einspiegel feien?" Höhnte er. Eine Gängerin doch nicht weißmachen, daß Sie aus mich Rub s hnen beliebt, aber lassen Sie unterbrach sie ihn. ,, Sie wissen ich geschehen, das ist ja eben darum hassen uns die Kinder um fönnen uns nichts anhaben, weil ihr Gewissen nicht rein einen Erein bor budgersen, bas soll sicherlich daß er mich haßt, und was ich tun kann, ihm das schlimme, die Väter so glühender. ift. wollen. Jepson Chess ausschließlich dem Passierer überlassen bleiben. nach der Bauf fam und bis in den Nachmittag hinein mehr wie in früheren Jahren bei der Abwesenheit des Die Beamten wunderten sich, daß er jeden morgen in den Sinn, die Zeitung der Bank dürfe nicht den wir Ihnen unsere Hilfe bei der Verhaftung des Mannes nicht versagen." hatte, reiste unter dem Namen Rodell. fagierliste anzusehen. Der Passagier, den ich im Berdacht Ich dankte ihm und ging hinunter, um mir die Pasmit Sailfe Nr. 141. Wonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertels fährlich Mr. 1.50. Gratisbellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberhefftfche Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 19. Juni 1903. Gießener 12 Jabraong, Insertion@ pret 8: Die einfpaltige Petitzelle für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kretse Wehlar und Marburg 10 fg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzelle 30 refp. 40 fg. Boftzeitungsliste No. 3269. Rebattion und Erbedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluk Ne, 368. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Die Hufgaben des neuen Reichstags. Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben: Da das Wahlergebnis tatsächlich nur Verschiebungen, aber feine tatsächlichen Veränderungen in den parlamentarischen Mehrheitsverhältnissen gebracht hat, da weiterhin eine Auflösung des Reichstages vorerst keinerlei Aussichten auf ein anderes Wahlergebnis bieten würde, als es augenblicklich vorliegt, so werden wohl die Herren Reichsboten, wenn die Wellenschläge der Volkserregung nach der Wahl aufhören, im Herbste geruhsam und ehrbar an ihre Aufgaben gehen. In deren vorderster Reihe stehen die handelsverträge, für die zweifellos eine Mehrheit zustande lommt. Auch die Sozialdemokraten werden sich voraussichtlich auf eine theoretische Gegnerschaft und eine Ablehnung der erhöhten Lebensmittelzölle beschränken, denn der Abschluß neuer Handelsverträge bietet allein die Mög lichkeit, unsereit Geschäftsverkehr mit fremden Ländern für eine lange Frist hinaus auf eine feste Grundlage zu stellen. Die Sicherung des Handelsverkehrs ist aber genau so wichtig oder vielleicht noch wichtiger als die Bemessung der Zollfäße. Jedenfalls wird man ernstlich nicht daran denken können, daß etwa eine ähnliche stürmische Beratung stattfinden könnte, wie bei der parlamentarischen Erledigung der Zolltarifreform. Da war, möchte man fast sagen, die Sachlage vor 10 Jahren bei der Beratung des tussischen Vertrags noch schlimmer, denn damals war eine mächtige Gegnerschaft gegen den 3,50 Mark- Zoll im Hause, und die Beratung ging doch glatt, wenn auch mit reichem Widerspruch gegen die Tendenz der Caprivi schen Politik von statten. Außer den Handelsverträgen sind wieder einige Fortschritte auf dem Gebiete der Sozialpolitik zu erwarten, auf dem Deutschland weiter die Führung behaupten wird. Ob der Plan einer