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Movement preis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ins Haus gebracht 60 Pfg, burch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Donnerstag, den 23. Oktober 1902. Gießener 11. Jahrgang. Jusectionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Weßlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3082. Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. erusprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gießen. Deutfcher Reichstag. Hajer und Gerste. CB. Berlin, 22. Oktober. Nach dem gestrigen großen Tage machte heute der Reichstag einen ziemlich flauen Eindruck. Oben und unten, d. h. auf den Tribünen und im Eizungssaale, war schwacher Besuch; auch auf den Bundesratstribünen sah mman manche Lücken. In einsamer Größe saßen dort der Staatssekretär Graf Posadowsky und der preußische Landwirtschaftsminister v. Podbielski, aus den anberen Bundesstaaten waren nicht die ersten Sterne, sondern nur die Nebenplaneten vertreten. Einen feierlichen Einbrud aber machte es, daß auf dem Präsidentenpulte anläßlich der 200. Sigung ein mächtiger Strauß aus Dahlien und Chrysanthemen prangte, gestiftet von den Schriftführern des Hauses. Graf Ballestrem sprach für diese zarte Aufmerksamkeit seinen Dank aus und bemerkte in seiner launigen Forin unter schallender Heiterkeit des Hauses, er hoffe, daß diese duftige Spende von guter Borbedeutung insofern sei, als die Tagung schöne Blumen und segensreiche Früchte zeitigen möge. Dann wurde in die Verhandlungen über Hafer und Gerste eingetreten. Die bisherigen Vertragssäge für Gerste betrugen 2 Mark, für Hafer 2.50 Mart. Die Regierungsvorlage schlägt vor 3 Mark bezw. 5 Mark als Mindestsäße. Der Kommissionsantrag geht auf 5.50 Mark für beide Getreidearten. Ein Antrag Heim( 3entr.) wünscht diejen Satz auf 6 Mark zu erhöhen. Abg. Freiherr v. Wangenheim hat seinen Antrag auf 7.50 Mark zurückgezogen. Schwer mit Aftenmaterial beladen, bestiegen nacheinander die Kommissions- Berichterstatter, die Abgg. Spec( 3entr.) und Graf Schwerin- Löwitz( kons.) die Rednertribüne, um die Kommissionsanträge zu empfehlen. Ehe der lezte Redner noch geendet, hatte sich schon ber schlanke und stets elegant auftretende sozialdemofratische Abgeordnete Dr. Südekum neben dem Rednerpulte aufgestellt, um, zum Worte zugelassen, in schärfster Tonart gegen die Zölle loszugehen. Deutschland berbrauche 40 Millionen Doppelzentner Gerste, er= zeuge aber nur 12 Milionen. Durch einen Zollsaz aber könne dieses Quantum, das doch für Brau- und Futterzwecke unentbehrt sei, nicht gesteigert werden. Insbesondere schädige an die Schweinezucht; das Schwein aber sei die Sparkasse des armen Mannes. Das Schliminste dabei ist noch, daß der Schlag der Agrarier sich direkt gegen Rusland richte, denn dieses werde durch bie hohen Zolle geradezu von einer Lieferung ausgeschlossen, während Amerika durch geeignete Dampfertarife alle Zolasten umgehen könne. Mit jugendlichem Feuer aing nunmehr der bejahrte reichsparteiliche Ab11] Dr. Rumseys Patient. Noman von Dr. Halifax und T. L. Meade. Autorisierte Bearbeitung von C. Weßner. ( Nachdruck verboten.) ,, Nun, Hetty, ich halte es für meine Pflicht", sagte er crust, " Ihnen zu sagen, daß Sie recht schlecht gehandelt haben und zum großen Teile die Verantwortung für jenen entfeglichen Mord fragen. Weinen Sie nicht so, Mädchen! Gott weiß, ich will die Last Ihres Kummers nicht noch erschweren. Da sind wir am Streuzwege, wo unsere Wege sich trennen, und Sie haben mir immer noch nicht erzählt, was Sie gestern abend saben." " Ich troch durch mein Stubenfenster" ,, berichtete Hetty, Onkel und Tante waren schon zu Bett. Das Fenster liegt Direkt über dem Kuhstall, ich fann mich von da bequem auf die große Afazie schwingen und dann den Boden erreichen. Ich beabsichtigte, Herrn Franzius zu folgen. Als ich auf die Straße trat, sah ich, daß Herr Everett gleichfalls unterwegs war. Ich kenne jeden Zoll der Ebene, viel besser, als Herr Everett. Ich schnitt also einen großen Bogen ab und kam an den Feldrosenweg Sie fennen ihn doch, er liegt nicht weit vom Schlosse. Kaum war ich dort angekommen, da erblickte ich auch schon Herrn Franzins er rannte furchtbar schnell- ich glaubte, er fäme direkt auf mich zu-er machte große Sprünge und rannte wie besessen plößlich stolperte er und fiel hin. Ich wollte ihn anrufen, aber ich brachte keinen Laut heraus, meine Zunge war wie aut Gaunten festgeklebt. In diesem Augenblick ging der Moud gerade unter, und ringsum herrschte tiefstes Dunkel. heimliche Schatten frochen umher, ich fürchtete mich schrecklich, war aber entschlossen, zu Herrn Franzius zu gehen. Da stolperte ich über eine Baumwurzel und stürzte. Ginige Sefunden blieb ich wie betäubt liegen; als ich mich aufrichtete, bemerkte ich zwei Männer auf der Ebene. Sie ſtanden einander direkt gegenüber, Herr Baron, mehr will ich lieber nicht sagen." Mehr nicht? Sie müssen weiter sprechen, Mädchen!" rief der Baron in hochgradiger Erregung. Sie sahen also zivei Männer Franzins und Everett- nicht wahr?" - Hetty schwieg. Gs rieselte ihr eiskalt den Rücken hinab. Nach einer kleinen Bause, während welcher ihr Herz so stürmisch flopfte, daß es ihr die Brust zu sprengen drohte, fuhr sie ganz leise fort: ,, Es war so