Nr. 83. Erstes Blatt. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Saus gebracht 60 Bfg., burd bie Boft bezogen viertel fährli mr. 1.50. Gratisbellagen: Oberheffische Familienzeitus,( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Zettenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nagmittage. Mittwoch, den 8. April 1903. Gießener 12. Jahrgang. Infectiousy: et 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wi aan Oberbefen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg tenn 15 big. Reklamen die Betitgeile 30 refp. 40 Dis Boftzeitungsliste No. 8869. Redaktion und Expedition: Gießen Nenenweg 90 Fernsprechanichinh Rr, 862. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszettung ( Gießener Zeitung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Kaiferbefuch in Dänemark und feine folgen. ( Von unserem ständigen CB. Mitarbeiter.) Der Kaiser ist von seiner jüngsten offiziellen Nordlandfahrt wieder zurückgekehrt. In Dänemark aber zittern die Freudenflänge ber letzten Tage nach und selbst chwedisch- norwegische Blätter geben der Genugtuung fiber den Kaiserbesuch einen sehr lebhaften Ausdruc. Insbesondere betont ein Blatt in Stockholm mit groBer Befriedigung, daß nunmehr auf der skandinavischen Balbinsel für einen Umschwung in der Politik die Bahn frei gemacht worden sei. Denn Dänemark war bis jetzt unter dem Einfluß der verwandtschaftlichen Beziehun gen seines Königshauses zu dem russischen Zarenhause ganz im Schlepptau der Petersburger Politik. In dem Maße, wie sich aber die Beziehungen zwischen Petersburg und Berlin besserten, näherte sich auch der dänische Hof dem deutschen Kaiserhause und heute stehen wir nor der erfreulichen Tatsache, daß die an dem Seebecken ber Nord- und Ostsee angrenzenden Länder ein freundnachbarliches Verhältnis mit einander angeknüpft baben. In Norwegen ist ja noch von den Zeiten der Hansa ber ein guter Rest an deutschfreundlicher Gesinnung vorhanden. Zwar erregte vor mehreren Jahren ein persönlich gehässiger Aufsatz eines Stockholmer Blattes gegen unseren Kaiser ein berechtigtes Aussehen. Aber jenes Blatt ist von Haus aus monarchengegnerisch und gerade jene Rundgebung hat gezeigt, welchen Einfluß und zwar günstigen Einfluß die wiederholien Nordlandsfahrten auf die dortige Bevölkerung gemacht haben. Wie die Norweger zu uns stehen, das hat der Verfasser dieses Aufsatzes selbst erlebt, als er vor zwei Jahren bie erste Ausreise des Lloyddampfers ,, Kronprinz WilHelm", der bekanntlich im Vorjahre den Prinzen Heinrich von Preußen nach Amerika führte, mitmachte. Das Reiseziel war Bergen und Edinburg; an Bord waren sieben aktive und inaktive Minister, Oberpräsidenten, Beheimräte in großer Zahl und Journalisten alle auf einen Ton gestimmt, eine Art schwimmende Republik. An einem Sonntag Nachmittag fuhr... wir zwischen den Shäören von Bergen ein, Böller frachten von den Bergen, die deutsche und die norwegische Flagge wehten uvehten einträchtig nebeneinander und im Hafen entfaltete sich, als tausende von Fahrzeugen, Dampfer, Segelboote, Schaluppen, Boote und Kähne das Schiff imkreisten, ein sehr reges Leben. Ganz Bergen hatte einen Festtag. Allerdings ist diese Stadt als eine ehemalige Hansafaktorei auch ganz von deutschem Geiste beeinflußt. Aber immerhin, auch vorhandenes Kapital hat nur dann einen Wert, wenn es Zinsen trägt und dies Ziel hat Kaiser Wilhelm durch seine vielfachen Nordlandsfahrten erreicht; nicht die bedeutungsloseste darunter war sein Ziel in Kopenhagen. Der Augenblick, der sich uns durch die neu angebahnten Beziehungen eröffnet, ist mehr in wirtschaftlicher als politischer Hinsicht von Bedeutung. Denn nunmehr dürften die seit Jahrzehnten gestörten Handelsbeziehungen wieder eine Auffrischung erfahren. Insbesondere werden sich auf grund der bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen die nordischen Inselstaaten vielleicht entschließen, die schroffen Zoll- und Verfehrsbestimmungen zu ermäßigen. Einen bedeutenden Wert für unsere innere Politik aber dürfte jene Reise auch noch haben. Die Nordmark wird beruhigt werden. Wenn die unruhigen Geister in Schleswig- Holstein allmählich erkennen, daß ihnen die Kopenhagener. Politik leine Rückendeckung mehr gibt, dann werden allmählich die berufsmäßigen hetzer aussterben, die an der Wasjerkante das Volk gegen Monarchie und Reich beeinFlussen. Der neue Ɑorftofs für Dreyfus. Jaurès, der französische Sozialistensührer, hat seine Verheißung wahrgemacht und die angekündigten neuen Enthüllungen zur Dreyfusaffäre begonnen. Er stützt sich darauf, daß den Mitgliedern des Kriegsgerichts insgeheim Dreyfus belastende Dokumente ein Brief des Deutschen Kaisers und das vielerwähnte Bordereau mit Randbemerkungen des Kaisers vorgelegt worden seien, Dokumente, von deren Vorhandensein weder dem Verteidiger noch dem