Nr. 148. Erstes Blatt. Wbonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., a's Saus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertel fährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhefftsche Familienzeitung( täglich) Oberhefftfche Beitschrift für Landwirtschaft, Sbft- und Gastenbau, sowie die Gießener Geifenblasen( wöchentlich). Des Blatt erscheint on allen Werktagen nachwiteg6. Samstag den 27. Juni 1903 Gießener 12. Jahrgang. Insertionsprei 8: Die einfaltige Betitgeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 fg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg. Boftzeitungsliste No. 3999. Rebaktion und Expebition: Gießen Regenweg 28. Berufsrechauslah Me, 368. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Knabhängige Tageszeitung ( Sichener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Der neue Reichstag hat jetzt durch die Stichwahlen sein endgiltiges Gepräge erhalten, vorbehaltlich des Resultates in zwei Wahlkreisen, Homberg( Bayern) und Lippe- Detmold, das wir, da dort um zwei Tage später gewählt wird, erst am Montag befannt geben können. Doch ist so gut wie sicher anzunehmen, daß im ersteren Kreise der Bauernbündler, im zweiten der Kandidat der Freisinnigen Volkspartei gewählt wird, und deshalb rechnen wir in der nachfolgenden Tabelle diese Kreise schon als Befißstand der betreffenden Parteien mit. Name der Parteien Centrum Dentsch Konservative demnach im neuen im alten Gewinn Reichstag Reichstag resp. Verlust Bayerischer Bauernbund 5 5 Bund der Landwirte 2 6 100 106 53 52 Deutsche Reichspartet Deutsch- Soziale( Antisemiten) 19 20 12 9 15 21 28 50 53 Sozialdemokraten 82 58 +24 . Süddeutsche Volkspartet 7 Polen 17 14 Protestler( Elsasser) 10 Welfen. Wilde 5 Freifinnige Vereinigung Freifinnige Volkspartei Nationalliberale --+-----+-+-++ +3 Von Parteiführern und bemerkenswerten Persönlich teiten des alten Reichstags werden, da nicht wiedergewählt in den neuen Reichstag nicht mehr einziehen: Die Kon servativen Dr. Dertel, Schrempf, Jacobsfötter, DönhoffFriedrichstein, die Mitglieder des Bundes der Landwirt Rösicke, Hahn, Lücke, die Nationalliberalen Bassermann, Büsing, Hasse, Esche, die Freisinnigen Schrader, Brömel, Frese, Hänel, Fischbeck, Beckh- Koburg, die Sozialdemokra ten Antrick, Ulrich, die Zentrumsmitglieder Letocha, Braun, die Fraktionslosen Ahlwardt und Prinz Hohenlohe- Schillingsfürst. Weiter wird der Reichstag einige bekannte Persönlichkeiten nicht mehr sehen, die sich nicht mehr haben aufstellen lassen, so: Freiherr von Wangenheim, Kropatschef, Graf Roon, Langerhans, v. Cegielski, von Dziembowski, Graf Kwilecki. Neu in den Reichstag treten u. a. der Sozialdemokrat Braun, Gemahl der Frauenrechtlerin Lilli Braun, geb. v. Kretschmann, der Nationalsoziale Gerlach, die Antisemiten Bruhn, Böckler, Graf Reventlow und der Großpole Korfanty. Im ganzen treten nicht weniger als 130 parlamentarische Neulinge in den Reichstag ein. Davon entfallen auf die konservative Partei 17, die Reichspartei 1, das Zentrum 24, die Nationalliberalen 23, die freisinnige Volkspartei 7, die freisinnige Vereinigung 3, die Sozialdemokraten 29, die Antisemiten 55, die deutsche Volkspartei 5, die Wilden 5, die Welfen 1, den Bauernbund 2, den Bund der Landwirte 1, die Polen 6. Zwei Nachwahlen haben stattzufinden. In der Hauptwahl wurde der Pole v. Czarlinski zweimal gewählt, in Konit- Tuchel und in Wirsiz- Schubin. Da er die Wahl für Wirsiz- Schubin annahm, hat in Konitz- Tuchel Nachwahl stattzufinden. Bei der Hauptwahl wurde als Vertreter des Bundes der Landwirte Vogt in