webr Brod. hr festes r. 238, Zweites Blatt. Abonnementoprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Post bezogen viertel fährlich Mt. 1.50. Bratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Bertiagen nachmitage. Samstag, den 10. Oktober 1903. Gießener 12. Jabrgang. Jusertionsprei 8: Die einfpalttge Petitzelle für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfp. fonft 15 Pfg.: Reklamen die Petitzetle 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Ferusprechanschluß Ar, 362. Nenele Nachrichten rn Frch. Saue Der Borstand Der Karte haber ienstag Aben estball F ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Hus der Reichsbauptstadt. Das Lied der Saison. Berlin hat sein Lied! Alle Jahre nämlich, wenn die Blätter sich rötlich färben, wenn der Sommer zur Rüste geht, lassen sämtliche Leierkastenmänner Berlins in ihre Kasten eine neue Walze sezen. Das ist durchaus nicht so einfach, sondern eine Sache von großer Wichtigkeit, und monatelang vorher sind die Angestellten der Instrumentenbauer bei Gießßen hazz. Oregorgelfabrikanten stellen by tum entoubauer r. Duill und von Gießen aud Dung. ollen an Ort und Melodien. Neue Lieder erscheinen nämlich nicht auf der Walze, sondern nur solche, die sich bereits durch ihre Verbreitung ein Recht auf diese Ehre erworben haben. Und in der Tat, der Leierkasten hat in der Musik schon immer eine wichtige Rolle gespielt, und Meyerbeer sagte in allem Ernst: Der Dichter und der Komponist sind erst dann populär, wenn ihre Werke auf dem Leierkasten gespielt werden. Also Berlin hat sein Lied, und schon jetzt kann man sich kaum davor retten. Ich will dem geneigten Leser nicht das ganze Lied vorseßen, dazu bin ich zu rücksichtsvoll. Aber den Refrain muß ich ihm in die Brust stoßen, und wenn's das 36, 37, 40 u. 41. eigene Leben kostete. Denn am Ende kann ich doch nichts am Mittelweg, in dafür, daß die Schlußzeilen lauten: hinter der Frank rte, an der Marenzahl hinter ben hr auf der Lider egung nachmittags burgerftrae findet rsweg um etwa 5 egen. 10. ttags 10 Uhr auers u. Sehert Gießen öffent nachbarten Gemein Den ortsüblich be en. Giessen vorm, 9 Wh eft des bon dem „ Den schönsten Platz, den ich auf Erden hab', Das ist die Rasenbank an meiner Eltern Grab." Ich will hier keine kunſtästhetische Abhandlung niederschreiben, was an dem Verse alles unschön, trivial und unpoetisch ist. Ich kann nur von dem Unfug reden, der hier mit Gefühlen und Regungen getrieben wird. Mit Stocklaternen kehrt eine Gesellschaft von einer Landpartie zurück; voran die Kleinsten, drei Käse hohe Kerlchen. Mit schrillen Stimmen gröhlen sie das Lied herunter: " Der schönste Platz, den ich auf Erden hab', Das ist die Rasenbank an meiner Eltern Grab." Arm in Arm folgen die Alten. Schöne Aussicht für sie! Ein ander Bild:„ Mutter" liegt seit Wochen frank darnieder, heut ist sogar der Vater zu Hause geblieben, die Kinder sind in der Küche, sie sollen ruhig sein. Sie sind's auch in ihrer Weise. Sie sißen zusammen und singen. Und was fingen sie welche Melodie klingt herüber? Die Kranke zuckt zusammen. Der Vater wünscht, dem Dichter um 3 Uhr früh in der Wuhlheide zu begegnen. Bei Schulzes ist Taufe. Man ist nicht mehr beim ersten Glas. Natürlich wird gesungen. Und was wird gefungen? Natürlich auch: Der schönste Plaz..." In der Destille sigen drei Sonnenbrüder, arbeitsscheue, verbummelte Gesellen, aber auch ihnen hat die Stachelwalze der Leierkastenkompositionen die Gefühlsnerven bloßgelegt. Mit verdrehten Augen singen sie im Krawattentenor, Fuselbaß und Schnaps- Bariton: „ Den schönsten Platz..." „ Du, Ede," sagt der eine, gehste denn da oft hin?" Nee, du?"