Angeklagten selbst etwas mitgeteilt worden sei. Diese Dokumente sind, wie inzwischen nachgewiesen ist, vom Obersten Henry gefälscht, demselben, der sich nach der Entdeckung der Fälschung im Gefängnisse den Hals abschnitt. Einen direkten Beweis dafür, daß diese gefälschten Dokumente dem Kriegsgericht tatsächlich vorgelegt worden sind, blieb Jaurès schuldig; indirekt bewies er diese Tatsache, indem er einen Brief des Generals Pellieux an den zur Zeit des Dreyfusprozesses amiierenden Kriegsminister Cavaignac vorlas, in dem Bellieux von diesen gefälschten Dokumenten als den Unterlagen für Dreyfus Verurteilung redet und aus der Tatsache, daß Cavaignac die Fälschung gekannt haben mußte, die Konsequenz zieht, daß er unter so vertrauensunwürdigen Vorgesetzten nicht länger dienen könne. Nach der Verlesung dieses Briefes Bellieur' nahm Brisson, unter dessen Ministerpräsidentschaft Cavaignac Kriegsminister war, erregt das Wort, um Cavaignac in unzweideutigſter Form der Hinterhaltigkeit zu bezichtigen: Cavaignac habe, so erklärte er, von diesem Briefe Pellieur' dem Kabinett und ihm, dem Ministerpräsidenten, erst nachträglich, als es schon zu spät war, Kenntnis gegeben. Cavaignac, der jetzt ebenfalls Deputierter ist, suchte sich herauszureden, mußte aber zugeben, daß er tatsächlich den die ganze Affäre in ein neues Licht rückenden Brief des Generals Bellieux den übrigen Ministern vorenthalten habe. Jaurès wird seine Enthüllungen weiter fortseßen. Ihr bisheriger Eindruck ist nicht zu unterschäßen. Zwar suchen die Dreyfusgegnerischen Blätter den Wert seiner Enthüllungen abzuschwächen, aber es tann keinem Zweifel unterliegen, daß dieses Bemühen nur sehr geringen Erfolg hat. Nichtsdestoweniger wäre es verfehlt, wollte man annehmen, daß die Aussichten auf eine Wiederaufnahme des Dret, fusprozesses be sonders groß wären. Jaurès will seine Enthilllungen mit dem Antrage auf Einleitung einer Untersuchung der ganzen Geschichte schließen. Ob dieser Antrag ange nommen wird, ist zweifelhaft, wird er es aber, so i von der Einleitung dieser Untersuchung bis zur Wiederaufnahme des Dreyfusprozesses noch ein sehr weite: und mit Hindernissen geradezu übersäter Weg. Die Politik. Kaiser und Papft. ):( Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Besuch Kaiser Wilhelm's beim Papst werden im römischen Bala zo Odescalchi, dem Sige der preußischen Gesandtschaft beim Vatiian, bereits Stallungen für die Wagen und Pferde in Stand gejezt, die der Kaiser für seine Vatikanfahrt aus Berlin mitbringt. Angesichts des Kaiserbesuches hat der Bapst angeordnet, daß die zum 28. April, an welchem Leo XIII. die Pontifikatsdauer Petri erreichen wird, ervarteten Pilgerzüge abgesezt und auf später vertagt werden sollen. König Eduards Reisen. )-( Eine amtliche Mitteilung des Londoner Auswärtigen Amtes bestätigt, daß Konig Eduard Paris besuchen wird. Er wird am 2. Mat dort eintreffen und zwei oder drei Tage verweilen. Der Besuch des Königs in Rom gibt gegenwärtig zu lebhaften Unterhandlungen zwischen dem Vatikan und der Umgebung des Königs Veranlassung. In der Engelsburg besteht man nämlich darauf, daß der britische Herrscher, der nicht nur bei König Victor Emanuel, sondern auch beim Papste vorsprechen will, diesen legten Besuch mit Rücksicht auf die gespannten Beziehungen zwischen dem Papst und dem italienischen Königshause weder direkt aus dem Königsschlosse noch auch aus der englischen Botschaft beim italienischen Hose unternehmen dürfe. England hat keine Gesandtschaft beim Vatican, König Eduard kann also nicht wie z. B. der deutsche Kaiser, der von der preußischen Gesandtschaft beim heiligen Stuhl zum Vatican fähri- von irgend einem offiziellen Gebäude aus den Papst besuchen. Daß König Eduard sich bestimmen lassen sollte, wie der Vatican vorschlägt, von irgend einem Hotel oder Privathaus aus den Besuch beim Papste abzustatten, ist nicht anzunehmen; einmal dürfte ihm dies sein Würde bewußtsein als englischer König und zum andern die Rücksicht auf den befreundeten italienischen Hof veri teten. So wird dem Vatifan wohl nichts übrig bleiben, als sich über seine bisher gehegten Bedenken hinwegzujeßen und den König zu empfangen, woher er auch komme. Wie unser CB.