Nr. 242. Aovanement preis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ins Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberheinische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- nud Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 17. Oftober 1902. Gießener 11. Jahrgang. Injectionsvreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz berbeffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 fg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Ferusprechanschluk Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gießen. Deutscher Reichstag. Der Reichskanzler über den Zolltarif. - an CB. Berlin, 16. Oktober. Die heutige Reichstagssigung war für die Reichstoten und die ziemlich zahlreich erschienenen Tribünenbesucher ein großer Tag. Man merkte es schon dem vollzähligen Ministertische auf der Bundesrats- Tribüne, daß etwas Besonderes vorgehe. Reichskanzler Graf Bülow erschien übrigens am Vorabend seiner zweijährigen Kanzlerschaft mit einer glänzenden Suite, aus der wir die Staatssekretäre Graf Posadowsky, Freiherr v. Richthofen, Freiherr v. Thielmann und die Minister Freiherr v. Rheinbaben und v. Podbielski nennen, um zu Beginn der zweiten Lesung der Zolltarifvorlage das Regierungsprogramm zu entwickeln. Seine Rede war im wesentlichen eine Wiederholung seiner früheren Ausführungen, mit denen er die Einbringung der Zolltarifvorlage begleitet hatte. In seiner verbindlichen Art dankte er zunächst der Kommission für ihre mühevolle Arbeit und wies auf die am 31. Dezember 1903 bevorstehende Beendigung der Handelsvertragsperiode hin. Deutschland wolle auch in Zukunft solche langfristige Verträge und suche sich zu diesem Zwecke mit einer neuen Rüstung zu versehen. Aber die Regierung wolle keine Verträge um jeden Preis. Amerika, Rußland und die Schweiz hätten ebenfalls ihre Tarifpositionen und zwar lediglich zu Gunsten der Industrie geändert; um von jenen Ländern, zu denen auch Desterreich- Ungarn zähle, Zugeständnisse zu erhalten, müßten wir ihnen auch etwas zu bieten haben. Die Befürchtung, daß die Getreidezölle die Lebenshaltung der Arbeiter verschlechtern könnten, sei entschieden übertrieben, zudem dürfe die Blüte der Industrie nicht auf einem Niedergang der Landwirtschaft beruhen. Allerdings könne die Regierung einer weiteren Erhöhung der Mindestzölle für Getreide, die auf Grund sorgfältiger Erwägungen zu stande gekommen sind, und einer Ausdehnung der Mindestzölle auf andere Positionen nicht zustimmen. Werde der neue Tarif abgelehnt, so müsse die Regierung entweder die alten Verträge erneuern, oder auf alten Grundlagen neue Verträge vereinbaren. Er bat zum Schluß um Annahme der Vorlage und warnte die Opposition vor der Obstruktion, die schließlich doch das Parlament selber schädige. Bevor der Reichskanzler zu Worte fam, war die Fleischteuerungs- Interpellation durch die Mitteilung des Staatssekretärs Grafen Posadowsky erledigt, daß die Regierung sie nach Beendigung der Erhebungen beantworten wolle. Sodann wurde nach einer lebhaften Debatte, an der sich die Abgg. Graf Ballestrem, Singer und Dr. Barth beteiligten, beschlossen, zunächst über die Zollsäße für Roggen und Weizen zu beraten; der Beratung selbst schickte dann der Reichskanzler seine Programmrede dorauf. Alsdann erstatteten die Abgg. Speck( Ctr.) und Graf Schwerin- Löwib( kɔns.) die Kommissionsberichte. Der freisinnige Abg. Gothein, der erste Debatteredner, drohte in verschleierter Form mit der vom Reichskanzler verpönten Obstruktion, indem er sagte, die Vorlage unterliege noch) dem Volksreferendum, d. h. mit anderen Worten, die Beratung wird vor den Neuwahlen nicht zu Ende gebracht, so daß die Zolltarifreform die Wahlparole werden müßte. Der Redner trug im übrigen eine ganze Reihe von Bedenken vor und schweiste so sehr von dem eigentlichen Thema ab, daß der Präsident Graf Ballestrem seinem Redefluß mit der Bemerkung Einhalt gebot: Das Obst tommt zulegt. Noch unter der Heiterkeit des Hauses gab Graf Kaniß im Namen der Reichspartei die Erflärung ab, daß an den Beschlüssen der Kommissionen festgehalten werde. Dann schloß die heutige Beratung. In der nächsten Sizung: Fortsetzung der heutigen Ta gesordnung. Kurze politische Nachrichten. * Kaiser Wilhelm wird bei seinem Besuch in England auch eine Parade über sein Regiment in Shorncliffe abnehmen. * Die Vorstände der christlichen Bauernver= eine haben sich in einer soeben zu Berlin abgehaltenen Sigung mit Ausnahme des rheinischen Bauernvereins, der noch höhere Forderungen stellte, dahin ausgesprochen, daß an den Beschlüssen der Zolltariskommission über die Mindeſtsäße für Getreide festzuhalten sei. * Das Befinden des Reichstagsabgeordneten Dr. v. Revezow hat sich verschlimmert. * Ueber die Besuchsfrage des serbischen Königspaares verlautet, der serbische Gesandte in Petersburg habe verfrüht die Meldung von der Besuchsabsage nach Belgrad gemeldet, weil er eine beiläufige Notiz des Ministers Grafen Lamsdorff für den endgültigen Bescheid gehalten habe. * Die bulgarische Regierung und die Bischöfe von christlichen Kirchen mahnen die macedonische Bevölkerung, Ruhe zu halten. * Nach einer offiziösen Mitteilung aus Newyork ist der amerikanische Kohlenarbeiter- Ausstand beendet. * In dem südamerikanischen Staate Columbia steht die Revolution in heller Blüte. Der Präsident Marmoquez ist gefangen genommen und General Fernandez hat sich zum Diktator erklärt. * In der chinesischen Provinz Kanton ist die Reisernte mißraten; es herrscht Hungersnot. Unruhen drohen, Sammlungen zur Unterstüßung der Notleidenden wurden eröffnet. Die Politik. Von der kaiserlichen Familie. Der Kaiser traf am Donnerstag abend im Neuen Palais zu Potsdam ein. Früh 7 Uhr reiste der Monarch con Cadinen ab, nachdem er sich zu Fuß von dem Gutshause zum Schloß begeben hatte; bereits kurz nach 8 Uhr traf er in Marienburg ein, wo er eine Rast von etwa einer Stunde im Schloß machte. Um 9 Uhr trat er dann über Langfuhr bezw. Danzig die Rückreise an. In Danzig selbst kam der Kaiser um 11 Uhr vormittags an und zwar in der Uniform des Leibgardehusarenregiments Nr. 1. Er begab sich nach dem Generalkommands, dann besuchte er den vor kurzem verunglückten General von Mackensen und nahm schließlich eine Parade über die Hufarenbrigade ab. Um 12 Uhr reiste er weiter, nachdem er vorher im Offizierskasino noch eine Unterredung mit dem