Nr. 8. Zweites Blatt. Abonnementoperis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Bratisbeilagen: Oberheffisc: Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Platt eiid eint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 10. Januar 1903. Gießener 12. Jahrgang. Insertionspret 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 50 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Mr, 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Vermischtes. [ Die älteste Zeitung.] Wann ist die erste europäische Zeitung erschienen? Diese Frage wird in einem Elsasser Blatt folgendermaßen beantwortet: Im Jahre 1609. In Straßburg soll dieser Vorfahr der modernen Zeitungen das Licht der Welt erblickt haben, und das vierzehn Jahre vor der ersten Pariser Zeitung. Das Blatt hatte übrigens einen Titel, der gerade nicht lakonisch genannt werden konnte und nicht leicht zu behalten war; er lautete: Bericht über die hauptsächlichen und denkwür digen Ereignisse, die sich zugetragen haben und noch zutragen werden in diesem Jahre 1609 in Ober- und Niederdeutschland, und auch in Frankreich, Italien, England, sowie Schottland, Ungarn, der Moldau, der Türkei usw. Das ganze auch treu gedruckt, wie ich es erhalten habe und wie ich es redigieren konnte." Für jene Zeit war das, wie man zugeben muß, ein sehr umfangreiches Programm. Wir wissen leider nicht, was aus dieser alten Zeitung geworden ist. Hat sie lange Jahre glücklich gelebt oder ist schon nach einem Eintagsdasein friedlich entschlummert? )-([ Nationale Verkäuferinnen.] Die Pariser Zuckerbäcker engagieren jedes Jahr für die wichtige Verkaufszeit vom 15. November bis zu den ersten Tagen des Mɔnats Januar Aushilfsverkäuferinnen. An einem der letzten Tage verbrachten nun zwei offizielle Sendlinge einen Teil des Nachmittags in den vornehmsten Zuckerbäckerläden der Stadt und suchten sich unter den Aushilfsverkäuferinnen die hübschesten aus, um sie feierlich zu nationalen Verkäuferinnen zu ernennen. Der Staat wird nämlich noch vor Ostern ein Verkaufsmagazin der Erzeugnisse von Sèvres, der Münze und der KupferstecherAteliers der Louvre eröffnen und braucht zu diesem Zwecke tüchtige Verkäuferinnen. A[ Schlittschuhe für den Nobelpreis.] Ein Teil des Nobelpreises ist zum Ankauf von Schlittschuhen verwendet worden. Eine Genfer Zeitung berichtet, daß unlängst Herr Gobat, Direktor des öffentlichen Unterrichts im Kanton Bern und glücklicher Besizer des Friedenspreises der Nobelstiftung, aus der Stadt E... einen Brief erhielt, der folgendermaßen lautete: ,, Herrn Gobat, Schulinspektor(!) in Bern. Ich möchte gern Schlittschuhe haben. Mein Vater ist ein Holzhauer. Er hatte mir Schlittschuhe versprochen, aber der Weihnachtsmann hat ihm nicht Geld genug geschickt, und er konnte mir teine Schlittschuhe kaufen. Ich habe in einer Zeitung gelesen, daß Sie einen Preis von 100 000 Francs gewonnen haben. Da dachte ich mir, daß Sie mir vielleicht Schlittschuhe kaufen könnten. damit ich auf dem Eise, wenn welches ist, Schlittschuh laufen kann; in der Schule ist man sehr zufrieden mit mir. Ihr dankbarer Schüler X. X." Herr Gobat opferte sofort einen Teil des Nobelpreises und kaufte die Schlittschuhe, die bereits in E... eingetroffen sind. So hat der Friedenspreis der Nobelstiftung wenigstens etwas Gutes gestiftet! XX[ Unglück in der Liebe und im Spiel zugleich] hatte in Barschau ein junger Mann, der mit seiner Braut, deren Mutter und einer Tante in der Warschauer Klassenlotterie