- Mitarbeiter erfährt, dürfte in der That eine Nachgiebigkeit des Vatikans in dieser Sache zu erwarten sein. Alexander der Hexenmeister. (!) Der Serbenkönig Alexander, der schon manchen siehe die Heirat mit seltsamen Streich gemacht hat, hat jich neuerdings in der Draga und anderes mehr politischen Eskamotage versucht. Seit dem 6. April 1901 hat Serbien eine neue Verfassung. Der gegenwärtige Senat und die Ekupschtina, die auf Grund dieser Verfassung gewählt sind, haben nun ein paar Geseze gemacht, die manchen Leuten im Lande Serbien nicht erfreulich dünkten. Auch der König gehörte zu den Mißvergnügten, und da Senat und Stupschtina sich weigerten, die Gesetze zu ändern oder ganz zu beseitigen, hieb Alexander diesen gordischen Knoten nach dem Vorbild seines großen mazedonischen Namensvetters einfach durch: Er hob die Verfassung furzerhand auf, erklärte, nachdem er so absoluter Herrscher geworden, Stupschtina und Senat für aufgelöst und die Leanstandeten Geseze für abgeschafft und erhob die früheren Gesetze über dieselben Gegenstände wieder zur Geltung. Kaum war dieser Staatsstreich fertig, so erließ König Sascha ein zweites Edikt, durch das die Verfassung wiederherstellte; zugleich Terier er einen neuen, ge fügigen Senat und Staatsrat. Bei der Neuwahl zur Stupschtina, die die Folge dieses Handstreichs des Königs ist, wird sich zeigen, wie die serbische Bevölkerung über dieses immerhin ungewöhnliche und gewagte Vorgehen des Milansohnes denkt. Buhamaras Vordringen. )-( Immer ungünstiger gestaltet sich die Lage des maroltanischen Sultans. Sein Onkel Muley Arami, den er gegen den Prätendenten Bu Hamara ausgesandt hat, wird von diesem stark bedrängt, sodaß er sich nach der spanischen Stadt Melilla hat flüchten müssen. Wie stark sich Buhamara fühlt, erhellt daraus, daß er den spanischen Gouverneur von Melilla aufforderte, den Onkel des Sultans nicht aufzunelinen, wenn er sich nach Melilla flüchte. Der Governeur erwiderte, daß die Spanier niemandem die Gastfreundschaft verweigern fönnten. Mit Rücksicht auf dieses Auftreten des Rebellenführers haben die Epanier den Kreuzer ,, Infantin Isabel" nach Melilla entsandt. Auch ein marokkanisches Kriegsschiff ist in der Nähe von Melilla mit Flinten und Munition angekommen. Kurze politische Nachrichten. * In Amsterdam streifen neuerdings auch die Bäckergehilfen. Der Zugverkehr rust in Amsterdam fast vollständig; alle Züge erhalten nach wie vor militärische Bewachung. Die Truppen in Amsterdam stehen ständig unter den Waffen. In Rotterdam haben sich 3000 Docarbeiter dem Streit angeschlossen. * Die spanischen Studenten unruhen übertragen sich wie ein Lauffener von einer Universität auf die andere. Auch in Saragossa kam es zu ernsten Unordmungen. Die Teilnehmer griffen die Polizei an und bewarfen die Präfeftur mit Steinen. Zwei Polizeibeamte wurden verleẞt. In Madrid dauern die Krawalle unvermindert an; ihre Tendenz wird mehr und mehr republikanisch. * Wie verlautet, wird von der deutschen Heeresverwal tung jetzt der Plan erwogen, in Verbindung mit der Ehrhardtschen Geschüßfabrit in Düsseldorf eine staatliche Geschüßfabrik zu errichten. Ob das neue Etablisse ment dann in Düsseldorf verbleiben oder vielleicht nach Spandau verlegt und mit der dortigen Waffenfabrik vereinigt wird, ist noch unbestimmt. Hof und Gesellschaft. Der Kaiser ist gestern( Dienstag) Abend wohlbehalten in Berlin eingetroffen. In kiel wurde der Kaiser vom Prinzen Heinrich empfangen und zum Bahnhof begleitet. *** Die Heilung des Armbruches der Kaiserin macht dauernd erfreuliche Fortschritte; heute wurde wieder eine Röntgenaufnahme des verlegten Armes gemacht. Nach einem Telegramm aus Konstantinopel verlieh der Sultan dem deutschen Kronprinzen und dem Prinzen Eitel Friedrich die golbene Medaille in neuer Prägung, welche zur Eri nerung an den Besuch Kaiser Wilhelms II. gestiftet worden ist. Das frische Aussehen der beiden Prinzen beweist, daß sie von ihrem Unwohlsein sich vollkommen wieder erholt haben. Nab und fern. ) Germania voran! Auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 ist der erste internationale Ausstellungsgegenstand jetzt schon zur Ausstellung gelangt. Er stammt aus Deutschland. Es ist der von der Düsseldorf- Rattinger Röhrenkesselfabrik gelieferte Dampftessel, der in dem Kesselhause, westlich vom Maschinengebäude, aufgestellt und in Bemuzung genommen wurde. Bei den großen Einweihungsfeierlichkeiten am 30. April d. J. wird der Kessel die nötige Kraft zur Erzeugung elektrischen Lichtes liefern.― Das Schulschiff ,, Großherzogin Elisabeth" ange: kommen. Diese erfreuliche Nachricht brachte gestern früh der Telegraph. Die Befürchtungen, die wegen des längeren Ausbleibens des Schiffes vielfach gehegt wurden, haben sich glücklicherweise als tollständig unbegründet erwiesen. ,, Großherzogin Elisabeth" ist in Fayal( Azoren) eingetroffen und gestern von dort nach dem Kanal abgegangen. Das Schulschiff ist durch widrige Winde und viele Windstillen im Atlantischen Ozean so lange aufgehalten worden, daß der Kapitän sich entschloß, zur Ergänzung des Proviants Fayal anzulaufen. An Bord alles wohl. )-( Zu dem Lustmord in Altona, begangen von bem Schlächtergesellen Mailan an der Brostituierten Anna Schmidt, wird noch gemeldet: Immer mehr berdichtet sich der Verdacht, daß Mailau auch der Mörder der Prostituierten Ahlert, Haase und Wubber Ft. Die in dem Logis des Mörders vorgenommene Haussuchung förderte u. a. den