neuernannten Oberpräsidenten Delbrück gehabt hatte. Der Kronprinz war bereits um 9 Uhr früh in Potsdam eingetroffen. Die Rückreise von Creuth aus hatte am Mittwoch angetreten. Abends um 9 Uhr traf er in München ein, wo er von dem Herzog Ludwig Wilhelm von Bayern und von dem stellvertretenden Gesandten Grafen Bernstorff empfangen worden war; bei letzterem soupierte er. Da er um 10 Uhr seine Weiterreise fortsetzte, hatte er im Jürstensaale noch eine Begegnung mit dem Prinzen Ludwig Ferdinand und Alfons von Bayern nebst Gemahlinnen, die dem Herzog con Genua das Abschiedsgeleite gegeben hatten. Die Prinzen August Wilhelm und Oskar weilen augenblicklich in Düsseldorf, wo sie die Ausstellung besichtigen. Am 18. ds: wird der Kaiser in Jehrbellin und der Kronprinz in Myslowig einer Denkmalsenthüllung beiwohnen. er Wie uns nachträglich gemeldet wird, wäre dem Kaiser in der Hauptstraße von Langfuhr bald ein Unglück zugestoßen. Das rechte Pferd seines Wagens stürzte und riß das linke mit sich, doch gelang es dem Kutscher, Unheil zu verhüten. Zwei Jahre Reichskanzler. Am 17. Oktober 1900 wurde der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe- Schillingsfürst in hohem Greiſenalter der Bürde seiner Aemter als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident enthoben. Sein Nachfolger Graf Bülow wurde bei seiner Ernennung nach seiner langjährigen und vielfach erfolgreichen Tätigkeit von der ganzen Bevölkerung mit Vertrauen begrüßt. Er hat sich dieses Vertrauens in vollem Maße würdig gezeigt. Unsere Beziehungen zu den fremden Staaten sind die denkbar besten, und im Innern hat Graf Bülow jedenfalls verstanden, alle Konflikte nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Zivillisten des Kaisers Franz Josef. Es ist ganz naturgemäß, daß von Zeit zu Zeit die Zivillisten der Monarchen erhöht werden müssen, weil das Geld eine immer geringere Kaufkraft erhält. Ob es aber fing ist, wie es jetzt in dem verbündeten Nachbarreiche geschieht, die Erhöhung in einer Zeit sinkenden Geschäftsstandes zu fordern, das ist eine andere Frage. Verlangt wird eine Erhöhung von 4 Millionen Kronen, d. i. 3,4 Millionen Mart, wovon Desterreich und Ungarn je die Hälfte beitragen sollen. Diese Forderung ist im gegenwärtigen Augenblicke um so bedenklicher, als Ungarn sich von Desterreich schon in der Berechnung der Zollverteilung übervorteilt sieht. Wenn es nun ebenso viel zum Unterhalt des Königs beitragen soll, wie das größere Oesterreich, so wird das die politische Mißstimmung zwischen beiden Ländern verstärken und die Stimmung gegen das habsburgische Haus ist bekanntlich auch nicht die beste in Ungarn; sie kann dadurch nur verschlimmert werden. Ein angeblicher deutscher Spion. Auf dem Dampfer ,, Kaiser Wilhelm" schiffte sich in Cherbourg Herr Hecken nach Bremen ein, von welchem das Blatt ,, Patrie" erzählte, er sei deutscher Offizier und habe sich drei Monate in Cherbourg aufgehalten, während welcher Zeit er das Fort Cavaignac und die Insel Belée photographiert habe. Bei einer Haussuchung seien seine Clichés vernichtet und er selbst ausgewiesen worden. Die parlamentarische Lage in Frankreich. An dem gleichen Tage, an dem in Berlin der Reichstag die unterbrochenen Verhandlungen wieder aufnahm, trat auch die französische Abgeordnetenkammer wieder zusammen. Sie steht unter dem Eindruck einer fortschreitenben Zersplitterung unter den bürgerlichen Parteien. So hat sich eine neue Parteigruppe unter dem Namen ,, die Freidenker" gebildet; der Volksmund nennt sie die parlamentarischen Freimaurer. Offenbar ist diese Gruppe ein Ergebnis der fortschreitenden Kulturkampfstimmung, gegen die außer den Klerikalen und Nationalisten auch die Monarchisten Widerspruch erheben. Von letzteren ist die Forberung aufgestellt worden, daß die Gemeinden allein über Fortbestand oder Aufhebung der Ordensschulen entscheiden sollen. Die Gruppe der Linken fühlt sich derartig gestärkt, daß sie den sozialdemokratischen Abg. Jaurès für die Präsidentschaft vorschlägt, was die Radikalen unterstüßen, während die Nationalisten Jaurès lebhaft bekämpfen, weil er von einer Revanchepolitik abgeraten hat. Allem Anschein nach gibt es stürmische Sigungen, deren Verlauf je nachbem vielleicht das Kabinet Combes zu Fall bringen kann. Sturmeszeichen tauchen schon auf, und zwar ist Pelletan, ber Marineminister, die Zielscheibe für die Kanonen der Oppositionspresse. In den Blättern wird erzählt: Der Kabinetschef des Marineministeriums soll einen Schweizer namens Pictet im Marinebureau angestellt haben, wo er an den Plänen für die Herstellung neuer Unterseeboote mitarbeitete. Dieser Pictet wird beschuldigt, die Pläne an Deutschland verraten zu haben. Der Marineminister wird sich in der Kammer daher zu verantworten haben. Mädchenhandel nach Südafrika. Neuerdings ist man einem ausgedehnten Mä d- chenhandel nach Südafrika auf die Spur gekommen. In allen Gegenden Englands und Irlands sind förmliche Agenturen eingerichtet, die verlockende Anzeigen erlassen und die auswanderungslustigen Damen mit Handgeld versehen. Auch die Stellenvermietungsbureaus leisten unbewußt diesem verbrecherischen Treiben Vorschub, indem sie auf Kapstadter Scheinofferten Reflektantinnen für die ausgeschriebenen Stellungen zuweisen. Zum Befuch der Burengenerale. bon Die Burengenerale Botha, Delarey und Dewet sind gestern Abend in Berlin eingetroffen, wo sie ben Mitgliedern des Burenausschusses, der Altdeutschen und des Ostmarkenvereins herzlich begrüßt wurden. Der Aufenthalt in der Reichshauptstadt dauert zunächst bis zum Sonnabend, da sie an jenem Tage zur Erledigung bringender Geschäfte nach London reisen. Sie wollen aber wieder zurückkehren, um in verschiedenen Städten Vorträge zu halten. Ob die Sammlungen allerdings so sehr viel ergeben, ist mehr als zweifelhaft, denn die seither gebrachten Opfer sind bereits ziemlich beträchtlich. Aus der Burensammlung des Alldeutschen Verbandes sind 116 jetzt heimgekehrte deutsche Mitkämpfer mit 15 756 Mt. unterstüßt worden. Hierzu kommen 10 591, die früher heimgekehrten deutschen Mitkämpfern zugewendet wurden, so daß im ganzen bisher 26 347 Mt. für diesen Zwed verwendet wurden. Ferner wurde eine Unterstüßung von 10000 Mark für die deutschen Gemeinden der Hermannsburger Mission in Transvaal bewilligt. Es sind dies nur die Aufwendungen aus allerlegter Zeit, der vielen Tausende und