Nr. 164, Wernement& prets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Vf.. we Saus gebracht 60 Bfg., burch die Poft bezogen viertel fahrlich Mr. 1.50. Gratiebellagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberbeffiche Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Bestenbek, fowie bie Cebenor Coffexblafen( bentlich). Das ist wichst an allen tagen naitas. Donnerstag, den 16. Juli 1903. Gießener 12. Jnsertion pret: Die einfaltige Bettelle ganz Oberbeffen, die Kreise Weglar und Warbu sonst 15 Vfg.: Reklamen die Betttjeile 30 refp. Bostzeitungsliste No. 3000. Rebattion und Expedition: Gießen Neng Ferefprechaudin As, S. 28. Neuelle Nachrichten ( diefoner Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Sichener Beitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Im Schatten des Todes. Rom, 15. Juli. In Damasohofe, wo auf Erlaubnis Rampollas die Journalisten sich aufhalten dürfen, herrscht banges SchweiJen. Aller Blicke richten sich nach dem Fenster dort oben, wo die Schatten des Todes die Dulderstirn des greisen Kranken umziehen. Es flingt kein lautes Wort, die feierliche Stille wird nur ab und zu durch das Klirren der Waffen eines der Gendarmen unterbrochen, die auf dem weiten Hof Wache halten. Man weiß, der Zustand des Papstes schließt die Genesung aus. Und doch? Sollte nicht ein Wunder möglich sein, nachdem er solange der schweren Krankheit Troß geboten? Auch der ruhigste, objektivste Beurteiler wird schließlich von der Atmosphäre wundergläubiger Hoffnung angesteckt, die sich nach der letzten unverhofften Verlängerung des päpstlichen Lebens, das schon abgeschlossen schien, von neuem im römischen Volk breitmacht, das sich wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm an jede kleine, ach, nur zu schnell wieder weichende Beſſe. cung flammert. Der Aerztestreit. Das Harren auf Nachricht aus den Gemächern des Papstes vertreibt man sich mit Diskussionen über den Streit cer Aerzte. Caldarelli, der bekannte große italienische Kliniker, hat die Absicht, in einer wissenschaftlichen Zeitschrift darzutun, daß Lapponi und Mazzoni den Papst gänzlich falsch behandelt haben. Dagegen nimmt Baccelli, der an Ruhm Caldarelli nicht nachsteht, die Angegriffenen ener gisch in Schutz. Lapponi und Mazzoni ihrerseits wieder verwahren sich gründlich gegen die falschen Darstellungen der Presse über ihre Diagnose und ihre Behandlungsweise. Unter anderem erklären sie die Meldungen von der Analyse des dem Papste entzogenen Eiterferums für glatt erf..nden. Sie hätten über ihren efund zu niemand etwas verlauten lassen. Inzwischen fahren sie fort, die sich im Brustfell des Papstes sammelnde Flüssigkeit von Zeit zu Zeit mit einer großen Pravatz- Spritze, die etwa 100 Gramm faßt, zu entfernen. Der Papst empfindet dabei keinerlei Schmerz. Ritter Pio Centro. Im Mittelpunkt des Interesses steht der getreue Kammerdiener des Papstes, Cavaliere Pio Centro, dessen scharfmarkierte Silhouette sich ab und zu am Fenster des päpstlichen Schlafgemaches zeigt. Er ist, außer Rampolla und den Aerzien, der einzige, der etwas Genaueres über den Zustand Leos XIII. sagen fönnte, aber er verläßt seihen Herrn auch nicht eine Sekunde. Die ständigen Nachtnachen haben ihn, dessen kräftige Natur ihm den Beinamen Il Robusto ini Vatikan erworben hatte, doch stark mitjenommen. Centro genießt das volle Vertrauen des Paptes, der ihn stets an sein Bett winkt, falls er irgend einen Wunsch hat. Die letzte Nacht soll er ihn oft ger:: sen und Die Lippen bewegt haben, als ob er ihm etwas sagen wollte, 3 dann aber nicht ausdrücken konnte. Wer den KammerDiener nicht als solchen fennt, würde ihn, wenn er früh norgens heute geschah es erst um 8 Uhr die Fenster des päpstlichen Schlafgemachs öffnet, für einen Prälaten jalten, solch salbungsvollen Ausdruck trägt sein glatt rasieres Gesicht. Centro muß stets seine„ Autorität" beim Papst geltend machen, wenn es den Aerzten einmal nicht gelingt, ihn zum Einnehmen von Arzneien zu veranlassen. Centro erreichte alles mit Leichtigkeit durch einen einzigen Blick oder wenn es sein mußte durch sanfte Gewalt, die natürlich mit dem nötigen Respeft zur Anwendung gelangte. Zwischen Vatikan und Quirinal sind die Beziehungen momentan die denkbar besten. Die italienische Regierung hat ihre Bereitwilligkeit zu ertennen gegeven, beim etnigen Zusammentritt eines Konilave die volie Garantie für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Sicherheit zu stellen. Das Entgeger.commen beiderseits geht so weit, daß, wie verlautet, Kardinal Oreglia ernstlich erwogen hat, das Konilave eventuell in Sankt Peter abzuhalten, wozu es unbedingt nötig wäre, vom Vatikan aus föniglich italienisches Gebiet zu überschreiten. Ebenso wird fest versichert, daß die Regierung im Falle des Ablebens Reos XIII. für ihn eine Trauer anordnen, die öffentlichen Bebäude flaggen und den üblichen Salut abgeben lassen verde. Viel besprochen wird auch in politischen Kreisen eine Nase, die der französische Cesandte Nisard von Paris aus rhalten haben soll. Präsident Loubet findet, daß Herr Nisard eine allzu geräuschvolle Tätigkeit entfaltet. Die in italienis en Blättern aufgetauchte Nachricht, Kaiser Wilhelm habe durch einen Flügela Sjutanten dem Papst Leo ct faiserliches Handschreiben und cinigen Kardinälen, darunter den Kardinal Steinhuber, Briefe überreichen lassen, wird offiziös dementiert. Yankee- Dreiftigkeiten. RK. Die Venezuelaaffäre scheint zu einer völligen Revo lutionierung des diplomatischen Herkommens führen zu sollen. Und die Mankees sind es, die diese Revolution vor. zunehmen sich berufen halten. Erst führte Herr Bowen als Mittelsmann zwischen Venezuela und den Mächten eine Art Hemdsärmeldiplomatie ein, die die gesamte Diplomatenwelt baß in Staunen setzte, und jetzt kommt Herr Hay, der Washingtoner Staatssekretär des Aeußeren, und macht einen noch undiplomatischeren Coup: Er hat, ohne die Mächte zu befragen, ob sie etwas dawider hätten, einfach den Zaver ersucht, drei Mitglieder des ſtändigen Ausschusses des Haager Schiedsgerichts auszuwählen zur Regelung von aus Entschädigungsforderungen an Venezuela bezüglichen Fragen. In dem unter amerikanischem Beistand ab. geschlossenen Abkommen zwischen Venezuela und der Mächten war nirgends davon die Rede, daß ein fremder Herrscher die Schiedsrichter auswählen solle, auch war den Yankees keineswegs die Befugnis cingeräumt, irgend jemand wegen Bestimmung der Schiedsrichter anzugehen. Treist und gottesfürchtig, wie sie sind, haben sie sich dieses Recht einfach angemaßt. Worum? Weil sie dabei ihr Schäfchen zu scheren hoffen. Das ergibt sich aus den Nommentaren, mit denen die Washingtoner Presse diesen Schritt Hays begleitet. Die Blätter sprechen die Hoffnung aus, der Zar werde sich dadurch geschmeichelt fühlen und freiwillig eine Erklärung bezüglich der Mandschurei und Kischinewe machen. Die Kischinewgeschichte liegt den Yankees nämlich schwer im Magen. Rußland hat kategorisch erklärt, es nehme die in Amerika zustande gekommene Protestresolution: gegen die Rischinewer Vorgänge nicht an, falls das Washingtoner Rabinett