spielte. Da der Bräutigam unbemittelt war, so tonnte er das leẞtemal seinen Anteil von 3 Rubeln nicht bezahlen, den dann für ihn die Mutter seiner Braut erlegte. Auf dieses Los fiel nun aber ein Gewinn von 10 000 Rubeln, und so beschlossen die zukünftige Schwiegermutter und die Tante, dem Bräutigam, da er doch nichts für dieses Los gezahlt habe, auch keinen Teil am Gewinn zu gewähren. Außerdem kamen die beiden älteren Damen dahin überein, da das junge Mädchen nun eine ganz andere Partie machen könne, noch obendrein die Verlobung aufzuheben. Der in allen seinen Hoffnungen getäuschte Bräutigam hat jezt seine fünftige Schwiegermutter und die Tante verflagt; als einzige Zeugin wird die ehemalige Braut vor Gericht erscheinen. £[ Ein ärztliches Rezept gegen die Faulheit.] Unlängst wurde gemeldet, daß die Amerikaner die Mikroben der Faulheit entdeckt haben. Jetzt empfiehlt ein Newyorker Arzt, der leider seinen Namen nicht nennt, den Faulen folgende Kur: Zwei Gramm Thymol um 8 Uhr morgens; um 10 Uhr morgens Wiederholung der Dosis; gegen Mittag eine Dosis Castoröl, Milch- und Suppendiät. Die Behandlung scheint homöopathisch zu sein. Man vernichtet die Faulheit, indem man den Faulen noch fauler macht und schlafen läßt. Thymol ist eines der gefährlichsten Betäubungsmittel und wird nur in ganz unbedeutenden Dosen verordnet. Vier Gramm Thymol im Laufe eines Vormittags dürften nicht nur die Mikroben der Faulheit, sondern zugleich auch den Faulen selbst töten, was allerdings eine Radikalkur gegen die Faulheit wäre. Die große Schiffsbrücke in Köln wurde infolge des durch den hohen Wasserstand des Rheins entstandenen starken Stroms auseinandergerissen. Mehrere Joche trieben abwärts, wurden aber bald wieder vor Anker gelegt. Die Schiffahrt ist vorläufig eingestellt. ) Französische Deserteure. Zwei seltene Gesangene yat das Potsdamer Untersuchungsgefängnis bekommen. In Wannsee sind durch die Polizei zwei Männer beim Betteln abgefaßt worden, die man bei näherem Zusehen als französische Fahnenflüchtige erkannte. Sie wurden dann nach Potsdam geschafft. Die beiden Krieger haben im vorigen Sommer die Gefilde des schönen Frankreichs verlassen und sich seitdem bis nahe an die Hauptstadt des Deutschen Reiches durchgefochten". Die Voruntersuchung gegen die Humberts zeitigt bei den Angeklagten die wunderbarsten Märchenblüten inbezug auf die legendären 100 Millionen und deren Erblasser, die beiden Gebrüder Crawford. Nur darin gehen die Aussagen auseinander, daß einer behauptet, die Crawford von Angesicht zu Angesicht gesehen zu ha ben, der andere sich nur der Bekanntschaft der Crawfordschen Vertreter rühmt, die den nicht ganz unge wöhnlichen Namen ,, Müller" führen sollen. Thereses Gea mahl Frédéric Humbert wurde durch seine letzte Vernehmung so angegriffen, daß er am Schluß ohnmäch tig wurde und ins Hospital geschafft werden mußte. Bunte Chronit. In Sachen der Berliner Denkmalsschändungen hat man jetzt eine neue Spur entdeckt, d ren Verfolgung vielleicht zur Entdeckung führt. Ein einwandfreier Zeuge will einen Mann Sonntag früh um 4 Uhr am Lustgarten von den Denkmälern haben wegflüchten sehen. Nach der Beschreibung glaubt die Polizei den Täter auffinden zu können. )[ Der Mond als Annoncenblatt.] Die Amerikaner haben beschlossen, sich auch den Mond dienstbar zu machen. Da sie nicht sentimental veranlagt sind, halten sie die bisherige Tätigkeit der bleichen Luna" für nicht ausreichend, um den Anforderungen der Neuzeit zu entsprechen; es