S the 3. März. after. Bfg. 26 52 24 48 72 22 Bäcker: ra Dern II. nden inmüller ( Langrich Heuchelh.) el Wiefed 44 23 24 Bel Lang L. SteinGr- Lind. 25 oft, Wiefed Beir: Klein I., Gr. Lind. 18 Süßmuth 26 46 erg Steinmüller Bangaöns) 48 el Wiefed igel, Lang atobAppel, f, Heinrich Heuchelheim Steinmüller ind.) Soft, Wiefed Lein Klein: 50 52 Georg Dern Sr. Linden 21 einmüller We Beigel, LangL. Stein r Gr. Linden Weber, ich elheim, Ferd. Grüningen 22 Bein Klein 24 1. Gr- Lind. 78 Süßmuth, berg u. Jakob Krofdorf 42 Steinmüller Linden) W. müller Wwe. göns, Heinrich r, HeuchelW, Weizel Göns, Karl Wiesed und Spamer, rchen. and Weiß, ngen ein, Klein 8 Süßmuth erg 48 52 abel und Boft, Wiesed 66 Spamer irchen und Schimmel nb.- Mühle 44 rfäufer. wie bet den außer bei Hrch. Schwarzbrod 24 Februar 1904. amt Gießen, et. ste ea1Mk. GU on 5. März Lotterie Roten Kreuz I Lose 10 M. rt.u.L.25Pfg. ohne Abzug 44 000 15 000 15000 Ik. 5000 2000 " 2000 3000 us. 7000 " " W Semmler. Ph. Weller. 10000 Stürmer ssburg i. E. d. Timerman 8. Fichteftr. 33. Nr. 51. bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbetlagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Coifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Dienstag, den 1. März 1904. Gießener 13. Jahrgang. Jnsertionspreis: Die einspaltige Betitzelle für ganz O hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10- Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Boftzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und UmgebungEnthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Ein Schweres Gefecht mit den Derero hat am 25. Februar in der Nähe von Omaruru stattgefunden. Zwar war es für die deutschen Waffen erfolgreich, indessen kostete der zehnstündige Kampf auch unserer Truppe beklagenswerte Verluste: Ein Offizier, Oberleutnant Schulze, ist gefallen, drei andere Offiziere und zwei Gefreite sind schwer und ein Sergrant und zwei Gefreite leicht verwundet. Wahrscheinlich sind diese Verluste erfolgt bei einem Bravourſtüd der Kompagnie Franke, die bekanntlich z. 3t. Omaruru trotz großer Schwierigkeiten, die dem entgegenstanden, Entsatz brachte, bei diesem neuen Zusammenstoß mit dem starken, gut bewaffneten und wohlverschanzten Feinde durch einen Sturmangriff den Ausschlag zu gunsten der deutschen Waffen gab. Die amtliche Mitteilung über das Gefecht, ein Telegramm des Gouverneurs Leutwein vom 28. Februar, besagt: Die Kolonne des Majors v. E storff hatte am 25. Februar ein zehnstündiges schweres Gefecht an der Wasserstelle Otjihinanaka, 50 Kilometer östlich Omaruru, gegen zahlreiche und tapfer fechtende Herero in vorzüglicher Stellung, gegen die Artilleriewirkung unmöglich war. Abends wurde die feindliche Stellung durch Sturm der Kompagnie Franke durchbrochen, worauf die Herero sich in östlicher Richtung zurückzogen. Verluste des Feindes unbekannt. Erbeutet wurden 500 Stück Großvich und 2000 Stück Kleinvich. Die deutschen Verluste sind: Tot: Oberleutnant Otto Schulze aus Krosien. Schwer verwundet: Oberleutnant Frhr. v. SchönauWehr, Schußwunde am linken Knie. Oberleutnant Hannemann vom Seebataillon, Leutnant v. Stülpnagel, beide Schuß durch rechten Oberarm, Gefreiter Vollrath Friedrich aus Coßwig, Kreis Zerbst, Querschuß durch Unterkiefer, Gefreiter Ernst Binder aus Holzgerlingen in Schwaben, Schuß durch linke Lunge und linken Oberarm. Leicht verwundet: Sergeant Bernhard Becker aus Brackupönen, Ostpreußen, Streifschuß an der rechten Backe, Gefreiter Bruno Sputh aus Schönefeld, Kreis Leipzig, Streifschuß am linken Unterarm, Gefreiter Reinhold Meusel aus Wald, Kreis Zittau( Königreich Sachsen), Streifschuß am Kopf. Der Rückzug der Herero ist, nach der Erbeutung so großer Viehbestände zu schließen, eine eilige Flucht gewesen. Ihre Verluste an Kämpfern dürften bei der guten Deckung, die sie hatten, kaum bedeutend gewesen sein. Sonst hätten sie wohl wenigstens die Toten zurückgelassen. Einigermaßen auffällig berührt die weiter aus der Kolonie borliegende und von Berliner amtlichen Stellen bestätigte Meldung, daß der Kommandant des in Swakopmund liegenden Kanonenboots Habicht", Korvettenkapitän Gu dewill, plößlich in die Heimat zurückberufen worden ist, er ist dem Chef der Nordseestation zur Verwendung überwiesen worden. Sein Nachfolger im Kommando des„ Habicht" ist Kapitänleutnant Kühne. Korvettenkapitän Gudewill war bekanntlich bis zum Eintreffen des Gouverneurs Leutwein in Swakopmund Leiter der Operationen gegen die Herero und hat als solcher außerordentliche Umsicht und Tatkraft entwickelt. Bisher unverbürgte Gerüchte, die gestern an der Berliner Börse im Umlauf waren, wollten von großen Unruhen im Kamerungebiet wissen. Angeblich habe ein Börsenbesucher die Mitteilung erhalten, vier ihm bekannte Weiße in Kamerun hätten vor aufständischen Eingeborenen die Flucht ergreifen müssen. Zugleich wurde, wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter uns meldet, erzählt, der in Potsdam wohnhafte Vater eines in Kamerun tätigen Deutschen habe von diesem ein Telegramm des Inhalts erhalten:" Bin wohlbehalten." Eine solche Meldung würde allerdings darauf schließen lassen, daß etwas in Kamerun nicht in Ordnung ist. Hoffentlich sind die amtlichen Stellen bald in der Lage, Licht in die Sache zu bringen. Der Krieg in Oftalien. Die Absicht der Japaner, vor allem Port Arthur, den russischen Hauptstützpunkt, niederzufämpfen, sei es vom Meer, sei es vom Lande her, wird jetzt auch von der russischen Heeresleitung in ihrer vollen Bedrohlichkeit erkannt. General Stößel, der Kommandant von Port Arthur, spricht in einem Tagesbefehl offen aus, daß die Lage von Port Arthur äußerst gefährdet jei und an den Heldenmut der Besatzung die höchsten Anforderungen stelle. Das interessante Dokument trägt das Datum vom 27. Februar und richtet sich sowohl an die Verteidiger der Festung wie des befestigten Lagers, als auch an die Bevölkerung. Die Japaner so erklärt General Stößel- halten die Besitzergreifung von Port Arthur für eine Frage der nationalen Ehre. Aus den hartnäckigen Angriffen der Japaner und der Beschießung der Festung und der verschiedenen Buchten folgere ich, daß der Feind beabsichtigt, auf der Halbinsel zu landen, und den Versuch machen wird, von der Festung Besitz zu ergreifen und im Falle eines Mißerfolges die Eisenbahn zu zerstören. Der Feind irrt sich aber. Unsere Truppen wissen, und der Bevölkerung tue ich kund, daß wir nicht weichen werden. Wir müssen bis aufs äußerste kämpfen, da ich, der Kommandant, niemals Befehl zum weichen geben werden. Ich richte daraus die Aufmerksamkeit der weniger Mutigen und fordere alle auf, sich durchdringen zu lassen von der Ueberzeugung, daß es notwendig ist, bis auf den Tod zu kämpfen. Wer ohne zu kämpfen fortgeht, wird sich nicht retten. Es gibt keinen Ausweg, auf drei Seiten ist das Meer und auf der vierten wird der Feind sein. Es bleibt nur übrig zu fämpfen. Trotz der mannhaften Worte, die der General gebraucht, liest man zwischen den Zeilen seiner Kundgebung eine gewisse trübe Vorahnung, als würde es ihm trotz des Vertrauens auf seine wackeren Soldaten nicht gelingen, Port Arthur vor dem übermächtigen Feind zu retten. Ja, man ist fast versucht, daraus zu folgern, daß dem Feind an irgend einer Stelle der Liaotunghalbinsel die Landung schon geglückt sein müsse, da der General den Landangriff als bevorstehend bezeichnet. Aber auch, wenn dies nicht der Fall sein sollte, gefahrvoll muß die Lage im höchsten Grade sein, wenn der Kommandant sich gezwungen sieht, einen Aufruf zu erlassen, der alles andere, nur keine Beruhigung herbeiführen kann. Die Erregung in China mächst von Tag zu Tag. Unter der chinesischen Bevölkerung ist das Gerücht verbreitet, daß die Japaner bestimmt am 1. März einen entscheidenden Sturm auf Port Arthur unternehmen werden. Die Sympathie für die Japaner ist groß. Eine russische Meldung besagt: Prinz Tsin erklärte dem Pekinger japanischen Gesandten, daß die Haltung der in China lebenden Japaner, welche seit mehr als einer Woche lügenhafte Gerüchte verbreiteten, leicht einen Aufruhr der chinesischen Bevölkerung gegen die Europäer hervorrufen könne. Der Prinz ersuchte daher, entsprechende Maßnahmen zu treffen.- Die Konzentrierung chinesischer Truppen westlich von Mukden im Rayon von Koupangtse im Hsinmintun erscheine sehr verdächtig. Die chinesischen Truppen verstärkten ihre Posten und schafften Kampfvorräte herbei. Die Haltung der Bevölkerung sei nicht überall zuverlässig, an manchen Punkten verweigere sie den Verkauf von Produkten. Von neuen Unternehmungen ist wenig zu melden. Die zussischen Kosakenvorposten schwärmen über die Jalulinie in berwegenen Patrouilleritten nach Korea hinein und hatten mehrfache Zusammenstöße mit japanischen Truppen. Doch kann diesen Gefechten keinerlei Bedeutung beigelegt werden. Wichtiger sind die Operationen zur See, die sich jetzt auf einen größeren Raum zu verteilen beginnen. Die Russen scheinen sich, da sie offene Seeschlachten gegen die Japaner vorläufig nicht aufnehmen können. auf den Kaperkrieg werfen zu wollen, um dem japanischen Handel möglichst viel Abbruch zu tun. Im Roten Meer übt ihre dort liegende Flotte eine strenge Kontrolle über alle Kauffahrteischiffe aus und untersucht namentlich Engländer sehr fireng auf Kriegskontrebande. Auch in der Nähe von Sto lombo kreuzt ein russisches Schiff. Vor Port Arthur halten die Japaner weiter aufmerksame Seewacht. Die Lichter ihrer Aufklärungsschiffe sind ständig bom Hafen aus sichtbar. Die russische Flotte in Port Arthur hat einen empfindlichen Schlag erlitten: Der" Retwisan", ihr stolzestes Schiff, ist nicht wieder flott zu machen. Das Stück, welches eingesetzt war, um den von dem Torpedo gerissenen Leck zu stopfen, hat nicht gehalten. Aber auch die Japaner haben Verluste zu verzeichnen. Wie jetzt von amtlicher russischer Seite festgestellt ist, wurden in der Nacht vom 25. Februar ein japanisches Torpedoboot in die Luft geSprengt und ein anderes versenkt. Den Rumpf des letzteren spülten die Fluten an das Ufer. Die Politik. Neue Gerüchte von einer bevorstehenden Aussöhnung zwischen den Häusern Hohenzollern und Welf werden aus Kopenhagen verbreitet. Der Herzog von Cumberland werde Ende März seinen Schwiegersohn in Schwerin besuchen, um dann mit diesem zum Geburtstage König Cheytans nach Kopenhagen zu fahren, wo man wohl auch den deutschen Kronprinzen als Gratulanten sehen werde. Inwieweit dieses Gerücht auf Tatsachen beruht, läßt sich natürlich nicht kon trollieren, ebensowenig wie das bereits gemeldete, daß der Kaiser an der Hochzeit des Großherzogs von Schwerin teil. nehmen wird. * Was bereits seit dem ersten Tage der Debatte über das bayerische Wahlrechtsgesek feststand, ist erfolgt: In der Münchener Abgeordnetenkammer ist das Gesetz gestern mit 96 gegen 60 Stimmen abgelehnt worden. Für das Gesetz stimmten das Zentrum und die Sozialdemokraten, dagegen die Liberalen und die Freie Vereinigung. Die Folge dieses Beschlusses ist, daß es bei dem bisherigen bayerschen Landtagswahlrecht bleibt, nur mit dem Unterschiede, daß die Re. gierung auf dem Verordnungswege eine Neueinteilung der Wahlkreise gemäß der im Entwurf vorgesehenen vor. nehmen wird. Der vom preußischen Handelsminister angefündigte Erlaß betr. das rechtzeitige Einschreiten der Behörden in Streitfällen zwischen Aerzten und Krankenkassen ist jetzt den preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten zugegangen. Hiernach sind die Kassenvorstände mindestens 14 Tage, bevor die Aerzte ihre Tätigkeit