Hall gewählt, in der Stichwahl wurde er ebenfalls gewählt in Crailsheim- Gerabronn als Vertreter des Bauernbundes. Da zur Zeit noch nicht feststeht, wo Vogt annehmen wird, so hat in einem der beiden württembergischen Kreise eine Nachwahl stattzufinden. Wahlausschreitungen. In Dortmund kam es in der Nacht nach dem Stichwahltage zu heftigen Zusammenstößen der Menge mit der Polizei, die wiederholt mit der blanken Waffe die Straßen säubern mußte. Die Beamten, die mit Steinen geworfen wurden, gaben Schüsse ab. Eine ganze Anzahl Personen wurde durch Säbelhiebe verlegt. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Erst nach Mitternacht hörten die Lärmszenen auf. Ebenso kam es auch in Offenbach a. M. nachts zu erheblichen Ruheſtörungen, die sich gegen den Wahlsieg des Nationalliberalen richteten, die Schußmannschaft mußte wiederholt mit der blanken Waffe vorgehen. Der Gewählte, Dr. Becker, erhielt einen Schlag mit einem Stock auf den Kopf und mußte unter polizeilichem Schuße seinen Heimweg antreten. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Aehnliche Szenen spielten sich auch in Hof i. B. ab. Die Schußleute wurden mit Ziegelsteinen beworfen, so daß zur Unterstützung der Polizei Gendarmerie und Feuerwehr herangezogen werden mußten. Sechs Personen, meist junge Burschen, wurden berhaftet. Die politik. Französische Feldzelte im preußischen Heer. )( Auf dem Truppen- Uebungsplatz Arys wird zur Zeit ein interessanter Versuch unternommen. Als Wohnung sui die dort zur Uebung eingezogenen Landwehrleute resp. Reser visten und die später nachfolgenden Stammtruppen hat die Heeresverwaltung eine größere Anzahl Zelte zur Verfügung gestellt, welche im deutsch- französischen Kriege 1870/71 bein Nehmen des Lagers von Chalon erbeutet wurden. Die Zelt sind ganz eigenartig gestaltet, äußerst praktisch eingerichtet und es soll jetzt erprobt werden, ob sich diese Einrichtung zur Nachahmung für deutsche Heeresfeldzelte eignen würde Serbische Märchen. In der italienischen und englischen Presse erhält sick mit auffälliger Hartnäckigkeit die Meldung, König Peter von Serbien der schwarze Peter", wie ihn die Witz blätter bereits benannten wolle binnen kurzem zu Gunsten seines Sohnes abdanken. Wie unser Berliner C. B.. Mitarbeiter an unterrichteteter Stelle hört, gilt diese Möglichkeit als ausgeschlossen. Eine weitere in englischen Blättern aufgetauchte Nachricht besagt, nicht nur Oberst Mischitsch, sondern sämtliche am Königsmorde beteiligten Offiziere hätten erklärt, sie würden gemeinsamen Selbstmord begehen, wenn man sie wegen des Mordes vor Gericht stellen wollte. Besonders tragisch braucht man diese Versicherung nicht zu nehmen. Die Herren werden sich die Sache wohl überlegen, zumal da sie keinesfalls eine allzu harte Strafe zu gewärtigen haben. Auf die amtliche Mitteilung des Königs Peter von seiner Thronbesteigung hat als Erster Kaiser Wilhelm geantwortet. Die in französischer Sprache abgefaßte Depesche an den König läßt manches zwischen den Zeilen lesen. Sie besagt: ,, Ich habe die Anzeige, durch welche Eure Majestät mir die Mitteilung von Ihrer Thronbesteigung machten, empfangen und nehme von dieser Mitteilung Notiz. Ich hege die Hoffnung, daß Gure Majestät Ihr Bemühen darauf richten werden, daß die guten Beziehungen, welche seither zwischen Deutschland und Serbien ge= herrscht haben, in Zukunft aufrecht erhalten und sich weiter entwickeln werden. Ich gebe dem Wunsche Ausdruck, daß die Regierung Eurer Majestät eine Periode des Friedens und des Fortschrittes für Ihr Königreich iraugurieren möge. Wilhelm." Der gemessene