Nr. 126. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1 50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblase( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Mittwoch, den 4. Juni 1902. Gießener 11. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pf., sonst 15 Bfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Die Eisenbahn in der Landwirtschaft. Der zunehmende Wettbewerb, namentlich der überseeischen Länder, denen billige Wasserfrachten zur Verfügung stehen, zwingt die heimische Landwirtschaft, auch ihrerseits mit einem Mindestmaß an Beförderungskosten die großen Verbrauchsstellen zu erreichen. Sogar solche Gegenden, die den letzteren näher liegen, haben vielfach an deren Versorgung nicht den ihnen zukommenden Anteil, weil die ersten Landfrachten bis zur billig fahrenden Eisenbahn zu hoch sind. Ebenso billiger Frachten bedürftig sind die landwirtschaftlichen Nebenbetriebe, die neuerdings nur mit größter Sparsamkeit in der Wirtschaft noch Nutzen abwerfen. Billige Zufuhr von Brennstoff ist da ebenso nötig, als die Ermäßigung sämtlicher Zwischentransportkosten und auf diesem Wege ist bis zur Einführung von Eisenbahnen in die unmittelbare Landwirtschaft vorzugehen. Erleichtert und außerordentlich viel nugbringender werden die Feldbahnen durch das Netz der sogenannten Kleinbahnen, welches jetzt in der Entwicklung begriffen ist. Dieses bietet das meist notwendige Zwischenglied zwischen der leichten Eisenbahn des einzelnen Besizers und der Vollbahn, die den großen Verbrauchsplag erreicht, mit dem Endziel der billigen Gleise- Beförderung von der Ackerstelle aus bis zum Marfte der letzteren. Aber auch umgekehrt werden die vielfach von ländlichen Körperschaften gebauten Kleinbahnen nur dann eine genügende Ertragsfähigkeit erreichen, wenn ihnen auf die angedeutete Art die Frachtmengen der Landwirtschaft zufließen und andere, Brennstoffe, Dünger ust. abgenommen werden. Die diesjährige Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft zu Mannheim bietet wiederum eine vollständige Uebersicht auch bezüglich des Gebietes des landwirtschaftlichen Transportwesens. Es sei daher an der Hand dieses Teiles der Ausstellung das Wesentlichste der Kleinbahn besprochen. Den jetzt erbauten Kleinbahnen wird entweder eine Spurweite von 600, 750 oder 1000 Millim. gegeben. Für diese Bahnen wird vielfach in ländlichen Bezirken zweckmäßigerweise die Spur von 600 Millim. bevorzugt, um daran die Feldbahn unmittelbar anschließen zu können und zwar in 3 Formen: als feste Gleise, als halbbewegliche Gleise und als leichtbewegliche Gleise. Das Maß der Spurweite muß von den letzteren ausgehen, damit die volle Beweglichkeit und das Anpassen an die Unebenheiten des Ackerbodens usw. gewahrt Zwillings- Herzen. Novellette von A. Schoebel. I( Nachdruck verboten.) Damals, als sie auf die Welt gekommen waren, hatte man ihnen je ein rothes und ein blaues Bändchen um den Arm gelegt. Sie wären sonst wahrhaftig nicht zu unterscheiden gewesen. Ganz gewiß nicht! Thörichter Weise hatten sie es nämlich versäumt, irgend ein Mal oder Leberfleckchen mitzubringen, sie sahen sich ähnlich wie ein Ei dem andern, Zwillingsschwestern! Man hatte sie Lulu und Lolo getauft. Während des feierlichen Akts war Lulu's Steckkissen roth, Lolo's blau bebändert gewesen, aber als man sie abends in die Wiege legte, da vertauschte die gute Großmama, die zehn Jahre lang vergeblich auf Enkel gewartet hatte und nun, seit die Zwillinge da waren, fortwährend lächelte und Dunimheiten machte- da vertauschte die Großmama die Kinderchen, und es ließ sich überhaupt nicht mehr feststellen, welches als Lolo und welches als Lulu seinen Lebensweg zu wandeln bestimmt gewesen. - Erschrocken und fassungslos hatte sich die gute Alte aufgemacht und war in's Staatszimmer hinübergeeilt, allivo die Pathenschaft und eine ganze Anzahl guter Freunde und getreuer Nachbarn tafelten. Sie hatte dem glücklichen Vater einen Wink gegeben und ihm ängstlich wispernd ihr Mißgeschick offenbart. Stirnrunzelnd folgte er der Schwiegermutter in's Kinderzimmer. Dort betrachtete er die Zwillinge von rechts, betrachtete sie von links, zupfte an dem goldigen Flaum, der auf den weichen Köpfchen wucherte, wickelte die nach Milch duftenden Körper aus ihren gestickten Bändern laden an die Klein- oder Voll-, bezw. Nebenbahnen bleibt und doch dieselben Wagen thunlichst ohne Um herangebracht werden können. Andererseits laffen sich auf einer Kleinbahn von 600 Millim. Spur mit entsprechend fräftigen Schienen und Schwellen schon ganz erhebliche Lasten befördern und Lokomotiven bis zu 40 Pferdestärfen anwenden. Entsprechend gebaute Untergestelle( auch zur streckenweisen Beförderung von Landfuhrwerk brauchbar) ermöglichen sogar ein Uebergehen der Betriebsmittel von Kleinbahnen mit größerer Spur zum Versorgen der landwirtschaftlichen Nebenbetriebe. Es ist außerdem möglich, die auf dem Kleinbahnnetze derselben Spur zur Verwendung kommenden Wagen auch für die anschließenden Strecken der fest liegenden oder halbbeweglichen Gleise der Feldbahn zu benugen, vorausgesetzt, daß auch hierfür etwas stärkere Schienen und Schwellen, aber doch noch sogenannte transportable Gleisrahmen benutzt werden. So findet dies thatsächlich in ländlichen Bezirken, z. B. mit vorwiegendem Zuckerrübenbau, bereits statt; es werden die Kleinbahnwagen mit einem Inhalt bis zu 8 Cbm. und Kleinbahn, als auch auf den anschließenden Feldbahnen einer Ladefähigkeit bis zu 6000 g., sowohl auf der bewegt. Der Betrieb auf den letzteren fann natürlich nicht durch Lokomotiven, sondern nur durch Pferdezug bewirkt werden, was aber faum in Betracht kommt, da es sich ja immer um verhältnismäßig nur furze Strecken handelt. Die halbbewegliche Bahn wird meistens im Gestänge leichter zu halten sein, auch mit fürzeren, wie stets vorher zusammengebauten Rahmenlängen, sodaß lettere von zwei Leuten verlegt werden können. Die leichtbeweglichen Geleise endlich gehen auf Rahmenlängen von 2 und 12 Meter, wenn nötig, zurück, die ein Mann schon zu verlegen im Stande ist. Die Stoßverbindungen sind so angeordnet, daß sie trotz voller Sicherheit beweglich bleiben, bei den kurzen Nahmenlängen, Curven u. s. w., also ohne vorheriges Biegen der Schienen zu legen sind. Diese Rahmen schmiegen fich dem Acker oder Gelände vollkommen an, während die halbbeweglichen Gleise zweckmäßig ein mehr oder weniger ausgeglichenes Planum haben und die festen endlich nach Art der Kleinbahnen verlegt sind, aber mit größerer Freiheit der Bewegung, was Curven, Steigungen u. s. w. angeht. Auf diese Art wird ein Nugen von Geleisen geschaffen, das auf jede Stelle des Ackers, einen beliebigen Platz im Walde, im Moore, in jeden kleinsten Steinbruch, jedes Sand- und Lehmloch, jede Sties- und Mergelgrube vordringen kann, mit dem halbhervor, tastete daran herum: es war unmöglich, diese närrischen Dinger zu unterscheiden-! Kurz entschlossen ergriff er irgend ein rothes Band und wickelte es dem ihm zunächst liegenden Zwilling um das Fettringelchen der Hand. Das soll die Lulu sein. Basta! Und kein Wort zu meiner Frau von der Verwechslung!" Von da an theilte er mit der Schwiegermutter ein wichtiges Geheimniß, welcher Zustand ihm ein bedeutendes lebergewicht im Hause verschaffte. Clara, seine Gattin, konnte sich's nicht erklären, weshalb die Mutter seit dem Taustage in grenzenloser Parteilichkeit bei allen streitigen Punkten ihrem Gatten Recht gab Die Zwillinge wuchsen und erstarkten, nahmen zu an " Weißheit" und Fett; aber weder Lulu noch Lolo