Nr. 135. Abonnementsprete: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Saus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel fährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittags. Freitag, den 12. Juni 1903. Gießener 12 Jabrgang. Insertionspret 8s Die einfaltige Betttzelle für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Weglar unb Marburg 10 Bfg. fonft 15 Bfg.; Reklamen die Betttzelle 30 refp. 40 Bfg. Boftzeitungsliste No. 3869. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Ferufprechauschluk Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Steßener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Die Mordnacht von Belgrad. CB. Mit zahlreicher Opfer Blut getränkt ist der Königsmantel, den Peter Karageorgiewitsch, das Haupt der serbischen Heeresverschwörung gegen die Dynastie Obrenowitsch, sich um die Schultern geworfen hat: Weit mehr Opfer hat die Mordnacht von Belgrad gefordert, als die ersten kurzen Depeschen zu berichten wußten: Nicht nur König Alexander von Serbien und seine Gattin Draga, auch deren Bruder Nikodem, der als der künftige Thronjolger galt, ihre beiden Schwestern, der Ministerpräsident Zinzar Markowitsch und seine Gattin, zwei andere Minister, der des Krieges und des Innern, ein General, der Generaladjutant des Königs, Petrowitsch, und zwölf Mann der königlichen Leibwache sind in der Nacht zum Donnerstag kurz nach Mitternacht im Belgrader Schlosse von den Verschwörern ermordet worden. Denselben Tag, an dem Peter Karageorgiewitsch vor 35 Jahren durch seine Kreaturen dem Großvater Alexanders, dem Fürsten Michael Obrenowitsch, im Park von Topschider bei Belgrad ein jähes Ende bereiten ließ, denjelben Tag hat der unversöhnlichste Feind der serbiſchen Dynastie sich gewählt, um den letzten Sprossen der Obrc= nowitsch und alle, die zu seinem Hause gehört, zu vernichten. Am Donnerstag sollte für Michael Obrenowi: sch in Belgrad eine Gedächtnisfeier stattfinden, der Morgen dieses Tages sah den Enkel Michaels kalt und starr, mit der Todeswunde in der Brust im serbischen Königsschlosse mfgebahrt. Peter Karageorgiewitsch, der Rächer des Unrechts, das die Obrenowitsch seinem Hause, dem Hause der früheren Fürsten Serbiens, zugefügt haben, hat sein Ziel erreicht, er wird den serbischen Thron endlich besteigen. Denn es ist kein Zweifel, daß er, der Schwiegersohn des einzigen Freundes" des Zaren, des Montenegrinerfürsten Nikita, auf Rußlands Beistand rechnen kann, mag auch Desterreich- Ungarn seine Thronbesteigung mit scheelen Augen ansehen. Und er wird sich, wenn nicht auch ihn Verblendung überkommt, wie seinen Vorgänger, auf dem Throne halten können. Das Heer ist ihm ergeben, und damit hat er auch das Land für sich. Alexander selbst hat seinem Rivalen in blinder Unbernunft in die spände gearbeitet: Er hat im Volke und im Heere den werdacht immer aufs neue genährt, als wolle er den Bruder seiner den Serben verhaßten Gattin, Nikodem Lunjewitsch, zum Thronfolger proklamieren. Und er hat mit dem jüngsten Staatsstreich, der die Verfassung einfach aufhob, der das Ministerium und die Stupschtina [ prengte, eine neue, dem Volke nicht genehme Verfassung einführte und ihm ein unwillkommenes Ministetiunt aus Kreaturen des Königs aufzwanger hat mit diesent wahnwikigen Staatsstretch dem Faß den Boden ausgeschlagen. Die radikale Partet, die mächtigste im lande, gegen die sich dieser Streich des Königs richtete, hrieb der König dadurch selbst dazu, mit den Ünzufriedenent, unter Karageorgiewitsch's Einfluß stehenden Elementen im serbischen Offizterkorps gemeinsame Sache zu mathen. Wir haben an dieser Stelle schon damals, bei der Kunde von diesem hirnverbrannten Staatsstretch, die Revolution in Serbien und den Sturz der Dynastie sicher vorausgesagt. Daß die Gegner der Dynastie und die persönlichen Feinde des Königs sich nicht auf die Entthronung Alexanders beschränkten, sondern ihn mit seinen ganzen pause vernichteten, wird ihnen im zivilisierten Westeuropa die Sympathien schmälern, die sie bei einer unblutigen Entthronung der Königskarikatur Alexander sonst gehabt hätten. Um so größer wären diese Sympathien Westeutopas mit den serbischen Radikalen gewesen, als die Perjönlichkeit Alexanders und seiner abenteuerlichen Ehegejponsin in allen Kreisen, die auf Zucht und Würde halten, farfer Abneigung begegnete. Durch das Blutbad, das die Verschwörer im Belgrader Konak angerichtet haben, burch die Ermordung völlig Unschuldiger, wie des Minijterpräsidenten und seiner Gattin und der zwölf Leibgardisten, haben sie sich die Sympathien der sittlich empfindenden Welt frevelnden Mutes entfremdet. Freilich, man darf an die moralische und geistige Kultur dieser Völkerschaften auf dem Balkan nicht den Maßjtab anlegen, mit dem die Bürger einer Kulturnation die Menschen und ihre Taten zu messen pflegen. Die Mordnacht von Belgrad ist ein Ausfluß der allen sittlichen und Vernunftforderungen hohnsprechenden Leidenschaftlichkeit, die jene Mischlingsvölker beherrscht. Das und die ungeheure Erbitterung, die der Sohn Milans und Natalies im Volke gegen sein Haus großgezogen, macht zu einem Teile die Vorgänge in der Mordnacht verständlich. Der Politiker kennt so wenig wie der Geschichtsschreiber das Wort, daß man von den Toten nur Gutes reden solle. Es wäre eine widerwärtige Heuchelei, wollte man tiefe Trauer darüber vorgeben, daß Alexander und Draga aus den Reihen der Lebenden geschieden sind. Beiber Persönlichkeit war nicht dazu angetan, irgend welche menschlichen Sympathien zu erwecken. Und auch die Rolle. bie Alexander und Draga im politischen Leben spielten, war so würdelos und ärgerniserregend, daß man ihr Abtreten von der Bühne der Deffentlichkeit längst wünschte. Daß freilich ein gewaltsamer Tod sie von der Szene rief, wird trotzdem Mitleid erregen. Noch mehr aber wird man die übrigen schuldlosen Opfer der Verschwörung beklagen. Und Peter Karageorgiewitsch, der neue König der Serben, hat sich durch di Bluttat, die er für nötig hielt, um sich auf den Thron zu schwingen, die Sympathien aller Kulturnationen von vornherein verscherzt. Wie immer bei so sensationellen Ereignissen werden auch diesmal allerhand unkontrollierbare Versionen über die Vorgänge in Belgrad laut. So hat nach siner nicht eben glaubwürdigen Nachricht König Alexander beim Eindringen der Verschwörer in den Konat erst die Königin und dann sich selbst erschossen. Nach einer anderen Meldung erzählt man in Belgrad, der König habe in letzter Beit in der Tat die Absicht verwirklichen wollen, sich obn der Königin Draga scheiden zu lassen; die Königin habe dies bemerkt und es hintertreiben wollen. Einige hohe Militärs hätten die Königin in der letzten Nacht gevaltsam aus dem Konak entfernen wollen, feien aber auf Widerstand bei den Anhängern der Königin gestoßen. In dem erbitterten Gemetel