Ton dieses Antworttelegramms wird in Deutschland mit Genugtuung begrüßt werden. Kurze politische Nachrichten. * In das neue ungarische Ministerium werden die bisherigen Minister mit Ausnahme des Kriegsministers FreiHerrn v. Fejervarh und des Grafen Szechenyi eintreten. * Der für September angekündigte Besuch des Zaren in Warschau und Spala und die großen Herbstmanöver in Russisch- Polen werden in diesem Jahre nicht stattfinden. Der Grund der Absage iſt unbekannt. * Die Sofioter Polizei erfuhr, daß in den letzten Tagen mazedonische Revolutionäre Explosivstoffe in einem Hause in Küstendil verborgen hätten, und nahm eine Haussuchung vor. Bei dem Versuche der Bewohner, die Explosivstoffe vor der Polizei zu verbergen, kam es zu einer Explosion, wobei 6 Personen getötet wurden. Hof und Gesellschaft. *** Der Kaiser nahm gestern an Bord des ,, Meteor" an der Regatta des kaiserlichen Jachtklubs auf der Nieler Föhrde teil. Als Gäste des Kaisers waren auf dem ,, Meteor" anwesend: Prinz Heinrich von Preußen, der Großherzog von Oldenburg, der amerikanische Botschafter Charlemagne Tower und der amerikanische Marineattache Korvettenkapitän Potts. 86 Jachten waren gemeldet, die in neun Abteilungen starteten. In der ersten Abteilung, 10 Uhr 5 Min. starteten„ Orion“,„ Navahoe“ und„ Komet", in der 2., um 10 Uhr 10 min. ,,, Meteor" ,,, Hamburg" und ,, Iduna". Es herrscht Flaute, so daß die Se gelbahn abgekürzt werden dürfte. Sämtliche großen Jachten waren von Torpedobooten an den Start geschleppt worden. Zahlreiche Begleitdampfer und ausländische Lustjach en leg'eiteten die Regatta. Zwischen Kaiser Wilhelm und dem Präsidenten Roosevelt fand ein Austausch von Telegrammen statt. Kaiser Wilhelm spendete dem amerikanischen Geschwader warmes Lob. Hus dem Gerichtsfaal. § Die Weißenseer Raubmörderin Anna Raden wurde zu 10 jährigem Zuchthaus und 10 jährigem Ehrverlust verurteilt. Die Angeklagte bestritt ganz entschieden, die Absicht gehabt zu haben, die von ihr überfallene Frau Josephsohn zu töten. Der Gerichtshof kam denn auch zur Ueberzeugung, daß ihr bei der Tat die Ueberlegung ge fehlt habe, und sprach sie nur des schweren Raubes schuldig. § Eine Ehrenerklärung für Treberschmidt gab der als Zeuge im Kasseler Prozeß vernommene frühere Prokurist der Trebergesellschaft Jacobi ab, welcher schon als Lehrling in Schmidts Kohlengeschäft tätig gewesen war. Ei hat Schmidt nur als einen vechtlich denkenden, noblen Charafter kennen aelernt. Er sei aufs höchste überrascht aewesen, als er in dem Prozeß gegen die Mitglieder des Aufsichtsrates von den Schichungen und Fälschungen erfuhr aus eigener Anschauung habe er die Trebergesellschaft gelaunt; das Geschäft sei lukrativ gewesen. Daß Schmidt immer voll riesiger Hoffnung gewesen sei, bestätigt der Zeuge. Er glaube, daß derselbe durch die Vorberechnungen her Chemiker und Techniker verführt sei. Nab und Fern. £ Militärische Nebungen auf Helgoland werden in diesem Sommer in größerem Maßstabe stattfinden. Sie werden von dem 2. See- Bataillon und dem Harburger Pionier- Bataillon ausgeführt werden und sich mit interessanten, ganz neuartigen Verteidigungsfragen beschäf= tigen, die der hohen strategischen Wichtigkeit Helgolands als Stützpunkt der deutschen Nordseeslotte gerecht werden. )-( Der Fürsorge für hilfsbedürftige Chinakrieger werden die Militärverwaltungen der deutschen Bundesstaaten auch fernerhin noch die größte Sorgfalt widmen. In Preußen werden z. Zt. durch die Bezirkskommandos Recherchen angestellt, wer von ihnen einer außerordentlichen Unterstützung bedarf resp. went ein