Nr. 233. Abonnementopreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50- Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertels fährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Beitschrift für Landwirtschaft, Sbst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmitags. Montag, den 5. Oktober 1903. Gießener 12. Jahrgang. Jasertionspret 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg. Boftzeitungsliste No. 3269. Rebattion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Ferusprechanschluß Nr, 362. Neuelle Nachrichten ( Stehener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Esthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Huf des Meffers Schneide. A Budapest, 3. Oktober. Wer gemeint hat, daß mit der schroffen Brüskierung des Grafen Khuen der Höhepunkt der ungarischen Parlamentsstandale gekommen wäre, hat sich gründlich getäuscht. Der Bien muß!" Die Opposition verlangt unter allen Umständen, daß mindestens ein Minister den Sigungen des Abgeordnetenhauses beiwohnt und Rede stehe". Daß man durch eigenes ungeheuerliches Benehmen das ostentative Fernbleiben des Ministeriums verschuldet hat, will man partout nicht als Milderungsgrund gelten lassen. Im § 29 des Gesetzes III. vom Jahre 1848 wird die Handhabe für die Erzwingung des Erscheinens der Regierung gefunden. Es heißt in diesem Paragraphen, daß die Regierung zu den Sizungen erscheinen müsse, um Aufklärungen 311 geben, wenn eines der beiden Häuser des Reichstags es fordert. Allein es wurde den Heißspornen flar gemacht, daß das Haus augenblicklich gar nicht in der Lage sei, über die Entlassung des dritten Jahrganges des Heeres zu verhandeln. Denn der Kriegsminister sei dem ungarischen Reichstage direkt weder rechtlich noch politisch verantwortlich. Der Kriegsminister könne nur von der Delegation zur Verantwortung gezogen werden. Am ärgsten wird dem armen Finanzminister aufgespielt, von dem man Aufschluß darüber verlangt, woher die Regierung die Kosten zur Zurückhaltung der drittjährigen Mannschaften bestreite. Sollte er die Antwort berweigern- und er wird sie verweigern, hofft im stillen die Opposition, so will man ihn unter Anklage stellen. Man sieht immer mehr, daß es eine Lust sein muß, beim Bruder Ungar Minister zu sein. Indessen schreiten die künstlich geschürten Unruhen unter dem Militär weiter fort. Man hat nicht nur ein Gebäude des Korpskommandos, sondern auch in der inmitten der Stadt gelegenen Kaserne in den Mannschaftszimmern Drucksachen aufreizenden Inhalts und den König beleidigende Gedichte gefunden, die in Truhen und Betten sorgfältig versteckt waren. Eine strenge Untersuchung ist natürlich sofort eröffnet worden. Man begnügt sich eben nicht mehr damit, die Frage der Drittjährigkeit" der Mannschaften rein politisch abzuhandeln, sondern versucht, von unten her gegen die Regierung mobil zu machen. Von überall her kommen Nachrichten über Dienstverweigerungen, die natürlich für die Soldaten, die sich von Agitatoren haben aufheben lassen, schwere Folgen haben. Was macht sich daraus die Opposition! Sie sucht zu ihrem Ziele zu gelangen und verschmäht kein Mittel, wenn es dem Zweck zu dienen scheint. Jedenfalls sieht man an alledem, daß das Ende der ungarischen Wirren noch längst nicht gekommen ist, ja, daß die schwerste Zeit erst noch in der Zukunft zu liegen scheint. - Ein fonderbarer Staatsfozialiſt". - Zum Falle des russischen Staatsrats Subatoff. Vor kurzem wurde, wie erinnerlich, der russisch e Staatsrat Subatoff, der dem Polizeidepartement für besondere Aufträge zugeteilt war, plöblich verhaftet und nach Tambow verbannt. Seltsame Gerüchte schwirrten durch die Luft. Viele hörten eine Glocke läuten, aber wenige wußten, wo sie hing. Da Subatoff als russischer Typ recht bezeichnend war, ist es nicht uninteressant, seinem Werdegange zu folgen. Man kann wohl sagen, daß Subatoff seine Karriere so recht eigentlich auf Kosten der Arbeiterfrage in Rußland machte. Er diente in Moskau als einfacher Polizeikommissär, versiel jedoch auf den Gedanken, die russische Arbeiterfrage mit Hilfe der autokratischen Regierung lösen zu wollen, um so die Arbeiter der revolutionären Bewegung 31 entreißen. Er erschien bei dem Großfürsten Sergei Alexandrowitsch, dem Generalgouverneur von Moskau, und entwickelte vor ihm seinen Plan der Gewinnung der russischen Arbeiter für die Autokratie. Der Plan bestand darin, den Arbeitern von Staatswegen einige Freiheiten zu gewähren und für ihre materiellen Interessen einzutreten. Dieser sogenannte Staatssozialismus des Herrn Subatoff gefiel dem allmächtigsten Großfürsten und er zog den unbefannten Polizeiaufseher in seine Umgebung. Da begann die Tätigkeit des Herrn Subatoff unter den Arbeitern. Anfangs hatte seine Methode Erfolg. Die polizeilich hart bedrückten Arbeiter waren sehr erfreut, als sie durch Intervention Subatoffs gewisse Erleichterungen in Bezug auf Versammlungsrecht und Redefreiheit erhielten. Auch erfüllte es die Arbeiter mit Genugtuung, daß Großfürſt Sergei selbst eine Abordnung Moskauer Arbeiter empfing und jedem Arbeiter die Hand reichte. Tatsächlich führte anfangs das Liebäugeln Subatoffs mit den Arbeitern dazu, daß die Arbeiter im Moskauer Rayon sich ruhig verhielten und in vielen Kundgebungen sich für die Autokratie erklärten. Auf Empfehlung des Großfürsten Sergei wurde nun Subatoff nach Petersburg berufen und dem Departement für Staatspolizei zugeteilt, vom Minister v. Plehwe beauftragt, die Arbeiterbewegung zu überwachen und zu Jofalisieren. Allein die Arbeiter hatten das Vertrauen zu Subatoff bereits verloren. Die vielen Agenten Subatoffs, mit den größten Vollmachten ausgerüstet, vermochten nicht mehr, die Theorien Subatoffs mit Erfolg durchzuführen. Andererseits haben diese Agenten, in vielen Fällen als agents provocateurs auftretend, die Arbeiter dennoch indirekt in ihren Bestrebungen gefördert. Das trat namentlich während der Unruhen in Odessa und Kiew zutage. Subatoffs Agent chaewitsch spielte unter den Arbeitern von Odessa eine derartig zweifelhafte Rolle, daß, trotzdem er vom Minister v. Plehme eine unbeschränkte Vollmacht hatte, Polizeichef Lopuchin, der in Odessa die Untersuchung in den Arbeiterunruhen führte, sich genötigt sah, Schaewitsch verhaften und nach Samara verbannen zu lassen. Auch einen zweiten Agenten Subatoffs, Frau Wilbuschewitsch, ereilte dasselbe Geschick. Indessen verschlang die Mission Subatoffs riesige Geldsummen, welche der schlaue Staatsrat dem Geheimfonds des Ministeriums des Innern ohne Kontrolle entnahm. Die Reise Lopuchins nach Odessa hat diese Machenschaften Subatoffs enthüllt und außerdem noch die Wahrnehmung gebracht, daß Subatoff stets auf die Erhaltung der Arbeiterunruhen bedacht war, um im Trüben zu fischen. Was die Folge dieser Entdeckungen war, haben wir schon eingangs berichtet. Die Politik. Die viel umstrittene Reform des Börsengesetes soll nun doch vorgenommen werden, da oder besser wohl: obgleich man sich in den