Nr. 163. bognomentopreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfs, ta's Saus gebracht 60 fg., burch die Poft bezogen viertels jährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhefftsche Familienzeitung( täglich) Oberbeffifche Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Besten bak, fowie bie Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt wfhent an allen Bertiegen nadmitage. Mittwoch, den 15. Juli 1903 Gießener 12. Jahrgang. Insertionsprei Os Die einpaltige Bettzelle e Gießen sto ganz Oberheffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 9ig. Bostzeitungsliste No. 360. Rebattion unb Expedition: teßen Nennweg 138. Bernsprechanlef As, 385. Neuelle Nachrichten ( isoner Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weßlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Esthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Bekanntmachung. Die Sandgasse, zwischen Marktstraße und der Straße In Löbers Hof", wird wegen Kanalisationsarbeiten von heute ab bis auf Weit res für den Fuhrweits- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 14. Juli 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Der Erzieherberuf des Offiziers. CB. In Rendsburg wurde ein Artilleriehauptmann Henning, weil er untergebene zur Mißhandlung von Soldaten aufgefordert hatte und wegen verschiedener anderer Vergehen, die aber hier nicht weiter interessieren, zu 7 Monaten Festungshaft verurteilt. Die öffentliche Meinung iſt in ſolchen Fällen nur zu sehr geneigt, die unliebsamen Vorkommnisse außerordentlich schroff zu beurteilen und den Grund für die unangemessene Behandlung der zur Obhut anvertranten Soldaten in einer natürlichen Bösartigkeit des Charakters zu sehen. In ähnlicher Weise werden auch viele, von einem Teile der Presse unter der typischen Spizmarke als Prügelpädagogen" an den Pranger gestellte Lehrer beurteilt. Und vielen unter ihnen geschieht hierdurch Un recht, denn nicht der Charakter, sondern das Temperament verschuldet bei ihnen dieses schroffe Verhalten. Es sind manchmal nicht die untüchtigsten Elemente, die hier zu Schuldigen werden, aber ihnen fehlt zur Ausübung des Erzieherberufes das Maß von Selbstbeherrschung, das notwendig ist, um in Ruhe und Geduld die Widerstände der unreifen und noch undisziplinierten Elemente zu überwinden. Es ist die menschliche Unvollkommenheit, die man verstehen muß, um sie ertragen zu können, die aber lebhaften und stürmisch vorwärtsdrängenden Naturen schier unüberwindliche Qualen auferlegt. In dem Maße, wie die objektive Ruhe sie verläßt, in demselben Grade verlieren sie auch das Verständnis für ihre Rechte und Pflichten, und Naturen, die bei einem Zusammenwirken günstiger Umstände für die geistige und fachliche Ausbildung ihrer Untergebenen von hohem Werte sein würden, werden förmlich zu einem Schrecken für diese, weil sich ihr Temperament den Reibungswiderständen nicht genügend gewachsen zeigt. Man kann aber auch mit Zug und Recht die Frage aufverfen, ob das militärische System des unbedingten Gehorsams und der Disziplin nicht solchen Sanguinikern und Tholerikern noch zur Entwickelung ihrer Temperamentfehler halbwegs entgegenkommt. Während der Lehrerberuj much in der praktischen Anleitung streng nach Erziehungsgrundsätzen zugeschnitten ist, sieht die Berufsausbildung des Offiziers mehr auf die fachliche, als auf die erzieherische Befähigung. Das mag wohl in früheren Jahrhunderten, wo der Soldatenberuf ein Gewerbe war, richtig gewesen sein, aber heute steckt im Soldatenrock der fünftige Staatsbürger. Die Militärpflicht ist die plastischste Form des Vorrechts der Allgemeininteressen vor den persönlichen Interessen, dem Allgemeininteresse muß der Soldat seinen eigenen Willen und seine Persönlichkeit zum Opfer bringen. Dem militärischen Vorgesetzten ist die Macht und die Befugnis in die Hand gegeben, um diesen Verzicht des Soldaten auf die Geltendmachung seiner Persönlichkeit unter Umständen zu erzwingen. Es liegt aber klar zutage, daß eine langsame Ableitung des Ich im Menschen und eine bewußte Unterwerfung des Einzelnen unter den in der Militärdisziplin erneut zum Ausdruck kommenden Gesamtwillen des Staates, d. H. die Anerkennung der Notwendigfeit eines derartigen Opfers das Wünschenswerteste ist. Die Anwendung des Zwanges bildet Sklavennaturen heraus, die Erziehung zum Verständnis der Disziplin, die Erziehung zur Erkenntnis, daß die Disziplin und der willenlose Gehorsam gegen die Vorgesetzten eine Notwendigkeit ist, aber erstickt wenigstens im Soldaten nicht das stolze Gefühl seiner Menschenrechte, denn er bringt ja das Opfer seiner Persönlichkeit nicht, weil ihn äußere Machtmittel, sondern weil ihn seine Einsicht und die richtige Würdigung der Gesamtinteressen dazu zwingen. Demgemäß muß der Offi zier sich als Erzieher fühlen und den Gehorsam des Soldaten und die Ausführung seiner Befehle nicht als ein per sönliches Recht fordern, sondern als eine öffentliche Pflicht gegen die Staatsgewalt, an deren Erefutive er beteiligt ist. Härte und unnachsichtliche Strenge und auch diese nur im Rahmen der Disziplin sind demgemäß nur einer böswilligen Verweigerung gegenüber am Plate; wo sich aber in den Schwierigkeiten des Dienstes lediglich die menschliche Unvollkommenheit zeigt, muß der Offizier wie der Lehrer jenes Maß von Ruhe bewahren, ohne das sich Erfolge beim Erziehungswerk nicht erreichen lassen. Wem hierfür jede Veranlagung fehlt, der taugt eben nicht zum Frontoffizier. Es liegt aber auf der Hand, daß auch Selbstbeherrschung und Geduld zum Teil durch Willensenergie erworben werden können. Bei Fällen von Soldatenmißhandlungen auch wenn sie nicht durch Böswilligkeit, sondern durch eine gewisse Zügellosigkeit des Temperaments berschuldet sind sollte stets genau geprüft werden, ob eine Aenderung zu erwarten ist. Jüngere, zu sanguinischen und cholerischen Ausbrüchen neigende Naturen müssen ge nau überwacht und bei geeigneter Gelegenheit zurechtgewie sen werden; hilft das nichts, dann ist es besser, man verabschiedet solche Elemente, als daß man ihre Ausbrüche zur Quelle von Mißstimmungen unter den Soldaten wer den läßt, die sich vielleicht nach einigen Jahren im Verhältnis der betreffenden Bürger zum Staate äußern. Die Politik. Steuerrestanten nicht wahlberechtigt! Angesichts des Umstandes, daß in Preußen und vielen anderen deutschen Bundesstaaten nicht nur das Gemeindewahlrecht, sondern auch das Landtagswahlrecht von einer gewissen Steuerleistung der Bürger abhängt, ist eine Entscheidung des preußischen Oberverwaltungsgerichts von Interesse, die Steuerrestanten als nicht wahlberech tigt hinstellt. Der Magistrat einer Posener Stadt hatte bei der Berichtigung der Gemeindewählerlisten eine Anzahl Personen gestrichen, die bis dahin ihre Gemeindeſteuern nicht entrichtet hatten. Die Gestrichenen erhoben dagegen Einspruch. Sie vertraten die Auffassung, daß die Entrichtung Der Gemeindeabgaben für die Ausübung des Wahlrechts nicht nötig sei, es genüge, wenn die Steuerveranlagung in der erforderlichen Höhe erfolgt sei. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß, daß die Gestrichenen sämtlich in die Wählerliste wieder aufzunehmen seien. Der Magistrat focht diesen Beschluß mit der Klage an, und der Bezirksausschuß gab ihm Recht, ebenso bei der weiteren Verfolgung der Sache auch das Oberverwaltungsgericht. Ein Krach im Koburger Landtag. O zu einem scharfen Konflikt kam es im gothaischen Landtage zwischen dem Präsidenten Liebetrau und dem sozialdemokratischen Vizepräsidenten Bock. Letzterer hatte, als Liebetrau einen Abgeordneten zur Ordnung rief, bemerkt, der Ordnungsruf sei in einem Kommandoton erfolgt, als vären die Abgeordneten„ dumme Jungen". Daraufhin legte Liebetrau das Präsidium nieder. Als der Vizepräsident Bock ihn im weiteren Verlauf der Verhandlungen ersuchte, den Vorsitz wieder zu übernehmen, weigerte sich Liebetrau und erklärte, er wolle überhaupt auf sein Mandat verzichten. Daraufhin nahm Bock, von anderen Abgeordneten gedrängt, seine Bemerkung zurück, und der Landtag vählte dann einstimmig Liebetrau wieder zum Präsidenten. Dynamitanschläge in Kroatien. In der Nacht zum Dienstag gab es in Agram, der froatischen Hauptstadt, zwei große Dynamiterplosionen. Die eine erfolgte an dem Hauſe des über 80jährigen, sehr_wohltätigen und allgemein geachteten Domherrn Dr. Martin Martunci; das Haus wurde stark beschädigt. 105 Fensterscheiben sprangen in Trümmer. Der greise Würdenträger wurde in seinem Bett von Glassplittern förmlich übersät. Auch an den Nebenhäusern sprangen viele Scheiben. Die andere Explosion fand in der Redaktion der„ Narodne Noviny" statt, sie richtete ebenfalls großen Schaden an. Die Dynamitbolde sind noch nicht ermittelt. Eine Königin im Eril? Eine seltsame Nachricht kommt aus Madrid: KöniginWitwe Christina von Spanien, die zur Zeit in Paris meilt, soll gehindert werden, nach Spanien zurückzukehren. Man will den jungen König dem Einfluß seiner Mutter entziehen. Königin Christina wollte in nächster Zeit nach Spanien zurückkehren; der König sollte sie in San Sebastian, wo sic wohnen wollte, besuchen. Als die spanische Regierung davon erfuhr, ließ sie der Königin durch den spanischen Botschafter in Paris mitteilen, daß ihr Besuch in Spanien unerwünscht sei. Bewahrheitet sich diese Meldung und sie klingt nicht unwahrscheinlich so bestätigt sie zugleich die Richtigkeit des Gerüchts, das bei der Abreise der Königin aus Spanien auftauchte: des Gerüchts, daß sie nicht freiwillig das Land verlassen habe, sondern von den politischen Drahtziehern im Kabinett dazu gezwungen sei. Der Newyorker Streik beendet! Nach mehrmonatlicher Dauer neigt sich der große Streif der Newyorker Bauarbeiter seinem Ende zu: Die Arbeitgeber haben den Sieg davongetragen. 20 000 Arbeiter nahmen am Dienstag die Arbeit wieder auf, weitere 30 000 dürften binnen furzem folgen, und auch die Wiederaufnahme der Arbeit seitens der übrigen 150 000 Arbeiter ist binnen kurzem zu erwarten. Damit hat ein Streif sein Ende gefunden, der eine Schädigung des wirtschaftlichen Lebens Newyorks um ungezählte Millionen in Gefolge gehabt hat. Frische Kundgebungen gegen König Eduard. Im August dieses Jahres beabsichtigt König Eduard, der grünen Insel" einen Besuch abzustatten. Man kann nach den Vorgängen, die sich dieser Tage in Dublin ereignet haben, nicht behaupten, daß der König von den Fren mit offenen Armen empfangen werden wird. In Dublin ver. handelte die Stadtverordnetenversammlung über den Empfang des Königs. Die Ueberreichung einer Adresse an den Könia feitens der städtischen Behörden wurde nach ſtürmischer Debatte abgelehnt. Eine Probe von der Gesinnung der irischen Patrioten dem Könige gegenüber bietet eine in der Debatte gefallene Aeußerung eines Magistratsmitgliedes, des Stadtrats Kelly, und ihre Behandlung durch den Lordmayor, das Stadtoberhaupt. Kelly erklärte, der gegen die Katholiken gerichtete, bei der Thronbesteigung abzulegende Verfassungseid des Königs sei infam und von einem infamen Könige geleistet". Als der Lordmayor darauf von verschiedenen Mitgliedern aufgefordert wurde, eine Zurücknahme dieser Worte zu verlangen, erwiderte er, er könne das nicht, da er mit Kellys Worten sympathisiere". Man ann sich danach schon heute auf stürmische Vorkommnisse bei der Ankunft des Königs in Irland gefaßt machen. Kurze politische Nachrichten. Zum Nachfolger des Herzogs von Trachenberg im schlesischen Oberpräsidium ist, wie unser Berliner CB. Mitarbeiter aus guter Quelle hört, allen bisherigen Dementis zum Trotz Fürst Lichnowsky, der gegen värtig im diplomatischen Dienste des Reiches tätig ist, cus ersehen. * Eine in Straßburg i. Els. abgehaltene Konferenz von Gemeindevertretern, Kreisdirektoren u. s. w. hat die Einrichtung eines Verbindungsdienstes zwischen den elsa- lothringischen Arbeitsnachweisstellen durch Bermittelung einer Landescentralstelle in Straßburg beschlossen. Mit den süddeutschen Nachbarländern soll gleichfalls eine solche Verbindung angebahnt werden. Die amerikanische Unabhängigkeitsfeier hat auch in diesem Jahre wieder eine ganze Anzahi amerikanischer Fürger das Leben gekostet. Am Tage der Unabhängigkeitsfeier wurden in der Union 5 Tote und über 3000 Vervundete gezählt, die im Gedränge, bei Prügeleien 11. s. 1. ums Leben famen oder verwundet wurden. Weitere Fälle verden noch täglich gemeldet. Hof und Gesellschaft. *** Von der Nordlandreise des Kaisers wer den aus Bergen folgende Einzelheiten gemeldet: S. M. Y Hohenzollern" trat am 11. Juli morgens 8 Uhr von Swine münde die Reise nach Norwegen an und passierte bei schönem Wetter nachmittags den Sund. Den Salut für die dänische Flagge gab der begleitende Kreuzer„ Nymphe" ab. Die Erwiderung erfolgte von dem dänischen Fort. Nachts wurde in der Bucht vor Skagen geanfert. Am 12. morgens wurde die Fahrt fortgesetzt. Abends gegen 10 Uhr warf die„ Hohenzollern" an der norwegischen Kiiste vor Kopervik Anker und ging am 13. Juli morgens nach Bergen weiter, das gegen 2 Uhr nachmittags unter dem Salut der Forts erreicht wurde. Das Wetter war bis zum 12. Juli abends schön, wurde dann aber kalt und regnerisch. *** Die Kaiserin hat sich mit den Prinzen August, Wilhelm und Oskar von Kiel aus nach Cadinen begeben vo sie bis zum 2. August weilen wird. An diesem Tage iedelt sie mit ihren Kindern von Cadinen nach Schlof Wilhelmshöhe bei Kassel über, wo im Monat Auguſt die Jesamte kaiserliche Familie vereinigt sein wird, da auch der Raiser nach Beendigung seiner Nordlandreise dort Aufenthalt zu nehmen beabsichtigt. ** Prinz Eitel Friedrich von Preußen, sowie der Herzog Karl Eduard von Sachsen- Koburg und Gotha und ber Erbprinz von Sachsen- Altenburg, die zur Teilnahme an ben Festspielen des Rheinischen Göthevereins in Düsseldor sintrafen, wurden dort von dem Finanzminister Frhrn. von Rheinbaben, dem Regierungspräsidenten Schreiber und Ober bürgermeister Marr am Bahnhofe empfangen. Hierauf be Jaben sie sich nach dem Parkhotel und später in das Stadt heater. *** Herzog Ferdinand Karl von Oesterreich, der Thef des preußischen Jägerbataillons Nr. 5, ist zur Besich igung desselben in Hirschberg in Schlesien eingetroffen und som Kommandeur, Obersten v. Trossel am Bahnhofe em fangen worden. Nach der Besichtigung fand im Kasino ein Festessen statt, woran sich ein Besuch der Schießstände im jägerwäldchen anschloß. Konklave- Schmerzen. Rom, 