Kaisermantel zu Tage, den der Mörder bei dem Morde der Ahlert getragen bat. Auf den bei M. aemel ftrahlte. Eie flog fast die geringere Rast, troßdem die Sonne glügeno vom Him Als entlang, шп so Augen, schlug sie ihm aber bor ihr stand mit erwartungsvoller bei Onkel Balduin zu erbitten. Cintas als möglich durch die wohnten drei Schläge Arme Fret! Ich habe um den Hals. er dann in den ein Gramen heftant Frei!" stammelte sie atemfps. in niegekannter Gragedie wechsel den. Es ist wahr, des Vaters nicht aus, Erwachen, die Ernüchterung. närs waren es Bagatellen. Endlich aber in Berbindlichkeiten aber für den Sohn eines millio ich steckte bald bis über die Ohree jo machte auf, nen. fam doch dad es war mir ernst Ich hatte ja nun mein Teil Lebensfreude genossen mit der Umkehr in solide Bah Die Augen gingen tion Skizze von Richard Seelmann. Lebnrechtsfchnurren. deutscher Na( Nachdruck verboten.) Wie im alten heiligen römischen Reich Lehnsrecht einen besonderen Das bringen. In er dem Abt die Nägel schneiden mußte. werden die Fässer nicht schlecht jederzeit geleckt haben. Die Herren von Dier prode mußten dem Kaiser, wenn alljährlich ein Paar ,, gute hundelederne Handschuhe" darfür das Scharfrichterlehen Bürgermeistern und Ratsherren sogenannten Leckwein zu Lehen, wofür Selbstredend Kellermeister nem rheinischen Kloster hatte der Pater fundenen atfermantel paßt genau die Beschreibung. Tie zu dem Mantel gehörige Pellerine will m. verschenkt haben. Die Haussuchung förderte ferner eine große Anzahl der unsittlichsten Bilder zu Tage, weiter eine Menga spizer Messer, und endlich eine große Anzahl von Zeitungsausschnitten, die sich mit dem Morde der Ahlert, der Wübber und der Haase beschäftigen. Diese Zeitungsausschnitte sind mit Randbemerkungen von Mailau versehen, aus denen mit ziemlicher Sicherheit hervorgeht, daß er der Mörder der Genannten ist. Giessener Cagesneuigkeiten. ** Der Großherzog hat den Oberlehrer an der Voltsschule zu Mainz Wilhelm Judith zum Kreisschul inspektor bei der Kreisschultommission Heppenheim erernannt. ** Der Großherzog hat am 6. April mit Wirkung vom 1. April d. J., die Elise Geist zu Offenbach a. M. zur Assistentin bei den Gewerbeinspektionen Offenbach und Darmstadt mit dem Wohnsiz in Offenbach, die Albertine d'Angelo zu Osthofen zur Assistentin bei den Gewerbeinspek tionen Mainz, Worms und Gießen mit dem Wohnsiz in Osthofen ernannt. Lem Hausverwalter und Bademeister Franz Kissel zu Bad Nauheim ist die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom Fürsten zu Schaumburg- Lippe verliehenen Silbernen Verdienstkreuzes erteilt worden. ** Der Prinz und die Prinzessin ein rich von Preußen sind mit dem Prinzen Sigismund und Heinrich heute Vormittag in Darmstadt zum Besuch des Großherzogs eingetroffen. * Das Großh. Regierungsblatt Nr. 6, ausgegeben am 6. April d. Js., enthält: 1. Deffentliche Anerkennung einer edlen Tut. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Schüler Wilhelm Peter zu Großen Linden in Anerkennung der von demselben am 12. Dezember v. J. mit Mut und Entschlossenheit bewirkten Rettung des Schülers Wilhelm Konstanz von Großen- Linden vom Tode des Ertrintens eine Geldprämie zu verleihen geruht. In Gemäßheit Allerhöchster Entschließung wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gerbacht. Darmstadt, den 24. März 1903. Großh. Ministerium des Innern. Rothe v. Bechtold. Ferner eine Bekanntmachung, die Erhebung der allgemetnen Kirchensteuer betreffend. *** Zur Reichstagswahlbewegung. Von den Nationalliberalen in Darmstadt ist, wie vor Kurzem berichtet, der Rechtsanwalt Stein als Reichstagskandidat aufgestellt worden. Nach der Nominterung des Kandidaten wurden dann die anderen bürgerlichen Parteien höflichst eingeladen, diese Kandidatur zu unterstügen. Die Freisinnigen haben das abgelehnt, da sie nur für eine Persönlichkeit eintreten könnten, die eine wirksame Bekämpfung der Reaktion gewährleistet". Auch der Bund der Landwirte hat sich gegen ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen. Von den Konservativen und Nationalliberalen des Wahlkreises Herzfeld Hünfeld Rotenburg wurde nunmehr der Borsigende der Landwirtschaftskammer in Kassel Rittergutsbefizer v. Stockhausen als Reichstagskandidat aufgestellt. Herr v. Stockhausen machte die Annahme der Kandidatur von der Zustimmung des Bundes der Landwirte abhängig, der, wie er sagte, nur eine gesunde Mittelstandespolitik treiben und seine Thätigkeit auf einen Ausgleich der Gegenfäße fonzentrieren wolle." D ** Der„ Nass. Bote" weiß zu berichten, daß die diesjährigen Manöver der 21. Division auf dem Westerwalde stattfinden. Zu der 21. Division, deren Kommando in Frankfurt liegt, gehören die 41.( Mainz) und 42.