dunkel, daß die Männer wie zwei große Schatten aussahen. Aber ich hörte ihre Stimmen sie zankten sich. Plöglich sprangen sie aufeinander los, wie- wie wilde Tiere geordnete 5. ardorff ins Feuer, dem sein Tempera ment vielleicht cinen gewissen prophetischen Blick ver liehen hat. Denn im Eifer der Rede sprach er vɔr dem„ Fürsten" Bülow, den er an ein Wort seines gro ßen Vorgängers, daß Politik und Verkehrsbeziehunger nichts miteinander zu tun haben, erinnerte. Erst da Gelächter des Hauses machte ihn auf seine prophetisch Entgleisung aufmerksam. So war das Haus in beste Stimmung, als der freisinnige Abg. Dr. Müller- Mei ningen mit einem an Sarkasmus streifenden Humor der Kampf gegen die Zölle begann. Er sprach von Wasser stieflern nud Wadenstrümpflern, bezog diese Zeichnung aber nicht auf die Freisinnigen, sondern auf die Agra rier, als deren robustesten Wasserstiefler er den Zentrumsabgeordneten Dr. Heim vorstellte. Warum er ge gen diesen vorging, sollte das Haus gleich erfahren; ei bekämpfte ihn als den Scharfmacher in der Gerstendawsky, der für seine Mühe so viel erdulden müsse. Gra Suppe verfalzen und er bedauere den Grafen Posadowsky, der für seine Muse so viel erdulden müsse. Gras Bülow sei nun wieder in unerreichbarer Wolkenhöhe verschwunden, und Herr v. Podbiele lasse sich gewiß nicht durch allzuviel Arbeit vor den Bauch stoßen. Wo sei nun der Helfer in der Not? Er sehe ihn nicht. Der bayerische Finanzminister sei es jedenfalls nicht, denn der habe in München einen schönen Bierfeller und brauche deshalb ausländische Gerste. Er könne also keine Erhöhung bewilligen, wenn er feine Staatsgelder verprassen wolle. Sonst würde ihm das Streichquartett Schädler, Pichler, Köhl und Gerstenberger gefährlich. Summa Summarum, der Gerstenzoll sei nicht zu erhöhen. Der gegenteiligen Ansicht aber ist der nationalliberale Professor Dr. Hieber aus Stuttgart, der auch der heimischen Ha ferproduktion einen höheren Zollschuß erobern will. Die Schwarzwaldbauern produzierten soviel Hafer, daß sie jährlich für eine Million Mark Ware nach der Schweiz ausführten. Bäuerliche Tätigkeit aber betreiben 95 Prozent der Württemberger und das Schwergewicht ihres Einflusses sei so stark, daß sogar sieben demokratische Abgeordnete die bekannten sieben Schwaben für höheren Zollschutz eintraten. Trotz dieser Empfehlung vermochte er den bayerischen Ministerialdirektor c. Gehger nicht zur Milde zu stimmen, denn dieser sprach sich allerdings unter vielen. Wenn und Aber- gegen eine Erhöhung des Gerstenzolles aus ein Trost für den nachfolgenden Redner, den wildliberalen Abgeordneten Rösicke- Dessau, dem ob der Zölle die Zornesröte ins Gesicht stieg. Rösicke ist Brauereidirektor und daher mit Herz und Hand naturgemäß einem niedrigen Gerstenzoll ergeben. Er scheint aber dem Wetter nicht zu trauen, denn er sprach sich mit tonloser Stimme dahin aus, daß allem Anscheine nach doch die Hoffnung auf das Zustandekommen der Vorlage bei der Mehrheit nicht geschwunden sei. Da er sich wegen und fämpften miteinander. Ich hörte fie feuchen, dann stürzte der eine zu Boden, sprang aber sofort wieder in die Höhe- fie rangen wieder miteinander, darauf ein Schrei so ein dumpfer und doch entsetzlicher Schrei- das Geräusch eines schwer zu Boden fallenden Körpers- darauf Totenstille, grausige Totenstille. Ich fauerte mich hinter das Gebüsch, ich zitterte an allen Gliedern. Nach langer Zeit- mich dünkte sie wenigstens furchtbar lang ging der eine von dannen, der andere blieb liegen, das Antlitz gen Himmel gerichtet. Der Mann, der ihn getötet, schlug die Richtung nach dem Welche Richtung?" fragte Audrey hastig, als Hetty stockte. " Die Richtung nach" Hetty blickte fest in des Barons Gesicht, dessen Augen sie offen, ohne zu zucken, ausahen-„ den Weg nach dem Dorfe, Herr Baron." Sie holte tief Atem. ,, Ah nach dem Dorfe!" sagte Audrey mit nervösem Auffacheit. Der Art und Weise nach zu schließen, wie Sie mich ansahen, glaubte ich, Sie wollten sagen: nach dem Schlosse." Herr Baron", stammelte das Mädchen bebend, glauben Sie daß es Herr- Everett war?" Wer sonst tönnte es gewesen sein?" versetzte Audrey rasch. Wer sonstfönnte es gewesen sein!" wiederholte Hetty dumpf. Dabei also werde ich bleiben! Ich dachte niir, es würde Ihnen lieb sein zu hören, daß ich dabei bleiben werde. lls die Schritte des Mörders verhallt waren, stahl ich mich an Herrn Franzius herau und versuchte, ihn ins Leben zurückzurufen, eber umsonst er war tot. Da verließ ich ihn und wanfte nach Hause. Es war gegen vier Uhr morgens, als ich in meiner Stube stand. Keine Menschenseele weiß, daß ich in der Nacht draußen war, niemand außer Ihnen, Herr Baron. Darum fam ich hierher, um Ihnen zu sagen, ich würde fest dabei bleiben, daß es Herr Everett war, der den- Mord beging. Gute Nacht, Herr Baron." Gute Nacht, Hetty. Sie müssen das, was Sie mir soeben erzählten, natürlich gleich morgen früh meinem Vater mitteilen." ,, Ach nun, wenn Sie es wünschen, gut." Hetty kehrte um und ging langsam ins Dorf zurück. Audrey blieb noch eine Weile stehen und schaute ihr nach. Eine fast ängstliche Beklemmung lag während einiger Sekunden auf ihm, dann wandte er sich um und ging nach Hanse. Er betrat das Schloß durch dieselbe Seitenthür, welche er am Abend vorher beugt hatte, schritt einen langen