Peite Saalba Ende 11 bung. ichs der elle dahier edi zur Vergeb und Arbeit al zur Gin Selbfitote ungstermin hr, berjal ei an uns d 903. t. Gießen, igerum Fr. 268. Zweites Blatt. Ennementeprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50- fg., bans gebracht 60 Bfg., burch die Poft bezogen biertels fährlich Mr. 1.50. tabellager: berhelfische Familienzeitung( täglich) Chheffifche Bettschrift für Landwirtschaft, Obst- und attenban, fotote bie Gießener Geffenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmitage. Samstag, den 14. November 1903. Gießener 12. Jahrgang. Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wir ganz Oberheffen, die Kreise Weylar und Marburg 10 Pfo. forft 15 Bfg.: Reklamen die Betitzeile 30 resp. 40 Bfg. Bostzeitungsliste No. 3969. Rebaktion und Erbedition: Gießen Nenenweg 28. Ferafprechaufchlak Nr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Sießener Zeifung für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Esthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Aus der Reichshauptstadt. Wandelbilder von Spectator. Selbst jene Glücklichen, für die das ganze Dasein ein Thrisches Gedicht ist, empfinden die Zeit, da der Winter tine Rebelschleier um die Erde wickelt, wie einen Brießnizhen Umschlag, als unangenehme Uebergangsperiode. Es ist Ee peinliche Bause, die stets entsteht, wenn jemand beim ortragen steden bleibt; die Strophe, die den Herbstzauber d. 38. Born Eleband elt, ist zu Ende; das Publikum wartet auf die nächſte, age 2 Uhr Ete das Wintervergnügen, Schnee und Eis, bringen soll, und noch vorrätig auf die darauffolgende Weihnachtsstrophe; der Vortragende ber stockt, er tann nicht weiter, er wird verlegen und las beklemmende Gefühl überträgt sich auch auf die Zunkursm Brerschaft. Nur die böse Jugend, mit ihrer naiven SchadenLadfarbe, alter Fakta 1 Kopierpre etend verfteige 903. Ronkursvermah en Kr ießen.= en Städte folge he ins Leben m Transport b freude, fichert und macht sich über das Pech des Vortragenden lustig. Die Rolle dieser bösen Jugend übernehmen hier die ungen Studenten, die man jekt in der Gegend der Hochhulen wieder in Nudeln trifft; sie gehen lachend mit der Bärm flasche dem falten Winter zu Leibe und halten es mit dem trinffrohen Mirza Schaffy: " Im Winter trink' ich und finge Lieder Aus Freude, daß der Frühling nah' ist, Und kommit der Frühling, trink' ich wieber Aus Freude, daß er endlich da ist." Wieder sieht man nun die beliebten und lieblichen SzeLen: Ein junger Student bricht unter der gewaltigen Last des ihm auferlegten Arbeitspensums" nach langem HinEnd Herschwanken auf der Straße zusammen und wird in Zeichen der fortschreitenden Humanität auf die nächste Rettungswache gebracht, wo er von seiner„ Alkoholvergiftang" unter ärztlicher Aufsicht durch Ruhe geheilt wird; in Früheren unzibilisierten Zeiten nannte man das seinen bei größeren Ung Mausch ausschlafen", und diejenigen, die es nötig hatten, Durden meist von der Hand des Gesetzes zu diesem Zwecke Luf die Pritsche der nächsten Wachtstube gebettet". Manch janger Fuchs aber wird unter dem Einfluß des Giftes fuchswild. werden. rwundete und eselben ein, fich ember 1908 Uhr Besprechung ein der Sanität ch einen Art er Rolonne im es wünschenswe The night mehr m bitten wir an den gridhterat en in der Verfom ngenommen. Der Borin www he chreine Liebigst New elder tem, 5 Minuten ung, leidter tentleerung