Nr. 206, Abonnementsprete: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertelfährlich Mr. 1.50. Brattsbetlagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) Oberhoffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags. sun sie namdas.. Donnerstag, den 3. September 1903. Gießener - nod tim di 800 12. Jahrgang. Insertionsprei 8: Die einfpaltige Petitzeile für Gicken m ganz Oberhessen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfp. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. fg. Boftzeitungslifte No. 3269. Redaktion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr. 362. ini Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) omal thin dit Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Betr. Die Vergebung der Kommerzienrat Heichelheim- Stiftun", not bou Aus obengenannter Stiftung haben am 1. November I. Js. 1304 Mark zur Verteilung zu gelangen. Nach § 3 der Stiftungsurkunde können zur Bewerbung um die Gaben nur zugelassen werden: a) Personen, welche während des Feldzuges 1870/71 im Militärverhältnis gestanden haben. b) Frauen u. Kinder solcher Personen, vorausgesetzt, daß diese sub a und b bezeichneten Bewerber einer derartigen Unterstützung bedürftig und würdig sind und daß dieselben von der Zeit der Bewerbung rückwärts gerechnet mindestens zwei Jahre in Gießen ununterbrochen gewohnt haben. Die Bewerber werden hierdurch aufgefordert, sich bis zum 30. Sptember 1. J. bei der Großh. Bürgermeisterei Gießen schriftlich oder zu Protokoll anzumelden und ihre Qualifikation zum Bezuge der Unterstützung näher zu begründen und zu belegen. Gießen, den 31. August 1903. Der Oberbürgermeister. J. V. Curschmann. Bekanntmachung. Die unterm 14. Juli 1903 angeordnete Sperre der Sandgasse, zwischen Marktstraße und der Straße„ In Löbers Hof" wird hiermit aufgehoben. Gießen, 2. September 1903. Großh. Polizeiant Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Betr. Die ärztliche Behandlung der Stadtarmen. Herr Privatdozent Dr. Bolhard ist vom 2. bis 27. September 1903 verreist. Meldungen von Stadtarmen sind an die medizinische Klinit während genannter Zeit zu richten. Gießen, den 2. September 1903. Armenamt Gießen. Warum Herr v. Witte befördert' wurde. Intimes vom Zarenhof.- Die wahren Ursachen des überraschenden Rücktritts Herrn v. Wittes schildert eine Zuschrift, die uns von einem seit Jahren in Petersburg ansässigen und mit den dortigen Hoffreisen in enger Fühlung stehenden Deutschen zugeht. Wir entnehmen der Hochinteressanten Darstellung das folgende: mm thi Ganz Rußland steht noch immer unter dem Banne der Ueberraschung, die der jähe Sturz des heimlichen Reichsregenten, des allmächtigen Herrn v. Witte uns gebracht hat. Man sucht nach den Gründen, die zu dieser plötzlichen Abdankung des Ministers geführt haben könnten. Nur wenige, in die Geheimnisse des russischen Hoflebens eingeweihte Persönlichkeiten haben von den wahren Ursachen der Verabschiedung Wittes wirkliche Kenntnis. Und diese Ursachen sind so seltsam und andererseits so bezeichnend für die Zustände, die in der russischen Gesellschaft seit der Thronbesteigung Nikolaus II. herrschen, daß es publizistische Pflicht ist, sie zu beleuchten. Herr v. Witte ist unglaublich, aber wahr!- ein Opfer des Spiritismus geworden, dessen gläubigster Adept am russischen Hofe kein Geringerer ist, als der Herrscher aller Reußen selbst. Es ist richtig, Witte fick durch eine politische Intrigue, die sein gefährlichster Widersacher, der Minister des Innern v. Plehwe, eingefädelt hatte; aber das Mittel, dessen sich diese Intrigue bediente, um den zu machtig gewordenen und persönlich unbeliebten Minister zu Fall zu bringen, war ein Trick aus der vierten Dimension. Der russische Hof war seit scher ein beliebter Tummelplatz dunkler Existenzen; verwegene Abenteurer haben mehr als einmal mit Gauflerfünsten und Taschenspielerkunststückchen bestimmenden Einfluß auf die Geschicke des Zarenreiches geübt. Das ist russische Tradition scit Potemkins Tagen. Man weiß, wie Cagliostro, der größte Charlatan und Betrüger seines Jahrhunderts, den Urgroßvater des jetzigen Zaren mit spiritistischen und anderen Gaufeleien narrte, man weiß, welchen Einfluß die famose Frau v. Krüdener mit Hilfe ähn licher Mittelchen auf den ersten Alerander gewann, man weiß, wie diese Abenteurer nach ihrem Belieben und zu ihrem Vorteil in die Politik Rußlands eingrissen. Wer hätte gedacht, daß am Beginn des 20. Jahrhunderts, in einer Epoche, wo eine fluge, geistesfrische deutsche Fürstentochter den Thron Rußlands ziert, der Humbug und Unfug sich wiederholen könnte, der vor hundert Jahren Alexander I. zum Gespött der ganzen Welt machte? Und doch treibt man's jezt eher ärger, als dazumal. Von Alexander III. weiß die Welt, daß er eine ausgeprägte Abneigung gegen seinen ältesten Sohn und Erben empfand, eine Abneigung, die um so unerklärlicher schien, als Alexander ein starkes Familiengefühl besaß. Wer in das Hofleben einen Blick tun konnte, sah den Grund dieser Abneigung freilich bald ein: Alexander, der ernſte, flar und scharf denkende Kopf, der fest umgrenzte Charakter, jah in seinem Erstgeborenen eine träumerische, mystisch veranlagte, weichmütige Natur, einen verschwonumenen Charakter, der der Spielball jener hösischen Ränte werden mußte, die Aleranders eiserne Faust unterdrückt hatte. Init So ist es denn auch gekommen: Trotz aller Anstrengungen der Zariza, ihren Gemahl vor der Umgarnung durch unlautere Hofelemente zu retten, ist Nikolaus II. ihnen verfallen. Wenig drang darüber in die Außenwelt. Aber als der Zar vor etwa Jahresfrist einen französischen Spiritisten an sein Hoflager in Livadia kommen ließ, da wurde es aller Welt klar, daß der Selbstherrscher aller Neußen in Wahrheit unter der Herrschaft strebsamer Krcaturen stand, die um den Thron lungerten. Der Zarin gelang es noch, den französischen Schwindler zu entfernen, nicht vermöge ihres Einflusses, sondern weil er auch denen, die ihn als Werkzeug benugt hatten, allmählich unbequem wurde. Aber wenn der Spiritist auch ging, der Spiritismus blieb. Immer neue Seancen" wurden abgehalten, immer tiefer geriet der Zar in den Bann derer, die seine Schwäche ausbeuteten. Eine vielleicht hätte dies Gewebe von Lug und Trug zerreißen fönnen: die Zarin- Mutter. Sie sah wohl, daß das, was ihrem Sohne in diesen Scancen vorgegaufelt wurde, eitel Humbug und fauler Zauber war. Aber das Unglück wollte es, daß sie selbst überzeugte Spiritistin ist, und nach Art so vieler gläubiger Spiritisten ließ sie die Schwindler ruhig gewähren, um nicht durch Aufdeckung des Schwindels den Spiritismus als solchen, der ihr Herzenssache war, zu diskreditieren. Da trat Herr v. Plehwe auf den Plan. Ein verschlagener Mann, rücksichts- und skrupellos in der Wahl seiner Mittel, beschloß er, des Zaren spiritistische Neigungen sich dienstbar zu machen. Und die erste