Nr. 125. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mt. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartensan, sowie die Gießener Seifenblase( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Dienstag, den 3. Juni 1902. Gießener 11. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Bfg., fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzelle 30 refp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3082. Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. In unsere geschätzten Beser und Beserinnen! " Die heutige Nummer der„ Gießener Neueste Nachrichten" begleitet ein frisches Glück auf", das umsomehr von Herzen kommt, weil infolge der zu Anfang dieses Jahres erfolgten Zahlungseinstellungen der früheren Besiger man verschiedentlich das Weitererscheinen der „ Gießener Neueste Nachrichten" in Zweifel zog. Die treuen Abonnenten, Inserenten und wahren Freunde, wie auch, man kann getrost sagen, ein sehr großer Teil der Einwohner Gießens und seiner Umgebung haben aber anders vertraut und dieses Vertrauen im Verein mit der uns aus dem Publikum heraus gewordenen Aufmunterung, dem Volke die Zeitung zu erhalten, dieses Vertrauen genügte uns, das Werk neu aufzunehmen und wir werden uns dessen stets würdig zu erweisen suchen. - Es sind zweifellos schwere Aufgaben und große Mühen, die uns zufallen wir sind uns dessen wohl bewußt aber der Gedanke und die Thatsache, daß Gießen und seine gut bevölkerte Umgebung noch Raum, ja Bedürfnis für eine zweite Tageszeitung hat und das trene Festhalten unserer alten Abonnenten geben uns den frohen Mut und die feste Zuversicht, daß unser Beginnen nicht gewagt ist. Mit derselben Zuversicht bitten wir alle, die bisher den„ Gießener Neuesten Nachrichten" wohl gesinnt waren und ihnen durch Abonnements- und Inseratenaufträge wie durch redaktionelle Unterstüßung das Weiterbestehen sicherten, auch fernerhin in Anhänglichkeit zu uns zu stehen. Getreu alten Traditionen werden die Neuesten Nachrichten" auch in Zukunft ihre vornehmste Aufgabe darin erblicken, freimütig und unabhängig alles Wahre, Gute und Schöne zu pflegen und zu fördern. Was zur Orientierung in Gießens Mauern, in unserer engeren Heimat, im Vaterlande und draußen im großen Welttheater nötig ist, alles das werden wir sachlich, anständig und in einer einfach verständlichen Kürze bringen. Die„ Gießener Neueste Nachrichten" sollen ein Glied der guten Presse sein, das es mit den Gesamtinteressen des deutschen Volkes sowohl in nationaler wie wissenschaftlicher Beziehung wohl meint. Die Gießener Neueste Nachrichten" wollen ferner ein echtes Familienblatt, ein gern gesehener Gast und Freund des Hauses sein. Die Devise: Alles durch unsere Leser!" „ Alles für unsere Leser! soll unser Alpha und Omega dabei sein. Das ist's, was wir wollen und was wir mit Unteestäßig bewährtec Rcäfte leisten zu kön nen versprechen dürfen. Das Weitere steht bei unseren geschäßten Lesern und zahlreichen Freunden, zu denen wir ja das Vertrauen haben, daß sie den neuen Herausgeber der ,, Gießener Neueste Nachrichten" in seinem Unternehmen unterstüßen. Mit herzlichem Dank für das treue Festhalten und die Unterstüßung in der Uebergangszeit möge die heutige Nummer von allen werten Abonnenten und Inserenten in die Hand genommen werden, mit demselben Dank mögen die Gießener Neueste Nachrichten" ihre täglichen Wanderungen beginnen und unser Glück auf" überall kräftigen Widerhall finden. Gießen, 2. Juni 1902. " " Redaktion und Uerlag der„ Gießener Neueste Nachrichten" Albin Klein. Im Personenzuge. Waggon Skizzen von Ernst Feldern. ( Nachdruck verboten). Schwerfällig rollte der Bummelzug durch die Haide. Exzellenz von Arenstein hockte mißmuthig in seinem Abtheil erster Klasse und starrte gelangweilt zum Fenster hinaus: struppiges Haidekraut rings umher, ein paar armselige Kiefernstämmchen, am Horizont und darüber ein trüber Himmel, aus dem regenschwere Wolken herniederhingen. " Scheußliche Gegend", knurrte er und griff wieder nach der Zeitung. Aber die Buchstaben tanzten vor seinen Augen, sodaß er das Blatt in die Ecke warf. Seine Gedanken beschäftigten sich ausschließlich mit der Affäre" und er begann mit deren Rekapitulation. - Vor etwa drei Jahren hatte er sie fennen gelernt; in dem Mann, der bisher einsam durch's Leben gewandert war, nur seinem Beruf, seiner Pflicht lebend, war die lodernde Flamme des Johannistriebes emporgeschlagen. Sein Verstand, sein Gefühl riefen ihm„ Nein" zu, sein Herz, seine Begierde ließen von Tag zu Tag das„ Ja“ lauter und mächtiger in ihm ertönen. In den Adern Wanda's rollte Theaterblut, er wußte es; Wanda war leichtfertig, flatterhaft, das würde sich verlieren, tröstete er sich; Wanda war arm, das war keine Schande, zumal er mit Glücksgütern reich gesegnet war. So war eines Tages Wanda seine Gemahlin ge= worden. - - Der Stern des Glückes schien ihm aufgegangen! Sein Glück wäre auch rein und ungetrübt gewesen, wenn ihm nicht oft ein unheimliches Gefühl aefomnien wäre: " das der Angst, der Furcht. Er ängstigte sich um seine Frau, er fürchtete für seine Frau. Seine Freunde behaupteten: mit Recht, er behauptete: mit Unrecht, bis... bis, ja, bis die Affäre" begann. Natürlich war es ein Schauspieler gewesen, wiederum Theaterblut! Der war schließlich mit Wanda durchgegangen bei Nacht_und Nebel, die Affäre" war unheimlich schnell zu Ende. Für die Welt, aber nicht für ihn! Denn er konnte Wanda nicht vergessen, alle Fasern seines Herzens hingen an ihr, all' sein Denken galt ihr, sein Empfinden. - 11 Nun war heut Morgen dieser Brief gekommen: aus Dromdorf. Von diesem armseligen Nest in der Haide hatte er noch nie etwas gehört, der Inhalt des Briefes aber genügte, daß er sich sofort mit dessen geographischer Lage bekannt machte. Eine Stunde später fuhr Exzellenz von Arenstein zur Bahn und nun saß er in diesem Bummelzuge, der mit schneckengleicher Langsamkeit seinem Ziele zufroch. Was in dem Briefe stand? Pah,- für ihn Nichts, gar nichts Neues. Er hatte es gewußt und gefühlt, daß es so kommen würde: ihr Verführer hatte sie verlassen, frank und hilflos lag sie im Dorfwirthshaus. Mit einer Schmiere" waren sie in den letzten Monaten durch das Land gezogen... Wenn er fie noch ein Mal sprechen, wenn er ihr Verzeihung gegewähren wolle, dann solle er nicht zögern, denn. Station Dromdorf!" rief der Schaffner, Bremsen knarrten und der Zug hielt. die Exzellenz von Arenstein blickte theilnahmlos auf die Wellblechbude, die als Warteraum diente, auf den Beamten, der Inspektor, Fahrkartenverkäufer, Gepäckabfertiger in einer Person war, dann kletterte er auf den Bahnsteig hinunter. Während der kurzen Dauer der Fahrt schien er um ein Jahrzehnt gealtert zu ſein, er machte den Eindruck eines gebrochenen Mannes, dieser Fahrgast erster Klaife! Keuchend und pustend setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Nebenan im Abtheil zweiter Klasse saß ein wunderliches Paar. Er in langem schwarzem Rock mit engen Aermeln, hohem Vatermörder mit schwarzem Halstuch, großen farrirten Pantalons; fie in schwarzem Seidenfleid, weißem Häubchen und wollenem Umhängetuch. " Hm", hatte der Alte vor einer Stunde erklärt und aufmerksam die Gegend gemustert, geändert hat sich hier Nichts, die Haide bleibt eben Haide." Du hast Recht, Johann", nahm jezt die Greifin das Wort, Haide bleibt Haide." Das war bis jetzt ihre Unterhaltung gewesen und abermals brach das Schweigen über sie herein. Aber wie sie so dasaßen, Hand in Hand, wie ein