Nr. 245. Abonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50- Pfg., n's Saus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertels fährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Sbft- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berktagen nachmitags. Montag, den 19. Oftober 1903. Gießener 12. Jahrgang. Insertiondpret 3: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wir ganz Oberheffen, die Kreise Weylar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. perusprechangießen, eue. Neueste Nachrichten ( Steßener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Esthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Den Manen Kaifer Friedrichs. Unserm Friß", wie Kaiser Friedrich III. ewig im Volksmunde heißen wird, ist nun als äußeres Zeichen der treuen Liebe, die ihm in allen Herzen über das Grab hinaus bewahrt ist, vor dem Brandenburger Tor in der Reichshauptstadt ein ingendes Marmordenkmal gesetzt worden. Zugleich mit ihm ist auch seiner getreuen Gefährtin in Lust und Leid, seiner „ Vicky", wie er sie liebkosend nannte, der marmorne Ausdruck öffentlicher Verehrung zuteil geworden. Von Kaiser Wilhelm II., dem liebenden Sohn, ist die Denkmalsanlage angeregt und aus Mitteln seiner Privatschatulle gebaut, aber Gemeingut der Berliner Bürgerschaft und des ganzen deutschen Vaterlandes ist sie und verdient sie zu sein. Kaiser Friedrich vor allem ist so aufgefaßt, wie er sich in der treuen Erinnerung seines dankbaren Volkes darstellt: Ritterlich, edel, voll markiger Kraft. Ueber den stattlichen Helden in Kürassier- Uniform, der so siegesgewiß in die Welt hineinschaut, die Rechte um den Marschallstab geballt, die Linke am Degengriff, sind die grauen Wolken des Leides noch nicht hinweggegangen. Es ist unser Friß", wie er sieggekrönt, von seinen treuen Soldaten umjubelt, von den Schlachtfeldern Frankreichs zurücktehrte. Aber es ist zugleich auch der edle, humane Fürst, boll echt menschlichen Empfindens, und der tiefe Denker, die uns aus diesen durchgeistigten Zügen entgegenleuchten. Dieser doppelten Deutung entsprechen die beiden Begleitbüsten an den Seiten der Hauptfigur: rechts Feldmarschall Blumenthal, sein bewährter Generalstabschef im heißen Ringen um das deutsche Kaiserreich, links Helmholtz, der bahnbrechende Gelehrte. Seine Lebensgefährtin, die mit ihm den Glanz des kaiserlichen Diadems, aber auch die schwere Last der Dornenkrone bitteren Wehs so standhaft getragen, ist von dem Bildhauer in schlichter Einfachheit aufgefaßt worden. Sie erscheint in einem anschließenden Kleide, auf der Brust den Stern und quer über der Taille das Band des Schwarzen Adler- Ordens. Das Kleid ist unten von einer Bordüre aus Rosen, Kleeblättern und Distelzweigen umsäumt, die auf Großbritannien und Irland hindeuten. Daß sie ihres Mannes hohen Gedankenflug zu folgen wußte, zeigen die beiden Büsten von Eduard Zeller und August von Hofmann an, des großen Philosophen und geistvollen Chemikers, die ihr im Leben nahe standen. Auf beiden Seiten der Denkmäler bilden große Marmorbrunnen mit fünf wasserspeienden Masken einen stilvollen, umrahmenden Abschluß. Das Ganze, in einem umfangreichen Halbkreise gruppiert, bietet dem andächtigen Pilger einen Platz zu weihevoller, rückschauender Betrachtung. Publikum und Preffe. Unser Berliner CB- Mitarbeiter schreibt uns: Die Verurteilung der beiden Redakteure des„ Vorwärts" im Kaiser- Insel- Prozeß" zu schweren Gefängnisstrafen verdient in mehr als einer Beziehung Beachtung Es ist jedem Einsichtigen von vornherein klar, daß das Märchen von der Kaiserinsel Pichelswerder auf schlechtestem Boden gewachsen war. Auch die Männer vom sozialdemokratischen Zentralorgan, gediente oppositionelle Journalisten, können nach dem Gange der Verhandlung, welche die Unwahrheit jeder einzelnen Behauptung zur Evidenz erwies, nicht leugnen, daß sie mindestens außerordentlich leichtfertig und skrupellos gehandelt haben. Sie durften nicht auf ein Stück Papier hin, das den Inhalt eines Brieffragments zeigte, so herabfetende Sensationen in die Welt setzen und haben durch die Art, wie sie das taten, auch den Anspruch auf mildernde Umstände auf jeden Fall verwirkt. Immerhin bleibt wenigstens bis auf weiteres die Tatsache noch unbestritten, daß sie im guten Glauben gehandelt haben. Sie vertrauten darauf, daß die Mitteilung, die ihnen geworden, auf Wahrheit beruhen müsse, weil der Kopf des Briefbogens Hofmarschallanit des Kronprinzen" böswillige Fälschung so gut wie ausgeschlossen erscheinen ließ, vielmehr die Annahme nahelegte, daß hier jemand den Vorwärts" zu einer Veröffentlichung benutzen wollte, der sehr genau unterrichtet war. Wie sich herausgestellt hat, war diese Vermutung falsch. Allgemeine Betrachtungen stellen sich dabei von selbst ein. Die Presse, und insonderheit die Provinzpresse ist für ihre Berichterstattung geradezu auf ihre Leser angewiesen. Der Kontakt zwischen beiden Teilen ist ein enger und das Interesse ein gegenseitiges. Wie oft kommt es da vor, daß dieser oder jener auf die Redaktion„ seines" Blattes fommt und die Aufnahme eines Artikels oder einer Nachricht erbittet. In den allermeisten Fällen liegt diesen Leuten daran, daß ihr Name als Einsender nicht bekannt wird und sie bauen dabei wie sich so und so oft gezeigt hat: mit Recht- auf die vornehmste Pflicht der Presse: ihre absolute Verschwiegenheit. Ist es da zuviel verlangt, wenn die Presse, die mit der Aufnahme einer solchen Notiz meistens dem Einsender eine Gefälligkeit erweist( die in Laienkreisen noch hier und da verbreitete Annahme, daß es der Presse mitunter an Stoff fehle, ist ein Köhlerglaube-), erwartet, daß die mitgeteilten Tatsächlichkeiten, für deren Richtigkeit der Redakteur dem Einsender die Verantwortung abnimmt, auf Wahrheit beruben? Wir meinen: Einsender solcher Nachrichten oder Artikel, die ihrerseits an die Standesehre des Journalisten in allen Fällen die höchsten Anforderungen stellen, sollten es für ihre heilige Pflicht halten, nur das zu berichten, wofür sie selbst mit ihrer Ehre und ihrem Gewissen eintreten können. Das ist das mindeste, was der Journalist von Leuten berlangen kann, denen er sich gefällig erweist. Und noch ein anderes Moment tritt in den Kreis der Betrachtung. Es betrifft die Journalisten selbst unter einander. Man kämpfte auch in früheren Zeiten wohl in politischen oder litterarischen Fragen mit scharfen Klingen. Aber immer galt der als Sieger, der seinen Gegner mit geistigen und sachlichen Waffen schlug. Heute ist ein Ton eingerissen im publizistischen Kampfe, der sich für gebildete Leute nicht ziemt. Statt der Gründe zählt man Grobheiten auf, statt feiner Satire wendet man unflätige Schimpfworte an. Leichtfertige Verleumdungen werden als reine Wahrheit serviert, und der elfte Paragraph des Preßgesetzes wird schlau umgangen, damit ia die Sonne es später nicht an den Tag bringen kann. Und wenn es sich schließlich doch herausstellt, daß für so wüste Beschuldigung jeder triftige Grund fehlte: semper aliquid haeret... etwas bleibt immer hängen. Der Vorwärts"-Prozeß hat nur wiederum die alte Warnung ins Gedächtnis gerufen neben der tendenziösen Besonderheit natürlich, daß es für die Presse an der Zeit ist, in manchen Dingen Wandel zu schaffen. Der Ton, der bei Polemifen oder Kritiken