genügt ihnen nicht, daß der von den Dichtern so viel besunaene Mond die Nächte der Liebenden erhelle. Sie wollen wir daher eine nüßlichece, praftischere Verwendung geben, natürlich zu Reklamezwecken. In Kalifornien jüngst eine Gesellschaft gegründet worden, die die Mondoberfläche mit riesigen Annoncen bedecken will. Um dieses hohe Ziel zu erreichen, will man die X- Strahlen und die drahtlose Telegraphie in sinnbarer Weise zu kombinieren. Man hat bereits berechnet, daß der Mond in jeder Nacht 180 000 Mark bringen würde. Das Nachtgestirn könnte im ganzen oder geteilt verpachtet werden! Die Frage ist nur, ob die Mondbewohner, vor allem der berühmte Mann im Monde, sich mit diesem Projekt einverstanden erklären werden. Prinzeffin Friedenstraum. - Ein politisches Märchen.- Ein eigenartiges Präludium zu dem Besuche des deutschen Kronprinzen in Petersburg spielt die Betersburgstija Wjedomosti". Tas pans atische Blatt erzählt ein Märchen von einer Prinzessin Friedenstraum", das sub rosa, aber doch unzweideutig, einen geheimen Angriff auf die deutsche Politik enthält. Das Märchen beginnt mit der Geburt der Prinzessin. Eine gütige Fee stand an der Wiege der Neugeborenen. Aber keine Feengabe bɔt sie dem Kinde, nur den Namen gab sie ihm als einziges Geschenk. Lassen wir das Blatt selbst sein Märchen erzählen: ,, Geheimnisvoll lächelte die Fee und sprach: Ich gebe der kleinen Prinzessin den Namen Friedenstraum". Dann verschwand die Fee. Man suchte sie in den Zimmern und im Garten, aber sie hatte wahrscheinlich beschlos= sen, auf lange unsichtbar zu werden, denn man hat sie seitdem nicht mehr gesehen. Die Astrologen stellten der Prinzessin das Horoskop, und es ergab sich, daß sie entweder bis ans Ende der Welt nur Gutes tun oder aber traurig dahinsiechen und sterben werde, wenn man ihr nicht die Möglichkeit gebe, sich segensreich zu betätigen. Natürlich wünschte man ihr das Leben zu erhalten und lud daher alle Prinzen und Ritter ein, damit sie die schöne Prinzessin sähen und zu dem Entschlusse gelangten, ihre alle ihre Streitigkeiten zur Entscheidung zu untertreiten, um ihr so Leben und Gesundheit zu sichern. Als sie an dem festgesezten Tage eintrafen, fand das Volk, daß noch niemals eine so große und schöne Versammlung ruhmreicher Ritter und vornehmer Prinzen zusammengekommen sei. Alle hatten ihre Freude an der Schönheit und dem Verstande der Prinzessin Friedenstraum" und faßten den Beschluß, ihrer Entscheidung a le ihre Streitigkeiten anheimzugeben und so zu handeln, wie sie es sage. Während dies vor sich ging, wurde die Prinzessin immer blühender und schöner, und ganz sicher hätte alles glücklich geendet, wenn sich nicht der starke und grobe Ritter vom Roten Adler mit einer unangenehmen Rede eingemischt hätte. Er war neidisch, weil seine Kinder nicht so schön waren, wie die zarte und poetische Prin= zessin und außerdem war er an Kampf und Eigenmächtigkeit so gewöhnt, daß ihm die bevorstehende Eintracht langweilig und unvorteilhaft erschien. ,, Alles das ist gut für Weibe und Kinder!" schrie er mit einer Stimme, welche die Wände erzittern und die erschreckte Prinzessin erbleichen ließ: Wer ein scharfes Schwert hat, wie ich, wer alles mit seiner gepanzerten Faust zermalmen kann, der braucht nicht Hilfe und Rat zu suchen." Die anderen Ritter machten Einwendungen, aber feine sehr heitigen, denn er war sehr start, sehr schrecklich und sehr böse. Die Versammlung ging auseinander. In dieser Zeit machten böse Seeräuber eine