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Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlid) 50 Pfa., in's Haus gebracht 60 Pia., durch die Voit bezogen vierteljährlich Mt. 150. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( räglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblascu( wöchentlich). Das Platt erid cint an allen Werktagen nachmittags. Samstag, den 3. Januar 1903. Gießener 12. Jahrgang. Insertionsprei 8: Die einſvaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberhessen die Kreise Weplar und Marburg 10 Pfg ionit 15 Vig; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Jede Familie die ein gediegenes Blatt lesen will, das auf allen Gebieten allgemeiner Bildung stets das Neueste und Interessanteste bringt, abonniere auf die Gießener Neueste Nachrichten. Der politische Teil befaßt sich in unabhängigem Sinne mit den neuesten Staatsgeschäften und aktuellen Tagesfragen und behandelt in ausführlichen Leitartikeln die wichtigsten Vorgänge in der inneren und äußeren Politik. Der lokale und provinzielle Teil bespricht alle fommunalen Angelegenheiten und berichtet in zahlreichen Korrespondenzen die Tagesneuigkeiten aus der Umgebung. Das Feuilleton ist mit guten Romanen und originellem Unterhaltungsstoff ausgestattet. Inserate haben durch die weite Verbreitung der„ Gießener Neuesten Nachrichten" gute Wirkung. So sind die ,, Gießener Neueste Nachrichten" als ein gern gelesenes Familienblatt bekannt und der mäßige Abonnementspreis pro Monat 60 Bfa. frei in's Haus neue Methode des Herrn Geheimrat Prof. von Behring eingehend studiert. Neu und besonders interessant, wie überhaupt diese bedeutsamen Entdeckungen, dürften die Mitteilungen des Herrn Schmidt über jene eigenen diesbezüglichen Versuche in der Praris sein. Bei dieser wirte an jener Veranstaltung des Hessischen LandwirtGelegenheit bemerken wir noch, daß auch Nichtlandschaftsrates teilnehmen können. * Der Postverkehr zum diesmaligen Jahreswechsel war bei Weitem nicht so lebhaft wie in den früheren Jahren. Namentlich der Witkartenversand hat unter scharfer Zensur der berufenen Behörden eine folossale Abnahme erfahren und dies mit Recht. Den meisten Absatz an Postwertzeichen sollen die Zweipfennigmarken gefunden haben; somit dürften die vom Poſtfiskus gefürchteten Mindercinnahmen durch Einführung genannter Bostwertzeichen nicht in Erfüllung gehen, da ein guter Absatz im Allgemeinen zu verzeichnen ist. ** Eine Versetzung von Beamten in größerem Umfange wird, wie u a. auch die„ Hamb. Nachr." mitteilen, zum ersten April d. J. von den Eisenbahndirektionen ins Auge gefaßt und zwar der= gestalt, daß Beamte der Eisenbahndirektion Posen gegen Beamte anderer Bezirke ausgetauscht werden mit der Absicht, auf diese Weise den Polonisationsbe strebungen einen geeigneten Widerstand entgegenzusetzen. Aus Hessen und Dachbargebieten. ** In Marburg ist nun endlich ein greifbares Projekt bezüglich der Anlage von Straßenbahnen zustande gekommen. ermöglicht es auch dem kleinen Manne, sich auf dieselben zu Darnach soll eine Pferdebahn, die eine Verbindung abonnieren. 11 Die Expedition der Gießener Neueste Nachrichten." Giessener Cagesneuigkeiten. ** Vortragskursus für praktische Landwirte in Mainz. Bei Gelegenheit des in nächster Woche des in Mainz stattfindenden Vortragskurs wird, wie erst neuerdings festgesezt, Herr Kreisveterinärarzt Schmidt Gießen über die Bekämpfung der Tuberfulose des Rindvichs referieren. Herr Schmidt hat die 531 Dr. Slumseys Patient. Roman von Dr. Halifar und T. L. Meade. Autorisierte Bearbeitung von G. Wehner. ( adibrud verboten.) Aber an dem Abend, an welchem er in Großbofen einfubr, begann der bessere Teil seines Ichs zum ersten Mal sich leise zu regen. Er war zwar damit einverstanden gewesen, daß seine Gattin