Lächeln über sein gefurchtes Gesicht huschte, wie ihre Augen aufleuchteten, merkte man, daß ihre Gedanken arbeiteten und daß sie sich verstanden, auch ohne viel Worte zu machen.. " Dunnerslag!" rief der Alte plötzlich, da ist die Schweden- Kiefer, die stand vor fünfzig Jahren auch schon!" Vor einem halben Jahrhundert! Ach, das war eine böse Zeit gewesen! Jens Peters hatte das Kühehüten satt gehabt und gedroht, er werde weglaufen und nach der Stadt wandern, um was zu lernen. Laßt ihn laufen", hatte der Schulze gesagt, aus dem Kerl wird doch Nischt." So hatte der„ Kerl" sein Bündel geschnürt und war der Großstadt zugewandert. Einige Monate später war Katje Jensen aus dem Dorfe verschwunden." Sie ist dem Jens nachgelaufen", meinte der Schulze, Art läßt nicht von Art Und so war es auch! Katje hatte es ohne Jens in dem Heimathdorfe nicht aushalten fönnen, sie war ihm gefolgt. War das eine Freude gewesen, als fie fich wiederfahen! Und Jens hatte wirklich etwas gelernt: er war Faßbinder geworden und das war in der Hafenstadt ein Gewerbe, das seinen Mann gar redlich nährte. Er Deutsches Reich. Der Kaiser begiebt sich am 4. August an Bord der Hohenzollern" nach Rewel zur Zusammenkunft mit dem Kaiser von Rußland. Sachsen. Die neue Ergänzungssteuer wird schägungsweise etwa 4 Millionen Mark der Staatskasse zuführen. Parlamentarisches. Aus Hessen. Es liegen zahlreiche Berichte des Vierten Ausschusses der Zweiten Kammer gedruckt vor. Bezüglich des Antrages des Abg. Wolf betr. die 3igeuner beantragt der Ausschuß: Die Zweite Kammer wolle an die Regierung das Ersuchen richten: 1) Eine Polizeiverordnung für das ganze Großherzogtum zu erlassen, welche das Lagern von Zigeunern und anderen demselben gleichkommenden Bagabunten nur auf seitwärts von den öffentlichen Straßen gelegenen Plägen und nur in einer Entfernung von 20 Metern von den Straßen bestimmt. 2) In denjenigen Gemeinden, in welchen das Bedürfnis hierzu anerkannt wird, eine geeignete Sicherheitswache für vorkommende Fälle einzuführen. Bezüglich des Antrages des Abg. Diehl betr. die Unterstüßung von Gemeinden bei Anlagen von Wasserleitungen beantragt der Ausschuß, das in dem ersten Teil des Antrags gestellte Anfinnen dahin gehend zu präzisiren, daß die Regierung denjenigen Gemeinden, welche Erbauung von Wasserleitungen endgiltig beschlossen haben, helfend beisteht, sei es nach den Verhältnissen durch Zuweisung von Beiträgen aus den berfügbaren Mitteln, sei es durch Gewährung technischer Hilfeleistung der betreffenden Großherzoglichen Beamten und hiermit den Antrag Diehl für erledigt zu erklären. Die Vorstellungen der Feldschüßen des Kreises Gießen und Friedberg betr. Anstellung und Gehaltsregulierung beantragt der Ausschuß für erledigt zu erklären. Ueber den Antrag des Abg. Ohl und eine Vorstellung des Stadtvorstandes zu Groß- Umstadt, welche beide dahingehen, die dortige Realschule zn einer OberRealschule auszubauen, hat der Abg. Köhler( Langsdorf) Bericht erstattet. Der Ausschuß beantragt der entsprechenden Vorstellung der Stadt Groß- Umstadt zuzustimmen mit der Maßgabe, daß die Regierung ersucht werde, die Ausbauung der Realschule zu GroßUmstadt zu einer Oberrealschule alsbald in die Wege zu leiten. Ebenso beantragt der Ausschuß bezüglich der Vorstellung des Stadtvorstands zu Buzzbach, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, den Ausbau der Realschule zu Buzzbach zu einer OberRealschule zu veranlassen. Der Bericht des 1. Sonder- Ausschusses über die Regierungsvorlage betr. die Wohnungsfürsorge für Minderbemittelte liegt nun im Druck vor. Mit dieser Gesegesvorlage tritt das Großherzogtum zum zweiten Mal auf dem Gebiet des Wohnungswesens als erster Staat auf den Plan. Der Gesezentwurf schließt sich an das demnächst von den Ständen zu verabschiedende Gesetz über die Landeskreditkasse an, welche unter Anderem ermächtigt wird zur Hergabe von Darlehen zur Erbauung von Wohnungen für Minderbemittelte nach Maßgabe des vorliegenden Gesetzes. Eine wesentliche Bestimmung der Vorlage ist, daß die Gemeinden die verantwortlichen Träger der Bestrebungen auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge sein sollen. Die Vorlage sieht die Einrichtung einer Landeswohnungsinspektion vor, die nicht als Polizeiorgan sondern als Organ der eigentlichen Wohlfahrtspflege thätig sein soll. Der Ausschuß stimmt im Allgemeinen der Vorlage zu. brachte es zum Gesellen, und als er sein Meisterstück gemacht hatte, heirathete er seine Katje und errichtete eine eigene Faßbinderei. Er war fleißig, sie war spariam und so ging denn das Geschäft prächtig vorwärts. Von den Errungenschaften der Neuzeit freilich wollte Meister Peters nicht viel wissen, er blieb Einer vom alten Schrot und Korn, und wenn er einen Wunsch hegte, so war es der, seine Heimath nochmals wiederzusehen. Das wird unsere Hochzeitsreise", hatte er von Jahr zu Jahr Katje versichert und jetzt endlich hatte er Ernst gemacht. " Jens beschattete die Augen mit der Hand:„ Katje, der Kirchthurm!" rief er und drängte seine Frau zum Fenster. Wahrhaftig", bestätigte sie, unser Kirchthurm." Dann fuhr der Zug an Häuserreihen vorüber, an Gasthöfen, Hotels. " Hm", fnurrte Jens, da werden wir uns wohl nicht mehr zurechtfinden." Auf dem Bahnhof gab's lautes Leben und Treiben. Hotel weißer Hirsch"," Hotel brauner Bär" ,,, Dienstmann gefällig Einspänner nach Wilhelmsburg", tönte es wirr durcheinander. Jens und Katje standen rathlos auf dem Bahnsteig. Endlich faßte Jens einen Entschluß: er zündete sich seine Pfeife an, nahm Katje's Arm und spazierte mitten durch die Gassen dem Ausgang zu. Hahaha", lachte einer der Dienstmänner,„ das sind mun Fahrgäste zweiter Klasse!" Das Abfahrtssignal war eben gegeben worden, da riß der Schaffner nochmals die Thür eines Kupees dritter Klasse auf und herein stürzte ein semmelblonder Jüngling, dem ein halbes Dutzend Koffer und Kästen hinterher geschoben wurden. Alle Wetter". lachte der Blonde und jetzte sich den Kneifer auf, das war die höchste Eisenbahn..." da zog die Lokomotive etwas " Preussischer Landtag. Berlin, 2. Juni. Auf der Tagesordnung stand der Antrag Limburg- Stirum, der die Regierung auffordert, im Bundesrat dafür einzutreten, daß eine Verständigung mit dem Reichstage betreffs der von der Zolltariffommission gefaßten Beschlüsse auf Verstärkung des landwirtschaftlichen Zollschuhe& über die Sätze der Zolltarifvorlage hinaus herbeigeführt werden. Graf Bülow berliest folgende Erklärung: Die Staatsregierung lehnt es ab, sich an der Beratung dieser Anträge zu beteiligen Diese Materie gehöre zur ausschließlichen Kompetenz des Reichstags. Die gleichzeitige Berathung eines Gegenstandes in den einzelstaatlichen Landtagen_namentlich in denjenigen des größten Bundesstaates, kann nur den Zweck verfolgen, von den parlamentarischen Körperschaften der Einzelstaaten aus eine Beeinflussung auf die links, Unruhe rechts.) Eine solche Tendenz würde der Beschlußfassung des Reichstags auszuüben.