seien alsdann beide, der König und die Königin, mit ihrem Anhang gefallen. Nach einer weiteren meldung aus Belgrad sind außer dem Königspaar und den Angehörigen der Königin auch der Adjutant Naumowitsch sowie andere Hofleute ermordet worden. der Schließlich verzeichnen wir aus den übrigen aus Belgrad vorliegenden Nachrichten das Wesentlichste: Um Mitternacht wollte die Verschwörergruppe in den Konak eindringen. Als die Wache dies verhindern wollte, entstand ein Kampf, wobei der Wachkommandant und 12 Ma Wache niedergemeßelt wurden. Die Verschwörer drangen dann in den Konak ein. Der König wurde zur Thronentsagung aufgefordert; als er sich weigerte, zogen die Verschwörer die Säbel und meßelten das Königspaar und einen Teil des Hofstaates nieder. Nach späteren Meldungen sind alle Getöteten erschossen worden. Angeblich soll König Alexander sich verteidigt und einen Mann niedergeschossen haben. Der Konak ist von Militär umzingelt. Peter Karageorgiewitsch, der bis vor kurzem in Gens weilte, soll sich angeblich derzeit in der Nähe von Belgrad befinden. Junge Leute rotten sich zusammen, schwenlen Fahnen und ziehen umher unter dem Rufe: ,, Es lebe Karageorgiewitsch!" Fast alle Häuser Belgrads haben Fahnen ausgesteckt, jedoch sind keine schwarzen Trauerfah nen darunter. Vom Königsschloß weht keine Standart mehr. Das Militär trägt nicht mehr die Kokarden mi dem Namenszug Alexanders, sondern Blumen und grün. Zweige oder Blätter an Stelle der Kokarde. Viele Anhänger des Königspaares flüchteten mit ihren Familie. nach Semlin. Die Stadt gleicht einem Militärlager. All wichtigen Punkte sind mitrisch besezt. Militärpatrouil len durchzichen die Straßen der Stadt. Unter den neuen Ministern befinden sich mehrer Opfer der Rechtsbeugung Milans und Alexanders. Se Schifkovic( für das Justizwesen), der mit Protic unte Milan zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt war. De neue Handelsminister Gencic war der stärkste Gegner de Heirat des Königs, er wurde seinerzeit zu acht Jahrei Kerker verurteilt wegen eines Briefes, den er aus Abba zia über diese Heirat veröffentlichte. Die königliche Familie war schon seit einigen Tagen in Besorgnis vor einem Ueberfall, König Alexander getraute sich nicht mehr auf die Straße. Tas hinderte die Königin freilich nicht, noch am Abend vor ihrem Tode einem Wiener Modesalon ein höchst ungnädiges Telegramm zu schicken, weil sich die Absendung einer von ihr bestellten Robe verzögert hatte. Erkönigin Natalie erhielt die Nachricht von der Katastrophe in der Kirche bom Abbé Solange, ihrem Beichtvater. Die Königin schluchzte heftig und rief: ,, Mein armer, irregelciteter Sascha." Um dem Ansturm neugieriger Reporter zu entgehen, begab sie sich von Paris nach Versailles. In Wiener serbischen Kreisen war man schon seit einiger Zeit durch Belgrader Privatbriefs darauf vorbereitet, daß sich ein gewaltsamer Umschwung in Serbin vorbereite. Als einer der Gründe dafür wird die Erbitterung des größten Teils des Volkes über den Ausfall der Wahlen bezeichnet, bei denen infolge behör lichen Terrorismus kein einziger Oppositioneller gewählt wurde. Die Oppositionsführer fürchteten ihre Verhaftung, die der Belgrader Präfekt angeblich schon vorbereite. Die Politik. Eine Kaiserreise nach Stockholm? (?) In der schwedischen Hauptstadt erhält sich das Ge rücht, Kaiser Wilhelm werde im Juli in Stockholm eine Begegnung mit König Oskar von Schweden haben. In dieser Form ist die Nachricht, wie unser Berliner CB.Mitarbeiter uns schreibt, unrichtig, dagegen ist es nicht ausgeschlossen, daß eine Begegnung zwischen den beiden Herrschern an irgend einem Orte der nowegischen Küste stattfindet. Möglicherweise wird die Nordlandsreise des Kaisers dazu Gelegenheit geben. Balfour und Chamberlains Sollpläne. )( Reichlich spät, erst am zweiten Tage der Debatte über den Chamberlainschen Antrag auf Beibehaltung des Kornzolles, hat sich der britische Premierminister veranlaßt gesehen, seinerseits zu den Schutzzollplänen seiner Ministerfollegen Stellung zu nehmen. Dabei kam die Uneinigkeit des britischen Kabinetts in dieser Frage wieder voll zum Ausdruck. Balfours Rede sagte so ziemlich das Gegenteil von dem, was der Schaßkanzler Ritchie am Tage vorher geäußert hatte. Hatte der Schazkanzler sich als unbedingten Anhänger des Freihandels bekannt, so erklärte Balfour sich zwar nicht in dürren Worten, aber durch die Blume geneigt, an eine Aenderung des Zollsystems zu gehen. Schußzöllner, sagte er, sei er zwar gerade nicht, aber bei ihm stehe fest, daß England die Möglichkeit erhalten müßte, durch Kampfzölle andere Staaten handelspolitisch gefügig zu machen. Schließlich redete der Ministerpräsident einer Prüfung der Chamberlainschen Pläne das Wort. Die Rede befriedigte teine Partei im Unterhause, und in der Debatte kam denn auch die völlige Spaltung der Ministeriellen zum Ausdruck: Ein Teil der Anhänger des Kabinetts unterstützte den vom Ministerium bekämpften Antrag Chaplin, ein anderer sprach dagegen, und die Gegner des Antrages waren noch in sich gespalten. Die einen befürworteten eine Untersuchung der Chamberlainschen Zollpläne, die anderen wollten davon nichts wissen und schworen auf die Vorzüge des Freihandels. Troß dieses Tohuwabohus kam es zu einer Einigung bei der Abstimmung: Mit 424 gegen 28 Stimmen wurde der Antrag Chaplin abgelehnt. Der britische Kornzoll wird also aufgehoben. Auch der Verlauf der Debatte des zweiten Tages erwies, daß zwar vorläufig an eine Durchführung der Chamberlainschen Pläne nicht zu denken ist, daß sie aber in einer nicht zu fernen Zukunft zur Tatsache werden können. Ter Marineskandal vor der italienischen Kammer. (!) Nun ist nachträglich doch noch die Skandalaffäre, in die man in Italien den Marineminister Bettolo verwickelt glaubt, zur Besprechung im römischen Parlament gelangt. Es ging dabei ziemlich hißig zu: Als Bettɔlo seine Verteidigungsrede gegen die Anklagen begann, die die Sozialisten wider ihn erhoben, kam es zu stürmischen Zwischenrufen. Die Gegner des Ministers forderten ihn auf, er solle doch gegen sie klagbar werden, wenn er sich rein fühle. Der Minister bestritt, für die von der Marineverwaltung der Panzerplattenfabrik Terni erteilten Aufträge irgendwie bestochen worden zu sein. Seine Gegner erwiderten prompt, sie glaubten ihm nicht. So ging die parlamentarische oder nach den wenig sabonfähigen Ausdrücken unparlamentarische Haß eine ganze Weile weiter. Schließlich wurde der Antrag auf Einleitung einer parlamentarischen Untersuchung über die Marineverwaltung, bei dessen Annahme das Kabinett zurücktreten za wollen erklärt hatte, mit 188 gegen 149 Stimmen, also gegen eine sehr starke Minderheit, abgelehnt. Sehr berühmt ist dieser Sieg der Regierung nicht. Das sieht sie selbst ein, und um die Gegner Bettolos zu gewinnen, hat der Ministerpräsident