Kreisen der Regierung darüber klar ist, daß die politischen Verhältnisse nicht die Hoffnung zulassen, daß man in absehbarer Zeit in eine Lage kommen wird, in der eine den Interessen des Handels völlig entsprechende Umgestaltung des Börsengesezes vorgenommen werden könnte." Man meint also offenbar, daß wenig immer noch mehr ist als gar nichts. Der Hader unter den sozialdemokratischen Führern und seine fortdauernde Ausdehnung macht nach der Ansicht der Parteileitung einen„ fleinen Parteitag" nötig, auf dem die gesamten Angelegenheiten, nachdem das abgeschlossene Material vorliegt, zum Austrag gebracht werden sollen. Deutschland unterstützt in Südafrika auch weiterhin die englischen Interessen. Es hat die Erlaubnis zur Anwerbung von 5000 Eingeborenen in Deutsch- Südwestafrifa für den Rand erteilt. Danach scheint es so, als ob in unserem Kolonialgebiete ein Ueberfluß an Eingeborenen herrscht. * Nach den in Wien gewechselten Trinksprüchen war das Ergebnis der Mürzsteger Konferenz ja leicht vorauszusagen. Es ist denn auch so ausgefallen, wie man annehmen mußte. Desterreich- Ungarn und Rußland haben an die Pforte und Bulgarien identische Noten gerichtet, in denen als die schwierigsten Reformaufgaben die Repatriierung der bulgarischen Flüchtlinge in Mazedonien, die Wiederherstellung ihrer zerstörten Heimstätten, sowie der Schutz gegen türkische Racheafte bezeichnet werden. Der 3 ar soll absolut für die Aufrechterhaltung des Friedens und gegen jede Intervention sein. Daß Rußland jedenfalls nicht die Absicht habe, aus der Lage Vorteile zu ziehen, betont auch der Sekretär des Grafen Lambsdorff, der unter anderem die Meldung als baren Unsinn erklärt, daß Rußland die freie Durchfahrt seiner Schiffe durch die Dardanellen verlangen molle. Und doch hatte diese Nachricht noch immer mehr Wahrscheinlichkeit für sich, als eine andere, die in Belgrad sogar durch Ertrablätter verbreitet wird und nach welcher der Botschafter Marschall von Biberstein der deutschen Regierung gemeldet haben soll, der russische Botschafter Sinowjew habe dem Sultan erklärt, Rußland habe nichts dagegen, wenn die Türkei Ostrumelien sofort okkupiere und dadurch den Uebertritt von Banden aus Bulgarien nach Mazedonien verhindere. Daß man unseren Konstantinopeler Botschafter in diesen Klatsch hineinzuziehen versucht, zeigt zur Genüge, woher der Wind weht. A Es bewahrheitet sich, daß der König der Belgier Mitte dieses Monats nach Wien offiziell zum Besuche Kaiser Franz Josefs kommt. Damit wäre dann in der Tat der Beweis erbracht, daß die seit der Wiederverheiratung der KronPrinzessin Stefanie bestehende Spannung zwischen den beiden Herrschern beigelegt ist. Ob bei Gelegenheit dieses Besuches eine Begegnung zwischen Vater und Tochter stattfinden wird, ist noch nicht bekannt. Den ersten Schritt zur Versöhnung soll König Leopold getan haben. Er fand sofort beim Kaiser lebhaftes Entgegenkommen. O Mit der Neubildung des englischen Kabinetts hat es, scheint's, noch immer gute Wege. Milner ist nach dem Festlande abgereist, nachdem er, wie Balfour bestätigt, die Annahme des Kolonial- Portefeuilles abgelehnt hat. Der Herzog von Devonshire, den der Premier halten wollte, fündigt neuerdings provisorisch auch seine Demission an, falls Balfour nicht bestimmt seine Forderungen erfüllen könne. Ob, was so lange währt, wenigstens gut werden wird? Der Haager Schiedsgerichtshof, der sich bekanntlich mit der Regelung der Venezuela- Frage beschäftigt, hat sich zunächst eine ganze Weile über gerichtstechnische Fragen unterhalten, so besonders darüber, ob die Blockademächte in dem Handel als„ Kläger" gegen Venezuela aufzufassen, oder ob sie den übrigen Mächten gegenüber Beflagte" wären. Schließlich hat man sich zum Eintritt in die Materie entschlossen, unter der Festlegung, daß Englisch offizielle Sprache sei, Französisch nur subsidiär zugelassen wäre. Nachher beschloß der Gerichtshof, daß die Memoranden mit den dazu gehörigen Schriftstücken bis zum 18. Oktober und die Beantwortungen bis zum 2. November einzureichen sind; spätere Termine können nur vom Schiedsgerichtshofe bewilligt werden. Die darauf folgenden Plaidoyers sollen am 4. November stattfinden. Dann hielt der Vertreter Venezuelas und Amerikas, Mr. Veigh, sein Plaidoyer, dessen Kern der Satz bildete, daß es im Geiste der Haager Konbention liege, die Schwachen gegen die Starken zu schützen. Die Einziehung der armenischen Kirchengüter durch den russischen Staat geht allerwärts nur unter größten Schwierigfeiten und Unruhen schwerster Art vor sich. Kamen erst fürzlich aus Tiflis und Baku, aus Kars und Elisawetpol Meldungen von Mezeleien, so fündet neuerdings der Draht auch aus Schuscha Schrecknisse und Wirren. Große Volksmassen demonstrierten vor dem mit Militär besetzten Goubernementsgebäude, Steine wurden gegen die Soldaten geschleudert und von Balkonen und Dächern krachten Schüsse. Die Soldateska blieb natürlich auch ihrerseits nicht geduldig, und so forderte die Revolte wieder eine Menge Opfer. Man sieht daraus jedenfalls, wie es um die sogenannte„ Lösung der armenischen Frage" in Wahrheit bestellt ist. Eine oft geplante Intervention der Mächte scheiterte leider immer an Rußlands Widerspruch, das erklärte, damit allein fertig werden zu können. Es ist nicht schwer zu ersehen, wie sich die russische Regierung das gedacht hat. Die Truppensendung Japans nach Korea wird verschieden gedeutet. Am nächsten liegt es jedenfalls, anzunehmen, daß die Aktion einen Gegenzug gegen Rußlands Offupation der Mandschurei bedeutet. So spricht man denn auch umschrieben schon vom Schuße der japanischen Telegraphenlinien". Aber der japanische Gesandte in London will davon nichts wissen. Er meint vielmehr, die Sendung sei nur eine Ablösung. Wäre etwas Politisches im Wert, müsse er orientiert sein. Er vergißt dabei, daß der Weg bon Yokohama nach London sehr weit ist und daß man den englischen Telegraphenlinien Geheimnisse nicht anbertrauen darf. Hof und Gesellschaft. Die Ankunft des Kaisers in Cadinen ist auf Dienstag, 6. d. M., vormittags, festgesetzt worden. Der Monarch begibt sich am Montag Abend mittels Sonderzuges von Kominten aus zunächst nach Elbing und fährt alsdann nach Cadinen weiter, wo er nur kurze Zeit verweilen wird. Von Cadinen reist der Kaiser nach einem etwa zweistündigen Aufenthalt in Marienburg, wo das Hochschloß besichtigt wird, über Berlin nach Jagdschloß Hubertusstock in der Schorsheide. ** Der Großherzog, die Großherzogin und der Erbgroßherzog von Baden sind von Köln nach Koblenz abgereist. Auf dem Bahnhofe waren die Spißen der Behörden mit ihren Gemahlinnen zur Verabschiedung erschienen. Die Frau des Polizeipräsidenten Weegmann überreichte der Großherzogin ein Blumenbukett. * Das Zarenpaar wird unmittelbar nach den Hochzeitsfeierlichkeiten in Darmstadt am 7. d. M. von dort nach Jagdschloß Wolfsgarten bei Sprendlingen übersiedeln, wo die Herrschaften bis zum 22. d. M. zu verbleiben gedenken. Am 23. tritt das