in Schwung ist, muß feinerer Stilart weichen, und größer noch als heute muß die Vorsicht werden, mit der man an heifle Nachrichten und scharfe Angriffe herantritt. Die Politik. Die Regierung von Elsaß- Lothringen hat zehn ausländische Ordensschwestern ausgewiesen, weil man befürchtet, daß andernfalls das Gros der aus Frankreich ausgewiesenen Ordensmitglieder sich nach Elsaß- Lothringen wenden würde. Die Annahme erscheint um so wahrscheinlicher, als sich von den Angehörigen der in Frankreich unterdrückten Männerund Frauen- Orden eine große Anzahl nach Elsaß- Lothringen wandten und sich hier ohne weiteres niederließen. Den Ordensschwestern, welche deutsche oder elsaß- Lothringische Staatsangehörigkeit besigen, wird selbstverständlich der Aufenthalt in Elsaß- Lothringen nicht verweigert, dagegen wird ihnen nicht gestattet, ihre Ordenstätigkeit ohne besondere Genehmigung aufzunehmen. O Während die ungarische Krise so ungelöst wie je zu= vor fortbesteht und Lukacz wieder einmal als der einzige wirkliche Ministerpräsidentschaftskandidat bezeichnet wird, feierte Ungarn mit großer Begeisterung den hundertsten Geburtstag eines seiner größten Söhne, Franz Deaks. Die Gedanken mögen wohl seltsam trüber Art gewesen sein, die auf den alten Kaiser einstürmten, als er die Bestimmung traf, am Deat- Denfinal in Budapest solle ein Kranz niedergelegt werden mit der Aufschrift:„ Dem Andenken Deaks. Sein dankbarer König." Trotzdem es in letzter Stunde mit einiger Bestimmtheit bersichert worden war, fand eine Begegnung zwischen König Leopold und seiner Tochter, der Gräfin Lonyay, in St. Polten nicht statt. Man sagt aber, daß in diesem Falle aufgeschoben" nicht aufgehoben" sei. Der Empfang in Wien durch Kaiser Franz Josef soll, wie Augenzeugen mitteilen, über die Maßen fühl gewesen sein. So ist es wohl auch zu erklären, daß die Nachricht von einem weiteren Besuch in Berlin plötzlich als falsch bezeichnet wird. Der gute Leopold scheint, mit anderen Worten, an den bisherigen Erfahrungen genug zu haben. Die serbische Skupſchtina hat den Adreßentwurf nunmehr endgültig angenommen, mit einer nur kleinen Aenderung, welche die Einigkeit in der Armee noch enthusiastischer feiert, als der erste Entwurf. Die Sparerei scheint man übrigens doch aufgeben zu wollen. Hieß es zuerst, die Gesandtschaften sollten zum größten Teile zessiert werden, so berlautet neuerdings, daß Minister Nikolitsch auf der Wiederbesetzung aller Posten besteht. Einzelne Gesandte sind denn auch bereits designiert worden; so für Wien: Wuitsch, für Petersburg: Paschitsch und für Konstantinopel: Georg Simitsch. Von offiziöser Seite wird erklärt, daß sich der italienische Ministerrat lediglich mit Erledigung der laufenden Angelegenheiten beschäftigen wird. Eine Ministerkrisis, mit anderen Worten also: eine Demission Zanardellis, wegen des Aufschubs der Zarenreise sei ausgeschlossen, höchstens könnte sie wegen der Vorlage über die Eheſcheidung möglich werden. Zanardelli soll die feste Absicht haben, die im Parlament eingebrachten Interpellationen selbst zu beantworten. Es ist anzunehmen, daß der greise Premierminister dabei in der Kammer feinen leichten Stand haben wird. Indessen dauert die Aufregung über die erlittene Demütigung im Lande fort. Die Presse ist mit Insinuationen aller Art flink bei der Hand. Sie beschuldigt besonders die Dreibundmächte, daß sie ihre Hand dabei im Spiele gehabt hätten. Politische Kreise betrachten diese Unterstellungen mit sehr ernſten Augen, weil dadurch die Lage nur noch schwieriger gestaltet wird. A Der Streik in Nordfrankreich dauert an. In Armentièrs hat man sich endlich entschlossen, eine Reihe von Brandstiftern festzunehmen. In Diinkirchen, wo auch die Hafenarbeiter in großer Zahl streiken, wurden berittene Jäger von den Ausständigen mit Ziegelsteinen beworfen und eine Anzahl von ihnen verwundet. Ta das Streiffomitee eher zu Demonstrationen als zum Frieden mahnt, ist ein Ende der Unruhen noch nicht abzusehen. Ter australische Bundesstnat i bute sich schon lange nach einer Hauptstadt. Washington schwebte den Leuten vor, da sie ja so wie so von einer fünftigen Geschichte träumen, der ähnlich, welche die Union erlebt hat. Das Abgeordnetenhaus debattierte also darüber und entschied sich für Tumut. Aber der Senat war anderer Meinung und wählte Bombala im Staate Neu- Südwales. Bei dieser Differenz ist zu erwarten, daß die Entscheidung noch vertagt werden wird, was natürlich einer Verschleppung zu Gunsten Melbournes gleichkommt. Die Konferenzen der japanischen und russischen Staatsmänner in der ostasiatischen Frage sollen resultatlos verlaufen sein. Infolgedessen ist es nur erklärlich, daß beide Mächte tapfer weiter rüsten. Nußland versorgt sich mit Lebensmitteln aller Art und manöveriert mit seinen Truppen. Japan hat bei Hakodate hunderttausend Mann Soldaten stehen und soll neuerdings in der Bucht von Korea Mannschaften in größerer Menge gelandet haben. Auch soll man in den Häfen an der Westküste Japans eifrig mit dem Legen von Torpedos beschäftigt sein. Wie es heißt, werden auch die Japaner, die sich im Auslande befinden, in die Heimat zurückberufen. So sollen japanische Offiziere, die in den Krupp- Werken beschäftigt waren, Befehl erhalten haben, nach Japan zurückzukehren. Ebenso erhielten japanische Aerzte, die seit zwei Monaten in Genf weilten, solche Order. Alles deutet darauf hin, daß die Lage doch nicht so friedlich ist, wie es anfänglich schien. Die Amerikaner haben denn auch Vorkehrungen getroffen, die Integrität des neuen Vertrags zu gewährleisten, nach dem China in der Mandschurei den Vereinigten Staaten zwei Häfen öffnen will. 49 von ihren Schiffen, darunter natürlich auch kleinere, sind auf der asiatischen Station konzentriert. Für alle Fälle! Hof und Gesellschaft. *** Die Konfirmation der kaiserlichen Prinzen Auguſt Wilhelm und Oskar fand in der Friedenskirche zu Potsdam in Gegenwart des Kaiserpaares, dessen übrigen Kinder und all der Fürstlichkeiten statt, die zur Einweihung des Kaiser und Kaiserin Friedrich- Denkmals in Wildpark eingetroffen waren. Die Konfirmationsrede hielt Oberhofprediger Dryander. Die Prinzen verlasen ein selbstverfaßtes Glaubensbekenntnis und nahmen inmitten der kaiserlichen Familie das heilige Abendmahl ein. ** Zur Enthüllungsfeier der Denkmäler für Kaiser und Kaiserin Friedrich waren deren sämtliche Kinder im Schlosse zu Wildpark versammelt: Außer dem Prinzen Heinrich mit seiner Gemahlin trafen dort ein die Kronprinzessin von Griechenland nebst Gemahl, die Prinzessin Adolf von Schaumburg- Lippe nebst Gemahl, die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen nebst Gemahl und die Erbprinzessin von Sachsen- Meiningen. *** Der König von Italien nahm in Rambouillet an einer ihm zu Ehren vom Präsidenten Loubet veranstalteten großen Jagd teil. Es wurden eine große Menge Fasanen und anderes Wild zur Strecke gebracht. Während ihr Gemahl dem Waidwerk oblag, fuhr die Königin nach dem Elysee, wo ein Frühstück eingenommen wurde, an dem der Minister des Auswärtigen, Delcassé, der Unterrichtsminister, Chaumié, und der italienische Botschafter in Paris, Graf Tornielli, teilnahmen. Später besuchte die Königin in Gesellschaft von Mme. Loubet das Louvremuseum. Man erfährt jezt, daß König Viktor Emanuel ursprünglich auf