlandsliebe kamen dabei gleichzeitig auf ihre Rechnung. Und am Abend des vorgestrigen Tages und gestern und heute und wahrscheinlich noch tagelang, bis ein neues Ereignis die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zieht, cuft nach dem unglücklichen Ausgang des Marsches dasselbe ,, tout Paris", das sich in dichten Scharen zu dem interessanten Schauspiel drängte, Zeter und Mordio über die un. innige und verdammenswerte Idee des„ Matin". Und der Entrüstungssturm ist ehrlicher und vor allem verständlicher und vernünftiger, als das künstlich angeblasene sportlich. patriotische Begeisterungsstrohfeuer. Der Kriegsminister André hat sich davon in der Kammer zu seinem Leidwesen überzeugen müssen. Er stand da, einsam und allein, verlassen auch von den Treuesten der Treuen, und mußte de- und weh. mütig versprechen, seine Soldaten zu dergleichen Schau stellungen nicht wieder herzuleihen. Epiel feben wird. marich der Armee" ebergeffen fönnte. Die deutsche A wurde durch den d Defenheit des dentid Ehrengaire in feier and im Dentiden Shren von Mig Ali ittatt Gin falider R regende Betrugsaffa Tagesgespräch. De giftrat beidhäftigte feines Antes entho Anitellung vorgeleg Megierungsbaumein und hat auch eine dung nicht genoffen dai Mat ccft nad o den er zur Zuje † Verhafteter 9 jugendlichen Dienftr feine Sühne finden Tagelöhner Karl R ihm am Latort zur und es gelang, ihn #Gin Liebesbr In dem benachbarte meister Frambach Chefrau des Sped lautern und entleib unterhielt der verhe der bei ihm wohne Es ist auch ein starkes Stück, die Soldaten zur Befriedi gung der öffentlichen Schaulust dienen zu lassen und noc dazu für die privaten Reklamezwecke einer Zeitung, denn auf weiter nichts lief, tros aller patriotischen Mätzchen, doch der vom Matin" veranstaltete„ Wettlauf der französischen Armee" hinaus. Zur Konkurrenz hatten sich an 2000 Sol daten angemeldet, welche sich morgens um 7 Uhr vor dem Redaktionsgebäude des Matin" versammelten und dann - jeder mit seiner Anmeldungsnummer auf der Brust- von der Militärmusikkapelle und berittenen Garde begleitet, nach dem Concordienplay schritten, von wo um 8 Uhr der Wett marsch angetreten wurde. Trotz der frühen Morgenstunde waren die Boulevards und der Concordienplatz von einer dichten Menge übersäet, welche die Konkurrenten und unter ihnen namentlich die Gruppe der Spahis und Zuaven mil lebhaften Hochrufen afklamierte. Der Marsch erstreckte sich auf eine Länge von 45 Kilometer bis Saint- Germain und von dort nach Paris zurück bis auf das Marsfeld, wo bei der Maschinengalerie das Ziel war. Die Jury, die Direktions. und Kontrollkomitees setzten sich aus höheren Militärs und Offizieren zusammen. Die zahlreichen Preise waren dom Präsidenten der Republik und von offiziellen Persönlichkeiten sowie von Privaten gewidmet. Unter dem Jubel der Menge ging nach 6 Stunden 14 Mi nuten 2 Sekunden der Infanterist Girard als erster durchs Biel. Ihm folgten innerhalb einer Stunde 24 andere Teil. nehmer; bis 23 Uhr nachmittags waren 600 Mann am Ziel angelangt. Aber in welchem Zustande! Die Maschinenhalle ist in eine Art großen Lagers umgewandelt. Die Wettgänger sollen sich hier ausruhen, sich erfrischen und gepflegt werden. In der Reihenfolge, wie sie anlangen, werfen sie sich auf den Boden nieder, völlig erschöpft und atemlos. Sie sind bollständig aufgelöst und unfähig, sich auf den Füßen zu halten. Stöhnend und röchelnd begehren sie Wasser. Einer, der zu schnell getrunken hat, fällt wie ein Sack in sich zusaminen. In der Krankenstation bietet sich den Augen ein äußerst peinliches Bild. Fünfzig Betten stehen hier; sie find alle schon besetzt. Vollständig ausgekleidet liegen die Soldaten darauf in bejammernswertem Zustande; die Krankenpfleger sind um sie bemüht und stehen ihnen nach Kräften bei. Andere kranke Wettläufer kommen dazu; bald ist der Raum für sie zu eng. Man zieht sie aus, massiert sie, gibt ihnen Duschen, herzstärkende Mittel usw. Einigen fließt ein dünner Streifen Blut über die Lippen. Es ist herzzerreißend. Viele werden nach den Krankenhäusern der Stadt gebracht. Die Kranken leiden an Krämpfen und Nervenfrisen. Andere sind beim Ablauf und auf dem Marsche von Mitbewerbern geschlagen, mit Füßen getreten worden. Viele der Teilnehmer sind unzufrieden, daß man sie disqualifiziert hat, weil sie unterwegs niederfielen oder von einem Krampfansall gepackt wurden. Mehrere wurden vom Sonnenstich getroffen. Ein Jäger vom 29. Regiment erMärte, er sei disqualifiziert worden, weil er infolge eines Faustschlags, den ihm ein Sergeant eines Linienregiments gegeben habe, zusammengebrochen sei. Mehrfach haben die Rorporale und Unteroffiziere durch Handgreiflichkeiten an Gemeinen sich vor diesen einen Vorsprung zu verschaffen gewußt. Ein Unteroffizier des 124. Linienregiments ist den Anstrengungen bereits erlegen. Andere Wettläufer schweben in Lebensgefahr. Von 45 der Teilnehmer war dem Kriegsminister bei der Beantwortung der Interpellation noch nichts Näheres bekannt. Und alle diese Opfer für die Reklame trommel eines Pariser Blattes! Es ist anzunehmen, daß General André sich diese Erfahrung zu Herzen nehmen und künftig das Leben der ihm anvertrauten Blüte der Nation nicht so leichtsinnig aufs führte dann der Fußpfad, den der Hannhenner einzuschlagen hatte, geradeaus die Höhe hinan und über sie hinüber. Der Bursche beschleunigte seinen Gang, so viel er konnte. Er war gerade nicht furchtsam, allein des Nachts im Walde zu sein ohne alle und jede Begleitung, erweckt immer ein unbehagliches Gefühl, außer bei demjenigen, der mit Absicht den Wald und seine Nacht aufsucht. Es kam hinzu, daß von dem Wolfsloch die erwähnten Schauergeschichten erzählt wurden und von abergläubischer Furcht fühlte sich auch unser Wandercr nicht ganz frei Dort oben auf der Höhe aber lauerte auch diesmal in der Tat das Verderben. Der Tiophel hatte des Nachmittags, als er bei der Kirmeß gewesen, die Zurüstungen des Burkhennersch zur Heimkehr bemerkt und beschlossen, ihm im Walde aufzupassen und ihn durchzuprügeln oder todtzuschlagen er wußte selbst noch nicht recht, wie er es mit ihm machen sollte das sollte sich später erst finden weil er nach dem Elschen ging. Er hatte sich ja schon öfter die Zeit her in der Gegend umhergetrieben, durch die der verhaßte Bursche fam, aber er war noch nie zu einem festen Entschluß gekommen, was er mit ihm anfangen sollte. Er haßte ihn nur, weil er, dazu noch ein Fremder, sich unterfing, das Elschen heiraten zu wollen, und seiner Meinung nach hatte der Hangcurt auf dieses doch ein älteres Anrecht. Die Absicht des Burkhennersch, das Mädchen für sich zu erlangen, wurmte Tiophel deswegen ebenso sehr, als wäre er selbst der Benachteiligte dabei gewesen. Das neuliche Gespräch, das er mit dem Elschen in dec Wirtsstube geführt, hatte in ihm aber den Vorsatz zur Reife gebracht, an dem fremden Burschen Rache zu nehmen und ihm einen Denkzettel anzuhängen. Forts folgt. * Der G auf dem Truppe zwei Bataillonen Regiments Nr. 1 General bei. Die Tages den 2. Juni, na der Stadtverordnet 2. Dispensgefuche, gaffe 31, b. bon c. von Büttner& Müller V. für Ro Begsteingaffe, f. Frankfurterstraße, gesellschaft zur G Louis Hellmold 3. Umbau des 4. Fluchtlinienpla plan für die Sch traße. 7. Fub Umbau des alten& Rubfamen.