Korridor entlang, über die große Vorhalle hinweg und betrat das Wohnzimmer, wo seine Schwester Annie saß. der rücksichtslosen Interessenvertretung der Agrarier be. schwert batte zog er sich einen heftigen Angriff des Zentrumsabgeordneten Gerstenberger zu, ber die Frage auswart, ob es denn nicht auch Interessenpolitik sei, wenn ein Brauereidirektor Zollfreiheit für die Malafabrikate berlange. Ueber die Frage, wer eigentlich Interessenpolitit treibe, verbreitete er sich dann auch noch der freijinnige bg. Gothein in längerer, etwas pathetisch vor. getragener Rede. Die Politik. Der Zentrumsturm wankt. Der linke Flügel des bayrischen Zentrums hat sich bon der Partei getrennt und wird demnächst ein neues Blatt unter dem Titel„ Die Zeit" herausgeben. Die Spal. tung ist dadurch eingetreten, daß ein Teil der Partei in eine grundsägliche Opposition zur Regierung treten will, weil diese den seitherigen zentrumsfreundlichen Kultusminister von Landmann ausschiffen ließ. Durch die sen Vorgang ist die unbedingte Mehrheit des Zentrums im bayerischen Landtag gesprengt. Ein Attentat auf den Präsidenten Loubet? Der Figaro" berichtet, daß Pariser Polizeibeamte einen Anarchisten ergriffen haben in dem Augenblicke, als er über das Gitter fettern wollte, welches die elysäi schen Felder vom Garten des Palastes trennt. Man hat bei dem Berhafteten einen geladenen Revolver und ein anarchistisches Blatt gefunden. Der Name des Verhafteten wird geheim gehalten; doch wird er für eine überaus gefährliche Persönlichkeit angesehen. Man glaubt, daß er bem Präsidenten der Republik im Gebüsch auftauern wollte, um ihn zu ermorden. Der Achtstundentag in Frankreich. * Der französische Marineminister hat verfügt, daß bei den Arbeiten der Artillerie- Arsenals in Toulon und der Marinekesselfabrik in Lorient vom 1. November ab bersuchsweise der Achtstundentag eingeführt wird. Wenn diese Maßnahme ein günstiges Resultat haben sollte, soll der Achtstundentag vom 1. Januar ab allgemein eingeführt werden. Kurze politische Nachrichten. * Berlin, 22. Oktober.( Hofbericht.) Heute, am Geburtstag der Kaiserin, fand Abends um 7 Uhr im Neuen Palais eine Theatervorstellung mit darauffolgenem Souper statt. Morgen Abend sindet im Neuen Pafais eine kleinere Tanzfestlichkeit statt. Kaiser Wilhelm soll bei seinem Besuch in England in einem Hafen an 2 ,, Da bist Du ia, Robert!" rief diese, sich schnell erhebend als sie den Bruder erblickte.„ Ich bin so froh, Dich jezt einmal allein zu haben. Heute nachmittag freilich hattest Du so viel tiges mit Margarete zu sprechen, daß Du von uns anderen gar feine Notiz nahnist. Und ich bin doch bald gestorben vor Rengier, Robert, ich möchte so gerne Näheres über den Mord hören. Komm, sei lieb, sebe Dich zu mir und erzähle mir die Geschichte." Da rede mir einer von Frauen und ihren zarten Gemütern". versetzte Audrey in neckendem Tone. Doch sofort darauf dachte er an Margarete, und seine Büge nahmen einen glücklichen, weichen Ausdruck an. Auch sie, die gewiß das beste, gefühlvollste Herz von der Welt besaß, auch sie hatte die Geschichte von dem Word ausführlich hören wollen. „ Weißt Du, Annie", sagte er freundlich, indem er sich in. einen Stuhl neben den der Schwester niederließ, ein uners quicklicheres Thema als das von dent Mord giebt es für mich faum. Die Angelegenheit wirbelt selbstverständlich viel Staub auf, die Untersuchung findet in nächster Beit statt, und die Beitungen werden wochenlang nichts anderes bringen, als die schreckliche Geschichte. Genügt Dir das nicht eigentlich? Soll ich Dir wirklich die traurigen Einzelheiten erzählen?" Annie war ein herzensgutes Mädchen. „ Wenn es Dir unangenehm ist, natürlich nicht", bersetzte sic liebenswürdig.„ Aber eine Frage mußt Du mir wenigstens beant worten. Ist es wahr, daß Du mit dem unglücklichen Manne der gemordet wurde, gestern abend noch gesprochen haft?" " Es ist wahr. Ich hatte sogar einen fleinen Streit mit ihm." " Mein Gott, Robert! Wenn Du gestern abend noch spät ausgewesen wärst, hätte man am Ende den Verdacht auf Dich geworfen!" In des Barons Gesicht schoß eine jähe Blutwelle. Bufälligerweise ging ich aber gestern zeitig schlafen", gab er " dabei blickte er mit gerunzelter zurück, wenigstens ist mir so Stirn und wie fragend auf seine Schwester. " Natürlich gingſt Du sehr früh zu Bett. Weißt Du nicht mehr, daß Du sagtest. Du seiest todmüde? Dora und ich bater Dich, mit uns zu singen, Du schlugst es jedoch rundweg ab, weil Du heiser seiest, wie ein Rabe, und gingst sofort nach dem Abendbrot in Dein Zimmer. Ich fürchtete, Dich zu stören. deshalb flopfte ich auch später nicht an, sondern schob mein Briefchen mit der Nachricht über Margarete unter Deine Thir. Bei dem Namen Margarete streifte Annie den Bruder mit einem schelmischen Blick. Er bemerkte es nicht, er war tief in Gedanken versunken. Dem Ge der Küste von Kent landen. Der Kaiser werde wahrscheinlich nicht auf Sandringham, wie zuerst geplant, sondern auf Windsor der Gast König Eduards sein. Einer der Gründe für diese Aenderung sei die zarte Gesundheit der Prinzessin von Wales. Kaiser Wilhelm, der wahrscheinlich London nicht besuchen werde, habe den Prinzen von Wales zu den kaiserlichen Hofjagden in der Leßlinger Heide eingeladen. * Im Befinden des Abgeordneten Rickert ist eine Verschlimmerung