ust P If. illig. heke. 17. Auguft est Nr. 190. Zweites Blatt. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags. Samstag, den 15. August 1903. Gießener 12. Jahrgang. Jnsertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberhessen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Boftzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Ferusprechanschluß Nr, 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Brückenbauarbeiten wird die Kreisstraße von Wagenborn nach dem Holt- punkt Schiffenberg vom 17. bis einschließlich 19. A gust für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Während dieser Zeit muß der Fuhrverkehr von Gießen nach Watzenborn über Garbenteich oder Steinberg erfolgen. Gießen, 14. August 1903. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Am 21. ds. Mts, nachm. 2 Uhr, werden im hiesigen städtischen Hospital das dort befindliche Mobiliar, Betten, Schränke, Tische Stühle 2c. Haus- und Küchengeräte, Kleidungsstücke, Wetßzeug, Kinderzeug, Bettwerk, Reinigungsmittel 2c. öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 10. August 1903. Die Armen- Deputation der Stadt Gießen. Curschmann. Betr.: Schulversäumnisse. Gießen, 12. August 1903. en. Wozu Die Gr. Kreisschulkommission Gießen Aruse. rstr.27 Dekorative Wanduten Biere der ne erfter Firmen. oll isch, 5- AktienM. hebiebstahl. n empfiehlt sich en ingungen. Zahlen n Jahresprämie Mr. 5 Mr. 10 Mt. 15 ther, Marburgerftr br. cr. lb NEN! 8. April desstaaten besteh, aus abwechs. 30000, D, etc. etc. Prozent des her Beitrag Tage Reklarichten an: No. 95. an die Schulvorstände des Kreises. Unsere Verfügung vom 27. April 1900 in obigem Betreff bringen wir eindringlich in Erinnerung. Namentlich ist streng daran festzuhalten, daß Urlaub nicht gewährt werden darf, wenn er erbeten wird, weil im Elternhause geschlachtet wird, oder weil sich die Dreschmaschine daselbst befindet und bei dergleichen Anlässen mehr. Verfehlungen hiergegen werden entsprechend geahndet werden. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Die am 11. Juli 1. J. angeordnete Sperre der Marktstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 13. August 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V. Roth. Vermilchtes. [ Ein Schüßen- Ehrenprei für den Kaiser] ist diesem jetzt aus Metz übermittelt worden. Gelegentlich d diesjährigen Schützenfestes des dortigen Schüzenvereins batte der neue kommandierende General des 15. Armeekorps, Stößer, für den Kaiser einen Schuß auf die Ehrenscheibe abgegeben und damit den ſieb ten Preis, eine vom Schützenverein ell gestiftet wertvolle Brie erzielt. Jest nach seiner Rückkehr von der Nordland ise hat nun der Monarch befohlen, daß ihm sein Meter preis underzüglich zugesandt werde. Diesem Befehle wurde sofort Folge geleistet. [ Ein fast verhungertes Kavalleriepferd] wurde im Walde bei Marzahn im Kreise Westhavelland aufgefunden. Bei einer Felddienstübung des Leibgardehusarenregiments war das Tier einem Posten entlaufen und konnte nicht aufgefunden werden. Erst eine volle Woche später wurde es durch •-00000000 einen görper envcut. Es konnte ich faum bevegen, veil es sich in dem Zaumzeug und dem Geäst der Bäume volistän dig verwickelt und in dieser Lage ohne Futter und Wasser acht Tage lang zugebracht hatte. Nur mit Mühe konnte der Förster das Tier nach einem Gasthof