erklärt, er werde seinerseits eine ſtrenge Untersuchung über die Verwaltung der Marine vornehmen, um volle Aufklärung zu bringen. Diese für Bettolo ziemlich deprimierende Erklärung des Ministerpräsidenten und die Tatsache, daß Bettols von seinem Kollegen nur sehr lau verteidigt wurde, haben ihm den Gedanken an seinen Rücktritt nahegelegt. Tritt er zurück, so wird zweifellos das Gerücht, er sei in der Terniaffäre nicht völlig intakt, neue Nahrung erhalten. Die Unterwerfung der Figig- Mauren. )-( Die Bewohner der Oase Figig haben sich den Franzosen unterworfen. Die Unterwerfungsceremonie begann damit, daß die maurische Abordnung ein langes Gebet im benachbarten heiligen Marabout verrichteten. Während General O'Connor ihnen dann mit starker, eindringlicher Stimme eine drohende Rede hielt, standen sie unbeweglich und schweigend da. Nach der Rede näherte sich einer von ihnen dem General und wollte ihm die Hand reichen. Ter General O'Connor stieß die Hand des Mauren brüsk von sich und galoppierte mit seiner Suite davon. Man zweifelt an der Aufrichtigkeit der Unterwerfung der Mauren. O'Connor hatte gefordert, daß die Zeremonie in der Nähe des heiligen Marabouts stattfinden solle, weil die Araber dort nicht zu lügen wagen. Nun haben aber einige der Landessprache mächtige Franzosen gehört, wie die Abgesandten unter sich verabredeten, ganz zu schweigen, weil sie nicht lügen dürften. Die Unterwerfung ist also eine Farce. Kurze politische Nachrichten. * Der Präsident des russischen Miniſterkomitees Jwan Nikolajewitsch Durnovo ist auf einer Badereise im Eisenbahnzug auf preußischem Gebiet am Gehirnschlag gestorben. Durnovo, der im Ausgang der sechziger Jahre stand, fuhr zur Kur nach Wiesbaden. Seine in Berlin aufgebahrte Leiche wird zur Bestattung nach Rußland geschafft werden. über und mit offenen Armen den Schwiegersohn empfangen, auf den er stolz jein darf. Rudi hat recht", nahm die Mutter sadula habi in ihrer janften, das Bergnügen belohnt, die Weiterreise in Gesenschaft des gnädigen Fräuleing den kleinen Dienst wurde ich überreid; durch Reden wir nicht mehr davon, ich bitte dringend darum" machen zu dürfen. in die klasse. Doch fall vorüber; Hans' wachsames Mißtrauen beruhigte sich, und hilflos zwischen den Kameraden hindurch und trat Mutter bis zur der erste Tag ging ohne ZwischenSchultür begleitet, schlich sich dann scheu ein, andere becilten sich, Abschied zu nehmen, ein Schaft. ner warf die Türen zu. Hans atmetete tief auf. richtete traurig feine Augen auf einen Jungen, der ar ,, Wenn wir doch mitfahren fönnten!" sagte er und * Der Ausstand der Spinnereiarbeiter in Oporto nimmt beträchtlich an Umfang zu. Die Zahl der Streikenden wird auf zwanzigtausend geschäßt. Weitere Arbeiterkreise schließen sich dem Streit an. Die Regierung hat weitgehende Maßregeln ergriffen. Hof und Gesellschaft. *** Das Kaiserpaar nahm gestern an der Einweihung der neuen Kirche in Bornim teil. Um halb 12 Uhr trafen die hohen Herrschaften unter Glockengeläut mit großem Gefolge und einer Eskorte des 1. Garde- Ulanenregiments von Potsdam aus ein. Der Kaiser schritt die Front der vom Lehr- Jufanteriebataillon gestellten Ehrenkompagnie ab. Darauf solgte die feierliche Uebergabe der Schlüssel. Das Kaiserpaar betrat unter Vorantritt der Geistlichkeit die Kirche, wo der Gottesdienst mit einem Gesangvortrage des Kirchenchores eröffnet wurde. Die Weiherede hielt der Genera!-Superintendent der Kurmark Koehler. Nach einem Rundgang um die Kirche kehrte das Kaiserpaar nach Potsdam zurück. Aus der Reichshauptstadt. -Wandelbilder von Spectator.- Das Berliner Prozentum ist eine stehende Rubrik in den Wigblättern, und man muß zugeben, daß sich das- sagen wir milde- übertriebene Selbstbewußtsein des Berliners häufig den Einwohnern anderer Städte gegenüber in unangenehmer und geschmackloser Weise bemerkbar macht. In Berlin selbst freilich ist davon nicht viel zu spüren, da läßt schon der Kritisierbazillus, der die sonst auch nicht gerade reine Berliner Luft verseucht, einen allgemeinen Chauvinismus nicht aufkommen. Das zeigte sich auch jetzt wieder, da der Sieg der Berliner im Frankfurter Sängerkrieg Gelegenheit zu lokalpatriotischen Ausschweifungen hätte geben können. Der Empfang des Lehrergesangvereins, der es fertig gebracht hatte, über die weltberühmten und stimmigewaltigen Kölner zu triumphieren, war zwar recht festlich, und die gewaltige Halle des Anhalter Bahnhofes erdröhnte in jener Nacht von Rufen der Begeisterung, als der Vorsitzende des Vereins mit der Kaiserkette um den Hals erschien und von unserem Dichter- Bürgermeister das Willkommen der Stadt entge gennahm. Manchem dürfte hierbei der Gedanke gekommen sein, daß die Kette und das Willkommen in erster Linie dem Dirigenten gebührte, dessen unermüdlicher Arbeit und dessen musikalischer Tüchtigkeit der Erfolg zu verdanken ist. Oder sollte Professor Schmidt mit der klassischen Sänger"-Bescheidenheit gesagt haben: ,, Die goldne Kette gib mir nicht?" Troß dieser jubelnden Kundgebungen, die teils von Sangesbrüdern und deren Angehörigen, teils von solchen Leuten ausgingen, die immer dabei sein müssen, wo es einen rechten Feez" gibt, kann man getrost behaupten, daß das Interesse daran kein allgemeines ist. Das geschäftige Leben hastet schnell über solche Ereignisse hinweg. Selbst der Todesfall an Best blieb ein Lokalereignis, das, wie viele andere, nur bei den Näherstehenden brennendes Interesse erregte. Dank den neueren Forschungen hat die Best bei uns viel von dem Schreck verloren, der in früHeren Jahren allein imstande war, die Opfer der fürchterlichen Krankheit zu verdreifachen. Heute geben uns die modernen hygienischen Fortschritte und Einrichtungen Ruhe und Sicherheit, und der Erfolg zeigte ja auch bis jetzt in diesem Falle, daß unser Vertrauen zu diesen Institutionen begründet ist. Man muß es der Reichshauptstadt lassen, daß sie mit ihrem hygienischen Kehrbesen eifrig hinter dem Bazillengewimmel her ist; dennoch könnte vielleicht noch mehr getan werden. Insbesondere bei Herstellung und Verkauf von Eßwaren, wie Brot, Fleiſch und Wurst hört und sieht man häufig noch manche„ unsauberen" Dinge, die förmlich danach schreien, daß die Sanitätspolizei einmal ihre antiseptische Nase hineinsteckt. Da die sorgsame Polizei das Publikum nicht nur vor den Krankheiten des Körpers, sondern auch vor Angriffen auf der lieben Seele Ruh zu schüßen hat, interessierte sie sich auch für das Auftreten des Fräuleins Artemis Colonna und gab erst nach sorgfältiger Prüfung dieser Tänzerin die ,, Konzession" für bloße Füße. Die Tänzerin tritt nun mit auch polizeilich freien Füßen in den bloßen Fuß- Tapfen der Miß Duncan auf. Die arme Duncan! Nach ihrem Mißerfolg in Paris muß sie noch die Erfahrung machen, daß selbst nackte Füße, die nicht patentamtlich geschüßt sind, vor