Nr. 71. Erstes Blatt. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Boft bezogen vierteljährlich Mt. 1.50. Gratisbellagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittage. Mittwoch, den 25. März 1903. Gießener 12. Jahrgang. Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wi ganz Oberbeffen, die Kreise Weslar und Marburg 10 Pfo fonfi 15 Vfg.: Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg Bostzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Nenenweg 28. Fernsprechanschluk Ar, 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Die Politik. Gegen den Mädchengan el. Das deutsche Nationalkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels hielt im Kultusministerium zu Berli eine Berjammlung ab. Pfarrer Burkhardt eröffnete die Berhandlungen mit einem Ueberblick über die Bestrebungen des Vereins und die erreichten Resul.a.e. Wirkt. Ober- Konsistorialrat Frhr. v. d. Golz veror i ete sich über bie Borteile einer eigenen Agentur, deren Chef sich lediglich den Aufgaben der Erforschung und Verfolgung des Mädchenhandels zu widmen haben werde. Geh. Legationsrat v. Tirssen als Vertreter des Reichskanzlers betonte, daß Staat, Kirche und Gesellschaft zusammen arbeiten müßten. Polizeipräsident Graf Lenstorff- Potsdam schilderte die auf seiner Reise nach Nordamerica und Westindien gemach en Erfahrungen. Gene al ons l Hi sen berlangte scharfe ueberwachung der sogenannten Impresarien. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, doch stifteten bie Anwesenden namhafte Beiträge. Ländliche Reformen in Rußland. Der russische Ackerbauminister Yermolow hat eine Reform angebahnt, welche, falls sie durchgeführt wird, sich von großem prattischen Nußen erweisen dürfte. Es handelt sich am Maßnahmen gegen den schädlichen Einfluß der allzugroßen Zahl von Feiertagen auf den Ackerbau. Die Zahl der von der orthodoren Bevölkerung gehaltenen Feiertage beläuft sich an verschiedenen Orten jährlich auf nicht weniger wie 120 bis 140 und von diesen Festtagen entfallen in die für den Ackerbau wichtigste Zeit von April bis September gegen 77. Viele von diesen Feiertagen entsprechen nun garnicht dem Kirchengeseß, sondern beruhen auf alten Ortsbräuchen. Auf den Antrag des Aderbauministers soll daher von dem Reichsrat in aller Form erklärt werden, daß die Geseze freiwillige Feiertage an den Feiertagen nicht verbieten. Es liegt auf der Hand, daß eine starke Beschränkung der Feiertage dem Betrieb der Landwirtschaft ungemein zu statten kommen muß. Eine zweite Reform betrifft die Dorfpolizei. Bisher mußte die Landbevölkerung für ihre Polizei selber sorgen, und zwar hatte jedes Dorf auf je hundert Einwohner einen Flurschüßen zu stellen. Die Kosten für diesen Dienst erreichten in ganz Rußland die enorme Summe von 26 Millionen Rubel. Jetzt will die Regierung diesen Polizeidienst organisieren und die Mannschaften dergestalt anstellen, daß auf etwa 250 Einwohner ein Polizist entfällt. Bei so erheblich verringertem Umfange des Personals und sonstigen Ersparnissen glaubt die Regierung schon mit 9 Millionen custommen zu können. Neben dem Wunsche, die ländlichen Gemeinden finanziell zu entlasten, spielen bei der Reform wohl auch politische Erwägungen mit. Der Sklavenhandel in Benadir. )-( Bekanntlich hat der Gouverneur der italienischen Kolonie Benadir, Kommendatore Dulio, die Richtigkeit der Behauptung des ,, Secolo", daß in der Kolonie unter Duldung der Behörden und durch die italienische Handelsgesellschaft der Eflavenhandel betrieben werde, bestritten. Die Berichte der von der italienischen Regierung nach Benadir gesandten Delegierten ergaben jedoch, daß die Beschuldigungen den Tatsachen vollkommen entsprechen. In der Kolonie besteht die Einrichtung, daß das Hausgesinde und die Feldarbeiter auf Lebenszeit gefauft werden, Kinder der Sklavinnen gehören dem Eigentümer ihrer Mutter lebenslänglich als Sklaven an. Einer der Delegierten, Admiral Graf Monale, konstatiert auch viele an Eklaven verüble Mißhandlungen und Grausamkeiten. Der Gouverneur habe zur Beseitigung dieser Zustände nichts getan, als eine platonische Mahnung gegen den Eklavenhandel zu erlassen, die nicht einen Augenblick beachtet wurde. Ja, der Gouverneur ist nicht von dem Vorwurf freizusprechen, daß er er den Ellavenhandel fördere. So konnte der Somale Hye Hamed, der dem Gouverneur als Dolmetscher und Vertrauensmann dient, ungestört einen Sklaven und eine Enlavin, die einander nicht heiraten wollten, gemeinsam gefangen halten, nur um ihre Kinder als klaven zu erhalten. Dem gegenüber verweist Admiral Monale auf Deutsch- Ostafrika, wo die Haussklaverei infolge der strengen Erlasse des Reichskanzlers Grafen Bülow be ständig in der Abnahme begriffen ist. Auch der Sultan von Zanzibar hat die Sklaverei aufgehoben und den Ellavenhandel unter Androhung der strengsten Strafe verboten. Man darf nun gespannt sein, ob die italienische Regierung, wie es Pflicht und Ehre ihr gebieten, dem Eflavenhandel in Benadir ein Ende machen wird. Generalamnestie in der Kapkolonie. :| Aus