Nr. 247. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., burch die Poft bezogen viertel fährlich Mr. 1.50. Brati@ bellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Bartenban, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmitags. Mittwoch, den 21. Oftober 1903. Gießener 12. Jahrgang. Jnsertionspret 8: Die einfpaltige Petitzelle für Gießen wie ganz Oberhessen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Bfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg. Boftzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechenschink Mr, 362. Neuelle Nachrichten ( Stekener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Grofsstadt- Elend. Von einem gelegentlichen Mitarbeiter wird uns geschrieben: Dieser Tage sind die Adressenschreiber eines Berliner Adressen- Bureaus in den Ausstand getreten. Nach jahrelanger, unwürdiger Behandlung und miserabler Bezahlung haben sich diese Aermsten aufgerafft, um sich ein Streifchen Freiheit, ein wenig Menschendasein zu erkämpfen. War je ein Ausstand berechtigt, so ist es dieser. Man sollte nicht glauben, welch ein Bild hier entrollt wird! Mit 8 bis 10 Mark in der Woche müssen da gebildete Menschen bei angestrengtester Arbeit vorlieb nehmen. Trotz aller Nachtund Sonntagsarbeit können sie es höchstens auf 12 Mark bringen. Angestellte, die schon fünfzehn Jahre im Hause tätig sind, haben endlich einen Verdienst von 15 Mark erreicht. Vorarbeiter, die über soundsoviel Schreiber zu_befehlen haben, erhalten ganze 15,30 Mart. Hunderte von Leute haben unter solchen Umständen, ohne zu murren, jahrelang leben müssen. Bei halbstündiger Mittagpause und täglicher Nachtarbeit ist ihre Gesundheit untergraben, ihre Daseinsfreude vernichtet worden. Man wende da nicht ein, diese Acrmisten rekrutieren sich lediglich aus den untersten Schichten und seien höhere Löhne von Jugend auf nicht gewohnt. Auch darüber hat man manches erfahren, was andere Gedanken gibt. Rechtsanwälte, Aerzte, kurz, Akademiker aller Fakultäten, die in ihrem Berufe so oder so Schiffbruch erlitten, sind unter diesen Schreibern, weil sie anders kaum Beschäftigung fanden und doch nicht verhungern wollten mit den Ihren. Nach Zeugnissen und Referenzen hat man in diesem Riesenbetriebe nicht viel gefragt. Schrieb einer eine leidliche Handschrift und war er mit dem Frohndienste zufrieden, den dieses Millionenbaus von seinen Angestellten verlangte, so wurde ihm der Eintritt in keiner Weise schwer gemacht. Dieser ethische Hafen wurde vielen zur Falle. Dicie Aermsten, die monatelang auf der Straße gelegen, ohne Verdienst, ohne Brot mid jeglicher Hoffnung bar, griffen zu, ohne lange zu erwägen, ob dieser Lohn nun ihrer Leistung würdig wäre. Ja, sie dankten dem edelmütigen Chef wohl gar, weil er ibnen die Demütigung ersparte, ihre Vergangenheit zu enthüllen und ihm zu sagen, wie es fam, daß sie einst Schiffbruch gelitten. Aber fälschlich war es, das Feinfühligkeit zu nennen, was nur höchste Gleichgültigkeit war. Der Streik dieser Aermiten denen die Sympathie aller Kreise sicher ist, hat grauenvolle Zustände enthüllt, wie sie eines Kulturstaates wirklich nicht würdig sind. Er lenkt die Aufmerksamkeit aufs neue auf Dinge, die in der Großstadt seider alltäglich sind, und die man doch im Vorbeigehen kaum beachtet. Leute, die einmal entgleist sind auf der geraden Bahn des Lebens, können so leicht nicht zurückfinden, so ernſt ihre Besserung auch sein mag. Und jener Einbrecher, den sie da neulich abfaßten, als er faum aus dem Zuchthause entlassen, sich schon wieder an fremden Türen zu schaffen machte, sprach eine furchtbare Wahrheit aus, als er auf die Frage, ob er sich denn gar nicht auf ehrliche Weise ernähren fönne, die Antwort gab: sa, was soll ich denn in der Freiheit anfangen? Wer gibt denn einem Zuchthäusler Arbeit?" Großstadtelend! Wie oft ist schon über dieses Thema geschrieben und gesprochen worden! Aber alljährlich aufs nene ziehen die Polypenarme neue Menschenmassen in ihren Bereich, und der Zug nach der Großstadt nimmt ungeheure Ausdehnung an. Das Glitzernde und Gleißende, das an der Oberfläche schwimmt, lockt die Massen von Naiven und Unkundigen, die nicht in dieses Lebens Tiefe zu sehen vermögen. Da nüßt es nichts, wenn zeitweilig ein Lichtschimmer auch die Abgründe erhellt, und jeder Einzelne redet sich die egoistische Meinung ein, ihm könne das nicht passieren. Wie oft ist nicht schon davor gewarnt worden, junge Mädchen aus den kleineren Städten oder den Dörfern allein in das Getriebe der Großstadt hinauszulassen. Und trotzdem vermehrt sich der Zuzug alljährlich um weitere tausende. Ist es da ein Wunder, daß soviele auf Abwege kommen, sinken und verderben? Und die wenigen, die sich noch halbwegs an der Oberfläche halten, die armen Konfektioneusen, Verfäuferinnen, Näherinnen und dergleichen, was erhalten sie für Löhne? 