Nachahmung nicht sicher sind. Sie wird hingehen und trauernd ihre Füße verhüllen. In welch engen Beziehungen Kunst und Polizei zu einander stehen, beweist auch noch ein anderer Umstand, die Verpachtung der alten Hausvogtei am Molkenmarkt an einen Konzertunternehmer. Seitdem, wie der Berliner sagt, der Molkenmarkt nach dem Alexanderplatz verlegt worden ist, diente das alte Polizeipräsidium als Asyl für obdachlose Verwaltungsbureaus; doch scheint es jetzt in Erinnerung an seine früheren edlen Zwecke in ein ,, fideles Gefängnis" verwandelt zu werden. Vorderhand werden die früheren Gefängniszellen als Wohnräume vermietet, und natürlich sind es weniger Kommerzienräte und Bankiers, die von solcher Wohngelegenheit Gebrauch machen, als die Aermsten der Armen, und unter ihnen wird vielleicht mancher sein, der mit Wehmut früherer Zeiten gedenkt, da er denselben Raum gratis bewohnte, für den er jetzt dem Unternehmer eine verhältnismäßig hohe Miete zu zahlen hat. Und dazu ist das Rücken" bei der eigentümlichen Bauart dieses ,, Wohngebäudes" sehr erschwert. Das Rücken", wie man das heimliche Ausziehen hier nennt, ist eine beliebte Institution für diejenigen, denen es einige Unbequemlichkeiten verursacht, die rückständige Miete zu zahlen. Es gibt Rück- Virtuosen, die dem Hauswirt ihre gesamte Habe zwischen den Fingern hindurch wegschleppen, ohne daß er es merkt, zumal sich für diesen guten Zweck stets liebe Freunde als Helfer finden. Häufig freilich kann es dem Hausbesizer noch peinlicher werden, wenn die Rückkompagnie etwas zurückläßt. So hat jüngst eine Familie all ihr hab und Gut heimlich hinweggeschleppt und vergaß" in der ausgeräumten Wohnung nur ein Kinderbett mit der Leiche des jüngsten Kindes darin. Eine solche Gemütsroheit läßt sich auch durch den härtesten Kampf ums Dasein nicht entschuldigen. Nab und fern. ::: Entschädigung für Manöver- Flurschäden. Ueber die umfangreichen Flurschäden, welche gelegentlich des fürzlichen großen Gefechtsmanövers der Garde den Besizern um Döberitz durch die Truppen zugefügt worden sind, hat sich der Kaiser eingehenden Bericht erstatten lassen. Der Monarch bedauerte das Vorkommnis und ordnete, wie wir hören, an, daß den geschädigten Besizern ber entstandene Schaden reichlich vergütet werden solle. )-( Adligen- Familientage. Von ahlreichen adligen Familien werden gegenwärtig die ulljährlich stattfindenden Familientage abgehalten, um von dem Senior der Familie über die Fortentwicklung des Geschlechts Bericht zu hören. Das in letzter Zeit sehr wahrscheinlich auf höhere Anordnung hin zu Tage getretene Bestreben der Provinzial- Regierungen, die unberechtigte Führung des Adelstitels einzudämmen, wird mit Genugtuung begrüßt Angehörige des Geschlechts, die wegen ehrenrührigen Verhaltens gerichtlich bestraft wurden, werden auf den Familientagen nicht geduldet, da sie moralisch dem Geschlechte als nicht mehr angehörig betrachtet werden. Kürzlich mußte auf einem solchen Familientage ein Geschlechtsangehöriger, der wegen Sittlichkeitsvergehens mit Gefängnis bestraft worden war und sich freiwillig nicht entfernen wollte, auf Grund des Hausrechtes vom Familiensenior zum Verlassen der Versammlung gezwungen werden. Solchen Existenzen werden gewöhnlich die Mittel zum Aufsuchen eines fremden Landes gegeben, falls ihnen etwas daran liegt. )-( Die Katastrophe bei Rostow a. Don, die wir bereits kurz gemeldet haben, ist nach jezt eingelaufenen Nachrichten furchtbar gewesen. Der dicht besetzte Vergnügungsdampfer legte an einem Steg an, der seit längerer Zeit nicht mehr benutzt worden und gänzlich morſch war. Als die Fahrgäste sich in gedrängten Massen auf den Steg stürzten, brach der schwache Bau zusammen, und hunderte von Menschen stürzten in den Fluß. In der nun folgenden Szene unbeschreiblichen Schreckens dachte zuerst niemand an verständige Rettungsversuche, alles schrie und tobte durcheinander. Als dann endlich Rettungsbɔote flar gemacht wurden, waren schon weit über 300 Personen ertrunken. Zweihundert Leichen sind ins Meer hinausgeschwemmt worden. (!) Der Wahlfeldzug der Rothaarigen. Eine Wahlagitation, bei der die Farbe des Haupthaares eine wichtige Rolle spielte, hat dieser Tage im Staate kans is damit geendigt, daß Viktor Murdock, Republikaner von Wichita, ein Mann, der sich feuerroten Haares erfreut, in den Kongreß gewählt wurde. Zwanzig Bewerber um die ,, Nomination" waren im Felde, darunter zwei Rothaarige, Murdock, Chefredakteur eines in Wichita erscheinenden Blattes, und Staatssenator F. D. Smith, beide miteinander eng befreundet. Eines Tages machte Murdock gegen Smith die scherzhafte Bemerkung, daß, unerachtet des Faktums, daß unter 100 Amerikanern zehn rothaarig sind, die Rothaarigen von jeher in der Politik zurückgesetzt worden seien, so daß seit Thomas Jefferson kein rothaariger Präsident mehr das Weiße Haus bezogen habe. Smith könnte diese schmähliche Tatsache nicht in Abrede stellen, und beide beschlossen, die äußersten Anstrengungen zu machen, um dem roten Haare endlich die verdiente Anerkennung zu verschaffen. Smith war sogar uneigennüßig genug, zu Gunsten Murdocks, der von beiden das feurigere rote Haar hatte, seinen eigenen Ehrgeiz zu bezähmen und von der Kandidatur zurückzutreten, um für Murdock zu arbeiten. Alle rothaarigen Republtianer des Wahlbezirks wirkten jezt im Interesse der gerechten Sache eifrig zusammen, und in dem Nominationskonvent zu Great Bend glänzten 40 v. H. der Delegaten durch rotes Haar, was in der pɔ= litischen Geschichte des Staates Kansas bis dahin noch nicht erlebt worden war. )-( Napoleon und Loubet auf amerikanischen Brief: marken. Zur ,, postalischen Verewigung“ der nächſtjährigen Weltausstellung in St. Louis will man in den Ver. Staaten eine beschränkte Serie von Briefmarken ausgeben, die an den Ankauf der Provinz Louisiana erinnern sollen. Man gibt sich nun in Washington Mühe, Vignetten zu finden, die für den Zweck der Ausstellung passen. Köpfe von bedeutenden Persönlichkeiten sollen es sein, die mit jener epochemachenden Gebietsübertragung identifiziert waren, und da bieten sich in erster Linie zwei Portraits: das Bild Thomas Jeffersons und das Bild Napoleon Bonapartes. Man denke: das Bild eines Franzosenkaisers auf einer amerikanischen Fünf Centsmarke! Es werden nur vier Sorten von Ausstellungsmarken gedruckt, solche zu 1, 2, 5 und 10 Cents. Die ganze Serie der Ver. StaatenBriefmarken kann man schon deshalb nicht neu drucken, weil man nicht Köpfe genug finden könnte, die als Markenbilder zu verwenden wären. Lebende Amerikaner dürjen nicht auf Papiergeldnoten oder Postmarken prangen - das Gesetz verbietet dies. Das schließt z. B. den Präsidenten Roosevelt aus. Man könnte dafür Mc. Kinley nehmen, weil er die Bill unterzeichnete, die die Abhaltung der Ausstellung gestattete. Aber nun die vierte Marke? Man