Kapstadt kommt die Nachricht von einem Gnadenerlaß der dortigen Regierung, welchem alle Welt den vollsten Beifall zollen wird. Vor kurzem schon hatte der Gouverneur die Begnadigung aller politischen Gefangenen in Aussicht gestellt und rascher noch, als man erwartet hatte, ist der Ankündigung die Tat gefolgt. Ein Erlaß des Gouverneurs verfügt die Freilassung aller weaen volitischer Vergehen verurteilten Personen. Auch wurden sofort Anstalten getroffen, um dieselben in ihre Heimat zu befördern. Eine Anzahl ist bereits entlassen und bis Ende dieser Woche werden alle freigelassen sein. Die Amnestie umfaßt auch die eingeborenen Gefangenen, welche bei verschiedenen Erhebungen beteiligt waren. Der Gnadenerlaß wird in der holländischen Bevölkerung von Südafrika jedenfalls den besten Eindruck machen und zur Versöhnung der beiden Rassen mehr beitragen als alle Reden Chamberlains. starte politische Nachrichten. * Die auptung des Abg. Singer im Reichstage, der Stadt Berlin sei für den von ihr geplanten Bau einer Untergrundbahn vom Potsdamer Platz nach dem Innern der Stadt durch kaiserliche Ordre die Konzession verweigert, wird offiziös für unbegründet erfärt; die Angelegenheit sei überhaupt noch nicht so weit, daß eine kaiserliche Ordre oder eine Entschließung der Staatsbehörden ergehen könnte. * Nach einer Meldung aus Venezuela hat der Rebellenführer Matos dem venezolanischen Vizepräsi denten Ayala mitgeteilt, daß, wenn der Kongreß den Rücktritt Castros annehme, er all seinen Einfluß auf die Führer der Aufständischen dazu gebrauchen werde, den Bürgerkrieg zu beenden. * In Port of Spain, der Hauptstadt der westindischenglischen Insel Trinidad, sind ernste Unruhen ausgebrochen. Der Pöbel legte Feuer an die Regierungsgebäude, welche vollständig zerstört wurden. Die Polizei schoß auf die Menge. * In der westindischen Republit Santo Domingo haben sich die Aufständischen nach erbittertem Kampfe der Hauptstadt bemächtigt. Der Gehilfe des Gouverneurs, Ectrenique, und der Befehlshaber der Truppen, General Pena, wurden getötet. Der Gouverneur selbst befindet sich im Innern. Hof und Gesellschaft. *** Der Kaiser besichtigte gestern unter Führung des Prosessors v. Werner die Hochschule für die bildenden Künste in der Hardenbergstraße, hatte darauf eine Besprechung mit dem Reichstanzler Grafen v. Bülow und hörte von 11 Uhr ab den Vortrag des Chefs des Militärfabinets Generaladjutanten Grafen von Hülsen- Häse ec. Nachmittags um 51 Uhr hörte der Kaiser im Elisabethsaal des Königlichen Schlosses einen Vortrag des Geheimen Regierungsrats Meydenbauer über die Ausgrabungen zu Baalbeck in Syrien, die bekanntlich vom Kaiser angeordnet und durch reiche Mittel gefördert worden sind. Zur Reise des Kaisers nach Kopenhagen wird gemeldet, daß ihm während seines dortigen Aufenthalts Ser kommandierende General des I. Generalfommandos, Generalleutnant von Hedemann, Kommandeur zur See Caroc, und der Adjutant des Königs, Kapitän Gut, attachiert werden. Auf seiner Romreise wird der Kaiser auch die uralte Abtei von Grotta ferrata in den Alvaner Bergen besuchen, die als letter deutscher Kaiser Dito II. im Jahre 998 besucht hat. Die Mönche haben dem Kaiser eine mit prachtvollen Malereien geschmückte Pergamenturkunde überweisen lassen, in der sie ihn in griechischer Sprache einladen. *** Der deutsche Kronprinz ist nunmehr, wie aus Kairo gemeldet wird, vollständig wieder genesen. Er hat bereits in Luksor Ausflüge zu Wagen und zu Pferde gemacht. Prinz Eitel Friedrich unternahm ebenfalls eine Wagenfahrt durch Kairo. Bei diesem guten Ge undheitszustande der kaiserlichen Prinzen erscheint eine Meldung aus Rom wenig glaubwürdig, daß sie auf die Fortsetzung ihrer Reise verzichten und nach Rom zum Empfang ihres Vaters gehen werden. 291. Sibimq. Deutscher Reichstag. - Kehraus. Eigenec Bericht. Die Auskehr, die im Reichstag gehalten wurde, brachte feine besonders belebten Momente. Bei dem Etat des Reichsjustizamtes brachte der Abg. Bassermann die Sprache auf den Schutz der Bauhandwerker und bedauerte, daß ein Gesez hierüber noch nicht zu stande gekommen sei. Staatssekretär Nieberding teilte hierzu mit, dies sei seither noch nicht möglich gewesen, weil man sich im Reichstag noch nicht über die beste Art des Handwerkerschußes einigen konnte. Nachdem dann noch der Abg. SchmidtMarburg gesprochen, kam der Abg. Stadthagen, auf der Journalistenbühne mit klagelauten begrüßt, zu Worte. Man fürchtete offenbar ein Tauerrede; die Sache ver ief indes schneller, als man gedacht hatte, wenn es auch heu e nicht an leberraschungen fehlte. Denn Stadthagen fam auf den bekannten Vorgang zu sprechen, daß ein Polizeibeamter einen Angestellten des Vorwärts" durch G währung von Geldmitteln zum Verrat von geschäftlichen Angelegenheiten verleiten ollte. Obgleich es cin leichtes sei, habe der preußische Minister des Innern bisher noch Teine Verfolgung eintreten lassen. Er begünstige also notorische Verbrecher. Wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung gerufen, bestritt er dem ,, Präsidenten der Mehri das Recht seines Einschreitens in diesem Falle, sodaß er einen zweiten Ordnungsruf bezog. Abg. Dziembowski( Pole) bittet um Annahme der Resolution, Staatssekretär Nieberding wendet sich dagegen. Nach weiterer kurzer Debatte wird der Etat bewilligt und die Resolution Dziembowsli angenommen. Beim Etat Zölle und Verbrauchssteuern" erkundigt sich der Abg. Dr. Hermes( Freis. Vp.) nach einigen Einzelheiten des Saccharingesezes. Nachdem Staatssekretär v. Thielmann Auskunft gegeben hat, wird die Position bewilligt. Beim Postetat bringt Abg. Gaebel( Antis.) einige Wünsche vor, die Staatssecretar caette eingehend würdigt. Nach weiterer kurzer Diskussion vertagt sich das Haus bis zum 21. April nachmittags 2 Uhr. 50. Sigung. Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten. Eigener Bericht. - Nachlese. Angesichts des Schlusses der Etats debatte suchen vicle Volksvertreter noch geschwind allerlei zur Sprache zu bringen, was ihnen am Herzen liegt, und kurz wie die Reden der Abgeordneten sind die Erklärungen vom Minister.ische. Dem Abg. Das bach, welcher über Wahlbeeinflussungen der Bergarbeiter im Saarrevier lagte, erwiderte der Handelsminister Moeller, er habe die Bergbeamten angewiesen, sich jeder Beeinflussung zu enthalten. Abg. Vopelius hielt dem Abg. Dasbach vor, daß im Saarrevier gerade die katholischen Geistlichen die meisten Wahlbeeinflussungen verübten. Beim Etat der Eisenbahnverwaltung fand wiederum Minister Bud de Gelegenheit, verschiedene Regierungsmaß ahmen zu rechtsfe ti en Sc weit der Eisenbahndienst es zulasse, bemerkte er, sei die Regierung gern bereit, den Beamten die Möglichkeit zum Besuch des Gottesdienstes zu gewähren. Männliche Beamte würden nicht entlassen, um weibliche anzustellen. Die Bemessung der Urlaubszeit richte sich durchaus nicht nach dem Tienstalter des betreffenden Beamten. Die weitere Debatte bot tein erhebliches Interesse dar. In rascher Folge wurden der Bauetat, der Justizetat und der Etat des Ministeriums des Innern erledigt. Damit war die dritte Lesung des Staatshaushaltsetats und die Etatsberatung überhaupt beendet. Das„ Blumenmedium" vor Gericht. ( Nachdruck verboten.) Hg. Berlin, 24. März. Zweiter Verhandlungstag. Nach kurzer Vernehmung einer Frau Colbrich, der die Rothe den Geist des verstorbenen Kommerzienrats Roeßler herbeizitiert hat, der aber sonderbarerweise mit der Stimme der Rothe gesprochen habe, bellagi sich die Angeklagte darüber, daß ihr der graue Unterrock der auf dem Gerichtstisch liegt, erst auf dem Polizeipräsidium vom Leibe gerissen worden sei, während die Anflage behauptet, dies sei zugleich mit der Wegnahme der Blumen geschehen. Die Polizeiagentin Bingenheimer habe ihr auf dem Polizeipräsidium gesagt: ,, Sie alte dumme Frau, weshalb haben Sie mir denn den Rock nicht gleich gegeben, ich wollte Ihnen ja helfen, denn ich bin selbst Spiritistin." Der Polizeikommissar von Stracht bezeichnet diese Aussage als Echwindel. Im Protokoll des Untersuchungsrichters ist ebenfalls nichts über diesen sonderbaren Vorgang enthalten. Dann fommt der ,, Clou" der Eißung, die Vernehmung des Zeugen Groll, zweiten Vorsißenden des Spiritistenvereins Psyche". Der Zeuge will die Rothe in einer Reihe von Eizungen genau benau beobachtet haben und hält einen Betrug für ausgeschlossen. Echter Trance. Der Zustand der Rothe war seiner Meinung nach der echte Trance. Dabei fämen inbetracht: Unempfindlichkeit und Starre des Körpers. Es sei nach den Lehren des Spiritismus eine Hypnose, aber während die Hypnose von lebenden Menschen ausgeht, ist es in diesem Falle ein unförperliches e en, eine Psyche, welche das Medium beeinflußt. Frau Rothe hatte nichts in den Händen, mit offenen reinen Händen kamen ihre Apporte zu stande, z. B. ein Glasei. Auf die Frage des Präsidenten, ob er auch eine Theorie dafür habe, woher das Ei stamme, meinte der Zeuge, es müsse ein Atom gewesen sein, das sich in der head des Mediums berkörperte. Gefängnisse kein Ort für Blumenapporte. Der Zeuge weiß auch die Frage genau zu erklären, warum die Rothe nicht im stande war, im Gefängnis Blumen und Früchte zu..materialisieren". Das Bufer Leute. Sie waren nach Pokrowa bon der Gräfin die ihm Zanin und dem Doktor, ihrem unvermeidlichen Begleiter, herbeigezogen worden." ,, Von der Echelm auf. Jawohl, nicht nur ich, sondern auch andere haben prang Sanin?" rief er voller Freude. Hie mit eigenen Bu aud zeitweise übertragen war, schent." reicht haben Sie die Güte Worausschließen Sie dies, Herr Revisor? BielIch sehe, Herr Gouverneur," sagte er in herbem seine Geistesgegenwart und Recheit wieder auf. die Verwaltung von Ostsibirien viel zu wünund zugleich lebte Tone, etmaigen mi zu mischen. den zu verfolgen." Beschüßer bin, aber auch nicht darnach trachte, jeman,, Die Familie Banin, deren Beschützer Sie sind Bissen Sie ein für alle Mal, daß ich niemandes habe ich gewissermaßen aufgehört, Generalgouverneur zu sein." Zeitweilig an in Anspruch genommen werden. und Tauwert), womit überhaupt die mann, die Steuerbordwache der Unterſteuermann