( Zustimmung Reichsverfassung nicht entsprechen. Nach dieser Erklärung verließen sämmtliche Minister den Saal. Das Haus nahm den konservativen Antrag betr. die landwirtschaftlichen Zölle mit 183 gegen 79 Stimmen an. Am Mittwoch steht u. A. die Main- Neckarr- BahnInterpellation auf der Tagesordnung. Zum Fall Woth schreibt die Frff. 3tg.": Fast die gesammte Presse verurteilt die harte Bestrafung des Studenten Woth, der, wie bekannt, zu allem Ueberfluß von der Universität Berlin ausgeschlossen worden ist, und sie wendet sich entschieden gegen die Auffassung, die in dem Urteil des akademischen Senats zum Ausdruck kommt. Die Berliner Neueste Nachrichten" schreiben ganz richtig: Niemals fann und wird es von der öffentlichen Meinung als unbeschränktes Recht der Dozenten anerkannt wer den, daß Alles, was sie sagen, intra muros universitatis bleibe". Darnach wäre z. B. feinem Studenten gestattet, über Aeußerungen eines Dozenten, die ihm auffallen, vielleicht gegen seine Empfindungen verstoßen, mit seinem eigenen Vater Rücksprache zu nehmen, um diesem zu sagen, daß er bei dem betreffenden Professor keine neuen Kollegien belegen wolle!" Wenn Woth, der als Sohn eines bekannten Berliner Reporters die Zeitungs- Berichterstattung gleichsam mit der Muttermilch eingesogen hatte und schon aus diesem Grunde mildernde Umstände verdiente, die angebliche Aeußerung Schmollers nicht selbst verbreitet, sondern nur seinem Vater erzählt hätte, der sie dann als sehr auffällig an die Presse gab, sollte er des halb strafbar gewesen sein? Der Anspruch, daß alle Aeußerungen der Dozenten intra muros universitatis bleiben sollen, ist absolut. Die Revision ist bereits beim Reichsgericht anhängig, und in weiten Kreisen besteht die Uebezeugung, daß der oberste Gerichtshof dieses Urteil nicht anerkennen werde. Der Senat hat in der Urteilsbegründung für die Dozenten einen Freibrief für alle möglichen Aeußerungen, ein peccetur intra muros in Anspruch genommen, das ihnen weder das allgemeine Rechtsbewußtsein, noch hoffen wir- die hoffen wir die staatliche Aufsichtsbehörde zugestehen fann Deffent liche Lehranstalten des Staates sind keine Klöster, sind nicht geschlossene Gesellschaften, deren Mitglieder unter dem Schuße einer gesellschaftlichen Diskretion nehen, die nicht ungestraft verlegt werden darf. Mit dem Grundsatz der Verfassung: die Wissen schaft und ihre Lehre soll frei sein, ist es völlig unvereinbar, sie mit Mauern zu umgeben, hinter denen jede beliebige Stedungnahme eines Dozenten zu brennenden Fragen des öffentlichen Lebens, auch wenn sie ihn als Dozenten gar nichts angehen, safcosankt sein soll. Dieser Grundsatz muß in seinen Konsequenzen nicht zu einer Blüthe, sondern zu einem Erstarren der Universitäten führen. - kräftig an, ein scharfer Ruck und der Blonde saß plötzlich so heftig auf dem Schooße einer wohlbeleibten Dame, daß die vor Schreck keinen Protest über diese Liebkosung hervorzubringen vermochte. Ach, verzeihen Sie", stammelte endlich der Blonde und befreite die Dame von seiner Last, da hat nur die Lokomotive Schuld, ich selbst hätte natürlich nie gewagt. " - Die Dame war stark erröthet, sah aber sonst nicht aus, als ob sie über den unglücklichen Zwischenfall untröstlich wäre. Das gab ihm Muth:" Meyer", stellte er sich vor, „ Meyer mit dem weichen„ ey", Vertreter der Firma Sommer selige Wittwe, Tuche und Buckskins." " ,, Christian, Florentine Christian", meinte die Dame, , Christian und Kompagnie in Suderstadt." Der blonde Meyer schnitt eine tadellose Verbeugung, brachte seine Gepäckstücke in Ordnung und überlegte dann, wo er die Firma Christian und Kompagnie schon gelesen habe. Verstohlen zog er sein Kundenbuch heraus und suchte im Register. Richtig, da stand sie ja Er schlug Seite 62 auf und las rechts in der Ecke: ff, gut bis zu jedem Betrage. Also etwas ganz Solides! Nun musterte er heimlich sein Gegenüber: hm, auch etwas ganz Solides, wenigstens was den Körperbau anlangte. Nun ja, was man so eine Schönheit nannte, war das nicht, er schätzte sie so dichte an den Schneider ran. Aber in dem Gesicht lag unleugbar ein Zug von großer Gutmüthigkeit und ihr ganzes Wesen sagte ihm, daß er keine Xantippe vor sich habe. Wenn er nur Gewißheit gehabt hätte...; er beschloß eine kühne Attacke. - Nochmals Verzeihung, gnädige Frau", begann er, „ leider führt mich meine Tour diesmal nicht nach Suderstadt, ich würde sonst sicher Veranlassung genommen haben, mich bei Ihrem Herrn Gemahl persönlich Ein lustiges Richern unterbrach ihn: sein Gegenüber hatte das Taschentuch auf den Mund gepreßt, um das Lachen au unterbrücken. Wenn die obige Andeutung zutrifft, daß gar nicht Woth selbst, sondern sein Vater die Aeußerung Schmoller's berbreitete, dann wird natürlich Woth's Disziplinirung noch horribler als sie ohnehin schon ist. Zum südafrikanischen Frieden liegen bis zur Stunde folgende Meldungen vor: Lord Balfour verlas im Unterhause das unterzeichnete Abkommen über die Uebergabe der Burenstreitkräfte, das von der britischen Regierung gebilligt worden ist. Dasselbe lautet: 1. Die Burghers im Felde legen sofort die Waffen nieder und übergeben alle Kanonen, Waffen und Kriegs- Munition, die in ihrem Besize oder unter ihrer Kontrolle sind und stehen von weiterem Widerstand gegen die Autorität des Königs ab, den sie als gesetzlichen Souverän anerkennen. 2. Alle Burghers im Felde außerhalb der Grenzen von Transvaal und der Oranje- Kolonie und alle Kriegs- Gefangenen, die jeßt außerhalb Süd- Afrikas und Burghers sind, werden, sobald die Annahme der Stellung als Unterthanen des Königs Eduard erklärten, zurückgebracht, sobald die notwendigen Beförderungs- und Substenzmittel beschafft und gesichert sind. 3. Die auf diese Weise sich ergebenden und zurückkehrenden Burghers werden ihrer persönlichen Freiheit oder ihres Eigentums nicht beraubt. 4. Weder ein Zivilnoch ein Strafverfahren wird gegen die sich ergebenden oder zurückkehrenden Burghers eingeleitet für Handlungen im Zusammenhange mit dem Kriege. Diese Klausel bezieht sich jedoch nicht auf gewisse Handlungen, welche den Kriegsgebräuchen widersprechen. Diese sollen sofort nach Schluß der Feindseligkeiten vor einem Kriegsgericht verhandelt werden. Gleich nach der Erklärung Lord Salisburys im Oberhause über den Friedensschluß, die denselben Wortlaut hatte, wie die Balfours im Unterhause, hatten die Wandelgänge ein außerordentlich bewegtes Bild. Alles strömte hinaus und diskutierte lebhaft die gemachten Eröffnungen. Es herrschte nur eine Stimme: Gott sei Dank daß es vorüber ist." Alles weitere wird von dem heilenden Einfluß der Zeit erwartet. Man glaubt, daß Fouche und andere Kommandoführer in der Kap- kolonie, die noch im Felde stehen, sich freiwillig ergeben werden, um die unter den jetzigen Bedingungen gebotenen Vorteile nicht zu verlieren. " Aus dem Grade der Stimmung war offen ersichtlich, daß Chamberlain augenblicklich der populärste Mann in England ist. Der ihm gezollte Beifall übertrifft alle anderen Kundgebungen bei weitem. nahm die Dimensionen einer großen Huldigung des Volkes an. Der Kolonialminister ging ganz gegen seine Gewohnheit zu Fuß vom Kolonialamt nach dem Parlament und wurde auf dem ganzen Wege von der Menge mit begeistertem hoch und unter begeistertem Burufen empfangen. * London, 2. Juni. Der Standard und Daily Telegraph schreiben: Als Sieger beiteht unsere Aufgabe darin, das ruhige und friedliche Zusammenleben zwischen Engländern und Buren zu ermöglichen. ,, Daily News" bemerken, es giebt keinen Engländer, der nicht gezwungen wäre, den Mut unserer Gegner zu bewundern. London. Wie verlautet, wird das Parlament Kitchener eine Dotation von 100,000 Pfund Sterling bewilligen. Gleichzeitig werde ihm König Eduard einen höheren Adelstand verleihen. Kitchener wird so bald wie möglich zurückkehren. Eine Zeit lang wird eine militärische Kom= mission Milner in der Verwaltung der neuen Kolonien assistieren. Die Truppen wird man sehr allmählig zurückziehen. * Haag. Der