Probe aufs Erempel, die er machte, war, daß er die Klopfgeister anwies, den ihm überlegenen und darum unbequemen Herrn Witte zu stürzen. Die Bewohner der vierten Dimension haben diesen Auftrag denn auch prompt gefingert, und über Nacht war Herr v. Witte ein abgetaner Mann. Dem gestürzten Gewaltigen ist das, was man sich in Hoffreisen über diesen Hergang seiner Abdankung zuraunte, selbstverständlich nicht lange fremd geblieben. Und da er offenbar keine Lust hat, sich diese Kaltſtellung ruhig bieten zu lassen, dürfte er seinerseits durch Vermittelung guter Freunde oder, was dasselbe ist, der Neider Plehwes ein Bündnis mit den Medibumseln aus der vierten Dimension schließen, das ihm erlaubt, nicht nur Herrn Plehwe Gleiches mit Bleichem zu vergelten, sondern sich selbst auch wieder in der Sattel zu bringen! Und so weiter mit Grazie in infinitum! Blückliches Rußland! Ein neues Attentat der bulgarifchen Dynamitarden. hai unweit der Küstenstadt Mosembrija drei ungarische Dampfer vernichtet und 25 Tote gefordert. Aus Sofia wird dazu gemeldet: Auf den von Varna kommenden Dampfern Waschkapu",„ Anfelentsch“ und„ Eisernes Tor", die einer ungarischen Aktiengesellschaft gehören, entstand in früher Morgenstunde nicht weit von Mesembrija entfernt Feuer. Die Schiffe wurden auf eine Sandbank getrieben. Alle drei Kapitäne, sechs Matrosen und 19 Passagiere wurden getötet; die Unglücklichen sind verbrannt oder ertrunken. Wenn auch von einer Seite die Schuld an dem Unglück auf eine Kesselerplosion geschoben wird, so liegt doch ohne Zweifel ein Dynamitanschlag zu Grunde. Ist doch die Stimmung in Bulgarien ungemein friegerisch, wenn auch von den leitenden Persönlichkeiten noch immer Bulgariens Absicht geleugnet wird, mit der Türkei anzubinden. Der bulgarische Agent Zolotowitsch erklärte in einem Interwiew, das er einem französischen Journalisten gewährte, daß diese Haltung der offiziellen Kreise seinen guten Grund habe. Wir sind ebenso wie die Türken sagte er regelrecht in Kenntnis gesezt, daß, welches immer auch der Ausgang des Kampfes wäre, weder die Türkei noch Bulgarien aus einem Siege irgend welchen materiellen oder territorialen Vorteil ernten würden. Desterreich- Ungarn und Rußland haben uns in diesem Sinne ihre Winke zugehen lassen. Fürst Ferdinand wird keine Anstrengung unterlassen, um den Frieden in Bulgarien aufrecht zu erhalten, aber er bedarf auch der Unterstützung der Mächte. Zolotowitsch leugnete energisch, daß Fürst Ferdinand daran denke, abzudanken. Er sei in der Armee populär und im Volte nicht unbeliebt. Schlimmstenfalls müsse er aber einen Teil seiner Popularität opfern, um den Türkenhaß seines Volkes in die richtigen Schranken zu weisen. Ob dies dem Fürsten gelingen wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Es gärt im ganzen Lande. Fast jeden Taa kommt es au Demonstrationen gegen die Moslims. Den Banden strömen Tausende von kräftigen Kriegern zu. In Sarigheul und in anderen benachbarten Dörfern zeigt sich als Bandenführerrin eine bulgarische Lehrerin, die zahlreiche Anhänger um sich sammelt. Wenn die Heldenjungfrau", wie man sie nennt, den heiligen Krieg predigt, segnen sie die Frauen und die waffenfähige Mannschaft folgt ihr in die Berge. Die Bahnlinien sind weiter bedroht, wenn auch bisher kein Attentat wieder geglückt ist. In Belgrad war das Gerücht verbreitet, Adrianopel stehe in Flammen.(?) Der Direktion der Wiener Orientbahnen ist bisher nichts davon bekannt. Ein Wunder wäre es nicht, wenn sich die Nachricht bewahrheitete. Streifen doch Banden sogar schon in der Nähe von Konstantinopel. Die Politik. * Die„ Nordd. Allg. 3tg." bringt in ihrer Ausgabe von gestern( Mittwoch) Abend einen langen Bericht über die Finanzlage des Reiches unter der Ueberschrift Die Ergebnisse des Reichshaushalts für das Rechnungsjahr 1902". Aus dem Bericht geht hervor, daß dieses Rechnungsjahr mit einem Defizit von mehr als dreißig Millionen Mark abschließt. Judo Eine verdiente Ehrung ist zwei verdienten Männern zuteil geworden. Wie der Reichsanzeiger" meldet, sind die Generalobersten mit dem Range als Generalfeldmarschall v. Hahnke in Berlin und Graf v. Haeseler in Harmecop aus Allerhöchstem Vertrauen zu Mitgliedern des Herrenhauses auf Lebenszeit berufen worden. An Stuttgart ist ein internationaler Mittelstandskongres zusammengetreten, der die Gründung einer Vereinigung für das Studium der Mittelstandsfrage bezweckt. Von nichtdeutschen Staaten sind vertreten Belgien, Frankreich, Holland, Desterreich und Rußland. Die Versammlung, die im Auftrage des württembergischen Ministeriums des Innern bon dem Ministerialdirektor v. Mosthaf begrüßt wurde, beschloß die Gründung einer internationalen Vereinigung, in welcher jedoch die Behandlung konfessioneller und politischer Fragen ausgeschlossen bleiben soll, sowie die Errichtung eines ständigen Sekretariats in Brüssel. Der Vorsitz im Zentralausschuß wurde für die nächsten drei Jahre Deutschland übertragen, dann soll er an Desterreich übergehen. Unser Berliner prc. Mitarbeiter schreibt uns: Die Erhebungen der Berliner Kriminalpolizei haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Behauptungen des konservativen Wahlkomitees im 2. Wahlkreis, es seien bei der Reichstagswahl am 16. Juni Wahlschiebungen in größerem Umfang vorgekommen, irrig ist. Demgemäß sind denn auch der Berliner Staatsanwaltschaft Strafanzeigen seitens der Polizei nicht zugegangen. Erneute Beispiele von den Absonderungsbestrebungen der Polen werden jetzt von ostdeutschen Blättern gebracht. Die Bestrebungen sollen jetzt auch die Aerzte ergriffen haben, In einer Versammlung polnischer Aerzte in Posen wurde die Gründung eines polnischen Aerzteverbandes angeregt. Auf Veranlassung einiger besonnener älteren Aerzte ist zwar der Anregung feine Folge gegeben worden, allein es ist sehr wahrscheinlich, daß die Gründung trotzdem erfolgen wird, denn es sollen bereits 150 Beitrittserklärungn abgegeben worden sein. + Das Schiedsgericht zur Entscheidung der venezolanischen Streitfrage hat im Haag seine erste Sigung abgehalten. Der zum Schiedsrichter ernannte russische Justizminister Murawiem erklärte vorweg, daß er der einzig anwesende Schiedsrichter sei, daß er aber gern die Ausführungen der beteiligten Delegierten vernehmen werde. Darauf schlug der englische Vertreter vor, daß der Gerichtshof seine Sitzungen vertage, obgleich er gegen eine sofortige Aufnahme der Verhandlungen nichts einzuwenden habe. Mc. Veigh erwiderte im Namen Venezuelas, daß er in eine derartige Fortsetzung des Verfahrens nicht einwilligen könne, da das Schiedsgericht nicht aus den im Protokoll vorgesehenen drei Schiedsrichtern zusammengesetzt sei. Niemand habe durch das Protokoll das Recht erhalten, das Verfahren in irgend einem Bunfte umzugestalten oder abzuändern. Der Schiedsrichter Muramiem erklärte darauf, das Schiedsgericht ſei nicht