sie, wie es angekündigt hatte, offiziell Rußland iberreichen wolle. Mit Rußland sich schlecht zu stellen, jaben die Amerikaner ebensowenig Veranlassung, wie sie ein Interesse daran haben, ihr Ansehen durch eine Zurückweisung der amerikanischen Resolution gemindert zu sehen. Ihr Hoffnung der Zar werde die Resolution nicht erst abwarten, ondern vorher schon freiwillig eine zufriedenstellende Er lärung über die Kiſchinewer Greuel abgeben, ist freilic nehr als naiv. Einzelne flügere Politiker sehen das bereits in. Und um die Union aus der Klemme zu befreien, in > ie sie mit ihrer Ankündigung der Neberreichung der Resoution und durch Rußlands Ablehnung der Entgegennahme eines solchen Protestes geraten ist, suchen diese Politiker etzt einen Rückzugsweg für das Kabinett zu bahnen, auf em es sich mit guter Art aus der Affäre ziehen fann. Sie erbreiten, es werde überhaupt nicht erst der Versuch gemacht verden, diese Protestresolution an die russische Regierung ibzuschicken; die Resolution habe in erster Linie bezweckt, Jünftigen Eindruck auf die jüdischen Wähler in den Ver inigten Staaten zu machen. Dieser Zwed sei erreicht, und a Rußland neuerdings wieder eine nochmalige streng Intersuchung der Kischinewer Metzeleien vornehme, sei d. leberreichung der Resolution vollends übrig. Dieses Zurückweichen ist zweifellos das Klügste, we Die Amerikaner tun können. Denn Rußland würde sia icherlich nicht nur mit der Ablehnung der Protestresolution escheiden, sondern den Yankees noch eine gepfefferte Ant vort geben und sie darauf hinweisen, daß sie zunächst Ver inlassung haben, vor der eigenen Tür zu fehren. Wird och nach den vielen Lynchmordmeldungen der letzten Zeit ben jetzt wieder bekannt, daß im Orte Devon( West- Virinia) ein Neger wegen eines Angriffs auf eine Weiße buch täblich zu Tode gemartert worden ist. Er wurde förmlich n Stücke gehackt, Zunge und Herz wurden ihm ausgerissen, Zehen und Finger wurden ihm abgehackt, rnd Fezzen seiner Haut wurden unter den Lynchern als„ Andenien" verteilt. Sein Leichnam wurde schließlich mit Wachs übergossen und erbrannt. Und diese Lynchgreuel sind noch nicht einmal das chlimmste, was auf das Schuldkonto der von Humanität so iberfließenden Yankees zu setzen ist: Es hat sich jetzt herausJestellt, daß unter dem Sternenbanner die Negersklaverei n den Südstaaten munter fortbesteht! Als die Sache ruch. jar wurde, sandten die Behörden eine Kommission zur Untersuchung der Anklagen nach den Südstaaten. Diese Rommission hat in zwei Bezirken Alabamas bisher bereits 99 Fälle von Sklaverei festgestellt. Die Neger wurden aus alsche Beschuldigungen hin zu Geldstrafen verurteilt. Do ie diese nicht bezahlen konnten, erfolgte ihre Verurteilung zu Zwangsarbeit. Ihre Arbeitsleistung wurde dann meist bietend versteigert, und es wurden selten weniger als 20 Dollar, oft aber über 50 Dollar geboten, während die Geld strafen nur 5 Dollar betrugen. Den Unterschied zwischen der Höhe der Geldstrafe und dem Höchstgebot teilten sich die Beamten. Die Versteigerer preßten die Steger ungehinder bis aufs Blut aus; dabei waren die Neger völlig rechtlo Die Plantagen- Aufseher sind mit Revolvern bewaffnet Bluthunde verhindern die Flucht. Es ist erwiesen, das Neger zu Tode gepeitscht wurden, ohne daß ein Hahn danad frähte. Unter diesen Umständen hat Amerita gar kein Veranlassung, den Sittenrichter und den internationaler Anwalt der Menschenrechte zu spielen. Wer es mit der Amerikanern chrlich meint, der wird ihnen angesichts ihre vielen Dreistigkeiten und Uebergriffe in jüngster Zei inahnend das Wort Goethes zurufen: ,, Sehe jeder, wo er bleibe, Sehe jeder, wie er's treibe. Und wer steht, daß er nicht falle..." Die Politik. 58% Millionen Reichsdeutsche. Das„ Statistische Jahrbuch des deutschen Reiches für 1903", das soeben erschienen ist, bringt u. a. recht inter essante Angaben über die gegenwärtige Bevölkerung de Deutschen Reichs. Die Seelenzahl der Reichsdeutschen wiri nach dem Stande vom Juni d. I. auf 58 549 000 Personer Jeschätzt. Für Mitte 1902 war sie auf 57 708 000 und fü Mitte 1901 auf 56 862 000 Personen angenommen. Da nach hat seit einent Jahre eine Bevölkerungszunahme um 341 000 oder 1,46 pet. stattgefunden, während die Zunahme von 1901 zu 1902 846 000 oder 1,49 pCt. betragen hatte. Bei der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1900 ist eine Einwohnerzahl von 56 317 178 Röpfen festJestellt, so daß in den verflossenen 2½ Jahren eine Beölkerungszunahme um 2,18 Millionen stattgefunden hat. In zehn Jahren hat sich die Bevölkerung des Reichs uni 7,8 Millionen, in zwanzig Jahren um 12,5 Millionen und eit der Errichtung des Deutschen Reichs um 17,5 Millionen Köpfe vermehrt. Die sächsische Landtagswahlreform gesichert. Der sozialdemokratische Wahlsieg in Sachsen, dessen Ursachen nach allgemeiner Ueberzeugung in der Unzufriedenheit weiter Volfskreise mit dem sächsischen Landtagswahlrecht liegen, hat die Dresdener Regierung veranlaßt, schleunigst der Reform des Landtagswahlrechts näher zu treten. In den sächsischen Regierungsblättern findet sich eine Erklärung des Ministeriums, die besagt: Die Regierung habe sich überzeugt, daß das jezige Wahlrecht den Einfluß der in der dritten Wahlklasse gewählten Wahlmänner aus die Wahl der Abgeordneten auf ein den Grundjäßen der Gerechtigkeit nicht entsprechendes Maß herabdrücke. Sie habe daher die Reform des Landtagswahlrechts ernstlich ins Auge gefaßt. Angesichts der außerordentlichen Schwierigkeiten der Sache gedenke sie sich des Beirates einer Ende August oder Anfang September einzuberufenden Verſammlung zu bedienen, an der auf diesem Gebiet besonders erfahrene Mitglieder beider Ständekammern teilnehmen sollen. In Sachsen wird man dieses Vorgehen des Kabinette in allen nationalen Kreisen willkommen heißen. Franen an der Wahlurne. In Australien sind bekanntlich seit einiger Zeit auc die Frauen wahiberechtigt zum Parlament des australischen Staatenbundes. Es handelt sich um 850 000 Frauen, die wahlberechtigt sind, und die Führerinnen der Frauen im Fleinsten Erdteil sind eifrig an der Arbeit, die weibliche Wählerschaft zu bearbeiten. Das Wahlprogramm, das sie ufgestellt haben, enthält neben der Forderung völliger gejeglicher Gleichberechtigung von Mann und Frau auch die, daß die Aemter des Staatenbundes zu den gleichen BeDingungen und mit den gleichen Gehältern für Männer und Frauen offen sein sollen. Lediglich das Verdienst und die Brauchbarkeit sollen bei Ernenmungen zu Staatsstellen auschlaggebend sein. Daneben verlangt das Programm der Frauen die Einrichtung von Schiedsgerichten zwischen Arbeitjebern und Arbeitern, ferner sollen zur Förderung des internationalen Friedens das Landheer und die Marine lediglich zu Defensivzwecken organisiert werden und ein Freiwilligenjeer den Vorzug vor regulären Truppen erhalten. Wenn die Frauen bei den Wahlen Erfolg haben, wird die Welt vielleicht bald das Schauspiel haben, weibliche Minister in Australien am Ruder zu sehen. Russische Grenzbarrikaden. Eine Art chinesischer Mauer gedenkt Rußland um di Grenzen des Riesenreiches aufzuführen. Zwar feine