Fahrt ins warme Meer, um friedliche Ackerbürger auszuplündern. Obgleich sie die Prinzessin daran erinnern ließ, daß sie versprochen hätten, auf ihre Ratschläge zu hören, so taten die Piraten doch sɔ, als ob sie nichts wüßten. Dazu stachelte sie der furchtbare Ritter vom Roten Adler auf, der die Prinzessin immer noch haßte. Seitdem gerieten die Menschen in verschiedenen Gegenden in Streit und töteten einander. Aber die Geduld des Volkes ging auf die Neige, als der furchtbare Ritter mit seinem Freunde, dem Seeräuber, übereinkam, eine arme und schußlose Witwe zu berauben. Von allen Seiten ertönte der Ruf: Genug, genug, wir dulden das nicht geht vor das Gericht der Prinzessin, sie wird alle versöhnen und unnüzes Blutvergießen nicht zulassen." Mit zitterndem Herzen schen der König, die Königin und das ganze Volf, wie die kleine Prinzessin aufstand, eine zarte Röte auf ihren bleichen Wangen er schien, die begeisterten Augen von neuem Leben bliẞten: vor ihr stehen und warten auf ihr Urteil der starke Ritter und die arme Witwe. Möge die Friedensprinzessin leben!" Der Leser wird schon gemertt haben, was die Petersburgskija Wisdomosti" mit diesem albernen Märchen meinen: die Prinzessin Friedenstraum" stellt das Haager Schiedsgericht vor, der starke, grobe und streitsüchtige Ritter vom Roten Adler mit der gepanzerten Faust, wer anders soll es sein, als Deutschland, oder genauer gesagt unser Kaiser? Die Piraten, die da die Meere unsicher machen, sind natürlich die Engländer, die erst über die friedlichen Ackerbürger, die Buren, auf Anstiften des Ritters Deutschland!! herfallen und dann nachher mit dem Ritter sich an die Ausplünderung einer ,, armen Witwe" machen. Die ,, arme Witwe" ist das schnurrigste Vergleichsobjekt: Regierungen von der Perfidie derjenigen Castros eine arme Witwe zu nennen und die Bestrafung Venezuelas mit der Beraubung eines wehrund schußlosen Weibes zu vergleichen, das bekommt nur ein vom Panslavismus und Deutschenhaß völlig beherrschtes Russengemüt fertig. Für uns ist diese Stilübung des Petersburger Blattes in erster Linie amusant, wir haben Humor genug, um über diese findischen Angriffe zu lachen. Nichts destoweniger darf man nicht außer Acht lassen, daß ein großer Teil der russischen Gesellschaft von solchen Empfindungen, wie sie aus dem Märchen der ,, Wjedomosti" sprechen, beherrscht wird. Lokales. Gedenktafel für den 10. Jannar. 1778. Der Botanifer C. v. Linné in Upsala †. 1840. Einführung des Pennyportos in England.- 1890. Der Theolog Dr. v. Döllinger in München †. ** Der Auspruch der Ehefrau auf Wirtschaftsgeld und Mittel zur Kleiderbeschaffung wird in einem Urteil des Oberlandesgerichts Stettin festgelegt. Danach steht der Ehefrau ein Anspruch auf Zahlung eines Wirtschaftsund Kleidergeldbetrages auch beim Zusammenleben der Ehegatten im Rahmen der ihr gesetzlich zustehenden Berechtigung und Verpflichtung zur Leitung des gemeinsamen Hauswesens zu. Bei dieser Geschäftsführung im Bereiche ihrer Schlüsselgewalt handelt die Frau als Beauftragte ihres Mannes und kann wie ein Beauftragter einen Vorschuß für die von ihr vorzunehmenden Geschäfte verlangen. Die Beschaffung der Lebensmittel für die zum Hausstande gehörenden Personen und der Kleider für sich selbst und die gemeinschaftlichen Kinder sind Geschäfte, die regelmäßig in den Wirkungskreis der Frau fallen. Diese Ansprüche kann sie auch im Wege der einstweiligen Verfügung verfolgen. Zuständig ist nicht das Vormundschaftsgericht, sondern das