ordnungsmäßig zusammengesezt und die Sizung nicht offiziell, Der Vertreter Frankreichs ersuchte um Protokollierung der Verhandlungen. Mc. Veigh widersette sich dem Verlangen aus den oben von ihm angeführten Gründen, erklärte aber, der Generalsekretär des ständigen Schiedsgerichtshofes sei vollständig kompetent zur Abfassung eines nicht offiziellen Protokolls. Der Schiedsrichter Murawiew vertagte hierauf die Situng. Bei dieser Haltung des venezo= lanischen Vertreters wird wahrscheinlich das Schiedsgericht wie das Hornberger Schießen verlaufen. Präsident Loubet geht nach Rom. Ein katholisches Pariser Blatt will aus zur rlässiger Quelle erfahren haben, daß die Reise Loubets Ende Februar des nächsten Jahres stattfinden werde. Es unterliege feinen Zweifel, daß der Papst den Präsidenten empfangen werde. Das führende englische Regierungsorgan, die„ Times", begann aeſtern eine Reihe von Artikeln. in denen die Ver. " Samowar"," Sum"," 3wiebad" mit einiger Mühe zu ergarniert, murmelte einige debote Säge, aus denen die Worte raten waren. nod bietet meine Börse die reelle Unterlage für ein Leben jener teuren Städte." Ihre Mutter, Madame Murenin, weilt mit Vorliebe inverdorbenes Herz empfand, wallte als warme Teilnahme and drückte sie heftig. Alle Menschenliebe, die sein junges, Murenin hatte schnell die Hand des Sprechers ergriffen Bottkoffs renins, die, ein Urbild harmonischer, physischer Kraft, fid Augen maßen ruhig die gewaltige Gestalt Mu gerichtet Coin Stopf ichien ichnell hältnisse der deutschen Industrie im Vergleich mit den industriellen Verhältnissen in England und Amerika behandelt werden. Es ist nicht ohne symptomatische Bedeutung, daß man in England anfängt, der Entwickelung unserer Industrie Aufmerksamkeit zuzuwenden. Vermutlich soll die Artikelserie des Blattes Einfluß auf die Schutzzollpläne Chamberlains ausüben. Der Kaiser der Sahara", Jacques Lebaudy, macht fortgesetzt Reklame für sein Reich". An den französischen Senator Bayol hat er einen Brief geschrieben, in dem er von der Fruchtbarkeit der von ihm besuchten Küste spricht und versichert, er werde einen Haufen bauen, der den Ausgangspunkt einer Straße nach Timbuktu bilden solle. Das Streben der Amerikaner, auf alle überseeischen Produkte ihre Hand zu legen, hat eine neue Blüte gezeitigt. Nach einem Telegramm aus Rio de Janeiro ist ein amerikanisches Syndikat im Begriff, den gesamten Vorrat von brasilianischem Kaiser zu 10 000 Reis pro Arroba anzukaufen. Aus dem Gerichtsfaal. § Ein Franzose wegen Beleidigung des deutschen Kaisers vor Gericht. Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich ein Franzose vor der Straffammer zu Kolmar im Elsaß zu verantworten. Der Angeklagte besuchte Ende Juli cr. mit einem Landsmann eine Wirtschaft in Oberbergheim, in der ein Bild Kaiser Wilhelms an der Wand hing. Mit Bezug darauf ließ er sich zu unflätigen Aeußerungen gegen den Kaiser hinreißen, weshalb seine sofortige Berhaftung er folgte. Im Gefängnis unternahm er einen vergeblichen Fluchtversuch, indem er mit einem Schemelbeine die Mauer zu durchbrechen suchte. Die Straffammer verurteilte jetzt den heißblütigen Franzmann zu vier Monaten Gefängnis. Nab und Fern. Schwester ausgab. Die Gräfin und ihre Mitschuldigen wurden verhaftet. Therese Humbert unzurechnungsfähig. Wie es vorauszusehen war, so ist es jetzt wirklich gekommen: Französische Spezialisten erklären Therese Humbert für geistig anormal und eine erblich belastete, durchaus hysterische Person. Nach ihnen gehört Therese in die Kategorie jener Unzurechnungsfähigen, die vor Gerichten falsche Zeugenaussagen abgeben, ohne hierfür irgend welche Veranlassung zu haben. Bei den Hysterischen ist das Bedürfnis, zu lügen, so groß, daß sie sich zumeist selbst etwas vorlügen und so nach und nach durch eine Autosuggestion an die Wahrheit dessen glauben, was sie sich unbewußt vorgelogen haben. Das Anstoßen mit der Zunge beim Sprechen sei ein höchst charakteristisches Merkmal, das bei sehr vielen Hysterischen beobachtet werde. Frédéric Humbert ist, wie aus Paris weiter berichtet wird, mit den beiden Daurignacs zusammen in die Musterstrafanstalt Fresnes übergeführt worden. Er ist vollkommen gebrochen und hüllt sich in Schweigen. Den Verurteilten wurde es nicht gestattet, vor ihrer Ueberführung von Therese, die im Laufe dieser Woche nach dem Frauengefängnisse SaintLazare gebracht werden soll, Abschied zu nehmen. Die drei Männer werden in Fresnes zum Adressenschreiben auf Papierschleifen angehalten werden, wofür sie den fünften Teil des Erlöses, d. h. dreißig Centimes für tausend Adressen, erhalten. Die Kaiserparade des sächsischen Armeekorps im Verein mit der Kaalleriedivision B fand bei günstigem Wetter auf dem Truppenübungsplatz bei Zeithain unter dem Kommando des Kronprinzen von Sachsen statt. Der Kaiser, der König von Sachsen und die übrigen in Dresden weilenden Firstlichkeiten, Prinzessin Johann Georg und die Großherzogin von Sachsen- Weimar trafen mit einem Sonderzuge ein. Nach dem Abreiten der Fronten der Truppen, die in zwei Treffen aufgestellt waren, begann der Vorbeimarsch, währenddessen der Kaiser und König Georg vor der Zuschauertribüne Aufstellung nahmen. Der erste Borbeimarsch fand in Kompagniefront bezw. in Eskadron- und Batteriefront statt. Hierbei führte der König von Sachsen das Grenadierregiment Nr. 100, das Schüßenregiment 108, das Gardereiterregiment und das 12. Feldartillerieregiment vor. Der Kaiser führte das Grenadierregiment Nr. 101 und das Leibfürassierregiment vor. Um 12 Uhr begann der zweite Vorbeimarsch, welcher in Regimentskolonnen bezw. in Eskadron- und Abteilungsfront ausgeführt wurde. Am Paradeplatz hatten Kriegenvereine Aufstellung genommen. Das Publikum bereitete dem Kaiser und dem König sehr lebhafte Ovationen. Die an der Parade teilnehmenden preußischen Kavallerieregimenter wurden lebhaft beklatscht. Die Kaymaninseln durch einen Orkan verwüstet. Die in der Nähe von Jamaika belegene Gruppe der Kaymaninseln ist durch denselben Orkan, der kürzlich Jamaika heimsuchte, ebenfalls arg verwüstet worden. Wie jetzt bekannt wird, kamen bei dem Wirbelsturm über 100 Personen um, während die Zahl der Verwundeten noch größer ist. 23 Schiffe strandeten, und 52 Seeleute ertranten. 