Nr. 195. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., burch die Post bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitage. Freitag, den 21. August 1903. Gießener 12. Jahrgang. Jnsertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen we ganz Oberhessen, die Kreise Weßlar und Marburg 10 Pfg. forft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Durch Beschluß des Kreisausschusses vom 18. Juli 1. Js. ist der Ehefrau Anna Geisel dahier die Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbes als Gesindevermieterin erteilt worden. Die Gebühren derselben betragen: 1. Für Vermittelung eines Dienstboten an eine Herrschaft in Gießen 5 Mk.; 2. Für Vermittelung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auswärts 5 Mf.; wovon der Dienstbote jeweils 2 Mark zu entrichten hat. Gießen, den 19. August 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Straßenarbeiten wird der Schiffenberger weg, zwischen Licher und Bergstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt Gießen, den 20. August 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. O du mein Oesterreich! * Wien, 19. August. Die schwarzgelben Fahnen, die gestern an feinem öffent lichen und an feinem Privatgbäude fehlten, sind eingezogen und auch die Hofburg ist ohne Fahnenschmuck, denn der greis Kaiser Franz Josef ist nach Beendigung der Geburtstags. festlichkeiten nach Budapest abgereist, um die dortige Krisis zu einer Lösung zu bringen. Wie ein schwerer Schatten lag diese Frage auf der Feststimmung, die dadurch ein gewisses wehmütiges Gepräge erhielt. Aber ist es nicht auch für ein Menschenherz fast zu schwer, was dem greisen Kaiser beschieden ist? Häusliches Ungemach hatte er zu erdulden, wie fauni ein Sterblicher, und nun wird ihm die Kaiserfrone auch noch zur Dornenfrone. Wenn die Liebe eines Boltes über so viel menschliches Leid und irdisches Schicksal doch hinwegzutrösten vermöchte! Wie kaum in einem anderen, so wurden in diesem Jahre dem greisen Monarchen die heißesten Glück und Segenswünsche entgegengebracht, aber durch alle Kundgebungen der Liebe und Verchrung Klang die bange Sorge um die Zukunft durch. Besonders die Rede des Generalfeldzeugmeisters Baron Beck war auf diesen Ton gestimmt. Freilich, die ungarische Frage, wie sie sich augenblicklich entwickelt hat, ist eine der größten inneren Strisen, welche die habsburgische Monarchie je erlebte. Die Magyaren, bei denen der Rasse- und Nationalgedante sich immer lebhafter entwickelt, rütteln immer deutlicher an der dualistischen Organisation. Sie wollen die deutsche Kommandosprache im Heere abschaffen und den Reichsadler von den Fahnen beseitigen, obgleich diesen auch das ungarische Wappen enthält, um ein nationales Heer zu schaffen. Das aber wäre der erste Schritt zur völligen Trennung von der anderen Reichshälfte. Diese Bestrebungen sind aber auch durchaus verfassungswidrig, weil dem Kaiser von Oesterreich das alleinige Bestimmungsrecht über die Armee verbleibt; Desterreich zahlt außerdem zu dem Unterhalt der ungarischen Armee einen jährlichen Zuschuß von 30 Millionen Kronen und hat dafür die Angliederung des ungarischen Heeres zu beanspruchen. Indes die Ungarn fragen nicht viel nach Verfassung und Recht. Gerade den Geburtstag ihres Königs haben sie dazu ausgesucht, um eine Demonstration gegen ihn in Szene zu setzen. Der Kriegsminister hat angeordnet, daß in Zukunft der Stephanstag als nationaler Festtag in der Armee gefeiert werde. Mit anderen Worten, nicht das lebende Oberhaupt der Monarchie, sondern die Tradition, das Andenken an den Stifter des Königtums, den heiligen Stephan, der vom Papste die eiserne Königstrone empfing, soll in der ungarischen Armee heilig sein. Es ist ein wahrhaft tragisches Verhältnis, daß Kaiser Franz Josef in dem ungarischen Staate am Abende seines Lebens wieder ungefähr dieselben Zustände vorfindet, wie am Anfang seiner Regierung. Auch damals war die nationalmagyarische Richtung übermächtig geworden, und damals, wie heute, war es ein Kossuth, der gegen die habsburgiſche Monarchie auftrat, damals, wie heute, spielte die Regierungspartei mit den Gegnern der Monarchie unter einer Decke, und damals, wie heute ebenfalls, war das Heer vom Geiſte des Magyarentums erfüllt. Drei Daten fennzeichnen den Weg, den diese Politik nahm. Am 15. Dezember 1848 murde die Abdankung des Kaisers Ferdinand und die Thronbesteigung des jetzigen Monarchen für ungültig erklärt, am 14. April 1849 wurde von dem Reichstag zu Dobreczin beschlossen, die habsburgische Monarchie abzusetzen, und am 16. und 17. August unterwarfen sich die Ungarn den damals an der Grenze aufgestellten Russen. Ein selbständiges staatliches Leben zu führen, ist den Ungarn bei ihrer Lage also nicht möglich; wir sehen sie stets in einem Abhängigkeits- oder Schutzverhältnis zu dem Deutschtum, dem Slaventum, oder, wie es 12 Jahrhunderte lang der Fall war, unter dem Türfentum. Stehen aber die Ungarn unter dem Einfluß eines außerdeutschen Völkertums, dann sind sie stets eine Gefahr für Westeuropa gewesen. Das gibt dem augenblicklichen Konflikte seine eigentliche Bedeutung. Kaiser Franz Josef hält die Fahnenwacht für das Deutschtum und die westeuropäische Kultur. Da er die unglückseligen Folgen einer Erstarfung des Magyare Jums während seiner eigenen Regierungstätigkeit in den Feldzügen und wechselvollen Schicksalen Ungarns fennen gelernt hat, so ist er entschlossen, in der Armeefrage nicht nachzugeben. Deutsch bleibt die Kommandoſprache auch die Embleme bleiben, wie sie heute sind. Die Frage aber ist, ob er noch ohne Anwendung physischer Machtmittel Herr der Situation bleiben kann. Es liegt flar auf der Hand, daß die ehemalige Regierungspartei in Ungarn mit der Obstruktion Hand in Hand geht, der größte Teil des Volkes und die von der Presse gemachte öffentliche Meinung geht mit ihnen. Niemand vermag noch zu sagen, mie sich die Lage entwirren läßt. Vielleicht gelingt es dem Monarchen noch einmal, die gegen sein Haus heranflutende Gefahr zu beschwören, weil er persönlich verehrt wird. Wie aber wird es werden, wenn der in Ungarn verhaßte Thronfolger Franz Ferdinand ans Ruder kommt? du mein Desterreich! In unterrichteten Budapester politischen Kreisen wird versichert, daß die Lösung der ungarischen Krise, also die Entscheidung in der Angelegenheit der Armeeforderungen, erst im Oktober erfolgen wird. Man glaubt, daß der Monarch den Ratschlag Kaiser Wilhelms der bevorstehenden Begegnung mit diesem erbitten will. Zu dieser letzterwähnten Vermutung der ungarischen Politik ist, wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter uns schreibt, zu bemerken, daß man in