oder auf wird, wenn die Leute nicht vom eigentlichen Schiffsdienst Die Backbordowache führt als Offizier der Obersteuer - hiffen statt deffen der Sinntamann, der fein den an Deck bleibt zum Arbeiten( Rep it qu tanbetommen spiritistischer Phänomene hängt ab don dem physischen Befinden des Mediums und von der psychischen Veranlagung der Umgebung. Das Medium Rothe ist durch die Haft, die veränderte kost usw. phyfisch alteriert. Dann brauchen wir eine Umgebung, die sich passiv verhält. Die G istererscheinungen fönnen visionäre und invisible sein. Vert. Ist es etwas merkwürdiges, daß das Medium bei visionären Erscheimungen mit seinen eigenen Sprachfehlern und seinem Dialett spricht? Zenge: Durchaus nicht; das ist sogar selbstverständlich. Erst wenn die Intelligenz" auf das Medium gewissermaßen wie auf ein Instrument eingespielt ist, spricht das Medium mit der Stimme der Intelligenz. Solche Fälle von hochtrance" gibt es. So hat man Medien, die in fremden Sprachen reden. Die invisiblen Erscheinungen sind derart, daß das Medium Erscheinungen sieht, die den anderen unsichtbar bleibten. Nach einer kurzen Beleuchtung der wissenschaftlichen Bildung des Zeugen, der sich als Mediziner betrachtet, weil er einige ärztliche Kollegien gehört hat, tommt dann eine Reihe von Zeugen zum Wort, die in buntem Durcheinander für und gegen die Rothe aussagen. Muster aus dem Jenseits. Große Heiterfeit ruft es hervor, als die Zeuzin Müller schildert, wie ihr die Rothe in einer Sigung einen Ständer mit Handschuhknöpfen, Flacon, Fingerhut überreichte mit den Worten: Das sind Muster aus dem Jenseits." ,, Einige Tage darauf ging ich durch die Friedrichstraße, und da sah ich in einem Schaufenster genau denselben Gegenstand mit 50 Pfennigen ausgezeichnet." Präs: Na, Frau Rothe, was sagen Sie dazu? Angefl: Was soll ich bazu sagen! Ich weiß davon nichts. Mehrere Zeugen saben, wie die Rothe sich unter dem Tisch zu schaffen machte, andere behaupten, sie habe alles ,, mit reinen Händen" aus der Luft geschöpft. Ein Bäckermeister, der früher Spiritist war, ießt aber von der Sache nichts mehr rotjen will, hat einmal dem Fmpresaris Jenzsch gesagt, er halte die Apporte für Schwindel, worauf er sofort von den Sigungen ausgeschlossen wurde. Seine Tochter ist aber selbst Medium und schreibt z. B., während sie sonst eine sehr schlechte Handschrift besißt, im Trancezustand falligraphisch. Für Offenbarungen einer überfinnlichen Welt erklärt die Aussage eines inzwischen verstorbenen Zeugen Thoron, die verlesen wird, die Apporte der Rothe. In der bezüglichen Sigung seien auch Hofprediger Stöcker und Generalleutnant z. D. v. Zastrow anwesend gewesen. Ein anderer Zeuge Jagt aus, daß die Trancereden der Rothe fein durchdacht gewesen und so formvollendet vorgetragen worden seien, daß sie ihm wie Sphärenmusit" geflungen hätten. Alle ihre Anhänger sind der Ansicht, daß die Rothe bei ihrem geringen Bildungsstand derartiges nicht hätte auswendig lernen, geschweige denn ersinnen können. Wunder über Wunder wissen eine Reihe Dresdener Damen zu berichten. Der einen, die aus Beru stammt, wurde auf ihre Bitte um einen Gruß aus der Heimat prompt ein Eukalyptuszweig überreicht, einer anderen, die lange in Griechenland gelebt hat, ein nur dort vorkommendes Gras. Bei einer Eizung seien fünfzehn verschiedene Geistergestalten in allen Größen erschienen, weiß gekleidet und leuchtend. Das Zimmer roch stark nach Phosphor.( Heiterkeit.) Ein Rechtsanwalt Paul Maher aus Lüßen, der die Rothe einmal wegen groben Unfugs verteidigt hat, tann es nicht begreifen ,,, wie die materialistische Wissenschaft das Walten überirdischer Kräfte leugnen könne." Dem lezten Zeugen, der heute vernommen wird, ein Etudent der Naturwissenschaften Heinrich Eihacker aus Köln, hat die Rothe Geister seiner Verwandten herbeizitiert. Darauf wird die Berhandlung auf morgen früh 912 Uhr vertagt. ( Fortsetzung folgt.) Aus dem Gerichtsfaal. 8 Ein Muttermörder zum Tode verurteilt. In Kopenhagen wurde der Maler Jörgensen um To e durch Enthauptung verurteilt. Jörgensen hatte, wie erinner lich, seine Mutter erwürgt und die Leiche zerstückelt und in einen Teppich genäht, im Hafen versenkt. Der Grund der Tat war die Absicht Jörgensens, sich schnell in den Besitz des Vermögens seiner Mutter zu setzen, um sich mit seiner Geliebten, die guter Hoffnung war, verheiraten zu fönnen. Jetzt ist das Kind, um dessentwillen die Untat begangen ist, geboren und sein Vater zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung wird öffentlich durch das Handbeil des Scharfrichters erfolgen. § Die Revision im Sandenprozeß v.rworfen. Das Reichsgericht hat nach zweitägiger Verhandlung die im Prozeß gegen den früheren Bankdirektor Kommerzienrat Eduard Sanden und Genossen eingelegten Revisionen sämtlich verworfen; gleichzeitig wurde im Falle Eduard Sanden auf Antrag der Staatsanwaltschaft dahin entschteden, daß im Nichteinbringungsfalle der 15 000 Mr. Geldstrafe die für diese eintretende Gefängnisstrafe von einem Jahr auf zwei Jahre Gefängnis zu