GOGOOG Nr. 53. Zweites Blatt. Abonnement preto: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfs., In's Saus gebrat 00 fs, burd bie Beft bezogen viertelfahrli Mt. 1.50. Grattebellagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) Oberhefftiche Beitschrift für Landwirtschaft, Obft- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittage. Mittwoch, den 4. März 1903. Gießener 12. Jahrgang. Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie. ganz Oberheffen, die Kreise Weylar und Marburg 10 Vig fonit 15 Vfg.: Reklamen die Petitgeile 30 refp. 40 Bfg Boftzeitungsliste No. 8869. Redaktion und Expebition: Gießen Remenweg 28. Fernsprechanichinh Rz, 863. Neuelle Nachrichten meinen Besitz ns S DQGAGE GO ferdefnecht Gebrüder Kahl. U vermirle: mmerwohnung ( pril zu vermieten. Bahnhofftraße 10. usa dinwohnung, ner mit Zubehor, zu be Emil Log, Kirchenpla fach möbl. 3mmer bamieten. 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Bou Lüneburg aus erhielt dann der Bäckermeister vo seinem Gesellen brieflich die fategorische Anweisung, ihm nach einem bestimmten Gasthaus in Lüneburg seine Bapiere hinzuschicken oder er würde ,, bis an den Kaiser geben". Man fann verstehen, daß der Bäckermeister sich nicht sonderlich beeilte, solchem Befehle nachzukommen, er tat es in einigen Wochen aber doch, um Weiterungen zau vermeiden. Diese wären aber doch beinahe gekommen, benn eines Tages erscheint der Schußmann bei unserem Bäder, um der Sache nachzuforschen. Der Geselle hatte fich wirklich mit einem Briefe, der überschrieben gewesen fein soll: ,, Geehrtester Herr Kaiser!" an den staiser gewandt, um seine Papiere wieder zu bekommen. Einen fangen vorschriftsmäßigen Rückgabeweg vom Minister bis an die Ortspolizei hatte der Brief des Gesellen gemacht, der nun wohl glauben wird, der Kaiser habe es bewirkt, daß die Papiere an die aufgegebene Adresse geschickt wurden. [ Münchener Kunstsinn.] In dem Koupee eines aus bem Zentralbahnhof ausfahrenden Personenzages befinden sich eine Dame und ein Münchener Privatier. Alsbald gibt sich Gelegenheit zu einem Gespräch, wobei die Dame erzählt, daß sie anläßlich der Hochzeit ihrer Schwester nun zum ersten Male München gesehen, daß es ihr aber hier recht gut gefallen habe, was unser Münthener mit wohlgefälligem Lächeln anhörte. ,, Gestern," jagte sie ,,, war ich auch noch im Hoftheater. Es war ein herrlicher Genuß! Ich beneide Sie um Ihr gediegenes Orchester und um Ihre wertvollen Sänger. Aber, was mir wie nirgends auffiel und in der Seele weh tat, war, daß das Theater so undankbar spärlich besucht war. Eagen Sie, Verehrtester, hat denn das hiesige Publibum wirklich so wenig Verständnis für die Kunst?" ,, Na, na!" meinte der Biedere ,,, da teans uns unrecht, aber entschuldigens, wann i frag, was is denn gestern gespielt worden?" ,, Der Wasserträger" von Cherubini!" versezte die Dame. Ja so!" gab der Mann zu ,,, nacha glaub ich's freili! ,, Da Wasserträger!" Dös is aber do a schon gar toa Oper für an gebɔrna Münchner!" - A[ Englische Gardisten.] Ein nettes Pröbchen englischen Humors gibt der ,, Cri de Paris" in folgender Geschichte: In aller Erinnerung sind