Abertausende, die schon vorher für die Buren gesammelt worden und abgesandt sind, nicht zu gedenken. Bis heute ist übrigens die gewiß schon zur Genüge besprochene Audienzfrage noch nicht zur Ruhe gekommen. Pfarrer Schowalter in München, der Sekretär des Burenkomités, ist der Ansicht, sie sei von England hintertrieben worden. Dieser Auffassung aber tritt eine Darstellung der ,, Süddeutsch. Reichs corr.", eines offiziös bedienten Organs entgegen. Dort heißt es: Die Generale können nicht in Abrede stellen, daß sie durch den lediglich auf Bezeichnung des richtigen Weges für die Audienz gerichteten deutschen Gnitiativschritt sehr befriedigt waren und sich bereit erflärten, diesen Weg zu betreten. Die amtlichen deutschen Etellen waren hiernach zu der Erwartung berechtigt, daß ihnen die Abgabe des burischen Gesuches an den britischen Botschafter angezeigt werden würde. Statt dessen wurden sie durch eine Mitteilung überrascht, welche die Erfüllung der durch den Kaiser vorgeschriebenen und durch die Burenführer schon angenommenen Empfangsbedingungen von einer weiteren kaiserlichen Willensäußerung abhängig macht, d. h. die Generale suchen England gegenüber Deckung hinter dem Kaiser und wollen an die britische Vermittelungsstelle nicht ohne gleichsam entschuldigenden Hinweis auf einen von deutscher Seite ausgeübten Druck Herantreten. Ein solches Drängen aber lag von vornherein Der Kaiser und seine außerhalb der deutschen Absichten. Regierung haben sich in dieser Sache von Anfang an auf den Standpunkt gestellt: Wohltaten werden nicht aufgedrängt. Die ganze Sache beruht auf Mißverständnissen. Die Buren erwarteten noch eine offizielle Einladung, um England gegenüber nicht in dem Schein der Elloyalität zu verfallen und die deutsche Regierung hatte erwartet, die Buren würden alsbald nach Bekanntgabe der beim Kaiser bestehenden Geneigtheit zu einem Empfang sofort ihr Audienzgesuch einreichen. Wir glauben, daß nunmehr die Erörterung über diesen Fall geschlossen werden kann. Die konservative Presse hat die Buren sehr freundlich begrüßt; auch die Bevölkerung bringt ihnen lebhafte Sympathie entgegen. Die Generale werden sich wähVerhältnisse tlar, erzählte von allem, was sie gethan, um tels im innigen Busammenhang stand. So legte sie ihm die dem Mun wurde ihr das Sprechen leichter, fie hatte alles möglichst große Rar Rerfügung zu tellen. säge und ausgeflügelten Hindernisse beseitigend. dämmte Leidenschaft wieder über ihn gekommen, alle Vora in ber seinen. Mit einem Male war die künstlich einge in seine Rechte legend. Erich Christianson behielt sie fest Bon Herzen gern," entgegnete sie lächelnd, ihre Hand Alles, ein leises Bittern befiel. reinen, tiefblauen Augen, bei deren Anblick Werner immer lag es schon wie stiller, verklärter Ernst, in diesen überaus etwas übermütiges Mädchen, und nur in ihren Augen mar ihr Brid fonnte sie ahnen, welcher Groll gegen sie in seiner Seele brannte? verlegen." ,, D," sagte er, berzeihen Sie, ich wollte sie nicht Marianne nickte mit dem Kopfe, ohne ein Wort zu witte rmocht rend ihres Berliner Aufenthaltes überzeugen, daß man sie auch hier als Stammverwandte ansieht. Der ehemalige Präsident Krüger weilt zur Zeit in Mentone, wo ihm bei der Ankunft von der Bevölkerung lebhafte Obationen bargebracht wurden. In Abwesenheit Ernst Wildenbruchs sind die Burengenerale abends bei dem Eintreffen im Hotel namens Bes Gesamtkomitees durch Johannes Trojan begrüßt worden. Der Wortlaut seiner poetischen Ansprache lautete: Willkommen! Helden von Transvaal! Willkommen! Klingt's viel tausend Mal, Nicht konnte Lieb'res uns gescheh'n, Als in den Augen Guch zu seh'n, zu drücken Euch die starke Hand. Willkommen seid im deutschen Land! Euch sind wir, Eurem Heldenmut, Im Geist gefolgt durch Glut und Blut, Mit Euch oft haben wir gewagt, Gehofft, gejubelt und geklagt. Dank Euch, durch die wir miterlebt, Was freien Mannes Herz erhebt! So schloß um uns und Euch sich fest Ein Band, das nie sich lösen läßt. Längst hat, erkämpft durch Euer Schwert, Euch unseres Volkes Herz gehört. Nun, zu den Herzen nehmt die Hand, Die Ihr jezt kamt ins deutsche Land! Bewundrung hat nach mancher Schlacht Euch Lorbeerkränze dargebracht, Euch selbst und Eurer tapf'ren Schar; Heut einen Kranz bringt Liebe dar, und Freunde, reicht auch den Pokal. Willkommen, Helden von Transvaal!" Nab und fern. * Massenvergiftung? Aus Hamburg wurden 250 Schauerleute zur Entlöschung des Dampfers ,, Patricia" nach Brunshausen gesandt. Von diesen kehrten abends 31 zurück, die unter Vergiftungserscheinungen erfrankt waren. Sie wurden von der Sanitätspolizei in das Kranfenhaus geschafft. Um bie Ursache der Erkrankungen festzustellen, hat die Direktion der Hamburg- AmerikaLinie ihren Chefarzt und einige Beamte nach der UnterLelbe gesandt. ▲ Ein Nachspiel zu Zolas Begräbnis. Zwischen dem Hauptmann Ollivier, welcher bei dem Begräbnisse Zolas die Ehrenkompagnie führte, und dem Advokaten Verger, der Ollivier in einem Café deswegen Vorwürfe machte, und mit ihm in Streit geriet, fand bei Paris ein Pistolenduell statt. Beide Gegner blieben unverlegt. Die Navaja. Die Pariser Polizei hat den spanischen Baron della Torre verhaftet. Er hatte seinen früheren Freund, den Vicomte Henri de Lavergne, in einem Zweikampf mit Messern nach spanischer Art, der sogenannten Navaja, am Hafenquai in Marseille erstochen. Die Vorgeschichte dieser Tragödie klingt wie ein Roman. Der Spanier hatte eines Tages den Besuch seines Freundes, des Vicomte Henri de Lavergne, erhalten, der verwundet zu ihm kam und erzählte, daß er im Duell verletzt worden sei. Der Baron pflegte Lavergne, und Lavergne revanchierte sich, indem er den Baron mit seiner Geliebten, einer Sängerin Fabri, betrog. Die bisherigen Freunde duellierten sich. Lavergne versette dem Baron einen Degenstich, so daß der Baron ins Hospital geschafft werden mußte. Als der Baron wieder gesund war, traf er vor vier Monaten Lavergne und Fräulein Fabri zu Marseille. Es kam zu einer abermaligen Forderung, diesmal, wie bereits gesagt, auf Messer, und der Baron stach den ungetreuen Freund nieder. * Ein falscher Kassenrevisor macht gegenwärtig die Mark Brandenburg unsicher. In Templin wollte er als Regierungsrat v. Stransky" die tgl. Steuerkasse durchsehen, ihm wurde aber von dem Verdacht schöpfenden Rendanten gebührend heimgeleuchtet. Stellenweise aber hatte seine