au Quadersteinen und mit Türmen und Zinnen, aber eine au Eisen: Rußland läßt nämlich jetzt seine Landesgrenzen, so auch die unserige, durch St a cheldrahtzäune ab. sperren, um das Ueberschreiten der Grenze auf verbotenem Wege zu verhindern. Ob's viel helfen wird? Für Schmuggler werden die Stacheldrahtzäune kein Hindernis bilden. Die nenè französisaje Infanterie- Uniform. Bei der Truppenrevue, die aus Anlaß des franzö sischen Nationalfestes bei Longchamps stattfand, sah man auch die neue französische Infanterieuniform zum ersten Male. Sie besteht aus weiten, dunkelblauen Blusen mit glanzlosen Hornknöpfen, ebenfalls dunkelblauen und weiten, an den Knöcheln zusammengebundenen Hosen und einen Burenhut. Den Franzosen gefällt die neue Uniform, mi der zunächst nur eine Kompagnie bekleidet war, ganz und gar nicht. Chinesische Sozialdemokraten. Die sozialdemokratische Bewegung macht jezt aud in China Fortschritte. Lenng- Kai- Kiu, ein chinesischer Ge lehrter, hat„ Das Kapital" von Karl Mary ins Chinesisch übersetzt. Lenng gibt in China ein sozialistisches Blat heraus, das in einer Auflage von 30 000 Gyemplaren er scheint. Die japanischen Genossen" helfen fleißig bei de prepagonda der sozialistischen Ideen unter den Getreuen des Confucius. " Ich bezweifle es," versette Mirius. " Doch, wie ge- wenn Mirius gegangen war, nahm die Fürstin ihre Bernсасбо um die Sügelchen amife Wie eine Wette gewonnen wurde. Nachforschungen anzustellen, und wir festen unsere Reise alte Geschwindigkeit err Kurze politische Nachrichten. In einer Unterredung mit einem Journalisten erklärt der amerikanische Botschafter in Berlin, wenn Kaiser Wilhelm einen Besuch in Amerika abstatten wollte, wür den alle Amerikaner von ihm hingerissen sein; er sei ein warmherziger aufgeklärter Mann, und demokratisch in einem Grade, wovon niemand eine Vorstellung habe. ** Die von einem sozialdemokratischen Blatte mitgeteilt angebliche Aeußerung des Kaisers, man müsse den Kamp gegen die Sozialdemokratie mit Feuer und Schwert" führen, wird mit allen Zutaten offiziös als plumpe Erfindung gekennzeichnet. * Zur Heeres- und Flottenergänzung werden im Jahre 1903 in Rußland nicht weniger als 320 732 Mann zuni aktiven Dienst einberufen. * Bei der Einnahme von Tazza durch die Truppen des Sultans von Marokko soll eine ungeheure Zahl von Anhängern Bu Hamaras getötet und gefangen worden sein. Hof und Gesellschaft. Der Kaiser besichtigte in Bergen nach einem Früh. stück beim deutschen Konsul Mohr die Fantoft- Kirche. Dem Hafenbogt versen verlieh der Monarch den preußischen Kronen- Orden. Die Kaiserin wurde bei ihrer Anfunft in Cadinen, wohin sie sich, wie gemeldet, mit den Prinzen Oskar und August Wilhelm von Kiel aus begeben hat, vom Prinzen Joachim, der Prinzessin Luise und dem Landrat v. Cydorf empfangen. Nachmittags machte die kaiserliche Familie einen Ausflug nach Kahlberg. Der„ Kaifer der Sabara". [ Neuartige Automaten] sind auf den Bahnhöfen Londoner Untergrundbahn aufgestellt worden. Ein Aut mat verhilft Kurzsichtigen gegen einen Benny zu der Kennt nis der für sie passenden Brillennummern. Nach Einwurs des Penny werden unter Mithilfe des Kurzsichtigen durch Pedaltritte und Kurbeldrehungen vor dessen Auge allmäh. lich Schriftterte in steigender und abfallender Größe sicht. bar. Erscheint der Text in einer dem Benützer leicht ent. zifferbaren Größe, so stoppt" er den Apparat und notier! die darunter befindliche rote Nummer, die dem Grade sei. ner Kurzsichtigkeit angemessen ist. Selbstverständlich hängt am Automaten für Kurzsichtige ein Papierblock mit der Adresse des ingenieusen Optikers, der den Apparat aufge stellt hat. Ueberaus praktisch sind die Taschentuch- Automaten, Apparate, die für den Einwurfpenny ein sauber mit einem Goldfaden gebundenes Taschentuch abgeben; für 2 Penny erhält man auf automatischem Wege ein höchst bornehm gefaßtes Taschentuch. Diese Apparate werden start in Anspruch genommen, da die wohl allerwärts fatale ,, Taschentuch- Vergeßlichkeit", zumal in London wegen der großen Entfernungen zwischen Haus und Bureau besonders peinliche Folaen nach sich zieht. Frankreich kann jubeln: Es hat noch große Männer, und zwar dort, wo man sie am wenigsten vermuten kann: unter den jungen Nichtstuern, die das Pflaster der Pariser Boulevards treten. Einer der bekanntesten Pariser Lebemänner, der junge Millionär Lebaudy, tritt in die Fußtapfen der großen Kolonisatoren und Konquistadoren: Er hat den kühnen Plan gefaßt, ein Kaiserreich in der Sahara zu gründen. * Vom Unwetter im Rheinland wird weiter gemeldet daß strichweise Hagelförner in der Größe von Tauben- und Hühnereiern gefallen sind und in solcher Menge, daß dic Erde fausthoch besät war. Wo die Eisschlossen hintrafen ist alles an den Bäumen wie abgehackt. Die Gewächse und die Frucht auf den Feldern liegen darnieder. Das Wassei stromte förmlich aus den Tälern zum Rhein und überflutete die Eisenbahnschienen. Das abgeschlagene Obst( Nüsse, Aepfel u. 1. w.) liegt massenhaft auf den Feldern. A[ 2000 Franken für ein Fünffranken- Stüd] wurden vor einigen Tagen in einem Pariser Boulevard- Café ge zahlt. Die so teuer verkaufte Silbermünze trägt das Bild nis Louis Napoleons und hat eine besondere Geschichte. Eines der ersten Dekrete, die dem Staatsstreich vom 2. De zember 1851 folgten, betraf die Einführung einer neuen Geldmünze, die mit dem Bilde des Prinz- Präsidenten ge schmückt sein sollte. Eine Probemünze wurde Napoleon vor gelegt, aber er war damals so beschäftigt, daß er sie anzu sehen vergaß und sie achtlos auf einen Kamin legte. Schließ lich nahm er die Münze aber doch in die Hände, prüft sie sorgfältig und nahm Anstoß an einer geringelten Stirn locke, die ihm der Graveur, angedichtet" hatte. Es wurd der Befehl gegeben, die Gravure" sofort zu ändern, abei als der Befehl in die Münze gelangte, hatte man dort be reits sein langes Schweigen für Gutheißung der Probe münze genommen und mit der Prägung der Stücke begon nen. Die Prägung wurde sofort unterbrochen, aber e waren doch schon 23 Fünffranken- Stücke fertig, und diese 23 wurden später von Münzensammlern sehr gesucht und gut bezahlt. Vor mehreren Jahren brachten einige dieser so genannten 5 Franken mit der Stirnlocke" bei einer öffent lichen Versteigerung je 240 Franken, und jetzt ist, wie ge sagt, eine der Münzen für 2000 Franken verkauft worden * Entflohene Büßerinnen. Aus der Straferziehungs. anstalt Magdalenenstift in Teltow entflohen nach wüster Auftritten zwanzig der jugendlichen Insassinnen, die dort wegen sittlicher Verfehlungen eingeschlossen sind, um ge bessert zu werden. Den unbußfertigen Magdalenen war die Arbeit zu hart und das Essen zu schlecht. Sie zogen e daher vor, zu den Fleischtöpfen Berlins und in die Arm der respektiven Liebhaber zurückzufahren. Die Freude hat bei den meisten nicht lange gewährt. Der größte Teil der Entflohenen wurde na chkurzer Zeit wieder eingefangen. Eine unerwartete Begnadigung ist dem, wie erinner lich, vor kurzem zum Tode verurteilten Muttermörder Jörgensen im Kopenhagen zuteil geworden. Die Nad) richt, daß durch königliche Gnade das