14. Jult. Unruhe im Vatikan und draußen. Nach der anschei nenden Besserung im Befinden des Papstes der furchtbarste Rückfall. Die größten Optimisten in der näheren Umgebung Reos XIII. wagen es nicht mehr zu leugnen, daß das Ende anabwendbar ist. Wer Augen zu sehen hat, konnte auch ohne die Berichte der Aerzte, die eine Abnahme der Geisteskräfte des Papstes nunmehr zugeben, ja durchschimmern lassen, daß der Kranke jest bewußtlos sei, merken, daß etwas Besonderes im Vatikan vor sich gehe. Kardinale, Prälaten und ein Schwarm von Neugierigen drängten dorthin. Sieben Kardinäle wurden vom Papst empfangen, auch sie sollen den Eindruck gewonnen haben, daß das Ende nahe bevorstehe. Deshalb hat sich auch der Chefkommissar der römischen Polizei nach dem Bolizeifommissariat begeben, in dessen Bezirk der gäbe ist, oder Freund, Bruder, Vater darin besteht, den nächsten wo einer dem andern gar nichts wder nut wenig glaubt und wo die Kunst des Lebens hauptsächlich heißt er nun Bekannter oder Mutter überFrage Sie die Fontäne in wurde. besonders oben, vom Berg Pacuschi, genährt werden wird; sehen der Mitte schon vor sich?" Lettere enthusiastischem Tone ge es soll hier ein großer Teich gegraben werden, der von in wandt finden, und gerade bei mir Des sogenannten Herrn der Schöpftrifft es zu, daß mein hingegen wird man dieses absolute Souveränitätsprinzip biel feltener angeWille für alle gilt, die das Fleckchen, das ich mein Eigentum nenne mit m ben Sie nur Ihre Sho um das, wenn nur irgend möglich, zu wiz gehenden Tage in einem Zustande der größten Erregung. Beamte befanden uns schon während der beiden vorher Einen Tag, bevor die verhängnisvolle Fahrt stattfinder erreichen, und s hatte es i meiner Bob Batikan liegt, um für den Fall des Eintritts der Katastrophe, die unmittelbar bevorzustehen scheine, die nötigen Ord. nungsmaßregeln zu treffen. Und überall bilden sich Gruppen, auf den Plätzen, in den Cafés, die die Chancen der Bapabili im bevorstehenden Konklave jetzt allen Ernstes eifrig erörtern. Zu den bereits bekannten Kandidaten Rampolla, Oreglia, Gotti, Ferrari, Agliardi ist unerwartet ein sechster getreten: der amerikanische Kardinal Gibbons. Kein anderer, so ver lautet in vatikanischen Kreisen, von den Kardinälen, die am Ronklave teilnehmen werden, repräsentiert so viel katholische Gläubige, wie Gibbons. Kuba und die Philippinen inbegriffen, seien es mindestens 30 Millionen. Außerdem erkenne das heilige Kollegium seine große persönliche Auto rität voll an. Er verkörpere nicht, wie Banutelli, die Oppo sition gegen die franzosenfreundliche Politik Rampollas, ebensowenig, wie Oreglia, die Reaktion gegen das Intriguenspiel im Vatikan, auch nicht, wie Gotti, eine solche gegen ein mehr politisches als religiöses Papsttum: Nein, Gib bons sei der Typus einer völligen Opposition gegen alles, was in der Kirche veraltet sei. Deshalb habe er viel Sym pathien, andererseits sei aber auch nicht zu leugnen, daß manche seiner unmodernen Ideen einige Kardinale abzuschrecken geeignet seien. Jedenfalls sei er eine Persönlichteit, mit der man zu rechnen habe. )( An einem Grashalm erstickt. Ein eigenartiger Unglücksfall sei zur Warnung hier wiedergegeben. Ein Wagenwärter in Heimburg hatte während der Arbeit seine Flasche mit Kaffe in das Gras an einen Grabenrand gelegt. Als er nachher trank, verschluckte er ein Stückchen Grashalm, das an dem Flaschenhalse saß. Dieses blieb im Schlunde sitzen und trotz ärztlicher Hilfe gelang es nicht, es zu ent fernen. Es stellten sich starke Schwellungen ein, an denen der Bedauernswerte starb. Das tut denn auch, wie man hört, Monsignore Rampolla ernstlich. Nur daß er versucht, Gibbons großen Einfluß für sich geltend zu machen. Man spricht von allerlei strategischen Maßnahmen des mächtigen Kardinal Staatssekretärs, wie bie bereits erwähnten des eventuellen Stimmenaustausches zwischen ihm und Gotti, aber schließlich muß man sich doch eingestehen, daß das alles nur Mutmaßungen sind, die von in Kontlave- Schmerzen versunkenen Journalisten und Poli tikern in die Welt posaunt werden. Ueber die eigentlichen Absichten und Handlungen Nampollas tappt alles in und außer dem Vatikan im Dunkeln. Was von Interviews mit ihm den Lesern römischer und fremder Blätter aufgetischt wird, ist sicher erfunden. Der Journalist sollte noch geboren werden, der den verschwiegenen Kardinal zum Sprecher bringen sollte, ganz abgesehen davon, daß er überhaupt nich zu ihm gelangt. Rampolla empfängt aus Grundsak feiner Interviewer, verschmäht es aber auch, falsche Nachrichten 31 dementieren. Er läßt die Zeitungen schreiben, was sie wollen und geht unbeirrt seinen eigenen Weg. Jetzt hält er der Batikan hermetisch verschlossen, die sensationshungriger Journalisten haben nicht einmal mehr die zweifelhafte Ge nugtuung, von Lakaien, Wachtposten und ähnlichen„ Hoch politischen" Persönlichkeiten zuverlässige" Nachrichten fü schweres Geld zu erhandeln: Konflave- Schmerzen! Ei * Die deutschen Schiffsbautechniker in Schweden. Die deutsche schiffsbautechnische Gesellschaft gab auf Hasselbecken bei Stockholm ein großes Jestessen, zu dem eine große An zahl hervorragender Stockholmer Persönlichkeiten und zahl. reiche Mitglieder der deutschen Kolonie geladen waren. An wesend waren unter anderem der schwedische Marineminister v. Palander, der Finanzminister Meyer, der Oberstatthalte von Stockholm Dickson. Professor Busley eröffnete da. Fest mit einem Toast auf König Oskar und Kaiser Wilhelmi worauf die schwedische und die deutsche Nationalhymne ge sungen wurden. Finanzminister Meyer brachte ein Hoc auf die Schiffsbautechnische Gesellschaft aus. Von Kön'y Oskar, an den nachmittags ein Huldigungstelegramm abge sandt wurde, lief ein Antworttelegramm in deutscher Sprachc ein. Das Fest schloß mit einem zwanglosen Zusammensein. Die Vorbereitungen zum Kontlave sind im vollen Gange Bum Sekretär wird dem Vernehmen nach Monsignor Marin ernannt werden. Den Sicherheitsdienst wird als Doyer des diplomatischen Korps der portugiesische Botschafter bein päpstlichen Stuhl übernehmen, d. h. er wird durch direkte Verbindung mit Marini die Vermittelung etwaiger Mit teilungen zwischen den Mächten und der provisorischen Re gierung des päpstlichen Stuhls vermitteln. Kardinal Dreglic hat gleichfalls seine Hand in diesen Vorbereitungen. hat angeordnet, daß er in Gemeinschaft mit Gotti, Macch und Vanutelli sofort beim Tode des Papstes nach dem Vati fan geholt werden sollen. Gotti und Macchi sollen dort da im Schlafzimmer befindliche Testament des Papstes öffner und die Siegel anlegen. Auch sonst hat Kardinal Oreglic Konklave- Schmerzen, liegt ihm doch die Fürsorge für die Instandsetzung der Gemächer für die Kardinale ob, auch fü die, die während der neuntägigen Leichenfeier im Vatikar bleiben müssen. Der Zustand des Papstes Aus den Ueberschwemmungsgebieten der Oder liegen beunruhigende Nachrichten zur Zeit nicht vor. Allerdings sind noch weite Landstrecken überschwemmt und in Bres I a u steht ein großer Teil der Stadt unter Wasser. Aehnlich sieht es in den galizischen Weichselländern aus. In der Umgebung von Strafau ist weit und breit alles überschwemmt. Das Hochwasser hat große