noch die standalösen Borgänge, die sich jüngst bei den Londoner Garde- Grenadieren abgespielt haben. Offiziere und Fähnliche wurden wegen geringer Vergehen gegen die Disziplin törperlich gezüchtigt, indem ein Körperteil, der nicht näher bezeichnet zu werden Eraucht, mit Peitschenhieben bedacht wurde. Bor einigen Tagen ereignete sich nachstehender Vorfall: In einem großen Londoner Theater blieben zwei Gentlemen vor ihren Pläzen stehen, nachdem die Vorstellung längst begonnen hatte. Zuerst erhoben sich schüchterne Brotestrufe, aber die Gentlemen taten, als ob sie nichts gehört hätten. Dann erscholl es immer lauter aus den hinteren Reihen: Seßen, sehen!" und bald brüllte der ganze Saal: ,, Seßen, setzen!" Als die Gentlemen noch immer standhaft blieben, rief vom hohen Olymp herab ein echtes Londoner Jüngelchen: Sie können ja nicht sißen sie sind von der Garde!" Der ganze Saal wälzte sich vor Lachen und die beiden Gentlemen zogen es vor, zu verschwinden. - [ Ein merikanischer Krösus.] Reicher als der megifanische Staat ist der Mexikaner Pedro Alvarado, der jich jüngst erboten hat, sämtliche Staatsschulden seines Landes aus seiner Tasche zu bezahlen. Alvarado ist buchstäblich über Nacht Milliardär geworden. Vor zwei Jah ren noch war er ein einfacher Bergarbeiter. Da entdeckte er eines Tages ein großes Goldlager und wurde urplößlich ein Krösus. Er lebt aber noch heute so einfach wie früher. Sein Vermögen vertraut er feiner Bank an; dafür hält er sich eine Leibwache, die ihm seine Schäße hüten helfen muß. Wenn er sich von seinem Hause entfernt, ist er immer von acht bewaffneten Männern begleitet. Diese Vorsicht ist nicht unnötig, denn Alvarado trägt als ,, Taschengeld" immer die Kleinigkeit von 200 000 mt. bei sich. Der merikanische Staat weiß noch nicht recht, ob er Alvarados Anerbieten annehmen soll. Seine Gläu biger wären ihm dankbar, wenn er's täte! [ Chinesische Freimaurer.] Die jüngst erfolgte Ernennung eines Großmeisters der chinesischen Geheimbunde oder sogenannten chinesischen Freimaurer in den Ber. Staaten hat zu der Frage Anlaß gegeben, ob eine Berbindung zwischen diesen Orden und den Freimaurern Besteht. Die ,, Cyclopedia of Fraternities" weiß von chinesischen Brüdern nichts zu sagen; die einzigen verbundenen Logen befinden sich in chinesischen Seestädten und haben lediglich kaukasische Mitglieder. Die Riten der chinesischen Brüderschaften sind denen der Freimaurer äußer aver es lich ähnlich. Beide Organisationen ino uldi, hat nie nachgewiesen werden können, daß je eine Ver. bindung bestanden hat, oder daß die eine nach dem Muster der anderen gebildet worden sei. Nur in Spokane, Washington, sind einmal vier taukasische Brüder zui Sigung einer chinesischen Loge" eingeladen gewesen: diese„ Loge" erivies sich aber später als eine Filial der chinesischen Wohltätigkeitsgesellschaft Kolas Hui und übte mit einem Lebensbaum, mit nien auf gekreuzten Schwertern, Teetrinken, Weihrauch- Abbrennen und aller lei geheimnisvollen Handbewegungen und sonstigen Kör perbewegungen nach Art turnerischer Freiübungen ein von dem der Freimaurer- Bogen start abweichendes Zere monial aus. Was gemeinhin