Probe Wetzlar hinen. :. berg. Wie anders steht es um diese unbändige Jugendkraft bei einer anderen Szene, die einen moderneren Anstrich hat! Einige Damen werden von einem Literatur- Professor aus dem Kolleg gewiesen und die männlichen" Zuhörer begleiten diese nicht gerade galante Maßregel mit dem lebhaften Trampeln ihrer fünftigen Freiersfüße, dem beliebten studentischen Beifallszeichen.. Der Starke ist am mächtigten allein." So denken diese jugendlichen Mitter im Kolleg, während sie im privaten Verkehr dem schönen Geschlecht gegenüber weniger Aengstlichkeit zeigen. Doch auch dem Gerstensaft gegenüber gibt es zaghafte sünger der alma mater. Jedes ehrliche Bierherz muß sich in Schmerz zuTammenkrampfen bei dem Anblick, der sich mir jüngst bot. Sin Spißentanz" übender Elefant hätte in mir nicht das Staunen hervorrufen können, als die widerspruchsvolle, Lätfelhafte Erscheinung, die ich in einem vegetarischen SpeiseSause sah. Da fand in einem Hinterzimmer eine Sizung eines Vereins abstinenter Studenten" statt. Wer dazu imstande ist, denke sich also garantiert echte Studenten vor garantiert alkoholfreien Getränken! Die jungen akademischen Bürger haben zwar zu jeder Beit für Freiheit geschwärmt, aber nie für die Alkoholfreiheit Der Getränke. Diese aber, für die das stolze Wort Frei it der Bursch" in den Satz:„ Alkoholfrei ist der Bursch" Bariiert werden muß, finden sicherlich Paradieseswonne in er jüngst eröffneten Gesundheitsausstellung, in der allerlei Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände vereinigt sind, die von allen schädlichen Eigenschaften und Substanzen_gereinigt sind, vom Korsett, das keine Brustschmerzen, Sem faffee, der feine Magenschmerzen, bis zum Wein, der keine Kopfschmerzen verursacht. Nur schade, daß auch hier das Sprichwort von den verbotenen Früchten, die am besten schmecken, gilt, und daher diese hygienischen Lebensmittel bis jest wenig Freunde gefunden haben; gelobt werden sie eigentlich nur von ihren Fabrikanten. Wenn man aber all den Lieferanten von Reformkleidung und Reformspeisen glauben darf, wird fünftighin kaum noch ein Mensch sein Reformleben durch Krankheit in Gefahr bringen, und selbst der Tod an Altersschwäche wird nur ganz unvorsichtige Menschenkinder ereilen. Wir aber, die wir uns noch von Bakterien und sonstigen Schädlingen nähren, sind schon dann erstaunt, wenn unter uns ein Achtzigjähriger herumläuft, wie der allen Berlinern ohlbekannte Herr v. Strauß, der frühere Opernhausdirektor der seine zweiundachtzig Jahre mit der Gewandtheit eines Fünfzigers trägt. Bei der tiefschwarzen Färbung" feires Schnurrbart- und Haupthaares täuscht auch sein Aussch en ungefähr dreißig Jahre seines Lebens hinweg und jetzt überrascht der ewige Jüngling dadurch, daß er im Bentral- Theater den Hans Styr in Offenbachs„ Orpheus in der Unterwelt" spielt und singt. Dieses sensationelle Ereignis beschäftigt die Berliner, die ja für das Theater immer ein Herz gehabt haben, mehr, als der Ausfall der landtagswahlen, und alle Ausdrücke des Staunens fann man hören, die das jüngst erschienene Berliner Dialektferifon von Professor Meyer Berlins„ kleiner Meyer" aufführt. Der Saison- Beginn. Auf häßlichen, gräulichen Leichenwagen Fährt totes Laub man hinaus. Bald breitet der Winter mit Windesklagen Das weiße Leichentuch aus. Verlor auch der Baum sein frisches Grün, Er hofft doch: Bald wieder einmal Beginnt in den