2 von der tellung am bem Linie * D * gegeben au madurig, in Mainz Anschlußbal Buberuefche Bahnhof zu * No neue Ober in den G Schrey fr furt a. M * 2 * bracht wur hain, be eines Roll * Di firche in fondern bor * Ar einen fleinen A gs oder Schmerzenschret hören und dreht und windet sich nach allen Seiten; dabei jammert und stöhnt sie immer lauter. Die anderen Passagiere blicken, obwohl sie selbst genug zu leiden haben, mit allen Zeichen des Mitleids und der Teilnahme auf die Aermste, die mehr leidet als sie alle. Da nähert sich dem Opfer der Seekrankheit plötzlich ein Passagier und sagt höflich: Gnädige Frau, ich sehe, daß Sie furchtbar leiden. Bitte, nehmen Sie doch eine bon meinen Pastillen. Sie werden sehen, daß es gut ist." Die Dame zögert, der Herr aber reicht ihr freundlich eine Art Bonbonniere hin und fährt fort: Nehmen Sie nur, ich bin der Erfinder dieser Pastillen und gehe jetzt nach England, um sie zu lancieren. Versuchen Sie einige, und Sie werden sich bald wohler fühlen." Schüchtern steckt die Dame ihr Händchen in die Bonbonniere und nimmt zwei oder drei Pastillen. Nach einigen Sekunden schon ruft sie aus: ,, Wunderbar, ganz wunderbar! Ich bin wieder gesund!" Die anderen Passagiere umringen sie und betrachten staunend das Wunder. Ich habe einen Wolfshunger!" sagt die Dame weiter und nimmt einem vorbeieilenden Kellner einen ganzen Haufen belegter Brötchen ab, die sie gierig verschlingt. Und mit wachsendem Staunen sehen's die andern und bitten den Erfinder, ihnen für Geld und gute Worte einige Schachteln Pastillen abzulassen. Er sträubt sich nicht lange, holt aus seinem Koffer einen ganzen Haufen Schachteln, und im Nu sind hundert abgesetzt. Sie sind etwas teuer: 10 Francs die Schachtel- aber was sind 10 Francs, wenn man sich die Seekrankheit vom Halse schaffen kann! Inzwischen ist das Schiff in Dover angekommen, und alle Passagiere gehen nach und nach an Land, um den Zug nach London zu erreichen. Nur zwei bleiben in Dover zurück: die von der Seekrankheit befreite Dame und der Erfinder der Pastillen. Sie rechnen nach, was sie während der Ueberfahrt verdient haben: 100 Schächtelchen Minze kosten im Einkauf 15 Francs( die Schachtel zu 15 Centimes gerechnet); verkauft wurden sie für 1000 Francs, so daß ein Gewinn von 985 Francs bleibt. Davon gehen noch ab 110 Francs für zwei Schiffsfarten( 1. Kajüte und Verpflegung); Reinverdienst also 875 Franken! Das ist ein Geschäft! Man muß nämlich wissen, daß der Erfinder" und seine Patientin Mann und Frau sind, die die„ Seekrankheit" als Geschäft betreiben. ** Die Georgine, die jetzt ihre Blütenpracht in unseren Gärten entfaltet, kann in diesem Jahre ihr hundertjähriges Ju läum als deutsche Landsmännin feiern: 1803 führte Alerander v. Humboldt zum erstenmal Samen und Knollen der aus Merito stammenden Pflanze bei uns ein. Ursprünglich war die Georgine eine etwa anderthalb Meter hohe Pflanze mit großen roten oder lilafarbenen Scheibenblüten, aber wie kaum eine andere Pflanze verändert sie sich unter neuen klimatischen Verhältnissen und besonderen Kulturbedingungen. Wenn man den Samen einer und derselben Samenkapsel aussät, so gehen aus ihm oft ganz verschieden geformte und gefärbte Blumen hervor. So wurden in unseren Gärten mehrere tausend Spielarten gezogen. In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts herrschte in Europa sogar eine Georginenmanie. Für neue seltene Varietäten wurden oft Preise von mehreren hunderten und tausenden Mark bezahlt und in Paris kaufte ein Blumenliebhaber im Jahre 1838 ein Georginenbeet für die Summe bon 70 000 Mark. Damals schwärmte man für die gefüllten Sorten. Allmählich wurde aber die Georgine den Blumenfreunden langweilig; sie war ihnen zu steif und paßte nicht für die Gärten, die nach einer neuen Geschmackrichtung mit Blumenparterren geschmückt wurden oder mehr einen landschaftlichen Charakter erhielten. Aber die„ Veränderliche" sollte sich auch den Anforderungen der Modernen anpassen. Man ließ die gefüllten Georginen mehr und mehr fallen und wandte sich der Zucht einfach blühender Sorten zu, die man unter der neu klingenden Bezeichnung Dahlie segeln ließ. Eine Modepflanze war die Georgine, eine Modeblume ist die Dahlie, und sie wird sich nicht so leicht aus unseren Garten verdrängen lassen, denn dank ihrer Veränderlichkeit kann sie sich verschiedensten Moderichtungen anpassen. Die Eröffnung des 1. Deutschen Städtetages in Dresden wurde gestern durch den Oberbürgermeister Beutler voll. zogen, nachdem vorher im Festsaale der Halle der Städteausstellung ein Begrüßungsabend stattgefunden hatte. Vertreten sind 159 Städte durch Oberbürgermeister und Bürgermeister. Oberbürgermeister Beutler hieß die Herren willkommen und betonie die hohe Bedeutung des Tages für die Städtekultur. Er wünscht, daß er eine dauernde Einrichtung bleiben möge, um fortgesetzt städtische Interessen zu vertreten. Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und den König von Sachsen, an die beide Huldigungstelegramine gesandt wurden. Zum Vorstand des Städtetages wurde der Berliner Oberbürgermeister Kirschner gewählt. Im Auftrage der Regierung hieß Staatsminister v. Metzsch den Städtetag willkommen. Als 1. Punkt stand auf der Tagesordnung: Die soziale Aufgabe der Städte". Dazu hielt Oberbürgermeister Adickes- Frankfurt a. M. einen zweistündigen Vortrag, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. * Schließung der Spielbank in Altenberg. Die neuerrichtete Spielbank in Altenberg ist jetzt auf behördliche An ordnung geschlossen worden. Das war zu erwarten. Schon in den letzten Tagen erhielt sie täglich den Besuch der Ortspolizei. Völliger Wassermangel in Mek hat die dortige Einwohnerschaft und die Garnison in nicht geringe Verlegenheit gebracht. Infolge vorgenommener Ausschachtungsarbeiten wurden die Bouillon- Quellen, welche die Gorzer Wasserleitung speisen, abgestellt, und plötzlich war in ganz Metz kaum ein Tropfen Wasser vorhanden. Durch eine interimistische Holzleitung denkt man der Kalamität abzuhelfen. Der frühere Burenkommandant Louis Botha wird am Mittwoch nächster Woche in Wiesbaden eintreffen, um daselbst einen längeren Kuraufenthalt zu nehmen. Zu gleichem Zweck weilt dort seit einiger Zeit die Schwester des tapferen Führers. Botha gedenkt, Mitte des Monats u. a. einen Abstecher nach Berlin zu unternehmen. ** Für die Behandlung der Briefe und Postkarten stellt das Reichspostamt in einer Bekanntmachung folgende Grundsätze auf: Im Interesse einer schnellen Anfarbeitung durch Sortieren, Stempeln u. s. w. der Briefsendungen, ist es von großem Werte, wenn das Publikum den Beamten etwas zur Hilfe kommt. Dazu gehört vor allen Dingen, daß möglichst normal große Briefumschläge zur Verwendung gelangen. Ein ferneres Haupterfordernis ist, daß die Briefmarke stets in die rechte obere Ecke des Briefumschlages geklebt wird. Sind mehrere Marken zu verwenden, so müssen sie nicht untereinander, sondern nebeneinander aufgeklebt werden, damit bei der Verwendung von Stempelmaschinen alle Marken auf einmal entwertet werden, denn im anderen Falle muß eine nochmalige Durchfortierung und Nachstempelung erfolgen, oft auf Kosten der schnellen Abfertigung. Vom Posten erschossen wurde nachts der Sergeant Gerife von der 10. Kompagnie des Inf. Regts. 