befördern, um es dort einzustellen und zu pflegen, bis es von Husaren nach Potsdam geholt wurde. [ Des Müllers Rache.] Eine ergößliche Hochzeitsge schichte ist in Storkow bei Potsdam passiert. Ein dortiger Müller ward vor einiger Zeit von seiner Frau geschieden und hatte sich dann wieder verheiratet, wobei er seine zweite Hochzeit schlicht im kleinen Kreise feierte. Anders aber wollte dieser Tage seine geschiedene Frau ihre zweite Heirat feiern, als sie einem Ackerbürger die Hand zum Bunde reichte. Die Hochzeit sollte mit besonderem Aufwand in einem Gaſthof veranstaltet werden. Darüber ärgerte sich der Müller gewaltig, und als die neuvermählte Frau mit ihrem Mann aus der Kirche bei dem Hause ihres früheren Gatten vor überfuhr, goß dieser ihr vom Fenster aus einen Topf Wasser über den Kopf. Jeden weiteren Wagen der Hochzeitsge sellschaft, der vorbeikam, begrüßte der Müller mit Händeflatschen und Gelächter. Schließlich ließ er sich selber eine Kutsche kommen, in der er mit seiner jungen zweiten Frau, beide festlich gekleidet, Plaz nahm, und dann zum Aerger seiner geschiedenen Frau vor deren Hause auf und ab zu fahren. 106's wirfen wird?] Einen humorvollen Appell an die Ehre eines Taschendiebs richtet folgende Annonce eines Münchener Blattes:„ Sollte der Herr Taschendieb, der gestern Abend einem Herrn an der Garderobe des Residenztheaters das Portefeuille aus der Tasche nahm, nach Herausnahme des Geldes das Portefeuille noch nicht weggeworfen haben, so wird er gebeten, es per Post ins Hotel de Russie zu schicken, da die Papiere, die darin und aus welchen der Name des Herrn ersichtlich, für niemand anderen Wert haben und von ihm sehr vermißt werden." Nun ist es an dem Herrn Taschendieb, die Ehre seines Standes zu wahren. *[ Das verdutzte Bäuerlein.] Ein Beschluß der Stadtverwaltung von Freiburg i. B., einen zeitgemäßen Neubau an Stelle des baufälligen alten Theaters zu errichten, frischt manches heitere Vorkommnis, das sich an den alten Bau fnüpft, wieder auf. So erzählt man sich, daß vor Jahren, als das Hintergebäude des Musentempels noch als städtisches Versteigerungslokal diente, ein lokalunkundiges Bäuerlein aus dem Zartener Tal den zur Probe zum„ Trompeter von Säckingen" eilenden Choristen und Choriſtinnen, die es für Steigerungslustige hielt, die sich zum Steigerungslokal begeben, auf die Bühne folgte. Als nun aber statt der Stimme des Ausrufers der Choral heiliger Fridoline" von den Lippen der„ Steigerungsluftigen", die andächtig ihre Hände falteten, erklang, da ging dem biederen Zartener ein Licht auf. ,, Do bin i bigott läz dra", erklärte er ,,, i ha in d' Staige ring wölle, un nit in d' Kirche!" [ Mehr Licht!] In Marienbad, so erzählt ein Wiener Blatt, weilte jetzt, wie alljährlich, der Prinz von Orleans, der sich noch immer das Vergnügen macht, französischer Kronprätendent zu sein. Er nahm täglich ein elektrisches Lichtbad, das, wie man weiß, darin besteht, daß man bis zum Hols in eine Kiste oder Tonne eingeschlossen wird, die im Innern mit Lampen versehen ist. Das Licht dieser Lampen erhißt, kocht und erleuchtet den Körper des Eingeschlossenen. Davon sprach man vor einem gleichfalls in Marienbad weilenden Franzosen, der malitiös darauf erwiderte:„ Er nimmt ein Lichtbad? Dann sollte er wenigBriefbogen Formulare jeder Art. Preislisten Briefumschläge