Nr. 241. Moonnement preis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., 6 Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Donnerstag, den 16. Oftober 1902. Gießener 11. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz berhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg. Boſtzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.. Fernsprechanschluk Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält aamtlichen Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gießen. Deutfcher Reichstag. Die Arbeitslosenfrage.. CB. Berlin, 15. Oftober. In der heutigen 194. Sigung des deutschen Reichstags wurde ein alter Rest aus dem vorigen Sessionsabschnitt, der angesichts des nahenden Winters ein besonders lebhaftes Interesse hat, beraten, und zwar die Arbeitslosen- Interpellation der sozialdemokratischen Abgeordneten Albrecht und Gen.; vorher war durch einfache Akklamationswahl noch eine geschäftliche Angelegenheit erledigt worden, nämlich die Wahl eines Schriftführers. An die Stelle Dr. Pa chnickes, der sein Amt wegen Arbeitsüberbürdung niederlegte, wurde sein Fraktionskollege von der freisinnigen Vereinigung, Abg. Freese gewählt. Den Reigen der Reden eröffnete der sozialdemokratische Abgeordnete Molkenbuhr mit einem grau in grau gemalten Ausblick in die Zukunft. In Berlin gebe es nach der Zählung der Gewerkschaften 70 000 Arbeitslose. Schuld da= ran sei die Geschäftskrisis, sowie auch die unselige Lehrlingszüchterei. Das flache Land aber biete den Brotlosen feine Zufluchtsstätte, denn dort gebe es nur zu gewissen Zeiten vorzugsweise in den Sommermonaten Arbeit. Zum Schluß erklärte er sich für eine Arbeitslosen- Versicherung, die mit Ersparnissen für die städtischen Armen sehr leicht zu erreichen sei. Werde die Zolltarif- Vorlage angenommen, so sei noch eine Verschlimmerung der irtschaftlichen Lage zu erwarten. Genau der gegenteiliAnsicht als Molkenbuhr war der wortgewandte, mit rheinischer Lebhaftigkeit sprechende und gestikulierende Abg. Bachem vom Centrum, der von Arbeitslosenversicherungen nicht viel hält, weil es an einer geeigneten Verteilungsorganisation fehlt, und weil sich die Lastenverteilung fast gar nicht berechnen lasse. Unter tosendem Lärm der Linken hob er dann hervor, daß die Besserung in der Industrie nur durch Annahme der Zolltarifvorlage zu erreichen sei. Die Linke sähe nur die Erhöhung der Getreidezölle, aber die Erhöhung der Industriezölle sehe sie nicht. Die von den Sozialdemokraten gewünschte Zollfreiheit würde die Folge haben, daß tausende von Arbeitern brotlos auf die Straße gesetzt würden. Die Streichung der Eisenzölle bedeute nichts anderes, als die Vernichtung der Eisenindustrie. Die Unternehmer von heute legten in der Krisis vielfach aus der eigenen Tasche zu, nur um keine Arbeiterentlassungen vornehmen zu müssen. Für die Arbeiter gebe es augenblicklich nichts wichtigeres, als die Zolltarifvorlage. Die Rede jand reichen Beifall bei dem Centrum; auch die Sozialdemokraten rührten klatschend die Hände aber aus Fronie. Der sozialdemokratische Abgeordnete Zubeil erwiderte auf die Bolltarifbemerkungen, daß seine Partei auf Lurusgegenstände hohe Zölle legen wolle, auf Austern und Kaviar beispielsweise, auf Gebrauchsgegenstände aber nicht. Der ganzen Arbeitslosenfrage wäre die Schärfe genommen, wenn der Achtstundentag eingeführt werde; außerdem solle man die Gewerkschaften, die eine solche haben, ähnlich subventionieren, wie die Dampfergesellschaften. Und dann sei vor allen Dingen eine genaue Zählung der Arbeitslosen nötig. Der wildliberale Abg. RösickeDessau ist ähnlich wie Dr. Bachem für einen weiteren Ausbau des staatlichen Arbeitsnachweises. Auch stimmt er in das klagelied der Zolltarifgegner ein. Er erhebt direkt gegen das Reichsamt des Innern den Vorwurf, daß es durch die Vorlage die Beunruhigung geschaffen und die Lage des Arbeitsmarktes so ungünstig gestaltet habe. Er rief dadurch eine sehr energische Erwiderung des Staatsjetretärs Grafen Posadowsky hervor, der betonte, daß bie stry's lebiglich entstanden sei, weil man eine vorübergehende konjunktur für eine dauernde hielt. übrigen ſei die Arbeitslosenfrage eine Angelegenheit der Landesgesetzgebung. Im Abg. Kaniz ging den Interpellanten mit einem Totalangriff entgegen, indem er in Abrede stellte, daß die Arbeitslosigkeit den von der Sozialdemokratie angegebenen Umfang habe. Nach dem konservativen Redner nahm der Sozialdemokrat v. Elm den abgerissenen Faden von der Notbendigkeit einer Arbeitslosenversicherung wieder auf und spann ihn in gleicher Tonart weiter, wie Molken= buhr. Der nationalliberale Abg. Hilbck macht den bezüglichen Vorwürfen des Abg. von Elm gegenüber geltend, daß nicht blos die deutschen Fabrikanten, sondern auch die amerikanischen im Auslande billiger verkaufen als im Inlande, um ihren Arbeitern die Arbeitsgelegenheit zu erhalten. Der neuernannte Unterstaatssekretär Hopf stellte außerdem fest, daß bei der Eisenbahnverwaltung keine Arbeiterentlassungen stattgefunden haben. Unter erregten persönlichen Auseinandersetzungen schloß die Sitzung. Morgen Zolltarifvorlage. Die Politik. Oberpräsident Delbrück. Der zum Oberpräsidenten der Provinz Westpreußen ernannte jezige Oberbürgermeister Delbrück in Danzig entstammt der staatlichen Verwaltungskarriere und ist auch mit den Interessen der dortigen Gegend vertraut, die er als Landrat in Tuchel und als Regierungsrat und Chef des Landwirtschaftlichen Decernats bei der Regierung zu Danzig erworben hat. Im Jahre 1896 wurde er Oberbürgermeister von Danzig. Wie sehr ihn der Kaiser persönlich schäßt, hat er im Vorjahre öffentlich bekannt gegeben, als er die Begrüßungsansprache Delbrücks u. a. mit dem Saze erwiderte: ,, Von dem bannenden Nebel parteipolitischer Rücksichten, die lange die Stadt Danzig gedrückt und niedergehalten und ihr nicht gestattet haben, sich um ihr Interesse zu kümmern, sehe ich jetzt die Stadt: befreit und vor uns aufblühen unter der sicheren Hand eines weitblickenden Stadthauptes." Die Buren und die Politik. Die Kundgebungen in Paris aus Anlaß des Besuchs der Burengenerale sind nun doch politischer Natur geworden. Der Vorsitzende des Burenhilfsbundes Pauliat betonte, der Kampf der Buren habe der Welt die Augen über die wirkliche Macht Englands geöffnet. General Botha schilderte die Qualen der Konzentra= Dewet tionslager und die Verheerung des Landes. rief aus, die englische Regierung sei dem Beispiele derjenigen gefolgt, die sich aus dem Staube machen, wenn das Pulver der Explosion nahe ist. Wir mußten unsern Stamm retten, und deshalb mußten wir, um unsere Frauen zu retten, den Frieden annehmen. Wir werden, sagte er, die von uns vollzogene Unterzeichnung achten, aber wir wollen frei bleiben. Weiterhin bemerkte er: Ich habe erfahren, daß eine Straße nach mir benannt werden soll. Nun, ich hoffe, daß dieselbe niemals ein Südafrikaner betreten wird, der