30 bis 40 Mark pro Monat ist ein gangbarer Preis für weibliche Durchschnitts- ,, Ware". Und davon soll num Wohnung, Kleidung und Nahrung bestritten werden! Es wird so manches begreiflich, was oberflächliche Beschauer zu falschem Urteil führt. Es erscheint so manches menschlich verständlich und entschuldbar, was harte Sittenrichter mit moralischer Entrüstung bestrafen. Seht nur hinein in diese Tiefen und flagt nicht jene an, die vom Wege der Pflicht und der Tugend wichen, sondern jene, die sie dazu treiben! Hinter diesent gleißenden Flitter der Großstadt schläft namenloses Elend. Wenn der Winter kommt und glückliche Menschen sich daheim um den Kamin scharen mit zufriedenem Lächeln, läuft draußen auf den Gassen Frau Sorge um und schließt in ihre knöchernen Arme so manchen, der still an den Häusern des Glücks vorüberschleicht, so manches von den jungen Dingern mit großem Federhute, die mit erzwungenem Lächeln tänzelnd durch die Straßen gehen. Ein neuer Thomas Hood täte uns not, der Das Lied vom Hemd" so schauervoll echt und ergreifend Durch das Land riefe, wie jener einst, der das englische Parament durch die mächtigen Alänge seines Liedes zum Schutz aufrief für Armut und Elend und dem nach seinem Tode dafür ein Stein errichtet wurde, auf dem die stolze Inschrift steht:„ He sang the song of the shirt"... ,, Er sang das Lied vom Hemd!" Einstweilen aber ist es des einzelnen Pflicht, hart an den Toren des Winters nach seinen Kräften dazu beizutragen, das Elend zu lindern. Und Pflicht der Regierung und des Parlaments ist es, weiter zu bauen an dem sozialen Werke, das unseres Kaisers höchsten Ruhm bedeutet. Jene aber, welche so leicht den Stab brechen über Elend und Armut und das billige Wort stets leichtfertig bei der Hand hoben von der eigenen Schuld", mögen ihre Blicke tiefer senfen in menschliches Schicksal und nicht da richten, wo jeder Spruch nach Antagsrechten ein Verbrechen wäre gegen die Gerechtigkeit. Das verstimmte Italien 1:: ber all den rauschenden Festlichkeiten und Ehrungen, deren Gegenstand das italienische Königspaar in Paris war, hat man an der Tiber den politischen Schmerz über die Absage des Barenbesuchs in der Siebenhügelstadt nicht vergessen. Ja, in den politischen Kreisen Italiens ist die Erregung über das Nichtzustandekommen des Zarenbesuchs erheblich größer als die Befriedigung über Viktor Emanuels Empfang an der Seine, und die Folge dieser Mißstimmung ist, daß das Kabinet Zanardelli seine Stellung stark erschüttert fühlt und sich mit Rücktrittsgedonken trägt. Zwar werden diese Pläne des Kabinetts von offiziöser Seite als lediglich mit der Kränklichkeit Zanardellis zusammenhängend bezeichnet. Aber man weiß längst, was es mit den„ Gesundheitsrücksichten" rücktrittsreifer Minister auf sich hat. Nicht ohne Interesse ist es, zu sehen, wie die Italiener nach einem Sündenbock suchen, der die Verantwortung für die Absage des Zarenbesuchs tragen soll. Keinem ernsthaften Politiker außerhalb Italiens ist es zweifelhaft, daß der Zar seine Romreise aufgegeben hat ausschließlich wegen der Drohungen der italienischen Sozialisten, ihn mit feindseligen Rundgebungen zu empfangen. Der Tropfen, der den Becher schließlich überlaufen ließ, war die Tatsache, daß 54 Abgeordnete der italienischen äußersten Linken, darunter Dupende intimer Freunde der Minister, ein Manifest gegen den Zaren unterschrieben haben. Das konnte und wollte der Zar sich nicht gefallen lassen, und so erfolgte denn die Absage. Gegen diesen Zusammenhang der Sache verschließen die Italiener frampfhaft die Augen: Sie erklären die Feſtnagelung dieses Zusammenhanges als einen Aft des Uebelwollens Deutschlands und Englands und bezichtigen beide Mächte, gegen den Zarenbesuch intriguiert 311 haben. Die offiziöse römische Tribuna" versteigt sich sogar zu der Behauptung, Prinz Heinrich von Preußen habe den Zaren zur Aufgabe seiner Nomreise bestimmt und fabelt weiter, Berliner und Wiener Bankiers hätten aus Aerger über die Pariser Vorgänge beträchtliche Mengen italienischer Rententitel in Paris verkaufen lassen, um so eine Kurssteigerung zu verhindern! Naive Kinderseelen, diese italienischen Politiker! Andere sehen in dem russischen Botschafter in Rom, Nelidow, das Karnickel, dem die Vereitelung des Zarenbesuches zuzuschreiben sei, und fordern seine Abberufung. Nun, Deutschland und Desterreich werden sich über dies Gebelfer törichter italienischer Lärmmacher ebensowenig fümmern, wie es dem Zaren einfallen wird, seinen Vertreter in Rom sozusagen auf Geheiß der Italiener abzurufen. Die Wogen der Erregung werden sich wohl auch bald bei den heißblütigen Italienern glätten. Ist man in Rom flug, so wird man die von dort aus erzeugte Abneigung des Zaren, sich vom römischen Mob beleidigen zu lassen, nicht noch durch weite Schimpfreden gegen das Ausland verstärken. Ein nicht übler Treppenwiß ist übrigens die Tatsache, daß genau so, wie die italienischen Sozialisten gegen den Besuch des Zaren, so auch ihre französischen Gesinnungsgenossen sich gegen den Besuch Viktor Emanuels in Paris des Prinzips wegen- erklärt haben. Nur sind die französischen Genossen ungleich höflicher und flüger als ihre italienischen Brüder: Ihren Einspruch haben sie erst nach der Wiederabreise Viktor Emanuels laut werden lassen. Er besteht in einer Resolution der sozialdemokratischen Deputierten gegen den Empfang eines Herrschers, dessen Regierung das italienische Proletariat aufreibe. Interessant ist übrigens