( Frankfurt) Infanterie- Brigade( Frankfurt) und die 21. Feldartillerie- Brigade( Frankfurt) resp. 5 Infanterie- Regimenter, 1 Husaren- und 1 Ulanen- Regiment, sowie 2 FrldartillerieRegimenter. ** Der Großherzogliche Acker- und Gartenbau- Verein zu Luxemburg hält gelegentlich seiner fünfzigjährigen Jubelfeier im Monat August 1903, eine internationale Ackerund Gartenbau- Ausstellung ab. Der in Aussicht genommene Zeitpunkt scheint uns in jeder Hinsicht gut gewählt zu sein. Das Fest wird viele Tausend in- und ausländische Besucher anziehen. Alle Mitteilungen sind an den General- Seccetär Herrn S. Siegen, Königsring Nr. 21, in Luxemburg zu senden. MAGGI'S BOUILLON- KAPSELN Haushaltungsschule. ** Zulassung der Reisenden mit Fahr farten 3. Klasse in die Speisewagen. Vom 1. Mai d. Js. ab soll auf den preußisch- hessischen Staats- und den Reichseisenbahnen auch den Reisenden der 3. Wagenklasse ohne Erhebung einer b.sonderen Gebühr der Zutritt zu dem Speisewagen zur Einnahme von Speisen und Getränken gestattet sein. Die Bugbeamten und Bediensteten der Wirtschaftsunternehmer sollen indessen sorgfäitig darauf halten, daß der Aufenthalt in den Speisewagen nicht über Gebühr ausgedehnt wird, und solche Reisenden, die länger darin verweilen, als nach Lage der Umstände angemessen erscheint, in höflicher, aber bestimmter Weise aufzufordern, ihre Pläge in den Personenwagen wieder einzunehmen. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Reisenden und Bediensteten über die Berechtigung zum Aufenthalt im Speisewagen entscheidet der Zugführer. *** Turnerisches. Am 26. April findet in der Turnhalle die diesjährige Gauvorturnerstunde statt. Bu derselben haben außer den Bezirksturnwarte die Vereinsturnwarte zu erscheinen. Die Muſterriege zum deutschen Turnfest in Nürnberg turnt und wird gewertet. Die Bezirksvorturnerstunden werden am 14. Juni abgehalten und in derselben die Pflichtübungen für das Gaufest in Weglar geturnt. ü Die am 1. April in das 116. Inf. Regt.( Raiser Wilhelm II.) eingereihten Einjährigen- 36 an der Bahl sind heute Vormittag vereidigt worden. *** Die Geradelegung der Straße nach Krofdorf und zwar in der Verlängerung der Schüßenstraße bis zu dem Viadukt ist durch die Bereinigung des Neustädter Feldes in die Wege geleitet. Die neue Straße ist bereits abge= steckt, und wird auch, wie wir hören, in diesem Jahre fertig gestellt. Aus Hessen und nachbargebieten. schenkel zerschm ttert. Der Verunglückte wurde nach Giesem in die Alinit gebracht. Gelnhausen, 7. April. Der Bestand in Auer- unid Birkwild hat sich im nördlichen Spessart bedeutend gehobem. Ein Offenbacher Jäger schoß dieser Tage einen prächtigem Auerhahn, der ein Gewicht von 91/2 Pfd. hatte. * Aus Rheinhessen. Nach den bis jetzt angestelltem Ermittelungen sind dem Mörder des Frl. Steimer in Spons heim nicht erhebliche Mittel in die Hände gefallen, da die sehr wohlhabende Dame ihr Vermögen sicher deponiert hatte. Der Name des Mörders ist Magnus Ant. Detrois, geborem am 10. März 1885 zu Montigny. Buleht wohnte er im Sablon bei Meh. Der Mord ist vormittag zwischen 10 und 12 Uhr verübt worden, der Mörder blieb aber bis 2 Uhr Mittags in Sponsheim, nachdem er noch um 12 Uhr in der Wohnung der Ermordeten mit Verwandten zu Mittag gespeist hatte. In Laubenheim a. d. N. hatte er sich einen Fahrschein bis nach St. Wennel gelöſt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Gründonnerstag, den 9. April. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9.30 Uhr: Vorstellung und Prüfung de Konfirmanden aus der Matthäusgemeinde Pfarrer Schlosser Abends 6 Uhr: Beichte und heiliges Abendmahl für bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Pfarrer Scheune die Matthäus und Markusgemeinde. Anmeldungen vorher mann. In der Johanneskirche. Abends 7.45 Uhr: Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde. Pfarrer Euler. An meldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten Rarfreitag, den 10. April. Kollekte für die evangelische Anstalten zu Jerusalem. In der Stadtkirche. Das Amtsgericht Grünberg giebt bekannt, daß demnächst die Revision der Hypothefenbücher beginnt. Das Eintragen oder Löschen, sonstige mangelhafte oder unrichtige Angaben sind darum jest rechtzeitig nach Vorschrift vorzuAngaben sind barum jest rechtzeitig nach Vorschrift vorzu- fusgemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Ge nehmen resp. zu verbessern. ck. Grünberg. Der hiesige Turnverein unternimmt am Charfreitag einen Turngang. Abmarsch von der Turnhall Nachmittags 3 Uhr. Wir wünschen den Jüngern Jahns schönes Wetter dazu. Montag, den 20. April werden Vormittags von 8-12 und Nachmittags von 2-5 Uhr die Zinsen der Turnhallen- Darlehnsscheine im Lokale Marktplag 2 ausbezahlt. ** Burg- Gemünden. Mittwoch, den 15. April 1903, Nachmittags 3 Uhr beginnend, werden in dem Saale bei Gastwirt Johannes Sann XII. in Burg- Gemünden die fiskalischen Aeder in der Gemarkung Burg- Gemünden