Tätigkeit Erfolg, indem er mehrfach bereits hohe Revisionsgebühren eingestrichen hat. Ob es ihm auch gelungen ich, bei der Revision" die Kassen zu bestehlen, darüber verlautet noch nichts. Dieser Tage erschien der Hochstapler in der Spar- und Darlehnskasse zu Neuzauche im Lübbener Kreise und bestellte viele Grüße von einigen im Genossenschaftswesen bekannten Herren. Nachdem er eine täuschend nachgemachte Legitimation des Genossenschaftsvorstandes vorgezeigt, wurde er zur Revision zugelassen. Hierbei kam er aber infolge einiger Fragen des Rendanten in große Bedrängnis. Als dieser schließlich an der Revisoreneigenschaft des Fremden zweifelte, ergriff der Schwindler Hut und Stock und verduftete schleunigst; seine Verhaftung ist noch nicht gelungen. Stiftung dem Kapitän des Hamburger Packetfahrt. Dampfers Pennsylvania", H. Spliedt, für Rettung der Besazung der norwegischen Bank Bothnia". Der erste Offizier Kier und der zweite Offizier Hennecke erhielten die große silberne Medaille. ▲ Mehlstauberplosion. Zu Kichinew entzündeten sich in einer Mühle große Massn von Mehlstaub und explodierten unter donnerähnlichem Krachen. Die Wände stürzten zusammen und begruben unter ihren Trümmern die in der Mühle befindlichen Arbeiter, von denen 10 getötet und weitere 10 verstümmelt wurden. ▲ Ein epileptischer Ruderer. In der Nähe von Köpenick bei Berlin spielte sich auf der Dahme eine aufregende Szene ab. Die Mannschaft eines einem Berliner Ruderverein gehörigen Viererbootes bemerkte, daß in einem entgegenkommenden Einstuller, in dem zwei Herren saßen, plößlich der eine auffällige Bewegungen machte, über den Rand des Bootes ins Wasser stürzte und sofort versank. Der im Boot Zurückgebliebene rief der Mannschaft des Vierers zu, daß der Verunglückte Epileptiker sei. Kurz entschlossen sprang ein Mitglied der Vierermannschaft ins Wasser; bei wiederholtem Tauchen fand er den Verunglückten in zusammengefrümmtem Zustande, den Kopf nach unten gerichtet, auf dem Grunde. Es gelang ihm, den Verunglückten, ihn am Kragen haltend, dem Booten zuzuführen. Nun wurde der Bewußtlose rasch ans Land gebracht, wo die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche schließlich Erfolg hatten. Daß ein Epileptiker dem Rudersport obliegt, ist ein unverzeihlicher Leichtsinn. 5] * Der ober lich mit der Fr feit als fro hatte gegen Ro angefündigt un Geldstrafe ber gegen eine S Rebifion ftell Arankheit fei fannte auch au Eine einer Düsseldorfer Firma gehörige große Baggermaschine, welche zur Vornahme von Baggerarbeiten am Roten Sand von Danzig nach Gfedser unterwegs war, ist beim Adlergrund unweit Rügen untergegangen. - In Albertshofen( Bayern) stürzten der mit der Neparatur des Kirchturms beschäftigte Zimmermann Josef Rumfelder und dessen Sohn vom Turme ab und wurden beide tot vom Plaze getragen. - Der 35 jährige Rentier August Kröll, der sich zur Erholung auf Hohbarr in den Vogesen aufhielt, stürzte in bem Augenblick vom Felsen ab, als er für sein Kind eine Gerte schneiden wollte; der Tod trat sofort ein. töpfigfeit fonne des Haarbodens fet aber feine S fehler. Von eine Bindinger die„ Paff. 3tg. glaubt, einen bor fich zu hab total zerfallen, Canze droht f überall Zutritt Vom Schwurgericht in Saarbrücken wurde der Bergmann Both, der am 28. Mai von dem Förster Rot beim Wildern betroffen wurde und diesen bei dem darauf forgenden Handgemenge durch mehrere Dolchstiche tötete, zu 14 Jahren 2 Monaten Zuchthaus verurteilt. *[ Irrsinnig, aber schlau.] Aus der niederösterreichischen Landesirrenanstalt in Wien ist der Comptoirist Zuger entwichen und bisher trotz aller Nachforschungen nicht zu ermitteln gewesen. Jezt bekam sein ehemaliger wärter in der bezeichneten Anstalt eine in Salzburg aufgegebene Ansichtskarte von ihm mit folgendem Inhalt: ,, Sie waren schlau, ich aber noch schlauer. Viele Grüße aus Salzburg." * Eine gemütliche Eisenbahnfahrt.. Eine Schar von 165 schwedischen Eisenbahnarbeitern, die von der Station Gellivara in die Heimat befördert wurden, waren vom landesüblichen starken Branntwein derart erhizzt, daß sie unterwegs in ein blutiges Handgemenge gerieten: Messer und Revolver spielten eine Hauptrolle. Einem Teilnehmer schoß man eine Kugel durch den Kopf, einen anderen richtete das Messer, das die Schweden stets in Bereitschaft halten, schrecklich zu. Telegraphisch rief das Eisenbahnpersonal, das ohnmächtig Bastand, militärische Hilfe herbei. Auf der nächsten Station traf denn auch ein Offizier mit 25 Mann ein und empfing die rasenden Passagiere. Das Terrain wurde abgesperrt und in den Coupés polizeiliche Untersuchungen angestellt, die zu 19 Verhaftungen führten. * Drahtlose Telegraphie mit einem Eisenbahnzuge. Aus London meldet man, daß die drahtlose Telegraphie mit vollem Erfolge in der Nähe von Montreal behufs Herstellung einer telegraphischen Verbindung mit einem in Bewegung befindlichen Eisenbahnzuge versucht worden ist. Der Zug lief mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Kilometern in der Stunde. Die Verbindung wurde auf ' ne Distanz von 15 Kilometern aufrecht erhalten. Bunte Chronik. Im Schnellzuge Wien- Breslau wurde in einem leeren Koupee zweiter Klasse der Kaufmann Kurt Riemer, Mitinhaber der Breslauer Fabrik landwirt schaftlicher Maschinen Leshold Robert u. Cie., erschossen aufgefunden. *[ der Professor als Landstreicher.] Auf einer merkwürdigen ,, Studienreise" befand sich der Professor Walter A. Wykoff von der Universität Princeton, der dieser Tage wegen eines Magenleidens ein Krankenhaus in Pueblo ( Colorado) aufsuchen mußte. Er hatte seit Wochen in der Kleidung eines heruntergekommenen Landstreichers das Land durchwandert, um soziologische Studien zu machen. Nach seiner Genesung will er seine seltsame Wanderung fortsetzen. In der Nähe des Bahnhofes Schmolz bei Breslau stieß ein Personenzug mit einem beladenen Rübenfuhrwerk zusammen. Der Kutscher wurde leicht verlegt, die beiden Pferde wurden getötet. Der Materialschaden ist gering, die Untersuchung ist eingeleitet. Die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger verlieh die große goldene Medaille aus den Mitteln der Laeißruhe der Fra feinen etwa 20 gar zu arg, so erhaltenen Ba alte, 70jährige entgegen und in der Nähe. Pflege läßt e eines derfelben ist unser Franz Waldung bon Schuld an fein Lide Jugendlieb luftige Bursche * Wie stich einen Mitarbe A[ das