Zarenpaar die Reise nach Ita. lien an. Während der Abwesenheit der Kaiserlichen Eltern berbleiben die Großfürstinnen- Töchter in Wolfsgarten. Deer und flotte. Das Genesungsheim für deutsche Offiziere in Arco wurde im Beisein der Behörden, der Kurverwaltung und der um den Bau verdienten Persönlichkeiten feierlich ein geweiht. Der Leibarzt des deutschen Kaisers, Generalarzi Dr. Leuthold, brachte auf Kaiser Franz Josef und der Bezirkshauptmann in Vertretung des Statthalters auf Kaiſer Wilhelm einen Trinkspruch aus. Gine längere Uebungsfahrt der Aufklärungsfreuzer wird im kommenden Winter geplant. Jede Gruppe wird selbstän dig vorgehen. Der Befehlshaber der Aufklärungsschiffe geht mit seinem Flaggschiff Prinz Heinrich" und den kleinen Kreuzern Medusa"," Arkona" und" Amazone" nach dem Mittelmeer. Die Uebungsreise wird voraussichtlich Ende November angetreten werden und Ende Januar oder Anfang Februar beendet sein. Die übrigen Aufklärungsschiffe erhalten als Reiseziel die irländischen Gewässer. Die Linienschiffe der aktiven Schlachtflotte bleiben in der Hei mat, um Einzelübungen vorzunehmen. " Sie?" Ich." Ja, ich! werden diese Entschuldigung annehmen und nie irgend einen wird Herr Murenin fich bei Ihnen entschuldigen, und Sie Sind Sie wirklich ber provozierte Teil, Jo frei, zu tun und zu würde ich mich richten. „ Sie müssen diesen Murenin unendlich lieben. Nun wählen Sie. derjenige, von dem Sie mir bei unserer Verlobung sprachen?" Rönnten wir nicht endlich zum Ziele fommen?" ,, Sie fragen wieder etwas, was Sie jetzt ganz genau lassen, was mir beliebt. Darnach Ist er miffen. wie erbärmlich egoistisch! Was für Auskunftsmittel! ihn überhaupt , Warten Sie einen Augenblick, hastig zusammen sich an ihre Kammer frau und entzog und steckte einen fommt es dabei auf mich an! Es muß geschehen Wie schwach ich bin es ist das einzig Therese," wandte sie ihr gelöstes Haar deil Händen, wand es Iofal box. einiam wie ich und mir sehr unähnlich ist, da es meitlichtig schen, das dort einsam auf seinem Bostamente tront, ebenso wußte, so dachte er: ich werde einmal durch das Fernrohr etwas zu denken, und da er gerade nichts Besseres zu denken auf einman boji, Diese Beschäftigung aufzugeben und an feinem Glas und dachte an nichts, als ihr Eine nette Polizeireform. Madrid, 2. Oktober. Ein Sturm der Entrüstung braust durch Madrids Blätterwald: Die mit so vielen Hoffnungen auf eine gründliche Reform des hauptstädtischen Polizeiwesens ins Werk gesetzte Kampagne gegen die hohen Polizeibeamten ist ein Schlag ins Wasser gewesen. Die, wie erinnerlich, als Anstifter zu den schlimmsten Verbrechen, als Hehler und Diebsgenossen kompromittierten Vertreter der heiligen Hermandad" sind nicht, wie die Optimisten vermeinten, ihres Amtes entsetzt worden, sondern im Gegenteil noch für die ihnen durch die Presse angetane Schmach mit Gehaltserhöhungen belohnt worden. Zwar hat der Gouverneur eine Note veröffentlicht, die mit prahlenden Worten von einer Neuordnung des Polizeiwesens" spricht. Es ist darin immerfort von einem rätselhaften Plan die Rede, der alles zum besten führen soll. Worin dieser aber besteht, wird nicht gesagt, ist auch wohl dem Herrn Gouverneur ebenso unflar wie dem p. t. Publiko. Das einzige, was wirklich geschehen ist, besteht in der Entlassung von 112 der untergeordnetsten Beamten, die angeblich physische" Mängel aufzuweisen hatten. Der Gouverneur betont ausdrücklich, daß auch die Entlassenen durchaus ehrenhafte Leute wären, ganz zu schweigen von ihren Vorgesezten, die rein, wie der Schnee der Sierra Nevada, aus der hochnotpeinlichen Untersuchung hervorgegangen seien. ausgegeven worden. Der alte Herr scheint oas suver gerochen und sich in die Dickungen verzogen zu haben. Am 15. Dezember trifft der Kaiser zu Jagden in der Göhrde ein. Der Wildstand beträgt dort über 1600 Stück Schwarzwild und 800 Stück Rotwild, davon sollen etwa 400 Stück Schwarzwild und 200 bis 300 Stück Rotwild abgeschossen werden. Soweit bis jetzt feststeht, finden am 16. und 17. Dezember eingestellte Jagden auf Sauen und Rotwild statt. Der Kaiser wohnt an diesen Tagen im dortigen Jagdschlosse. A Folgenschwere Gasexplosion. In Berlin wurden infolge einer verhängnisvollen Unvorsichtigkeit zwei Personen lebensgefährlich durch eine Gaserplosion verletzt. In der Wohnung des Kaufmanns Welsch war Gas ausgeströmt, und Frau Welsch und ihr Dienstmädchen Marie Rienecke begingen die Fahrlässigkeit, mit einer Lampe das Zimmer zu betreten. Dabei erfolgte eine Explosion, durch die sie beide lebensgefährlich verletzt wurden. O Die Gegner des Alkohols sind sich in ihrem dunklen Drange doch wohl des rechten Weges nicht immer bewußt. Im Kreise Tecklenburg haben sich die Steinbruchsbesitzer vereinigt und in allen Betrieben das Branntweintrinken verboten; Uebertretungen dieses Verbotes werden mit vierteljährlicher Aussperrung des betreffenden Arbeiters bestraft. Man sollte meinen, daß die Verbreitung von entsprechender Aufklärung der Sache weit dienlicher wäre, als solche Einschränkung der persönlichen Freiheit. Diese Untersuchung war ein Meisterstück richterlicher Komödie. Der Gouverneur hatte nämlich öffentlich auffordern lassen alle, so zur edlen Verbrecherzunft gehörten, getrosten Mutes zu ihm zu kommen und, was sie Belastendes gegen die Polizeivorsteher wüßten, seiner Diskretion anzubertrauen. Es meldete sich niemand, denn die Herren Spitbuben werden sich schlau hüten, es mit ihren besten Freunden und Brotgebern zu verderben, die sich unter Umständen in die gefährlichsten Feinde verwandeln könnten. Daß ein höherer Angestellter der Polizei selbst seine Oberen der schwersten Verfehlungen geziehen hat, vergißt der gute Gouverneur plötzlich. Er bedauert es lebhaft, daß drei der am meisten Kompromittierten sich trotz seiner Bitten in ihrer beleidigten Würde nicht im Amte haben halten lassen. Aus dem blütenreichen Spanisch ins derbe Deutsch übersetzt, heißt das:„ Diese drei waren so große Schufte, daß selbst ich mich in ihrer Gesellschaft nicht mehr ganz sicher fühlte. Darum redete ich ihnen freundschaftlich zu, doch lieber zu verschwinden. Im übrigen aber sind sie, wie die Zurückbleibenden und ich selber, die größten Ehrenmänner, die je durch die Straßen Madrids gewandelt sind." Und jezt können Spißbuben und Polizisten ungestraft weiter darauf los sündigen in würdiger und ungetrübter Kumpanei. B ない し Aus dem Gerichtsfaal. Die evangelische Weihe des neuen Gießener Friedhofs am Rodtberg vor der Stadtverordnetenversammlung am letzten Freitag. ( Fortsetzung.) Oberbürgermeister Mecum führte u. a. weiter aus: „ Mag Herr Pfarrer Naumann mein Schreiben vom 8, Jult noch an diesem Tage oder erst am 9. Juli vormittags erhalten haben, jedenfalls wäre es angebracht gewesen, wenn er sofort mindestens Anzeige von der beabsichtigten Friedhofsweihe erstattet hätte, zumal ihm bekannt sein mußte, daß am 9. Juli nachmittags eine Stadtverordneten- Sizung stattfand. Die Androhung von Gewalt war geboten, weil Herr Pfarrer Naumann sich mit der Anfündigung der nicht genehmigten Weihe über Recht und Gesez hinwegseßte. Die Reise um die Welt im Kanoe. Ein tollkühnes Unternehmen hat einen vorzeitigen dramatischen Abschluß gefunden. Aus Neuseeland kommt die Nachricht, daß der deutsche Kapitän Voß, der in einem aus einem ausgehöhlten Baumstamm bestehenden Kanoe eine Reise um die Erde machen wollte und auch glücklich schon das Stille Weltmeer bon San Francisco bis Sydney durchmessen hatte, mit seiner Nußschale an dem gefährlichen Rangitoto- Riff gescheitert sei. Ob der kühne Seefahrer bei dem Unglück selbst sein Leben eingebüßt hat, sagen die vorliegenden Meldungen nicht. 