deutschen maßgebenden Kreisen eine derartige Inanspruchnahme des Rates unseres Kaisers durch Kaiser Franz Josef für ausgeschlossen hält. In Wiener Regierungskreisen wird aufs bestimmteste versichert, Kaiser Franz Josef werde die ungarischen Forderungen samt und sonders ablehnen. Das Gerücht, der greise Kaiser wolle angesichts dieser Schwierigkeiten abdanken, ist durchaus unbegründet. Die Politik. Die Schulnot im Osten. † Auf die Schulnot im Osten weist eine Mitteilung au dem Dorfe Krempa bei Ostrowo hin. Dort besuchen die Schule 400 Kinder, während nur vier Lehrer tätig sind. In Oloboz ist seit langem die zweite Lehrerstelle vakant, der erste Lehrer ist vor einiger Zeit gestorben, und seit dieser Beit haben 200 Kinder keinen Unterricht mehr. In Nobownifi unterrichtet ein Lehrer 168 Kinder, in Kaliszfewice 175 Schulkinder. Das Chaos auf dem Balkan. Die Entsendung des russischen Geschwaders in die türlischen Gewässer hat die Engländer zu einer gleichen Maß nahme veranlaßt: Das britische Mittelmeergeschwader erhielt dringende Ordre, sofort einige Schiffe in die Küstengewässer bei Saloniki zu entsenden. Die übrigen Schiffe des Geschwaders stoßen binnen kurzem cebenfalls zu diesem vorausJesandten Detachement. Wahrscheinlich werden auch Italien und Frankreich Kriegsschiffe nach den türkischen Gewässern entsenden. Das russische Geschwader ist übrigens in der Bucht von Iniada, unweit der bulgarisch- türkischen Grenze, vor Anfer gegangen, um so in der Lage zu sein, sowohl gegen die Türkei wie auch gegen Bulgarien zu demonstrieren. Aus dem Aufstandsgebiete kommen täglich Meldungen von Rämpfen zwischen türkischen Truppen und bulgarischen Banden; neuerdings wird das Programm noch durch Berichte über türkische Grausamkeiten bereichert. So sollen die Türfen bei der Einnahme Krischewvos entsetzlich gehauft haben. 360 Häuser sollen zerstört und unzählige friedliche Personen getötet worden sein. Man wird gut tun, solche Meldungen icht für allzu glaublich zu halten. Die Banden gehen min bestens ebenso grausam vor wie die Türfen. Selbstverteidigung des Fürsten Ferdinand. Fürst Ferdinand von Bulgarien verteidigt sich jetzt in einem Wiener offiziösen Organ gegen die Vorwürfe, die man ihm wegen seines unzeitgemäßen Verweilens in slande in Bulgarien und anderswo gemacht hat. Er suat seinen Jagdausflug mit allerband binfälligen Gründen zu be schönigen und nimmt denn Gelegenheit, bei seinen Bulgaren um gut Wetter zu bitten, indem er ihnen vorrechnen läßt, was er alles schon für sein Land gelan, wie weise er regiert habe u. s. w. Besonders wird in der Verteidigung des Fürsten die Tatsache unterstrichen, daß er den Krieg mit der Türkei nicht wolle, weil dieser ein wahnwigines Unicrnehmen: sei. Dann beschuldigt der Fürst seine bulgarissen Augreifer der Lügenhaftigkeit und der Volksverheug und sucht es so darzustellen, als ob die in Bulgarien gegen iba herrschende Mißstimmung eine fünstliche Mache sei. Mit jolchen Behauptungen wird Fürst Ferdinand keinen Hund oom Ofen locken. Kurze Tagesfchau. Eine Novelle zum Knappschaftskassengesetz wird dem Zandtag in seiner nächsten Tagung vorgelegt werden, um den neuen Bestimmungen der am 1. Januar 1904 in Kraft tretenden Novelle zum Krankenversicherungsgesetz Rechnung zu tragen. * Von einer dänischen deutschfreundlichen Kundgebung wird aus Kopenhagen berichtet: Bei einem Festmahl anläßlich des Dänischen Handelstages brachte Etatsrat Adolph ein Hoch mif den Deutschen Kaiser aus. In einer Begrüßungs. insprache an eine Anzahl zu dieser Tagung als Gäste erschie nenen Hamburger sagte ein anderer Redner, Schovelin: Trotz der ritterlichen Huldigung, die der Deutsche Kaiser unferem greisen Könige dargebracht hat, trotz alledem, was hier heute geschehen ist, werden wir zwar nicht vergessen, dah viele bedeutsame Fragen die Völker von einander trennen. und daß der Weg zum Endziele einer brüderlichen Ver einigung sehr weit ist. Aber die Richtung, die wir einschlagen müssen, um diesen Weg zu wandern, hoffen wir doch hier gefunden zu haben." * Von einem für nächstes Jahr geplanten Besuche Kaiser Franz Josefs in London wissen englische Blätter zu berichten. Der Kaiser soll versprochen haben, 1904, wenn die Verhält nisse es gestatten, den Wiener Besuch des Königs Eduard in London zu erwidern. Der Zar hat zu Schiedsrichtern in der Entschädigungsfrage zwischen Benezuela und den Mächten folgende Männer rnannt: Prof. Dr. Maßen, Professor der Universität in Kopenhagen, den russischen Justizminister Murawiew and Dr. C. Lardy, schweizerischen Gesandten in Paris. Der Schiedsspruch soll bis März 1904 gefällt werden. * Der„ Kaiser der Sahara", Jacques Lebandy I., hat sein Kaiserreich schon satt. Er hat sich ein anderes Reich ausgesucht, über das er herrschen will: Er nennt sich„ Kaiser der Dronellen", eines kleinen Landstriches in Merito. Damit ist aber die spanische Regierung nicht einverstanden; sie lich dem Kaiser der Sahara a. D. und Kaiser der Dronellen in spe bedeuten, daß er sich letzteren Namen nicht beilegen dürfe. Tue cr's doch, so werde seine in einem canarischen Hafen liegende Jacht beschlagnahmt werden. Aus dem spanischen Streikgebiet kommen neue beinruhigende Rachrichten. In Barcelona wurde in einer Straße nahe bei einem Hause eine Bombe mit Zündschmur gefunden. Der Ausstand der Bäder in Reus hat einen sehr beunruhigenden Charakter angenommen. Es kann zu Zusammenstößer, bei denen mehrfach Schüsse abgegeben wurden. Viele Aus ständige wurden verhaftet. Hof und Gesellschaft. Der Kaiser hat sich von Wilhelmshöhe nach dem Truppenübungsplay Altengrabow begeben. In seiner Begleitung befinden sich Generaladjutant v. Plessen, der Chef des Militärkabinetts Graf Hülsen- Häfeler, die Flügeladju tanten Graf v. Schmettow und v. Friedeburg, Hofmarschall Graf Zedlig und Trützschler, Oberstallmeister Graf Wedel und Leibarzt Dr. Niedner. In Altengrabow wird sich auch Generaladjutant v. Scholl bei dem Hauptquartier einfinden. Vor seiner Abreise unternahm der Kaiser mit der Kaiserin, dem Kronprinzen und dem Prinzen Eitel Friedrich einen Spazierritt in die Umgebung des Schlosses. Der Großherzog von Hessen hat den Seniorchef des gräflich Erbach- Schönbergschen Hauses Grafen Gustav in den erblichen Fürsten stand erhoben. Heer und flotte. Personalveränderungen. Generalmajor Sigt von Arnim, Chef des Generalstabes des Gardekorps, ist zum Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements im Kriegsministerium ernannt worden.