konnte sich entschließen, irgend eine Variante zu entwickeln, die zur Unterscheidung der beiden kleinen Persönlichkeiten gedient hätte, sei es im Bau oder der Entwickelung des Körpers, der Wesenheit, der Stimme, sei es in der Farbe des Haares oder der Augen. Beide Zwillinge behielten die dunkelblauen Augen und die goldig schimmernden Braunhaare, die sie mit auf die Welt gebracht. Ihre Zähnchen brachen zu gleicher Zeit und in gleich zierlicher Form durch, ihre Meinen Stumpfnasen forschten feck und übermüthig in der Luft umher, und ihre Oberlippen zeigten dieselbe geschweifte Form. Der verblüffenden Aehnlichkeit im Aeußeren gesellte sich eine ebenso große der inneren Veranlagung hinzu. Derselbe Trieb, Bilderbücher zu beschauen und Verschen zu lernen, zeichnete das Zwillingspaar aus, dieselbe jauchzende Liebe für Vögel und Blumen. Lulu und Lolo verspürten im nämlichen Moment Hunger und Durst, beide empfanden Abscheu vor Haferschleim und aßen sich ie und ie frant an Obit und | sorgt und mit dem festen an die eigentlichen Eisenbeweglichen den Zwischenverkehr der Nebenbetriebe be bahnen anschließt. Es unterliegt feinem Zweifel, daß die Landwirtschaft, insonderheit deren Nebenbetriebe in ihrem heutigen schweren Daseinstampfe durch eine ausgedehnte Verwendung solcher Feldbahnen noch eine wesentliche Stüße finden kann. Und gerade die jetzige Zeit der Erbauung von Kleinbahnen und des sehr billigen Preises aller Eisen- Erzeugnisse sollte dazu die Anregung bieten. Größere Betriebe, Zuckerfabriken, Brennereien, Ziegeleien, Steinbrüche in Verbindung mit der Landwirtschaft, größere Gutsbezirke, vor allen Dingen Forst. betriebe, werden ja auch unschwer den Anknüpfungspunkt finden. Aber auch kleinere Wirtschaften sollten da nicht zurückbleiben, und wo in Gegenden mit zersplittertem Grundbesitz sich der Einzelne nicht stark genug fühlt, da müssen zu diesem Zwecke Genossenschaften auftreten, ebensogut wie bei der Bodenverbesserung, dem Wiesenbau und zu ähnlichen Fortschritten, dann wird auch der Vorteil nicht ausbleiben. noch eines eigenartigen Gleissystems gedacht, welches Schließlich sei unter den ausgestellten Materialien dieselbe Beachtung verdient, wie die Feldbahn und den Zwecken der Landwirtschaft in gleichem Maße wie diese dienstbar ist: wir meinen die Fuhrwerksbahngleise. Das Verwendungsgebiet in der Fuhrwerksbahnschiene steht hinter dem der Feldbahn in feiner Weise zurück. Auf Chausseen, Feldwegen, Zufuhrstraßen, Gutshöfen, überall dort, wo die schnelle Bewältigung des Transportes schwerer Lasten durch Landfuhrwerk zu geschehen hat, sind diese eigenartigen Schienen von großem Nußen, da naturgemäß auf der glatten Fahrbahn die Beförderung bedeutend schneller als auf bestunterhaltener Chaussee erfolgen kann, und in Folge dessen nicht nur Menschen und Bugtiere, sondern auch das Wagenmaterial auf die denkbarste Weise geschont werden. Dadurch, daß anerkanntermaßen die Schienengleise den Verkehr mit Lastfuhrwerken fast ganz auf sich ziehen, wird die Steinbahn der Chauffee ganz erheblich entlastet nnd natürlich geschont, sodaß die allerorts als lästig empfundenen hohen Unterhaltungskosten der Kunststraßen um ein Wesentliches vermindert werden können. Daß sich in Folge dessen die staatlichen Wegebaubehörden sowohl, als auch eine ganze Reihe von Pri baten die Vorteile dieser Gleise zu Nuze machen, ist begreiflich. So sind beispielsweise in dem Bezirk der Landesbauinspection Gardelegen, hauptsächlich in dem kleinen Mandelkuchen, die Großmütterchen für ihre Lieblinge but. Sie lachten und weinten zu gleicher Zeit, sie schliefen abends Arm in Arm ein und schlugen morgens ihre glänzenden Augen auf wie zwei Marionetten, die ein und derselbe Faden bewegt. Sie liebten denselben total verfüßten Hampelmat, denselben abgezausten Hund aus Wolle, schnitten hinter Tante Lene die garstigsten Gesichter her und vergötterten ihren Papa, der ihnen freilich am Liebsten die Sterne vom Himmel geholt hätte. Und eines Tages lagen fie ebenfalls beide da, fiebernd, rothe Pünktchen in der Haut und machten gemeinsam Masern und Scharlach durch. Nach der Genesung blühten sie erst recht auf; doch stets wie zwei Knöspchen an einem Zweig. Die Eltern selber hätten sie nicht zu unterscheiden vermocht. In Erinnerung an den Tauftag hatte der Vater seinen drolligen Aeffchen", wie er sie nannte, goldene Ketten um den Hals schmieden lassen, die wohl ein Wachsthum gestatteten, doch sich nicht entfernen ließen. An Lulu's Kette hing ein Korallenherz, an Lolo's ein Perlkreuzchen, die die Kinder bis zu dem Tage tragen sollten, wo irgend eine hervortretende Charaktereigenthümlichkeit oder eine Veränderung in der körperlichen Entfaltung die Abzeichen überflüssig machen würde. Doch niemals fam dieser Tag. Die Zwillinge blieben die Wiederholung ein und desselben Wesens, eine Doppelausgabe der Species Mensch. Ihre Herzen glichen zwei Uhren mit gleichem Gang. Sie wuchsen so recht im Sonnenschein auf. Wo sie erschienen, riefen sie Lächeln und frohe Gefühle wach. Man scherzte mit ihnen, verwöhnte sie, staunte fie an. Wie hätten sie anders als heiter und liebenswürdig werden sollen! Doch sein Gedankengang bewegte fich unaufhörlich in dem felben Kreislauf. quälte und plagte er fich, um das Marum zu ergründen. Claasens irgend etwas Besonderes liegen müsse. Stets aufs nene überzeugte er sich, daß in diesen Besuchen Immer wieder Und ftrömte. flemlaut als er jegt war. Es hätte auch ihn frober, frischer gemacht, Bimmer flutete und alles mit belebendem, goldenen Licht über Er bätte gewünscht, daß heller, beiterer Sonnenschein in bas Auch Falkner brückte die Stimmung in der Natur nieder weniger mit dem Theelöffel. " Ia-". Helma rückte ein wenig auf ihrem Stuhl und spielte nervös jurchtbarer Spannung und mit Absicht antwortete er ganz kurz: Mitteilungen Chriftians auszuforschen suchen. Falkner war in Daun ließ es ihr keine Suhe mehr und balb Dann würde sie ihn ficher noch über ble Betrogen chr geliebt als fich i Simmel, fein Glaube, feine Seligkeit gewefen betrogen!" Selma, feine Belma batte ihn betrogen! ihm alles in einem Nebel zu verschwimmen begann. Mit weit offenen Augen starrte er Selma an. während vot tönte es ihm unaufhörlich Obreit. in den Liebe er gebant die er taufenb Siebie fein Lemberg, 3. Juni. Nach einer Wiener Depesche des Berliner Tageblattes sind von den Verwundeten noch 5 gestorben, andere befinden sich noch in Lebensgefahr. Kleine politische Nachrichten. Berlin, 3. Juni. gleichnamigen Kreise ein großer Teil der Chauffeen, Zufuhrwege 2c., mit diesen Schienen versehen, welche auch an vielen anderen Stellen Deutschlands verlegt sind. Die auf Jahre lange Beobachtung begründeten Gutachten der sämmtlichen Beteiligten äußern sich lin göchft anerkennender Weise über diese Gleise, welche selbst in starken Krümmungen und erheblichen SteigDie Zolltariffommission des ungen fich ganz borzüglich bewährt haben. Es ist zu erwarten, daß eine so nüßliche Erfindng, wie die Fuhr- Reichstags segte ihre Beratungen bei den Positionen Essig 2c. fort. Nach längerer Diskussion wurde werksbahngleise, größere Verbreitung finden wird und Position 185 nach der Regierungs- Vorlage angelebhaft zu wünschen, daß die Kenntniß des Systems nommen, ebenso Position 275. Bei Position 307 mit Rücksicht auf die sofort in die Augen springenden wurde der Zollsatz nach einem Antrage Gamp auf großen Vorzüge derselben sich bald in weiteren Streisen 1 Mt. festgesetzt. Bei Position 347 wurde der Zollsatz Bahn brechen möge. ebenfalls auf einen