nicht ein Freund Frankreichs ist. Wir haben, schloß Dewet, eine Recht auf Ihre Freundschaft, wir rechnen auf Sie. Delarey hob seine Abstammung von den Hugenotten hervor und rechnete ebenfalls auf Frankreichs Freundschaft. Bei der Festlichkeit wurden 5890 Mark gesammelt. Botha telegraphierte an den Berliner EmpfangsAusschuß, was hier beigefügt sein möge, daß die am Donnerstag Nachmittag eintreffenden Burengenerale nur bis Sonnabend Nacht in Berlin bleiben, da wichtige Geschäfte sie nach England zurückrufen. Die Generale würden aber demnächst hierher zurückkehren, um in mehreren deutschen Städten zu sprechen. Die ,, Nordd. Allg. 3tg." bringt folgende Auslassung: ,, Nachdem sich die Audienz der Burengenerale bei Sr. Majestät dem Kaiser aus den bekannten Gründen zerschlagen hat, werden auch die amtlichen Kreise von der Anwesenheit der Generale in Berlin keine Notiz nehmen." Deutlich abgewinkt. Dem serbischen Königspaare, das in Livadia zu Besuch erscheinen wollte, wurde vom Zarenhofe die Bitte übermittelt, mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand der Zarin später noch einmal anzuklopfen und zwar wurde diese Bitte nicht durch den russischen Gesandten in Belgrad, sondern durch die serbische Gesandtschaft in Petersburg übermittelt, also streng dienstlich erledigt. König Alexander hat den Wink verstanden, daß er und Frau Draga in Livadia nicht genehm sind. Die Antwort ist der Kabinetswechsel, der das russenfeindliche Element obenauf bringt. Bei den augenblicklichen Wirren im Orient ist das immerhin von einiger Bedeutung. Kurze politische Nachrichten. * Berlin, 15. Oktober.( Hofbericht.) Heute vormittag unternahm der Kaiser von seinem Gute Cadinen aus einen Spaziergang über Hünenburg nach Pantelau. Im Neuen Palais zu Potsdam wird er morgen erwartet. * Der demnächstige Besuch, den der Abt des Klosters Maria Laach, Pater v. Stortzingen, dem Kaiser abstatten wird, soll, wie verlautet, mit der Kölner Erzbischofswahl in Verbindung stehen. Der Abt ist dem Kaiser sehr sympathisch. * Bei den Landtagswahlen in Oldenburg haben die Agrarier durch Verlust von 5 Sitzen die Mehrheit eingebüßt. * Für das preußische Herrenhaus wurde von der Universität Breslau an Stelle des Professors Förster Professor Dr. Hildebrandt präsentiert. * Dr. Rosa Luxemburg ist aus der Redaktion der ,, Leipziger Volkszeitung" ausgetreten. * In der Stadtvererdnicu razu Frank furt a. M. gab Oberbürgermeist... im Lamie der Debatte über Notstandsarbeiten bekannt, daß für den kommenden Winter dort seitens der Stadt für nahezu vier Millionen Mark Arbeiten aller Art vorgesehen sind, bei denen Arbeitslose Beschäftigung finden können. In einer Konferenz von Vertretern der Magistrate verschiedener Städte der Nachbarschaft Frankfurts würden Ende dieses Monats dort gemeinsame Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitsnot beraten werden. Zur Nachahmung empfohlen! * Der deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke ist in Stuttgart zu sammengetreten. * Infolge einer der Polizei erstatteten Anzeige von einem gegen das ungarische Abgeordnetenhaus ge= planten Bombenattentat wurde das ganze Haus polizeilich untersucht und besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen. * Die Tschechen sind mit dem österreichischen Gea sebentwurf über die Sprachenfrage nicht einverstanden. Auch die Deutschen halten die Vorlage in der jetzigen Form nicht für annehmbar. * Die russische Regierung unterstüßte in Sofia den Protest der Pforte gegen die macedonische Bewegung. Die bulgarische Regierung hat in Konstantinopel mitgeteilt, daß sie die macedonischen Banden auflösen will. Die russischen Torpedoboote ,, Wlastnoi" ,, Grossnoi" verließen nach mehrtägigem Aufenthalt den Kieler Hafen und setzten die Reise nach Ostasien fort. * Die Eröffnung des allgemeinen Verkehrs auf der Strecke Charbin- wladimo stock der chinesischen Ost. bahn ist auf ein Jahr verschoben worden. und * Das nationalistische Mitglied des englischen Unterhauses O'Donnell wurde auf Grund des Ausnahmegesezes wegen Einschüchterung und Aufreizung zur Ver. schwörung zu zwei Monaten schwerer Arbeit verurteilt. * Die amerikanischen Demokraten halten die Wahlaussichten für ihre Partei für günstig, wenn die Forderung einer Zolltarif- Reform zur Wahlparole erhoben würde. Uns könnte es nur recht sein, wenn die hohen Zölle eine Ermäßigung fänden. * Ueber die Lage in Venezuela wird gemeldet, daß der Bräsident Castro lezthin einen vollständigen Sieg ers fochten habe. Die Schiedsgerichtsfrage und die Bergarbeiter. Die amerikanische Börse hatte am Dienstag einen gu ten Tag. Auf die Nachricht hin, daß die Arbeitgeber den Präsidenten Roosevelt um Einsetzung eines Schiedsgerichts ersucht haben, gingen die Kurse stark in die Höhe, sanken dann später wieder ein wenig, weil sich immer noch die lezzthin erörterte Geldknappheit bemerkbar machte, zogen aber zum Schluß so mächtig an, daß der höchste Kursstand der letzten Monate erreicht wurde. Troß alledem sind die Friedensaussichten nicht besonders günstig, weil die amerikanischen Bergarbeiter darauf ausgehen, einen bollständigen Sieg zu erfechten. Der zunehmende Ausstand in Frankreich und die in Aussicht genommenen Ausstände in Belgien und Spanien ermutigen sie offenbar.. Zudem hat der amerikanische Gewerkschaftsführer Mitchell die englischen Gewerkschaften um Unterstützung des Aufstandes ersucht, die zugesagt wurde; nach Deutschland und Desterreich dürften ähnliche Aufforderungen ergangen sein. Wie sehr die Fortdauer des Ausstandes im Plane der Arbeiter liegt, geht aus der Erklärung des Mr. Mitchell hervor, daß nichts darauf hindeute, die Arbeiter würden die Vorschläge der Arbeitgeber annehmen. Weitere Erklä rungen lehnt er ab. Diejenigen, welche über die Lage unterrichtet sind, sagen ganz offen voraus, daß in der neuerdings angesetzten Konferenz der Distriktspräsidenten der Grubenarbeiterunion Mitchell den Rat erteilen wird, den Vorschlag der Arbeitgeber abzulehnen. Unter den Arbeitern selbst sind die Anschauungen geteilt, einige sind gegen den Plan, andere dafür. Was nun die Lage in Belgien anlangt, so ist in Charleroi bereits ein Ausstand eingetreten und zwar lediglich behufs Unterstüßung der ausländischen Lohnbewegung. Um einen Grund zur Arbeitsniederlegung zu haben, wurde eine Lohnerhöhung um 15 Proz. von den Arbeitgebern gefordert und als diese abgelehnt wurde, folgte auf dem Fuße die Arbeitsniederle gung. In Frankreich bemüht sich die Regierung amtlich um Die Vermittlerrolle, aber anscheinend ohne Erfolg. Dagegen ist es erreicht worden, daß die Sezer ihre Sache von derjenigen der Grubenarbeiter getrennt haben. Die Aussichten auf Frieden stehen also schlecht. Wie zutreffend die Vermutung ist, daß auch die deutschen Arbeiter um eine Unterſtüßung der fremden Ausstände angegangen wurden, zeigt folgende Nachricht aus Eſſen: Die Leitung des alten sozialdemokratischen