auch die zugleich mit der Veröffentlichung des Beschlusses erfolgte Enthüllung, daß sehr viele sozialistische Deputierte dagegen gestimmt haben, und daß Jaurès, der parlamentarische Führer der Partei, an den Festlichkeiten zu Ehren des Königs teilgenommen hat! Friedensauslichten am Balkan? Boris Sarafow tot! Im Gegensatz zu dem ewigen Einerlei der Nachrichten vom Balkan, die nichts Rechtes besagen, hat diese Meldung eine außergewöhnliche, vielleicht eine über die nächste Zukunft der mazedonischen Bewegung entscheidende Bedeutung wenn sie wahr ist! Man kann bersucht sein, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln angesichts der Tatsache, daß all' die vielen früheren Meldungen vorn Tode Sarafows sich hinterdrein regelmäßig als erfunden herausgestellt haben. Indessen wird der Hergang der Tötung des Führers der Mazedonierrebellion diesmal so genau beschrieben, daß man an diese neueste Nachricht einen anderen Maßstab wird legen müssen, als an die früheren. Sarafow soll am 11. Oftober geendet haben, der Mann, der die 500 türkischen Pfund, die auf Sarafows Kopf gesetzt waren, sich verdient haben soll, ist ein Kuzowalache Wanghel. Sarafow hatte am 8. Oktober Monastir verlassen. Von türkischen Truppen verfolgt, führte er sie irre und tauchte plöglich unvermutet am 11. in Begleitung von 15 Komitatschis bei Florina auf. Wanghel, der Führer einer auf türfischer Seite stehenden Dorswache aus dem nahen eingeäscherten Dorse Smerdesch, der davon Wind bekam, erbot sich, Boris Sarafom einen Hinterhalt zu legen, einmal um der 500 Pfund willen, und dann, weil die Gefolgschaft Sarafows zwei Brüder Wanghels ermordet hatte. Wanghel machte sich in Begleitung eines Hauptmanns und einiger Soldaten mit seinen bewaffneten Kußzowalachen auf den Weg nach dem Gebirge, wo Sarafow umherstreifte. An einem wenig betretenen Saumpfade legte er sich selbst in den Hinterhalt. Schon nach kurzer Zeit fam Sarafom allein daher. Eine Kugel in die Stirn streckte ihn nieder. Wanghel stürzte sich auf den Getöteten und nahm seine Papiere zu sich, wurde aber durch den inzwischen herbeigeeilten Offizier verhindert, den Kopf vom Rumpf zu trennen. Der Schuß hatte auch die in der Nähe lagernden Begleiter Sarafows herbeigelockt; sie eröffneten ein lebhaftes Feuer auf die Gegner, die sich schleunigst zurückziehen mußten. Ein kurz darauf gemachter Versuch der Türken, sich der Leiche zu bemächtigen, blieb erfolglos: die Komitatschis hatten sie bereits fortgeschafft. Wanghel begab sich am nächsten Tage nach Monastir und überreichte dem Wali Hüssein Hilmi Pascha die Papiere des Getöteten. Er erklärte, er fenne Sarafow persönlich, jeder Zweifel an der Identität des Erschossenen mit Sarafow sei ausgeschlossen. Die nächsten Tage werden wohl Gewißheit darüber bringen, ob man es auch diesmal mit einer Personenverwechselung zu tun hat. Ist Sarafow wirklich tot, so ist, wenn nicht ein völliger Niederbruch der mazedonischen Bewegung, so doch ihre Desorganisation sicher zu erwarten. Sonst ereignet sich am Balkan nicht sonderlich viel Neues. Neben den obligaten Scharmüteln zwischen türkischen Truppen und Mazedonierbanden ist das einzig Bemerkenswerte die Tatsache, daß die Türkei die Ausschreitungen ihrer Truppen in dem Aufstandsgebiet neuerdings, den Vorstellungen Rußlands und Desterreichs folgend, streng bestraft. Obenein hat sich die Pforte bereit erklärt, falls Bulgarien 5000 der eingezogenen Reservisten entlasse, auch ihrerseits die doppelte Zahl nach Hause zu schicken. Alles in allem: Die Lage auf dem Balkan berechtigt neuerdings zu größeren Hoffnungen auf die Erhaltung des Friedens. Indessen tauchen bereits neue Schwierigkeiten auf. In einzelnen der beteiligten Staaten hat sich die innere Lage nicht unbedenklich gestaltet. Aus Bulgarien kommen Meldungen von dauernden Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und der Armee. Es hat auch bereits eine erste Beratung des Militärrats stattgefunden, in der beschlossen wurde, das Heer in keinem Falle mehr in den Dienst der Polizei gegen die Opposition zu verwenden. Dabei soll es zu einem Konflikt zwischen dem Kriegsminister und seinen Kollegen gekommen sein, der zu einer Krisis führte. Es scheint gar nicht ausgeschlossen, daß sich die Dinge noch wesentlich schärfer zuspißen werden. Dabei darf nicht vergessen werden, daß sich alle diese Krisen mehr oder weniger gegen den Fürsten selbst richten. Aehnlich steht's im Lande der Tschernagorzen. In der mazedonischen Hauptstadt Cettinje wurden aus Belgrad stammende Bilder konfisziert, die den Fürsten Nikita darstellen, wie er dem Sultan den Fuß füßt und dafür von ihm Geld empfängt; im Hintergrunde sieht man Mazedonien und Altserbien in Flammen stehen. Die schon seit Jahren herrschende Unzufriedenheit mit Nikitas Regiment wird neuerdings noch verstärkt durch den Umstand, daß die Ernte dieses Jahr schlecht war und daß der Fürst das Getreide, das nach altem Brauch alljährlich geschenkweise an ihn aus Rußland kam und unter der Bevölkerung verteilt wurde, diesmal nicht verteilen konnte, weil er schon im borigen Jahre für zehn Jahre im voraus statt Getreide sich hatte Geld geben