4. baß th o firchliche war, we nung ber Amtsbef Die Wei burch den 1. mun geffern S und das, trop circa 3000 famttirchenvor Thorschüler f darunter viel Beife dahinte vollem Herzen auf Grund de werden mit F Baterunfer un ider fo lang er und der Stur wieder war le ffens die amtirenden Ge Aritit leerte f zerfreuten fi Straßen und der Gemeind Stadt als 1. So Baffagier der im legten Es ist ferner nicht wahr, daß der Polizeiamtmann, angeblich auf freisamtliche Weisung, mir die Hilfe der Erefutivpolizei verweigert hat; vielmehr hat das Polizeiamt mir Schußleute zur Verfügung gestellt und ich habe ihm etwa eine Stunde vor der Beerdigung mitgeteilt, daß ich auf deren Hilfe verzichte. Eine fretsamtliche Weisung ist in dieser Sache an den Polizeiamtmann überhaupt nicht gelangt. Auch wird ferner behauptet, ein Stadtverordnetens Beschluß, wonach der Friedhof fonfessionslos sei bestehe nicht, während dies doch in den§§ 1 und 2 der Friedhofsordnung vom 12. Juni 1903 klar zum Ausdruck gebracht ist. Weiter ist gesagt worden, ich habe gegenüber dem Sohne des verstorbenen Haubach, bei dessen Beerdigung die Friedhofsweihe vorgenommen werden sollte, Drohungen ausgesprochen; das ist nicht wahr, ich habe ihn vielm hr gebeten, er möge Herrn Pfarrer Naumann ersuchen, die beabsichtigte Friedhofsweihe zu unterlassen, denn es sei zu befürchten, daß es sonst zu peinlichen Szenen tommen könne, und ich würde es bedauern, wenn die Beerdigung seines Vaters, den auch ich wohl gekannt habe, auf diese Weise gestört würde. Weiter wird behauptet, ich habe widerrechtlich den Lehrern und Kindern der Chorschule die Teilnahme an der beabsichtigten Friedhofsweihe untersagt. Als Bürgermetster und Vorsitzender des Schulvorstandes bin ich nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, darüber zu wachen, daß nicht Lehrer und Schüler der Volksschulen in offizieller Weise an einer verbotenen Handlung teilnehmen. Im vor liegenden Falle war ich dazu umsomehr verpflichtet, weil die beiden Lehrer die nach dem Schulgesetz erforderliche Genehmigung der Kreisschulfommission zur Leitung der Chorschule nicht besaßen. Das Verbot ist den Lehrern der bestehenden Dienstanweisung entsprechend durch den Rektor eröffnet worden. [ Manteuffels Ernennungsurkunde wird doch versteigert, so wird jezt aus Basel gemeldet. Wie erinnerlich, ging vor einigen Wochen die Notiz durch die Blätter, daß die Urkunde der Ernennung des Generalfeldmarschalls b. Manteuffel zum ersten Statthalter von Elsaß- Lothringen, die als Pfand für eine Schuld hinterlegt ist, zur Versteigerung gelange. Fräulein v. Manteuffel konnte damals bewirken, daß die Ankündigung widerrufen wurde und die Versteigerung unterblieb. Da aber seither das Pfand nicht eingelöst worden ist, hat der ungeduldig gewordene Gläubiger nun neuerdings die Versteigerung verlangt. Ein ernsthaftes Angebot erfolgte bisher jedoch nicht, und ein Angebot des Gläubigers auf 1000 Fr. wurde, meil verspätet, nicht berücksichtigt. Es wird nun zum drittenmale eine öffentliche Versteigerung ausgeschrieben werden- wenn nicht inzwischen auf andere Weise diesem Skandal ein Ende gemacht wird. § Die Gründungsgeschichte der Dortmunder Handelsbank beschäftigt zur Zeit das dortige Schwurgericht. Vor diesem haben sich der Banfier Hermann Wulff und der Vorsitzende des Aufsichtsrats der verkrachten Bank, Gutsbesitzer und Oberleutnant a. D. Julius Wolderling zu verantworten. Es handelt sich um einen plumpen Gründungsschwindel. Das Grundkapital wurde auf eine Million Mart feſtgeſetzt, wovon ein Viertel bei der Gründung eingezahlt werden mußte und dann im Besize des Vorstandes zu bleiben hatte. Wulff soll sich die Viertelmillion aber nur für einige Stunden geliehen haben, um sie dem Notar vorzeigen zu können; das Geld sei dann sofort zur Bank zurückgegangen und auf Wulffs Konto gebucht worden. Bevor das Aktienkapital erhöht werden konnte, mußte das Grundkapital voll eingezahlt sein, es soll das aber nicht geschehen sein, Wulff bielmehr auch hierbei dem Handelsrichter falsche Angaben gemacht haben. Der Angeklagte behauptet, es sei bei den ganzen Gründungsvorgängen alles in bester Ordnung gemesen. Zur Zeit der Gründung der Bank habe er für 1½ Millionen Werte in seinem Schranke liegen gehabt. Ueberhaupt habe er stets über reiche Mittel verfügt. Er meist den Vorwurf weit von sich, die Bestände seines Bankhauses auf die Handelsbank nur zu dem Zweck übertragen zu haben, um unsichere, uneinziehbare Forderungen auf die Handelsbank abzuwälzen. Fähnrich z. See Hüffener hat, wie aus Kiel berichtel wird, erklärt, seine Festungsstrafe in Magdeburg verbüßen zu wollen. Er wird innerhalb der nächsten Woche dorthin abgeführt werden. Ihm war die Wahl zwischen Magdeburg und Wesel freigestellt worden. Hüssener hat jetzt nur noch bis zum 13. Mai 1905, also etwas über 19 Monate Festungshaft vor sich. § Verfehlungen eines Seminarlehrers. Von dem Dresdener Landgericht wurde der Seminar- Oberlehrer Heinrich Kranbach wegen Sittlichkeitsverbrechens zu einem Jahr Gefängnis und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt. Wie erinnerlich, verschwand vor einiger Zeit gelegentlich eines Ausflugs des Roschminer Lehrerseminars nach Dresden plötzlich spurlos der leitende Lehrer. Auch wir berichteten seinerzeit darüber. Die Seminaristen depeschierten an ihren Direktor nach Koschmin, und dieser traf selbst in Dresden ein, um die jungen Leute zurückzuführen. Jetzt hat sich nun das geheimnisvolle Dunkel gelichtet: Der Seminar- Oberlehrer hat nächtlicherweile, als er sich mit seinen Zöglingen allein im Schlafsaal befand, sich schwer an diesen vergangen, und die jungen Leute veranlaßten seine Verhaftung. + Der Held der Hamburger Liebestragödie, der angeb liche Student Hans Schlicht aus Triest alias R. Kugelmann, Magdeburg- Sudenburg, ist an den Verletzungen, die er sich durch einen Revolverschuß beigebracht hatte, im Krankenhause verstorben, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Seine Persönlichkeit hat sich trotz der umfangreichsten Recherchen nicht feststellen lassen. Auch die Leiche seiner angeblich durch Selbstmord geendigten Braut konnte nirgends aufgefunden werden. Vielleicht gelingt es durch die von uns bereits bekannt gegebenen Einzelheiten der Tragödie die Verwandten des unglücklichen