Nr. 253 bonnementspreis: tn Gießen, abgeholt monatlich 50- Pfg., ta's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertels fährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obft- nub Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berktagen nachmitage. Mittwoch, den 28. Oftober 1903. Gießener 12. Jabrgang. fg. Insertionspret de Die einspalttige Petitzeile für Gießen wie gang Oberhessen, die Kreise Weylar und Warburg 10 fortft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Big. Boftzeitungslifte No. 3969. Rebattion und Erbedition: Gießen Nenenweg 28. Ferasprechenschink Nr. 369. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Bekanntmachung. Betr. Herbstkontrollversammlungen. Bei den diesjährigen Herbst- Kontrollversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen gehörigen: 1. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve. ( Kleiner Dienstanzug: Müße, Waffenrock oder Ueberrock, Achselstücke, lange Hosen oder hohe Stiefel beliebig, bei schlechter Witterung Baletot); 2. Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppe n- teile und der Ersazbehörden Entlassenen aller Waffen; 3. Diejenigen, der Landwehr 1. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbstkontrollversammlung zugeht. Die Ersagreservisten haben bei den Herbstkontrollversammlungen nicht zu erscheinen. Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zit die Kontrollpflichtigen anzutreten haben. A. zu Gießen im Hofe der alten Kaserne am Brand für die Bewohner von Annerod, Allendorf a. d. Lahn, Alten- Buseck, Beuern, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Großen- Buseck, Großen Linden, Heuchelheim, Klein- Linden, Lang- Göns, Leihgestern, Oppenrod, Rödgen, Trohe, Wagenborn und Steinberg, Hausen, Wieseck, und zwar: Am 6. November 1903: 1. Appell vormittags 9 Uhr. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve, sowie sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1896 und 1897 eingetreten sind. 2. Appell nachmittags 2 Uhr. E. Zu Grünberg. Am 11. Novbr. 1903, vormitt. 9 Uhr 15 Min., am westlichen Ausgange auf der Straße nach Gießen für die Bewohner von Alertshausen, Beltershain, Bersrod, Getlshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Ober- und Untere Ziegelhütte, Lagmühle Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenauischen Papiermühle, Lauter mit der Arzmühle, Bingmühle, GeorgenHammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmittmühle, Reißenmühle und Ziegelhütte, Lumda( Groß- und Klein), Ddenhausen mit Appenbörner Hof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollenbach, Beitsberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hainer- Hof, Winnerod. Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege( durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei, bezw. bei Beamte durch die vorgesehte Behörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendßen Notfalle genehmigt. Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu er scheinen. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Bigarren sind vorher wegzulegen. Die Militärpapiere( Vaß mit eingeklebter Kriegsbeordnung und Führungszeugnis) müssen zur Stelle sein. Sämtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Kontrolltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Milifärgeseh. Gießen, den 20. Oktober 1903. Großherzogliches Bezirks- Kommando Gießen. v. Mosch, Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Oberstleutnant und Kommandeur des Landwehrbezirks Gießen. Jahren 1898 und 1899 eingetreten sind. Am 7. November 1903: 1. Appell vormittags 9 Uhr. Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1900, 1901 und 1902 eingetreten sind. 2. Appell nachmittags 2 Uhr. Sämtliche zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften der Infanterie, sowie sämtliche Reservisten der Garde, Jäger, Kavallerie, Feld- und Fußartillerie, Pioniere, Eisenbahn-, Telegraphenund Luftschiffertruppen. Am 9. November 1903, vormittags 9 Uhr. Sämtliche Reservisten des Trains( einschließlich Kranfenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonals, Büchsenmachergehilfen, Defonomiehandwerker und Marine- Mannschaften, sowie zur Die position der Truppenteile und Ersatz- Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, ausschließlich Infanterie und die durch besondere Gestellungsbefehle dazu befohlenen Behrleute. B. zu Lollar. Am 9. November 1903, nachmittags 2½ Uhr, an dem Bahnhof, für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Lollar, Mainzlar, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda. C. Zu Hungen. Am 16. Novbr. 1903, vormittags 9 Uhr 15 Min., an der Post, für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdo rf, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof Gras, Röthges, Steinheim, Trais Horloff, Utphe, Villingen. D. Zu Lich. Am 10. November 1903, nachmittags 3 Uhr, fin der Amtsgerichtsstraße, für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf- Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacer Hoof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Muschenheim mit Hof- Gül, Nieder- Bessingen, Ober- Bessingen, OberHörgern, Steinbach. Erfter deutscher Arbeiterkongrefs. Der erste deutsche Arbeiterkongreß, dessen Tagung soeben in Frankfurt geschlossen wurde, hat gewissermaßen in Zusammenfassung aller seiner Absichten und Hoffnungen an den Kaiser folgendes Telegramm gesandt: ,, Ew. Majestät bringt der erste deutsche Arbeiterkongreß, der von 200 Vertretern aus allen Gauen des Reiches, von verschiedenen Berufen und Konfessionen beschickt ist, seine Huldigung dar und versichert seine unwandelbare monarchische Treue und vaterländische Gesinnung. Die hier vertretenen, mehr als 600 000 Arbeiter stehen treu zu Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland. Gestützt auf diese Grundsäße, erstreben sie unter dankbarer Anerkennung des bisher Geschehenen die Weiterführung der Sozialreform unter gesetzlicher Mitwirkung und Betätigung der Selbsthilfe." Darauf hat der Monarch, dessen arbeiterfreundliche Gesinnungen ja schon im Februar- Erlasse von 1890 hinreichend zu Tage traten, wie folgt, erwidert: „ Ich spreche den zum ersten deutschen Arbeiterkongreß dort vereinten Vertretern der deutschen Arbeiterschaft für den Huldigingsgruß und die Versicherung ihrer monarchischen Treue und vaterländischen Gesinnung meinen herzlichsten Dank aus. Ich werde die Beratungen des Kongresses mit meinem Interesse begleiten und auch in Zufunft allen Anregungen und Maßnahmen, welche geeignet erscheinen, das mir und meiner Regierung am Herzen liegende Wohl der deutschen Arbeiter zu