- 10. C - 11. Jagdberechtigu 12. Arantenversich Taglohns betr.14. Unterbringung in der Aliceschule. Omnibusgesellschaf zum Wirtschaftsbet weg 28, b. vor@ rich Heyne für W hofstraße 34, e. f. von Anton Roch * Justizrat beging am Samsta gliedschaft des Gi diefem Anlaß war Shaft sein Blag r 59. Lebensjahre freibt, in Lorich ihm zur zweiten S tätig. 1881 bis esten besischen gewählten, wegen Gulfleisch für die S also doppelt gew für Friedberg an Mandat für den auch von seinen p gedrängt wurde. Dr. Gutfleisch frü Meß das Manda deffen Stelle. Se Der Gießener Stadi zial- und Kreistag und Kreisausschus feiner 25 jährigen Gewerbebant- Gießen wurde ferner als D Eppothelenbant ber Treifinnigen Richtung ihm nicht vergeffen to Der Stadt Gießen Flandelommen der A arbeiterfreundlichen Lauch sonst hat Dr. Coße Berbienfte u Probing Oberheffen fich der hohen Acht erfreut, die nicht m Fallen Körperi und fein Rat in de Beruf zählt der I be Großherzogtum Spiel setzen wird. Die Lehre, die ihm der verunglückte ,, Wettmarsch der Armee" erteilt hat, war zu hart, als daß er sie e bergessen könnte. rioten Gefe t einer Mu gimenter th " bon Sold gleidseitig a igen Lages agelang, bis e eit auf fidh si tariches dasje zu dem int Dio über die atin". Und m verständli plajene sport Kriegsmini einem Leidme allein, berla gte de- und ergleichen Sa ten zur Befrie Lassen und n Beitung, de n Mäkchen,& Der französis an 2000 7 Uhr vor d elten und da der Brust- b De begleitet, 8 Uhr der M en Morgenstu nplay bon en enten und un und Zuaben rich erstreckte nt- Germain Marsfeld, wo y, die Direktion en Militärs reise waren b Persönlichte Stunden 14 als erster dur 24 andere O Mann am ie Maschinen Die Wetton gepflegt den erken fie au emlos. Ce find f den Füßen zu Waffer. Einer, Sad in sich zu den Augen ein Steben hier; sie leidet liegen die Zustande; die ehen ihnen nad men dazu; bald aus, massiert fie Einigen fließ Es ist herz kenhäusern der Prämpfen und f dem Marsche treten worden 3 man sie di Tielen oder von ere wurden bor 9. Regiment e er infolge eine Linienregiment hrfach haben die greiflichkeiten an g zu verfdaffen regiments ift den ttläufer screen var dem Krieg ation noch nich ir die Reklam é sich diese G 3 Leben der ihr leichtsinnig auf jenner einzu und über ng, so viel a lein des Nacht Begleitung, ev ußer bei dem d seine Nacht Wolfsloch di rden und bon unser Wandere Nab und form. Die deutsche Abteilung der Weltausstellung in St. Louis vurde durch den deutschen Rekhskommissar Lewald in Anvesenheit des deutschen Konsuls Dr. Ricloff sowie zahlreicher Ehrengäste in feierlicher Weise formell eröffnet. Abends and im Deutschen Hause ein vom Reichskommissar Lewald zu Ehren von Miß Alice Roosevelt gegebener glänzender Bali itatt. Ein falscher Regierungsbaumeister. Eine Aussehen er regende Betrugsaffäre bildet gegenwärtig in Neustrelitz das Tagesgespräch. Der dort von der Regierung und dem Magistrat beschäftigte Regierungsbaumeister Riets ist plöglich feines Antes enthoben worden. Tie seiner Zeit bei seiner Anstellung vorgelegten Baviere sind gefälscht; Riet ist weder Regierungsbaumeister, nec Regrerungsbauführer gewejen und hat auch eine diesen Stellungen entsprechende Borbildung nicht genossen. Des Sonderbarite bei der Sache ist, daß Niet erst nach einiährigem Probedienste eingestellt wurde, den er zur Zufriedenheit abiolvier: bat. † Verhafteter Raubmörder. Der Raubmord" art dem jugendlichen Dienstmädchen Margarete Kurth zu Köln wird seine Sühne finden. Als unzweifelhafter Täter wurde der Tagelöhner Karl Kauert aus Remscheid verhaftet. Die von ihni ani Tatort zurückgelassene Hose führte auf seine Spur und es gelang, ihn in Mainz zu ermitteln. Ein Liebesdrama wird aus Kaiserslautern gemeldet. In dem benachbarten Kirchheimbolanden erschoß der Kapell. meister Frambach die von ihrem Manne getrennt lebende Chefrau des Spediteurs August Bachmann aus Kaiserslautern und entleibte sich dann selbst. Dem Anschein nach unterhielt der verheiratete Mann ein intimes Verhältnis mit der bei ihm wohnenden Frau Bachmann. Lokales. 1. Juni 1904. ** Der Großherzog wohnte gestern Vormittag auf dem Truppen- Uebungsplage den Besichtigungen von zwei Bataillonen des 1. Großh. Infanterie-( Leibgarde-) Regiments Nr. 115 durch den Herrn tommandierenden General bei. [:] Die Tagesordnung für die morgen Donnerstag den 2. Juni, nachmittags 4 Uhr stattfindende Sigung der Stadtverordneten Versammlung ist: 1. Mitteilungen. 2. Dispensgesuche, a. von Ferdinand Schmidt für Wetsteingasse 31, b. von Professor Mittermaier für Liebigstraße 36, c. von Büttner& Damm für die Ederstraße, d. von Jakob Müller V. für Rodheimstraße 69, e. von L. Huhn für die Wetsteingasse, f. von der Eisenbahnverwaltung für die Frankfurterstraße, g. von der Deusch- Amerikanischen Betroleumgesellschaft zur Errichtung eines Petroleumlagers und h. von Louis Hellmold wegen eines Schuppens in der Schwarzlach. 3. Umbau des Hauses Marktplag 11( Hirshapotheke). - 4. Fluchtlinienplan für die Neuen Bäue.- 5. Fluchtlinienplan für die Schwarzlach. 6. Befestigung der Bismarckstraße. 7. Fuhrwerksverkehr in der Woltengasse.- 8. Umbau des alten Schlosses. 9. Kieslieferung von Konrad Rübsamen. 10. Einfriedigung der Universitätsbibliothek. 11. Jagdberechtigung des Brauereibesizers Bichler. 12. Krankenversicherungsgesez, Feststellung des ortsüblichen Taglohns betr.- 13. Abhaltung eines Jugendfestes 1904. 14. Unterbringung einer Klasse der höheren Mädchenschule in der Aliceschule. 15. Rechnungsabschluß der Gießener Omnibusgesellschaft 1903. 16. Gesuche um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb: a. von May Jastowsky für Neuenweg 28, b. vor Georg Löhr für Afterweg 7, c. von Heinrich Heyne für Walltorstraße 5, d. Adam Diez für Bahnhofstraße 34, e. Philipp Reißel für Bahnhofstraße 52, und f. von Anton Koch für Seltersweg 31. * Justizrat Dr. Egid Gutfleisch in Gießen beging am Samstag das Jubiläum seiner 25 jährigen Mit gliedschaft des Gießener Kreisausschusses. Aus diesem Anlaß war in der gestrigen Sitzung dieser Körperschaft sein Platz reich mit Blumen geschmückt. Der jetzt im 59. Lebensjahre stehende Jubilar ist, wie die„ Kl. Pr." schreibt, in Lorsch geboren und seit dem Jahre 1871 in dem ihm zur zweiten Heimat gewordenen Gießen als Anwalt tätig. 