Zweigen ein neues Blüh'n. Froh sagt er dann:„ Ich war kahl!" Durch Dämmergrau fühlt ins Gemüte zieh'n Der Mensch auch seligen Traum. Von ferne schon leuchtet das Immergrün Vom fröhlichen Weihnachtsbaum. Theater, gedenkend der Kinderwelt, Sie haben für Lieschen und Klärchen Und Fritchen schon jetzt auf die Bretter gestellt Die ältesten Weihnachtsmärchen. Die Tage und Wochen entfliehen geschwind, Jeßt, da die Saison begann; Und wenn erst die Abende länger sind, Sucht Kurzweil sich Weib wie Mann. Man sieht wieder beim ästhetischen Tee, Bei Jours und bei five- o- clocks Die Künstler mit Locken und Renommee, Die Schriftsteller auch und Schmocks. Manch Dichterlein kommt jezt von dem Barnaß, Den Menschen was vorzutragen; Freigebig spendet er jeglichem was, Der etwas spendiert seinem Magen. Manch vornehme Dame in Wohltätigkeit" Ich wieder jetzt machen" seh'; Beim Kaiserhof- five- o- clock ihr Kleid Zeigt sie uns gegen Entree. Es ist das Frauenstudium Brauch Bei uns seit langer Zeit; Als„ Kriminalſtudentin" auch Sieht d'rum man manche Maiz. Viel Schönes wird in Moabit gelehrt Wo man seit einigen Wochen Sehr viele polnisch sprechen hört Und das Deutsch und den Eid nur- gebrochen. Dort findet jetzt vor dem Nichterthron Die Untersuchung statt, Ob' nen fremden oder' nen eigenen Sohn Die Gräfin geboren hat. Gar zarte Dinge für's Frauenohr Bespricht man bei dieser Frage, D'rum sammelt sich edler Damenflor An jedem Verhandlungstage. Bifant müssen ja auch die Dramen sein, Die nach unsrer Holden Sinn sind; Sie finden all die„ psychologisch sein" Wo Perversitäten darin sind. Wer für Frau Musika inkliniert, Hört das Wunderkind Vecsey an, Das geigen und was fast noch mehr imponiert Seinen Namen schon aussprechen kann. Der Löwe jedoch von Gesellschafts Gnaden Hat jetzt wieder schwere Sorgen; Er ist fast Abend für Abend geladen" Und schwer ist er's oft am Morgen. Und wenn er die Nacht durch sich tanzend gequölt Empfindet er's wohl als Plage; Den Schlaf aber, der in der Nacht ihm gefehlt, Den hält im Bureau er am Tage. Ein jeder sieht, daß er was abgewinnt Der Saison, die im schönsten Gang ist, Ein jeder auch freut sich, daß sie beginnt, Ein jeder, der mitten mang" ist. Und wie es der Welt Lauf, jede Person Wird wohl etwas von ihr friegen; Der eine, der hat die Arbeit davon, Der andere das Vergnügen. Spectator. Kunft und Wissenschaft. - LO Die türkische Zensurbehörde ist als streng bekannt und über ihre sonderbaren Streichungen, Aenderungen und Verbote kursieren die wunderlichsten Anekdoten. Jetzt hat ein in Konstantinopel erscheinendes griechisches Blatt ,, Der neue Tag" plöglich auf Anordnung des Zensors sein Erscheinen einstellen müssen. Und warum? Weil es- man höre und staune!- eine Abhandlung über den Planeten Mars beröffentlicht hatte. Es flingt lächerlich, aber es ist so. RL Die feindlichen Dichterbrüder. Der Pariser Zeichner Henri Gabriel Jbels, der in seinen Mußestunden auch Dichter ist, hat seinen Bruder André Jbels wegen Konkurrenzdichtens verklagt und will ihm die Dichterei durch den Richter verbieten lassen. Henri Gabriel hat ein Stück mit dem Titel La Neige"( Der Schnee) geschrieben, und dieses Stück wurde im vorigen Jahre im Baudeville aufgeführt. Der Ruhm des Bruders ließ den jungen Andre nicht schlafen, und so setzte er sich denn hin und dichtete ein Stück mit dem Titel Neige"( Es schneit), das das„ Teatre- Moderne" aufführen