rbeiten redte de DO m. Prah tes berget bet dec ngebote en. Auffa rm.11% eichen, m Beit in det. ießen. rung Den 6. Ro achm. 2 ur sma laspapier Mr. 256. Zweites Blatt. Samstag, den 31. Oftober 1903. Abonnement& prete: in Gießen, abgeholt monatlich 50- Pfg., in's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertel jährlich Mr. 1.50. Bratt@ beilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Sbft- und Bartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmitage. Gießener 12. Jahrgang. Insertionspret di Die einspaltige Betitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfa. fonist 15 Pfg.; Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Pfg. Boftzeitungslifte No. 3269. Redaktion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Hus der Reichsbauptstadt. Wandelbilder von Spectator. - In den letzten Tagen machte ein Inserat Furore, durch idas ein Musikdirektor seine Kapelle mit der Bemerkung empfiehlt, daß er zu Festlichkeiten, für die seine Musik ge11ommen wird, eine Hochfrau gratis liefert. Ich weiß nicht, Das die hiesigen Konzert- Direttoren gesagt haben, als sie sverwaltung Von dieser genialen Idee hörten, aber ich vermute, daß manch seiner von ihnen erst blaß, dann rot und dann wieder blaß rbeiten geworden ist, sich nachher vor den Kopf geſchlagen hat und dann an's Telephon ging, um seinen Rechtsanwalt zu fragen, en Wohnbob es als unlauterer Wettbewerb angesehen werden kann, Installat enn er sich diesen glänzenden Gedanken für seinen Beund Plat idarf zurechtstuge. Welch herrliche Aussichten eröffnen sich tid Rolli wem Konzert- Veranstalter, dem es jetzt wieder so viel Kopffhmerzen bereitet, wenn er für das Auftreten irgend eines ergeben warunbekannten Künstlers dem Saale die anständige Füllung bei mit geben soll, die der Künstler für sein schweres Geld verlangen lann. Jetzt, da das Ungetüm, Berliner Konzertsaison" achm. 2 genannt, aus seinem Sommerschlaf erwacht ist und wieder feine Krallen nach tausenden von unschuldigen Ohren ausbehalten, it redt, ist es nicht so leicht, für den in den weitesten Kreiſen istungsfäb unbekannten Geiger X. oder die ebenso unbekannte Sängerin ift 3 To 9. die genügende Anzahl Opfer in dem Saal zu vereinigen; möge obengenannte Krallen auch von Freibillets verhüllt gebot geb ein. Es ist dies um so schwerer, als neben den KonzertInfündigungen auf den Anschlag- Säulen seit einigen Tagen Großhaus, die Eisbahn- Boranzeigen stehen, die boshafte Thermometer- Säulen bekanntlich stets zum Steigen veranlassen. Man denke sich dagegen die warme Begeisterung, mit der elbst die jämmerlichsten Leistungen von einem Publikum quifgenommen würden, dem ein nicht minder warmes AbendWrot nach der Aufführung natürlich nach der Aufführung winkt. Die Konkurrenz freilich würde sich auch dieses Gebietes bemächtigen und die Ansprüche des Publikums Genso wie den Wert dieser Konzert- Knochenbeilage steigern. Pünftige Konzert- Veranstalter würden sich dann gezwungen sehen, dem individuellen Bedürfnis des einzelnen Rechnung u tragen und dem Studenten einen Monatswechsel, dem ungen Mädchen einen für den Ehereisen reifen Jüngling und gewissen polnischen Gräfinnen einen als Majoratserben Therwendbaren Säugling auf das Freibillet noch drauflegen. 