Kuraufenthalt von Vorteil sein könnte. Diese Leute werden zumeist nach Wiesbaden geschickt, indessen sind von den Privatbädern für die Zeit nach der Saison verschiedene Freipläße zur Verfügung gestellt worden. |: Ein moderner Blaubart scheint nach einer Meldung aus London der wegen des bekannten Mordes an der Miß Holland auf der Moatfarm verurteilte Hauptmann Mac Dougal zu sein. Dougal hat bereits früher mit wohlhabenden Damen im Verkehr gestanden. Zwei dieser Da men ſtarben ſehr bald, nachdem Dougal sie als seine Frauen nach Amerika gebracht hatte. Die zweite Frau stellte er seinen Bekannten wenige Wochen nach dem Tode der ersten vor. Es erregte damals Aufsehen, daß die jungen Damen, die sich bei ihrem Eintreffen in Amerika bester Gesundheit zu erfreuen schienen, so schnell kränkelten und starben. Man schöpfte damals aber keinen Argwohn gegen Dougal. Der Mörder wird am 14. Juli hingerichtet werden. * In der Bologneser Sensationsaffaire Bonmartini: Murri( wie erinnerlich, wurde Graf Bonmartini durch seinen Schwager Dr. Murri ermordet) ereignete sich ein aufsehenerregender Zwischenfall. Einer der mutmaßlichen Helfer des Mörders, der Arzt Dr. Pio Naldi, durchschnitt sich im Gefängnis zu Bologna mit einer Glasscherbe die Pulsadern und wurde schwer verwundet ins Krankenhaus gebracht. ** Gegen die übermäßigen Flurschäden bei Manövern Aus Anlaß der enormen Flurschäden bei Döberitz gelegentsich der großen Feldübung des Garde- Korps vor dem Kaiser Ende Mai d. Is. ist inbezug auf die Flurschäden eine bemerkenswerte Anordnung getroffen worden. Die Vorschrift, daß Flurschäden nach Möglichkeit zu vermeiden sind, ist, wie wir erfahren, dahin erweitert worden, daß jeder Truppenteil für Flurschäden, die er verursacht hat, aber bei richtiger Ausnutzung des Geländes hätte vermeiden können, selbst aufkommen muß. Eine Sachverstän digen- Kommission entscheidet von Fall zu Fall im Verein mit den geschädigten Landbesißern. A[ Italienische„ Reinlichkeit"] steht bei den deutschen Hausfrauen von jeher in schlechtem Rufe. Unsere Leserinnen werden aber doch einen Schrei des Entsezens nicht unterdrücken können, wenn sie hören, daß am 30. Juni der ehrwürdige Dom zu Mailand seit zwanzig Jahren erst wieder einmal einer Reinigung unterworfen werden wird. Man wird den Dom aller Voraussicht nach auf einen ganzen Monat hinaus geschlossen halten müssen, um ihn von all dem Staub und Schmuß zu befreien, der sich in dieser langen Reihe von Jahren in ihm aufgehäuft hat. [ Gut gegeben.] Von König Milan von Serbien, dem Vater des jetzt ermordeten Alerander, erzählt ein Pariser Blatt folgende Anekdote: Einige Zeit nach seiner freiwilligen Abdankung saß Milan eines Tages in einem Pariser Klub beim Baccarat. Er spielte an diesem Tage sehr unglücklich. Als er sich beim Kartenverteilen zufällig umdrehte, sah er hinter seinem Stuhle den Baron von V. ſtehen. Jetzt wundere ich mich nicht mehr, daß ich solches Pech habe", sagte der Er- König. Ich verliere immer, menn Sie hinter meinem Stuhle stehen!" Der Baron erwiderte ruhig:„ Sie übertreiben, Sire. Als Sie Ihren Thron verloren, stand ich nicht hinter Ihnen!" Bunte Chronik. In Erlau( Ungarn) wurde ein hef= tiges Erdbeben verspürt; es folgten vier Stöße. Mehrere Häuser der Vorstadt stürzten ein und fast sämtliche Häuser der Stadt sind beschädigt. Unter den Einwohnern herrscht Panik. -In Berlin unternahm der Arbeiter Golinsky auf seine bon ihm getrennt lebende Frau einen Mordversuch. Er brachte ihr zwei Stiche mit dem Messer in den Rücken bei. Der Attentäter wurde verhaftet. - In der Frrenanstalt Herzberge bei