1881 bis 1884 vertrat er im Reichstag den esten hessischen Wahlkreis Gießen- Nidda. In dem 1887 gewählten, wegen des Septenats aufgelösten Reichstag war Gutfleisch für die Wahlkreise Gießen und Friedberg- Büdingen, also doppelt gewählt worden, er nahm damals die Wahl für Friedberg an. Seit dieser Zeit hat er sich um ein Mandat für den Reichstag nicht mehr beworben, so sehr er auch von seinen politischen Freunden bei jeder Wahl dazu gedrängt wurde. In der zweiten hessischen Kammer vertrat Dr. Gutfleisch früher Gießen- Land, später, als Rechtsanwalt Metz das Mandat Gießen- Stadt niederlegte, trat er an e auch diesmal dessen Stelle. Seit 1884 ist er ununterbrochen Mitglied der Gießener Stadtverordnetenversammlung und des Provinsuchtesten Kriminal- Verteidiger, seit Jahren ist er jedech noch dieser Richtung nicht mehr hervorgetreten. Als Redner geFört er zu den besten Kräften in Hessen, er weiß stets zu packen, einerlei welche Themata er behandelt. Dabei sind seine Ausführungen bei aller Schärfe von einer Vornehmheit, die sie dem Gegner nie persönlich verleßend erscheinen lassen. Den pflicht- und arbeitseifrigen Mann, der stets seine ganze Kraft für das Algemeine einsette, begleiten unsere besten Glückwünsche auch für seine weiteren Lebensjahre! ** * Unser Großherzog hat die Verdienste des Jubilars, als Mitglied des Kreisausschusses des Kreises Gießen immer zu würdigen gewußt und ihm das Ritterkreuz 1. Klasse mit der Krone des Verdienstordens Philipps des Großmütigen berliehen. ** Die Generalversammlung des Nassauischen Gewerbevereins nahm den Antrag Ems betr. die Lahnkanalisation an. Als Ort der nächsjährigen Generalversammlung wurde Camberg bestimmt. V Der Maschinenbauer Gesangverein hatte anläßlich der Feier seines 20 jährigen Stiftungsfestes den Schlosser Klöß mit zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. = Der Verschönerungsverein Gießen läßt zur Zeit eine größere Anzahl Tische und Bänke anfertigen, welche im Schiffenberger Walde in der Nähe des Ludwigsbrunnens aufgestellt werden sollen. + Silberne Hochzeit. Morgen am 2. Juni begeht Herr Schlossermeister Nagel in Gießen mit seiner Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Wir wünschen dem Paare, daß es dereinst in gleicher Frische und Rüstigkeit auch die goldene Hochzeit fetern kann. ** Ein Dampfschiff landete am Freitag auf der Lahn bei Gießen oben an der alten Klinikwäsche. Beamte der Wasserbauverwaltung hatten für den zukünftigen Kanalbau die Lahn besichtigt und waren von Diez aus bis Gießen mit einem Dampfsch ff stroman gefahren. Die Herren erflärten, daß die Strecke Weglar- Gießen als geplanter Wasserweg sehr billig herzustellen sei und dessen Ausbau sehr wenig Schwierigkeiten machen würde. ** Am letzten Freitag fand in Mainz die Sigung des Bezirkseisenbahnrats für die Direktionen Frankfurt a. M., Mainz und Kassel ſtatt. Zur VerHandlung stand u. a. ein Antrag der Siegener Handelsfammer, Morgen Schnellzug Frankfurt Gießen Weglar- Bezdorf- Hagen- Köln im Winterfahrplan wieder die alte Lage zu geben. Sodann wurde der schon wiederholt erörterte Antrag auf die Einlegung eines zweiten Schnellzug- Paares auf der Strecke Frankfurt- Gießen- Bezdorf- Köln- Hagen wiederum verhandelt. Die Lage dieses neuen Schnellzuges ist etwa so gedacht, daß er morgens kurz vor 9 Uhr Köln verläßt und um 12 Uhr in Gießen eintrifft, während der Gegenzug etwa abends 6 Uhr von Gießen abfährt. Der Bezirkseisenbahnrat sprach sich einstimmig für die Befürwortung dieses Antrages aus. + An dem 52. Mittelrheinischen Aerztetag, welcher am Sonntag in Kreuznach abgehalten wurde, nahmen von Gießen die beiden Professoren Pfannenstiel und Vossius teil. Von den vorgesehenen 16 Reden wurden 8 gehalten nnd zwar sprach u. a. auch Professor Pfannenstiel über: Zur klinischen Dignität der Retrodeviationen. Als Versammlungsort für 1905 wurde Em bestimmt. ▲ Grünberg, 1. Juni. Der Plan für die projektierte Bahn Grünberg- Lich liegt von heute ab 14 Tage lang auf der hiesigen Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Interessenten wird damit Gelegenheit gegeben, sich über die verschiedenen Bunkte schon jetzt an der Hand dieses Planes zu informieren. Es fursiert im Ort das Gerücht, daß in den nächsten Tagen eine größere Versammlung stattfinde, welche sich mit dem Projekt beschäftigen soll. Hoffentlich wird damit die ganze Angelegenheit in die nötige Bahn geleitet. A Grünberg, 1. Juni. Ein hiesiges Gemeinderatsmitglied hat gelegentlich seiner Anwesenheit in Darmstadt beim Ministerium Erfundigungen über den geplanten Bau einer diotenanstalt eingezogen und ist ihm der Bescheid geworden, daß die Herren Geh. Obermedizinaliäte Neidhardt und Hauser im Laufe des Sommers das zum Bau nötige Gelände besichtigen und zum Ankauf desselben schreiten werden. In Aussicht genommen ist das Terrain vor dem Stadtwald oder am Tannenkopf. A Grünberg, 1. Juni. Wie verlautet, wird beabsichtigt, hier eine Anlage zu errichten, in welcher die in unserer Gegend massenhaft vorhandenen Bauridsteine bearbeitet werden sollen. Desen, die Zuzial- und Kreistags, auch gehört er dem Provinzialausschuß Kriegerverein am 26. Juni veranstalten und damit eine phel hatte des jr bemerkt und nd ihn durchzu Bte felbft nod ollte: das sollt dem Elschen Seit her in der und Kreisausschuß an. Kürzlich beging er auch die Feier feiner 25 jährigen Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied der Gewerbebant- Gießen. Der an Erfahrungen reiche Mann wurde ferner als Mitglied in den Aufsichtsrat der Hessischen Hypothekenbank berufen. Gutfleisch gehört politisch zu der freisinnigen Richtung. Wie er im Reichstage für das Zu- *** Klein- Linden, 31. Mai. Einen Familien- Ausflug nach dem Nationaldenkmal auf dem Niederwald wird unser Dampferfahrt auf dem Rhein von Mainz aus verbinden. Ein neuer Verein„ Radfahrerverein Klein- Linden" ist hier dieser Tage gegründet worden. Zum Vorsitzenden wurde Kaufmann Sommer gewählt. chaßte Bursch flandekommen der Arbeiter- Fürsorgegefeßgebung gewirkt, wird weihe. Da schon eine große Anzahl der benachbarten eften Entschluß ollte. Er haßte ihm nicht vergessen werden. Sein Einfluß in der Vertretung der Stadt Gießen hat, besonders unter Gnauth, mancher Hausen, den 1. Juni. Der Gesangverein„ Eintracht" begeht am 26. Juni das Fest der FahnenGesangvereine die Beteiligung zugesagt hat, so steht zu erwarten, daß das Fest einen äußerst schönen Verlauf Die Festwirtschaft liegt in den Händen des Herrn Gastwirt Schaad. sich unterfing arbeiterfreundlichen Maßnahme zur Annahme verholfen. nimmt. einer Meinung dh ein älteres das Mädchen Auch sonst hat Dr. G., was alle Parteien anerkannt, sich große Verdienste um die Allgemeinheit erworben, in der Broving Oberhessen ist er sicher der populärste Mann, der * ** Aus Hessen, 31. Mai. Das Ministerium beschied ein von Frankfurt aus eingereichtes Gesuch um die Erlaub Kasino„ Kontordia" abgehalten. Vertreten waren 14 Bundesvereine mit 783 Stimmen. Die Entwickelung des Gesamtvereins hat auch im abgelaufenen Vereinsjahre günstige Fortschritte gemacht; neu aufgenommen wurden im Laufe desselben die Zweigvereine Alsfeld und Altenstadt, während der Verschönerungs- Verein Salzschlief um Aufnahme Die Ers nachsucht, die einstimmig gutgeheißen wird. richtung eines Bismarckturmes auf dem Taufstein soul beschleunigt werden. Nach dem Projekt des Architekten Hofmann in Herborn betragen die Erbauungskosten desselben rund 17000 Mt., wovon bis jetzt über 7000 Mt. gesammelt sind. Das Verzeichnis für Sommerwohnungen im Vogelsberg soll demnäst in neuer Auflage erscheinen. Für einheitliche Wegemartierung wurde eine Kommission gewählt. Die Anträge des Vorstandes des Gesamtvereins V. H. K. betreffs baulicher Eiweiterungen bezw. Veränderungen am Klubhause auf dem Hoherode kopf werden angenommen. Als Festort für die 21. Hauptversammlung wird auf Einladung des Gießener Zweigvereins Taufstein" Gießen bestimmt. + Betzdorf, 31. Mai. Heute Abend gegen 7 Uhr wurde zwischen hier und Kirchen ein 19 Jahr alter Italiener, welcher bei Neulegung der Bahngeleise beschäftigt war, von einem Güterzuge erfaßt und auf der Stelle in zwei Stücke geschnitten, sodaß der Tod sofort eintrat. " Fulda, 27. Mai. Gestern Abend wurde der Inhaber der Firma Fuldaer Eisenwerk", der Fabrikant Rettenbach wegen Betrug, Wechsel- und Urkundenfälschung verhaftet. *** Aus dem Odenwald, 31. Mai. Das Getreide hat durch das Unwetter am Samstag in manchen Gegenden unseres Gebirges schwer gelitten. *** Von der Bergstraße, 31. Mai. Der Zentner Kleeheu wird vom Acker weg mit 2.50 bis 2 80 Mt. bezahlt. X Bingen, 30. Mai. In der heutigen Sigung der Stadtverordneten- Versammlung wurde mit 7 gegen 6 Stimmen endgültig die Einführung einer kommunalen Biersteuer beschlossen. Aus dem Gerichtssaal. Strafkammer. - Gießen, den 31. Mai 1904. Wegen eines im Jahre 1898 zu Gießen begangenen Diebstahls wurde kürzlich der Arbeiter Theodor Rinau aus R xdorf durch das Schöffengericht Gießen zu fünf Wochen Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung über die von ihm hiergegen eingelegten Berufung ergab, daß Ristau, welcher damals als Bahnarbeiter tätig war, plöglich von Gießen verschwand unter Mitnahme von ihm nicht gehörigen Kleidungsstücken und Schmuckgegenständen. Die Berufung wurde kostenfällig abgewiesen.