Rechnungen Plakate Tabellen Visiten, Speises u. Weinkarten fowie alle sonstigen Buchdradarbeiten bei mäßigen Breifen und solider Ausführung. stens auch den Kopf hineinste den!" Natürlich war es ein Bonapartist, der so respektwidrig redete. [ Die Humbert- Menagerie.] Unter der Spitmarke: ,, Der künftige Barnum der Familie Humbert" berichtet der " Figaro": Der Präsident Bonnet und die beigeordneten Richter, sowie jeder der Geschworenen im Humbertprozeß, haben folgenden, von Newyork kommenden Brief erhalten:„ Für den Fall, daß Sie die Mitglieder der Familie Humbert zu Gefängnis verurteilen sollten, habe ich die Ehre, Ihnen folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Sperren sie die Bande nicht ein, sodern vertrauen Sie sie mir an! Ich werde sie im Käfigwagen( stark vergittert!) unterbringen und sie durch Amerika schleppen, wo ihre öffentliche Ausstellung eine Anzahl Millionen bringen dürfte, die mehr als genügend sein wird, ihre Gläubiger zu entschädigen und die Gerichtskosten zu bezahlen. Für mich verlange ich nicht mehr als 10% von der Einnahme. Ich werde genug Detektivs haben, um jeden Fluchtversuch zu verhindern. Andererseits sollen die Wagen sehr bequem eingerichtet sein, und die Gefangenen sollen darin sehr gut behandelt werden..." Die Idee ist, obwohl echt amerikanisch, gar nicht übel. Aber das Rundschreiben ist„ Crawford" unterzeichnet, und dieser Name läßt es recht zweifelhaft erscheinen, ob der Brief echt und der Vorschlag ernstgemeint ist. [ Die Bibel als Polizeiwaffe.] In Zion City, einem von dem schottischen Settierer Dr. John Dowir gegründeten und verwalteten Städtchen bei Chicago, wird sich künftighin die Polizeimannschaft anstatt der bisher gebräuchlichen Knüppel und Revolver der Bibel als Waffe bedienen. Dr. Dowir, der sich auch den wiedererstandenen Propheten Elias nennt, ordnet an, daß bei vorkommenden Unruhen oder etwa nötig werdenden Verhaftungen von Gesetzesübertretern in der ihm zu eigen gehörenden Stadt die Polizisten ihre Bibel hervorzuziehen und daraus entsprechende, einen falmierenden Einfluß ausübende Terte vorzulesen haben. Dr. Dowir hat in den 10 Jahren, seit er seine Sefte gegründet hat, ein Vermögen von 40 Millionen erworben. [ Das Börsetrommeln in Amsterdam] hat wieder einmal begonnen und bildet für die Umwohner von Dom und Börse der sonst so friedsamen Stadt eine Zeit der furchtbarsten Ohrenmarter, die man aber in pietätvoller Rücksicht auf ein altes Herkommen über sich ergehen lassen muß. Vor etwa 200 Jahren in der zweiten Augustwoche so erzählt die Sage habe man die Börse in die Luft sprengen wollen, und zu diesem ruchlosen Zweck lagen bereits einige mit Pulvertonnen beladene Schuyten auf dem unter der der Börse fließenden oder eigentlich stehenden Wasser. Ein Waisenknabe, dessen Ball beim Spielen unter das Gewölbe gefallen war und der seinem lieben Spielzeug mit Lebensgefahr nachkroch, entdeckte hierbei zufällig den Anschlag, den zu vereiteln es denn auch glücklich gelang. Als man dem kleinen Retter freistellte, eine Belohnung zu fordern, äußerte er den Wunsch, mit seinen Spielkameraden eine Woche hindurch Tag für Tag während einiger Stunden nach HerzensLust auf der Börse trommeln zu dürfen. Die Bitte wurde gewährt und mit der Zeit bildete sich ein Servitut heraus, das die liebe Straßenjugend eifrig wahrnimmt. Aus allen