Beras Frau Halgrens blieb eine rein Die nun Mutter äuche. Jede Dankesregung wurde durch Bitterkeiten aus dem fe Schwestern, aber Zeit brachte eine Annäherung Ihre Wohaten erstickt. Auch Marholm wollte nichte von Freda wissen. im Herzen Synnöves genug war, einigten ihn und da er nicht erlich in völliger Abgeschiedenheit Bierzehntes Kapitel. Abermals waren Winter und Sommer dahingegangen, Freda sie den ersten Schmerz, den Synnöves Abschied ihr bereitet, wunden, hatte die Einsamkeit is mit Befriedigung Halgren. Nachdem Novellette von Robert Fern. Ein Freundschaftsdienst. ( Rachbruck verboten.) Die beiden Männer waren bisher langsam und nac angen. men gus dem war aus eine Race er nicht Entzauberung, oder wie das iäbe Grwachen das Traume. elstunde ärgerte er sich darüber, daß heißonnte. men und blickte mit halb zusammenmis Jemand, der seinen Es war ihm so unklar, fo itieg ihm Alles Er erklärt: ,, Der kommende fast arktischen Winter. arbeiterverbandes fordert die gesamten deutschen Berg-| prinz mit viel Stimmung und ebenso war Herr 3 oder| Denn dieser bekannte Meteorologe prophezeit uns eine leute auf, während der jezigen ausländischen Streiks als Excellenz von Haugk und Gastwirt Rüder vortrefflich. Frl. Bünau war als Käthie ganz allerliebst| Winter wird wahrscheinlich der kälteste und härteste feine Ueberschichten zu verfahren. und auch die Leistungen der Herren Ramseyer, sein, den wir seit 50 Jahren erlebt haben. Steinert und Gerlach standen entschieden über dem deutet darauf hin, wir müssen uns auf die niedrigste Durchschnitt. Dagegen schienen die Studentenlieder Temperatur, die eisigsten Winde und den schwersten wenig gut eingeübt, was besonders bei dem letzten Schneefall gefaßt machen, die sämtlich ausnahmsweise etwas auffiel. lange andauern werden und zwar in ganz Europa." Hoffentlich prophezeit uns ein anderer Meteorolog bald das Gegenteil! Jenseits von Gut und Böse nennt Robert Krafft in Anlehnung an das bekannte Werf des vor einigen Jahren in Geistesumnachtung frühzeitig verstorbenen Philosophen Nietzsche einen Kriminalroman, mit dessen Veröffentlichung wir nach Beendigung des jetzt laufenden in unserer täglichen Unterhaltungsbeilage beginnen werden. Krafft hat in seiner Arbeit ein Kabinettstück kriminalistischer E zählung geschaffen. Ein feiner Kenner des englischen Detektivwesens, dessen Eigenheiten dem Romanschriftsteller zu den spannendsten Verwickelungen und überraschenden Lösungen reiche Gelegenheit geben, ist er zugleich ein Meister moderner deutscher Darstellungsweise. Auch der Stoff ist der modernsten einer, wie schon der Titel zeigt. Ein Uebermensch" ist der Krafft'sche Held, nicht in dem spöttischen Sinne unserer Wizblä ter, sondern eine volle, großangelegte Natur, die uns durch ihre dämonischen, ungezügelten Triebe teils zurückschreckt, teils in ihrer„ Herrenmoral" und gigantischen Wucht unwillkürlich Bewunderung abnötigt. Die dramatische Handlung, die sich Bug um Bug in ewig wechselnden, aber stets gleich lebensvollen Bildern vor unseren Augen abrollt, wird vertieft durch psychologische Blißlichter, die, fein von pedantischer Lehrhaftigkeit, doch bis auf den Grund einer rätselvollen Seele hinableuchten. Giessener Cagesneuigkeiten. - ** Briefe mit mehr als 250 Gramm Inhalt, die einen wertvollen oder für die Korrespondenz augenscheinlich wichtigen Inhalt haben, sollen fortan ausnahmsweise dem Empfänger zugestellt werden, sofern dieser bereit ist, den Unterschiedsbetrag zwischen dem Wert der verwandten Freimarken und dem Paketporto nebst Bestellgeld oder bei unfrankierten Sendungen die Bisher bolle Gebühr für das Paket zu entrichten. wurden solche Briefe vernichtet. ** Buzbach, berfaufte feine legene Sofraithe 12000 Mart an gabe erfolgt am ** Bad- Nau bersammlun Bäderberba Am Montag b Efer einen fur wickelung des B baben sprach üb hauungen in ih beren Einteilung eine von Sanit tion angenomme Deutsche Bäderbe neue Analyien a Meidsgefundheit zu Grunde geleg berg behandelt Balneologie und Substanzen dur aufgenommen Jebert- Frantfu Mohre und ihre und Thermalw robren gegenüb Thon und Gem über die deuti Nahrungsmitte Nachmittagsfigu Neundorf über tion bon Minera faffenburg be Der Röntgentech Vereinfachung de folg zu berzeichn dozent Dr. H. K Verbindung mi Die Verwendbar war, ist nun f in der Klinik nic ** Zur Außerfursseßung der Zwanzigpfennigftücke aus Nickel ist jetzt der letzte Schritt gethan. Während von den silbernen Zwanzigpfennigstücken für nahezu 36 Mill. Mt. ausgeprägt worden waren, find Nickel3wanzigpfennigftüde nur für 5 Mill. Mr. hergestellt worden. Bei der Beratung der Münzgesegnovelle im Reichstag ist vereinzelt der Vorschlag gemacht worden, Stücke zum Wert von 25 Pfg. einzuführen, also die zweigutegroschen- Stücke aus der Großväter Zeit wieder aufleben zu lassen. Doch fand dieser Vorschlag ebensowenig Anflang, wie vor Jahren die Anregung, Zweieinhalb- Pfennigstücke auszuprägen. * Jahnfeier. Den 15. Oktober 1902, der 50. Todestag des Turnbaters Friedrich Ludwig Jahn, hat die Gießener Turnerschaft gleich den Turnern so vieler anderer deutschen Städte, in pietätvollem Gedächtnis und geziemender Weise gefeiert. Auf Einladung des Ausschusses der Gießener Turnerschaft hatte sich gestern Abend in der Turnhalle des Turnvereins ein zahlreiches Publikum, darunter auch Damen, eingefunden. Die Feier, welche nur einen rein akademischen Chacafter trug, wurde eingeleitet mit einer furzen aber fernigen Ansprache des Ausschuß- Vorsitzenden, Herrn Weinhändler Helm; es folgten dann schnell hintereinander ein Prolog, gesprochen von Herrn Lehrer Ziebrecht der Gesang des Liedes„ Stumm schläft der Sänger" vorgetragen von der Gesangs- Abteilung des Turnvereins eine Gedächtnisrede des Herrn Lehrer Kling. Vorsitzender des Männerturnvereins,- und zum Schluß während der Stellung eines lebenden Bildes Schluß während der Stellung eines lebenden Bildes von Mitgliedern des Turnvereins, der gemeinsame Gefang des Jahn- Liedes„ Ein Ruf ist erflungen".- Im kleinen Saale des Café Ebel fand die Feier noch eine nach kleine Verlängerung; man nügte den Abend nach fröhlicher Turnerart bei einem Glas Bier und einigen munteren freien Ansprachen aus.