Nr. 170. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertelfährlich Mr. 1,50. Bratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Bartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags. Donnerstag, den 23. Juli 1903 Gießener 12. Jahrgang Insertionspret 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pff. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluk Nr, 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Wie ein Papft gewählt wird. Am ersten Tage des August beginnen die im Konklave vereinten Kardinäle ihre Wahlhandlung. Wählbar ist an und für sich jeder katholische rechtgläubige Mann. Nach den Bestimmungen Nikolaus II. soll der Papst aus dem Klerus der römischen Kirche, und wenn unter demselben eine geeignete Persönlichkeit sich nicht findet, außerhalb desselben Jenommen werden. Der letzte Papst, der nicht aus der Zahl der Kardinäle gewählt wurde, war Urban VI.( 1378 bis 1389). Ein bestimmtes Alter, wie für andere kirchliche Aemter, ist für den zu wählenden Papst nicht vorgeschrieben. Die Wahl selbst kann auf dreierlei Weise vorgenommen rerden: durch Eingebung, quasi per inspirationem; durch Vollmacht, per compromissum; durch Abstimmung, per scrutinium. Eine Inspirationswahl liegt vor, wenn alle Kardinäle einstimmig einen Kandidaten als gewählt bezeichnen. Eine Wahl durch Kompromiß, die seit dem 12. Jahrhundert aufkam, besteht darin, daß die Kardinäle einstimmig gewissen unter ihnen, mindestens zweien, die Befugnis übertragen, den Papst zu wählen. Die dritte Wahlart, das Scrutinium, die Zettelwahl, vollzieht sich unter äußerst komplizierten Förmlichkeiten. Nachdem die sorgfältig eingehüllten und in einem bedeckten Kelch durcheinandergerüttelten Stimmzettel gezählt, durchstochen und an einen Faden aufgereiht sind, fonstatieren eigens gewählte Revisoren das Resultat. Hat ein Kandidat die Anzahl von mehr als zwei Dritteilen gültiger Stimmen erhalten, so ist er gewählt. Ist gerade die Anzahl erreicht, so muß zuvörderst noch sein Zettel geöffnet werden; denn es darf auch in diesem Verfahren niemand sid selbst wählen. Sind nicht die erforderlichen zwei Drittel der Stimmen auf einen Kardinal gefallen, so wird zu einen eigentümlichen Verfahren geschritten, um zu versuchen, of nicht ein Teil der Wähler seinen Kandidaten fallen läßt und sich für einen der anderen entscheidet, dem sogen. Acceß. Er besteht im wesentlichen darin, daß die im Scrutinium abgegebenen Vota für das Resultat der nächsten Abstimmung als gültig betrachtet werden, die Kardinäle aber noch eine neue Abstimmung vornehmen in welcher sie einem der bereits im Scrutinium bezeichneten Kandidaten beitreten. Führt der Acceß zu keinem Resultat, so hört der ganze Wahlakt auf und es muß von neuem scrutiniert werden. Ein mehrmaliger Acceß findet nicht statt. Sämtliche Wahlzettel werden dann sofort mit etwas feuchtem Stroh oder Heu vermischt und in dem zu diesem Zwecke im Wahlsaale angebrachten fen in Gegenwart der Kardinäle verbrannt. Wenn die in Ungeduld wartenden Römer den Rauch aufsteigen sehen, dient er ihnen als Zeichen, daß das jetzt beendete Scrutinium ihnen noch keinen Papst gebracht hat. Ist die Wahl zustande gekommen, so werden die Wahlzettel verbrannt, ohne mit Heu oder Stroh vermischt zu sein, so daß der Rauch, welcher aufsteigt, mir ganz schwach bemerkbar ist- ein Beweis, daß der Kirche wieder ein Papst gegeben ist. Die Trauerfeierlichkeiten in Rom. Im Thronsaal, wo munmehr die Leiche des Papstes, befleidet mit der weißen Soutane, rotem Schultermäntelchen, rote: Schuhen und rotem Käppchen aufgebahrt lag, defilierten gefteri in langen Reihen das diplomatische Korps beim päpstlichen Stuhle, sowie der Adel und die Würdenträger des päpstlichen Hofes. Die Urne mit den Präcordien des Papsies, den Eingeweiden, die bei der sorgsamen Balsamierung entfernt werden mußten, wurden nachts 11½ Uhr aus dem geheimen Vorzimmer von den Monsignori Angeli und Marzoni in einem Wagen nach der Kirche St. Vinzent und St. Anastasius gebracht, wo sie von dem Pfarrer und einigen Geistlichen empfangen wurde, um dann in einer Mauernische zur Rechten des Hochaltars beigesetzt zu werden. Nächtlicherweile wird dann die Leiche des Papstes in die Peterskirche verbracht werden. Der Vatikan wird streng überwacht. Die Schweizergarden wiesen sogar Mazzoni zurück. Wie unser CB.- Mitarbeiter aus Hoffreisen erfährt, hat Kaiser Wilhelm den Prinzen Friedrich Leopold von Preußen beauftragt, ihn bei der Beisetzung des Papstes zu vertreten. Der Staat und die Hochwafferfchäden. Angesichts der neuen Verheerungen durch Ueberschwemmungen in Schlesien ist die preußische Regierung in Erwägungen über eine Verstärkung des Hochwasserschutzes in Schlesien eingetreten. Der Minister des Innern hat an Ort und Stelle mit den Vertretern der schlesischen Verwallungsbehörden über die notwendigen Maßnahmen beraten, das Ergebnis dieser Besprechungen wird jetzt offiziös mitgeteilt. Danach beabsichtigt die Regierung, die Linderung der augenblicklichen Not in der Hauptsache der Privatwohltätigkeit zu überlassen. In Schlesien ist man damit nicht sehr zufrieden, man hatte auf eine sofortige staatliche Hilfs: aktion gerechnet und sieht in den für später angekündigten Schutzmaßnahmen der Regierung keinen genügenden Ausgleich für die Unterlassung sofortiger staatlicher Hilfe ür die Ueberschweminten. Indessen scheint diese Auffassung der Regierung doch Uncecht zu tun. Denn aus der offiziösen Mitteilung ergibt sich veiter, daß die Regierung doch Mittel zur Linderung der Not bereitstellen will, und daß sie lediglich für die Zeit, bis sie sich über die Art und den Umfang der Gewährung der Staatshülfe klar geworden ist, an die Privatwohltätigkeit appelliert. Es heißt in der Regierungserklärung, daß die Verwaltungsbehörden angewiesen sind, schleunigst über den Hochwasserschaden genaue Ermittelungen anzustellen, nament lich auch soweit wenig bemittelte Leute Verluste erlitten jaben. Sofort nach Eingang dieser Berichte wird die Rejierung die völligen Mittel zur Verfügung stellen; auch aus die Gemeinden soll eingewirkt werden, damit sie aus kommunalen Fonds die Geschädigten unterstützen. Unter diesen Umständen steht zu hoffen, daß auch die Erschließung der taatlichen Unterstützungsquelle nicht mehr lange auf sich war en lassen wird. Der für die Zukunft wichtigste Teil des Regierungsclanes ist derjenige, der umfassende Maßregeln gegen eine Wiederholung ähnlicher Katastrophen an kündigt. Es heißt hierüber in der offiziösen Mitteilung: Naturgemäß fann ein lückenloses Programm für dieſe vorbeugende Aktion im