Berlin kam es zu einer Revolte von 61 Kranken, die die Wärter überfielen und teilweise übel zurichteten. Ich bin meinswegen ein armer, unglücklicher Mensch, Herr Frau hält ihr dabei die Stange, was kann ich ba machen? Sie will ja nicht!" feufzte der Küfer. ausgepfiffen wird, so nehmt sie von der Bühne fort." hinreißen, und wenn 3hr nicht wollt, daß Eure Tochter ,, und meine bon Eurem Haß gegen den Herrn Heffelbein nicht wieder Pammin ich m r fanie hät! Er brach ab. meinswegen, wohin du willst, zur Polizei oder trobigen Blick nachfendend, wie sie zur Tür schritt, geh ,, Dazu zwinge ich dich nicht," antwortete er, ihr einen Die Tür war hinter der forpulenten Frau dröhnend ins Schloß gefallen. ,, und glaubst du etwa, daß ich eine Langeweile habe, wenn sie nicht hier ist? Anna jetzt von Tag sie mit dir gehen zu lassen." zu Tag lebhafter und ausgelassener. Cei zu gefährlich, ganz blaß geworden ,, was willst du damit sagen?" fragte der Mann, der war. weilen die Schmerzen der Beruhigungsmittel verabfolgen. mit der Medizin da er von Euch will gehen?" die ihm als eine zuverlässige Person bekannt war, würbe der Stationsvorsteher gewiß unbedenklich das gewünschte Karoline, Karoline!" riefen mehrere Stimmen. Ihr bis Bote aus der Stadt ihr unten allein i Srst mollte si Lokales. Gießen, den 27. Juni 1903. ** Die Gelände- Enteignung für die neuen Kliniken beschäftigt schon seit Monaten das Kreisamt Gießen. Man wird sich noch erinnern, wie auf Seiten der Bodenund Grundstücksbesiger eine gewisse Verstimmung Platz griff, als die Preise bekannt wurden, welche für den Quadratmeter bezahlt werden sollte. Fachleute und Rechtsgelehrte wurden herangezogen und mehrere Termine fanden statt, bis nun endlich heute früh auf Grund der letzten Verhandlung das Urteil verfügt und bekannt gegeben wurde. Es wurden bezahlt: dem Herrn Plante pro Quadratmeter 12 Mt., dem Herrn Schwan 5 Mt., den Gail's Erben 5 Mt. und auch 7,50 Mt. pro Quadratmeter, dem Herrn Weidig 5 Mr., dem Herrn Gabriel 10 Mt., dem Herrn Rosenthal 5 Mt., der evangel. Kirchengemeinde 5 Mk. und dem Balserschen Stifte 5 Mt. pro Quadratmeter. Gail's Erben erhielten für abgetretenen Boden insgesamt 66 000 Mt.; Herr Gabriel für das Haus 27 000 Mt.; insgesamt 70000 Mt. Was nun auf den Grundstücken der einzelnen Besitzer, außer Gail's Erben und Gabriel noch an Bäumen, Sträuchern, Wasseranlagen, Spalieren, Einfriedigungen 2c. vorgefunden wird, wird abgesehen von dem vorgenannten Quadratmeter. Preise, noch extra bezahlt. * Mehrere Preise und Anerkennungen er hielten auf der landwirtsch. Wanderausstellung zu Hannover auch Züchter aus der Umgegend. So erhielt Ludwig Jockel III von Grünberg auf eine Kuh einen 1. Preis nebst dem Siegespreis; Jul. Zimmer in Brinkmühle bei Lauter auf einen Bullen den 2. Preis, auf eine Kuh einen Preis, mehrere Anerkennungen sowie einen Sammelpreis; Chr. Biz in Lauter erhielt auf eine Kuh einen 2. Preis und ferner eine Anerkennung. Die Vogelsberger Züchter haben auf der Ausstellung gut abgeschnitten und den guten Ruf den das Vogelsberger Vieh hat, erhalten. *** Die Ortsgruppe Gteßen des Bundes deutscher Bodenreformer" hat heute Samstag, Abends 8 Uhr, im Café Ebel einen Vortrag angefeßt. Es spricht Herr Wertmeister Bärrn- Frankfurt über" Frankfurter Erfahrungen in Wohnungs- und Bodenreform". Verunglückt. Der bei der Baufirma Birkenstock & Schneider bedienstete bejahrte Fuhrknecht Döring ist am Dienstag beim Heuladen verunglückt. Der Verunglückte befand sich auf dem fertig geladenen Wagen und war damit beschäftigt, den Wiesbaum zum Anleinen nach unten zu drücken, als dieser brach und der aus Schwarz gebürtige Döring abstürzte. Unter gräßlichen Schmerzen, jedoch bei vollem Bewußtsein, erfolgte seine Verbringung in die Klinik, wo er am Donnerstag morgen 5 Uhr verstarb. * Die Anlagemusik für Sonntag findet 112 Uhr vormittags in den Südanlagen mit folgendem Programm statt: 1. Duvert. 