fördern, gern meinen Schutz und Beistand zuteil werden lassen. Wilhelm, I. R." Der Kongreß selbst war getragen von warmer Begeisterung und patriotischer Gesinnung. Aus den Verhandlungen, die sich ganz im Rahmen des Programms bewegten, ist folgendes herauszugreifen. Fast vier Stunden nahm die Beratung des ersten Gegenstandes der Tagesordnung: Koalitionsrecht und Vereins- und Versammlungswesen" in Anspruch. Der Kongreß verlangte in einer Reſolution freies Koalitionsrecht ohne subjektive oder objektive Einschränkungen, Schuß der freien Ausübung des Koalitionsrechts und ein Reichsvereinsgesetz. Gegen diese Resolution stimmten bezeichnenderweise nur die Vertreter des Verbandes der katholischen Arbeitervereine, Sib Berlin", die sich für ein Koalitionsrecht ohne Einschränkungen in feiner Weise erwärmen konnten. Der zweite Gegenstand,„ Die Rechtsfähigfeit der Berufsvereine", führte zu einer einstimmigen Resolution im Sinne des Referates, dem zufolge die Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Berufsvereine zur Sicherstellung ihrer Vermögensrechte ohne Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit gefordert wird. Die dritte Frage schließlich, deren Thema die Arbeiterkammern" bildete, erregte die lebhafteste Debatte, weil darin die Anschauungen am weitesten auseinander gingen. Man fand sich schließlich auf dem Boden einer Erklärung, die in paritätischen Arbeitskammern ein wichtiges Mittel erblickt, der Verschärfung der Klassengegensäte und der damit verbundenen wachsenden Verbitterung und Entfremdung von Arbeiter und Arbeitgeber Einhalt zu tun durch Beratung und Verständigung über gemeinsame Angelegenheiten, insbesondere aus dem Arbeitsverhältnis, und weiter ein Mittel, die Rechte und Interessen der Arbeiter sicher zu stellen und zu fördern. Die Schaffung solcher Arbeitskammern sei deshalb als eine der nächsten und wichtigsten Aufgaben der deutschen Sozialpolitik anzusehen. Und es sei tief zu beklagen, daß die in den Kaiserlichen Erlassen bom Februar 1890 in Aussicht genommenen gesetzlichen Inftitutionen noch nicht verwirklicht seien. Alles in allem gewährte der Kongreß ein hocherquickliches Bild nationaler Schaffensfreude. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die in Frankfurt erzielten Resultate weiter wirken und segensreiche Folgen nach sich ziehen werden. Im Interesse der deutsch- gesinnten Arbeiterschaft und einer ersprießlichen Sozialreform wäre das jedenfalls dringend zu wünschen. Deutsche Schulidylle in Süd- Russland. Odessa, 27. Oftober. Die deutschen Kolonien Süd- Rußlands werden demnächst ein Jubiläum feiern können: Im Jahre 1904 werden hundert Jahre verflossen sein, seitdem deutsche Ansiedler aus Württemberg, Baden und Bayern sich in der fruchtbaren Ebene an der Molotschnaja niedergelassen haben und dort eine zweite Heimat fanden. Von den zirka 900 deutschen Dörfern und Ansiedelungen Süd- Rußlands sind die Ansiedelungen des Molotschna- Bezirks die blühendsten. A. Stach, einer der trefflichsten Kenner der deutschen Kolonien in Rußland, hat als eine Art Festschrift zu der bevorstehenden Gedächtnisfeier eine Geschichte der Kolonien im Cherssonschen, Taurischen und Jekaterinoßlawschen Gouvernement" erscheinen lassen. Er ist bei seinen Forschungen zu dem Ergebnis gekommen, daß die innere Kraft der Kolonialbevölferung Süd- Rußlands sich in den hundert Jahren bewährt hat. Die Kolonisten haben es verstanden, sich den russischen Lebensbedingungen anzupassen. Stach hebt aber auch die Mängel der deutschen Kolonisten rücksichtslos hervor und warnt vor allem vor Hochmut und Hader. In Glaubensund Schulsachen," schreibt er, werden separatistische Neigungen noch immer mit der den Deutschen eigenen Beharrlichkeit gepflegt." Bei dieser Gelegenheit soll noch erwähnt werden, wie und wo sich die deutschen Kolonisten Hauslehrer für ihre Kinder suchen. Die Kolonisten sind ebenso praktisch, wie erfinderisch. Uni auf möglichst billigem Wege zu einem Hauslehrer zu fommen, vereinigen sich mehrere Familien und„ mieten", wie der landläufige Ausdruck lautet, den Lehrer auf gemeinschaftliche Kosten. Die Schule beginnt nach der Beendigung der Feldarbeiten, im Oktober oder November und dauert bis zum März. Der Hauslehrer erhält in den meisten Fällen nicht mehr als 8 bis 10 Rubel monatlich bei vollständiger Verpflegung. Dafür muß er aber auch im Schweiße seines Angesichts arbeiten und von 8 Uhr morgens mit kurzen Unterbrechungen bis 4, ja bis 6 Uhr nachmittags Unterricht erteilen. Es versteht sich unter diesen Umständen von selbst, daß sich selbst hier in Odessa, das an gebildetem Proletariat einen Ueberfluß besitzt, nur schwer ein Kandidat für den Posten eines Hauslehrers bei einem deutschen Kolonisten findet. Da holt sich denn der Kolonist seinen Hauslehrer aus der Zahl der Barfüßler". In allen Nachtasylen des hiesigen Hafenbezirks lassen sich gegenwärtig täglich überaus interessante und charakteristische Szenen beobachten. Um S oder 9 Uhr abends, wenn sich das Nachtasyl gefüllt hat, erscheint ein biederer Kolonist in Begleitung eines Vermittlers und bittet den Aufseher, ihm eine geeignete Persönlichkeit als Lehrer zu empfehlen. Der Aufseher läßt sofort die im Asyl befindlichen Deutschen antreten, und der Kolonist trifft die Wahl. Der Kandidat wird dann in eine Droschke gesezt und zunächst in einer Badestube einer gründlichen Reinigung unterworfen, darauf mit billiger Wäsche, mit kleidern und Schuhwerk versehen, rasiert, frisiert und endlich auf die Kolonie gebracht. Der„ Barfüßler" ist nun wieder für einige Monate aus den Tiefen" aufgetaucht, und nicht selten bedeutet diese Rückkehr zu einem geordneten Leben den ersten Schritt zur dauernden Besserung. In den meisten Fällen jedoch erwacht in dem„ Lehrer", wenn die Tage wärmer zu werden beginnen, die alte Lust zum ungebundenen Leben. Nachdem er womöglich sein Gehalt vorweg genommen hat, verschwindet er plötzlich auf Nimmerwiedersehen, um die weite Steppe bettelnd zu durchwandern und im Herbst, von Kälte und Hunger getrieben, wieder in der Großstadt zu stranden. Der Streit um Korea eine Komödie? CB. Berlin, 27. Oktober. Die britische Presse zeigt sich andauernd beflissen, den Teufel an die Wand zu malen und einen nahen russischjapanischen Krieg zu prophezeien. Nach ihrer Darstellung fämpfen in Japan zur Zeit eine ausgesprochene Kriegsbartei und eine Friedenspartei um den beherrAud umber im Am glüdriften von allen aber b der armen ergab die Gräfin nicht uno no rеude. rings niht nur eine anmutige, reizende Gattin, sondern seine ein junger Ehemann fein fonnte, war doch Maria für ihn wieber jo bol zärtlicher Aufmerksamkeit, wie es immer