- Herr Metzgermeister Pirr nahm dabei Gelegenheit in einer begeistert gehaltenen Rede die Einigkeit, welche in der Gießener Turnerschaft herrsche, rühmend hervorzuheben. Die ganze Feier, auch der zweite Teil wurde von Herrn Weinhändler Helm präfitiert, gab erneuten Beweis, daß das Turnen mit das Edelste ist und die, welche es pflegen, nicht die schlechtesten des und die, welche es pflegen, nicht die schlechtesten des deutschen Volkes sind. ** Der Großherzog hat gestern am 15. Oftbr., den provisorischen Lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen Franz Bender zum Oberlehrer ernannt. ( J.) Orpheum. Mit dem gestrigen Abend verabschiedete fich in einem Benefiz der bekannte Humorist Norbert Stein. Die ihm überreichten Geschenfe und Kränze legen Zeugnis ab von der Beliebtheit des Scheidenden. Zahlreich Beugnis ab von der Beliebtheit des Scheidenden. Bahlreich waren die Freunde und Gönner aller Standesklassen er= schienen, um die leßten Abschiedsworte in Roupletform zu vernehmen und zu applaudieren. Möge Herrn Stein in Kassel derselbe Erfolg blühen wie hier. Stadttheater. Welch eigenen Reiz doch ein solches Studentenstück bietet. Alt- Heidelberg" wie anheimelnd das klingt. Wie tauchen da so malerische Bilder auf, erfüllt von einem harmlos fröhlichen Leben einer fraftvollen Jugend. Diesem Zauber giebt sich auch der jugendliche Erbprinz von Sachsen- Karlsburg ganz hin. Bisher nur in Einsamkeit und Abgeschlossenheit auf dem Stammschlosse der Karlsburg erzogen, soll er für 1 Jahr an der Heidelberger Universität seine Studien vollenden. Sein langjähriger Freund und Ers zicher Dr. Jüttner, der einzige der für die lebensfrohe Jugend ein warmes Herz hat, trotz seiner großen Verehrung für den perlenden Wein, der dort am rauschenden Neckar wächst, begleitet ihn und lehrt ihn, die Freuden eines ungebundenen Lebens in vollen Zügen genießen. Prinz Karl Heinrich, zuerst schüchtern und ganz überrascht von all den Eindrücken, die mächtig auf ihn einstürmen, wird bald einer der tollsten und übermütigsten Studenten. Eine reizende Episode spielt dabei seine warme Liebe für die Nichte des Gastwirts Rüder, für die blizsaubere allerliebste Kätbie. Aber faum 4 Monate vergehen, da reißt ihn plöglich ein grausames Geschick aus diesem Jdyll. Sein Önfel ist einem Schlaganfall erlegen und er der nunmehrige Herrscher. Trübe und freudlos verfließen ihm so zwei lange Jahre, und ach nur zu oft weilen seine Gedanken drüben in Heidelberg bei seinen Freunden und seiner Käthie. Inzwischen tritt auch für ihn die Pflicht heran, seinem Lande cine Herrscherin zu geben. Aber je mehr diese Notwendigkeit zur That heranreift, um so heißer wird seine Sehnsucht nach dem entschwundenen Glück. Nur noch einmal muß er die Stätte füßer Erinnerungen aufsuchen, noch einmal am Grabe des biederen Lehrers stehen, noch einmal von seiner zärtlich Geliebten Abschied nehmen. 4] Aus Hessen und nachbargebieten. Staufenberg, 15. Oft. Ein Racheaft scheint das Feuer in der Nacht vom 12. zum 13. gewesen zu sein. Die Scheune, welche durch das Feuer eingeäschert wurde, wurde erst vor drei Jahren neu erbaut, da die vorherige Scheune auch durch Feuer vernichtet wurde. Diesmal hatten es die Uebelthäter auch noch auf den Wagen des Besizers der Scheune abgesehen. Derselbe wurde zertrümmert im Felde gefunden. V. Lich. Der Verkauf von Kartoffeln ist ins Stocken geraten, weil der Preis in die Höhe gehen wird, aber noch nicht festgelegt ist.- ** Lich, 14. Oftbr. Die Prinzessin Marka zu Solms- Hohensolms- Lich, geborene Gräfin Solins- Sonnenwalde, Gemahlin des Prinzen Reinzu hard zu zu Solms- Hohensolms- Lich, Rittmeister und Eskadronchef im Regiment der Garde du Corps, wurde am Sonntag von einem gesunden Sohne glücklich entbunden. ** In Betreff der Haftung eines Bauunternehmers für seine Arbeiter hat das Reichsgericht nach einer Mitteilung der„ Dtsch. Jur.- 3tg." neuerdings Grundsätze aufgestellt, wonach man in Ansehung eines Neubaues mit seinen vielen Geschäften von dem Unternehmer, wenn ihm auch an sich die Leitung obliegt, nicht schlechthin wird verlangen können, daß er den einzelnen Arbeiter bei jeder Verrichtung selbst überwache oder beaufsichtigen lasse und jede einzelne Handlung besonders anordne. Bei erwachsenen, eingelernten Arbeitern darf er Urteilsfähigkeit und Umsicht auch hinsichtlich der Vermeidung von Gefahr für Dritte bis zu einem gewissen Grade voraussetzen und muß Vorsichtsmaßregeln, die allgemein bekannt oder nach gesundem Menschenverstand für Jeden als notwendig erkennbar sind, nicht stets von neuem verschärfen. Andererseits bedingt freilich der Erfahrungssag, daß die Arbeiter bei gefährlichen Betrieben leicht gleichgiltig gegen die Gefahr werden, ein erhöhtes Maß von Aufsicht. Indeß kommt es hier auf die Umstände an, und insbesondere kann der Sab, ein Handlanger sei fein solcher Angestellter, der seine Verrichtungen selbständig und ohne Aufsicht auszuüben pflege, sondern bedürfe einer steten lleberwachung, in dieser Allgemeinheit nicht als zutreffend anerkannt werden. Herr von Stabl spielte den ErbDr. Rumseys Patient. Roman von Dr. Halifar und T. L. Meade. Autorisierte Bearbeitung von C. Weßner. ( Nachdruck verboten.) In früheren Zeiten waren die Audreys hervorragend tüchtige, fluge Menschen gewesen, gesund an Leib und Seele, ritterlich gegen die Frauen, herzlich gegen die Kinder, gütig gegen ihre Untergebenen und wohlthätig gegen die Armen. Ein jeder der Nachkommen hoffte insgeheim, der Fluch möge an ihm vorübergehen. In der Regel brach das Verhängnis urplößlich herein- irgend eine seelische Aufregung konnte es herbeiführen: eine unglückliche Liebe, der Tod eines Freundes oder lieben Verwandten. Dann verlor der Heimgesuchte das Gedächtnis für dieses Ereignis und die dasselbe begleitenden Nebenumstände. Nichts, aber auch garnichts, vermochte das entschwundene Gedächtnis zurückzubringen das Ereignis war total ausgelöscht aus dem Hirn des Opfers. Alsbald pflegte dann der förperliche und geistige Verfall zu folgen. Die weiblichen Glieder der Familie entgingen diesem schrecklichen Fluche, nur die Söhne wurden von ihm betroffen. D. Langsdorf, 15. Oktober. In der gestern stattgehabten Sik ng der Landes- Kommission unter Vorsitz des Herrn Ministerialrats Brann, wurde die schon längere Zeit schwebende Frage bezüglich der Feldbereinigung für unsern Ort dahin erledigt, daß man die Durchführung. beschloß. ** Friedberg faal des Predige 10 neuen Kandi Jäger, Mayer, und Veller sta ( Goldmann, L und Waas) ber derfelben auf 16 B. Münzenberg. 12. Oft. Ein imposanter Brief wurde einem hiesigen jungen Manne von seiner Geliebten aus Buzzbach zugesandt. Derselbe lautet wortgetreu: Bautschbach, am Brunnellyustags. Lieehber Heinrig, Ich ergreife die Hand um dos Blaisteft um dir einige Beilen zuschribb. Hir siz ich und schribb ich weiß kei Straß und waiß Adraß und weiß kei Numer vom Hus wie fann ich da geschribb da kann ich gepfiffen aber nicht geschribb. Mein gelieptes Mauschen. Gestern hat es hier geregnet heute trilbelt es noch. Meine neue Senfquadrille ist ganz nass geworden und mußte wieder aufgeblättert wärden. Gestern war hier großes Wurstessen. Laufs hatten nähmlich Fett ge= schlagted. Schate daß du nicht auch da warst zum Schlachten. Dieses wünscht Dir von Herzen Deine | Dich tieu und warm liebende ** Wir bekommen einen sehr falten Winter, das beißt, wenn Prof. Ledochowski in Wien Recht hat. Robert Audreys Vater war dem Verhängnis bisher entgangen. Sein Vater hatte eine gesunde, blühende Schottin aus alter, guter Familie geheiratet, deren körperliche und geistige Gesundheit