ordentliche. ** der Ist die Nähmaschine ein unentbehrliches Hausgerät? Das sächsische Oberlandesgericht hat hinsichtlich Pfändbarkeit der Nähmaschine dahin entschieden, daß eine in der gemeinschaftlichen Wohnung der Eheleute befindliche Nähmaschine nicht als ein ausschließlich zum persönlichen Gebrauche der Frau bestimmtes Arbeitsgerät anzusehen sei und deshalb auch nicht als Alleineigentum derselben gelten könne. Nach den heutigen Anschauungen und Lebensbedürfnissen bilde die Nähmaschine vielmehr einen Teil des Hausgerätes, dessen sich die Frau nicht für ihre eigene Person, sondern in ihrer Eigenschaft als Hausfrau und Mitglied der Familie bediene. Als unentbehrliches Hausgerät jei die Nähmaschine nur zu erachten, wenn der Schuldner eine starte Familie habe; in diesem Falle diene sie zur Erhaltung eines angemessenen Hausstandes. ,, Und wird er Sie auch mit männlichen Darstellern übersteiglich scheinenden Hindernisse in nichts zerslössen." Sinclair habe ich das beruhigende Gefühl, als ob die unBühnenarrangements übernehmen. 3wischen ihm und Mr. er nach Darley tommen und die ganze Verantwortung des Tag gleitet, abfuhr. Roses Gast geladen war und ihrem Kammermädchen be nach Tarley Hall antreten konnte. Es war ein frostheller als fie, von Mr. Sinclair, der ebenfalls als Lady Lord Elsdale, in dieser Zeit etwas leiRose gegebenen Versprechen nachkommen und die Reise Augen zu rung ist für die Jahreszeit etwas rauh." Mark Robson besuchte daß dieser Herr derselbe war, dem sie auf der Treppe Mr. Brhant in Der Klang seiner Stimme veranlaßte Barbara, die ihm zu erheben. Und jeẞt bemerkte sie auch, auf der ruhigem ehrerbietigen Tone. Die WitteLegegnet wie möglich mit Ihnen durchnehmen zu dürfen." mir die Gewogenheit erweisen würden, Ihre Rolle sobald tend, fort. Ich würde mich glücklich schäßen, wenn Sie ehrfurchtsvollem Tone, das Wort direkt an Barbara richpaar Minuten ihrer Muße zu schenken?" fuhr Bryant in Teil feiner Re Hus der Reichsbauptstadt. [ Nachdruck verboten.] CB. Berlin, 9. Januar. Von der Weihnachtsfnarre und vom Silvestergejohle angelockt, hat sich pünktlich, wie alljährlich, ein Gast in der Hauptstadt eingefunden, der freudig begrüßte Karneval. Der Berliner Karneval hat ja wohl eine entfernte Aehnlichkeit mit seinem rheinischen Vetter; aber doch sind die beiden in ihrem Wesen sehr verschieden. Der Rheinländer hat ein gutmütig- übermütiges, der Berliner ein malitiöses Angesicht, und unter der Narrenkappe des Rheinländers hat der Berliner noch eine kleine- Ballonmüße versteckt. Er trägt auch ein scheueres Wesen zur Schau und wagi sich nicht auf die Straße und unter die Augen der Schußleute. Trotz alledem ist er aber ein lieber Kerl, der die Berliner zu allerlei lustigem Mummenschanze verleitet und heute die Leute der Presse zu einem Fest und morgen die Hausdiener zu einem Maskenball in ein und demselben Saal vereinigt. Alle Vereinigungen, die zahlreichen, die im Adreßbuche vermerkt sind, und die noch zahlreicheren, die da nicht figurieren, stehen jetzt vor ihrem Winterfest; jeder Vereinsvorstand ist in Aufregung wegen der Arran gements, und jeder Vereinskassierer läuft sich die Absätze wegen des Billetabsages ab. Kommt der lustige Prinz aber in die hiesigen Rheinländervereine, dann wird er wie zu Hause in feucht- fröhlicher Sigung und übermütiger echter Karnevalsstimmung empfangen. Bei den Berlinern selbst zeigte er auch in diesem Jahre schon troß seiner furzen Regierungszeit seine Ballonmüße Schon in der