gegenwärtigen Augenblicke nicht aufgestellt werden. Daß hier in erster Linie möglichst ausgedehnte und gründliche Flußregulierungen und die Schaffung eines den Fortschritten der modernen Wasserbautechnik entsprechenden Eindeichungssystems in Frage kommen, versteht sich von selbst. Zweifellos ist die Regulierung der schlesischen Flußläufe und die Errichtung starfer Schußdeiche die wertvollste Maß regel, die getroffen werden fann. Aber das ist eine Maßregel mit zukünftiger Wirkung, über der die nächſtliegend Aufgabe, die Unterstützung der obdach- und brotlosen Be cölkerung des Ueberschwemmungsgebietes und die noch grö zere Aufgabe, denen, die ihre Eristenz verloren haben, eine neue zu schaffen, nicht vergessen werden darf. Die schlesischen Verwaltungsbehörden können jetzt einmal zeigen, wie rasch nan, wenns Not tut, in Preußen arbeiten kann: sie werden Tag und Nacht an der Feststellung des Schadens zu arbeien haben, um der Regierung ein möglichst schleuniges Eingreifen mit Geldmitteln zu ermöglichen. Wenn die Regierung nicht, wie man von ihr verlangt, mugenblicks eine große Summe für die Unterstützung der Beschädigten auswerfen will, so scheint das ja nicht recht verständlich; immerhin wird man annehmen dürfen, daß im Ministerium gute Gründe für diese Maßregel ausschlagJebend gewesen find. Wir glauben, daß man sich in Rezierungsfreisen über die Hilfsbereitschaft des deutschen Volkes nicht getäuscht haben wird und daß die Sammlungen genügen werden, um der vorläufigen Not zu steuern, bis Sie Regierung die Grundsäge für ein planmäßiges Eingreifen festgestellt haben wird. Derselben Anschauung gibt auch ein poetischer Aufruf Ausdruck, mit dem der bekannte Breslauer vaterländische Dichter Professor Felir Dahn sich an die deutsche Nation wendet. Es heißt darin: Wie furchtbar, wenn des Menschen Siedelung, Dem sichern Dach, der treu bestellten Saat, Unhemmbar, mit des Unheils Flügelschwung, Im Graun der Nacht die Hochflut brandend naht! Da flüchtet aus dem schaum- umspritzten Hause Entsetzt der Vater, bergend Weib und Kind, Und ob der Wogen dränendem Gebrause Verweht mit Hohn den Hilferuf der Wind. Nicht ganz verweht er ihn: langt aus den Sternen Auch nicht herab des Wunders Retterhand, An Menschenherzen dringt durch weite Fernen Der Weheruf durch alles deutsche Land. Und sieh, die Spenden strömen schon zusammen, Aus allen Gauen unsres Reichs gehäuft, Von wo in Abendglut die Gletscher flammen Und wo das Rheingold aus der Rebe träuft. Denn wir sind Eins, sind endlich Eins geworden: Eins in der Not soll'n uns die Nachbarn schau'n: Ein Volk von Brüdern, Eins in Süd und Norden. Auf deutsche Treue dürfen wir vertrau'n! Das Volk wird diese Erwartung nicht zu schanden machen. Und dafür, daß die Regierung, selbst wenn sie es nicht aus eigenen Antrieb und Mitgefühl täte, die staatliche Hilfs, aftion beschleunigen wird, dafür bietet kein geringerer eine Bürgschaft als Kaiser Wilhelm. Beim schlesischen Oberpräsidium ist ein ausführliches Telegramm des Kaiser: aus Norwegen eingetroffen, in dem er über den Umfang des Hochwasserschadens Bericht einfordert und schnell und ausreichende Hilfe zusichert. Die Politik. Offiziere a. D. im Verwaltungsdienst. Eine bemerkenswerte Anordnung des preußischen Kriegsministers wird gegenwärtig durchgeführt. Von den zuständigen Behörden werden zur Zeit Ermittelungen darüber angestellt, welche und wieviel pensionierte Offiziere im Reichs-, Staats- und Kommunaldienst tätig sind, und welches Dienſteinkommen sie beziehen. Diese Erhebungen erstrecken sich gleichzeitig auf die Frage, ov uno mieшen die Militärpension der unmittelbaren Staatsbeamten einbehalten oder gekürzt wird. Bekanntlich werden den im Staatsdienst beschäftigten Militärpensions- Empfängern während der Zeit dieser Anstellung die Militärbezüge nicht ausgezahlt. Dieselbe Maßnahme scheint jetzt auch für die im Reichs- und Komununaldienst tätigen verabschiedeten Offiziere jetroffen werden zu sollen. Abg. Richard Roesicke 7. Richard Roesicke, Generaldirektor der Schultheißbrauereien in Berlin und Dessau, ist an den Folgen einer Operation plötzlich gestorben. Roesicke stand politisch weit nach links, was ihn auszeichnete, war seine Unparteilichkeit und jein klarer Blick in sozialpolitischen Fragen. Er war überzeugt, daß die bürgerlichen Parteien die Sozialdemokratie nur überwinden könnten durch eine soziale Versöhnung. In einem eignen Riesenunternehmen erwies er sich als ein wohl. meinender, hilfsbereiter Freund seiner Arbeiter. Im parlamentarischen Leben stand Roesicke als Abgeordneter für Dessau seit 1890. Das von ihm in der letzten Wahl errungene Stichwahlmandat dürfte bei der Nachwahl den bür Jerlichen Parteien verloren gehen, da die Konservativen und Nationalliberalen des Wahlkreises sich weigern werden, dem Freisinnigen Dr. Barth, der sich um das Mandat bewerben will, ihre Stimme zu geben, während andererseits die Freisinnigen für einen Kompromißkandidaten nicht zu haben sein werden und bei einer etwaigen Stichwahl zwischen einem solchen und dem Sozialdemokraten für letzteren stimmen dürften. Streifklansel und Submissionen. Aus den Kreisen der Gewerbetreibenden, namentlich der Bauhandwerker, ist in den letzten Jahren vielfach die Forderung laut geworden, in Submissionsverträge die Streif lausel aufzunehmen, d. h. eine Bestimmung, wonach Streifs und Arbeiteraussperrungen als triftige Hinderungsgründe für die Innehaltung vertragsmäßiger Vereinbarungen an zusehen sind. Diesem Verlangen hat die Regierung bisher beim Abschluß von Submissionsverträgen nicht entsprechen wollen, und auch in einem kürzlich den Handels- und Handverkskammern von ihr vorgelegten Entwurf zu allgemei nen Bestimmungen, betr. die Vergebung von Leistungen und Lieferungen" war davon nicht die Nede. Die Kammern haben nun die Aufnahme der Streifflausel nochmals empfoh ( en, und erfreulicherweise hat die Regierung diese Forderung nicht auch diesmal abgelehnt, sondern ist mit Erwägungen darüber beschäftigt, ob sie dem Ersuchen stattgeben soll oder nicht. Unter diesen Umständen besteht die Hoffnung, das die Streifklausel doch noch zur Tatsache wird. Ein Schutzöllnerbund in England. Nur Leute, die eine Vogel Strauß- Politik treiben, können sich noch länger gegen die Erkenntnis sträuben, daß England auf dem geraden Wege zum Schußzoll sich befindet. Mr. Joe Chamberlain, der Vater der britischen Reichsschutzzollidee, ist schon heute der Sieger dem Freihandel gegenüber; nicht nur von den Konservativen, auch von den liberalen Mitgliedern des Parlaments sind ein großer Teil seine Anhänger. Jetzt