Todesurteil in lebens längliches Buckthaus umgewandelt worden sei, hat in de dänischen Bevölkerung Unwillen hrevorgerufen. Die Be wohner von Jütland bereiten eine Protestadresse vor. Zwei schwere Unglücksfälle vom Pariser Nationalfes werden gemeldet. In dem Variété- Theater Marigny brad fura oor Schluß der Vorstellung ein Traggerüst zusammen Elf Statistinnen wurden verletzt, sechs davon so schwer, daf sie in ein Krankenhaus gebracht werden mußten. In dem Vorort Rucil wurden auf dem Hauptplatze Böllerschüsse abgegeben. Ein Böller explodierte, wodurch ein Kind ge tötet und 20 Personen mehr oder weniger schwer ver wurden. Vor einigen Wochen unternahm Lebaudy von den Kanarischen Inseln aus eine Expedition nach dem südlichsten Teil von Marokko, um von den dortigen Ländern Besitz zu ergreifen. Da Spanien südlich von diesem Gebiete eine KoIonie, namens Rio de Oro, besitzt, so herrschte in der gesamten spanischen Presse große Erregung, und man machte sich schon mit dem Gedanken vertraut, daß auch diese Kolonie dem Mutterlande verloren gehen würde. Man bestürmte bie Regierung, verlangte von ihr energische Maßregeln gegen den frechen Eroberer. Erst als man erfuhr, daß Lebaudy ein„ Kaiserreich der Sahara" gründen und eine Stadt, namens Troja, bauen wollte, beruhigten sich die Gemüter, da sie zu der Ueberzeugung kamen, daß Lebaudy ein exzentrischer Mensch ist. Das scheint er wirklich zu sein; denn anders ist es nicht zu verstehen, daß er dem Postmeister der Ranarischen Inseln auftrug, alle an den„ Kaiser der Sahara" gerichteten Bostsachen ihm auszuhändigen, da er der genannte Souverän sei. Die erste Expedition des„ Kaisers der Sahara" nach den unwirtlichen Gestaden Marokkos ist fläglich verlaufen; die fünf Abenteurer, welche in einem Beltlager zurückblieben und den Plan des neuen Troja entwarfen, sind von den Eingeborenen gefangen genommen und wahrscheinlich nach qualvollen Martern ermordet wor den. Mittlerweile bereitet Rebaudy eine neue Expedition in Las Palmas auf den Kanarischen Inseln vor; aber er stößt überall auf Unverständnis und Schwierigkeiten. Am unbequemſten ist ihm sein Landsmann, der französische Konful. Aber auch der Vertreter der spanischen Regierung macht ihm das Leben sauer und sucht seine Pläne zu vereiteln. So will er ihm nicht die für ihn aus Marseille eingetroffenen Waffensendungen ausliefern, ihm nicht gestatten, zwischen den Kanarischen Inseln und dem afrikanischen Festlande einen drahtlosen Telegraphen herzustellen, weiter läßt er ihn polizeilich überwachen, während die Bewegung leiner Schiffe streng von einem spanischen Kriegsschiff verfolgt werden. Lebaudy kann so etwas nicht verstehen, da er nach seiner Aussage nur die besten Absichten hat; anstatt seine Millionen in Paris und anderen Großstädten zu vergeuden, wolle er die noch herrenlosen Linder der Welt erwerben und sie dem europäischen Handel und der Kultur erschlieben. Nab und fern. Die Gräfin von Montignoso". Wie das„ Dresdene Journal" amtlich meldet, hat der König von Sachsen nun mehr der vormaligen Frau Fronprinzessin von Sachsen Prinzessin Louise Antoinette Maria, auf ihr Ansuchen der Namen und Adelstitel einer Gräfin v. Montignoso" offiziel verliehen. * Der Gr ber Stadtberor erften Beigeor Ortsgerichtsvor sowie dem zum heim gewählter Rauheim- bi ** Ober findet fich geg ftellung in Dre Geb. R Gießen will be leiften. * 8 um bom 1. Dftob liche Profeffo ernannt. * Der Vo evangelif Einweihung bes lifchen in hiefi Folge gehabt, bes Evangelisch rufung einer S nahme zu den uberlaffigen D gemeindevertret foll, glaubt d um nicht die deffen feiner 2 brauchnahme be Airchengemeind in welcher We Gröffnungsfeier Uebergriff fläbt wiesen werden vorgenommene, fie gar unter ** Die R foeben erlaffene 13. und 17. D [ Wertvolle Tabaksdosen.] Bei dem großen Brand des Leihhauses zu Neapel vor einigen Wochen ist auch eine weitberühmte Sammlung antifer Tabatièren vernichtei worden, die durch einen Zufall sich dort befand. Ihr Be sitzer, der Graf de Marsi, hatte die Absicht, sie mit anderen Sehenswürdigkeiten zu einem besonderen Museum zu ver einigen, und übergab sie, während dies gebaut wurde ,,, zui Sicherheit" dem Leihhause zur Aufbewahrung, wo sie nun mitverbrannt ist. Zwei Tabatièren, die von Carlo Durazze ziseliert waren, hatten einen besonders hohen Wert; andere waren mit wunderbaren Miniaturen geschmückt und mit Brillanten, Smaragden und Rubinen besezt; wieder ander varen Geschenke von Päpsten, Kaisern u. s. w. Die Samm lung dürfte einen Handelswert von mehr als 1 Million Mart gehabt haben, und alle diese Kostbarkeiten sind nun ür immer verloren. Bunte Chronik. Der flüchtige geistestranke Hochstaple Manolescu hat in Dresden eine Gastrolle gegeben. Ei entwandte in einem Hotel einen Reiseanzug und Neber zieher, wofür er seine Anstaltskleidung zurückließ. Bei Diedenhofen überfiel ein Reservist, der ohne Jahr farte einen Zug bestiegen, den diensthabenden Schaffner uni berwundete ihn schwer. Im Nachlaß der Königin Draga wurden zwei Spar faffenbücher im Gesamtbetrage von 150 000 Fr. auf Wie ner Bankhäuser gesunden. In der ung ischen Ertschaft Hilio( Komitat Ha romszek) sind bei heftigent Sturnuvind 100 Häuser mi Nebengebäuden niedergebrannt. © Einen Aufruf für die durch Hochwasser geschädigten Schlesier erläßt der Vorsitzende des Provinziallandtages, Herzog von Ratibor, im Verein mit dem Oberpräsidenten i. V. Michaelis und dem Landeshauptmann Frhrn. von Richthofen. Der Schaden ist noch unübersehbar heißt es darin aber zweifellos sehr groß, zunächst handelt es sich um Abstellung der dringendsten Notstände, des Hungers und der Obdachlosigkeit. Schnellste Hilfe tut not. GeldSpenden wolle man an den„ Schlesischen Bankverein", Breslau 1, Albrechtstraße, richten. Wege nder Gründung eines größeren Komitees und von Unterausschüssen in den Kreisen der Provinz ist das Erforderliche veranlaßt. - Vermischtes. [ Eine„ Totenzeitung'] ecjdjeint seit einigen Tagen unter dem Namen„ Skorbny Westnit" in Petersburg. Das von einer Dame herausgegebene Blatt bringt nur Todesanzeigen, Nefrologe und andere Nachrichten, die mit dem Tode in irgend einer Weise zusammenhängen. Ueber die Geschmäcker" läßt sich bekanntlich nicht streiten! Wahrscheinlich wird die unternehmende Dame Abonnenten für ihr eigenartiges Blatt vornehmlich in den durch Gogol berühmt gewordenen Kreisen der„ toten Seelen" suchen. " [ Millionärstöchter als Korbflechterinnen.] Die Be troleumprinzessinnen und Pökelfleischköniginnen von Chicago und Newyork haben etwas neues ersonnen, um die 24 Mußestunden, die sie jeden Tag haben, angenehm auszufüllen: sie flechten feine Körbe nach dem Muster der von den Rothäuten geflochtenen! Diese Mode ist wenigstens unschädlich. Die Indian Baskets" haben verschiedene Formen; sogar elegante, aber die Körbe der Blaßgesichter weisen doch nicht jene Naivität" auf, die man an den Körben des roten Mannes bewundert. Sie haben vor allem nicht die harmonischen, diskreten und zarten Farben, die die Indianer- Körbe zu so begehrten Sammelobjekten machen. Echte Indian Baskets" sind jekt sehr selten und sehr teuer. So