nur " ancis par jo liebevoll, so boll Feuer und Geist und : war die Gräfin Maria. Schatten auffah. ihr Haupt an die Schulter des Gemahls lehnte und zu ihm Wie glücklich bin ich, Francis!' sagte Maria, indem sie der Finsternis mochten damals auch, den gleich, die lichtschimmernden Wellen benfeln. das Gefühl der sicheren, durch die Liebe verklärten Heimat „ Der Kampf der Elemente draußen ließ sie noch freudiger reicher Goldstickerei schredend und schwarzen Pferdes. gefleidet, schwarz war auch der Zaum und die Decke ſeines ein Bams von schwarzen Sammet mit doch Seine iganze geheimnisvoll an: g. er wie ein Abwar seine Rätsel zu lösen. der damaligen Sandesitte en grund, vor dem wir uns entsetzen und der uns doch lockt, Sein leicht ergrauen des Saar war, aller Kultur ihr Dasein dahinführen, bei allen wurden in Semiten, mögen sie zivilisiert sein oder ganz unberührt von denn bei allen Völkern, mögen te ndogermanen heißen oder vertrag Lösung und Ertlärung feines geheimnisvollen Sinnes; steht, so gibt uns doch gerade dieser eine unerwartete alten Seiten schenden Einfluß auf die Politik des vandes gegenüber Nußland; angeblich soll die Kriegspartei, die die Räumung der Mandschurei von Rußland energisch gefordert wissen und im Falle einer russischen Weigerung den Krieg erklären will. die Oberhand haben. Die Friedenspartei will sich, so versichern die britischen Auguren, mit einem Verbleiben Rußlandsinder Mandschureizufrieden geben, falls der Zar sich verpflichte, Chinas und Koreas Souveränität zu achten. Das wäre ein ganz vernünftiger Gedanke und jedenfalls das Beste, was Japan angesichts der ganzen Lage tun könnte. Freilich ist den russischen Versprechungen bezüglich Chinas und Koreas nicht einen Deut mehr zu trauen, als den bisherigen wegen der Mandschurei! Wenn die Japaner aber überhaupt noch im Zweifel über ihre Haltung gegenüber der Mandschureiangelegenheit sein sollten, so werden sie gut daran tun, den Weg der Friedenspartei trotz der russischen Unzuverlässigkeit zu gehen. Denn ob sie nun den Russen den Krieg erklären oder nicht: aus der Mandschurei bringt keine Macht der Welt den weißen Zaren mehr heraus. Andererseits wird Rußland nie dulden, daß Japan sich in Korea häuslich niederlasse, was doch allein der Zweck einer japanischen Kriegserklärung an Rußland sein fönnte. Daß einstweilen, vor dem Frühjahr, an einen Krieg zwischen beiden Mächten aus klimatischen und anderen Gründen nicht gedacht werden kann, haben wir schon dargelegt. Die Politik. Ossowska. Sie lieferte nicht nur ein wichtiges prozessuales, sondern auch ein packendes allgemein menschliches Moment. Aus den Aussagen der Ossowska sprach die mahnende Stimme des Gewissens, das dem Schuldigen keine Ruhe läßt, bis er seine Tat gefühnt. Das Geständnis der Hebamme. Die Ossowsta ist angeklagt, s. 3t. vor dem Landgericht Posen in dem Zivilverfahren wegen Anerkennung der Legitimität des gräflich Wesiersfi- wileckischen Knaben falsch geschworen zu haben. Sie hat der Gräfin für den Zivilprozeß folgendes Attest ausgestellt:„ Ich bescheinige hiermit, daß die Gräfin Wesierska- Sivilecka schwanger war im Jahre 1897 und von mir in den letzten Monaten der Schwangerschaft untersucht worden ist. Sie ist auch von mir bandagiert und massiert worden. Dies bescheinigt pflichtmäßig. gez. Katharina Ossowska, Bezirkshebamme." Sie hat dieses Attest als der Wahrheit entsprechend in Posen beschworen, hinterher aber zugegeben, daß das Attest falsch war. Sie habe zwar die Gräfin untersucht, aber erst, als der Knabe bereits acht Monate alt war.- Präs.: Sie geben auch heute zu, daß Sie unter Ihrem Eide die Unwahrheit gesagt haben? Angeklagte Ossowska: Ja. Die bevorstehende Wiesbadener Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Zaren erfolgt, wie unser Berliner CB., Mitarbeiter aus unbedingt verläßlicher Quelle hört, auf persönlichen Wunsch des Zaren. Vor einigen Tagen richtete Nikolaus II. ein Telegramm an Kaiser Wilhelm, in dem er erklärte, er möchte Deutschland nicht verlassen, ohne vorher seinen lieben Freund" unseren Kaiser- begrüßt zu haben. Kaiser Wilhelm antwortete, er freue sich der ihm angetragenen Begegnung sehr, um dem Zaren keine Umstände zu machen, werde er nach dem nahe bei Darmstadt gelegenen Wiesbaden kommen, wo die Begegnung im Königlichen Schloß stattfinden könne. Die Namen der an der Begegnung außer den beiden Kaisern noch Teilnehmenden haben wir bereits genannt. Erwähnt sei noch, daß vermutlich auch der am heutigen Mittwoch nach Paris abgereiste russische Minister des Auswärtigen, Graf Lambsdorff, der am Sonnabend nach Darmstadt zurückkehrt, bei der ZweiKaiserbegegnung zugegen sein wird. In diesem Falle wird auch Graf Bülow den Kaiser nach Wiesbaden begleiten. Des Kaisers Aufenthalt in Wiesbaden ist auf vier Tage bemessen. A Gegenüber einer Meldung des Pariser„ Figaro", die nächstjährigen deutschen Kaisermanöver würden im Saarrevier stattfinden und 4 Armeekorps beschäftigen, teilt die„ Nordd. Aug. 3tg." mit, daß die Manöver in Mecklenburg abgehalten werden und daß daran nur 2 Armeekorps teilnehmen. Eine Muster- Masseuse. tien nachreist und auf einmal dort mit Ihnen sich sehr gu berträgt. Ange kl.: Wir waren in der schönen Gegend dort immer sehr animiert. Justizrat Wronker: Sat: die Gräfin die Schimpfworte nicht aus Anlaß von Eiser.. ſuchtsszenen benuẞt?- Angefl.: Ja, es handelte sich um Liebesgeschichten, wenn sie so schimpfte, es handelte sich um Verhältnisse mit anderen Frauen. Präs.: Hatten Gie denn solche Verhältnisse? Ange kl.: Warum soll ich fein Verhältnis haben?( Heiterkeit.) Der Angeklagte schät seine Schuldenlast auf 200 000 Mart, während er sie in der Voruntersuchung auf 450 000 Mark angegeben hatte. Sie weiß von nichts. Präs.: Wie famen Sie zu der Ausstellung des Attestes? - Ange kl.: Die Frau Gräfin schickte zu mir, der Doktor habe ihr geraten, sich massieren zu lassen. Ich habe das Wort damals zum erstenmal gehört. Sie hat mir erklärt, wie es zu machen ist und ich habe sie mehrmals massiert. Damals war aber das Kind schon acht Monate alt oder noch älter. Eines Tages klagte mir die Gräfin, daß man die Rechtmäßigkeit des Kindes anzweifle. Die Hebamme, die bei der Geburt geholfen, wäre gestorben und sie hätte nun keine Beweise. Ob ich ihr nicht ein solches Attest ausstellen würde. Ich habe das dann wider besseres Wissen getan und seine Richtigkeit beschworen. In Posen ist kurz vor dem Termin die Angeklagte Knoska zu mir gekommen und hat gesagt, die Frau Gräfin lebt so in Angst wegen meiner Aussage. Das hat mich auch veranlaßt, mein Gewissen zu belasten und falsch zu schwören. * Wieder einmal geht das Gespenst einer