der italienischen Botschaft wohnen wollte, wie der Zar auf der russischen gewohnt hatte, Polizeipräfekt Lépine erklärte jedoch, die Lage des zwischen zwei tiefe Häuserzeilen eingebauten unübersichtlichen Botschaftspalastes erschwere die Bewachung derartig, daß er eine Verantwortung für die Sicherheit der königlichen Gäste nur tragen könne, wenn sie im Palaste des Auswärtigen Amtes absteigen würden. Das gab für die Wohnungswahl den Ausschlag. Deer und flotte. Versuche mit neuen Gewehren werden zur Zeit bei vier Kompagnien des Garde- Grenadier- Regiments zu Spandau angestellt. Das Kaliber ist das alte, doch weicht es in der Herstellungsart und in manchen Bestandteilen von dem neuen 98/02 ab. Je zwei Kompagnien haben Versuchsgewehre berſchiedener Gattung. Die diesjährigen Vermessungsarbeiten in der Südsee sind beendet. Das Vermessungsschiff Möwe" hat nach sechsmonatiger Tätigkeit im mikronesischen Schußgebiet den Bismarck- Archipel verlassen und die niederländische Kohlenstation Amboina in der Banda- See aufgesucht. Die Möwe" arbeitet jetzt acht Jahre in den deutschen Gewässern der Südibrig bӀсібеп fommen. diefen wohlgemeinten Rat zu befter Eleganz gekleideten jungen Dame. Falten zeigte fich das reizend pikante Gesicht einer mit höch niDie Portiere wurde aufgehoben und unter den schweren Dmir wie einem Bettler zuwirft, werde ich wahrlich folgen; denn mit bieten unglüdlichen fünftausend Pfund, ihn befangen fand." ihn von der finsteren Laune zu befreien, in deren Bann ich Freundin für diesen armen Archibald komponiert habe, um vortrefflichen Frühstücks zu tosten, das ich als teilnehmende genügen müßten, um jede böse Laune in die Flucht zu Hand schüttelte, daß die Blicke der schönen Adeline allein Mir scheint," sagte der Colonel, indem er Archibald die Archibald aber blidte finster vor sich hin. Colonel. standen Sie mit der sagte er ,,, ich dachte daran." ausgezeichneten Mr. Johnston geführt, und wie mir schien, Nun, haben Sie etwas Besseres gefunden?" fragte der „ Es wäre in der Tat eine vortreffliche Partie gewesen," Sie haben uns ja zuweilen in das Haus dieses Mutter meinem verdammten mheumatismus, den ich aus den im vortrefflichen Freundes, des Doktor Rowland, der mich von Schlägen anregend, ah, sehen Sie dort den Wagen meines Rach feiner festen Ueberzeugung wenigstens, au schnelleren und her, allen Damen den Hof machend und alle Herzen, flatternden Schmetterlinge gleich, zwischen den Wagen bin see. Die nautische Abteilung des Reichsmarineamts besitzt reiches Material und wird neue Seekarten über jenes Gebiet herausgeben. Die Möwe" hat bisher die Vermessungen an den Küsten von Neu- Pommern mit der Gazellenhalbinsel, Neu- Lauenburg, Neu- Mecklenburg, Neu- Hannover bis in die Gegend der Admiralitäts- Inseln vorgenommen und bollendet. Die Arbeiten ergaben, daß der Verlauf der Küste wesentlich abweicht von den kartographischen Aufnahmen früherer Zeiten. Hus dem Gerichtssaal. | § Das Urteil im Mordprozeß Gleditsch in Berlin, der das Schwurgericht zwei Tage lang beschäftigte, ist milder ausgefallen, als erwartet wurde. Die Angeklagte, Wirtschafterin Marie Gleditsch, die den Major a. D. August Reisch aus Eifersucht tötete, ist zu 5 Jahren 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Geschworenen sprachen die Angeklagte nicht des Mordes, sondern des Todschlages schuldig und billigten ihr mildernde Umstände zu. § Ein Nachspiel zu der Affäre des Leutnants Freiherrn b. Loew in Düsseldorf, der vor einiger Zeit wegen Meineids zu Zuchthaus verurteilt wurde, ist gegenwärtig in der Vorbereitung begriffen. Wie wir seinerzeit meldeten, war die mutmaßliche Mitschuldige des Loew, eine verehelichte Ingenieur Ed, furz vor ihrer Verhaftung plötzlich verstorben und zwar, wie das bestimmte Gerücht ging, an Gift. Nunmehr ist in Verbindung mit jener Affäre gegen einen Düsseldorfer praktischen Arzt die Untersuchung eingeleitet worden wegen Verbrechens gegen§ 216 R.-St.-G.-B. ( Tötung eines Menschen auf ausdrückliches Verlangen desselben) und Vergehens gegen§ 278( Ausstellung eines unrichtigen ärztlichen Attestes bezüglich des Befundes der Leiche). Die Atten sind bereits der beratenden Straffammer zur Beschlußfassung darüber zugestellt worden, ob gegen den Arzt die Anklage erhoben werden soll oder nicht. § Leichenschändung. Zu einer empfindlichen Strafe wegen Leichenschändung verurteilte das Posener Schöffengericht einen Heilgehilfen, der von einer Leiche gewisse Körperteile abgetrennt hatte. Der Heilgehilfe wußte sich unter dem Vorgeben, daß er Arzt sei, bei der Familie des Toten Vertrauen zu erwerben, so daß ihm die Besichtigung der Leiche gestattet wurde. Ein kurzes Alleinsein benutzte er dazu. die einfache Operation auszuführen. Die Leichenteile waren für den Arzt der Anstalt bestimmt, der dort den Toten ärztlich behandelt hatte. Der Arzt hatte angenommen, daß die Körperteile mit Erlaubnis der Familie entfernt wurden. Das Urteil lautete auf 100 Mark Geldstrafe. § Wegen dreifachen Mordes zum Tode verurteilt wurde der Fleischermeister Hubert aus Lompönen, der den Meiereibefizer Zürcher in Lompönen, sowie dessen 25 Jahre alte Ehefrau und fünf Jahre altes Töchterchen ermordet hat. Nab und Fern. Die Gelsenkirchener Typhusepidemie, die im Jahre 1901 schwere Schädigungen an Leben und Gesundheit für die Einwohnerschaft nach sich zog, wird jezt ein gerichtliches Nachspiel haben. Die Essener Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen die Direktoren des Gelsenkirchener Wasserwerks Hegeler und Fudel, sowie gegen den Ingenieur Schmidt und den Maschinenmeister Kiesendahl. Die beiden Direktoren werden beschuldigt, direkt oder indirekt die Typhusepidemie durch Herstellung und Lieferung von Wasser verschuldet zu haben, das geeignet war, die Gesundheit des menschlichen Körpers zu gefährden, sowie durch dieselbe Handlung schwere Körperverlegung und den Tod von Menschen verursacht zu haben. Die beiden anderen Angeklagten werden der Beihilfe bezichtigt. raubten Villa gefesselt aufgefunden. Ste arbeitete im Emmverständnis mit ihrem Geliebten, einem berüchtigten MesserHelden, der den Mord ausführte. Ein weiterer Spießgeselle wird noch gesucht. Chinesische Bravi in Amerika. Das Chinesenviertel der amerikanischen Stadt Boston ist zur Zeit der Tummelplatz einer chinesischen Mörderbande, die auf Bestellung und nach fester Tare unbequeme Langzöpfe aus dem Wege räumen. Die Mörder sind von den chinesischen Spielbudenbesitzern in Boston aus Franzisko herbeigerufen worden, um ihnen in ihrem Kampf gegen den chinesischen Tugendbund, die Hip- Sing- Tong- Gesellschaft, die das Spiel abschaffen will, ihren Beistand und ihr ihren sicheren Dolch zu leihen. Schon jetzt sind mehrere Tugendmänner den Burschen erlegen. Die Mörder berechnen für einen Mord 1000 Dollars und für eine Verwundung, je nach der Schwere der Wunde, 300 bis 500 Dollars. Wenn der Mordgeselle in der Ausübung seines edlen Berufes sein Leben einbüßt, so ist nach dem chinesischen Ehrenfoder der Auftraggeber verpflichtet, das Blutgeld nach China an die Verwandten des in seinem Beruf Gefallenen zu senden. Während der Zeit, wo die gedungenen professionellen Mörder auf eine Gelegenheit zur Ausführung eines ihnen aufgetragenen Mordes warten, erhalten sie von ihrem edlen Auftraggeber 1 Dollar per