holländische Ministerpräsident sagte " Ja gewiß, gnädige Frau", beharrte er, persönlich hätte ich Ihrem Herrn Gemahl meine Entschuldigungen vorgebracht.. „ Aber Herr Meyer", platzte die Dame endlich heraus, so lassen sie doch Ihre Scherze, ich bin ja gar nicht verheirathet. Ich werde im Gegentheil von Jahr zu Jahr lediger". „ Nein, so was", staunte nun seinerseits Herr Meyer, da... da... gratulire ich Ihnen." Danke gleichfalls", quittirte sie diese Schmeichelei und lenkte das Gespräch geschickt auf das geschäftliche Thema: auf Tuche im Allgemeinen und auf Buckskins im Besonderen. Da war er ganz in seinem Fahrwasser und merkte sofort, daß seine Partnerin in der Branche" ebenfalls gut bewandert war. " Suderstadt!" rief der Schaffner aus. Fräulein Florentine nahm ihr Gepäck und meinte:" Schade, daß Sie auf dieser Tour in Suderstadt Nichts zu thun haben", damit stieg sie aus und warf die Thür in's Schloß. über abb bolla aufen bebeu Die F wir aufg gereif englif bami Wod die gün bei. Fatul „ Fcf. Rolle Gejun Von leider lehrer Büfte unter Profe Chrun Scher Then Café eine Tänze fchaftl würdig ( Dirio fome Violi Feftte trole Mai Gießen Migbi fchließ auf di hande nijc hält e fell icha befa berpfli 3.00 eben lag Boder gänge ein Er al Gedar Waffe Ja, meit Wob jeffe die Sch mit bera durch Ball getrie Stan einft man mit 6 Laba fiechte derLiebe das den er bo angel fold body " In Suderstadt Nichts zu thim haben?" schrie Herr Meyer, aber Fräulein, natürlich habe ich da was zu thun, sehr viel fogar... Schaffner, Schaffner", rief er immer lauter, machen Sie auf, öffnen Sie, ich muß raus, schnell raus! Der Schaffner stürzte herbei, riß die Thür auf, Herr Meyer stolperte auf den Bahnsteig, die Musterkoffer polterten hinterdrein, der Letzte klappte auseinander und zeigte eine wunderhübsche Kollektion von Tuchen und Buckskins... " Das ist mir auch noch nicht paisirt", sagte der Schaffner, als er sich auf das Trittbrett schwang, wird ein Tuchreisender toll in meinem Abtheil dritter. Klasse!" Sie hatten wieder eine„ Kampagne" vor sich. Der Rottenführer" faß auf seiner Lade und überwachte die Daß gar nicht Schmoller's isziplinicung eden bungen bor: Interzeichnete enftreittiäfte, t worden ist. die Waffen Waffen und oder unter rem Wider ab, den sie Alle Burg bon Transiegs- Gefand Burghers Stellung als ten, zurückerungs- und ind. 3. Die üdfehrenden Freiheit oder er ein Zivilergebenden für Handiege. Diefe wiffe Hand idersprechen. ndjeligkeiten erden. Tisburys im elben Worte, hatten die gtes Bild. lebhaft die ne Stimme: Illes weitere zit erwartet. KommandoFelde stehen, den jetzigen u verlieren. offen ersicht = populärste Beifall überveitem. Gr ildigung des ganz gegen nt nach dem Bege von der begeistertem und Daily = unsere Aufjammenleben chen.„ Daily der, der nicht gner zu beBarlament und Sterling Eduard einen zurückkehren. sche Kom= g der neuen cd man sehr räsident sagte er, persönlich tichuldigungen ne endlich her ich bin ja gar heil von Jahr Herr Meyer, e Schmeichelei as geschäftliche auf Buckskins em Fahrwaffer der„ Branche" us. Fräulein Schade, daß thun haben", Schloß ?" schrie Herr h da was zu ffner", rief er Sie, ich muß Chür auf, Herr Mufterfoffer seinander und Tuchen und rt", jagte ber fdwang, wird heil britter vor fich. Der liberwachte die über den Friedensschluß:„ Der Verlust der Un=| Amerikanischen Petroleums- Gesellschaft und damit dem abhängigkeit der Burenrepubliken bedeutet für Standard Oil Trust ferner nicht einzugehen. Holland eine Enttäuschung und wird Trauer hervor Die Versammlung giebt sich der Hoffnung hin, daß ihre aufen. Was er für die Zukunft der beiden Republiken Bestrebungen durch die zuständigen Behörden, insbebedeutet, kann Niemand sagen, da bis jetzt Niemand ſondere durch die Großherzogliche Bürgermeisterei und die Friedensbedingungen fennt. Sei dem, wie es wolle, das Großherzogliche Kreisamt die nötige Unterstüßung wir wollen uns freuen, daß das Blutvergießen finden. Wir können dieses Vorgehen nur begrüßen. ! Gartenkonzert. Im fühlen, windgeschüßten Garten aufgehört hat." von Lonys Bierfeller forzertiren allabendlich drei Kärntner Nachtigallen mit ihrem Gesangs- und Zitherkundigen Führer, dem Jofele aus Bozen. Ein fühler Trunk im Freien und die herzigen Lieder unserer Desterreichischen Geschwister werden gewiß manchen dahinziegen. Pretoria, 3. Junt. Die Burenführer sind abgereist, um ihre Commandos zu veranlassen, sich den englischen Bedingungen zu unterwerfen. Man rechnet damit, daß die Niederlegung der Waffen ungefähr zwei Wochen in Anspruch nehmen werden. * Berlin, 3. Juni. Die Morgenblätter bezeichnen die Friedensbedingungen als äußerst ungünstig für die Buren. Der heutigen Auflage liegen die ,, Seifenblasen“ bei. In Zukunft erscheinen dieselben jeden Samstag. ,, Gießener Neueste Nachrichten." Giessener Cagesneuigkeiten. Gießen, 3. Juni 1902. r. Löhleinbüste. Die Professoren der medizinischen Fakultät unserer Landesuniversität erlassen in der " Frf. 8tg." an Löhleins frühere Schüler, Kollegen, Freunde und alle, die ihm Leben und Gesundheit verdanken, einen Aufruf zu einer Sammlung. Von dem Ertrag der Sammiung soll dem gefeierten, leider so früh dahingeschiedenen Arzt und Universitätslehrer an der Stelle seiner letzten Wirksamkeit eine Büste gesetzt werden. Wir wollen auch unsere Leser, unter denen sich gewiß mancher befindet, der dem Professor Löhlein Dank schuldig ist, auf diese würdige Ehrung hinweisen. Sie werden gewiß auch gern ein Scherflein dazu beitragen. Stiftungsfest des Geflügelzucht- Vereins. Am Dienstag Abend beging der Geflügelzucht- Verein im Saale des Café Leib das Fest seines 5 jährigen Bestehens durch eine wohlgelungene Abendunterhaltung, der sich ein Tänzchen anschloß. Der Verein, der sonst nur wirtschaftliche Zwecke im Auge hat, konnte dank der liebenswürdigen Mitwirkung des Gesangvereins Heiterfeit ( Dirigent Lehrer Becker), der Herren Euler und Kantowsky, sowie des Musiklehrers a sten und des Violin Virtuosen Rosenthal die zahlreich erschienenen Festteilnehmer auf das Beste unterhalte. Eine Detaillisten- Versammlung faßte in der Petroleumfrage folgende Resolution:" Die am 28. Mai 1902 tagende Interessenten- Versammlung der Gießener Kolonialwarenbranche spricht ihre entschiedene Mißbilligung gegen das Detaillisten und Grossisten und schließlich auch Konsumenten gleicherweise schädigende auf die vollkommene Monopolisirung des Petroleumhandels hinzielende Vorgehen der Deutsch- Amerikanischen Petroleum- Gesellschaft aus. Sie hält es für ihre Pflicht, eine Niederlassung dieser Gesellschaft am hiesigen Plage mit allen Mitteln zu bekämpfen, indem sich die Anwesenden gleichzeitig verpflichten, Geschäftsbeziehungen mit der Deutschweiter, die es sich bequem gemacht hatten, so gut es eben in dem Holzfasten vierter Klasse ging. Der Eine lag auf seinem Bündel,- der Andere auf dem blanken Boden, der Dritte lehnte in der Ecke, die Sachsengänger sind die Anspruchslosigkeit selbst. Dicht an der Thür hockte Stanislaus Brezowski, ein fräftiger junger Bursch von etwa zwanzig Jahren. Er allein fand keinen Schlaf, ihn beherrschte nur ein Gedanke: die Erinnerung an sein Heimathsdorf in der Wasserpolakei! Und die Erinnerung an Marianka... Ja, wenn ihm die Frau geblieben wäre, hätte es fo weit nicht zu fommen brauchen. Er erinnerte sich noch gar wohl des schmucken Anwesens, das sein Vater einst besessen hatte, er erinnerte sich aber auch der Fusel- Gelage, die da gefeiert wurden. Und wenn