14. Nr. 117. Zweites Blatt. bonnement@ prete: in Steßen, abgeheit monatlich 50$ fg., r's Saus gebracht so Big., durch die Beft bejeges viertelfährli Mt. 1.50. Brattebellagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffifche Beitsrift für Landwirtschaft, Ob- nub Bartenban, sowie die Gießener Seifenblasen( wichent). Das Blatt erscheint an allen Merkingen naistage. Mittwoch, den 20. Mai 1903. Gießener 12. Jahrgang Insertionsprei 8: Die einfpaltige Betttgeile für Gissen wh gang Oberheffen, die Kreise Beglar und Marburg 10% fonit 15 Bfg.; Reklamen die Petitgalle 30 refp. 49 Boftzettungsliste No. 8969. Redaktion und Expedition: Gießen Regenw Ferefprehenfchlaf Rs, 863. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblath Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Geschäfts- Uebernahme. Wir beehren uns hiermit, die ergebene Mitteilung zu machen, dass wir unserem langjährigen Zuschneider und Geschäftsführer, Herrn Heinrich Möller, unser Herren- Garderobe- und Mass- Geschäft und zeichnen käuflich abgetreten haben, und bitten wir, das uns seit vielen Jahren entgegengebrachte Vertrauen und Wohlwollen, wofür freundlichst danken, auch auf unseren Nachfolger zu übertragen mit Hochachtung Giessen, 20. Mai 1903. C. F. Schwarz Söhne. Auf Obiges bezugnehmend, teile einem verehrlichen Publikum von Giessen und Umgegend, sowie meiner werten Nachbarschaft, Freunden und Gönnern mit, dass ich obiges Geschäft unveränderter Weise unter nachstehender Firma weiterführen werde. Langjährige praktische Erfahrung und gründliche Fachkenntnisse setzen mich in den Stand, alle Wünsche meiner geehrten Kundschaft gerecht zu werden, und sichere jedem Kaufendden streng reelle Bedienung zu. 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Er forschte nach und kam dahinter, daß der Aufseher, wenn er Nachtdienst hatte, mit dem Prinzen Gelage feierte, wobei man sich ,, Lieber Schorse" und Lieber Prosper" nannte, woran auch einige Male eine zweifelhafte Da me teilnahm. Der Direktor veranlaßte sofort die Entfer nung des Beamten, und so mußte Schorse" gehen. Die Mitteilung klingt recht wenig glaubwürdig. :::[ 3mmer tren fiskalisch] sind die Herren Kroa ten. Bei ihnen gibt es gegenwärtig allerlei Unruhen und Aufstände. Im Bezirk Kreuz, über den jetzt das Standrecht verhängt ist, haben tausend kroatische Bauern das Schloß Ogacevo des Gutsherrn v. Fodroczy regelrecht gestürmi. Sie glaubten den Banus von Kroatien dort versteckt und durchstöberten zwei Stunden lang das Echloß, schlugen Fenster und Türen ein, stürmten den Turm des Kastells und schleppten die dort gefundenen Fahnen fort. Herr v. Fodroczy wurde aufgefordert, eine Hahne zu tragen und mußte in der Kirche schwören, daß er nicht mehr für die Regierung stimmen werde, den Banus nicht versteckt halte und keinen Schadenersatz verlangen werde. Codann mußte Herr v. Frɔdrɔczy diesen Schwur niederschreiben und auf das Dokument einen Stempel von einer Krone auffleben. Das ist echt kroatisch. Auch in der Revolte vergessen die Kroaten nicht, was sie nach ihrer Ueberlieferung- dem Stempelamte schuldig sind. $[ Was die Frauen meiden sollen.] In einem NewHorker Frauenklub machte dieser Tage Miß Grace Noble auf drei Gefahren aufmerksam, die das einem ernſten Rebensberufe nachgehende Weib meiden soll, wie der ernste Mann ,, Wein, Weib und Gesang" flieht: der Mann, die Schmeichelei und- ,, Cocktail"! Die ,, Cocktails" sɔlIen in Amerika unter den Frauen der vornehmen Welt große Verheerungen anrichten. Das läßt tief blicken, aber was haben schließlich die Frauen der vornehmen Welt" mit den einem ernsten Lebensberufe nachgehenden Frauen zu tun? (-)[ Das umgetanfte Petersburg.] Mit einem neuen Namen soll die Stadt Petersburg anläßlich ihres Jubiläums beglückt werden, so will es wenigstens ein Mitarbeiter der ,, Now. Wremja" wissen. Man soll die Stadt in Zukunft ,, Petrograd" nennen, das werde jeden Russen an Peter erinnern, während Petersburg ebenso gut von irgend einem Peters abgeleitet sein könne.