Arbeitslosenversicherung wirklich besicht, läßt sich jezt nicht sagen es wird behauptet und wieder bestritten. Soviel ist jedenfalls sicher, daß dieses Projekt viele technische Gegner hat, die vor allem das eine Bedenken geltend machen, daß ein Fonds für Arbeitsloſe sich unter Umständen direkt unter der Hand verkrümeln fann, weil eine niedergehende Geschäftskonjunktur nicht bloß die Aufzehrung des Fonds bedingt, sondern weil in folchen Zeiten auch die Ergänzung des Fonds aus den Beiträgen eine sehr spärliche ist, es sei denn daß diese nicht fest bemessen werden, sondern je nach dem erfor derlichen Auswand beweglich bleiben. Auf alle Fälle wird hier nur eine vorberatende Vorlage zu erwarten sein. Dagegen ist die Umgestaltung der Seemannsordnung zwecks Anpassung an die neue Krankenkassengesetzgebung, das Problem der kaufmännischen Schiedsgerichte und die Novelle zum Versicherungsgesez, ferner auch eine Verbesserung des Urheberrechtes und ein neues Pensionsgesez zu erwarten. Mit einer gewissen Spannung hat man in Geschäftsfreisen auch dem Wahlergebnis entgegen gesehen, weil man glaubte, daß hiervon unter Umständen die Reform der Börsengesetzgebung abhängig gemacht werden könne. da jedoch der Wahlausfall die reformgegnerische Mehrheit nicht beseitigt hat, so ist auf diesem Gebiete keine große Initiative zu erwarten. Aber ohnehin ist auch die Zahl der Aufgaben groß genug, und sie sind vor allem für die Volkswohlfahrt so wichtig, wie kaum jemals zu00r. Zur Lage in Serbien. CB. Dem Serbenkönig Peter wird, selbst wenn er es nicht wollte, nichts übrig bleiben, als die Mörder des Königspaares zu bestrafen. Der russische Regierungsbote" beröffentlicht eine amtliche Note, in der König Peter zwar anarfannt, aber die Bestrafung der Mörder des Königs und der önigin ihm zur Pflicht gemacht wird. Es heißt in der Note u. a.: Indem die kaiserliche Regierung die Wahl des neuen Monarchen, des Nachkommen einer rühmivollen Dynastie befüßt und dem Oberhaupte des Rußland glaubensverwandten serbischen Volkes vollen Erfolg in seinem guten Beginnen wünscht, kann sie doch nicht umhin, die Zuversicht auszuprechen, daß König Peter es vermögen werde, Gerechtigkeit und festen Willen an den Tag zu legen, indem er allem oran Maßnahmen zur Untersuchung der verabscheuungswürdigen Missetat ergreift und die treubrüchigen Verbrecher, welche sich mit der Schmach des Königsmordes bedeckt haben, renger Strafe unterwirft. Angesichts dieses Ufas des Zaren wird der König mit der Einleitung der Untersuchung nicht zögern dürfen. Daß es auch in seinem Interesse liegt, wenn die Königsmörder nicht straflos ausgehen, liegt auf der Hand. Ein warnendes Grempel tut gerade bei diesen unruhigen Völkerschaften doppelt not. Wahrscheinlich verden sich aber die meisten Schuldigen der Vergeltung dich die Flucht entziehen. Mit der jerbischen Armee oder wenigstens den Offizieren wird der König es ja durch eine Verfolgung der Königsmörder eine Beit lang verderben; sie ist schon jetzt nicht mehr sehr gut auf ihn zu sprechen: die Offiziere beklagen sich über die Undankbarkeit Peters, weil dieser erklärt hat, daß die Offiziere die Armee auszubilden, nicht aber Könige zu morden hatten. Die Militärs sind auch der Ansicht, daß der Ton, den der neue König angenommen habe, viel zu autokratisch sei. Diese Aufsäßigkeit wird sich aber