Verwüstungen angerichtet. Den Wällen der Weichsel drohte große Gefahr, ebenfalls war die Brücke zwischen Krakau und Podgorze stark gefährdet. Das Wasser führte Leichen, Häuser- und Brückenreste mit sich. (:) Deutsche Schiffsjungen in Petersburg. Das deutsche Schulschiff„ Elisabeth" liegt zur Zeit in Petersburg. Die Kadetten und Schiffsjungen der„ Elisabeth" haben die Sehenswürdigkeiten von Petersburg und Umgebung be sichtigt und haben überall den besten Eindruck gemacht. Die„ Elisabeth" erweckt namentlich in Marinekreisen das allgemeine Interesse. ist nach den neuesten Berichten aus Rom hoffnungslos. Es ist eine Periode völligen Kräfteverfalls eingetreten, die un bedingt zur Auflösung führen muß. Der Kranke ist meis bewußtlos. Die Harntätigkeit wird immer ungenügender bie Schwellung der Beine nimmt ständig zu. Die Aerzti versuchen weiter, mit Einspritzungen und Sauerstoffzufüh ung das fliehende Leben festzuhalten. Wie lange es ihner jelingen wird, können sie selbst nicht bestimmen. Die Dis ussionen darüber, ob der Papst an der Lunge oder, wie mar nich will, an Leberkrebs leide, haben nur noch akademischer Wert. Nab und fern. Bunte Chronik. In Olbersdorf bei Zittau wurde wegen Unterschlagung von 25 000 Mart zum Schaden der Weberei Wagner u. Co. die Detailverkäuferin Weigelt verhaftet. Ein Auslands- Kommando des Prinzen Adalbert wird diesen im nächsten Herbst zu seiner letzten Ausbildung als Seeoffizier an Bord des großen Kreuzers Hertha" zwei Jahre nach Ostasien führen. Zum militärischen Begleiter ist ihm für den Aufenthalt in Ostasien Kapitän zur See Freiherr v. Schimmelmann beigegeben, der bisher Marinebertreter für die nordischen Reiche mit dem Wohnsitz in Petersburg war. Freiherr v. Schimmelmann ist zum Herbst gleichzeitig zum Kommandanten des Kreuzers Hertha" er nannt worden. Prinz Adalbert beging gestern im Beisein der Kaiserin in seiner Villa zu Düsterbrook bei Kiel seinen 19. Geburtstag. sich um eine 35 bis 40 Fuß hohe Nachbildung der Ausstellungsstadt, auf welcher jedes öffentliche Gebäude, jedes Hotel, jede Verkehrseinrichtung deutlich erkennbar darge. tellt werden soll. Die Größe der Ausstellungsstadt wird den Besuchern erst durch dieses Modell klar werden, auf welchem der gewaltige Mississippistrom nur als ein Streifen von zwei Zoll Breite erscheinen wird. -Aus der dänischen Frrenanstalt Middelfort entwich der russische Hochstapler Micholsky, der wegen großer Betrügereier interniert war. - In Spanien richteten Wolkenbrüche furchtbare Ve:- heerungen an. Ueberschwemmungen und Hagel vernichteten die Ernten zum großen Teil. Aus dem Gerichtsfaal. A[ Nur für Stammgäste!] Kellnerin( zum Gast):„ Sie vünschen?" Gast: Sch möchte gern Schweinsbraten und Salat, wenn er noch so gut ist, wie vor drei Jahren, und für meinen Hund eine ordentliche Portion Hundefutter." - Kellnerin:„ Den Schweinsbraten bekommen Sie gleich, aber das Hundefutter bekommen nur die Stammgäste!" [ Der verfehlte Beruf.] In einem Aufsatz der letzten Nummern der„ Nouvelle Revue" findet sich folgende humo. ristische Anekdote aus dem Leben des bekannten Dichters Ramartine. Im Jahre 1859 bat der Handwahrsager Des. jarolles den Dichter um die Erlaubnis, ihm aus den Linien einer Hand die Zukunft prophezeien zu dürfen. Lamartine hatte nichts dagegen. Als Desbarolles die Hand gesehen hatte, rief er aus:„ Was ist denn das? Soll ich Ihnen etwas sagen? Ich erwartete, eine fast weibliche, zarte, weiße Hand, eine Ossian- Hand, zu finden. Donnerwetter! Ich finde ja gerade das Gegenteil, mein Bester! Sie haben eine Hand mit großen, knorrigen, fnochigen Fingern, die Hand eines Großkaufmannes!" Als Desbarolles das gesagt hatte, besann er sich plötzlich und wurde sehr verlegen; es tat ihm leid, zu Lamartine so gerade heraus gesprochen zu haben. Aber der Dichter nahm ihm das durchaus nicht übel; er wäre ihn beinahe um den Hals gefallen und sagte mehmütig: Geschäft, Handel, dafür war ich geboren- ich wußte es ja!" § Ein trübes Bild aus dem Großstadtleben entrollte eine Verhandlung vor der Berliner Straffammer, die mit der Verurteilung des 26jährigen Kaufmanns Max Manasse vegen Wechselfälschung zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis schloß. Manasse, der Sohn eines verstorbenen reichen Würz. burger Großkaufmanns, hatte, um das Leben eines Grand. seigneurs führen zu können, wozu die ihm von seiner Mutter gewährten Zuschüsse nicht ausreichten, Wechsel über bedeutende Beträge gefälscht und in Umlauf gebracht. Doch wurde ihm als mildernder Umstand angerechnet, daß Leute, die sich auf Sportpläßen und in feinen Balllokalen an ihn drängten, seinen Leichtsinn und seine Unerfahrenheit wucherisch ausgebeutet hatten. Er hatte kaum die Hälfte von dem Gelde erhalten, das er auf Wechsel schuldig war. § Der Humbert- Prozeß von neuem verschoben?! Im Pariser Justizpalast ist das Gerücht verbreitet, daß der auf den 8. August anberaumte Prozeß gegen die Familie Hum. bert wahrscheinlich vertagt wird, weil Frau Humbert lei. dend sei. Wenn dies Gerücht recht behält, so werden die Tuscheleien über Enthüllungen Madame Thereses, die der französischen Regierung unbequem sein sollen, neu belebt werden. Die Plünderung eines deutschen Dampfers wirft auf die Zustände an der Küste der afrikanischen Negerrepublik Liberia ein erschreckendes Licht. Der Dampfer der Wörmann- Linie„ Lulu Bohlen" war bekanntlich nächtlicherweile an der liberischen Küste gestrandet. Kurz nachher waren schon hunderte von Negern zur Stelle, nahten mit Booten dem Schiffe und erstiegen es trotz der Gegenwehr der Mannschaft und der Passagiere. Alles, was nicht niet- und nagelfest war und wertvoll erschien, wurde mitgenommen, einzelnen Passagieren sogar die Kleidung vom Leibe gerissen. Der Kapitän, der zweite Steuermann und ein Steward suchten die 600 Pfund Sterling enthaltende Schiffskasse und die Schiffspapiere zu retten und verschanzten sich in der Damenkajüte. Die Tür wurde aber von der Uebermacht eingerannt, die Verteidiger, welche mit messingenen Gardinen stangen fochten, wurden überwältigt und mußten sich ergeben. Nachdem die Kajüten vollständig ausgeraubt waren. entfernten sich die Strandräuber, und mun konnten die Passagiere und Mannschaften in den Booten ans Land gebracht werden, wo sie in den Faktoreien der Firmen Wör mann und West untergebracht wurden. Auch diese versuch ten die Neger zu stürmen, ließen sich aber durch Abstands summen, welche die Leiter der Faftoreien zahlten, zum Ab zug bewegen. Die Passagiere wurden dann nach dem 60 englische Meilen nördlich gelegenen Hafenplay Sinon gebracht, von wo sie mit dem nächsten Dampfer der Wör mann- Linie weiterbefördert wurden. Kleine Gerichts- Chronik. Das Urteil im Pommern bank- Prozeß wird voraussichtlich am Freitag dieser Woche gesprochen werden. Die bera lofalen Teil, der Zeitung führt * Der Han folgendes: Der diesjährigen Erm abweichenden Erg sind durch die fammer sowohl, fcheidungen die etwas beffer getle eine fchärfere R worden. Die 8 unwesentlich ver entsprechend ver werbliche Anlage Bergbetrieben mi infpeftion 1105 tommen. Außerd triebene Steinbri zwar befannt, ab * Landwir Wie uns mitgete fhidung unferer außerordentlich f 150 Nummern a ber 