lassen, angeblich, um das Getreide selbst zu faufen. Die Politik. Die Konferenz der deutschen Finanzminister, die jetzt in Berlin tagt, wurde vom Reichskanzler eröffnet. Dann sprach sich der Reichsschaßsekretär Frhr. v. Stengel sehr eingehend über die jetzige Sachlage, ihre großen Nachteile und seine Pläne aus. Ter bayerische Finanzminister gab im wesentlichen seine Zustimmung zu erkennen, wie es denn überhaupt als so gut wie sicher gilt, daß eine vollständige Einigung in fürzester Zeit erzielt sein wird. Wie von offenbar inspirierter Seite verlautet, gilt eine Besteuerung von Bier und Tabak oder gar die Einführung direkter Steuern für völlig ausgeschlossen. Gerüchte solcher Art, wie sie in den letten Tagen durch die Blätter gingen, beruhen also auf Erfindung. Dabei ist es allerdings wahrscheinlich, daß irgend eine andere Lurussteuer bei der Rederartig das Volk form mit berausspringen wird: nur begreifen vermochte und die fie talt und fremd berührten. Gebanten von feinen Lippen Blangen, deren Tiefe fie nicht zu Magmus inn ihr helles leinerseits freute fich an Erses heiterem Frau Kedwar billigte es, Frauen Aufnahme zugesagt. fröhliches Lachen tat ihm wohl wie die Kranken beistehen, ist ein gutes Wert vor allen anderen. Man muß stets ein gutes Werk tun," sagte sie, und daß Magnus den fremden so folgte er doch dem Rat der erfahr mit der städtischen Welt scheute, dazu wenig Neigung batte Haus zu geleiten. Obwohl Magnus, der jede Berührung seinen Gäſten bis zur Stadt entgegen gehe, um sie in sein Trall der auch Sie erhob abivehrend die Hand, und er schwieg. lider und sah ihn mit feltsam hellem, furchtlosem Blick an. fämpfte in ihr, rang fich durch, und endlich hob sie die Augen. Etwas drückende Lasten, wie die erwähnten, sollen unter allen Umständen vermieden werden. A Die Etats debatte im bayerischen Abgeordnetenhause begann mit einer großen Rede des Centrumsführers Schädler, der seiner Befriedigung über den Rücktritt des Kabinetts Crailsheim Ausdruck gab und die Wünsche seiner Partei für die Haltung des neuen Ministeriums von Podewils dablegte. Er verlangte, das Kabinet solle vor allem dahin wirken, daß Bayern mehr Einfluß auf die Reichsangelegenheiten gewinne: dem Reich solle werden, was des Reiches, dem Kaiser, was des Kaisers sei, aber auch der bayerischen Krone, was ihrer und Bayerns sei. Bayern dürfe nicht von Berlin aus zum Sturmbock gegen die katholische Kirche gemacht werden. Den Katholiken müsse Parität zu teil werden. Auch eine neue lex Heinze, wie der Fall Dippold gezeigt habe, und eine Bekämpfung des Unglaubens und seiner Verbreitung durch Hochschulprofessoren tue not. Nach einer Rede des liberalen Abg. Wagner verlas Ministerpräsident v. Podewils eine Erklärung, in der er u. a. ,,, nur um eine Legendenbildung zu vermeiden", betonte, daß der Sturz des Ministeriums Crailsheim auf Differenzen im Ministerium zurückzuführen sei, die mit Parteipolitik nichts zu schaffen habe. Eine A enderung in den Regierungsgrundsäzen sei dadurch nicht erfolgt. In Sachsen plant man schon lange eine Wahlrechtsreform. Jezt ist zur Beratung der betreffenden Novelle eine Zwischen- Deputation eingesetzt worden. Nach dem Entwurfe soll, wie jetzt bekannt wird, die 2. sächsische Kammer aus 96 Abgeordneten bestehen. Darin sollen 48, also die Hälfte, nach einem dem Leipziger Stadtverordneten- Wahlrecht_nachgebildeten gemilderten Dreiklassenwahlsystem, das die Grenze zwischen der 3. und 2. Wählerklasse weniger scharf zieht, als bisher, gewählt werden. Die übrigen Abgeordneten werden nach Berufsklaſſen gewählt, und zwar 12 von den Gewerbekammern und 12 von den Handelskammern. Die übrigen 24 Mandate sind der Landwirtschaft vorbehalten. Es werden 16 Wahlkreise gebildet, in denen jede der drei Klassen in direkter und geheimer Wahl ihren Abgeordneten wählt. Während die Konservativen hierzu erklären, sie wollten ohne Voreingenommenheit das Wahlrecht verbessern, bezeichnen Nationalliberale, Freisinnige und Sozialdemofraten den Refermentwurf als ein monströses Flickwerk, das man entrüstet ablehnen müsse. Danach scheint es mit der Reform denn doch nicht so schnell zu gehen, wie man ursprünglich annahm. Auf dem Parteitage der Deutsch- Sozialen wurde beschlossen, den Namen der Partei in Deutsche Reformpartei" umzuändern, weil vielfach, besonders in ländlichen Kreisen, die Auffassung bestanden habe, daß deutsch- sozial etwas mit sozialistisch gemeinsam habe. Nab und fern. Frau Loubet nach Rom eingeladen. Ein Pariser Blatt weiß von einer großen Ehrung zu berichten, die der Frau des französischen Präsidenten zuteil werden soll: Königin Elena von Italien soll sie nach Nom ins Quirinal eingeladen haben. Wenn die Nachricht sich bewahrheiten sollte, so ließe sie auf eine große Intimität schließen. Daß Frau Loubet die erste Präsidentenfrau war, die ihrem Gemahl beim Empfang fremder Souveräne offiziell zur Seite stand, war schon bezeichnend genug. Daß sie ihn aber jetzt bei seinem Besuch in Nom ebenfalls begleiten soll, gibt diesem ein ganz besonderes freundschaftliches Gepräge. Eine furchtbare Katastrophe ereignete sich beim Bau einer Brücke der Wabashbahn in der Nähe der amerikanischen Stadt Pittsburg. Ein eiserner Bogen stürzte zusammen und in den Monongasalefluß hinab. Eine ganze Schar von Arbeitern soll dabei verunglückt sein. Bisher wurden zehn Leichen gefunden. 