der Alte vom Schnapsteufel besessen war, dann war kein Auskommen mit ihm, er ruhte und rastete nicht, ehe er nicht sinnlos berauscht in der Ecke lag. Bald hatte er Geld und Gut durch die Gurgel gejagt, eine Wiese und ein Stück Wald noch dazu... Als Bettler wurden sie vom Hofe getrieben, den in der Gant Marianta's Bater erstand. Stanislaus wurde Knecht auf dem Anwesen, in dem er einst als Herr zu schalten gedachte. Den Vater brachte man eines Nachts todt nach Hause, er war im Kampfe mit Grenzwächtern erschossen worden, als er einen Ballen Tabak nach Desterreich schmuggeln wollte, die Mutter fiechte langsam dahin und suchte schließlich auch Trost in der Flasche. Ihn hielt nur eins noch aufrecht: Die Liebe zu Marianka! Wenn er die heirathete, wurde auch das alte Unrecht wieder gut gemacht: er fam wieder in den Besitz des Anwesens, deſſen rechtmäßiger Eigenthümer Jetzt hatte er sich ein Herz gefaßt und um Marianka angehalten. -OX er doch war. " Du Nichtsnutz", hatte der Alte losgepoltert, für solch heruntergekommenes Gesindel ist mir meine Tochter doch zu schade." a Radlerunfall. Ein junger Mann von hier, der am Sonntag eine Radtour nach Marburg machte, wurde dort von einem anderen Radfahrer auf dem Rudolfsplay derartig angefahren, daß er stürzte und einen Beinbruch erlitt. Er wurde sofort in die Klinik geschafft. o. Verlegung der Apotheken. Wir berichteten neulich von der geplanten Verlegung der Hirsch- Apotheke nach der Frankfurterstraße. Wir sind in der Lage heute hinzufügen zu fönnen, daß Dr. Caesar das Haus des Hauptmann Kramer, Frankfurterstr. 4 zu diesem Zwecke erworben hat. Weiter hören wir, daß die Weiter hören wir, daß die berufenen Instanzen des Staates sich mit der geplanten Dislokation der Hirsch- Apotheke einverstanden erklärt haben und daß es nun nur noch an der Zustimmung der städtischen Verwaltung liegt, daß dem südlichen Stadtteil eine Apotheke in bequemer Lage gegeben wird. Mit der Verlegung der Hirsch- Apotheke bom Marktplaz nach dem Süden Hand in Hand gehend, ist aber ein weiterer Plan gereift. Herr Schwieder der Besitzer der Engel- Apotheke hat wie wir erfahren das Anwesen der Firma Alexander Meyer Schulstr. 1, Ecke Marktplaz gekauft und gleichzeitig mit dem Nachbar, dem Lederhändler Neil wegen Ueberlassung auch seines Hauses ein Abkommen getroffen, wonach, wenn die Hirsch- Apotheke vom Marktplaz verlegt wird und ihm die Verlegung der Engel- Apotheke nach dem Marktplaß, Ecke Schulstr., gestattet wird, er das Reilsche und Meyersche Haus abreißen und an das Reilsche und Meyersche Haus abreißen und an deren Stelle einen neuen Apothekenbau aufführen läßt. Für den Lederhändler Keil wird auf dem jezigen Alexander Meyerschen Hofraum vor dem Lumpenspeicher, also an der Schulstraße, ein modernes Geschäftshaus errichtet. Allerdings verschwindet damit wieder ein Stück des alten Gießen, dem aber wohl niemand eine Thräne nachweint, um so weniger, als damit auch der Speicher von Alexander Meyer seines feuergefährlichen Inhaltes entledigt wird, denn das Lumpenlager derschwindet damit aus dem Mittelpunkt der Stadt. Bleibt aber wirklich der höchst unmonumentale Speicherbau erhalten, so wird er durch das neue Vorderhaus verdeckt und wird von den Straßenpassanten nicht mehr gesehen. ** Die feindlichen Familien. Gestern Abend 9 Uhr gerieten zwei Familien, die eine Schaubuden- die andere Karrouffelbesitzer, auf der schönen Aussicht in Wortwechsel, welcher in Thätlichkeiten ausartete. Hierbei wurde die Ehefrau des Schaubudenbesizers mit einem gefährlichen Werkzeug derart am Kopfe verlegt, daß ihre Verbringung in die Klinik erforderlich war. Nach Angabe des Arztes ist die Verlegung derart, Der daß Lebensgefahr vorhanden ist. Thäter- Familienvater sowie dessen Sohn wurden verhaftet. - H. Gestern wurde der Turnlehrer und Gauturnwart W. Schneider in Marburg bei großer Beteiligung der Bürgerschaft, sowie der Turner des Gaues Hessen zur letzten Ruhe gebettet. Jahrzehnte vcrsah Schneider den Posten eines Gauturnwarts und war eifriger Mitarbeiter in der Turnsache sowohl im MittelrheinGeh', Stanislaus", hatte Marianka gelacht,„ ba hast Du Dich umsonst gespitzt, mit einem Betteljungen will ich Nichts zu thun haben." Am nächsten Tage hatte man ihn aus dem Hause gejagt und er war in seiner Verzweiflung Sachsengänger geworden Ein Hundeleben, das er geführt hatte, ein Hundeleben, das ihn erwartete. Klirr, flarr, flirr- flarr, machte das Schloß der Wagenthür, und als er den Fuß dagegen stemmte, ging diese ganz und gar auf. Plötzlich sprang der„ Rottenführer von seiner Lade empor. Brezowski!" rief er so laut, daß die Schläfer erstaunt sich die Augen rieben. Aber der Gerufene war schon in der Finsterniß verschwunden... Nothsignal, scharfes Bremsen, Halten auf offener Strecke, große Aufregung. Der Schaffner suchte die Fahrgäste zu beruhigen. „ Es ist Nichts", erklärte er,"' s ist Einer aus dem Zuge gepurzelt, dem wird wohl nicht mehr zu helfen sein. Ein junger Kerl da von den Pollacken in der vierten Klasse!" Akademische Nachrichten. Professor Just i- Bonn und Professor HarnackBerlin sind zu stimmberechtigten Rittern, der ViceDr. V. Semenow- Petersburg und der vormalige präsident der russischen geographischen Gesellschaft Direktor des Botanischen Gartens in Kew bei London, Sir Joseph Dalton Hoofer, zu ausländischen Rittern des Ordens pour le mérite" für Wissenschaft und Künste ernannt. = kreis als auch in der deutschen Turnerschaft. In einer Vaterstadt Marburg stand er in hohem Ansehen, erteilte er doch beinahe 30 Jahre als Turnlehrer der Marburger Jugend den Turnunterricht. Im öffentlichen Leben war er immer ein thätiger vielbeschäftigter Mann. Seine Verdienste um die gute Tumsache sichern ihm ein bleibendes Andenken. * Das Kreisamt giebt bekannt, daß mit Nücksicht auf die große Zahl von Waldbränden, welche infolge der zur Zeit bestehenden außerordentlichen Trockenheit entstanden sind, bis auf weiteres das Rauchen von Zigarren, Zigarretten und ungedeckten Tabacspfeifen in den Waldungen und auf den Haiden außerhalb der chaussirten Ortsverbindungswege verboten ist. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 90 Mtr. bestraft. * Batentirt wurde ein Brennofen für Stalt, Bement u. dergl., hergestellt von der hiesigen Firma H. Hinz und ein Kreissägeblatt mit radialen, nach der Mitte berlaufenden Wellen der Firma Chr. Han fel, ebenfalls von hier. Alle Hausbesitzer bezw. deren Stellvertreter seien auf die Reinhaltung und Wegsamkeit der Straßen und Pläge, sowie die Reinhaltung der Kanäle in unserer Stadt jetzt noch besonders erinnert. Morgens zwischen 6 und 8 Uhr und nachmittags zwischen 12 und 2 Uhr muß das vor den Häusern belegene Bankett nebst Floßrinne und die Hälfte der Fahrbahn mit reinem Wasser begossen werden. ** Verbandsschießen. Die eifrigen Schüßen seien darauf hingewiesen, daß am 15., 16. und 17. Juni in Siegen das 12. Verbandsschießen des Gaues Hessen und Nassau stattfindet. Was in der Stadt und auf dem Lande vorgeht melde man den Gießener Neueste Nachrichten." Berichterstatter in allen Orten der Kreise Gießen, Bußbach, Friedberg, Weglar und Marburg erwünscht „ Gießener Neueste Nachrichten". QQQQQQQQQQQQQGQQQQQ ONOO Die Gießener„ Neueste Nachrichten" erscheinen in der laufenden Woche in besonders erhöhter Auflage und machen wir die verehrlichen Inserenten von Gießen und Umgegend darauf aufmerksam. Expedition der Gießener„ Neueste Nachrichten." ©©©©©©©©©©©©©©© Marktbericht. Gießen, 3. Juni. Auf