bald legen, wenn der König eine feste Hand zeigt und die Zügel der Disziplin_im Heere, die jetzt am Boden schleifen, nicht locker läßt. Die Deputation der Belgrader Skupschtina, die nach Gens unterwegs ist, um den König nach Belgrad zu geleiten, überbringt ihm einen Abdruck der abgeänderten Verfassung von 1888 zur Einsicht. Nach seinem für Mittwoch erwarteten Eintreffen in Belgrad wird der König in feierlicher Sitzung der Nationalversammlung die Verfassung unterzeichnen und den Eid leisten. Die Aenderungen der Verfassung werden nur in der Ersetzung des Namens der Dynastie Obrenovicz durch denjenigen der Dynastie Karagyorgievicz in dem bezüglichen Gesezartikel, sowie in der Modernisierung einzelner Bestimmungen anderer Geseze bestehen. Einer ausführlichen Schilderung der Ern. sedung des Königspaares, die unsere bisherige Darstellung bestätigt, entnehmen wir noch folgende Einzelheiten: Als die Offiziere nach anderthalbstündiger Durchsuchung des Konaks in das Schlafzimmer des Königspaares eindrangen, waren sie aufs höchste verblüfft. Das Königspaar war nicht da. Ratlos und schäumend vor Wut sahen sich die Offiziere schon um die Früchte ihrer Anstrengungen gebracht. Da hörte in dem ungeheuren Tumult ein Artilleriehauptmann plöglich eine weibliche Stimme. Es war die der Königin, die das draußen ſtehende Militär anrief, ihr und dem König um Gottesvillen Hilfe zit bringen. Die Stimme fam hinter einer Glastür her, die die Offiziere für ein Fenster gehalten hätten. Diese Glastür schied das Schlafzimmer Hon einem engen einfenstrigen Raume. In diesen drangen die Verschwörer jetzt ein, und nun endlich sahen sie das Königspaar vor sich. Die Königin war verstummt, sie sah ein, daß ihre Hilferufe zum Fenster hinaus vergeblich waren. Das Königspaar stand am Fenster und hielt sich fest umschlungen. Der König deckte mit seinem törper seine Gattin. Er rief den Verschwörern zu:„ Verzeiht mir alles, was ich getan." Gleich darauf sanken er und die Königin, von Schüssen getroffen, zu Boden." Eine andere Schilderung gibt einer der Verschworenen, Oberst Popowitsch. Nach seiner Darstellung blieben die Offiziere vor der Glastür stehen und riefen in das Gemach hinein: Alerander Obrenovicz, danke ab, unterschreibe die Urfunde, die wir in der Hand haben. Wir verpfänden unser Ehrenwort, daß dir und ihr nichts geschehen soll und daß ihr ruhig fortgehen könnt!" König Alexander antwortete: " Ich danke ab, aber die Urkunde unterschreibe ich nicht." Die Verschwörer riefen zurück: Alexander Obrenovicz, du hast fein Offiziersehrenwort mehr, du lägst, du hast uns mehr als hundertmal betrogen und dein Wort gebrochen. Wir fordern dich zum letzten Mal auf: Unterschreibe!" Der König wiederholte Wort für Wort, was er zuvor gesagt hatte. Da rauf gaben die Verschwörer eine Salve auf die Tapetentür ab, die, gleich einem Siebe, von den Revolverkugeln durchbohrt wurde, und erbrachen die Tür. Der König war bereits leblos, er hatte acht Kugeln im Leibe. Königin Draga hockte hinter ihm, schwer verwundet. Eine zweite Salve tötete sie. Der den ersten Schuß auf Alexander abgab, war ein Hauptmann Dimitriewitsch. Er riet den Mitverschwörern ab, sich mit der Abdankung des Königs zu begnügen:„ Machen wir ein Ende," sagte er;„ morgen sind wir verloren, wenn wirs nicht tun, und Desterreich wird uns den König, wenn wir ihn