unter anderen Gästen auch Frau Everett nach Großhofen einlud, aber ein sonderbarer Ausdruck in den leiderfüllten Augen der Witwe und ein forschender Blick aus Hettys Angen rüttelten seine Seele, die unter der ihm auferlegten Prüfung vielleicht am schwersten gelitten, wie aus tiefem Schlummer wach und erfüllten ihn nach und nach mit Gewissensbissen. Die Stimme feines Gewissens war erwacht und machte sich immer schärfer und dringlicher geltend. In seiner ausgezeichneten förperlichen und geistigen Geſundheit war sein erster Impuls, diese Stimme zu ersticken und die begangene That totzuschweigen. Sein heißer Wunsch ging dahin, seine Schuld vor der Welt zu verheimlichen und das Geheimnis seines Lebens unit ins Grab zu nehmen. Er hielt es für ein leichtes, sein Gewissen zu beschwichtigen, aber am Tage seines Ginzugs empfand er, daß eine sonderbare Umwandlung in seinem Inneren vorgegangen sei. Das Gefühl der Zufriedenheit und der Freude am Leben mit all' seinen Bergnügungen und Schönheiten, welches soviel zu seiner Genesung beigetragen, war von ihm ge wichen und an seine Stelle die quälende Erkenntnis getreten, daß er ein schlechter Mensch, ein Heuchter sei. Und langsam begann er, sich selber zu hassen. Troß alledem aber dominierte der Munich in ihm, fein Geheimnis streng zu büten Frau Everett mit gebrochenem Herzen dem Grabe entgegenwanken und ihren Sohn den Kelch der Schmach und Entehrung bis auf die Neige Iceren zu lassen. Der Baron schlief die erste Nacht nach seiner Heimkehr fast garnicht. Am Morgen erwachte er mit dem flaren Bewußtsein, daß er entweder das furchtbare Geheimnis bis an sein Lebensende in seine Brust verschließen oder seine That bekennen und die Strafe auf sich nehmen müsse, welche ein anderer an seiner Stelle büßte. Sein endgiltiger Entschluß an diesem Morgen war- auch fernerhin zu schweigen. Er begab sich in das Frühstückszimmer und nahm sich vor, auf seiner Hut zu sein. Seine Gattin benterfte nichts llngewöhnliches in seinem Wesen, scht Gesicht drückte Heiterfeit und Lebensfreude aus, Juteresse zwischen Nord und Süd der Stadt( Hauptbahnhof- W(- helmsplay) herstellt, angelegt werden. Die Kosten belaufen sich auf 47 000 Mt., deren Verzinsung und Amortisation mit 7 Prozent ourch die Einnahmen als gesichert angenommen wird. )( Wetzlar. In den Tagen vom 23. bis 25. März ds. Is. finden die Aufnahmeprüfungen bei dem hiesigen Stgl. Lehrerseminar statt. Nach Ostern wird ein neuer dritter Präparanden kursus eröffnet. Anmeldungen zur Aufnahme in beide Anstalten sind an Herrn Seminar- Oberlehrer Vorbrodt hierselbst zu richten. ** Braunfels. Der Kaiser hat dem Prinzen Friedrich zu Solms- Braunfels am Tage vor Weihnachten den Roien Adlerorden 3. Klasse verliehen. für alles, was in der Welt und besonders in seiner Umgebung vorging. Nur Frau Everett, die wachsame, scharfblickende, entdeckte einen sonderbaren Ausdruck von heimlicher Unruhe und verschleierter Scheu in seinen Augen, ohne eine Erklärung dafür zu finden. Andrey blieb den ganzen Tag abwesend, er hatte in Wirtschaftsangelegenheiten auf seinen Gütern zu thun, mit den Bächtern zu konferieren und vor allem manche neuen Vorkehrungen zu treffen, da er die Zügel der Oberleitung selber in die Hände nehmen wollte. Während er so von Haus zu Haus ritt, war das neue Gefühl über sich selbst sein treuer Begleiter. Ueberall empfing man ihn mit Jubel und Herzlichkeit, aber er empfand feine reine Freude über alle diese Beweise von Liebe und Treue. Er nannte sich im tiefiren Herzen einen Heuchler der schlimmsten und niedrigsten Art. Diese Erkenntnis traf sein Herz jedesmal wie ein Messerstich, wenn er sich dieselbe vorhielt. Sie folgte ihm überallhin, sie peinigte ihn grausam, weil sie allen Traditionen seines Hauses und seines Namens Hohn sprach. Seine