30 am Eingange nach dem Fort Choisy bei Saarlouis. Gerike wollte sich mit einem Mädchen nach dem Fortgelände begeben und beachtete den dreimaligen Anruf des Postens nicht, worauf dieser instruktionsgemäß von der Schießwaffe Gebrauch machte. Die Kugel drang dem Sergeanten in den Unterleib, so daß er nach zwei Stunden starb. Er soll vor seinem Tode die Erklärung abgegeben haben, daß der Posten nur seine Pflicht tat und ihn allein die Schuld treffe. Die geprellten Seekranken. Vermischtes. [ Ein Buch für 200 000 Mark] läßt der Stat Missouri für die Weltausstellung in St. Louis 1904 he ellen, um es dort in 300 000 Exemplaren an die het cragendsten Besucher der Ausstellung gratis zu verteilen. Das„ Missouribuch" hat mit der Reklame nichts zu tun, es wird nicht eine Beile Inserate enthe' ten. Es wird von der Staatsbehörde berteilt, um richtige Ansicht über die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des States Missouri zu verbreiten. Es enthält fünf- bis sechshundert Druckseiten, denen viele Bilder und Karten beigegeben sind. [ Wie Papst Pins Aemter verteilt.] Eine charakteristische Anekdote von Papst Pius X. wissen römische Blätter zu berichten. Der Pfarrer des Kirchspiels Castello in Venedig wurde telegraphisch nach Nom berufen. Der Pfarrer begab sich nach seiner Ankunft in den Vatikan und wurde von Pius X. empfangen. Inmitten der Unterhaltung sagte der heilige Vater plövlich:" Du weißt, daß ich dich am nächsten Sonntag zum Bischof weihen lassen werde." Der brave Pfarrer sprang auf und stammelte:„ Aber, heiliger Vater, ich habe nur meine Soutane als Pfarrer bei mir und... bin nicht vorbereitet."" Sorge dich nicht darum. Ich werde für das Nötige Rat schaffen." Dann flingelte er nach seinem Kämmerer Mgr. Bisleti und gab ihm folgenden Auftrag: ,, Sie werden für den Herrn Pfarrer hier ein Bischofsgewand anfertigen lassen, für alle Kosten der Aufnahme und Weihe Sorge tragen und mir die Rechnung vorlegen." Cavallari bezog als Pfarrer 100 Lire monatlich und unterstützte damit noch viele Arme. Pius X. fannte ihn, seine Barmherzigkeit und seine anderen Tugenden sehr genau, und er hat den im Verborgenen lebenden tüchtigen Mann aufgesucht, um seine Erzdiözese zu verwalten. Norbanlage Pferd eine dadurch in fahrers. wurde fei ftändig der 8 Jahre a zunahm, da ** 8 er nach eine am Ueberge die Eltern reifen Dbfte A[ Der automatische" Wanderer.] Ueber einen mertwürdigen Fall berichtet die Londoner ärztliche Zeitschrift„ The Lancet". Ein Patient, der dort als nervenfrank behandelt wurde, hatte mehrmals Anfälle von automatischem" Wandern gehabt. An einem Montag, morgens um 63/, Uhr, verließ er sein Haus in Kings Croß, um in Wardourstreet an die Arbeit zu gehen. Er erinnert sich, daß die Uhr am EustonHotel 6 Uhr 50 Minuten zeigte, als er vorüberging. Dann erinnert er sich an nichts mehr. Auf seiner Werkstätte kam er nicht an, und keiner seiner Freunde hat ihn gesehen. Am Sonnabend in derselben Woche ,, wachte" er um 4 Uhr nachmittags, also nach 5½ Tagen, plötzlich auf und fand sich zu seiner Bestürzung in einer fremden St St. Er befragte einen Polizisten und erfuhr, daß er sich in Le: hton Buzzard befand, wo er nie zuvor gewesen war. Er hatte heftige Kopfschmerzen, die Hacken seiner Stiefel waren abgetreten, und seine Fußsohlen waren ganz mit Blasen bedeckt. Die Kleider waren schmuzig, als wenn er am Wege geschlafen hätte. Er war nicht besonders hungrig und hatte mehrere Schillinge ausgegeben, wahrscheinlich für Nahrung; aber es war ihm noch genug Geld übrig geblieben, um mit der Eisenbahn zurückzufahren. Wie er jene fünf Tage zugebra.jt hat, daran hat er feine Erinnerung, nur eine dunkle Idee verbindet sich mit ,, Watfort"; aber er erinnert sich nicht, es besucht zu haben. Da es direkt auf dem Wege liegt, hat er es wahrscheinlich besucht. Das Reisen zur See ist in Deutschland modern geworden. Dem Beispiel unseres Kaisers folgend, der jedes Jahr eine oder mehrere I ngere Fahrten in der Ost- und Nordsee unternimmt, durchfurchen Tausende von Deutschen auf den mit allem Komfort ausgestatteten Dampfern unserer großen Schiffsgesellschaften, die man mit Recht schwimmenden Hotels vergleicht, wochenlang die blauen Meeresfluten. Körper und Geist stählen sich in der kräftigen, reinen Luft, die über die Wogen weht, und die Aerzte können nicht genug des Rühmens darüber finden, was eine solche längere Seetour bei Erholungsbedürftigen für Wunder wirkt. Und noch viel größer würde die Schar derjenigen sein, die auf den Schiffsplanfen Stärkung und Gesundung suchen, wenn nicht viele sich durch das Gespenst der Seekrankheit abschrecken ließen, gegen die bisher, wie es scheint, noch kein Kräutlein gewachsen ist. Die Qualen, die sie bereitet, sind wahre Höllenpein, und dazu kommt noch der Spott der seefesten Mitreisenden, die die Hilflosigkeit der armen Kranken zu allerhand frivolen Scherzen benutzen. Selten, daß jemand einem Seekranken, dessen Zustand, besonders wenn er nervös veranlagt ist, durchaus nicht immer leicht zu nehmen ist, wirkliches Mitleid zeigt. Daß aber diese Leidenden von beutegierigen Industrierittern noch dazu schamlos ausgebeutet werden, sollten die Schiffahrtsgesellschaften energisch verhindern, damit sich nicht Szenen abspielen, wie die folgende, die dem unbeteiligten Zuschauer allerdings ein schadenfrohes Vergnügen zu bereiten imstande ist. Ein großer Lebensversicherungsschwindel erregt gegenwärtig in Rom großes Aufsehen. Die Gräfin Bica Ubaldelli hat auf einen gefälschten Totenschein ihrer Schwester hin die Lebensversicherungsgesellschaft Mutual Life" in NewYork um 20 000 Lire betrogen und bei der Mailänder Gesellschaft„ Ancora" weitere 10 000 Lire herauszulocken versucht. In Wirklichkeit lebte aber die Schwester, die etwas beschränkt ist, bisher in einer Art Gefangenschaft bei der Schwester und wurde jezt von der Polizei entdeckt. Den Totenschein hatte sich die Gräfin dadurch verschafft, daß sie unter Mithilfe eines Arztes und eines Krantenwärters die Leiche einer im Krankenhause gestorbenen Person für die ibrer Ort der Handlung: Ein Schiff, das von Frankreich nach England fährt. Das Wetter ist sehr stürmisch, die Wogen des Meeres geh n hoch. Auf Deck sitzen und stehen die Passagiere, zum größten Teil leichenblaß, denn sie kämpfen einen heroischen Kampf gegen die Seekrankheit. Eine hübsche junge Dame sitzt allein auf einer Bank; sie scheint besonders hart ,, mitgenommen" zu sein, und man sicht ihr an, daß ihs förperliches Unbef gen noch im Wachsen begriffen ist. Von Roit 211 Reit um immer fürzeren Reitabständen läßt sie * Gi projelte M GroßfelbaDr. Gna * Projette a D am Mittw 8t. auf der in Untersu Monaten drohung, fängnis. [ Jdealer Zwed.] Unter dem vielversprechenden Titel Fröhliches Leben" hat sich in" ugsburg ein neuer Verein amtlich angemeldet und als 3ned bezeichnet Festessen zu veranstalten! Mit der offenen, rückhaltslosen Erflärung jeines idealen Zweckes ist der neue Verein vielen anderen, die schließlich auch nichts weiter beabsichtigen, auf der Bahn der Selbsterkenntnis und Wahrheit tapfer vorangegangen. [ Der erste