1885er der gegen find Pferd melbet. Ebenso 1895er gleidhfom dieses Viehzuchtz meldetermin für gefchloffen, sonde worben. Dagege schickt werden. sich die Beschic melbetermine noc [ Eine ergötzliche Hasengeschichte] wird aus Pettan ( Steiermark) mitgeteilt: Ein Bauernweiblein trollte vom Pettauer Wochenmarkte durch den Wald ganz vergnügt ihrer Heimatsgemeinde zu. Da hörte sie plötzlich ein Rascheln im dürren Laube und gewahrte einen Hasen, der vergebliche Anstrengungen machte, sich aus der Drahtschlinge zu befreien. Das Weiblein dies eräugen und sich auf den armen Lampe stürzen, war eins, und bald gelang es, den Hasen der Schlinge zu entnehmen; doch Freund Lampe strampelte mit den Läufen, daß es eine Freude war. Um sich nicht ganz zerfraßen zu lassen und auf die unauffälligste Art und Weise den Hasen heimzutransportieren, beschließt das Weiblein, den sich immer ärger geberdenden Lampe ganz einfach mit ihrem Kopftiichel zu erwürgen. Gedacht, getan! Da, einige tüchtige Krazer mit den Hinterläufen nach den Händen seiner Henferin, und der Hase sucht mit dem Tüchel um den Hals das Weite, das wie zur Salzsäule erstarrte Weiblein mit offenem Munde zurücklassend. Nicht Der Verlust des Hasen und des Tüchels machte das Bauernveib so plötzlich erstarren, sondern es war der Verlust ihres Markterlöses von baren 25 Gulden, die in dem Tüchel einjebunden und mit welchem der Hase das Weite suchte und auf Nimmerwiedersehen verschwand. -Wegen tätlichen Angriffs auf eine Infanteriepatrouille wurde der Matrose Ohlisch in Kiel zu 1 Jahr und 1 Woche Gefängnis verurteilt. - Der ungarische Postdieb Micsinei, der, wie erinner lich, 98 000 kronen stahl, murde in Budapest zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. Vermischtes. [ Die Urgroßmutter der Ansichtspostkarte.] Ueber best Ursprung der Ansichtspostkarte wird bekanntlich viel gestritten. Als ihr Geburtsjahr wurde bekanntlich das Jahr 1870 bezeichnet; für viel älter wagten selbst die kühnsten Forscher sie nicht zu erklären. Die Fachzeitschrift„ Die illustrierte Postkarte" citiert folgende Pariser Notiz aus dem Jahre 1777: Man schickt sich durch die Post, als Kompliment oder Glückwunsch, über die verschiedensten„ Sujets", gravierte und oft mit Bemerkungen versehene Karten, die offen für die Augen eines jeden befördert werden. Man hat über diese Neuerung, die eine Erfindung des Graveurs Desmaisons ist, viel gesprochen. Einige finden, daß es die Tücke der Bediensteten fördern heißt, da sie so in die Geheimnisse der Herrschaft eindringen können. Also auch hier heißt es: Nichts Neues unter der Sonne. die Ausstellung r ein schönes Bild allen Gebieten * Das ** Die Klagen über Unpünktlichkeit der Handwerker sind vohl ebenso allgemein wie die Klagen der Hausfrauen über das Dienstpersonal. Ist es doch bei vielen Handverkern die Regel, sich drei-, viermal um Ablieferung der Ware mahnen zu lassen. Vielfach weiß der Handwerker im poraus, daß es ihm nicht möglich sein wird, die Arbeit bis zu dem gewünsesten Termin auszuführen, er verspricht es aber doch: Den, denft er, die Hauptsache ist, daß ich die Bestellung erst einmal in der Tasche habe, mit der Lieferung hat es dann ja eine Eile. Das ist von ihm nicht bloß unrecht gegenüber der Kundschaft, sondern auch unflug gegen sich selbst. Der Kunde, der einmal schmählich in Stich gelassen wird, wird sich das nächstemal gewiß bedenken, ehe er dem betreffenden Meister einen neuen Auftrag anvertraut. Pünktlichkeit ist nicht nur die Höflichkeit der Könige, sondern auch die Pflicht eines jeden Gewerbetreibenden. Solch ein Unpünktlicher kann sich auch nicht wundern, wenn das Publikum zu Repressalien greift. Eine etwas derbe, aber wohlverdiente Vergeltung an einem Tischlermeister, der ihn wiederholt mit fest versprochenen Lieferungen hatte aufsitzen lassen, übte, wie ein deutsches Fachblatt mitteilt, ein Kaufmann. Er fragte den Meister bei Erteilung eines neuen Auftrags: Wann werden Sie damit fertig sein?"" Wenn ich noch am Leben bin, sollen Sie es am nächsten Donnerstag haben", antwortete der Tischler. Der Donnerstag fam und verstrich ohne die ver sprochene Arbeit. Gegen Abend begab sich der Kaufmann in die Zeitungsexpedition und gab ein Inserat über den Tod des Tischlers auf. Dieses wurde anstandslos ange nommen, da der Kaufmann in der Expedition bekannt war. Als der Tischler am folgenden Morgen die Zeitung zur Hand nahm, war er nicht wenig erstaunt, seine Todesanzeige darin zu finden, und lief spornstreichs zu dem Zeitungsverleger, um sich Aufklärung zu erbitten. Man wies ihn an den Kaufmann, der bei seinem Anblick einiges Erstau nen ausdrückte; dann sagte er:„ Sie haben mir doch feier lichst die Arbeit bis Donnerstag versprochen, wenn Sie noch am Leben wären, und da die Arbeit nicht fam, mußte ich annehmen, daß Sie gestorben seien." Der gute Meister soll sich die bittere Pille gemerkt und geschworen haben, nicht wieder so leichtsinnig aufs Blane hinein etwas zu ver sprechen, was er gar nicht gewillt und nicht in der Lag: ist zu halten. [ Der Pferde- Sonnenschirm] ist die neueste Erscheinung auf dem Gebiet der Sommermode für das edle Roß. Er besteht aus einem länglich gebogenen, verzinkten Bügel, dessen Zwischenraum mit Drillich überzogen ist. Die Enden des Bügels werden auf dem Kopf des Pferdes durch zwei am Baumzeug angenähte Schlaufen hindurchgesteckt. Eine Schnur verbindet die beiden in kleine Desen auslaufenden Bügelenden und verhindert das Herausfallen des Bügels. So befestigt, schwebt der Pferde- Sonnenschirm etwa 10 Cmtr. hoch über dem Kopf des Pferdes. Ist das Tier in Be. wegung, so schwingt der Schirm mit und fächelt ihm Küh lung zu. Als ein Vorzug der Erfindung wird hervor. gehoben, daß die Kopfbedeckung nicht eng anliegt und freien Zutritt der Luft gestattet. Vielleicht erleben wir auch noch den Pferde- Regenschirm. [ Ein Riesenmodell der Stadt St. Louis] soll auf der Weltausstellung 1904 durch die Vereinigung von GeschäftsLeuten der Stadt zur Ausführung gelangen. Es handelt Kunft und Eliffenfchaft. * welches gestern a unter Leitung de Franz von Blon Besuches zu erf wünschen übrig. FD. Gine Tollwutstation in Breslau ist auf Antrag des Geheimen Medizinalrats Prosessor Flügge in Aussicht ge nommen und die Universitätsbauverwaltung beauftragt wor den, ein bezügliches Projekt auszuarbeiten. Den Anlaß dazı gaben die vielen Tollwutsälle in Schlesien und im öster reichischen Grenzgebiet. Ein ei Mittag durch de Bylinder fuhr a einige Rommiliti das Geleit. * Seit 25 Reinhart und Sch der Stände. RO. Die letzten" Azteken! Einem frechen wissenschaft lichen Schwindel wird von einem Herrn Dr. Below ein jähe: Ende bereitet. In Berlin wird ein altes„ Ehepaar" zur Schau gestellt, das angeblich die legten beiden Lebenden vor dem merikanischen Stamın der Azteken repräsentiert. Dr. Welow hat diese beiden ,, alten kleinen, wie zwei vertrocknet Pflaumen aussehenden Personen" im Jahre 1900 in Münster auf der Vogelwiese als die Brüder Marimo und Bartolo fennen gelernt und war nun sehr erstaunt, daß sie sich in zwischen in Männlein und Weiblein verwandelt hatten. An geblich besitzen die beiden letzten Azteken ein Dokument von Professor Birchom, der sie