Liebespaares ausfindig zu machen und so die mysteriöse Affäre aufzuklären. § Haarstränbende Bergehen gegen das Nahrungsmittelgesek hatte sich der Bochumer Schlächtermeister Franz Spitzbart zu schulden kommen lassen. Er hatte zu Würsten Fleisch verwandt, das bereits in Fäulnis übergegangen war. Ein großes Quantum schimmeliger, geradezu efelerregender Würste hat der Angeklagte verkauft. Mit Rücksicht auf die im höchsten Grade gemeingefährliche Handlungsweise des Angeklagten versagte ihm das Gericht jegliche Milde und verhängte über ihn eine Gefängnisstrafe von einem Jahr zwei Monaten, außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von einem Jahr aberkannt. Kleine Gerichts- Chronik. Der Staatsanwalt, sowie der einzige Berurteilte Ziolecki legten Berufung gegen das Urteil im Gnesener Fluchtbegünstigungsprozeß ein. Ein schwerer Unfall an Bord eines deutschen Dampfers wird aus Antwerpen gemeldet. Drei Mann der Besatzung des Dampfers„ Ajag" der Bremer Dampfschiffahrts- Gesellschaft Neptun", der, von Bilbao kommend, in den Antwerpener Hafen eingelaufen war, erstickten beim Betreten des Laderaums durch Gas, das sich durch Selbsterhitung von im Raume lagernden Leintuchen gebildet hatte. Die Getöteten sind der Steuermann Otto Kormann und zwei Matrosen namens Julius Allas und Johann Torstensen. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Berliner Rechtsanwalts Liebling und des Agenten Covo, die den bekannten rumänischen Verlosungsschwindel zu Erpressungen an der Diskontogesellschaft benußt hatten und zu Gefängnis berurteilt waren. Nab und fern. Aufführung f gereift ist und jezt noch fein Studs). Au reich erschiene sich bis zu Die Insceni ebenbürtig de erfte Scene, burger Hafe täuschendes dem Gewinn Rollen des übertroffen Ferner wird behauptet, ich sei nicht, wie ich früher angegeben, altfatholisch, sondern katholisch, womit wahr scheinlich römisch- katholisch gemeint ist. Ich erkläre demgegenüber, daß ich seit 28 Jahren römisch- katholischen Gottesdienst nur bei besonderen Anlässen, beispielsweise bei Totenmessen für nähere Verwandte besucht habe, daß ich seit derselben Zeit feine römisch- katholischen Sakramente empfangen habe und daher nach kanonischem Recht von der römisch- katholischen Kirche erfommuniziert bin, daß ich das gegen an Orten, wo Gelegenheit dafür vorhanden war, den altkatholischen Gottesdienst und auch schon häufiger evangelischen Gottesdienst besucht habe. Das letztere dürfte Herrn Pfarrer Naumann wohl bekannt sein, ebenso wie die Tatsache, daß ich mit meiner evangelischen Frau nur ebangelisch und nicht katholisch getraut bin. * Die Juwelen im Hundewagen. In Lüttich erregten ein Mann und eine Frau, die in Lumpen gehüllt waren und einen Hundewagen zogen, die Aufmerksamkeit der Polizei; die Leute wurden verhaftet und durchsucht. Hierbei kamen goldene Ringe und andere kostbare Gegenstände zum Vorschein, außerdem sieben Pfandscheine über in Antwerpen, Huh und M.- Gladbach verpfändete Uhren und Juwelen. Der Mann behauptete, Diglie zu heißen und ein Deutscher zu sein; er besaß indessen einen österreichischen Paß, der auf den Namen Rehac lautete. Seine Genossin erklärte, Appel zu heißen und in Wald bei Solingen geboren zu sein. Ueber die Herkunft der Wertgegenstände vermochte sich das Paar nicht auszuweisen. Man vermutet, daß man es mit Mitgliedern einer internationalen Diebesbande zu tun hat. Der Kaiser als Nimrod. Der Jagdaufenthalt des Kaijers in Rominten neigt sich dem Ende zu. Das Jagdergebmis ist bis jetzt: vier Sechzehnender, zwei Vierzehnender und zwei Zwölfender. In den letzten Tagen ging der Kaiser einem aus dem Revier Nominten( Szeldtfehmen) gemeldeten Vierundzwanzigender nach; die Förster waren zwei Tage lang auf der Spur und Radfahrer standen bereit, den Kapitalhirsch sofort zu melden, doch ist jetzt die Suche Dem katholischen Pfarrer ist bekannt, daß ich altkatholisch bin. Er machte mich vor etwa Jahresfrist darauf aufmerksam, daß dem katholischen Bürgermeister laut Gesetz Sitz und Stimme im fatholischen Kirchenvorstand zusteht, und fragte mich, wie ich mich als Alikatholik dazu stelle. Ich habe dem Pfarrer darauf sofort erklärt, daß ich als Alt. fatholit selbstverständlich von diesem Rechte keinen Gebrauch mache, und bin demgemäß auch nicht Mitglied des katholischen Kirchenvorstandes. Die Aften des Großherzoglichen Kreisamts Gießen werden hierüber weitere Auskunft geben. Straßenfämpfe in Rußland. Während des jüdischen Versöhnungsfestes soll es in der russischen Stadt Mohilew ( in der Nähe von Kischinew) zu heftigen Straßenkämpfen zwischen Bauern und jüdischen Einwohnern gekommen sein. Wenn man den Meldungen glauben darf, sind 300 Juden und hundert Bauern dabei gefallen. Es steht jedoch anzunehmen, daß diese Zahlen übertrieben sind. Mohilem hat 5000 Einwohner, darunter die Hälfte Juden. Der merikanische Präfident Porfirio Diaz hat dem deutschen Kaiser als Zeichen seiner Verehrung sein Bildnis übersandt und so seine deutschfreundlichen Gesinnungen zu crfennen gegeben, die er noch niemals so öffentlich wie diesmal bekundet hat, die er aber im innersten Herzen schon immer gehegt hat. Der Oberbürgermeister verweist dem Naumann schen Vorwurf gegenüber auf ein Schreiben vom 10. Juli, worin Defan Bayer ihm mitteilt, daß, ehe er das Schreiben des Herrn Mecum vom gleichen Tage erhalten bereits der Pfarrer Naumann ihn um seine Zustimmung zu der geplanten Weihe ersucht, resp. ob er dagegen etwas einzuwenden hätte. Der katholische Geistliche erklärt in dem Briefe wörtlich: Bunte Chronik. Bei Kanalisationsarbeiten in Eickel wurden drei Arbeiter verschüttet und getötet. -In Budapest tötete der Steuerbeamte Viktor Kist, der schwere Unterschlagungen begangen hatte, den zu seiner Verhaftung erschienenen Stadthauptmann. Darauf entleibte er sich selbst mit einem Schuß in den Kopf. In dem französischen Ort Castel sur l'Agout wurde das Seminar in Brand gesteckt. Es wurde mitsamt der wertvollen Bibliothek ein Raub der Flammen. der vorstellu durch den e gegeben. volle Schuld werden bei Ursache soll, gründet gewe ung der M Nachdem ich nun das Schreiben des Herrn Oberbürgermeisters und den Artikel im Gießener Anzeiger gelesen und hierdurch über diese Angelegenheit erst genauere Kenntnis erhalten habe, ist es meine Pflicht, mich positiv gegen die von Herrn Pfarrer Dr. Naumann geplante Weihe auszus sprechen und den Herrn Oberbürgermeister im Namen der katholischen Gemeinde zu bitten, dahin zu wirken, daß die von Herrn Pfarrer Dr. Naumann geplante Weihe unterbleibt. Zum Schlusse faßte der Oberbürgermeister seine Darlegungen in folgenden Sätzen zusammen. gestern auch lich als gute wenn bisher borftellungen minderwertig die neue Di Sonntag der ift nicht eing ater am So allen, die ein die Bekannt 1. Daß ich innerhalb der Schranken meiner Amtsgewalt die von dem Kirchenvorstand beschlossene und von Herrn Pfarrer Naumann unter Verlezung von Recht und Gesez in die Wege geleitete Friedhofsweihe zur