3. Op. Der Geiger aus Tyrol von Genee. 2. Duett a. d. Op. Troubadour von Verdi. 3. MimosaWalzer von Jones. 4. Finale a. Op. Aida von Verdi. Lauterbach, 25. Juui. Am Montag fand auf dem Hoherodskopf die Sommerkonferenz der Volksschullehrer statt. Die Referenten beschäftigten sich mit der Umgestaltung des Unterrichts in den Fortbildungsschulen. In der sich anschließenden Besprechung sprach sich die Versammlung dahin aus, daß es nicht ratsam sei, tüchtige Landwirte zum Unterricht in der Fortbildungsschule heranzuziehen; man hat in dieser Beziehung ber its Erfahrungen gesammelt; so verband man in Schlitz mit der Fortbildungsschule eine GewerbeAbteilung, an welcher ein Kaufmann über Buchführung, ein Bauaufseher über Baupläne und dergl. unterrichtete. Die Sache ist wieder eingeschlafen. Auch die Art und Weise, wie man in Langsdorf( Kreis Gießen) die Fortbildungsschule umgestalten will, fand nicht die Zustimmung der Versammlung und wurde nicht gebilligt. Sihung der Stadtverordneten. W. Gießen, 26. Juni 1903. Der Oberbürgermeister eröffnete gestern Nachmittag 4 Uhr die Sigung indem er wörtlich etwa das Folgende ausführte: Es wird die Stadtverordneten die bedauerliche Mitteilung überraschen, genau so wie sie mir unerwartet getommen ist. Unser alter Demuth ist um seine Benfionierung eingefommen"." Als", so fuhr Herr Mecum fort, ,, er mir seine Absicht, in den Ruhestand zu treten mitteilte, da verwies ich ihn darauf, daß er sich doch nicht so anzustrengen brauche, daß er sich schonen fönne, ich fügte hinzu, daß man gewiß alles tun würde, um ihn von der Arbeit zu Foulards- Seiden in hochaparten Mustern von 95 Bf. an und Seidenstoffe feber Art in unerreichter Auswahl zu billigsten EngrosBreisen, meter: und robenweise an Private porto und zoйfrei. Broben franko. Briefporto 20 Bf. Seidenstoff- Fabrik- Union Adolf Grieder& Cie Zürich G.22. Kgl. Hoflieferanten. ( Schweiz) Bekanntmachung. Die Bekanntmachung vom 23. Juni d. 38. wird dahin berichtigt, daß die Wohnung der Leichenfrau Elise Dürr sich Marktplatz 8, Eiugang Wagengasse, befindet. Gießen, den 26. Juni 1903. Der Oberbürgermeister. Mecum. An entlasten. Herr Demuth erklärte aber, daß er sich auf Rat| seines Arztes vom Amte zurückziehen müsse, da seine Augen Schonung rerlangen". Der Oberbürgermeister bat die Versammlung das Pensionsgesuch vom 15. August an anzunehmen und bemerkte, daß man später noch auf die Sache zurückkommen fönne. Die Stadtverordneten entsprachen dem Antrag. Ein Baugesuch des Kaufmanns H. Arnold II, für die Marktstraße, beschäftigte die Versammlung wiederholt. Der vorliegende Bauplan verstößt in verschiedenen Punkten gegen Bestimmungen der Bauordnung und lediglich wegen der geplanten überaus intenſiven Ausnüßung des Bauplanes wird der erbetene Dispens nicht befürwortet. Heinrich Launspach hat ohne Erlaubnis an seinem Neubau in der Alicestraße einen Balkon angebracht, der nach der Bauebenfalls nicht befürwortet. Einem Gesuch des Bauunterordnung unzulässig ist. Der nachgesuchte Disp ns wird nehmers Rinn Ecke Landgrafenstraße und Oftanlage, als Hintergebäude einen teilweise nicht massiven Bau ausführen zu dürfen, wird entsprochen, indem der hierzu nötige Dispens befürwortet wird. Bei einem Geländeaustausch am Quadratmeter