will. Henri Gabriel faßte das aber als„ Tusch" auf und ging zum Kadi, um den Schneemann Nr. 2 wegen Titelraubes zu denunzieren. Der Richter war aber der Ansicht, daß André Jbels mit demselben Rechte schneien lassen könne, wie sein Bruder, und wies die Klage ab. Aus dem Gerichtsfaal. § Im vierten und letzten Mannheimer Rheinauprozeß, in welchem sich die Anklage gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft für Chemische Industrie richtete, sind gestern Direktor Böhm und das frühere Mitglied des Aufsichtsrats, Grosch, wegen wissentlich falscher Angaben zum Zwecke der Eintragung in das Handelsregister zu je 500 Mark Geldstrafe verurteilt worden, die bei Zahlungsunfähigkeit in Gefängnisstrafe umzuwandeln ist. Die Angeklagten Henninger, Holland, Dr. Kohlstock, Bürk und b. Harder wurden freigesprochen und die Kosten der Staatstasse auferlegt. Vermischtes. IDer Kreditbrief des Zaren. Für die Dauer des Au enthaltes der russischen Kaiserfamilie in Hessen war, wie nachträglich bekannt wird, von der Société Generale in St. Petersburg an die Bank für Handel und Industrie in Darmstadt ein Kreditbrief von einer ganz außergewöhn lichen Höhe überwiesen worden. Wie gemeldet wird, sind während des sechswöchigen Aufenthaltes in Darmstadt und Jagdschloß Wolfsgarten zur Kostenbestreitung für die persönlichen Bedürfnisse der Barenfamilie und des Hofstaates insgesamt etwa 260 000 Mart bei der genannten Bank abgehoben worden. [ Wertvolle Fracht.] Der Argondampfer Condor" traf dieser Tage mit fünfzig Kisten englischen Goldes, teils geprägt, teils in Stangen, jede Riste 100 000 Schilling enthaltend, von England in Geestemünde ein. Von der Geeste aus wurde der Goldschak unter polizeilicher Bewachung nach dem Bahnhofe übergeführt, um zunächst nach Dresden verfrachtet zu werden. Von dort sollen die Goldbarren nach Rußland, das gemünzte Gold dagegen über Triest nach Alexandrien weitergeschafft werden; letzteres, um englischen Kriegsschiffen und Truppen im Mittelmeer und in Egypten zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse zu dienen. Da in Geestemünde inzwischen der letzte Passagierzug abgelassen war. mußte eigens ein Extrazug die fünf Millionen nach Dresden bringen. [ Noch schlimmer.] Ein komischer Zwischenfall ereignete sich kürzlich bei einer Taufe in einer Londoner Vorstadt. Der Geistliche war offenbar nicht ganz mit einem Paten zufrieden und machte seinem Mißtrauen in den nicht sehr freundlichen, aber wahrscheinlich wohlbegründeten Worten Luft: Sie sind zu jung, um Pate zu stehen." Der also angeredete Jüngling erwiderte bescheiden: Bitte sehr, ich will auch gar nicht Pate stehen; ich bin nur der Vater!" [ 60 000 Mark für ein verletztes Bein.] Aus London wird berichtet: Einem Ingenieur George W. P. Johnston wurden vor einigen Tagen 60 000 Mark Schadenersatz von der„ Great Western Railway Company" zuerkannt für Verlegungen, die er während einer Reise auf dieser Bahn erhielt. Es wurde festgestellt, daß Johnstons linkes Bein für immer lahm geworden war und daß er infolgedessen seinen Beruf nicht weiter ausüben kann; er hatte vorher alle Aussicht gehabt, Oberingenieur an einer Dampferlinie zu werden. [ Chrysanthemum- Kompott.] In Newyork ist es Mode geworden, in den chinesischen Restaurants zu dinieren. Man findet dort nicht nur die tradionellen Schwalbennester, sondern auch andere Leckerbissen und köstliche Gerichte. Beson ders