dem heutigen Wochenmartt tofteten Butter per Pfb. 80-0.90 Mt. Hühnereter St. 5-6, Enteneter, St. 6-7 Gänseeier 1 St. 10-12 Pfg., Käse per St. 5-7 Bfg., Erbien per Liter 19 Pfg., Linsen per iter 32 Pfg., Tauben per Baar t. 0.75 bis 1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.00-1.50, Hahnen, per Stüd 1,20-1.80, Enten per Stüd 2.40-2.60, Enteneier 6-7, Gänse p. Bfd. 0.60-0.75 Wt., Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Bfg. Rindfleisch per Pfd. 60-64 Bfg. Schweinefleisch per Bfo. 70-80 Bfg. Schweine fleisch gesalzen per Pfund 0.84 Pfg., Kalbfleisch per Bfund 66-70 Bfg. Hammelfleisch per Pfd. 50-70 Pfg., Kartoffeln per Str. 2,80-4,00 m., Zwiebeln per 3t. Mr. 7.50-8.50, Milch per Liter 18 Pfg. C. Lück's GesundheitsKräuter- Konig. Bestandteile: Man nehnie 180 Ko. Honig, 36 Ko. frisch gepreßten Ebereschensaft, 36 Ko. destilliertes Wasser, foche auf und schäume kunstgerecht ab. Füge dem Durchgeseihten 10 Ko. Weißwein zu, der vorher mit je 1,2 Ko. Huflattich, Spißwegerich, Ehrenpreis, Schafgarbe, Bingelfraut, je 0,6 Ko. Steinflce, Natternzunge, Lungenmoos, je 2 Ko. Alantwurzel, Enzian, Veilchenwurzel und Schwarzwurzel, alles geschnitten, digeriert war. SCHUTZ MARKE Luck. Flaschen, die auf der roten Umhüllung nicht obige beide Schußmarken tragen, sind nicht die echten, jeit langen Jahren bekannten und berühmten Präparate der Firma C. Lück in Colberg, man weise solche Nach ahmungen entschieden zurück. Preis pro Flasche Mt. 1.-, 1.75 u. 3.50. Mittwoch, 4. Juni d. J., Wringmaschinen nachmittags 2 Uhr Haushaltungswaagen werden im Bieker'schen Saale bersteigert: Sophas, Kommoden Gießfannen Kleiderschränke, Tische, Stühle, Speiseschränke Faß Wein u. a. m. Geißler, Gerichtsvollzieher. 2 Die Versteigerung eines Sophas Brodkapseln findet bestimmt statt. 1030 Bogeltäfige Kaffeemühlen Backformen Fleischhackmaschinen Reibmaschinen Messerpußmaschinen Waschmaschinen Waschmangeln sowie sämtliche Haus- und Büchengeräte empfiehlt äußerst billig Gg. Wilhelm Orbig. Schulstraße 10. BE T Π fc fc 113STOMLESSLE b a Cossmann's Kaffee- Geschäft Giessen Arbeitsvergebung. Die Ausführung von Erdarbeiten und die Stellung von Hülfsarbeitern für die im Betriebe des Gas- und Wasserwerks vorfommenden Arbeiten sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung bergeben werden. Der diesem Ausschreiben zugrunde gelegte Vertragsentwurf liegt während der Dienststuuden auf unserem technischen Büreau zur Einsichtnahme auf. Angebote sind unter Benutzung der bei uns erhältlichen Formulare bis zum 7. Juni d. J8., vormittags 11 Uhr verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bei uns einzureichen. Gießen, 30. Mai 1902. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Otto Bergen. Abonnements- Konzerte. Die Kapelle des Infanterie Regiments ,, Kaiser Wilhelm"( 2. Großb. Heff.) Nr. 116 erlaubt sich zu einem Cyklus von Abonue: ments- Konzerten einzuladen. Dieselben Die Konzerte finden in Steins Garten statt. werden mit Militärmusik ausgeführt, wozu ein musik und funft: liebendes Publikum eingeladen wird. 1004 fi Der Abonnementspreis für 6 Konzerte beträgt: V δι g g ſc δ f 31 fc b a v я δ 80 n g δ n " Familienbillet bis zu 4 Personen à Mt. 7.Familienbillet bis zu 3 Personen à 6." 1 Personenbillet à à 2.20 0.50 Kassenpreis Die Liste zirkuliert. Der Anfang der Konzerte wird in den Gießener Neueste Nachrichten" bekannt gegeben. C. Krausse, Großh. Musikdirektor. Karten im Vorverkauf sind bei Herrn Ernst Challier, Neuenweg, zu haben. Lony's Bierkeller 1019 Restaurant. Täglich Concerte des Kärntner Quartetts. Gießener Fischbörse Telephon Nr. 50 Marktplatz 5 Telephon Nr. 50. Empfehle, als neu zugelegten Spezialartikel sämtliche Wurstwaren und offeriere solche. Fft. Leberwurst per Pfund 60 Pfg. Fft. Fleischwurst per Pfd. 80 Pfg. 1021 Fft. Hausmacher Blutw. per Pfd. 60 Pfg. Fft. Preßkopf per Pfd. 80 Pfg. Fft.Hansmach. Mettwurst Fit. Thüringer Notwurst per Pfd. Mt.-1. Fft. Braunschweiger Leberwurft ver b. Mr. 1. Fft. Braunschweiger Mettwurst ber Pfd, Mt. 1,20. Fft. Westf. Salamy per Pfd. Mr. 1,80. st.Westf. Blasenschinten 1-2 Pfd. per Pfd. Mt. 1,60. Fft. Dresdener Appetits- Würstchen Laum Rohessen] per Stück 12 Pfg. per Pfd. Mr. 1. Fft. Zungenwurst per Pfd. Mt. 1,20. Fft. Sardellenwurst per Pfd. Mt. 1,40. Fst. Weftf. Cerv: latwurst per Pfd. Mt. 1,40, Fft. Gothaer Cervelatw. per Pfd. Mt. 1,80. Fst. Wefts. TouristenSchinken ( Rollschink.) 1-2Pfd.p.Pfd.M.1,50 fit. Deutsches Büchsenfleisch im Ausschnitt per Pfd. Mt. 1. Louis Bühl, Marktplatz 5. Telephon 50. FAHRRADER Erstklassige Fabrikate Laternen, Luftpumpen Glocken, Sättel, Pneumatiks SpecialReparatur- Werkstätte Laden Carl Graf, Giessen Schlossgasse Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Monat Juni. 223 Barometer auf 09 reduziert 225 747,8 31,2 11,9 35 NE. 925 748,8 22,2 12,8 64 NNE, 725 749,5 21,3 13,2 70 NW. 6543926 h Höchfte Temperatur am 1.- 2. Juni Niedrigste 1 Wetter Sonnenschein 1 klarer Himmel 1 Sonnenschein = 31,3° C., 13,40 Ecke Wallthorstrasse mit prachtvoll decorirten echten Porzellan Ober- und Untertassen und ganzen hocheleganten Lindenplatz Kaffee- Services and Gratis- Zugabe. als An unsere werten Leser! Mit dem heutigen Tage ist der Verlag und die Druckerei der " 2 Giessener Neueste Nachrichten", welche von mir, dem früheren Besitzer, provisorisch übernommen wurde, mit allen Aktiven käuflich in den Besitz des Herrn Redakteur Albin Klein aus Oberingelheim übergegangen, welcher das Geschäft unter der Firma Giessener Verlagsdruckerei Albin Klein Verlag der ,, Giessener Neueste Nachrichten" weiterführt. An alle Freunde und Gönner der Giessener Neueste Nachrichten" richte ich hierdurch die ergebene Bitte, in Rücksicht darauf, dass eine zweite Zeitung in Giessen ein unbedingtes Bedürfnis ist, das Unternehmen wie bisher recht thatkräftig zu unterstützen. Die finanzielle Bonität und die fachmännische Routine des neuen Besitzers Herrn Albin Klein bürgen dafür, dass das Bestmöglichste geboten wird und alle Aufträge gediegen und coulant erledigt werden. Giessen, 1. Juni 1902. Hochachtungsvoll Emil Bommert. Höfl. Bezug nehmend auf Obiges gebe hiermit zur gefl. Kenntnis, dass ich am heutigen Tage die Giessener Verlagsdruckerei vorm. Wilh. Kellersche Druckerei nebst Verlag der ,, Giessener Neueste Nachrichten" käuflich erworben habe. Es soll allezeit meine vornehmste Aufgabe sein, das Geschäft auf solider u. gesunder Basis zu erhalten u. zu führen. Mit allen Kräften und aller Zuversicht werde ich, gestützt auf meine von der Pike auf begonnene fachmännische und redaktionelle Thätigkeit bestrebt sein, das Vertrauen meiner werten Geschäftsfreunde zu festigen und zu heben. Möge man mir darum auch mit dem vollen Vertrauen entgegenkommen und mich in meinem, unter sehr schwierigen Verhältnissen übernommenen Unternehmen gütigst unterstützen. Die Geschäftswelt, die Beamtenschaft, der Handwerker, der Landwirt, wie der einfache Mann, sie alle mögen die Versicherung entgegennehmen, dass einer wie der andere bedient wird; alle Aufträge zu coulanten und civilen Preisen sauber und geschmackvoll ausgeführt werden. Sämtliche laufende Aufträge, mögen es Inserate oder Drucksachen sein, sind zu den bekannten Vereinbarungen übernommen worden, für deren prompte Erledigung ich streng bemüht sein werde. Ich habe das Geschäft mit sämtlichen Aktiven gekauft und richte hiermit die Bitte, alle noch offenstehende Gelder an mich abführen zu wollen. Giessen, 1. Juni 