( Wir hatten diese Ernennung bereits vor einiger Zeit als bevorstehend gemeldet. D. R.) Ferner ist der Generalmajor v. Schick fusu. Neudorff, Kommandeur der 5. Infanteriebrigade, zum Chef des Generalstabes des Gardekorps, der Oberst v. Sa lisch, Kommandeur des Leib- Grenadierregiments Nr. 8( Frankfuri a. O.) unter Beförderung zum Generalmajor, zum Komman deur der 5. Garde- Infantericbrigade ernannt worden. Militärhilfsvereine. Angesichts der Notlage, in der sich biele Hinterbliebene verstorbener Offiziere befinden, wird geplant, die bereits bestehenden Militärhilfsvereine weiter auszubauen und eine Centralstelle für die ganze Armee zu schaffen. Der Kaiser interessiert sich lebhaft für diesen Plan. Die Centralstelle sell bereits am 1. Oftober ins Leben treten. Sie soll die Schaffung von Damenheimen, die Vermittelung von Freistellen in Damenstiften und überhaupt die Sorge für die gesicherte Unterkunft und Lebenshaltung unbemittelter Hinterbliebenen von Offizieren übernehmen. Analphabeten im italienischen Heere. Nicht weniger als 62 998 Analphabeten befanden sich in Italien unter den 193 183 Ausgebobenen des Jahrgangs 1881, 3320 konnten anbererseits die so hoch ausgezeichneten Eigenschaften des Nach ihrem mebrew mart zu würdigen mußte" Prinzen nach ihrem wahren Wert zu würdigen mußte SetHumoreske bon Siegmund Cronbach. Kobn und Cohen. gleitung. Sie reichte ihm die Hand. " Besten Dank für Ihre BeSind Sie mir böse, Fräulein?- Mann, Clotildchen hat sogar dieser Tage öfter gesprochen „ Ach so, das is a Möglichkeit," wandte sie sich an ihren zwar lejen, aber nicht schreiben. Es gab also etwa 38 Analphabeten unter je 100 Ausgehobenen. Von den in Deutschland im Jahre 1901 eingestellten 260 416 Refruten waren nur 131 oder 0,05 pCt. ohne Schulbildung. Artillerieſcharfschießen im freien Gelände. Sechs Batterien des 8. französischen Artillerieregiments sollen Ende dieses Monats bei Baccaret scharfe Schießübungen im freien Gelände vornehmen. Die Uebungen sollen die gewöhnlich aus den Ererzierplätzen stattfindenden ersetzen. Die Generale Langlois und Brugère werden den Uebungen beiwohnen. Therefe Dumberts Wahnfinns- Komödie. Paris, 18. August. Therese Humbert hat eine neue Ueberraschung für ihre Richter in petto gehabt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sie, da alle Stricke reißen, sich jetzt auf die schüßende Insel der Unzurechnungsfähigkeit retten will. Die Szene, die sie zum Schluß der gestrigen Situng aufführte, hätte eher in einem realistischen Schauerdrama, das die Schrecken des Irrenhauses vorführt, als in dem nüchternen Licht des Ge richtssaales ihren passenden Platz gefunden. Mit geiſterhafter Stimme, die Augen weit und starr geöffnet, als sähe sie in eine fremde Welt, hielt sie den folgenden Monolog: " In unserem Hause hat man bei der Haussuchung Schuhe gefunden, die ich als siebenjähriges Mädchen getragen; auch ein weißes Kleid hat man gefunden, denn ich war immer weiß gekleidet bis zu meinem siebenten Jahre. Mama hat mir gesagt, daß ich sehr reich sei und sehr reich sein werde. Mama ist gestorben; dann habe ich im Nebenzimmer meine Geschwister versammelt, ihnen gesagt, daß ich für sie sorgen würde, und daß wir reich seien. Ich habe dann Frederic tennen gelernt und habe nie einen anderen Mann geliebt, nie eine andere Liebe in meinem Leben gekannt. Mein Vater hatte immer Geld; er verbarg es bisweilen in einem Blumentopfe, bisweilen vergrub er es auch. Ein Zimmer in unserem Hause war stets streng verschlossen. Als ich mich verheiratete, gab mir mein Vater ein großes, mehrfach versiegeltes Paket..." bordiversen von Geschützteilen) während der diesjährigen Kaiserreise. § Wegen Soldatenmißhandlungen in 1800 Fällen, darunter 300 schiere, sowie 13 Fällen von Mißbrauch der Dienst. gewalt wurde der Unteroffizier Breidenbach vom 4. Garde. regiment zu 3 Jahren Gefängnis und Degradation verurteilt. Ein Füsilier Hill hat sich wegen der durch Breidenbach erlittenen Mißhandlungen erschossen. Gegen das Urteil ist vom Gerichtsherrn und vom Verurteilten Berufung eingelegt worden. § Das Geheimnis der Hamberts. Im Humbertprozeß hat das Plaidoyer des Staatsanwalts Blondel nichts neues gebracht, höchstens, daß Frau Therese für ihre Toilette jährlich das hübsche Sümmchen von 80 000 Francs verausgabte. Dagegen erweckte der Verteidiger Labori ungeheure Sensation, als er erklärte, Therese habe ihm zwar ihr Geheimnis anvertraut, doch habe sie ihn nicht ermächtigt, den jedem französischen Patrioten verhaßten Namen" preiszugeben. Er müsse sogar als Verteidiger bemüht sein, die Enthüllung dieses Namens zu verhindern. Ganz Paris zerbricht sich jetzt den Kopf, wie dieser mit Schmach bedeckte Name lautet. Wenn man der„ Lanterne" glauben dürfte, hieße er: Bazaine. Dieser sei der Vater Theresens. Bazaine habe 1863 in Merito große Schätze geräubert. Er habe in Meriko eine Liebschaft mit einer Merikanerin gehabt, die ihm zwei Kinder geschenkt habe, Therese und Romain. Die Merikanerin ser Bazaine nach Paris gefolgt, obwohl er in Meriko eine andere Tochter des Landes geheiratet hatte. Die Söhne dieser merifanischen Gattin hätten den verruchten Namen Bazaine abgelegt und den Namen„ Crawford" angenommen und gegen die Kinder der merikanischen Geliebten, denen Bazaine jene geraubten Schätze vermacht habe, prozessiert. Die Geschichte ist sehr romantisch, aber natürlich von Anfang bis zu Ende erfunden. Hier wurde sie von einem Freudenschrei des Präsidenten unterbrochen:„ Nun endlich, und dieses Paket?"- Aber da fennt Herr Bonnet seine Therese schlecht, wenn er denkt, daß sie auf solche neugierigen Fragen eingeht. Sie tut, als habe sie nichts gehört, und fährt im Geistertone weiter fort, alle möglichen Ungereimtheiten in buntem Durcheinander herzu orakeln. Plößlich aber schwillt ihre Stimme zu unhet.niichdrohendem Pathos an. Ich bin ein Opfer," schreit sie, ,, man hat nichts gegen mich gefunden, mein Gewissen ist rein." Und als der Präsident sie von neuem unterbricht und ihr vorhält, daß sie jetzt, nach Beendigung des Verhörs, ihrem Versprechen gemäß sagen müßte, wo die Millionen sind, apostrophiert sie die Geschworenen: Ich habe gesagt, ich wollte nach den Plaidoyers reden, und werde nicht zu reden brauchen, wenn die Millionen vorher kommen. Ich werde garnicht reden, ich habe noch 24 Stunden Zeit. Man hat mein Bett verkauft, ich will mein Bett. Es besteht ein Krieg auf Tod und Leben zwischen Madame Humbert und dem Justizminister Vallé. Meine Herren Geschworenen! Sehen Sie mein Gesicht; es beweist, daß ich nichts Böses begangen habe." Therese muß sich inzwischen selbst überzeugt haben, daß ihre Sache verzweifelt steht, wenn sie jetzt mit einem Mal den letzten Rettungsanfer darin erblickt, sich auf die wilde Frau" hinauszuspielen. Sie griff auch wohl nur nach diesem Strohhalm, weil sie sich zu ihrem Leidwesen überzeugen mußte, daß ein artig Märlein, so sie sich ersonnen, bei Gerichtshof und Publikum absolut nicht verfangen wollte. Sie erzählt mit feierlicher Miene, daß sie, ohne ihrer Familie den Grund zu sagen, am 7. Mai nach Bordeaux gereist sei. Dort habe sie eine Person treffen wollen, die ihr das Vermögen aushändigen sollte. Von dieser Person sei sie schmählich hintergangen worden. Zum zweitenmal ebenso in Madrid.