erhöhen ist. Bon den sieben Angeklagten des großen Eandenprozesses haben Buchmüller und Warsinski Revision nicht eingelegt, während das Verfahren des inzwischen verstorbenen Kommerzienrates Eduard Schmidt als erledigt zu betrachten ist. Kleine Gerichts- Chronit. Der durch seinen Kampf gegen angeblich irrenärztliche Irrtümer bekannte Hauptmann a. D. Gustav v. Bröcker ist von der Anlage der Beleidigung richterlicher Beamten von der Berliner Straffammer freigesprochen worden. Er hatte den Beamten u. a. Rechtsbeugung, Schikanen und grobe Hüchtigkeiten zum Vorwurf gemacht. fretten Rüben, ni Anfang des rfte Bedarf geb Der gerabe nicht während der Ma war übrigens fri geräumt. Gehan per Stid I Cor III Corte 2701160-200 Mt. Fette Rinder 64 Sorte über wifchen 40-5 leichtere Tiere Aus H ** Webla Ibabier verteile Borjahre. + Limbu nahen Staffel Ronkurs angem -r. Marbu Ibie fich am Abe Häftigte heute awei nicht im Johann Fault Gießen schon eine Gefängni Körperverlegur Delifts erhielt 27. noch nad in Gesellschaft Wald, wobei einfehrten. D Um Frrtümer zu vermeiden, teile ich einem verehrten Publikum ergebenst mit, daß meine elektrische Abteilung für Stark- und Schwachstrom= unter Leitung eines tüchtigen Ingenieurs in unveränderter Weise weiter geführt wird. Plochstraße 12. Hochachtungsvoll ergebenst A. P. Christophersen Installationsbureau für Gas- und Elektrische Anlagen. gewefen. Ein etliche Glas B Gaften, wurde wie rafend mit brachen die Th fern. Einer um Hilfe. N herein. Einer Badftein nied geworfen wur erhielten. V ftiche erhalten 1 Jahr und ** Robde ein Unglüdsf Lokales. Ernannt wurde am 20. März der evangelische Pfarrer Georg Groth zu Wingershausen zum Pfarrer der evangelischen Pfarrstelle zu Romrod, Dekanat Alsfeld. R.-B. Am 1. April d. J. werden in Wongrowitz( Bezirt Bromberg) und in Rosten und Gräz( Bezick Bosen) von der Reichsbankstelle in Bromberg bezw. Reichsbankhauptstelle in Bosen abhängige Reichsbanknebenstellen mit Kasseneinstellung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. [ Bodenreform.] Die gestern Abend von der hiesigen Ortsgruppe des Bundes der deutschen Bodenreformer nach dem großen Saale des Café Ebel einberufene öffentliche Versammlung war sehr gut besucht. Der Vorsitzende des Bundes, Herr Damaschte- Berlin, referierte über Erbbaurecht in sehr ausführlicher und verständlicher Weise. Besonders für unsere hessischen Verhältnisse ist die Durchführung des Erbbaurechts wie eine Besserung auf dem Gebiete der Woh nungsfrage, so sagte der Referent, infolge unserer besseren sozialen Gesetzgebung eine weit leichtere als in anderen deut. schen Staaten. Auf den Vortrag selbst kommen wir noch zurück. schen Sattler gewerbes, woran sich die Firmen Groß, Aug. Kilbinger und Spieß beteiligten; die Firma Rilbinger mit einem förmlichen Wagenpark, der in einem eigens vorgerichteten Belte untergebracht ist. Die Prämiirungskommis sion ist tüchtig an der Arbeit und wird die Prämiirung vor 12 Uhr nicht beenden, sodaß wir die Prämiierungsliste erst morgen bringen fönnen. Der Verlosungsausschuß hält Musternug für die zur Verlosung anzukaufenden Tiere. Der Markt macht mit dem freundlichen Wetter eineu angenehmen Eindruck. Die Händler loben unsere Marktanlagen über alle Maßen. *=* Der Pferdemarkt begann heute morgen pünktlich um 7 Uhr. Der Antrieb vollzog sich schnell und ordnungsmäßig; es sind meistens Arbeitspferde aufgefahren; der Vorrat beziffert sich auf ca. 300 Stück. Der Handel war bis zum Redaktionsschluß( vormittags 1/12 Uhr) sehr befriedigend. Vor dem Markt- und Ausstellungsplaß am Schlachthaus ist eine Ausstellung von Erzeugnissen des heimi- ** Der städt. Straßensprengwagen hat heute in diesem Jahre das erste Mal seine Wanderung durch die Stadt angetreten. Die kleine Welt folgte unter munterem Lachen und mancher von den vorwißigen Buben oder Mädchen ließ sich die Schuhe anfeuchten. besten Jahren -g bor 14 Tager meffer und ve heblich am lin er noch feine f gegangen sein sollen, noch hat eine sorgfältige Untersuchun ergeben, daß Jemand über die hohe Mauer des Arresthauses geschossen hat. Jedenfalls hat Jemand 2 blinde Schüsse abgefeuert, um den Posten zu ängstigen, ein allerdings dummer Scherz, wenn man bedenkt, daß dies Nachts geschehen ist. ** Eine Schießaffäre im Provinzial- Arresthaus, welche in der Nacht auf Freitag passiert sein soll, wurde schon viel besprochen: Wir erfahren darüber Folgeudes: Der Posten innerhalb der Mauer des Gefängnisses machte die Meldung, es seten von außen auf ihn 2 Schüsse mit Schrot abgefeuert, er habe die Schrotkugeln deutlich pfeifen gehört und gesehen wie außerhalb der Mauer auf einem Baum Jemand über die das Arresthaus umschließende Mauer hinweg auf ihn geschossen hat. In der Sache selbst ist festgestellt, daß tha sächlich in der betreffenden Nacht in der Nähe des Gefängnisses 2 Schüsse gefallen sind. Der Posten muß sich allerdings geirrt haben, denn man hat weder Schrotkugeln in der Gegend gefunden, wo die Schüsse hin0000000000000 ** Dieser Tage wurde ein Reisender aus der Nähe Darmstadts, welcher an einem 10jährigen Mädchen eines hiesigen Wirts ein Sittlichkeitsverbrechen beging, verhaftet. *** In Coblenz verhaftet wurde vor wenigen Tagen ein hiesiger Wirt, welcher schnell abgereist war, unter dem Verdachte der Brandstiftung. Die Untersuchung wird das Nähere ergeben. [ Viehmarktbericht] Auf dem gestrigen Viemarkt, der diesmal bereits um 1/27 Uhr seinen Anfang nahm, also wieder eine halbe Stunde früher als der lezte Markt, waren etwas mehr als 1100 Stück Milchvieh und fette Rinder sowie 250 Kälber vorhanden. Außer der alten Kundschaft waren diesmal auch Käufer aus der Gegend von Aschaffenburg gekommen, welche Nehmer von Fettvich und Kälber waren.