nur zur Abdanfung zwingen, wieder aufhalsen." Daraus schoß er, und die anderen folgten seinem Beispiel. Die ,, beldenmütige" ferbifche Armee! Der neue serbische König Peter preist in seiner Antwort auf den ihm durch den neuen Kriegsminister General Atanazkowitsch übermittelten Glückwunsch des Heeres seine heldenmütige Armee. Er werde sie als ihr König und Oberbefehlshaber stets auf ihrem Wege voranführen, den sein unsterblicher Großvater mit Ruhm bedeckt habe. Wie eine bittere Satire auf dieſe Worte des Königs nimmt sich eine Schilderung aus, die der berühmte engliſche Kriegsberichterstatter Bowes von der Tätigkeit der serbischen Armee im Feldzuge gegen die Türken 1876 entwirft. Während seiner fast vierzigjährigen Laufbahn als Kriegsberichterstatter- so erklärte Bowes einem Interwiewer habe er noch nirgends eine derartige Feigheit gesehen, wie bei der serbischen Armee.- ,, Was sagen Sie da?" rief der Besucher erstaunt ,,, Die Serben kämpften doch im Jahre 1876 Monate lang gegen die Türfen mit einer Zähigkeit..."" Nein! Ich wohnte mindestens 20 kämpfen bei; und jedesmal liefen die Serben davon wie Hasen."- Ja, aber wer schlug sich denn?"„ Es schlugen sich die aus russischen Offizieren und Soldaten zusammengesezten Cadres. Wenn alle Eerben geflohen wuren, sammelten sich vie Russeil von neuem und ſezten den Kampf fort." ,, Das ist wirklich merkwürdig. Waren denn so viele Russen in den serbischen Reichen?"- ,, Mehr als Sie glauben!... Tausende! Wenn in einer Kompagnie sieben oder acht Russen waren, marschierten die Eerben; aber wenn die Russen getötet waren, verschwand die Kompagnie wie Nebel vor der Sonne. Einmal wohnte ich einer höchst interessanten Episode bei. Ich marschierte eines Tages mit einer serbischen Truppenabteilung, die unter dem Befehl meines Freundes Kornilɔw ſtand. Kornilow ritt seinen Soldaten voran und ich befand mich neben ihm. Das serbische Bataillon war gut ausgerüstet; es rückt langsam gegen einen Hügel vor, auf dessen Gipfel man einen türkischen Vorposten zu finden hoffte. In der Tat glaubte ich plötzlich hinter dem Felsen einige Schatten von türkischen Soldaten zu erblicken. Ich teilte meine Befürchtungen sofort Kornilow mit. ,, Mein Lieber“, erwiderte er mir ,,, fürchten Sie nichts, denn es wird kein Kampf stattfinden." ,, Wie das!" sagte ich, die Türken sind doch dicht, vor uns?" ,, Schon gut", erwiderte Kornilow; aber beim ersten Flintenschuß wird mein ganzes Bataillon_ver= schwinden. Bleiben Eiz nur, wenn Sie eine schöne Flucht sehen wollen, dürfen Sie diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen." Die Leute verstanden nicht ein Wort von unserer Unterhaltung, da sie französisch geführt wurde. Nach und nach aber begannen sie immer langsamer zu marschieren und verlangten, daß man Halt machen sollte; Kornilow tat, als wenn er nichts hörte. Nun machten die Eerben traurige Gesichter und begannen fast flehentlich zu bitten: ,, Väterchen, du, der du vom großen Zaren geschickt bist, mußt gut sein, denn der große 3ar ist auch gut. Du mußt jedenfalls auch verheiratet sein, denn du bist ein schöner Mann; du wirst also auch schöne Kinder haben. Kennst da die Süßigkeiten des häuslichen Herdes? Das Leben ist so schön, während der Tod. Und wenn man tot ist, ist man es für immer! Sei barmherzig, Väterchen, laß uns nicht weiter gehen und das