Tag, sowie freie Wohnung und Kost, in welche lettere natürlich auch das unvermeidliche Opium eingeschlossen ist. Einer der Mörder, Weng Chung, der von der Bostoner Polizei mit seinem ganzen Mordwaffen- Arsenal dingfest gemacht worden ist, soll in China eine ganze Reihe von Mordtaten verübt haben und eine von der chinesischen Polizei sehr gesuchte Persönlichkeit sein, auf deren Kopf 1000 Liangs ( etwa 2500 Mark) gesetzt sind. Dippold im Zuchthaus. Die Einlieferung des Prügelpädagogen Dippold in das Zuchthaus zu Kloster Ebrach hat nunmehr stattgefunden. Von Bamberg aus wurde er per Schubwagen, in dem sich noch sieben Strafgefangene befanden, in Begleitung eines Gendarmeriewachtmeisters und zweier Gendarmen nach Ebrach transportiert. Dippold kam borläufig in Einzelhaft und dürfte später einer leichten Beschäftigung( der Schneiderei) zugeteilt werden. Der Strafgefangene ergab sich mit Resignation in sein Schicksal. * Frieda Sittel von neuem geflüchtet. Die Berliner Fürforgebefohlene Frieda Sittel, die durch ihre fecke Flucht aus dem Magdalenenstift bei Teltow von sich reden machte, ist der Zwangsaufsicht schon wieder entschlüpft. Sie iſt mit fünf anderen Mädchen aus der Fürsorge- Erziehungsanstalt Bethabara bei Weißensee ausgebrochen und erfreut sich der goldenen Freiheit, nachdem sie erst tags vorher wegen ihrer Teltower Escapade eine Woche Gefängnis zudiktiert bekommen hatte. Ihre Helfershelfer bei der Flucht trugen schwere Gefängnisstrafen davon. Ihr Bruder May Sittel, der eigentliche Anstifter, erhielt ebenso wie sein Freund Boy ein Jahr, die weiteren Mitschuldigen Dietrich und Körner 6 Monate zuerkannt. ** Zur Verhütung von Epidemien bei militärischen Uebungen hat der Kultusminister den Regierungspräsidenten einen Erlaß über die örtliche Prüfung der Gesundheitsverhältnisse zugestellt. In ihm wird darauf hingewiesen, daß während und kurz nach den Herbstübungen alljährlich unter den Mannschaften des Heeres Fälle von Unterleibstyphus und Ruhr auftreten, die auf Infektionen zurückgeführt werden, die sich die Mannschaften in den Manöverquartieren, sei es durch den Genuß nicht einwandfreien Trinkwassers, sei es infolge direkter Ansteckung von Person zu Person zugezogen haben. Es sollen daher vor den Manövern in dem in Frage kommenden Gelände Drtsbesichtigungen durch die Kreisärzte im Verein mit militärischen Sachverständigen vorgenommen werden. Ueber die Art und Weise, wie diese Besichtigungen erfolgen sollen, enthält der Erlaß nähere Anweisungen. Der zum Tode verurteilte Matrose Kohler von der„ Loreley" hat an das Wilhelmshavener Marinegericht ein Gesuch um Wiederaufnahme des Verfahrens gerichtet. Das Reichsmilitärgericht hat daraufhin weitere Erhebungen über den Geisteszustand des Mörders anstellen lassen. Ob es zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens kommen wird, ist allerdings sehr fraglich. A Ein großer Juwelendiebstahl wurde in dem renommierten Londoner Auktionslokal von Knight- Frank und Rutley ausgeführt. Einbrecher, die sich von einem Glasdach an einem Strick herabgelassen hatten, gelang es, den Geldschrank zu erbrechen und Juwelen im Werte von 200 000 Mark zu erbeuten. [ Die rüstige Silberbraut.] Einen unerwarteten Verlauf nahm eine silberne Hochzeit, die ein Gutsbesizerehepaar in Langenleuba- Oberhain zu feiern begonnen hatte. Unverhoffterweise stellte sich am Morgen unter den Geschenke bringenden Freunden und Bekannten auch Meister Storch mit ein, der die Silberbraut mit einem Kindchen beglückte. Das brachte zwar etwas Störung in das Fest, aber es dauerte nicht lange, so zeigte man sich der veränderten Lage völlig gewachsen. Gegen Abend wurde das Kind getauft, und am Abend konnte man einen lustigen Taufschmaus mit der fröhlichen Feier der silbernen Hochzeit vereinen. Russische Bahnräuber. Schon wieder kommt die Nachricht von einem frechen Ueberfall auf einen russischen Eisenbahnzug und zwar diesmal auf der Strecke, die von dem preußischen Grenzort Wirballen nach der Hauptstadt Petersburg führt. Zwischen Düneburg und Pleskau wurde der Zug plötzlich von einer aus 10 Köpfen bestehenden Bande überfallen. Die Räuber sprangen während der Fahrt auf den Gepäckwagen, fesselten und verwundeten die beiden Schaffner, plünderten das Gepäck, beraubten die Kasse und flüchteten dann in den Wald. Erscheinungen wie die Heilsarmee sind stets das Werk der Lebensarbeit eines einzelnen. Männer machen die Geschichte, sagt Treitschke; das gilt vom politischen wie vom religiösen Leben. Noch keine vierzig Jahre sind es her 1865, da begann William Booth, damals ein Londoner methodistischer Geistlicher, eine Art innerer Mission, die ursprünglich den Elenden des Londoner Ostends galt. Er begann mit populären Predigten; sehr bald aber ward er inne, daß die Erfüllung dieser verkommenen Massen mit religiösem Geiste sich nur verwirklichen lasse durch soziale Fürsorge für sie. Und mit der ihm eigenen Energie und Hoffnungsfreudigkeit ging er, der mittellose Prediger, an dieses Werk. Sein Grundsay war: den Elenden durch die Elenden zu helfen. So zog er denn als eine Art Diakonissen und Diakonen Männer und Frauen aus den unteren Volks. schichten zum Dienst an ihren mittellosen, kranken und ver. wahrlosten Nächsten heran. 1878 organisierte er seine Gefolgschaft, die er damals Christian army nannte, in der Weise, in der sie sich jetzt als Heilsarmee darstellt: mit Uni form, militärischen Rangstufen u. s. w. Seine 1890 ver. storbene Gattin stand ihm rednerisch, schriftstellerisch und praktisch tätig zur Seite. Sein ältester Sohn wurde damals und ist noch heute Chef des Generalstabes, er führt die Geschäfte der Heilsarmee. Booths andere Kinder, seine Schwiegersöhne und Schwiegertöchter haben die Leitung der Organisationen in den einzelnen Ländern. Für die Werbearbeit erwies sich vor allem der von Booth begründete ,, Kriegsruf" förderlich, der in mehreren Sprachen erscheint. Das Korsett als Zaubermittel. Ein englischer Journalist hat folgendes alte Gesetz gegen Korsetts ausgegraben. das unter Karl II. erlassen worden ist. Es bestimmt ,,, daß alle Frauen jeden Alters, Ranges, Berufes oder Grades. die S. M. männliche Untertanen durch( inter alia) Korsette täuschen und in die Ehe locken werden, die Strafe der zu Kraft bestehenden Geseze gegen Zauberei, Hererei und ähnliche Verbrechen treffen soll und daß die Ehe auf Grund der Verurteilung null und nichtig sei." * Die Raubmörder von Aix- les- Bains verhaftet. Der geheimnisvolle Mord an der Pariser Halbweltlerin Fougère in Aix- les- Bains wird nun doch seine Sühne finden. Der Mörder und die Anstifterin zu der furchtbaren Tat sind bereits in den Händen der Polizei. Der Plan ging von der Wirtschafterin der Ermordeten, Giriat mit Namen, aus. Die Wirtschafterin wurde, wie erinnerlich, s. 3t. in der ausae Bunte Chronik. In Nimpsch ermordete der Arbeiter Ohnesorge seine Ehefrau und suchte sich dann selbst durch Messerstiche zu töten. Er wurde schlafend neben der Leiche seiner Frau aufgefunden. - In Adelaide traf ein Bergmann mit einer Anzahl Saphiren ein, die er im südaustralischen Hartgebirge gefunden hat. Die Bindung der deutschen Spiritusproduktion ist eine vollzogene Tatsache. Mehr als 92 pCt. der Interessenten haben sich durch Unterzeichnung des Anerkennungsscheins der Verpflichtung