Gegenden strömen die Kleinen Tag für Tag nach Geschäftsschluß der Börse herbei, und es dauert dann bis gegen 6 Uhr der ohrenbetäubendste Lärm, den man sich überhaupt vorstellen kann, während die ungeheure Trommlergarde mit ihren Instrumenten, die teils aus wirklichen kleinen und großen Pauken, teils nur aus Brettern und Schlägel, Zinntellern und Blechplatten bestehen, auf dem Plate vor der Börse und in den umliegenden Straßen ihr privilegiertes Geburts-, Verlobungs-, Vermählungs-, Todesanzeigen Beileidskarten Gießener Verlagsdruckerei. ( vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei) Gießen, Reneweg 28, im Gasthaus zum Löwen. Konzert ausführt, das„ Steine erweichen und Menschen rasend machen kann". Das Neufte aus den Witzblättern. Mißtranisch.„ Du, Alfred, Dr. Süßmund meinte eben, ich sei doch noch eine hübsche und stattliche Frau!"„ Trau ihm nicht der hat auch meinen Wein gelobt!" In Gefahr. Herr( für sich): Ilm Gotteswillen, wenn mich meine engen Stiefeln nur nicht in's Verderben stürzen! .. Bei jedem Seufzer wird meine Tischnachbarin liebenswürdiger!" Scharfblick. Weiberstimme( in die Wirtsstube hinein. rufend): Ob D' herkommist, Tropf, elendiger!" Ein Gast: Sie, Herr Wirt, went ruft denn Ihre Frau Nachbarin da?" Der Wirt: J' werd' amal zum Fenster ' nausschau'n. Wenn niy kommt war ihr Dackl g'meint, und wenn wer kommt ihr Mann!" Ein Pumpgenie.„ Herr Baron, der Schneider läßt sich heute nicht abweisen. Er sagt, er babe Inkassotag und sei schon bei zehn Kunden gewesen, die alle zubatten!" Zehn Kunden? Da hat er Geld bei sich!... Ich lasse ihn bitten, einzutreten!" Der Statistiker.,... Was, zwanzig Glas Bier trinkst du pro Abend?"" Ja! Aber bedenke doch, liebe Frau, daß andere wieder gar feins trinken!.. Wie soll da sonst ( Fl. Bl.) der Durchschnitt herauskommen?!" Hus dem Gerichtsfaal. § Beleidigung eines Eisenbahnschaffners. Die Straffammer in Hanau verwarf die Berufung des Freiherrn Eberhard von der Tann, der vom Schöffengericht in Fulda zu bierzehn Tagen Gefängnis wegen Beleidigung eines Eisenbahnschaffners verurteilt worden war. Der Angeklagte hatte im Oktober v. Is. auf der Fahrt von Fulda nach Tann die Mitreisenden belästigt, weshalb diese die Intervention des diensttuenden Schaffners Koch in Anspruch nahmen. Koch erklärte dem Freiherrn, daß er bei weiterer Belaſtigung der Fahrgäste aus dem Zuge gesetzt werden würde. Hierüber wurde der Angeklagte so aufgebracht, daß er den Beamten mit„ du" anredete und ihm Schimpfworte zurief. Der Vorfall wurde gemeldet, werauf die Eisenbahnverwal tung Strafantrag stellte. § Bestrafte Kirchhofsschänder. Eine rohe Kirchhofsschändung fand vor der Straffammer in Stargard i. P. ihre Sühne. In der Nacht vom 11. zum 12. Juni d. J. wurden auf dem israelitischen Friedhofe zu Dramburg einige zwanzig Denkmäler von zum Teil hohem Werte herausgerissen, umgestoßen und beschädigt. Auch die Mauer des Seminargartens wurde von Bubenhänden demoliert und mit den in einer Promenadenanlage aufgestellten Tischen und Stüh len allerlei Unfug getrieben. Als Täter wurden bald daraus bier dortige Arbeiter ermittelt, die an jenem Abend tüchtig gezecht hatten. Von den geständigen Angeklagten wurden die Arbeiter Porath und Marquarz zu je drei Jahren, der Arbeiter Kanizz zu zwei Jahren sechs Monaten, und der Arbeiter Brandenburg zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis berurteilt. § 277 Personen wegen Lotterievergehens angeklagt. Die Dortmunder Staatsanwaltschaft hat wegen Lotteriebergehens gegen 277 Personen Anklage erhoben. Es dürfte das wohl, was die Zahl der Angeklagten betrifft, der umfangreichste Prozeß sein, der überhaupt je zur Verhandlung gekommen ist. Die Uhrenfabrik Eyzelsior" in Chaux de Fonds in der Schweiz vertreibt ihre Fabrikate in Deutschland durch Anwendung des Hydrasystems, auf das auch die Angeklagten hineingefallen sind, deren Namen in den Besitz des Staatsanmalis gekommen sind. Die meisten sind nicht einmal in den Besitz der in Aussicht gestellten Ihr gelangt. Wo alle die Angeklagten bei der Verhandlung untergebracht werden sollen, ist unflar, denn einen derart großen Saal haben die Dortmunder Gerichtsgebäude garnicht aufzuweisen. In der Schwebe. [ Politische Wochenschau.l Je größer die Spannung war, mit der alle Welt den preußischen Kronrat erwartete, um so größer war die Ueberraschung der plößlichen Absage. Die Sensationslüsternen und die ewig Geheimnisvollen spizten die Ohren, und als gar bekannt wurde, daß der Reichskanzler seinen Vortrag beim Kaiser in Gegenwart des Zivilkabinettschefs von Lucanus gehalten habe, da stand es für sie fest, daß die Klärung der politischen Lage no ch, einige Minister aber schon in der Schwebe" seien. Indessen Herr v. Lucanus ist nicht bloß der schwarze Mann, mit dem man preußische Minister zu Bette bringt, sondern der Vorstand der kaiserlichen Kanzlei und seine Anwesenheit ist genügend erklärt, wenn man annimmt, daß vielleicht auch der Monarch privatim Informationen über die schlesische Notlage einziehen wollte, um entsprechende Verfügungen an die Verwaltung der Privatschatulle ergehen zu lassen. Der Verlauf des Kronrats hat dieser Vermutung denn auch Recht gegeben. Soviel ist sicher, daß ein wesentlicher Ministerwechsel nicht eintritt. solange das Schicksal des n ä ch sten Wahlkampfes ,, in der Schwebe" iſt. Augenblicklich macht sich dieser allerdings noch wenig bemerkbar, zumal ja auch der Wahltermin noch nicht festgesetzt ist. Der Aufmarsch der Parteien vollzieht sich mit ungewohnter Langsamkeit- Sommerzeit verträgt keine Aufregungen. Selbst die Sozialdemokratie, die es doch sonst niemals an Eifer und Schnelligkeit fehlen läßt, hat noch keine Maßnahmen getroffen. Eine zeitlang schien es allerdings, als ob sie Schlesien besonders aufs Korn nehmen und dort ihre besten Kräfte auf den Plan stellen wollte, aber davon ist sie doch abgekommen. Die Partei will ihre Kräfte nicht zersplittern; sie ist Gegnerin der Doppelmandate. Merkwürdig, wie glatt die öffentliche Meinung über diese Tatsache hinweggeht, obschon sich auch darin ein Stüd Taktik offenbart. Warunr will eine Partei, die von allen die größte Zahl Berufsparlamentarier und auch Doppelmandatare aus anderen Bundesstaaten aufweist, in Preußen sich nicht zweiteilen? Die Sache liegt klar zu Tage. Die ganze Schar Sozialdemokraten soll im kommenden Gesetzgebungsabschnitt im Reichstag stramm bei der Fahne gehalten werden, weil man offenbar auf eine schwache Frequenz im bürgerlichen Lager rechnet. Da kann es denn kommen, wie bei der Verlängerung des Branntweinsteuergesetzes, daß aus Versehen Beschlüsse herauskommen, wie sie die Mehrheit wollte, weder erwartete. Ueber die Vorlagen der