und dieser von der Stadt 216 Quadratmeter Riegelpfad soll die Stadt vom Bauunternehmer Winn 2 deputation pro Quadratmeter Mt. 8,50 in Vorschlag geGelände erhalten. Als angem ssenen Kaufpreis hat die Baubracht. Stadto. Euler und Haubach sind der Ansicht, der geforderte Preis sei zu niedrig. Der Oberbürgermeister ist der Ansicht, der Preis sei nach der Gegend angemessen. Stadtv. v. Petri verweißt darauf, daß man doch seitens der Stadt die Preise für Grund und Boden so bemessen müsse, daß der Käufer auch dabei zurecht komme. Stadtv. Huhn hält 8,50 Mt. für Gelände in der Gegend für ausreichend, um so mehr, als der Betrag noch nicht ein Mal billig zu nennen sei, wenn man die Preise für Kliniksgelände zum Vergleich heranziehe. Die Mehrheit der Stadtverordneten stimmt für den Antrag der Baudeputation. dem Schaffstädt'schen Bauplatz an der Ostanlage ( früher zu Burt's Villa gehörend) wird von dem Eigentümer eine Grenzregulierung mit dem Anliegen der Stadt gewünscht, wobei es sich um Wiesengelände handelt. Die Versammlung ist damit einverstanden, daß für den nadrat meter des dem Schaffstädt zufallenden Geländes, dieser als Kaufpreis Mt. 3 an die Stadt zahlt. Mit der Verpachtung einer Sandgrube im Stadtwald, zwischen der 12. Schneiße und dem Philosophenwald. an Heinrich Kepler von Anne rod und zwar 658 Quadradmeter für 130 M. pro Jahr ist die Versammlung einverstanden Ebenso findet dieselbe nichts zu erinnern, wenn dem H. Gang IX von Großen- Bused, an der Rödgerstraße, wo derselbe bereits die Sandgewinnung betreibt, sches Gelände gegen eine Jahrespachtvon 63 Mart als Sandgrube überlassen wird. Für eine Stelle an der Volksschule( Stadtmädchenschule) steht dem Landesherrn das Recht der Ernennung des Lehrers zu. Es hatten sich zu dieser Stelle 9 Bewerber gemeldet. Der Schulvorstand schlägt vor, zur Bes zung dieser Stelle den Schulverwalter 8 immermann Gießen zu präsentieren, womit man sich einverstanden erklärt. Ein Gesuch der Lehrer an der Stadtknabenschule um Erhöhung der VerStunde Mk. 1 bezahlt wird, ist vom Rektor Hahn befürgütung zur Leitung des Knabenhortes, wofür bisher pro wortet und wird beschlossen, die Vergütung pro Stunde um 50 Pf. zu erhöhen. Die Gehaltsverhältnisse der seminaristisch gebildeten Lehrer und Schulverwalter an den höheren Schulen sind verschieden von denen unserer Lehrer an den Volksschulen und zwar zu Ungunsten der Lehrkräfte an den höheren Lehranstalten. Zwar stellt sich die Pension nach der jezigen Besoldungsweise für die Lehrer an den höheren Schulen etwas höher. Es wird der Vorschlag gemacht die Beamten mit gleicher Vorbildung auch nach einem Besoldungsplan zu günstigeren der Volksschullehrer. Dabei aber soll es im honorieren und zwar vom 1. April 1904 an nach dem Interesse der älteren Lehrer, den Lehrern an den höheren Schulen freistehen zu wählen, ob sie nach dem seitherigen Plane ihr Gehalt weiter beziehen wollen oder nicht. Stadtv. Ha u ba ch welcher die Gleichstellung dieser Beamten im Gehalt angeregt hat, tritt für Annahme des Antrages ein. Stadtv. Emmelius spricht sich auch dafür aus, hat aber das Bedenken, daß die Lehrer der Volksschule nun nachdem die Kollegen an den höheren Schulen im Gehalt ihnen gleich gestellt sein werden, dieses als Anlaß benußen, um höl ere Besoldungen zu erlangen, mit dem Hinweis dar. auf, daß der Volksschulunterricht sehr anstrengend sei. Die Versammlung beschließt jedoch nach Antrag. Der Hauptvoranschlag des Realgymnasiums und der Oberrealschule für 1904 weist eine Ausgabe für persönliche Zwecke von Mt. 134035 auf darunter Mt. 7900 für anzustellende