Reichskanzlerkrisis um: Die Wünsche der Gegner des Grafen Bülow haben sich zu dem Gerücht verdichtet, die Stellung des Kanzlers sei erschüttert. Ja, noch mehr, man wispert sid, bereits die Namen der Kandidaten ins Ohr, die für die Nachfolge des Kanzlers angeblich in Betracht kommen: Die Namen des Frhrn. v. Roten han, des früheren preußischen Gesandten beim Vatikan, und des Generalobersten v. 2 o e. Auch Frhr. D. Rheinbaben, der preußische Minister des Innern, wird genannt. Alle diese Gerüchte und Kombinationen sind, wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter von gutunterrichteter Seite erfährt, haltlos. Zu einer Erschütterung der Stellung des Reichskanzlers liegt zur Zeit kein Grund vor, und damit fallen alle Kombinationen über die Person seiner Nachfolger in sich zusammen. Zum Nachfolger des Frhrn. v. Richthofen als Oberpräsident der Provinz Ostpreußen ist der Potsdamer Negierungspräsident v. Moltke ernannt worden, ein Neffe des Feldmarschalls, der als tüchtiger Beamter und maßvoller Charakter gilt. Das unbequeme Gewissen. Die zu Lauterbac persönlichen Scheiden ma fich also aud Ueberraschung Dr. Wallau * Dem Landesunivers legendi für b * Besi bes Pahnüb Grünberg und Herr P nach der B Mücke, wäh Auf absolutes Leugnen legt sich die nächste Angeklagte, Bronislawa Kwielkowska, die weder von dem Abholen des Kindes, noch von dem Eintreffen auf dem Schlesischen Bahnhof, noch von der Fahrt mit dem Droschkenkutscher Wilke nur das Geringste wissen will: Ich bin von jeher gedächt nisschwach," sagt sie. Weiß nir von Geheimnis." Gie leugnet auch, sechs Rotweinflaschen mit Schweineblut für die Gräfin eingepackt zu haben. Der Erste Staatsanwalt hält ihr vor, daß sie sich im Jahre 1901 recht gut auf bjer Jahre vorher zurückliegende Vorgänge besinnen konnte. Die Angeklagte behauptet, ob sie mit der Gräfin in Paris ge wesen sei, könne sie nicht sagen, es sei ihr nur wie ein Traum. Sie habe den Zustand der Gräfin stets für echt gehalten. Präs.: Und was hat Sie weiter dazu veranlaßt? Angekl.: Ich habe an die gräfliche Familie gedacht. Präs.: An das Kind auch? Angefl.: Ja. Bräs.: Haben Sie auch gedacht, dann müssen die Fräuleins heraus aus dem Schlosse? Angekl.: Ja, ich wollte der Familie das Vermögen erhalten. Präs.: Sind Sie von jemand beeinflußt worden, nachher Ihre Aussage zu ändern? Angel.: Nein, ein Jahr Gefängnis oder mehr ist viel leichter, wie ein falscher Eid, drückt nicht so auf Gewissen. Präs.: Als Sie der Frau Gräfin das Attest brachten, war da der Herr Graf zugegen?- Angefl.: Ja.- Auf Ersuchen der Verteidigung stellt der Präsident aus den Akten fest, daß die Ossowska früher andere Aussagen in dieser Beziehung gemacht hat. Weiter wird festgestellt, daß die Angeklagte in einem früheren Falle, bei dem sie mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen war, auch vier Wochen nachher ihre Aussage zurückgenommen hatte, und zwar angeblich ebenfalls aus Gewissensbissen. In der bayerischen Kammer kam die General debatte über die allgemeine politische Lage nunmehr zum Abschluß. Nach einer Erklärung des Zentrumsabgeordneten Bimmern, auch er wünsche einen gesunden und ehrlichen Frieden, fritisierte der liberale Abgeordnete Deinhard Sie Unsicherheit bei all den Handlungen des neuen Ministeriums, die sich wiederholt, so gegenüber der Verstaatlichung der Pfalzbahnen, der Verteilung der Geschäfte innerhalb der Ministerien u. s. m. gezeigt habe. Seine Freunde ständen dem neuen Ministerium abwartend und vorsichtig gegenüber, da ihnen keine genügende Klarheit über dessen Absichten geworden sei. Weiterhin polemisierte der Redner gegen das Zentrum und sprach sich im Sinne der Aufgabe des Postmarkenreservats aus, das wenigstens in der Pfalz nicht als unabänderlich gelte. Graf Tisza geriet schon zu Beginn seiner Verhandlungen mit den Parteien in ernste Schwierigkeiten. Sogar in der liberalen Partei, der er selber angehört, ist er auf große Gegnerschaft gestoßen: Graf Apponyi hat sich mit seiner Gefolgschaft von den übrigen Liberalen getrennt und erlärt, er fönne nicht weiter mitmachen. ,, Großmutter" Gräfin. Aus den weiteren Verhandlungen ist nur noch die Erklär ung der Verteidiger von Wichtigkeit, daß sie nie den lei sesten Gedanken gehabt haben, daß Graf Hektor Kwilecki und dessen Familie( die Agnaten) irgend welche unlauteren Machenschaften in dieser Affaire sich hätten zu schulden kom men lassen". Hervorgerufen wurde diese Erklärung durch die Aussage eines Zeugen, daß davon gesprochen worden wäre, Graf Heftar Kwilecki würde mit Freuden zwei Millio nen für den Besitz von Wroblewo zahlen. Nab und Fern. Begleitung geordneten anlagen in 2 * Uel Montag in fahrene trug fonnte aber Dienstag mo ** Ver geftern in C 60jährige F Anspruch gen + Kaiserlicher Gnadenakt. Dem Pastor Haspelmath in Kirchboizen, welcher im September d. J. von der Strafkammer in Verden wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, ist diese Strafe jetzt im Gnadenwege erlassen worden. Wie noch erinnerlich sein dürfte, hatte Pastor H. während der Nachtzeit vom Fenster seiner Wohnung aus einen Einwohner des Orts erschossen, den er für einen Einbrecher hielt. Prinz Max von Sachsen in Jerusalem. Der Sohn des Königs von Kachsen, Kaplan Prinz Mar, weilt seit einer Woche als Pilger in Palästina. Die Behörden von Jerusalem hatten erfahren, wer der Pilger, der das einfache Büßergewand trug, eigentlich sei, und glaubten, der Brinz habe es nur angelegt, um vollständig unbekannt die heiligen Stätten zu besuchen. Sie beabsichtigten deshalb, ihm die einem föniglichen Prinzen zustehenden Ehren zu erweisen, wovon sie erst Abstand nahmen, als sie erfuhren, daß der Prinz tatsächlich Geistlicher sei. Auf Befragen des Ersten Staatsanwalt Steinbrecht, ob die Angeklagte Ossowska denn selbst je geglaubt habe, daß die Gräfin die Mutter des Knaben sei, erwidert die Angeflagte: Hab' ich immer geglaubt, Frau Gräfin sei Großmutter von dem Kinde.