mit zusammen 53 Losen auf 9 Jahre neu verpachtet. ** Laubach. Bald wird das Dampfroß von Mücke nach Laubach sein Schnauben und Stöhnen hören lassen. Die Dammarbeiten sind ist soweit fertig, daß Unternehmer und Arbeiter sich lang zur Abreise rüsten. Gegenwärtig ist man mit dem Legen der Schienen beschäftigt. ** ** Ein Deserteur vom Hund arretiert. In dem bahnhofe wurde in der Nacht auf Montag ein Deserteur Bremshäuschen eines Frankfurter Personenwagens im Hauptvom 117. Regiment( Mainz) von dem Hund des Bahnhofswärters aufgestöbert und, als er entsprang, von dem Hunde eingeholt und so lange festgehalten, bis der Wächter heranfam. Der Soldat hat sich am 25. März von seinem Truppenteil entfernt. ** Der Eisenbahn Direktions- Präsident Breitenbach in Mainz ist zum 20. d. Mts. nach Köln versetzt, um die Geschäfte des Präsidenten der Königlichen Esenbahn- Direktion in Köln zu übernehmen. Mit der Wahrung der Geschäfte des Präsidenten der föniglich preußischen und großherzoglich hessischen Eisenbahn- Direktion in Mainz ist von demselben Tage ab der königliche Oberund Geheime Regierungsrat Herr von Rabenau, zur Zeit in und Geheime Regierungsrat Herr von Rabenau, zur Zeit in Magdeburg betraut worden. *** Vom Rhein, 7. April. Die bisher zur Inspektion Frankfurt a. M. gehörende Strecke Biebrach- Rüdesheim ist nunmehr einer eigenen Bauinspektion unterstellt worden, deren Sitz in Schierstein ist. -m In Holzappel hantierte ein 15jähriger Junge mit einem geladenen Revolver. Dabei entlud sich die Waffe und das Geschoß drang dem jüngeren 12jährigen Bruder in den Kopf. Da das Gehirn nicht verlegt ist, hoffen die Aerzte das junge Leben zu erhalten. Auf der Krupp'schen Grube zu Esserehausen wurde durch zu frühes Losgehen eines Schusses einem italienischen Arbeiter der rechte OberVormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Schlosser. Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Mar meinde erbeten. Vormittags 11.15 Uhr: Rinderkirche für Matthäut und Markusgemeinde gemeinsam. Pfarrer Schlosser. Abends 6 Uhr: Siehe Johanneskirche. Ju der Johanneskirche. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder G- meinde erbeten. Abends 6 Uhr: Liturgische Andacht unter Mitwirkung des Kirchengesangvereins und der Knabenchorschule. Pfarrer Euler. 1. Osterfeiertag, den 12. April. Kollekte zum Besten des Kirch иfords. In der Stadtkirche. Vormittags 9.30 Uhr Pfarrer Scheunemann. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Pfarrer Scheunemann. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser. Im Anschluß tion verbundenen Abendmahlsfeier. daran: Beichte und Vorbereitung zu der mit der Konfirma In der Johannestirche. Vomittags 9.30 Uhr: Pfarrer D. Naumann. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannek gemeinde. Pfarrer D. Naumann. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Euler. 2. Osterfeiertag, den 13. April. Kollette für die Armen. In der Stadtkirche. Vormittags 9.30 Uhr: Konfirmation der Kinder au der Matthäusgemeinde. Feier des heil. Abendmahls. Pfarm Schlosser. Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung de Konfirmanden aus der Markusgemeinde. Pfarrer Sche nemann. Abends 6 Uhr Pfarrassistent Vogt. In der Johanneskirche. Bormittags 9.30 Uhr Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Rindergottesdienst für die Lutas gemeinde. Pfarrer Euler. Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung be Konfirmanden aus der Johannesgemeinde. Pfarrer D. Naumann. Drud und Verlag der Gießener Berlagsdruderet, vorm. Wilh. 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Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und Aus Kurhessen. ( Nachbrud verboten) Partitularismus ist gewiß nicht schön, sowie er über leinigkeiten die großen Interessen zu vergessen droht. Unser deutsches Vaterland, zusammengeschweißt aus so vielen Stäätden, deren Zahl und Verhalten gegeneinander Jahrhunderte ten Spott der ganzen zivilisierten Welt herausgefordert hatte, steht jetzt einig und mächtig da. Die Geschichte der einzelnen deutschen Staaten geht auf in der Geschichte des großen, geeinten Vaterlandes. Aber gerade dieser Umstand, gerade die ins Kleinliche übergehende Geschichte der deutschen Einzelstaaten, sollte zu deren eifrigem Studium anregen. Denn was vermag jeden Vorurteilslosen und objektiv Urjung. teilenden besser an die unendlich traurigen Zustände zu er innern, da der Deutsche gegen den Deutschen aufstand, Zeiten, zwischen Hofman da noch frembe Herrscher geglaubt mit dem deutschen Michel Sornahme von Baumspringen zu können, wie es ihnen beliebt? Die GeGießen. züge. fchichte des engeren Vaterlandes führt Jeden, der nicht 1. Mts. Bartikularist ist, zur Geschichte des großen deutschen Vater rwerts- und Fahrlandes und in diesem Sinne begrüßen wir auch das Wert, das vor einigen