- Der Handel in frischmelkenden und tragenden Kühen war wieder sehr lebhaft. Die so begehrte Ostfriesische Ware( schwarz, bunte Kühe), war bereits am Tage vor dem Markt zu festen Preisen abgesetzt. Die Breise für bessere Milchfühe zogen gegen die des letzten Marktes sogar noch etwas an. Der Fettviehandel schien zu Anfang des Marktes sich flau gestalten zu wollen, machte sich aber in Folge des Eingreifens von Frankfurter Käufern später, denn es war ein Weichen der Preise, außer bei Einem verehrten Publikum teile ich ergebenft mit, daß ich als stiller Teilhaber aus der Firma A. P. Christophersen hierfelbt Blockstraße 12, ausgeschieden bin. Die Aktiven und Passiven der elektrischen Abteilung für Stark- und Schwachstrom obiger Firma bis Anfa g März d. J. habe ich auf meine Rechnung übernommen. Das mir bisher entgegengebrachte Vertrauen bitte ich mir auch fernerhin zuwenden zu wollen; gute und solide Ausführung der Arbeiten sichere unter coulantesten Bedingungen stets zu. Meine Geschäftsräume befinden sich Seltersweg 77. Gießen, den 18. März 1903. Ingenieur Rich. Fertsch Gas-, Wasser- u. Elektro- Anlagen, Projektierung, Finanzierung, Ausführung. б00000000000000000 Arm zu schmer allein der Arz berbreitete fid Sörperte le Dualen Starb und einen S 9 Jahren ver Finger. ** Caffe den 14. Hus haben soll und in Unterfuchun Amö gierungsbezirt Aus Bau- u Medern und Duarjitlager ftets bestreite ** Aus in Welbhauf der Gemeind New empfiehlt Ba vis- à- Ernst Maler u Brandg Ginta gute ( alte Beitung abzugeben griudht. in Gin Ed. Alinkel, ine 4: 3imm Bleidplag E. 5. Shiller eilt. In o e durch erinner icfelt und Cer Grund ell in den n sich mit iralen zu die Untat verurteilt. dbeil des fen. Das mg die im merzienrat Revisionen ( le Eduard dahin ent 15000 ML strafe bon erhöhen ist. nprozesses cht einge storbenen t zu be en Kampf nte paupt Anlage der liner Straf n Beamten lüchtigteiten Untersuchun Arresthauses de Schüffe allerdings -Nachts ge us der Nähe hen eines hie verhaftet. e vor wenigen ift war, unter fuchung wird geftrigen Bie Anfang nahm, legte Markt, eh und fette er der alten er Gegend von Fettovich und nelfenden und Die so begehrte ar bereits am abgefeßt. Die die des letzten Jandel schien z wollen, machte furter Käufern ife, außer bei be 12, 1 fichere rung. fetten Kühen, nicht zu bemerken. Das Kälbergeschäft begann ju Anfang des Marktes sehr flott, Iteß aber, nachdem der rfte Bedarf gedeckt war, gegen die Mitte hin nach, so daß der gerade nicht bedeutende Vorrat nur zu weichenden Preisen vährend der Marktzeit unter zu bringen war. Der Handel var übrigens früh beendet und wurde der Markt so ziemlich geräumt. Behandelt wurden Kühe frischmeltend und tragend per Stüd I Sorte 425-500 Mt., II Sorte 350-400 t., III Sorte 270-325 Mt., ältere Abmeltfühe je nach Güte 160-200 Mt. Der Ctr. Schlachtgewicht wurde bezahlt: Fette Rinder 64-66 Mt., fette Kühe 59-61 Mt., Kälber Sorte über 50 Pfd. schwer) 60-64 Mt., II Sorte, wischen 40-50 Bfd. wiegend, 56-59 Mt., III Sorte leichtere Tiere 52-54 Mt. Aus Hessen und Nachbargebieten. ** Weylar, 24. März. Die Buderus'schen Eisenwerte bahier verteilen eine Dividente von 5% gegen 7% im Borjahre. + Limburg a. d. Lahn. Die vor 7 Jahren im nahen Staffel gegründete Steingut- Thonwarenfabrit hat den Ron urs angemeldet. | -r. Marburg, 24. März. Eine wilde Affaire, bie sich am Abend des 27. Januar in Postberg zutrug, beschäftigte heute die Straffammer. In Rüdingshausen wohnen bei nicht im besten Rufe stehende Brüder: Heinrich und Johann Faulstich. Ersterer ist von der Straffammer Gießen schon oft vorbestraft worden. So erhielt er einmal eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren 9 Monaten wegen Körperverlegung. Eine ähnlich hohe Strafe wegen desselben Delifts erhielt er in Elberfeld. Johann Faulstich wollte am 27. noch nach Dreihausen auf die Freierei" und so tam er in Gesellschaft seines Bruders noch in der Nacht über den Wald, wobei sie in Postberg in der Eisner'schen Wirtschaft einfehrten. Der Wirt und die Gäste wären beide gern los gewesen. Ein Gast bezahlte ihnen aus Gutmütigkeit sogar etliche Glas Bier. Troßdem begannen sie Streit mit den Gästen, wurden aber hinausgeworfen. Nun stürmten sie wie rasend mit gezückten Messern auf die Wirtschaft los, erbrachen die Thüre und überfielen die Gäste mit ihren Mesfern. Einer wehrte sie