zahlte man jüngst in Newyork für einen von einem Alaska- Indianer geflochtenen Korb 250 Mark. So viel werden die Millionärstöchter mit ihren Körben wohl nie berdienen! [ Berlin die Haupt- Bierstadt des Deutschen Reiches.] Aus einem soeben erschienenen Bericht der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft geht hervor, daß troß eines Herabsinkens des Bierkonsums von 209 auf 144 Liter pro Kopf der Bevölkerung Berlin nach wie vor mit einer JahresBiererzeugung von zirka 4 Millionen Hektoliter nach wie bor an erster Stelle im Deutschen Reiche steht. Innerhalb der Biererzeugung Deutschlands stellte die Produktion der Berliner Brauereien auch im Berichtsjahr fast den vierten Teil der Biererzeugung von ganz Bayern dar und überstieg die von Baden und Elsaß- Lothringen erheblich, wäh rend sie der Biererzeugung Württembergs fast gleich stand. Die Biereinfuhr nach Berlin, die noch immer zu mehr als zwei Dritteln aus dem Königreich Bayern stammt, ist im Jahre 1902 auf 507 842, das heißt um 85 091 Hektoliter zurückgegangen. Die Ausfuhr an Bier übersteigt jetzt bereits um 146 764 Hektoliter die Einfuhr. Nach privaten Schäßungen soll der Gesamtschaden im Kreise Neiße allein etwa 3 Millionen betragen. Bon aller Seiten treffen furchtbare Schilderungen ein. In Arnolds dorf sind eine große Menge Zeichen vom Kirchhof weg geschwemmt und müssen neuerdings begraben werden. Vor läufig hat man sie mit Salf bedeckt. Man befürchtet der Ausbruch von Typhus infolge verdorbenen Trinkwassers. Das Dorf Deutsch- Rasselwitz ist zum größten Teil zerstört. Aus dem preußischen und russischen Weichselgebie tommen Nachrichten von weiterem Steigen des Flusses. Be Thorn erreichte das Wasser 5 Meter Höhe und überschwemmt weithin die Felder. In Ungarn sind im Bezirk Illave biele Ortschaften durch das Donauhochwasser schwer ge schädigt. Man befürchtet eine Katastrophe auf der Inse. Schütt. [ Ein Vercin unglücklich liebender" Mädchen] hat fich in Schweina( Sachsen- Meiningen) gebildet. Eine Anzahl jüngerer und älterer Damen, die mit ihren Liebhabern Bech hatten, ist dem Verein, der sich„ Unglückliche Liebe" nennt, beigetreten. Hoffentlich hat der Verein den praktischen Zweck, durch recht viele gesellige Veranstaltungen den armen Mädchen Gelegenheit zu geben, die unglückliche Liebe gegen eine glückliche einzutauschen. - Heiteres. Böses Omen. Warum haben Sie denn Ihre Automobil- Fernfahrt so plößlich unterbrochen? Ja, meine Frau ist abergläubisch und meinte, nachdem wir den Dreizehnten überfahren hatten: jetzt fehren wir um, sonst gibt es ein Unglück! ** Gief biefer schwebend der Generalver wurde die Frag und das Resul zufammengefaß 1) Ein Neu arbeiten - Ein frecher Dachs. Hausbesizer: Wie konnten Sie sich unterstehen, gestern im dunklen Flur meine Tochter zu küssen?- Chambregarnist: Sei'n Sie ja ruhig, sonst zeig' ich Sie noch bei der Polizei wegen unterlassener Treppenbeleuchtung an! Ein Fanatiker. Der Oberlehrer Kneifer ist geradezu vernarrt in die neue Orthographie, so oft ihm ein Dreimarkstück in die Hände fällt, traßt er so lange, bis bei dem Wort„ Thaler" das h weg ist. Verblümt. Buchbinder( zum Gehilfen): Die Bücher für Herrn Maier binden Sic ja recht dauerhaft ein der Mann ist unglücklich verheiratet [ Königin Dragas Racheschwur.] Der deutsche Hintertreppenroman- Fabrikant, der mit so erstaunlicher Schnelligfeit, wie fürzlich erzählt, den serbischen Königsmord fruktifizierte, ist von einem Wiener Kollegen doch noch um viele Nasenlängen geschlagen worden. In Wiener Zeitungen erscheint schon seit dem 19. Juni ein Originalroman von Josef Korn mit dem vielversprechenden Namen: Dragas Racheschwur. Draga wird durch ihre unglückliche Liebe zu dem Geigenvirtuosen Vladan Baschkovic auf den Pfad der Untugend geführt, der sie nach der Weissagung einer Zigeunerin schließlich zur Krone führen soll. Als Stilprobe genüge folgendes:„ Die laue Luft des Juli- Abends umfächelte Dragas glühende Wangen und spielte mit ihrem gelockten Rabenhaar. Sie sah verführerisch aus. Aber Vladan blieb falt. Draga öffnete weit ihre meergrünen, geheimnisvolle Mächte einer starken Mädchenseele kündenden Augen und sprach in so weichen Tönen, daß es vibrierte wie Meolsharfen: Warum sprechen Sie kein Wort zu mir, Vladan Baschkovic?" Es schien beinahe, als blickte Vladan nach einer anderen aus und als suchte er von Draga fortzukommen. Draga lachte. Es schrillte zur Decke der Vcranda empor. Ihre weißen Zähne schimmerten zwischen den schwellenden, roten Lippen wahrlich gleich dem Gebiß einer gereizten, fauchenden Pantherfabe." Kunft und Wissenschaft. FD. Einen Rückertbrunnen beabsichtigt man in Erlanger akademischen Kreisen zum Gedächtnis Friedrich Rückerts, der von 1826 bis 1841 an der dortigen Hochschule wirkte, im Schloßgarten zu errichten. Rückert hat einst gesungen: Selbst auf unbequemem Musensize, Konnt ich muß und Musenruh erlangen. Zu erlangen mußt ich selbst im Sande Mir ein grünes Gärtchen zu Erlangen. Das Denkmal, zu dem bereits ein Entwurf von Prof. Fischer- Stuttgart ausgestellt ist, soll auf seiner Innenwand mit einigen passenden Versen Rückerts geschmückt werden. Die Kosten werden etwa 3000 Mark betragen. 2) Es empfi daß im Konzerten abgehalter praftifcher ein große enger V alle Nebe fam haber 3) Es ist fog Pläne au werden, fügung zu reichen. 4) Um über zwischen eine gem Bereine in berein ei Diefe gem eine foll nun im Gesellschaft Beschluß gefaß beiten, über der langung genere Pläne borliegen führung nötige jest, auch ohn mittel in ficher lich die Erreid ift zu hoffen, fehr zahlreich wird. Niemand baß ein Neuba wert ist. Die zwar möglichst Bolizeiamts ei umfangreicher borzunehmen, u mit der Mitte CB. Die Gedankenwage. Ein amerikanischer Gelehrter, Dr. William G. Anderson, hat eine eigenartige empfind liche Wage, das sogenannte Muskelbett, erfunden, auf der er die Gedanken eines darauf Liegenden zu wiegen" int stande ist. Er führte in seiner Vorlesung über den Apparat folgendes aus:„ Es ist klar, daß ein Körper, der im vollkommenen Gleichgewicht auf der empfindlichen Wage des Mustelbetts liegt, durch ein hinzukommendes Gewicht auf einer Seite eine Einwirkung erfahren wird; so wird auch ein hinzukommendes Blutquantum ein Sinken des Ncpf endes verursachen, wenn es zum Kopfe strömt, oder cin Sinken des Fußendes, wenn der Andrang in entgegen gesezter Richtung stattfindet." Zum Beweise machte Dr. Anderson eine Anzahl interessanter Experimente. Studenten, die auf dem Bette lagen und auf Aufforderung des Pro fessors nur daran dachten, Beinbewegungen auszuführen, beranlaßten ein Sinken des Fußendes der Wage. Einen andern ließ Anderson das Wort„ Hund" buchstabieren, ohne daß der Apparat sich bewegt hätte. Die geistige Anstrengung war zu gering, fiel daher nicht ins Gewicht. Als aber die Versuchsperson 78 mit 17%, multiplizieren sollte, sank infolge des durch die geistige Anstrengung bewirkten Blutandrangs der Kopf des Studenten allmählich tiefer als die Füße. ift, diefem Befe Theateraufführu geeigneten Lofo in Gießen üb werden nicht nu alle, die am fität ein Inter fuchen müssen. * * Die f