Antrag Gamp mit 5 Mt. nominirt. Position 368 wurde nach einem Antrage Beumer abgeändert, welcher einen Zoll von 20 Mt. vorschlägt. Die Positionen 308 bis 313 wurden sämmtlich in der Regierungsverfassung angenommen. Bei Position 314, zu welcher eine Reihe von Anträgen vorlag, wurde die Beratung auf morgen vertagt. Deutsches Reich. Die beiden ostasiatischen Gäste des Kaisers, der Shah von Persien und der Kronprinz von Siam, haben ihren Besuch am kaiserlichen Hofe wieder beendigt. Der Schah reiste nach Karlsbad ab. Der persische Herrscher zeichnete die PrinzessinFriedrich August von Sachsen, welche befanntlich nebst ihrem Gemahl zur selben Zeit in Berlin verweilte, in besonderer Weise dadurch aus, daß er der hohen Frau den vornehmsten von ihm zu vergebenden Orden, den Sonnenund Löwenorden, verlieh und der Prinzessin selbst überreichte. * Prinz Ludwig von Bayern hat in Kaiserslautern, wo er der Wanderversammlung der bayerischen Landwirte beiwohnte, eine Rede gehalten, in der er zum Zusammenwirken aller erwerbenden Stände mahnte. Dresden 3. Juni. Der König, bei dem das alte Leiden wieder stärker auftritt, ist gezwungen, einige Tage das Bett zu hüten. Berlin, 3. Juni. Auf dem Bornstedter Felde stürzte heute Vormittag Erbprinz Victor von Ratibor, Leutnant im Regiment Garde du Corps bei einer lebung des Regiments mit dem Pferde und erlitt schwere Verlegungen. Desterreich. Lemberg, 3. Juni. Gestern fanden wiederum Erzesse statt, welche bis spät Nachts dauerten. An ihnen sollen aber weniger streifende Bauarbeiter als andere unruhige Elemente teilgenommen haben. Soweit bis jetzt bekannt, sind über 40 Personen durch Säbelhiebe und Schuffe verwundet worden, darunter 29 lebensgefährlich. Auf Seiten des Militärs find drei Husaren schwer und mehrere Soldaten durch Steinwürfe leichter verlegt worden. Verhaftet wurden 26. Personen. Außerdem haben zahlreiche Kinder durch die Kavallerie- Attace Verlegungen davongetragen. Die Zahl der Kinder ist jedoch nicht zu eruiren. Da für heute weitere Erzeffe befürchtet werden, durchzogen während der ganzen Nacht Militärpatrouillen die Stadt. In der Schule wetteiferten sie, sich das Interesse von Lehrern und Lehrerinnen zu erhalten, zu verdienen, wie zwei untrennbare hockten sie nebeneinander auf der Schulbank. - Man hätte stets nur eine einzige Censur für fie auszuschreiben brauchen; ihre Fortschritte, ihre Mängel waren die gleichen, im Singen und Zeichnen exzellirten die Zwillinge. - Jahre flogen dahin. Die Lernzeit schloß mit der Ronfirmation ab. Der Prediger hatte den Schwestern Ruth's herrliches Wort zu Noëmi als Leitspruch mit auf den Lebensweg gegeben. Noch zwei Jahre eifriger Schulung in Küche und Haushalt, und die schönste Zeit brach an für Lulu und Lolo, die sorgenloseste im Leben junger Mädchen aus wohlhabendem Stande. Die Zwillinge durften sich am Besuch von Konzerten, Theater und Gesellschaften erfreuen, sie durften tanzen, tanzen! -GO Einen Erfolg hatten ihre frischen Erscheinungen! Man riß sich um das Doppel- Phänomen, um diese reizenden Schwestern, die sich durch Nichts unterschieden, als durch das Perlkreuz und das Korallenherz. Defters machten Lulu und Lolo sich den Scherz, die Kettchen mit einem Shawl zu verhängen. In welche Verlegenheit dann ihre Tänzer geriethen! Und die Zwillinge schmollten und lachten und rissen schließlich die Shawls ab, um das Inkognito zu lüften Nach einem Ball war's... = Lulu und Lolo hatten den größten Erfolg des Abends verzeichnen dürfen. Mit Kotillonsträußchen beLaden waren sie heimgekehrt, die leichtsinnig- schwermüthigen Echos Strauß'scher Walzer noch in den Ohren. Nun standen sie im gemeinsamen Schlafzimmer in ihren rosigen, zerdrückten Kleidern, verhaltene Seufzer auf den Lippen. Lulu drehte ihr Korallenherz zwischen den Fingern. „ Gott, war das ledern heut", bemerkte sie gähnend. Lolo machte schmale Augen. So ledern wie neulich bei Tante Mila, und in der vorigen Woche auf dem Juristenball. Nicht wahr? Ja, ja, wenn gewisse Leute fehlen!" Wie gestochen fuhr Lulu zusammen. " Mir hat Niemand gefehlt!" betheuerte sie blutroth, ,, bon mir kann doch gar nicht die Rede sein-". Sie bückte sich, als suchte sie etwas, um ihr Erröthen zu bemänteln. Ich weiß überhaupt gar nicht, von wem Du sprichst " Nun, von ihm, der auf drei Wochen in seine Heimath gereist ist-" Ah", dehnte Lulu,„ Du meinst Assessor Arndt." - " Gewiß, Ulrich Arndt. Merk' auf, ehe der Fasching da ist, hält er um Dich an." Die Verbannung von 42 Studenten und 5 Professoren der staatswissenschaftlichen Fakultät zu Warschau, welche, da sie einem polnischen Geheimbunde angehörten, zur Deportation nach Sibirien verurteilt waren, ist erfolgt. Deutscher Reichstag. ( Sigung vom 3. Juni.) Am Bundesratstische Minister von Podbielski, Schatzsekretär Thielmann. Präsident Graf Vallestrem begrüßt das Haus und gedenkt sodann des schweren Unglücks auf der französischen Insel Martinique.( Die Mitglieder des Hauses erheben sich von den Pläßen.) Eine blühende Stadt sei vollständig vernichtet worden. Noch immer drohe dem bisher verschont gebliebenen Teile der Insel dasselbe Schicksal, da die Naturerscheinungen, welche dieses Unheil herbeigeführt haben, noch nicht aufgehört haben. Tiefes Mitgefühl habe das deutsche Volt empfunden bei diesem Unglück, das die edle französische Nation betroffen habe. Diesem Gefühl im Namen der Vertreter des deutschen Volkes Ausdruck zu geben, sei der Zweck dieser Worte. Tagesordnung: Zweite Lesung des Süß stoffgesetzes. Abg. Becker( Centrum) beantragt nochmalige Zurückverweijung des Geſetzes an die Zuckersteuer- Commission. Nachdem Abg. Hermes( freis. Volksp.) diesem Anirage beigetreten, wird derselbe angenommen. Es folgt die Fortsetzung der dritten Lesung der Novelle zum Branntweinsteuer- Gesez auf Grund der nach träglich zu Artikel 2 von der Commission gefaßten Beschlüsse. Die Commission hat in der Hauptsache die Brennsteuer wieder eingeführt mit einer bestimmten Steuer- Stala, durch welche namentlich die gewerblichen großen Brennereien und Melasse- Brennereien hervorragend schwer von der Steuer Nein! um Dich, das ist bei mir längst ausgemachte Sache." Lolo lachte gequält auf und nahm sich den Veilchenfranz aus den Haaren. " Um mich? Wie sollte er darauf kommen? Mit mir hat er sich nur beschäftigt, weil ich Deine Schwester bin. " Und mit mir, weil ich Dir ähnlich sehe." Lulu schleuderte so heftig ihre goldledernen Schuhe von den Füßen, daß fie unter's Bett hinuntertanzten. Lolo zuckte die Achseln. Das rosige Kleid glitt ihr von der Schulter.„ Als ob ich ihn überhaupt nehmen würde! Ich hab' einen ganz anderen Geschmack." Die Schwester hielt im Auskleiden inne. " Zum ersten Mal im Leben einen anderen Geschmack als ich?" Kaum war ihr das verrätherische Geständniß entflohen, so hätte sie es zurücknehmen mögen um jeden Preis. Lolo flatschte in die Hände.