Leben nußlos aufs Spiel setzen!" Kornilow lachte; die Serben aber wußten nicht, daß dieses Lachen Verachtung ausdrücken sollte, und baten immer rührender. Plößlich knallt ein Flintenschuß: es ist eine türkische Schildwache! Ich bleibe stehen und suchte mit meinem Fernglas den Horizont zu erforschen; als ich dann das Glas von den Augen nahm und mich nach dem Bataillon umdrehte, sah ich dieses mit wilden Schreckensrufen in toller Flucht den Hügel hinanterlaufen. Zwei Minuten später war auf dem Plaze nur noch Kornilow mit etwa fünfzehn Russen und einem einzigen Serben, einem alten Hauptmann, der vor Schande und Wut zu weinen begann..." Nach dieser Erzählung lassen sich die Greueltaten der Schreckensnacht von Belgrad leichter erklären. Feigheit und Grausamkeit pflegen gewöhnlich Hand in Hand zu gehen. Die Politik. Das Ergebnis der Reichstagswahl liegt jetzt aus sämtlichen Wahlkreisen vor. In 184 Wahlkreisen ist eine Stichwahl erforderlich, in den übrigen sind gewählt 31 Konservative, 88 vom Centrum, 14 Polen, 6 Reichsparteiler, 54 Sozialdemokraten, 4 Wilde, 6 Elsässer, 5 Nationalliberale, 1 Däne, 1 Reformparteiler, 3 Bauernbündler. An den 185 Stichwahlen sind beteiligt 37 Konservative, 122 Sozialdemokraten, 24 von der Freisinnigen Volkspartei, 65 Nationalliberale, 11 von der Freiſinnigen Vereinigung, 4 Elsässer, 8 Polen, 16 Reichsparteiler, 1 vom Bund der Landwirte, 5 Antisemiten, 35 vom Centrum, 10 Wilde, 6 Bauernbündler, 8 von der Deutschen Volkspartei, 8 Welfen, 8 von der Reformpartei. Die Sozialdemokraten gewinnen bisher 14 Size und verlieren deren zwei, die Konservativen gewinnen 2 und verlieren 5, die Nationalliberalen gewinnen 2 und verlieren 6, das Centrum verliert 3 Eitze und gewinnt 1 Eiß, die Freisinnige Volkspartei verltert 7, die freisinnige Vereinigung verliert ebenfalls 7, die deutsche Volkspartei verliert 3 Eizze. Die Reformpartei büßt 3 Eiße ein, der Bund der Landwirte verliert 3 Size und gewinnt 1( Schwäbisch- Hall), die Welfen verlieren 2 Eiße, Bauernbund, Reichspartei, Antisemiten und Wilde fe einen Siß. Es fehlen noch 6 bayerische Wahlbezirke, ferner 3 aus Mecklenburg( Hagenow, Malchin, Rostock- Doberan), ferner Sachsen- Altenburg, LauterbachHessen und Zauch- Belzig. Diese Wahlkreise waren bisher vertreten durch insgesammt 4 Konservative, 5 Centrum, 1 Bauernbund, 1 Antisemit, 1 Sozialdemokrat. Podbielski bleibt! )( Mit dem Ausfall der Reichstagswahlen dürfte eine Meldung im Zusammenhang stehen, die jetzt die Runde durch die Presse macht. Der Landwirtschaftsminister v. Podbielski, dem fürzlich der Ausspruch in den Mund gelegt wurde: ,, Nach der Heuernte verduft' ick", hat sich eines andern besonnen und wird im Amte bleiben. Leute, die das Gras wachsen hören, wollen diesen Entschluß des Ministers mit der Möglichkeit eines valdigen Rücktritts des Grafen Bülow in Verbindung bringen. Bekanntlich galt Herr v. Podbielski lange Zeit und gilt noch heute als der fünfte deutsche Reichskanzler. Ein neuer Budde- Erlaß. ☐ Der preußische Eisenbahnminister, dessen verständiges Wirken auf sozialpolitischem Gebiet wir bereits mehrfach zustimmend erwähnen konnten, hat wieder einen neuen Beweis von seinem Verständnis für die sozialen Aufgaben der Staatsverwaltung gegeben. Er hat, wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter uns schreibt, eine Verfügung