Zuftomnibus], der auf 12 Passagiere berechnet ist, wird gegenwärtig für den Pariser Luftschiffer Santos Dumont gebaut und sol is zu dessen Rückkehr aus jeinem Heimatland Brasilien, die in etwa fünf Monaten er jolgen wird, fertiggestellt werden. Vis dieser Luftomnibus zu regelmäßigen Fahrten benutzt werden wird, dürfte indes vohl noch einige Zeit vergehen. mehr als Untersuchu Wie wir berantworte Gießen zur * 8u Einen Schwimmversuch durch) den Kanal hat der Wettschwimmer Holbein von Dover zum vierten Male unternommen. Die See war bei dem Start von Dover aus ruhig und Holbeins Freunde, die den kühnen Schwimmer auf zwei Dampfern begleiteten, zweifeln nicht, daß ihm das Wagestück gelingt. Die Mitte der Strecke hatte er in acht Stunden zurückgelegt. die Darmst flechter A Garten ein abgebrochen Monaten die Strafe * Au bandsta beutiche den 13. G daß Herr der Detaill hluß und stellen." ** Feiert Rammerg in der G ung dahin Beuge, t Sonntag und Nacht Wohnorte G dürfte b Gewerbe angefrag leuten u ihrer G deshalb, nicht bol fich daru das Gin fallende Die Han zeit dera Filt ang gewerblic Schule finden Freibura 93-117 wir nac Innang reflamier als Fabri achtet, der waltungsin Der Sandr fich die 23 lichen Be fchäftigen ent und dreht ert und ftöhnt liden, obwohl ichen des Mit ie mehr leidet Seefrankheit Sige Frau, id Sie doch eine B es gut ist." reundlich eine Sie nur, id nach England, Sie werden Die Dame ihr wei oder drei e aus:„ Wungesund!" Die n staunend das agt die Dame r einen ganzen richlingt. Und und bitten den ige Schachteln nge, holt aus , und im Nu r: 10 Francs wenn man fich Inzwischen ist affagiere gehen on zu erreichen. er Seefrankheit Sie rechnen erdient haben: 15 Francs( die uft wurden sie 1985 Francs r zwei Schiffs nverdienst also muß nämlich tin Mann und betreiben. Stat Missouri ellen, um es agendsten Be Das„ Missouriwird nicht eine Staatsbehörde schaftlichen und zu verbreiten. n, denen viele charakteristische Blätter zu be llo in Venedig Pfarrer begab ind wurde von Thung fagte der dh am nächsten Der brave figer Vater, ich rund... bin Ich werde für er nach seinem enden Auftrag: Bischofsgewand hme und Weihe en." Cavallari unterstützte da ine Barmherzig und er hat den gesucht, um seine Der einen mert Zeitschrift„,. The frank behandelt atischem" Wan m63%, Uhr, ber Bardourstreet an Uhr am Euston berging. Dann Werkstätte fam n gesehen. Am m 4 Uhr nach nd fand sich zu befragte einen Buzzard befand, Kopfschmerzen, und seine Fuße Kleider waren hätte. Er war Schillinge aus s war ihm nod fenbahn zurüc hat, daran hat erbindet sich mit esucht zu haben. wahrscheinlic rechenden Lite n neuer Bere - Jefteffen z fen Erflarung en anderen, die f der Bahn der 2 Baffagiere be ngegangen. rifer Luftschiffer en Rüdfehr aus inf Monaten er fer Luftomnibus ird, dürfte indes al hat der Wett en Male unter Dover aus ruhig Schwimmer auf daß ihm das hatte er in adht Lokales. Gießen, 3. September 1903. ** Der Großherzog wird nach einer uns soeben von der Direktion der Germania- Werft gewordenen Mittellung am 18. Sept. auf Befehl des Kaisers die Taufe an dem Linienschiff L vollziehen. * * Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 45, ausgegeben am 1. September d. J. enthält u. a. Bekanntmachung, Stiftung der Eheleute Ignaz und Franziska Krämer in Mainz betreffend. Bekanntmachung, die Anlage einer Anschlußbahn von dem in der Gemarkung Usenborn gelegenen Buderusschen Holz- und Basaltwerke Margarethental an den Bahnhof zu Hirzenhain betreffend. * Nach einer Meldung aus Frankfurt a. D. ist der neue Oberpräsident von Hessen- Nassau von Windheim in den Ehrenausschuß des Stenographenverbandes StolzeSchrey für den bevorstehenden Stenographentag in Frantfurt a. M. eingetreten. ** Verunglückt und in die Klinik Gießen gebracht wurde am Sonntag ein Bergmann von Wei cartshain, der auf der Grube bei Stockhausen beim Trücken eines Rollwagens am Samstag von der Schiene glitt und fiel. ** Die Musik gestern früh vom Turm der Stadtfirche in Gießen wurde nicht von der Feuerwehrkapelle sondern von der Bauer'schen Kapelle ausgeführt. * * Krambolage. Vorgestern morgen scheute in der Norbanlage in Gießen das von einem Burschen gerittene Pferd eines Offiziers vor einem Sprengwagen und kam dadurch in bedenkliche Nähe eines dahinter fahrenden Radfahrers. Derselbe fonnte noch rasch genug abspringen, doch wurde seine Maschine durch die Hufe des Pferdes voll ständig demoliert. ** Zur Warnung. Dieser Tage bekam ein etwa 8 Jahre alter Junge in Marburg plöglich Diarrhöe, die so zunahm, daß man den Jungen in die Klinik brachte, woselbst er nach einer halben Stunde starb. Man vermutet, daß er am Uebergenuß unreifen Obstes gestorben ist. Dies mögen die Eltern beherzigen und ihre Kinder vor dem Genuß unreifen Obstes hüten. obgleich sie selbstverständlich alle Motoren besigen, der Innung sich anzuschließen hätten. In der Begründung dieses Urteils wird gesagt, daß man die Größe des Geschäftes, die Zahl der Arbeiter, die Anwendung motorischer Kraft nicht als Grund dafür ansehen kann, daß die Betriebe keine Handwerksbetriebe seien und es tue auch nichts zur Sache, daß einige der Inhaber keineswegs Fachleute, sondern Kaufleute oder Architekten sind und den Betrieb nun so leiten, wie es bei Fabrikbetrieben seitens der Inhaber üblich ist. Das Urteil stüßt sich vielmehr darauf, daß ja gerade den Handwerkern Anwendung motorischer Kraft empfohlen und erleichtert wird und tatsächlich alle leistungsfähigeren Hand werker des Faches auch solche verwenden. Daß die Arbeiter in der Regel gelernte Handwerker- Schreiner, Holzdrechsler 2c. sind, erscheint als Hauptstüße des Urteils, denn es sei nur billig, daß die Betriebe der Innung zugehörten, deren Aufgabe die Ausbildung der von ihnen benötigten Arbetter in erster Reihe sei. Auch die Lokomotivenbauanstalten haben handwerksmäßig ausgebildete Schmiede und Schlosser und so alle möglichen Betriebe der Eisenindustrie, sie würden mithin nach solchem Urteil überall den etwa bestehenden örtlichen Innungen beizutreten haben. Dieses Erkenntnis der badischen höheren Verwaltungsinstanz deckt sich vollkommen mit dem von der Hessischen Handwerkskammer vertretenen Standpunkt: - " Daß zum Handwerk ohne Rücksicht auf Umfang oder Verwendung von Maschinen alle diejenigen gewerblichen Betriebe gehören, in denen hauptsächlich handwerksmäßig ausgebildete Arbeitskräfte beschäftigt und Arbeiten auf Bestellung Dritter ausgeführt werden." Genau betrachtet, geht das Erkenntnis der badischen höheren Verwaltungsbehörde noch weiter, da es auch die von den Gewerbeinspektoren häufig als Merkmal des Fabrikbetriebs angesehene Leitung des Betriebes durch Kaufleute oder Architekten" einfach nicht gelten läßt. Dieser Standpunkt ist der einzig richtige, denn es gibt im Handwerk ebenso gut Großbetriebe wie in der Fabrik Kleinbetriebe. Wollte man dem Handwerk die ihm ur- und