- Der in Friedberg wohnhafte Christian Zentner aus Rücklingen entwendete in der Nähe von Bad- Nauheim ein dem Zirkus gehöriges Stück Leitungsrohr im Werte von 3 Mt. Da Diebstahl im Rückfall vorliegt, wurde auf 3 Monate Gefängnis erfannt. Der wegen Eigentumsvergehen vielfach bestrafte Knecht Heinrich Hedtler aus Sulzbach stahl zu OberErlenbach, wo er bedienstet war, einem Mittnecht Kleider, Geld und Papiere. Unter Einbeziehung frührer Strafen wurde auf eine Gesamtzuchthausstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt.- Der mit Zigeunern umherziehende Adolf Richter von Antwerpen geriet zu Eckartshausen in angetrunkenen Zustande mit dem Kammerjäger Rose in Streit und schoß ihm mit einer Pistole eine Ladung Schrot in den Kopf. Urteil: 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis.- Taglöhner Gustav Frielé und dessen Ehefrau, sowie deren Sohn Heinrich, haben sich wegen Diebstahls bezw. Begünstigung zu verantworten. Die schlecht beleumundeten Eltern haben zwei Uhren, die ihr Soyn gestohlen hat, verheimlicht. Der noch jugendliche Sohn erhielt eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten und 2 Wochen, während der Bater mit 5 und die Mutter mit 3 Tagen Gefängnis davontamen. Zum Schlusse wurde der noch jugendliche Kaspar Kipper von Ober- Seemen wegen einer Störperverlegung, die er mit einem Messer dem Karl Rapp von Mittel- Seemen am Kopfe zufügte, mit einer Gefängnisstrafe von 10 Monaten und 90 Mt. Geldbuße beleat. - Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 2. Juni. Zeitweise starkwindig, zeitweise heiter, kühler, zunächst Gewitterregen, später vereinzelt Regenschauer. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Katholische Gemeinde. Mittwoch, den 1. Juni. Nachmittags um 5 Uhr und abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Donnerstag, den 2. Jani. Fronleichnamsfest. Vorm. von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heilig. Kommunion. H " 17 " 8 H Die zweite heil. Messe. um 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. um 2.30 Uhr: Fest- Andacht mit Segen. Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unterhaltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Teil Karl Klose, Grünberg. Die Geisel der Menschheit nannte ein be= rühmter Arzt den Husten, unter dessen nachhaltig schädlichen Einwirkungen vier Fünftel der Menschheit leidet. Wer sich vor den unheimlichen Folgen der Katarrhe 2c. schützen will, der beachte den der swegen ebenso fich der hohen Achtung und des Vertrauens auch der Kreise nis zum Bau einer Zahnradbahn auf den Melibokus ab- heutigen Gesamtauflage unseres Blattes beigegebenen dabei gewejen erfreut, die nicht mit ihm politisch auf gleichem Boden stehen. schläglich, weil durch eine solche Bahn die landschaftliche Prospekt über Dr. med. 2 a users Husten tropfen, em Elschen in den Vorsatz zur dhen Sache zu Forts folgt Jängen. In allen Körperschaften, denen er angehört, ist seine Ansicht und sein Rat in den meisten Fällen entscheidend In seinem Beruf zählt der Jubilar zu den hervorragendsten Juristen des Großherzogtums Hessen, er war früher einer der geSchönheit beeinträchtigt werde. X Alsfeld, 30. Mai. Gestern wurde die 20. Hauptversammlung des Vogelsberger Höhen- Klubs unter zahlreicher Beteiligung der oberhessischen Touristenvereine im hiesigen deren hervorragende Wirksamkeit durch viele Zeugnisse erwiesen ist. Man wende sich mittels der beigegebenen Karte an das Chemische Laboratorium Lauser, Regensburg. Deuer Saalbau, Giessen. Freitag, den 10. Juni, abends 8 Uhr: Konzert des Königlichen Musikdirektors Adolf Boettge. ( Begründer der historischen National- Konzerte) mit der gesamten( EO Musiker) Kapelle des Bad. Leib- Grenadier- Regts.( Karlsruhe). Piogramm: Oesterreich- Ungarn in Lied und Tanz mit Nationalinstrumenten. Die Kapelle hat es unternommen, musikalische Aufführungen zu veranstalten welche dem Publikum ein getreues Bild von der historischen Entwickelung der Nationalmusik aus aller Herren Länder geben soll. Eine Reihe hervorragender Musikstücke wird nicht allein in der ihnen eigentümlichen Instrumentierung, sondern mit den hierfür berechneten Instrumenten ausgeführt. Billette im Vorverkauf á 75 Pfennig sind zu haben bei Herrn Restaurateur Schrödel, NeuerSaalbau. Kassenpreis 1 Mark. Ohne Fleiss keinen Preis AURORA Patentkummet der Deuzeit. Dreifacher Schutz. Bekanntmachung. Vorteilhaftes Angebot!| | 33 bor Die Pläne über die Errichtung oberirdischer Telegraphenlinien an der Kreisstraße in Annecod und an dem von der Landstraße Krofdorf Kinzenbach Krofdorf abgehenden Wege nach dem Gleiberg liegen bei dem Kaiserlichen Postamt 1 in Gießen aus. Darmstadt, 26. Mai 1904. Kaiserl. Ober- Postdirektion. J. V.: Rogeßfy Cavalier Direkter Bezug von der Fabrik für Private unter Ausfall d. 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Saa AUS DEM REICHE DES WISSENS Nr. 121 Mittwoch, den 1 Junt. sche Familien 1904. f der Bürger Ft, liegt bom Lich- Grün ünberg. chinen, eitung. össte" ste Marke! daillen etc. berg. r. billig acbf.) e. franko. ben. hanstalt ller Art. weiteres für euzplatz und Stroudsburg niedergelassen, um den Leuten das Sterben zu erleichtern." ,, Wie kommt es, daß ihr euch auf dem Weg hierher nicht getroffen habt?" fragte Mrs. Humphreys. ,, Doktor Leeds kam nämlich auch vor kaum dreiviertel Stunden hier an. Sie müßten doch eigentlich Miß Scull überholt haben.“ " sch kam auf einem kleinen Umwege," sagte Leeds, „ und ,, Auch ich kam nicht auf dem direkten Wege," sette Myra bezeichnend hinzu. Doch selbst, wenn ich dem Doktor begegnet wäre, hätte ich ihn nicht wieder erkannt. Im Chauffeur- Kostüme, mit Müze und Augenschutz sieht man so ganz anders aus, als " Ich hätte Sie sofort wieder erkannt, Miß Scull. Solche Augen Ihr seid ja jetzt auf dem richtigen Wege, wie es scheint", sagte Mrs. Humphreys lachend. Doktor, ich lasse Sie in Miß Sculls Gesellschaft. Sie wird Sie nachher zum Salon führen PAUS DEM REICHE DES WISSENS ,, Lichtsignale" vom Mars. Vor nicht langer Zeit ist durch alle Blätter der Welt eine astronomische Nachricht gegangen, die gewiß Interesse verdient, die aber leider wie es oft mit ähnlichen Nachrichten geschehen ist bon phantasiereichen Journalisten derart ausgeschmückt worden ist, daß das große Publikum von dem wahren Wert der neuen Beobachtung nichts mehr erkennen kann. Besonders französische zeitungen haben lange Münchhausiaden über diese neue Beobachtung gebracht, die auch in deutschen Blättern wiedergegeben worden sind. Mr. Pickering, der Direktor der Havard- Sternwarte, hatte an die anderen Sternwarten eine Depesche gesandt, daß einer seiner GeIch bin sicher, Miß Scull ist eine ausgezeichnete Führerin hilfen, der Astronom Douglas, gelegentlich der Beobachtung des und werde mich vollkommen ihrer Leitung anvertrauen." War das eine fröhliche Gesellschaft! Gläser klangen, Toaste stiegen das Feſt war ein voller Erfolg. Leeds wußte es einzurichten, daß er fast den ganzen Nachmittag in Miß Sculls Gesellschaft weilte. Sie war aber auch so unterhaltend, konnte so herzlich lachen und so nett schmollen.