wird aus London vollends von der Begründung einer Schutzzollliga aus Parlamentariern berichtet: Eine Versammlung von hervorragenden konservativen und liberalen Mitgliedern des Oberhauses und des Unterhauses, welche für eine Vorzugsbehandlung der Kolonien eintreten, beschloß die Gründung einer Tarifreformliga mit schutzzöllnerischer Tendenz. Die Liga beabsichtigt eine Propaganda durch ganz England zu veranstalten. Und ganz England wird über kurz oder lang, von einem verschwindenden Bruchteil abgesehen, ebenso begeistert schutzzöllnerisch sein, wie es bisher begeistert freihändlerisch war. * Kurze politische Nachrichten. Der Kaiser hat für die Kaiserliche Marine eine neue Flaggen- und Salutordnung aufgestellt. * In Kopenhagen geht das Gerücht, König Christian von Dänemark werde im Oktober den Besuch Kaiser Wilhelms in Rostock bei der Einweihung der Dampffähre GjedserWarnemünde, erwidern. * Die bayerischen Staatsbahnen erzielten im ersten Halbjahr 1903 eine Einnahme von 73 175 000 Marf, 3 288 929 Mark mehr als im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres, bei 5919 Kilometern Betriebslänge gegen 5807 Kilometer im vorigen Jahre. In Agram fanden Verhaftungen wegen der letzten Bombenattentate statt. Bei einem der Verhafteten, dem Ku issenschieber Adlesie, fand man Dynamitpatronen und Zünd. schnüre. * Das Münchener Schöffengericht verurteilte den Cen trumsabgeordneten Dr. Heim zu 10 Mark Geldstrafe, weil er in einer Genossenschaftsversammlung, als Bauern klagten daß das Proviantamt bei Lieferungen ihnen Händler vor ziehe, dazwischen rief:„ Rollender Rubel!" * In Südafrika, insbesondere in der Kapkolonie, ist nac neueren Nachrichten die Erbitterung zwischen Holländern und Briten größer denn je. Daher auch die 25 000 Mann Die England in Südafrika stationieren will! recht, im Anfang, wenn Eristu sich nach dem Befinden des Weder die Fürstin noch Margherita waren anwesend. Umgebung des deten sebr frant?. Trei= Erſtere lag wieder in heftigen Krämpfen, und letztere hatte Temple" beleben, Es ist das die Zeit, wo alles, was den Verhandlungen des auf sich wirken läßt. lichen Straßenanzug, ohne jedes richterliche Abzeichen mir dar tiefe Respeft, den ibm unser Cerberus und jedermami Die Sicherheitsgewähr der Hypothekenbanken. - Zur Vertagung des Pommernbankprozesses. CB. Der Beschluß des Gerichtes im Prozeß gegen die Di rektoren und Tayatoren der Pommernbank, die Verhandlung behufs Beschaffung neuer Beweise zu vertagen, hat mi Recht allenthalben das größte Aufsehen erregt, denn es wurde darin mit aller Deutlichkeit ausgesprochen, daß das Beweismaterial, das die Anklagebehörde nach 2½ jähriger Vorbereitung vorgeführt hat, völlig unzureichend ist. Wahr. scheinlich dürfte sich das Bedenken des Gerichtshofes darauf stigen, daß die Abschäzungen der von der Staatsanwaltschaft geladenen Sachverständigen und der S. hverständigen der Verteidigung sich durchaus widersprechen und daß namentlich die erste Kategorie von Gutachten eine ſummarische Fassung erhalten hat, daß ferner die Liſten, sowie die Einzelausweise über das Zustandekommen der gegen die Bankdirektoren und Tayatoren gerichteten Abschätzungen fehlten. Indem die Ermittelungen der Gerichtsgutachter dem Gerichtshof zweifelhaft wurden, mußten auch Zweifel entstehen, ob der Zusammenbruch der Werte und der Pommernbank selbst nicht das Ergebnis eines spekulativen Angriffes anderer Banken gewesen ist. Wenn dies der Fall ist, so wäre der Grad des Verschuldens bei den Bankdirektoren wesentlich vermindert. Daß aber ein Verschulden orliegt, darüber war der Gerichtshof selbst nicht im Zweifel, und er hat ja auch in seiner Entscheidung betont, daß ein , hinreichender Verdacht" gegen die haftentlassenen Direktoren noch vorliegt. Aber für die Abmessung der Schuld und demgemäß auch für die Abmessung der Strafe fehlte die Jenügende Unterlage. tischen Stellen weiter verkürzt wurde. Das Wetturnen mit glänzenden Leistungen hat sich ebenfalls reger Anteilnahme eitens der Zuschauer zu erfreuen, doch erregten naturgemäß beim nicht turnerisch gebildeten Teil der Zuschauer die mannigfachen Turnspiele, wie Barlauf, Faust-, Fuß-, Schlag-, Schleuder, Gernz, Korb-, Kreis- und Tamburinball und Stafettenlauf, die größtenteils von beiden Parteien mit Fin digkeit, Ausdauer und eminenter Geschicklichkeit ausgeführt werden, das größte Interesse. Großes Interesse erregten auch die graziösen Produktionen der Engländerinnen vom Battersea Politechnik London, deren Stabübungen und Keulenschwingen Eleganz und Gewandtheit vereinigt. Diese Vorführungen zeigten ebenso wie das eigenartig anziehende Seilspringen, daß das Damenturnen feineswegs die natürliche Anmut des Weibes beeinträchtigt. Im Festzuge figuierte übrigens, wohl von den wenigsten bemerkt, die älteste iller deutschen Turnerfahnen, die des Vereins Augsburg. Der Verein ist 1847 gegründet worden und hat sich gleich eine Fahne in schwarz- rot- gold zugelegt. Als diese Farben 1848 staatsgefährlich wurden, hat man die Fahne versteckt gehalten; später kam sie auch nach Amerika. Der Zar und die deutschen Schiffsjungen. Ueber den Aufenthalt des deutschen Schulschiffes Großherzogin Elisabeth" vor Petersburg wird mitgeteilt, daß die Schiffsjungen in der russischen Metropole herrliche Tage verlebten. Der ganzen Besatzung wurde durch Vermittlung der deutschen Kolonie daselbst u. a. freier Eintritt in den Zoologischen Garten gewährt und außerdem stiftete die Kolonie der Besatzung täglich 200 Liter Bier. Als der Zar von dem Eintreffen des deutschen Schiffes Kenntnis erhielt, verfügte er die äußerst seltene Bevorzugung, daß den jungen ,, Secbären" die eingehende Besichtigung seiner Sommerresidenz Peterhof zu gestatten sei, und ließ die jungen Leute auf dem Bahnhofe mit einem Frühstück bewirten. Die gesamte Presse von Berlin äußert ihr größtes Ertaunen über den seltsamen Verlauf des Prozesses. Die Vossische Ztg." sagt unter anderem: Man sieht, daß auch in Rechtsleben das Unwahrscheinlichste Ereignis werden ann." Das sozialdemokratische Organ der Reichshauptstadi faßt die ganze Frage von der grundsätzlichen Seite aus an und erblickt darin den Beweis, daß unsere Gesezgebung mit ber Entwickelung des kapitalistischen Geschäftslebens nicht mehr gleichen Schritt zu halten vermag. Man kann diese auf die politische Ausbeutung des Falles berechnete Darstellung füglich beiseite lassen und doch zu dem Ergebnis kommen, daß tatsächlich unsere Gesetzgebung in den Bestim mungen über die Hypotheken- Aftien- Banken durchaus un zureichend ist. Die Hypotheken- Banken, sofern diese aus Aktien