Wahrung der mir anvertrauten Rechte der Stadt Gießen und ihrer Bewohner und im Interesse des konfessionellen Friedens untersagt habe, - was wo Stüd für e 2. daß ich innerhalb meiner Zuständigkeit in städtischen Diensten stehende Lehrer an der Teilnahme an einer verbotenen Handlung berhindert habe, 3. daß ich zur Androhung von Gewalt befugt und durch das herausfordernde und nicht gesetzmäßige Verhalten des Herrn Pfarrer Naumann genötigt war. X A Gaftipiel a basselbe am geht dann den 12. D borftellung in den Sho Hirz aus feien Theate folge, den Baffagier" die Direktio tommen, die abonnementa ung von Gin Der Evang. anftaltet. Pfarrer Eu burch eine C ihn nicht fa Boltes zu Stand. Wer berdoppelten wendung b zur Tharatt einzelnen Bum gaten Roob und Harmoniu Lehrer W ( Vereinsdir Arrangemen * Am Lieberta Bitchins, felben aus burg, Beilb eingefunden A Gießener Bten Freitag a. weiter aut eiben bom uli vormi gewesen, tigten t fein m Dneten- Si geboten, gung der mweglepte Solizeiamtma die Hilfe das Bolizei ich habe i eteilt, daß e Weifung berhaupt ni dtverordnete os fei beit der Friedho Bbrud gebra gegenüber de Beerdigung e, Drobung be ihn vielm ersuchen, benn es sei tommen tom erdigung fein auf diese W abe widerre die Teilnah Als Bürge bin ich ni Bu machen, d in offiziel men. Im b erpflichtet, eg erforderli r Leitung k ben Lehrern d urch den Rel wie ich fü womit wah erkläre den misch- fatholijn eispielsweile bei habe, daß ih en Satramente Recht von der n, daß ich da anden war, den häufiger com legtere dürft ebenso wie die Frau nur eban ich alttatholi it darauf auf er laut Gefe rstand zustebt Olit dazu stelle Daß ich als Allt einen Gebraud glied des fath roßherzoglin usfunft geben n Naumann chreiben vom eilt, daß, ch gleichen Tage ihn um feine erfucht, refp Der fatholifd des Herr im Gießene diese Ange Iten habe, if e bon Herrn Beihe auszu ermeifter im bitten, dahin rer Dr. Naucmeifter feine en. meiner Amts befchloffen unter Berlep Bege geleitet anbertrauten ewohner und edens unter it in ftädti Teilnahme ert habe, befugt und gefegmäßige enötigt war 4. daß ich als Bürgermeister zu einem Eingreifen in| firchliche Angelegenheiten genötigt und berechtigt war, weil dabet nicht innerhalb Gesetz und Ordnung verfahren wurde, und daß ich dabei meine Amtsbefugnisse in keiner Weise überschritten habe. Lokales. - Gießen, 5. Oftober 1003. Die Weihe des neuen Gießener Friedhofes burch den 1. evangelischen Geistlichen Dr. Naumann hat nun gestern Sonntag Nachmittag 4 Uhr endlich stattgefunden und das, trotz des sehr schlechten Wetters, im Beisein von circa 3000 Personen. Mehrere Stadtverordnete, der Gesamtkirchenvorstand, die evangelischen Geistlichen, und die Chorschüler standen vorn an, die versammelte Gemeinde darunter viele Beamte und Professoren in ungezwungener Weise dahinter. In friedlich firchlichem Tone aber aus vollem Herzen hielt Pfarrer Dr. Naumann die Weiherede auf Grund des Bibelwortes:„ Die da sähen mit Thränen werden mit Freuden ernten." Mit dem Weihegebet, einem Baterunser und dem Schlußgesang durch die Chorschule hatte der so lang erkämpfte Att sein Ende. Das Regenwetter und der Sturm hielt während der Predigt an, nur hin und wieder war letzterer etwas stiller, trotz alledem hat unseres ssens die ganze versammelte Gemeinde die Worte des amtirenden Geistlichen vernehmen können. Still und ohne Kritik leerte sich die Stätte des Friedens, die Erschienenen zerstreuten sich von der Marburgerstraße aus in die einzelnen Straßen und hoffen wir mag nun auch Friede in der Gemeinde wieder volle Einkehr gehalten haben. - " Stadt Theater Gießen. Gestern Abend ging als 1. Sonntags- Abonnementvorstellung Der blinde Passagier" von Blumenthal und Kadelburg in Scene, der im leßten Winter am Lessingtheater in Berlin zur ersten Aufführung kam und seit dem über alle größeren Bühnen gereist ist und noch reift.( In Frankfurt z. B. vergeht auch jezt noch keine Woche ohne mindestens eine Aufführung des Stücks). Auch hier bereitete ihm das außerordentlich zahl reich erschienene Publikum eine sehr warme Aufnahme, die sich bis zu Beifallsäußerungen bei offener Scene steigerte. Die Inscenirung des Stücks war vorzüglich, vollkommen ebenbürtig derjenigen, die wir in Berlin sahen. Gleich die erste Scene, die Ausfahrt des Dampfers aus dem Hamburger Hafen, zeigte ein schönes, die Wirklichkeit vortäuschendes Bild, dessen Realismus nur noch durch das mit dem Gewinnen der hohen See eintretende Schwanken und Rollen des Schiffs und dessen Folgen für die Passagiere übertroffen wurde. Die sehr dankbare Hauptrolle des Stücks, der vorstellungs- und statwütige Herr Bellermann, wurde durch den ersten Komiter, Herrn Conradi, ausgezeichnet gegeben. Aber auch die übrigen Mitwirkenden taten ihre volle Schuldigkeit. Einige fleine Ungleichkeiten im Spiel werden bei einer Wiederholung sicher verschwinden; ihre Ursache soll, wie wir hörten, teilweise in Verlegenheiten begründet gewesen sein, in die die Direktion durch Verhinderung der Militärkapelle versetzt wurde. Daß das Haus gestern auch auf den teuren Pläßen gut besetzt war, gilt hoffentlich als gute Prognose für alle Sonntagsvorstellungen. Denn wenn bisher ein großer Teil des Publikums die Sonntagsvorstellungen mied, so lag das wohl ausschließlich an dem minderwertigen Programm dieser Vorstellungen. Da aber die neue Direktion die Versicherung gibt, daß auch für den Sonntag der Spielplan nur gute Stücke vorsehen wird, so ist nicht einzusehen, weshalb das bessere Publikum dem The ater am Sonntag Abend fern bleiben soll. Wir empfehlen allen, die einer heiteren Stunde im Theater nicht gram sind, die Bekanntschaft des blinden Passagiers zu machen, sobald was wohl allseitig erwünscht ist die Direktion das Stück für eine Wochentagsvorstellung ansetzt. × Agnes Sorma begann gestern ein mehrtägiges Gastspiel am Frankfurter Schauspielhaus. Sie beschließt dasselbe am Donnerstag mit der Rolle des Rautendelein, geht dann nach Wiesbaden und tommt nächsten Montag, den 12. Oktober hierher, um in der 1. Theatervereins vorstellung ebenfalls das Rautendelein zu spielen. Auf die in den Schaufenstern der Herren Challier, Koch und Hirz ausgestellten Photographien der großen Künstlerin feien Theaterfreunde aufmecksam gemacht. ** Stadttheater. Nach dem durchschlagenden Er. folge, den das originell ausgestattete Lustspiel„ Der blinde Bassagier" bei der gestrigen Premiere davontrug, hat sich die Direktion entschlossen, um vielfachen Wünschen nachzutommen, die Novität am nächsten Freitag als zweite Freitagsabonnementsvorstellung zu wiederholen und die Erstaufführung von„ Ueber den Wassern" zu verschieben. ** Einen Ludwig Richter- Abend hatte gestern der Evang. Arbeiter- Verein Gießen in der Turnhalle_ver= anstaltet. Nach einem Vortrag des Vorsitzenden, Herrn Pfarrer Euler, über des Meisters Leben und Wirken, wurde durch eine Serie wohlgelungener Lichtbilder auch denen, die ihn nicht fannten, gezeigt, was er alles aus der Seele des