— Ob sie wirklich böse gewesen, als er ihr sagte, er wünschte, sie würde mit ihm eine Reise durchs Leben machen?( Der Champagner war aber auch fein! Wie schnell sie die Hand zurückzog, als er sie leise drückte. Sie hatte solch nette, kleine Hand. Wenn Sie mit diesem Händchen eine Maschine führen können," hatte er zu ihr gesagt, wie leicht muß es Ihnen werden, einen Mann zu leiten." Da schmollte sie schon wieder. Der Abend war inzwischen hereingebrochen. Der Himmel war sternenlos. Der Mond hatte sich hinter Wolfen verborgen. Von Baum zu Baum hatte man Drähte gespannt, an denen japanische Laternen hingen. Um zehn Uhr sollte die Heimfahrt beginnen. „ Wilst du nicht mit mir zusammen fahren, Myra," fragte Mrs. Humphreys ihre Freundin.„ Es ist viel schöner zu Zweien. ,, Und meine Maschine?" „ Die bringt Mr. Bugby nach Hause. Nicht wahr, Walter," sagte sie zu dem Dastehenden, du kamst ja ohne Maschine. Würdest du Miß Sculls nach Hause steuern?" ,, Mit dem größten Vergnügen." ,, Nun eile, Myra, und mache dich bereit. Ich warte nur Planeten Mars helle, weiße Punkte, die sich zu einer Linie ergänzten, auf der Scheibe dieses Himmelskörpers beobachtet habe. Das Phänomen war während einer Stunde und zehn Minuten sichtbar. Was hat man nicht alles aus dieser einfachen Nachricht gelesen! Die Marsbewohner haben ein ungeheures Feuerwerk angezündet, sie versuchen durch eine Lichttelegraphie mit den Erdbewohnern zu korrespondieren; sie senden uns Neujahrsgrüße und fordern uns auf, gleichfalls Lebenszeichen von uns zu geben. Diese und ähnliche Erklärungen brachten die Pariser Journale, und knüpften gleichzeitig allerlei Märchen über den Mars und die Marsbewohner daran, die natürlich vom großen Publikum für bare Münze hingenommen werden. Jules Claretie( der Direktor der„ Comédie Française") z. B. veröffentlichte im Journal" ein Feuilleton, in dem er erzählt, daß auf dem Mars die Wälder und Wiesen, die Bäume und Sträucher vot seien, daß die Meere grün und die Menschen klein und von schmächtigerer Gestalt als wir" sind. Der Mars stehe der Sonne am nächsten, und auf seiner Oberfläche sei es im ganzen Jahre nur 24 Stunden Tag, sonst immer Dunkelheit. Was Mr. Douglas gesehen hat, ist natürlich nicht zu erklären; vielleicht rührt die helle Linie von hohen Gebirgszügen her, vielleicht von hochziehenden Wolken. Solche Beobachtungen sind äußerst subtil. Es ist nicht das erste Mal, daß man helle, leuchtende Flecken auf der Marskugel wahrgenommen hat, die sich wesentlich von den anderen, stets sichtbaren, gelbroten Länderstrecken und den grauen Meeren unterscheiden. auf dich, dann ſauſen wir dahin. Und zu erzählen habe hat man gelegentlich an anderen Punkten des Planeten große, weiße ich dir!" Fährst du allein, Doktor," fragte Henry Twining ſeinen Freund Leeds. " Ich bin ganz solo. Fährst du nicht mit Mrs. Humphreys?" An den Polen des Planeten sieht man ja diese weißen Flecken fast immer und ist geneigt, sie für Eis- und Schneemassen zu halten, ähnlich den Eiswüsten unserer irdischen Polargegenden. Auch sonst Flächen gesehen; beispielsweise erblickte ein Astronom auf einem „ Elysium" genannten kreisrunden Eiland, in der Nähe des Marsäquators, eine helle, weiße Fläche, die vielleicht durch ein Hochland, das durch einen Schneefall erhellt wurde, in die Erscheinung trat. Als vor wenigen Jahren am Marsrand ein heller Fleck beobachtet kommen, und will selbst fahren." Sie hat Miß Scull eingeladen, mit ihr nach Hause zu wurde, brachten alle Zeitungen lange Artikel über ein Lichtzeichen, Sonime mit mir, Henry, seze dich einstweilen in meine Maschine. Ich bin sofort unten." Als Leeds zu seiner„ Edith" gekommen, wunderte er ich, Twining noch nicht dort zu finden. Leeds nahm am Hebel Platz und wartete. Da kam er schnell eingestiegen-—„ Töff- Töff“ und los ging's. Noch hatte Leeds keine halbe Meile zurückgelegt, als er berierkte, daß nicht Henry neben ihm saß, sondern eine junge Dame: Miz Scull! ,, Was fällt Ihnen ein," fragte diese entrüstet, als sie den Srrtum erkannte. Was fällt Ihnen ein, Mrs. Humphreys' Maschine zu besteigen und mit mir davonzufahren?! Das finde ich im höchsten Grade Bitte sehr, das ist nicht Mrs. Humphreys Maschine, sondern die meine!" „ Das dasdas ist nicht möglich!" stotterte Myra it größter Verlegenheit. Hatte sie in der Dunkelheit wirklich die falsche Maschine bestiegen? Da kam der Mond aus den Wolken. Nein, das war Mrs. Humphreys'„ Red Devil." ( Schluß folgt.) das uns die Marsbewohner geben, um sich mit uns zu verständigen. Man bedenke, daß dieser Flecken" etwa die Größe des Königreichs Belgien hatte; welcher Riesenbrand müßte dort angezündet worden sein. Unsere modernen Riesenfernrohre zeigen uns zwar auf der Mondwelt Gegenstände von etwa 200 Metern Länge, auf dem Mars aber muß ein Objekt mindestens 10-15 Meilen im Durchmesser haben, damit wir es von der Erde aus wahrnehmen können. Von dem, was uns der phantasievolle Direktor der Comédie Française vom Mars erzählt, wissen die Astronomen nichts; ganz abgesehen davon, daß dieser Planet nicht der Sonne am nächsten steht, sondern erst nach dem Merkur, der Venus und der Erde kommt, ganz abge= sehen ferner von den 24 Stunden Tag, die dieser Himmelskörper nur einmal in seinem langen Jahre haben soll, ist in Fachkreisen von roten Wäldern, grünen Meeren und ähnlichen Dingen nichts bekannt. Der Aufklärung halber sei auch erwähnt, daß sich dieser Planet in 24 Stunden um seine Achse schwingt, also wie die Erde einen regelmäßigen Wechsel von Tag und Nacht hat. Es ist ebenso unwissenschaftlich, die Existenz der Marsbewohner behaupten zu wollen, wie es töricht wäre, die Behauptung aufzustellen, Mars sci nicht bewohnt. Wir wissen eben zur Zeit über diesen Punkt absolut nichts, und durch solche Münchhausiaden wird das, was wir wirklich wissen, nur entwertet und herabgewürdigt. Nr. 121 Mittwoch, den 1 Junt. 1904. Oberhessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage der Gießener Neueste Nachrichten. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein. (( 10. Fortsetzung.) Die Rache ist mein. Originalroman von Ottomar Beta Die alte Dame riß die Augen auf und nickte. Dann suchte sie sich plötzlich zu erheben. " Da gibt's zu tun, da gibt's zu tun," murmelte sie, während ihr Sohn ihr den Arm reichte. Er sprach laut dazwischen Freilich, Mamachen, wir müssen ganz Deutschland für den Plan interessieren." starrte sie,„ das bleibt ganz unter uns." ,, Nein Dann deutete sie mit dürren Fingern auf Erich und ihre Lippen murmelten unverständliche Worte. Der Justizrat nahm Erich beim Arm und wollte ihn zur Tür hinausziehen, während ihm der Schweiß auf der Stirn perlte. Erich aber widerstand und folgte ihm nur auf den Balkon. Jene unartikulierten Töne, das Lachen der Greisin vermengte sich mit halblauten aber heftigen Vorstellungen seitens ihres Sohnes:„ Aber Mamachen, ich flehe dich an ,, Kommen Sie in den Garten, Erich," flüsterte der Justiz rat, sie ist nicht mehr ganz Herrin ihrer selbst." " O, hätten wir das doch vorher bedacht," bebte Franziska. " Ich mußte es mit eigenen Augen sehen, um es zu glauben," sagte Erich.„ Es ist besser so." Man kann sich ein andermal aussprechen," flüsterte der Justizrat, die Gegenwart ihres Sohnes irritiert die alte Dame. Sie ist sonst ruhiger.' „ Die Larve läuft ihm nach Moriz zischeln. !" hörte man Frau Sie hatte die Macht über ihre Sprache wiedergefunden. Sie stieß ihren Sohn beiseite und richtete sich vollends auf, indem sie ihn ankreischte:„ Was will er? Bin ich eine Idiotin, daß man mein Wort nicht achtet? Lebe ich dir bereits zu lange?" Dann deutete sie wieder auf Erich, der nun das Zimmer verlassen wollte, und vom Balkon zurückkehrte. Sie wiederholte gebieterisch:„ Was will er?“ Erich, der sich nicht geradezu stellen" lassen wollte, ertviderte ihren Blick, aber in so gleichmütiger Weise, wie man ein ſeltſames Insekt betrachtet. Er hob nur die Hand zum Zeichen, daß man sie ausreden lassen möchte, ohne sich selbst zum Sprechen zu bequemen. Es erfolgte überhaupt keine Antwort. Herr Moritz begnügte sich damit, die Achsel zu zucken, gleichsam zu seiner Entschuldigung. Warum blieb er nicht bei seinen Skalpjägern und Goldgräbern, wohin schon der Vater sich hätte trollen müssen?" schrie die Greisin. ,, Aber, gnädige Frau, bedenken Sie doch...!" flehte nun der alte Fiebiger. Er hatte Erichs Arm losgelassen, und während der Kopf der alten Dame und ihre Augen unterschiedliche Bewegungen machten, als suchte sie den letzten Redner zu fixieren, wich dieser nicht ohne Scheu den ihm zugedachten Blicke aus. Bedenken!" schrie sie nun, Erich abermals zum Opfer wählend, hat sein Vater je bedacht oder er selbst? Abenteurer alle beide, Vater und Sohn, geboren, andere Leute unglücklich zu machen. Kaum hat er den Boden hier be= ührt, geht alles drunter und drüber. Kriecht wie die Kazze ( Nachdruck verboten.) ins alte Haus und wird empfangen wie einer der drei Weisen aus dem Morgenlande, obwohl ohne einen anständigen Rock. Borgt sich Geld von Sträflingen!" Das seltsame Geräusch drang nun wieder aus ihrer Kehle hervor. " Ich ziehe schon morgen aus, Frau Moritz, deshalb be= unruhigen Sie sich nicht," ergriff nun Erich gelassen das Wort, und der erwähnte Sträfling hat sein Geld zurück erhalten." Fiebiger wollte reden, er rang nach Atem und wagte sich einen Schritt vor, aber seine Tochter hielt ihn zurück. Auch Erich gab ihm ein Zeichen, um der Erzürnten das Wort zu sichern. Herr Moriß seinerseits schien der Situation endlich sogar einigen Geschmack abzugewinnen. Es entstand eine Pause. Betrachten mich wohl wie das Gespenst in der Komödie, was?" rief Frau Moriß. Sie zappelte in höhnischer Hilarität wie eine Marionette, während sie sich im Kreise umſah. Wie können Sie denken, liebe gnädige Frau," ermannte sich nun Fiebiger auszurufen,„ daß, wenn wir hätten ahnen können „ Liebe gnädige...!" stieß Frau Moritz heraus, die liebe Gnädige wird Ihnen was zu tun geben... Herr!" Dabei fiel ihr Blick endlich auf Franziska. " Nun?" fragte sie, als ob sie einen Kniefall erwartete, ,, und Sie, Jungfer Stolzenburg?" Erich trat zwischen die beiden Damen. Gilt diese Anrede dem Fräulein Fiebiger?" fragte er; zugleich bot er Franziska den Arm. Kommen Sie, gnädiges Fräulein, und verzeihen Sie uns, daß wir Sie zum Zeugen einer solchen Szene machten." Er verbeugte sich, und Franziska folgte ihm willig zur Tür hinaus, während die Alte ihnen hinterdrein kreischte und lachte. 3wölftes Rapitel. Erich führte Franziska unverweilt die Stufen vom Altan hinab, rechts herum in den Park, der vom Herrenhause her sich bis an den Fluß erstreckte. Es war ein zerklüftetes Terrain mit Terrassen und abschüssigen Wegen, auf welches die erzürnte Hausherrin ihnen nicht hätte folgen können, auch wenn ihr Sohn und der alte Fiebiger es ihr gestattet hätten. Hier standen uralte Buchen, Ulmen und Eichen am Abhang, und unten am Ufer, wo das Gelände sich ebener hinzog und sich nach dem Flusse hin wiesenartig verlief, befanden sich Gartenanlagen, welche aber sehr vernachlässigt worden waren, entweder aus Geiz oder weil man das Terrain als bereits für andere Zwecke bestimmt ansah. Einige Weiden, wie sie Ruisdael so gerne malten, begrenzten das Ufer und senkten ihre graugefiederten Zweige bis in die funkelnden Wellen des langsam fließenden Stromes. Hier atmeten die beiden Flüchtlinge auf. Der Kontrast zwischen dieser Stätte des Friedens und der Hölle des Hasses, ;= beitete ge. onsби Chhandlung. je 10 Mark. exikon. zig und Wien. Bl. entgegen. Idungen nimmt mädden cunden pro Tag ibant. ich gefal. 40%. bzugeben pedition. ulatur ser, Stempelfabrik mpel- Kaiser) Charlottenstr. 16 ntaschen und Portemonnaies -Stempel jed. Art billige pel von 2,25 Typenan, Stempel v. 20 Pf. San, kl. Stemp Musterb.gr c. 127 onnement prete Gaus gebracht 60 wab ble Steen Conttobelingen: Ob Bad Blatt erfdein für Obe Enth Schutz vor u -Juristische 2 Auf dem friminali gart tagte, wurde eine bollständig ignoriert: teſte, ständig der Gef werden, so ist diese Berhaftung. möglichst glu D glüdlichen es gibt feinen Staats meine Schen vor de eugeneidlichen Bern erflaren, daß böswill sei ein Mann, vor Gott ein Kind, berdächtigen Segönnen. bringen Um mittel gegen eine ung ausgestattet werden. hädigung unschuldig für die erlittene vern Aber die Möglichkeit e dadurch nicht verringe der Untersuchu Nach den heutige обет mit Rücksicht auf die pegen Fluchtverdacht puren zu verhüten borzunehmen. Dem Einsicht in die der Beschwerde zu, nicht legung am Gen große Rech grope that Forverfahren zu der Gründe fehem, an der Ehre un Schädigung möglichst gründlichen Umid richterliche Allgewalt, ift. Das germanische erscheinen hatte. Römertums, die Mö mit in die Wagschal schien die verwandte richt und war unter mit dem Leben für befannter vor Gerich as anwesende Zuhör er den Angeklagte bereit sei, möge sidh Teil an die altdeutsc fellte den Einfluß des pieder her. In den L inftitutionen beffer be Jeine Berbaftung ein mat, insbesondere in Surg aus ortseingefe ibt. Dieser Aussch hauptes durch die englischer Bürger ein unferer Schöffe lide Gitung ab, in die Gegenbewe Selbst wenn die als die Beschuldigun Reumundes des An nicht angenommen Sigerstellung denne mund des Angeschul gewichtig mit, währ hung vollständig in Diese Frage eri hätten deshalb Sammlung sich auch Jedenfalls wäre es frage im Angesicht de offentlichen Distusfio bir b Zur Lad Kurz vor dem Au Baterberg hat Oberft Enuppenmusterung b aber bier Kompagnier tbois, drei a und biet Batteria dabei tilerie eine Aniprad Fang. Nach der in Gottesdienst stat daften vorreiten, Sonderbare Din man wurde. Vorkomm werden aus Swato briefe vom 29. Apri den mit dem Reichs die sie soeben verlassen, schien ihnen erstaunlich. Franziska war die erste, das Schweigen brechend. " Ich danke