„ Du liebst ihn! Du liebst ihn! Und er Dich!" Sie blickte in den Spiegel. ,, Und ich laß mir hier neben den Mund ein kleines Mal auf die Haut tätowiren, damit feine Verwechslung vorkommt, wenn Ulrich Dich erst küssen wird Ihre Augen füllten sich plötzlich mit Thränen. Lulu stand da mit herabgezerrten Mundwinkeln, die langen Haare gelöst, ein Bild schwermüthiger Reue. Gleich einem großen Elutstropfen schimmerte das Korallenherz auf ihrer Brust. " Mein Liebling, mein Kleinod," sagte sie leise und betrübt. Du liebst ihn, Ulrich. Ich weiß es längst. Und daß er Dich stets auszeichnete, hat mich glücklich gemacht, so glücklich!" Zwei schwere Thränen tropften auf ihr weißes Nachtkleid herab. Lolo schluchzte laut. Und ich bin so- unglücklich! Ach, meine Herzensschwester, nimm Du ihn doch! Kein Mensch paßt besser zu ihm, als Du mit Deinem zärtlichen Herzen, Deinen holden Augen. Er muß Dich ja lieben. Und er thut's auch gewiß. Willst Du es leugnen?" „ Dann liebt er " Lulu jah plöglich sehr streng aus. uns beide." , Das ist doch aber nicht möglich, nicht möglich," stammelte Lolo und öffnete die sammtenen Augen weit. " Nicht möglich? Sind wir denn etwa zu unterscheiden?" rief Lulu verzweiflungsvoll, und wenn Du nicht das Perlkreuz trügst" " Und Du das Korallenherz-" Dann wüßte er vielleicht gar nicht-" " Daß ich die Lolo bin Und ich die Lulu." Weinend sanken sie sich in die Arme. Lulu fing zuerst an, die Schwester zu trösten, aufzurichten. Komm, Liebling, fetz' Dich hier neben mich auf mein Bett," sagte sie, ich bin doch die Verständigere, eine ganze Stunde älter als Du." getroffen werden.§ 1 des bestehenden BranntweinsteuerGesetzes ermächtigt in seinem letzten Absatz den Bundesrat, auch solchen Branntwein von der Verbrauchs- Abgabe frei zu lassen, der zu wissenschaftlichen oder Heil- Zwecken verwendet wird. Die Commission schlägt eine Abänderung dieses Absages dahin vor, daß die Steuer- Freiheit nur beschränkt sein soll auf den Branntwein, der in öffentlichen Kranken-, Entbindungs- und ähnlichen Anstalten oder in öffentlichen wissenschaftlichen Anstalten verwendet wird". Abg. Pachnide( freis. Voltsp.) stellt den Antrag, unter Ablehnung des Commissions- Vorschlages den betreffenden Absatz des§ 1 in der bisherigen Fassung weiter bestehen zu lassen. Redner übt dabei Kritik an der ganzen bisherigen Branntweinsteuer- Gesetzgebung, die sich nicht bewährt habe. Sollte der Reichstag wirklich Alles das annehmen, was die Commission beschlossen habe, so werde er bald sagen, wie der Lehrling zum Meister gesagt habe: Herr Meister, das Werf ist jetzt gethan. Wann fangen die Reparaturen an? Abg gegen bie Beil, bie fowie de meifter b des Gebi während Bezahl wünscht, diefer 2 daß de wurden, Sta ben Born nicht im meifter. Abg 3witter egrenam rerfeits f gegen die Regierun feinen B freies& überhaup hie Da die ganzen 2 Die Kam die Bera der Anf fgreit Lehrer Debatte deren Be in den S ( n.) vor und Abg. Abg. Wurm( Soz.) beantragt gänzliche Streichung des§ 1, also völlige Beseitigung der Verbrauchs- Abgaben. Gerade diese werden von den Armen und Aermsten getragen, die Branntwein trinken, um ihr soziales und geistiges Elend zeitweilig zu vergessen. Finanzminister von Rheinbaben widerspricht dem sozialistischen Antrage. Würde diese Steuer beseitigt, dann würde der Branntwein- Genuß ins Ungemessene wachsen und wo solle das Reich das Geld hernehmen, wenn Branntweinsteuer und Zuckersteuer fortfallen.( Ruf links Eintommensteuer, Vermögenssteuer.) Bei der schwierigen Lage der Landwirtschaft bitte er das vorliegende Gesetz möglichst bald zum Abschluß zu bringen. Abg. Dietrich( fons) hält den Sozialdemokraten vor, daß sie sich von Rücksichten auf die Schanfwirte leiten ließen und deshalb hier nicht so frei gegen das Branntwein- Trinken aufträten, wie sie dies sonst wohl thun würden. Abg. Wurm( Soz.) protestirt gegen diese Behauptung und tritt dann noch den Aeußerungen des Finanzministers entgegen. Abg Paasche( natl) tritt im Interesse des notleidenden Brennerei- Gewerbes für das Gesetz ein. Abg. von Dziembowsti- Bomian( Bole) führt aus, angesichts der Thatsache, daß jezt wiederum in PreuBen zur Befämpfung des polnischen Großgrundbesitzes eine Viertel Milliarde ausgegeben werden sollte, stimmten seine Freunde dem vorliegenden Geseze zu. Damit schließt die Debatte.§ 1 wird in allen seinen vier Abfäßen angenominen. Der§ 2 gelangt in der Commissionsfassung zur Annahme. Zum§ 4 liegt ein sozialistischer Antrag vor, betreffend die Einführung des Reftifikations- Zwanges für Kartoffel Spiritus. Nach kurzer Debatte, an der sich die Abgeordneten Wurm( Soz.) MüllerSagan( freis. Volksp.) und Gamp( Reichsp.) beteiligen, wird der sozialistische Antrag abgelehnt. Mittwoch Fortseßung der Berathung. Da brach Lolo aui's Neue in verzweiflungsvolles Schluchzen aus und schüttelte wild ihre Haare.„ Auch das weiß man nicht! Die Großmutter hat mir's eine Woche vor ihrem Tode gestanden, daß sie uns am Tauftage verwechselt hat, und daß es überhaupt nicht festzustellen ist, wer von uns die Aeltere, wer von uns die Lelo oder die Lulu ist-!" Die Schwester senkte ernst die thränenschweren Wimpern. Wir sind eben Eins. Nichts soll uns trennen auf Erden. So war's bestimmt von allem Anfang her." Ihre Stimme zitterte. Du liebst Ulrich?" " Ja. Und Du?" " Ich liebe ihn ebenfalls. Doch niemals soll Dich das stören, Liebste. Ohne Neid und Groll könnte ich Dein Glück sehen." " Und Du meinst, solches Opfer würde ich annehmen?" Sie blickten sich an. Wie Sterne strahlten ihre dunkelblauen Augen- diese Augen, die sich glichen wie Spiegelbilder. In Langem, innigem Kuß fanden sich zwei unschuldige Lippenpaare. Müde von den Aufregungen des Abends, müde von ihren Seufzern und Thränen legten sich die Schwestern zur Ruhe. Arm in Arm, wie sie es als Kinder gethan. Ihre goldflimmernden Haare mischten sich, ihr Athem floß füß ineinander. Und über den Zwillings- Herzen bewegte sich leis das Perlkreuz und die Koralle, die einem Blutstropfen glich. Am anderen Morgen frat die Mutter an das Bett der beiden Mädchen. " Langschläferinnen Ihr! Die Sonne scheint Euch in's Gesicht, ohne daß Ihr's merkt! Und eine Neuig feit hab' ich für Euch!" Sie schwenkte ein Blatt in den Händen. Lulu, Lolo, rathet, wer sich verlobt hat." Die Brauen zusammenschiebend, fuhr sie fort:„ Eigentlich hat er Euch Beiden ein bischen stark den Hof gemacht. Doch das thun ja Alle! Ihr seid eben zu liebe Narren mit Eurer Aehnlichkeit und Eurem Gezwitscher. Und wenn nicht irgendwo Zwillingsbrüder für Euch gewachsen sind, da werdet Ihr wohl schwerlich Männer bekommen." Wer kann sich verlobt Lulu blinzelte gleichgiltig. haben! Ich weiß nicht, Mama. Näd Nedar ΔΙ 1. Bie folgend die bei auf N à 1000 Umstad winnne Gewin 25497,4 Nr. 22 winne 5473, 15559, 22694, 36365, 84597. berg ersten Gegen unjerer und u Etabli fehr st wurde führte Heuna waar Die b Dem gefte lich einen ruber nuc das ident Die F werte bon Wend gewi Sum Lolo griff nach dem Blatt und blickte hinein: „ Ulrich Arndt mit seiner Cousine!" Feld eines in b fich Die Schwestern richteten sich auf, Arm in Arm. Draußen an den Fenstern lag glänzender Sonnenschein und zeigte ihnen die Welt, hell, leuchtend- und so weit, so weit! tweinsteuerBundesrat, Abgabe frei Sweden bers Abänderung Freiheit nur öffentlichen en oder in et wird". den Antrag, betreffenden eiter bestehen ganzen bis icht bewährt annehmen, rde er bald Habe: Herr fangen die Streidung 3- Abgaben. en getragen, ftiges Elend widerspricht er beseitigt, fene wachsen Denn Brannt Flints Einierigen Lage ez möglichst ofraten vor, fwirte leiten das Brannt thun würden. e Behauptung nanzminifters Cesse des notein. 