3. Lich. rauf hinzuwe ndelsblättern in Gieken a 180 Fftm Giden Fitm. Mar Fichten- BauStangen, 6000 Fichten- Reision befonders auf k ag Gebote aufs b, wie Gebote ents. Gany berförsterd A Z. euze Wie sehr hier die Kunst nach Brot geht, beweisen auch die zahlreichen Kneipen mit literarischem Anstrich. Meist steht tatsächlich nur der Anstrich, die Dekoration, in einer Beziehung zur Literatur, wie bei dem vor einigen Tagen oeröffneten Nachtasyl", dessen Namen und Einrichtungsidee von dem Gorkischen Drama entnommen ist, das es ja bekanntlich an Lebensdauer im Kleinen Theater selbst mit der ungatischen Ministerkrisis aufnehmen kann. In anderen Kunsttineipen wieder wird neben den materiellen Genüssen eine billige Kunst verzapft, und diese sind bei den Leuten sehr Ibeliebt, die neben leichten Weinen ein leichtes Lachen lieben. 050 lockt ein früherer beliebter Operettensänger durch seine Gesänge die Mäuschen in seine kleine Weinstubenfalle, bis idiese die grausamen Krallen des Katers zu spüren beginnen. Noch lebhafter zeigt sich die weinlaubumkränzte leichte Muse in den kleinen Hinterzimmern einiger WeinHeipen, im siebenten Himmel", der grünen Minna" oder pie sonst diese Cabarets heißen. Wie lichtscheue Lasterhöhlen erstecken sich diese„ Kunstinstitute" in die hintersten Räume, und doch sind es meist recht harmlose Vorträge, an denen sich hier nicht nur Künstler- und Journalisten- Gesindel, sondern auch Leute von anständigen gut bürgerlichen Berufseigen vergnügen. Aber nicht nur in den fidelen Wirtshäusern gibt die Kunst Gastrollen. Eine originelle Vorstellung" gab es ingst sogar in einem Tunnel der Untergrundbahn. Man pielte das Pariser Untergrundbahn- Unglück oder, wie es in der Amtssprache hieß,„ man veranstaltete eine fünstliche Verqualmung". Ein solider Scheiterhaufen hatte die Rolle des brennenden Zuges übernommen und spielte sie mit sehr viel ne jegliche Feuer. Für die fehlenden Beleuchtungseffekte es war er Sig H gen oder da durch allen. natürlich nachts sorgte die elektrische Leitung, die ausgeschaltet worden war. Alles gelang ziemlich naturgetreu; nur die Panik wollte nicht recht in Gang kommen. Dem beanntlich schnell schreitenden Unglück zum Troß schritt man langsam und vom Rauch unbeschädigt zu den nächsten Ausnd stilgeredängen, und so verlief das Unglück recht gemütlich und verzing. Me Baris 19 friegelei esse schlüsse Nr.84 nügt. Alle Teilnehmer verließen befriedigt die Szene; die inent in dem stolzen Bewußtsein, daß bei uns so was, wie in Paris, nicht vorkommen kann, einige andere vielleicht uch mit dem Gedanken, daß ein wirkliches Unglück doch wohl twas fürchterlicher funktionieren würde, als so eine Generalprobe. Ein boshafter Teilnehmer meinte, das Feuer wäre Ditfungsvoller gewesen, wenn ein frischerer Zug durch unser Verkehrswesen ginge. Der verstekte Vorwurf dieses Herrn hat aber gerade jetzt Denig Berechtigung. Man probiert und projektiert eifrig. Das beweist das schwebende Schwebebahn- Projekt und vor tllem der geplante Schnellbahn- Bau Berlin- Hamburg, den elle Leute, die eine Sehnsucht nach der großen Hasenstadt haben, besonders also Defraudanten und solche, die es werden pollen, mit Ungeduld erwarten. Vermischtes. Ein billiges Martyrium] hat sich allem Anschein nach der Verfasser des vielbesprochenen Buches ,, Aus einer kleinen Garnison", Leutrant Bilsen vom Forbacher Trainbataillon, verschafft. Der von militärfeindlichen Kreisen vielbedauerte ,, Enthüller furchtbarer Wahrheiten" nimmt es selbst mit der Wahrheit nicht sehr genau. Ec erzählt z. B. einen uralten Schwank aus den Fliegenden Blättern als seine eigene Beobachtung. Es ist die bekannte Geschichte von der auf Geschenke erpichten Frau Wachtmeisterin und den Einjährigen, die ihr auf zarte Andeutung ihres Gemahls hin ein Klavier spendierten. Als aber für die Einjährigen der Tag der Entlassung fam, fam für den entsetzten Wachtmeister ein großer Wagen, dessen Lenker die Weisung hatte, das für sechs Monate gemietete Klavier wieder abzuholen. Wenn der übrige Inhalt des Buches auf ähnlichen