1902. Günstige Kaufgelegenheit! Hochachtungsvoll Albin Klein, Inhaber der Giessener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller, und der Giessener Neueste Nachrichten. Hermann Katz 5 Mäusburg 5. Wegen vorgerückter Saison bedeutende Preisermässigung auf Damen- Confektion 25 Prozent. O Staunend billige Preise! Nr. 000 Gin Fr Ect Ert Mi Bri Th Der Vo 23 Wi Wa Wie Wie Von Von 0000 Mänge Auf eine gefeß fei empfindliche diefes Gefe Recht, für S befürchten zuordnen. wenigftens lich angewen Heilstättenh recht befrie Verficherun haben, red um nach ift der S müffen, wer nach etwa Unterstützun Ge foll nur die darauf wieder einf Arbeit zum fann wohl davon ist, heilverfahre Erfolg des Die Sorge laffenen o Diefen ungi beiratete müffen denn der Arbeiter fahrens fügung f Gefundheit aber auch, llegen, in Sorge um gewährt d nach neuer man bort, Unterftigu ftalten, au Refonbal berrichten, 869 Ceppiche. Kleiderstoffe. Weisswaren. Blusen. Kostüme. Seidenstofte. gang als natürlich n Die Anstal im Intere bon ihnen es fich 3. Dauer bon Schnittlich ware idon Hus F i. Atrof zur Ausfüh Ländereien borwärts. Des Streifes wette Spe Eleglar geg ll decorirten echten anzen hocheleganten atis- Zugabe , urde, mit richte ich eitung in recht thaten Besitzers d alle AufBeilage der Giessener Neueste Nachrichten. Nr. 125. Ein alter Freund, geschmückt mit neuem Kleide Erschein ich heut' in Eurem Freundeskreis; Erkennt Ihr mich, Ihr wackern, braven Leute, Erkennt Ihr sie, die alte deutsche Weis'? Mit Handschlag und im Antlig stille Freude Grüß ich Euch allzumalen, denn ich weiß, Ihr tragt im Herzen sehnliches Verlangen Den alten Freund mit Liebe zu empfangen. Vor allem werde ich Euch öfters sagen, Wie es in unserer lieben Heimat steht, Wie man gelebt, geliebt in alten Tagen, Was man geherbst't, geerntet und gemähet, Wie auf der Kirmeß man die Köpfe sich zerschlagen, Wie es noch heut' beim jungen Volke geht, Von Sonst und Jezt, von Gestern und von Heute, Von alledem bericht ich Euch, Ihr Leute. Dienstag, den 3. Juni 1902. ©©©©©©©©©©©©©©© Gruß an die Beser. Das neue Kleid, die seelenlose Hülle, Nicht ändert's was für Euch man stets gehegt. Achtung für jeden Stand! Ein Herz das in der Auch Mitgefühl für fremdes Leiden trägt!-[ Stille] Treu dem Gesez! Ein fester, starker Wille Für Volkswohl, Wahrheit und für Recht! Dies sind die Grundgesetze, die mich leiten; Auf dieser Bahn nur werd ich vorwärts schreiten. Doch ein ernstes Wörtlein werd' ich sprechen, In Dingen, die nicht grad so scherzhaft sind. Gedrückte Urschuld werde ich stets rächen, An jedem, der auf Unterdrückung sinnt. Moralische und sittliche Gebredjen, Und Bosheit, die ihr Netz im Dunkeln spinnt, Mag es auch manchem Sünder nicht belieben, Ich zücht'ge es mit fräft'gen Geiselhieben. So laßt uns denn auch fortan Freunde heißen Und stört Euch nicht am ungewohnten Kleid, Der Kern, das Herz,-mag auch die Hülle gleißen, Sie bleiben stets früher, so auch heut'. 11. Jahrgang. Treu werde ich, was ich gehört, gesehen Im Wanderleben, das ich mir gewählt, Was ich erfahren, das im Land geschehen Und was so sonst mir die und der erzählt, Der Sieger Jubel, der Besiegten Flehen, Was einen freut, den andern öfters quält, All dies werd ich getreulich Euch berichten, Ich bring es Euch in herrlichen Geschichten. Wenn aber edele und gute Thaten Zu loben sind, ich werde wahrlich nicht Der letzte sein, der, wenn er recht beraten, Bon Edelstein und seltner Tugend spricht; Wo Not und Unglück nicht vergeblich baten, Auch da erstatt ich stets getreulichen Bericht, Denn nicht allein von Fehlern und Gebrechen, Was schön und gut, auch davon muß man sprechen. Doch auch die Hülle will sich gern befleißen, Daß Ihr auch dieser bald befreundet seid. Drum stört euch nicht an neuer Außenseite, Ein treues Herz schlägt auch in diesem Kleide. 869 ass ich am Druckerei be, Es soll Basis zu erI auf meine eit bestrebt ben. Möge in meinem, nterstützen. der einfache der andere geschmacken sein, sind te Erledigung Liven gekauft en zu wollen. ruckerei, chrichten. Staunend billige Preise! eidenftofte. Mängel und Lücken im InvalidenVersicherungsgesetz. Auf eine Lücke im Invalidenversicherungsgefeß sei einmal hingewiesen, weil fie fich immer empfindlicher, auch hierzulande, bemerkbar macht.§ 18 dieses Gesetzes giebt den Versicherungsanstalten das Recht, für Stranke, deren Zustand baldige Invalidität befürchten läßt, ein geeignetes Heilverfahren anzuordnen, um die Invalidität zu verhindern oder wenigstens hinauszuschieben. Dieses Recht wird reich lich angewendet und man hat auch in Hessen mit dem Heilstättenheilverfahren, wie der Jahresbericht ausweist, recht befriedigende Erfahrungen gemacht. Das die Versicherungsanstalten selbst das größte Interesse daran haben, rechtzeitig ein Heilverfahren eintreten zu lassen, um nach Kräften völlige Invalidität zu verhindern, ist der Sache nur von Vorteil. Aber die Arbeiter müssen, wenn ihr Heilverfahren beendet ist, was meist nach etwa dreizehn Wochen der Fall, ohne weitere Unterstützung für die nächsten Wochen entlassen werden. Es soll nun freilich eine Anzahl von Betrieben geben, die darauf Rücksicht nehmen, ihre früheren Arbeiter wieder einstellen und ihnen zunächst sogar leichtere Arbeit zuweisen. Aber das geschieht oft auch nicht, fann wohl auch nicht immer geschehen. Die Folge davon ist, daß gar mancher Arbeiter nach beendetem Heilverfahren mittellos auf der Straße liegt und der Erfolg des Heilverfahrens völlig illusorisch wird durch die Sorge ums Brod, die sofort wieder an den Entlaffenen oft in frassester Form herantritt. Unter diesen ungünstigen Verhältnissen haben natürlich verheiratete Arbeiter noch mehr zu leiden als ledige. So müssen denn Mittel und Wege gefunden werden, daß der Arbeiter über die Zeitdauer des Heilverfahrens hinaus eine petuntäre Unterst üßung fände, damit er einmal im Interesse seiner Gesundheit noch eine kleine Schonungszeit hat, dann aber auch, damit zwei oder drei Wochen vor ihm Itegen, in denen fich, ohne wieder gleich von der Sorge um das Allernotwendigste geplagt zu werden, nach neuer Arbeitsgelegenheit umthun kann. So gewährt denn die Versicherungsanstalt Berlin, wie man hört, jezt schon ledigen Arbeitern eine einmalige Unterstügung beim Verlassen der Anstalt. Andere Anstalten, auch die hessische, lassen die Kranken in der Nekonvalescenzzeit leichtere z. B. gärtnerische Arbeiten verrichten, deren Ertrag ihnen dann bei ihrem Fortgang als Notpfennig ausgehändigt wird. Das ist natürlich nur ein Notbehelf, der aber zeigt, wie stark die Anstalten selbst diese Lücke empfinden. Es läge im Interesse der Versicherungsanstalten selbst, daß hier von ihnen aus etwas Durchgreifendes geschähe. Ließe es sich z. B. erreichen, daß den Entlassenen auf die Dauer von drei Wochen etwa für die Woche durchschnittlich 9 Mt. ausgehändigt werden könnten, so wäre schon viel gewonnen. Aus Hessen und Dachbargebieten. i. Krofdorf. Die Vorarbeiten für die demnächst zur Ausführung fommende Zusammenlegung der Ländereien Krofdorf- Bleiberg schreiten nur langsam borwärts. Zur Zeit gelangt dieselbe in vielen Gemeinden des Kreises Wetzlar zur Ausführung, weshalb noch eine zweite Specialfommission gleichfalls mit dem Site Weglar gegründet wurde. Der Kreis hat für KrofdorfGleiberg eine einstweilige Beihülfe von 600 Mt. be-| noch ein Mangel an Lehrern. In den letzten Tagen willigt. Die Kreisbeihülfen werden vorzugsweise gegeben, um die Zusammenlegungs- Interessenten über die