„ Wenn diese Person," ruft sie aus, drohend im Saale umherblickend, sich nicht meldet, so werde ich alles sagen!" Die arme Therese! Ihr hübsches Geschichtchen verpuffte unter allgemeiner Heiterfeit. Nab und fern. ,, William Silvener, Reisebegleiter des Lord Byron." ,, Lenain- Dutot, sept jede Art Prosa in Verse( Unterricht)." [ Der kleine Khuen.] Der Münchener humoristischen Wochenschrift Jugend" ist in Ungarn der Postdebit entzogen worden, weil sie die Herren Magyaren zu derb angefaßt hat. Trotzdem ist in Budapest eine von der Jugend" berbrochene Variation des bekannten Gassenhauers vom Kleinen Kohn populär geworden. Ueberall hört man nach der be. fannten Melodie: Hilfsaktion für die Ueberschwemmten. Der Zentralvorstand des Vaterländischen Frauenvereins hat den Oberverwaltungsgerichtsrat Kühne in das westpreußische und posensche Ueberschwemmungsgebiet entsandt, um mit den Zweigvereinsvorständen die zweckmäßige Verteilung der Mittel zu beraten. Epidemien sind zur Zeit im posenschen Ueberschwemmungsgebiet nicht vorhanden; die früher feſtgestellten typhusähnlichen Erkrankungen sind geheilt. Morge findet unter Zuziehung von Vertretern der Zweigvereine aus dem westpreußischen Ueberschwemmungsgebiet eine Sitzung des Provinzialverbandes der Vaterländischen Frauenvereine in Danzig statt. Von einem Elefanten zerstampft wurde bei Dar- esSalaam der Oberleutnant Pfeifer von der Schutztruppe. Er hatte auf einem Jagdausflug einen Elefanten angeschossen. Dieser wandte sich blißschnell gegen den unglücklichen Schützen, faßte ihn mit dem Rüssel, warf ihn zu Boden und zerstampfte ihn mit seinen mächtigen Füßen. Troßdem hat sie noch Anhänger, die fest darauf schwören, daß 10 Minuten vor Verfündung des Urteils das Geheimnis, das über den Humbertschen Millionen schwebt, sich endlich lüften wird. Außer den Versionen, die bereits bekannt sind, wird nun noch erzählt, daß Therese mit dem Zuckerindustriellen Lebaudy keine Familien-, sondern bloße Geschäftsbeziehungen unterhielt. Die Millionen, die die Humberts ab und zu gezeigt haben, um ihre Gläubiger zu beruhigen, sollen echte Papiere gewesen sein, die gegen gute Vergütung aus dem Lebaudyschen Geldschrank auf Stunden und Tage in den Humbertschen hinüberwanderten. Wenn dann der Sturm der ungläubigen Gläubiger wieder abgeschlagen war, wurden die Wertpapiere wieder abgeholt. Ein wahrer Geniestreich, wenn's wahr wäre! Aber Blätter, welche zuerst mit den Enthüllungen über die Beziehungen der Familie Lebaudy herausfamen, treten schon den Rückweg an. Auf Grund sicherer Informationen wissen sie mitzuteilen, daß die Lebaudychen Millionen nicht in Rententiteln, sondern in ausländischen Werten angelegt seien. Das entzieht den Humbertschen Märchen jeden realen Boden. die Hab'n Sie nicht den kleinen Khuen gesehen? Sah'n Sie ihn denn nicht nach Ischl gehen? Bestechungen die Menge Bracht'n ihn in's Gedränge, Hört, o welcher Schreck! Der Khuen ist weg! Der Gräflichen Hau Befiges der S erhoben. Bübingen in zeichnung im leben worden. Am g von Geffen auf dem alten fchen Kirche, mit Schleifer gefimüdt. Baufes haben Bereinigung Garde du C vere wigten Das daß zu bem a Biebmartt [ Heulende Feuerwehrleute.] Bei der Londoner Feuerwehr soll jetzt endlich eine Neuerung, die schon unzählige Male angeregt worden ist, eingeführt werden, nämlich Glocken für die zum Löschen eilenden Wagen. Dieses einfache Gerät, das anderswo ganz selbstverständlich ist, wird durch ein geheulartiges Geschrei der Feuerwehrleute ersetzt. Der Fremde, der es zum erstenmal hört, glaubt ein Kriegsgeschrei der Indianer zu vernehmen, und noch nach Jahren hat man sich nicht an diese Töne gewöhnt, die so wild und barbarisch flingen. Der Londoner aber liebt sie, denn sie sind althergebracht. Es ist aber keineswegs ein jarmloses Vergnügen, sie beizubehalten. Die Mannschaften angen erschöpft und heiser auf der Brandstelle an, und die Rücksicht hierauf ist es denn auch, die endlich zur Einführung Der Glocken führen soll. [ Unser Herrgott als Hufschmied.] In der neuesten Nummer des„ Kriegsrufs", des offiziellen Organs der HeilsIrmee, findet sich eine merkwürdige Geschichte von einem„ gecetteten" Hufschmied in Buffalo.„ Man bringt mir," so erzählt dieser selbst, die wildesten Pferde zum Beschlagen; morgen werde ich z. B. eine Wagenladung wilder Bronchos zu beschlagen haben. Jeder Schmied in der Stadt hat sich geweigert, diese Arbeit zu tun, doch seit meiner Bekehrung interscheidet sich meine Behandlung der Pferde von derjenigen anderer Schmiede. Früher schlug ich die Tiere ganz unbarmherzig, wenn sie ungeberdig waren, jetzt aber streichle ich sie, gebe ihnen sanfte Worte, so daß sie ruhig werden, bereite das Hufeisen zu und falle dann auf meine Knie und bete: D, Gott, hebe dit das Bein des Pferdes, bis ich das Hufeisen aufgesetzt habe, und bei den sonst so schlimmen. ẞferden finde ich, daß der Herr gleichsam das Bein hebt, bis meine Arbeit getan ist." * Die Rückkehr der Zuchthäusler. In dem schwäbischen Orte Holzmaden haben die Einwohner den Eheleuten Bartsch, die nach zwanzigjähriger Zuchthausstrafe begnadigt worden waren, einen begeisterten Empfang bereitet. Die beiden Zurückgekehrten, die wegen Ermordung ihrer eigenen Mutter bzw. Schwiegermutter berurteilt waren, wurden schon unterwegs von der Dorfjugend im Triumph eingeholt.