niederzulegen beabsichtigen, aufzufordern, den Nachweis zu führen, daß ihnen am Ablaufstage der Verträge mit den bisherigen Aerzten eine bestimmt zu bezeichnende Anzahl anderer Aerzte zur Vorfügung stehe. Anderenfalls soll den Kassenvorständen die Beschaffung des erforderlichen Aerztepersonals duru) die Aus= sichtsbehörden angedroht werden. Oefterreich- Ungarn. Der Ministerrat hat beschlossen, die österreichisch- ungarische Zollkonferenz zum 2. März einzuberufen. Die Konferenz wird die Vorschläge feststellen und ausarbeiten, die der deutschen Regierung zum Zwecke der Abänderung des bestehenden Handelsvertrages mit Deutschland übermittelt werden sollen. Amerika. Die Yankees sind wieder einmal außer sich über die unverschämten Europäer. Diesmal sind's die britischen Freunde, auf die Onkel Sam ärgerlich ist. Nach einer Meldung aus Washington trafen sechs britische Schlachtschiffe und sechs Kreuzer vor La Guayra( Venezuela) ein. Flugs deutet das Washingtoner Staatsdepartement die Anwesenheit der Kriegsschiffe als einen Versuch einer Bedrohung Venezuelas, um es zur Zahlung der vom Haager Schiedsgericht Deutschland, England und Italien zuerkannten Summen zu veranlassen. Warum sich doch die tugendsamen Amerikaner den Pelz der Venezolaner zerreißen! Hof und Gesellschaft. ** In Kiel fand in Gegenwart des Kaisers die Bei sehung des jungen Prinzen Heinrich statt. Nachdem der Kaiser am Bahnhof seinen Bruder aufs herz. lichste begrüßt und gefüßt hatte, begab er sich direkt ins Schloß. Während der Trauerfeier, die vom Propst Bäcker abgehalten wurde, der den verstorbenen Prinzen auch getauft hatte, feuerten die im Hafen liegenden Flaggschiffe Hildebrand",„ Prinz Heinrich", Pelikan" und" Wittelsbach" einen Trauersalut bon 21 Schuß ab. Abends ſezte der Kaiser von Kiel aus die Reise nach Oldenburg, Wilhelmshaven, Helgoland, Bremerhaven und Nordenham fort. Am 5. März gedenkt er wieder in Berlin einzutreffen. Deutfcher Reichstag. ( 45. Sigung.) CB. Berlin, 29. Februar. Während bei Port Arthur in dem heißen, zähen Ringen das nun schon seit Wochen unter dem ehernen Donner de Schiffsgeschüße und Festungsbatterien um die Beherrschung der Seestattfindet, jeden Augenblick eine folgenschwere Ent scheidung fallen kann, und während der Aufmarsch de Truppen die Entscheidungsschlacht zu Lande immer nähe rückt, harrt in Tokio eine Brigade englischer Korrespondenten enttäuscht und ungeduldig der Erlaubnis, auf den Kriegs. schauplatz eilen zu dürfen und dort gleichsam von der Tribüne die auch für ihre eigenen Landesinteressen so bedeutsamen Ereignisse verfolgen zu können. An diese Situation wurde man gemahnt, wenn man während der heutigen Sitzung des Reichstags die Wandelhalle und ihren Vorhof gefüllt sah von Angehörigen der Berliner russischen Kolonie, meist Studenten und Studentinnen, die vergebens die Abgeordneten um Einlaßkarten zu den Tribünen bestürmten, um der„ Russendebatte" beizuwohnen. Als es sich am Schluß der Samstag, sizung herausstellte, daß die Debatte heute ihren Fortgang nehmen würde, waren in kurzer Zeit sämtliche Tribünenplätze vergriffen. Eigentlich hätte es des grausamen Spiels genug sein können, nach den ausgiebigen Debatten im Reichstag und im preußischen Abgeordnetenhause. Die beteiligten preußischen Minister hatten, um der Sache ein Ende zu machen und den Sozialdemokraten die Möglichkeit zu nehmen, ihr Rückzugsgefecht als einen Erfolg auszugeben, ihre ursprünglichen Kompetenzbedenken zurückaeſtellt, waren am Sonn abend im Reichstag erschienen und hatten das Anklagematerial des Abg. Haase durch tatsächliche Angaben widerlegt. Die heutige Verhandlung war nunmehr bestimmt, den Barteien des Hauses Gelegenheit zu geben, auch ihr Urteil in der Sache zu sprechen. Die Bedeutsamkeit der heutigen Verhandlung befundet nicht nur die außerordentlich starke Be segung des Hauses, sondern auch die bis auf den letzten Platz gefüllte Diplomatenloge und nicht zum wenigsten das Eingreifen des Reichskanzlers nach einer Rede des Abg. Bebel. Dieser behauptete, daß die sozialdemokratischen Angriffe nicht widerlegt seien. Hierauf antwortete Reichskanzler Graf Bülow: Ich habe das Krankenlager verlassen, um mich hier über das auszusprechen, was wir von Bebel gehört haben. Ich glaube, alle Regierungen haben sich gegen die anarchistische Propaganda zu unterstützen. Der Anarchismus muß bekämpft werden, so gut wie jede andere Pest. Der Reichskanzler erörtert die im Laufe der letzten Jahrzehnte stattgehabten Ermordungen von Staatsoberhäuptern bezw. von leitenden Staatsmännern. Alle diese seien dem Messer solcher Mordbuben zum Opfer gefallen. Sollen, wir den anarchistischen Bestrebungen gegenüber gleich gültig sein? Nein, meine Herren! Die Zulassung der russischen Agenten sei stets widerruflich. Die Agenten haben sich bis jetzt unsere Achtung erworben. Sie dürfen keine polizeilichen und feine polizei- ähnlichen Funktionen ausüben. Auch wird ihre Tätigkeit fortgesezt von den preußischen Behörden überwacht, um etwaige Ausschreitungen der Agenten zu verhüten. Die Zulassung der russischen Agenten ist lediglich ein Akt der Vorsicht gegen anarchistische Bestrebungen. Nach der Rede des Reichskanzlers ergriffen noch mehrere Abgeordnete das Wort. Es ergab sich eine Uebereinstimmung der Mehrheit des Hauses, daß Uebergriffe der russischen Agenten nicht vorgekommen seien, die aber auch nicht geduldet werden dürften. Preussifcher Landtag. ( 30. Sigung.) Haus der Abgeordneten. RK, Berlin, 29. Februar. Der Gesezentwurf, der zur Verbesserung der Interbeamten und Arbeiterwohnungen weitere Staatsmittel fordert, beschäftigte heute in erster Lesung das Haus. Seine Beratung nahm nur kurze Zeit in Anspruch: Nachdem Redner der Nationalliberalen, der Konservativen und des Zentrums ihre Zustimmung zu der Vorlage ausgesprochen hatten, wurde diese der Budgetkommission überwiesen. Dann begann die zweite Lesung des Etats der Bauverwaltung. Der Nationalliberale Witz- mann eröffnete die Debatte mit der Forderung, daß auf den Verkehrsstraßen möglichst überall Radfahrerwege angelegt werden möchten. Ein Regierungskommissar betonte, daß die Schaffung solcher Wege Sache der Gemeinden sei. Dann gab es eine kurze Debatte über die Beschleunigung des Dortmund Emskanals und schließlich ein langes Hin und Her über die Frage der Schiffahrtsabgaben, von deren Einführung doch, wie die Regierung wiederholt erklärt hat, nicht die Rede ist. Von konservativer Seite wurde der Erhebung solcher Abgaben entschieden das Wort geredet, ebenso von dem Zentrumsredner Herold, von der Linken wurde sie ebenso entschieden bekämpft. Irgend ein Beschluß wurde nicht gefaßt, außer demjenigen, der die Weiterberatung auf Mittwoch vertagte. Hus dem Gerichtssaal. § Im Pirnaer Duellprozeß ist nunmehr die Verhandlung auf kommenden Donnerstag vor dem Kriegsgericht der 3. Dibision in Pirna anberaumt. Es sind an 40 Zeugen geladen. Die Verhandlungen finden unter Ausschluß der Deffentlichteit statt. Ueber die Vorgeschichte der Aufsehen erregenden Angelegenheit geben wir im Nachstehenden die hauptsäch lichsten Tatsachen wieder. Der Oberleutnant Krohn vom 64. Artillerieregiment in Pirna, ein bekannter Herrenreiter und vorzüglicher Pistolenschütze, sah sich veranlaßt, um seiner Familienehre halber drei seiner jüngeren Kameraden zum Duell zu fordern. Die Zweikämpfe fanden Mitte Januar d. Is. in dem bei Pirna gelegenen Waldungen statt. Während Krohn in allen drei Fällen ohne Verlegung davonkam, wurde einer seiner Gegner durch einen Schuß in den Arm nicht unerheblich verwundet, so daß er dem Lazarett zugeführt werden mußte, wo er jetzt wiederhergestellt worden ist. Die schuldigen drei Offiziere sind inzwischen„ beurlaubt" worden. Auch Oberleutnant Krohn hat seiner Zeit die Garnison mit Urlaub verlassen, während seine Gattin, die das ganze Unheil angestiftet hat, seitens ihrer Angehörigen einer Nervenheilanstalt überwiesen wurde, gleichzeitig ist gegen die Ungetreue das Ehescheidingsverfahren eingeleitet worden. Nab und Fern. + Straßenunrnhen in Prag. Bei einer von dem poliftscen ( sozialistischen) Arbeiterklub veranstalteten Versammlung, die sich mit dem russisch- japanischen Krieg beschäftigte, kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei. 15 Personen wurden berhaftet. O Präsident Krüger liegt im Sterben. Diese Nachricht hat der frühere Burengeneral Ben Viljoen in St. Louis von Freunden aus Mentone erhalten. Nicht bloß der Körper, sondern auch der Geist des Präsidenten sei in Auflösung begriffen. Die Erlaubnis, sein Leben in Südafrika beschließen zu dürfen, ist dem Greise von der englischen Regierung verweigert worden. A Brandkatastrophe auf See. An Bord des englischen Dampfers Queen" brach zwischen San Franzisko und Seatle Feuer aus. Vier Passagiere und neun Mann der Besagung famen um. Ein weiterer schwerer Unfall auf See trug sich bei Danzig zu. Ein Fischfutter, in dem die Fischer Theodor Bartsch und Rudolf Foht zu Neufähr zum Breitlingsfang nach Hela gefahren waren, geriet auf der Rückkehr bei der Einfahrt in Treibeis, dabei ist das Fischerboot led gesprungen und gefunken. Beide Fischer ertranfen. Bartsch war Familienvater und hinterläßt vier Kinder. Ein Attentat beim Fünf- Uhr- Tee sette eine elegante Versammlung im Pariser Elysee- Palast in große Aufregung. Ein dem Hotelpersonal bekannter stellungsloser Italiener namens Marchioni sezte sich an einen Tisch und verlangte Tee. Als ihm dieser verweigert wurde, stürzte er sich auf den Zahlfellner und stieß ihm ein Stilet in die Brust. Doch dürfte der Verwundete am Leben erhalten bleiben. Vermilchtes. [ Der Gerichtssaal ist kein Theater!] In Wien frie jetzt an den Türen des Schwurgerichts und der Erkenntnis. gerichtssäle Plakate folgenden Inhalts angebracht:„ Der Ge brauch von Operngläsern ist strengstens untersagt. Der k. k. Landesgerichtspräsident Vittorelli." Die Vorgänge bei den drei letzten Prozessen, denen viele mit Operngläser bewaffnete Damen beiwohnten, hat den Anstoß zu diesem Verbot gegeben. [ Die armen Kriegskorrespondenten.] Ergößlich sol es sein, das Treiben der englischen und amerikanischen Kriegs. forrespondenten zu beachten, die in Masse auf Wartegeld in den Hotels Tokios siyen. Fortwährend werden die„ Maneger" um Nachrichten bestürmt. Auch der größte Unsinn wird dankbar angehört und schleunigst nach Hause telegra. phiert. Das Wartegeld muß doch eben verdient werden. Kürzlich eilte der Korrespondent einer englischen Zeitung in das Bureau des( deutschen) Direktors des Imperial- Hotels und machte ihm Vorwürfe, daß er( der Direktor) ihm das und das nicht gesagt, den anderen Korrespondenten aber mit. geteilt habe. Der also Belästigte erklärte, die bewußte Nach richt sei falsch. Er habe sie s. 3. fünf Minuten später auch bereits bei den Kollegen des Englishman dementiert.