eingetreten. * Der schweizerische Bundesrat Hauser ist infolge des Schlaganfalles, den er erlitten hat, gestorben. * Neuerdings heißt es wieder, das serbische Königspaar werde von dem Zaren nicht empfangen. * In dem wiederaufgenommenen Strafprozeß wegen der Ermordung Stambulow's leugnete der angeflagte Macedonier Michael Stravrew, genannt Halju, die Teilnahme am Morde und behauptete, zur Zeit des Mordes nicht in Sofia gewesen zu sein. Alle Zeugen geben die Aeußerungen wieder, welche Stambulow auf dem Sterbebette machte. Stambulow nannte Halju, aber auch andere Namen, darunter denjenigen einer hochstehenden Persön lichkeit in Bulgarien. * Der auf Befehl des Sultans von Marrokko aus dem Hauptheiligtum der Stadt herausgeholte Mörder des englischen Missionars Cooper gab vor dem Sultan als Grund seiner Tat Haß gegen die in Fez lebenden Christen an, die er, wenn er könnte, alle umbringen würde. Nach diesem Geständnis wurde der Mörder durch die Straßen gepeitscht und wie bereits gemeldet, erschossen. Die Stadt soll ruhig sein. Der Sultan sorgte für die Bewachung ber von Europäern bewohnten Häusern. Vermischtes. [ des Königs Patenkind.] Eine hübsche Anekdote wird nachträglich von den diesjährigen württembergischen Manövern gemeldet. Der König war in Aßmannshardt, Bezirk Biberach. In diesem Ort ist eine Familie mit jieben Knaben gesegnet und der König vertrat beim Jüngsten, wie dies üblich, Patenstelle. Die Mutter stand mit dem Buben in der Nähe der königlichen Equipage und sagte scherzend zu demselben: ,, Do gang na und gib deim Götte ( Baten) d' Hand." Sofort lief der kleine Knabe auf die ajestät zu, streckte ihm die Hand entgegen und ries aus: Grüß Gott, Götte!" Der König, sehr erfreut über die unerschrockenheit seines Patenkindes, drückte ihm liebreich die Hand und beschenkte es mit einigen Talern. mont habe verlangt, daß ihm zur Ausführung der zur Fahrt nötigen Vorarbeiten eine Frist von einem Jahre bewilligt werde. Eine Untersuchung des Mont Belee. Der französische Kolonienminister erhielt von der Insel Martinique eine Kabeldepesche, in welcher mitgeteilt wird, daß die Mission Lacroix die ganz verwüstete Gegend besucht habe. Die Mission entdeckte keine Spur einer neuen Krateröffnung. Sie folgte dem Kamme des Kraters, welcher eine neue, unregelmäßige, 150 Meter tiefe Höhlung bildet. Im Krater baute sich ein felsenartiger Regel auf, welcher den Gipfel des Mont- Pelée überragt und zahlreiche Furchen aufweist. Aus diesen Sprüngen steigen schwefelhaltige Dämpfe auf. Der nördliche und der östliche Küstenstrich sind unversehrt, aber vorsichtshalber geräumt. Es wurden zwei Beobachtungsposten eingerichtet. [ Die Gattin des Korsettfeindes.] In Lyon hatte vor kurzem ein Gelehrter dieser Stadt eine Frauenversammlung einberufen, um, angeregt durch die in Deutschland herrschende Bewegung gegen das Korsett, den Damen in einem Vortrage, der durch bildliche Vorführungen unterstüßt war, die Schädlichkeit des Korsetttragens zu Gemüt zu führen. Der Saal war gedrängt voll und die Zuhörerinnen lauschten mit Spannung dem Gelehrten, der mit flammenden Worten gegen den Unfug des Korsetttragens loswetterte und die nateiligen Folgen in den grellsten Farben schilderte. Er hatte eben seine Strafpredigt mit den Worten geendigt: An Ihre abwesenden Väter und Gatten möchte ich die dringende Mahnung richten, ihren Einfluß, wenn nötig, ihre Autorität geltend zu machen und Ihnen die Schädlichkeit dieser Mode so klar und eindringlich vor Augen zu führen, bis Sie selbst überzeugt werden und sich ein für allemal von diesem Folterinstrument trennen" als aus dem Hintergrunde des Saales, wo plößlich eine Bewegung entstanden war, aus ein paar Frauenfehlen Hilferufe ertönten. Eine der Zuhörerinnen war ohnmächtig geworden; wie die hilfeleistenden Nachbarinnen sogleich erkannten, war die Ohnmächtige zu stark geschnürt. Es war die Gattin des Vortragenden. Eine Schultragödie. In der Schule der deutschen Mennoniten- Kolonie Altona in Kanada fand eine furchtbare Bluttat statt. Der Schullehrer Henry J. Toews hat dort die Schulvorsteher John Hiebert, Peter Kehler und Abraham Rempt niedergeschossen und auf den Tod verwundet, dann drei Schulkindern, und zwar zwei Töchtern des genannten Schulvorstehers Kehler und der elfjährigen Tochter des erwähnten Schulvorstehers Rempt auf gleiche Weise tötliche Wunden beigebracht. Nach seiner unseligen Tat machte er seinem eigenen Leben durch einen Schuß in den Kopf ein Ende. Wie es scheint, gab ein Zank, den Toews mit dem Schulvorstand hatte, die Veranlassung zu der Bluttat. Einweihungsfeier. Auf dem Nürnberger Markt plaze wurde am Mittwoch der Neptunbrunnen feierlich enthüllt. Die Festrede hielt Bürgermeister Schuh. Der zu der Feierlichkeit in Nürnberg eingetroffene Staatsmi nister Feilitsch überreichte dem Stifter des Brunnens, Kommerzienrat Ludwig Gerngroß, den Verdienstorden der bahrischen Krone. Bunte Chronik. Der Hamburg- Amerika- Linie ging aus Curaçao ein Telegramm zu, wonach der Kapitän, der erste Maschinist und zwei Matrosen des deutschen Dampfers ,, Valesia" bei einem Bootsmanöver ertranken. Ob es sich um An- oder Vonbordfahren, oder ein anderes Bootsmanöver handelt, ist aus dem Telegramm nicht ersichtlich. * Attentat auf einen russischen Personenzug. Bei der Station Dünaburg