( Ein großer Sprachkenner scheint der Mitarbeiter der„ Nɔw. Wremja" nicht zu sein.) Petersburg klinge für ein rusfisches Ohr geradezu barbarisch, deshalb haben die russischen Dichter die Stadt immer Petropol" oder Be Jean Dern Gegr. 1883. Bureau und Lager: Westanlage 31, Telephon 21. trograd" genannt. och sei Rußland fein deutsches ,, Kurfürstentum", und die Stadt habe daher ein Recht auf einen rein russischen Namen. Und da man schon einmal beim Namenwechsel ist, soll gleich auch noch Schlüsselburg den Namen„ Dreschet" erhalten, damit es nicht Jurjew( Dorpat) und Twinsk( Dünaburg) zu beneiden brauche. |:[ Die wißbegierige Schulvorsteherin.] Die Vorsteherin eines Mädchengymnasiums in Kiew hat an die Eltern ihrer Schülerinnen ein Rundschreiben versandt, in welhem sie um gewissenhafte Beantwortung von 36 Fragen bittet. Einige dieser Fragen mögen als besonders harakteristisch hier angeführt werden: 11) Welches der Familienglieder übt einen sittlichen Einfluß auf die Schülerin aus? 12) Welches der Familienglieder übt einen ungünstigen Einfluß auf die Schülerin aus, und in welcher Weise? 22) Ist in der Schülerin das Gefühl der Anhänglichkeit für ihre Umgebung entwickelt? 32) Ist in der Schülerin das Gefühl einer sittlichen Pflicht der Familie, Schule und dem Vaterlande gegenüber entvickelt? Man darf neugierig sein, wie sich die geehrten Eltern aus der Affäre ziehen werden, um den Wissensdurst der Schulvorsteherin zu befriedigen. Der falsche Gerichtsvollzieher. Das Opfer eines raffinierten Gaunerstreiches ist ein junger Buchhalter in Augsburg geworden. In seine Wohnung kam ein angeblicher Gerichtsvollzieher, holte den Hausherrn herbei und ließ das Zimmer des Abwesenden durch einen herbeigerufenen Schlosser aufsperren. Dann nahm er ein Spartassenbuch über 100 Mark, eine schwere goldene Kette, zwei goldene Ringe und fünf Mark bar an sich, entlohnte den Schlosser und ging. Erst als der Buchhalter abends heimkam, stellte es sich heraus, daß ein frecher Gauner den Hausherrn dupiert hatte. )-( Der Beichtvater der Kaiserin Engeniet. In Paris verstarb im 74. Lebensjahr der ehemalige Beichtbater der Kaiserin Eugenie von Frankreich, Maria Bernhard Bauer. Er war als Sohn jüdischer reicher Eltern in Budapest geboren. Er studierte in Wien, Paris und Berlin und erwarb sich früh den Ruf als ausgezeichneter Kanzelredner. Erst in reiferen Jahren trat er zum Katholizismus über und wurde Geistlicher und eine bei der Aristokratie sehr beliebte Persönlichkeit. Nach dem Sturz des Kaiserreiches trat er aus dem geistlichen Stande und befaßte sich mit Finanzgeschäften. Mit dem Ablegen des Priesterrocks hatte Bauer auch seinen inneren Menschen böllig verändert. Aus dem würdevollen Kanzelredner wurde ein leichtlebiger Boulevardier, der durch seine Liaisons mit Damen der Halbwelt selbst in Paris Aufsehen erregte. Im Jahre 1899 heiratete er noch und zwar eine Tänzerin der Großen Opér, mit der er seit langem Beziehungen unterhielt. Den Winter pflegte Bauer in Nizza zu verbringen, und es geschah wiederholt, daß ihm die greise Kaiserin auf ihren Promenaden dort begegnete; Boch niemals richtete sie ein Wort an ihn, und auch Bauer hatte stets den Tatt, ohne ein Zeichen des Erkennens borbeizugehen. [ Die Augen des Generalpostmeisters.] Eine amü sante Anekdote wird aus Washington gemeldet: Bor eini ger Zeit gelangten Beschwerden an das Postministerium der Vereinigten Staaten, daß eine Frau in Chicago dia Post zu unerlaubten Zwecken mißbrauche. Die Sache wurde unterfucht. und der Befund ging dahin, daß die Co., Giessen Inhaber: Oskar Gutmann. Gegr. 1888. Cementwaren-Fabrik und Lager: Frankirtstr. 