zuverlässigen" Quellen beruht, ist es bedauerlich, daß Herr Bilsen ernst genommen worden ist. Der zweite weibliche Stationschef in Desterreich. Fräulein Mizzi Horak auf der Station Vilpian der BozenMeraner Vahn ist nun nicht mehr der einzige weibliche Stationschef", da jetzt auch die Station St. Anton der Mendelbahn einen blondhaarigen weiblichen Stationschef aufzuweisen hat. [ Nationalökonomie im Tingeltangel.] Chamberlains Bollpolitik feiert 3. Zt. in den Londoner Tingeltangeln große Siege. In der Alhambra" wird allabendlich ein Chamberlainhymnus gesungen, der„ John Bulls Magazin" betitelt ist. Die zweite Strophe lautet: „ Aber heute ist's eine andre Sache, Des Neiches Ruhm scheint sich zu verdunkeln, Wir kaufen dort, wo einst wir verkauften, Der Fremde hat unsern Handel ergaunert! Ter Horizont ist schwarz, die Bestellungen felten Doch ein Kämpe rückt vor mit gewaltigem Sprunge, Das Monocle im Auge läßt besser ihn sehen, Was in John Bulls Magazin noch fehlet. Refrain: Kaufet, kauft in John Bulls Magazin! Wir brauchen nicht mehr den Deutschen, den Ycukee, Das verdiente Geld bleibt in unseren Händen, Wenn Ihr in John Bulls Magazin mur kaufet" Die Verse erregten eine ungeheure Begeisterung, und dem Kämpen mit dem Monocle scheinen sie auch sehr gut gefallen zu haben, denn er beglückwünschte den Verfasser in einem sehr schmeichelhaften Telegramm zu seinem Erfolge. Die Tierbonne.] Der neueste, höchst originelle Frauenberuf ist der der Tierbonne. Die wertvollen Schoßtiere, mit denen jetzt besonders in Paris und Newyork geradezu Kultus getrieben wird, sind ihre Zöglinge. Erstes Erfordernis der Tierbonne ist genaue Kenntnis der gewöhnlichen Krankheiten der Haushunde und der Katzen. Beide Tiere sind Erfältungen der Atmungsorgane und dem Rheumatismus unterworfen. In einigen Fällen müssen Pillen, in anderen Pulver gegeben werden, und bei Rheumatismus sind Dunsteinpackungen von Nutzen. Wenn ein Hund schlecht aufgelegt ist, so ist es schwer, ihn dazu zu bringen, ein Pulver einzunehmen oder sich in nasse Tücher wickeln zu lassen. Die Kunst der Bonne besteht nun darin, ihn so zu behandeln, daß er sich ihr willig überläßt. Kazen sind launenhafter als Hunde, daher schwerer zu behandeln. Wenn eine Katze ein Pulver oder einen Trank nehmen soll, so muß die Wärterin gewöhnlich ein Paar dicke Lederhandschuhe tragen, um sich vor dem Beißen und Krazen ihres Zöglings zu schützen. Auch besondere Affenpflegerinnen gibt es. Wenn sich eine„ Bonne" spezialisieren will und sich der Pflege nur eines besonderen Tieres widmen will, so findet sie auch dafür ein gutes Feld. So besitzt eine gute Papageienpflegerin eine große Praris in Paris. Papageien haben mitunter Anfälle von Schweigsamkeit und wollen dann trotz aller Schmeicheleien ihrer Herrin kein Wort äußern. Sache der Pflegerin ist es dann, die Widerspenstigen wieder zum Plaudern zu bringen. Die „ Tierbonne" nimmt entweder eine regelrechte Stellung in einem Hause an oder sie macht„ Visiten". Die Stellungen sollen viel rentabler sein als die der Kinderbonnen. Hunde als Schmuggler] sind wohl schon an jeder Zollgrenze verwandt worden. Zwischen Gibraltar und dem spanischen Gebiet hat jedoch der große Unterschied, der in den Preisen für Tabak, Streichhölzer und Spezereiwaren hüben und drüben herrscht, den Schmuggel mittels Hunden zu einer besonderen Vollkommenheit gebracht. Man bindet den Tieren in Wachstuch eingenähte Pakete auf den Rücken und wirft sie von einem Boot ins Wasser. Sobald die Tiere das User erreicht haben, werden sie durch Schießen und durch Werfen mit Steinen und Stöcken so gehezt, daß sie in tollstem Lauf und jeden Menschen