entgleiste der Schnellzug von Wirballen nach Petersburg. Die Lokomotive stürzte um, der Gepäckwagen wurde völlig zertrümmert, die beiden folgenden Wagen zweiter Klasse ebenfalls umgestürzt und schwer beschädigt; es entgleisten noch ein Wagen 2. Klasse, ein Wagen 1. Klasse und ein Schlafwagen, der aber nur leicht beschädigt wurde. Vom Zugpersonal wurde der Packmeister getötet, drei Beamte schwer und drei leicht verletzt. Von den Passagieren wurde einer schwer verletzt. Die Ursache des Unglücks war böswillige Entfernung der Schienenschrauben und der Bolzen, die die Schienen mit den erst kürzlich neu gelegten Schwellen verbanden. Das große Loos ist, wie wir bereits mitteilten, in der Vormittagsziehung am Dienstag gezogen worden. Jezt wird gemeldet, daß der Gewinn in die Kollekte des Bankhauses Lehmann in Halle gefallen ist. Das Loos wird von vier vermögenden Leuten gespielt. - Wegen Veruntreuungen in Höhe von einer halben Million Mark ist gegen die Brüder Berthold und Julius Besas, die im Kaufhaus N. Israel zu Berlin angestellt waren, ein Strafverfahren eingeleitet worden. Die 54, bezw. 62 Jahre alten Brüder Besas sind seit länger als 30 Jahren in dem genannten Hause beschäftigt gewesen, in welchem sie in den letzten 15 Jahren Unterschlagungen und Fälschungen in großem Umfange begingen. Ein Studentenstreik ist in Wien an der technischen Hochschule ausgebrochen. Die Studenten protestieren schon lange gegen die engen und ungesunden Hörsäle. Nun haben sie beschlossen, solange zu streiken, d. H. die Vorlesungen nicht zu besuchen, bis ihre Forderung geräumiger und gesunder Auditorien erfüllt ist. Der Rektor Professor Krafft hielt an die Studierenden eine Ansprache, in welcher er betonte, das Professorenkollegium halte die Forderungen der Studentenschaft für begründet und werde sich bemühen, Abhilfe der Uebelstände zu erzielen. Er ermahnte nur die Studentenschaft, den ordnungsmäßigen Weg nicht zu verlassen. In Kiel erfolgte am Mittwoch an Bord des im Kieler Hafen liegenden russischen Kreuzers ,, Dschigit" beim Abfeuern des Saluts für die Kaiserin eine Explosion. Ein Matrose wurde getötet, sechs andere sind schwer verletzt worden. Ein Kind mit einem Maultorb erregte auf dem Bahnhof in Lyon allgemeines Aufsehen. Ein schlicht getleideter, bäuerlich aussehender Mann mit wirrem Blicke zerrte an einer Leine ein kleines Mädchen, das jämmerlich weinte und einen großen Hundemaulforb trug, hinter sich her. Einem Schußmanne, der sich erkundigte, was das denn eigentlich zu bedeuten habe, rief er zu: ..Rührt meine Tochter nicht an, sie ist toll!" Es stellte sich heraus, daß das Mädchen von einem Hunde gebissen und im Institut Pasteur geheilt worden war, und daß die Angst den Vater verrückt gemacht hatte. Er wurde in Gewahrsam genommen und das Kind der Mutter heimgeschickt. Im Ballon über den Kanal. Wie ein Pariser Sportblatt meldet, haben zwei Engländer dem Luftschiffer Santos- Dumont 200 000 Francs angeboten, wenn er in seinem Luftschiff von London nach Paris fahren wollte. Dunen alghert Wetterer inbil den Lan e in fe mspetto -Main zum G enbach ** Der Großherzog empfing gestern am 22. Oktober den Obersten Frhen. Rüdt von Collenberg, Kommandeur des 1. Großh. Infanterie( Leibgarde-) Regiments Nr. 115, den Obersten v. Werder, Stom mandeur des 1. Großh. Drag.- Reg.( Garde- Drag. Reg.) Nr. 23, den Rittmeister Frhrn. Schend zu Schweinsberg, Eskadronchef in demselben Regiment, den Oberleutnant Milchling von Schönstadt, Adjutant der 14. Inf.- Brigade, den Leutnant Frhrn. v. Gall( Mar) vom 1. Großh. Inf.( Leibgarde-) Regiment Nr. 115, den Oberlandstallmeister Willich gen. von Pöllnig, den Ministerialrat Dr. Weber, Vorfißenden der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege im Ministerium des Innern, den Prof. Kleinen vom Ludwig Georgs- Gymnasium, die Rechnungsräte i. P. Gambs und Scriba; zum Vortrag den Staatsminister Rothe, den Geheimen Kabinetsrat Römheld. ** Der Großherzog hat den von dem Grafen zu Erbach- Erbach auf die zweite evangelische Pfarrstelle zu Erbach präsentierten Pfarrverwalter Karl Sell daselbst für diese Stelle bestätigt und den Oberlehrer an der mit dem Realgymnasium in Mainz verbundenen Handelsschule Friedrich Leitner auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1903 aus dem Staatsdienst entlassen. Dem Untererheber staatlicher Ges fälle und früheren Rentamtsuntererheber Karl Brand zu Nürnbach ist aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Dienste das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift ,, Für treue Dienste" verliehen worden. [ Gefährliche Augenuntersuchungen.] Eine Reihe interessanter aber gefährlicher Versuche an den Augen wilder Tiere machte jüngst der Doktor Lindsey Johnson vom Emithsonian- Institute in Washington. In der Mitte des menschlichen Auges sieht man, wie jedermann weiß, einen gelben Punkt. Man glaubte lange Zeit, daß dieser Punkt sich nur am Menschenauge finde. Dr. Johnson hat aber den gelben Fleck auch bei einem Affen gefunden, und nun untersuchte er die Augen aller Thiere, die sich freiwillig oder gezwungen seine Beobachtungen gefallen ließen. Wenn die Untersuchungen vorgenommen werden sollten, mußte im Käfig der Tiere vollständige Dunkelheit herrschen; hinter dem Kopf der Tiere stand nur eine Meine Lampe. Die Augen der Bestien wurden gewöhnlich mindestens zwei Stunden mit Hilfe des Augenspiegels untersucht; manchmal aber dauerte die Untersuchung auch acht bis zehn Stunden. Löwen, Tiger, Bären, Wölfe, Elephanten, ja sogar Fische und Schlangen mußten sich der Operation unterwerfen. Die Ergebnisse der Unterjuchung sollen demnächst veröffentlicht werden. Lokales. Gedenktafel für den 24. Oktober. 