Ihnen, daß Sie mich vor einer schweren Beleidigung bewahrt haben, und ich bitte Sie, es meinem armen Papa nicht übel zu nehmen, daß er uns nicht sofort gefolgt ist." Dann stürzten ihr die Tränen aus den Augen und sie lehnte den Kopf schluchzend gegen einen der alten Weidenstämme. Sie sah so jung und kindlich aus in threm Schmerze, daß Erich in diesem Augenblick ihr gegenüber nichts empfand, als die brüderliche Verpflichtung, ihr beizustehen und sie zu trösten. Er trat an sie heran und legte leise seinen Arm um ihre Schulter. Sie sollen nicht mehr weinen, Franziska," sagte er sanft, und auch Ihr Vater soll sich diesen Erniedrigungen nicht länger aussetzen müssen." Er muß nicht!" schluchzte Franziska, er hätte es niemals sollen. Warum zittert er vor dieser Frau, während er vor Männern das Wort führt...?" Sie befreite sich fanft aus Erichs Arm und trocknete ihre Tränen, selbst schon wieder lächelnd, da Erich sie lächelnd ansah. „ Vielleicht, Franziska, zittert er nur Shretwegen," sagte Erich, und das verzeiht ihm gewiß ein jeder, der Sie kennt; ich selbst schäße ihn darum nur um so höher, wenn das möglich wäre." Dann ergriff er Franziskas schlaff herabhängende Hand und führte sie an die Lippen. Sie entzog ihm dieselbe nicht, aber sie blickte ängstlich die Terrassen empor und als sie dort ihren Vater sah, schnellte sie zurück und lief ihm mit ausgebreiteten Armen entgegen. Auch Erich war erschrocken zurückgefahren. Ein plögliches Bangen hatte sich seiner bemächtigt. Wie, wenn die Todfeindin es sähe, daß er dieses holde kind liebte...?! So schoß es ihm durch das Gehirn, indem er langsam folgte. Fast ohne ein Wort zu wechseln, gingen die Drei zusammen die stellenweise kaum mehr erkennbaren Wege entlang, jedes seinen eigenen und eigenartigen Gedanken nach hängend. Und der Ort war für solche Grübeleien so günstig und verlockend. Auch in diesem Park hatte Erichs Vater ein Zeichen seines philosophischen Tiefsinns hin erlassen, auch hier in Verbindung mit einer Sonnenuhr, wie er eine solche an dem Hause in der Domstraße angebracht hatte. Zwischen Bos fetts, von Beeten und Bänken umgeben, stand sie auf einem Steinernen Postament in Form einer Urne, deren Deckel als Weiser diente. Rings umher blühten die Herbstblumen, duftlos, aber farbeninnig, Aſtern und Georginen, und welke Blätter deckten den Boden unter ihnen, während die klare Luft noch von goldig getöntem Lichte durchwebt war, wie es der Sonne eigen ist, wenn sie die Tag- und Nachtgleiche der Jahresneige überschreitet. ,, Sumus umbra" stand auf dieser Urne, derselbe klöster liche Sinnspruch, den Fiebigers auch auf den Stein hatten sezen lassen, der die Stätte bezeichnete, wo Erichs Eltern zur ewigen Ruhe gebettet waren. Wir sind wie ein Schatten... flüchtig wie der eines Vogels, der vorüberfliegt." Der alte Fiebiger seufzte, als man an dieser Stelle auf dem Rundgange Halt machte. Wenn nur Frau Moritz diese Mahnung beherzigte. Ihr Haß wirft allerdings einen schwarzen Schatten auf unser Leben." Auf unseres doch nicht, Papachen," tröstete Franziska, Erich heranwinkend, wir müssen uns dieser bösen Einflüsse verwehren, koste es, was es wolle." ,, Wehre sich einer, wenn er gebunden ist!" murmelte der Alte, und sie ist von Sinnen und tobt selbst gegen ihren Sohn wie eine Rasende." „ Eigentlich ist es unrecht, ihr davon zu laufen." " Ist es unrecht?" fragte Franziska, leicht errötend. Es war mir so zu Mute," sagte Erich, als dürfte Ihr Fräulein Tochter diesen wahnsinnigen Selbstverrat der unheilvollen Frau nicht länger mit anhören." „ Warum haßt sie Herrn Staudius? Was hat er ihr getan?" fragte Franziska. Man trägt der Schwäche des Alters Rechnung," wandte der Justizrat ein.„ Denke, wenn ich erst einmal so weit bin. Es schien, als wollte er in Tränen ausbrechen. „ Papachen!" Franziska schlug den Hals des Vaters. Erich lächelte. angstvoll ihren Arm um „ Dann werden Sie schwerlich irgend welchen verborgenen Haß verraten," sagte er, sondern nur Ihr gutes Herz auf der Zunge tragen." " Ja, ja, Kinder und alte Leute sprechen die Wahrheit," seufzte der Justizrat, nach Fassung ringend., Indessen, Erich, Sie werden es ihr nicht nachtragen." Die Nache ist mein, spricht der Herr," erwiderte Erich, aber das soll mich nicht hindern, für begangenes Unrecht Rechenschaft zu fordern und gewisse Vergeltung zu üben." Der Justizrat machte große, verwunderte Augen. Er war oft wie ein Kind. Wollen Sie einen Prozeß anfangen, Erich... wegen des Gutes? Das wäre ein aussichtsloses Unternehmen. Sie würden einfach abgewiesen werden." „ Daran denke ich auch nicht," versicherte Erich, sontdern an das Sprichwort: Auf einen Schelm anderthalbe. Ich glaube, unter uns gesagt, daß ich noch einmal wieder in den Besitz dieses Gutes gelangen werde." Der Justizrat hob die Brauen noch höher als zuvor und sah die Urne vor sich an, als ob diese nun mit ihm Zwiegespräch hielte. Zuversichtlich war mein alter Freund auch, trotzdem er diese Inschrift hierher setzen ließ: Sumus umbra, zuversichtlich, namentlich in Hinsicht auf die eigene Kraft. Man kann auch in der Vertrauensseligkeit zu sich selbst zu weit gehen." Erich lächelte. Es ging ihm durch die Seele, dieses Sumus umbra, wie ein Beethovensches Motiv in hundert mächtigen Variationen, oder wie eine Bachsche Fuge mit brau sendem Orgelflang. Aber er erwehrte sich dessen. ,, Sumus umbra," sagte er, ist das nicht ein bischen entmutigend für eine Welt, wo alles auf Tatkraft und Schnelligkeit ankommt und welche jede Saumseligkeit und Schwäche, selbst die gutherzigste, schlimmer ahndet als ein Verbrechen." Vielleicht ist es nicht gut, sich von derartigen Devisen zu sehr beeinflussen oder niederdrücken zu lassen," stimmte Franziska in scherzendem Tone bei, sie sind immer nur auf besondere Stimmungen berechnet." Erich nickte.„ Wir stehen hier mitten im Weben des Herbstes und aller Zeichen der Vergänglichkeit. Wir gedenken der Eitelkeit alles Irdischen und uns erscheint dieses finstre Wort wie ein umfassendes Motto des Lebens. Aber im Frühling, wenn die Veilchen blühn, hoffe ich abermals hier zu stehn, und dann, wenn ich hier Herr sein werde, lasse ich dieses Sumus umbra auslöschen und setze dafür hin einen Ovidschen Vers, dessen ich mich noch aus den Schultagen her entsinne: Fugit interea, fugit irreparabile tempus... Nimmer säume; es flieht, und unwiederbringlich, die Zeit." Franziska sah lachend zu ihm empor. ,, Warum nicht time is money? Bumal wenn hier nun eine wüste Fabrik herkommen soll, so daß man es vor Hämmern und Getöse nicht mehr aushalten kann?" Der alte Herr blickte von einem zum andern, hob wiederum die Brauen und schüttelte mit dem Kopfe. ,, O Vanitas, vanitatum vanitas! Indessen das Leben fordert sein Recht. Ihr Frauen seid immer unlogisch. Eine Wüste! Was verstehst du darunter? In diesem Falle handelt es sich um eine Arbeitsstätte, aus der Tausende Reichtum und reichlichen Lohn ziehen, eine Quelle der Größe für das Vaterland. Schöne Aussichten, deren gibt es ja viele! Und ich habe immer gefunden, je mehr deren sind, um so geringer ist die Bevölkerung, und je schöner die Gegend, nicht recht. Halten Sie es für eine Entweihung dieser Stätte, um so ärmer ist das Land. Lieber Erich, ich verstehe Sie wenn mir hier etwas herbauen?" Erich schüttelte mit dem Kopfe. -sch gehe nicht so weit wie Cobden, der große Prophet, dem eine Gegend nicht gefiel, wenn sie nicht verräuchert war," gab er zur Antwort; allein diesen Park möchte ich gerne erhalten." Der Justizrat blickte so verdußt drein, daß Erich und Franziska nun unwillkürlich in ein schallendes Gelächter ausbrachen, welches vielleicht bis zum Herrenhause empordrang und dort neuen Verdruß erregte. ( Fortsetzung folgt.) Vor Menschen Vor Menschen zeige deiner Menschheit Größe, In kräftiger Tat bewähre sich dein Wille, Vor Gott erkenne deine Schwäche und Blöße. „ Töff- Töff." Humoreske von Berthold A. Baer. ( Nachdruck verboten.) Sie sind hiermit höflichst eingeladen, an der am Sonntag, den 21. Juni, morgens 7 Uhr, stattfindenden gemeinschaftlichen Ausfahrt des Coolidge Töff- Töff- Klub" teilzunehmen. Versammlungsplay: Backers Road House. Der gemeinschaftliche Imbiß wird in" The Arlington" in Woolworth eingenommen. Der Vorsitzende des C.