meidend, dem Hause zueilen, in das sie gehören. Auf diesem Wege lernen die Hunde begreifen, daß sie auf ihrem Wege jeglichem menschlichen Wesen ausweichen müssen. Sind sie so weit abgerichtet, dann werden sie in der Nacht in der angegebenen Weise als Schmuggler verwendet. Die Zollbeamten machen natürlich auf diese vierbeinigen Schmuggler sehr eifrig Jagd und versuchen sie, während sie schwimmen, zu schießen. Die Folge davon ist, daß der ganze Strand mit mehr oder weniger verwesten Hundeleichen bedeckt ist. Die neue Rechtschreibung erfährt in dem Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" folgende beachtenswerte Kritik. Eine Merkwürdigkeit der neuesten Rechtschreibung - so schreibt das Blatt ist die Behandlung der Wörter geben und lesen. Zwei gleichartigere Wörter als diese hat die ganze deutsche Sprache nicht; der Stamm beider besteht aus je drei Buchstaben( zwei einfachen Mitlautern, einem einfachen Selbstlauter) und die Zeitformen lauten durchwegs übereinstimmend: ich gebe, ich lese,- ich gab, ich las, ich gäbe, ich läse, gegeben, gelesen. In diese Uebereinstimmung bringt nun die neueste Rechtschreibung eine Störung. Sie befiehlt einerseits: du liesest( liest), er liest, mit ie geschrieben; andererseits: du gibst, er gibt, beides ohne e. Man vergleiche aber die Abwandlung der Wörter sehen( sieht), geschehen( geschieht); ist denn das e in geben weniger lang als das e in den Wörtern lesen, sehen, geschehen? Und wie verhält es sich mit der Bildung des Intransitivums liegen aus dem Transitivum legen? Und die Schreibung des aus schwer abgeleiteten Wortes schwierig? Beweist auch diese nichts für die Umwandlung eines langen e in ie?- Aber nicht genug mit dieser Verleugnung eines mit Händen zu greifenden Gesetzes; das merkwürdigste ist: die neue Unrechtschreibung widerspricht sich jeibit: sie ordnet an: ergiebig, ausgiebig mit ie!!! Drei Millionen- Diebstahl. Die Pariser Polizei hat einen Italiener Namens Musso verhaftet, der zu der Bande gehört, die im März d. Js. in einer Villa in Casale einen Einbruchsdiebstahl verübte und dabei für 3 Millionen Francs italienische Rententitres erbeutet hatte. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Bande bisher für 500 000 Francs Rententitres verkauft hat. Musso ist an Italien ausgeliefert worden. * Zions Ende. Der fromme amerikanische Apostel Dr. Dowie steht auf dem Sprunge, sich von seinen Gläubigen zu wenden und die von ihm gegründete Stadt Zion im Stich zu lassen. Nicht so aber das Geld, das er sich in seiner Eigenschaft als Prophet Elias von arglosen Seelen hat aufdrängen lassen. Das hat er in eisernen Kisten auf dem Dampfer Sayonia" samt der Frau Prophetin und seinem Sohn Gladstone nach Australien einschiffen lassen. Er selbst wird Frau und Kind in kurzem nachfolgen, um die Zinsen der 7 Millionen Dollars, die der Schatz enthält, dort in Ruhe zu verzehren. Die Mauern des neuen Zion aber werden zusammenkrachen, da das goldene Fundament ihnen entzogen ist. Was kümmert das aber den smarten Geschäftsmann Dowie? Business is Business, ob man nun in faulen Aktien oder Prophetenruhm macht. [ Moralpostkarten, die die Uebel der Trunksucht illustrieren, hat ein Herr Capmartin in Blaye hergestellt. Er schlägt vor, diese Karten an notorische Trunkenbolde zu schicken. Die Empfänger sind aber jetzt wegen Verleumdung gegen die Absender vorgegangen. So wird die gute Absicht berfannt. [ Abgetrumpft.] Von dem fürzlich verstorbenen Württembergischen Oberlandstallmeister v. Scholl weiß ein Stuttgarter Blatt folgende niedliche Anekdote zu berichten. Auf der Reitschule Hannover erschien der als Kavallerieoffizier dahin kommandierte