ist zuletzt auf den Präsidenten der französischen Republik verfallen! Ohne Präzedenzfall steht die Idee übri gens nicht da, denn es gibt schon Ver. Staaten- Marken, die ein europäisches Potentatenbildnis tragen. In der Kolumbusserie von 1893 trug die Fünfdollarsmarke das Bildnis Isabellas von Spanien. Bunte Chronik. Wie aus Göttingen gemeldet wird, ertrank eine Krankenschwester des Sanatoriums Hedemünden bei dem Versuch, eine Nervenkranke, die sich im Werrafluß ertränkte, zu retten. In Bielefeld ist, das größte Elektrizitätswerk Werther vollständig niedergebrannt. In Massanei in Sachsen sind der Gutsbesitzer Frizz Müller und dessen Wirtschafterin Bertha Lauphof durch Beilhiebe ermordet worden. Es liegt offenbar Raubmord bor. - Der Brand in der Fabrik der Daimler- Motorengesellschaft zu Cannstadt hat sehr großen Echaden verursacht, ber auf 1600 000 Mark geschätzt wird. Vermischtes. (:)[ Das unfreiwillige Solbad.] In große Verlegenheit ist die Stadtverwaltung von Landsberg a. d. W. geraten. Von allen Seiten laufen bei ihr Anfragen ein nach dem neu entdeckten„ Solsprudel", den Heilungsbedürftige aufsuchen wollen. Der Magistrat weiß aber zu seinem Sigung Madhbem bie ann zum Beig Forben, wurde b Mecum feierlich Leidwesen von einem derartigen Segen spendenden Brünn flicht genommen. lein in dem Weichbilde der Stadt nicht das Geringste. Guldverschreibung Die Anfragen sind nämlich die sicherlich nicht beabsich- Dispense von Be Landsberg erscheinenden Blattes, nach welchem Lands- br Straße Gießer tigte Wirkung eines harmlosen Aprilscherzes eines in berg a d. W. durch einen beim Bohren eines Brunnens entdeckten ,, Solsprudel" Badeɔrt werden sollte. Einige Provinzblätter druckten gedankenlos diese sehr durchsichtig gehaltene Notiz nach. Schließlich endete der Artikel, sogar in der Zeitschrift für brandenburgisch- preußische und niederdeutsche Heimatkunde„ Roland". In der Einleitung heißt es da: ,, Um einen neuen Badeort wird in türzester Zeit unsere Mark reicher sein. Neben dem Rüdersdorfer Sprudel und dem Freienwalder Brunnen wird bald ,, Landsberger Sole" einen Ruf erhalten." Die Wirfung dieses unverdienten Ruhmes ist, wie beschrieben, für Landsberg recht peinlich. Fürwortet bem: Get dem der Gie bad, will an neuen Ringstraße planten Straße hi Der Dispens wir derfelbe in 5 Ja Siefer Beftimmung Gitabtverordneten fet eine große fain foll den Wer Bitrgermeister rerwe bei Umständen b Citraße bis dahin if erstaunt, daß Eingftraße in 5 bar Bebauungspla werden. Der D bive Ranalifations bauungsplan nicht dren Plänen für d Die Versamm Rechnungen für S muung an den G bifferer Bufahrten Mage Frankfurter bar Versammlung bas fchlechte Pflast morden sei, es fe berbürgermeifter genommen, das [ Eine harte Nuß für Hundebesitzer] bildet eine Verfügung, die das Bürgermeisteramt eines badischen Städtchens fürzlich gegen das Lärmen der Hunde erlassen hat. Cie lautet: ,, Gegen Hundebesitzer, welche dulden, daß ihre Hunde gewohnheitsmäßig ohne zu rechtfertigende Veranlassung bellen und heulen, wird auf Grund des§ 30, Biff. 11, D. R.-St.-G.-B. strafend eingeschritten. 16. Ottober 1902. Das Bürgermeisteramt." Die Erklärung, was ein Hund unter einer ,, zu rechtfertigenden Veranlassung" zum Heulen verstehen darf, bleibt das Bürgermeisteramt schuldig. Die Herren Hundebesitzer werden sich darüber auch vergebens den Kopf zerbrechen. ):( Schon wieder ein„ Naturmensch". In der belebten Leipziger Straße zu Berlin erregte ein Mann, der nu mit einem Lendenschurz und einer eigenartigen Schürze angetan war, so peinliches Aufsehen, daß ihn die Polizei verhaften mußte. Der ,, Naturmensch" heißt Karl Kirzrock und ist 22 Jahre alt. Er war früher in Berlin Buchhalter, bis ihn ein Lungenleiden veranlaßte, die Stelle aufzugeben. Er fand, wie er angibt, durch ,, naturgemäße" Lebensweise, Vermeidung von Fleischnahrung und allen gefochten Speisen, ständigen Aufenthalt im Freien bei unbekleidetem Körper u. s. w. Heilung seines Lidens und wandert seitdem in dem beschriebenen leichten Anzug durch Deutschland, um Anhänger seiner Bestrebungen zu ge winnen. Kurzrock, der den Eindruck eines fcästi en und vielunterrichteten Mannes macht, war auch in Dressen verhaftet worden. Die dortige Behörde gab ihn jedoch bald wieder der Freiheit zurück. ) Ein anarchistisches Attentat soll nach den Feststellungen der Untersuchungskommission der Untergang des Dam r ,, Arequipa" im Hafen von Valparaiso verurjacht haben. Auch bei einem andern im dortigen Hafen liegenden Dampfer wurden die Maschinen von Anarchiſten in Unordnung gebracht. Jetzt wird es erklärlich, veshalb in der Sturmnacht, als der Dampfer quipa" sank, die Maschinen durchaus nicht gleich funktionieren wollten. Die Anschläge vorbereitet zu haben, wird ein in Valparaiso wohlbekannter Anarchistenführer beschuldigt. Are Ueber den Untergang de französischen Tampfer ,, Liban" erfährt man weiter, daß der Kapitän zur Zeit des Zusammenstoßes auch in der Passagierkajüte beim Frühstück war, während sein Platz, unbedingt auf der Kommandobrücke hätte sein müssen. Der Zusammenstoß erfolgte allerdings bei hellem Mittagssonnenschein, aber an einer Stelle, die die ganz besondere Aufmerksamkeit der Schiffsführung erforderte. Taß der Kapitän bei dem schnellen Herannahen des anderen Dampfers so völlig den Kopf verloren, ist wohl vor allem darauf zurückzuführen, daß er viel zu spät auf Deck gerufen wurde. Der Prokurator der Republif hat eine Untersuchung über die Umstände des Zusammenstoßes des ,, Liban" mit dem ,, Insu laire" angeordnet. Ministerpräsident Combes hat den Angehörigen der Verunglückten 1500 Francs aus dem Budget des Ministeriums des Innern zugewendet. Bei der Beerdigung der Opfer sprach einer der Anwesenden in heftigen Worten gegen die Reeder. Als der Reeder Fraissinet einige Worte sprach, rief jemand:..Es ist das erste Mal, daß man Mörder auf die Särge iheer Opfer Tränen vergießen sieht." Der Bürgermeister erhob Einspruch gegen Diese Aeußeruna. gbiffert und un wünscht, daß die faion um 6 Uhr f fajon vor 7 Ubr Luftwage vorhan berauf, daß erft fmmungen für d e. aber zu einer Halte er die Zeit für genüge- D Uebertragung der an Konrad Rübfan Veränderung an welche 340 Mark noch 55 Mark no Unive. fitätsbehörd Citraße längs de funterstraße bis Deputation schläg dieser Seitenstra würd auch Besc aut der Lichervorliegenden Ant Luma hat 1. 