mit einem Stuhl von sich und rief um Hilfe. Nun kamen zwei Gäste, die noch außen standen, herein. Einer von diesen schlug die Rasenden mit einem Backstein nieder, worauf sie vor das Haus auf den Mist geworfen wurden, wo sie noch eine tüchtige Tracht Prügel erhielten. Von den Gästen hatten mehrere gefährliche Messerftiche erhalten. Johann Faulstich wurde zu 2, Heinrich zu 1 Jahr und 9 Monaten Gefängnis verurteilt. ** Kohden bei Nidda, 23. März. Hier ereignete sich ein Unglücksfall, der zur Vorsicht mahnt. Der in den besten Jahren stehende Landwirt Friedrich Koch schnitt sich bor 14 Tagen die Hühneraugen mit einem fogen. Feder messer und verlegte sich durch Ausgleiten des letteren unerheblich am linken Handgelenk. Am nächsten Tag verrichtete er noch seine häuslichen Arbeiten, als ihn in der Nacht der Arm zu schmerzen anfing. Endlich holte er ärztliche Hilfe, allein der Arzt fonstatierte Blutvergiftung und die Geschwulst berbreitete sich rasch über den Arm, daß auch die angrenzenden Körperte le mit angegriffen wu den. Nach furchtbaren talen starb der Efranfte heute. Er hinterläßt eine Wittwe und einen Sohn, der jetzt konfirmiert werden sollte. Vor 9 Jahren verlor Koch bei änhnlicher Veranlassung einen Finger. ** Cassel, 24. März. Der Unteroffizier Degen von den 14. Husaren, der seine Braut in die Fulda gestürzt haben soll und aus der Haft entlassen worden, ist wieder in Untersuchungshaft genommen Amöneburg ist jetzt die alleinige Stadt im Regierungsbezirt Kassel, welche noch frei von Umlagen ist. Aus Bau- und Nußholzverkäufen, aus Verpachtungen von Aeckern und Wiesen und aus den mächtigen Basalt- und Quarzitlagern hat sie ihre nicht unbedeutenden Ausgaben stets bestreiten fönnen. ** Aus Franken, 23. März. Der Totengräber Krauß in Welbhausen, war w gen verschiedener Verfehlungen von der Gemeindeverwaltung seines Dienstes entlassen worden. Hochelegante Darob war Krauß empört und machte seinem Unwillen das durch Luft, daß er auf den Friedhof ging und nicht weniger wie achtzig Gräber demolierte, indem er Kränze entfernte, Gewächse herausriß usw. der jezige Totengräber Hamel und seine Frau, die den Krauß an seiner ruchlosen That hindern wollten, wurden von ihm bedroht und es entwickelte sich eine regelrechte Schlägerei, in der die Frau nicht unerheblich vers legt wurde. Die Rache des Kassierers. | Die Affäre der Unterschlagungen bei der Mainzer Volksbank, über welche wir berichteten, bat eine ebenso sensationelle wie originelle Wendung genommen. Man schreibt dem„ Fr. G." darüber: Das ist eine unerwartete Aufklärung über den Fall des Kassierers Herrmann, die gestern in der Generalversammlung gegeben wurde! Danach handelt es sich gar nicht um eine betrügerische Manipulation des Herrmann, sondern um einen Aft der Rache, den dieser nahm, weil er vor drei Jahren bei der Neubildung des Direktoriums der Voltsbant übergangen wurde. Doch lassen wir die Sache sich chronologisch abspielen. Die General wir die Sache fich chronologisch abspielen. Die Generalversammlung war in dem Bankettsaal der„ Liedertafel" auf halb 9 Uhr abends einberufen. Schon lange vor Beginn war der Saal, der nur etwa 200-250 Personen faßt, überfüllt, während auf den beiden Freitreppen, die nach dem Saale führen, vielleicht ebensoviel Personen der Dinge harren, die da kommen sollten. Punkt halb 9 1hr eröffnete der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Herr Ferd. von Löhr, die Versammlung mit einer Begrüßung der Erschienenen, zugleich dem doppelten Bedauern Ausdruck geben, daß die Veranlassung eine so traurige sei, die den Aufsichtsrat nötigte, die Mitglieder zu berufen; wenn man geahnt hätte, daß der Besuch so zahlreich würde, hätte man den großen Saal genommen, doch fühle er sich zu unwohl, um nun die Versammlung in den ungeheizten Saal zu verlegen.( Die auf den Treppen Harrenden hatten wohl darauf gehofft, fie warteten aber doch geduldig das Resultat ab.) Alsdann ergriff Herr Direktor Reins das Wort, um den Fall Herrmann" zu schildern. Am 13. März habe man gefunden, daß etwas nicht in Ordnung sei, eine Prüfung habe ergeben, daß ein Manto von 265,000 Mark vorhanden sei. Bei der seit 27 Jahren erprobten Pflichttreue Herrmanns habe man an das Ungeheuerliche gar nicht glauben wollen, allein eine erweiterte Prüfung bis zum 15. März habe kein anderes Resultat ergeben. Nun wurde Herrmann befragt; er übergab Direktor Reins ein Schreiben, überschrieben: Meine Nache für die Wahl von 1900", worin betont ist, daß er 280 000 Mart unterschlagen habe, weil er bei der Wahl der Direktion im Jahre 1900 übergangen worden sei. Er habe sich damals beschwerdeführend an den Aufsichtsrat gewandt, aber einen schroff ablehnenden Bescheid erhalten. Immer habe er noch gehofft, daß er und sein Kollege Groß, den man ebenfalls schlecht behandelt habe, mit dem im vorigen Jahre erfolgten Umzug in das neue Volksbankgebäude nachträglich in die Direktion berufen würden, erst als dies nicht geschehen, habe er seine Rache b. schlossen. Weiter verlangt Herrmann in dem Schreiben, man