der siche Lied in Amerika.] Aus Baltimore wird berichtet, daß soeben der Komponist Louis Viktor Saar aus Newyork aus der Konkurrenz für die beste Komposition des Gedichtes„ Das deutsche Volkslied", welches bei dem nächstjährigen großen Sängerfest in Baltimore als Preislied für die um den Kaiserpreis ringenden Gesangvereine dienen soll, als Sieger hervorgegangen ist. Das Gedicht ist von Pastor W. Hildebrandt in Constableville, Newyork, gedichtet worden und errang den Siegeslorbeer aus einer nach Hunderten zählenden Schar von Preisgedichten. Das Lied lautet: Du hast mit deiner schlichten Weise Mein Herz gebracht in deinen Bann: Daß ich aus deinem Zauberkreise, Der mich umschlingt so lieb und leiſe, Mich nimmermehr befreien kann. Es sang mit deinem süßen Klange Die Mutterliebe mich zur Ruh. War noch so tränenschwer die Wange, Die Mutter sang, und beim Gesange Schloß mir der Schlaf das Auge zu. Beim frohen Reigen um die Linde Erklangst du in der Sommernacht. Der Liebste singt's dem schmucken Kinde, Der Wanderbursch im Morgenwinde Und der Soldat auf stiller Wacht. Da ich nun fand auf fremder Erde Nach langem Wandern Ruh und Rast, Bliebst du in Treue mein Gefährte Und bist an meinem neuen Herde, Bureau einschli gegen das Mo lange Nacht fe Hierauf laffen Wagen in den 13 000 Francs Pörtner, der Belle stedt un Wir fahren n Selbstredend Bis der ber jammelt, Ver Fehlen des bande in Si Morgengrauer Colonna zu amt entfernt. Du, deutsches Lied, mein liebster Gast. Das Lied wird jeßt mit den Noten und Singstimmen gedruckt und an die verschiedenen Gesangvereine versandt werden, welche sich bei dem Sängerfest in Baltimore um die von dem deutschen Kaiser gestiftete silberne Statuette, die einen deutschen Minnesänger darſtellt. bewerben wollen. Verfolgen Sie bitte den in heutiger Unterhaltungsbeilage beginnenden neuen Roman! Dr. Rumseys Vatient. Roman von Dr. Halifax und T. L. Meade. Autorisierte Bearbeitung von C. Weßner. ( Nachdruck verboten.) „ Der Teufel soll Andrey holen! Weißt Du, wo sie ist?" " Ich bin in Tantes Zimmer, Herr Franzius, wenn Sie mich zu sprechen wünschen", tönte in diesem Augenblick eine helle Stimme aus dem Hause. Franzins begab sich in das von einer Gaslampe erleuchtete Zimmer, wo Hetty seiner wartete. Sie schien geweint zu haben; unter den dunklen Angen lagen ticfe Schatten, die ihrem schönen Gesicht einen seelenvollen Ausdruck verliehen, der sonst nicht darin zu finden war. Franzius sah sie wie verzweifelt an, sein Zorn wich bei ihrem Anblick von ihm. Il Gottes willen, Hetty, sagen Sie mir die Wahrheit", Stöhnte der arme, gequälte Mann. ,, Was soll ich sagen?" flüsterte sie. Ihre Stimme zitterte, Thränen traten in ihre Augen. Franzins ging auf sie zu und machte eine Bewegung, als wolle er sie an seine Brust ziehen, sie wehrte ihm jedoch. Nein", sagte sie schluchzend, lassen Sie mich. Ich kann Ihnen nichts sein-" ,, Hetty, Hetty, Sie wissen nicht, was Sie reden! Denken Sie doch nur an heute morgen!" bat er leidenschaftlich. ,, Ich denke daran, und troßdem kann es nicht sein! Vergessen Sie alles, was ich sagte, gehen Sie fort, o bitte, gehen Sie fort von hier!" ,, Nein, ich gehe nicht! Bei Gott im Himmel, Sie sollen mir die Antwort fagen! Ich lasse mich nicht am Narrenseil führen, hören Sie, Hetty! Sie haben zu wählen, sofort!" ,, Wie meinen Sie das?" " Sie haben die Wahl zwischen jenem Burschen und mir!" 3wischen Ihnen und den dem Schloßherrn!" rief Hetty. Haha!" Sie lachte laut auf; dieser Gedanke sette ihr Herz in einen wilden Aufruhr. Das schrille Lachen trieb den jungen Mann fast zur Verzweiflung; er trat dicht vor sie hin, nahm ihre Hände fest in die feinen und zwang sie, ihm ins Gesicht zu sehen, während er tief in ihre erschreckten Augen blickte. Lieben Sie ihn? Die Wahrheit, Mädchen! Ich will- ich muß sie wissen!" Laffen Sie mich los, Herr Franzius." " Nicht eher, als bis ich die Wahrheit fenne! Entweder er oder ich! Die Wahrheit will ich hören! Also wer ist es, den Sie lieben? Der Baron- oder ich?" Gott, o mein Gott!" stöhnte Hetty, in konvulsivisches Schluchzen ausbrechend, es ist es ist der Baron!" Drittes Kapitel. - Franzius stand einen Moment wie niedergeschmettert, alg Hetty die inhaltsschweren Worte gesprochen, dann drehte er sich furz um und verließ sie, ohne noch ein einziges Wort zu reden. Everett stand noch immer an der Hausthür. Auch dieser junge Mann hatte eine tiefe Zuneigung zu Hetty gehegt, sie aber zu unterdrücken gesucht, als er des Freundes wilde, unbezähmbare Leidenschaft erfannte. ,, Wie hastig und grob Du heute bist, Franzius", sprach er ihn an. Schon zum zweiten Male heute abend hättest Du mich beinahe umgerannt." Franzius lief ohne jedes Wort der Erwiderung in die Dunkelheit hinaus. Wohin gehst Du?" rief Everett ihm nach. " Was geht das Dich an?" gab der Gefragte schroff zurück. Everett sagte noch etwas, worauf Franzins mit einem derben Fluch antwortete. Gerade in diesem Augenblick kam der Gastwirt an ihm vorbei. Armitage starrte den jungen Mann betroffen an, ihm fiel die Totenblässe seines Gesichts und die ungewohnte Heftigkeit seiner Ausdrucksweise auf. So hatte er Franzius ia noch nie gesehen. Der Gastwirt trat ins Haus und dachte bald nicht mehr an das sonderbare Benehmen des jungen Mannes. Es war ihm jedoch beschieden, sich der kleinen Scene später erinnern zu müssen. Everett rauchte feine Cigarre mit philosophischer Ruhe weiter. Er hoffte insgeheim, Hetty werde an die Hausthür kommen und mit ihm plandern. Als sie nicht kam, beschloß er, sich nach seinen Freunde umzusehen. Er holte seinen Hut und war eben im Begriff, das Haus zu verlassen, als der Wirt ihn anrief. Entschuldigen Sie eine Frage, Herr Everett. Kommen Sie heute spät nach Hause?" Ich weiß es nicht", versezte der junge Mann. Warum?" " Weil ich Sie in diesem Falle bitten möchte, den Hausschlüssel mitzunehmen. Wir wollen heute zeitig schließen; meine Frau ist todmüde, und Hetty fühlt sich nicht ganz wohl." ,, Ach, das thut mir leid", sagte Everett bedauernd." Nun, so geben Sie den Schlüssel her. Wahrscheinlich komme ich bald zurück, ich will nur sehen, wo mein Freund Franzins steckt." Armitage gab ihr den Schlüssel und begab sich ins Haus zurück. weder die Schönheit der ihn umgebenden Natur, noch den tiefen Frieden, der über ihr ausgebreitet lag. Er befand sich in einer Stimmung, in welcher man irgend eine That