gegründet sind, sollten prinzipiell dem Spekulation geschäft fern gehalten werden, denn da ihre Errichtung von der Genehmigung der Staatsbehörden abhängig ist und diesen auch eine Kontrolle zusteht, da ferner die Hypotheken- Banken ein weitherziges Erefutive haben, so genießen sie im Publifum ein ganz besonderes Vertrauen. Das war speziell auch bei der Pommernbank der Fall, deren Werte bekanntlich fast mündelsicher erklärt worden wären. Man sollte annehmen, daß namentlich die Ausgabe von Pfandbriefen nur so weit gestattet sei, als dafür Deckung vorhanden ist. Denn wenn in dieser Hinsicht den Direktoren eine unbeschränkte Bewegungsfreiheit zugestanden wird, wenn sie für schuldlos befunden werden, sofern sie auf Gutgläubigkeit und bona fide Grundstücke zu hoch beliehen haben, dann erhält der Käufer von Pfandbriefen ebensowenig Sicherheit, wie ungefähr der Käufer von Industrie- Aktien. Die ganze Staatsfontrolle über die Hypotheken- Banfen aber hat ja den Sinn, daß die Inhaber von Pfandbriefen gegen ausbrechende Krisen sicher gestellt sind. Die landschaftlichen Hypotheken anstalten beleihen deshalb den Grund und Boden im Höchst. falle mit zwei Drittel des tarierten Wertes, so daß Taxationer der Landschaftsinstitute im Gegensatz zu den Abschätzungen der Pommernbank sehr niedrig bemessen sind. A it > Vermischtes. [ Wohin man reisen soll.] Folgende Reiseziele werden den verschiedenen Berufsarten von einem Wigbold empfoh len. Es sollen reisen: die Rezensenten nach Rügen, die Verliebten nach Süßnacht, die gern Küssenden nach Dortmund, die mit Appetit gesegneten nach Essen, die Schlächter nach Darmstadt, die Verkaterten nach Heringsdorf, die Starken nach Herkulesbad, die Aufgeregten nach Wildbad, die Aristotraten nach Adelsberg, die Kahlköpfigen nach Harburg, der Klerus nach Bischofswerda, die Hizigen nach Eisleben, die Tenöre nach Singen, die Ingenieure nach Zweibrücken und endlich die Armen nach Geldern. Ein moderner Leander. Ein Schwimmstücklein, das an die antike Mär von Hero und Leander erinnert, vollbrachte in Wilhelmshaven ein Matrose von S. M. S. ,, Kaiser Karl der Große". Er hatte beim Tanz in den Armen seiner Hero die Abfahrtszeit der Pinasse vertrödelt, die ihn an Bord des Schiffes bringen sollte. Kurz entschlossen machte er nach zärtlichem Abschied von der Geliebten aus allen Kleidungsstücken ein Bündel, das er sich auf den Rücker schnürte, und dann hinein in die Flut und mit starkem Arm dem Schiff zugesteuert, das weit draußen auf der Reed lag. Der pflichteifrige Schwimmer wurde von Bord an bemerkt und von einem Boot aufgenommen. Da voraussichtlich der Prozeß aufs neue und jedenfall viel genauer noch als seither geführt werden wird, so wollen wir uns einstweilen einer Besprechung der jüngsten Gerichts entscheidung enthalten. Eins aber sei jezt schon aus: gesprochen, daß der kommende Reichstag wohl allen Grund hat, sich mit den Bestimmungen über Hypotheken- AktienBanken eingehend zu befassen und die Pfandbriefe gegen die Stürme der Krisen bei Katastrophen zu sichern, indem die Bestimmung getroffen wird, daß kein Pfandbrief über den Wert des vorhandenen Aktienkapitals ausgegeben werden darf. Aus dem Gerichtsfaal. Bom 10. b Um Montag ber Sieger statt. 12 Sieger: eine jepigen Gipfelübu bisherigen Einnah unberechtigt, daß Sonntag befuchten Tagesfarten, abge Auf das an traf folgende Ant fhaft: Seine M Bulbigungsgruß ten Turner gern teiligten beftens Der gehein Wie taum Turner in ber poetischer Form Den Beffe „ Her *[ Ein gefährliches Mittel.) Ein gutes" Mittel gegen das Schwanzschlagen der Kühe beim Melfen hat ein Bewohner eines thüringischen Dörfchens erfunden. Er band nämlich ein Gewicht an den Schwanz der Kuh. Nun ist aber( wie man an jeder Ochsenschwanzsuppe sehen kann), ein Rinderschwanz ziemlich kräftig, und so kam es, daß besigte Kuh ruhig weiter wedelte und mit dem angehängten Gewicht dem Bauer beim nächsten Melken fünf Zähne einschlug. Ueberfall auf ein Stationsgebände. Unbekannte Täter versuchten einen Einbruch in das Bahnhofsgebäude der Station Branowiz an der österreichischen Nordbahn. Der diensthabende Beamte Josef Tinzek warf sich, als er das Geräusch hörte, den Einbrechern entgegen, doch diese feuerten mehrere Schüsse auf ihn ab, die ihn lebensgefährlich verletzten. † Selbstmord oder Mord? Eine rätselhafte Wendung nimmt die Untersuchung in der Affaire des Berliner Ban fiers Schindler, der in einem Hamburger Hotel erschossen aufgefunden wurde, nachdem sein Buchhalter Jacobus nac großen Unterschlagungen sich nach Argentinien geflüchtei hatte. Man nahm zunächst an, daß Schindler sich selbst er schossen habe, da er an den Veruntreuungen beteiligt geweser und in Hamburg von seinem Komplizen in Stich gelassen sei. Wie die Ermittelungen aber ergaben, ist zur Zeit voi Schindlers Tod seine Ehefrau bei ihm im Zimmer gewesen. Es steht noch nicht fest, ob diese, nach der die Hamburger Polizei jezt eifrig sucht, nicht ihren Mann erschossen hat Auf jeden Fall muß sie die Leiche nach dem Tode Schind lers in die Lage gebracht haben, in der diese gefur den würde. Frau Schindler hatte aus Hamburg an Verwandte de peschiert, daß sie sich das Leben nehmen wolle. Sie ist 20 Jahre jünger als ihr Mann. § Ein Attentat auf den Gerichtspräsidenten verübte ir einer Straffammersihung des Landgerichts Erfurt der Dach becker Schreier. Nachdem er wegen Diebstahls zu zwe Jahren vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war, be gann er den Staatsanwalt und den Gerichtshof in gemein ster Weise zu beschimpfen, bog sich nach dem Gerichtsschreibei hin, ergriff ein schweres Buch und warf es nach dem Vor sigenden, Landgerichtsdirektor Rieß. Zum Glück wurde nu dessen Schreibzeug getroffen, sodaß die Tinte umherspritzte Die Gerichtsherren sprangen auf und die Zuhörer waren starr vor Schreck. Der Gerichtsdiener hatte große Mühe, den Wütenden zu bändigen. Nab und fern. † Des Wilderers Ende. Auf eigentümliche Weise hat der als Wilderer bekannte 36jährige Schuhmacher Johann Kirchner in Wildflecken( in der Rhön) sein Leben verloren. Am Abend war er mit einem Gewehr in den Wald gegangen; als er einen Mann kommen sah, wollte er die Waffe rasch verbergen, der Kolben schlug aber auf den Boden auf, wobei das Gewehr sich entlud und die zwei Schüsse dem Kirchner die Brust durchbohrten. Er war sofort tot. Ein pestverdächtiger englischer Dampfer wurde in Genua angehalten. An Bord des aus Bombay eingetroffenen Dampfers Spithead" erkrankte ein Matrose unter Erscheinungen, die für Best gehalten wurden. Das Schiff, die Mannschaft und achtzig Hafenarbeiter