kommenden Perio de berlautet nichts näheres. Soviel aber weiß man heute schon, daß voraussichtlich mit einem starken Defizit zu rechnen ist und daß weise Sparsamkeit und Selbstbeschränkung mehr als je am Blaze ist. Die Notlage der einzelnen Bundesstaaten machte für die Reichspolitik die Reichsfinanzreform zu einer immer dringlicheren Frage. In Preußen aber dürfte die Regelung der Schulunterhaltungspflicht im Vordergrunde stehen, mit der die Freikonservativen den Plan einer Umwandlung der Volksschule aus einer Gemeinde in eine Staatsanstalt verbinden wollen. Die Regierung aber wird einer halbamtlichen Bekanntmachung zufolge jede Verquickung dieser Gesetzesvorlage mit anderen Fragen ablehnen. Also bleibt die Schulfrage einstweilen noch in der Schwebe und es ist höchst wahrscheinlich, daß der nächste preußische Landtag lediglich eine rein geschäftsmäßige Tätigkeit vollbringen wird. Wenn diese Tagung sonach möglichst uninteressant werden kann, so bietet dafür das Ausland, besonders der Balfan, umsomehr Unterhaltungsstoff. In Mazedonien haben sich die Aufrührer militärisch organisiert, und wenn sie auch an Zahl der türkischen Armee nicht gewachsen sind, so tritt ihnen diese doch mit einer gewissen Zaghaftigkeit entgegen, weil sie einen unheimlichen Bundesgenossen bei sich haben: das Dynamit. So ist im Balkan alles in des Wortes berüchtigster Bedeutung in der Schwebe. Die Engländer möchten ja wieder, das ergibt sich aus den Aeußerungen der Staatsmänner im Oberhause, im Trüben fischen. Allein Rußland und Desterreich tun alles, um feine internationalen Schwierigkeiten entstehen zu lassen. Rumänien hat vor allem die Aufgabe, die wild werdenden Bulgaren im Schach zu halten. In dem gleichen Augenblicke, da man dort ein Armeekorps gegen die Türken mobil machen will, wird in Rumänien die gleiche Maßregel erwogen, um die Bulgaren nach der Rückfront zu konzentrieren. Infolge dieser Verhältnisse gewinnt die Zusammenkunft zwischen Kaiser Franz Josef und dem Monarchen von Rumänien, sowie die Bereitwilligkeit des 3aren, bei dem nächstens zu erwartenden Kinde des rumänischen Thronfolgers, falls es ein Knabe sein sollte, Batenstelle zu übernehmen, eine erhöhte Bedeutung. Die Rumänen sind mit ihrem Herrscher besser daran, als Serben und Bulgaren. Dem Serbenkönig laufen seine Minister, der Bulgarensürst läuft seinen Ministern davon. In Bulgarien ist man über den Jagd ausflug des Fürsten Ferdinand höchst ungehalten und ver langt seine Rückkehr. Man droht ihm sogar mit Verlust der Krone, weil man seine Jagdgeschichten nicht glaubt. Wenn Ferdinand vielleicht bei seiner Heimkehr am Schlag baum seines Landes die Aufforderung lesen sollte: Ferdi nand kehre nicht zurück, alles ist vergeben! dann wird ihm vielleicht ein Blitzlicht aufgehen, das ihm sagt, daß er allerdings in Bulgarien nichts mehr zu suchen hat, wenn alles vergeben ist selbst die Krone. Nab und Fern. * Der deutsche Kronprinz als Rennreiter. Auf dem Truppenübungsplatz Döberitz, wo der Kronprinz bekanntlich im Barackenlager einquartiert war, gewann er bei einem von der 1. Garde- Infanteriebrigade veranstalteten Wettrennen auf eigenen Pferden zweimal. Es waren sonderbarerweise gerade die beiden Rennen, für die er selbst Ehrenpreise gestiftet hatte, die er dann beidemal an den Reiter des zweiten Pferdes abtrat. Das eine Rennen gewann