v. Sch. in einfachen langen Beinkleidern in der Reitbahn, was einen anwesenden Herrn bon den Husaren zu der kritisierenden Bemerkung veranlaßte, daß er in diesem Anzug wohl kaum mitkommen werde. Sch. als ausgezeichneter Seiter aber ritt alle Touren tadellos ab, während der kritische Husar das Pech hatte, sich von seinem Pferde zu trennen. Nach getaner Arbeit trat v. Sch. auf den etwas gedeppten" Husaren zu, klopfte ihm gemütlich auf die Schulter und sagte in seinem unverfälschten Schwäbisch:" D' Hösle machet's ne- et, Herr Kamerad!" ver seleidigte Künstler. In Anhalt fam es in der belebten Friedrichstraße zu einem brutalen Auftritt, den der frühere Hofopernsänger Kienlechner provozierte. Er stellte den herzoglichen Kapellmeiſter Milorey wegen einer abfälligen Aeußerung zur Rede, die dieser über ihn und seine fünstlerische Tätigkeit getan haben sollte. Als Milorey ableugnete, schlug ihn Kienlechner mit der Faust ins Gesicht und trat ihn mit Füßen. Gegen den schlagfertigen Künstler ist Anzeige erstattet worden. Für den Vater geopfert. Ein vor 26 Jahren zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilter Maurer namens Burmeister ist jetzt begnadigt und freigelassen worden. 1877 beteiligte er sich an einem von seinem Vater angeregten Einbruch in das Gehöft eines Mühlenpächters in Damsdorf. Da der Pächter und seine Frau erwachten, streckte der Vater des Burmeister beide durch Schüsse nieder. Nach der Entdeckung der Mörder bestritt der Vater, ein übel beleumundeter und mehrfach vorbestrafter Mensch, die Tat; dagegen gestand der Sohn ein, daß er die tödlichen Schüsse auf die Eheleute abgegeben habe. Das Schwurgericht zu Kiel verurteilte beide zum Tode; die Strafe wurde aber auf dem Gnadenwege in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt. Nachdem der Vater im Jahre 1896 in der Anstalt gestorben war, versicherte der Sohn, der sich im Zuchthause tadellos geführt hatte, daß nicht er, sondern sein Vater beide tödliche Schüsse abgefeuert hätte; er habe durch die falsche Selbstbezichtigung seinen Vater vor dem Schaffott retten wollen. Jetzt ist sein Gesuch um Freilassung bewilligt worden. †[ Welchen Wert Tauben besitzen können, zeigte eine Muftion in Manchester, bei der 72 Drachentauben versteigert wurden und zusammen den Preis von 18 000 Mark brachten. Taubenzüchter aus allen Teilen Englands und selbst aus dem Norden Schottlands wohnten der Auktion bei. Die beste Taube erzielte einen Preis von 1200 Mark. Da dieses Tierchen nur ein Pfund wiegt, ist es sein Gewicht in Gold wert. [ Wenn man zu realistisch ist. Eine hübsche Theateranekdote, welche die Gefahren des übertriebenen Realismus zeigt, erzählt eine englische Zeitschrift. In einem Drama hält die sehr erregte Heldin plötzlich inne, um wieder Fassung zu gewinnen, als sie die herannahenden Wagen ihrer Gäste hört. Horch!" sagt sie, ich höre die Räder ihrer Wagen." Den Effekt der herankommenden Räder erzielte man leicht; was man aber auch versuchte, das Stampfen der Pferde auf dem Kies vor Clarissas Tür konnten wir nicht hervorbringen. Schließlich verfiel man auf eine glänzende Idee, die der Regisseur sofort in die Tat umsekte, nämlich einen Esel auf dem hinter der Szene gestreuten dies auf- und abtrotten zu lassen. Natürlich waren die Darsteller bei dem ersten Auftreten jenes Vierfüßlers, der die Pferde des glänzenden französischen Hofes vertreten sollte, ein wenig erregt. Als das Stichwort gefallen war, herrschte verhängnisvolle Stille. Die Heldin wiederholte das Wort etwas lauter. Da hörte man plötzlich den Esel ia" schreien. Das Publikum brach in ein schallendes Gelächter aus. Es war zwar eine der