Silvesternacht sollen, wie sich nachträglich herausgestellt hat, größere Rohheiten, als in den letzten Jahren, vorgekommen sein, und auf Karnevalslaune ist es zweifellos zurückzuführen, wenn sich, wie es jüngst geschah, unreise Burschen das sonderbare Vergnügen machen, Denkmäler und andere Bauten mit dem Hammer oder ähnlichen Instrumenten zu bearbeiten, was solchen Bauwerten, selbst wenn sie von Stein sind, auf die Dauer nicht recht bekömmlich ist. Diesen Extraspaß leisteten sich die Buben in der nächsten Umgebung des Königlichen Schlosses, in einer Gegend also, die selbst zur Nachtzeit von Schußmannschaft und Militär reichlich bewacht wird. Daß sie trotzdem nicht erwischt wurden, das gehört zu jenen Wundern, an denen die Kriminalgeschichte Berline ziemlich reich ist. Wenn also die sogenannten Wachtmannschaften feinen Grund haben zu triumphieren, so hatten ihn die traurigen Helden dieser Affäre um so mehr, und das wird zweifellos ihre Unternehmungslust ganz erh b- uch zu neuen zaten angejaayeit haben. und daher is in jener Gegend fast kein Bauwerk, das nicht ein Denk mal von der Arbeit dieses Gesindels trägt. Leider sind die Aussichten für die Ermittelung der Denkmalsschänder gering, trotzdem die bekannten ziegelroten polizeilichen Betarutmachungen an jeder Anschlagssäule das Versprechen von tausend Mark Belohnung Tag für Tag wiederholen. Sicherlich aber würde der Respekt vor den der Leffentlichkeit dienenden Kunstwerken noch mehr leiden, wenn auch dieses Vergehen, ebenso wie seiner Zeit die Demolierungen in der Siegesallee, ungefühnt bliebe. Richt nur unter solchen Kunstgegnern", sondern auc unter Künstlern selbst hat der Karneval beden fiche Vers wirrung angerichtet; das beweist die jüngste Sec.ssions: Secession, die Trennung der Münchener und Berliner Secession. Die Freunde von gestern sind heute verärgerte Gegner und aus beiden Lagern fliegen die Vorwürfe wie Granaten. Das Plaken" aber dürften in diesem Falle statt der Granaten die Münchener Secessionisten selbst besorgen, da die tüchtigen Leiter der Berliner Vereinigung jährlich Extraausstellungen von Kunstwerken aus aller Welt zusammenstellen und dies auch fünftighin zustande bringen werden, ohne die Beteiligung der Münchener, die in einem Anfall von übergroßem Selbstbewußtsein verlangt haben sollen, daß Berlin ihnen drei Fünftel des ganzen Raumes zur Verfügung stelle. Dieses stolze Verlangen hat den Bruch herbeigeführt, der allerdings für das große Publikum weniger Bedeutung hat, da man die Münchener Secessionisten von nun an vermutlich in der großen Kunstausstellung am Lehrter Bahnhof sehen wird, statt in der kleinen Ausstellung in der Kantstraße. Tamit auch der öffentliche Verkehr nicht ganz von dem Mummenschanz frei bleibe, hat sich der gestrenge Winter herbeigelassen, sich eine Frühlingsverkleidung umzutun. Der Thermometer hat sich fast zu einer RivieraTemperatur verstiegen, so daß man erst einen Blick auf den Kalender werfen muß, um nicht zu vergessen, sich pflichtgemäß den Winterüberzieher anzutun, und daß die Zeitungsnachrichten über die Umwandlung des Grunewalds in einen Volkspark ganz zeitgemäß erscheinen. Man bedauert nur, daß noch Jahre vergehen werden, bis dieses Projekt zur Vollendung gelangt jein wird, um so mehr, als man uns neben neuen Straßen auch viele neue Kneipen verspricht. Die Tanzsaison wurde diesmal von einer Künstlerin eingeleitet, die zweifellos die Berufenste dazu ist. Miß Duncan, deren Grazie und bloße Füße weltbekannt