als solche bestätigt. Nur iſt in dieses Schriftstück nicht Einsicht zu erlangen. Die Azteken sind nach Dr. Below überhaupt nicht ausgestorben, sondern in Merifo vielfach zu finden. Einjä Leute, die sich de Militärdienst des ihr Gesuch von de für Einjährig Fr anzugeben, ob, Prüfung vor ei hat, sowie in we erfolgen soll. * Auf dem H fich Herr Meß Seftbecher in Et ** Die der Markitrake bereits ermitt fosten" werden * Ueber de glüdsfall an geteilt, daß der bem Pferdefnedt nachsprang, der Oppenheimer wa ** Sted Großh Staatsar aus Forst weg chesti aus Peis Friedrich Herm falscher Anshuld Schweidhardt aus Viehschweizer F Krantenwärter u wegen Urfunden Karl Schmidt 0 Johann Singer Engelbert Bauer Eisenbahnarbeiter Betrugs, Tagelö Diebstahls; Erd Urtunbenfalfun Entlaufens und ( Ungarn) wegen ** Sta Grfabjahr 190 eingestellten bildung und 3 entspricht eine deutschen Reid etiva 0,08. ** Eisen den Arbeiten be begonnen. Die feit voriger Wo der Aus ide, jedes ar darge wird den f welchem eifen bon jt):.. Sie raten und ren, und defutter." Sie gleich, äfte!" Der letzten de humo Dichters nger Des en Linien Camartine d gesehen ich Ihnen rte, weiße tter! Ich Sie haben gern, die das geberlegen; gesprochen jaus nicht und sagte ren- ich Bettau ollte vom bergnügt Blich ein Hasen, der htschlinge ) auf den g es, den npe stramUm sich uffälligite beschließt en Lampe Gedacht, nterläufen sucht mit Salzsäule nd. Nicht 3 Bauern rlust ihres Cüchel ein juchte und verfer sind Sausfrauen len Handerung der werker im Die Arbeit verspricht it, daß ich der Liefe ihm nicht auch un schmählich gewiß beeuen Aufie Höflichjeden Gesich auch lien greift. an einem rsprochenen 1 deutsches en Meister erden Sie bin, sollen Dortete der ne die ver Kaufmann über den los ange fannt war. eitung zur odesanzeige Zeitungs 1 wies ihn Jes Eritau doch feier in Sic nod mujte id te Meister en haben, as zu ver der Lag: Antrag des lussicht ge itragt wor Inlay dazı im öfter vijfenschaft v ein jähe: epaar" zut benden vor ntiert. Dr. vertrocknet in Münster id Bartole sie sich inatten. An ument bon Nur ist in Die Aztefen n, sondern Lokales. @ teßen, ben 16. Juli 1903. Die verantwortliche Redaktion für den lokalen Teil, den Gerichts- und öffentl. Sprechsaal unserer Zeitung führt von heute an Herr Fr. Oppermann. * Der Handelskammer- Bericht besagt von Gießen folgendes: Der Beamte in Gießen erläutert bezüglich der diesjährigen Ermittelung der Betriebe und der Arbeiter die abweichenden Ergebnisse mit folgenden Darlegungen: Einmal sind durch die Gründung und Tätigkeit der Handwertstammer sowohl, als durch mannigfache richterliche Entscheidungen die Begriffe von Fabrik- und Handwerksbetrieb etwas besser geklärt und dadurch eine bessere Grundlage für eine schärfere klassifikation der Gewerbebetriebe geschaffen worden. Die Zahl der Fabriken hat sich infolgedessen nicht unwesentlich vermindert, die der Motorwerkstätten dagegen entsprechend vermehrt. Es ergeben sich insgesamt 1125 gewerbliche Anlagen mit 13 947 Arbeitern einschließlich 20 Bergbetrieben mit 1319 Arbeitern, sodaß für die Gewerbeinspektion 1105 Anlagen mit 12 628 Arbeitern in Betracht tommen. Außerdem sind noch über 100 vorübergehend betriebene Steinbrüche und Ziegeleien mit etwa 400 Arbeitern zwar befannt, aber nicht mitgezählt. * Landwirtschaftliche Ausstellung Gießen. Wie uns mitgeteilt wird, laufen die Anm ldungen zur Beschickung unserer im September stattfindenden Ausstellung außerordentlich stark ein. An Geräten sind z. 3. schon über 150 Nummern angemeldet. Die Rindviehausstellung wird der 1885er der Zahl nach zum mindesten gleichkommen, dagegen sind Pferde bis jetzt nur mit ca 40 Nummern angemeldet. Ebenso läßt die Schweineausstellung, die zwar der 1895er gleichfommt, aber entsprechend dem heutigen Stande dieses Viehzuchtzweiges noch zu wünschen übrig. Der Anmeldetermin für diese 2 Abteilungen ist daher noch nicht geschlossen, sondern bis auf den 25. d. Mts. verschoben worden. Dagegen wird die Ziegenausstellung sehr stark beschickt werden. Bei den übrigen Abteilungen läßt sich die Beschickung noch nicht übersehen, da die Anmeldetermine noch nicht abgelaufen sind. Jedenfalls wird die Ausstellung nach den bis jetzt vorliegenden Anmeldungen ein schönes Bild unserer landwirtschaftlichen Produktion auf allen Gebieten geben. * * Das Berliner Tonfünstler- Ord rchester, welches gestern abend im Neuen Saalbau( Steins Garten) unter Leitung des bekannten Komponisten und Dirigenten Franz von Blon ein Konzert gab, hatte sich keines guten Besuches zu erfreuen; das Konzert selbst ließ nichts zu wünschen übrig. ** Ein eigenartiger Umzug bewegte sich heute Mittag durch den Seltersweg. Ein Student im Frack und Bylinder fuhr auf einem Karren seine Wissenschaft spazieren, einige Kommilitionen gaben dem„ Studius auf einer Reis" das Geleit. * Seit 25 Jahren gehören die Abgeordneten Bennrich, Reinhart und Schönberger ununterbrochen zur zweiten Kammer der Stände. )*( Einjährigen 8eugnis. Diejenigen jungen Leute, die sich der Herbſtprüfung für den einjährig freiwilligen Militärdienst des Jahres 1903 unterziehen wollen, haben ihr Gesuch von dem 1. August 1903 bei der Prüfungskommission für Einjährig Freiwillige in Kaffel einzureichen und dabei anzugeben, ob, wie oft und wo sich der Gesuchsteller einer Prüfung vor einer Prüfungskommission bereits unterzogen hat, sowie in welchen zwei fremden Sprachen die Prüfung erfolgen soll. * Auf dem Hannoverschen Bundesschießen erschoß sich Herr Meggermeister Möhl- Gießen 6 Stück silberne Seftbecher in Etut und mit Tablett, im Wert von 150 Mt. * ** Die„ Helden" des vorgestern Nacht in der Markstraße inszenierten Krieg im Frieden" sind bereits ermittelt und angezeigt worden. Die„ Kriegsfosten" werden nicht gering sein. ** Ueber den am Montag abend vorgekommenen Unglücksfall an der Pferdeschwemme wird uns noch mitgeteilt, daß der junge Mann, welcher dem Ertrinkenden, dem Pferdefnecht Johannes Hill, sofort samt den Kleidern nachsprang, der Komtorist Karl Kumpf von der Firma Oppenheimer war. ** Steckbrieflich verfolgt werden von der Großh Staatsanwaltschaft Gießen: Schweizer Alfred Brügger aus Forst wegen Bedrohung, Bergmann Andreas Burdaschesti aus Peisern wegen Diebstahls und Arbeiter Karl Friedrich Hermann Kurfist aus Groß- Lichterfelde wegen falscher Anschuldigung und Diebstahl; Heizer Jakob Wilh. Schweichhardt aus Nie er- Ingelheim wegen Strafvollstreckung, Viehschweizer Ernst Selmoni aus Basel wegen Diebstals, Krankenwärter und Masseur Bruno Alfred Meier aus Görlitz wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung, Dienstknecht Karl Schmidt aus Wiesbaden wegen Betrugs, Kommissionär Johann Singer aus Bamberg wegen Betrugs, Arbeiter Engelbert Bauer aus Groß- Steinheim wegen Diebstahls, Eisenbahnarbeiter Johann Erzel aus Ronde- Rygger wegen Betrugs, Tagelöhner Friedrich Lindlaub aus Mainz wegen Diebstahls; Erdarbeiter Franz Koreck aus Listow z wegen Urkundenfälschung, Margareta Rausch aus Gießen wegen Entlaufens und Schreiner Iwan Moresies aus Veghely ( Ungarn) wegen Diebstahls. * ** Statistisches aus Hessen. Unter den im Ersatjahr 1902/03 bei der Großh. hessischen Division eingestellten Hessen befand sich ein Mann ohne Schulbildung und zwar aus der Provinz Starkenburg. Das entspricht einem Prozentsatz von 00,2; im ganzen deutschen Reich beträgt der Durchschnittsprozentsatz etwa 0,08. ** Eisenbahn Marburg- Dreihausen. Mit Dreihausen wurde den Arbeiten der Eisenbahn Marburg begonnen. Die Arbeitsgeräte, Rippwagen u. dergl., wurden seit voriger Woche schon an die Arbeitsstellen geschafft. - Taschenuhr entwendete. Mit Rücksicht auf seine Vorstrafen erhält er 8 Monate Gefängnis.