1200 Eisenbahnarbeiter stellten vorläufig die Arbeit ein. Fast zu gleicher Zeit stießen bei Trenton( Pennsylvanien) zwei Züge zusammen, mobei 20 Personen, meistens italienische Arbeiter, getötet und bierzig verlegt wurden. Eine kühne Flucht. Der berüchtigte Wilddieb Paul Trempler aus Neuendorf bei Potsdam, der erst eben der Polizei in die Hände gefallen war, ist ihr unter abenteuerlichen Umständen wieder entschlüpft. Er entsprang kurz bor Neubabelsberg aus einem Eisenbahnzuge seinem Transporteur, trotzdem dieser ihn regelrecht gefesselt hatte. Er stieß den Transporteur, einen älteren Mann beiseite, öffnete blitzschnell die Kupeetür und sprang aus dem langsam fahrenden Zug, um im Walde bei Neubabelsberg zu verschwinden. Wie erinnerlich, war Trempler vor einigen Wochen aus dem Gefängnis in Tegel, wo er wegen unberechtigten Jagens fünf Monate zu verbüßen hatte, entflohen und hatte sich seitdem in den Wäldern der Umgegend in Höhlen verborgen gehalten, um aufs neue Wilddiebstähle auszuführen, bis es vor etwa vierzehn Tagen drei Gendarmen, die sich als Randleute verkleidet hatten, gelang, ihn in einem Restaurant zu Neuendorf nach heftiger Gegenwehr dingfest zu machen. Wer weiß, wann man jetzt des kühnen Wilderers, der alle Schliche und Stege kennt, wieder habhaft werden wird. Wunderbare Rettung aus Seenot. Wie aus Montreal gemeldet wird, traf dort die aus 47 Köpfen bestehende Besagung des seit etwa einem Monat verschollenen englischen Dampfers„ Eldorado" ein, die man schon verloren gegeben hatte. Der Dampfer war bei Fort George in der Hudsonsbai gestrandet und untergegangen. Die Mannschaft rettete sich an Land und marschierte 25 Tage lang durch wüste Gegenden, bis sie an die Bahn kamen und von einem Zuge aufgenommen wurden. Hier sei angeschlossen, was die Bejagung des Cunarddampfers Etruria", der eben in Liverpool einlief, von der Gewalt der Wogen zu berichten weiß. Eine Welle riß einen Teil der Kommandobrücke fort und zerbrach die eisernen Halter, an denen ein Rettungsbool befestigt war. Die an Bord geschleuderte Wassermenge schlug dann mit großer Kraft auf das Deck auf und erreichte mehrere Salonpassagiere, die in der Nähe der Brücke saßen. Ein Kanadier namens Hall wurde so schwer verletzt, daß er fünf Tage darauf starb; seine Frau erlitt einen Schenkelund Knöchelbruch. Der Stiefsohn Halls, ein Professor Thompson und zwei Leute, die auf dem Ausguck waren, trugen gleichfalls Verlegungen davon. Bunte Chronik. Die Londoner Polizei entdeckte ein Postpaket, in dem sich für 500 000 Francs ungarische Rente und österreichische Südbahnobligationen befanden, die am 1. d. Mts. zwischen London und Wien aus einem Expreßzuge gestohlen waren. Lokales. Gießen, 21. Oktober 1908. ** Die hessische evangelische Landessynode wurde gestern vormittag in Darmstadt durch den Präsidenten Stamm- Gießen eröffnet. Die neueingetretenen Mitglieder Divisionspfarrer Fistenscher, Professor Kastenbusch, Pfarrer Loos Groß- Umstadt, Pfarrer Schwind- Butzbach, Graf Ernst zu Solms- Laubach und Rentner Weimann- Wöllstein wurden bereidigt und die Berichte über die Wahlprüfung genehmigt. Die Borlage des Oberkonsistoriums, betr. Aenderung der Kirchengemeindeverhältnisse, darunter die Errichtung einer fünften evangelischen Pfarrstelle, wurde genehmigt. - Die erste deutsche und französische Post sind in Tientsin auf dem Landwege durch Sibirien angekommen. *** Das Programm zur Feier des 25jährigen Stiftungsfestes des Alice Vereins für Frauen- Bildung und Erwerb in Gießen am nächsten Sonntag, den 25. Dtt., ist folgendes: ,, Laudate pueri" für 3stimm. Frauenchor ( F. Mendelssohn- Bartoldy), Begrüßung durch die Präsidentin des Vereins, Festbericht des Schriftführers, Ansprache des Herrn Oberbürgermeisters, Dem Gott Jehova schalle Dankgesang" a. d. Dratorium„ Josua"( G. F. Händel). An die Feier schließt sich die Eröffnung der Ausstellung weibl. Handarbeiten im Schulhause auf Dswaldsberg an. Der akademische Gesangverein unter Leitung seines Dirigenten wirkt im Programm mit. " ) Stadttheater Gießen. Der blinde Passagier. Die gestrige dritte Aufführung des„ Blinden Passagier" hatte ein sehr zahlreiches Publikum nur die Galerie war leer angezoger, das der vorzüglichen Darstellung sehr annimiert folgte. Noch manch' einer, der es bisher versäumt hatte, eine der Aufführungen zu besuchen, wird nun wohl den Wunsch haben, den kleinen netten Kerl von Passagter auch fennen zu lernen. Aber das Stück ist ja durch alle drei Abonnements durchgegangen, und eine Wiederholung werden sich die Abonnenten nicht gern gefallen lassen. Vielleicht tönnte aber die Direktion die Vorstellung nochmals außer Abonnement wiederholen ein Vor- schlag, der vielleicht diskussionswert wäre. Wie wäre es mit einer Vorstellung an einem Sonntag, wo Jedermann Beit hat? * Das gestern mitgeteilte Ständchen wurde vom Gesangverein Heiterkeit" in Gießen Herrn Kuhl gebracht, wie unsere Leser wohl bereits richtig gestellt haben