3 Projekts der Fo arburgerſtraße dam Friedhof. then Gründen haffen über die auf der linken herzustellen. Be often zwar, ob aber wegen der schmal werden t hafferung sprecher Stadtv. Loebe Sam Bürgersteig he [ Glückliche Kindheit!] Unter all den herzzerreißgängerverkehr, Benden Episoden, die sich bei und nach dem Untergang Sammenhängenden des französischen Dampfers Liban" abspielten, mutet fol- Stadtv. Kirch. gende Erzählung eines Marseiller Herrn, der in der Nähe fädt halten di der Unglücksstelle dem Angelsport oblag, wie ein herzerIr Anlage des frischendes Idyll an. Der Angler hatte das Glück, sieben tugnet. Stadtb Personen von dem gesunkenen Schiff in sein Boot aufgehöre fein Reit zunehmen, und sie auf eine Klippe in Eicherheit bringen zu können. Unter ihnen befand sich eine Dame aus Bastia mit zwei kleinen Kindern, eines von sieben, eines von vier Jahren. Das letztere hatte in seiner kindlichen Einfalt überhaupt nichts von der furchtbaren Gefahr begriffen, der es soeben entronnen war. Als es auf die nackte Klippe gehoben war, sah es sich lächelnd um und fragte: ,, Mama, ist das schon Bastia? Wo ist denn unser Großpapa, der uns abholen will?" ()[ Kanadischen Lachs] beabsichtigt die Verwaltung der Kanadischen Pacificbahn in großen Massen nach Europa einzuführen, vorerst nach England, wo die Fische der Berechnung nach in bestem frischem Zustande auf den Markt gelangen sollen. Die Reise dauert allerdings 14 Tage. Der Preis am Fangort beträgt für einen Fisch von 20 Pfund nur 50 Pfg, so daß auch der Marktpreis in England sehr niedrig sein wird. Aber dieser Lachs, der zum Transport in Blechdosen zubereitet wird, ist, was die Qualität und den Geschmack anbelangt bei weitem nicht mit dem Lachs des Rheins, Schottlands oder des östlichen Kanada zu vergleichen, er steht darin beträchtlich zurück, ist von matter Farbe und weichlichem Fleische. Die Fachleute behaupten sogar, daß er überhaupt kein Nur d Neueste Nachric in Stadt und S Wag Nu 50 genügt fcho Herr Lachs sei, sondern zu der Klasse der Forellen gehöre. Es egennüßigst ist nicht unmöglich, daß von England aus der Versuch gen Reichstag g macht wird, diese Fischart auch auf dem deutschen Markt einzuführen. [ 1784] Be Verlegen a. d. W. ge gsbedürftige Sihung der Stadtverordneten. lauschen. Zahlreich war denn auch der Besuch, der sich unter dem Blätterdach der hohen Kastanien zum 1. Abonnements- Konzert eingefunden hatte. Herr Musikdirektor Krauße hatte ein reichhaltiges und gutes Programm aufgestellt, das, wie der reiche Beifall bekundete, dem Geschmack der Konzertbesucher vollauf entsprach, sodaß die Kapelle sich zu einigen Bugaben veranlaßt sah. Besonders hervorheben möchten wir einige Kompositionen des Musikdirektors Herrn Krauße wie„ Le premier Caiser", Solo für Piston und„ Hessedes 2. Bat. Inf. Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 116, welche beide eine sehr gute Aufnahme fanden. W. Gießen, 12. Juni 1903. Nachdem die Wahl des Magistratsassessor Cursch. gen ein nad mann zum Beigeordneten der Stadt Gießen bestätigt worden, wurde derselbe gestern durch Oberbürgermeister nden Brünn Bflicht genommen. Es folate darauf die Ausloosung von Mecum feierlich in sein Amt eingeführt und in Eid und icht beabsich Dispense von Bestimmungen der Bauordnung wurden be- gehört, unter gewissen Bedingungen an Philipp Wagner, Darmstädter sain mir", Jubelfestmarsch zur Hundertjahrfeier Geringste Schuldverschreibungen von 1890er und 1892er Anlehen. zu seinem Seines in chem Lands es Brunnens llte. Einige hr durchsich Stadtv. Heichelheim würde für die linke Seite stimmen,| aber der Reitweg daneben mache ihn doch bedenklich wegen der Gefahr die damit verbunden sei. Bei der folgenden Abstimmung ist die Mehrheit für die Anlegung des Bürgersteiges nach dem neuen Friedhof auf der rechten Seite der Der Gelände- Austausch am RiegelMarburgerſtraße. pfad( Hospitalgelände) wird wie es geschehen, gut geheißen. Ebenso ist die Versammlung damit einverstanden, daß an der Stallgasse eine Barzelle, 33 Meter, welche der Stadt Neustadt, als dem Anlieger, für 1000 Mt überlassen werden soll und ferner das gleiche geschehen soll mit 4 Quadratmeter zum Preise von 100 mt. an Arnold II, Marktstraße. Die Versammlung beschließt die Annahme eines Vermächtnisse der Faber Eheleute in Höhe von 600 * * [ Theaterverein.] Zwischen Agnes Sorma und dem Vorstand des Theatervereins ist, wie uns von autorisierter Seite mitgeteilt wird, soeben ein Vertrag gefürwortet dem: Jacob Hartmann II.- Heuchelheim, der an ber Straße Gießen- Heuchelheim ein Haus zu bauen wünscht, bet dem der Giebel in Fachwerk gedacht ist. Jakob Azbach, will an der Marburgerstraßen- Ecken der späteren der Artike neuen Ringstraße ein Wohnhaus und dahinter nach der gesch- preußische planten Straße hin einen Werkstattbau in Fachwerk errichten. Mark, wogegen die Stadt die Gräber derselben in Stand schlossen worden, der die Künstlerin zu einem Gastspiel am cort wird in derselbe in 5 Jahren wieder entfernt werden soll. Wegen ort der Gin Der Dispens wird befürwortet unter der Bedingung, daß zu halten hat. ben dem dieser Bestimmungen entwickelt sich eine lange Debatte. Die Brunnen tird 1." Die Wir beschrieben, bildet eine Seranlassung germeisteramt sich darüber n Freien bei Lidens un Anzug dur ingen zu g f.ästi en und Stadtverordneten Airch, Hanau und Loeber erklären, Lokales. Gießen, den 12. Juni 1903. Der Großherzog hat dem Schloßverwalter Heinrich Obst zu Friedberg das Ehrenzeichen für 25 Hofdienstjahre verliehen. ** Uebertragen wurde dem Pfarrer Wilhelm Dittmar zu Walldorf die dritte Pfarrstelle an der unierten evangelischen Gemeinde zu Offenbach. * In den Ruhestand versett wurde der Zugführer in der Hessisch Preußischen Eisenbahngemeinschaft führer in der Hessisch Breußischen Eisenbahngemeinschaft Karl Heinrich Möser zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. August 1903 an. *** Bei der zweiten Kammer hat Abg. Haas ( Darmstadt) einen Antrag betr. das Reichsgesetz über die Phosphorzündwaren eingebracht. ** Eine sehr gut besuchte Vertrauensmännerversammlung des liberalen Wahlausschusses fand gestern im" Aquarium" statt, in welcher die Bezirkseinteilung für die Agitation aufgestellt worden ist. Nach dem ganzen Verlauf der Versammlung zu schließen, bringt man dem Wahlkampf reges Interesse entgegen. - - *** Ueberfahren und in die Klinik nach Gießen verbracht wurde ein dreijähriges Kind, das auf der Landstraße in 3ell von einem mit Langholz beladenen Wagen überfahren wurde. es set eine große Härte, daß Azbach in 5 Jahren gezwungen sein soll den Werkstattbau wieder abzubrechen. Der Oberbürgermeister rerweist darauf, daß man ja die Frist unter s badischen Umständen bei Ablauf verlängern könne, wenn die neue Inde erlassen Straße bis dahin nicht durchgeführt sei. Stadtv. Hanau e dulden, daß ift erstaunt, daß man es als zweifelhaft hinstellt, ob die rtigende Ber Ringstraße in 5 Jahren fertig sei, es habe doch geheißen nd des§3) der Bebauungsplan für den Norden solle demnächst aufgelegt fla 16. The werben. Der Oberbürgermeister erflärt, daß bebot flärung, was bie Kanalisationspläne nicht fertig vorliegen an den Bebauungsplan nicht gedacht werden könne, da der letztere von den Plänen für den Kanalbau wegen der Straßen abhängt. - Die Versammlung genehmigt nachträglich ihr vorgetegte 1 der belebten Rechnungen für Pflanzen und Bureaumöbeln und eine Rech ann, der ni nung an den Schlossermeister Haubach. Zur Herstellung igen Schürze besserer Zufahrten am Postamt II und an der städtischen die P Polizei Wage Frankfurter straße werden 670 Mark verlangt nnd von Karl Kurz der Versammlung bewilligt. Sta tv. Hanau bemängelt Berlin Buch das schlechte Pflaster in der Stadt überall da wo kanalisiert e, die Stellt worden sei, es sei direkt gefährlich für Fuhrwerk. Der *** Erledigt sind: die mit einem evangelischen Lehrer naturgemäße Oberbürgermeister erklärt. daß dort, wo Kanalarbeiten vorng und aller genommen, das Erdreich sich senkt, das Pflaster mehrmals zu besetzende Lehrerſtelle an der Gemeindeschule zu All( mit der Stelle ist Stadtv. Pirr menrod, im Kreise Lauterbach gebessert und umgelegt werden wird.