erlassen, wonach den städtischen Arbeitern der Staatseisenbahnverwaltung ebenso, wie bisher schon für den Kirchenbesuch, so auch freie Fahrt in 3. Wagenklasse für den Schulbesuch ihrer Kinder und für den Einkauf von Lebensbedürfnissen versuchsweise gewährt werden kann. Das Entgegenkommen des Ministers gegen die ihm unterstellten Arbeiter wird allseitig Anerkennung finden. Lokales. Gießen, 19. Juni 1903. *** Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums der Justiz vom 16. Juni d. Is. wurde der Gerichtsacceſsiſt August Seibert in Gießen zum Gerichtsassessor ernannt. * Sturz vom Pferde. Gestern vormittag ging dem Oberleutnant R. von den 168ern in Bußbach das Pferd durch. Vor der veterinär- medizinischen Klinit stürzte er zu Boden und zog sich mehrere Verlegungen zu. In der chirurgischen Klinik wurde dem Verletzten ein Verband angelegt. P. Sonntagsruhe der Postbeamten. Während im Geschäftsverkehr die Sonntagsruhe mehr und mehr an Ausdehnung gewinnt, hat es noch nicht gelingen wollen, auch den Post- und Eisenhahnbeamten überall eine aus reichende Ruhezeit zu verschaffen. Die hiesigen Postunterbeamten sind, wie wir hören, ebenfalls noch nicht in dem von der Behörde angestrebten Umfange in den Genuß der Sonntagsruhe gelangt, weil es an geeigneten Bersonen zu ihrer Vertretung fehlt. Vielleicht geben diese Zeilen Veranlassung, daß sich solche Personen beim Bostamt I melden. ** Zweites Abonnements Konzert. Der gestrige Abend zeigte Steins Garten wieder im Hellen Lichter-| tetfte Raubmörder Detrois, ein taum den Knabenschuhen glanz; das dritte Konzert in dieser Woche fand statt. Wäh entwachsener Bursche, hat erst drei Wochen vor der Tat rend die beiden ersten Konzerte uns der welt- sein 18. Lebensjahr überschritten, so daß ihn die ganze bekannte Strauß brachte, konzertierte gestern unsere Regtments- Scheere des Gesezes, ohne Berücksichtigung seiner Jugend fapelle wiederum vor einem zahlreichen Publikum. Daß aber trifft; hätte er die Tat drei Wochen früher vollbracht, also drei Konzerte in einer Woche doch ein wenig zu viel ift, vor dem 18. Lebensjahre, wäre er mit einer Freiheitsstrafe ließ sich am Besuch konstatieren, der allerdings immerhin von 8-15 Jahren weggekommen. Nach dem Morde und zahlreich genug war, um das bekannte, durch die hellen der Beraubung seiner Tante, trieb der junge Mörder, das Damentoiletten äußerst ansprechende und belebte Bild her. Geld verjubelnd, sich mit Dirnen in Saarbrücken, Frankfurt, vorzurufen. Leider wurde es gegen 10 Uhr zum Sißen Mainz, Köln 2c. umher, und streute das Geld mit vollen ein wenig zu falt, sodaß der Stoff" der Herren Trescher Händen aus. Eine Beugin sagt aus: Sie hat den Angeund Schrödel nicht wie sonst mundete. Die Kapelle er- flagten in St. Johann fennen gelernt. Sie hat ein Glas ledigte ihre Aufgabe in bekannter Schneidigkeit und sah sich Wein mit ihm getrunken und ist später mit ihm und einer infolge des reichen Beifalls zu mehreren Zugaben veranlaßt. Freundin ins Café gegangen. Die Nacht verbrachten die Wir machen noch darauf aufmerksam, daß Abonnementskarten drei zusammen. Sie erhielt zehn Mart. Detroit nannte an der Kasse stets zu haben sind. sich Rudolf Sturm, Bahntechniker aus Montigny. Nach einigen Tagen trafen die beiden Dirnen den Detrois auf der Bahnhofstraße in St. Johann. Sie gingen ins Café Schwarz und