ernstesten Situationen des Stückes; aber die Heldin konnte sich nicht helfen, sie mußte mitlachen, bis ihr die Tränen über die Backen liefen. A[ Eine Straußenfarm auf der Weltausstellung von St. Louis. Eine Straußenfarm im Betriebe wird von der Regierung des nordamerikanischen Bundesstaates Kalifornien auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 gezeigt werden. Außer der Straußenfarm wird man auch die Gewinnung und Verarbeitung der Straußenfedern beobachten können. [ Nichts gelernt und nichts vergessen.] Adelina Patti, die z. Zt. in Newyork ihre Triumphe feiert und ungezählte Dollars einheimst, entgeht trotz der Begeisterung der Yankees doch nicht boshaften Angriffen der Kritif. Die Veröffentlichung der von der Diva zu singenden Musikpiecen, durchweg dieselben, mit denen die Patti bereits vor 30 Jahren entzückt hatte, veranlaßte einen Witzbold zu der Aeußerung, daß man daraus ersehe, daß die Patti nichts gelernt und nichts vergessen habe; das erste sei angesichts ihres Alters weniger merkwürdig denn das lezte. Boshafter kann man nicht in so wenio Worten sein. ** Sizen geblieben dieses einst so gefürchtete Wort hai yeutzutage seinen Schrecken verloren. Es ist durch die Statistik unumstößlich erwiesen, daß ein gewisser Prozentsatz von Frauen, in manchen Ländern ein größerer, in an deren ein kleinerer, unverheiratet bleiben muß. Ist dies immer als ein Unglück anzusehen? Gewiß nicht! Wie manche Frau, die in unbedachter Eile den Ghebund geschlossen, würde oft gern mit der alten Jungfer tauschen, die, ihren besseren Gefühlen und Ueberzeugungen treu, sich lieber selbst genügen ließ, als daß sie ohne Neigung oder aus falter Berechnung an den Altar trat. Ein Mädchen, das seine Aufgabe versteht, seine Kräfte benützt und entwickelt hat, wird auch nach außen immer eine ebenso ehrenvolle und geachtete Stellung finden, wie sie die hochstehende Frau sich nur wünschen mag. Aber um dieses Ziel zu erreichen, muß bei der Erziehung des Mädchens von allem Anfange an die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, daß es unverheiratet bleiben kann. Man muß auch das jüngste Mädchen darauf hinweisen, daß es viel länger alt als jung sein wird, daß der Zweck seines Lebens dahingeht, erst dann in reinster Schönheit zu glänzen, wenn die Rosen auf den Wangen anfangen zu erbleichen. Die Bestrebungen unserer Zeit auf sozialem Gebiete sind ja auch in hervorragender Weise darauf gerichtet, der Frau, die im ehelosen Stande lebt und deshalb nur zu oft für ein überflüssiges Wesen gehalten wird, würdige und lohnende Gebiete der Tätigkeit zu erringen. Wenn das Herz sich schon früh an die Vorstellung gewöhnt, daß ihm möglicherweise die The versagt bleiben kann, wird sein unruhiges Bochen nicht mehr so viele Frauenleben mußlos vergiften. Die Krankenpflege, der Beruf der Lehrerin und Erzieherin im weitesten Sinne, des Arztes für Kinder und Frauen, die Pflege der Künste, wissenschaftliche Studien, die Beschäftigung mit gewerblichen Arbeiten und kaufmännischen Obliegenheiten--dieses ganze weite Feld der Arbeit ist heute der Frau aufgetan und ist für das Mädchen, das die richtige Erziehung genossen, ein Glück, im Vollgefühle seiner Kraft dazustehen, das Gebotene zu ergreifen und sich tüchtig zu machen für den Kamps ums Dasein. Ein solches Mädchen wird wahrlich das Glück, unter allen Umständen unter die Haube zu kommen", wenn ihr Herz nicht mitspricht, nicht allzu hoch veranschlagen und einen vollen Ersatz hierfür in der Genugtuung finden, alles dem eigenen Verdienste, seiner Arbeit und Tüchtigkeit und sonst niemandem zu verdanken. Das Neueste aus den Witzblättern. Bei der Schmiere. Regisseur( nach