etgentümlich zugehörigen größeren Betriebe wegstreichen, dann dürfte es schade um die viele kostbare Zeit gewesen sein, welche man zur Berat* Gine Gelände besichtigung für die Bahn- ung, Schaffung und Durchführung des Handwerksorganiprojekte Mücke- Ulrichstein- Rirfeld und Ehringshausen- sationsgefeßes aufgewendet hat und noch aufwenden will. Großfelda- Ulrichstein- Rigfeld nahmen Exz. Finanzminister Allerdings ist die gefeßliche Festlegung des Begriffs, HandDr. Gnauth und Oberbaurat Kullmann vor, um die wert oder Fabrit" sehr schwierig, zumal heutzutage viele Projefte gegeneinander zu prüfen. lieber als Fabrikanten denn Handwerker gelten wollen und unsere gegenwärtige Zeit leider sehr an diesem und ähnlichen Aeußerlichkeiten franft. Deßwegen aber nicht den Mut verlieren! * Das Schöffengericht Grünberg verurteilte am Mittwoch den Musiker Wildhat, der, wie mitgeteilt, s. 8t. auf den Gefangenaufseher Wahl bei seiner Ueberführung in Untersuchungshaft mit einem Revolver schoß, zu fünf Monaten Gefängnis. Außerdem erhielt er wegen Bedrohung, ebenfalls mit einem Revolver, 6 Wochen Gefängnis. Wildhat hat somit seine Revolverschießerei mit mehr als 6 Monaten Gefängnis zu büßen. 6 Wochen Untersuchungshaft wurden nicht in Anrechnung gebracht. Wie wir hören, hat W. sich noch wegen anderer Delikte zu verantworten, die wahrscheinlich an der Straffammer zu Gießen zur Verhandlung kommen. ** 8u einer empfindlichen Strafe verurteilte die Darmstädter Straffammer einen„ Vandalen", den Korbflechter Adler aus Offenbach, der im Jahre 1900 im Garten eines Offenbacher Gastwirts eine Anzahl Bäumchen abgebrochen hatte. Das Schöffengericht hatte ihn zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Straffammer erhöhte die Strafe auf ein Jahr bei sofortiger Verhaftung. Kinzenbach, 1. Sept. Die reiche Zwetschenernte, die uns die Gunst des Wetters in Aussicht stellt und die einigermaßen das fast gänzliche Fehlen der Aepfel verschmerzen läßt, scheint diesmal sehr frühe zu beginnen. Raum zeigen die Zwetschen das erste Blau, so beginnt auch schon, wie der Weßl. Anz." mitteilt, eine starke Nachfrage nach denselben. Auswärtige Händler wetteifern bereits im Kaufpreis miteinander, indem sie die Zwetschen schon in Waggonladungen auftaufen. Während in der vorigen Woche für den Zentner Zwetshen 2 Mt. 80 Pfg. geboten wurden, hat sich in diesen Tagen ihr Preis schon auf 3,30 Mt. erhöht. Bei solchem Angebot zögern unsere Landleute nicht lange, sondern sie schlagen so viel los, als sie nur abernten können. Wie schon oben gesagt, ist überall in hiesiger Gegend ein großer Zwetschensegen vorhanden und was man jetzt absezen fann, fällt menigstens bis zur Reife nicht mehr vom Baum, und der erzielte Erlös ist immerhin schon eine schöne Ein*. Aus der Tagesordnung der Einladung zum Ver= bandstag des Verbandes süd- und west- nahme für unsere Landwirte. deutscher Detaillistenvereine, der am Sonntag, den 13. Sept., in Darmstadt stattfindet, entnehmen wir noch, daß Herr H. F. Nassauer, Vorstandsmitglied des Vereins der Detaillisten zu Gießen, einen Vortrag hält über„ Ladenschluß und Ruhepause der Angestellten in offenen Verkaufsstellen." ** Sind Zeugen verpflichtet, an Sonn- und Feiertagen zu reisen? Diese Frage hat jüngst das Kammergericht verneint und mit Rücksicht auf die durchweg in der Gesetzgebung zum Ausdruck gebrachte Sonntagsheilig ung dahin entschieden, daß ein zu einem Montag geladener Zeuge, wenn er die Reise bereits am Samstag statt am Sonntag antritt, Anspruch auf Entschädigung für Aufwand und Nachtquartier für die volle Zeit seiner Abwesenheit vom Wohnorte hat. ][ Eine Entscheidung der Hess. Handwerkskammer dürfte von allgemeinem Interesse sein. Der Mainzer Gewerbeverein hat bei der Hessischen Handwerkskammer angefragt, wie die Lehrlinge von Maurern, Zimmerleuten usw. hinsichtlich ihrer Lehrzeit zur Ablegung ihrer Gesellenprüfung zu behandeln seien und zwar deshalb, weil derartige Lehrlinge in den Wintermonaten nicht vollauf im Handwerk beschäftigt sind. Es handelt sich darum, festzustellen, ob diesen Lehrlingen die durch das Einstellen der Arbeit in den Wintermonaten aus fallende Zeit als Lehrzeit voll angerechnet werden soll. Die Handwerkskammer hat entschieden, daß die Lehrzeit derartigen Lehrlingen nur dann als vollständig erfüßt angerechnet werden soll, wenn sie im Winter eine gewerbliche Unterrichtsanstalt oder eine gewerbliche Schule besuchen. *** Fabrik oder Handwerk? Zu dieser Frage finden wir im Geschäftsbericht der Handwerkskommer zu Freiburg im Breisgau für die Jahre 1901 bis 1903( S. 93-117) Ausführungen von allgemeinem Interesse, woraus wir nachstehendes mitteilen. In Freiburg i. B. hat die Innung der Schreiner eine Anzahl Großbetriebe für sich reklamiert, die Aufsichtsbehörde hat aber diese seit Jahren als Fabriken angesehenen Betriebe nicht für verpflichtet er. achtet, der Innung beizutreten. Lettere hat die höhere Verwaltungsinstanz angerufen und diese hat sich ein Gutachten der Handwerkskammer erbeten. Im Anschluß an dieses hat sich die Verwaltungsbehörde dann entschieden, daß die fraglichen Betriebe, obgleich sie Großbetriebe sind sie beschäftigen im Durchschnitt 90, 35, 56, 40 und 30 Arbeiter Aus dem Eicheltal( Kreis Schotten), 3. Sept. 8u dem vormalig landgräflichen Jagdschloß, jetzt Eigentum des Gutsbesitzers Fischer, machte am Sonntag der Kriegerverein von Eschenrod einen Ausflug zur Feier des Namenstages und Vorfeier des Sedantages. Bedeutsam ist die Stätte noch nach anderer Hinsicht, denn man schaut von da oben hinunter und hinüber nach einer Reihe von im 30 jährigen Krieg ausgegangenen Dörfern( Eckhards, Bleistadt, Dietenhain, Reiffenberg, Nubel). Auch fand man unlängst in der Gewann nach Eschenrod hin eine interessante wohlerhaltene Denkmünze in der Größe eines Sechskreuzerstücks mit der Inschrift: Jubilaeum secundum ecclesiae Luther. Verbum Domini manet in aeternum; auf der Rückseite: 31. Dft. 1717. Ernest. Ludov. D. G. Landgrav. Hassiae. *** Dutenhofen, 3. Sept. General Ledebur, welcher bis jetzt im Jagdschlößchen( Sorger) Quartier bezogen hatte, hat dasselbe jezt nach Groß- Rechtenbach in die Behausung des Bürgermeister Hardt verlegt. Heute war Ruhetag und morgen Freitag beginnen die Brigade- Ererzieren. * * Wetzlar. Wie der„ Wetzl. Anzg." hört, haben die Vorstellungen der städtischen Verwaltung den Erfolg gehabt, daß das Generalfommando des 18. Armeekorps die für den 19. und 20. September zugedachte Einquartierung um etwa 1600 Mann ermäßigt hat. Weiterem Vernehmen zufolge werden nun etwa 4000 Mann auf die Altstadt und den Bahnhofsbezirk entfallen. Weylar, 2. Sept. Bei der Heerdbuchgesellschaft für das Vogelsberger Rind dahier ist die Zahl der eingetroffenen Kühe von 312 auf 550 Stück, die der Stiere von 61 auf 80 Stück gestiegen. × Berleburg, 2. Sept. Der Rendant des hiesigen Spar- und Vorschußvereins, G. Riedesel, wurde