im Großh bon 116 Dele Friedberg Als Dit der n gewählt. Berha fchäftes in Gie fchäfte feines B ung feiner Wo Saben gefunde üd] wurden ard- Café ge gt das Bild re Geschichte. bom 2. De einer neuen äsidenten ge apoleon bor er fie anzu gte. Schließ ände, prüfte elten Stirn Es wurd ändern, aber nan dort be der Probe Stüde begon en, aber e und diese 23 ucht und gut Cokales. Gießen, den 16. Juli 1903. * Der Großherzog hat am 11. Juli d. Js. dem von der Stadtverordneten- Versammlung zu Bad Nauheim zum ersten Beigeordneten der Stadt Bad Nauheim gewählten Ortsgerichtsvorsteher Heinrich Langsdorf zu Bad- Nauheim, sowie dem zum zweiten Beigeordneten der Stadt Bad Nauheim gewählten Kaufmann Reinhard Knieriem zu Bad Nauheim die Bestätigung erteilt. - ** Oberbürgermeister Mecum Gießen befindet sich gegenwärtig zur Besichtigung der Städte Ausstellung in Dresden. * eh. Kirchenrat Prof. Dr. Kattenbusch= Gießen will dem Ruf an die Universität Göttingen Folge leiften. * Zum Rektor der Gießener wurde für die Zeit vom 1. Oktober bis zum 30. September 1904 der ordentliche Professor der Mineralogie, Dr. Reinhard Brauns ernannt. * Der Vorstand des Gießener 8 weigvereins des evangelischen Bundes teilt mit: Die wegen der Einweihung des neuen Friedhofes von seiten der Evanges lischen in hiesiger Stadt bestehenden Differenzen haben zur ge dieser so einer öffent ist, wie ge auft worden oßen Brande ist auch eine n vernichtei nd. Ihr Be mit anderen ſeum zu ber wurde,„ zur , wo sie nun Carlo Durazze Wert; andere üdt und mil wieder andere Die Samm 1s 1 Million ten find nun inigen Tagen ersburg. Das t nur Todesdie mit dem 1. Ueber die iten! Wahr enten für ihr Bogol berühmt n. 1.] Die Be en von Chinen, um die genehm ausister der von enigstens unchiedene For efichter weisen den Körben or allem nicht ben, die die eften machen. nd sehr teuer. en von einem rt. So viel -ben wohl nie Sie denn Ihre Ja, meine hdem wir den ehren wir Wie konnten Flur meine Sie ja ruhig unterlaffener neifer ist ge oft ihm ein so lange, chilfen): Die dauerhaft ein tot ft. n in Erlanger Rüderts, der ule wirkte, im gesungen: en. 11. irf von Prof r Innenwand müdt werden. her Gelehrter riige empfind nden, auf der wiegen" im r den Apparat der im boll en Wage des Gericht auf so wird au ten des Ncpf mt, oder cin in entgegen nachte Dr. An e. Studenten ung des Pro Wage. Ginen ftabieren, ohne e Anstrengung auszuführen As aber die jollte, fant in ewirkten Blut tiefer als die Folge gehabt, daß dem Vorstande des hiesigen Zweigvereins des Evangelischen Bundes nahe gelegt wurde durch Einberufung einer Protestversammlung eine öffentliche Stellung nahme zu den Streitigkeiten zu veranlassen. Nachdem nach zuverlässigen Mitteilungen seitens der evangelischen Kirchengemeindevertretung der Beschwerdeweg beschritten werden foll, glaubt der Vorstand von weiterem absehen zu müssen, um nicht die Situation noch zu verschärfen. Er giebt indessen seiner Auffassung dahin Ausdruck, daß es bei Ingebrauchnahme des allgemeinen städtischen Friedhofs der evang. Kirchengemeinde unbenommen sein muß, selbst zu bestimmen, in welcher Weise ihre, fremde Interessen nicht berührende Eröffnungsfeier gestattet werden soll und daß es als ein Uebergriff städtischer Organe mit Entschiedenheit zurückge wiesen werden muß, wenn sich solche in, zu obigem Zwecke vorgenommene, gottesdienstliche Handlungen einmischen oder fie gar unter Drohung der Gewaltanwendung verbieten." * * Die Retruten Einstellung erfolgt nach einer soeben erlassenen Verfügung in diesem Jahre zwischen dem 13. und 17. Ottober. ** Gießener Theater- und Saalbau. Zu bteser schwebenden Frage schreibt der Theater- Verein: In der Generalversammlung des Theatervereins am 7. Juli wurde die Frage eines Theaterneubaues eingehend besprochen, und das Resultat der Besprechung in folgenden Beschlüssen zusammengefaßt: ** Selbstmord. Der Bahnwärter Menges fand| bergangene Nacht bei Revision seiner Strecke ungefähr 25 Meter vor dem Einfahrtssignal Großen Linden einen gut gekleideten etwa 25jährigen Mann tot auf dem Bahndamm. Ein bei ihm gefundener Brief läßt darauf schließen, daß ein Selbstmord vorliegt. Die heute Morgen festges stellten Personalien ergaben, daß der Ueberfahrene der bei der Firma G. W. Schneider- Gießen, Tuch und HerrenKleiderhandlung, beschäftigte Commis Robert Leining, aus Erfurt gebürtig, ist. Was den jungen Mann in den Tod getrieben fonnten wir nicht feststellen. *** Auf dem Festplaz am Schüßenhause tommen die Vorbereitungen zur 25. Jubiläumsfeier merkbar in Fluß. Im Verein selbst entwickelt sich ein reger Eifer um alle Vorbereitungen zu einer, dem Fest würdigen Feier zu Ende zu führen. Die Stiftungen der Ehrengaben zum Jubiläumsschießen sind erfreulicher Weise reichlich eingegangen. Die Anmeldungen der Gießener Vereine zum Festtømmers und Festzug geben erfreulichen Beweis über die ungeschmälerte Sympathie, welche die Bürgerschaft dem Gießener Schüßenverein zollt. * Eine Verleumdung. Geheimer Oberbergrat Prof. Dr. Lepsius befindet sich, so berichtete die„ Frks. 3tg.", seit einiger Zeit in Disziplinaruntersuchung, die vom Ministerium des Innern geführt wird, wegen unliebsamer Vorkommnisse in seiner Dienstführung als Leiter der mineralogischen Abteilung des Landesmuseums. Unter Bezugnahme auf diese Notiz depeschierte indes Geheimrat Lepsius dem genannten Blatt aus Pontresina:„ Bitte folgende Erklärung aufzunehmen: Zu der heute zu meiner Kenntnis gekommenen Notiz aus Darmstadt vom 11. Juli erkläre ich, daß sich das gegen mich eingeleitete Disziplinarverfahren auf Verleumdungen bezieht, gegen welche ich bereits bet der Staatsanwaltschaft Strafantrag gestellt habe. * Die Jagd nach den Damen Hosen! Ein Wirbelwind der gestern über eine Gießener Bleiche wegging brachte Leben in die Wäscherinnen. In wilder Jagd wurde nach den entführten Wäschestücken gefahndet, die der Wind in alle Richtungen gestreut. Eine Damen- Hose flog aufgeblasen hoch über die Lahn und den Bahndamm hinweg auf nimmer Wiedersehen; andere Wäschestücke flogen in die Lahn oder bekleideten die Blöße der Bänme. Händeringend standen die Wäscherinnen da und machten ihrem Herzen Luft so gut sie tonnten. Wer den Schaden hat wort, das traf auch gestern auf der Bleiche zu. braucht für Spott nicht zu sorgen, sagt schon das Sprich* Die Bevölkerung des Großherzogtums betrug nach dem von der Großh. Zentralstelle für die Landesstatistit herausgegebenen Statistischen Handbuch für das Großherzogtum Hessen" am 1. Dezember 1900: 1 119 893 Personen; sie weist seit den letzten zehn Jahren eine Bubedeutet, wie auch in den anderen Staaten, ein Ansammeln der Bevölkerung in den größeren Städten, während das platte Land vielfach mit der Bevölkerungsziffer stehen bleibt. 1) Ein Neubau ist dringend notwendig; mit den Vor- nahme von rund 127000 Personen auf. Dieses Wachstum arbeiten ist sofort zn beginnen. 2) Es empfiehlt sich nicht, einen Bau derartig herzustellen, daß im gleichen Raume Theater gespielt und neben Konzerten auch alle möglichen anderen Vergnügungen abgehalten werden. Vielmehr ist es erwünscht und praktischer, wenn ein besonderes Theater und außerdem ein großer Saal gebaut wird. Beide tönnen aber in enger Verbindung miteinander stehen und namentlich alle Nebenräume( Garderobe, Restauration 2c) gemeinsam haben. 