1601. Der berühmte Astronom Tycho Brahe † zu Prag. 1648. Abschluß des Westfälischen Friedens, Ende des Dreißigjährigen Krieges. 1829. Morib, Erbprinz von Sachsen- Altenburg, - **( Privattelegramm.) Prinz Heinrch von Preußen wird Freitag Vormittag 716 Uhr der Einladung des Kaisers folgend nach Berlin reisen. ** Von hessischen Behörden werden u a. steckbrieflich verfolgt: Prostituierte Heinrich Eicher auer, Ehefrau Elise, geb. Lenz, aus Gießen wegen Diebstahls und Korbmacher Heinrich Herdt und dessen Ehefrau aus Ober- Widdersheim wegen Hausfriedensbruchs, beide vom Staatsanwalt Gießen; taubstummer Feilenhauer Karl Fingerhut aus Böhlerheide wegen Diebstahls vom Amtsanwalt zu Friedberg; Zimmermann Heinrich Sommerlad aus Ober- Rosbach wegen Diebstahls vom Staatsanwalt Gießen und Viehschweizer Rudolf Vogel aus Rothwasser wegen Diebstahls. ** Der o. Professor der Physik an der Hochschule in Gießen Dr. P. Drude wurde als Nachfolger Boltmanns nach Leipzig berufen. Gelegentlich der Feldbereinigung auf dem rechten Bahnufer findet ein Geländeaustausch zwischen hier und Heuchelheim statt. Seither schnitten beide Gemarkungen sehr in einander ein, die Gießener ging bis an die letzten Häuser Heuchelheims, ja die Haltestelle bei Heuchelheim soll sogar auf Gießener Gebiet stehen. Der Umtausch wird besonders für Heuchelheim insofern von Vorteil sein, als es dann nach Gießen zu an der Straße das beste Baugelände erhält. rung der i er Linie ei ungen dabi rtagen, w Provinzi Landesden le iffion llebun die Neul dren im ufforderung bestehen inden solle wird nach fammlung Bezüglid abzeichen fol nachgejut gelegt werden Winterim ungen einbol bom Feuerlö der Landesfe wehr Zeitung Die Kanalisations- Arbeiten im Stadtbachbett, die mit allen Schwierigkeiten verknüpft, gehen trotzdem rüstig vorwärts. Die Mauer am Pistor'schen Eisenlager ist in Beton bis 1 Meter unter der Straße hochgeführt, zur Sicherheit des Kanals und der alten Mauern der Gebäude hat die Bauverwaltung vor= sichtigerweise noch Beton- Bögen auf die Strecke eingespannt, um allen llebelständen des alten Mauerwerks vorzubeugen. Jetzt wird emfig an dem Kanalmauerwerk durch das Stadtbachbett gearbeitet. Die Erdarbeiten sind bereits bis zur Kirchstraße in Angriff genommen und der übelriechende Schlamm aus der Stadtbach wird stets abgefahren. Der Untergrund für den zu legenden Kanal sieht jetzt sehr gut aus, man sollte nicht glauben, daß in solchem morastigen Sumpfgraben solche Unterlage erzielt werden könnte. Allem Anschein nach soll wohl die Mauer des Pistor'schen Eisenlagers auch in kurzer Zeit hoch geführt werden. Geht man in westlicher Richtung weiter, so kommt man in die Moltkestraße, dort ist schon ein großer Teil von den Rohrfanälen bis über die Landmannstraße hinaus fertig gestellt und liegen auf dieser Strecke schon sämtliche Deckel auf den Schächten. Was die Entwässerung der Provinzial- Siechen- Anstalt anbetrifft, so sind die Arbeiten schon bereits seit 14 Tagen fertig gestellt, somit könnte jetzt die Anstalt mit dem Betrieb eröffnet werden. Es ist demnach die Entwässerungsanlage frühzeitig genug fertig gestellt worden. Wir wünschen zu den noch nicht fertigen Arbeiten noch gutes Wetter, damit dieselben so weiter vorwärts schreiten. ** Aus Mainz wird der ,, Darmstädter 3tg." vom 20. d. geschrieben: Zu recht eigenartigen und nichts weniger als erfreulichen Betrachtungen fonnte der Ein Gast, Herr beutige Theaterabend anregen Richard Kirch vom Frankfurter Schauspielhause, gab den„ Hamlet" bei nur schwach besetztem Hause. Dret Tage vorher bei der bekannten Mimikerin Charlotte Wiehe die Ränge dicht besetzt. Heute eine bedeutende, hervorragende Kunstleistung ganz im Wesen und Stiel des klassischen Dramas, damals ein süßliches, aufdringliches Virtuosentum, durch eine pomphafte Reklame effektvoll inszeniert. Die Thatsache spricht Bände. Sie beleuchtet in bedauerlicher Weise, nach welcher Richtung der Geschmack des heutigen Publikums gravitiert. ** Unsere Straßenluft. Interessante und praktisch wertvolle bakteriologische Untersuchungen der Luft auf den Straßen werden gegenwärtig von dem Newyorker Straßenreinigungsamt und mehreren Professoren der Cornelluniversität vorgenommen. Man will den Unterschied der Luft bezüglich ihres Inhalts von Krankheitskeimen in den verschiedenen Wohngegenden je nach dem Reinlichkeitszustand derselben feststellen. Zu diesem Zwecke wurden an einem Nachmittag auf eine halbe Stunde in verschiedenen Straßen Gelatinplatten, in der Höhe des Rinnsteines sowohl, wie zwei Meter darüber der Luft ausgesetzt, wobei man bemüht war, die Bedingungen in allen Fällen so gleich wie möglich zu gestalten. Mit dem, was auf diese Weise an Organismen aus der Luft gesammelt wurde, sind Kulturen vorgenommen worden. Zunächst hat sich feststellen lassen, daß die Luft dicht über der Straßenoberfläche bedeutend mehr Mikroorganismen enthält, als die, welche sich zwei