--Schweigen... Beide wenden sich an den Dritten:„ Du?" Da fam's' raus; alle drei wußten nicht genau, wo ihre Eltern begraben liegen, nur einer konnte die Begräbnisstelle seines Vaters angeben, sie lag auf dem Zuchthausfriedhof von Nawitsch. Uebrigens hat das Lied schon den Behörden zu schaffen gemacht. Borige Woche erst wurde ein Mann wegen ruheolzes, sowie eine störenden Lärmens auf eine Polizeiwache gebracht. Er Sezahlung meist batte trop Verbots eines Schußmannes in ruheſtörender Tak Ausschuh Särge jeder Art stets am Lager reinerei t, lebigstr. 65. ehung Lotterie inig mehr.) uchader Bane 11. ge, hat fehr billig pedition Weise das Ried gesungen: „ Der schönste Plag, den ich auf Erden hab', Das ist die Rosenbank an ineiner Eltern Grab." As man seine Personalien feststellte, kam es heraus: der Mann war ein Findelfind. Der zweite Fall, in welchem die Pehörde gegen das Lied einschreiten mußte, ereignete sich in Plößensee, wo ein Gefangerer mit lauter Stimme das Lied gesungen. Singen ift im Gefängnis streng verboten. Der Mann bekam eine schwere Disziplinarstrafe, wobei erschwerend ins Gewicht fiel, daß er megen versuchten Elternmordes eingesperrt war. Was helfen aber alle Kritiken? Gedankenlos wird das Lied heruntergegröhli, vielleicht in dem instinktiven Gefühl: Bei diesem Liede braucht man nichts zu denken, denn bei dem haben sich der Autor und Komponist auch nichts ge dacht. Aber darauf fommt es auch gar nicht an, Berlin hat sein Lied und das ist die Hauptsache Spectator. Kunft und Wissenschaft. GF. Wie hoch steigen unbemannte Luftballons? Ganz Cußerordentliche Höhen haben jüngst unbenannte Ballons erute sparsame Küche MAGGI'S SUPPEN 2 Teller vorzüglicher KARTOFFEL Suppe reicht. Ein in Bath aufgestiegener Gummiballon- Tandem erreichte nach Angabe der in der Gondel befindlichen Registraturapparate 11 660 Meter und vermerkte eine Kälte von 56 Grad. Ein in Berlin aufgelassener, ebenfalls aus Gummi, fand bei 11 700 Meter-57,0 Grad, während bei einem von der Militär- Luftschiffer- Anstalt in Wien aufgelassenen in 11 480 Meter Höhe nur-40,2 Grad festgestellt wurden. In Zürich fam ein Ballon bis auf 12 760 Meter und fand dort -66,0 Grad. Die größte Höhe und die stärkste Kälte wurde von einem in Straßburg aufgelassenen Gummiballon- Tandem aufgezeichnet, der in 13 900 Meter Höhe-70,0 Grad fand Der letzte Versuchsballon der Schweizerischen Wetterwarte er. reichte sogar eine Höhe von über 15 000 Meter und vermerkte 50 Grad C. Kälte; zu dieser Hochfahrt und Landung brauchte der Ballon im ganzen nur 90 Minuten. Noch höher stieg der Schweizer Ballon auf der Fahrt am 3. September dieses Jahres. Damals konnte eine sichere Höhe von nahe 16 500 Meter festgestellt werden mit einer Kälte bis 45 Grad; voraussichtlich wird das überhaupt die größte in diesem Jahr von den internationalen Ballonfahrten erreichte Höhe bleiben. LG Ein Dickensmuseum gedenkt die Stadt Portsmouth, in deren Mauern der berühmte englische Dichter das Licht der Welt