abends ins Apollotheater und während der Nacht ins Hotel Adler". Zeugin erhielt von Detroit Hut, Rock und Bluse. Beide Mädchen fuhren mit Detrois nach Köln, wo sie drei Tage blieben. Während des Tages wurden Wagenfahrten gemacht und abends ins Theater gegangen. In ähnlicher Weise hat der Mörder es noch in anderen Städten getrieben, bis er in Frankfurt verhaftet wurde. ** Schul- Ausflüge wurden gestern von einzelnen Klassen des Realgymnasiums und der Ober- Realschule unternommen. Einen dreitägigen Ausflug an den Rhein, von Mainz bis Koblenz trat die Ober- Prima gestern_morgen uter Führung des Herrn Prof. Dr. Strack an, Samstag abend kehren die Ausflügler zurück. Eine zweitägige Tour machte die Uater- Prima unter Führung des Herrn Prof. Dr. Holzmann von Koblenz nach Köln, letztere traten ihren Ausflug am Mittwoch morgen an und kehrten gestern abend zurück. Die übrigen Klassen machten eintägige Ausflüge und kehrten sämtlich gestern abend zurück. Die Ober- Sekunda der Ober- Realschule, unter Führung des Herrn Oberlehrer Dietrich, und die Ober- Sekunda des Realgymnasiums, unter Führung des Herrn Prof. Dr. Sturmfels nach Bad Nassau durchs Lahntal. Die Untersekunda der Ober- Realschule machte ihren Ausflug nach Herborn, unter Führung des Herrn Professor Hetterich während die Unter- Sekunda des Realgymnasiums ihren Ausflug nach der Saalburg unternahm; die Führung hatte Herr Prof. Schaumann. Die Ober- Tertia der Realschule war nach der Amöneburg unter Führung des Heren Dr. Dittmar und die Ober- Tertia des Realgymnasiums unter Führung des Herrn Prof. Dr. Collin machten von Greifenstein nach Braunfels. Heute ist in den Klassen die Tätgkeit wieder aufgenommen bis auf die OberPrima die morgen abend erst wieder zurückkehrt. Mainz, 18. Juni. Der gestern zum Tode verurAlten- Buseck, 19. Juni. Bei frischer Tat ertappt wurde die Frau des Schneiders G., welche aus der Ladenfasse des Konsums sich bereicherte * ** Krofdorf, 17. Juni. Bei einem verendeten Schwein des Ph. Amend ist die Schweinefeuche amtlich festgestellt und über das Gehöft die Sperre verhängt. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Sabbathfeier am 20. Juni 1903. Freitag Abend 8. Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 935 Uhr. Wochen jottesdienst: Morgens 6 Uhr. Abends 8 Uhr. Städtisches Schlachthaus. Ochsenfleisch 50, Kubfleisch 45 Pfg. Hente und Morgen. Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruckeret, für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. B mit hand feine reid ftarter F Söper m Coper, P Wähler des 1. Hess. Reichstagswahlkreises! - Wir haben eine ehrenvolle Niederlage erlitten! Hunderten von socialdemokratischen und liberalen Versammlungen standen nur 4 Bauernbündlerische und 2 Versammlungen des Bundes der Landwirte entgegen und nur in einer socialdemokratischen und in zwei liberalen Wahlversammlungen wurde den Gegnern von unseren Freunden erwidert. Dennoch rückten die Bauernbataillone zielbewußt und geschlossen heran, um Hunderte ihre Stimmenzahl vermehrend, aber nur dem Umstande, daß die Gießener Libe= ralen mit wahrer Berserkerwut in der Stadt Gießen vorgingen, gelang es, unseren Candidaten aus dem Felde zu schlagen! Es gelang ihnen das aber auch nur darum, weil unser Candidat, der Abgeordnete Köhler- Langsdorf, durch langwierige Krankheit verhindert