( Heiterkeit im Zuhörerraum.) Erster Staatsanwalt Steinbrecht: Wen haben Sie denn für die Mutter gehalten? Angefl.: Hab' ich geglaubt, die Frau v. Sutowska( die verheiratete Tochter der Gräfin). Präs.: Haben Sie das jemand gesagt? Angefl.: Ich hab' das so gedacht, aber nichts gesagt. Vert. Justizrat Wronker: Glauben Sie nicht, daß Ihnen hohe Belohnung winkt, wenn Sie Ihre Strafe wegen Meineids verbüßt haben? Angef I.: Nein, nur wegen Gewissen sage ich jetzt die Wahrheit. Verteidiger Justizrat Wronker macht hier den Einwurf, daß die Angeklagte zu ihrer Aussage durch die Hoffnung auf eine hohe Belohnung verleitet sei, ohne daß er an irgend eine Beeinflussung seitens der gräflichen Agnaten glaube. Die Angeklagte hat eine Anzahl Bettel die der Verteidiger dem Gerichtshof übergibt als Kassieber aus dem Gefängnis geschrieben, in denen sie ihren Verwandten mitteilt, der Probst ihres Heimatortes werde ein Gnadengesuch einreichen, und der„ Herr" werde sich sehr erkenntlich zeigen. Die Angeflagte erklärt, daß sie dadurch nur ihre Angehörigen habe beruhigen wollen. Gräfin Wesierska- wilecka behauptet entgegen den Befundungen der Hebamme, daß sie von dieser bereits während ihrer Schwangerschaft massiert worden sei. In einer Londoner Vorstadt ist der Vorsitzende der Vereinigung armenischer Flüchtlinge in England, Sagruni, ermordet worden. Der Mörder soll entkommen sein, aber man vermutet, daß er in armenischen Kreisen zu suchen sei. Offenbar entspringt die Tat irgend einem Streit innerhalb der Vereinigung. Armenische Rachsucht äußert sich ia beFanntlich nicht nur gegenüber den Fremdgläubigen, sondern weiß auch unter Glaubensbrüdern für den Dolch das Ziel zu finden. Die Regierung von Columbien macht neuerdings den schüchternen Versuch, in der Panama- Angelegenheit Frankreich gegen die Vereinigten Staaten auszuspielen. Man fordert allen Ernstes die französische Regierung auf, die Befigrechte der Panamagesellschaft, für welche von den Vereinigten Staaten eine Entschädigung von 210 Millionen Francs geboten seien, mit aller Entschiedenheit, nötigenfalls burch Entsendung von Kriegsschiffen zu schüßen. Frankreich wird sich vermutlich hüten. Der Kindesunterfchiebungs- Prozess. ( 2. Berhandlungstag.) RK Berlin, 27. Oktober. Den Clou des zweiten Verhandlungstages bildete unbestritten die Vernehmung der ersten Angeklagten, die heut vor den Schranken des Gerichts stand. der Hebamme Der stolze Vater. Die Beamte, die ber Stadt G fußmann 29. und Sch wird es an Achtung aus Ein Münchener Bankkrach steht in drohender Aussicht. Verursacht ist der Krach, in den als erstes Opfer die Terpolwerke München- Giesing verwickelt sind, durch die Flucht des Banfiers Ellenrieder, dessen Unterschlagungen über eine halbe Million Mark betragen sollen. Ellenrieder ist seit langer Zeit ,, berreist". Er hatte einen Privatdetektive mitgenommen, der von Leipzig, Dresden und Berlin aus die Telegramme an die Firma nach München sandte, in denen der Anschein erweckt wurde, als ob Ellenrieder gute Geschäfte mache. Der Detektive wartete in Berlin vergebens auf seinen Auftraggeber, der dort von Köln eintreffen wollte, und kehrte dann nach München zurück, ohne das Personal der bayerischen Firma über die fingierten Telegramme aufzuklären. Außer den Terpolwerken sind mehrere andere bedeutende Firmen in L.itleidenschaft gezogen. Graf Westerski- Kwilecki, der sich als nächster zu der AnFlage zu äußern hat, behauptet, daß er der Vater des Kindes sei und von einer Unterschiebung nichts wisse. Er habe niemals an der Legitimität seines Sohnes gezweifelt und sei stolz darauf, einen solchen Jungen bekommen zu haben. Er sei, als ihm die Geburt des Sohnes mitgeteilt worden, schleunigst mit dem praktischen Arzt Dr. Rosinski aus Posen nach Berlin gefahren. Er wisse aber nicht mehr, ob Dr. Rosinski seine Frau untersucht, oder auch nur das Kind gesehen habe. Er sei mit Dr. Rosinski in seiner freudigen Stimmung in eine Weinstube gegangen und habe dort fleißig gezecht. Als er dann vom Frühstück angeheitert nach Hause gekommen sei, habe er sich um weiter nichts bekümmert. Ueber das Verhältnis zu seiner Frau befragt, äußert Graf Wesierski, daß es unwahr sei, wenn behauptet würde, er habe jahrelang nicht mit ihr verkehrt. Re tommiffion Gießen noch Emil Ballot Derfelbe wi Longs Biert beranstalten. )*( Lu Frankfurt, G Reifen ist er Wert, wenn bort markier Tourristen d Projett ohn Bewohnern Ein nener schwerer Mißzgriff der türkischen Polizei wird der Pforte noch große Unannehmlichkeiten bereiten. Nach dem der übereifrige Konstantinopeler Polizeichef vor kurzem, wie erinnerlich, einen russischen Untertan ganz unmotiviert hatte verhaften lassen, war es diesmal ein als Tourist am Goldenen Horn weilender österreichischer Ministerialsekretär, Baron Eichhoff, dem er das gleiche Los zugedacht hatte. Eichhoff wurde auf der Straße verhaftet und zur Polizeidirektion gebracht. Man hatte ihn für Boris Sarafow ge halten, der angeblich zu jener Zeit in Konstantinopel gewesen sein soll.( Nach anderen Meldungen ist Sarasow längst tot. D. Red.) Der Verhaftete wurde nach fünf Viertelstunden, nachdem er sich legitimiert hatte, unter vielen Entschuldigungen der türkischen Behörden entlassen. Die Botschaft verlangt von den türkischen Behörden wegen dieses polizeilichen Mißgriffs Satisfaftion. In mazedonischen Kreisen ist dagegen das Gerücht verbreitet, daß Sarafow geflüchtet ist. Er habe längst Mazedonien verlassen und befinde fich in Italien in Sicherheit. Kleine harmlose Zänkereien. Manchmal ist es zwischen uns zu harmlosen kleinen Zäntereien gekommen, da meine Frau etwas heftig ist. Präs.: Ra, Ihre Frau soll Sie oftmals in Gegenwart der Dienerschaft mit Schimpfworten, wie Schweinehund",„ Lumpenjack" u. s. w. regaliert haben, sie soll auch direkt gesagt haben, sie ekelt sich vor Ihnen. Angesichts dieser Tatsachen ist doch „ barmloser Rant" ein etwas sehr zarter Ausdruck! Angek I.: Ach, das war nicht so gemeint.- Präs.: Sie sollen auch einmal gesagt haben: Sie hätten ein so miserables Leben, daß Sie sich eine Kugel durch den Kopf schießen müßten. Angefl.: Das ist schon sehr lange her.- Präs.: Die Dinge, um die es sich hier handelt, sind ja auch schon lange her. Angefl.: Das war schon vor 1896.- Präs.: Dies würde nur beweisen, daß Ihr eheliches Verhältnis schon lange vor 1896 ein sehr schlechtes war. Um so auffallender muß es erscheinen. daß bre Gattin Ihnen 1896 nach Ita denn auch d der herrliche Harem Wett wird sich ein Bäume färbe fehr lohnen. Цеб bom Landge Urteil gefäl Spiels in di Einen Teil der Hinterlassenschaft Königin Dragas kassierte der Belgrader Advokat Velikowitsch, der frühere Minister und Vertrauensmann König Alexanders in Wien, für die erbberechtigten Schwestern Lunjevita ein. Im ganzen erhoben sie bei zwei Banten 153 000 kronen. Der Hofjuwelier Köchert dagegen weigerte sich, mehrere Schmuckgegenstände, die die Königin ihm zur Reparatur gegeben hatte, auszuliefern. Er will vorher eine Forderung von meh reren tausend Kronen bezahlt haben. In der Beg Falle handle Thüringische Dynamitattentat in Bilbao. Der Aufstand in Bilbao führt zu immer neuen schweren Ausschreitungen. Die Ausständigen machten einen Dynamitanschlag gegen den Lokomotivenschuppen der Eisenbahn und die Zentralen der elektrischen Beleuchtungs- und der Fernsprechanlage. Der Ausstand hat sich