Meter hoch darüber befindet. Das ist nicht überraschend, doch es erklärt sich daraus vielleicht die größere Empfänglichkeit der Kinder für die durch Bazillen übertragbaren Krankheiten. Jedenfalls sind Straßen, zumal schmutzige, sehr ungeeignete Spielplätze für Kinder. Ebensowenig auffällig viel Lastwagen- und Fußgängerverkehr die bei weitem wird der Umstand sein, daß die Luft von Straßen mit größte Menge von Organismen ablagerte. Schwere Wagen verteilen nicht nur Schmuß, sondern lösen ihn auch los und zerreiben ihn. In sauber gehaltenen Wohnstraßen mit Asphaltpflaster fand sich die Luft natürlich am reinsten. Die niedrigste zahl von Mikroben, die auf einer Platte gesammelt wurde, betrug fünf. Das war in einer vornehmen Straße mit wenig Verkehr. In den schlecht gereinigten Verkehrsvierteln fand man bis 7000 und 8000 Mikroben auf einer Platte, und in den Mietskasernenstraßen, in deren Nähe sich Märkte befinden, 9000 bis 10 000. Aus den bisherigen Ergebnissen ist zum wenigsten so viel geschlossen worden, daß Reinigen und häufiges Waschen und Besprengen der Straßen das am nächsten liegende Mittel zur Reinigung der Straßenluft ist. ** Der Genuß von Aepfeln hat sich mit Recht immer weiter verbreitet, mehr aus instinktivem Gefühl, als aus Kenntnis der Wirkung. Viele haben sich an den Genuß eines Apfels vor dem Schlafengehen so gewöhnt, daß sie ihn nicht mehr missen wollen, weil sie seine angenehme und gesundheitliche Wirkung spüren. Ein Arzt sagt darüber: Der Apfelgenuß, besonders unmittelbar vor dem Schlafengehen, ist ein bewährtes Mittel zur Förderung der Gesundheit. Der Apfel liefert nicht nur eine vorzügliche Nahrung, er ist zugleich eines der hervorragendsten diätetischen Mittel. Der Apfel enthält mehr Phosphorsäure in leicht verdaulicher Verbindung, als irgend ein anderes pflanzliches Erzeugnis der Erde. Sein Genuß, besonders unmittelbar bor em bo mie Bis End Beitreibung 3 1. Gemei 2.5013 1. Of 3. Sen Bahlstunde Gieß Die am angeordnete Mottles und Siegen Gro Die Lar Schiffenberge mahme von Berfehr bis a Gießen Groh gestern am 22. bon Collenberg, erte:( Leibgarde) Werder, Stom Barde- Drag. Reg.) nd zu Schwein ment, den Ober Adjutant der 14. Ball( Mar) vom t Nr. 115, den Pöllnik, den der Abteilung inisterium des dem Schlafen, wirkt 1. vorteilhaft auf das Gehirn, 2. regt die Leber an, 3. bewirft, wenn regelmäßig genoffen, einen ruhigen Schlaf, 4. desinfiziert die Gerüche der Mundhöhle und bindet die Säuren des Magens, 5. paralyfiert hämorrhoidale Störungen, 6. befördert die sekretierende Thätigkeit der Nieren, 7. hindert somit Aus dem Gerichtssaal. Schöffengericht. Gießen, 21. Oktober. Vorsitzender: Amtsgerichtsrat Gebhardt. Schöffen: Amend I. von Allendorf a. Lahn. Vertreter der Staatsanwaltschaft: Amtsanwalt Weiß. Stuhlflechter Ludwig - Auch und gegen Balser auf 6 Wochen Gefängnis. wird den Beleidigten die Publikationsbefugnis zuge= sprochen, da die Beleidigung auf offener Landstraße erfolgte. Sodann wird in zwei Sachen gegen Konrad Rübsamen zu Gießen, wegen verbotenen Baggerns berhandelt. In einem Falle erfolgt Freisprechung, im schlossen. die Steinbildung, 8. schügt ferner gegen Verdauungs- Philipp Launsbach XIII von Reiskirchen und Friedrich anderen dagegen wird die Einnahme Augenscheins bebeschwerden und 9. gegen Halsfrankheiten. Der Landesausschus Hessischer Feuerwehren Der Der stud. med. vet. dessen Gehilfen Otto und Georg Schwarz find angeDie Verkündung des bildeten 2 Privatklagen wegen Beleidigung. Der Glückskalender 1903 von Adolf Beermann Gotha, welcher der heutigen Auflage beiliegt, möge fich für unsere gesch. Leser als ein wahrer Glückskalender bewähren. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Keller- Mainz zum Vorsitzenden des Landesverbandes, und zum Stellvertreter Streisfeuerwehrinspektor Müller Offenbach. Es folgte eine Besprechung über die Ausführung der in Bad- Nauheim gefaßten Beschlüsse. In erster Linie einigt man sich nach längeren Auseinandersegungen dahin, daß für die Folge bei Hessischen Feuerwebrtagen, wie dies ja auch schon früher bei hefſiſchen und Provinzialfeuerwehrtagen eingeführt war ,,, bon dem Landes- Ausschuß die Art und Weise der vorzuführenden Uebungen bestimmt und von demselben eine Stommission aus den vertretenen Wehren zur Stritif diefer llebungen eingesetzt werden soll."- Ferner soll für die Neubearbeitung des Uebungsbuches für Feuerwehren im Großherzogtum Hessen eine öffentliche Aufforderung erlassen, wonach Anträge auf Aenderung der bestehenden Bestimmungen fachgemäße Anwendung finden sollen. Der Abdruck der Sanitätsvorschriften wird nach Erledigung des in der letzten Dezemberverjammlung hierüber gefaßten Beſchluſſes ebenso erfolgen. Bezüglich der Einführung der einheitlichen Gradeabzeichen soll um gesetzliche Regelung bei der Regierung nachgesucht, die früheren Beschlüsse dabei aber zu Grunde Kirchweihe in Krofdorf nach Heuchelheim zurückkehren Stüd Mt. 0,60-0.85, Enten per Stüd 2.00-2.30, Gänse p. Bfb. Georgs- GymOs und Scriba; e, den Geheimen von dem Grajen elifche Biarritelle Iter Karl Sell dden Oberlehrer ainz verbundenen f sein Nachsuchen 18 dem Staats er staatlicher Ges er Karl Brand Cusscheidens aus hen mit der In worden. nz Heinrch bon hr der Einladung a. steckbrief. Eichenauer, Ehefrau stahls und Korb. aus Ober- Widders