sind, tritt im neuen Königlichen Opernhause auf, und die Schöne Tänzerin beweist durch ihre voetischen Gohen. dan PALMIN Palmin ist ein reines Naturprodukt, von angenehmem Geschmack und ohne jeden GeSämtliche mit Palmin hergestellte Speisen und Backwaren werden äusserst wohlschmeckend. ruch. nackte Beine, wenn sie so bildsauber sind, durchaus nicht unästhetisch wirken und daß meist in den Trikots mehr, als in dieser edlen Blöße jener Anreiz steckt, gegen den die Zensur das Publikum zu schüßen sucht. Für den Fall jedoch, daß die holde Miß hier Nachahmerinnen finden sollte, die mehr oder weniger errötend ihren nackten Fußspuren folgen, würde die Polizeibehörde wohl doch mit dem Zensurstift manch roten Strich durch die bloßgestellten Extremitäten machen. Die Trifotfabrikanten, die ja in Berliner Theatern und Variétés ein großes Absatzgebiet haben, brauchen also nicht zu fürchten, binnen furzem Hungers sterben zu müssen. Hus dem Gerichtssaal. § Ihr Töchterchen zu Tode gemißhandelt hat in Gemeinschaft mit ihrem Manne nach der Anklage die Ehefrau des Briefträgers Zawidzki zu Berlin, gegen die augenblicklich unter großem Zudrang des Publikums das dor. tige Schwurgericht jetzt bereits zum drittenmale verhan delt. Die letzte Verhandlung konnte deshalb nicht zu Ende geführt werden, weil der Verteidiger neue Beweisanträge gestellt hatte, die der Gerichtshof nicht ablehnen konnte. Er beschloß aber, die beiden Angeklagten in Haft zu neh men, was die Frau Zawidzki so erregte, daß sie in stundenlang andauernde Krämpfe veriiel. Der Anklage liegt fol gender Tasbestand zu Grunde. Die 24jährige Frau zawidzki hatte 11/2 Jahr vor ihrer im Herbst 1900 erfolgten Verheiratung einem weiblichen Kinde das Leben gegeben, dessen Vater ein früherer Dienstherr von ihr war. Bald nach ihrer Verheiratung nahmen die Eheleute Zawidzki dieses Kind zu sich. Im Juni 1901 brachte die Angeklagte das Kind, welches sich in einem Zustande hochgradigen körperlichen Verfalls befand, nach der Charité. Es iſt hier am 14. August 1901 verstorben, nach dem Gutachten der Aerzte an den Folgen fortgesetter Mißhandlungen. Der Körper, besonders Gesäß und Rücken, war bei der Einlieferung mit roten Eiterflecken bedeckt. Die Angeflagte behauptet, das Züchtigungsrecht nicht überschritten zu haben, und weist auf die Möglichkeit hin, daß das Kind von seinem Vater, der an einer ansteckenden Krank heit gelitten habe, versuchtes Blut g erbt habe. Ihr mit angetlagter Ehemann bestreitet ebenfalls seine Schuld und schiebt die Gerüchte von ständigen Mißhandlungen des Kindes auf Gehässigkeit und Klatschsucht von Nachbarinnen. Den Ausgange der Verhandlung, zu der über 30 Zeugen geleden sind, wird mit großer Spannung entgegengesehen. Christian Wallenfels, 17 Marktplatz 17. am Kriegerdenkmal empfiehlt Triephon 262. Gegründet 1826. Feinsten Schweizer( Emmenthaler) P Edamer( Holländer) " Fromage de Brie Camembert Delifate- RahmPP Harzer FrühstücksMainzer Hand= Wir machen darauf aufmerksam, dass in der letzten Zeit unter ähnlich klingenden ochfeine Thüringer Kümmel- Stangen Namen Pflanzenfette angeboten werden, deren Qualität häufig zu wünschen übrig läss und ersuchen daher unsere verehrlichen Kunden beim Einkauf von ,, P ALMIN" ent sprechende Vorsicht walten zu lassen. Nur Packete, welche den uns gesetzlich geschützten Namen PALMIN" tragen, sind echt und übernehmen wir für deren Güte volle Garantie. 22 H. Schlink& Co. Mannheim. 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