der Nachtisch wird sehr gepflegt. Die Chinesen begnügen sich als Leute von Geschmack nicht damit, wie gewöhnliche Sterbliche die Früchte der Jahreszeit zu essen, sie machen auch die Blumen selbst zurecht, und die Rezepte von Desserts aus Chrysanthemen, Veilchen und Rosenblättern sind bereits von den chinesischen Restaurants zu den Fiveo'clocks" übergegangen. Für einen weiblichen Gaumen gibt es in der Tat nichts besseres und köstlicheres, als Chrysanthemum- Kompott, für das der„ Gaulois" folgendes Rezept mitteilt: Man nimmt ein frisches Chrysanthemum, wäscht es sorgfältig, löst die Blumenblätter und taucht sie in ein Gemisch von geschlagenen Eiern und Mehl; dann zieht man sie zurück und taucht sie schnell in heißes Del, breitet sie eine halbe Minute lang auf Papier, das das Fett aufsaugt, bestreut sie mit Zucker und serviert sie dann. LB. Gine heftige Agitation gegen die Newyorker Parsifal"-Aufführung wird von dortigen Geistlichen in Szene gesetzt. Sie erklären die Zaubermädchen- Szenen für unanständig, und außerdem werde das Abendmahl aus Geldgier prostituiert. Pastor Shearer erklärte, jemand habe für 500 Dollars Eintrittskarten zerrissen, nachdem ihm die ,, Natur der Aufführung" erklärt worden sei. [ Gine Heitere Szene an der Newyorker Börse] berichtet ein dortiges Blatt. Es ist 11 1hr, allgemeine Geschäftsstille, da am Tage vorher einige Banken in Pittsburg die Türen geschlossen und London niedrige Kurse gesandt hatte. Da erscheint plötzlich ein Agent mit allen Anzeichen heftiger Erregung. Keine Bank westlich von Pittsburg hat ihre Türen geöffnet!" schrie er. Im Nu war die Szene berwandelt. Ein donnerähnliches Stimmengewirr erhob sich, aus dem man nur die Stimme des Mister Soundso, der sehr berühmt ist wegen seiner Lungenkraft, heraushörte. Ich gebe Steel zu 14-13% 13% 13%!" brüllte er und die andern brüllten mit ihm. Und plötzlich sah einer auf die große Uhr im Saale und brüllte lauter als jeder andere:„ Natürlich hat noch keine Bank im Westen ihre Türen geöffnet! Es ist ja noch nicht 10 Uhr dort!"( Newyork ist Pittsburg etwas über eine halbe Stunde in der Zeit boraus.) und gütig und milde sprach alsdann jener Broker, der die ganze Aufregung verschuldet hatte:„ Kinder, habe ich euch nicht schon oft gesagt, daß ihr schon Papiere verkauft, wenn man nur den Mund auftut? Der größte Unsinn findet hier willige Ohren, sobald sich nur eine Baisse darauf stüßen kann! Jetzt habe ich euch eine Lehre gegeben und inzwischen meine Engagements mit einem Profit von 1500 Dollars gedeckt. Den Gewinn werdet ihr mir ja gönnen, denn kein Geld ist besser angelegt, als Lehrgeld!" Sprachs und verschwand hocherhobenen Hauptes in der Richtung des Börsenrestaurants. Der Streik von Armentières ist, trotzdem äußerlich jetzt alles ruhig ist, immer noch nicht beigelegt. Die Fabrikanten lehnten den Vorschlag eines Schiedsgerichts ab, erklärten sich jedoch bereit, den Arbeitern sieben Tage nach Wiederaufnahme der Arbeit eine Summe von 300 000 Francs zu zahlen, was ungefähr dem Lohne einer Woche entspricht, um hierdurch ihren guten Willen zu bezeugen. Von April nächſten Jahres ab wollen die Fabrikanten eine Verständigung über den zehnstündigen Arbeitstag zu erzielen suchen. Die Arbeiter haben diese Vorschläge bisher abgelehnt. [ Das deutsche Volk nach Berufsarten.] Nach der letzten Berufszählung sind, wie die soeben veröffentlichte Statistit