der Probe zu einem Drama, in dem der Held sich erschießt):„ Die Pistole, die Sie mir gegeben haben, geht nicht los, Herr Direktor!" Direktor( das Mordinstrument in die Hand nehmend): „ sa, ia, das hat man mun von dem ewigen Vorschießen!" Bedienten wit. Herr: Jean, holen Sie mir mal eine Flasche Burgunder, mir ist heute nicht recht ertra!" Jean:„ Es ist keiner mehr da, gnädiger Herr!" Herr: So, warum denn nicht?" Jean:„ Weil gestern mir nicht ,, recht extra" war!" Verplappert. Richter:„ Wenn Sie ein reines Gewissen hatten, weshalb entfernten Sie sich dann durch die Hintertür über die Mauer, anstatt vorn zum Hause hinauszugehen?" Angeklagter: Ja... vorn stand nämlich ein Polizist!" Immer parlamentarisch. Abgeordneter( der, zu Gefängnisstrafe verurteilt, sich beim Pförtner zum Strafantritt meldet): Sie, wo ist denn hier der Situngssaal?" ( Dorfbarbier.) Geschäfts- Uebernahme und Empfehlung. Der Unterzeichnete beehrt sich hiermit ergebenst anzuzeigen, daß er das seither unter dem Namen Gg. Koch in Gießen betriebene Uhren und Optische Waven- Oeschäft fäuflich erworben und unterstelle die hierbei übernommenen Waren einem Aus verkauf. Regulateure, 14 TageSchlagwerk, ca. 1-1,05 Mtr. lang, so lange Vorrat reicht v. 20 M. an. Gleichzeitig empfehle ich mich in allen in der Uhrmacherei, Optik und Goldwaren Branche vorkommenden Reparaturen einschließlich komplizierter Uhren, unter reeller Garantie. Brillen nach ärztlicher Vorschrift. Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, meine werte Kundschaft pünktlich und reell zu be= dienen. Einem geneigten Zuspruch gerne entgegensehend, zeichne Mit aller Hochachtung Julius Philipp, Ahrmacher. Kochs Nachfolger. Gießen, Bahnhofäraße 50. Kunft und Wiffenfchaft. CF. Meridianmessung. Auf dem Observatorium von Pulkowa, der Petersburger Sternwarte, werden gegen wärtig unter der Leitung des Direktors Baklund die Be rechnungen eines Meridianbogens von 2½ Grad beendet. Das Material zu diesen Berechnungen lieferten die 1899 bis 1901 von dem Akademiker Tschernyschew auf Spißbergem gemachten Triangulationen. Die Berechnungen sind bom hohem astronomischen und geodätischen Intereſſe insofern, als erst die Ausmessung eines Meridianbogens unter hohen Breiten die Möglichkeit einer genaueren Bestimmung der Abplattung des Erdballes gewährt. Die von der schwedischen Spitzbergen- Expedition vermessene Länge des Meridians beträgt 1% Grad, so daß im ganzen 44 Bogengrade( etwa 460 Kilometer) berechnet werden. Für die Genauigkeit der Vermessung ist es bezeichnend, daß der als möglich in Rechnung gestellte Fehler nur 7,2 Millimeter auf 6,225 Meter beträgt. RO. Der Kampf um die Vivisektion wirft in Wien immer breitere Wellen. Sämtliche medizinische und ärztliche Kor porationen und Vereine machen in Resolutionen gegen das Vorgehen der Behörde, speziell des Grafen Kielmannsegg, Front. Medizinstudenten ließen sich sogar zu einer lärmen den Demonstration gegen den Statthalter hinreißen. Die Aufregung ist groß. Man verlangt Genugtuung für die der Wissenschaft angetane Schmach. BG. Totale Magenexstirpationen kommen in der modernen Chirurgie in immer ausgedehnterem Maße in Anwendung. Wie Dr. Ullmann in der letzten Sitzung der Gesellschaft der Aerzte in Wien mitteilte, sind bisher schon etwa 20 Jälle bekannt, in denen der Magen mit Erfolg vollkommen entfernt wurde. Dr. Ullmann stellte eine 62jährige Frau vor, bei der die Operation vor mehreren Wochen ausgeführt wor den war. Die Frau verträgt jetzt schon alle Speisen und hat seit der Operation um mehrere Kilogramm an Körpergewicht zugenommen. 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