„ Aber das ist ja ganz einerlei," lamentierte der andere ,,, die Hauptsache ist, daß ich etwas telegraphiere, auf das was kommt es weniger an. Alle anderen Korrespondenten haben die Nachricht depeschiert und sind jetzt dobei, die Dementi nachzuschicken. Denken Sie, zwei Depeschen an einem Tage!" A[ Wie die japanischen Soldaten verpflegt werden.] Die Hauptverpflegsartikel der japanischen Armee bilden Reis und Fleischkonserven. Lettere enthalten je 250 Gramm Fleisch. Achtzig Blechdosen sind in einer Kiste verladen, wovon je drei auf ein Backpferd kommen. Der Reis wird in Säcken von je sechzig Pfund mitgeführt, wovon je zwei einem koreanischen Pony aufgeladen werden. Jeder Soldat führt stets zwei Nachschubportionen und sechs Reserveportionen Reis bei sich, erstere frtiggekocht, in seiner Eßschale aus Aluminium. Beim Abkochen werden große blecherne Stochkessel verwendet, wovon neun auf jedes Bataillon kommen. ** Anfragen von Angehörigen der Schutztruppe in DeutschSüdwestafrika laufen seit dem Ausbruch der dortigen Wirren bei der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin in diesen Tagen in großer Menge ein. Durch die Polizeibehörden wird daher jetzt darauf hingewiesen, daß derartige Anfragen, so berechtigt sie auch erscheinen mögen, ganz überflüssig sind. Sobald nämlich authentische Nachrichten aus Deutsch- Südwestafrika beim Auswärtigen Amte einlaufen, teilt diese Behörde den Angehörigen von Mitgliedern der Schußtruppe von selbst unverzüglich mit, was mit dem im Dienste der Truppe stehenden Sohne, Bruder u. s. m. ge schehen ist. Auch Richtigstellungen dieser oder jener Art werden den Angehörigen sofort telegraphisch übermittelt. FO. Die Wärmeabgabe des Radiums ist im Physikalischen Institut der Technischen Hochschule zu Hannover von J. Precht durch neue Untersuchungen sehr genau bestimmt worden. Schon früher hatten Curie und Laborde dieselbe zu 100 Kalorien für die Stunde und das Gramm reinen Radiums angegeben, später fanden Runge und Precht dafür 105 Kalorien. Die neuen Untersuchungen von Brecht wurden mit 34,1 Milligramm Bromradium angestellt, und es ergab sich für das Gramm Bromradium eine stündliche Wärme- Entwickelung von 61,15 Kalorien, woraus für 1 Gramm Nadium 98,83 Kalorien für die Stunde folgt. Sonach würden also 6,4 Kilogramm Radium ununterbrochen aus sich selbst heraus die einer Pferdestärke entsprechende Wärmemenge liefern. Die eigentliche Quelle aber, aus der das Radium seine Energie ununterbrochen schöpft, ist gegenwärtig noch unbekannt. Kurpfufcherprozefs Schröter. CB. Tilsit, 25. Februar. Ein ganzer medizinischer Areopag aus allen Teilen Deutschlands ist z. Zt. hier versammelt. Die Herren sollen teils als Sachverständige, teils als Zeugen in dem Prozeß des Kurpfuschers Schröter vernommen werden. Die Anklage lautet auf nicht weniger als 40 Fälle des Betruges, 17 Fälle der gefährlichen Körperverlegung, einen Fall der fahrlässigen Tötung und einen weiteren Fall der Mißhandlung und Beleidigung einer Patientin. In den meisten Fällen kommen Frauen und junge Mädchen als Geschädigte in Betracht. Die Untersuchungshaft des Angeflagten datiert vom 24. Mai 1902. Der Angeklagte ist 25 Jahre alt, hat das Gymnasium in Königsberg bis zur Obertertia besucht und ist später als Lehrling in ein Konfektionsgeschäft eingetreten. Nebenbei beschäftigte er sich mit medizinischen Studien. Der Vorsigende scheint aber nicht sehr von dem Wissen des Angeklagten in dieser Hinsicht erbaut zu sein, denn er wirft ihm vor, daß er behauptet habe, die Milz size auf der rechten Seite. Die magnetische Diagnose. Vors. Sie wollen aus dem Gesichtsausdruck den Sitz der Krankheit konstatiert haben? Angefl.: Ja, wenn ich den Gesichtsausdruck erfaßt habe, so verspüre ich in meinem Körper dort, wo der Kranke leidet, ebenfalls einen heftigen Schmerz.( Bewegung.) Vors.: Also wenn der Kranke an der Milz leidet Angekl.: So sticht's bei mir in der Milz. Die Milz speziell ist für mich Gemütsorgan. Aus ihrem Zustande schließe ich sehr viel. Ein Kranker, der z. B. viel Gram im Leben gehabt hat, besitzt immer eine Milzunebenheit, und ein Magnetiseur nimmt das sofort beim Magnetisieren wahr. Vors.: Und wie stellten Sie nun Ihre Diagnose? Als Magnetiseur kenne ich keine Diagnose an sich, sondern nur Hellfühlen, mit dem ich Krankheiten feststelle. Der Herr„ Profeſſor“. Der Angeklagte beruft sich, um die Stichhaltigkeit seines Verfahrens zu beweisen, auf den Professor" Scheibler- Hamburg, dem er einen großen Teil seiner medizinischen Bildung verdanke. Scheibler betonte, daß er Laienpraktiker sei und die Diagnose u. s. w. den in seinen beiden Instituten in Hamburg und Berlin tätigen Aerzten überlasse. Dr. Behrend hielt dem Angeklagten Schröter eine von diesem verfaßte Schrift:„ Meine Stellung zur Schulmedizin!" vor, in welcher u. a. die Behauptung aufgestellt wird, daß bei plötzlichem Schreck die roten Blutkörperchen sich in Berliner Blau verwandelten.( Große Heiterkeit.) Auf die Frage des Sachverständigen, ob er diese Behauptung heute noch aufrecht erhalten wolle, erwidert Schröter: Das ist eine Scheiblersche Theorie. Den Professortitel will Herr Scheibler von einer Pariser„ magnetischen Schule" erhalten haben. Diese sei zur Verleihung dieses Titels berechtigt und staatlich anerkannt. Kreisarat Dr. Bebrendt: Er müsse bemerken, daß zwischen Schule" und„ Akademie" in Paris ein Unterschied zu machen sei. Unter einer Schule, wie sie hier in Frage fomme, sei ganz einfach eine Fachschule zu verstehen, wie sie hier in Tilsit z. B. die Barbiere hätten.( Heiterkeit.) Das Gesundbeten gehört auch insofern zum Repertoire des Angeklagten ,,, als es eine Autosuggestion darstellt, und der Heilglaube erfahrungsgemäß viele Erfolge aufzuweisen hat." Vors.: Herr Sachverständiger Scheibler, Sie halten nichts von dem Gesundbeten? Sachb.: Nein. Vors.: Sie haben sogar in Ihrer Zeitschrift dagegen Stellung genommen, indem Sie auf dem Standpunkt stehen, daß Ihre Oszillationstherapie bollkommen genügt? Sachv.: Jawohl. Vors.: Sie haben auch einmal einen Ihrer Mitarbeiter, Dr. med. Steinice, zu einer solchen Geſundbeterin geschickt, die mit einem ..zwölfjährigen" Mädchen Braun arbeitete". Der Herr hat sich augenscheinlich über den Betrieb lustig gemacht, denn er schreibt da, daß das Mädchen für die glückliche Entbindung einer Frau und ferner dafür gebetet habe, daß ein Kutscher, der ein Talerstück verschluckt hatte, dies zu seiner Erleichte rung in gewechseltem Zustande in Form von 30 Silbergroschen wieder von sich gebe.( Stürmische Heiterkeit.) Das geheimnisvolle Augenglas, tische Kraft nifchen Nier handelt. taputt, und Arzt gelang ist die Frau Schröter nach Paftor Schlemo aud mit dem er i fdmitte mad trid. Die 3 auf Anordnu Bein legen ( Seiterfeit.) Ständigen, di Die Zeugin befondere Wi dazu: Das i Weiter geht Ja Schwer Beweisaufn und der Be das Schröter zur Untersuchung anwendete, wird vorgeführt. Durch dieses Glas will der Angeklagte erkannt haben, an welchen Krankheiten seine Patienten litten, und für welche Leiden sie außerdem veranlagt waren. Auch Unglücksfälle seiner Kranken will er durch dieses Glas vorausgesehen und ebenso die medizinischen Gifte erkannt haben, mit denen die Patienten vordem vergeblich kuriert worden waren. Schröter gibt dazu an, daß er das Glas genau nach den Angaben des ungarischen Arztes Dr. Perzely und seinen in dieser Beziehung selbständig gesammelten Erfahrungen habe anfertigen lassen. Das Glas sei eine von Rathenow bezogene, vier. fach vergrößerte Linse im Werte von etwa 30 Mark. Auf dem breiten silbernen Rahmen seien die einzelnen mensch, lichen Organe aufgezeichnet, und zwar in derselben Reihenfolge, wie sie, nach dem Angeklagten, auch in der Fris des Patienten sichtbar seien. Und zwar sehe er in der menschlichen Fris beſtimmte charakteristische Regionen", deren hellere oder dunklere Färbung ihm gegenwärtige oder frühere Krankheiten anzeige. Der Angeklagte will heute aber sein Augenglas nicht anwenden. Er untersucht einen Kranken vermittels Perkussion, doch wird ihm von den Aerzten vorgeworfen, daß er nicht einmal deren Grundregeln kenne. Er kann denn auch keine weitere Diagnose stellen, als daß der Kranke nicht an der Lunge leide. Der Sachverständige aber erklärt den Fall für ein typisches Lungenemphysem.( Heiterkeit.) Ferner leidet der Mann an einem Unterschenkelgeschwür. Angekl.: Na, das konnte ich doch durch die Perkussion nicht feststellen. Sachv.: Nein, aber Sie haben ihm ja in die Augen gesehen, und also auch die Augendiagnose angewandt, ver. mittels der ein berühmter Vorgänger von Ihnen doch schon als elfjähriger Knabe bei einer Eule einen alten Beinbruch festgestellt hat.( Heiterkeit.) Ein warmer Verteidiger ersteht dem Angeklagten in seinem Lehrer Dr. Steingießer, der selbst als praktischer Arzt die Scheibelsche Oszillationsmethode anwendet. Auf meh rere Fragen des Angeklagten erflärt Dr. Steingießer, daß innere Ruhe des Magnetiseurs eine unerläßliche Vorbedingung für das Gelingen eines Erperiments sei, und daß es dem Angeklagten in seiner Gegenwart gelungen sei, bei mehreren Patienten des Scheiblerschen Instituts überstandene Krankheiten, z. B. einen alten Beinbruch und Lungen- und Nierenerkrankungen, mittels des„ Augenglases" festzustellen. Sh. Tilsit, 29. Februar. Die Beweisaufnahme läßt in buntem Wechsel Fälle über Fälle an uns vorbeiziehen, in denen verzweifelte oder leicht. gläubige Kranke bei dem großen Wundermann" die Hei lung von allerlei Gebrechen suchten, die dieser ihnen teilweise bon der Nase ablas." Denn die Nasenbildung seiner Patienten galt dem vielseitigen Arzt" auch als ein wichtiges Symptom zur Erkennung ihrer Leiden. Im allgemeinen allerdings verließ er sich vor allem auf seine magnetische Kraft. Der magnetisch geheilte Zahnschmerz. Bei einer Zeugin, der Bäckermeistersfrau Helene Beh rendt, hat diese Kraft auch, als der Angeklagte ihr die Backen streichelte, heftige Zahnschmerzen beseitigt. Vors.: Und der Zahn hat nicht wieder weh getan? Zeugin: Nein, niemals wieder. Ich habe es auch meinem Zahnarzt erzählt, und der sagte: Na, es ist ja gut, wenn Ihnen der Glaube geholfen hat.( Heiterkeit.) Die Zeugin ist dann immer zu Schröter gegangen. Sie hat u. a. an Venenentzündung und Kopfschmerzen gelitten, wogegen Schröter Vorschriften in Bezug auf Diät und Kleidung gab. Auch wandte er wiederholt den Magnetismus an. Auf Befragen gibt die Zeugin an, daß sie länger als 7 Jahre an diesen Leiden laboriert und daß ihr kein Arzt geholfen habe, während Schröters Verordnungen in wenigen Wochen zu ihrer vollständigen Gesundung geführt habe. Eine„ Charakterstudie". Während eines Besuches der Zeugin bei Schröter assistierte diesem der Naturheilkundige Guter aus Detmold, der aus der Gesichtsbildung auch Schlüsse auf den Charakter der Zeugin zog und ihr eine„ Charakterstudie" aushändigte. Dieses ganz im Stil der bekannten Jahrmarktsplaneten verfaßte Machwerk gelangt unter großer Heiterkeit des Auditoriums zur Verlesung. Es heißt darin:„ Es ist Ihnen ein unbedingtes Bedürfnis, sich zu bewegen. Wohlwollen stark entwickelt. Interesse und Liebe für Fortschritt. Gut beanlagte Denkfräfte und juristisches Talent, auch wissenschaftliches Talent... Kann unter Umständen heftig werden. ( 3eugin: Das stimmt auch!) Muß sich hüten, auch nicht borübergehend tyrannisch zu werden. Sie finden Vergnügen an etwas Opposition, Sie können feinen Tag leben, ohne Widerstand zu leisten oder zum Kampfe herauszufordern. Sie würden als Offizier, Weltreisender, Großkaufmann, Industrieller auf dem rechten Plaße sein" u. s. w.- Vors.: Der Mann hat Sie doch gesehen, bevor er Ihnen diese„, Charakterstudie" gab, wie konnte er da solchen Unsinn schreiben, daß Sie sich zum Offizier eigneten?( Heiterfeit.)— Angefl.( einfallend): Das ist doch nichts Auffälliges. Guter ist eben von der Ansicht ausgegangen, es sei gar nicht ausgeschlossen, daß auch die Damen mal Offiziere werden.