erblickte, ihrem großen Sohn in seinem Geburtshause zu errichten. Die Stadt erstand das Haus in einer Auktion für den Preis von 1125 Pfund Sterling( 225 000 Mark). Für das Museum werden jetzt in ganz England Dickensandenken gesammelt. NP Eine Landkarte für vier Millionen Mark, vielleicht die teuerste Landkarte der Welt, ist die von der Regierung des Königreichs Sachsen fertiggestellte, die zeigt, wie der Boden in Sachsen in der Tiefe beschaffen ist, aus welchen Gesteinen und Verwitterungen er besteht, ob Lehmboden oder fruchtbare Ackerfrume aufliegt, ob das Erdreich durchlässig ist oder wie sonst der Untergrund beschaffen ist, ob Metallgänge oder Kohlenlager und Bergwerkslager sich unter der Erde hinziehen u. s. 1. 123 einzelne Kartenblätter( im Maßstabe von 1:25 000) gehören zu diesem einen großen Ganzen, deren jedes etwa zwei Quadratmeilen umfaßt und eine etwa einjährige Arbeit eines Geologen erfordert hat. Die Kosten jedes einzelnen Blattes stellen sich im ganzen auf 30 000 bis 40 000 Mark. Aber auch der Nutzen dieses kostspieligen Kartenmerfes ist seiner Herstellung fast unmittelbar gefolgt. Bei Eisenbahnbauten, bei Bergwerksanlagen u. s. w. ist diese Uebersicht schon mehrfach von großem Vorteil gewesen. Auch die Wasserbeschaffung für die Großstädte Leipzig und Chemnit beruht im wesentlichen auf diesen Ermittelungen der geologischen Landesuntersuchung, aus denen dieses Kartenwerk hervorging. Damit die Ergebnisse dieses kostspieligen Unternehmens nicht nur wenigen vorbehalten bleiben, soll noch eine zweite Redaktion derselben Karten in dem um drei Vierteile flcineren Maßstabe von 1: 100 000 folgen. Vermischtes. A[ Ein asiatischer Konsumverein", der in seiner Art wohl einzig dastehen dürfte, ist auf der Station Buchatu der Ostchinesischen Bahn auf die Anregung des Stationschefs von den Beamten und Agenten der Eisenbahn gegründet worden. Von den verschiedenen Methoden, die zur Erlangung von Waren angewandt werden, erfreut sich folgende besonders ausnehmender Beliebtheit: Kommt ein Güterzug an, so kommandiert der Stationschef:" Fünf Kisten mit Eiern sind für den Konsumverein abzuladen!" Der Befehl wird erfüllt, und die Eier werden unter die Mitglieder des Vereins verteilt. Fehlt es an Fischen, so erteilt der Stationschef den Befehl, von dem nächsten Zuge sieben Kisten mit Fischen abzuladen, und dem Mangel ist abgeholfen. In besonders dringenden Fällen scheut sich der Verein auch nicht, ganze Waggons für seine Bedürfnisse loskuppeln zu lassen. So wurde z. B. am 30. Juli auf Befehl des Gehilfen des Stationschefs ein von Charbin nach Hailar bestimmter Waggon mit Zucker zurückbehalten und der Zucker gleich an Ort und Stelle an einen Kaufmann verkauft. Diese Art, über fremdes Eigentum zu verfügen, war zu eigenartig, um nicht die Aufmerksamkeit der Obrigkeit zu erregen. Sie griff ein, beschlagnahmte den verkauften Zucker und traf Anordnungen, um ähnliche Operationen für die Zukunft unmöglich zu machen. A[ Der Vormund des Königs Milan †.] In Wien verstarb im Alter von 77 Jahren der ehemalige serbische Juſtizminister und Vormund des verstorbenen Königs Milan, Georg Zenitsch. Georg Zenitsch war unter der Regentschaft, die sich nach der Ermordung des Fürsten Michael konstituiert hatte, Justizminister und zugleich der Vormund des damals erst sechzehn