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Die Regierung meint, von einer Erweiterung des Gebührenbezugsrechts der Bürgermeister sei abzusehen, während Abg. Weidner ausführt, wie nötig eine bessere Bezahlung der Bürgermeister in dieser Hinsicht sei. Er wünscht, daß das Gemeindebesoldungsgesetz zur Regelung dieser Angelegenheit nicht ersi abgewartet werde, sondern daß den Bürgermeistern jetzt schon die Gebühren zuteil wurden, die ihnen gehören. Staatsminister Rothe verteidigt die Regierung gegen den Vorwurf des Vorredners und hält weitere Gebühren nicht im Interesse der ehrenamtlichen Stellung der Bürgermeister. Abg. Ulrich führt die Mißstände zum Teil auf die Zwitterstellung der Landbürgermeister zurück, die einmal egrenamtliche Funktionäre der Gemeinden seien und andererseits staatliche Beamte. Der Redner wendet sich auch gegen die Mißstände der Bürgermeister, die die Regierung sehr wohl abstellen fönnen, wenn sie einfach feinen Bürgermeister bestätige, bei dessen Wahl irgendwie freies Essen und Trinten eine Rolle gespielt. Er wünscht überhaupt Aufhebung des Bestätigungsrechts der Regierung. Hiergegen sprechen vor allem nationalliberale Redner. Da die Verhandlungen dieser beiden Anfragen fast den ganzen Vormittag in Anspruch genommen haben, erledigt die Kammer nur noch einige fleinere Interpellatio nen, ohne die Berathung größerer Gesezesvorlagen einzutreten. Bei der Anfrage des Abg. Dreher betreffend die Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes durch den Lehrer Breidenbach in Eberstadt kommt es zu einer lebhaften Debatte über das Recht der Prügelstrafe in der Schule, in deren Verlauf sich Abg. Wolff( Antis.) für die Prügelstrafe in den Schulen ziemlich begeistert ausspricht und Abg. Bades ( nt.) vor Humanitätsduselei warnt, wogegen Abg. Dr. David und Abg. Cramer sich mit guten Gründen wenden. Nächste Sigung Mittwoch. Tagesordnung: MainNedarbahn Vertrag. Giessener Cagesneuigkeiten. 口味 Gießen, 4. Juni. ▲ Das Spiel des Zufalls. Bei der stattgehabten 1. Ziehung der 3. Klasse der V. Landeslotterie wurden folgende größere Gewinne gezogen und entfielen auf die beigesetzten Losnummern. 1. Gewinn von 3000 m. auf Nr. 19338( Franz Harburger in Mainz). Gewinne à 1000 M. auf Nr. 14547( W. Ittmann in GroßUmstadt), Nr. 29233( Jul. Anger in Darmstadt). Gewinnne à 400 M. auf Nr. 1843, 4128, 23011, 37920. Gewinnegà 300 m. auf Nr. 536, 4142, 17210, 19624, 25497,40123, 45833, 53105. Gewinne à 250 M. auf Nr. 2216, 3731, 43332, 46465, 53260, 54759. Gewinne à 200 m. auf Nr. 826, 1074, 2757, 2760, 3513, 5473, 9487, 10173, 10338, 11335, 12328, 13466, 15368, 15559, 15922, 16814, 17384, 19230, 20155, 20630, 22694, 27246, 27738, 29919, 31456, 32559, 34173, 36365, 36729, 37240, 37636, 39300, 48543, 51354, B4597.( Ohne Gewähr.) * Eisenbahnerbesuch. Der Eisenbahnberein Friedberg unternahm am verflossenen Sonntag seinen ersten diesjährigen Ausflug mit Sonderzug nach Gießen. Gegen 3 Uhr hier angekommen, wurde der Verein von unserem hiesigen Eisenbahnverein in Empfang genommen und unter Musikbegleitung nach dem Textor'schen Etablissement auf der Hardt geleitet. Der Besuch war sehr stark. Der Ausflug verlief auf das Schönste und wurde durch feinen Wißton getrübt. Gegen 10 Uhr führte ein Extrazug die Friedberger Gäste noch ihrer Heimatstadt zurück. § Preisaussteunng. In dem Kürschner- und Pelzwaarengeschäft von Kretschmar( Marktplag) find die beiden Preise, die vom Gießener Radfahrverein auf dem Fahren in Buzbach errungen worden sind, ausgestellt. * In Lonys Bierkeller kann man sich jetzt allabend lich beim Gesang dreier Kärntner Sängerinnen und einem frischen Glas Bier nach des Tages Arbeit aus ruhen. Der Garten liegt still und darum ist ein Besuch nur zu empfehlen. Im Uebrigen verweisen wir auf das Inserat in heutiger Nr. * Gelegenheit macht Diebe. Die gegenwärtig herrschende kannibalische Hize veranlaßt viele Leute, Nachts die Fenster offen zu lassen. In den oberen Stockwerken mag dies ja angängig sein, aber die Bewohner von Parterrestöcken müssen doch einige Vorsicht an wenden, denn offenstehende Fenster bilden für eine gewisse Sorte Menschen eine willkommene Gelegenheit zum Stehlen. Leichenfund. Gestern Nachmittag wurde in einer Feldscheuer an der Rodheimerstraße dahier die Leiche eines Taglöhners aus Frankenbach aufgefunden und in die Leichenhalle verbracht. * Aufgefunden. Ein hiesiger Taglöhner, welcher sich gestern Abend in frankhaftem Zustand an dem Eisenbahndamm in der Westanlage niederließ, mußte in die Klinik verbracht werden, wo er im Laufe der Nacht starb. * Nächtlicher Unfug. In vergangener Nacht fanden zwischen Studenten am Seltecsthor und am Bahnhof Schlägereien statt; in beiden Fällen find Anzeigen er hoben, ebenso wurden wegen verschiedenen Ruheftör ungen( Klavierspielen bei offenem Fenster pp.) Anzeigen erhoben. * Gießen, 4. Juni. Im Zeitungszimmer der öffentlichen Lesehalle sind Karten der Umgegend von Gießen und Touristenführer zur Einsicht dauernd aufgelegt worden. Wiederholt sei darauf hingewiesen, daß das Zeitungszimmer an den Werktagen von 6-10 Uhr abends, Sonntags von 11 Uhr vor mittags bis 10 Uhr abends jedem Erwachsenen offen steht. r. Vorsicht beim Baden. Die heiße Zeit ist wieder da, man sucht Kühlung und Erfrischung im falten Wasser. Wenn man aber in den letzten Tagen die Tageszeitungen gelesen hat, so wird man mit Staunen sehen, wie viele Menschenleben schon beim Baden dahin gegangen sind. Man sehe sich daher vor. 1. Soll sich keiner in ein Schwimmbassin oder gar freies Wasser wagen, wenn er nicht unter Aufsicht eines Schwimmlehrers bewiesen hat, daß er mindestens eine Viertelstunde schwimmen kann. 2. Soll man die wenigen Heller nicht scheuen und in einer Badeanstalt baden, wo der Schwimmmeister sofort bei plöglichen Aufällen wie Krampf u. dergl. Hilfe leisten fann. 3. Darf man nie ins Wasser gehen, ohne sich etwa 5 Minuten abgekühlt und mit faltem Wasser gewaschen oder getuscht zu haben. Es möge jedem als Warnung vor Augen stehen, wie viele Menschen schon, wenn sie erhitzt plöglich ins falte Wasser sprangen, durch Herzschlag u. dergl. ein frühzeitiges Ende gefunden haben. Möchten doch auch Eltern strengstens darüber wachen, daß ihre Kinder nicht leichtsinnig baden. - Im Monat Juni ist Jagdzeit für Schwarzwild, männl. Edel- und Damwild, Rehböcke, alles Raubzeug, männl. Edel- und Damwild, Rehböcke, alles Raubzeug, wilde Kaninchen, wilde Tauben, alles Wild, welches im Großherzogtum Hessen oder in dessen nächster Umgebung nicht setzt oder nistet. Heegzeit für weibl. Nehwild, Auer, Birk- und Fasanen- Hähne, Enten, Schnepfenarten, Brachvögel und Kibige, Rebhühner und alles übrige Wild. - § Der Rosenmonat ist mit tropischer Hize in Erscheinung getreten; was der Mai gesündigt hat, scheint er doppelt wieder gut machen zu woben. Kaum ist die sommerliche Hitze zur Geltung gelangt, gleich machen sich ihre Folgen bemerkbar. Am Rhein hat es mehrfach schwere Gewitter gegeben und eingeschlagen. Bei uns hat es merkwürdigerweise noch nicht gebligt und gedonnert wir wollen hoffen, daß uns die Wohlthat einer solchen Luftreinigung und Kühlung von oben bald einmal beschieden ist. Uebrigens ist die„ Glutwelle", wie die Meteorologen sagen, über ganz Deutschland und Desterreich gleichmäßig ausgebreitet. In Marienbad waren am Sonntag 33 Grad Celsius im Schatten. So weit haben wir Gießener es allerdings noch nicht gebracht. In unseren herrlichen Waldungen ist's aber immer hübsch fühl, selbst in den Hundstagen. - Die zulässige Fahrgeschwindigkeit für die Eisenbahnen Deutschlands ist nach einem Erlaß des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten unter besonders günstigen Verhältnissen von 90 auf 100 Kilometer in der Stunde erhöht worden, um einen etwas größeren Spielraum zwischen der fahrplanmäßigen und der höchsten zulässigen Fahrgeschwindigkeit zu gewinnen, damit die Lokomotivführer nötigenfalls fleine Verspätungen einholen fönnen, ohne in Gefahr zu geraten, die gesetzlich zulässige Fahrgeschwindigkeit zu überschreiten. Ob dieser Betriebsfortschritt