( Große Heiterkeit.) Außer dieser Zeugin treten noch einige andere Frauen für die angebliche Heilwirkung des Verfahrens des Angeklagten ein. Doch scheint es sich hier nur um ganz leichte Fälle gehandelt zu haben. Wo wirkliche Leiden vorlagen, wie z. B. bei der Ehefrau des Goldarbeiters Jaschick, die an Herzklappenfehler und Wassersucht litt, versagte die magneGelenfrheum Sachverständ handelt word Dr. Cahanom München rid dem Augeng! geftellt habe, aber den Pa und daraus worden war. frantten Fra geklagte fie handelt hatt Alinit gebra Angeklagte Später aud Magenkrebs daß dieser u Tod der Pati Puppe frag umberlaufen auch Krebs follen Sie m Lengerid ma Anfangsstadi Toile sehr of Der Landgericht Karl Dorn der Provin Amtsgericht bei dem La Birlang von Berd Prinzen Hei feinen Aufer * Au burtsta mütigen veranstaltet * April heil Eisenbahnge Telegrar hift rinnen, die Gebülfinnen gungsgehilfi Die Thüringi 7. März d. Erneuerung Die mit dem he ** bereing. Gobelinma dem badi Frau Co geschenkt. hat Frau fie in Erf der Zuwer werfen an Tage die um 2 wert wundervolle mahl der oberbeffifche zum Rauf a felben nicht Sammlung Betrag befa Auf Hellung 150 Ziel d. 6 33 Los I Mk J. Stü und a in Unterschie ier in Frage tehen, wie fie feit.) eflagten, ale glaube erfah Bors.: Herr bon dem Ge aben sogar in n, indem Sie ationstherapie Borj.: Sie r. med. Stei ie mit einem Der Herr hat acht, denn er Entbindung ein Kutscher, ner Erleichte n 30 Silber eiterfeit.) rd vorgeführt int haben, a nd für weld Unglüdsfälle usgesehen und mit denen di aren. Schro den Angaben in dieser Be habe anfer Dezogene, bier Mart. Au elnen meni jelben Reihen der Fris de er menschlichen deren heller frühere Krant er jein Augen fen bermittels borgeworfen Er fann denn Krante nich r erklärt den ( Heiterfeit enfelgeschwür erfussion nich in die Auger gewandt, ber nen doch scho ten Beinbrud flagten in sei raktischer Arzt t. Auf meh eingießer, daj he Vorbeding und daß e sei, bei meh überstandene Lungen- und festzustellen. .Februar. sel Fälle über Ite oder leicht ann" die Hei ihnen teilweis ng seiner Pa ein wichtige n allgemeinen e magnetijd r3. Helene Beh hr die Backen rf.: Und der 1: Nein, nie marzt erzählt, der Glaube nn immer zu tzündung und Sorschriften dte er wieder bt die Zeugin eiden laborier end Schröter ständigen Ge röter affiftierte mold, der aus Charakter der aushändigte. planeten ber t des Audito ft Shnen ein Iwollen start Gut bean wissenschaft ftig werden en, auch nicht n Vergnügen leben, ohne auszufordern aufmann, J 5. Vors en diese„ Cha finn schreiben eit.)- An lliges. Guter gar nicht aus Derden.( Groß andere Frauen ns des Ange m ganz leichte den vorlagen safchick, die an te die magne tische Kraft. Eine Arbeiterfrau Harpeng, die an einer chronischen Nierenentzündung litt, würde ebenfalls erfolglos behandelt. Schröter erklärte dem Mann, die Nieren seien faputt, und neue Nieren ließen sich nicht einsehen. Einem Arzt gelang es, die großen Wassermassen zu beseitigen, doch ist die Frau inzwischen verstorben. Heilkräftiger Kohl. Schröter behandelte Beinleiden auch mit Lehmumschlägen nach Pastor Felcke und benügte in dem Fall der Kutscherfrau Schlemo auch den sogenannten Baunscheidtschen Lebenswecker, mit dem er ihr in ihren kranken Fuß eine Menge kleiner Einschnitte machte, die er dann mit dem Baunscheidtöl" be= jtrich. Die Zeugin bekundet, daß sie vor der Lehmanwendung auf Anordnung des Angeklagten Kumstblätter auf das kranke Bein legen mußte. Vors.: Kumst? Das ist ja Kohl. ( Heiterkeit.) Ich bemerke das nur für die Herren Sachverständigen, die nicht von hier sind.( Erneute Heiterkeit.) Die Zeugin erinnert sich nicht mehr, ob die Kohlblätter eine besondere Wirkung ausgeübt haben. Der Vorsitzende bemerkt dazu: Das ist nun die ganz naturgemäße Naturheilmethode. Weiter geht's nicht mehr.( Heiterkeit.) Fahrlässige Körperverlegung und Tötung. Schwer belastend für den Angeklagten gestaltet sich die Beweisaufnahme in den Fällen des Bäckermeisters Otto Häse und der Besitzersfrau Melzner. Der erste litt an schwerem Gelenfrheumatismus und Atemnot und ist nach Aussage der Sachverständigen vom Angeklagten ganz unvernünftig behandelt worden, so daß Lebensgefahr eintrat, die durch den Dr. Cahanowit beseitigt wurde. Privatdozent Dr. SalzerMünchen richtet an den Angeklagten die Frage, ob er mit dem Augenglas den Salizylgenuß bei dem Patienten festgestellt habe, was dieser bejaht. Sa ch v.: Vorher hatten Sie aber den Patienten nach den Rezepten der Aerzte gefragt und daraus entnommen, daß von diesen Salizyl verordnet worden war.( Heiterkeit.) Der Fall der an Magenkrebs erfrankten Frau Melzner führte zum Tode, nachdem der Angeflagte sie lange Zeit fälschlich auf Magenkatarrh hin behandelt hatte. Als die Frau endlich in die Königsberger Klinik gebracht wurde, war es zu ihrer Rettung zu spät. Der Angeklagte bemerkt zu diesem Fall, daß er die Geschwulst später auch gefühlt und daraufhin konstatiert habe, daß Magenkrebs vorlag. Es sei aber eine Erfahrungstatsache, daß dieser unheilbar sei, und so könne ihm unmöglich der Tod der Patientin zur Last gelegt werden. Der Sachv. Prof. Puppe fragt den Angeklagten, wie er die Frau troßdem noch umberlaufen lassen konnte und ob er nicht gewußt habe, daß auch Krebs manchmal noch heilbar sei.- Angek I.: Das sollen Sie mir erst mal nachweisen.( Heiterkeit.) Sachv. Lengerick macht dagegen darauf aufmerksam, daß Krebs im Anfangsstadium durch Herausschneidung der angegriffenen Toile sehr oft heilbar sei. ( Fortset. folgt.) Lokales. 1. März 1904. Der Großherzog hat am 26. Februar d. J. den Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Karl Dornseiff zum Landgerichtsdirektor bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen, Ludwig Neuenhagen, zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen, beide mit Wirfang vom 11. März 1904 ernannt. * * Beranlaßt durch den Tod des jüngsten Sohnes Prinzen Heinrich von Preußen wird der Großherzog feinen Aufenthalt in Riel noch um einige Zeit ausdehnen. ** Aus Anlaß der 400ften Wiederkehr des Se burtstages des Landgrafen Philipps des Großmütigen von Hessen soll in ganz Kurhess n ein Volksfest veranstaltet werden, das Ende Juli stattfinden soll. * ** Neue Titel bei der Staatsbahn. Ab 1. April heißen die etatzmäßigen Fahrkarten ausgeberinnen: Eisenbahngehülfinnen, diätarische Fahrkarten ausgeberinnen, Telegrath stinnen, Abfertigungsbeamtinnen: Eisenbahnanwärterinnen, die tie Probedienst beschäftigten weiblichen Besonnen: Gehülfinnen im Probedienft, Hülfstelegraphiftinnen, Abferti gungsgehülfinnen 2c.: Aushelferinnen. * Die Haupt- und Schluß- Ziehung der 3. HessischThüringischen Staatslotterie beginnt bereits am 7. März d. J. Es wird hiermit an die sofortige Los. Erneuerung zu dieser Klasse erinnert. Die Schonzeit auf männliches Rehwild beginnt mit dem heutigen 1. März, ebenso auf Enten. * Museum des oberhessischen Geschichtsverein. Zwei überaus wertvolle Seidenstickereien, in Gobelinmanier kunstvoll auf Papier ausgeführt, Arbeiten aus dem badischen Schwarzwald, Landschaften darstellend, hat Frau Conditor Hettler dem Museum im alten Rathause geschenkt. Obgleich es sich um alte Familien- Erbstücke handelt, Hat Frau Hettler sich doch von denselben getrennt, nachdem sie in Erfahrung gebracht, wie sehr der Allgemeinheit mit der Zuwendung von solch eigenartigen und seltenen Kunstwerken an das Museum gedient ist.- Ferner ist dieser Tage die Gammlung von Binngeschirr im alten Rathause um 2 wertvolle alte Binnschüsseln bereichert worden, welche wundervolle Zeichnungen enthalten und ehemals beim Oftermahl der Juden( Seeder) benutzt worden sind. Da der oberhessische Geschichts- Verein, dem diese seltenen Schüsseln zum Kauf angeboten waren, über Mittel zum Ankauf derselben nicht verfügte, wurde von privater Seite durch eine Sammlung unter unseren israelitischen Mitbürgern der nötige Betrag beschafft. * * Auf der Geflügel- und Kleintier- usstellung in Frankfurt erhielt u. a. für geschlachtetes 15000 M.bar Geld für nur M. Ziehung garantiert 5. März 1904. d. Gr. Bad. Roten- Kreuz- Lotterie 3388 Geldgew. M. 44000 ohne Abzug Los| Mk., II. Lose 10 Mk.; Porto u. Liste 25 Pfg. empfiehlt J. Stürmer, Lott. General- Agent, Strassburg i. E. und alle mit diesen Losen kenntlichen Verkaufsstellen. Geflügel und Eier Herr C. Rübsamen einen ersten Preis und Herr A. Feising- Gießen für Vögel einen 1. Preis. ** In der kürzlich abgehaltenen ordentlichen Hauptversammlung der astwirte Krankenkasse wurde fonstatiert, daß der Stand der Kasse ein überaus günstiger ist. Trotz einiger sehr schwerer Krankheits- und Unglücksfälle, welche der Kasse sehr große Summen fostete, ist der gefeßliche Refervefonds nahezu eingesammelt und auch der Vermögens bestand ein beträchtlicher. Die Geschäftsführung blieb wie seither in den Händen des Hoteliers M und und Restaurateurs Jastowsky. ** sich fein rationelleres Beförderungsmittel wünschen kann. Zur Popularisierung des Motorzweirades haben die Neckarsulmer Fahrradwerke, A.-G. Königl. Hoflteferanten Neckarsulm, sehr viel beigetragen, indem dieselben vor drei Jahre mit der ersten brauchbaren und grundlegenden Type auf dem Markt erschienen sind und wie diese Werke weitergeschritten sind, beweift uns der vorliegende Frachtkatalog mit äußerst gediegen.m Inhalt und wohlgelungenen Abbildungen von verschiedenen Typen Touren-Motorräder, Halbrennmotorräder, Vollrennmotorräder, Vorsteckungen zur Mitnahme einer weiteren Person, Motordreiräder für drei Personen, sowie zur Gepäckbeförderung. Es scheint, daß außer den schon zu Tausen en eingeführten Motorzweirädern auch diese kleinen Mängelchen mit dem billigen Anschaffungspreis und minimalen Betriebskosten eine große Zukunft bevorsteht; diese Typen scheinen das Volts- Automobil zu werden. Die Vertretung in Gießen hat Herr H. Kraft Nachf. ( 5. Gernandt) Neuenweg 46. Eine große Allg. Gastwirte- Versammlung findet morgen Mittwoch, den 2. März, im Hotel Luy in Bezlar statt. In dieser Versammlung wird Herr Herrmann, Verbands. Ehrenpräſident aus Darmstadt, einen Vortrag halten über Organisation, Bestrebungen, Errungenschaften und Wohlfahrtseinrichtungen des Bundes deutscher Gastwirte, welcher 16 Verbände mit ca. 550 Vereinen und 40 000 Mitgliedern umfaßt. Durch diesen Vortrag sollen die dem+ Bestimmt nächsten Samstag den 5. März Bunde noch nicht angehörenden Wirte unterrichtet werden cr. morgens 8 Uhr beginnt die Ziehung der Badischen Roten von den großen Vorteilen, welche der Bund seinen Mit- Kreuz- Lotterie in Karlsruhe, wie dies festgesetzt wurde. Wer gliedern bietet, durch seine Organisation und seine geschaffenen sich ein Unrecht an das Große Los erwerben will, der verInstitutionen und wie nötig es ist, sich dieser Korporation schaffe sich tasdigst ein oder mehrere Lose á 1 Mt., Porto anzuschließen und in großer Anzahl gegen die Extra- Geseze, und Liste 25 Pfg. mehr, welche bei allen Los- Verkaufsstellen Verordnungen und Abgaben des Gastwirtestandes Stellung und der General- Agentur J. Stürmer, Straßburg i. Els., zu nehmen. Gleiche Vorträge finden statt am 7. März in Langstr. 