der Kronprinz erst nach schärfstem Kampf unter hartem Reiten, das andere ganz leicht. Anläßlich der Stadtbahnkatastrophe in Paris hat Kaiser Wilhelm den dortigen deutschen Geschäftsträger beauftragt, der Regierung seine Teilnahme auszudrücken. Präsident Loubet hat alsbald dem Kaiser für diesen Beweis der Teilnahme feinen Dant aussprechen lassen. Wie noch Braut- und Hochzeit- Kohlen 3 vermieten: Seidenstoffe in großartiger Auswahl. Hochmode ne Genres in weiß, schwarz und farbig zu billigsten Preisen meter- und robenweise, porto- und zollfrei an Jedermann. Wundervolle Foulards schon von 95 Pf. an. Muster bei Angabe des Gewünschten franto. Briefporto nach Ser Schweiz 20 Pfg. Seidenstoff- Fabrik- Union Adolf Grieder& Cie., Zürich G. 22 Kgl. Hoflieferanten ( Schweiz). bon den beften Zechen, Bußkohlen, Anthracit, u Brandplatz 15 ist im Erdgeschoß eine Wohnung mit zwei großen aus Paris gemeldet wird, sagte Ministerpräsident Combe! in seiner Rede bei der Trauerfeier für die auf Stadtkosten beerdigten Opfer des Unglücks, es stehe zu hoffen, daß diese grausame Lehre gute Früchte tragen werde. Jedenfalls werde die Regierung sich bemühen, alle mur möglichen Maßnahmen zu treffen, um das menschliche Leben gegen die Gefahren, die der Beruf mit sich bringe, zu schützen. Beit wäre es! Denn es hat schon wieder ein Brand infolge Kurzschlusses auf der Pariser Stadtbahn stattgefunden, diesmal zwischen den Bahnhöfen Etoile und Alma. Es herrschte, wie man sich denken kann, große Panik; doch kamien zum Glück keine Personen zu Schaden. † Empfindlich. Prinz Christian, der älteste Sohn des dänischen Kronprinzen, macht gegenwärtig mit seiner Gattin der Prinzessin Alexandrine von Mecklenburg- Schwerin, eine Segelfahrt längs der Küste Seelands. Als er Sletter besuchte und seine Segeljacht im Bootshafen vertaut hatte, erschien der Hafenvogt, um 50 Pf. Hafengeld zu erheben, zu dessen Zahlung der Prinz sich jedoch nicht herbeilassen wollte. Nun stellte der Hafenvogt die Wahl, zu zahlen oder den Hafen zu verlassen. Der Prinz wählte das letz tere, bestieg wieder seine Jacht und wandte dem hartherzigen Vogt den Rücken. Der Hofhund als Lebensretter. Der acht Jahre alte Sohn des Besizers Klopfer aus Niederaue wurde beim Baden in der Hochgehenden Oder von den Wellen fortgerissen und schien verloren. Ein großer Hofhund, der mit dem Knaben an den Strom gegangen war, stürzte ihm nach, faßte den schon Ertrinkenden und vermochte ihn bis an eine weniger tiefe Stelle zu ziehen, wo dann das Kind gerettet wurde. Direktor Waner von der Kitsonlicht- Gesellschaft in Dresden, dessen fürzliche Verhaftung und Enthaftung wohl noch erinnerlich ist, ist jetzt auf Grund eines Gerichtsbeschlusses seiner Stellung enthoben worden. Die Kitsonlicht- Gesellschaft ist überschuldet und der Konkurs steht vor der Tür. Die Guillotine in Siam. Der König von Siam ist im Begriff, die Guillotine in seinem Lande einzuführen, nachdem er sich die Ueberzeugung verschafft hatte, daß die Hinrichtung durch die Guillotine weniger Leiden als irgend eine andere verursacht. Der siamesische Gesandte ließ im Auftrag seines Gebieters eine Guillotine in Paris anfer: tigen und sie ist bereits nach Bangkok unterwegs. Verbrecher wurden bisher in Siam mit dem Schwert hin gerichtet. Der Delinquent fniete mit gebeugtem Kopf nieder und der Scharfrichter hieb