chinesische Freimaurerei genannt wird, ist ein Verband mongolischer Geheimbunde, die angeblich zu Wohltätigkeitszwecken organi jiert sind, eigentlich aber den Umsturz der gegenwärtigen Thing Dynastie bezwecken. Wahrscheinlich ist diese ,, Nolao Hui" eine Nachfolgerin der Triad- Verbindung, die jeiner Zeit den Taiping- Aufstand vorbereitete und deren Beseze jeden Verrat mit barbarischen Etrafen, wie Oh. cen- oder Nasenschneiden, zu ahnden pflegten. [ Der Leibbarbier des Fürsten Bismard,] nämlid der alte Friseur Müller an der Mainbrücke in Würz burg, ist im dortigen Juliusspital an den Folgen einer schweren Unterleibsoperation gestorben. Er war der langjährige Figaro" des Fürsten Bismarck in Bad Kissingen, den er rasierte und dem er die Haare schnitt. Mit gro ßem Stolz zeigte er die Anerkennungsschreiben und Haare, die er vom Fürsten besaß. Auch die Fürstin war in Bad Kissingen seine ständige Kundschaft. Müller war ein äußerst gewandter und wißiger Mann, der sich durch jeine Unterhaltungsgabe und Zauberkünste in allen Kreijen beliebt zu machen wußte. Y[ Zu wörtlich genommen.] Eine humoristische Szene von der ,, Berliner Straßenbahn" erzählt das ,, B. Tageblatt". Steigt da am Rosentaler Tor eine junge unschuld vom Lande in den Straßenbahnwagen und fragt den Schaffner, ob sie auch nach dem Alexanderplatz käme. täme. Der Schaffner verneinte dies, gestattete ihr aber, bis zur nächsten Haltestelle ſizen zu bleiben. Hier angelangt, bekam sie die Weisung, auszusteigen und den ., nächsten" Wagen zu benußen. Dieses ,, nächste" nahm sie allzu wörtlich, stieg in den Anhänger und fuhr zum Gaudium der Insassen des Hauptwagens weiter auf der falscher Strede! " [ Die„ deutsche Ehrenlegion" in den Vereinigter Staaten.] Die letzte Nummer der in Chicago erscheinenden Deutsch- Amerikanischen Geschichtsblätter" gibt eine Uebersicht des Anteils, den die Deutschen an der ,, Ehrenlegion" haben, die anläßlich des Bürgerkrieges in den Ver einigten Staaten gestiftet wurde. Präsident Lincoln wurde am 12. Juli 1862 vom Kongreß ermächtigt, 2000 Medaillen schlagen zu lassen, die als höchste Auszeichnung an Soldaten verliehen werden sollten. Soweit bekannt, sind in der Tat nur 1485 derartige Medaillen ausge geben worden, davon nicht weniger als 273 an Deutsche oder Deutsch- Amerikaner. Den Grund zur Auszeichnung boten in 64 Fällen die Erbeutung feindlicher Fahnen, in 34 Fällen die Teilnahme an der Erstürmung von Vicksburg, Tapferkeit in den Indianerkriegen in 65 Fäl len, endlich verschiedene Ruhmestaten in 110 Fällen. Da nach ist etwa der sechste Teil aller verliehenen Auszeichnungen Deutschen zugefallen. zum )[ Auch ein Millionenspender.] Wie lange braucht ein Kapital von zehn Mark zu fünf Prozent angelegt, bie es auf zwei Millionen Mark anwächst? Oder- um uns flarer auszudrücken- bis sich diese Summe um das Zweimalhunderttausendfache vergrößert? Die Frage ist feine müßige. Wenigstens für die Gemeinden Pist und Raudniz in Böhmen nicht. Diese Gemeinden sind seit einigen Tagen ernstlich damit beschäftigt, dieses Rechenexempel zu lösen. Es handelt sich hier um die Stiftung eines trostlosen Witwers in Pist, der der