Boltes zu schöpfen und in seinen Bildern festzuhalten verstand. Wer Richter kennt, bewundert ihn immer wieder mit verdoppeltem Interesse. Eine gute Idee war die Verwendung von Harmoniumspiel, Gesang und Deklamation zur Charakterisierung der verschiedenen Stimmungen in den einzelnen Bildern. Die Beteiligten haben ihr Bestes getan zum guten Gelingen. Das Stioptiton( Herren Professoren Roob und Lucius), elektrisches Licht( Herr Ing. Muhlert), Harmonium( Herr Organist Görlach), Deklamation( Herr Lehrer Werner und einzelne Kinder), Leitung der Chöre ( Vereinsdirigent Herr Gernhardt) und das gärtnerische Arrangement( Herr Becker) lagen in den besten Händen. * Am Samstag und Sonntag beging der Gesangverein Liedertafel" zu Marburg die Feier seines 40 jährigen Bestehens, wozu sich die Gesang Vereine resp. Vertreter der felben aus Gießen, Wetzlar, Buzbach, Lich, Grünberg, Dillenburg, Weilburg, Wetter, Kirchhain und Londorf zur Leilnahme eingefunden hatten. Zunächst fand vorgestern Abend ein großer Kommers statt. Gestern Vormittag wurde dem der mit der Feier verbundenen Sängertag des Lahntal Sängerbundes abgehalten, wobei es sich hauptsächlich um das in Grünberg im nächsten Jahr abzuhaltende Bundesfest handelte. Ein Antrag, daß die Preisrichter zur Bewertung der Wettgefänge außerhalb des Landesgebietes wohnen müssen, wurde angenommen. Als Bundeslieder wurden bestimmt„ Das deutsche Lied" von Schneider und „ Das Wanderlied" von Lichner. () Das am Samstag abend im Festsaale des Cafe Leib abgehaltene Winterfest des Maschinenbauer Gesangvereins verlief in bester Stimmung. Ein zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden und der Saal war bis auf den letzten Plazz besetzt. Außer den geladenen Ehrengästen und auswärtigen Vereinen, war auch der Komponist Pault aus Fechenheim erschienen, der sich sehr lobend über die gesanglichen Leistungen des Vereins aussprach. Gesangvorträge und ein flott gespielter Einafter sorgten für eine angenehme Unterhaltung; ein Ball bildete den zweiten Teil des Winterfestes und hielt die Teilnehmer in angeregter Stimmung bis zu später Stunde beisammen. Wir wünschen dem Verein ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen. ** Als Leiche geländet wurde Sonntag morgen aus der Höfetränke in Grünberg der 81jährige Rentner Bick; der bedauernswerte alte Mann, der in guten Verhältnissen lebte, dürfte den Schritt in geistiger Umnachtung getan haben, da für ihn durchaus keine Veranlassung vorlag den Tod zu suchen. Am Dienstag wird Medizinalrat Dr. Haberkorn- Gießen in Gemeinschaft mit dem Herrn Amtsrichter die gerichtliche Obduktion vornehmen. " ** Eine Versammlung, die sich mit dem Thema Grünberg als Luftkurort" beschäftigt, wird am Donnerstag abend im Rappen zu Grünberg stattfinden. Da über den Plan viel gesprochen wird, sieht man dem Vortrag mit besonderem Interesse entgegen. * Dr. Theodor Koch, eine in Gießen und Grünberg bestens bekannte Persönlichkeit, der zu Forschungszwecken die Indianer- Stämme in Südamerika aussucht, hat bereits vier Stämmen seinen Besuch abgestattet und lag kürzlich Fieberkrank danieder, wie er schreibt, wäre er bald abgeflattert", er hat sich aber wieder erholt und hat seine Reise fortgesetzt. Die Forschungsreise ist auf zwei Jahre berechnet. * * Ueber den Selbstmord des Vizefeldwebels Siebers von der 2. Kompagnie des 116ten Inf. Regt. erfahren wir Folgendes: Vor cirka 6 Jahren desertierte ein Soldat, der sich jetzt, nachdem er ziemlich heruntergekommen sein soll, in Frankfurt dem Konsul stellte und angab, daß er wegen Mikhandlung seitens des Siebers 1. 8t. geflüchtet set; seine Angaben lönnten die im selben Glted gestandenen Mannschaften bezeugen. Auf Grund der an das Reg ment erlassenen Meldung sollte Siebers nun am Donnerstag Abend durch den etatsmäßigen Feldwebel Becker verhaftet werden. Mit den Worten:" Ach laß mich nur erst Abendbrod essen" wußte er denselben ohne Verdacht aus seinem Zimmer wieder zu entfernen und kaum war Feldwebel Becker weg, so ertönte auch schon ein Schuß und er hatte die That vollführt. S. hätte im November sein 12tes Dienstjahr hinter sich gehabt, war nie vorbestraft und sonst ein tüchtiger Unteroffizier. Man nimmt an, daß sein verletztes Ehrgefühl ihm die Waffe in die Hand gedrückt hat. Die Beerdigung erfolgte heute mit militärischen Ehren; Difiz ere, Unteroffiziere und Mannschaften des Bataillons gaben ihm das leßte Geleit. Heuchelheim, 4. Oft. Die ausgedehnten Obstbaumpflanzungen an der Kreisstraße Gießen- Rodheim brachten wie ja fast überall einen geringen Ernteertrag. Wenn man aber bedenkt, daß diese Obstbaumanlage noch jung ist und ältere Bäume nur oberhalb dem Windhof zu finden sind, so muß man mit ihrem Ertrag ſehr zufrieden sein. Derselbe wird sich mit dem zunehmenden Alter der Bäume noch wesentlich steigern, zumal man hier durchweg bessere Sorten zur Anpflanzung gebracht hat )( Lauter, 3. Okt. Bei der diesjährigen GemeindeAepfelverſteigerung sind enorm hohe Preise erzielt worden, es wurden Preise bis zu 120 Mf. pro Baum bezahlt; die Gemeinde hat eine Einnahme von über 4000 Mt. aus der Versteigerung erlößt. Ein großer Teil der Apfelernte geht nach England. § Romrod, 4. Okt. Heute Abend fand hier eine Schlägerei ſtatt, bei der das Messer eine unselige Rolle spielte. Einer der Beteiligten erhielt einen Messerstich in den Unterleib und wurde Montag morgen in die Klinik zu Gießen gebracht. Der Messerheld wurde noch heute abend verhaftet. nimmt am 5. Ottober offiziell die Oberpräsidial- Geschäfte. Kaffel, 4. Okt. Oberpräsident von Windheim überDie diesjährige Meisterprüfung für die Provinz Oberhessen fand gestern Sonntag Vormittag 11 Uhr im Saale des Café Leib zu Gießen bei feierlichem Afte und in Anwesenheit hoher Staatsbeamten ihren Abschluß. Baumeister Traber, der Vorsiz nde der Prüfungskommission begrüßte zu Eingang der Feierlichkeit die große Versammlung mit folgenden Worten: Seit Inkrafttreten der Bestimmungen der Gewerbeordnung haben wir uns heute zum zweiten Male versammelt zwecks feierlicher Ueberreichung von Meisterbriefen. Gestatten Sie mir deshalb: Sie besten Dank sagen zu dürfen. Vor allem aber gebührt der aufrichAlle zu dieser Feier herzlich zu begrüßen und für Ihr Erscheinen tigste Dank den sehr geehrten Herrn der hohen Staatsregierung, der Handwerkskammer, der Handelskammer u. der Gewerbevereine, welche durch ihre uns ehrende Gegenwart der Feier eine erhöhte Weihe geben. M. H.! Wir haben uns heute hier versammelt, um das vor uns erschienene Junghandwerk einige Augenblicke auf | Rahl von Meister- Prüfungskandidaten heute hier- aus allen Teilen der Proving Oberheffen begrüßen können. Es ist dies Prüflinge weit höhere waren, als im vergangenen Jahre, und umso höher anzuschlagen, als dies Mal die Anforderungen an diese daß troßdem das Resultat der Prüfungen im allgemeinen befriedigte. M. H.! Die Meisterprüfungen im Handwerk sind von so eminent hohem Werte für die Wiedererstarkung des Handwerks, sowohl in wirtschaftlicher, als auch in ethischer Hinsicht, daß man sich trotzdem wundern muß, wie hie und da immer noch Leute sich finden, welche sich zu dieser zwingenden Ueberzeugung nicht emporheben fönnen. Es mag zugegeben werden, daß die früher grenzenlose Freiheit im Handwerk verlockender ist, als die jetzt gezügelte Freiheit. prüfung verschwinden, wenn man die Vorteile für und gegen sachAber man übersteht, daß die Mühen und der Schweiß einer Meisterlich erwägt. M. H.! Die hier versammelten Prüflinge haben vor den einzelnen Kommissionen Zeugnis von ihrem Können abgelegt: durch das praktische Meisterstück und die Arbeitsprobe, soveranschlagung, der Buch- u. Rechnungsführung sowie der sozialen wie durch die theoretische Prüfung in den Fachkenntnissen, der Kostenund gewerblichen Gesetzgebung soweit solche das Handwerk berührt. Mit großer Hingabe und ebensolchem Fleiße sind die Prüflinge an die gestellten Aufgaben h: rangetreten und haben den Be= meis für die Befähigung zur Führung des gefeßlich geschüßten Meistertitels erbracht.