angeschlossen. - Auf der Lokalbahn der Siebenbürger Holzindustriegesellschaft sprangen Wagen aus dem Gleis und wurden an einem Felsen zertrümmert. Ein Arbeiter wurde getötet, sieben schwer und vier leicht verletzt. Was leiftet die Heilsarmee? Unter den mannigfachen Erscheinungen, die das religiöse Leben der Gegenwart zeitigt, nimmt eine durch ihre Absonderlichkeiten, aber auch durch ihre trop dieser Absonderlichkeiten großen Erfolge einen hervorragenden Platz ein: Wir kennen sie alle: die Heilsarmee. Der vielbesprochene Eintritt einer Berliner Volksschullehrerin in diese seltsame Bruderschaft und die neuerliche Bereifung unseres Vaterlandes durch den greisen Gründer der Salvation army, General Booth, lassen es angebracht erscheinen, dieser merfwürdigen Erscheinung im modernen Leben einige Worte zu widmen. Chaffof 5. T fi wahrschein bes Truppenüb Dr. ju juriffifchen Fat an Stelle des RF. Heimbur Berwaltungs Univerfität zu nimmt das Leb Sweds * GrünbergBaumeister Re werben Frage hunft einford dite Höhe der Berhältniffe, Borhandenfein Ben nächsten fistalifchem Was aber die Ausbreitung der Ideen Booths und die Zunahme seiner Jünger am meisten fördert, ist der praktische Erfolg seiner sozialen Tätigkeit. 1890 begann er die Arbeit im großen Stil. Zum Beginn seines sozialen Rettungswerfes in großem Umfang bezeichnete er in einer Flugschrift 2 Millionen Mark als notwendig. Ueber Nacht waren sie da: Adel, Bürgerschaft, auch die englische Geistlichkeit unterstützten ihn reichlich. 1892 erklärte er, zur Unterhaltung der von ihm mit diesen 2 Millionen geschaffenen Heimstätten für gefallene Mädchen, Nachtasyle, Volksküchen, Arbeits nachweise, Werkstätten und Trinkerheilanstalten seien jährlich 600 000 Mark nötig. Mitglieder des englischen Hofes, Parlamentarier, Geistliche unterzeichneten den Aufruf, und das Geld war da! Worin liegt das Geheimnis der unstreitig sehr großen Erfolge der Heilsarmee? In dem Brimborium, mit dem sie ihre religiösen Feierstunden umgibt, doch wahrlich nicht. Diese lärmenden Umzüge, die Uniformen, die grotesken Titel, dies Absingen religiöser Lieder nach Gassenhauermelodien, die Extase der Versammlungsredner der Heilsarmee haben eher etwas Abstoßendes wenigstens für deutsche Gemüter als etwas Anziehendes. Und trotzdem dieser geradezu unglaubliche Erfolg auch in Deutschland! Büterverkehr welche ben bi mittelt hat, B fonftiger Umft Tautung oder 90 nb Güterbert Bewiß werder laffen, die F Bahnbau- Sad wird, teinerle ** Bah entwidelt fich gebenen Stre Der Bahnftred beuten auf ein Sehen wir, was die Hallelujahleute", wie das Volk die Heilssoldaten nennt, seitdem geleistet haben: Die Heils. armee zählt 7390 Posten oder Mittelpunkte für Evangelisierung in 49 Ländern. Die Zahl der„ Offiziere" oder Missionare, die aus ihrer Arbeit für die Heilsarmee einen Lebensberuf gemacht haben, beträgt 15 389. Sie werden bei ihrer Arbeit durch 60 000 Lokaloffiziere und Hunderttausende von freiwilligen Soldaten unterstützt, die ohne Entschädigung tätig sind. Sämtliche Mitglieder der Armee verzichten auf den Genuß geistiger Getränke, und kein Offizier raucht. Die Sache wird nur erklärlich, wenn man sich vergegenwärtigt, welcher tiefreligiöse, sittliche Kern hinter diesem, ursprünglich auf das verwahrloste Londoner Weltstadtpublifum berechneten Tamtamradau sich verbirgt. Wenn man sicht, was die Heilsarmee an Werken praktischen Christentums geleistet hat und noch leistet, dann findet man auch die Erklärung dafür, weshalb nicht nur bei den einfachen Leuten, sondern auch bei den Gebildeten die Heilsarmee den ihr anfänglich entgegengebrachten Widerwillen zu beseitigen und in Wertschätzung zu verwandeln vermochte. Eine Darstellung der Tätigkeit der Heilsarmee, die diesen Erfolg hatte, ist nichts als eine Biographie ihres Gründers, des jetzt 74jährigen William Bootb. In Deutschland, wo der„ Kommandeur" Oliphant die vor etwa 15 Jahren begonnene Tätigkeit der Heilsarmee leitet, gibt es jegt 132 Stationen, davon 20 in Berlin. Seit Oftober 1897, wo sie in Deutschland mit der sozialen Arbeit begann, hat die Heilsarmee bei uns fünf Rettungshäuser für gefallene Mädchen, ein Wöchnerinnenheim, ein Männerheim für entlassene Strafgefangenen, ein Kinderheim, ein Dienstmädchenheim, verschiedene Samariterheime u. a. m. gegründet. Im letzten Winter wurden allein über 55 000 Arbeitslose gespeist! Welche ungeheuren Mittel gehören zur Unterhaltung dieser gewaltigen Einrichtungen! Im Jahre 1899 hatte die Heilsarmee eine Gesamteinnahme von über 33 Millionen Mark. Seitdem sind Ausgaben und Einnahmen beträchtlich gestiegen. Woher diese Beiträge? Zum großen Teil stammen sie ja aus begüterten Kreisen, die die soziale Arbeit der Heilsarmee gern mit finanziellen Mitteln unterstüßen. Aber die Mehrzahl sind„ Arbeitergroschen", und diese Arbeitergroschen sind, man mag gegen die befremdlichen Formen des äußeren Gebarens der Heilsarmee sagen, was man will, nicht zum Fenster hinausgeworfen. Und neben dieser hochersprießlichen sozialen Tätigkeit der Heilsarmee darf auch nicht übersehen werden, daß sie weite Bolkskreise, die dem Christentum schon verloren schienen, wieder mit religiösen Ideen erfüllt hat. Mag die Zurückführung der Massen zur Religion durch die Heilsarmee auch zunächst über eine wunderliche Station führen: Aus dem Trara und Spektakel der Gebetsversammlungen dieser christlichen Liga wird sich Fünftig doch ein brauchbares Moment für die Stärkung eines wirklich praktischen Christentums herausschälen lassen. Lokales. Band erfliek hain follen La * Das Fernie verfan für Mt. 3624 Mebenprodukte Sta Gießen, 19. Oftober 1903. ** Der Großherzog hat am 14. Oktober d. J. dem Pfarrer August Prätorius zu Blofeld die evangel. Pfarrstelle zu Groß- Felda, Dekanat Alsfeld übertragen. Imorgige Auf wordentliches Hun, sich bei 21. b. M. if mommen, desh Berbrochene Den 28. Dfto □ Jubiläum der Alice- Schule in Gießen Am nächsten Sonntag, den 25. Oftober, fetert der von der verstorbenen Großherzogin Alice ins Leben gerufene Alice** Gir 8wet weltber Stuart Cum h werden Neuen Saalt Mancher mit gumol genann Die bedeuten lobenswerte Vorstellung Theutiger Nur ** Das Bichen Feuer Saale des artigen Ver würdig. D mebst dem G Die Herren einrida Vertreter d Branddirekt im Auftrag Chargierter daß das Co in allen An Begrüßung den 1. Haupt truth mit Branddirektor den hohen war das The in der Wirts Such der Versa bergs bezeugte gerufen. Leit Lung geladen, Finanzminifte durch den Her Verein für Frauen- Bildung und-Erwerb das Fest seines jedenfalls gen 25jähriges Bestehens. An der Feier wird auch die Tochter der Großherzogin, ihre Nachfolgerin im Protektorat, Prinzessin Ludwig von Battenberg teilnehmen. Näheres über die Feier wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Großh. Heff übersteht. Na Unternehmen der Stadt lieg barum vollzäh der Versamm ** Die Errichtung eines Schieß- und Verein, der bie Fahne g die Herren A Persönlichkeite haben. Mit hh. Schmidt Wahl eines B Mitglieder Truppenübungsplates bei Rüddingshausen- Wermerts hausen für das 11. Armeekorps scheint sich noch in der Schwebe zu befinden. Die Gemeinde Weitershain beabsichtigte eine Feldbereinigung und Parzellenvermessung vorzunehmen, doch wurde die Arbeit vorerst mit Rücksicht auf den geplanten Uebungsplatz zurückgestellt. Sollte