Jahre alten Königs Milan. Zwei Jahre lana bekleidete er das unter den damalinen VerhältSchmackhafte Suppen nissen besonders schwierige Amt eines Vormundes des Königs bis zu dessen Großjährigkeitserklärung, die nach dem vollendeten 18. Lebensjahre erfolgte. Sowohl mit Milan als auch mit König Alexander verknüpften ihn Bande inniger Freundschaft und beide legten großen Wert auf die Ratschläge Zenitsch', der zu ihren Vertrauten zählte. Zenitsch laborierte seit Jahren an einem nervösen Leiden, in dessen Gefolge sich schwere Herzaffektionen einstellten. Am Tage nach der Schreckensnacht von Belgrad, am 11. Juni, erhielt Zenitsch, der damals in Wien weilte, die Nachricht von dem schrecklichen Ende König Alexanders. Als er die Kunde mit all den greulichen Details vernahm, sank er ohnmächtig zusammen. Herzkrämpfe befielen ihn und die Aerzte befürchteten das Aeußerste. Als der alte Mann endlich zu sich gekommen war, verfiel er in einen Weinkrampf. Er konnte das Geschehene nicht fassen. Seither hat sich Zenitsch nicht erholt. Es stellten sich in der Folge Herzkrämpfe mit wechselnder Stärke ein, denen der Greis jetzt erlag. Das Neuefte aus den Witzblättern. Maliziös. Maler:„ Denke dir nur, in vergangener Nacht hat man mir mein neues Kolossalgemälde aus dem Rahmen geschnitten und gestohlen." Freund:„ Sei froh, daß sie nicht den Rahmen mitgenommen haben." Kritik. Ich produziere sehr leicht, Gnädigste... einen Roman schreibe ich in durchschnittlich sechs Wochen."—„ So schnell?.... Tun Ihnen da nicht die Finger weh?" Reflexion. Spaziergänger:„ Diese Benzin- Autler sind tomische Leute! Hüllen den ganzen Körper dicht ein und ( Megg. H. Bl.) gerade die Nase lassen sie frei." Der Pantoffelheld.... Also heute Nacht um 11 Uhr fommt Ihre Frau aus der Sommerfrische zurück?! Da holen Sie sie wohl an der Bahn ab?", nein ich muß ja schon um 10 Uhr zu Hause sein!" Die Macht der Gewohnheit. Das Maschinenschreiben ist dir wohl recht schwer gefallen?"" Freilich. Anfangs wollt ich die Maschine immer hinters Ohr stecken!" Abgeblikt.... Sie sollten sich wirklich endlich einmal entschließen, Fräulein Klara, zu heiraten!"„ Nach Ihnen, Herr Doktor!" Zu schnell.„ Nun, Herr Aftuar, wie geht's im Ehestande? Was macht Ihre Frau?"" Schnell alt wird s' halt. Vor der Verlobung war sie 23, nach der Verlobung 26, und nach der Hochzeit schon 29 Jahr' alt!" Kleine Verwechslung. Frau Sekretär:... Rennen Sie Hoffmanns Erzählungen?"- Frau Diätar: Nein nur Hoffmanns- Tropfen!" ( Fl. Bl.) Ausgleich. Nehmen Sie doch ein Loos!" Die Gevinnchancen sind hier gar zu gering."- Um so größer iſt dann auch das Glück, wenn Sie gewinnen!" Verschnappt. Passagier( in der Bahnwirtschaft): Hält der Zug so lange, daß man ein Mittagsessen einnehmen lann?" Kellner:" O ja, da können's sich sogar nachher noch in's Beschwerdebuch eintragen." Ucbertrumpft. A.:„ Der kleine Schulze hat doch ein folossales Glück, in jeder Lotterie gewinnt er."- B.:,,Das ist noch gar nichts, mein Freund Müller hat ein solches Glück, daß er in keiner Unfallversicherung sein kann, weil er sich dann jede Woche einen Arm oder Bein bricht." Deplacierte Mahnung.„ Warum heiratest du nicht?" " Ich hab' solche Furcht vor dem Storche!" Ach, sei lein Frosch!" Notschrei.