war, selbst sich am Wahlkampf zu beteiligen, und der Abg. Hirschel zumeist in anderen Kreisen agitirte. - Wen wollen wir nun in der Stichwahl wählen: Wir schlagen Ihnen vor, Keinen von Beiden! Strengste Wahlenthaltung fei unsere Parole! Denn einen Sozialdemokraten wählt kein patriotischer Mann, und für den Liberalen einzutreten, dessen Gefolgschaft in Gemeinheiten und Gehässigkeiten gegen uns und unseren Kandidaten das Aeußerste sich leistete, das verbietet uns unsere Ehre! Mögen sich die Beiden einander warm halten, sie sind einander würdig! Gießen, den 19. Juni 1903. Ans Auß Abgo feine Jo fchwere la Gerf schwere reinlein. 1000 130X1 Mt. 2. aug aus [ 1820] Der Wahlausschuß der deutsch- socialen Reformpartei. Ein junger, durch seine Mitarbeit an der„ Deutschen Volkswacht" bekannter Bauer aus der Gegend von Grünberg sendet mir heute eine Anzahl ihm anläßlich meiner Nichtwahl zugegangener gemeiner Karten und Unfläthigkeiten und schreibt mir dazu folgendes: - Nach der schmutzigen, gemeinen und gehässigen Kampfesweise dieser übergebildeten Städter gegen uns Bauern bitte ich Sie, sofort eine Parteifundgebung wenn Sie noch einen Funken Ehrgefühl im Leibe haben zu veranlassen, um alle diejenigen, welche es nicht vor- tehen, am Stichwahltag daheim zu bleiben, aufzufordern, für Krumm zu stimmen. ,, Keine Stimme für Heyligenstaedt. " ,, Keine Geldproßen und Advokatenherrschaft!" Ich veröffentliche diesen Brief darum, um den verehrten Herren Liberalen in Gießen zu zeigen, wohin es fommen muß, wenn sie fortfahren, dem Bestreben der Bauernschaft um Echaltung ihres Standes bitterste Feindschaft, Gehässigkeiten und Gemeinheiten entgegenzustellen: doch nur zur Stärkung der Sozialdemokratie! Wollen Ste, meine Herren Liberaleu, dieselben? Ich bedaure diese Stärkung im Interesse unseres Volkes und unseres Vaterlandes, aber hindern kann ich sie nicht. Doch bemerke ich, daß diese Veröffentlichung nicht unsere Stichwahlparole, sondern vorerst nur ein Stimmungsbild sein soll. [ 1821] Langsdorf, den 18. Juni 1903. Ph. Köhler, Langsdorf. 200 250 100 O Anabenfchuhen bor der Lat ihn die ganze feiner Jugend vollbracht, also Freiheitsstrafe m Morde und Mörder, das den, Frankfurt, eld mit bollen hat den Ange hat ein Glas ihm und einer berbrachten die Detroit nannte ontigny. Nad Detrois auf der gen ins Café während der Detroit Hut, t Detrois nach Lages wurden ater gegangen. in anderen tet wurde. Tat ertappt us der Ladenndeten Schwein lich festgestellt gesellschaft GROSSER Inventur- Ausverkauf zu ganz enorm billigen Preisen. Taghemden mit handgesticktem Koller Damen- Wäsche. Besonders beachtenswert: ca. 40 Dtzd. Taghemden Nachthemden Beinkleider feinfädige Stoffe mit breitem Handfeston- Volant prima Stoffe 1.90 Mf. " f feiner Stickerei 2.60 mit Stickeret- Volant " reichem Madeira- Koller. 2.90 " mit la. Handfefton, aus starkem Cretonne Stück 1.90 Mart. " Stickerei und Umlegekragen 3.50 Mt. 4." r. bends 8 Uhr. starfer Flock- Piqué. Cöper mit farbiger Stickerci and Morgen. uderet, Gießen. Beinkleider 1.45 Mt. 2. mit breiter Stickerei- Volant.. . " do. 1.90 Mt. 2.25 Cöper, Piqué und Satin mit reicher " Serie I Mt. 2.Serte II Serie III Mt. 2.25 Mf. 2.75 Stickerei 2.75 do. englisches Façon 2.85 " " Zu obigen Preisen nie mehr zu haben. 3. mittag 8 Uhr. 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