merden. ** In der Grünberger Luftkurort- Angelegenheit soll, wie wir hören, eine Ueberraschung bevorstehen; wir werden nicht verfehlen, bei Gelegenheit Näheres mitzuteilen. Das am Samstag gewählte Komitee, welchem außer den von uns mitgeteilten Herren noch die Herren Forstmeister Schneider, Bezirksaufseher Mahringer und Apotheker Schäfer angehören, wird voraussichtlich in nächster Woche eine Sigung abhalten. ** Gestern abend wurde im Rathaus zu Grünberg vom Stadtvorstand der Voranschlag für 1904 beraten. Anschließend fand bei Phil. Zimmermann ein, wie die Frankfurter sagen,„ Versöhnungsessen" statt, dessen Kosten, wenn auch nicht ganz, aus einer alten Stiftung bestritten werden. Die Stiftung ist ein Vermächt der Familie Kreuder, welche bestimmt, daß alljährlich, wenn der Voranschlag der Stadt beraten ist, die Stadtväter die Zinsen des Vermächtnisses zu einem gemeinsamen Essen verwenden. ** Unter reger Anteilnahme feierten am Sonntag Herr H. Linter und Frau in Grünberg ihre silberne Hochzeit. Der Schüßenverein hatte es sich nicht nehmen lassen, durch eine Aufmerksamkeit sein eifriges Mitglied zu ehren; von der Freiw. Feuerwehr wurde dem Jubilar für 25jährige Mitgliedschaft ein Diplom überreicht. Von hessischen Behörden werden u. a. steckbrieflich verfolgt: Heinrich Klein aus Ilbenstadt wegen Betrugs von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Taglöhner Bernhard Trapp aus Worms wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Laubach; Musketier Jakob Haßli aus Tieffenbach wegen Fahnenflucht vom Gericht der Großh. Heff.( 25.) Division; Heinrich Walther aus Münzenberg wegen Sittlichkeitsverbrechen von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen und Spengler Friedrich Noll aus Alsfeld wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Alsfeld. Kassel, Köln, Elberfeld, Erfurt und Mainz die Büge zur Arbeiterbeförderung freigegeben. Auf den Strecken Frank. furt- Homburg- Cronberg gelten die durch Aushang bezeichneten Züge zur Fahrt mit Arbeiterkarten. Die wesentlichste Neuerung besteht darin, daß alle Züge 4. Klasse namentlich auch für Sonn- und Feiertage freigegeben sind. < Die am Sonntag abgehaltene Sigung des Lan= desausschusses der nationalliberalen Partet im Großherzogtum Hessen in Darmstadt war start besucht; es waren auch verschiedene Landtags- und Reichstagsabgeordnete, von letteren die Herren Becker, Haas, v. Heyl und Graf Oriola dazu erschienen. Der Vorsitzende, Herr Justizrat Schmeel, tonstatierte in seiner Begrüßungsansprache mit Genugtuung, wie seit der letzten Tagung durch die in zwischen vollzogenen Reichstagswahlen und zuletzt durch die Darmstädter Landtagswahl eine wesentliche Aenderung der politischen Lage zu Gunsten der Partei eingetreten sei und man der Zukunft mit Vertrauen entgegensehen könnte, wenn tüchtig weiter gearbeitet werde. = Am 22. November findet in Frankfurt a. M. ein Parteitag der Hessischen Nationalliberalen statt. (:) Fleischpreise. In einer gestern im Schlacht und Biehhof zu Frankfurt abgehaltenen Meßgerversammlung wurde über die Normierung der Fleischpreise beraten. Ochsenfleisch wird zum bisherigen Preise weiter verkauft, Kalbfleisch von 80 auf 85 Pfennig hinaufgefeßt. Die Erhöhung erfolgte mit Rücksicht auf die hohen Marktpreise. gebrochen werde einen födtlichen () Wächt Steingutfabrit X Groß Segen Eintaufsg gebildet. Dief Sareiner und Bbaß diefer weite der Gem n. GroßLouis Bölz Sabre die Ku Liitete, wurde Darmstadt ger Muelle, daß kurse für uns ft. Indem Muszeichnung tatieren, daß Lund feinen Rol dhne Eigennut bird, Samit * Landschaftliche Verschönerungen. Längs des Schiffenbergerweges, zwischen Licher- und Bergstraße, sollte an der Böschung, entlang der Friedhofsmauer, eine Mauer errichtet werden. Die Mittel dazu waren von der städtischen Verwaltung bereits vorgesehen. Nach einem Vorschlag des Tiefbauamtes wird dieser Abschluß jezt mit pitoresken Basaltblöcken, wie man solche in der Gegend von Beuern findet, hergestellt. Um aber dieser Anlage auf der doch ziemlich langen Strecke Abwechslung zu geben, hat das Tiefbauamt ähnlich wie auf dem neuen Friedhof Basalt. steine zu einer vollständigen Grotte arrangieren lassen, in welcher nicht nur Wasser herniederrieseln, sondern in deren Mitte etwa 3/4 Meter hoch wie ein natürlicher Sprudel aus dem Gestein emporschießt. Die Grottenanlage, welche gestern zufällig als wir vorüber gingen, zur Probe mit Wasser berieselt wurde, verdiente auch an andern Stellen, z. B. in der Anlage, wiederholt zu werden. Die Zentrale für Spiritusverwertung setzte den Verkaufspreis von Sprit für Dezemberlieferung auf 51 Mt., für Januar- September- Lieferung auf 52,40 Mt. fest. ** Benugung von Arbeiterfahrkarten. Von heute an wird den Inhabern von Arbeiterfahrkarten im ge= samten Eisenbahndirektionsbezirk Frankfurt a. M. die Benugung sämtlicher Personen- und gemischten Züge, welche die vierte Wagenklasse führen, gestattet. Im gleichen Umpfang werden auch im gegenseitigen Wechselverkehr mit den Bezirken ** Die leßten Rosen blühen jetzt im Garten, in leuchtender Pracht stehen sie da, und Fuchsien, Geranien, Astern und Georginen leisten der einsamen