nun gerade dazu beitragen wird, die in letzter Zeit sich erschreckend mehrenden Eisenbahnunfälle zu vermindern, ist eine andere Frage. - Aus Hessen und Dachbargebieten. * Vou hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Klaviermacher Adam Fischbach aus Hörde wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Gießen; Biehschweizer Ernst Christian Rabe aus Langenchursdorf wegen Diebstahls vom Amtsanwalt zu Büdingen; Johann Dietrich Lichtenhan aus Grebenstein wegen Entweichens vom Polizeiamt Gießen; Anstreicher Franz Varwig aus Soest wegen Widerstands u. s. w. von der Staatsanwaltschaft Gießen; Dienstknecht Heinrich Drege aus Göttingen wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Gießen; Schuh macher und Taglöhner Heinrich Friza es aus Gößen wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Gießen; Dienstknecht Peter Hebert aus Haselbach wegen Körperverlegung vom Amtsanwalt zu Friedberg; Dienstknecht Wilhelm nöß aus Utphe wegen Betrugs vom Amtsanwalt zu Büdingen; Maurer Konrad Stod aus Schlitz wegen Strafvollstreckung vom Amtsgericht Laubach. - der reichen Blütentracht war es den Bienen nicht möglich dieselben auszunuzen, fie mußten in ihren Stöcken harren. Für die Mitglieder des Oberhessischen Bienen- Vereins wird bei genügender Beteiligung Herr Pfarrer Ellenberger zu Ortenberg vom 29. Juni bis 7. Juli einen Kursus abhalten. a. Hohensolms. Ein junger Mann aus Altenkirchen, welcher borigen Samstag einen Wagen Lohe nach Gießen gebracht hatte, erlitt auf dem Heimweg zwischen Hohensolms und seinem Heimatdorf ein Unglück, das seinen Tod zur Folge hatte. Man fand ihn am Sonntag Morgen als Leiche neben seinem Wagen liegen, der Wagen lag umgestülpt und das Pferd war noch halb angeschirrt und grafte bei der Unglücksstätte. Da fich an jener Stelle eine starke Kurve mit starkem Gefälle befindet, so mögen diese wohl die Ursache zu dem Unglück gegeben haben. b. Bieber b. Rodheim. Das Emporblühen unseres Dörfchens hat auch die Vergrößerung der Schule nach sich gezogen. Das noch ziemlich neue Schulhaus bat einen Anbau erhalten, welcher für die zweite Schulklasse vorgesehen ist. Derselbe geht soeben seiner inneren Vollendung entgegen, sodaß mit Herbst die zweite Schulstelle eröffnet werden kann. Die Kinderzahl beträgt weit über 100 Schüler. - Darmstadt. Prof. Dr. Berghoff- Ising hielt legten Samstag vor etwa 400 hessischen Volksschullehrern einen Vortrag über Volkswirtschaftslehre. Diesem Vortrag sollen an den nächsten fünf aufeinander folgenden Samstagen fünf weitere Vorträge über den= selben Gegenstand folgen. Jeder Teilnehmer entrichtet einen einmaligen Beitrag von 4 Mk. zur Bestreitung der Kosten, der Ueberschuß ist für wohlthätige Zwede bestimmt. Ein ähnlicher Vortragszyklus soll im Herbst stattfinden, wobei ein Professor aus Straßburg über Pädagoik sprechen wird. Für beide Vortragszyklen haben sich zezt schon 600 Lehrer gemeldet. " In Bingen scheint es sehr gebildete Studierende" zu geben. Dem, M. A". wird aus Bingen geschrieben: Samstag Nacht wurde das Fuhrwerk eines hiesigen Wirtes von mehreren jedenfalls angeheiterten Studierenden des Rhein. Technikums angehalten. Der Wagenführer erhielt mehrere Messerstiche in den Kopf. Bingen, 2. Juni. Heute ertrank in der Nähe der 19 Jahre alte Küfergeselle Ernst Caspary von Enkirch bei Traben a. d. Mosel. Er war zum Baden gegangen und ist, trotzdem er schwimmen fonnte, ertrunken. Jedenfalls bekam er einen Krampfanfall. - Bei Ippesheim ertrank in der Nahe beim Baden der 20 jährige Sohn des Schreinermeisters Wirth von Biebelsheim. Der Ertrunkene war der einzige Sohn. Aus dem Gerichts[ aal. Koburg. Das Schwurgericht verurteilte den 57 Jahre alten Steueramtsrendanten Nat Frank aus Sonneberg wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren& hrverlust. Frank hatte, nachdem er das ca. 125,000 Mt. betragende Vermögen seiner Frau durchgebracht hatte, Amtsgelder im Betrage bon 37 348 M., sowie die ihm anvertraute Staution eines Mühlenbefizers Namens Gumpert aus Mupperg unterschlagen, sowie die verwittwete Frau Realschuldirektor Martin von hier um 10 000 Mt. gebracht. Der Staatsanwalt hatte 7 Jahre Zuchthaus beantragt. Neueste Nachrichten. * London, 4. Juni. Der Kaiser von Japan, sowie der Minister des Aeußern sandten anläßlich des Friedens. schlusses Glückwunsch- Telegramme an die englische Regierung. London, 4. Juni. Man glaubt, daß die englische Regierung dem Präsidenten Krüger und seinen Ratgebern mit Ausnahme des Dr. Leyds freies Geleit nach Südafrika geben wird. Die Bedingungen, welche Krüger gestellt werden sollen, gehen nur dahin, daß Krüger fich auf seiner Farm aufhalten soll. Wenn die Buren hiermit einverstanden seien, werde Krüger und den übrigen Burenvertretern ein Kreuzer zur Verfügung gestellt werden. Aus St. Helena wird gemeldet: Die Nachricht vom Friedensschluß wurde von den gefangenen Buren mit großer Freude entgegen genommen. Viele glauben noch immer, daß der Friede auf der Basis der Una bhängigfeit abgeschlossen set. * Barcelona, 4. Juni. 12000 Arbeiter sind ausständig und nehmen eine sehr erregte Haltung an. Die Polizei verhaftete mehrere Anarchisten. Weitere Vorfichtsmaßregeln zur Aufrechterhaltung der Ruhe werden von den Behörden getroffen. Briefkasten. R. R. in G. Sobald die Punttationen des Friedensvertrags in Kraft getreten sind, ist der freie Zuzug nach Östafrika wieder gestattet. Es ist jedoch ratsam, mit eventueller Einwanderung noch einige Monate zu warten, da sich die Verhältnisse in Transvaal allerlei unvorhergesehene Scherereien erwachsen. erst noch flären müssen. Während des Uebergangsstadiums können Was in der Stadt und auf dem Lande vorgeht * Marburg. Beim Ererzieren auf dem vor der Kaserne gelegenen Kämpfrasen stürzte eine Anzahl Mannschaften des hiesigen Jägerbataillons zusammen. n. Nidda, 4. Juni. Am 15. Juni findet in unserer Stadt der 5. Kreisfeuerwehrtag des Kreises Büdingen statt. Das Programm lautet: Vorm. 10 Uhr: Delegierten- Versammlung. Mittags 12 Uhr: Gemeinsames Mittagsmahl. Nachm. 2 Uhr: Aufstellung der verschiedenen Feuerwehren mit anschließeuder Uebung. Vom Lande. Nicht besser hätte sich der Juni als Nachfolger des diesjährigen traurigen Mai auch für die Bienenzüchter einführen können, als daß er den Butzbach, Friedberg, Wezlar und Marburg erwünscht lieben Bienlein heißen Sonnenschein brachte. Bei all melde man den Gießener Neueste Nachrichten." Berichterstatter in allen Orten der Kreise Gießen, „ Gießener Neueste Nachrichten". 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Nr. 116 erlaubt sich zu einem Cyklus von Abonne: ments Konzerten einzuladen. Die Konzerte finden in Steins Garten statt. Dieselben werden mit Militärmusik ausgeführt, wozu ein musik und funst: Itebendes Publikum eingeladen wird. 1004 Der Abonnementspreis für 6 Konzerte beträgt: Familienbillet bis zu 4 Personen à Mit. 7.Familienbillet bis zu 3 Personen à 6.Personenbillet Kassenpreis Die Liste zirkuliert. 11 à à 2.20 0.50 " Der Anfang der Konzerte wird in den Gießener Neueste Nachrichten" bekannt gegeben. C. Krausse, Großh. Musikdirektor. Karten im Vorverkauf sind bei Herrn Ernst Challier, Neuenweg, zu haben. Um irgend welchen Irrungen und Unannehmlichkeiten vorzubeugen, mache hiermit bekannt, daß Aufträge und Bestellungen für die Gießener Verlagsdruckerei und den Verlag der „ Gießener Neueste Nachrichten" bon jetzt ab unr von mir gegeben werden. Eis. " Hochachtungsvoll Albin Klein. Eis. Eis. Meine Eiswagen fahren vom 1. 