wurden borläufig isoliert. Reicher Lohn einer guten Tat. Eine unerwartete große Erbschaft hat ein Einwohner des englischen Städtchens Cheltenham gemacht. Der Betreffende lieh vor etwa zehn Jahren einem oberflächlichen Bekannten 500 Mark, damit dieser nach Südafrika zur Ausbesserung seiner Gesundheit gehen könne. Der Kranke verblieb dort und gewann ein großes Vermögen, dessen Wert auf 60 Millionen geschäß wird. Kürzlich ist er nun verstorben und hat seinem Freunde und Gönner in Cheltenham den vierten Teil seines Ver mögens testamentarisch hinterlassen. Ein gefährlicher Ausbruch des Vesuvs hat durch einen mächtigen Lavastrom das Führerhaus zerstört. Die Aus: brüche dauern in heftiger Form an. Das Gelände um den Vesuv ist nicht gefährdet worden. Zu gleicher Zeit fan den auf Sizilien heftige Erdbeben statt. Angebliche Verstimmungen am Weimarischen Hofe. An die plötzliche Abreise der Großherzogin Caroline von SachsenWeimar nach einem Schweizer Kurort haben sich Gerüchte von einer hochgradigen Verstimmung derselben gegen einige in hervorragenden Stellungen befindliche Persönlichkeiten des Hofstaates gefnüpft. Die junge Fürstin habe ihre ſelb. ständigen Ansichten; sie wünsche z. B. wie jede andere Frau Herrin in ihrem Haushalte zu sein und beanspruche auch für sich das Recht der Selbstbestimmung in den Aeußerlichkeiter des täglichen Lebens. Die betreffenden Persönlichkeiten, die jeit Jahren gewohnt sind, am Weimarischen Hofe zu leiter und zu regieren, sollen sich nun aber verschiedentlich in Wider spruch mit diesen Ansichten der Großherzogin gesetzt haber und bestrebt gewesen sein, ihre eigenen Ansichten zur Richt schnur für die Großherzogin zu machen. Das konnte natür lich der Landesfürstin nicht gleichgiltig sein. Man spricht davon, daß die Folge dieses Konfliktes möglicherweise Veränderungen im Großherzogl. Hofstaat sein werden. Ein grauenhafter Lustmord wurde in der österreichischen Gemeinde Marchtrenk bei Wels begangen. Im Gesträuch bei einer Kapelle auf dem Felde wurde die fünfeinhalbjährige Tochter Theresia der Eheleute Riedl mit auf. geschlittem Leibe tot aufgefunden. Die Eltern des Kindes waren mit Kornschneiden beschäftigt und hatten inzwischen ihre drei kleinen Kinder bei der Kapelle zurückgelassen. Als bie Eltern nach Schluß der Arbeit ihre Kinder holen wollten, fanden sie nur die zwei jüngsten vor, während die fünfein. jalbjährige Theresia verschwunden war. Nach kurzem Suchen vurde dann die Leiche gefunden. Vom Täter fehlt iede Svur Der verirrte Bruder Straubinger. em getteres Vorkommnis ereignete sich kürzlich bei einer Sitzung des Schöffengerichts in Eisenberg. Mitten in der Verhandlung klopfte es bescheiden an der Tür und als der Gerichtsdiener öffnete, stand vor ihm ein böhmischer Bettler, der mit der unschuldigsten Miene um eine kleine Gabe bat. Der Stromer wurde sofort in Haft genommen. Da es bei der jetzigen schönen Jahreszeit ganz unwahrscheinlich ist, daß sich der Mann ein Unterkommen auf Staatskosten verschaffen wollte, fann nur vollkommene Ahnungslosigkeit den Vagabunden in die Höhle des Löwen geführt haben. Ein folgenschwerer Eisenbahnzusammenstoß fand in Ka nada auf der Brücke über den Great River bei Galt statt Zwei Wagen stürzten in den Fluß. Vier Leichen wurder bisher gefunden und man nimmt an, daß mehrere Personer Verletzungen davongetragen haben. A Vom X. deutschen Turnfest in Nürnberg. Das Feſt. spiel lockt jeden Abend viele tausende an, doch wird darüber jeflagt, daß der Genuß der Aufführung, der durch die große Unruhe der riesigen Menschenmenge ohnehin schon gestört wird, durch oftentatives Pfeifen bei verschiedenen batrioUm eine Tasse Kaffee zum Mörder geworden. It Budapest ermordete der 67 jährige Portier Franz Jháß sein Frau, mit der er 35 Jahre hindurch gelebt hatte. Er er schoß seine Gattin wegen einer geringfügigen Ursache; si hatte ihm nach beendetem Mittagmahl schlechten schwarzer Raffee verabreicht. Nach dem Attentat ergriff der Mörde die lucht; er feuerte auf seine Verfolger mehrere Revolver schüsse ab, welche aber glücklicherweise fehlgingen. Es ge lang schließlich, den Mörder zu entwaffnen und einem Poli zisten zu übergeben. Wir 233 ie Und Auch Serei Bu f Die Berline Im Jahre Da hat in Die edle& Die heute Was auf Ift herrlid [ Ein Kleid aus Glas] hat sich eine amerkanische Schauspielerin, Miß Ellen Jaqua, weben lassen. Die Toilette, die aus spinnwebenfeinen Glasfaden hergestellt ist, wirkt auf der Bühne bei Lichtschein geradezu blendend und hat Farbentöne, die von hellgrün und blaßlila bis zu fleischfarben und elfenbeinweiß gehen. Bei ganz schwachem Licht geht von dem Kleide ein Glanz aus, wie Mondstrahlen ihn auf einer polierten Silberfläche erzeugen. Zur Herstellung dieses Kleides waren die geschicktesten Arbeiter fünf Monate tätig, um alles Glas zu spinnen. Das Material wurde in Dresden angefertigt, während die Toilette selbst in Paris gezeichnet und auch gearbeitet wurde. Zu dem Kleide wurden 14 Meter' besonders breiten Glasgewebes gebraucht, 35 Meter Tressen und 25 Meter Volants, im ganzen also 74 Meter; trotzdem wiegt das ganze Kleid nicht mehr als das leichteste Ballkleid, so weich und leicht ist der Stoff. Der verbotene Mäßigkeitsverein. Wie ein fiskalisches Schildbürgerstücklein nimmt sich die folgende Nachricht aus Kolozsvar in Ungarn aus. In einem der umliegenden Dörfer war der Geistliche seit Monaten emsig bemüht, der immer mehr um sich greifenden Trunksucht zu steuern. Schließlich gelang es ihm auch, sich Gehör zu schaffen, heute den einen, morgen den anderen zu nüchternem Lebenswandel zu befehren, und jüngst wollte er nun zur größeren Verbreitung seiner Lehren einen Mäßigkeitsverein gründen. Die Statuten dieses Vereins aber wurden vom Minister des Innern nicht genehmigt, und zwar aus dem gewiß plausiblen, wenn auch vielleicht ethisch anfechtbaren Grunde: daß die Gründung eines Vereins, dessen Bestrebungen eine Verminderung der ärarischen Einnahmen zur Folge hätten, nicht gestattet werden könne. Bunte Chronik. Eine deutsche Nationalkonferenz zur Be. kämpfung des Mädchenhandels wird unter dem Vorsitz des Rammerherrn der Kaiserin, Grafen v. Keller, am 27. und 28. Oktober in Berlin stattfinden. - Bei Neumark im Vogtlande wurde durch die Nach. lässigkeit eines Schlagbaumwärters ein Kutscher von einem Schnellzug getötet. Der Wärter ertränkte sich aus Verzweif lung. Der Hauptbegründer des Schiffstrusts, der Schwieger. john Vanderbilts, Dresser, wurde in Newyork wegen betrügerischen Bankrotts verhaftet. Und seine In der Kr Wiltommer Night Pre Die einand Seit Anno An die Dü „ Es wallt ein Von den sonn Von dem Lar Mit nerbigem Auch hier gib Die der lech Doch was w Flöß nicht [ Das trauliche Du" gibt einem ungarischen Journalisten Anlaß zu einer heiteren Plauderei, in der er über die in Ungarn herrschende Sitte, daß zwischen zwei Personen gleichen Standes ohne weiteres das„ Du" Plaz greift, verschiedene komische Vorkommnisse berichtet. Die hübscheste Szene ist folgende. Ein Redakteur eines ungarischen Tageblattes sagte einem blutjungen dichterischen Anfänger, der ihm ein äußerst grünes Frühlingspoem zu freundlicher Abdruckung brachte, nach Durchlesen der Verse:„ Lieber Freund, darf ich Ihnen ohne weiteres das Duwort anbieten?" Bis in die Erde hinein geschmeichelt und ob der unerwarteten Ehrung auf seinem Antlitz alle sieben Farben des Regenbogens erscheinen lassend, erklärte sich der Musensäugling mit dem Antrag des Gewaltigen einverstanden. Dieser aber sette fort:„ Siehst du, lieber Freund, jetzt kann ich ohne Umschweife dir meine Meinung sagen. Ein solches Rindvieh wie du ist mir in meinem Leben noch nicht untergefommen." Und es konnte kein Duell daraus werden. Waren sie doch miteinander per Du... Es einigt un Es eint uns Serein jest Schall Euch f Der Die Turne 61 Cin [ Rußland und die Ereignisse von 1870. Eiren eigen artigen Beitrag zur Vorgeschichte des deutsch- französischen Krieges liefert General Faverot im„ Gaulois". Er berichtet, daß der bekannte General Fleury geäußert habe, der Krieg sei nur deshalb zum Ausbruch gekommen, weil Napoleon III. England nicht aufgeben wollte". General Fleury, der damals als Gesandter in Petersburg weilte, sei auf Anweisung Napoleons zum Zaren Alexander gefahren, um ihn um seine Intervention beim König von Preußen zu bitten, damit das Blutvergießen vermieden würde. Zar hat aber als Preis für seine guten Dienste die Aufhebung des Pariser Vertrages von 1856 verlangt. Diese Forderung sei von Paris aus mit Rücksicht auf den treuen Bundesgenossen England" abgelehnt worden und Rußland intervenierte infolgedessen nicht nur nicht, sondern verpflichtete sich Deutschland gegenüber sogar, sofort zu seinem gunsten die Waffen zu ergreifen, falls Desterreich Frankreich unterstützte. Die ganze schöne Erzählung ist wohl weiter nichts als ein durchsichtiger Versuch, dem neuen Freund" England zu zeigen, daß man bereits große Opfer für ihn gebracht habe, damit er nach dem Grundsage: Eine Hand wäscht die andere, gelegentlich auch zu solchen bereit sei. John Bull fällt aber auf derlei Mäßchen so leicht nicht hinein. Go 28e Der Der Dr Her Au La Die Defter „ Ez ist zwif Ein Grenzp Das deutsch In Freude Nichts tren Im deutsche So war c Bis in die Und wo no Sei's hier Da soll ein Empor in * * Die Frhen. v. D * Swet Anfrage, betr ausgesperrten gerichtet. * * Fre 2. Raff. Feld jabrig Freiwil Sattler, Schn mufterung ber tigt werden. Meldescheins H. K. Bie im bo des Monats ftatt, es ba gemeldet. diefer Briffur ficher anzunet mehr dazu geprüften fightigen. Die Baumeister L Anleitung für ordnung, fozia führung und der vom S le werden d empfoh 1, die Ber Dortmund, chter nad e Starken Die Aristoburg, der leben, die üden und ttel gegen t ein Be Er band Nun ist fann), ein paß bei igte ngten Ge einfd lug. ante Täter bäude der ahn. Der er das Ge fe feuerten hrlich ver eise hat der Johann n berloren. gegangen; Waffe rafh en auf, wo em Kirchner wurde in mbay ein in Matrose rden. Das ter wurden der öfter. angen. m de die fünf edl mit auf des Kindes n inzwischen laffen. 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Abends turnten auf der Bühne die ersten 12 Sieger: eine noch nie gesehene Zusammenstellung der jeßigen Gipfelübungen des deutschen Turnens. Nach den bisherigen Einnahmen des Turnfestes gilt die Hoffnung für nicht unberechtigt, daß das Turnfest ohne Defizit abschließt. Am Sonntag besuchten den Festplag rund 22000 Personen mit Tagestarten, abgesehen von den mit Dauerkarten Versehenen. Auf das an den Kaiser abgesandte Huldigungstelegramm traf folgende Antwort ein:„ Ausschuß der Deutschen Turnerschaft: Seine Majestät der Kaiser un König haben den Suldigungsgruß der zum 10. Deutschen Turnfest versammelten Turner gern entgegengenommen und lassen allen Beteiligten bestens danken. Auf Allerhöchsten Befehl: Der geheime Kabinettsrat J V.: von Valentini." Wie faum anders erwartet werden fonnte, haben die Turner in der Vaterstadt Hans Sachs' eine Begrüßung in poetischer Form gefunden. " Den Hessen rief man zu: „ Heran Ihr Turner aus Hessenland, Wir haben's noch nicht vergessen, Wie Ihr Euch 70 mit starker Hand Und wehrhaft im Felde gemessen. Auch im Bayernlande, da lebt sich's gut, Herein in die Stadt, Du Junghessenblut, Bu frisch, froh, freiem Vollbringen!" zu beziehende Beitfaden zur Vorbereitung auf die Meister prüfung." * Die Burschenschaft„ Germania" an der hiesigen Universität feiert morgen, am 24. Juli, im Philo sophenwald ihr 52. Stiftungsfest. ** Preisgekrönt kehrt unser Turner Carl Müller heute abend vom X. großen deutschen Turnfest aus Nürnberg zurück. Unter den über 1400 Wettturnern hat er sich einen 37. Preis errungen. Hart war die Arbeit, drum sei ihm heute abend bei dem nach Steins Garten angesetzten Kommers auch durch zahlreiches Erscheinen der Turner und Turnfreunde Gießens gezeigt, daß man sein Ringen und seinen Erfolg zu schäßen weiß. * * Das 1. Volks- und Jugendfest der 4 vereinigten Wohltätigkeitsvereine, welches am 2. Aug. stattfindet, wird, sofern nur gut Wetter ist, viel Publifum nach dem Philosophenwald wandern lassen. Angemeldet wurden 1668 Kinder, eine Zahl die ergiebt, daß das Fest großem Interesse begegnet. * Das städtische Freibad an der Lahn, welches nunmehr seit 8 Jahren besteht, wurde benutt 1900 mit 30 255 Bäder, 1901 mit 40872 Bäder, 1902 mit 23 177 Bäder. In diesem Jahre wurde die Anstalt am 23. Mai eröffnet und wurden während des Restes dieses Monats 2560 Bäder darin genommen. Im Monat Juni badeten schon 7160 Personen. Die stärkste Frequenz hatte das d. Is. an denen 2900 Bäder genommen wurden. Die Berliner wurden mit folgenden Strophen begrüßt: Freibad an den bisher 3 heißesten Tagen 2. 