-T.-T.-C. Cheſter F. Downs." " Das paßt mir ausgezeichnet," sprach Realff Leeds. Da kann ich meine ,, Edith" zum erstenmal ausnehmen und gleich mit den Damen und Herren der Gegend bekannt werden. Ob Miß Scull an der Ausfahrt teilnehmen wird? Wie kann ich das nur ausfinden? Ich muß eben abwarten." Stroudsburg, Elmhurst und Coolidge sind drei kleine Städtchen, deren Elite immer miteinander wetteifern. Gründet man in Strousburg eine„ Glee- Klub"", dann ist man sicher, bald aus Elmhurst von einer„ Choral Society" und aus Coolidge von einem Symphonie- Orchestra" zu hören. Dabei laden die einen die anderen ein, um zu zeigen, daß man nicht zurück ſtehe. Man wählte zur ersten Vereinsfahrt als Endziel Woolworth, weil man eine große Tour machen wollte, die die Ausdauer der Maschinen und die Tüchtigkeit der„ Chauffeure" beweise und die Entfernung bis Woolworth dazu Gelegenheit gab. Doch fehren wir wieder zu Realff zurück. Es sind kaum drei Monate, daß er sich in Stroudsburg niedergelassen, und da bei einem jungen Doktor viel auf das Aeußere gesehen wird, bestellte er sich sofort ein Automobil, einen sogenannten„ Roten Teufel", um schneller zu seinen Patienten gelangen zu können, falls er solche einmal bekomme. Bis jetzt hatte man ihm das Arbeiten ziemlich leicht gemacht. Als indes der„ Red Devil" angekommen, sagten sich die Stroudsburger:„ Das muß ein tüchtiger Arzt sein." Auf seinen Probefahrten kam Leeds auch nach Coolidge, woselbst er Gelegenheit hatte, Miß Myra Scull zu sehen. Sie fuhr in einem eleganten„ Oldsmobile" und lenkte das Fahrzeug selbst. Ein Blick in Myras Augen genügte, Leeds zu einem Herzkranken zu machen. „ Töff- Töff" ** Lachender Sonnenschein begrüßte die Automobilisten, als sie sich zur Ausfahrt nach Woolworth rüsteten. In fliegendem Tempo ging es„ Backers Road House" zu. „ Töff- Töff-" Wieder ein Auto. Wer nur der Chauffeur ist? Mit den großen ,, Goggles" vor dem Gesicht, sieht einer wie der andere aus. „ Töff- Töff" Da fliegt Chester F. Dawns hin, neben ihm Miß Langen, in weißem Mullfostüm. Sie sieht entzückend aus. „ Töff- Töff" Ist das nicht Missis Humphreys, die junge Witwe, in ihrem„ Red Devil?" Mit welcher Nonchalance sie die schwere Maschine leitet. So flogen sie dahin, eine nach der andern und ehe die siebente Stunde anschlug, hatte sich eine ansehnliche Gesellschaft zusammengefunden. Nach einer kurzen Begrüßung setzte sich der Zug in Bewegung. Realff Leeds war absichtlich nicht am Versammlungsplate eingetroffen; ein Doktor, der eine„ Praris" hat, darf nie zeitig zu einer Gesellschaft kommen. Neun Uhr war bereits vorüber, als Realff seine„ Edith" tadelte. „ Töff Töff" und los ging es nach Coolidge und dann dem guten Glücke nach gen Woolworth, und weiter, bis er an eine Kreuzung dreier Wege kam. Welcher Wea führt nach Woolworth? Da kam ihm ein Mann entgegen, als eben auch ein Automobil hinter ihm hörbar ward. Welcher Weg führt nach Woolworth?" fragte Leeds den Therkommenden. Ohne sich umzudrehen, deutete der Gefragte nach links. Als Leeds ebeit der Weisung folgen wollte, hörte er eine Damenstimme sagen: Nach Woolworth nehmen Sie den Weg zur Rechten." Leeds schaute sich um, erkannte Miß Scull, hob dankend seine Müße und fuhr los nach rechts. Miß Scull bereute es fast, zu einem Fremden gesprochen einen falschen Weg bezeichnete. Sie kannte den Weg; war sie zu haben. Sie konnte aber doch nicht zusehen, wie man ihm doch schon einmal nach Woolworth gefahren. Etwa vier Meilen hinter der Kreuzung stand eine große alte Buche, darunter eine Quelle; sie selbst hatte aus der Quelle damals getrunken. kannte ihn nicht, hätte ihn auch nicht erkennen können mit ſeiOb der Chauffeur auch nach Woolworth fahre? Sie leder umhängen? Es gefiel ihr, daß er ihrer Weisung gener großen Schußbrille. Warum Männer nur solche Scheufolgt war, ohne nur einen Augenblick dem Farmerjungen zu glauben. Leeds ließ seine„ Edith" fliegen, damit der Staub die Denn daß sie nachkomme, stand bei ihm fest. freundliche Wegweiserin nicht belästigte, wenn sie nachkomme. Myra fuhr langsam; er sollte nicht denken, daß sie die Bekanntschaft fortzusetzen wünsche. Vier Meilen. Jezt mußte die Buche kommen und die Quelle. Sollte sie noch keine vier Meilen gefahren sein? Merkwürdig, der Meilenmesser zeigte bereits fünf Meilen. Sie fuhr eine weitere Meile: keine Buche, keine Quelle. Und ringsum nicht eine Stelle, an die sie sich erinnern konnte. Himmel! Wenn sie ihm den falschen Weg gezeigt hätte! So mußte es sein! Was nun tun? Sie mußte ihren Irrtum berichtigen und ihm sagen, daß sie ihn auf falsche Fährte geleitet... „ Töff- TöffMyra ließ ihre Maschine fliegen, doch sie kam dem Dahinfahrenden nicht näher. Wie war es möglich, ihn auf den Irrtum aufmerksam zu machen? „ Töff- Töff“,„ Töff- Töff" klang es unaufhörlich aus ihrem Gummihorn. Da ließ der im Laufe nach er hatte offenbar ihre Signale gehört und gedacht, sie benötigte seiner Hilfe. Endlich war sie bei ihm. " Ich bitte um Verzeihung, mein Herr," sagte Myra in höchster Verlegenheit, ich habe Ihnen den falschen Weg gezeigt. Dies ist nicht die Straße nach Woolworth. Ich bedauere unendlich..." ,, eine Ursache," entgegnete Leeds, seine Müze lüftend. ,, Dies ist eine reizende Gegend, und ich bin froh, sie gesehen zu haben. Wirähich muß wohl umkehren und zurückfahren,, Bis zur Dreikreuzung, dann links." ,, Besten Dank." Hierauf wandte er seine Maschine und war bald in der Ferne verschwunden. In The Arlington" herrschte reges Leben und Treiben. Die Mitglieder des„ C.-T.-T.-C." waren angelangt, die Maschinen untergestellt, der irdische Mensch in passable Verfassung gebracht und nun sollte dem Magen sein Teil werden. Da sauste eine Maschine an. Brrrrr Stille stand sie. Sofort eilten mehrere Herren dem Ankommenden entgegen und bald befand sich Realff Leeds in angenehmster Unterhaltung. Mrs. Humphreys schien ganz besonderen Gefallen an dem jungen Doktor zu finden. Wie seltsam, daß die beiden genau dieselbe Maschine fahren. „ Geistesverwandtschaft," sagte Leeds. Schmeichler," entgegnete die junge Witwe. Es war fast vier Uhr, als Miß Scull ankam, über und über mit Staub bedeckt. Leeds erkannte sofort seine Wegweiserin und nahm die Gelegenheit wahr, sich ihr vorstellen zu lassen. Myra," sagte Mrs. Humphreys, als sie die beiden miteinander bekannt machte, dies ist Doktor Leeds, der sich in