107, jetzt noch zu haben sind, jedoch räumt der Lauterbach, a 8. März in Alsfeld und am 9. Vorrat bei. März in Bad Nauheim, in diesen Versammlungen spricht Herr Direktor Reinemer, Ehrenmitglied des Bundes deutscher Gastwirte. * Die 2. Gießener Bumbaß- Gesellschaft schreitet von einem Erfolg zum andern. Am Sonntag fonzertierte die Gesellschaft, wie uns geschrieben wird, zum Besten des Dombaufonds in Weylar vor ausverkauftem Hause. Gestern Abend fand ein Konzert in Marburg statt. ** Bei den in den letzten Tagen in den umliegenden Waldungen erfolgten Holzversteigerungen wurden folgende Preise erzielt: Tannen- und Kieferwerkholz der Meter 15-20 Mt., Eichen 50 Mt., 100 Bohnenstangen 3-5 Mt, Brennholz: Tannenprügel pro Meter 6,50-7,50 Mf., Stockholz 4-5 Mt., Buchenscheitholz 10-12 Mt., Prügel 8 Mt. = Launsbach, 1. März. Unsere Jagd, die bisher für 475 Mt. verpachtet war, wurde bei der Neuverpachtung von den bisherigen Bächtern Herren Schneeweiß und Kinkel aus Hagen für 750 Mt. wiedergepachtet. § Butzbach, 25. Febr. Das hiesige I. Bataillon des Inf. Reg. Nr. 168 hat am 2., 3. und 4. März Gefechtsschießen mit scharfer Munition in dem Gelände zwischen Rockenberg, Münzenberg, Wohnbach und Wölfersheim. )( Lollar, 1. März. Ehringshausen( Kreis Wezlar), Kölschhausen und Werdorf ist von heute ab zum Sprechverkehr mit Lollar zugelassen. Für ein Gespräch von 3 Minuten Dauer beträgt die Gebühr 20 fg. Langsdorf, 1. März. Landtagsabgeordneter Bürgermeister Röhler beabsichtigt die Errichtung eines Getreidelagerhauses für die Orte Birklar, Bettenhausen und Langsdorf. ====Nieder- Ofleiden, 1. März. Vor einigen Tagen er= folgte im Beisein des Herrn vn Bothmer die Uebergabe des Frh. v. Shent'schen Hofgutes an unsere Gemeinde. Der Krieger- Bezirk Homberg feiert am 17. Juli d. Is. dahier sein diesjähriges Verbandsfest. Zugleich findet die Stiftungsfeier für ein 30 jähriges Bestehen des hiesigen Kriegervereins statt. Frankfurt, 29. Febr. Die Mörder des Kaufmanns Lichtenstein sind bis jetzt noch unentdeckt geblieben. Zwar hat die Bolizei eine Spur aufgenommen, von der sich aber noch nicht sagen läßt, ob sie die Richtige ist. Die Beerdigung des Opfers der Mordgesellen findet Dienstag Vormittag 11 Uhr statt. † Frankfurt a. M., 29. Febr. Während ihr Sohn und ihre Schwiegertochter auf einem Maskenballe waren, ertränkte sich die 73jährige Witwe Margarete Bahlin in ihrer Wohnung in einer Badewanne. Auf dem Tisch hatte sie ihre Baarschaft von 83 Mt. nebst einem Briefe niedergelegt, in dem sie bestimmte, daß diese 83 Mt. zu ihrer Beerdigung verwendet werden sollten. Ueber das Metiv ihrer Tat stand nichts in dem Briefe. † Darmstadt, 28. Febr. Bus Furcht vor Strafe erschos sich ein Artillerie- Unteroffizier von der ersten Batterie des Regiments Nr. 25. Geschäftliches. Das Motorz weirad. Wohl selten hat eine neue Sache derart rasch Terrain gewonnen, wie das Motorzweirad. Wenige Jahre sind es her, daß diese Vehikel vereinzelt auftauchten und heute kann man sie schon an allen Orten dugendweise beobachten. Es fann feine schlechte Sache sein, die sich so rasch entwickelt und wenn man die leichte Handhabung, die Geschwindigkeiten und das Nehmen von Steigungen ohne jede Anstrengung, den äußerst billigen Betrieb, die verhältnismäßig billigen Anschaffungsfosten und das damit noch verknüpfte Bergnügen in Betracht zieht, so muß man in der Tat gestehen, daß der Arzt, der Reisende, der Beamte, überhaupt der Geschäftsmann, der viel auf dem Lande ohne, oder mit schlechter Zugverbindung zu tun hat, Städtisches Schlachthaus. Ochsenfleisch 52 Pfg. Gefalz. Stierfleisch 40 Vfg. Heute und morgen. Königl. Preuss. Staats- Medaille Seidenstoffe jeder Art, in jeder Farbe, zu jedem Preise, der Meter von 75 Pf. an. Muster portofrei. Fertige seidene Kostüm- Röcke, Jupons, Blusen, halbfert. Roben. Deutschlands grösstes Spezial- Seiden- Geschäft Mr Seidenhaus Michels& Cle., Berlin SW. 19 43 Leipziger Strasse 43 Ecke Markgrafen- Strasse. Mechanische Seldenstoffweberei In Krefeld Holz Versteigerungen. Daubringen. Im Wege schriftlichen Angebots sollen verkauft werden: 2 Eichenstämme mit 2,06 Fftm. und 138 Nadelstämme mit 51,89 Ffim. Angebote sind bis zum 5. März bei der Bürgermeisterei einzureichen. Geilshausen. Im Submissionswege sollen versteigert werden: 7 Eichen- Schnittstämme, 11,04 Fm. 32 Eichen- Bauund Nugholz- Stämm, 15,21 Fm; 1 Birkenstamm, 10 Mtr. lang. Angebote sind bis zum 3. März mit der Aufschrift Holz- Submission" bei der Bürgermeisterei einzureichen. " Marktberichte. Gieken, 1. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt fosteten Butter per Pfd. 0.90-1.00 wt., Hühnereier 2 Stüd 12-14 Pfg., Enteneier St. 8 Pfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen ver Liter 21 Pfg., Linien per Liter 32 Brg., Tauben per Paar R. 0.80-1.00, Hühner per Stud Mr. 1.30-1.40, Hahnen, per Stud 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Pfd. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 fg., Rindfleisch per Pfd. 62-68 Bfg. Schweinefleisch ver Pfd. 60-72 fg. Schweine fletsch gesalzen per funb 0.76 Bfg., Kalbfleisch per Bfd. 64-66 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 60-70 Pfg.. Kartoffeln pro 100 Kilo 6.00 m.. Zwiebeln ver 3t. Mt. 7.00-10.00, Alepfel per Gentner 20-25 Mr. Milch per Liter 18 Pfa. Dauer der Marktjeit bo n 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp niat, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. Frankfurt a. M., 29. Februar. Fruchtmarkt. E8 notierten nach Qualität: An Weizen, hiesiger und Wetterauer Mt. 18.15-18.35, furhessischer Mr. 18.15-18.40, norddeutsch. Mr. Kansas Mt. 17.80-18.20, Roggen, hiesiger Mr. 14.00 bis 14.25, russischer Mt. 14.75-15.00. Amerikaner Mt. 15.00 bis 15.25, Gerste, hiesige Mt. 15.00 bis 15 50, Pfälzer, Mt. 15.00 bis 15.40, fränkische Mt. 15 15, Riedgerste Mt. 15.25 bis 15.50, ungarische r. 17.25-18.25. Hafer, hiesiger Mr. 13.50-14.50, furhessischer Mt. 13.40-14 50, Württemberger Mr. bis--, bayerischer Mr. 13.50-14.75, russischer Wit. 14.25-15.50 Mais, Mixed Mr. 12.40-12.50, La Plata Mr. 12.20-12.40, weiter Mats Mr. 13 25-13.50, russischer Mr. 13.50-13.75. Alles pro 100 Kiso ab hier. Frankfurter Viehmarkt. Zum Verkauf standen 393 Ochsenen 32 Bullen, 666 Kühe und Färsen( Stiere und Rinder), 293 Kälber, Ochsen. Bezahlt wurde für 50 Kilo Ochsen: a) vollfleischige_aus304 Schafe und Hämmel, 1442 Schweine. Aus Desterreich 100 gemästete höchsten Schlachtwertes tis zu 6 Jahren Mt. 70-72, b) junge fleischige, nicht ausgemäftete und ältere ausgemästete Mr. 65 bis 68, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mr. 60-63, d) gering genährte jeden Altecs Mr.-. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes Mt. 63-65, b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere Mr. 60-61, c) gering genährte Mt. Kühe und Färsen,( Stiere und Rinder): a) vollfleischige. ausgemästete Färsen ( Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes Mt 61-63, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes( bis zu 7 Jahren) Mr. 57-59, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwidelte jüngere Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mt. 45-47, d. mäßig genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mr. 41-43, e) gering genährte Kühe und Färsen( Stiere und Rinder) Mr. Bezahlt wurde für 1 Pfund a) feinste Mast-( Bollm.- Mast) und beste Saugfälber( Schlachtgewicht) 82-84 Bfg.( Lebendgewicht) 48-50 Pfg., b) mittlere aft- und gute Saugfälher( Schlachtge wich) 72-75 Pfg.,( Lebendgewicht) 42-44 Bfg., c) geringe Saugfälber 60-62 Pfg., d) ältere gering genährte Kälber( Fresser) Bfg., Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel 70-72 Pfg., b) ältere Masthämmel 60-64 Pfa., c) mäßig genährte Hämmel und Schafe( Märzfchafe) 50-52 Pfg. Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1½ Jahren ( Schlachtgewicht) 52 Pfg.,( Lebendgewicht) 41 Pfg., b) fleischige ( Schlachtgewicht) 51 Pfg.,( Lebendgewicht) 40 Pfg. c) gering entwidelte, sowie Sauen und Eber( Schlachtgewicht) 42-44 Bfg., Lebendgewicht-, d) ausländ. Schweine unter Angabe der HerPfg. Das Geschäft in Hornvieh war gut und ist der funft Markt geräumt. Drud und Verlag der Gießener Berlagsbruderei( borm. Wilh. Keller), Gießen Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den„ Gerichts." und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Die Haupt- und Schluß- Ziehung der 3. hessis- Thüringischen Staatslotterie bes ginnt bereits am 7. März d. Js. Es wird hiermit an die sofortige Los- Erneuerung zu dieser losse erinnert. Verhütet Feuersgefahr Vermeidet Wasserschäden durch Hand- Feuerlösch- Apparat ,.Minimax". Vertreter: Otto Pieckert, Gießen. Carl Stückrath, Möbelfabrik 47 Asterweg 47. Geschäftsgründung 1868. LAST PREISMERAILLE 1879 8 Ederstrasse 8. Einfachste wie reiche Wohnungs- Ausstattungen zu billigsten Preisen. 20 komplette Schlafzimmer- Original Wiener Schlafzimmer Einrichtungen in aparten Formen und edlen Holzarten. Einige zurückgesetzte Modelle bedeutend im Preise ermässigt. nussbaumpoliert, zweifarbig, sehr geeignet für Töchter- oder Fremdenzimmer bestehend aus Bettstelle, Ankleideschrank mit geschliffener Crystallspiegelscheibe, Waschtisch, Nachtschrank, Servirtisch, 2 Stühlen: zusammen 185 Mk. Salons, Speise, Wohn- und Herrenzimmer in grosser Auswahl. Einfache lackierte und polierte Möbel, Kücheneinrichtungen, Spiegel, Stühle, Sophas, Polstergarnituren, Matratzen, Bettfedern. Fertige Betten zu allerbilligsten Preisen. 500 Fenster abgepasste Gardinen in crême und weiss, ganz besonders billig. Scheibengardinen. - Brises- bises. - Bonnes- femmes. - Rouleaux- Stoffe. - Abgepasste Spachtel- Stores. 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Bekanntmachung. & Für den Teil der Wetzsteingasse bei der Einmündung der Wetzsteinstraße ist ein neuer Fluchtlinienplan fest gestellt. Derselbe kann beim städtischen Tiefbauamt ( Gartenstraße 2) eingesehen werden. Gießen, den 26. Februar 1904. Der Oberbürgermeister Mecum. Bekanntmachung. Bei Hypothek- Darlehen an Private beträgt der 3ins fuß 33 Proz., die einmalige Vergütung für Geldbeschaffungskosten, welche bei der Auszahlung an die Bank zu entrichten ist, 1,75 Proz. Bei Kommunal- Darlehen hat der Anleiher die Wahl zwischen folgenden zwei Wegen: 1) Der Zins fuß beträgt 3,70 Proz, die einmalige Vergütung 1,60 Proz. oder Ortsgewerbe- Verein Giessen. Diskussionsabend Mittwoch, den 2. März, Abends 8½ Uhr im Reaucant Feidel. Tagesordnung: Neuregelung der Steuerverhält= nisse in Hessen. Fragekasten. Zu zahlreicher Beteiligung ladet ein 2) Der Bins fuß beträgt 3 Proz. in den Hülsenfrüchte ersten 10 Jahren; von da ab 358 Proz., die ein- von ausgezeichneter Kochart als: malige Vergütung ebenfalls 1,60 Proz. Erfolgt die Auszahlung des Darlehens nicht innerhalb 4 Wochen nach der Zusage, so erhöhen sich die genannten Säße für die einmalige Vergütung je um 0,20 Proz. Es werden nur Tilgungsdarlehen gewährt, welche von der Bank niemals gekündigt werden können. Ebensowenig fann der Zinsfuß gesteigert werden. Dem Anleiher wird dagegen ein Kündigungsrecht eingeräumt. Höhere u. Erweiterte Mädchenschule zu Gießen. Linsen Bohnen, weise Erbsen, gesch. Erbsen, ungesch. Erbsen, grüne holl. ferner: Sauerkraut Salzgurken Essiggurken empfiehlt Die Anmeldungen neu eintretender Schülerinnen Robert Stuhl Gießen, Neustadt 23. Kieler 1/2 Pfd. Lachs, 3 Dos. ca. 60 Bei den bevorstehenden Aufnahmen von Kindern in einerlei welchen Alters sollen in Zukunft nicht höbere Lehranstalten ist bei der Anmeldung unter Da mehr bei Beginn des neuen, sondern vor Ablauf des anderem auch ein Geburtsschein vorzulegen. Die diesjährigen Anmeld- Frei g. Nachu. von 4½ ME. fich erfahrungsgemäß die Gesuche um Ausstellung von alten Schuljahres erfolgen. 