zu begehen im stande ist, von deren Tragweite man sich feinen Begriff macht. Hettys Worte hatten alle bösen Geister in ihm entfesselt. Währenddessen war Franzius durch das idyllisch gelegene Dorf geeilt. In seiner Bruſt gährte und wühlte es, er empfand " Sie hat es gestanden", feuchte er immer wieder, ich hatte also recht, er will sie für sich selber haben! Haha! Wie besorgt er ist um ihren guten Ruf! Aber ich will es ihm heimzahlen! Wenn er mir heute in den Weg läuft, dann wehe ihm, es wäre sein Unglück!" Gies ** Der bisherigen ftadt das A Für 50jäh Chrenzeichen erhielt das Alein- Steinhe Die große, stille Ebene von Salisbury lag etwa eine Stunde von Großhofen entfernt. Franzius lief darauf zu, ohne es zu wiffen. Blöglich sah er sich auf einem weiten Blaze, der ihm unermeßlich schien. Der Mond, der in seiner ganzen Helligkeit am Himmel gestanden hatte, als Franzius das Gasthaus verlich, ging bereits unter und warf lange, gespenstische Schatten auf das Flachland. Franzius eigener Schatten eilte wie ein Riesengespenst neben ihm einher, während er der Ebene zustrebte. Weiter und weiter lief er; ie weiter er kam, desto heißer wallte das Blut in seinen Adern. Sein Leben lang war er ein ruhiger, vernünftiger Mensch gewesen, der das Dasein und alles, was sein Schicksal ihm bestimmte, mit einer gewissen Bhilosophie hingenommen hatte. Sein Bestreben war stets gewesen, eine glänzende Carriere zu machen und sich das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Daß ein böser Dämon in seinem Inneren schlummerte, dessen war er stets eingedenk gewesen; er hatte ihn aber sowohl in der Schule, als auch auf der Universität mit Aufbietung all seiner Willenskraft bekämpft und sich beherrscht. Dieser böse Feind war aber nicht erstorben, er schlummerte viel mehr nur und wartete auf einen geeigneten Anlaß, um alle seine schlimmen Leidenschaften desto freier zu entfalten. Der Gefangen bach Otto W Anstalt mit 2 ** Na it in der hiesi dr Verwaltung je einer für die fritt. Mit diese Brabenschule, wurden die He Gaaf für die leh er ernannt. mittag 11 Uhr, amte flattgefund Lehrerinnen in Profeffor Dr. S Dr. Lucius, Bi Einmal, als Herbert noch ein Kind war, hatte er der blinden, sinnlosen Wut die Bügel schießen lassen, indem er ein scharfes Messer nach seinem Bruder warf, das diesen an der rechten Schläfe verwundete und fast getötet hatte. Der Anblick des fließenden Blutes und die ohnmächtig hinsintende Gestalt seines einzigen Bruders ernüchterte ihn vollständig und weckte sein besseres Ich. Er stand Todesqualen aus, solange das Leben des Knaben in Gefahr schwebte. Schließlich genas dieser, um zwei Jahre später an einer Halsentzündung zu sterben; aber Franzius vergaß sein Leben lang nicht, wie unfagbar er während der Krankheit des Bruders gelitten. Bisher hatte er den Teufel in seiner Brust beherrscht, und heute hatte dieser die Fesseln ge Sprengt, die ihn hielten. Franzius wußte es, fühlte es, und dennoch fuchte er ihn nicht zu unterdrücken, er freute sich vielmehr darüber Ansprachen hielt Shouf und Bio ** Beria tagte in Bang Die gelei der Notare Notarstamm weitere M Schüler- D Friedberg, Dithofen un ** D ift befannt Für die loff en und fonitige effa ct. Die Lie bas fladtijde oder Breßitro geben werden. prechender A trichen. Gieße rger Badetfahrt für Rettung der thnia". Der erste Hennede erhielten rige große Bagger Baggerarbeiten am interwegs war, i egangen. der mit der He mmermann Josef ab und wurden Sl, der sich zur fhielt, stürzte in fein Kind eine ct ein. wurde der Berg Förster Rot beim i dem darauf fol Ichstiche tötete, zu urteilt. * Der oberste preußische Gerichtshof hatte fich fürzlich mit der Frage zu beschäftigen, ob stahlföpfig feit als Krankheit anzusehen sei. Ein Herr hatte gegen Stahlköpfigkeit und Haarausfall ein Mittel angekündigt und war von der Straftammer zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er ein Heilmittel gegen eine Stranfheit angekündigt habe. In seiner Revision stellte er in Abrede, daß Kahlköpfigkeit eine Krankheit sei. Der Strassenat des Kammergerichts er fannte auch auf Freisprechung des Angeklagten. Kahlföpfigkeit fönne allerdings als Folge einer Erfranfung des Haarbodens angesehen werden, Kahlköpfigkeit selber set aber feine Strankheit, sondern ein Schönheits fehler. Von einem bayerischen Sonderling, dem Lindinger Fran31, Bauer in Beutelsbach, weiß die Pass. 3tg." zu berichten: Wer dessen Gehöft sieht, glaubt, einen Bauernhof, dem der Krieg arg zugesetzt, bor sich zu haben. Die Dächer der Gebäulichkeiten sind total zerfallen, teilweise auch die Giebelseiten. Das Canze droht stets den Verfall. Regen und Wind finden überall Zutritt. Und darin haust mit aller Gemütsruhe der„ Franzl" mit seiner Köchin, seiner Kuh und seinen etwa 20 Hunden. Treibt es ihm das Unwetter gar zu arg, so flüchtet er mit den Seinen in den noch erhaltenen Backofen. Größtes Mißtrauen bringt der alte, 70jährige Junggeselle den ihn besuchenden Fremden entgegen und stets hat er einige scharfgeladene Pistolen in der Nähe. Er selbst sucht nie Gesellschaft auf. Größte Pflege läßt er seinen Hunden angedeihen und der Too eines derselben versezt ihn in große Betrübnis. Arm ist unser Franz nicht, nennt er doch unter anderem eine Waldung von fast 100 000 mt. Wert sein Eigentum. Schuld an seinem eigentümlichen Wesen soll unglückliche Jugendliebe fein, infolge welcher der einst so lebenslustige Bursche zum Einsiedler wurde. er niederösterreichi t der Comptoiri Caller Nachforschun Bt befam sein ehe Anstalt eine in von ihm mit fol aber noch schlauer .] Auf einer mert r Professor Walter on, der dieser Tage Eenhaus in Bueblo seit Wochen in der Landstreichers das Studien zu machen. eltsame Wanderung .] Aus Baltimore Jonist Louis Viktor crenz für die beste eutsche Volkslied", en Gängerfest in en Kaiserpreis rin als Sieger hervor Pastor W. Hilde dichtet worden und er nach Hunderten Das Lied lautet: ise ann: e, Leiſe, Flange 5. e Wange, Besange e zu. Kinde, e Erde id Rast, ihrte de, Zer Gast. und Singstimmen Bejangvereine ver Sängerfest in BalFaijer gestiftete fil Minnejänger darman! tur, noch den tiefen befand sich in einer hat zu begehen im einen Begriff macht. n entfeffelt. * Wie stiehlt man einen Kassenschrank? Man läßt einen Mitarbeiter abends in das zu bestehlende Bureau einschließen; dieser bereitet alles vor und öffnet gegen das