politischen Verwaltung seiner Heimatgemeinde diese harte Nuß Anaden aufgab. Besagter Witwer hat nämlich zum Gedächtnis an seine Gattin den Betrag von zehn Mark mit der Bestimmung angelegt, daß das Geld so lange depɔniert bleibe, bis es mit Zinseszinsen die Höhe von zwei Millisnen Mark erreicht haben wird. Alsdann sollen die Zinsen alljährlich am Todestag seiner Gattin an die Armen von Pist und Raudnih verteilt werden. Sei es, daß sich der wohltätige Mann bei der Anlage dieses Riesenbetrages um ein halbes Dußend Nullen geirrt, sei es, daß er in Bezug auf fünftige Binsfüße eine noch nie dagewesene Phantasie entwickelt, furz, der Herr Millionenspender von Pist scheint von der Länge der Zeit, welche das Anwachsen des Kapitälchens zu einem so großen Betrag erfordert, feineswege den richtigen Begriff zu haben. Denn bis dieser vom Stifter gewünschte Zweck erreicht wird, braucht er nicht weniger als 1356 Jahre! Die Armen von Pist und Raudnih mögen sich freuen, im Jahre 2259 findet die erste Verteilung statt. [ Paris als Sechafen.] Die Pariser Presse macht jett Stimmung für das Projekt des Ingenieurs Bouquet de la Grye, welcher Paris zum Seebafen machen will. Die Seine, welche bis Rouen für Seeschiffe fahrbar ist. ioll durch einen ins Flußbett gegrabenen Kanal von 6 Meter 20 Zentimeter Tiefe und 35 Meter Breite bie Paris befahrbar gemacht werden. Vier Schleusen wer. den angebracht. Man hofft, dadurch den überseeischen Transitverkehr von Süddeutschland über Paris zu ziehen. Die Fahrtdauer von Rouen nach Paris beträgt bei einer Fahrgeschwindigkeit von 12 Kilometer 16 Stunden. End. hafen bei Paris ist Clichy. Der Kostenpunkt wird auf 150 Millionen geschäßt. Die meisten französischen Hanbelskammern haben sich für das Projekt ausgesprochen. Bunte Chronit. In Cincinnati( Nordamerika) hat ein Mann namens Alfred Knapp, der achtmal verheiratet war, gestanden, daß er jede seiner Frauen ermordet habe. Ju einem Anfall von Tiefsinn durchschnitt der Jabrikbeamte Schmidt in Markirch beim Mittagessen seinem fünfjährigen Söhnchen den Hals mit einem Rasirmesser und tötete dann angesichts seiner jungen Frau sich selbst - Ju einer Zementfabrii in New Village( Staat New Jersey) fand eine Gasexplosion statt. Ein großer Teil der Fabrik wurde zerstört, fünf Personen sollen getötet, 25 bis 30 verletzt sein. In Ogdon( Vereinigte Staaten) wollten die Schüle rinnen der Mädchenschule mehrere Lehrerinnen vergiften und die Schule in Brand stecken. Die Menge Gift, die vorgefunden wurde, hätte genügt, um 1000 Personen um zubringen. Hus dem Gerichtssaal. § Ein Lobredner des Gefängnisses. Vor die Strafkammer in Trier wurde der Viehknecht Gooßmann aus dem dem Gefängnisse geführt. Er war wegen Brandlegung zu drei Jahren verurteilt worden und nachträglich stellte sich noch heraus, daß er fremdes Eigentum boshafterweise beschädigt habe. Der Angeklagte hielt eine längere Verteidigungsrede, in der er auf seine verwahrlɔste Erziehung hinwies, und die er mit folgenden Worten schloß: Ich gestehe alle die mir zur Last gelegten Straftaten und bin froh, daß ich im Gefängnis bin, denn dort lernt man Anstand und Bildung, Ordnung und