( 89 von 97 angemeldeten Kandidaten haben die Prüfung bestanden, die Namen bringen wir morgen in einem zweiten Artikel. D. R.) Und nun Sie, geehrte Jungmeister! Der heutige Tag ist für Sie nicht nur ein freudiges Ereignis, sondern vor allem ein Ehrentag. Sie haben uns bewiesen, daß Sie das Handwerk innerhalb bestimmter Grenzen beherrschen; daß Sie befähigt sind, den Wettlampf des täglichen Erwerbs mit Erfolg pariren zu können.- Wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen Glück und Segen zu Ihrer fünftigen Arbeit und seßen in Sie die Hoffnung, daß Sie allezeit bemüht sein werden, das Handwerk mit den Ihnen zu gebote stehenden praktischen und theoretischen Fähigkeiten zu heben, und vor= nehmlich die Ihnen anvertrauten Lehrlinge und Gesellen zu tüchtigen Gliedern des Handwerks erziehen zu helfen. Als Vorsitzender der Meisterprüfungskommission für Oberhessen spreche ich Sie nunmehr fraft meines Amtes- zu gefeßlich geprüften Meistern in Ihren Handwerken. Gott segne und schütze Ihre Zukunft und das gesamte Handwerk." Nachdem war es Herr Ministerialrat Braun, welcher in freundlichem Tone die Worte Hans Sachs: " Berachtet mir die Meister nicht, Ehret mir die schöne Kunst" in seinem Gruß an die Jungmeister an die Spize stellte. Als die Handwerksnovelle zum Gesez wurde, da fragte man sich, und auch an ihn sei man in gleichem Sinne gefommen; ob denn die ganze Sache mit dem Meistertitel, die ja einen praktischen Wert nicht hat, auch durchführbar und zu empfehlen sei. Erfahrung mag's lehren, sagte ich mir damals und heute ist von allen Seiten die Antwort geliefert. Wenn Sie Geld und Mühe geopfert, so muß in Ihnen doch das Bewußtsein gekommen sein, daß es den Meistertitel zu führen notwendig ist. Bewahren Sie sich den Stolz, mit dem Sie in und aus der Prüfung gegangen sind, ein Jeder wird Freude daran haben. Namens der Großh. Staatsregierung überbrachte er den Jungmeistern die herzlichſten Glückwünſche und schloß mit den Worten: Ehret unsere deutschen Meister, Dann bannt Ihr alle guten Geister. Der Vorsitzende der hessischen Handwerkskammer F altMainz gab anschließend seiner Freude darüber Ausdruck, daß in Oberhessen eine so außerordentlich große Zahl Handwerker der Prüfung sich unterzogen und daß sich die Prüflinge aus allen Handwerken rekrutieren. Namens der Handwerkskammer dankte er denselben, hob aber auch rühmend die Tätigkeit der Prüfungskommission mit hervor, besonders die des Vorsitzenden Herrn Baumeister Traber. Auch ihr galt sein Dank für die aufgewendete Zeit und Mühe in den Ehrenämtern. Nachdem noch Herr Ingenieur Schiele im Auftrage des Ortsgewerbevereins Gießen an Stelle des erfrankten Vorsitzenden, Kommerzienrat Heyligenstaedt die besten Glückwünsche des Vereins überbrachte, nahmen die Jungmeister aus den Händen der Altmeister Schlossermeister Dörr und Tischlermeister E. Beil sen. unter Handschlag ihre Zeugnisse und den Meisterbrief entgegen. Nach einer einstündigen Pause versammelten sich die Teilnehmer, etwa 175 Personen, zu einem gemeinsamen Mittagessen im selben Raum, das ebenfalls in bester Weise verlief. Hierbei wurden noch manche Worte zum Gedeihen des Handwerks gesprochen; von den Rednern möchten wir 6. sonders nennen Herrn Ministerialrat Braun, welcher mit ihm ausgebrachte Hoch auf denselben von den Anwesenden warmen Herzen unseres Landesfürsten gedachte und das von wacker aufgenommen wurde. Es sprachen außerdem noch die Herren Falt- Mainz, Traber, Dörr und Petri 2r- Gießen, sowie Sekretär Engelbach- Darmstadt. Allen Teilnehmern wird die diesjährige Meisterprüfungsfeier eine angenehme Erinnerung bewahren. - Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil lb in Blein: Jr bas Sokale, den„ Gerichts." und„ Deffentlichen Sprechsaal":& r. Copemant Drnd web Berlag der Gießener Berlagsbruderet( vorm. Wilh. Keller), Gießen. Stadt- Theater Giessen. Direktion: Hermann Steingoetter. Dienstag, den 6. Oktober 1903. I. Dienstag Abonnement- Vorstellung. Zum 2. Male. Novität. Novität. Lieselott. Lustspiel in 4 Aufzügen von Heinrich Stobiker. Freitag, den 9. Oktober 1903. 2. Freitag- Abonnements- Vorstellung. Novität. I Novität. Mit vollständig neuer Ausstattung. Der blinde Passagier. seinen Werdegang zu begleiten. Ift es doch ein erfreuliches 3eichen, Lustspiel in 3 Atten von Oskar Blumenthal und welch guter Geist noch im Handwerk steckt, daß wir eine so große G. Kadelburg. Markt 16. Friedrich Teipel Markt 16. empfiehlt Unterzeuge in Wolle, Halbwolle, Merino u. Maco. Sehr empfehlenswert: Reguläre Unterhosen ohne Naht, worin stets großes Lager in allen Größen und Breislagen unterhalte. Prof. Dr. Jaegers Normal- Tricotwäsche. Heyges zweiseitige Unterzeuge, oben Wolle unten Baumwolle. Außerordentlich haltbar rad besonders empfehlenswert für Herren, welche auf der Haut keine Wolle vertragen fönnen. 1000 Centner Kartoffeln O Vergebung von Straßenbauarbeiten. 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Gießen, den 2. Oktober 1903. Großh. Polizeiamt Gteßen. Hechler. Bekanntmachung. In der Zeit vom 26. September bis 3. Oftbr. 1903 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Füllfederhalter, 1 blaue Brille mit Futteral und ein Maurersenkel. verloren: 1 silberne Brosche( in der Mitte der selben ein Goldknopf) i schwarzer Damengürtel mit vergoldeter Brosche und 1 Perle von einem Hemdenknopf. Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Die Gießen, den 3. Oftober 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Landw. Ausstellung Giessen. Nächsten Dienstag, den 6 d. Mts., nachm. 3 Uhr wird auf dem Ausstellungsplatz ein Teil des von dem Abbruch der Hallen herrührenden Tannenrundholzes( im Winter gefällt) sich zu Rüstzeuge, Baumstangen, Garten einfriedigungen und Brennholz eignend, gegen sofortige Barzahlung meistbietend versteigert. Der Bau und Plak- Ausschuß. Gewerbeverein Gießen. Dienstag, den 6. 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