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Juni, beging der Verband der Gabelsberger Stenographen des Main- Rhein- Gaues und von Hessen Nassau ſein 23. Verbandsfest in Wetzlar, begünstigt von herrlichstem Wetter und überaus zahlreicher Beteiligung seitens der Verbandsmitglieder und der gesamten Bevölkerung Weglars. Schon zum Kommers am Samstag abend hatte sich eine stattliche Zahl auswärtiger Stenographen eingefunden, so daß der Vorfigende des Weylarer Stenographenvereins, Lehrer Velten, mit Recht seiner Befriedigung über den zahlreichen Besuch in beredten Worten Ausdruck verleihen konnte. Der Hauptteil des Festes am Sonntag, begann mit einem Verbandswettschreiben in 6 Abteilungen von 80 bis 220 Silben im Königl. Gymnasium, während für diejenigen, die an dem Wettschreiben nicht teilnahmen, ein Frühschoppen im Garten des Römischen Kaisers" stattfand. Bei der akademischen Feier, die im„ Schützengarten" abgehalten wurde, begrüßte Bürgermeister v. 3 engen namens der Stadt Wezlar, der Verbandsvorsitzende Lehrer Zieprecht- Gießen namens des Verbandes und Lehrer Velten- Weglar namens des Wetzlarer Stenographenvereins die stattliche Festversammlung. Dr. Gantter Frankfurt sprach in einem ca. einstündigen, mit großem Beifall aufgenommenen Fest: bortrag über die Schnellschrift Gabelsberger im Kampfe der Stenographensyste me". Im Anschluß an die akademische Feier nahm der Vorfißende des Stenographenvereins Gießen, Kreisamtsbureauvorsteher Schiffnie, im Namen des genannten Vereins die Gelegenheit wahr, dem ehemaligen Verbandsvorsitzenden, Realschuldirektor Professor Dr. PizzAlsfeld, seine Ernennung zum Ehrenmitgliede des Stenographenvereins Gießen, dessen langjähriger Vorsitzende derselbe war, bekannt zu geben und ihm eine prachtvoll ausgeführte Urkunde hierüber zu überreichen. Nach dem hierauf stattfindenden Festessen wurden unter Führung des Rektor Querssen die Sehenswürdigfeiten der Stadt besichtigt, von denen hauptsächlich das Lottezimmer, der Dom, der Göthebrunnen, das Göthe denkmal und der Kalsmunt lebhaftes Interesse erweckten. Den Schluß des Festes bildeten ein Konzert, im Schüßengarten, zu dem der Zudrang der Weglarer Bevölkerung äußerst groß war, und ein um 8½ Uhr beginnender Festball, der die Teilnehmer noch recht lange zusammenbielt. In einer furzen Besprechung der Vereinsvertreter wurde Erbach i. O. als Ort für den nächsten Verbandstag ausersehen. Zum südafrikanischen Frieden. * London, 3. Juni. Sämtliche Blätter cominentieren die Friedens- Bedingungen. Daily Mail meint, daß die finanziellen Bedingungen sehr großmütig seien, besonders dadurch, daß die Buren von jeder SpezialSteuer befreit sind. Es werden also die uitlanders sein, welche neben den Engländern in der Heimat die Kriegssteuer in gewissen Proportionen zu zahlen hätten. Dasselbe Blatt billigt vollständig das Geschenk von 3 Millionen Pfund an die Buren und glaubt, daß die Erlaubnis, die holländische Sprache in den Schulen zu lehren, sehr viel zur Beruhigung der Gemüter beitragen werde." Morning Leader" fann es nicht begreifen, daß die Buren die englischen Bedingungen annehmen fonnten, wenn sie nicht die Gewißheit erhalten hätten, daß die Kaprebellen bald amnestiert würden. Die Krönungs- Feierlichkeiten würden hierüber Aufschluß geben. Berlin, 3. Juni. Der über die Kap- Aufständischen verhängte Wahlrechts- Verlust wird, wie in gut informierten Kreisen angenommen wird bereits anläßlich der Krönung eine erhebliche zeitliche Reduktion vielleicht bis auf 7 oder 10 Jahre im Gnadenwege erfahren. Man rechnet, daß von dieser Klausel in der Kap- Kolonie 12 bis 15,000 Mann betroffen werden. Präsident Krüger wird, wenn die englische Regierung ihm das gestattet, nach Südafrika bald zurückkehren, um dort seine letzten Tage zu verbringen. Paris, 3. Juni. Auf Antrag eines Mitgliedes beschloß der Gemeinderat, den Präsidenten Krüger und Stein eine Sympathie- Adresse zu senden. * Brüssel, 3. Juni. Dr. Leyds ist aus Paris kommend hier eingetroffen. Er lehnte jedes Inter: view ab. Brüssel, 3. Juni. Botha telegraphierte an seine hier weilende Frau, daß er im nächsten Monat nach Brüssel kommen werde. Vermischtes. * Wiesbaden. Der Direktor Gloé, Leiter einer in der„ Walhalla" gastierenden Operettentruppe, ist unter Hinterlassung seiner ganzen Truppe von hier verschwunden. Berlin, 3. Juni. Bei einer überaus anstrengen den Marschübung ist der Gefreite Paul Zenker von der Mittwoch, den 4. Juni 1902. 4. Komp. des Garde- Jäger- Bataillons infolge der großen Hize von einem Hitzschlag betroffen worden, dem er erlag. Etwa 60 Jäger wurden marode. * Berlin, 3. Juni. Die beiden Mörder der am 3. April ds. Js. auf der zum Bismarck- Archipel gehörigen Insel Neu- Pommern mit ihrem Kinde über fallenen Frau Wolff sind von Eingeborenen erschlagen und verzehrt worden. Die Polizei hat gebratene Teile ihrer Körper aufgefunden. Der Anstifter der Mordthat wurde von den Polizisten erschossen. * Amsterdam, 3. Juni. Einem Diamantenhändler wurden gestern, während er sich zur Börse begab, 95 000 Frants gestohlen. * Augsburg. Der Wirtssohn Ludwig Schwarz von Hegelhofen bei Neuulm unterhielt ein Verhältnis mit der Tochter des Gemeindedieners von Beuren. Als seine Eltern dies nicht länger dulden wollten, beschlossen Sonntag Abend in der Wohnung des Mädchens ausdie zwei, zusammen zu sterben und wollten dies am führen. Als deren Vater dazu kam, erschoß Schwarz zuerst diesen, verwundete dann das Mädchen tötlich mit drei Revolverschüssen und entleibte darauf sich selbst. 11. Jahrgang. Schiedsamt, Alterspensionen, Achtstundentag. Außerdem eine neue Bodengesetzgebung und Frauenstimmrecht. Die Universität Gambridge hat den früheren Fabrikarbeiter und Goldgräber als Gesetzgeber der Musterfolonie zum Ehrendoktor der Rechte ernannt. Seddon ist ein fanatischer Imperialist, der die Fortführung des Krieges bis zur bedingungslosen Unterwerfung der Buren verlangt. Centralstelle für Obstverwertung in Frankfurt a. M. Die Zeit der Reife verschiedener Obstsorten, wie Erd-, Johannisund Stachelbeeren, Heidel- und Himbeeren, Kirschen, Aprikosen, Mirabellen, Pfirsiche, Pflaumen 2c. ist da oder steht nahe bebor und wir wollen daher alle Produzenten und Kaufliebhaber wieder auf die Centralstelle für Obstverwertung in Frankfurt a M., Gneisenaustraße 15, aufmerksam machen, die es den Verkäufern und Käufern so sehr leicht macht, die Obsternte an den Mann zu bringen, bezw. den Bedarf an Obst zu decken. Die Interessenten haben nur das zur Verfügung stehende Quantum oder die benötigte Menge der Centralstelle anzugeben, um sofort von dieser, und zwar ohne daß irgend eine Vergütung für die Vermittelung zu zahlen wäre, mit einer größeren Zahl von Produzenten und Kaufliebhabern in Verbindung gesezt zu werden. Bedingung ist nur, daß das abge= setzte oder erworbene Quantum immer sofort der Centralfte lle und Birnen, jetzt schon Anmeldungen angenommen. * Paderborn. Samstag Vormittag wurde Leutnant Sparr von einem Higschlag getroffen. Der Verunglückte mitgeteilt wird. Es werden auch für Spätobſt, insbesondere Aepfel starb abends. Er hatte seinerzeit an der Expedition nach China teilgenommen. Im hiesigen Lazareth liegen noch sechs Mann am Hitschlag darnieder. * Wien, 3. Juni. Heute Vormittag fand in der hiesigen technischen Hochschule eine lärmende StudentenDemonstration gegen den Professor Schmid statt. Der Rektor drohte infolgedessen die Sistierung der Vorlesungen an. Mährisch- Ostrau, 3. Juni. Auf den Koblengruben der Nordbahn Alexanderschacht, Johannesschacht und Barubeckschacht sind die Untertags- Arbeiterinnen in den Ausstand getreten. Sie verlangen neunstündige Arbeitszeit. * Rom, 3. Juni. Auf dem Dampfer Montenegro, welcher italienische China- Truppen heim befördert, ist die Cholera ausgebrochen. Es sind bereits mehrere Todesfälle zu verzeichnen. Hochschulnachrichten. Dozent Karl Pagel an der technischen Hochschule zu Berlin ist zum etatsmäßigen Professor an dieser Hochschule ernannt worden. Der Direktor des landwirtschaftlichen Instituts an der Universität Jena und außerordentlicher Professor an der philosophischen Fakultät Dr. Wilhelm Edler ist zum ordentlichen Professor und Lehrer des landwirtschaftlichen Instituts, Privatdozent Dr. v. Nathusius aus Breslau zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät ernannt worden. Der Direktor der Sternwarte in Göttingen, Göttingen, Professor Karl Schwarzschild, ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. Als Rektor der technischen Hochschule zu Braunschweig wurde für die nächsten zwei Jahre der derzeitige Rektor, der Professor der Chemie, Medizinalrat Dr. H. Becurts, wiedergewählt.