geistige Gesundheit war jetzt eine so vollkommene, daß er seine Handlungsweise im grelliten Licht erkannte sie zeigte sich in einer häßlichen, unfagbar häßlichen Gestalt. Er verachtete sich, er haßte sich und dennoch schlug der Entschluß, die Wahrheit nicht zu bekennen, immer tiefere Wurzeln in seiner Brust. Gr wollte sein Geheimnis auf keinen Fall preisgeben. Die Möglichkeit, daß die Wahrheit eines Tages auf anderem Wege, als durch ihn selber, herauskommen könne, hatte er garnicht in Betracht gezogen. Der Tag war von unvergleichlicher Schönheit; er brachte ihm auch die Erfüllung seines heißen Wunsches: die Nachricht, daß er ius Varlament gewählt sei. Diese Thatsache erfüllte ihn mit Stolz und innerem Jubel. Er sab sich schon in dem mächtigen Saale stehen und eine geistvolle, zündende Rede halten; er sah sich im Geiste eine der höchsten Stellen im Ministerium einnehmen. Und er wollte alles in Bewegung setzen, dies hohe Ziel zu erreichen; denn seine Geburt, sein Rieichtum und seine geistigen Fähigkeiten berechtigten im dazu. Generationen hindurch hatten Träger seines Namens die einflußreichsten Stellen im Lande bekleidet, die Abgeordneten für Großhofen stets aus dem Hause Audrey gestammt, in der Armee und in der Marine furz, überall hatte der Name Audrey ruhmvoll geglänzt. Und welche Siege hatten seine Vorfahren erfechten helfen! Wit welchen Ehren und Auszeichnungen waren sie jederzeit bedeckt gewesen! Jawohl, es war seine erste und heiligste Pflicht, den alten, vornehmen Namen zu Ruhm und Ehren zu bringen! Ihn in den Schmug zu ziehen das wäre Wahnsinn gewesen! Der größte Wahusinu, den ein Mensch nur ic begehen founte! Es war nicht [ Neue Luftschiff- Experimente.] Prof. Alexander Graham Bell, der bekannte amerikanische Erfinder, hat sich während des Sommers und des Herbstes auf seinem Landsik mit der Lösung des Problems der Luftschifffahrt beschäftigt und eingehende Experimente angestellt, die, wie er hofft, die Konstruktion einer wirklich brauch baren Flugmaschine ergeben werden. Seine Idee der Luftschiffahrt gründet sich auf die beim Steigenlassen von Drachen gemachten Beobachtungen. Das Theaterstück ohne Verfasser.] Es ist schon vorgekommen, daß zwei Autoren sich den Titel oder den Stoff eines Stückes streitig machen und wegen der Tantièmen in Hige und Verrohung" geraten daß aber ein Theaterdirektor den Verfasser eines sehr erfolgreichen Stückes sucht und nicht finden kann, dürfte troß Ben Afika noch nicht dagewesen sein. In London hat sich dieser außerordentliche Fall ereignet. Herrn Kyrle Bellew, der ein Londoner Theater leitet, fiel es vor einiger Zeit ein Theaterdirektoren haben manchmal sonderbare Einfälle einen Haufen Manuskripte, die schon Jahre lang in seinem Bureau moderten, durcheinanderzuwerfen. Bei dieser Gelegenheit entdeckte er ein Stück, das ihm so außerordentlich gefiel, daß er es sofort auszuführen beschloß. Den Namen des Autors kannte er nicht; der Mann hatte sich entweder nicht genannt oder sein Begleitschreiben war im Laufe der Jahre verloren gegangen. Das Stück hatte einen Bombenerfolg und erwies sich als eine wahre Goldgrube. Als anständiger Mensch saßte Kyrle Bellew den rühmenswerten Entschluß, dem Autor Tantièmen zu zahlen. Der Autor ist aber nicht zu finden, obwohl Kyrie Bellew bereits die Hälfte der Tantièmen für Annoncen ausgegeben hat, in welchen der verschwundene Autor drin gend ersucht wird, zurückzukehren. Ist er tot? Oder verschwunden? Hat er Selbstmord begangen, weil er nicht so lange warten konnte, bis Kyrie Bellew sein Stüd gesunden haben würde? Oder sucht er vielleicht irgendwo in außereuropäischen Ländern die Humberts, ohne zu ahnen, daß man sie bereits hat? Kurzes Allerlei. Ein 121 jähriger Greis lebt nach Petersburger Blättern in Justsens in Finland. Er ist Zigeuner