Morgengrauen, wenn jedermann glaubt, die lange Nacht set nun herum, das Hofthor von innen. Hierauf lassen die außenstehenden Mitarbeiter einen Wagen in den Hof fahren, laden den Kassenschrank_mik 13 000 Francs Inhalt hinein und fahren ab. Dem Pförtner, der unter dem Thorweg den Kopf aus seiner Zelle steckt und fragt: was los set? antwortet man: Wir fahren nach dem Bahnhof, und dann fäurt man selbstredend schleunigst nach einer anderen Richtung. Bis der verschlafene Pförtner seine fünf Sinne gesammelt, Verdacht geschöpft, sich angekleidet und das Fehlen des Kassenschranks bemerkt hat, ist die Diebsbande in Sicherheit. So geschehen und erprobt im Morgengrauen des 5. Oktober im Palast des Fürsten Colonna zu Rom, hundert Schritt vom Hauptpolizeiamt entfernt. Giessener Cagesneuigkeiten. ** Der Großherzog hat am 24. September dem bisherigen Hospitalboten Andreas Geßner aus Crumstadt das Allgemeine Ehrenze chen mit der Inschrift " Für 50jährige treue Dienste" verliehen.- Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren erhielt das Mitglied der freiwilligen Feuerwehr zu Klein- Steinheim Peter Bohländer. Ernannt wurde der Gefangenwärter an der Zellenstrafanstalt Buzzbach Otto Winkler zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt mit Wirfung vom 7. November d. Js. - ** Nach Beschluß der Stadtveroroneten- Versammlung ist in der hiesigen Volksschule insofern eine Aenderung dr Verwaltung eingetreten, als an Stelle der Oberlehrer, je einer für die Knaben- und die Mädchenschule, ein Reftor tritt. Mit diesem Amte wurde der bisherige Oberlehrer der Knabenschule, Hahn, betraut. Zu Leitern der beiden Schulen wurden die Herren Lehrer Knauß für die Knaben-, Lehrer Schaaf für die Mädchenschule mit dem Amtstitel Hauptleh er ernannt. Rektor und Hauptlehrer wurden heute Vormittag 11 Uhr, nachdem ihre Verpflichtung auf dem Kreisamte stattgefunden, in Gegenwart sämtlicher Lehrer und Lehrerinnen in ihre Aemter durch Herrn Kreisschulinspektor Professor Dr. Lucius und Bürgermeister Mecum eingeführt. Ansprachen hielten die Herren Kreisschulinspektor Professor Dr. Lucius, Bürgermeister Mecum, Hauptlehrer Schaaf und Anauß und Pfarrer Dr. Naumann. wieder, ich hatte Saha! Wie beforg es ihm heimzahlen! wehe ihm, es wäre g etwa eine Stunde auf zu, ohne es zu Liten Plate, der ihm ner gonzen Helligkeit Das Gasthaus verlick enftische Schatten au eilte wie ein Riefen Dene zuftrebte. Weite esto heißer wallte das war er ein ruhiget afein und alles, was wiffen Bhilofophie hi stets gewesen, eine as Leben so angenehm mon in feinem Inneren gewefen; er hatte ib uf der Universität mit pft und sich beherrscht n, er schlummerte vick n Anlaß, um alle feine tfalten. r, hatte er der blinden indem er ein scharfes diesen an der rechten te. Der Anblick des fintende Gestalt feines folange das Leben bung zu sterben; aber ndig und weďte fein Blich genas dieser, um ie unfagbar er während te dieser die Fesseln ge her hatte er den Teufel 3, fühlte es, und dennod te fich vielmehr darüber ** Versammlung hessischer Notare Gestern Gestern tagte in Mainz im Casino„ Hofzum Gutenberg" zum ersten Male die gesetzlich vorgeschriebene ordentliche General- Versammlung der Notare des Großherzogtums. Rum Vorsitzenden der Notarstammer wurde Justizrat Wolf- Mainz gewählt. Als weitere Mitglieder wurden gewählt die Notare Justizrat Schüler- Darmstadt von Brentano Offenbach. Justizrat JöckelFriedberg, Justizrat Mez- Gießen, Justizrat KöhlerÖsthof n und Hubert Oppenheim. ** Die Wahl des Bürgermeisters zu Bersrod ist bekanntlich vom Kreisamt nicht bestätigt worden. Für die Folge, so hat nunmehr das Kreisamt beschlossen werden alle Wahlen, bei welchen mit Bier und sonstigen Gegenständen traktiert wird, für ungiltig erflä rt. In der Provinz Starkenburg lag im ver Bekanntmachung. - - Die Lieferung des erforderlichen Kornstrohs für das flädtische Schlachthaus ca. 100 Ctr. Maschinendrusch oder Preßstroh soll in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden. Angebote hierauf sind verschlossen mit ent sprechender Aufschrift bis zum 25. d. Mts. bei uns einzureichen. Gießen, am 16. Oftober 1902. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. ** gangenen Jahre ein gleicher Fall vor. Die aufsichtsführende Behörde verfügte damals ebenfalls wie jetzt das Gi ßener Kreisamt. Und das mit Recht! Wo soll das hinausführen, wenn Bier und dergleichen eines reichen aber vielleicht unfähigen Mannes zu Aemtern verhelfen soll, die Algemeinheit aber nach dem Rausch die Beche bezahlen muß. Wiederum flattern Millionen von Aufforderungen zur Beteiligung an der Ungarischen Klaſſenlotterie in alle deutschen Gaue. Da in der That leider im Allgemeinen das Glück im Leben eine größere Rolle spielt, als persönliche Tüchtigkeit, so wird man es Niemand verdenken können, daß er dem Glücke, sei es nun fortlaufend gewissermaßen immer den kleinen Finger, sei es auch nur dann und wann durch eine größere Beteiligung die Hand bietet. Bietet in der That die genannte auswärtige, im deutschen Reiche bei besonders hoher Strafe verbotene Lotterie die ihr angerühmten besten Gewinnaussichten? Es ist dies mindestens nicht im Verhältnis zu allen deutschen Staatslotterien der Fall. Selbst die kleinsten deutſchen Staatslotterien, wie die nur halbe Loose ausgebende Lübeckische Lotterie und die Mecklenburgische Lotterie, die wegen ihrer hohen Gewinnabzüge wenig beliebt sind und im Algemeinen recht wenig wirkliche Gewinne bieten( übrigens wie alle anderen nachgenannten Lotterien außer der HessischThüringischen bei uns ebenfalls verboten find), gewähren, wenigstens bezüglich der Gewinne von 40 000 Mt. und mehr bessere Gewinnaussichten als die ungarische. Noch auf breiterer Basis vorteilhaft stellt sich aber der Vergleich für unsere Landeslotterie: Es fönnen nämlich nach den neuesten für die nächste Lotterie geltenden Plänen entfallen: Sachsen Preußen Mecklenburg Lübeck Braunschweig Sitz Darmstadt. Staatslotterie. Mitteldeutsche Hessen- Thüringen:| Ungarn Hamburg in ཊྛོ, ཨཱསཱ ཝཏྟིསཱ སཱདྷསྶནྟི 9 9 167 ,, 8 333 16 071 833, 5 455 6250 5.000 ,, " 10 000ste Los " " " " 4400 ,, 6556 ,, 3448, 8213 5000, 5556, 4545ste Los 167 ,, 106ste Los " " 151, " 160, " 37, " " 7611 " " " 52," 51" " " 127," 123" " 38" " " " " " 20, " 2041 ,, " 203, 55" " " Gewinne von 40 000 Mark 10 000-39 000 Mark 1000-9000 Mark und mehr. 148 ,, 55ste Los Lospreises