nichts zu wünschen übrig ließ und auch auf ihre Kinder übergegangen zu sein schien. Nicht einmal Nerven" famute diese blühende Frau! Ihre Kinder wuchsen gesund und kräftig heran, und man hoffte im Schloffe, daß der indische Fluch gebrochen sei und das Geschlecht von nun an verschonen werde. Das Verhängnis war zu schrecklich und zu schmerzlich, als daß man darüber gesprochen hätte, wenn es nicht unumgänglich nötig war, und Robert von Audrey, der Erbe des Hauses, wäre sicherlich der letzte gewesen, mit denen man es erörtert hätte. Roberts Vater war ein Mann von eiserner Willens- und Thatkraft, Robert hingegen war grüblerisch und nachdenklich veranlagt. Wäre seine Mutter nicht so sehr darauf bedacht gewesen, ihr förperlich zu fräftigen und seine Natur zu stählen, wer weiß, welchen frankhaften Neigungen er nachgegangen wäre. So aber blickte er in die Zukunft voll froher Hoffnung und einem Herzen voll von hohem Ehrgeiz. teiten waren so hervorragende, daß sie ihn zu der höchsten Stellung im Leben berechtigten. Der junge Schloßherr war, wie seine Vorfahren, ungemein ritterlich gegen alle Damen. Während er iezt neben Hetty einherschritt, tochte sein Blut vor Entrüstung bei dem Gedanken an die Beleidigung, die dem jungen Mädchen widerfahren war. Die arme, thörichte Hetty war für ihn nicht mehr, wie jedes andere hübsche Mädchen. Ihre Angehörigen waren Untergebene seines Vaters, daher hielt er es für seine Mannespflicht, sie zu beschützen. Robert war der einzige Sohn; er besaß nur zwei Schwestern, liebe, herzige Mädchen, die den Bruder schwärmerisch liebten. Mit freudigem Stolze schauten sie seiner Zukunft entgegen. Bei den nächsten Barlamentswahlen sollte er als Kandidat aufgestellt werden. Die Wahl war ihm sicher, denn seine geistigen FähigAls er sich vor der Thür von ihr verabschiedete, sagte er: Sie sollten diesen jungen Leuten nicht erlauben, daß sie sich Freiheiten gegen Sie herausnehmen, Hetty. Gehen Sie in Zufunft nicht mehr allein zu so später Stunde aus, und vergessen Sie nicht, Ihrem Onfel meines Vaters Bestellung zu überbringen." Sie neigte den Kopf und verließ ihn, ohne ein Wort zu sprechen, ia, ohne ihm für seine Ritterlichkeit zu danken. Schweigend sah er ihr nach, bis sie im Hausflur verschwand. Dann machte er Kehrt und trat den Heimweg an. Jezt war er an der Stelle angelangt, wo er die Scene mit Franzius gehabt; er wollte eben über den Bach springen, als der junge Mann plößlich aus dem Schatten eines großen Baumes auftauchte und ihm den Weg vertrat. " Ich muß Sie ersuchen, mich um Entschuldigung für Ihr Benehmen zu bitten", begann Franzins in scharfem Tone. In Audreys Antlig stieg eine jähe Röte. " Was meinen Sie?" fragte er. " Was ich soeben sagte! Meine Absichten in Bezug auf Fräulein Armitage sind die ehrlichsten von der Welt. Sie versprach mir heute morgen, meine Frau zu werden. Als Sie vorhin zwischen uns traten, war ich im Begriff, mein zukünftiges Weib zu füssen." Wenn das wirklich der Fall ist", versezte der Baron ernst, " so bitte ich allerdings um Entschuldigung. Aber", fügte er mit erhobener Stimme hinzu, indem er Franzius voll ins Gesicht blickte, Hetty Armitage leugnet entschieden jede Beziehung zu Ihnen." " So- thut sie das?" murmelte der junge Mann erbleichend. " Noch ein Wort, ehe Sie gehen", sagte Audrey.„ Fräulein Armitage ist ein hübsches Mädchen." Was geht das Sie an? Ich habe keine Lust, mit Ihnen darüber zu diskutieren", brauste Franzins auf. Christine. dafür sorgen, daß ihr kein Leid geschieht. Wer sich etwas unrechtes gegen sie herausnimmt, bekommt es mit mir zu thun. Das ist es, was ich Ihnen noch sagen wollte. Guten Abend." Der Baron lüftete den Hut, sprang über den Bach und verschwand im Unterholz in der nach dem Schlosse führenden Richtung. Das können Sie halten, wie Sie wollen. Nur eine Bemerfung erlauben Sie mir noch. Hettys Onkel ist einer der ältesten und geachtesten Bächter meines Vaters. Das Mädchen steht also unter unserem Protektorat, und ich zum Beispiel werde Herbert Franzius blieb stehen und schaute ihm nach. Das Blut wallte siedend heiß in seinen Adern. Er war so rasend in Hetty verliebt, daß er sich selber manchmal nicht ganz zurechnungs fähig vorkam. Mit Aufbietung all seiner Geduld hatte er die Aufmerksamkeiten Everetts gegen Hetty ertragen, aber das Dazwischentreten des Schloßherrn rüttelte alle Dämonen der Eifersucht in seiner Brust auf und schürte sie zur hellen Flamme. Wie von Furien gehegt trat er iezt den Heimweg an. ** Frantfur Aftien- Gefellid Sorjahren 13 Bejchäftsjahre Borjahr 1 0471 " Ich will die Sache mit Hetty ins Keine gebracht sehen, noch ehe ich eine Stunde älter bin!" rief er so laut in die Einsamkeit hinein, daß er vor seiner eigenen Stimme erschrat. Sie versprach die Meine zu werden. Wie darf dieser freche Mensch es wagen, zwischen uns zu treten! Was mache ich mir daraus, daß er der Herr im Dorfe ist! Und wenn er zehntausendmal der Besizer von Großhofen ist, mich geht es nichts an. Aber Hetty, sie war so seltsam, sie leugnete in seiner Gegenwart alles ab! Sie ist eine herzlose Kokette- sie wirft ihre Angel höher hinaus! Aber ich werde es ihr sagen! Der Baron ist selber in Hetty verliebt, darum mischte er sich in meine Angelegenheiten. Nun wohl, sie soll wählen zwischen ihm und mir, heute abend noch, und wenn sie ihn vorzieht, dann sei Gott ihm gnädig!" ** Frautfurt 21. Division Kouliffen des R Tung des Krieg offister Hermann dahier. Biegen Badereien, weld alten Leuten zu Weldu.g gebiad chlagen, in ander oder fein Befehls und feiner die L Beschwerdeführun besichtigung End getlagten 5 Refr Während er so dahinstürmte, nahm selne grenzenlose Erregung immer mehr zu. Everett stand gerade an der Hausthür, als Franzius anlangte und wie ein Rafender an ihm vorbeistürzte. " Franzius, was ist mit Dir?" rief der junge Mann bestürzt. Laß mich in Ruhe! Ich muß Fräulein Armitage sofort sprechen. Everett stieß ein gezwungenes Lachen aus. " Du scheinst mir dazu nicht in der richtigen Verfassung zu sein, lieber Freund", verfekte er." Fräulein Armitage wirst Du iegt kaum angenehm sein." Wieder lachte Everett gezwungen, es flang wie Spott oder Aerger. Franzius blickte ihn fast feindselig an. " Sie scheint eine sehr hohe Persönlichkeit geworden zu ſein", fuhr er fort. Vor einigen Minuten wurde sie mit hohen Ehren nach Hause gebracht, und zwar von feinem geringeren, als dem Erben von Großbofen, Baron von Audrey." der Stube, auf d wie heute der ei gemacht. Nicht d Unteroffisters zu Angefage 5 Fau Rorporal biel Relruten, die er alten Mannschaft Die amen Retru pertide verprüge mindestens 20 bebiau gefchlag ales gigab me ladt. Als ihm doch melden, err Die Anoden anderer Weje luder. Soba mußte einer jagen: Gott aber jei er off, ters muß mnßten fie in Megrere Mal dann ihr Sp inmal mit der Das Nachtgeb Storporal aber Dadelle. Eines aufstegen und Difters die Sa der Mustetier Borgelegten, bo