- - die mit einem wünscht, daß die Waage am Neustädterthor statt um 7 Uhr Organisten- und Lektordienst verbunden); schon um 6 Uhr früh geöffnet wird, es fomme öfter vor, daß evangelischen Lehrer zu besezende Lehrerstelle an der Geschon vor 7 Uhr das Bedürfnis für die Benutzung dieser meindeschule zu Reuters, im Kreise Lauterbach, in Dresin Lastwage vorhanden set. Der Oberbürgermeister verweist eine m't einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerſtelle an der Gemeindeschule zu Ruhlkirchen, im Kreise ab ihn jedoh darauf, daß erst vor 2 Jahren die Versamm'ung die Bestimmungen für den Betrieb der Waagen geregelt habe, daß Alsfeld, sämtlich mit dem gefeßlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt. den Feststel es aber zu einer Aenderung eines Antrages bedarf. Doch ntergang des balte er die Zeit um 7 Uhr als Beginn des Waagebetriebs araiso verur für genüge- Die Versammlung ist mit der freihändigen rtigen Hafen Uebertragung der Reparaturen an den Asphaltbürgersteigen on Anarchy an Konrad Rübsamen für 1903 einverstanden. Für eine serklärlich, Veränderung an den älteren städtischen Gießfässern, für mpfer Are welche 340 Mark im Voranschlag vorgesehen sind, werden t gleich funt noch 55 Mart nachträglich gefordert und bewilligt. Die Universitätsbehörde wünscht die Anlage der projektierten Straße längs der neuen Vetrinär- Anstalt von der Frankfurterstraße bis zum späteren Weglarerweg. Die Bauen Lampferé Sitän zur Zeit Deputation schlägt vor zu beschließen von der Herstellung erkajüte beim dieser Seitenstraße vorerst noch abzusehen, demgemäß dingt auf der wird auch Beschluß gefaßt. Ueber die Reitwege ammenstoß er an der Licher- und Grünbergerstraße wird nach den enschein, aber vorliegenden Anträgen beschlossen. Die Versamm erksamkeit de lung hat s. 3t. beschlossen die Ausarbeitung eines tän bei dem Projekts der Fortführung des Bürgersteiges rechts der so völlig de Marburgerstraße von dem Wieseckerweg bis zur Straße nach zurückzuführen dem Friedhof. Die Bau- Deputation schlägt vor aus prafe. Der Brot über die Untischen Gründen vor dem Wieseckerweg einen Uebergang zu it den„ naffen über die Marburgerstraße und dann das Trottoir es hat den auf der linken Seite derselben nach dem Friedhof zu, aus dem Bus herzustellen. Begründet wird der Antrag damit, daß die ndet. Bei der Roften zwar, ob links oder rechts, etwa dieselben sind, daß Anwesenden in aber wegen der Baumpflanzung rechts der Bürgersteig nur Reeder Frai schmal werden könne, auch Gründe einer besseren Ents ist das erste wässerung sprechen für l'nts. Beigeordneter Georgi und Opfer Tranc Stadtv. Loeber bemängeln, daß links der Reitweg neben inspruch ge dem Bürgersteig herlaufen müßte, dies sei gefährlich für den berzzerrei Fußgängerverkehr, auch belästigend durch den damit zun Untergang fammenhängenden Staub 2c. Die gleiche Ansicht hat en, mutet fol Stadtv. Kirch. Die Stadtv. Helfrich und Schaff= r in der Nähe städt halten die linke Seite der Straße ohne Bedenken vie ein herzer zur Anlage des Trottoirs nach dem Friedhof für sehr geGlück, sieben eignet. Stadtv. Schmall erklärt, neben den Fußweg gehöre fein Reitweg, darum sei er für die rechte Seite. tet zu haben, archistenführer jein Boot auf herheit bringen ame aus Bafti eines von vie dlichen Einfall fahr begriffen ie nackte Klipp ragte: ,, Mama Großpapa, de Berwaltung der n nach Europa Fische der Be auf den Marli Dings 14 Tage Fisch von 20 ftpreis in Eng Lachs, der zum ist, was die ei weitem nicht oder des öft rin beträchtli lichem Fleische L. Während bis vor wenigen Jahren das Interesse für die Ziegenzucht in der Provinz Oberhessen nur gering war, hat sich dasselbe in den letzten 2 Jahren in recht erfreulicher Weise gehoben. Es geht dies unter anderem daraus hervor, daß in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Friedberg Kreisziegenzuchtvereine gegründet worden sind und daß sich in Folge dessen die Beschaffung besseren Zuchtmaterials sehr verallgemeinert hat. An dem diesjährigen Import durch den landw. ProvinzialVerein beteiligten sich 50 Besteller mit 98 Tieren. Die Versteigerung fand vorigen Dienstag im Nebe'schen Gutshof in Gießen statt. Der Durchschnittspreis der Zuchtböcke stellte sich auf 74 Mart, der Zuchtziegen auf 56 Mart, während Zeitziegen und Lämmer entsprechend billiger waren. Der Mehrerlöß bei der Versteigerung gegen den Ankaufspreis( ohne Ankaufsunkosten( betrug 672 Mark. Da derselbe den Steigern wieder zu gute kommt, und der Provinzialverein bei Zuchtböcken einen Nachlas von 15 Proz. gewährt, erhalten die Gemeinden zu billigem Preise gutes Zucht. - Mit dem diesjährigen Ankauf wurde auch material. das Buchtmaterial für dle neuerrichtete Ziegenzuchtstation Lauterbach, die mit 19 Tieren besezt worden ist, er worben. Herr Gutspächter Weiß zu Hof- Graß faufte ebenfalls 14 Zuchtziegen und 1 Bock zwecks Einrichtung einer Privatzuchtstation. * - Bei Konzert.] **[ 1. Abonnements- günstigem Wetter nahmen die diesjährigen AbonnementsKonzerte in Steins Garten am gestrigen Abend ihren Anfang. Günstiger konnten sich die Konzerte wohl kaum einführen wie mit dem gestrigen Abend; kein Lüftchen regte sich in dem schmucken Garten; es war ein Sommerabend, so recht dazu angetan um den Gaben der Frau Musika zu Erwiderung. Montag, den 12. Oktober verpflichtet. Dies würde die erste für kommer den Winter angesezten 6 Theatervorstellungen sein. ** Ulrichstein, 12. Junt. Wegen Unterschlagung berhaftet und ins Gefängnis abgeführt wurde der Rechnungsgehilfe der hiesigen Sparkasse, Fals; der ungetreue Beamte wurde, nachdem er durchgebrannt, in Ruppertenrod verhaftet. ** Hungen. Das für einen Arzt gewiß außerordentlich seltene Fest der 50jährigen Berufstätigkeit wird am 15. d. Mts. Herr Medizinalrat Dr. Ronge hier begehen. Der Stadtvorstand hat beschlossen, den Ehrentag des in allen Kreisen und Ständen gleich hochgeachteten Mannes durch eine allgemeine Feier festlich zu begehen. Die Beteiligung