Fleiß. Auch hat man sein schönes Brot im Gefängnis; wenn ich heute entlassen würde, wüßte ich nicht, wohin. Ich nehme jede Strafe dankbar an, je höher, desto lieber. Ich bitte nur um die Gunst, die Geschädigten um Verzeihung bitten zu dürfen. Als dann das Gericht dem höflichen und bescheidenen Brandleger eine Gefängnisstrafe von vier Monaten diktierte, dankte Gooßmann dem Gerichtshofe mit herzlichen Ausdrücken und kehrte freudestrahlend in den Kerter zurück. § Der Freispruch Therese Humberts in dem von dem Bankier Cattaui gegen sie angestrengten Verleumdungsprozesse ist, wie vorauszusehen war, glatt erjolgt. Cattaui ist in der Pariser öffentlichen Meinung ils Wucherer gebrandmarkt. Die Stimmen, die darras iber einen günstigen Ausgang für den zweiten, den großen Humbertprozeß voraussagen wollen, haben entschieden Unrecht. Der Staatsanwalt hat ausdrücklich heroorgehoben, daß die Tatsache, daß in dieser Angelegen heit den Humberts nichts vorzuwerfen gewesen sei, nichts jaran ändere, daß sie schamlose Betrüger seien. § Das Kind als Pfandobjekt. Ein seltsamer Prozeß beschäftigte jüngst das Gericht in Pittsburg( Bennsylvanien). Frau Sarah Jane Garrick verlangte ihr Kind zurück, das sie ihrer Schwägerin anvertraut hatte und das die lettere als Pfand behalten wollte, weil Frau Sarah ihr noch das Geld für mehrere Flaschen Milch schulbig war. Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß Das Kind- laut Urteil der Mutter zurückgegeben weren mußte, § Ueber die Erbschaft der„ Gipsschalten" der reichen Berliner Witme, die bekanntlich am 11. August 1897 zusammen mit ihrer Stieftochter klara von dem Schuhmacher Gönczi ermordet wurde, ist jetzt vom Berliner Kammergericht endgiltig entschieden worden. Die reiche Erbschaft wurde der Witwe Nobiling, einer Schwester der Klara Schulze, und den Kindern des verstorbenen Bruders derselben zugesprochen. Beide ermordeten Frauen hatten sich gegenseitig zu Erben eingesetzt. Die Witwe erklärte, feine Kinder zu haben, die jüngere Schulze gab an, daß ihr inniges Verhältnis zu ihrer Stiefmutter sie veranlasse, diese zu ihrer Erbin einzusetzen und ihre Geschwister u. deren Kinder von der Erbschaft auszuschließen. Die jetzt zu Erben Eingesetzten erhoben unter der Behauptung, daß die Witwe Schulze zuerst ermordet sei, ihre Berwandte sie daher beerbt habe, bei dem Pfleger der Rachlaßmaste Rechtsanwalt Holz den Anspruch auf Herausgabe des Nachlasses. Dies wurde verweigert, und barauf strengten die genannten Grben gegen den Nachlaßpfleger den Prozeß an. Das Gericht nahm an, daß die Bitme Schulze zuerst ermordet sei, und erkannte daher wie oben gemeldet. Der Anspruch eines Schornsteinfegermeisters Lug aus Ungarn, ber sich für den unehelichen Sohn der Gipsschulzen ausgab, murbe endgiltig abgewiejen ** Eine neue Religions statistik der Erde veröffentlicht Direktor H. Zeller vom H. Württ. statistischen Landesamt in der Allgemeinen Missionszeitschrift". Tanach beträgt die Summe aller Erdbewohner 1 544 510 000. Von diesen sind 534 940 000 Christen, 10 860 000 Jsraeliten, 175 290 000 Mohaminebaner und 823 420 000 Heiden. Unter letteren sind die Konfuzius- Anhänger am