2 echte Rauchaale Geburtsurkunden kurz vor dem Schulbeginn derartungen haben bis spätestens zum 20. März zu geschehen häufen, daß unliebsame Verzögerungen nicht zu ver- und werden im Schulhause, Schillerstraße 8, an folgenmeiden sind, so ersuchen wir die Interessenten, die Aus- den Tagen von dem Unterzeichneten entgegen genommen: Rolmps. Delfard. u. Delikatekber. stellung von Geburtsurkunden jetzt schon bei der unter Dienstag, 8., Samstag, 12., Dienstag 15., und Samszeichneten Behörde zu beantragen. Die Gebühr für jeden tag, 19. März, jedesmal von 10 bis 1 Uhr. Vorzulegen folg. Vorrat! find: Impf- und Geburtsschein, letterer mit unter- Fischerei- Erp. Swinemünde. Geburtsschein beträgt 50 Pfg. strichenem Rufnamen; bei Kindern, die über 12 Jahre Ziehung 23., 24. und 26. März alt sind, eine Bescheinigung über geschehene zweite Impfung; bei Kindern, die aus einer anderen Schule kommen, Gießen, den 26. Februar 1904. Großh. Standesamt Gießen. J. V.: Curschmann. Bekanntmachung. Es wird hiermit bekannt gegeben, daß Heinrich Bausch und Karl Schönhals dahier am 16. d. Mts. zu Fleischbeschauer verpflichtet worden sind. Grünberg, am 29. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. 3immer. Befanntmachung. LuftDurch das Ableben des Stadtdieners Wolf soll dessen Stelle neu besetzt werden. Es ist damit ein Anfangsgehalt von 600 Mt. steigend mit jährlich 50 Mt. bis zum Höchstgehalt von 1000 Mt. verbunden. tragende wollen selbstgeschriebene Gesuche mit Lebensbeschreibung und etwaigen Zeugnisse bis zum 8. März einschließlich bei der unterzeichneten Stelle einreichen. Grünberg, am 29. Februar 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. 8immer. Versteigerung. Donnerstag, den 8. März nachmittags 3 Uhr, werden im Bieferschen Hofe Neustadt 55 gegen Barzahlung beriteigert: 1 fast neuer Landaner, Pferde mit kompl. Chaifengeschirr. Die Versteigerung findet be: ftimmt statt. Geikler, Gerichtsvollzieher, Gießen. Makulatur hat abzugeben Gießener VerlagsDruckerei. ein Abgangszeugnis. Mädchen, die erſt ſchulpflichtig werden, sind bei der Anmeldung vorzustellen. Gießen, den 16. Februar 1904. Richard Buchacker. Gg. Carl Volk. Nächste Der Direktor: Dr. Stoeriko. Geld- Lotterie á 1 Mk. Ziehung schon 5. März 1904. d.Gross. Geld- Lotterie d. Bad. Landesv. v. Roten Kreuz Los nur 1 Mk. Il Lose 10 M. Prt.u L.25Pfg. Auszahlbar bar ohne Abzug bar zus. M. 3388 Geldgew. 44 000 Hauptgew. 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Gießen, Marktraße 11. dem Gebiete der Telegraphie herbeizuführen berufen erStatt des bisherigen unserer Telegraphen weist der Beichengeber" des Der Schnelltelegraph beruht auf einer ingenieusen VerReihen durchlocht ist. Die Walze, auf die der Streifen zuSchnelltelegraphen einen Papierstreifen auf, der nächst gewickelt wird, wird mittelst eines 116. bindung von Telegraph und Telephon. Tasters" ſcheint. Hausdoctor Warum soll der Mensch baden? 1 sen. agn aften. erverhält ftand. er tterie g Geschirr. inn: 1904. mit Pferd en. dem Gebiete der Telegraphie herbeizuführen berufen erscheint. Der Schnelltelegraph beruht auf einer ingenieusen Verbindung von Telegraph und Telephon. Statt des bisherigen ,, Tasters" unserer Telegraphen weist der Zeichengeber" des Schnelltelegraphen einen Papierstreifen auf, der in zwei Reihen durchlocht ist. Die Walze, auf die der Streifen zunächst gewickelt wird, wird mittelst eines Uhrwerkes oder eines Motors in schnelle Bewegung gesezt und schiebt so den durchlochten Streifen vorwärts. Ueber den Streifen sind mun zwei Platinbürstchen angebracht, derart, daß die eine mit dem positiven Pol der einen Batterie, die andere mit dem negativen Pol der anderen Batterie( und für die Rückleitung umgekehrt) in Verbindung steht. Sobald jetzt infolge der Durchlochung des Papierstreifens die eine oder die andere Bürste mit der Metallwalze in Berührung kommt, so fließt ein positiver oder negativer Strom durch die Fernleitung zum„ Empfangsapparat". Dieser Empfangsapparat zeigt ein sehr empfindliches Telephon, dessen Membran durch den verschiedenen Stromschluß ganz wie beim Sprechen durch das Telephon in Schwingungen versetzt wird. Da diese Bewegungen aber ungeheuer gering sind, nur Tausendstel Millimeter betragen, mußte man daran denken, sie zweckmäßig zu vergrößern. Diese Aufgabe lösten Pollak und Virág in geradezu genialer Weise. Vor der Membran ist ein kleiner Spiegel angebracht, der durch den einen Pol eines Stahlmagneten zunächst festgehalten wird. Der andere Pol des Magneten steht durch ein federndes Plättchen mit der Menbran des Telephons in Verbindung. So übertragen sich die geringsten Schwingungen der Membran mit Hilfe des Magneten auf den sich deutlich bewegenden Spiegel. Ein kleines Glühlämpchen erleuchtet den Hohlspiegel und die reflektierenden Strahlen fallen, durch eine Linse gesammelt, im Bilde eines leuchtenden Fadens auf einen Streifen lichtempfindlichen Papiers, das durch Walzendrehung wie beim Zeichengeber schnell an dem Spiegel vorbeigeführt wird, mit anderen Worten: sie werden photographiert. Auf dem Papiere der photographischen Platte also sehen wir dann in bestimmter Weise auf- und niedergehende Zeichen. Es würde uns zu weit führen, auf die zahlreichen genialen Konstruktionseinzelheiten des Schnelltelegraphen einzugehen; wir wollen nur erwähnen, daß die Zeichen geschickt zu dem in der ganzen Welt üblichen Morsealphabet" ( Punkte und Striche für die einzelnen Buchstaben) in Beziehung gesetzt sind. Das Pollak- Virágsche System hat bereits mehrfach die praktische Probe bestanden. Es wird namentlich im Zeitungsbetriebe von unerseßlichem Werte sein. Zur Depeschierung einer 16 Seiten starten Zeitung sind 25 Minuten erforderlich, während ein geschickter Telearabbist nach dem alten System mindestens 30 Stunden zur Abgabe einer solchen Depesche benötigen würde. Auch die Raum- und Materialersparnis ist eine bedeutende. Die erwähnte Depesche erfordert nach dem neuen System einen Papierstreifen von 52 Meter Länge, nach dem Morse- System aber einen solchen von nicht weniger als 5600 Meter Länge! Sehr intereſſant, wenn auch zunächst noch von geringer praktischer Bedeutung, sind jene Fortschritte, die die Telegraphie auf dem Gebiete der Uebertragung von Bildern und wirklichen Schriftzügen in den letzten Jahren zu verzeichnen gehabt. Schon 1855 hatte der italienische Physiker Caselli einen Apparat konstruiert, der es ermöglichte, beliebige Linien telegraphisch zu übertragen. Dieser Pantelegraph" wurde auch in den sechziger Jahren in Frankreich und Rußland praktisch erprobt und soll ganz gute Erfolge gehabt haben. Seitdem sind eine ganze Reihe verschiedener Apparate ersonnen worden, die dem gleichen Zweck dienen sollen, ohne daß jedoch einer eine wirklich praktische Verwendung hätte finden können. Erst in den letzten Jahren sind zwei Erfindungen veröffentlicht worden, von denen eine praktische Verwertung vielleicht zu erhoffen steht. Da ist zunächst der„ Telediagraph" Hummels zu nennen, ein Bildertelegraph, der bereits in Amerika mehrfach verwendet wird, und zwar sind dort die bedeutendsten Zei= tungen, wie der New- York Herald", der„ Chicago- TimesHerald" und die hervorragendsten Blätter von Philadelphia und St. Louis, telediagraphisch" miteinander verbunden. ( Schluß folgt.) Hausdoctor Warum soll der Mensch baden? Abgesehen davon, daß das Bad dazu dient, den Körper im heißen Sommer abzukühlen, benutzt es der Mensch, um sich zu reinigen. Der Mensch wird wie jedes Gerät verunreinigt; alle Stoffe seiner weiteren und nächsten Umgebung lagern sich in Staubform auf ihm ab und dringen bei so vielen Gewerben so tief in die Haut ein, daß sie für längere Jahre charakteristisch ge= färbt wird. Zu diesen Dingen kommt der Schmutz des Menschenleibes selbst. Die Haut schuppt sich in so bedeutendem Maße ab, daß, wer sich durch Jahre täglich abwäscht, doch täglich ein trübes Waschwasser liefert. Die Haut trägt einen mehr oder weniger starken fettigen Ueberzug, die Millionen Talgdrüsen halten sie mit ihren zahllosen Tröpfchen geschmeidig, wasserdicht und widerstandsfähig. Aber das Hautfett wird auch ranzig und bedarf der mechanischen Abscheuerung. Dazu kommt noch eine unerhebliche Absonderung von Kohlensäure, die zwar lange nicht so groß ist, wie die in den Lungen, aber doch bei Erwachsenen 3 bis 9 Gramm täglich und bei Kindern die Hälfte beträgt. Mit dieser Kohlensäure gehen kleine, schwer meßbare, aber schon riechbare Mengen von Gasen durch die Haut ab. Schließlich ist auch die Wasserverdunstung durch die Haut eine sehr bedeutende; es wird etwa ebenso viel Wasser durch die Lunge wie durch die Haut ausgeschieden. Bestän dige Abscheuerung der Haut ist notwendig, am einfachsten geschieht dies durch die Abreibung der Wäsche und der Kleider. Stark ge= brauchte Leibwäsche hat auf je 100 Pfund ihres Gewichtes 1 bis 4 Pfund Schmutz aufgenommen. Wir schicken, wie Liebig sehr gut sagt, an unserer Statt unsere Leibwäsche ins Bad. Täglich frische Wäsche anzuziehen ist der gesundeste Aufwand, den man machen fann; leider ist diese Ausgabe für viele unerschwinglich, und wer das Geld dazu hat, glaubt es besser für andere Dinge zu verwenden. Farbige Hemden aber, zumal Flanellhemden, die das Waschen schlecht vertragen, sind allzu oft ein Abonnement" auf Schmutz, Rheumatismus und Brustkatarrh. Der Mensch wird mürbe in seiner eigenen Beize. Besser als bloßer Wechsel der Wäsche ist die Abwaschung, weil sie zugleich die Haut aufweicht, scheuert und den Schmutz abspült. Setzt man dem Wasser Seife zu, so gelingt die Reinigung um so besser. Der Schmutz tötet mehr Leute als der Hunger. Liebig hat gesagt, daß man den Kulturzustand eines Volfes am besten an seinem Seifenverbrauch bemessen kann; aber auch die Bäder und Abwaschungen sind ein solcher Maßstab.„ Es muß einer schon ein schmieriger Mensch sein, wenn er nötig hat, sich jeden Tag zu waschen," sagte ein Rekrut, der sich mit" Reinlichkeit sein Lebtag nicht viel abgegeben hatte. Ein sauberer Mensch riecht ganz anders als ein schmutziger. Bei schmutzigen Menschen riecht sowohl der Körper als die Wäsche und die Kleider. Gine tägliche vollständige Abwaschung ist nicht nur angenehm und bald unentbehrlich, ſondern auch geſund wegen der Abhärtung; ſchließlich kostet sie gar kein Geld und sehr wenig Zeit. Man macht sie mit ein Paar Waschhandschuhen, taucht diese in das Wasser, wie es im Schlafzimmer vorrätig ist, und fährt damit über den ganzen Körper hin, fest aufdrückend, mehrmals neu eintauchend und rasch. Man wird in einer Minute mit dem ganzen Körper bequem fertig. Je wärmer der Raum ist, in dem man sich abreibt oder abwäscht, um so kälter darf das Wasser sein. Im kühlen Schlafzimmer ( unter 6 Grad R.) können nasse Abreibungen nur von Kräftigen, seit Jahren Gewöhnten gemacht werden. Abwaschungen vor dem Schlafengehen regen oft auf und machen munter. Im Winter entziehen sie dem Körper zu viel Wärme, weil der Gewaschene nachher sein ganzes Bett ärmen muß. Zur gründlichen Reinigung des Körpers gehört ein warmes Bad mit Seife. Leider können sich nur die Reichen den Luxus eines Badezimmers in der Wohnung gönnen; die Mehrzahl muß in den öffentlichen Badeanstalten baden. Daß aber eine Warmwasser- Badeanstalt noch immer für 18 000 Deutsche völlig ausreicht, ist betrübend. Es beweist, daß die Mehrzahl der Menschen überhaupt nicht badet. Die Gefährlichkeit des Schmutzes an den Stiefelfohlen. Wer mit schmutzigen Stiefelfohlen ein Zimmer betritt, denkt nicht daran, wie viel ansteckende Keime er mit hineinschleppt. Gar manche Krankheit mag ihren Ursprung hiervon haben, namentlich auch bei Kleinen Kindern, die auf der Erde umherkriechen und den Schmutz ahnungslos mit ihren Händchen in den Mund bringen. Deshalb sollte jedermann seine Stiefelsohlen vor dem Eintritt ins Zimmer gehörig abfragen. Nr. 48. Dienstag, den 1. März 1904. Oberbessische Familienzeitung. Tägliche Unterhaltungs- Beilage bez Gießener Neueste Nachrichten. Sand and Bering bar Chafener Berlagsbruderet, vorm. Bih. Reller'sche