„ Lieber Onkel, wenn ich nicht bis morgen tausend Mark zahle, muß ich mich mit der vierzig Jahre alten Tochter eines hiesigen Geldverleihers verloben. Bitte, bitte, hilf mir noch einmal. Die Photographie der betreffenden Dame lege ich bei!" ( Lust. Bl.) Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil Albin lein: r bas Salale, den„ Gerichts- und Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Opperman Drud und Berlag ber Gießener Berlagsbruderet( vorm. Wilh. Keller), Gießen. Königl. Preuss. Staats- Medaille jeder Art, in jeder Farbe, Seidenstoffe Zu jedem Preise, der Meter Muster portofrei. von 75 Pf. an. Fertige seidene Kostüm- Röcke, Jupons, Blusen, halbfert. Roben. Deutschlands grösstes Spezial- Seiden- Geschäft Mr Seidenhaus Michels& Cie., Berlin SW. 19 43 Leipziger St asse 43 Ecke Markgrafen- Strasse. 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Es sind mir, schreibt er, in meiner Knabenzeit so häufig Goldfische in Bottichen und anderen Behältern eingefroren, daß ich eine ganze Reihe unfreiwilliger Versuchsreihen zu machen Gelegenheit hatte. In manchen Fällen maren die Fische, auch wenn sie nur eine Nacht im Kerneis eingefroren waren, nicht ins Leben zurückzurufen. Oft aber habe ich darüber gestaunt, daß sie wochenlang festgefroren im Einsblock staken und bei langsamem Auftauen wieder zu Leben kamen. Auffallend dabei war es, daß viele der Geretteten", ich glaube, die meisten, dauernde Rückgratverkrümmungen davontrugen. Alle Fische, die ich durch rasches Auftauen oder durch gewaltsame, wenn auch noch so vorsichtige Bertrümmerung des Eises retten zu können meinte, erwachten nicht wieder oder gingen zugrunde, selbst wenn sie Zeichen von Leben gezeigt hatten. Durch diese Tatsache angeregt, habe ich später so manche Ellriße mit Schnee umballt und in dieser Packung bei Winterfälte liegen lassen. Ich habe darüber staunen müssen, daß diese zarten Fischchen die Schneeeinpackung oft mehrere Tage ohne allen Schaden an ihrer Gesundheit vertrugen, und, ins Wasser gebracht, zuweilen so davonschwammen, als ob sie es auch nicht eine Minute entbehrt hätten. Die Schneeumhüllung, die reichliche Luft durchläßt, scheint dem Fische bedeutend weniger gefährlich zu sein, als das starre Eis, das sich, ihn hermetisch einschließend, um seinen Körper legt. Heute, wo sich schon überall Eisfabriken befinden, die Schnee gerade so gut wie Blockeis erzeugen können, ist diese Frage eines ernstern Studiums wert. [ Unfreiwilliger Landesverrat.] Dem deutschenfresserischen Pariser Gaulois", einem Blatt, das in patriotischer Entrüstung und dröhnenden Tiraden sich nicht genug tun kann, wenn es Verräter des Vaterlandes entdeckt zu haben wähnt und solche Entdeckungen macht es in jeder zweiten Nummer hat nun selber Verrat an Frankreich geübt und in eine schändliche Verstümmelung des Landes eingewilligt. Es zählt in der Einleitung eines Artikels über das Züricher Weinmuseum neun eidgenössische Städte auf, die sich bemühen, durch irgend eine Merkwürdigkeit die Fremden anzulocken, und stellt an die Spitze der Liste- Evian und Chamonix! Die Gemeinderäte der beiden Orte sollten sich zusammentun und dem„ Gaulois" eine Landkarte von Frankreich stiften, damit das Blatt wenigstens in der Heimatkunde sich umtun kann und fünftig zwei gut gesinnte französische Orte nicht mehr jenseits der Grenze sucht. [ Gefährliche Postkolli.] Ein seltsames Museum