„ Vor unserem Haus," so erzählte Frau Bartsch einem Berichterstatter, hatte sich alles versammelt, Männer, Frauen und alle Ledige. Die Menge sang, Gott ist getreu“ und„ Lobe den Herrn, meine Seele" je drei Verse. Wir haben bitterlich geweint. Nachher ging alles ins Lamm- Wirtshaus und da ging es zu, wie bei einer Hochzeit. Es wurde getanzt und Musik gemacht. An die auswärtigen Verwandten hat man telephoniert u. s. w." Der Schluß der Beweisaufnahme bringt noch eine dramatische Szene, als der Bankier Ber nard vernommen wird, dessen Familie durch die Humbert ruiniert worden ist. Er schleudert mit haßerfüllten Worten Therese die Beschuldigung ins Gesicht, daß sie seinen armer Bruder in den Tod getrieben habe. Therese versucht, in langen Darlegungen bie Schuld an diesem tragischen Ende eines hoffnungsvollen Mannes abzuleugnen. Sie verſteigt sich sogar zu der Behauptung, daß dieser im Mai vorigen Jahres die Crawfordschen Millionen übernommen habe. Das eisige Schweigen des Publikums sagt ihr, daß sie in diesem Salle richtet ist. Sie versucht zwar noch, die Geschworenen zu baunguieren, der Präsident aber verhindert sie daran uns Staatsanwalt Blondel nimmt zu seinem Plaidoyer das Wort,.. Hus dem Gerichtsfaal. Die Tätigkeit des Vesuvs dauert stetig fort; die Aus brüche sind zahlreicher, die ausgeworfenen Lavamassen jedoc geringer geworden. Der Strom war bereits in einer Breite von 50 Metern bis auf einen Kilometer gegen Pompeji borgerückt. § Insubordination und Bedrohung. Das Kriegsgericht der Marineinspektion in Kiel verurteilte den Obermatrosen Menger wegen Beleidigung und Bedrohung des Kommandanten und ersten Offiziers des kaiserlichen Begleitschiffes Nymphe", Korvettenkapitän Voigt und Kapitänleutnant Grauer, zu 21 Monaten Gefängnis. Menger drohte mit einer Liederholung der Vorgänge auf der„ Gazelle"( Ueber" Bunte Chronik. In Lemberg herrscht eine Scharlach epidemie. Die Kinderhospitäler sind so überfüllt, daß Baracken errichtet werden mußten. Der im Duell verwundete Leutnant Kayser in Allen stein hat nur einen Streifschuß erhalten. Er konnte seir Zimmer bereits wieder verlassen. In den Tiroler Alpen ist abermals ein starker Wetter sturz mit Schneefall eingetreten. Vermischtes. Beftimmungen feilbieten, muff meisterei verfei Berlaufe ftelle fein, in dene baß die aufget feuchten Bucht Areis mindest *[ 1040 Tage Verspätung bei einem Eisenbahnzug.] Wie mus Newyork berichtet wird, trug sich am letzten Donnerstag n Beaumont in Teras ein Vorfall zu, wie er in der Eisen jahnstatistit sicher noch nicht dagewesen ist. An diesem Lage traf nämlich in Beaumont in Teyas ein Zug ein, der am 3. September 1900 morgens von Galveston abgegangen war. Die Distanz zwischen den genannten Stationen beträgt 150 englische Meilen. Gerade in der Mitte des Weges erhob sich in furchtbarer Sturm der Orkan, dem an diesem Tage Galveston zum Opfer gefallen ist, der den Zug fast ganz zertrümmerte und die Eisenbahnlinie zerstörte. Viele Reiende fanden hierbei den Tod. Die Lokomotive und ein Teil der Waggons wurden nach vieler Mühe, wieder in Stand Jesezt und nach Wiederherstellung der Bahn ist jetzt der Zug, Ser fahrplanmäßig in vier Stunden Beaumont hätte er eichen sollen, mit einer Verspätung von genau 1040 Tagen mmm Ziele angelangt. [ Was ein Ehrenbürgerbrief kostet.] Reichskanzler Graf Bülow ist, wie unlängst berichtet, von der Stadt Bromberg zu ihrem Ehrenbürger ernannt worden. Der Ehrenbürgerbrief ist in künstlerischer Vollendung ausgeführt worden. Gute Arbeit ist bekanntlich nicht billig und deshalb belaufen sich, wie jetzt bekannt wird, die Gesamtkosten für das Dokument auf nicht weniger als 2400 Mark. Das wirkungslose Thermometer.] Die Einführung des hundertteiligen Thermometers in den Schulen und anderen öffentlichen Anstalten, die vor einigen Jahren angeordnet worden ist, veranlaßte neuerdings die allgemeine Anfrage, wie sich das neue Thermometer bewährt habe. Einer der darauf erstatteten Berichte lautete kurz und treffend: „ Das Klima ist hierorts dasselbe geblieben." bracht haben Zuwiderhand Bef des 18. Arme gleitende Sta zur Besichtigu eintreffen. * Uni lefungen„ Ein hat fich der Billy Schm verfität eingef furt, hat am ale Hilfsaffif dem 1. Oftob talifchen Jaft Dämon Gold. Eine erschütternde Tragödie wird aus Eydtfuhnen berichtet. In dem Dorfe Schaky kehrte im Druge gegen Abend ein Mann ein, der sich als den Sohn eines Bauern R. Kundgab. Er erzählte dem Wirt, daß er in langjährigem Aufenthalt in Amerika große Ersparnisse gemacht habe und seine Eltern überraschen wolle. Als es völlig dunkel war, begab er sich zum Haus seiner Eltern, gab sich aber nicht zu erkennen, sondern bat um ein Nachtquartier, das ihm auch gewährt wurde. Er ließ durchblicken, daß er biel Geld besäße. Die alte Frau versuchte nun ihren Mann zu überreden, den Gast umzubringen und zu berauben. Der Mann wies das Ansinnen mit Entschiedenheit zurück. Da schickte die Frau ihren Mann nach dem Krug, um Schnaps zu holen. Hier hörte er vom Wirt, wen er als Gast bei fich habe. Sofort eilte er wieder nach Hause. Aber es war zu spät. Die vom Gold geblendete Frau hatte dem Gast, ihrem eigenen Sohn, mit einem Rasiermesser den Hals durchschnitten. IDie Kerkermeister.] Ein hübsches Scherzwort des Papstes erzählt ein englischer Journalist, der vor kurzem von Pius X. in Audienz empfangen wurde. Der Papst machte fein Hehl daraus, daß er nur mit äußerstem Widerstreben die päpstliche Würde angenommen habe. So sagte er scherzend, als die Rede auf die Kardinäle fam:„ Meine Kerkermeister haben mich hier eingesperrt, und dann liefen sie fort." Drollige Visitenkarten.] Maurice Donnay, der be fannte französische Dramatiker, besitzt eine Sammlung origi neller Visitenkarten. Ein Mitarbeiter des„ Gil Blas" hatte jüngst Gelegenheit, diese Sammlung zu besichtigen, und gibt nun einige Muster drolliger Kärtchen zum besten. Da lieſt man: ,, Arthur Verziney, Ritter des Pio Nono- Ordens( Rom), Agent für Heiratsdispense." Pensionierter Kapitän Törnistein, Gatte der Frau Gräfin- Witwe des verstorbenen Ge nerals Bollwiller."..Witwe Aimée Martin, früher Witwe des berühmten Schriftstellers Bernardin de Saint- Pierre." „ Félix, Vater des Fräulein Rachel."- ,, Carciani, Former in und außer dem Hause, nach toten und lebenden Modellen." Ein gefährlicher Verbrecher ist in Mainz verhaftet wor den. Es ist der vor fünf Jahren wegen Lustmordes an einem elfjährigen Mädchen zum Tode verurteilte und aus dem Ge fängnis entflohene Deserteur Weygand. Seit seiner Flucht hatte Weygand in der Fremdenlegion in Afrika gedient, nahm auch an den Kämpfen in China teil, von wo er aber wieder desertierte und nach Deutschland zurückkehrte. Er hielt sich seit seiner Ankunft in Deutschland stets im Freien auf, wodurch es ihm möglich war, sich so lange der Verhaftung zu entziehen. Die Verhaftung erfolgte durch einen Gendarmen, der, als Vagabund verkleidet, schon längere Zeit mit dem Luftmörder verkehrte und sein Vertrauen zu gewinnen verstand. Ver Lauterbach no Rhein von wurde am 1. berfekt, derse RB. ( Sachsen) ein Reichsbantne Giroverkehr A Durch Kurpfuscherei zum Wahnsinn getrieben. Aus einer eigenartigen Ursache wurde ein Bauernpaar in Tharleng( Bosen) wahnsinnig. Der Bauer hatte sich bei einem ,, flugen" Manne Sympathie"-Mittel zur Vertreibung eines veralteten Uebels geholt. Für 12 Mark erhielt er einen Tee, von dem er neun Tage lang vormittags drei Schluck trinken sollte unter Hersagen einer schwierigen Gebetsformel, die der heiligen Schrift entnommen war. Am neunten Tage sollte er den übrig