Sunbrudeset( gegr. 1788); ( 11. Fortsetzung.) Der Goldmarder. Original Roman von M. Bezold. „ Und wenn du Recht behieltest, was dann? Vater seine Einwilligung geben?" Wird ihr Welche Gründe könnte er geltend machen, um sie zu verweigern? Du bist reich und angesehen, du hast ein blühendes Geschäft „ Alles gut und wohl, aber ich bin nicht der Mann, den Spangenberg sich als Schwiegersohn wünscht. Ich habe kein hohes Amt, keinen Titel, keinen Einfluß bei Hofe, ich bin nur ein schlichter Bürger, und Geld ist dem reichen Direktor Nebensache." Dem reichen Direktor?" fragte da mit unverkennbarer Ironie. Ich habe früher auch an seinen Reichtum geglaubt, man sagte ja, er habe viel geerbt, aber diesen Glauben hege ich heute nicht mehr. Einige Aeußerungen Irmas weckten Zweifel, die durch meine Beobachtungen ihre Bestätigung gefunden haben. Direktor Spangenberg hat ein großes Haus gemacht und immer offene Tafel gehalten, das kostet Geld, viel Geld, da mag die Erbschaft in alle Winde zerstoben sein. Und wenn diese Vermutung richtig ist, dann wird Spangenberg dir gerne die Zukunft seiner Tochter anvertrauen, dir lieber, als irgend einem Manne, dessen Existenz nur von der Laune des Fürsten abhängt." Martin hatte seine Wanderung wieder aufgenommen, der ernste, nachdenkliche Ausdruck seines Gesichts bekundete, daß er den Worten seiner Schwester noch immer kein rechtes Vertrauen schenken konnte. „ Und selbst, wenn Spangenberg im ersten Augenblick seine Zustimmung verweigern sollte, so wird Irma mit ihrer Willensfestigkeit dir treu zur Seite stehen," nahm da wieder das Wort ,,, und vereint mit ihr mußt du in diesem Kampfe fiegen." „ Wir kennen den ſtarren Kopf Spangenbergs ,, Gewiß, Martin, aber dieser starre Kopf wird sich doch auch beugen müssen, wenn er erkennt, daß er euren Willen nicht bezwingen kann. Ueberlege dir das alles und zeige, daß du ein Mann bist, der handeln und wagen kann! Ich muß jetzt in die Küche, heute mittag will ich deinen Entschluß hören; kann ich dir beiſtehen, ihn auszuführen, so soll es gerne geschehen." Sie war vor dem Bruder stehen geblieben, ihre kleine Hand lag auf seiner Schulter, ein ermutigendes Lächeln umspielte ihre rosigen Lippen. " Ich danke dir," sagte er, indem er sie an sich zog und einen Kuß auf ihre Stirne drückte, du weißt ja, wie un sagbar glücklich mich die Erfüllung dieser Hoffnung machen würde! Und eben deshalb kann ich noch immer nicht glauben, daß dieses Glück mir wirklich zu teil werden soll" ,, Weil dir der Mut fehlt, die Hand danach auszustrecken," unterbrach sie ihn, tue es, und der Erfolg wird dir beweisen, wie unbegründet deine Zweifel waren!" Damit verließ da das Zimmer, und bald nach ihr ging auch Martin hinaus, um in der Werkstätte seine Arbeiter zu beaufsichtigen. Etwa eine Stunde später traten Adolph Spangenberg und der Adjutant in den Laden. ( Nachdruck verboten.) Meine Uhrkette ist entzwei," sagte Adolph, als Martin die Freunde empfangen hatte, sieh einmal nach, ob die Reparatur noch der Mühe lohnt, im anderen Falle kaufe ich eine neue." Dazu habe ich dir längst raten wollen," scherzte Martin, „ das dünne Kettchen paßt nicht für dich, ich glaube, du hast es schon auf der Schulbank getragen?" ,, Mein Vater schenkte es mir am Tage meiner Sonfirmation," bestätigte der Doktor. Nun, dann hat es dir lange genug gedient," sagte Martin, während er die Kette betrachtete, es ist ehrlich verschlissen. Ich fann es wohl reparieren, aber von langer Dauer wird es nicht sein." ,, Na, dann gib mir eine neue!" Martin 30g an der Glockenschnur und holte aus dem Schaufenster eine reiche Auswahl goldener Ketten. ,, Und womit kann ich Ihnen dienen, Herr Adjutant?" fragte er. Alfred v. Bodenlauben drehte mit verlegener Miene an den Spizen seines braunen Schnurrbärtchens und begrüßte da, die eben mit einer Flasche und einigen Gläsern eintrat, mit einer tiefen Verbeugung. ,, Augenblicklich habe ich leider noch keine Verwendung für Ihr Geschmeide," sagte er mit einem bedauernden Achselzucken, aber, was nicht ist, kann noch werden. Ich besize einen uralten Familienschmuck, prachtvolle Steine, aber die Fassung ist unmodern, ich muß Ihnen einmal den Schmuck bringen, vielleicht kann er anders gefaßt werden." ,, Wenn Sie es wünschen, so kann es geschehen," erwiderte Martin, während Ida den Herren ein Glas Madeira anbot, ,, aber die antike Fassung wird jetzt wieder modern. Sehen Sie hier," fuhr er fort, während er aus einer Schublade ein Etui holte und es öffnete, dies ist auch ein alter Familienschmuck, Eigentum des Fräulein v. Derendorf, antife Fassung, er soll nur gereinigt werden." Ah, ah, der Brautschmuck!" spottete der Adjutant. Also scheint die Sache doch richtig und bereits in Ordnung zu sein." ,, Welche Sache?" fragte Martin. Die Verlobung des Fräulein v. Derendorf mit- na, ich glaube, es soll einstweilen noch Geheimnis bleiben, da werde ich wohl aus Rücksicht auf Durchlaucht schweigen müssen." Adolph, der noch immer mit der Wahl einer Kette beschäftigt war, blickte ruhig auf. " Das Geheimnis ist schlecht gehütet worden," sagte er, man spricht bereits in allen Kreisen davon, daß mein Onkel sich mit Fräulein v. Derendorf vermählen werde." Und dieses Gerücht ist Wahrheit?" fragte rascht. da überJawohl, gnädiges Fräulein," antwortete der Adjutant, nur hat der Herr Doktor vergessen, hinzuzufügen, daß diese Vermählung ein Wunsch Seiner Durchlaucht ist." Und die Verlobung soll bereits stattgefunden haben?" sagte Martin in einem Tone, der starke Zweifel verriet. ch kann das nicht glauben; Fräulein v. Derendorf ist unabinn: Bagen mit Pferd und jirr. A fenntlichen rieb, acker, ernen bei borstrake 51 Bomber. unge bäue 11.7 r 101Mart. orto 25 Pfg. Für Lifte und inn: winne. Fohlen tel u. Zaum. find in 90 ervoir, an d. Erp. fucht. Off. Seltersthores nung Erp. d. Bl. billig zu ber= er Stadt gehnung, berm. 5. Bl. Stod, tenanteil, fo Zimmer mit enweg 28. vermieten. rted Bohnper 1. April er, Gicken, raße 15. mmer nieten. traße 11. الرواية fanten zu verfallen, -sei es aus blo In demselben Augenblick, in dem Martin die Glastür hinter dem Kupferstecher zuschloß, wurde die des Wohnzimmers geöffnet, und da trat mit freudeleuchtenden Augen auf die Schwelle. Die künstliche der Madidem feit nabe land, Frankreich, En wahrer Wettstreit in portabler und leicht apparate fich entwicke weifelhaft, daß zuverl fähige Systeme im aber, da die Spefu auch manche Spiel Machwerk in die baran tun, sich vor rates über die Bed fünftlichen Brütung verschiedenen Syster unterrichten. Zu alauben wir, Grü Duftrielle Geflügelzuc reits in 5. neu b lage vorbereitet if umjomehr empfehl als einmal deren eine fo langjährige reiche, in eigener gervonnene prakti flügen fann wie m in Deutschland; weil er in dem alle beachtenswerte Aufzucht- Systeme n bespricht und obj ohne in den Fehle für die Erzeugnisse hängig, sie wird einem fürstlichen Wunsche keinen Einfluß auf ihr Tun und Lassen gestatten." Na, na, man kann das doch nicht wissen," erwiderte der Adjutant mit einem Lächeln, das etwas boshaft war ,,, daß dieser Schmd nun plöglich wieder neuen Glanz erhalten soll, läßt auf das Gegenteil schließen. Der Herr Direktor Spangenberg macht da eine glänzende Partie-" ,, Um die Sie ihn beneiden?" unterbrach ihn der Doktor scherzend. " Durchaus nicht," fuhr Alfred v. Bodenlauben mit einem raschen, verstohlenen Blick auf Ida fort, die sich mit hochgeröteten Wangen ins Wohnzimmer zurückzog,„ ich gönne dem alten Herrn diese schöne Frau allerdings nicht, aber ich beneide ihn auch nicht darum." Still, da kommt meine Base," flüsterte Adolph rasch, der hinter den Spiegelscheiben der Glastür das bleiche Antlib rmas erblickte, sie wird keinesfalls mit diesem Projekt ihres Vaters einverstanden sein, von dem sie vielleicht noch feine Kenntnis hat." Martin eilte der Eintretenden entgegen, Irma begrüßte die anwesenden Herren nur flüchtig und ging ins Wohnzimmer, deren Tür sich geräuschlos hinter ihr schloß. ,, Sie weiß es schon," sagte der Adjutant leise, ist Ihnen die Erregung im Blick sowohl, wie in der Stimme nicht aufgefallen? Und beweist diese Erregung nicht auch die Wahrheit meiner Vermutung?" Nein," antwortete Martin in seiner ruhigen Weise,„ ich werde an diese Verlobung erst dann glauben, wenn sie in der Zeitung veröffentlicht ist." Und mir ist die ganze Geschichte außerordentlich gleichgültig," scherzte Adolph. Was kostet diese Kette?" Fünfzig Taler," antwortete Martin, den Blick auf die Zür heftend, hinter der jetzt das gelbe, eckige Gesicht Peter Schönbachs auftauchte.„ Sie ist massiv und solide gearbeitet." Wünsche guten Morgen, Herr Hofjuwelier!" unterbrach ihn die rauhe Stimme des Kupferstechers,„ ich glaube, Sie werden mich noch kennen." ,, Allerdings," antwortete Martin in einem Tone, der ziemlich unfreundlich klang ,,, wünschen Sie etwas von mir?" Können Sie mir einige Grabstichel überlassen? Ich weiß sie mir hier nicht zu verschaffen, Sie haben jeden falls einen kleinen Vorrat, auch möchte ich nicht gerne Zeit berlieren" ,, Sie arbeiten also doch hier?" fiel Martin ihm in die Nede. " Gewiß, ich bin ja zu diesem Zweck hierher gekommen." " So sagten Sie damals, aber ich glaubte nicht, daß Sie die Erlaubnis erhalten würden Weil ich mich so unverblümt über den Museumsdirektor aussprach?" spottete Schönbach, ohne die beiden anderen Herren zu beachten, die leise miteinander plauderten. Ich hätte noch mehr sagen können, aber wozu? Ein armer Teufel hat immer Unrecht, da bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu schweigen. Die Polizei hätte mich am anderen Morgen gerne ausgewiesen, aber sie wagte es doch nicht." Wir gehen wieder, Martin," wandte Adolf sich zu dem Juwelier, sei so gut und schick' mir über die Kette eine Rechnung." Sol geschehen!" " In den nächsten Tagen bringe ich Ihnen den Schmuck," sagte Alfred v. Bodenlauben, indem er dem Juwelier die Hand reichte und einen verstohlenen Blick auf die Tür des Wohnzimmers warf, wir reden dann näher darüber." Sie werden also einige Gemälde aus unserer Gallerie in Stupfer stechen?" fragte Martin, der nun auch ungeduldig auf die Tür blickte, hinter der er die Stimme Irmas bernahm. Jawohl, und ich hoffe, daß es gute Stiche werden, ich trachte diesmal weniger nach Ruhm, als nach gutem Verdienst." Gedulden Sie sich einen Augenblick," erwiderte Martin, indem er an der Glockenschnur zog, und als gleich darauf ein Arbeiter erschien, gab er ihm leise einen Befehl. Er hörte in der Wohnstube seinen Namen nennen, in der Aufregung, in der er seit dem Frühstück sich befand, konnte man es ihm nicht verdenken, daß er sich der Tür näherte und dort horchend stehen blieb. Der Arbeiter kehrte mit den Werkzeugen zurück, Peter Schönbach wählte einige Grabstichel aus, zahlte den geforder= ten Preis und entfernte sich mit einigen Dankesworten. Haben wir in unserem Hause noch Raum für eine Gesellschafterin?" fragte sie scherzend. Martin trat ein, ihm war diese Frage unverständlich, sein Blick fiel auf das blasse Antlitz Irma's, er sah in ihren Augen Tränen. Für eine Gesellschafterin?" sagte er befremdet. " Ja, ja, Irma sucht eine solche Stelle," rief_seine Schwester, sie will im väterlichen Hause nicht länger bleiben." ,, Weil ihr Vater wieder heiraten will?" wandte Martin sich mit bewegter Stimme zu dem geliebten Mädchen. ,, Nein," antwortete Ida, welche die Freundin umschlungen hielt, die vor dem Blick Martin's verwirrt die Wimpern senkte ,,, der Hauptgrund ist der, daß sie einen Mann heiraten soll, den sie nicht liebt, dessen Gattin sie nicht um alle Schäße der Erde werden will!" Also war meine Vermutung begründet!" fuhr Martin entrüstet auf.