es zu einer Ausführung des Planes kommen, dann werden die beiden Ortschaften Rüddingshausen und Wermertshausen geSprach man fic der Berlamml und erteilte n schleift werden; die Gemeinde Wermertshausen, die sich Vrsammlung auf preußischem Gebiet befindet, soll alsdann auf dem der Referent in Grünberg, itets das e machen die G itijchen wie bo Schafhof 6. Treyfa angesiedelt werden. Der Reichstag wird fich wahrscheinlich in der nächsten Session mit der Anlage des Truppenübungsplaßes befassen. ce find es her als ein London Miffion, die Ditends galt. E ald aber mard enen Maile affe durch enen Energi Loje Prediger Glenden durd ne Art Diaton en unteren B franken und ierte er feine y nannte, in Darstellt: mit Seine 1890 hriftstellerisch ohn wurde dam er führt die e Kinder, n die Leitung Für die Mer Booth begründ Sprachen ersche Booths und t, ist der praffi gann er die A jozialen Rettung n einer Flugi r Nacht waren Geistlichkeit unt zur Unterhalt ffenen Seimit stüchen, Arb alten feien jäh lischen Hofes, Aufruf, und wie das Bolt aben: Die Hei nfte für Ebang Offiziere" Heilsarmee eine 9. Sie werden b e und Hunde erstützt, die oh tglieder der Ar etränke, und f mandeur" Olipha ätigkeit der Heil , davon 20 Deutschland mit de mee bei uns fin ein Wöchnerinnen afgefangenen, ein edene Samarita Winter wurden zur Unterhaltung Jahre 1899 hatte über 33 Millionen ahmen beträchtli im großen T Die die soziale en Mitteln unter itergroschen", un ndic befremdlide Sarmee fagen, orfen. Und nebe it der Seilsarm weite Boltstreife n, wieder mit reli ührung der Male zunächst über ein ara und Spettal en Liga wird f ie Stärkung eins älen laffen. Oftober 1903. 4. Oftober d. J Feld die evangel Alsfeld über Te in Gießen ert der von der gerufene lice das Feft feines auch die Tochter m Protektorat, erg teilnehmen ten Tagen ver Shieß und aufen- Wermert dh noch in de eitershain b bermeffung bo mit Rüdfight au Sollte es nn werden b mertshausen ge aufen, bie fi ann auf den Dr. jur. Wilh. van Calker, Privatdozent in der juristischen Fakultät der Universität Freiburg i. Br., wurde at Stelle des in den Ruhestand getretenen Professors Dr. k. F. Heimburger zum ordentlichen Professor für Staats-, Verwaltungs-, Kirchen- und Völkerrecht an der LandesUniversität zu Gießen ernannt. Prof. van Calker übernimmt das Lehramt mit Beginn des Wintersemesters. ** 8wecks Besichtigung der projektierten Bahnstrecke Grünberg- Lich wird im Laufe der Woche der Regierungsbaumeister Reh- Berlin eintreffen. In den nächsten Tagen werden Fragebogen an die Gemeinden versandt, die Ausfunft einfordern über die Größe des Gemeinde- Bezirks, die Höhe der Einwohnerzahl, Viehbestand, über die gewerbl. Berhältnisse, Steuer-, Besitz- und Vermögensverhältnisse, Vorhandensein und Zustände der Straßen, Entfernungen zu den nächsten Bahnstationen, über das Vorhandensein von fistalischem Besiz( Domänen, Kohlenbergwerke), über den Güterverkehr und die Beziehungen derjenigen Stationen, welche den bieherigen Eisenbahnverkehr der Ortschaft vermittelt hat, Viehverkehr, Omnibus und Postverkehr, Angabe sonstiger Umstände, Verhältnisse usw., welche auf die Benuzung oder Nichtbenutzung der geplanten Bahn im Personenund Güterverkehr voraussichtlich von Einfluß sein werden. Gewiß werden die Gemeinde- Vertreter es sich angelegen sein laffen, die Fragebogen schleunigst auszufüllen, damit die Bahnbau- Sache, die gegenwärtig sehr energisch betrieben wird, keinerlei Aufschub erleidet. * Bahn Laubach- Mücke. Ein reger Verkehr entwickelt sich auf der am 1. Oktober dem Verkehr übergebenen Strecke, neue industrielle Unternehmungen sollen an der Bahnstrecke ins Leben gerufen werden und alle Anzeichen deuten auf einen Verkehr hin, den jede Bahn die das flache Land erschließt, nach sich zieht. Auf der Station Weickartshain sollen Lastwagen eingelegt werden. * * Das Gießener Braunsteinbergwerk vorm. Fernie versandte im verflossenen Quartal Juli- September für Mt. 362 469,08 Mt. Manganeisenstein, Braunstein und Nebenprodukte. Der Reingewinn betrug Mt. 129 047,29. Stadttheater Gießen. Da sich für die morgige Aufführung von„ Der blinde Passagier" außerordentliches Interesse fund giebt, werden Interessenten gut tun, sich bei Zeiten Pläße zu sichern.- Mittwoch, den 21. d. M. ist der Leibsche Saal anderweitig in Anspruch genommen, deshalb wurde die 2. Voltsvorstellung: Geschwister, Berbrochene Krug und Wallensteins Lager auf Mittwoch, ben 28. Oftober, verlegt. *** Ein seltener Kunst genuß steht Gießen bevor. Zwei weltberühmte Kapazitäten: der bekannte Gedankenleser Stuart Cumberland und die spiritistische Entlarverin Emmy Fey werden kommenden Donnerstag, den 22. Oft., im Neuen Saalbau in Gießen Vorstellung geben und wird es Mancher mit Freuden begrüßen diese Vorstellung zu sehen, zumol genanntes Künstlerpaar viel neues bringen werde. Die bedeutendsten Zeitungen des Kontinents bringen nur lobenswerte Artikel und können wir daher den Besuch dieser Vorstellung bestens empfehlen. Näheres siehe Ins rat in heutiger Nummer. ** Das 48jähr. Stiftungsfest der Freiw. Gail'schen Feuerwehr, welches am legten Samstag Abend im Saale des„ Café Leib" gefeiert wurde, nahm einen großartigen Verlauf, ganz dem Ansehen des Hauses Gail würdig. Der Saal war dicht besetzt; erſchienen waren nebst dem Chef des Cops Herrn Kommerzienrat Gail die Herren Regierungsräte Dr. Wagner und Dr. Heinrichs, Herr Kreisamtmann Kranz, bühler als Vertreter der Großh. Staatsregierung, die Herren Branddirektor Traber und Stadtverordneter Kirch im Auftrag der Stadt, sowie eine große Anzahl Chargierter der Gießener Feuerwehr; ein Beweis, daß das Corps belebt und eine gewisse Wertschäzung in allen Amts: und Bevölkerungskreisen besitzt. Die Begrüßung der ganzen Festversammlung geschah durch den 1. Hauptmann, Herrn Schmiedemeister Linden= struth mit furzen aber kernigen Worten und Herr Branddirektor Traber gleich anschließend daran ehrte den hohen Protektor der gesamten Hess. Feuerwehr, Grünberg als Luftkurort war das Thema der Versamm'ung die am Samstag abend in der Wirtschaft Zum Rappen stattfand. Der gute Besuch der Versammlung aus allen Bevölkerungsschichten Grünbergs bezeugte, ein welch großes Interesse das Projekt wachgerufen. Leider waren auswärtige Herren die zur Versammlung geladen, nicht erschienen, doch soll sich, wie wir hören, Finanzminister Exz. Gnauth, der ebenfalls eingeladen war, durch den Herrn Forstmeister Schober haben vertreten lassen; jedenfalls genügt dieses schon um zu dokumentieren, daß die Großh. Heff Regierung dem Plan nicht unsympatisch gegen übersteht. Naturgemäß hat unser Stadtvorstand an dem Unternehmen ein großes Interesse, das Wohl und Wehe der Stadt liegt in seinen Händen, kein Wunder, wenn er darum vollzählig mit dem Bürgermeister an der Spize an der Versammlung sich beteiligt, ebenso war der VerkehrsVerein, der sich die Förderung der heimischen Interessen auf die Fahne geschrieben, erschienen, und nahm durch seine Mitglieder regen Anteil an der Debatte. Ebenso waren die Herren Aerzte anwesend und wohl sämtliche Sonstigen Persönlichkeiten die irgend einen Einfluß auf die Stadt haben. Mit einleitenden Worten begrüßte Herr Fabrikant Hch. Schmidt die Versammlung und bat um Vorschläge zur Wahl eines Vorsitzenden für die Versammlung; einstimmig