werden auf der Welt- Ausstellung St. Louis 1904 die Gegenstände bilden, welche aus den Vorräten der Abteilung für unbestellbare Postsachen stammen und von den nordamerikanischen Staatsposten zu einer lehrreichen Sammlung zusammengestellt sind. Es handelt sich nicht nur um Postsendungen verschiedenster Art, die mit ungenügenden Adressen versehen waren, sondern auch um Gegenstände, welche gefährlich für den Transport, ungeeignet zur Beförderung oder wegen Zollhinterziehung konfisziert sind. Dazu kommen die Gegenstände, die aus ungenügend verschlossenen Briefen und Pateten herausgefallen sind. In präpariertem Zustande sind z. B. drei Klapperschlangen zu sehen, die ein Absender lebend in eine Konservenbüchse packte und der Post übergab. Unterwegs gelang es den Klapperschlangen, sich zu befreien, und nur mit Mühe konnten die Tiere getötet werden, bevor sie großes Unheil anrichteten. Vergebung von Bauarbeiten. Für den Neubau der Central- Waschanstalt der Kliniken werden auf Grund des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 folgende Arbeiten öffentlich ausgeschrieben. Los 1. Cement-, Terrazzo- und Asphalt- Arbeiten 420 qm Betonboden Terrazzoboden 100 " 230 Asphaltboden " 1 Los 2. Fußbodenbelag und Wandverkleidung. 90 qm Thon- Bodenplatten, liefern und verlegen 70, weiße Porzellan- Wandplatten desgl. 2c. Los 3. Parkettböden. 155 qm Buchenparkettböden in Asphalt. 2084. Schreinerarbeiten, darunter 150 qm Riemenfußböden 130 rauhen, tannenen Fußboden 2 Stück eichene Türen 5 " 1 17 Bitchpine Türen Innentüren 1 Stockwerftreppe 10 Stück Läden 16 Jalousien 2c. Los 5. Schlosserarbeiten. Beschlag der Türen und Läden in Los 4. Los 6. Glaserarbeiten, darunter 60 qm Pitchpinefenster 2c. Los 7. Anstreicherarbeiten, darunter 640 qm Delfarbenanstrich auf Wänden 300 " 1000 Leinfarbenanstrich " Holz [ Berliner Schulgeschichten nach wahren Erlebnissen beröffentlicht eine Lehrerin. Nimm dein Taschentuch!" sagt sie zu einem der Nasenreinigung bedürftigen Jungen. Ich habe keens."" Warum nicht? Du sollst doch immer eins bei dir haben." Mutter sagt, die sind noch zu reene." Was soll denn das heißen, sie sind noch zu rein?" Erst kriejt se meine jroße Schwester, un nachher frief' ick se, und jetzt sind se noch zu reene for mir." Ein Lehrer will den Kindern den Begriff der Bescheidenheit klar machen und fragt zu dem Zweck: Wenn deine Mutter hereinkommt mit einem Teller voll Stullen, und du nimmst dir die allerkleinste, was bist du dann?" ,, Dann bin ich scheene dumm!" [ Das Testament Marie Geistingers,] der eben verstorbenen Wiener Operettendiva, ist in Klagenfurt geöffnet werden. Der Gesamtnachlaß beträgt 400 000 kronen. Zu Universalerben wurden die Kinder Antonie, Olga, AnnaLiese und Fritz ihres Verwandten Emil Opitz, Hofbuchhändlers in Güstrow, eingesetzt. Das Testament enthält ferner folgende Legate: Dem Verein deutscher Bühnenmitglieder 20 000 K.; der Gesellschafterin Mathilde Pohlers 12 000., ferner die ganze Wäsche und die Zinsen des Kapitals, welches aus den zum Verkaufe bestimmten Gegenständen des Nachlasses gewonnen wird; dem Patenkind Mizzi Skrubra 1000 K.; dem geschiedenen Gatten, Herrn Kormann, ein Jahr lang monatlich 100 K.; dem Hausmeister 3000 K. Die Aussetzung von 1200 Kronen an den früheren Gatten zeigt, daß Marie Geiſtinger sich ihr gutes Herz