3) Es ist sogleich ein Wettbewerb zur Erlangung geeigneter Pläne auszuschreiben. Der Saalbauverein soll ersucht werden, auch seinerseits die Mittel hierzu zur Verfügung zu stellen, da die des Theatervereins nicht ausreichen. 4) Um über alle vorgenannten Punkte Einvernehmen zwischen Theater- und Saalbauverein zu erzielen, wird eine gemeinsame Versammlung der Mitglieder beider Vereine in Aussicht genommen, zu der auch der Konzertverein eingeladen werden soll. Diese gemeinsame Mitgliederversammlung der drei Vereine soll nun am Dienstag, den 21. Juli, um 812 Uhr, im Gesellschaftsverein stattfinden. In ihr soll also endgiltiger Beschluß gefaßt werden über den Eintritt in die Vorarbeiten, über den Bauplan und ein Preisausschreiben zur Erlangung genereller Pläne. Erst später, wenn geeignete Pläne vorliegen, wird es an der Zeit sein, die zur Ausführung nötigen Geldmittel zu beschaffen Sollten schon jest, auch ohne daß ein bestimmter Plan vorliegt, Geldmittel in sichere Aussicht geste t werden, so wird dies natürlich die Erreichung des schließlichen Ziels nur fördern. Es ist zu hoffen, daß die Versammlung am nächsten Dienstag sehr zahlreich von den Mitgliedern der drei Vereine besucht wird. Niemand wird sich ja der Ansicht verschließen können, daß ein Neubau für Theater- und Konzertzwecke wünschenswert ist. Die absolute Notwendigkeit aber zu bauen und zwar möglichst bald zu bauen, können wir nicht besser als mit der Mitteilung beweisen, daß eben jetzt seitens des Polizeiamts ein Befehl ergangen ist, Aenderungen sehr umfangreicher und kostspieliger Art im Leib'schen Saale vorzunehmen, und daß der Besizer des Saales nicht geneigt ist, diesem Befehl Folge zu geben, sondern lieber auf die Theateraufführungen verzichten will. Mangels eines anderen geeigneten Lokals würden dann aber Theatervorstellungen in Gießen überhaupt nicht stattfinden können, und das werden nicht nur die regelmäßigen Theaterbesucher, sondern alle, die am Aufblühen unserer Stadt und unserer Universität ein Interesse haben, mit allen Mitteln zu vermeiden suchen müssen. * Die freie Vereinigung der Ortstrantentassen im Großh. Hessen htelt am Sonntag in Anwesenheit von 116 Delegierten, die 54 Krankenkassen vertraten, in Friedberg ihre elfte ordentliche Hauptversammlung ab. Als Dit der nächsten Generalversammlung wurde Auerbach gewählt. * Verhaftet wurde ein Laufbursche eines Möbelgeschäftes in Gießen, der sich einer Anzahl Diebstähle im Geschäfte seines Prinzipals schuldig gemacht. Bei Durchsuchung seiner Wohnung wurde ein großer Teil der gestohlenen Sahen gefunden. Es hatten Gießen Mainz Einwohner im Jahre 1890 20 571 72 059 Darmstadt 56 399 Offenbach 35 085 Worms 29 119 1900 25 491 84 251 72 381 50 468 40 705 Eine solche Vermehrung der Bevölkerung mußte sich naturgemäß nach den verschiedensten Beziehungen bemerkbar machen. So sind u. a. auch die Ansprüche an die finanziellen Leistungen des Staates in ungewöhnlicher Weise gestieg. n. Beispielsweise sind die vom Staate zu den Kosten der Voltsschulen zu leistenden Zuschüsse in den lezten 10 Jahren von 1 Million auf 21 Millionen Mark angewachsen. Die Gymnasien und Realanstalten erfordern einen staatlichen ZuSchuß von 900 000 Mart gegen 1/2 Million Mart vor 10 Jahren. Die Universität Gießen foſtete vor 10 Jahren dem Staat auch nur 1/2 Million Mart, jezt 800 000 Mart, u. dabei sind die recht bedeutenden Aufwendungen des Staats für Neubauten usw. ganz unberücksichtigt gelassen. " ** Wir lesen im Mainzer Journal":" Ein schwerer Verbrecher, der im Polizeiparagraph" ausgeschrieben war, wurde durch die Biebricher und Amöneburger Polizei in der Person eines Fabritarbeiters, der in einer chemischen Fabrit beschäftigt ist, in Amöneburg verhaftet. Er war steckbrieflich verfolgt worden, weil er zu einem Bahnangestellten gesagt hatte, er habe ihm nichts zu befehlen. Der Verbrecher wurde dem Amtsgericht Mainz zugeführt, das thn sofort wieder entließ. Man sollte diese Sache taum für möglich halten!" Eine unzutreffen de Meldung wird in einigen Blättern verbreitet, wonach in Nürnberg teine Wohnungen für weitere Turner vorhanden seien. (*) Klein- Linden, 15. Juli. Gestern morgen fiel eine junge Frau beim Wasserschöpfen in den Weiher. Glücklicher Weise war eine Nachbarin und ein Fuhrmann in der Nähe, die die Frau im bewußtlosen Zustande aus dem Weiher zogen und auf einem Wagen in ihre Wohnung brachten. Marburg, 15. Juli. Der Bahnbau einer normalspurigen Kleinbahn durch den Ebsdorfer Grund ist begonnen. Die Bahnlinie geht vom Marburger Südbahnhof über Kappel, Bohnhausen, Bortshausen, Ebsdorf, Leidenhofen, Hesten, Möln und Dreihausen. Später erfolgt ein Anschluß an die Bahn Lollar Grünberg NiederGemünden. Die neue Strecke ist Eigentum des Kreises Marburg. - Marburg, 15. Juli. In der sheute abgehaltenen Sigung des Kreistags gab der Landrat Erklärungen ab über den Stand des Bahnbaues Marburg- Dreihausen. Ein Mitglied des Kreistags, Bürgermeister Biz von Schönstadt, brachte ein ganz neues Eisenbahnprojekt in Anregung. Bekanntlich wird der Bau einer Bahn von Kirchhain über Rauschenberg und Gemünden nach Franten berg, die sogen. Bonstruth- Bahn betrieben. Biz befürwortete nun, daß diese Bahn in viel praktischerer Weise von Marburg- Kölbe aus über Schönstadt und Rauschenberg nach Gemünden u. s. w. geführt würde. Zwischen Kirchhain und Rauschenberg läge fein einziges Dorf an der Route, wohl aber liegen Ortschaften und eine große Dampfziegelei an der Route zwischen Marburg und Rauschenberg. Das sei sehr zu berücksichtigen. Der Landrat sowohl als andere Mitglieder der Versammlung standen diesem Gedanken sympatisch gegenüber und es ist nicht zu zweifeln, daß er viel Staub aufwirbeln und eine Agitation zu seinen Gunsten, namentlich in der beteiligten Gegend hervorrufen wird. Die Ausstellung des Gartenbau- Vereins, verbunden mit dem 25jährigen Bestehen des Vereins, findet am 25., 26. und 27. September statt. Das Oberhessische Volkslied. gebung Gießens in der Nähe von Dörfern, nicht allzu beWenn man in diesen schönen Sommertagen in der Um. lebte Feld- und Waldwege begeht, begegnet man oft den die mit Vorliebe diese stillen Pfade aufsuchen um hier ihre jungen, fangesfreudigen Landbewohnern beiderlei Geschlechts, Lieder erschallen zu lassen. Es sind meist schwermütige Weisen, die sich im Rhytmus sehr ähneln und wohl alle uralt sind. Einstens mögen sie vielleicht anders gelautet haben, aber sie erben sich dennoch von Generation zu Generation fort, da sie fast durchweg das ewig neue Kapitel der Liebe behandeln, die bei dem jungen Volte mit der Sangesfreudigfeit zu erwachen scheint. Auch inhaltlich sind sich die Gesänge fast alle gleich; meist eine in erzählendem Ton behandelte Liebesgeschichte, die größtenteils durch den Tod eines oder beider Beteiligten ihren dramatischen Abschluß findet; die Volksseele liebt es nun einmal, sich an dem traurigen Ausgange einer Liebesgeschichte