„ Wer ist dieser Mann?" ,, Ruhig, Bruder, ereifere dich nicht, Irma hat bereits ihrem Vater die nötige Erklärung gegeben, es ist wohl nicht anzunehmen, daß der Betreffende nun noch die Werbung wagen wird. Und ich hoffe, du wirst mir nicht zürnen, daß ich Irma mit deiner Liebe getröstet habe, ich bin deiner Schüch= ternheit zu Hilfe gekommen, Irma weiß nun, wie treu und innig du sie liebst, und sie hat mir gestanden, daß sie deine Liebe erwidert." Ist das Wahrheit, Irma?" rief Martin jubelnd.„ Ich habe ja nicht gewagt, an dieses Glück zu glauben, ich Unter Tränen lächelnd sank Irma an seine Brust, seine Arme hielten sie fest umschlungen. Nun bin ich geborgen," flüsterte sie, ihm voll inniger Liebe in die Augen schauend, die Liebe zu dir gab mir den Mut, dem Befehl meines Vaters zu trozen!" „ Und sein Befehl kann uns nicht mehr trennen," sagte er, mag er mir auch deine Hand verweigern, dein Herz gehört mir, das kann niemand mir rauben. Wenn auch ein schwerer Kampf uns erwartet, ich nehme ihn mit frohem Mute auf, denn wir werden ihn gemeinsam kämpfen." Der schrille Klang der Ladenglocke riß ihn aus dem süßen Traume, der seine Sinne umfangen hielt. Ida wollte hinausgehen, um zu sehen, wer Einlaß_begehrte, aber ihr Bruder fam ihr zuvor. Er erschrack aber, als sein Blick auf den Direktor Joachim Spangenberg fiel. Dann stieg zwar der Gedanke in ihm auf, ob er nicht diese Gelegenheit benüßen und sofort um die Hand Irma's werben solle. Aber es schien ihm doch nicht ratsam, trotz der wohlwollenden Miene, mit der der alte Herr ihn begrüßte, der Direktor durfte nicht einmal erfahren, daß Irma ſich im Nebenzimmer befand. Er mußte Irma warnen, damit die Möglichkeit einer Begegnung verhütet wurde; dies alles verwirrte ihn, aber es gelang ihm doch, seine Fassung, wenn auch nur äußerlich, zu bewahren. Ich wünsche einen Brillantring zu kaufen," sagte der Direktor, nachdem er Martin die Hand gedrückt und Hut und Stock abgelegt hatte. Sehr angenehm," erwiderte Martin diensteisrig,„ ich bitte nur, mich einen Augenblick zu entschuldigen, Sie mögen inzwischen die Ringe hier ansehen, vielleicht finden Sie unter ihnen schon, was Sie suchen." Er hatte einen mit blizenden Ringen gefüllten Kasten auf den Ladentisch gestellt und eilte in's Wohnzimmer zurück. ,, Dein Vater ist im Laven, Irma," sagte er leise.„ Soll ich diese Gelegenheit benuzen und sofort um deine Hand werben?" " Nein nein, heute noch nicht!" bat Irma ängstlich. Warte noch einige Tage, Martin, vielleicht bietet sich mir unterdessen eine Gelegenheit, den Vater vorzubereiten. Ich kann ja das Haus verlassen, ohne meinen Weg durch den Laden nehmen zu müssen, Jda?" ,, Gewiß, aber du mußt an der Glastür vorbei-" „ Wenn ich den Schleier niederlasse, und wir beide zusammen zur Haustür gehen, so wird der Vater mich schwerlich ( Fortsetzung folgt.) erkennen." feit oder mangeln der Herren Verfa neteren Schriften anhaftet. Immerhin mö Lesern an dieser Ueberblick über die Don Brutaparaten g aller neueren Bruta der Brutwärmedie zu brütenden G errreicht * G. Schönf ( Mich. Carl Schmidt Tresd.n. Schwer beschädigt wijan" hat wied Feuer zwei Stun mung zu muujer wird nicht verfen Lichkeit für die G und des Pluraliy Es wird noch me aber die Zeit ift, find wir sicher. Der Auch heute we über einen neuen berichten, bei dem wurde. das am 29. Febri nach der Darstellu Weije. Früh morge bor Port Arthur Kreuzer Novit Torpedobooten c zugreifen, wurde zwar der Kreuzer Es fällt zuletzt der schönste Sonnenstrahl Nicht mehr so glänzend auf die grünen Matten. Wenn dich Geschick, im sturmzerriss'nen Tal, Zu lang gebettet in des Elends Schatten. Der Krebsfänger. Humoreske von M. v. Lettkow. ( Nachdruck verboten.)` ( Schluß.) Da Theudolinde Schmäßchen polizeiwidrig schielte und auch sonst in keiner Beziehung eine Venus zu nennen war, so paßte sie vortrefflich zur Zigeunermutter Viarda. Beinahe wäre ihr aber das Handwerk gelegt worden. Die Schmäßchen hatte der Frau Schulrat 3sedéhovics einen Sohn prophezeit. Die Frau Schulrat besaß wohl neun Töchter, aber keinen einzigen Stammhalter, zum Leidwesen ihres Gatten. Malheureusemant brachte der Storch aber gleich darauf zwei Mädchen auf einmal kleine, dicke Zwillinge. Als dann zum Ueberfluß der Herr Ortsrichter Vulcanov, dem sie eine hohe Ehre" vorausgesagt hatte, vom Nachtwächter in der Gemeindesizung ein dévin számar( alter Esel) genannt wurde, da war es mit dem Vertrauen in die Prophetengabe Theudolinde Schmäßchens zu Ende. Einen herben Verlust hatten wir gleich in den ersten Wochen: Edgar Dallfuß, unser„ Held und Liebhaber" ging uns durch. Eine holde Bäckerstochter hatte dem stolzen„ Egmont" die Mittel zur Reise nach Budapest gegeben, in der Voraussicht, daß sie ihm bald als seine Gattin nachfolgen werde. Daraus ward leider nichts weder Geliebter noch Geld fam jemals zurück. Vor zwei Jahren traf ich Edgar Dallfuß, den einst so eleganten Schwerenöter in desolateſtem Anzuge, die Stiefel niedergetreten, mit rubinrotglänzender Nase in einem kleinen Restaurant hier wieder. Er borgte mich um zwei Gulden an ich gab sie ihm. So waren fast alle für die Interimszeit untergebracht nur ich stand ratlos da. Ich hatte kein Handwerk gelernt ich konnte nur soufflieren, Noten und Rollen abschreiben- mein Talent Gimpel abzurichten," erwähne ich aus Bescheidenheit nicht.- Einige Tage half mir Amanda Lieblich mit Brot und Käse( der Wirt borgte nichts mehr), dann hatte ich bald bei Hans Dittchen ein ansehnliches Konto zusammengeborgt und dazu der Durst, der fürchterliche Durſt und die außergewöhnliche Hize. Da setzte ich mich eines Abends an das Ufer der Bérsava ins Erlengebüsch. Der Humor, der mir sonst allezeit eigen, hatte mich verlassen, und ich überlegte, ob es nicht besser sei, diesem unglückseligen Nomadenleben, dieſem trostlosen Da= sein ein Ende zu machen, und zwar mit einem tüchtigen Schluck Wasser wobei ich weniger an den Durst dachte. Es ist natürlic Flotte in boller Nun eilte ich zu dem schäbigen Wirt in das Einkehrwirtshaus und handelte mit ihm, ärger wie Esau um das bekannte Gericht Linsen. Ein opulentes Abendessen und unterschiedliche Kannen Bier, um brennenden Durst zu löschen, waren mein Lohn. Auf diese Weise fing ich täglich da und dort einige hundert Krebse, aber ich war so klug, sie bei entfernter wohnenden Herrschaften auf den ungarischen Gutshöfen anzubieten und zu verkaufen, wo sie besser bezahlt wurden. Oft erhielt ich ganz hübsche Beſtellungen. Auf diese Weise verdiente ich mir nicht nur mein Brot, sondern auch das dazu gehörige Bier. Der Krebsfang_ernährte mich nicht allein, ich konnte mir sogar einen neuen Anzug kaufen, mit dem ich stets in Neusaz einzog, zum großen Erstaunen meiner übrigen Kollegen. Sechs Monate später hatte ich den Vertrag für das Karltheater in meiner Tasche und dampfte nach Wien. Können Sie es nun begreifen, warum ich lachen muß, wenn ich das Wort„ Krebse" und die hohen Preise, die die Wirte hier für einen einzigen verlangen, lese? Meine Riesenhände stören mich beim Soufflieren wohl nicht, aber sie waren mir zu jener Zeit von besonderem Vorteil, als es galt, mich während meiner„ MeerschweinchenEpoche" anständig durchzubringen." Die Wunder des Blikes. Von Dr. A. He il born. ( Nachdruck verboten.) „ Die Eisenbahngleise und die Telegraphendrähte, das sind die Notenlinien, von denen der Menschheit eine neue, große So schrieb einſt Symphonia eroica aufgespielt wird." May Maria von Weber, des großen Tondichters geistvoller Sohn und ein genialer Ingenieur. Und allüberall sind sie heut am Werk, unsere Pioniere, die gewaltige Schöpfung uns aufzuspielen, und neue, immer neue Klänge mischen sich in den Strom der riesigen Harmonien. Wir leben in einer Zeit, die künftige Geschlechter vielleicht das„ goldene Zeitalter der Technik" nennen werden. Was nur immer in jahrhundertelangem Forschen und Entdecken die Großen des Geistes der Natur an Geheimnissen abgelauscht: der moderne Mensch hat es praktisch nutzbar gemacht und also uns eigentlich erst erobert. Auf den Flügeln des Dampfes eilen wir rings um den Erdball, wir malen mit dem Sonnenlicht und schreiben und sprechen mit dem Blizz. Wir können uns heut überhaupt kaum noch eine Vorstellung davon machen, wie die Menschheit einst, ohne die geheimnisvolle Kraft des Blizes zu nußen, hat leben können. Führt uns doch jeder Schritt, den wir tun, ins Reich der Elektrizität, haben uns doch gerade die Wunder des Blizes ganz neue Daseinsformen geschaffen. Auf der Straße, im Hause, in der Eisenbahn und auf dem Meere, wohin nur immer unser Auge blickt, umgeben uns elektrische Apparate und Maschinen. Eine neue Kulturepoche hebt hier an, glänzender als je eine zuvor. Zwei Erfindungen namentPlößlich tauchte vor meinem Blick ein riesiger Krebs, rücklich ſind hier bahnbrechend gewesen: der Telegraph und das Telephon. wärts auf einer alten Baumwurzel kriechend, auf. Die bunten Falter und Libellen gaukelten um mich her und unweit von meinem Ruhepläßchen bemühte sich eine große Schar fleißiger Ameisen, die Uebereste eines verendeten Hirschkäfers in ihren Bau zu bringen. Ich starrte in die durchsichtige Flut— kein Ausweg sonst? Sapperlot!" dachte ich. Wo der sitt, werden noch mehrere zu finden sein! Komm her, mein Bürschchen!" Ich griff nach meinem alten Zylinderhute, warf den großen Krebs hinein und brach dann einen Ast vom Erlenbaume, mit dem ich in dem Tümpel um die Wurzeln herum zu wühlen begann. Aber es kam nichts zum Vorschein. Es hieß also, die Eremiten aus ihrem Bau herauszuangeln. Bekanntlich gehen Krebse dem Lichte nach; aber bis zum Anbruch der Dunkelheit waren noch viele Stunden fein Wurm, fein Frosch ließ sich sehen, der mir zum Köder hätte dienen können. Da fiel mein Blick auf meine riesigen Hände. Zu was hatte denn die Natur diese fleischigen Greifwerkzeuge mir gegeben? Ich legte mich also auf den Bauch und steckte meine rechte Hand in den Tümpel. Nach zwei Minuten kneifte es mich fürchterlich an zwei Fingern zugleich ein paar große Krebse hatten ihre Scheeren angeklemmt. Blitzschnell zog ich die Hand heraus, und gleich darauf lagen die schwarzen Rückwärtskriecher" bei ihren Riesen- Kameraden im Hute. Binnen zwanzig Minuten hatte ich 80 Krebse gefangen. mergefedit gefon Als im Jahre 1843 die erste Telegraphenlinie der Welt ( zwischen Washington und Baltimore) eröffnet worden, konnte man wohl mit berechtigtem Stolze glauben, hier nunmehr der denkbar schnellsten Nachrichtenvermittlung erreicht zu haben. Aber wenn wir die allmähliche Entwicklung des Telegraphen überblicken, vom Morse- Taster bis zum Funkengeber Marconis, dann nötigt uns die damalige„ Geschwindigkeit“ ein Lächeln ab. Zugleich jedoch empfinden wir, daß wir auch heute noch von der schließlich erreichbaren Geschwindigkeitsgrenze ein gut Stück entfernt sein dürften. Das praktische Prinzip der Telegraphie ist die schnelle Uebermittelung von Nachrichten, und die Geschwindigkeit mehr und mehr zu erhöhen, ist seit Erfindung des Telegraphendrahtes eine der vornehmsten Aufgaben unserer Elektrotechniker gewesen. So lange man freilich bei dem ursprünglichen Leitungssystem stehen blieb, waren die Grenzen ziemlich eng gezogen. Jetzt aber haben die ungarischen Ingenieure Pollak und Virág ein selbständiges System elektrischer Zeichengebung erfunden, das es ermöglicht, 100 000 Worte in der Stunde zu telegraphieren und das so binnen absehbarer Zeit eine vollständige Umwälzung auf