bis zum Ende ihrer Tage bewahrt hat. Viel hat sie ja allerdings für ihn nicht übrig, nicht einmal so viel wie für ihren Hausmeister. Sie wird auch wohl gewußt haben, warum. Daß sie ihm die Summe nicht auf einmal, sondern in Monatsraten zukommen läßt, ist sehr vorsichtig. So kann er sie wenigstens nicht auf einmal verschwenden. [ Der gefährliche Stellenbewerber.] Ein Herr Lee Wright, der sich um eine Stellung im Postamte zu Washington bewarb, erhielt dieser Tage die Mitteilung, daß sein Name aus der Liste der wählbaren Leute gestrichen worden sei. Als Grund der Streichung wurde angegeben, daß Herr Wright die eigenartige Gewohnheit habe, Glas, Nägel, Uhrketten und andere Gegenstände, die sich zur Ernährung menschlicher Wesen nicht eignen, mit den Zähnen zu zerbeißen und zu verschlingen. Man fürchtet also jedenfalls, daß Herr Wright auch Briefe, Pakete und eingezahltes Geld berschlingen könnte. Hus dem Gerichtsfaal. § Prozeßz Krösell- Wittenberg. Vor dem Berliner Schöffengericht fand die bekannte Beleidigungsklage des Reichstagsabgeordneten Pastor Krösell aus Klorin gegen den Schriftsteller Dr. Mar Wittenberg ihre Erledigung durch die Verurteilung des Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten. Dr. Wittenberg hatte einen Artikel unter der Ueberschrist„ Der Kloriner Seelenhirt" veröffentlicht. Darin wurde der Privatkläger, der über die Konizer Mordaffäre mehrere Vorträge in antisemitischem Sinne gehalten hatte, heftig angegriffen und u. a.„ Schweinepriester", auch ,, ärgster politischer Heßer" genannt und beschuldigt, daß er nicht diejenige Moral besitze, die man von einem evangelischen Geistlichen verlangen müsse. Er habe, so hieß es, namentlich auch im Pastorhause zu Klorin wiederholt den Besuch einer Frau C. aus Berlin empfangen und zu dieser intime Beziehungen gehabt. Diese lettere Beschuldigung erkannte der Gerichtshof nicht als bestehend an. Dagegen sei festgestellt, daß der Kläger mit seiner Hausdame intimen Verkehr unterhalten habe. Richtig sei, daß Pastor Krösell antisemitische Reden gehalten habe und agitatorisch und heßend tätig gewesen sei. Dies sei unverträglich mit der Stellung eines Geistlichen. Der Beklagte babe das Recht geZu vermieten Die durch den Wegzug des Herrn Pfarrer Scheunemann leer gewordene Wohnung Alicestraße 12 unterer Stod, 8 Zimmer mit allem Zubehör, ist sofort anderweitig zu vermieten. Anfragen wolle man richten an Herrn Pfarrer Euler, Aliceftraße 13, oder an den Besizer des Hauses Herrn Adami. Gießen, Südanlage 19. habt, sich gegen diese Reden als Jude zu wehren. Aber d ganze Form des beanstandeten Artikels sei beleidigend un lasse die beleidigende Absicht erkennen. Der Kläger sollt geradezu unmöglich gemacht werden. Glaubte der Beklagti daß Pfarrer Krösell sich vergangen, so konnte er bei desse Vorgesezten Beschwerde erheben, das sei der richtige We gewesen. § Der Ersazwähler. Die Königsberger Straffamme hatte sich mit einem Wahlmanöver bei der letzten Reichs. tagsstichwahl zu beschäftigen. Der Arbeiter Michael Rohr aus Königsberg hatte im Auftrage seines abwesenden Schwiegersohnes, des Zimmermanns Albert Linkewitz, für diesen gewählt. Die Straffammer sprach jedoch Rohn von der Anklage des Wahlvergehens und Linkewiß von der An flage der Verleitung zu diesem Vergehen frei, da den An gaben der beiden