zu labin und in Mitleid zu schwelgen! Die Gattung der traurigen mitunter auch schaurigen Weisen nimmt auch den weitaus größten Raum in dem Liederschaze der Oberhessen in Anspruch, nur ganz wenige Ausnahmen giebt es und diese werden weit seltener gesungen. Von letzteren ist noch das sogenannte„ Ehestandslied" das Beliebteste. Es wird Brautleuten, die kurz vor der Hochzeit stehen, dargebracht und verpflichtet diese zur Spendierung von Getränken. Es lautet: Mir gefällt das Eh'standsleben besser als das Klosterziel in das Kloster mag ich nicht, ich bin schon zur Eh verflicht. Vater tut euch doch erbarmen und verschafft mir einen Der mich drückt an seine Brust, ja zum heiraten hab ich Lust! Mann, Ach, was wird die Mutter sprechen, wenn ich sie verlassen muß, Sie mag sprechen was sie will, in will heiraten in der Still. Hierauf sagt der im lebhaftem Polfa- Tempo gehaltene Vers: Ach, groß wird die Freude sein Wenn wir beide ganz allein. Da bewegt sich Hand und Fuß Wenn mein Liebchen tanzen muß! Aber das sind, wie gesagt, Ausnahmen, denn eine derartige festliche Gelegenheit fommt in einem kleinen Dorfe nicht alle Tage vor. Und gerade dieses- für die beiden nicht alle Tage vor. Beteiligten allerdings schöne Ereignis, giebt viellticht Beteiligten allerdings schöne manchem Carmen Mägdelein wieder Beranlassung mit Sehnsucht des eigenen Glückes zu gedenken und den ganzen süßen Liebesgram in den gewohnten, tieftraurigen Weisen durchzutoften. - Sie entbehren ja nicht einer gewissen Poesie, diese Lieder, für die man wegen ihrer Eigentümlichkeit zwar wenig Verständnis findet, dafür aber von den ländlichen Sängern mit einer Andacht und Ausdauer gesungen werden, die beweißt, wie sehr sich diese Weisen dem Volkscharakter angepaßt haben. ( Schluk folgt.) Brieffaften. Annonym, Gießen. Sprechen Sie doch einmal auf unferer Redaktion vor; gern werden wir eine edle Tat edel behandeln, wir müssen aber auch das Nähere wissen. per Marktbericht. Gießen, 16 Juli. Auf dem heutigen Wochenmarit tosteten Butter Bfb. 0.80-1.00 m, Hühnereter 6-7 Pfg., Enteneter St. 6-7 Pfa., Käse per St. 5-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen ver Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar Dr. 1.00-1.20, Hühner per Stüd Mt. 1.20-2 20, Hahnen, per, Stüd Mr. C.70-1.60, Enten per Stüd 2.00-2.20, Gänse p. Pfd. 54-60 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Pfg., Rindfleisch per Pfd. 60-66 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Pig. Schweinefleisch gesalzen per Pfund 0.80 Pfa., Kalbfleisch per Pfd. 68-74 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Pfg., Kartoffeln per 100 kilo 9.50-10.00 mt., Zwiebeln per 3t. Mr. 9.00-10.00, Kirschen per Pfund 30-54 Pfg. Milch ver Liter 18 Vfa. Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein; für das Lokale, den„ Gerichts." und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( vorm. Wilh. Keller), Gießen. Curnerschaft Giessen. Wir bitten unsere verehrl. Mitglieder an dem Festfommers des Schüßenvereins im Neuen Saalbau am Samstag den 18. Juli, abends 8 Uhr, sowie auch am Festzug am nächsten Sonntag, mittags 21 Uhr sich recht zahlreich beteiligen zu wollen. 15 Mr. Der Ausschuss der Giess. Turnerschaft. öbl. Zimmer von Kirchenplay 15 an zu vermieten. Hotel Einhorn. Darlehne sofort an Jeden, jede Höhe coulant. A. Löthöffel Berlin W. 64., Rüdpto. Laden mit anstoßendem 8immer per Oktober zu vermieten. Näheres Bleichftrokr 11 part. auberes möbl. Zimmer per sofort zu verm. Gießen. Lethgesternerweg 7, III. Geld Schützen- Verein Giessen Bum neuen Saalbau Gießen Vom 18. bis 21. Juli 1903 ( früher Steins Garten). Freitag, den 17. Juli d. I. 25jähr. Stiftungsfeit Grosses Extra- Konzert zum Besten des Invalidendank verbunden mit Preisschiessen und Volksfestet von der Kapelle des Inf Megts.„ Kaffer Wilhelm 12. Groß, der auf dem Festplate des Schützenhauses. Samstag, den 18. Juli, abends 8 Uhr: Festkommers im Neuen Saalbau( früher Stein's Garten). Sonntag, den 19. Juli, morgens 6 Uhr: Weckruf durch die Strassen der Stadt; 11 Uhr: Früh- Bankett Restaurant Royal, Seltersweg. 2 Uhr: Aufstellung des Festzuges am Wallthor, Zug durch die Stadt nach dem Festplatze. Dasselbst Begrüssung, Beginn des Preisschiessens und Volksfestes. Montag, den 20. Juli, morgens 10 Uhr: Frühkonzert auf dem Festplatze. Mittags 1 Uhr: Festessen im Schützenhause. Von 4 Uhr ab: Konzert u. Volksbelustigungen. Abends Campionsumzug. Dienstag, den 21. Juli, nachmittags 6 Uhr: Tanz und Volksbelustigungen. Preisverteilung. Einmaliger Eintritt 30 Pfg., Tageskarten 50 Pig., Dauerfarten 1,20 Mt., im Vorverkauf 1 Mf. Zu den Eintrittspreise: Dauerkarten werden Beikarten für erwachsene Familienmit glieder zu je 50 Pig. ausgegeben. Dauerkarten berechtigen zum Besuch des Fest- Kommers im neuen Saalbau. Karten im Vorverkauf zu haben bei H. Noll, Mäusburg, E. Reiter, Schulstraße, Sonatag, Seltersweg, Daniel seil, Cigarrengeschäft, Lindenplay, Caffè Hettler, Ludwig Klein henn, Bahnhofstraße. Schützenverein. 25jähriges Stiftungsfest. Unsere verehrl. Mitglieder werden dringend gebeten zu einer Generalversammlung am Freitag, abends 9 Uhr, im Schüßenhaus. Wir bemerken noch, daß an demselben Abend Probebeleuchtung des Festplages stattfindet. Neuheiten! Der Vorstand. Reinwollene Kleiderstoffe, weiss, crême und farbige Wasch- Kleiderstoffe, Blousenstoffe in allen Farben und Qualitäten. Grünberg. empfiehlt Karl Schlosser. Ohne teure Zutaten schmackhafte zu kochen ermöglicht MAGGI S SpeisenSuppen- u. Würze. Angelegentlichst empfohlen von Jakob Häuser, Ludwigstrasse 36. Schändlich betrogen ist jeder, dem statt des ven thm gewünschten Rattenmittels Es hat geschnappt stillschweigend etwas an deres als Ersag oder ebensogut verabfolgt wird. Die Unfenntnis des Publifums wird vielfach von gewiffenlosen Der. täufern dazu mißbraucht, Surrogate an den Mann zu bringen, weil mehr daran verdient wird. Man verlange aus. drücklich Es hat geschnappt". 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Bekanntmachung Die Sandgasse, zwischen Marktstraße und de Straße In Löbers Hof", wird wegen Kanalisations arbeiten von heute ab bis auf Weiteres für den Fuhr werfs- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 14. Juli 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung Die am 16. Mai 1. Js. angeordnete Sperre der nördlichen Wegerampe am Westende der in Verlänger ung der Klinifstraße gelegenen Brücke wird hiermit auf gehoben. Gießen, den 14 Juli 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachang. Nachdem die unter den Schweinebestand der Chr Haubach Witwe daher ausgebrochene Rotlauffeuche er loschen ist, w rd die angeordnete Gehöstsspeire aufge hoben. Gießen, 13. Juli 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Verblüffend ist die tadellos schnelle, sichere und vollkommen unschädliche Wirkung des Enthaarungsmittels AEONAL Diese Spezialität unserer Firma sei allen mit lastigen Gesichts- oder sonst am Körper unangenehm empfundenen Haaren Behafteten auf das Angelegentlichste empfohlen. 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