114, eign. Bahnansobd Bau- und Kanalbau- Artikel. Trottoir, Fussboden- und Wandplatten. Grösstes Lager am Platze in sämtlichen Benartikels ! Wer wagt gewinnt! 41te Gothaer Geld- Lotterie. Ziehung v. 23.- 26. Juni 19D3. unter Aufsicht d. Lotterie Direktion in Darmstadt. Mögl. Höchstgw. bar 1 Prämie 1 " 125000 60000 40000 25000 10000 Mr " f 11 1 Hauptgw. " 2 Gew, à 5000-10000 H Beschwerden begründet seien. Daraufhin erfolgte der Gr laß einer Fraud Order" gegen die Dame, so daß ih feine Postsachen verabfolgt wurden. Die Frau schrieb einen pathetischen Brief an den Generalpostmeister, in welchem sie ihn beschwor, er möge ihr Gelegenheit geben, ihm ihre Sache mündlich darzulegen; wenn sie nur einmal ,, in seine schönen rehbraunen Augen blicken könnte" so schrieb sie überschwänglich, dann würde er ihr sichei Recht geben. Der Generalpostmeister war gerade gut ge launt, als er den Brief erhielt, und so schickte er ihn amtlich an den Kriegssekretär Root, mit scheinbarem Ernste anfragend, was er unter solchen Umständen tur jolle. Kriegssekretär Root versah ebenso formell wie fakonisch das Schreiben mit der Randbemerkung: ,, Ris lieren Sie ein Auge", und schickte es dem Generalpost meister zurück. - Ein Passagier unter der Votomotive. Als der Maschinist eines von Reval nach Petersburg gehenden Zuges dieser Tage auf der Station Taps der Baltischen Bahn seine Lokomotive schmierte, entdeckte er auf dem Verstärkungskreuz des den Kessel der Lokomotive tragenden Rahmens einen blinden Passagier. Es war ein Bauer aus dem Kreise Harrien, der auf diese Weise die Fahrt nach Petersburg mitmachen wollte. Er hatte, wie er sagte, seinen gefährlichen Eiz auf der Station Kasif eingenommen und behauptete, als Passagier unter der Lokomotive das ganze russische Eisenbahnnez fennen gelernt zu haben. Auf der Sibirischen Bahn habe er unter der Lokomotive eine Fahrt bis Tomsk gemacht und sei dann unter der Lokomotive nach der Heimat zurückgekehrt. Er treibe diesen billigen Reisesport schon seit einigen Jahren und sei, worüber er sich selbst wundern müsse, jetzt zum ersten Male ertappt morden. Er habe diesmal die Reise nach China machen wollen, die er nun zu seinem Bedauern aufgeben müsse; er hoffe aber, seine Absicht doch noch verwirklichen und unter der Lokomotive zu der alten Kaiserin von China gelangen zu können. Der merkwürdige Weltreijende wurde dem Gerichte übergeben. (!)[ Englischer Reiseverkehr.] Den gewaltigen Umfang des Reiseverkehrs in England zeigt ein soeben herausgegebener parlamentarischer Bericht. Im Jahre 1902 sind 1 188 568 000 Reisende von den Eisenbahnen des bereinigten Königreiches befördert worden. Das ist gegen 1901 eine Zunahme von 16 162 100 und gegen 1900 eina solche von 46 291 314. Kunft und Wiffenfchaft. VD Gin Riese der Vorwelt. Ein neues, ausnahmsweise gut erhaltenes Efelett eines Dinosaurus ist in Dakota ( Nordamerika), wɔ man schon viele Reste dieser Urweltbewohner ausgegraben hat, zum Vorschein gekommen. Es hat die Länge von 38 Fuß. Die ganze Bauart und das Mißverhältnis zwischen Vorder- und Hinterbeinen deuten darauf hin, daß das Tier sich durch Springen, ähnlich dem Kängeruh, fortbewegt hat. Es war mit einer Schuppenhaut überzogen und nährte sich von Pflanzen, wie die Anordnung der Zähne über zweitausend erkennen läßt, die das schnabelartige Maul des Riesentieres aufweist. 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