weitere Lehrkräfte. An sachliche Aufwendungen sind Mark weiteres städtiWohin gehen wir morgen? Nach der Liebigshöhe, Gießen Morgen Sonntag, den 28. Juni 1903 Kirschen- Kirmes. Tanzmusik, Anfang 4 Uhr, von einer tüchtigen Musikkapelle. Eintritt frei. Eintritt fiei. Das Fest findet bei ungünstiger Witterung im Saale statt. Um zahlreichen Besuch ladet ein Bekanntmachung. Schmidt. - 7480 erforderlich. Als Buschuß aus der Stadttasse sind Mt. 39966 vorgesehen, d. h. Met. 3000 mehr als im Vorjahr. Die Stadtverordneten haben gegen den Voranschlag nichts zu erinnern. Für die Turnhalle der Stadtknabenschue werden zur Anschaffung von 8 stählernen Kletterstangen wt. 120-130 verlangt und b willigt. Mit dem Erlaß einer neuen Viehmarktordnung haben sich die Stadtverordneten schon ein Mal beschäftigt, dieselbe wird auf Wunsch des Polizeiamts dahin noch ergänzt. daß ein Vorhandel 4 Tage vor einem Markte auf öffentlichen Straßen und Pläßen der Stadt verboten sein soll und daß Handelsvieh, welches innerhalb dieser 4 Tage in den Ställen eingestellt gewesen, vor dem Markttage nur nach Besichtigung durch den Kreistierarzt aus der Stadt wieder ausgeführt werden darf.( Auf Pferde hat diese Bestimmung feine Anwendung). Das Kollegium ist damit einverstanden. Stadtv. Schmall bringt die Klagen zur Sprache, daß die ärztliche Abfertigung des Viehes bei unseren Märkten zu langsam vor sich oehe. Der Oberbürgermeister bemerkt, die Marktkommission habe sich bereits mit dieser Sache beschäftigt und werde zur Zeit erwägen, ob man nicht noch einen dritten Tierarzt zur Marktkontrolle zuziehen soll. Das Ministerium hat beim Kreisamt Aufrage gehalten ob hier für den Fall des Ausbruches einer Geflügelfrankheit ein Krankenstall für Geflügel existiert. Betgeordneter Curschmann, der über diesen Bunft refertert, führt aus, daß weder Kreisamt noch das Bolizeiamt, noch die Bürgermeisterei von einem solchen Stall etwas wisse, von welcher Eröffnung die Versammlung, und zwar die einzelnen Stadtväter, humorvoll lächelnd, Kenntnis nimmt. Mit der Verwendung der von der Stadt Gieken liche Ausstellung im Betrage von 300 Markt wie geftifteten Ehrenpreise für die landwirtschaftDefonomierat Schlente es vorschläat, nämlich je 1 Breis von 100 Mart für Rindvieh. für Pferde, Warmblüter und falten Schlages ist die Versammlung einverstanden. werden 110 Mart verlangt und bewilligt zur Reparatur der Einfahrt beim Hauptpoftamt Ebenso 400 Mark zur Reparatur der früher Güngerischen Waage an der Franktor bis zur Kreuzung der Bahnhofstraße und der Anlage, furterstraße. Die Belegung des Schoorgrabens vom Seltersund die Umwandlung desselben in einen Regenwasserkanal wird beschlossen. Die Bedürfnisfrage für Wirtschaftsbetrieb im Hofe des Perteo, welches in einen Biergarten umgewandelt werden soll, wird abgelehnt. Dagegen wird das Gesuch um Schankerlaubnis des Friedrich Benz für Café Ebel bejahend behandelt. Es folgt eine nicht öffentliche Siguna. - - Geschäftliches. Ez Wer keine Zeit hat frank zu sein, der beachte die der heutigen Gesamtauflage beiliegende Prospektfarte über Dr. med. Laufer's vorzügliches Magenund Verdauungspulver. Tausende von glänzenden Danfschreiben dokumentieren den Wert dieses erprobten Hausmittels, welches von dem chemischem Laboratorium Laufer in Regensburg hergestellt wird. Kranken und deren Anachörigen, welche mit einem chronischen Katarrh der Lunge oder dergleichen behaftet sind, set die Beachtung des heutigen Ertrablattes der chemischen Fabrik Dr. Hofmann Nachf. in Meerane( Sachsen) empfohlen. 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