sprach man sich für Herrn Bürgermeister Zimmer als Leiter der Versammlung aus, der sodann den Vorsitz übernahm und erteilte nach einigen Bemerkungen über den Zweck der V rsammlung, dem Referenten Herrn Rohleder das Wort, der Referent griff vorerst auf die Ecstehung des Gedankens, in Grünberg, das vermöge seiner so äußerst gesunden Lage | " 1 unseren Bandesherrn. In das von ihm ausgebrachte| Gattung dramatischer Literatur. Es enthä't zwei gute Gut Wehr" wurde kräftig eingestimmt. Der nächste Redner, der Chef des Corps selbst, tam mit ruhigen aber wohlwollenden Worten auf den Gründer und 1. Hauptmann des Corps, seinen Großvater zurück, der, eine echte Feuerwehrgestalt, für das Entstehen und Emporblühen selbst viel aktiv dazu beigetragen habe; hob hervor, daß die erste Sprize in der Stadt eben von dem in ehrendem Andenken bleibenden Philipp Gail s. 3t. beschafft wurde. So wie es damals mar, daß dem Corps die Elite, die besten Bürger Gießens angehörten, so ist es auch geblieben. Das Corps hat jederzeit getan was es fonnte, und hat es leuten und Obmännern sei das anzuerkennen, ihnen galt an Fleiß und Gew andtheit nie fehlen lassen. Den Haupt sein„ Gut Wehr". Im Auftrage Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs überreichte dann der Herr Regierungsrat Dr. Wagner dem 2. Hauptmann der F.G.F., Sauer, der nunmehr auf eine 25jährige Dienstzeit beim Corps zurückblicken kann, das allgemeine Ehrenzeichen. Mit überzeugungsvollen Worten gedachte auch er der Tüchtigkeit des Corps und ermahnte und wünschte, daß es immer so bleiben möge. Das Corps ließ dem Jubilar durch seinen Hauptmann ein Diplom unter Glas und Rahmen überreichen. Es waren aber noch zwei andere Jubilare anwesend: die beiden Mitglieder Konrad Häuser und Karl Volt. Im Auftrage des Stadtvorstandes überreichte Herr Branddirektor Traber diesen beiden Feuerwehrleuten für ihre 15jährige Dienstzeit ebenfalls Diplome; natürlich nahm auch bei diesen feierlichen Akten das gesamte Publikum mit Freuden Anteil. Zwischen den einzelnen Reden wurden in abwechslungsvoller Weiſe Chorgefänge des Bauer'schen Gesangvereins, Leiterpyramiden, gestellt von Mitgliedern des Corps unter dem Kommando des Vorstandsmitgliedes Carl Wenzel, das Theaterstück Sperling& Sperber" und zum Schluß das Duett„ Die beiden Nachtvögel" gegeben. In allen Nummern merkte man Talent und Gewandtheit, es klappte wie am Schnürchen; der Damen Arnold und Stommel wie der Mitglieder Volk, Stommel und Weinhardt sei hier lobend gedacht Großen Beifall ernteten aber besonders die Leiterpyramiden. Ein Ball nach Beendigung des Programms lies den Schluß der Feier bis in die vorgerückte Morgenstunde des folgenden Tages verlegen. Kinzenbach, 17. Oft. Auch hier hat man sich entschlossen für den bevorstehenden Winter eine Kirchenheizung einzuführen. Die hierzu erforderliche Kamineiurichung ist bereits erfolgt. §§ Aus dem Biebertal, 18. Oft. Am heutigen Sonntag Nachmittag sind die ersten„ Schnee- oder Hohlgänse," Kraniche über die hiesige Gegend gezogen. Es waren ungeheure Scharen, wie man solche sonst selten auf ihrem Fluge beisammen sieht. Hoffentlich bleiben wir noch recht lange vom Winter verschont, denn der ungünstige Herbst hat eine Verzögerung in allen landwirt schaftlichen Arbeiten herbeigeführt. ( Ettingshausen, 15. Oft. Der 20jährige Knecht des Landwirts Georg Serth sprang gestern nacht aus einem Fenster des 2. Stocks auf die Straße und zog sich außer anderen Verlegungen einen Schädelbruch zu, so daß sein Zustand bedenklich ist. Der Fall wurde dadurch etwas gemildert, daß ein anderer Bursche den Springer auffing und am Rock faßte. (:) Krumbach am Dünsberg, 17. Okt. Daß die Firma Rinn und Kloos aus Heuchelheim auch am hiesigen Orte eine Fabrik errichten wollte hatten wir bereits früher erwähnt. Allen man hörte bald, das Vorhaben sei wieder aufgegeben und von der Erbauung einer Cigarrenfabrik war keine Rede mehr. Nunmehr hat aber die genannte Firma das im vorigen Jahre hierselbst erbaute Jagdhaus des Herrn Grünewald- Gießen käuflich erworben und läßt dasselbe durch einen entsprechenden Anbau zu einer Cigarrenfabrik ausbauen. Stadttheater Gießen. Geschwister Lemke. Volksstück von Skowronnet und Stein. зи einem fleinen Das am gestrigen Sonntag gegebene neue Volksstück ,, Geschwister Lemke" zählt zu den besseren Vertretern dieser ein geborener Luftkurort sei, eine Milch-, Wasser-, Luft- und Nervenheil- Anstalt zu errichten, entstanden set. Sodann entwickelte Redner den Plan der Anlagen, die in großem geplant sind und in seinem Flächeninhalt die untere Ziegelhütte, den Stadtwald, die„ Wilde Grube", das Dickelsmühle und Brunnenteil in sich schließt. Es ist eine Milchkur- Anstalt auf der unteren Ziegelhütte mit Tummelplatz für die Jugend gedacht, auf dem Tannenkopf( Hizberg) ein mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattetes Hotel und oberhalb der Dickelsmühle eine Wasserkur- und Nervenheil- Anstalt, daran anschließend zur Verbindung der Anstalten untereinander Spazierwege und Anlagen zur Erhohlung und Ruhe, das Wäldchen nach dem Stadtwald zu Tierpark umgewandelt würde zur Unterhaltung beitragen und die Wilde Grube" durch Aushebung der angrenzenden Wese, die auch schon früher zur„ Wilden Grube" gehörte, ein angemessen großer Teich werden. Des weiteren wies R der auf die Mühlen im Dickelsmühltal hin, die geeignet seien, später wenn nötig, vermöge ihre Wasserkraft zur Erzeugung von elektrischem Licht herangezogen werden könnten. Er schilderte in satten Farben die herrliche Fernsicht, die der Tannentopf biete, die Schönheit der Umgebung Grünbergs, die dem einheimischen nicht so flar vor Augen treten wie dem Fremden, der nicht jeden Tag Gelegenheit habe auf einem so von der Natur gesegneten Fleck hen Erde zu leben wie es Grünberg sei. Frankfurter Herren seien an ihn herangetreten um Propangada für ein Luftkurort zu machen, das Kapital für die Anlage werden nicht ausbleiben. Zum Schluß seiner Ausführungen schlug Redner die Heranziehung einer medizinischen Kapazität und die Bildung eines Komitees vor, welche Leßteres es sich angelegen sein lasse, das Projekt | Lehren; einmal, daß man nicht aus seinem Stand herauswachsen tann, ohne daß Konflitte mit den Verwandten eintreten, und zweitens, daß vernünftige und auständige Menschen gut mit einander auskommen fönnen, auch wenn sie ein entgegengesettes politisches Glaubensbekenntnis haben. Die beiden Schwestern Lemke, Puzmacherinnen, haben ihrem Bruder ermöglicht, Jura zu studieren; aber sowie dieser das Assessorexamen hinter sich hat, wird er seinen Schwestern durch die Verlobung mit der Tochter eines höheren Beamten entfremdet. Auf der anderen Seite verbinden sich ein Offizier und bereitung der Offizier dem Schlosser einen wichtigen Rat ein Schlosser zur Ausnutzung eines Patents, bei dessen Vorgegeben hatte. Der Offizier test seine Kreuzzeitung, der Werkführer Horn den Vorwärts, und dennoch arbeiten sie einträchtig mit einander und werden schließlich noch Schwäger. Der unentwegte Genosse Horn wurde von Herrn Direktor Steingo etter gegeben, der die Rolle ausge zeichnet durchführte. Zum ersten Mal in einer größeren Rolle sahen wir auch Frl. Großmüller. Ihre Eva läßt nur weitere hübsche Betätigung ihres Talents erhoffen. Die komischen Rollen des Stücks fanden in Frau Jenny und den Herren Conradi und Tamke gute Vertretung, und da auch alle übrigen Mitwirkenden ganz an ihrem Blaze waren, so gewährte die Vorstellung einen ungetrübten Genuß. Zu bedauern bleibt, daß diese Sonntagsvorstellung so wenig Bublifum für die besser bezahlten Pläge angezogen hatte, während die billigeren Pläge zum Teil überfüllt waren. Wenn die Direktion ihr Versprechen, auch an den Sonntagen nur bessere Stücke, wenn auch größtenteils heiteren Inhalts zu bringen, hält, so wird hoffentlich bald auch der gut zahlende Teil des Publikums seine Zurückhaltung aufgeben. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, 16. und 17. Oftober 1903. Die wegen Obdachlosigkeit mehrfach vorbestrafte Louise Feußer von Gleiberg hat sich troh Warnung der hiesigen Polizei etwa 10 Tage ohne Arbeit und Obdach in Gießen umhergetrieben. Sie wurde dieserhalb vom Amtsgericht zu einer Haftstrafe von 3 Wochen verurteilt, wobei auch auf Ueberweisung an die Landespolizeibehörde erkannt wurde. Durch Berufung focht sie dieses Urteil an und bittet heute, man möge sie mit dem Arbeitshaus verschonen, sie wolle die Haftstrafe gerne verbüßen. Das Gericht ist nicht in der Lage der Berufung der arbeitsscheuen 23 jährigen Angeklagten, welche bereits mit Korrektionshaft bestraft ist stattzugeben, und bestätigt das untergerichtliche Erkenntnis. Der frühere Inhaber der hiesigen Acetylen- Apparatefabrik R. W. von Freiburg( Baden) hat sich wegen Betrugs zu verantworten. Die Anklage legt ihm zur Last, daß er beim Ausstellen von Wechseln, setnem Schwager F. H. in Gießen und der Gewerbebant falsche Vorspiegelungen machte, wodurch dieselben durch Ausbruch des Konkurses um 17 000 Mart geschädigt wurden; ebenso wird ihm ein Betrug zum Nachteil der Firma K. zur Last gelegt, welcher 7000 Mt. betragen soll. Die anderthalbtägige Verhandlung führt zu dem Ergebnis, daß der Angeklagte unter Freisprechung von der Anfiage der Betrügereien zum Nachteil der Gewerbebank und der Firma K., eines Betrugs in Höhe von 13 000 Mt. zum Nachteil des H. für schuldig erkannt und in eine Gefängnisstrafe von einem Jahr genommen wird. Da wegen Strafhöhe Fluchtverdacht besteht, wird der wegen Kautionsstellung aufgehobene Haftbefehl wieder in Vollzug gesezt und der Verurteilte in Haft abgeführt. Marktberichte. *** Fruchtpreise am Grünberger Fruchtmartt, vom 17. Oftbr. Weizen 16,00,-16,20 Rorn 13,32 big, Gerste 13,-, Hafer 12,30-00,00, Erbsen 00,00, Samen 00,00, Kartoffeln 6,00-00,00 Mart. Ales per Doppelzentner. Berantwortlich: für ben politischen und Inseratenteil Albin lein: bas Botale, ben„ Gerichte." und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. OppermanE Drud und Berlag der Gießener Berlagsbruderet( vorm. Bilh. Keller), Gießen. feiner Ausführung näher zu bringen. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine Ausführung. Dem Vortrag schloß sich eine lange, anregende Debatte an, an der sich der Herr Bürgermeister, die Herren Moll, Kaiser, Mahringer, Sehrt, Rampf, K. H. Zimmer und Jöckel beteiligten; allgemein war man der Ueberzeugung, daß ein solches Unternehmen mit Freuden zu begrüßen sei, da es zur Hebung der Stadt beitrage; u. a. gab der Herr Bürgermeister und einige Herrn des Stadtrats die Versicherung, daß von Seiten der Stadt man dem Unternehmen ſehr ſympatisch gegenüber stehe und daß man selbst bereit sei, etwaige Kosten zu tragen. Der Grünberger Verkehrsverein wie auch der heff. gemeinnüßige Verein zur Ermittelung billiger Land- und Kuraufenthalte fanden Erwähnung. Glücklicher Weise verlor man den Hauptzweck der Versammlung darüber nicht aus dem Auge. Leider fann ein Vorschlag, sofort in der Versammlung eine Liste zirkulieren zu lassen zum Einzeichnen von Geldbeiträgen für etwaige vorläufige Ausgaben, nicht zur Ausführung; es soll dieser Tage eine Liste in der Stadt zum Einzeichnen von Geldern zur Bestreitung von Kosten in der Stadt zirkulieren. Auf Vorschlag wurde zur Wahl eines Komitees geschritten die die Angelegenheiten weiter verfolgen soll. Das Komitee setzt sich zusammen aus dem Stadtvorstand, dem Vorstand des Verkehrsvereins, den Herren Dr. Becker, Dr. Friz, Rechtsanwalt Beilstein, G. Rohleder, Wilh. Duchardt, A. H. Zimmer und Otto Robert. Später soll das Komitee noch durch Hinzuziehung weiterer Herrn erweitert werden. Der Lokal- Patriotismus war geweckt und durch die stattliche Versammlung ging wohl nur der eine Wunsch:" Möge der Plan, daß Grünberg Luftkurort werde, in Erfüllung gehen". Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit und bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders und Enkels Karl Steinel sowie für die reichen Blumenspenden sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Herrn Pfarrer Hepding für die trostreichen Worte am Grabe, sowie dem Personal der Thonwaren- Fabrik Hüttenberg, dem Kriegerverein, dem Gesangverein Harmonie, den Nachbarn und den Schulkameraden des Verstorbenen unseren innigsten Dank. Die trauernden Eltern, Grosseltern und Geschwister. Grossen- Linden und Ober- Ohmen, den 17. Oktober 1903. Ofenschirme Kohlenkasten Füller Feuergeräte Ofenvorsetzer wieder eingetroffen.. Grosse gediegene Auswahl. Brüder Schmidt Seltersweg 83. Giessen Seltersweg 83. sreep Wollene, halbwollene und baumwollene Unterzeuge sowie Strümpfe, Socken, Fauft- und Fingerhandschuhe, ferner wollene Strickgarne( Marke M.& K.) anerkannt beste Qualität, empfiehlt in großer Auswahl zu billigsten Preisen. Robert Stuhl, Neustadt 23. Gießen. 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August 1. Js. angeordnete Sperre der Westanlage zwischen Bahnhofstraße und Unterführung der Main- Weser- Bahn wird hiermit aufgehoben. Gießen, 15. Oktober 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Die Kirchstraße wird wegen Vornahme von Kanali sationsarbeiten von Montag, den 19. I. Mits. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverfehr gesperrt. Gießen, den 17. Oftober 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmacung. Die Löwengasse wird wegen Vornahme von sationsarbeiten von Montag, den 19. 1. M. bis auf für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 16. Oktober 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Kanaliweiteres In der Zeit vom 10. bis 17. Oftober 1903 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Scheere mit Kette; berloren: 1 Kravattennadel. Der Empfangsberechtigte des gefundenen Gegenstandes beliebe seinen Anspruch alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 17. Oftober 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Von der Königlichen Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. wird eine Aenderung des W güberganges in der Nähe der Station Grünberg der Bahnstrecke Gießen- Fulda bei km 22,42 in der Gemarkung Brüsberg beabsichtigt Die hierauf bezüglichen Pläne lieger bis zum 27. d. Mts. bei Großh. Bürgermeisterei Grünberg zu Jedermanns Einsicht offen. Grünberg, am 16. O'tober 1903. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer. WILDWALD Das gibt der Jagd eine andere Richtung. Der noch junge und daher noch unerfahrene Bergmann will dem auffliegenden Erpel nach, Schlange aber ist durchaus fliegt erschredt auf. faut jagenden Sunde in seiner Ruhe gestört worden, und er fein Nr. 245 De Famil Montag, den 19. Oftober 1903.