3. u. 4. Juli Im Jahre Eintausend achthundert und elf Da hat in Berlin begonnen Die edle deutsche Turnerei, Die heute ganz Deutschland umsponnen. Was auf märkischem Sand Vater Jahn gefäet Ist herrlich und schön aufgegangen, Und seine Jünger ziehen heute einher In der Kraft und Schönheit Prangen! Willkommen! Berliner, nicht mehr Süden und Nord, Nicht Preußen und Bay rn und Schwaben, Die einander entgegen! Das haben wir Seit Anno 70 begraben." An die Düsseldorfer Turner: Es wallt einher von den Ufern des Rheins, Von den sonnigen Hügeln, von den Bergen des Wein&! Von dem Lande des Sanges, von den Stätten der Lust Mit nervigem Arm und gehobener Brust. Auch hier gibt es Dome, auch hier giebt es Schänken, Die der lechzenden Seele und Kehle gedenken. Doch was wäre der Main und was wäre der Rhein, Flöß nicht auch die Nürnberger Begnig hinein! Es einigt uns nicht nur das Stromgebiet, Es eint uns das Denken, das Turnen, das Lied! Herein jezt zum Tore, und auf allen Wegen Schall Euch fröhlicher Zuruf und Willkomm entgegen." Die Turner aus Westfalen begrüßte man: , Glückselig, dessen Arm umspannt, Ein Mädchen aus Westfalenland! So flingt es längst im Liede. Wer der Westfalen Händedruck spürt, Dem wird das Herze auch gerührt! Denn das geht zu Gemüte. Drum seid gegrüßt in Nürnbergs Bild, Herein mit Jubel und Klingen, Aus roter Erde fernem Gefild, Laßt herzliches Willkomm Euch bringen." Die Desterreicher wurden wie folgt bewillkommet: Es ist zwischen uns ein Grenzpfahl gerammt, Ein Grenzpfahl trennt teine Herzen! " Das deutsche Herz, es schlägt und flammt In Freuden gleich, gleich in Schmerzen. Nichts trennt uns im Liede, in Schrift und in Wort, Im deutschen Ringen und Streiten, So war es bis jeßt, so bleibt es hinfort, Bis in die fernsten Zeiten. Und wo noch die deutsche Zunge im Fluß, Sei's hier im Reich oder draußen, Da soll ein Gut Heil! als Turnergruß Empor in die Lüfte brausen!" Lokales. Gießen, 23. Juli 1903. ** Die Landgräfin von Hessen kaufte vom Frhrn. v. Drieskau dessen Gut Hof Rethers. * 8 weite Rammer. Abg. Dr. David hat eine Anfrage, betreffend die polizeilichen Maßnahmen gegen die ausgesperrten Maurer in Mainz, an die Großh. Regierung gerichtet. ** Freiwillige. Die 6. Feldhaubiz- Battererie 2. Nass.- Feldartillerie- Regiments Nr. 63 stellt noch zweijährig Freiwillige zum 15. Oftober d. Js. ein. Schuster, Sattler, Schneider bei Zulage bevorzugt. Bei der Generalmusterung bereits ausgehobene Leute fönnen nicht berücksichtigt werden. Bewerber wollen sich unter Vorzeigung ihres Meldescheins ev. schriftlich melden in Mainz, Löwenhoffaserne. H. K. Meisterprüfungen im Handwerk. Wie im vorigen Jahre so finden auch in diesem im Laufe des Monats August wieder die gesetzlichen Meister prüfungen statt, es haben sich bereits eine größere Anzahl Prüflinge gemeldet. Die Erkenntnis der Wichtigkeit der Ablegung dieser Prüfung bricht sich in erfreulicher Weise Bahn, zumal sicher anzunehmen ist, daß die größeren Verwaltungen immer mehr dazu kommen werden, bei Arbeitsvergebungen die geprüften Handwerksmeister in erster Linie zu berücksichtigen. Die Anmeldungen sind in Oberhessen an Herrn Baumeister L. Traber zu Gießen zu richten.- Als Anleitung für den theoretischen Teil der Prüfung( Gewerbeordnung, sozialpolitische Gesetzgebung, Gewerbegericht, Buch führung und Wechsellehre) dient in äußerst praktischer Weise der vom Sekretariat der Handwerkskammer in Darmstadt - ** Von der Großh. Staatsanwaltschaft Gießen werden steckbrieflich verfolgt: Kutscher W. Gerner aus Coburg wegen Unterschlagung; Kaufmannsgehilfe Hugo Reiß aus Bobenhausen wegen Unterschlagung; Dachdecker Matthäus Fröhlich aus Aschaffenburg wegen Betrugs; Arbeiter Fr. Lang aus Ranstadt wegen Bedrohung; Schuh. macher Fr. Reichard, gen. Mihm, aus Tann wegen Dieb. stahls; Schirmflicker Ferd. Unger aus Wilhelmsthal und Jos. Wagner, Eheleute aus Mühlhausen wegen Mordversuchs, bezw. Körperverlegung; Heinrich Wizel aus Frankfurt a. M. und Helene Hinter, geb. Ranzelsberger, aus Weidholz wegen Diebstahls i. w. R.; Prostituierte Henriette Fit aus Kaiserslautern wegen Betrugs c. und Militärsträfling Ludwig Hesse wegen Strafvollstreckung. ** Ein Höhlenbewohner und Hamster in Menschengestalt. Eine Verhaftung mit Hindernissen mußte gestern Mittwoch Nachmittag hier in Gießen vorgenommen werden, indem sich ein stellenloser Küfergeselle schon ca. 14 Tage in einem unter der Wirtschaft zur Liebigshöhe b findlichen, nur 1 Meter hohen und ca. 20 Meter langen Kellerchen versteckt aufhielt. Dem Wirt dortselbst wurden in lezter Beit öfters Nahrungsmittel gestohlen, er fam zu der Ueberzeugung, daß sich ein Dieb im Hause aufhalten müsse. Troß Aufforderung des anwesenden Schußmannes aus seinem Verstecke herauszukommen, leistete er feine Folge, es wurden deshalb mehrere Soldaten zur Verfügung gestellt, die sich, auf dem Leibe friechend, in die Versteckhöhle begaben und denselben, da er heftigen Wiederstand mittels Tretens leistete, mit einer Leine in das Freie beförderten. In seinem Besize befand sich noch ein Faß Bier von 20 Liter, eine große Korbflasche mit Apfelwein, 1 Seite Speck, 32 Eier, 2 Laibe Brod und 1 Korb mit Waffeln. Sämt liche Sachen waren gestohlen und gehörten teils dem Wirt selbst, sowie dem Wirt Schultheiß zum Schüßenhof. Die Waffeln wurden dem Waffelbäcker auf dem Schützenfestplatz gestohlen. * * Viehmarktbericht. Der Viehmarkt in dieser Woche hatte einen Vorrat von ca. 1200 Milchfühe und fette Rinder 240 Kälber und 220 Stück Gangvieh. Der Handel war im allgemeinen nicht so flott als man bei dem Futterreichtum erwartet hatte. Fette Rinder waren zahlreich am Markt so daß das Angebot größer als die Nachfrage in dieser Viehgattung sich gestaltete. Es gab einen recht ruhigen Handel und konnten die Gießener Rindsmegger ihren Bedarf eine Kleinigkeit billiger decken als sonst. Dieselbe Tendenz zeigte der Kälberhandel. Frankfurt, Wiesbaden und BadNauheim machten den Markt und war auch für diese Ware ein kleiner Preisrückschlag bemerkbar, besonders in Mittelund geringer Ware. Aeltere Abmelkfühe, worin ein Pöstchen zu haben war, fanden nur überaus Begehr. Die Käufer für diese Ware blieben unseren Märkten in der letzten Zeit fern. Die Auffahrt in Gangvieh war sehr stark; 2 Transporte aus Bayern wiesen sehr schöne und starke Paare auf, doch fehlte es auch im Ochsengeschäft an dem richtigen Bug. Was gehandelt wurde blieb in der Provinz Oberhessen und in den umliegenden preußischen Kreisen. Der Markt blieb übrigens in allen Viehgattungen, wenn auch unerheblich, Behandelt wurden: per Stück Milchkühe überſtändig. 