ersten Kosten hinweg zu helfen. a. Dutenhofen. Da seit der Gröffnung des herrlich gelegenen Restaurant Zum Jagdschlößchen" Dutenhofen zu einem beliebten Ausflugsort geworden ist, so sei an dieser Stelle schon darauf hingewiesen, daß Sonntag den 22. Juni der hiesige Gesangverein ein Sängerfest zu feiern beabsichtigeu gedenkt. Derartige Feste dürfen laut Verfügung Königl. Landratsamtes zu Wehlar nur noch auf einen Tag ausgedehnt werden. * Holzheim, 2. Juni. Auf Antrag des Ortsvorstands ist jetzt das Herumlaufen der Gänse an Sonn- und Feiertagen auf den Straßen und Plägen in unserem Orte mit Genehmigung des Ministeriums des Innern Zuwiderhandelnde werden mit einer Geldverboten. strafe von 20 Pfg. pro Stück bestraft. Butzbach, 3. Juni. Heute Nachmittag gegen 6 Uhr wurde der 28jährige Dachdeckergeselle Karl Klingelmeier aus Gießen während seiner Arbeit vom Hizschlag betroffen. Er stürzte ab und erlitt einen Schädel und doppelten Beinbruch. Der Verunglückte war ein braver Mensch und der einzige Sohn seiner jetzt alleinstehenden Mutter. K. hatte an dem Tage die Stellung erst neu angetreten. A Fauerbach, 2. Junt. Mit Genehmigung des Großherzog wird, vorbehältlich der Zustimmung der Landessynode, der Bezirk der Pfarrei Fauerbach in der Weise abgegrenzt, daß der östlich der Main Weser- Bahn liegende Gemarkungsteil bis an den Friedberger Friedhof der Kirchengemeinde Fauerbach, der westlich dieser Bahn gelegenen Gemarkungsteil der Kirchengemeinde Friedberg zugeteilt. r. Rodheim a. Bieber. Bekanntlich werden allmonatlich vom Amtsgericht Gladbach zwei Gerichtstage hierselbst abgehalten, ja man hegte sogar den Wunsch, Nodheim möge selbst ein Amtsgerichtsbezirk werden. Allein, da dem Preuß. Herrenhause ein Entwurf zugegangen, wonach die Gemeinden Hermannstein, Naunheim und Waldgirmes vom Amtsgericht Gladenbach getrennt werden sollen, so wird sich dieser Plan wohl nie mehr verwirklichen. Letztere Gemeinden gehören zum Streise Biedenkopf, liegen aber in unmittelbarer Nähe der Stadt Wetzlar und sollen für die Folge dem Amtsgericht Wetzlar zugeteilt werden. - sich der 8 Jahre alte Sohn eines Bergmannes in der m. Gladenbach, 2. Juni. In Niedergirmes machte Küche zu schaffen. Der Junge erwischte die Petroleumfanne und brachte diese mit Feuer in Berührung. Als die Eltern hinzufamen, war das Kind bereits verbrannt. Hermannstein. Der 25 jährige Sohn des Gastwirts Ein schweres Unglück ereignete sich im benachbarten Heger daselbst wollte im Dorfe an der Schmiede ein Pferd ausspannen, kam dabei zu Fall und stürzte rüdlings auf ein dabei liegendes Wagenrad, sodaß er mit Pferd ausspannen, kam dabei zu Fall und stürzte rückdem Kreuz auf die hervorstehende Nabe zu liegen fam. Ehe sich der junge Mann, der bei Kavallerie diente und infolgedessen mit Pferden umzugehen weiß, noch von seinem unbequemen Platze erheben konnte, stürzte das Pferd ebenfalls und fiel ihm unglücklicherweise auf den Unterleib. H. hat schwere innere Verlegungen davongetragen. * Lehrermangel. Trotzdem in der letzten Zeit alle berfügbaren weiblichen Lehrkräfte in den Volksschulen verwendet wurden und sogar Lehrkräfte aus Bayern in Hessen zur Anstellung gekommen sind, herrscht immer mußten z. B. die Schüler einer Mainzer Volksschulklasse in drei verschiedenen anderen Klassen untergebracht resp. verteilt werden, da ein eigener Lehrer für diese Klasse nicht vorhanden ist. Fühlbarer wird der Mangel noch werden, wenn eine Anzahl Volksschullehrer zum Militär einberufen wird. Der in Guben tagende Brandenburgische Städte= tag nahm einen Antrag des Oberbürgermeisters AnferLansberg an, nach welchem die Haftpflichtversicherung der Lehrer durch die Städte unnötig sei. Aus dem Gerichtssaal. Schwurgericht. Gießen, 2. Juni 1902. ( 1. Fall.) Gestern Vormittag eröffnete der Präsident der diesmaligen diesmaligen Schwurgerichtstagung Landgerichtsrat Schmidt das Geschworenengericht für die Provinz Oberheffen. Als Beifizer in der gestrigen Verhandlung fungierten die Landgerichtsräte Dr. Schäfer und Prätorius. Als Vertreter der Staatsbehörde erschien Oberstaatsanwalt v. Heßert. Angeklagt ist der wegen Diebstahl und Betrug vorbestrafte 21 Jahre alte Bergmann, zulegt als Dienstknecht auf dem Schellhof bei Schotten thätig gewesene Orwin Tezner von Schauderhainichen in Sachsen- Altenburg. Tegner hat Notzucht begangen im Walde bei Schotten. Die Verhandlung wurde hinter verschlossenen Thüren geführt. Der Angeklagte wurde, nachdem die Geschworenen die Schuldfrage unter Zubilligung mildernder Umstände bejaht, zu einer Gefängnisstrafe von 4 Jahren verurteilt. Die Brutalität, mit der der Angeklagte die That an einer alten wehrlosen 72 jährigen Frau verübt hat, sowie der Umstand, daß er später auch keine Reue über die von ihm begangene That gezeigt hat, waren bestimmend für die Höhe der erfannten Strafe. Vermischtes. * In Lemberg kam es am Montag zu einem Zufammenstoße zwischen streikenden Maurern und Militär. Zwanzig Maurer wurden schwer verletzt. * Athen. Seit einigen Tagen machen sich an verschiedenen Orten Griechenlands Erderschütterungen bemerkbar. Lübeck. In dem benachbarten Siebenbäumen brannten infolge Brandstiftung durch Kindermädchen neun Gebäude ab. Mehrere Stück Vieh sind in den Flammen umgekommen. * Leipzig. Der Prozeß gegen Erner u. Gen. ist endgiltig auf den 16. Juni festgesetzt worden. Als Verhandlungsdauer werden mindestens 14 Tage angenommen. Couverts mit Firma von Mk. 3.50 an, liefert die Druckerei der Giessener Neueste Nachrichten". 99 Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. With. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Bekanntmachung. Wegen Beinigung des Stadtbachs mird das Wasser in demselben von d littwoch, den 4. Juni cr. ab auf ie Dauer von etwa 3 Wochen von Sorgens 6 Uhr bis abends 6 Whr gestellt. n Gießen, 2. Juni 1902. f Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Café Leib Inh. Jakob Noll. Wallthorstraße 38. - 3 Kräftig. Mittagstisch von 12-2 Uhr m Abonnement 70 und 90 Pfg. Reichhaltige Abendkarte. Vorzügliche Weine. Münchener Bürgerbräu, ( sowie helle hiesige Biere. 1 Billard( Fürstenweger Mainz). Loose zur Darmstädter SchloßfreiheitsLotterie in 2 Klassen empfiehlt 985 Karl Krebs, Gießen, 10 Schulflraße 10. 1/10 Mt. 3.-, 1/5 Mt. 6.-, 1/2 Mk. 15.-, mt. 30.- pro klasse. Frische Eier Stein's Garten. Donnerstag, den 5. Juni 1. Abonnements- Concert. Anfang 8 Uhr. Eintrittspreis 50 Pfg. Abonnements- Karten sind in der Musikalienhandlung des Herrn Challier, sowie an den Kassen zu haben. Die Abonnements- Liste zirkuliert. 1032 Krauße, Großh. Musikdirektor. Um irgend welchen Irrungen und Unannehmlichkeiten vorzubeugen, mache hiermit bekannt, daß Aufträge und Bestellungen für die Gießener Verlagsdruckerei und den Verlag der „ Gießener Neueste Nachrichten" von jetzt ab nur von mir gegeben werden. Hochachtungsvoll Albin Klein. Sämtliche zum Waschen und Puzen nötigen Kern-, Teig- u. Schmierseifen, sowie ver Stück 5 Bfg.. Siedeier 2 St. Seifenpulver, Soda, Stärke, Boray etc. 11 Pfg., 20 Stück 1,05 Mt., em empfiehlt zu billigsten Preisen. pfiehlt W. Ullrich, Schloßgasse 7. Für 11 Robert Stubl, Neustadt 23. PatentSpringfeder- Matratzen nur bewährte beste Fabrikate für alle Arten Betten passend von Mk. 15.- an. 756 BettenFritz Nowack, Geschäft. Gascokes. 897 Wohnungsveränderung. Meine Wohnung befindet sich Neuenweg 42, früher Manberger. Frau Schmidt, Eine Partie gebrauchte Vermietfrau. 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