- In der philosophischen Fakultät der Stadt Würzburg habilitierte sich Dr. Christoph Scherer mit einer Probevorlesung über die Stellung des Sokrates in der griechischen Philosophie". Der als Nachfolger des verstorbenen Professors W. Schimper zum Ordinarius für Botanik an der Universität Basel ernannte Professor Dr. Alfred Fischer, bisher außerordentlicher Professor an der Universität Leipzig hielt seine Antrittsvorlesung über das Thema:„ Die Pflanze und der Stickstoff". Der außerordentliche Professor des Hochbaues an der deutschen Technischen Hochschule in Prag, 3denko Ritter Schubert v. Soldern ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. Der seitherige Privatdozent in der philosophischen Fakultät der Universität Göttingen, Professor Dr. Leopold Am bronn, ist zum Professor ernannt worden. Kleines Feuilleton. Vom Fabrikarbeiter zum Premier= minister von Neuseeland hat es Richard Seddon ge= bracht. Er wurde am 22. Juni 1845 in Eccleston Hill in der englischen Grafschaft Lancashire als der Sohn eines Schullehrers geboren. Nach seiner Entlassung aus der Elementarschule fam er in eine Maschinenfabrik in die Lehre, in der er fünf Jahre verblieb. Das Goldfieber verlockte ihn nach Viktoria, wo er in den Goldfeldern arbeitete. Jedoch nach kurzer Zeit siedelte er nach Neuseeland über, wo er bald lebhaften Anteil zuerst in die Lokalverwaltung gewählt und brachte es an den öffentlichen Angelegenheiten nahm. Er wurde im Jahre 1878 zum Bürgermeister von Kumara. Ein Jahr darauf wurde er auch ins Parlament geschickt, in dem er sich ununterbrochen bis jetzt behauptete. Im Jahre 1891, nach dem endgiltigen Sturz des fonservativen Kabinetts, trat Seddon als Arbeitsminister in die Reformregierung ein. Im Jahre 1892 starb ihr Premierminister Mr. Ballance und an seine Stelle trat Mr. Seddon. Unter seiner Premierschaft wurde im Laufe der legten zehn Jahre die ganze Arbeiterschutzgesetzgebung geschaffen, die Nenseeland berühmt Jemacht hat: Unfallentschädigung, Versöhnungs- und Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße Nr. 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern( Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 geöffnet. Angebot der Arbeitnehmer: 2 Installateure, 1 Krankenpfleger, 1 Glaser, 1 Schlosser, 3 Heizer, 1 Schuhmacher, 4 Hausdiener, 3 Taglöhner, 1 Fuhrknecht, 1 Schweizer, 1 Lauffrau, 1 Näherin, 1 Bureaugehilfe. Nachfrage der Arbeitgeber: 2 Spengler, 1 Küfer, 1 Schuhmacher, 2 Schreiner, 7 Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 1 Backerin, 1 Näherin. Lehrlinge: 1 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schlosser. AMTLICH GLÄNZEND BEGUTACHTET: NUR SALUTARIS 25 Pfo TOILETTE- FETT- SEIFE NUR 25 Pfg Unübertroffen für Baut- u Teintpflege: Rein, mild, sparsam, C. Naumann, Seifen- u. Parfümeriefabrik, Offenbach a.M. Marianne Wulf, Schiller- Theater, Berlin, schreibt: „ Eine ganz vorzügliche Seife ist Aok"; sie ist sehr milde und erhält die empfindlichste Haut zart und weich!" HOK- SEIFE Die Aot- Seife( Kräuter- Sahnen- Seife) ist infolge threr eigenartigen Zusammenseßung nnd ihrer einfachen durch die Aok- Methode gegebenen Anwendungsvorschriften, welche jedem Stück Seife beiliegen, das beste, weil natürlichste und erfolgreichste Teintpflege- Mittel der Gegenwart. Beschent- Packung A, in fünstlerischer Kartonausstattung, 1 Stück Mt. 1.50, 3 Stüd Mr. 4.50. 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Mit dem heutigen Tage ist der Verlag und die Druckerei der وو Giessener Neueste Nachrichten", welche von mir, dem früheren Besitzer, provisorisch übernommen wurde, mit allen Aktiven käuflich in den Besitz des Herrn Redakteur Albin Klein aus Oberingelheim übergegangen, welcher das Geschäft unter der Firma Giessener Verlagsdruckerei Albin Klein Verlag der„ Giessener Neueste Nachrichten" weiterführt. دو An alle Freunde und Gönner der Giessener Neueste Nachrichten" richte ich hierdurch die ergebene Bitte, in Rücksicht darauf, dass eine zweite Zeitung in Giessen ein unbedingtes Bedürfnis ist, das Unternehmen wie bisher recht thatkräftig zu unterstützen. Die finanzielle Bonität und die fachmännische Routine des neuen Besitzers Herrn Albin Klein bürgen dafür, dass das Bestmöglichste geboten wird und alle Aufträge gediegen und coulant erledigt werden. 19791 Giessen, 1. Juni 1902. Hochachtungsvoll Emil Bommert. Höfl. Bezug nehmend auf Obiges gebe hiermit zur gefl. Kenntnis, dass ich am heutigen Tage die Giessener Verlagsdruckerei vorm. Wilh. Kellersche Druckerei nebst Verlag der ,, Giessener Neueste Nachrichten" käuflich erworben habe. Es soll allezeit meine vornehmste Aufgabe sein, das Geschäft auf solider u. gesunder Basis zu erhalten u. zu führen. Mit allen Kräften und aller Zuversicht werde ich, gestützt auf meine von der Pike auf begonnene fachmännische und redaktionelle Thätigkeit bestrebt sein, das Vertrauen meiner werten Geschäftsfreunde zu festigen und zu heben. Möge man mir darum auch mit dem vollen Vertrauen entgegenkommen und mich in meinem, unter sehr schwierigen Verhältnissen übernommenen Unternehmen gütigst unterstützen. Die Geschäftswelt, die Beamtenschaft, der Handwerker, der Landwirt, wie der einfache Mann, sie alle mögen die Versicherung entgegennehmen, dass einer wie der andere bedient wird; alle Aufträge zu coulanten und civilen Preisen sauber und geschmackvoll ausgeführt werden. Sämtliche laufende Aufträge, mögen es Inserate oder Drucksachen sein, sind zu den bekannten Vereinbarungen übernommen worden, für deren prompte Erledigung ich streng bemüht sein werde. Ich habe das Geschäft mit sämtlichen Aktiven gekauft und richte hiermit die Bitte, alle noch offenstehende Gelder an mich abführen zu wollen. Hochachtungsvoll Giessen, 1. Juni 1902. Albin Klein, Inhaber der Giessener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller, und der Giessener Neueste Nachrichten. Kalk- und Marmorwerke, Dampfziegelei| Eine Partie gebrauchte Fahrräder billigst abzugeben. Nr Abonne in's Hau 950 Gratio Oberhe Ferner empfehle meine Reparaturwerkstätte für Fahrräder, Nähmaschinen usw., für aute Arbeit wird garantiert. Ersatzund Zubehörteile zu den billigsten Preisen. 3ng. Gabriel jr., Gießen PFLEGE DEIN HAAR Aug. Maßenfabrikation. Werke Abendstern. ( 559) - Bahnanschlüsse. Telephon Nr. 84. 00000 0000 Baby- Ausstattungen in grösster Auswahl. Fritz Nowack Ausstattungs- Geschäft und Wäsche- Fabrik. 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