zahlreichsten, reichlich 300 Millionen. Auf je 1000 Menschen kommen 346 Christen, 7 Jsraeliten, 114 Muhammedaner und 533 Heiden. Es liegt nahe, diese jezigen Verhältniszahlen mit denen früherer Zeiten zu vergleichen, etwa mit denen vor 100 Jahren. Es gibt in der Tat eine Berechnung des französischen Geographen Malte- Bcun von 1810, wonach es damals 220 Millionen Christen und 5 Millionen Juben gegeben haben soll, während die ganze Erdbevölkerung auf 545 Millionen geschätzt wurde. Aber lettere Zahl ist so wenig zuverlässig, daß man feine sicheren Schlüsse daraus ziehen kann. Es darf mit Sicherheit behauptet werden, daß die Christen viel stärker wachsen, als die Anhänger der anderen Religionen. Asien, die Wiege des Menschengeschlechts, der höchft, wenn auch nicht dichtest bebölferte Erdteil, hat die bunteste Mischung der Religionen. Mehr als ein Drittel seiner Bewohner hängt der Lehre des Konfuzius an, ein Biertel sind Brahmanen, je ungefähr ein Siebentel Mohammedaner und Buddhisten, auf die übrigen Religionen zusammen entfällt nicht ganz ein Zehntel der Asiaten. In Afrifa huldigen nahezu drei Viertel der Bewohner einem rohen Polytheismus; neben ihm ist nur die Lehre Moham meds von zahlenmäßiger Bedeutung, welcher von 1000 Afrifanern nicht weniger als 229 anhängen und die nach den Angaben mancher Afrikaforscher hier noch eine namhafte Werbetraft entfaltet. Asien und Afrika bergen die Stätten der frühesten Kultur der Menschheit; ein kleines Ländchen Asiens wurde zur Geburtsstätte der chriftlichen Religion. Breiten, und wie es schien, festen Fuß hatte das Chriftentum während der ersten Jahrhunderte in Asien und Afrika gefaßt, es ist aber dort bis auf spärliche Reste zusammengesunken, und erst seit 100 bis 150 Jahren bahnt sich das Kreuz langsam und mühevoll wieder seinen Weg. Die christlichen Länder, d. h. diejenigen, in denen die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung dem Christentum angehört, sind heute Europa, Amerika und Australien mit Polynesien. Europa und Amerika beherrschen die Weltpolitit, obwohl dem Christentum, wie erwähnt, bis jetzt nur ein Drittel der Erdbewohner angehört. Aber nicht die Zahl regiert die Welt, sondern der Geist. ** * Die Zahl 13 im Jahre 1903. Die Aber gläubischen haben fein Glück mit dem Jahre 1903. Allein brei Freitage an und für sich schon Unglückstage fallen auf den 13., und wenn man die Quersumme von 1903 zusammenzählt, bekommt man die Zahl 13. Eine ganze Menge Menschen werden aus dem Grunde in diesem nichts bedeutungsvolles für ihr Leben vornehmen wollen: entweder einen Besiß laufen, noch eine Heirat schließen- oder sich zu einer Mahlzeit an den Tisch setzen, denn die Bahl 13 ist stets dabei auch wenn man ganz allein ist. Man zähle nur zusammen= 1+ 9+ 0+ 3! Aus Heffen und Dachbargebieten. *** Frankfurt a. M., 3. März. Der 37 jährige verheiratete Kellner August Runge dahier, fing mit einem Dienstmädchen ein Liebesverhältnis an, schwindelte ihm vor, er sei unverheiratet, und betrog die Vertrauensselige um ihre Ehre und ihre Ersparnisse in Höhe von 195 Mt. Die hiesige Straffammer verurteilte den Heiratsschwindler, der ein rückfälliger Verbrecher ist, zu 5 Jahren Zuchthaus und 900 Mt. Geldstrafe. Zu haben in allen Apotheken. ** Vom Main, 3. März. Der Taglöhner Diez aus * Marktbericht. Heilgersdorf verlor vor einigen Jahren ein Auge, indem| Brobenummern bei ersteren und durch den Verlag John ihm beim Holzfällen ein Splitter hineinflog, sodaß das Henry Schwerin, Berlin W. 35. Auge auslief. Jest tam er auf die ganz gleiche Weise um das 2. Auge sodaß er i Bt vollständig erblindet ist.