Blumen- Königin und beredten Zeugin entschwundener Sommerherrlichkeit so gut es geht Gesellschaft. Wird es ja um sie her immer einsamer, geht der Herbstwind ja immer rauher über sie hinweg, bis man über kurz oder lang gleichwie von den welten Blättern rings auf Wegen und Stegen auch von ihnen sagen wird es war einmal!" Das ist der Gang alles Jrdischen ein Werden und Vergehen überall, und wir müssen in das Unabänderliche in stiller Resignation uns fügen. Die wenigen schönen Tage aber, die uns noch beschieden sind und an denen die Sonne noch freundlich durch die Kronen der Bäume in Wald und Garten leuchtet, die letzten Blumen noch unser Herz erfreuen, die wollen wir uns wahrnehmen und " Gehn an fanften Scheidetagen Des Jahrs zu guterlegt hinaus, Und dankerfüllt nach Hause tragen Den legten schwer gefundnen Strauß". X Viehmartt Gießen. Der Vorrat auf dem geftrigen Viehmarkt betrug etwas mehr wie 1000 Stüd Milchfühe und Fettvieh sowie ca. 250 Kälber. Der sich nur auf Milchtiere erstreckende Vormarkt war überaus gut und wurden schon am Montag für verkaufte schwarzbunte Kühe sehr hohe Preise bezahlt. Der Markt selber wurde nur von der Kundschaft aus dem Main- und Rheingau beherrscht, besonders Käufer aus Frankfurt und Wiesbaden, welche größeren Bedarf zu decken hatten, machten sich gegenseitig die Waare teuer. Bei den großen Futtervorräten ist die Milchproduktion überaus lohnend und so tam es, daß gestern auf dem Markt für gute und mittlere Qualität Kühe so hohe Preise angelegt wurden wie seit langer Zeit nicht bezahlt wurden. Die Fettviehpreise behielten ihre alte Höhe und deckte der Vorrat in dieser Ware den Bedarf lange nicht. Ein Posten junger Stiere zur Mast fand recht gute Käufer und zwar ging derselbe auf oberhessische Güter die mit Brennereibetriebe versehen sind. Der Kälbermarkt war mehr wie ausgezeichnet. Die Verkäufer erhielten jeden Preis den sie forderten. Der Bedarf speziell von Frankfurt, Wiesbaden und auch Bad- Nauheim wurde kaum halb gedeckt und hätte der Vorrat doppelt so groß zu normalen Breisen Absatz gefunden. Wie der Markt aber lag, mußte, wer Ware haben wollte, noch höhere Preise für Kälber ausgeben, als die schon sehr hohen Preise des letzten Marktes waren. Meltere Schlachtlühe, welche immer schwerer wird unter zubringen und von denen ein Pöstchen am Markt war, blieben unverkauft. Es wurden per Stück verkauft: Kühe frischmelkend und tranend, schwere Ware, Mt. 500-550. I. Sorte Mr. 450-500, II Sorte Mt. 380-420, III. Sorte Mt. 275-350. Gehandelt wurde pro Ctr. Schlachtgewicht: Fette Rinder I. Oual. Mr. 070-0.73, II. Qual. Mf. 0.65-0.67, pro Ctr. Lebend. Gewicht junge Maststiere Mt. 0.35. Die Kälberpreise beliefen sich pro Ctr. Schlachtgewicht I. Qual. 75-80 Pfa., II. Qual. 68-72 fg, III. Qual. 57-63 Pfg. Der Vorrat wurde bis auf Schlachtfühe gänzlich und schnell geräumt. Vom Lande. Die diesjährige Apfelernte hat so recht gezeigt, welche Apfelsorten auch bei einer spärlichen Ernte noch ein Scherflein einbringen. Bekanntlich ist es ein großer Fehler der Obstzüchter, daß sie oft alle möglichen Arten anpflanzen, welche ihnen gerade von Händlern ange= boten werden. Um aber gerade den Apfelbaum für den Verkauf rentabel zu machen, empfi hlt es sich, nur einige Sorten in größerem Maße anzupflanzen. So hat sich in diesem Jahre wieder überall die Schafsnase in erster Linie bewährt. Mag dieser hessische Nationalapfel in reichen Obstjahren auch nicht so hoch bezahlt werden als die edlen Obstgattungen so ist und bleibt er für alle Zeiten ein guter Wirtschaftsapfel, der namentlich bei Mißernten auch hohe Preiſe erzielt. || Krofdorf, 18. Ott. Nach einjährigem Bestehen be ging am verflossenen Sonntag unser Schüßen- Verein sein diesjähriges Abschießen, welches in sehr animierter Stimmung verlief. Buchdrucker Leib erzielte mit 10 Schüssen als bester Schüße 108 Ringe. Am Sonntag den 1. November werden Ball und gemütlichem Abend begehen. die Schüßenbrüder mit ihren Damen das Stiftungsfest mit § Wetzlar, 20. Dft. Ueber die am 14., 15. und 16. November hier stattfindende Geflügel- 2c. Ausstellung hat Se. Durchlaucht der Prinz Friedrich zu Solms- Braunfels das Protektorat übernommen. + Friedberg( Oberhessen), 20. Oft. Im nahen Jlbenstadt mußte gestern in der Gastwirtschaft von Joseph Klein, als taum der 1. Tanz begonnen hatte, die Kirchweih abund Befar Uhre eröffnet ha Reparatu Ofens wieder eingetrof B Seltersweg Ohne A Pare Kumm fchöne unber find abnehm fallen der einfache Heb Ausge Beschlägen. Groß- Fe West ie Bilge reden Fra ng bezeichnet entlichte e nament d. gen. 6 Be amaue paren b Stad hluß je Begent Inlage au Bu geben, riedhof Ba ren Laffen bern in d icher Spr anlage, m r Probe ndern St m Garten, en, Geran Lumen- Ron rherrlichte fie her im uber über wie von gen auch ift der G überall, r Refigna die uns m och freund Barter leud bie wollen auß". rrat auf ie 1000 CH ber. Der f überaus Schwarzbu selber wurd Rheingau be d Wiesbaden ten fich gegen erborräten i tam es, bak Qualität Rübe Jer Beit night ihre alte Hö Bedarf lang and recht gut He Güter di Rälbermart rhielten jede Don Frankfur nhalb gebed malen Brei mußte, wa ( ber ausge