gebliebenen Tee in ein nach Morgen fließendes Gewässer gießen und wiederum mehrmals das Gebet dabei sprechen. Der Patient sollte sich aber ja vorsehen, daß er beim Hersagen des Gebetes nicht stolpere, denn dann sei er unrettbar verloren. Vor wenigen Tagen machte der Bauer einen zweimaligen Selbstmordversuch. Nun wurde ein Arzt gerufen. Der Bauer jammerte fortwährend, er müsse sterben, da er beim Beten gestolpert sei. Der Arzt ging der Sache auf den Grund, und der Bauer beichtete das Geschehene. Obwohl man dem Bauern und seiner Ehefrau diesen Unsinn auszureden suchte, quälte sie der Gedanke von dem bevorstehenden Unglück derartig, daß beide wahnsinnig wurden und in eine Anstalt gebracht werden mußten. Me Handwerker prüfungen an 1, Bezenrod 2, Dorheim Protestversammlung gegen die Verwaltung der Pariser Stadtbahn. Die Beamten und Arbeiter der Stadtbahn nah men in einer Protestversammlung eine Tagesordnung an, in welcher die Gesellschaft für das fürzlich erfolgte Eisenbahnunglück verantwortlich gemacht wird und Aenderungen hinsichtlich des Materials und des Personals verlangt werden. Freienfteinau Glashütte 1, Rarb n 1, Linden 3, Ke bach 6, Nide Schotten 12, 1 und Wiese * Ueb Seltersweg i Kind mußte * * Gi bem Bahnh ein und zog * Mil Dibiffionspf in Darmstad Sept. Bed Raifer Wilhe ung zugeteilt An bem Großen menter 87, offizier sichu Bionirbatail Wlanenregim 27 und 63, Batterien tei Gefechteübun Kaifer, einer großherzoglic Dispofitione Tag beschrän + Bon lih berfolg Gießen; Lin Wegen Sach fnecht Mich Offenbad wegen Stra Dienftmag Großh. An * innerun D berger C der Binn Rorporatione wird ein Fe bom Lurm mittage wird an bec Bieß um 2 Uhr a Byron." ( Unterricht)." humoristischen Debit entzogen derb angefaßt Jugend" ber bom Kleinen nach der be gen? ben? er Londoner die schon un werden, näm agen. Dieses dlich ist, wird euerwehrleute rt, glaubt ein nd noch nach öhnt, die so ber liebt fie, ineswegs ein Mannschaften e an, und die Einführung der neuesten ns der Heils on einem„ ge t mir," so er Beschlagen; Ider Bronchos Stadt hat sid er Befehrung on derjenigen ere ganz un aber streichle cuhig werden, eine Knie und 3, bis ich das so schlimmen as Bein hebt, ahnzug.] Wie Donnerstag in der Eisen diesem Lage ein, der am egangen war. beträgt 150 eges erhob sich diesem Lage Bug fast ganz e. Viele Rei und ein Teil per in Stand jetzt der Zug, nt hätte er 1040 Lagen Tragödie wird haky kehrte im als den Sohn Wirt, daß er Be Ersparnisse volle. Als es er Eltern, gab Nachtquartier, blicken, daß er n ihren Mann berauben. Der t zurück. Da um Schnaps als Gast bei Aber es war tte dem Gast, en Hals durch berhaftet wor des an einem aus dem Ge feiner Flucht frika gedient, on wo er aber ehrte. Er hielt n Freien auf. Jerhaftung zil Gendarmen, Beit mit dem elvinnen ber ieben. Aus ar in Thar ch bei einem Vertreibung hielt er einen drei Schlud Bebetsformel neunten Tage adh Morgen hrinals das aber ja bor olpere, denn Lagen madhte rjud. Nun fortwährend ei. Der Arzt auer beidhtete d seiner The sie der Ge ig, daß beide adjt werden der Parijer adtbahn nah Onung an, in erungen hin e Eisenbahn mat werden. Lokales. Gießen, 21. August 1903 Der Großherzog hat den Seniorchef des Gräflichen Hauses Erbach- Schönberg anläßlich seines 40jährigen Besizes der Standesherrschaft in den erblichen Fürstenstand erhoben. Seit der Erhebung des Grafen YsenburgBüdingen in den erblichen Fürstenstand ist diese hohe Auszeichnung im Großherzogtum Hessen noch nicht wieder verliehen worden. ** Am gestrigen Geburtstag des letzten Kurfürsten von Hessen, Friedrich Wilhelm I., war dessen Grabstätte auf dem alten Friedhof in Kassel, nächst der neuen Lutherischen Kirche, schon in aller Frühe mit Blumen und Kränzen mit Schleifen in den hessischen Landesfarben herrlich geschmückt. Außer den Anverwandten des Kurfürstlichen Sauses haben auch u. a. der Verein" Althessen" und die Bereinigung der noch lebenden ehemaligen Kurhessischen Garde du Corps solche Gedenkzeichen auf dem Grabe des bere wigten Fürsten niedergelegt. Das Großh. Kreisamt Gießen giebt bekannt, daß zu dem am 27. d. Mts. zu Grünberg stattfindenden Viehmarkt der Auftrieb von Schweinen unter folgenden Bestimmungen gestattet wird: 1., Landwirte, welche Schweine feilbieten, müssen mit Ursprungszeugnissen seitens der Bürgermeisterei versehen sein. 2., Händler, welche Schweine zum Berkaufe stellen, müssen im Besize von Gesundheitsscheinen sein, in denen von dem beamteten Tierarzt bescheinigt ist, daß die aufgetriebenen Schweine aus einheimischen, underfeuchten Buchten stammen oder seit ihrer Einführung in den Kreis mindestens 12 Tage in feuchenfreiem Zustande zugebracht haben und gegenwärtig frei von einer Seuche sind. Zuwiderhandlungen werden bestraft. ** Besichtigung. Der fommandierende General des 18. Armeekorps, Herr von Lindequist und zwei ihn begleitende Stabsoffiziere, werden am 8. und 9. September zur Besichtigung der 50. Infanterie- Brigade in Wezlar eintreffen. * * Universität Gießen. Mit einer Probevorlesungen„ Einfluß des Lichtes auf elektrisch geladene Körper" hat sich der Assistent am physikalischen Institut Dr. Heinrich Willy Schmidt als Privatdozent für Physik an der Universität eingeführt. Schmidt, geb. 27. Februar 1876 in Erfurt, hat am 8. Juli 1901 in Göttingen promoviert, wo er als Hilfsassistent am physikalischen Institute wirkte. Seit dem 1. Oftober 1901 ist er Assistent am Gießener physikalischen Institute. ** Bersetzt wurde der Steueraufseher Kratz von Lauterbach nach Bingen am Rhein und der Steueraufseher Rhein von Mainz nach Lauterbach. Steueraufseher Kraz wurde am 1. Juli 1900 von Darmstadt nach Lauterbach versetzt, derselbe erfreute sich in Lauterbach großer Beliebtheit. RB. Um 14. September d. Js. wird in Kirchberg ( Sachsen) eine von der Reichsbankstelle in Zwickau abhängige Reichsbantnebenstelle mit Rasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. ** Meister prüfung. Es haben sich bis jetzt 92 Handwerker aus Oberhessen zu den diesjährigen Meisterprüfungen angemeldet. Von denselben sind aus Altenschlirf 1, Bezenrod 1, Buzbach 6, Bad Nauheim 2, Daubringen 2, Dorheim 1, Eichelsachsen 1, Fauerbach 1, Friedberg 7, Freiensteinau 1, Gambach 1, Garbenteich 1, Gießen 9, Glashütte 1, Großen- Buseck 2, Groß- Felda 4, GroßKarb n 1, Herbstein 2, Holzhausen v. d. H 1, KleinLinden 3, Restrich 1, Langenhain 1, Lanzenhain 1, Lauterbach 6, Nidda 11, Nonnenroth 1, Ostheim 1, Schlitz 1, Schotten 12, Sellnrod 2, Stump rtenrod 1, Unter- Schmitten 1 und Wieseck 2. * * * Ueberfahren wurde gestern nachmittag auf dem Seltersweg in Gießen ein Kind von einer Equipage. Das Kind mußte in ärztliche Behandlung genommen werden. Einquartierung. Heute Mittag trafen auf dem Bahnhof Gießen mit Extrazug die 118er von Worms ein und zogen unter flingendem Spiel in die Stadt. * Militärdienstnachrichten. Neudörffer, Divissionspfarrer, bisher bei der Großh. Hess.