ausweist, beschäftigt in der deutschen Landwirtschaft 11 935 000 Personen, darunter Ackerbau und Viehzucht 11½ Millionen, Kunst- und Handelsgärtnerei 120 000, Jagd und Fischerei 192 000, die Bergbau- und Steinindustrie zählt 1 310 000, Metallindustrie 892 500, Chemische Industrie 106 000, Textilindustrie 1017 100, Holzindustrie 717 000, Nahrungs- und Genußmittel 1 Million, Baugewerbe 1 448 000, darunter Maurer 522 370, Zimmerer 224000, Maler und Stuckateure 155000, Dachdecker 40000, Glaser 25 300, Graphische Gewerbe 122 160, Handel 1 500 000, Verkehrswesen 666 170, darunter Postwesen 221 624, Bahnbeamte und Bahnarbeiter 535 725, Seeleute ( auf Handelsschiffen) 50 556, Gastwirtschaft und Hotelwesen 700 900, Gelehrte und freie Berufe 475 000 u. s. w. [ zur rechten Zeit schwerhörig.] In einem dieser Tage erschienenen Buche über das Leben und Wirken des großen Chemifers Bunsen wird eine hübsche Anekdote mitgeteilt, wie dieser seine Schwerhörigkeit, von der niemand mußte, wie groß sie eigentlich war, als Waffe zu benutzen verstand. Bunsen war in Heidelberg zum Kirchenrat gewählt worden. Ein Kollege, den er noch nicht persönlich fennen gelernt, gegen den er aber ein anderweitig begründetes Vorurteil hatte, wollte ihm eine Gegenvisite auf einen borangegangenen, wohl absichtlichen Fehlbesuch machen. Er begegnete Bunsen auf der Treppe, lüftete seinen Hut und nennt seinen Namen, um sich vorzustellen. Aber Bunsen faßt diese Vorstellung verkehrt auf und sagt schnell gefaßt: Wohnt Märzgasse Nr. 27." Darauf der andere etwas verlegen sagt:„ Ich selber bin der Kirchenrat Soundso." Bunsen überhört aber die ersten Worte und sagt mit eherner Stirn: Ich hatte schon die Ehre Ihnen mitzuteilen, daß derselbe in der Märzgasse wohnt" und geht mit verbindlichem Lächeln rasch an seinem Opfer vorbei. Die polnischen Kleriker des Posener Priesterseminars haben eine Art Obstruktion gegen den Erzbischof in Szene gesezt. Die erzbischöfliche Behörde hatte bekanntlich angeordnet, die Zöglinge des Seminars sollten die Vorlesungen der neubegründeten Posener Akademie besuchen. Dessen weigerten sich die polnischen Zöglinge. Die erzbischöfliche Behörde hat über die Widerspenstigen jetzt Karzerstrafen verhängt und ihnen bei weiterer Weigerung Relegierung angedroht. Die neu eintretenden Kleriker müssen jezt ein Schriftstück unterzeichnen, in dem sie sich bereit erflären, die Vorlesungen der Akadem regelrecht zu besuchen. Im Falle der Weigerung unterbleibt ihre Aufnahme in das Seminar. Die gute sparsame Küche MAGG MAGGI'S SUPPEN 2 Teller vorzüglichen KARTOFFEL Suppe für 10 Pfg. ** Neues Imprägnierungsverfahren gegen Feuersgefahr. In der Warschauer Vorstadt Praga wurden interessante Versuche mit feuersicheren Materialien gemacht. Die mit einer neuerfundenen Substanz gesättigten Gegenstände sollen der bernichtenden Einwirtung des Feuers nur bei außerordentlich hoher Temperatur erliegen. Die Versuche gaben sehr günstige Resultate. Nicht nur mit der Substanz imprägniertes Holz, sondern auch mit Petroleum begossenes Stroh verglomm nach und nach und verkohlte nur an den Teilen, die zu wenig oder gar nicht gesättigt waren. Mit der Substanz gesättigte, leicht entzündbare Gewebe, wie Fensterborhänge und leichte Kleiderstoffe büßten weder ihre Eigenschaften, noch ihre Farbe ein und wurden absolut feuersicher. Den Angaben des Erfinders zufolge sind die Unkosten der Imprägnierung