- In Bollbach fingen die Kleider des 28 jährigen Einwohners Härder, als er sich neben den Ofen gesezt hatte, Feuer. Der Mann stürzte brennend, einer Feuersäule gleich, aus dem Hause. Auf der Straße brach er zusammen und starb nach furzer Zeit unter fürchterlichen Schmerzen. Neueste Nachrichten. Berlin, 3. März. Der„ Reichs- Anzeiger" schreibt: Personen, die nach Transvaal oder der Oranje flußfolonie zu reisen beabsichtigen, werden nachbrücklich davor gewarnt, die Ausreise anzutreten, wann sie sich nicht zuvor vergewissert haben, daß ihnen der britische Erlaubnisschein, der zum Eintritt und zum Aufenthalte daselbst, erforderlich ist, erteilt wird. Deutsche müssen zur Erlangung des Erlaubnisscheines( Permit) die Vermittlung der Kaiserlichen Konsularbehörden in Südafrika in Anspruch nehmen. Hamburg, 3. März. Dem„ Hamb. Corresp." zufolge hat sich heute der Verein„ Seefahrt" tonstituirt. Der Kaiser ist demselben als ordentliches Mitglied beigetreten, ebenso der Hamburgische Senat. Rotterdam, 3. März. Die ProtestversammYungen im ganzen Lande dauern fort, die Regierung verhindert jedoch die Teilnahme von Soldaten. Der große Amerikadampfer Potsdam" im hiesigen Hafen wird zur Aufnahme von 800 Soldaten hergerichtet. " Brüssel, 3. März. Die Königin Witwe von Sachsen ist hier eingetroffen. Mailand, 3. März. Der deutsche Kronprinz ist mit dem Prinzen Eitel Friedrich heute Mittag nach Brindisi abgereist. Paris, 3. März. Senat. Der von der Deputirtentammer bereits genehmigte Gefeßentwurf, nach welchem die Pensionen der Witwen und Waisen von Beamten, welche bei der Katastrophe von Martinique ihr Leben eingebüßt haben, erhöht werden sollen, wird abgelehnt. Das Haus beschließt, daß diesen Witwen und Waisen nur die gewöhnliche Bension gewährt werden soll. Grünberg. Auf dem letzten hiesigen Fruchtmarkte wurden verkauft: Weizen 15.02-15.80 Mt., Korn 13.00 bis 00.00 Mt., Gerste 13.50-00.00 Mt., Safer 00.00 bis 00.00 Mt., Erbsen 18.50-00.00 Mt., Linsen 00.00 Mt.,. Samen 00.00 Mt., Kartoffeln 0.00-0.00 Rt. Heu und Stroh. Notierung vom Heu- und Strohmarkt zu Frankfurt a. M., 3. März.( Für 50 Kilo loco Frankfurt.) Seu Mt. 3.00-3.50. Roggenstroh Mr. 240. Holzversteigerungen. Cberförstere: Homberg. Mittwoch, den 11. März vormittags 9 Uhr. Zusammenkunft am Köhlersberg oberhalb Haarhausen. Nähere Auskunft durch den Forftwart Bayerer zu Gontershausen. Freitag, den 13. März, vormittags 9 Uhr. Busammenkunft auf der Straße Deckenbach- Schadenbach am Pflanz garten. Oberförsterei Burg- Gemünden. Dienstag, den 10. März, vormittags 9 Uhr werden in dem Saale bei Gastwirt Söbler in Nieder- Gemünden( am Bahnhof) aus den Distriften Pfingstweide und Lichter. wald der Forstwartei