auf alle Gruben der Umgegend erstreckt. A Verhaftete Anarchisten. In Barcelona wurden zwei italienische und ein französischer Anarchist verhaftet, welche durch aufrührerische Maueranschläge Propaganda zu machen suchten. Die Bewegung in Barcelona scheint von langer Hand vorbereitet zu sein. Gebiete des d diefer Lotteri Bunte Chronik. In Wreschen wurde der dortige Ge flügelhändler Aron Schmul auf offener Straße überfallen und ermordet. Der Mörder, ein Knecht, ist bereits verhaftet. deutschen R laubnis" w Staatliche B In Weißwasser wurde der 60jährige Glashüttenbesizer R. verhaftet, unter der Beschuldigung, seit zwei Jahren mit seiner jezt 15jährigen Tochter unerlaubten Umgang gehabt zu haben. teilt und de deutschen S Freisprechu merfen, da Urteile fälle -Bei Essen verunglückten durch Einsturz einer Kleinbahn brücke 7 jugendliche Arbeiter. Einer ist tot, drei andere schwer verletzt. = Ar teilten, hab rufenen großen Beif faßt 126 Kriegse Die 7. Mamonville der Ferne f die fich aber Feldwebel dritten Söh dem Hofe M ftelle überne Für de Divifion bei Drleans zu ment fich m hörte man bon Beaun bom X. Ro Tag ein n Truppenber werden. Lage in J Sauß, eine vom Feinde daß der Vor ein Artillerie Batrouille lief, erhoffe allarmiert u men fich le ichonen ronter nlap bon handelte f handelte raj.: Batter Barum Angeflag während ngegebe nächste An dem Abb Schlejiide tentutider pon jeher Geheimnis Schweinet rite Staat recht gut innen fonn afin in Bo ihr nur afin ftets f ur noch die fie nie Deftor Swiled welche unla 1 zu schulden e Erklärung gesprochen euden zwei tor Haspelm S. von der tung zu dra ist dieje& Sie noch erine Der Nachtzeit ohner des On m. Der Sof r, weilt seit rden bon Jer as einfache der Bring he Die heiligen Sti 6, ihm die einen u erweisen, bon daß der Bring tot drohender Aus Opfer die Terp urch die Flucht d ngen über llenrieder ist ivatdeteftive m Berlin aus d sandte, in der der gute Geschä rgebens auf fein wollte, und te nal der bayeri ufzuklären. Deutende Firmen fifchen Polizei n bereiten. izeichef vor fur ganz unmotivi in als Tourist Ministerialjereti Szugedacht hatte und zur Polizei Boris Garafon ge Konftantinopel g ngen ist Garafe wurde nach f hatte, unter viele i entlassen. rden wegen d In mazedonie tet, daß Saraj verlaffen und igin Dragas f der frühere ders in Wien, ein. Im ganz n. Der Hoff re Schmudgege ir gegeben hatt erung von m afstand in Bilb ingen. Die S gegen den Lof entralen der el nlage. Der end erstredi ona wurden berhaftet, meld ganda zu made heint bon lang der dortige Straße überf ift bereits Glashüttenbe zwei Jahren Umgang geho einer Kleinbal tot, drei ander Lokales. Gießen, 28. Oktober 1930. ** Die Ernennung des Kreisrates Dr. Wallau zu Lauterbach zum Kreisrat des Kreises Bensheim ist auf persönlichen Wunsch rückgängig gemacht. Dr. Wallau, dessen Scheiden man in Lauterbach schon allgemein bedauerte, wird fich also auch fernerhin dem Kreise Lauterbach widmen; eine Ueberraschung, die gewiß freudig begrüßt wird, da Herr Dr. Wallau sich um den Kreis schon sehr verdient gemacht. ** Dem Assistenten am hygienischen Institut der Landesuniversität Dr. Karl Rißfalt, wurde die venia legendi für das Fach der Hygiene erteilt. Besichtigung. Gestern trafen zur Besichtigung bes Fahnübergang- Terrains an der langen Hecke" in Grünberg Herren von der Eisenbahndirektion Frankfurt und Herr Provinzialdirektor Dr. Breidert aus Gießen ein; nach der Besichtigung fuhren die Frankfurter Herren nach Mücke, während Herr Provinzialdirektor Dr. Breidert in Begleitung der Herren Bürgermeister Zimmer und Beis geordneten Keil das Terrain für die projektierten Luftkurortanlagen in Augenschein nahmen. * Ueberfahren wurde von einem Wagen am Montag in Gießen ein Mann von Grünberg. Der Ueberfahrene trug arge Verlegungen am Kopf und Bein davon, fon nte aber nachdem er in der Klinik verbunden, am Dienstag morgen nach Grünberg entlassen werden. Verunglückt. Beim Dickwurzladen brach sich gestern in Grünberg beim Absteigen vom Wagen eine etwa 60jährige Frau ein Bein. Aerztliche Hülfe wurde sofort in Anspruch genommen. * * Die silberne Hochzeit können dieser Tage zwei Beamte, die sich durch 25jährige Tätigkeit im Polizeidienst der Stadt Gießen verdient gemacht haben, feiern. Ari minalschutzmann Pfeffer begeht den Tag der Silberhochzeit am 29. und Schußmann Göbel am 30. Oftober; beiden Beamten wird es an diesen Tagen an Zeichen der Wertschätzung und Achtung aus dem Kreise der Bürgerschaft nicht fehlen. * Rezitation. Die Gießener Gewerkschaftstommission hat den von seinem früheren Auftreten in Gießen noch wohlbekannten und geschäßten Rezitator, Herrn Emil Walkotte aus Berlin für einen Abend gewonnen. Derselbe wird am Donnerstag, abends halb 9 Uhr, in Lomys Bierfeller eine Rezitation:„ Ernstes und Heiteres", ber anstalten. )*( Luftkurort Grünberg ist eben das Tema in Frankfurt, Grünberg und in der Bahn. Wer täglich auf Reisen ist erfährt davon. Es wäre deshalb von großem Bert, wenn die Pläge für die Anlagen und der Weg nach bort markiert würden. Es wäre dadurch Interessenten und Tourristen die Möglichkeit geboten, sich das Terrain für das Projekt ohne Führer anzusehen. Insbesondere würde den Bewohnern in den Nachbarorten ebenfalls ein Dienst getan, demn auch diese haben ein Interesse an dem Projekt. Bei der herrlichen Fernsicht auf dem Tannenkopf, man sieht bei tlarem Wetter den Feldberg, Münzenberg, Friedberg 2c. 2c. wird sich ein Gang, besonders jetzt, da sich die Blätter der Bäume färben und der Wald einem Smyrnateppich gleicht, sehr lohnen. * Ueber die Hessisch- Thüringische Lotterte ist von Landgericht in Elberfeld fürzlich ein sehr interessantes Urteil gefällt worden. Ein Mann( Preuße) war wegen des Spiels in dieser Lotterie angeklagt, wurde aber freigesprochen. In der Begründung sagte der Gerichtshof: In vorliegendem Falle handle es sich um den Vertrieb von Losen der HessischThüringischen Lotterie. Diese wird im Inlande, d. h. im Gebiete des deutschen Reiches veranstaltet. Zur Veranstaltung dieser Lotterie ist von der Obrigkeit eines oder mehrerer zum deutschen Reiche gehörigen Staaten die„ obrigkeitliche Erlaubnis" wie§ 286 St.-G.-B. verlangt, oder die„ bundes staatliche Genehmigung", wie§ 763 des B. G.