Dom Staatsanwalt erhut aus Böhlerzu Friedberg; Rosbach wegen Viehschweizer able. er Hochschule in achfolger Bol gung auf dem stausch zwischen r schnitten beide Le Gießener ging 1s, ja die Halte Gießener Gebiet für Heuchelheim nach Gießen zu rhält. tadtbachbett, die gehen trogder tor'schen Gisen er Straße yod und der alten erwaltung vor ie Strede ein ten Mauerwerks m Kanalmauer Etet. Die Erdin Angriff gemm aus der Untergrund für gut aus, man raftigen Sumpfkönnte. Allem des Pistor'schen eführt werden. ter, so fommt ein großer Teil Bandmannftraße efer Strede fchon Was die Ent It anbetrifft, so Donnerstag, den 23. Oftober, Abends 8 Uhr im oberen Schlosser. wählte in seiner legten Sigung einstimmig den Feuer- Peppler II. von Großen- Linden hatte einen Strafbefehl flagt wegen Körperverletzung. webcinspektor und seitherigen zweiten Vorsitzenden wegen Ruheſtörung erhalten und hiergegen Einspruch Urteils wird auf eine Woche ausgesetzt. Den Schluß erhoben. Urteil: 1 Woche Haft.- Die Bauunter nehmer Johannes Bieker in Kölbe und August Biefer in Kirchhain hatten gegen Verwaltungsstrafbescheide, die wegen Nichtbefolgung von Aufforderungen zur Abgabe von Steuererklärungen ergangen waren, die gerichtliche Entscheidung beantragt. Es erfolgte Freisprechung. Der Viehhändler Kallmann Kaufmann von Sirtorf hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl wegen Tierquälerei erhoben. Die Verhandlung wird vertagt. Hausbursche Martin Baſtian zu Gießen, der wegen Unterschlagung angeklagt, ist unentschuldigt ausgeblieben. Es wird Vorführung verfügt. tiederle zu Gießen hatte gegen einen Strafbefehl, in dem er der Tierquälerei beſchuldigt wird, Ein- Konfirmandensaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde( Psalm 51). Pfarrer spruch erhoben. Die Verhandlung wird auf den 14. November 1902, Vormittags 9 Uhr, vertagt.- Die Fuhrknechte Karl Becker und Heinrich Balser zu Gießen find angeklagt der Körperverletzung und der Beleidigung. Aus der Verhandlung ergiebt fich, daß per Bfb. 90-1.00 Mr. Hühnereier 1 St. 7-8 fg, Entender t die Angeklagten in recht roher Weise gegen ein Pärchen, das in der Nacht vom 7. bis 8. September von der wollte, vorgegangen waren. Einer der Angeklagten hatte mit der Verfolgung begonnen, indem er die Die Angeklagten Stimme des Rindviehs nachahmte. wurden schließlich beide thätlich, suchten dem Heimführer das Mädchen zu entreißen und schlugen diesen blutig. Der Amtsanwalt beantragt gegen Becker eine Gesamtgefängnisstrafe von 2 Monaten und 1 Woche, gegen Balser eine solche von 2 Monaten 3 Wochen. Das Urteil lautet gegen Becker auf 5 Wochen Gefängnis gelegt werden. Der Landesausschuß soll beim Gr. Ministerium sämtliche Verordnungen und Vereinbarungen einholen, welche Bezug haben auf Befreiung vom Feuerlöschdienst nach Artikel 11, Absatz 2 und 3 der Landesfeuerlöschordnung, um solche in der Feuerwehr- Zeitung zu veröffentlichen. - Marktbericht. Gießen.[ 23. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt tofteten Butter -00 Pfg., Gänseeier 1 St. 0-0 Pfg., Käse per St. 5-9 Pfg. Erbsen per Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar Mr. 0.60-0.80, Hühner per Stüd Mt. 1.00-1 30, Hahnen, per 50-65 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 60-64 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 70-80 Bfg. Schweinefleisch gesalzen per fund 0.84 Bfq., Kalbfleisch per Bfb. 68-72 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-70 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 400-4.50 mr., Zwiebeln per St. Mr. 3.30-3.50, Milch per Liter 18 Pfg. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Richard Löwenthal& Co. Bahnhofstraße 1. Gießen. Bahnhofstraße 1. Zur Herbst- u. Wintersaison empfehle eine überaus reichhaltige Auswahl in Damen- u. Mädchen- Hüten, vom einfachsten bis elegantesten Genres, garnirt und ungarnirt. Ebenso unterhalten wir eine große Auswahl in geschmackvollen K Zuthaten für Damen- Putz wie: dern, Fantasien, Agraffen, Sammete, Seidenstoffe, Bänder 2c. Wir bitten, auf unsere Schaufenster zu achten. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Bis Ende dieses Monats sind bei Meidung der Beitreibung zu bezahlen: Cagen fertig ge it dem Betrieb Entwäfferungs worden. Wir eiten noch gutes wärts schreiten. armstädter 8tg." rtigen und nichts gen fonnte der Ein Gaft, Herr auspielhaufe, gab em Hause. Drei Ferin Charlotte te eine bedeutende Wesen und Stiel Tüßliches, aufdring omphafte Reflame 1. Gemeinde steuer, 4. Ziel 1902/03; 2. Holz eld r, fällig 1. August, 1. September und 1. Oftober 1902. 3. Heugrasgelder, fällig 1. Oktober 1902. Zahlstunden: Täglich vormittags. Gießen, den 23. Oftober 1902. Stadtkasse Gießen. Hoepfen. Bekanntmachung. Die am 17. September bezw. 10. Oktober I. Js. pricht Bände. Sie angeordnete Sperre der Grünberge ftraße zwischen welcher Richtung 16 grabitiert. t fich mit Red ftinftivem Gefü ele haben fid an glafengeben fo ge wollen, weil fie Wirkung püren uß, besonders un ist ein bewährtes t. Der Apfel liefert er ift zugleich eines Mittel. Der Apfel it berdaulicher Ber Tanzliches Erzeugnis unmittelbar bor Moltke und der Wolfstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 23. Of ober 1902. Großherzogl. Polizeiamt Gießen. Hechler. 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