- Maurermeister Christian Friedrich Jöckel von Steinfurth wird von der gegen ihn erhobenen Anklage der fahrlässigen Brandstiftung freigesprochen. In der Privatklagesache Euser gegen Muth von Bad Nauheim, in welcher der Angeklagte wegen zweier im Bad Nauheimer Anzeiger" erschienenen beleidigender Actikel zu 2 mal 30 Mt. Geldstrafe verurteilt worden war, hebt das Gericht dieses Erkenntnis auf und kommt mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigungen auf 2 mal 200 m., auch hält es die Publikationsbefugnis aufrecht. Den Schluß bildet eine weitere Privatklagesache welche umständehalber ausgesetzt wird. ** Neuerungen im Eisenbahnbetrieb. Am| nach Eberstadt, wo er in ein Haus einstieg und eine 9. d. Mts. wurden von einer aus Vertretern des Reichseisenbahnamtes sowie der preußischen, bayerischen, sächsischen und badischen Eisenbahnverwaltungen bestehenden Commission bei Karlsruhe Versuche mit der Steiner'schen Distanzbremse vorgenommen. Diese Einrichtung, die ursprünglich dazu bestimmt war, die durchgehende Bremse eines Zuges, der an einem auf Halt stehenden Signale vorüberfährt, selbsttätig auszulösen, war hier so ausgebildet, daß die Lokomotivpfeife bei der Vorüberfahrt ertönte. Der Apparat funktionierte auch, wie der„ Reichsanzeiger" schreibt, bei der höchsten zur Anwendung gekommenen Geschwindigkeit von 110 Kilometer in der Stunde richtig, es trat aber infolge der außerordentlichen Inanspruchnahme an einem wichtigen Bestandteile ein Bruch ein. Die Versuche werden nunmehr im regelmäßigen Betriebe längere Zeit fortgesezt werden. ** Obstpreise. Der Bericht der Zentralstelle für Obstverwertung in Frankfurt am Main über die Zeit vom 6--11. Juli besagt: Die Geschäftslage war im Laufe dieser Woche äußerst lebhaft, die Abschlüsse namentlich in Kirschen und Heidelbeeren, Johannisund Stachelbeeren ließen nichts zu wünschen übrig. Angebote waren genügend vorhanden, auch die Nachfrage ist fortwährend sehr start. Die Durchschnittspreise betrugen: Kirschen 18-28 Mt., Erdbeeren 35 Mark, Stachelbeeren 11-12 Mt., Johannisbeeren 13 bis 15 Mt., Heidelbeeren 10-12 Mf. Alles per 50 Kilogramm. * * Für Imker. Eben ist die Zeit, in der jeder Imfer von 1. Bienen Tribut fordern kann. Beim Gebrauche des Schleuderhonigs möchten wir nun darauf aufmerksam machen, daß nur guter Honig krystallisiert, dick, fest wird. Um ihn in diesem Zustande verwenden zu können, erwärme man die Gläser allmählich in Be= Wasser, wodurch der Honig dünnflüssig wird. fanntlich sehen unkundige wegen genannter Eigenschaften den echten, reinen Schleuderhonig für geringe, gefälschte Ware an. ** Reklame tosten und Reklameerfolg. Den größten Reklame Etot dürfte in Deutschland die Firma Rudolf Herzog, Berlin haben, die jährlich rund 400 000 Mark für Zeitungsinserate verausgabt. Merkwürdigerweise aber gab es auch für Rudolpf Herzog eine Zeit, in welcher er nicht inserierte, und über die er sich folgendermaßen äußert:„ Mein Geschäft ging dabei so schlecht, daß ich besser getan hätte es zu schließen. Dann begann ich zu inserieren. I wendete im ersten Jahre 1000 Mark daran und mein Umsatz stteg auf 30 000 Mart; im dritten Jahre verwendete ich 10 000 Mart auf Inserate, mein Umsatz bezifferte sich auf Hunderttausende, jezt beträgt er Millionen und mein Gewinn steht im Verhältnis dazu. Alles was ich habe, mein Weltname, mein Millionengeschäft, verdanke ich nicht allein der Reellität der Geschäftsführung, sondern zu 99 Prozent der Macht der Zeitungs- Anzeigen. Ich bin zu der Gewißheit gekommen, daß heutzutage fein Geschäft ohne die Macht der Zeitungs- Annonce in die Höhe tommen und gewinnbringend werden kann." Herzog gründete sein Geschäft mit 90 000 Mt., davon waren von Mosse 45 000 Mt. eingelegt worden, sodaß Herzog selbst mit 45 000 mt. sich zum mehrfachen Millionär gemacht hat. – Dieser deutschen Firma weit überlegen war jedoch in bezug auf Inseratenreklame der Londoner Pillenfabrikant. Holloway, der alljährlich, rund eine Millionen Franken ( 800 000 Mt.) für Inserate ausgab, in denen seine Billen der leidenden Menschheit empfohlen wurden. Der Begründer dieser Londoner Firma begann seine Laufbahn als wenig bemittelter Apotheker und starb in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Hinterlassung von 20 Millionen Mart. P (!) Beuern, 14. Juli. Zwischen hier und Gr.- Buseck fuhr gestern ein Knecht aus Gießen mit einem mit Bauholz beladenen Wagen den Berg hinunter. Der Wagen fam ins Rollen, der Knecht sprang vom Wagen ab und zog sich Verlegungen zu, während Wagen und Pferde gegen einen Baum rannten; ein Pferd wurde dabei derart verlegt, daß es verendete. × Lich, 12. Juli. Gestern fand hier die GeneralVersammlung der Licher Spar- und Kredit- Aktiengesellschaft statt. Jeder Teilnehmer erhielt 2 Mt. Spesen. Der Jahresbericht ist sehr günstig. V Ober- Mörlen, 13. Juli. Heute Nachmittag furz vor 5 Uhr entstand bei Herrn Hamann in der Hintergasse ein Brand, dem alsbald 1 Hofraite und 1 Stall zum Opfer fi- len. (:) Niederbreidenbach, 14. Juli. Der hiesige KriegerVerein feiert am nächsten Sonntag sein Preis- Scheibenschießen verbunden mit Konzert und Tanz Der Verein trifft umfassende Vorbereitungen um das Fest schön und würdig zu gestalten, damit den Besuchern der Aufenthalt so angenehm als möglich wird. Wallenrod, 13. Juli. Einstimmig wiedergewählt wurde unser beliebte Bürgermeister Heinrich Habermehl. = Mainz, 14. Juli. Eine große Roheit beging gestern eine hiesige Firma dadurch, daß sie ein Reflameplatat verteilen ließ, auf dessen Rückseite zu lesen war:„ Bulletin. Rom, 13. Juli. Der hl. Vater entschlief heute Mittag 2 Uhr. Rampolla wurde gewählt." Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, den 14. Juli. Arbeiter Wilhelm Steinmüller von Rödgen versuchte unter falschen Angaben den Fabrikanten Klingspor dahier um 2,50 Mt. zu bringen. Wegen Betrugsversuch befommt er 2 Monate Gefängnis. Ludwig Koller von Laubach warf in angetrunkenem Zustande dem Sattlermeister Wilhelm Post von dorten einen Bierkrug an den Arm und versuchte mit Stühlen auf denselben zu werfen. Wegen Körperverlegung werden ihm 30 Mt und wegen Uebertretung 10 Wit. Geldstrafe zudiftiert. Handwerksbursche Franz Jored von Bruschin tam auf der Walze Die Fragen im verschiedenen Alter bei HeiratsVorschlägen. Vor zwanzig, da prüfen die Augen die Wahl, Das Herz nur entscheidet getroffen vom Strahl, Da fommt nicht zum Worte der falte Verstand, Nur männlich und schön set der junge Amand Da fragt sie mit süßem Geflüster: „ Wie ist er?" Bu zwanzig, da gilt schon des Standes Gewicht, Da tuts nicht allein mehr ein hübsches Gesicht, Vermögen und Titel sind Dinge von Wert; Sie will eine Frau sein, geachtet, geehrt Da fragt sie die Eltern, Geschwister: ,, Was ist er?" Zu dreißig, erfahren und ganz majorenn, Da spielt bei dem Wahlaft das Aber und Wenn Da schwanken und wanken sie zweifelerregt Und fragen, wenn alles geprüft und erwägt, Mit schlauem Blick auf's Register: " Welcher ist er?" 3u vierzig und d'rüber, da greifen sie zu, Vor ungeduld bebend bis nieder zum Schuh', Da fragen sie nicht mehr wie, was, wer ist er, Ein Mann nur und zwar in der fürzesten Frist Da fragt sie und schickt nach dem Küster! ,, Wo, wo ist er?" Oeffentlicher Sprechsaal. Für die unter dieser Rubrik gebrachten Artikel übernehmen wir dem Bublifum gegenüber feine Verantwortung. Im Anschluß an den gestrigen Artikel„ Krieg im Frieden" muß ich leider eine weitere Lärmstene aus der Bruchstraße fonstatieren. Vorgestern Nacht 2 Uhr warfen ebenfalls bessere Herren unter lautem Gejohle 1 Bett zum Fenster heraus, legten dasselbe auf Schubkarren und fuhren, nachdem sie natürlich eine edle Last aufgeladen hatten, durch die Straßen. Um 4 Uhr morgens wurde das vollständig beschmuzte Bett wieder unter lautem Geschrei, Radau brüllen u. s. w. abgeliefert. Eine famose Nacht, daß sich mir der Stoßseufzer aus der Brust drängte:„ Mein Gott, wo bin ich hingeraten!" Ist denn die Stadt Gießen nicht imstande ( ier Abhilfe zu schaffen, damit ihre steuerzahlenden Bürger die Nachtruhe haben, das Wenigste was man beanspruchen fann. Ein Bewohner der Bruchstraße. Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein; für das Lokale, den Gerichts." und Deffentlichen Sprechsca": Fr. Oppermann. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( vorm. Wilh. Keller), Gießen. Der Brief eines bochwürdigen Pfarrers. Herrn Franz Wilhelm, Apothefer, f. und f. Hoflieferant in Neunkirchen, Ni deröstereich. Radowesiz in Böhmen, Post Bilin. Zu wiederholten Malen habe ich Ihren Wilhelm's antiarthritischen antirheumatischen Blutreinigungs. The in meinem frankhaften Zustande als: Anschoppungen der Leber. der Milz, Ueberwachsen des Herzens und Magens mit Fettschichten, rheumatischen Rückenmai fsleiden, schwacher Ver= dauung, Blutandrang gegen Kopf, Druck auf das Gehirn 2c., mit günstigem Erfolge gebraucht, so daß ich mir dadurch wirklich eine Cur in einem Bade oder Wasserheilanstalt er= sparte, wozu ich leider auch nicht die hinlängli hen Mittel besitze, sowie bei meinem Berufe nicht die erforderliche Zeit etübrige. Nehmen Sie die Versicherurg daß ich meinerseits es mir nur zur angenehmen flicht mache, diesen so aus gezeichneten Wilhelm's antiaithritischen antirheumatischen Blutreinigungs- Thee allen mit einem darauf bezüglichen Leiden Behafteten bestens anzu empfehlen und wo ich nur fann, anzurühmen, um so Dankba feit für Ihre so- glück iche Efindung in etwas zu bezeugen und die leidende Menschheit wie es dies Ihr so vortrefflich heilsames Präparat wirklich verdient, immer mehr darauf aufmerksam zu machen. Mit vorzügliche Hochachtung P. Vinzenz John, Pfarrer. Bestandteile: Junere Rußrinde 56, Walnußschale 56, Ulmenrinde 75, franz. Orangenblätter 50, Eryngiiblätter 35, Stabiosenblätter 56, Lemus, blätter 7a, Bimmstein 150, rotes Sandelholz 75, Bardannawurzel 44, Carugwurz 13.50, Radic. Cariophyll. 3 50 Chinarinde 850 Eryngiiwurzel 57, Fenchelwurzel Samen) 75, Graswurzel 75, Lapathewurzel 67, Süßholzwurzel 75, Sasaparillwurzel 35, Fenchel, röm. 3.50, weiß Senf 350, Nachtschattenstengel 75. Die Bestandteile sind nach einem eigenen Verfahren geschnitten und getrocknet, wodurch der Heilwert speziell erhöht ist. Nicht zu verwechseln mit gewöhnlicher Handelsware. NUR 25 Pio AMTLICH GLÄNZEND BEGUTACHTET: NUR SALUTARIS 25 TOILETTE- FETT- SEIFE Unübertroffen für Haut- w Ceintpflege: Rein, mild, sparsam. C. Naumann, Seifen- u. Parfümeriefabrik, Offenbach a.M. Kartoffeln Zum neuen Saalbau der bt is sur prime ( früber: Steins Garten). Donnerstag, den 16. Juli 6. Abonnements- Konzert. ausgeführt von der Kapelle des Infanterie- Regiments„ Kaiser Wilhelm"( 2. Großh. Hess.) Nr. 116 unter Leitung des Großh. Musikdirektors Herrn E. Krauße. Anfang präcis 8 Uhr. Akademische Vorträge. Eintritt 50 Pfg. Bekanntmachung. Die am 30 Mai 1. Js. Walltorstraße zwischen Braugasse und Nordanlage wird hiermit aufgehoben. Gießen, 13. Juli 1903. Freitag, den 17. Juli 1903, pünktlich 8 Uhr abde. angeordnete Sperre der in der Universitätsaula. Herr Prof. Dr. Albert. 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Trägerlisten und Facadenzeichnungen 1: 100( zu 2 II u. III) gegen Selbstkostenpreis dorther bezogen werden. Offerten mit bezeichnender Aufschrift sind auf genanntem Zweigbureau bis Mittwoch, den 22. Juli 1903, vormittags 11 Uhr dem Eröffnungstermin, einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 3. Juli 1903. Großh. Baubehörde für die UniversitätsNeubauten. Gießen. Becker. Bekanntmachung Die am 16. Mai 1. Js. angeordnete Sperre der nördlichen Wegerampe am Westende der in Verlängerung der Klinikstraße gelegenen Brücke wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 14 Juli 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Nachdem die unter dem Schweinebestand der Chr. Haubach Witwe daher ausgebrochene Rotlauffeuche erloschen ist, wird die angeordnete Gehöftssperre aufge= hoben. Gießen, 13. Juli 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Versteigerungs- Anzeige. Montag, den 20. Juli d. Js., vormittags 9 Uhr anfangend, findet die letzte Versteigerung des zur Konkursmasse Bönsel gehörigen Warenlagers statt. Es tommen zum Ausgebot: 1 Faß Rüböl, 1 Faß mit Honig, ca. 1/2 Ctr. verschiedene Sorten Farben, 1 Quantität Tabat, mehrere Züber, Fässer und Emer, 1 Parthie Holztoffer; ferner: Schlösser, Beschläge, Schrauben und Schraubenmuttern, mehrere Maurerhämmer, Pferde und Schafscheeren, Hobel- und Stemmeisen, mehrere Back Schlüssel, Ratten- und Mausfallen, 1 Revolver, 1 Terzerol; mehrere Defen und Ofenteile, 10 Wasserschiffe, eine Parthie Chamottensteine, 1 Hätselmaschine, 1 Pfuh pumpe, 1 gußeiserne Säule, 2 Träger, Achsen für Karren, sowie eine größere Quantität Papierdüten, 1 Dezimalwaage, 2 Schreibpulte, Ladeneinrichtung u. s. w. Auf Wunsch werden die Steigpreise gegen eines zahlungsfähigen Bürgen kreditirt. Grünberg, 10. Juli 1903. Der Konkursverwalter. Man verlange: Stellung L GRELOONAC Aerztlich empfohlen. Balk- und Marmorwerke, Dampfziegelei, August Gabriel jr., Gießen. Massenfabrikation. - Bahnanschlüsse. Werke Abendstern. Telephon Nr. 84. Patent- u. Technisches- Bureau Paul Haves, Ingenieur, Halle a. S. Patentanmeldung einschl. Zeichnungen, Beschreibungen und Prüfungsgebühr 65 Mark. Gebrauchsmusteranmeldung einschl. Zeichnungen, Beschreibungen und dreijähriger Taxe 30 Mark. Auslandspatente billigst. Beste Referenzen. Streng reel!. Arbeiterinnen vom Lande gesucht. - Dauernde Beschäftigung. Tabaksfabrik Gg. Phil. Gail. Gießen. Für Bäcker! 000009 Brotpreis- Formulare hält stets am Lager die Expedition. Gießen. HEINST ND denen es sehr häufig am Golde fehlte, und Krösus, der sich nicht betrügen lassen wollte, beschloß die Einrichtung cines Münzsystems, das einen solchen Betrug erschwerte. Daher erklärt ſich die Einrichtung der Münze von Sardes. batten einen Kr. 163 be Famil Mittwoch, den 15. Juli 1903.