1. Sorte 400-500 Mark, 2. Sorte 320-375 Mt., 3. Sorte 250-300 Mark, Abmeltkühe 200-220 Mt.; pro Ctr. Schlachtgewicht: fette Rinder 1. Qualität 65-67 Mt., 2. Qualität 62-64 Mt, Kälber 1. Sorte 65-70 Mt., 2. Sorte 58-62 Mt., 3. Sorte 54-56 Mt. Fahrochsen pro Paar 1. Sorte 850-900 Mt., 2. Sorte 750-820 Mt., 3. Sorte 675-725 Mt. Nächste Markttage 4. und 5. August d. Js. Am zweiten Markttag auch Krämermarkt. Für Radler dürfte folgende heitere Episode, welche uns von einem Freund u. Bl. mitgeteilt wird, von Interesse sein. Auf eine geradezu geniale Weise hat es ein Einwohner im Braunschweigischen verstanden, mehrere Leute, die ihm einen Bubenstreich gespielt hatten, ihrer verdienten Strafe zuzuführen. Der Herr fuhr mit einem Motorrade von Braunschweig nach Hildesheim, unterwegs erregte er, ohne im geringsten dazu Veranlassung gegeben zu haben, das Mißfallen mehrerer Feldarbeiter, und diese begannen alsbald ein Steinbombardement auf den Radfahrer. Unglücklicherweise traf ein scharfer Stein einen Luftreifen des Rades, sodaß dieser zerriß und dem Rade der Lebensodem ausging. Der Fahrer versuchte zunächst die Namen der Uebeltäter festzustellen, begegneta dabei aber nur Hohn und Spott, und so beschloß er, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Er begann also ruhig sein Flickmaterial auszupacken, um den * | Reifen zu reparieren. Dies erregte nun die Neugier der Arbeiter, und es dauerte nicht lange, so umstanden sie ihn alle, um der für sie interessanten Manipulation zuzusehen. Der Radfahrer zeigte auch gar keinen Groll mehr, sondern unterhielt sich ganz freundlich mit den Missetätern, und schließlich waren alle in solcher Harmonie, daß der Radfahrer mit seinem Vorschlage, ein schönes Gruppenbild von den Leuten aufzunehmen, allseitigen Beifall fand. Der Knipsapparat wurde in Tätigkeit gesezt und man trennte sich endlich mit dem Gefühle gegenseitiger Hochachtung. So weit war nun alles gut, und die biederen" Landbewohner warteten mit Spannung auf die il nen versprochenen Photographien. Ihre Geduld sollte auch auf teine zu lange Probe gestellt werden, denn alsbald wurde ihnen das wohlgelungene Bild präsentiert, zu ihrer größten Ueberraschung aber von dem zuständigen – Gendarmen, der damit gleichzeitig eine freundliche Einladung verband, demnächst dem Herrn Amtsrichter einen furzen Besuch abstatten zu wollen. Die Gesichter der Betroffenen sollen bei dieser Gelegenheit weit länger geworden sein, als auf dem heiteren Gruppenbilde zu sehen war. Hier tann man getrost sagen: Der Knippsapparat bringt es an den Tag! - ? Lang- Göns, 22. Juli. Dem Landwirt und Fuhrmann Conr. Müller 26. ging gestern vom hiesigen Güterschuppen sein Pferd mit beladenen Wagen durch. Er saß auf dem Wagen und fonnte sich durch Abspringen retten, hat aber dabei einige Verlegungen erlitten. Herr Dr. Reiff, welcher sofort zur Stelle war, nahm den Verband vor. Gambach. Der vor Kurzem gegründete Turnverein hat bereits 100 Mitglieder. Den Vorsitz führt Herr Lehrer Schmidt. Nidda. Dieser Tage wurde hter ein Zweigverein des Deutschen Flottenvereins gegründet, dem sofort 100 Mitglieder beigetreten sind. - Butzbach. Unsere Turner schickten aus Nürnberg folgendes Telegramm: Musterriege 4 bis 5 Puntte. Gut bis sehr gut.„ Gut Heil!" (!) Buzbach. Die Kommission zur Abschäzung der Hagelschäden, die das Unwetter am vorbergangenen Sonntag brachte, weilt bereits hier und hat ihre Tätigkeit begonnen. Außer der hiesigen Gemarkung sind noch Hagelschäden gemeldet von Gambach, Griedel, Holzheim, Grüningen, Dorf Gill, Trais- Münzenberg, Nieder- Weisel, Hoch- Weisel, Fauerbach v. d. H. und Hauſen. * Flensungen. Karl Reiz und Konrad Horst wurden als Wiesenvorstandsmitglieder unserer Gemeinde eidlich verpflichtet. * Alsfeld, 22. Juli. Der neugegründete Geflügelzuchtverein beabsichtigt am 10. Oftober d. Js. eine Geflügelausstellung abzuhalten. Ausstellungsberechtigt sind nur Vereinsmitglieder. ** Ettingshausen. Vom Tode erstanden(!) ist der 35jährige Wagner Johann Schmidt Er war mit einem Begleiter Kirschen pflücken gegangen, stürzte vom Baum und blieb bewußtlos liegen. Der Begleiter hielt den Verunglückten, der nach verzweifeltem Schütteln fein Lebenszeichen von sich gab für tot und lief ins Dorf, die Schreckensnachricht verkündend. Ein Wagen jagte alsbald nach der Unglückstelle um den vermeintlichen Toten zu holen; dieser aber hatte unterdessen das Bewußtsein wieder erlangt nnd begegnete dem verbüfften Lenker des„ Totenwageng." Marburg, 21. Juli. Der hiesige nationalliberale Verein hat einstimmig beschlossen, bei den im Herbst stattfindenden Landtagswahlen einen eigenen Kandidaten aufzustellen. * * Frankfurt a. M., 22. Juli. Ein Deserteur des 81. Infanterie- Regiments dahier, Namens Fischer, wurde in Paris bei einem Einbruchsdiebstahl festgenommen. Auf dem Paulsplage wurde mit den Fundamentierungsarbeiten zum Einheitsdenkmal begonnen. *+* Mainz. Der Bund der Gastwirte hat u. a. eine Resolution angenommen, daß den Angestellten in Gastwirtsgewerbe ein freier Tag von mindestens 16 Stunden gewährt werden soll. [:] Darmstadt. Der Vorsitzende und Ehrenpräsident des Gastwirtevereins, Herr Reinemer, wurde zum Ehrenmitgliede des Deutschen Gastwirtbundes ernannt. Der Direktor der Sterbefasse, Herr Haust, erhielt die goldene Bundesmedaille. Brieffaften. F. Neustadt. Besten Dank für Ihren Hinweis; Sie sehen also, daß diese Herren auch mitunter sehr grobe Fehler stehen lassen. Wo brauchen wir ein Theater für 11000 Personen, Gießen hat doch nur alles in allem nahe 28000 Seelen. 1100 muß es natürlich hei ßen. Marktbericht. Gießen, 23. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt tosteten Butter Enteneter per Pfd. 1.00-1.10 mt., Hühnereter 6-7 fg., St. 6-7 Pfg., Käse per St. 5-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Bfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben per Paar . 1.00-1.20, Hühner per Stüd Mt. 1.20-2.20, Hahnen, per Stüd Mt. C.70-1.60, Enten per Stüd 2.00-2.20, Gänse p. Bid, 54-60 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Pfg., Rindfleisch per Pfd. 60-66 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Pfg. Schweinefleisch gesalzen per Pfund 0.80 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 68-74 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Bfg., Kartoffeln per 100 Kilo 950-10.00 mt., Zwiebeln per 3t. Mr. 9.00-10.00, Kirschen per Pfund 30-54 Pfg. Milch per Liter 18 Pfg. Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil Albin Klein; für das Lokale, den„ Gerichts." und" Oeffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( vorm. Wilh. Keller), Gießen. Couverts mit Firma von Mk. 3.50 an, liefert die Expedition. g 11 neuen Saalbau Gießen Zum neuen ( früher Steins Garten). Montag, den 27. Juli. Kartoffel Brima Speise n. Salatkartoffel 50 Kilo 4,50 Mark J. Hankel Echloßgaße Gießen. - Grosses Extra- Konzert Bingen a. Rh. zum Besten des Invalidendank ausgeführt von der Kapelle des Infanterie- Regiments Kaiser Wilhelm"( 2. 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