( 25.) Division in Darmstadt, zur 1. Division nach Königsberg i. Pr. versezt. Becker, Zahlmeister, dem 3. Bataillon Inf.- Regts. Kaiser Wilhelm( 2. Großh. Heff.) Nr. 116 infolge Ernennung zugeteilt. An der Kaiserparade am 24. August auf dem Großen Sande zu Mainz nehmen die Infanterieregimenter 87, 88, 115, 116( Gießen) 117 und 168, die Unteroffiziersschule Biebrich, das Fußartillerieregiment Nr. 3, das Pionirbataillon Nr. 21, das Husarenregiment Nr. 13, das Ülanenregiment Nr. 6 und die Feldartillerieregimenter Nr. 27 und 63, zusammen 21 Bataillone, 10 Estadrons und 9 Batterien teil. Außer den üblichen Parademärschen finden Gerechtsübungen statt. Nach der Truppenschau wird der Kaiser, einer Einladung des Großherzogs folgend, in dem großherzoglichen Palais absteigen. Nach den bisher getroffenen Dispositionen ist der Aufenthalt des Kaisers auf den einen Tag beschränkt. + Von hessischen Behö.den werden u. a. steckbrieflich verfolgt: Taglöhner Bernhard Resch aus Alsfeld wegen Sachbeschädigung von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Tüncher Friedrich Helfrich aus Schweinheim, Dienstfnecht Michael Lurz aus Lauter vom Großh. Amtsgericht Offenbach; Heinrich Klein und dessen Ehefrau aus Gießen wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Gießen und Dienstmagd Anna Paul aus Villingen wegen Diebstahls vom Großh. Amtsanwalt zu Mainz. * * Das Sedanfest und die 50jährige Erinnerungsfeier der Einweihung der Grünberger Stadtkirche findet, wie die am Mittwoch in der Pinn" versammelten Vorstände der Vereine und Rorporationen 2c. beschlossen, am 30. August statt. Morgens wird ein Festgottesdienst die Feier einleiten, mittags werden vom Turm der Stadtkirche Choräle geblasen und nachmittags wird ein Volks- und Jugendfest auf dem Marktplat an der Gießener Straße stattfinden. Der Festzug wird sich um 2 Uhr auf dem Schulplag aufstellen und unter Voran| tritt einer Musikkapell, der sich die Schulkinder, Pfarrer, Kirchen- und Schulvorstand, der Krieger-, Turn-, Gesangund weitere Vereine anschließen, durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatz begeben. Die Festrede hält Herr Pfarrer Schmidt. Wahrscheinlich wird auch unser früherer Pfarrer, Herr Steinmez, an der Feier teilnehmen. Auf dem Marktplaß löst sich abends nach dem Rückmarsch in die Stadt und einer Ansprache eines Lehrers der Zug wieder auf. ** Körung. Bei Gelegenheit des Grünberger Viehmarks, am 27. August, findet wie seither eine Anförung von Vogelsberger- und Simmentaler- Buchtbullen statt. * Der Verbandstag des Zentralverbandes deutscher Uhrmacher an welchem sich zu beteiligen sämtliche gelernte, selbständige Uhrmacher des Großherzogtums eingeladen sind, findet vom 23.- 26. Aug. in Mainz im Kasino„ Hof zum Gutenberg" statt. * Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Im neuen Schauspielhause veranstaltet Intendant Claar, im Anschluß an den Geburtstag Goethe's eine cyklische Aufführung der Dramen des Dichters an sieben aufeinanderfolgenden Tagen, wo für folgende Daten bestimmt worden sind: 27. Aug. Torquato Tasso; 28. Aug: Faust I. Teil; 29. Aug.: Clavigo; 30. Aug.: Egmont; 31. Aug.: Geschwister. Laune des Verliebten. Jahrmarksfest zu Rundersweilern; 1. Sept.: Iphigenie auf Tauris und 2. Sept.: Götz von Berlichingen. Für diese Goethe- Woche wurde ein besonderes Abonnement ausgegeben. Wismar- Briefmarken. Für Briefmarkenliebhaber dürfte die Mitteilung von Interesse sein, daß aus Anlaß der in Wismar stattgefundenen JahrhundertJahrhundert feier eine besondere Abstempelung der Briefmarken erfolgt ist. An dem Tage wurde nämlich auf dem Festplaße ein eigenes Bostamt eingerichtet, welches die vom Publikum einlaufenden Briefe, Festgrüße u. s. w. zur Entwertung der Freimarken mit dem Stempel:" Wismar, Festplatz 19. 8. 03." versehen hat. ** Die lieben Abonnenten.„ Merkwürdige Ansichten über die Pflichten und Aufgaben der Presse scheinen vielfach im Publikum zu bestehen. Da fommt zuerst der scharfe" Politiker und verkündet: Sie müssen viel energischer ins Zeug gehen. Man verlangt heutzutage eine ganz entschiedene Haltung von einem Blatte, welches auf der Höhe der Zeit stehen will.- Der KompromißPolitiker: Maß halten ist das Klügste, die öde Draufgängerei fann nur schaden, und„ allzu scharf macht schartig". Der Interessen- Politiker: Wir bilden die Mehrzahl Ihrer Abonnenten; Sie vertreten unser Spezial- Interesse lange nicht nachhaltig genug. Das muß anders worden. Der Nicht- Politiker: Lassen Sie doch die langweilige Politik weg; es fommt ja doch nichts dabei heraus, und Sie wissen ja, Politik verdirbt den Charakter. Der KommunalPolitiker: Sie müssen Ihr Hauptaugenmert auf die Vorgänge in der Gemeinde richten; das„ Hemd liegt uns näher als der Rock", und die hohe Politit verstehen doch die wenigsten. Der Parteilose: Halten Sie Ihr Blatt im Generalanzeiger- Stil. Die große Menge interessiert sich überhaupt nicht für die Politik. Viel Papier, viel Inserate und viel Unterhaltendes das ist die Duintessenz der viel gelesenen, unabhängigen Tageszeit ung." In dieser launigen, die Verhältnisse aber scharf und richtig fennzeichnenden Weise schildert die„ Waldecksche Rundschau" den Ansturm der Wünsche aus dem Leserkreis, der auf die Redaktionen der Zeitungen zu erfolgen pflegt. Die verehrten Abonnenten wollen daraus ersehen, wie schwer es den Zeitungsredaktionen oft gemacht wird, die Wünsche ihrer Leser zu befriedigen und doch sind wir auch wieder dankbar solche Wünsche zu hören, ohne deren Aussprache der notwendige innere Zusammenhang zwischen Redaktion und Leserkreis fehlen würde. Lumda, 18. Aug. Zum Feldschütz wurde gestern Herr Peter Klöß amtlich ernannt. )( Laubach, 20. Aug. Die bei Gründung des Gymnasiums 1875 entstandene K. Hog'sche Buchhandlung ging laut D. Tgl. Anz. zum Preise von 16 000 Mt. an A. Hardegg, gegenwärtig in Stuttgart wohnhaft, durch Verkauf über. Die Uebergabe an den Käufer, einen Better des Herrn Pfarrers Fritsch in Ruppertsburg, erfolgt am 1. Oktober d. J. Nidda, 17. Aug. Gestern hielt der Veteranenverein für Nidda und Umgebung seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Gerichtsvollzieher Vehberger zu Nidda, begrüßte die Versammlung und forderte die Anwesenden auf, der Gefallenen und Verstorbenen zu gedenken. Sodann gedachte er der erhabenen Herrscher des Hessenlandes und Deutschlands und brachte ein Hoch auf den Kaiser und den