Monaten anfäßlich des 100 Geburtstages des letzten Rurfürsten von Hessen Kassel Friedrich Wilhelm I 1) rschienen ist. Es ist die Geschichte jenes unglücklichen Fürsten, dessen Lebensschicksale das reine Drama darstellen. Raum 4 Jahre war er alt, da brach durch das Machtgebot 000 Mapoleons, des alten Kurhessens Herrlichkeit zusammen, an heine Stelle trat das Königreich Westfalen. Friedrich Wilhelm trat dann, nachdem der Sturz Napoleons auch dem trzem Leben dieses Reiches ein Ende gefeßt und Férome die lustige Residenz Kassel verlassen hatte, die ganze Stala währender Beiten mit durch machen müssen. Die Jahre 1830 und folgende, wo die revolutionäre Bewegung, die in dem Frankfurter Attentat gipfelte, in Oberhessen und Kassel inen Hauptsiz hatte; die Revolution 1848, der abermalige und diesmal endgültige Zusammenbruch seines Reiches; es find nur die wichtigsten Epochen in dem reich bewegten Beben des Monarchen. Daß gerade die Lebensschicksale dieses Fürsten den Geschichtsschreiber anregen mukten, ist nur natürlich und man fann sagen, daß Grebe seine Aufgabe aufs Beste durchgeführt hat. Er wendet sich nicht an den Historifer, sondern an den Laten. Gerade diesen kann bas fleißige, flottgeschriebene Buch wärmstens empfohlen züge, beitshosen, icken, o rbige en, viteurs atten tie afeftion Preis. erg. Nchf 00000000 öffnung. Jießen, sowie meinen jomas Schneider bene Mitteilung, daß i caße 17 zum ren u. Bafieren reben fein, meine werte und bitte um recht zablude fertigung fämtlicher f und Toupets werden guten Siz ble volfte Gar ungsvollst coscher, her nud Frifent Bießen. werden. Das soeben besprochene Werk ist rein historischen Inhalts. Der historische Roman" von Moritz von Raisenberg der Junker Werner von Brunshausen" 2) dageger, will die Geschichte in jener Form darbieten, welche WahrSeit und Dichtung vereinigt in der Form des Romans. Der Unter Als solchen betrachtet, taugt das Werk nichts. titel historischer Roman" führt irre. Es ist kein Roman es ist die Geschichte eines jungen Kasselaner Edelmannes, ber mit den Soldaten zieht, die der Landgraf Friedrich Wilhelm II. nach Amerika zur Unterstüßung der englischen Truppen im Kampfe gegen die amerikanischen„ Rebellen" ge= sandt hatte. Wir verfolgen den jungen Edelmann auf seinem ganzen Zuge durch Amerika, wir gewinnen, wenn auch nur ganz kleine, Einblicke in die Verhältnisse der englischen Armee aber wir gewinnen nicht den großen Eindruck den ein Roman auf uns machen soll. Und das liegt zunächst darin, daß der Verfasser alles, man meint oft wie mit Ab" sicht, unterlassen hat, seine Charaktere zu begründen, ihnen die psychologische Erläuterung beizugeben, die der Roman nun einmal haben muß. Andererseits ist auch der Styl teilweise so trocken, chronikenhaft, daß die Lektüre sehr erschwert wird. Im Gegensatz zu diesem Bude ist Wilhelm Bennecke's humoristischer Roman Revisor Morgelhahn") flott und anregend geschrieben. In die humoristische gefärbte Schilderung des Lebens des Revisors Morgelhabns zur Zeit der revoTutionären Bewegung im Jahre 1830, versteht es der Verfasser anziehende Bilder aus dem damaligen Leben Einzelne in Kassel, wo der Roman spielt, einzuflechten. Stellen, so das unglückselige Eingreifen der Garde du Corps find mit dramatischem Schwunge geschildert. Die ganzen, schon an und für sich fumoristisch wirkenden Verhältnissen der damaligen Zeit, find noch mit einer gediegenen Bortion Humor gewürzt alles geeignet, um ein Buch hervorzubringen, um zum Sorgenbrecher für eine müßige Stunde zu dienen. Allen denen, die eine nicht gerade an der Ober: fläche klebende Unterhaltungsleftüre suchen, kann das Buch bestens empfohlen werden. Die Leutnantserinnerungen eines alten Rurhessen") von B. S. Coester enthalten eine Reihe kurzer Erzählungen, die teilweise nur äußerlich mit den Verhältnissen des furhessischen Militärs zusammenhängen. Es find" halbvergessene Geschichten aus den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts", die freilich zum größten Teil aus außerhalb Cassels und Hanaus passiert sein könnten. Die Ausstattung des Buches ist gut, ja splendid und ihr entspricht der größte Teil des Inbalts. Es sind ja harmlose, sich in den engen Kreisen des Offizierkorps einer kleinen Armee begrenzende Geschichten, aber sie treten so ohne alle Prätension auf, daß man der Verfasserin nicht gram sein kann und ihr Buch gerne bis zu Ende lieft. Volles uneingeschränktes Lob fann man dem vorlegten der Romane, da ich hier, ohne auf Chronologie Wert zu legen, besprechen will, zukommen lassen. Es ist wieder ein ganzer Jensen, der vor ung liegt. Seimat" 5) ist der Titel des Romans. Er spielt in Gelnhausen zur Zeit der französischen Revolution und dann weiter liegen dem Tage, da Wrede mit seinen Bayern den vergeblichen Versuch machte, Napoleon nach der Schlacht bei Leipzig den Rückzug