an derselben dürfte nicht nur Seitens der Stadt Hungen, sondern auch von auswärts sehr lebhaft werden. Neueste Nachrichten. Neue Einzelheiten der Tragödie in Belgien. Budapest, 11. Juni. Aus Belgrad wird gemeldet: Die Gardisten, welche den Konak bewachten, leisteten verzweifelten Widerstand. Hundert find angeblich gefallen. Der Adjutant Oberst Na um o- witsch, der in das Schlafzimmer des Königs eindrang, forderte die Abdankung vom Könige, worauf ihn dieser mit dem Worte Verräter" niederschoß. Ein Trupp Offiziere mit dem Hauptmann Pagowitsch an der Spiße mordete dann die Insassen des Konaks. Oberst Nietschitsch erschoß den König. Das Attentat wurde durch das 16. Infanterie- Regiment verübt, welches neulich schwer bestraft wurde, weil es gegen die demonstrierende Menge die Waffen mitbrauchen wollte. Ein Kanonenschuß zeigte die Vollziehung des Attentats an Zinzar Markowitsch wurde von einem Soldaten ermordet, der eine dringende Botschaft zu bringen vorgab. Der Kriegsminister flüchtete in eine Kiste, auf die 25 Schüsse abgeben wurden. Alle Geschäfte sind gesperrt. Viele Einwohner flüchteten. Als Oberstleutnant Mischitsch, der die Soldaten anführte, aus dem Palais heraustrat, begrüßte ihn die Menge mit Biviorufen, die Militärkapelle blies ihm zu Ehren einen Tusch. Die Stimmung der Bevölkerung ist ruhig. Es zeigt sich keine Entrüstung über das Attentat. Das Blutbad begann um 1/12 Uhr_und_um 1½ Uhr war die Tat vollbracht. Wien, 11. Juni. Ueber die Ereignisse der letzten Nacht in Belgrad wird in der Zeit" noch folgende Version verbreitet: Naumowitsch legte dem König eine Abdankungsurkunde zur Unterschrift vor, in der gesagt wird, der König habe durch seine Heirat mit einer öffentlichen Dirne Serbien kompromittiert, weshalb er abdanken müſſe. Als Antwort darauf ergriff der König einen Revolver und schoß Naumowitsch nieder, der auf der Stelle tot war. Jest trat Mischitsch vor, ergriff die Abdankungsurkunde und forderte den König zur Unterschrift auf. Nun erkannte der König den vollen Umfang der Gefahr und flüchtete mit der Königin Draga auf den Dachboden. Die Offiziere folgten ihnen und gaben auf sie Schüsse ab, die den König und die Königin niederstreckten. Den tötlichen Schuß auf den König soll der seit zwei Jahren in Ungnade gefallene Major Luka Lazarewitsch abgegeben haben. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Sabbathfeier am 13. Juni 1903. Freitag Abend 8. Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 9.25 Uhr. Wochen gottesdienst: Morgens 6 Uhr. Abends 8 Uhr. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruceret, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1873); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. - Wähler , Nur das Programm, welches derselbe vertritt, kann der Landwirt nicht als das seine gelten lassen", so lautete in der gestrigen Nummer der„ Gießener Neueste Nachrichten" ein Eingesandt für den Kandidaten der deutsch- sozialen Reformpartei, Herrn Bürgermeister Köhler von Langsdorf. Stadt und Land, auch wir haben unsere Interessen, und ganz so wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. Nur das Programm, welches Herr Köhler vertritt, und seine Behandlung, welche unser Handwerkerstand wiederholt öffentlich von ihm sich hat gefallen lassen müssen I das genügt schon, uns zu sagen was wir antworten sollen. Unsere Antwort lautet am 16. Juni: Heyligenstaedt ग्र Herr Kommerzienrat Heyligenstaedt war allezeit bereit und ist es heute noch für das allgemeine Wohl in unfen gehöre eigennütigſter Weise einzutreten. Keinem andern als dem Herrn Kommerzienrat Heyligenstaedt gebüret also das Vertrauen als Abgeordneter in überhaupt fein der Berjuch ge den Reichstag gesandt zu werden. Deutschen Marti [ 1784] mehrere Arbeiter und Handwerker. Hess. Fechtverein Waisenschutz Verband Gießen." Bekanntmachung. Verdingung. Droschkenbesitzer( Wilhelm Die Lieferung von 300 Kbm. Pflastersand( LahnHuhn in Gießen hat die sand bevorzugt) soll frei Baustelle vergeben werden. Erlaubnis erhalten, eine Schriftliche mit entsprechender Aufschrift versehene AnDroschke mit der Nr. 9 nach gebote sind bis zum Maßgabe der Polizei- Verordnung für das Droschken15. Juni 1903, Nachmittags 4 Uhr Sonntag, den 14. Juni 1903, nachmittags von 3 Uhr abfuhrwesen in der Provinzial- um welche Zeit die Eröffnung erfolgt auf der BürgerHauptstadt Gießen bom meisterei Brumbach, Post Rodheim a. B., einzureichen. Die Bedingungen 2c. liegen zur Einsicht bet dem unterzeichneten Wegemeister offen. Grosses Sommerfest auf der Schönen Aussicht. Konzert, Kinderspiele mit Preisverteilung, Eachüpfen, Wurstschnappen, Wettlaufen u. f. w.- Aufsteigen eines Luftballons. Tanzbelustigung im Freien auf nergelegtem Tanzboden. Volksbeluftigung aller Art, wie Karussel, Schießbuden zc. Grosses Preisschiessen. Preisverteilung Montag Abend 9 Uhr auf der Schönen Aussicht. Bei eintretender Dunkelheit Beleuchtung des ganzen Partes und Lampions polonaise. Eintritt pro Person 20 Pig. Eintriti pro Person 20 Bfg. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Kieger- Verein. Kaffee, Sonntag, den 14. d. Mts.mittags 12,8 Uhr Abfahrt nach Rödgen. Busammenkunft am Bahnhof. Markt 7 - Fahrt frei. Fritz Eccarius Markt 7 ( Wilhelm Orbig Nachfolger) Küchenlampen Stehlampen Hängelampen Beste absolute Chaisenlaternen,' Petroleumempfiehlt: CATENT unter Garantie. von Mr. 0.50 bis Mt. 3,50 yen " bon 2.00 bis Mr. 40.2.00 bis mr. 80.fichere Sturmlaternen. echte Motardterzen. Öfenu.-Kocher Elektrische Lampen. Gaslampen. Das RosmodontZahnpflege System. Nach Vorschrift des Herrn Prof. Dr. med. Julius Witzel. nur peinliche Mund- und Zahnpflege, die die Unterstützung des Zahnarztes nicht ausschliessen darf, bietet gegen die ungünstigen Folgen der Zahnfäule etc. weitgehenden Schutz. 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In Abteilung I werden bei Vogelsberger Vieh auch Aussteller aus dem Verbandsgebiete der Herdbuch- Gesellschaften für d 8 Vogelsberger ind nugelassen, sonst nur Aussteller aus der Provinz Oberhessen. In Abteilung IV und VI können auch Händler und Fab- ikanten, die nicht in der Provin Oberhessen wohnen, ausstellen. Geld und Ehrenpreise sind im Betrage von c'rka 16 000 Mt ausgesetzt, außerdem Medailen und Ehrendiplome. Alle Anmeldungen haben 6'8 zum 1. Juli zu erfolgen. Ausgenommen find: Geflügel, Produkte des Ackerbaues, einschl. Braugerfte, und Obst und Gemüsebau. für welche der Endtermin auf den 20. Juli festgesetzt ist. Das Nähere befaat die Ausstellungs- und Prämietungsordnung, welche von der Geschäftsstelle des land w. Vereins für die Provinz Oberhessen in Alsfeld, sowie von den landw. Bezirksvereinen, den Buftvereinen, dem Obstbauvereine, dem Bienenzuchtvereine, dem Geflügelzuchtbreine c. bezogen werden kann. 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