verhältnismäßig niedrig; die Sättigung eines Strohdaches z. B. erfordert nur 10 bis 12 Rubel Kostenaufwand. Den Versuchen wohnten der Chef der Warschauer Feuerwehr, die Brandmeister aller Feuerwehrabteilungen, die Gehilfen des Polizeidirektors und Vertreter der städtischen Behörden bei. Vermißter deutscher Bergsteiger. Aus Montreux kommt die Meldung, daß eine Bergführerkolonne aufge brochen ist, um den 21jährigen Rudolf Weill aus Kassel aufzusuchen, der seit Sonntag von einer Beſteigung der Nayefelsen noch nicht zurückgekehrt ist. Er hatte mit einem anderen jungen Deutschen, der gleich ihm in der Pension Schloß Lucens wohnt, den Marsch unternommen. Wegen Neuschnees waren aber die Wege so schwierig, daß der zweite Tourist bei Einbruch der Nacht umfehrte, während Weill weiterging. Alle Nachforschungen nach dem seither Ver mißten, die unter Leitung von zwei Lehrern des oben. genannten Instituts angestellt wurden, blieben erfolglos. Man setzt auch auf die jetzige Rettungsexpedition nur geringe Hoffnungen. † Hinrichtungen. In Tübingen fand die Doppelhinrichtung der beiden Raubmörder Georg Hespeler und Wilhelm Repple statt, denen seinerzeit der Privatier Krauß zum Opfer gefallen war. Heute früh wurde in Konstanz an dem Mörder Brenner, der seine eigene Tochter umgebracht hatte, die irdische Gerechtigkeit vollzogen. Aufgehobene Belagerung eines Pfarrhauses. Aus dem italienischen Dorfe Villaganzerla( Provinz Vicenza) hat sich nach mehreren Monaten einer förmlichen Belagerung in seinem Pfarrhause nun endlich der dortige Pfarrer Don Revlon auf den Weg nach der ihm zugewiesenen neuen Pfarrstelle aufmachen dürfen. Da er bei der Bevölkerung schr beliebt war, so wollte ihn das Dorf nicht ziehen lassen. Man umstellte seine Wohnung, um seine Abreise zu verhindern. Besonders die Frauen zeichneten sich durch ihre Hartnäckig. feit aus; sie verließen Tag und Nacht nicht ihren Posten vor der Wohnung des beliebten Pfarrers, um die Herum sie ein Lager mit Belten, Strohsäcken u. s. w. errichtet hatten. Da die vorgesetzte geistliche Behörde nicht nachgab, so dauerte dieser lästige Krieg mehrere Monate. Jetzt endlich hat das in den letzten Tagen niedergegangene schlechte Wetter die Dorfbewohr.cr mürbe gemacht. A Ein Opfer des Aberglaubens ist im Dörfchen Poretiche Gouvernement Minst, die junge Lehrerin der Dorfschule geworden. Sie arbeitete in ihrem Stübchen an der Lampe Der alte kleine Tisch war wackelig; eine unglückliche Be wegung der Lehrerin warf ihn um, so daß die Lamve zu Voden fiel und das leichte Kleid des unglücklichen Mäd hens in Flammen sezte. Laute Hilferufe erschallten aus der Schule; die Bauern liefen hinzu, aber helfen wollte feiner: die brennende, um sich schlagende und laut schreiende Gestalt das war für ihre abergläubischen Seelen zu viel, die mußte vom Teufel besessen sein. Sich befreuzigend und fromme Lieder singend, umstanden sie das Schulhaus und ließen die Aermite lebendia verbrennen. A! Das seltene Fest der Eisernen Hochzeit konnten die Landwirt Friedrich Reppelschen Eheleute in Meinerzhagen begehen. Aus diesem Anlasse wurde dem Jubelpaare mit einem eigenhändigen Schreiben des Kaisers die goldene Ehejubiläumsmedaille überreicht. Reppel ist im Jahre 1817, seine Frau 1819 geboren. Das Ehepaar besitzt acht Kinder und 77 Enkel. IDie angenehme Buße.] In Obermais bei Meran so erzählt das dortige Blatt läuft in eiliger Hast ein Bauer