Bernsfeld, Obergemünderob der Forstwartei Elpenrod und Eichwäldchen der Forstwartei Hainbach versteigert: 367 Stück Eichenftämme von 16-71 Ctm. Durchmesser und 3-15 Mtr. Länge 368,80 Fstm. = Die Forstwarte Nahrgang zu Hainbach, Jäger zu Elpenrod und Schaaf zu Bernsfeld zeigen das Holz auf Verlangen vor. - - - Oberförsterei Windhausen. I am Freitag, den 6. März, vorm. 10 Uhr im Saale des Wirts Wenzel zu Ober- Breidenbach aus den Distrikten Redsberg, Leidenberg, Buchhölzerberg, Mauer, Ziliarhaid und Haideloh der Forstwartei Windhausen: 58 Eichen 22,85, 12 Fichten 15,45, 11 Riefern 5,77, 29 Buchen 23,81 Festm. alles ohne Rinde gemessen. Scheiter: Buchen 911; Knüppel: Buchen 166, Eichen 32, Nadelholz 51, Erle- Aspen 13; Reifig: Buchen- Stammreiser( in Mauer) 370, Aftreiser 358, Eschen 122, Nadel in Schichten 87, Kurze 84; Stöde: Buchen 36( dabei in Haideloh 10 Nm. fein zerkleinert), Eichen 8, Nadelholz 51( dabei 45 alte in Biliarhaid). Petersburg, 3. März. Finanzminister Witte überreichte dem Kaiser den Bericht über seine Reise nach dem fernen Osten. Er spricht die Ueberzeugung aus, daß der Betrieb der chinesischen Ostbahn nach einem Jahr regelmäßig funktionieren fönne. Die Eröffnung der Bahn II. ist für den 1. Juli d. J. in Aussicht genommen.- Der regelmäßige Verkehr zwischen Port Arthur und den Stationen der sibirischen Linie ist eröffnet worden. Litterarisches. Wie kann man reich werden? Das ist eine bedeutsame Frage, die Tausende und Abertausende beschäftigt. Nun denn, vor allem ist dazu ein gediegenes Wissen nötig, reiche Kenntnisse befähigen erst den Menschen, aus allen Lebenslagen Rußen zu ziehen. Daher stammt auch der nie dagewesene Erfolg des Familienjournals„ Mode und Haus", Verlag von John Henry Schwerin, Berlin W. 35, weil dasselbe seine zahlreichen Leser in alle Gebiete des Lebens und des Wissens einführt und ihnen so spielend die nötigen Kenntnisse beibringt. Besonders findet man hier alles, was Hauswirtschaft und Familie betrifft. Das Journal kostet trotz seines reichen Inhalts pro Quartal nur Mt. 1, mit Moden- resp. Handarbeiten- Colorits Mt. 1.25 Abonnements bei allen Buchhandlungen und Postanstalten. Gratisam Samstag, den 7. März, vorm. 10 Uhr im Saale des Heinrich Völzing zu Groß- Felda aus den Distrikten Hahnberg, Rotherpflühl, Holzed und Kohleichen der Forstwartei Groß- Felda: 3 Eichenstämme 1,82, 549 Fichtenstämme 72,23, 33 Fichtenderbstangen 1,91 und 29 Buchenderbstangen 1,15 Fitm. Scheiter: Buchen 113; Knüppel: Buchen 119, Eichen 6, Nadelholz 58; Reiser: Buchen- Schlagreifer 722( 710 in Kohleichen), Buchenastreiser 12, Nadelschichtreiser 29, Kurze 22; Stöcke Buchen 32, Nadelholz 16 Rm. Sämtliches Holz von beiden Versteigerungen( Diftr. Hahnberg ausgenommen) sigt in der Nähe chaussierter Straßen und ist nach allen Richtungen hin gut abzufahren. Nur das Holz, dessen Nummern blau unterstrichen sind, wird versteigert. Um vorherige gefällige Einsicht wird gebeten. Nähere Auskunft erteilen die Großh. Forstwarte Jacobi zu Windhausen und Hammel zu Schellnhausen. Druck und Verlag der Gießener Verlagsbruderet, vorm. Wilh. 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