Freitag Mittag verhaftet und in das Amtsgerichte gefängnis in Untersuchungshaft abgeführt. Die von Riedesel unterschlagene Summe soll ca. 60 000 Mt. betragen. Herrn Planz, welchem bei seinem Scheiden aus dem Amt das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen wurde und der am 12. September d. Js. seinen 80. Geburtstag feiert, vergönnt sein, diese Dekoration noch recht lange zu tragen und ihm in seinem Ruhestand ein heiterer Lebensabend beschieden sein. Hanau, 3. Sept. Der Oberpostsekretär Wagner von hier, gegen den bekanntlich wegen Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung vor einiger Zeit das Disziplinarverfahren eingeleitet wurde, ist laut Han. 3tg." vor furzem in die Redaktion der sozialdemokratischen Leipziger Volkszeitung" eingetreten. § Hanau, 2. Sept. In Niederissigheim waren zwei Bauernburschen in einen Wortstreit geraten, in dessen Verlauf der eine dem andern zurief: Dein Vater ist ja ein Sozialdemokrat!" Der also bezeichnete Vater strengte deshalb eine Beleidigungsflage gegen den Gegner seines Sohnes an. Das Schöffengericht sprach jedoch den Angeklagten fret, da in dem Worte Sozialdemokrat" keine Beleidigung zu finden sei. " ▷ Aus Franken, 2. Sept. In Traustadt trieb der 15jährige Bauernsohn Georg Türk Kühe auf die Weide und hatte sich dabei die Kette um die Brust geschlagen. Plötzlich scheuten die Tiere, rasten fort und sch'eiften den Knaben zu Tode. Lied der Landwirte. Ein freies Eigen bauen wir, Die Flur ist unsre Wonne, Der deutschen Kraft vertrauen wir, Sie lebet in uns für und für, Wir leben mit der Sonne. Wir bauen unsrer Väter Feld, Die Jauchert und die Morgen, Und haben wir es wohlbestellt, So lassen wir, wie's ihm gefällt, Den lieben Herrgott sorgen. Wir jagen nicht dem Neuen nach, Zu schweifen in die Ferne, Doch liegen wir nicht selber brach, Ein gutes Beispiel find't uns wach, Wir prüfen alles gerne. So hat das Alte seine Ehr', Das Neue darf uns winken; Wir halten viel auf gute Lehr', Und wird uns auch der Anfang schwer, Der Mut soll uns nicht sinken. Der Landwirt ist der rechte Mann, Er ist der Welt Exempel; Mit ihm fing alle Ordnung an, Die Freiheit blüht in seinem Bann Und baut der Eintracht Tempel. Drum hoch die deutsche Landwirtschaft! Sie gilt in allen Zonen; Sie bleibt die Milch der Heldenkraft, Und wo der Landwirt denkt und schafft, Da ist gut sein, gut wohnen. Ludwig Eichrodt. Litterarisches. Zwischen Rhein u. Donnersberg betitelt sich ein Roman aus der Franzosenzeit von Heinrich Bechtolsheimer, der neu erschienen im Verlag Emil Roth, Gießen zum Preis von 3. Mt. brosch, 4 Mt. gebunden zu haben ist. Der Verfasser führt uns in das heutige Rheinhessen in die Nähe von Kreuznach, in das fruchtbare Hügelland, auf das der Donnersberg berniederschaut. Die Erzählung segt ein mit dem Jahre 1808 und zeigt uns die Lage der Rheinländer unter der Herrshaft Napoleons; bei Arbeit und harmloser Freude. Kirchweihtanz, Weinlese, Streiche der Dorfjugend, Birnenschälen usw. treten vor uns hin in lebendiger, vielfach humoristischer Schilderung. Aber unvermerkt tritt der Ernst der schweren Zeit in das heitere, pfälzische Dorfleben ein. Kurz das Buch führt uns in Freud und Leid, in Krieg und Frieden die wechselvollen Schicksale der Bewohner. Es ist ein Volksbuch im umfassendsten und besten Sinne des Wortes. Briefkasten. K. in Rodheim. Das ist Geflogenheit auf allen Redaktionen, daß findet man gute Nachrichten oder Artikel in anderen Zitungen- solche übernommen werden. Wir sind deshalb auch nicht neidisch, selbst wenn Leitartikel von uns nachgedruckt werden, wie Sie uns mitteilen, sondern behalten den Standpunkt: kann die Presse, auch durch Nachdruck, der Allgemeinheit dienen, oder sie gar vor Schaden bewahren, dann handelt sie ja nur in Wahrung berechtigter Interessen. Gern sieht man es allerdings, wenn ab und zu dem Wunsch auf Quellenangabe entsprochen wird. Manche Redaktionen sind allerdings so eitel und ,, bellen" wenn ihrem Blatte etwas entnommen wird. Besten Gruß! Martt. Gießen, 3.September. Auf dem heutigen Wochenmarkt lofteten Butter per Bid. 1.00-1.20 mt, Hühnereier 2 Stüd 12-14 Bfg., Enteneter St. 8 Pfg., Käse per St. 5-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Bfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben per Paar T. 0.70-0.90, Hühner per Stüd Mt. 1.20-170, Hahnen, per Stüd Mt. C.70-1.10, Enten per Stüd 1.80-2.00, Gänse P. Bid 54-60 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 fg., Rindfleisch per Bfd. 60-66 Pfg. Schweinefleisch per Pfb. 66-76 Pig. Schweinefleisch gesalzen per fund 0.80 Bfg., Kalbfleisch per Pfd. 68-74 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Pfg., Kartoffeln per 100 kilo 6.00-7.00 mt., Zwiebeln per 3t. Mr. 6.50-7.00, Kirschen per Pfund 00-00 Pfg. Milch per Liter 18 Pfa. -r Buzzbach, 2. September. Mit Wirkung vom 1. Sept. d. Is. trat der Großh. Orts- Einnehmer Planz in den wohlverdienten Ruhestand, nachdem derselbe nahezu 60 Jahre seine Dienste mit Treue und Eifer dem Staate gewidmet hat. Geboren am 12. September 1823 zu Romrod, diente er vom 1. April 1844 bis zu seiner am 30. Juni 1855 erfolgten Anstellung als Steueraufseher im Großh. Hessischen ersten Inf.- Regiment und machte die Feldzüge von Hessischen ersten Inf.-Regiment und machte die Feldzüge von Faselos 40 Pfg. Schweinefleisch 50 Pig. Heute und morgen. 1848 und 1849 in Frankfurt und Baden mit. Möge es Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil Albin glein: far bas Bokale, den„ Gerichts." und„ Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Cybermann Dund und Berlag der Gießener Verlagsbruderei( vorm. Wilb. Keller), Biegen. Städtisches Schlachthaus. Th. Brück, Möbelfabrik m. Motorbetrieb, Gießen. Eche Schloßgaffe Kanzleiberg- Brandplatz. Franho- Lieferung nach jeder Bahn- Station Besichtigung der jeder großstädtischen Konkurrenz die Spitze bietenden Ausstell= ungs- Räume ohne Verbindlichkeit erbeten. Chrendate freiwillige Anerkennungsschreiben. Größtes Zehn Schaufenster 1200 mtr. komfortable Magazin- Räume außer den Maschinen- u. Fabriklokalen. 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Das Javolisierungs- System setzt jede Dame in den Stand, selbst das dichteste und schwerste Haar und die Kopfhaut allein oder mit Hilfe einer Zofe nach den Regeln der Hygiene und Schönheitspflege zu behandeln. hanne Das Haar, nach dem Javolisierungs- System, gewinnt nicht nur an Schönheit, Glanz und Fülle, sondern wird auch außerordentlich leicht und duftig.. das 45 Das zeitraubende, langweilige Waschen der Damenhaare, unangenehme Spilen derselben nach dem alten Verfahren sicht zum mindesten aber das teils direkt schädliche, teils überaus lästige Trocknen der nassen Haare ist ein überwundener Standpunkt, seit das Javolisieren der Haare und der Kopfhaut populär geworden ist. 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