Beschuldigten, sie wären das Opfer einer falschen Belehrung durch einen unbekannten Herrn geworden, Glauben geschenkt wurde. Der Staatsanwalt hatte je sechs Monate Gefängnis und ein Jahr Ehrverlust beantragt. Kunft und Wiffenfchaft. OG. Rigoletto" ohne Tenor. Eine sonderbare Theater aufführung fand jüngst in der italienischen Stadt Dime statt: Man gab Verdis„ Rigoletto" ohne den Tenor. An 4. Oktober sollte die letzte Vorstellung der in Dsimo gastieren den Schauspieler- Gesellschaft gegeben werden, und das Theater war vollgepfropft. Als aber der Vorhang in di Höhe gehen sollte, teilte der Tenor Ramella dem Direkto mit, daß er nicht singen könne, da er total heiser sei. Det Direktor aber verzweifelte nicht, sondern schickte den Bariton seiner Truppe hinaus, auf daß er dem harrenden Volke ber tündige, daß der Tenor nicht singen könne und daß jeder der unter solchen Umständen der Vorstellung nicht beiwohne wolle, ruhig nach Hause gehen könne. Da aber," so spra der Bariton treuherzig weiter, die Direktion nicht auf eine so großartige Einnahme verzichten kann, so wird Rigoletto" trotzdem aufgeführt werden, unter Weglassung der Tenor rolle." Man pfiff, man zischte ein wenig, aber schließlich beruhigte sich das Publikum, und fast alle blieben da. Da die Aufführung ohne den Tenor geradezu prächtig war braucht kaum gesagt zu werden! Die anderen Künstler gaben nämlich, um das Publikum zu entschädigen, als Einlage Brettllieder zum besten! Uebrigens soll einmal, einem dunklen Gerücht zufolge, in einem holländischen Städtchen " Hamlet" ohne Hamlet gegeben worden sein! RK Der Foucaultsche Bendelversuch kein Beweis für di Achsendrehung der Erde so behauptet anläßlich einer 31 Wien in der„ Rotunde" dieser Tage stattgefundenen Wieder holung dieses bekannten Experiments der dortige Professo W. Hofmann. Er behauptet, es sei unstatthaft, die täglid zu beobachtende Bewegung der Sonne( und Gestirne) al eine scheinbare Bewegung" zu erklären. Die beiden An schauungen:„ Täglich kreisende Bewegung der Sonne un die Erde" und täglich einmalige Achsendrehung der Erde ständen miteinander nicht im Widerspruche, sondern sind nur zwei verschiedene, aber vollständig gleichberechtigte For men der Auffassung einer bestehenden Tatsache. Die wahre Bedeutung des Foucaultschen Pendelversuches ist bis jetzt überhaupt noch nicht erkannt worden. Der Versuch könne niemals eine Entscheidung über die beiden vorher erwähnten Ansichten bringen, weil es einen Unterschied zwischen wirt licher und scheinbarer Bewegung überhaupt nicht gibt Wohl aber gibt er sehr wichtige Aufschlüsse über das bis her nur ganz unvollständig erkannte und teilweise fals definierte Gesetz der Trägheit. Würde die Hofmanns Theorie sich als stichhaltig erweisen, so heißt es wieder ein mal umlernen. Städt. Wohnungsnach Seiden- Grieder- Seiden weis Gießen. Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 14. Gefchäftsstunden von 8-1 und von 3-6 Uhr] Es sind zu vermiet. 47 Wohnunge. von 1 bis 9 3im, 7 möbl. 3im 3 unmöbl. Zimmer, Zimmer zur Aufbewahrung von Mobiliar. Zu mieten gesucht: 34 Wohnungen von 1 bis 6 Zimmern. 3 möbl. Zimmer. 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Die Gewohnheiten Das alte Rom bor dem eisernen Ger laste und zerfiel, hörte man zu liegen auf. Hinge und Könige be no EINST UND T ZZ