arftes wor wird er 1 Markt m erlauft: Ri f. 500-550 0-420, Str. Salot 3, II. Qual e Maftftien r. Schlacht -72 Big uf Schlacht gebrochen werden, da die Ehefrau des genannten Wirtes von einen tödtlichen Schlaganfalle getroffen wurde. (:) Wächtersbach, 20. Oft. Von 470 Arbeitern der Steingutfabrit Schlierbach arbeiten 170 weiter. × Groß- Felda. Am letzten Sonntag hat sich hier eine Einkaufsgenossenschaft für Rohmaterialien gebildet. Dieselbe erstreckt sich vorläufig erst nur auf das Schreiner- und Schuhmacher handwerk. Wir sind überzeugt, daß dieser weitere Fortschritt auf sozialem Gebiete nur zum Segen der Gemeinde sein wird. n. Groß- Felda, 20. Oft. Unser Bürger, Sattlermeister Louis Völzing, welcher bekanntlich bereits im vorigen Jahre die Kurse für Sattler in der Provinz Oberhessen leitete, wurde vor wenigen Tagen von der Regierung nach Darmstadt gerufen. Heute erfahren wir nun aus bestimmter Quelle, daß dem Herrn Völzing die Leitung der Sattlerfurse für unser[ ganzes hessisches Land übertragen worden ift. Indem wir den Herrn Völzing für dieſe ehrenvolle Auszeichnung bestens gratulieren, können wir hierbei fonstatieren, daß Herr Völzing seiner Aufgabe gewachsen ist und seinen Kollegen und den heranwachsenden Jungmeistern ohne Eigennut seine Kenntnisse mit auf den Weg geben wird, Tamit sie im heutzutage leider immer schweren Konkurrenztampfe den Wettbewerb besser aufnehmen tönnen.| ste annahm, daß wissenschaftlich falsch deklarirt wurde. In Groß- Felda selbst tann mit Stolz auf seinen Sattler Völzing blicken. A Darmstadt, 20. Ott. Heute mittag fand in der Aula der Technischen Hochschule die feierliche Uebergabe des Reftorates seitens des seitherigen Rektors, Herrn Geh. Baurat Pfarr, an den neuernannten Rektor Herrn Professor Dr. Dingeldey statt. = Kassel, 20. Ott. Der hiesige Handels- und Gewerbeverein beschloß, im Jahre 1905 in den Räumen des Orangerteschlosses eine Jubiläums- Gewerbeausstellung abzuhalten. Der Verein wurde im Jahre 1855 gegründet. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, 20. Oftober 1903. Eine gegen das Urteil des Schöffengerichts Grünberg eingelegte Berufung wird zurückgewiesen und das erstinstanzliche Ürteil, 3 Mt. Geldstrafe, aufrecht erhalten.- Moses Meyer Witwe von Heldenbergen wurde vom Friedberger Schöffengericht fahrlässiger falscher Steuerdekoration in eine Geldstrafe von 80 Mt. genommen. Die Staatsanwaltschaft verfolgte gegen dieses Erkenntnis Berufung, weil Geschäfts- Eröffnung. Einer verehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend, werten Freunden und Bekannten die ergebene Mitteilung, daß ich in Gießen 33 Bahnhofstraße 33 ein Ubren-, Gold- u. Silberwaarengeschäft eröffnet habe und sehe ich bei Bedarf geneigtem Zuspruch gerne entgegen. Reparaturen prompt und billigst. Hochachtungsrollft Wilhelm Reusch. Ofenschirme- Kohlenkasten Füller Feuergeräte Ofenvorsetzer wieder eingetroffen. O Haffee's O erfreuen sich grofer Beliebtheit, auf meine neuen Mischungen mache ich besonders aufmerksam. Emil Fischbach, Sirken. 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Marktberichte. Frankfurter Hen- und Strohmarkt, 20. Okt. ( Amtliche Notierungen.) Heu per 3etner Mr. 3.30 bis 3.90, Stroh per Zentner Mr. 2.00–2.30. Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil Albin leto: bas Botale, ben„ Gerichts- und Deffentlichen Sprechiaal": Fr. Oppermant Druf wub Berlag der Gießener Verlagsbruderei( vorm. Wilb. Keller). Gießen. Verdingung. Für die Provinzial- Siechenanstalt Oberheffen soll die Lieferung von 350 Ctr. gut ausgelesener Speisekartoffeln u. 30 Ctr. gelbe Rüben bergeben werden. Die Lieferungsbedingungen liegen in den Wochentagen Nachmittags von 2 bis 5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen, woselbst Angebote mit der Aufschrift ,, Bieferung an Kartoffeln pp. für die Prov'nzial- Siechenanstalt Oberhessen" versehen, bis zum Eröffnungstermin Montag, den 2. November 1903, einzureichen sind. Verwaltung der Provinzial- Siechenanstalt Oberhessen. Bekanntmachung. Betr. Die Landwirtschaftliche Winterschule zu Alsfeld. Die Großherzogl. Bürgermeistereien des Bezirks der Parterre Wohnung, Landwirtschaftlichen Winterschule zu Alsfeld ersuche ich Bleichstraße 11, 5 Zimmer mit ergebenst, mit tunlichster Beschleunigung dem Vorsteher der Schule die Namen solcher junger Leute mitzuteilen, die geneigt wären, die Schule zu besuchen. allem Zubehör, Gartenanteil fowie Trockenboden, zu vermieten. Näh Gießen, Neuenweg 28. Möbliertes Zimmer Familien und eine fleine Cement, Cementwaren Wohnung zu vermieten. und Tonplatten. Grosse gediegene Auswahl. Heinrich Völzing Brüder Schmidt Seltersweg 83. Giessen Ohne Fleiss keinen Preis Groß- Felda. Reiche Heiraten! Herren jed. - Neuentea 31. Möbl. Zimmer billig zu vermieten. Gießen, Seltersweg 10. Möbl. Zimmer Klavierbenuzung zu verm. Gießen, Kirchenplatz 9. Schöne möbl. Zimmer zu vermieten. Standes u. mit Alt. Verm. W. a. o. erh. u. Mitt. ihr. Adr. sof. 600 reiche Partien u. Bild. z Ausw.- U A. w. S. z. verh. 1 j Waise m. 150 000 M Seltersweg 83. V., 1 häusl. er. Dam. m. 200 000 M. 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