- B sagt, erteilt und damit ist sie für das Inland, d. h. das Gebiet des deutschen Reiches erlaubt. Hiernach rechtfertigt sich die Freisprechung des Angeklagten. Dazu ist freilich zu bemerfen, daß andere Landgerichte wieder entgegengesetzte Ucteile fällen fönnen. = Krofdorf, 27. Oft. Wie wir bereits früher mitteilten, haben die von der Kreisverwaltung ins Leben geufenen Wanderbüchereten bei unserer Landbevölkerung großen Beifall gefunden. Die hiesige Bürgermeisterei umfaßt 12 Gemeinden, mithin auch ebensoviele Bücherſtöcke. Der diesjährige Wechsel ist auf den morgenden Donnerstag zwischen den einzelnen Ortschaften festgesetzt. Es steht zu achtung finden, die sie mit Rücksicht auf ihren Zweck auch erwarten, daß die Wanderbibliotheken immer mehr Beverdienen. hier eine Ortsfernsprecheinrichtung in Betrieb genommen. (;) Londorf, 28. Oft. Mit dem heutigen Tage wurde frisch gewalzten Kreisstraße von Flensungen nach RuppertenFlensungen. Der Verkehr mit Pflugschleifen auf der rod ist bis zum 1. Januar n. Js. verboten. * * * Hungen, 26. Oft. Herr Apotheker A. Leuchtweis verkaufte seine Apotheke an Herrn Apotheker Hahn. in diesen Tagen seinen § Hohensolms, 24. Oft. Der Fürst von Lich, hat Hohensolms wieder beendet und ist nach Lich zurückgekehrt. Sommeraufenthalt auf Schloß evangelischen Kirche ein Geschenk von 25 000 Mart vermacht. Friedberg. Taubstummenlehrer Heyland hat der ** Gemünden a. Wohra. Die Düsseldorfer Jagdherrn, 17 an der Bahl, haben sich wieder auf 8 Tage zur großen hiesigen Wälder kann aber auch ein Jägerherz erfreuen, beHerbst- Treibjagd hier einquartiert. Der Wildreichtum der und 9 Füchse. An Rehwild hätte gut die doppelte Bahl trug doch die diesjährige Gesamtstrecke: 26 Rehe 18 Hasen bestrebt den guten Rehwildstand auf dem bisherigen Niveau und mehr geschossen werden können, aber die Herren sind zu erhalten, ja ihn womöglich noch günstiger zu gestalten. () Aus dem Wohratal. Vor einigen Tagen wurde im ist auzgestopft beim Königl. Revierförster zu Gemünden bei Wohratal ein vollständig weißer Star geschossen. Derselbe Wohra zu sehen. Da die Natur" solche„ Sprünge macht", dürfte auch der„ ,, weiße Spaz" und der weiße Rabe" bald folgen, zumal jenes ausgestopfte Exemplar nicht der einzige Star im weißen Kleide sein soll. ** Marburg, 27. Oft. In hiesigen Professorsfreisen wird die Mitteilung der Preußischen Korrespondenz bestätigt, daß von der preußischen Regierung die Errichtung eines Instituts Behring nach dem Muster des Pasteur'schen Instituts in Paris geplant ist. (:) Kassel, 27. Ott. Im benachbarten Oberwellmar geriethen in der Nacht vom Sonntag auf Montag auf der Kirmeß der 45jährige Sohn des Defonomen Pfläging mit dem Fahrburschen Schäfer in Streit, in dessen Verlaufe Schäfer den Pfläging mit einer Wagenrunge so furchtbar malträtierte, daß dieser an den erlittenen Verlegungen starb. (:) Wiesbaden, 26. Oft. Wie dem„ Rhein. Kurier" von verschiedenen Seiten bestätigt wird, trifft der Kaiser am 3. oder 4. November hier ein und wird mit dem von Schloß Wolfsgarten kommenden Zarenpaare und S. K. H. dem Großherzog von Heſſen eine Zusammenkunft baben. Stadttheater Gießen. Gestern Abend ging Georg Engels Drama, Ueber den Wassern" zum zweiten Male in Szene. Die Rolle der Stine Kos hatte diesmal Frl. Hohl übernommen und die Künstlerin errang damit einen vollen, ehrlichen Erfolg. Ihre Stine war eine Leistung der hohes Lob gebührt, besonders ist zu rühmen, daß die Darstellerin, ohne der „ Magd aus dem Dorf" auch nur das Allergeringste schuldig zu bleiben, selbst im Momente höchster Leidenschaft noch maßvoll genug war, um der Figur den Schimmer der Lebenswahrheit nicht zu nehmen. Das Beste gab Frl. Hohl im zweiten Aft und besonders in der Szene, in welcher die chnische Freude, mit dem scheinbar verhaßten Pastor gemeinsam zu sterben, über die Todesfurcht triumphiert, wie dieses Gefühl allmählich schwindet und andere Reue und Verzweiflung- Plaß greifen, als sie dem entsetzt zurückweichenden Pastor ihr Sündenregister entrollt und schließlich in ausbrechender, leidenschaftlicher Angst auf den Knien um seine nicht Gottes Verzeihung bettelt, in diesem Moment war Frl. H. von packender Wirkung. Auch im letzten Aft blieb sie recht gut. Die Leistungen der übrigen Tarſteller haben wir an anderer Stelle bereits gewürdigt, es genügt hervorzuheben, daß Herr Linzen als Pastor a D. Siewert eine Prachtgestalt schuf, und Herr Sandorff den Pastor Holm, besonders im Schlußakt, mit Geschick verkörperte. H. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. - Gießen, 27. Oftober 1903. Der Former Emil Heese aus Bernburg verübte an Es wehte ein starker falter Wind, und die Soldaten waren Kriegserlebnisse aus dem Feldzuge 1870/71. so ermüdet, daß sie sogar auf dem Marsche schliefen. Am 2. Dezember tam die 7. Kompagnie wieder nach Irzy in Quartiere. In der Nacht wurden überall Biwakfeuer angezündet, um die Franzosen über die Stellungen und Absichten der deutschen Truppen zu täuschen. ( 5 Fortsetzung.) Die 7. Kompagnie fam in ein ausgedehntes Gehöft Mamonville, das sie sofort zur Verteidigung einrichtete. In der Ferne sah man sehr oft feindliche Kavallerie- Patroillen, die sich aber bald wieder entfernten. In Mamonville erhielt Feldwebel Bruchhäuser die Nachricht von der Geburt seines dritten Söhnchens. Der Kompagniechef riet ihm, es nach dem Hofe Mamonville zu nennen, dann wolle er selbst Pathestelle übernehmen, was aber dantend abgelehnt wurde. Für den Fall einer Alarmierung hatte sich die hessische Division bei Château Gaillard an der großen Straße nach Drléans zu versammeln, wo auch in dieser Zeit unser Regiment sich mehrmals einzufinden hatte. Am 28. November hörte man in Mamonville den Kanonendonner der Schlacht von Beaunela Rolande, in der ein Angriff der Franzosen bom X. Korps zurückgewiesen wurde. Da für den folgenden Lag ein neuer Angriff befürchtet wurde, so mußten einige Truppenverschiebungen auf deutscher Seite vorgenommen werden. Die 7. Kompagnie bezog daher am folgenden Lage in Jrzy Quartiere. In der Nacht fiel plöglich ein Schuß, eine Patrouille wurde abgeschickt, fand aber nichts vom Feinde. Am andern Morgen stellte es sich heraus, daß der Vorposten Musketier Nachtigall der 7. Kompagnie ein Artilleriepferd, in der Meinung, es sei eine feindliche Patrouille das sich losgemacht und quer über das Feld lief, erschossen hatte. Am Nachmittag wurde die Kompagnie alarmiert und mußte in der Nacht bis Dramouln marschieren. Für den 3. Dezember hatte Prinz Friedrich Karl den Angriff befohlen. Das Gießener Regiment rückte rechts der Straße nach Orléans gegen Artenay vor. Da ritt Prinz Friedrich Karl mit seinem Stabe vorüber, mit Hucrah- Rufen von den Truppen begrüßt. Am Mittag wurde nach hartnädigem Kampfe Artenay genommen und der Feind nach Orléans hin verfolgt. Prinz Ludwig von Hessen ritt ge rade am Regiment vorüber, als in seiner Nähe eine Granate einschlug. Ein Granatstück traf den Sattel seines Pferdes, das sich hoch aufbäumte, der Prinz blieb aber unverletzt und ritt lächelnd weiter. Nachts bezog das Regiment bei Artenay Biwack und die 7. Kompagnie Vorposten. In einiger Entfernung brannte ein großer Bauernhof, welcher im Laufe der Schlacht in Brand geschossen wurde, dessen Glut sich bis in das Biwak hinein wohltuend fühlbar machte. Am 4. Dezember wurde der Angriff auf Orléans fortgesezt. Im Vorgehen erbeuteten unsere Truppen große Mengen von Zwieback, die ihnen nach den vorherigen Entbehrungen trefflich zu statten tam. Ein hartnäckiger Kampf entspann sich noch bei den Vorstädten von Orléans. Plötzlich schlug ein Marinegeschoß mitten auf die Straße unter die Truppen. Hauptmann v. Muralt vom 3. Hess. Infanterie- Regiment wurde sofort getötet, Leutnant Scharch von demselben Regimente schwer verwundet. Einige Minuten 2 | einem 4jährigen Mädchen, das er von der Grünbergerstraße zu Gießen in den Philosophenwald lockte, ein Sittlichkeits6 Monaten genommen, auch werden ihm die bürgerlichen verbrechen. Er wird in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt.- Ludwig Böckner zu Maulbach ist wegen schwerer Körperverlegung angeklagt, die er am Sedanstage nach einer Feier auf dem Heimwege Burschen angepackt worden ist und er in Notwehr um sich verübt hat. Es wird festgestellt, daß er von mehreren gestochen hat. Es tritt Freisprechung ein. Ebenfalls freigesprochen wird Friedrich Heinrich Müller zu Eckartshausen, welcher wegen Sittlichkeitsverbrechens unter Anflage gestellt war. Der Ziegler Konrad Eyring von OberNidda das ihn wegen Betrugs zu 4 Wochen Gefängnis verMockstadt verfolgt gegen ein Erkenntnis des Schöffengerichts Tatbestand des Betrugs gebricht, weshalb Freisprechung einurteilte Berufung. Die Verhandlung ergibt, daß es an dem treten muß. Zum Schlusse wird der Landwirt Karl Henkel von Gedern ebenfalls freigesprochen. Er wurde 5 Tagen Haft verurteilt. vom Ortenberger Schöffengericht wegen groben Unfugs zu - Geschäftliches. Eine häufige Klage, die man hört, ist die Klage über die Qualität des Kaffees. Selbst dort, wo nur bessere Kaffee- Sorten Verwendung finden, und wo man auch mit den Bohnen nicht zu sparen pflegt, bekommt man vielfach auf den Grund, so findet man, daß in 99 von 100 Fällen ein unschmackhaftes Getränk vorgefeßt. Geht man der Sache der Gebrauch minderwertiger und schlechter Busazmittel der Grund der Kaffee- Misère ist. Ein schlechtes Busaßmittel verdirbt selbst den feinsten und teuersten Kaffee, während ein einen angenehmen und feinen Geschmack zu verleihen vermag. wirklich guter und reiner Kaffeezusa fogar dem billigen Kaffee Deshalb handelt man in seinem eigenen Interesse, wenn man vorsichtig und wählerisch ist und nur ein solches Zusag. mittel verwendet, wie z. B. Linde's Kaffee- Essenz, welches alles bietet, was von einem guten Kaffee- Zusatz verlangt werden kann. Briefkasten. Allerdings eine fleine Korrektur müssen Sie sich gefallen H. B., Grünberg. Besten Dank; die Idee ist gut. lassen. Sonstige Mitteilungen erwünscht. Marktberichte. Frankfurter Hen- und Strohmarkt, 27. Oft. ( Amtliche Notierungen.) Heu per Zenter Mt. 3.20 bis 3.85. Stroh per Zentner Mt. 2.00-2.45. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße 2. Es können eingestellt werden: 4 landwirtschl. Pferdeknecht, 1 Schlosser, 2 Spengler, Schreiner, 2 Küfer, 1 Bäcker, 1 Fahrbursche 1 Schneider, 1 Friseur, 2 Spengler, 3 Glaser, 10 Erdarb., 3 Hausburschen, 1 Köchin, 28 Dienstmädchen gegen hohen Lohn für hier und ausw., 1 Stüße der Hausfrau, 10 Lauffrauen, 1 Laufmädchen. Lehrlinge: 1 Schlosser, 1 Bäcker, 1 Schneider. Es suchen Arbeit: 4 Schlosser, 1 Schmied, 3 Buchbinder, 2 Schreiner, Flickerin, 1 Büglerin, 2 Installateure, 2 Heizer, 1 Kutscher, 1 Holzdreher, 1 Küfer, 1 Wagner, 1 Bäcker, 1 Friseur, 1 Wäscherin, 1 Kranken- bezw. Wochenpflegerin. 1 Hausbursche, 1 Dienstmädchen, 1 Bureaugehülfe, 1 Lehrlinge: 1 Kaufmann. Berantwortlich: für ben politischen und Inseratenteil Ib in Klein; bas Sofale, ben Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal":& z. Oppermans Drud und Berlag der Gießener Berlagsbruderei( vorm. Wilh. Keller), Gießen. Couverts mit Firma von Mk. 3.50 an, liefert die Expedition. später kam der Bruder des letzteren, Leutnant Scharch von demselben Regiment von der 7. Kompagnie des Gießener Regiments hier vorüber. Er trat in das Haus, in das man seinen Bruder getragen hatte, tam aber bald mit der traurigen Nachricht zurück, daß die Verlegung eine tötliche set. In der Hand hatte er einen großen Knochensplitter, den die Aerzte soeben aus der Wunde entfernt hatten. Leutnant Scharch erlag einige Tage später seinen schweren Verlegungen. Während des Rückmarsches des Gießener Regiments aus Frankreich war der Vater aus Deutschland nach Orléans gekommen, um die Leiche seines Sohnes abzuholen. Die Stadt Orléans wurde in der Nacht auf den 5. Dezember von den deutschen Truppen besetzt, die damit nach langwirigen und schweren Kämpfen wieder diesen Stützpunkt an der Loire in Händen hatten. Am Morgen des 5. Dezember fand an dem Denkmal der Jungfrau von Orléans vor dem General v. Manstein eine Parade der Truppen seines Korps statt. In Orléans wurden Quartiere bezogen, die sich diesmal durch großen Komfort auszeichneten. Am 6. Dezember wurde die Verfolgung des Feindes begonnen. Das Gießener Regiment hatte den Wald nördlich von Orléans nach versprenaten Franzosen zu durchstreifen, wobei ihm u. a. ein riesiger Turtos, Achmed, in die Hände fiel. Hauptmann Leitz von der 4. Kompagnie erwirkte sich die Erlaubnis, ihn bei sich behalten zu dürfen, und Achmed zog seitdem immer mit dem Gießener Regimente, bis er auf dem Rückmarsche in Troyes verschwand. ( Fortseßung folgt.) F. G. F. G. F. F. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Kameraden Heinrich Wellhausen geziemend in Kenntnis zu setzen. Wir ersuchen um allseitige Beteiligung an der Donnerstag, den 29. ds. Mts., nachmittags 3 Uhr stattfindenden Beerdigung. Zusammenkunft um 284 Uhr in der ,, Stadt Marburg". - Das Kommando: der F. G. F. Lindenstruth. Kriegerverein Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht unsere Mitglieder von dem Ableben des Kameraden Heinrich Wellhausen geziemend in Kenntnis zu seßen. Der Vorstand. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 29. d. Mts. nachm. 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. Neu! Neu! Rübenschneider neuestes eigenes System, schneidet 1 Centner in 3 Minuten. der G. F. F Wiegand. O wie häßlich find Mitesser, Blütchen, Finnen, Ge fichtspicke, rote Fleckenzc., daher gebr. man geg. alle hautunreinigkeiten u. Hautausschläge nur d. echte Radebeuler Teerschwefel Geife Prima heller, süßer Traubenmost pr. 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