über den Rhein abzuschneiden. Die fleinstädtischen Verhältnisse sind föftlich geschildert, hierin ist Jensen ja Meister. Nicht minder glücklich ist das Bild der stolzen französischen Edelleute gelungen, die der Revolutions sturm aus ihrer Heimat vertrieben, und die nun in Gelnhausen ein gaftlich Heim gefunden. Von einer dieser Emigrantenfamilien stammt der Held des Romanes ab. Maurice de Brunnelles heißt er. Sein Franzosen- Deutschtum bildet den Konflikt seines Lebens. Als die Eltern des fleinen Maurice gestorben, kommt dieser zu Deutschen in Erziehung. Doch der Gedanke ich bin Franzose" überwiegt, und als nun Napelon, der neue französische Kaiser, sich zum Auge gegen alle die rückte, die ihre Freiheit zu behalten wünschten, da schließt sich auch Maurice ihm an, bis er durch die Worte eines Mußmitkämpfers, eines Württembergers, zum Bewußtsein kommt, daß auch ein Mann wie Napoleon seine Macht mißbrauchen und zu Zwecken verwenden kann, die strack dem entgegenlaufen, was man unter der„ zivilisative française" versteht. Da schließt er sich den Schill'schen Husaren an, entgeht nur durch Zufall der Gefangennahme anderer Behörden von Oberhessen. - zurück. und kehrt, nachdem er in Königsberg Medizin studiert, nach Diese absichtGelnhausen seine Heimat" lich furz gehaltene Inhaltsangabe fann natürlich von dem reichen Inhalt des Werkes keine Kunde geben. Die tiefe psychologische Begründung der Personen in Verbindung mit dem reichen historischen Hintergrund machen den Roman zu der besten einen, der auf furhessischem Boden spielt. Ich A. B. fann ihn aufs wärmste empfehlen. 1) Friedrich Wilhelm I., Kurfürst von Hssen von E. N. Grebe. Kaffel 1902. Verlag von Carl Bieter.( Preis geb. 8 Mr.) 2) Marburg 1899. N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung. 3) Berlin 1902. Verlag von Otto Janke. Marburg, N. G. Elwert'sche Berlagsbuchhandlung. 5) Dresden und Leipzig 1901.- Verlag von Karl Reißner. Aus Hessen und nachbargebieten. ** Wismar, 3. April. Endlich scheinen die langjährigen Eisenbahnwünsche der Bewohner der Nebenstrede Lollar Belar betreffs rascherer Personenbeförderung, Berücksichtigung gefunden zu haben. Bekanntlich befahren diese Strecke bis dahin nur gemischte Züge und erleiden daher die Passagiere auf den Stationen Abendstern und Kinzenbach faft regelmäßig eine längere Unterbrechung. Bie wir nun zu unserer Freude erfahren haben, dürften die Züge vom 1 April ab auf diesen Stationen nicht mehr länger anhalten, da von jest ab eine besondere Maschine das Rangieren auf diesen Haltestellen besorgt. Ja, vom 1. Mai ab soll sogar die Einrichtung getroffen werden, daß die bisher gemischten Züge vollständig in Personen- und Güterzüge getrennt werden sollen. Hoffentlich werden auch die wiederholten Petitionen von Seiten der Arbeiter und Schüler betreffs einer passenderen Fahrverbindung mit unserer Kreisstadt Wezlar bei hoher Eisenbahnbehörde bald ein offenes Ohr finden. * Mainz. Wie man aus eingeweihten Kreisen hört, wird Herr Eisenbahndirektions Präsident Breitenbach, der am 30. April die Eisenbahndirektion Röln übernimmt, nur vorübergehend seine neue Stelle belle den, indem derselbe zum Präsidenten der Berliner Eisenbahndirektion bestimmt ist, welch letztere Stelle durch Zurücktritt des Präsidenten Granold noch in diesem Jahr vakant wird. Litterarisches. *** Die Reklame treibt immer sonderbarere Blüten. Jezt hat ein Berliner Warenhaus für einen Abend die 2500 Menschen fassenden Kontordia- Säle gemietet, um dort allen, die sich durch einen Kaufzettel als seine Kunden ausweisen, ein Militärkonzert unentgeltlich zu bieten. Leider, fügt die T. N." hinzu, wird den Besuchern weder warmes Abendbrot mit Bier noch ein Frühjahrsanzug gratis geliefert. **„ Kerlchen als Anstande dame", so lautet der Titel des neuesten, soeben erschienenen 5. Bandes der all. feitig mit größtem Beifall aufgenommenen humoristischen Bibliothek: Provinz- Mädel" von Felicitas Rose.( Verlag von Richard Bong, Berlin W. 57, Preis 1 Mark). Die Heldin, das tapfere fleine Rerlchen", die es versteht, vom Glück selbst wenig begünstigt, das Glück anderer in so reichem Maße zu begründen und Freude und Sonnenschein selbst über die scheinbar troftloseste Umgebung zu verbreiten, wird in diesem neuesten Bande in einer Fülle der interessantesten packendsten Situationen gezeigt. Karl Stückrath, möbelfabrik Asterweg 47 Giessen. Ederstrasse 8 Gegründet 1868. Einzelne Möbel, sowie vollständige Wohnungs- Einrichtungen. in jeder Ausführung zu billigsten Preisen am Lager. Abgepasste Gardinen in creme und weiss, das Fenster von Mk. 3,- an. Eigene Polster, Dekorations- und Cischlerwerkstätten für Deuantertigung und Aufarbeitung. Zeichnungen und Voranschläge bereitwilligst zur Verfügung. Gelegenheitskauf für Jedermann! 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