denselben ab, manchmal erst nach mehreren Hieben. Es wird erzählt, daß in Siam Angeklagte zwar für schuldig befunden, aber nicht ver urteilt werden. Am nächsten Morgen indessen fragt der König oder der Gouverneur: Ist der und der noch da?" Wenige Minuten später antwortet der Beamte: Mögen Euer Majestät geruhen, er ist nicht mehr da!" Inzwischen war ihm der Kopf abgeschlagen worden. In dieser Weise werden die Grundsätze des buddhistischen Glaubens nicht verlett, der es ſtreng verbietet, einen Menschen zu töten. Berlin in Finanznöten. Beim Abschluß der Stadt. hauptkasse der Reichshauptstadt hat sich ein Fehlbetrag ergeben, der zwei Millionen Mark weit übersteigt. Nach Ansicht des Magistrats wird Berlin seine Gemeindeeinkommensteuer von 100 Prozent erhöhen müssen. Schon im vergangenen Jahre hatte die Stadt ein Defizit von 85 942 Mark zu decken. Wallfahrt zu Crispis Sarge. In Palermo wurde am Todestage des italienischen Staatsmannes Crispi dessen Leiche, die sich dank vorzüglicher Einbalsamierung wunderbar erhalten hat, in der Kapuzinerfirche zur Schau gestellt. Eine ungeheure Menge zog in langsamer Prozession an dem großen Toten vorüber. Namentlich bemerfte man sehr viele Offiziere aller Grade und Waffengattungen. Von seinem Schüßling ermordet wurde in Tübingen der Privatier Krauß. Dieser hatte im Gefängnis, wo er einen Tag Strafe wegen Beleidigung zu verbüßen hatte einen Landstreicher namens Räpple kennen gelernt, den er dann aus Mitleid mehrere Tage bei sich bewirtete. Räpple hat jetzt zum Dank für die ihm erwiesene Wohltat mit einem Komplizen den Privatier erdrosselt und die Wohnung ausgeraubt. Die beiden Mordbuben wurden bereits verhaftet. Durch Pilze vergiftet. Von den in Mülheim a. Rh., wie gemeldet, nach dem Genuß giftiger Pilze erkrankten 14 Angehörigen dreier Familien sind inzwischen 5 Personen gestorben. Mehrere andere kämpfen mit dem Tode. Ein auf die Kunde von den Erkrankungen aus Elberfeld herbeieilender Familienvater traf ein, als seine beiden neun respektive zwölf Jahre alten Knaben bereits verstorben waren und seine Frau in den letzten Zügen lag. Bunte Chronik. In Mainz wurde der 21. Deutsche Weinbaukongreß durch den Herzog von Hessen eröffnet. In Marburg wurde der Landgerichtssekretär Otto Florian wegen Unredlichkeiten im Amte verhaftet. In den Alpen haben sich wieder verschiedene schwere Unfälle ereignet. Bei Hall am See wurde durch einen Felssturz eine aus Vater, Mutter und Tochter bestehende Familie schwer verletzt; im Mont Blancgebiet stürzte ein französischer Bankbeamter Raphael Calier zu Tode. Parterre Wohnung, 5 Zimmer mit allem Zubehör, Gartenanteil sowie Trockenboden, zu vermieten. Näh Gießen, Nenenweg 28. 4-5- Zimmer- Wohnung. BleichMöl, Zimmer eventuell mi 2 Betten sofort zu verm. Gieken, Mrftftraße 11. chlofitelle zu verm. Gießen, Wetsteingoffe. 7. Näh. prima rheinische Briketts und zwei kleinen 3'mmern zu verſtraße 17, part., zum 1. Oktober Stallung für 2 Pferde und Zoks Prima Tannen- Brennholz zu ben billigsten Breisen. W " pro Centner geschnitten Mt. 1.20 gehackt 1.80 fedes Duantum fret ans Haus liefert Städtische Pflichtfeuerwehr. And. Euler. Donnerstag, 20. August, abends 8½ Uhr im Turmhaus am Brand Uebung der 3. und 4. Rotte. Gießen, am 15. August 1903. Der Branddirektor: Traber. 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