Großherzog aus, in das Alle begeistert einstimmten. Ein Huldigungstelegramm wurde an den Großherzog abgesandt. Der Verband zählt 109 attive Mitglieder gegen 115 im Vorjahre, die fehlenden hat der Tod im Laufe des Jahres weggerafft; ferner 51 passive Mitglieder gegen 56 im Vorjahre. An besonderen Einnahmen hat der Verband zu verzeichnen 50 Mt. von der Spar- und Leihkasse Nidda. Das Vermögen des Verbandes beträgt 1168,18 Mt. Die Jahreseinnahme betrug 653,05 Mt., die Ausgabe( meist Sterbegelder an Witwen verstorbener Kameraden) 515,83 Mt. Der alte Vorstand wurde wieder gewählt; für ein verstorbenes Vorstandsmitglied wurde Herr Schneidmühlenbesizer Ruppel in Unter- Schmitten gewählt. XGeiß- Nidda. Hier verunglückte der 62jährige Landwirt Strauch, indem er von dem beladenen Erntewagen fiel und das Bein so brach, daß die Splitter durch das Fleisch drangen. Er wurde nach der Klinik in Gießen verbracht. + Engelrod. Hier wurde durch mehrstündige Beratung, an der sich auch Vertreter des Kreisamts Lauterbach beteiligten, der Bau von Wasserleitungen für Engelrod, Hörgenau und Hopfmannsfeld beschlossen. || Trais- Münzenberg. 20. Aug. In hiesigem Orte hat sich ebenfalls eine landw. Bezugs- und Absatzgenossenschaft gebildet. Vorsitzender ist Herr Bürgermeister Tag. A Dutenhofen. Die über das Gehöft des Johannes Müller in Folge Rolauffeuche verhängte Gehöftsperre ist aufgehoben worden. Niederweisel, 20. Aug. Vom hiesigen Turnverein wurde beschlossen, das diesjährige Abturnen am Sonntag den 6. September abzuhalten. Gleichzeitig wird damit für die hiesigen Turner ein Preisturnen verbunden. Butzbach, 20. Aug. Der heutige Schweinemarkt, der erste seit dem Frühjahr, war ziemlich gut befahren, und zwar mit 75 Wagen. Es wurde viel gehandelt, so daß wenig Ware überständig blieb. Ferkel fosteten 50-70, Einleger 80-120 Mt. per Paar. ▷ Bad- Nauheim, 18. Aug. Wohl der älteste Badegast Bad Nauheims, Herr Rentner Dexheimer aus Wendelsheim in Rheinhessen, welcher seit 15 Jahren die hiesigen Bäder gebraucht hat, ist gestern im Alter von 85 Jahren plötzlich gestorben. Der alte Herr wollte am selben Tage nach Beendigung seiner diesjährigen Kur wieder in seine Heimat zurück. ▷ Ober- Ohmen, 19. Aug. 8wei Kinder im Alter von 4 und 5 Jahren gerieten auf den Einfall, ein Feuerchen zu machen. Sie wählteu zu diesem die allergefährlichste Stelle, die Scheuertenne. Während die Mutter mit der Ernte im Felde beschäftigt, trugen sie zwei Bäusche Stroh zusammen und zündeten sie an. Bald standen nicht nur diese, sondern die ganze Sheuer in Flammen. Sie brannte vollständig nieder, und nur dem Eingreifen der Feuerwehr ist es zu danken, daß weiteres Unheil abgewandt wurde. Ein siebzehnjähriger Bursche von hier war vor wenigen Tagen mit anderen Arbeitern zur Dreschmaschine in die Wetterau gegangen. Jetzt erhielten seine Eltern die Nachricht, daß er bei der Maschine verunglückt und an den Folgen der erhaltenen Verlegungen gestorben ist. A Fulda, 19. Aug. Die Bischofstonferenz wurde heute abend mit einem Danfgottesdienst in der Bonifaziusgruft geschlossen. × Ortenberg, 20. Aug. In einem Sandsteinbruch fanden vorgestern Arbeiter, nur 50 Ctm. tief liegend, einen Beutel mit kleinen silbernen Münzen in beträchtlicher Menge. Der Beutel war ganz verwest, nur geringe Lederspuren zeigen sich. Die Münzen haben viel durch Grünspan gelitten; sie tragen die Jahreszahl 1470 und haben die Größe eines silbernen 20 Pfennigstüdes. Marburg, 20. Aug. Bezüglich des bereits mitgeteilten mysteriösen Vorfalles, wonach vorgestern Abend um 11 Uhr ein hier mit dem Zuge von Kassel eingetroffener hiesiger Mann in der Bahnhofstraße einen Revolverschuß von hinten erhielt, kann heute noch mitgeteilt werden, daß der Verletzte ein hier wohnender Prediger ist. Die Polizei ist eifrig bemüht, den Täter zu ermitteln, was ihr jedoch bis jetzt noch nicht gelungen ist. Man nimmt an, daß es sich um einen Racheaft handelt, wobei der Täter es aber wohl auf eine andere Person abgesehen hatte. Witzenhausen. Ein hiesiger Postbeamter ist wegen Verdachts der Unterschlagung, begangen im Amte, verhaftet worden. Aus Franken, 20. Aug. In Mainbernheim starb der Stadtsekretär Theodor Hofmann im Alter von 49 Jahren. Er hatte, noch nicht 16 Jahre alt, als jüngster Soldat der bayerischen Armee den 70er Feldzug mitgemacht. § Offenbach. Zu einem turzen Besuch trifft der Großherzog am 28. August hier ein. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. 11. Sonntag nach Trinitatis, Sonntag den 23. August Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Bugleich Christenlehre für die Neufonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Scheunemann. In der Johannestirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Bugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Euler. Nächstfolgenden Sonntag, den 30, August, Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und die Johannesgemeinde im Hauptgottesdienst. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Katholische Gemeinde. Samstag, den 22. August. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag, den 23. August.( 12. Sonntag nach Pfingsten.) Vormittags von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. " 11 um 8 Uhr: Die zweite hl. Messe. " um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 22 Uhr: Andacht. Methodistengemeinde, Asterweg 16. Sonntag 23. August, abends 8 Uhr: Predigt. Mittwoch den 26. August, abends 8½ Uhr: Bibelstunde. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Sabathfeier am 22. August 1903. Freitag abend 7 Uhr. Samstag vormittag 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Sabathausgang 8.20 Uhr. Wochengottesdienst: Morg. 6.30 Uhr. Ab. 6.30 Uhr. Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil Albin Klein; far bas Bolale, den ,, Gerichts." und" Oeffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Drud und Berlag ber Gießener Verlagsbruderei( vorm. Wilh. Keller), Gießen. Städtisches Schlachthaus. Schweinefleisch 50 Pfg. Kubfleisch 48 Pfg. Heute und Morgen, Rodheim a. d. Bieber. Zu dem nächsten Sonntag, den 23. und Montag, den 24 August stattfindenden Kirchweihfest lade hiermit ergebenst ein. Getränke ist bestens gesorgt. - - Für starkbesetzte Tanzmusik, ante Speisen und Der Tanzboden befindet sich im Garten. Hochachtungsvoll Storck, Gastwirt. NB. Gesellschaften von 30 Personen an zahlen von Gießen bis Rodheim für Hin- und Rückfahrt nur 30 Pfg. Das Ei des Columbus ist Sturmvogel Modell 1903 Es ist das langgesuchte und billige Rad. Feinste Präzissonsarbeit,| Höchste Eleganz, Größte Stabilität, Niedrigster Preis. 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