Mustefier Dörr Bei einem Bor dem Dörr ein legt hatte, fort Der Unteroffizie ichen zu fuche terliche Br 34 erlauben, ba zeit uns eine Der tommende e und härteste haben. Alles ** Butzbach, 15. Oftbr. Herr Joh. Heinr. Heyd 2r. berkaufte seine in der Korngasse Flur 1 Nr. 163 gelegene Hofraithe, 358 Qm. groß, zum Preise von 12000 Mark an Herrn Adolf Fried in Espa. Uebergabe erfolgt am 15. November. die niedrigite den schwersten ausnahmsweise ganz Europa." " er Meteorolog 1 Inhalt, die denz augenfortan auserden, sofern zwischen dem Bafetporto Sendungen die ten. Bisher ** Bad- Nauheim, 13. Oftober. Die 11. Jahres bersammlung des allgemeinen Deutschen Bäderberbandes sah eine zahlreiche Beteiligung. Am Montag bormittag gab zunächst Badedirektor Dr. Eser einen furzen Ueberblick über die historische Entwickelung des Bades Nauheim. Dr. L. Grünhut- Wiesbaden sprach über die neuen physikalisch- chemischen Anschauungen in ihrer Anwendung auf Mineralwässer und deren Einteilung. Im Anschluß an den Vortrag wird eine von Sanitätsrat Engelmann eingebrachte Resolution angenommen, welche dahin geht, daß der Allg. Deutsche Bäderverband den Kurverwaltungen empfiehlt, neue Analyien anfertigen zu lassen, welche dem vom Bäderwerke Reichsgesundheitsamt herauszugebenden Dr. Siebelt- Flinszu Grunde gelegt werden können. berg behandelt danach die alte Streitfrage zwischen Balneologie und Physiologie, ob aus dem Bade gelöste Substanzen durch die Haut in den Körper des Badenden aufgenommen werden oder nicht. Ingenieur Dr. A. Jsbert- Frankfurt a. M. spricht sodann über hölzerne Rohre und ihre Verwendung zu Leitungen von Mineralund Thermalwasser. Er betonte die Vorteile der Holzröhren gegenüber eisernen Röhren, sowie solchen aus Thon und Cement. Kurdirektor Rütten- Neuenahr sprach über bie beutſchen Bade- und Brunnenbetriebe und die Nahrungsmittel- Industrie- Berufsgenossenschaft. In der Nachmittagssigung sprach Sanitätsrat Dr. WinklerNeumors über techniſche Neuerungen bei der Installadon Mineralbädern. Ingenieur Friedr. Dessauer Aschaffenburg berichtet über neueres aus dem Gebiete igpfennigftüde an. Während n für nahezu en, find Nidel Mt. hergestellt gesegnovelle im macht worden, ren, also die er Zeit wieder Orschlag ebensoregung, Zweigebieten. caft scheint das wesen zu sein. er eingeäfchert erbaut, da die nichtet wurde. noch auf den hen. Derselbe offeln ist ins Die Höhe gehen ffin Marka eborene Gräfin Prinzen Rein Rittmeister und Corps, wurde ohne glücklich in der geitern 8- Komminion rate Brann, bende Frage unsern Ort urchführung ofanter Brief von seiner Ge e lautet wort ags. Lieehber Blaifteft um und schribb ich eiß fei Numer fann ich geOtes Mauschen. ilbelt es noch. geworden und estern war hier nlich Fett ge da warst zum Herzen Deine Christine. r sich etwas unit mir zu thun. Guten Abend." - den Bach und hloffe führenden ihm nach. Das var so rafend in anz zurechnungs uld hatte er die 1, aber das Damonen der Eifer Men Flamme. Wie an. ebracht sehen, noch in die Einsamkeit rat. Sie versprac Mensch es wagen, Daraus, daß er der ndmal der Besizer Aber Hetty, fie war öher hinaus! Aber er in Hetty verliebt, alles ab! Sie ist ten. Nun wohl, fie end noch, und wenn renzenlose Erregung ber Hausthür, ale inge Mann bestürzt. ihm vorbeiftürzte. in Armitage fofort tigen Verfaffung zu wirst Du Armitage ang wie Spott ober geworden zu fein", ie mit hohen Chren an. geringeren, als bem ber Röntgentechnik. Inbezug auf Verbilligung und Vereinfachung der Technik sei ein außerordentlicher Grfolg zu verzeichnen. Zum Schluß demonstrierte Privatdozent Dr. H. Koeppe- Gießen einen Hämatogik in Verbindung mit einer neuen elektrischen Centrifuge. Die Verwendbarkeit, welche physiologisch längst erwiesen war, ist nun so verbessert, daß auch der Anwendung in der Klinik nichts entgegen steht." Frft.- 3tg." ** Friedberg. Am lezten Samstag fand im Festsaal des Prediger- Seminars die feierliche Aufnahme der 10 neuen Kandidaten Deicke, Fresenius, Gundermann, Jäger, Mayer, Meisinger, Rausch, Schellmann, Schne der und Veller statt. Da im Seminar sechs Kandidaten ( Goldmann, Lic. Bender, Lic. Gaul, Hofmann, Schulz und Waas) verblieben waren, so stellt sich die Zahl derselben auf 16, also vier mehr als im Sommersemester. ** Frantfurt a. M., 15. Oft. Die Brauerei Binding ( Aktien- Gesellschaft) dahier verteilt wieder wie in den Vorjahren 13 pt. Dividende. Der Reingewinn im Geschäftsjahre 1901/1902 beträgt 1083 841 Mf.( im Vorjahr 1 047 179 Mr.) ** Frankfurt a. M., 15. Oft.( Kriegsgericht der 21. Division.) Einen interessanten Blick hinter die Koulissen des Kasernenlebens gewährte die heutige Berhand- | suche. Der aber sagte, er werde ihn melden, wenn er nicht fofort suche. Dabei hatte er die Taschen selbst in seinem Schrank und wußte ganz genau, daß Dörr auf den Stuben zwar die Taschen nicht bekommen würde, aber reichlich Prügel, die sich dann der gequälte Mensch auch auf 8 bis 10 Stuben holte. Am andern Morgen warf ihm Biegengeist die Taschen an den Kopf. Als Dörr eines Tages 2 Leute wegen Mißhandlungen gemeldet hatte, warf ihm der Unteroffizier sämtliche Kleider aus dem Spind auf die Erde und einen Sandsack an den Kopf mit den Worten:" Du Sau," Leute fannst Du melden! Dabei mußten die Rekruten den alten Kerls noch die Buzarbeit besorgen und auf Anordnung des Unteroffiziers den Stubendienſt allen thun. Einmal jagte sie der Lettere Morgens um 3 Uhr aus den Betten und ließ sie Reinigungsarbeiten machen, obwohl erst um 5 Uhr geweckt wurde. Dem Dörr wurde es endlich zu toll, und brannte am 2. September durch, wurde aber gleich wieder einam 2. September durch, wurde aber gleich wieder eingefangen. Dadurch kam die Leidensgeschichte der 5 Refruten an's Tageslicht. Das Kriegsgericht verurteilte den Unteroffizier zu 4 Monaten Gefängnis und Degradation und beschloß seine sofortige Festnahme. Nun kann er, der ehemals ein Schustergeselle war, wieder zu seinen Leiſten zurückkehren. Im Zuhörerraum wohnte der Verhandlung auch der Chef der 4. Komp., Hauptmann v. Roques bei.( Diesem Unmensch gebühre noch eine Extraportion Prügel.) ** Darmstadt, 15. Oftbr. Prinz Heinrich von Preußen traf heute Nachmittag mit Automobil hier ein und nahm im Residenzschloß Wohnung. Darmstadt, 15. Oft. In Gemäßheit der Beſtimmung in Artikel 16 des Geſetzes vom 8. November 1872, die Zusammensetzung der beiden Kammern der Stände und die Wahlen der Abgeortneten betreffend, hat für die mit Einberufung des 32. Landtags beginnende Wahlperiode die Neuwahl von zwei Abgeordneten des im Großherzogtum genügend mit Grundeigentum angesessenen Adels zur Erſten Kammer ſtattzufinden. Gs find die nachstehend aufgeführten Stimm berechtigten, bezw. Wählbaren ermittelt worden: Es 1. Herr Ludw. Freiherr v. Bouchenröder 1. zu Butzbach, 2. Herr Hans Freiherr v. Dorth zu NeckarSteinach, 3. Herr Wilh. Hermann Karl Frhr. v. Erlanger zu Nieder- Ingelheim, 4. Herr Adolph v. Harnier zu Echzell, 5. Herr Cornelius Wilhelm Frhr Heyl zu Herrnsheim, Geh. Kommerzienrat zu Worms, 6. Herr Maximilian Frhr. v. Heyl, Major à la suite zu Darmstadt, 7. Herr Hugo Frhr. v. Leonhardi, Kreisamtmann zu Darmstadt, 8 Herr Morik Frhr. v. Leonhardi, Kammerherr zu Groß- Karben, 9. Herr Erwin Frhr. Löw von und zu Steinfuhrt, Geh. Regierungsrat zu Darmstadt, 10. Herr Gilbrecht Frhr. Löw von und zu Steinfurth zu. Nieder- Florstadt, 11. Herr Waldemar Graf v. Oriol zu Büdesheim, 12. Herr Albrecht Riedesel Frhr. zu Eisenbach zu Sickendorf, 13. Herr August Riedesel Frhr. zu Eisenbach zu Darmstadt, 14. Herr Friedrich Niedesel Frhe. zu Eisenbach, Major a. D. zu Lauterbach. 