beträgt. als das Doppelte des Gewinnabzugs) mehr ein Gewinn der( unter Berücksichtigung des Wer also spielen will, hat nicht nötig, sich der Gefahr einer hohen Strafe wegen Reichsstempelsteuerfahr einer hohen Strafe wegen Reichsstempelsteuerhinterziehung auszusetzen, sondern er kann aussichtsreicher in der heimischen Lotterie spielen. Uebrigens ist die Ungarische Lotterie nicht einmal ein Staatsunternehmen, sondern eine Lotterie, die für Rechnung einer ftiengesellschaft betrieben wird. Der Abzug von 20 pбt. von allen Gewinnen derselben kommt indirekt einem dem Deutschen nichts weniger als freundlich gesinnten dem Deutschen nichts weniger als freundlich gesinnten Volkstum zu statten! Aus Hessen und Nachbargebieten. Lollar, 16. Oft. Der hiesige Turnverein, hatte am Mittwoch Abend im Vereinslokale ebenfalls eine Gedächtnisfeier der 50. Wiederkehr des Todestages des Turnvater Robert Ziegler Londorf. Sonntag, den 19. cr. Nachkirchweihe. Jahn veranstaltet. Der erste Vorsitzende des Vereins H. Schmidt begrüßte die Anwesenden und schilderte das Leben und Wirken Jahn's, von der Wiege bis zum Grabe. Vom Schöpfer des deutschen Volksturnen, dem Turnbater Fried. Lud. Jahn, der seinem Volke im deutschen Volksturnen ein so gewaltiges Erziehungsmittel gegeben hat und ein so leuchtendes Vorbild der Begeisterung und vorausblickender Arbeit für ein freies einiges Vaterland gewesen ist und für alle Beiten sein wird. Die ganze Feier nahm einen würdigen Verlauf. ** Butzbach. Die hier ansässige Landwirtschaftliche Maschinenfabrik A. J. Tröster hat am Mittwoch eine Saemaschine nach Südafrika und zwar nach Johannesburg versandt. Dieser Auftrag ist gewiß ein beredtes Zeugnis, daß die genannte Firma gute Maschinen zu liefern im Stande ist. ** Frankfurter Obstamrkt. Wie in der Vorwoche war das Geschäft, so heißt es in dem Bericht der Zentralstelle für Obstverwertung, auch in der Woche vom 6. bis 11. Oftober wieder recht lebhaft. Es wurden enorme Abschlüsse in allen vorkommenden Obstsorten gemacht. Nur in Zwetschen waren bei großem Angebot die Preise etwas gedrückt, alle anderen Obstsorten konnten die vorwöchentlichen Preise behaupten. Die Durchschnittspreise waren: Pfirsiche Mt. 30, Tafeläpfel Mt. 10 bis 18, Rochäpfel f. 8 bis 11, Tafelbirnen Mt. 10 bis 18, Kochbirnen Mt. 6 bis 8, 8wetschen Mt. 6 bis 8, Mostäpfel Mt. 4,60 per Zentner. " " ** Frankfurt a. M., 16. Oft.( Oberkriegsgericht des 18. Armeekorps.) Am Samstag den 19. Juli, den Vorabend des Feuerwehrfestes in Bad Nauheim, saß dort in der Wirtschaft Bum Adler" eine Anzahl Soldaten, die sich auf Urlaub befanden. Sie sangen Schnadahüpft auf die Nauheimer Mädchen. Besonders that sich dabei der Kanonier Stoll von der 3. Batt. 61. FeldartillerieRegiments Darmstadt hervor.„ Des Sonntags sind sie stolz, des Mittwochs geht's in's Holz!" tam es spöttisch von seinen Lippen. Als die Spottverse des Stoll über die Jungfrauen Nauheim's immer saftiger wurden, ward der ortseingesessene Schuhmachermeister Mäut, der am andern Tische in Feuerwehruniform hinter dem Schoppen saß, ärgerlich und er rief: Dabei hat der Kerl nicht einmal Eine von Nauheim gekriegt!" Der Kanonier war nämlich bereits verheiratet, hatte sich aber seine Frau von auswärts geholt, während er selbst geborener Nauheimer ist. Er replizierte mit Banterottskrämer!" eine„ zarte" Ansp elung darauf, daß der Schuhmachermeister einmal umge fallen" ist. Als der Letztere nach zirka 1 Stunde nach Hause ging, verfolgte ihn Stoll, riß ihn von hinten nieder und haute ihn mit den Säbel verschiedene auf den Kopf, so daß eine 5 Zentimeter lange Wunde entstand. Das Kriegsgericht der 25. Division in Darmstadt hat den Stoll wegen Körperverlegung mittels gefährlichen Werkzeugs unter rechtswidrigem Gebrauch der Waffe und hinterlistigem Ueberfall 3 Monate Gefängnis zudiftiert. Die Berufung des damaligen Kanoniers, jezigen Weißbindergeselle gegen das Urteil wird verworfen. - ** Aus dem Vogelsberg wird uns berichtet: Auch hier wird zur bevorstehenden Landtagswahl gerüstet, und sind verschiedene Kandidaten lin Vorschlag gebracht worden: für den Walbezirk Herbst ein: Bürgermeister Schmalbach in Greinfeld; für Schotten dürften wohl die Aussichten des Bürgermeisters Weidner in Herchenhain nicht besonders hoffnungsreich sein, dagegen für den Bürgermeister Viehl in Nainrod bei Schotten um so aussichtsvoller. Wenn auch derselbe als Redner nicht besonders disponiert ist, so ist er doch als ein äußerst charaktervoller, wahrheitsliebender, materiell gut fituierter Mann bekannt. ** Niederwald, 15. Oft. Herr Lehrer Fuchs, der frankheitshalber in den Ruhestand treten mußte, ist nach Wetter übergesiedelt. Wie die„ Oberh. 3tg." be= richtet, sei Herr Mergenthal- Wismar zu seinem Nachfolger bestimmt. Wie wir aus sicherer Quelle wissen, ist das noch nicht sicher. Vielmehr steht der genannte Herr noch in Unterhandlung mit der Regierung. Es ist der Wunsch der Gemeinde, daß Herrn Groß, der seit dem 1. Dezember v. J. die Stelle verwaltet, dieselbe übertragen werde. ** Aus Homberg a. d. Efze wird uns geschrieben: Ein sonderbarer Heiliger, der Gutsbesizer aus der Nähe, der 10 fette Schweine nicht los werden konnte, weil sie in Frankfurt keine haben wollten!" Warum hat er sein Borstenvieh nicht hier verkauft? Hier werden sehr hohe Preise bezahlt. Ein hiesiger Schweinemetzger fab sich diese Woche genötigt, seine Kunden mit leeren Händen fortzuschicken. Es war ihm unmöglich gewesen, Schlachtvieh aufzutreiben. Sollten Einsendungen wie die des 10 Schweinemannes nicht den Zweck haben, die Schweinepreise in der Höhe zu erhalten? ** Roßdorf, 14. Okt. Hier und in Mardorf ist unter den Schulkindern der Scharlach ausgebrochen. Auch in dem benachbarten Holzhausen treten einige Fälle derselben Strankheit auf. ** Vöhl, 13. Oft. In den letzten Wochen weilten verschiedene Herren aus Berlin im Ederthale, um die Gegend bei Schmittloheim, Asel, Hemfurth, Waldeck zu besichtigen, bezw. zu untersuchen und abzumessen zwecks Erbauung einer Thalsperre. Wozu dieselbe event. bienen soll, ist noch unbekannt. 2 schön möblietes Zimmer Wetsteinstraße 42 mit voller Pension monatlich 50 Mt. per fofort zu vermiet n. Näh. Grünbergerstr. 15. n meinem Hause Steinstraße 10 ist die Mansarde mit 3 geräumigen Zimmern, Kühe und allem Zubehör per sofort zu vecmieten. 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