solle ihm 50 000 Mark Entschädigung zahlen und 3600 Mark Pension zubilligen, dann gebe er die 280 000 Mart zurück. Die Direktion ging auf den Plan mit dem Bemerten ein, daß Herrmann nur 25 000 Mark Entschädigung und die verlangte Pension erhalten solle. Daraufhin habe Herrmannn am 19. März 200 000 mt. zurückgebracht mit dem Versprechen, das übrige am 21. zu bringen, da er dies Geld nicht hier habe, er müsse erst eine R ise machen, um das Geld zu holen Trotzdem brachte Herrmann alsbald nochmals 55 000 Mt. und bemerkte, die anderen 25 000 Mt. behalte er für sich, da sie ihm laut Versprechen gehörten". Direktor Reins wollte w ssen, ob Herrmann die 25 000 Mt. denn noch habe, was dieser bejahte; die Forderung, diese ebenfalls vorerst abzuliefern, verweigerte Herrmann. Wie der Defraudant seine Manipulationen gemacht, darüber verweigert er jede Auskunft. Bis dahin hielt man Herrmann für plöglich übergeschnappt. Die Weigerung der Rückgabe führte zur Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und zur Verhaftung Herrmanns. Dem Staatsanwalt geftand Herrmann sofort " ein, wie er gearbeitet. In seinem Kontobuch amerikanischen Stils sind alle Eintragungen richtig, wenn aber eine Seite voll war, machte H. eine falsche Addition und ließ oft auf einer Seite große Summen auf diese Art verschwinden. So trieb es H. von Oftober bis Dezember v. J., bis dahin waren etwa 200 000 Mt. verschwunden, ohne daß es be merkt worden war. An großen Tagen mit starkem Verkehr verschwanden große Summen, an kleinen begnügte sich H. mit 3000 Mt. und weniger. Vom 10. Januar ab geschah wieder alles ordnungsmäßig. So endete der Bericht der Direktion. Herr v. Löhr forderte die Mitglieder, die mit größter Spannung dem Bericht gefolgt waren, auf, sich zur Sache auszusprechen, worauf nur Herr Kommerzienrat Martin Mayer das Wort ergriff, nicht etwa, um Direktion und Aufsichtsrat wegen ihrer Vertrauensduselei zu tadeln, sondern um ihnen Dank zu sagen für die Energie, die sie bei Rückgewinnung des Geldes gezeigt hätten. Wit fast von Tränen erstickter Stimme versicherte Herr v. Löhr, daß Direktion und Aufsichtsrat schnöde im Vertrauen auf einen langjäh rigen Beamten getäuscht worden seien, womit die Versammlung schloß. Bemerkt sei noch, daß für die bisher von H. verweigerte Herausgabe der noch fehlenden 25 000 mr. folgende Deckung vorhanden ist: 10 000 Mt. in amerikanischen Wertpapieren, 2000 Mt. ven Herrmann nicht abgehobene Tantiemen und 600 Mt. Stammanteil bei der Volksbank. Es wirft sich im Anschluß an diese Vorgänge die Frage auf, ob p. nicht doch als geistig gestört anzusehen ist; das wird wohl die Untersuchung ergeben. Alle Behauptungen des Verhafteten gehen dahin, daß er niemand auch nur um einen Pfennig schädigen wollte, er habe auch nur sich an Direktion und Aussichtsrat gerächt wegen der Zurücksetzung, die er erfahren. Daß ihm diese Rache gelingen fonnte, daß auch nur einen Tag eine so plumpe Manipulation verborgen bleiben konnte, ist wohl nur darauf zurückzuführen, daß H. wußte, man addiere ihm überhaupt nicht nach. Wenn die Volksbank, wie wir schon in unserer ersten Nachricht bemerkten, finanziell auch feinen Stoß erlitten, moralisch oder kaufmännisch ist dies sicher der Fall. Da wird sich zeigen, wenn wieder Wahlen stattzufinden haben. Wenn die Mitglieder auch nicht sprachen, ihrer Entrüstung gegen die lettenden Personen machten sie nach der Versammlung doch Luft. Im Grunde genommen lacht heute ganz Mainz über diesen Reinfall der Volksbant. Einstweilen ist der„ Fall Herrmann" bis zur Gerichtsverhandlung erledigt. Neueste Nachrichten. Berlin, 24. März. Die Aufstellung der Wählerlisten ist verfügt worden. Manila, 23. März. Gestern überfielen Räuber die Stadt Tur gao auf Mindanar und machten den Polizeiinspektor und eine Anzahl von Mannschaften nieder. Das Schicksal der weißen Bevölkerung, Beamten und sonstigen Fremden ist unbekannt. Verstärkungen sind eiligst abgegangen, um die Stadt wieder zu entseßen. Auch in Tolo sind Unruhen ausgebrochen. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen E8 fönnen eingestellt werden: 37 Dienstmädchen für sofort und später ( hier und auswärts) bei hohem Lohn, 1 Sattler, 2 Schreiner( hier), 2 Schreiner( ausw.), einige Tapezierer für dauernde Arbeit bei hohem Lohn nach auswärts, 1 Bauschlosser, 1 Maschinenschlosser( ausw.), 2 Schneider( hier), 1 Schneider( ausw.), 1 Krantenpfleger, 1 jüngerer Kellner, 1 jüngerer Rutscher für ausw. Arzt, 1 Gärtner, 7 landwirtschaftl. Knechte, 2 landw. Arbeiter, 2 Pferdefnechte, 5 Hausburschen, 1 Weißzeugnäherin, 2 Köchinnen, 1 Haushälterin, 3 Lauf- bezw. Pußfrauen, 5 landw. Mägde. Lehrlinge: 1 Gärtner, 1 Spengler, 3 Schmiede, ( 1 hier, 2 auswärts), 1 Wagner, 1 Rüfer, 4 Schlosser, 1 Schreiner( ausw.), 1 Stellmacher und Wagenbauer( ausw.), 2 Buchbinder, 3 Bäcker( 1 hier, 2 ausw), 2 Schuhmacher, 4 Schneider, 1 Friseur, 2 Glaser. 1 Weißbinder, 2 Kaufleute. Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruderet, vorm. Wilh. 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