15. Herr Johann Riedesel Freiherr zu Eisenbach zu Lauterbach, 16. Herr Ludwig Riedesel Freiherr zu EisenLauterbach, 16. Herr Ludwig Riedesel Freiherr zu Eisenbach), Dr. jur., Erbmarschall zu Schloß- Eisenbach, 17. Herr Moritz Riedesel Feiherr zu Eisenbach, Grzellenz, Oberstallmeister zu Darmstadt, 18. Herr Volprecht Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Ober- Kammerherr zu Darmstadt, 19. Herr Wilhelm Riedesel Freiherr zu Eisenbach zu Kassel, 20. Herr Maximilian Freiherr Ueberbruck von Rodenstein, Geheimrat zu Bensheim, 21. Herr Karl Freiherr Schenk zu Schweinsberg: 21. Herr Karl Freiherr Schenk zu Schweinsberg Wäldershausen, Exzellenz, zu Wäldershausen, 22. Herr Ernst Freiherr von Seckendorff- Verna, Kammerherr zu Rüsselsheim, 23. Herr Philipp Freiherr Wambolt von Umstadt zu Birkenau, 24. Herr Ferdinand Willich genannt von Pöllnitz, Oberlandstallmeister zu Darmstadt. ** Ingelheim. Angenommen hat Herr Rechtsanwalt Claß- Mainz die ihm für den Wahlkreis Ingelheim Finthen für die nächste Landtagswahl angetragene Kandidatur. Es stehen sich also dort die drei Mainzer Rechtsanwälte Claß, Börkel und Frenay gegenüber. 9 Schülern besucht. Da indessen noch der Besuch einiger Schüler in Aussicht steht, so dürfte die vorjährige Zahl der Schüler erreicht werden. ** Marburg. Der amerikanische Konsul veröffentlichte jüngst in deutschen und ausländischen Blättern eine Bekanntmachung, laut welcher in einer Erbschaftssache eine Familie ermittelt werden sollte. Die Macht der Presse" hat sich auch hier glänzend bewiesen, denn die Erben sind bereits ermittelt und können die Erbschaft von 1400 Dollars antreten. Es sind dies die Verwandten des in einem Orte des Kreises Marburg geborenen Morik Jaeger, welcher 1881 nach Amerika ausgewandert und darauf verschollen ist. Moritz Jaeger ist bereits durch gerichtliches Ausschlußurteil für tot erflärt worden. markte waren 478 Stück Rindvich aufgetrieben. ** Kirchhain, 14. Oft. Zum heutigen RindvichDer Handel war sehr lebhaft und wurden außerordentlich zahlreiche Verkäufe abgeschlossen. Zum Schweine. markte waren ca. 800 Tiere aufgefahren und war auch hier flottes Geschäft bei guten Preisen. Saugferkel kosteten pro Paar 26-30 Mt., Länferschweine 40-60 Mart. Es waren sehr viel Fremde anwesend und bis in den Nachmittag hinein war in den Straßen der Stadt ein äußerst lebhafter Personen- und Wagenverkehr. ** Kassel, 14. Okt. Die Leute können es gar nicht hause sigt und Wolle zupft. Schon wieder macht eine abwarten, bis unser Ertreberdirektor Schmidt im ZuchtMeldung die Runde durch die Zeitungen, die Vorunterſuchung werde in 8 Tagen beendet sein und die Vechandlung bald erfolgen. Die Anklage werde nur wegen betrügerischen Bankerotts und Vergehen gegen§ 314 des H.-G.-B. erheben. Das ist alles nicht wahr. Die Boruntersuchung ist noch nicht bis zum Abschluß gediehen, und betreffs der Anklagepunkte ist noch nichts beschlossen. Die Verhandlung findet wahrscheinlich erst Anfang nächsten Jahres statt. ** Aus Waldeck, 14. Oftbr. Zwetschen hat es hier in Hülle und Fülle gegeben. Ganze Wagenladungen Der Centner gehen aus den einzelnen Dörfern ab. foftet 5 Mt. bis 5,50 Mt. Geschäftliches. Köstritz( Thüringen) Die im hiesigen Orte bestehende Fürstliche Brauerei, welche mit zu den ältesten Deutschlands gehört und deren Produkte schon im 16. Jahrhundert weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannt waren, hat im Laufe der Jahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Das„ Köstriger Schwarzbier" behauptet unter allen den modernen Bierarten die erste Stelle als ein Getränk, das so recht dazu bestimmt ist, ernährend und stärkend auf den menschlichen Organismus einzuwirken. Im Gegensatz zu den alkoholhaltigen Getränken wirkt das Köstritzer Schwarzbier durchaus nicht aufregend, sondern nur belebend auf die Verdauung und den gesamten Stoffumsatz ein. Der Bezug ist, da sich in allen größeren Städten Verkaufsstellen befinden, verhältnismäßig leicht, und ist der Preis nicht höher als für andere ausländische Biere. Wer sich und seinen Angehörigen eine rechte Freude bereiten und für deren Gesundheit etwas thun will, versäume nicht, einen Versuch mit dem heilsamen Getränk zu unternehmen und als ständigen Haustrunk einzuführen. Wegen des Bezuges verweisen wir die geehrten Leser auf den Inseratenteil unserer Zeitung. Eine richtige Diät, geeignete Nahrungsmittel und Getränke bilden die Hauptfaktoren bei jedem Genesungsprozeß. Das Köftrißer Schwarzbier wird von allen ärztlichen Autoritäten als ein vorzügliches diätisches Heilmittel empfohlen, welchem unzählige Sieche und Stranke Stärkung und Heilung verdanken. lung des Kriegsgerichts der 21. Division gegen den Unteroffister Hermann Biegengeist von der 4. Komp. 81. Inf.- Rgis. dahier. Biegengeist war angeflagt, Miphandlungen und Backereien, welche der Refrute seiner Korperalschaft von den alten Leuten zu erdulden hatten, weder verhindert noch zur Meldung gebracht, in 5 Fällen selbst einen Rekruten geschlagen, in anderen Fällen sich ein Strafbefugnis angeeignet oder sein Befehlsbefugnis zu privaten Zwecken angewendet und seiner die Leute vorschriftswidrig behandelt und von der Beschwerdeführung abgehalten zu haben. Nach der Rekrutenbesichtigung Ende Marz famen zur Korporatschaft des Angetlagten 5 Refruten. Auch ihr Quartier bezogen sie auf der Stube, auf der der Unteroffizier lag. Dort wurde ihm, wie heute der eine Zeuge sagte, das Leben bald zum Ekel gemacht. Nicht daß sie besondere unter Wißhandlungen des Unteroffiziers zu leiden gehabt hätten nur einem hat er ungefähr 5 Faustschläge appliziert, dazu war der Herr Korporal viel zu schluu. Die törperliche Züchtigung der Retraten, die er nur mit Sau anredete, lieg er durch die alten Wannschaften besorgen. Täglich ja stündlich werden die armen Refruten von den alten Stameraden mit Klopfpeitsche verprügelt. Den eine Refruten habe 3 alte Leute in mindestens 20 Fällen in Gemeinschaft vor Kopf bis zu Fuß blizebiau geschlagen, darunter 5 Wat zur Nachtzeit. Das alles geschah meist im Beisein des Unteroffi, iers, der dazu lachte. Als ihm einer der Geschlagenen sagte, er solle es doch melden, erwiderte er:„ Das geschieht Euch