aus der Kirche ins nahe Wirtshaus, das zur Feier des„ Neuen" einen grünen Buschen mit farbigen Bändern aufgesteckt hatte. Zwei Liter Neuen" denkt der Bauer ,,, ha, das ist nit a soe schlechte Buaß, und zwei Liter Neuen hot er g'sogt." Bald saß der Hiast in der Ecke des alten Wirtshauses, den Doppelliter vor sich, als sein Um sicher zu sein, Wetb polterno Hereintrat und ihn auf seinen sträffid Wandel aufmerksam machen wollte. A Ruah will i hob'n rief ihr Hiasl im frommen Büßertone zu, streit' di' t dem Pfarrer. Zwei Liter Neuen hot er mir zur Bu aufgöb'n!" Diese eigenartige Buße schien der alten R doch nicht recht einzuleuchten, und sie fragte beim Pfarn nach. Der fromme Herr aber konnte sich selbst des Lache nicht enthalten, als er schließlich sagte:„ Zwei Litaneien h i ihm aufgöb'n!" Originelle Flucht aus dem Gefängnis.] Aus dem fängnis in Wladimir entschwand auf rätselhafte Weise e zu schwerer Zwangsarbeit verurteilter Russe. Man such man forschte umsonst! Es fand sich absolut keine Sputt die man hätte verfolgen können. Da fiel es den Gefängnis wärtern ein, daß der verlorene Sträfling in der Stadt ein Freundin habe; zu ihr gingen die Geheimpolizisten, aber de Gang war auch vergebens der Flüchtling war nicht b Doch im ärmlichen Zimmer dieser Freundin ſtand ein Soft ein ganz neues Sofa nur sah es so sonderbar aus: war halb aufgetrennt, wie zerzauſt... und nun kam plö lich Licht in die Dunkelheit! Das war nämlich dassel Sofa, das eine Dame einen Tag vorher in der Gefängnis werkstätte gekauft und bald darauf abgeholt hatte. Nur var es klar: da drin im Polster hatte der Sträfling gestec und in diesem Sofa war er durch die ganze Stadt gefahren durch die Hauptstraßen, vorbei an den Behörden, am B zirksgericht, am Hause des Gouverneurs und wieder aus ba Stadt heraus nach der Vorstadt! Soviel konnte das So erzählen, mehr aber war aus ihm nicht herauszubringen wie der Entflohene weiter gereist war, wußte es nicht an zugeben. Das Neuefte aus den Witzblättern. Doppelsinnig. Herr( zum Bewerber): Sind G auch verträglich?"- Diener:" O ja- ich vertrag' foga sehr viel!" Verfrühte Ueberraschung. Mieße, du hatte mir doch fest versprochen, schön artig zu sein, um Bap 311 seinem Geburtstag eine Ueberraschung zu bereiten, un jetzt bist du schon wieder unartig!" Ja, weißt du, Baba Geburtstag ist erst in drei Tagen, und wenn ich jetzt schon artig bin, merkt er's ja!" Nobel. Protz( beim Diner): Johann, der Tisch wadelt Leg' e' Zwanzigmarkstück unter!" Die Hauptsach e. Landbürgermeister( der ein Schreibmaschine kaufen will):„ Kann ma' denn auch Kreuz'l damit schreib'n?" Die Zwischenmaß.„ Befehlen der Herr Rat nod eine Maß?"-Weiß ich noch nicht muß mir's er überlegen!... Inzwischen können Sie ja nochmals ein schenken!" Ein Vorschlag. Richter: Sie haben sich gegenseiti beschimpft! Einer sagte Ochs, der andere Esel! Nehme Sie doch lieber die Namen zurück!" Schreiber( als fid die Parteien weigern):„ Die Herren könnten ja vielleich tauschen!" ( FT. Bl.) Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein; für das Lokale, den Gerichts" und" Deffentlichen Sprechsaa" Fr. Oppermann Kathreiners Malzkallee Königl. Preuss. St. ats- Medaille Seidenstoffe jeder Art, in jeder Farbe, zu jedem Preise, der Meter Muster portofrei. von 75 Pf. an. Fertige seidene Kostüm- Röcke, Jupons, Blusen, halbfert. Roben. 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