ganz recht." Die Knochen sollten sie Euch entzwei schlagen! Auch in anderer We se trieben die Alten mit den„ Stiften" Schindluder. Sobald sich die Letzteren in's Bett gelegt hatten, mußte einer nach dem anderen folgendes„ Nachtgebet" herjagen: Gott grüß Euch alte Knochen, uns armen Stiften aber jei er gnädig!" Auf besondere Anordnung des Unteroffi, iers mußte dann hinterher einer bs 3 zählen, und dann mnßten sie im Chor sagen:„ Gute Nacht, ihr alten Knochen!" Megrere Male mußten sie Gewehre holen, präsentieren und dann ihr Sprüchlein sagen. Wiusfetter Törr wurde auch einmal mit der Klopfpeitsche auf den Ofen geprügelt und mußte das„ Nachtgebet" von da oben herunter sprechen. Der Korporat aber stand dabei und lachte, daß ihm der Bauch wackelte. Eines Abends mußten die Refruten aus den Betten versität Herr Prof, Traeger das Zivilprozeßrecht, Herr 50-65 Pfg, Ochienfleisch per Pfd. 66-76 Bfg., Rindfleisch aufstehen und im Hemd vor dem Verschlage des Unteroffiziers die Schanzzeuge vorzeigen. Dabei verarbeitete sie der Musketier Reis, ein besonderer Vertrauensmann des Vorgesetzten, von hinten mit der Klopspeitsche. Auf den Mustefier Dörr hatte es Biegengeist am meisten abgesehen. Bet einen Vorappell zur ötonomischen Musterung famen dem Dörr ein paar Patronentaschen, die er hinter sich geLegt hatte, fort. Abends nach dem Abfragen befahl ihm der Unteroffizier, auf sämtlichen Stuben nach den Patronentaschen zu suchen. Gleich auf der ersten Stube bezog Dörr fürchterliche Prügel. Er bat deshalb den Unteroffizier, ihm au erlauben, daß er erst den andern Morgen nach den Taschen ** Wetzlar. Da durch die geplante Wiederherstellung unseres alten Domes das Aeußere desselben eine ganz liche Veränderung erleidet, so ist es von allgemeinem Interesse, das jezige Bild desselben zu skizzieren und festzuhalten. Deshalb sind eine Anzahl hiesiger Kunstfreunde mit dem bekannten Maler und Radierer Professor Mannfeld aus Frankfurt a. M. in Verbindung getreten, um von seiner bewährten Künstlerhand eine Wiedergabe des alten Domes zu erhalten. Es ist nicht die Absicht, den Dom als solchen zu zeichnen, sondern ihn in seiner das ganze Stadtbild beherrschenden Stellung festzu halten. Herr Professor Mannfeld hat seinen Standpunkt an der Bahnhofstraße gewählt. Um das Unternchmen zu sichern ist eine Subskription ins Werk gesetzt worden, und es ist eine Auflage von 100 Exemplaren beabsichtigt, die bis kommende Weihnachten hergestellt sein wird. Zum Schlusse sei noch erwähnt, daß Herr Professor Mannfeld den ersten Abzug auf Atlas herstellt, um ihn dem Kaiser zu widmen. Es stärkt die Magenthätigkeit und ist selbst ein leicht verdauliches und in hohem Grade blutbildendes Nahrungsmittel. Im Gegensatz zu den stark alkoholreichen Bieren, welche eine übermäßig stimulierende Wirkung auf die Herzthätigkeit ausüben, besitzt das Köstrizer Schwarzbier einen sehr hohen Gehalt von Extraftstoffen, wie er nur bei wenigen Gesundheitsbieren zu finden ist. Auf allen großen Ausstellungen der Neuzeit hat das Köstritzer Schwarzbier erste Preise erhalten und ist sein Ruf weit über den Ozean gedrungen. Wegen des Bezuges verweisen wir auf den Inseratenteil dieser Zeitung. Marktbericht. Gieken. 16. Oft. Auf dem heutigen Wochenmarlt lofteten Butter per Pib. 90-1.00 Mt. Hühnereier 1 St. 7-8 Pfg., Enteneier St. -00 Pfg., Gänseeier 1 St. 0-0 Bfg., Käse per St. 5-9 Pfg. Erbsen ver Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Baar Mr. 0.60-0.80, Hühner per Stüd Mt. 1.00-130, Hahnen, per Stüd Mt. 0,60-0.85, Enten per Stüd 2.00-2.30, Gänje p. Bfb. per Pfd. 60-64 Pfg. Schweinefleisch per Bfo. 70-80 Big. Schweinefleisch gesalzen per Bfund 0.84 Pfq., Kalbfleisch per Pfd. 68-72 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-70 Pfg., Kartoffeln per 100 kilo 4.00-4.50 mt., 3wiebeln per 3t. Mt. 3.30-3.50, Milch per ** Marburg. Infolge der Berufung des Herrn Prof. Oetker nach Würzburg werden von den seitens desselben angekündigten Vorlesungen an unserer UniDr. Merkel das Strafprozeßrecht und die strafrechtlichen llebungen übernehmen. Die Vorlesungen in der juristischen Fakultät werden demnach in vollem Umfange gehalten werden, da der neu eingetretene Herr Liter 18 Mar, Professor Schücking die für den Nachfolger des nach Münster berufenen Professors von Savigny in Aussicht genommenen Vorlesungen über Kirchenrecht und Verwaltungsrecht angekündigt hat und außerdem noch über die Geschichte des Staatsromans lesen wird. ** Marburg, 15. Oftober. Heute begann an der landwirtschaftlichen Winterschule der Unterricht. jetzt wird die erste klasse von 19, die zweite Klaſſe von für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Wezlar, 15. Oft. Auf dem hiesigen Wochenmarkt toftete das Pfund Butter 1.00 Mt., Eier 2 Stüd 18 Bfg. Wehlar, 15. Oft. Auf dem heutigen hiesigen Viehmarkt wurden aufgetrieben: 900 Schweine und 120 Stück Rindvich. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); Arbeitsvergebung. Die Lieferung und Aufstellung einer Umzäunung aus verzinttem Drahtgefl cht für den Hochdruckbehälter an der Grünberger Chaussee bei Annerod soll auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betr. Versteigerung von Birken- Besenreisig im Gießener Stadtwald. Die in den Distrikten Zollstockwäldchen, Neuheege, PhiDie Bedingungen, Zeichnungen usw. liegen während losophenwald, Waldshute, Wanne und Unterhag des Stadtder Dienststunden auf unserem technischen Bureau zur waldes zur Aufarbeitung fommenden Einsichtnahme auf, auch sind wir bereit, den Interessenten 70 Wellen Birken- Besenreisig am Orte der Aufstellung am Dienstag, den 21. de. Mts., vormittags vou 10 bis 11 Uhr Auskunft zu Uhr im Bürgermeisterei- Gebäude- 8'mmer Nc. 15 sollen Dienstag, den 21. Oktober, Vormittags 11 öffentlich ver steigert werden. Die Großherzoglichen BürgerAngebote sind bis zum 27. Oktober d. Js. vor: meistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, dies mittage 11 Uhr verschlossen und mit entsprechender veröffentlichen zu lassen. Aufschrift versehen, bei uns einzureichen. erteilen. Gießen, den 14. Oftober 1902. Städtisches Gas- und Wasserwerk. Otto Bergen. Robert Ziegler Londorf. Sonntag, den 19. cr. Nachkirchweihe Heff. Thür. Staatslotterie. Loose zu Originalpreisen. Teilnehmer an einem Gesellschaftsspiel von ganzen, halben und viertel Losen fönnen noch beitreten. Nähere Auskunft bei Philipp Weiler, Lotterie Comptoir, Ma ft 1 Orpheum Schanzenstraße 18. Schanzenstraße 18. Giessen. Direktion: H. Brotteng her. Programm vom 16. bis 31. Oktober. Sensationell! Laa de Blanche, Soubrette. Erna Wollstädt, Vortragssoubrette. Mstr. Paulsen, Humorist. La petite Otero Internat. Vortragskünstlerin. Lilly Blendin, Soubrette. Goedite als Greifenberger. Hochkomisch! Künstliche Zähne nur 3 00 Mark bei tadellosem Sig, schmerzloses Zahnplombiren 2c. Bleichstraße 31, II. 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