und wandert noch heute von Torf zu Dorf. Das Gehör hat er vor 10 Jahren verloren, aber sehen fann er noch ziemlich gut. Ruheſtörungen durch belgisches Militär. Schlägereien zwischen Soldaten und Zivilisten, die sich seit einigen Tagen in der belgischen Stadt Namur in Tanzlokalen wiederholten, arteten in eine ernstliche Ruhestörung aus. Ein Hause bewaffneter Lanciers wars in einer Anzahl Straßen alle Fenster ein. Die Polizei und die Gendarmeric waren nicht im stande, die Ordnung wiederherzustellen; zwei Polizisten und einer der Lanciers wurden schwer verletzt. Der Bürgermeister hat zur Wiederherstel. lung der Ruhe Militär requiriert. minder seine Pflicht, au Margarete zu denken, an seine Besizungen, seine Bächter, deren Wohl und Wehe zum größten Teil von ihm abhing. Everett und seine Mutter mußten eben weiter leiden. Was waren diese zwei Menschen im Vergleich zu den vielen anderen, velche namenlos leiden würden, wenn die Wahrheit herauskäme? Es ging garnicht anders, es mußte alles bleiben, wie es war. Der stolze Name Andrey mußte auch fernerhin in hellsten Lichte strahlen. Und dann mußte er schließlich auch an seine Nachkommen denken. Sein Söhnchen Arthur hatte zwar ein mückisches Leiden hinweggerafft, aber Gott würde ihnen voraussichtlich noch andere Kinder schenken. Die 3ufunft lag so vielverheißend vor ihm! Er mußte die Last seines schrecklichen Geheimnisses weitertragen und er wollte es auch. Er wollte es sorglich in sein geheimſtes Inneres verschließen, und niemandem, weder durch ein Wort, noch durch sein Wesen, weder durch einen düsteren Blick, noch durch ein sorgenvolles Gesicht, verraten, was auf seinem Gewissen laſtete. Er wollte fröhlich, tapfer sein, Summer und Gewissensbisse von sich verbannen und ein sorgloses Leben führen, soweit es ihm nur irgend möglich war. " Ja, ich will mein Geheimnis treulich hüten bis zu meinem Tode", murmelte er vor sich hin.„ Wenn nur dies Weib nicht wäre, diese Hetty! Sie weiß alles doch sie muß schweigen- ich muß sie ertaufen." Audrey ritt in leichtem Trabe durch die herrlich blühende und duftende Landschaft nach Hause. Er erinnerte sich, daß er eine Unterredung mit Hetty vereinbart hatte. Es war eine peinliche Situation für ihn; er mußte flug sein und alles daran sezen, ihr das Versprechen unverbrüchlichen Schweigens abzunehmen, er mußte ihre Angst und Furcht beschwichtigen. Hetty war ein harmloses, hübsches Weib und ihm herzlich zugethan; sie hatte sich so rührend treu erwiesen, er mußte gut und freundlich zu ihr sein, da sie seinenvegen so viel und so schwer gelitten. Am besten war es, wenn er Hetty und ihren Mann bewegen konnte, nach Amerika oder Australien auszuwandern. Vincent war arm; er würde ein reiches Geschent zweifellos mit Freuden annehmen, um damit im Lande der Dollars oder der Goldfelder sein Glück zu versuchen. awohl, so war es am besten: die Vincents mußten fort; es wäre ihm furchtbar peinlich gewefen, Hetty, der Mitwifferin seiner Schuld, immer zu begegnen. Und Frau Everett! Sie durfte nie wieder eingeladen werden; ihre Gegenwart verwirrte ihn und flößte ihm ein Gefühl unbeschreiblichen lubehagens ein; er fonnte ihr nicht mehr in die Augen sehen, in die durchbohrenden, forschenden Augen. [ Romain Danrignacs Kosename.] ,, Kroumir" nannte nach Pariser Blättern die Familie Humbert im bertrauten Kreise den Vertrauten und Haupthelfer The reses, Romain Daurignac. Die Bezeichnung paßt für den verschlagenen Schwindler wie die Faust aufs Auge. Die Kroumirs", wie die Franzosen, oder ,, ruleute", wie wir sie nennen, ist ein Negervolt an der nördlichen Westküste von Sierra Leone, und Larousses Französische Encyklopädie widmet ihnen folgende ehrende Betrachtung: Sie sind Diebe und Plünderer, und nuben ihre unleugbar guten Geistesgaben dazu aus, alle Welt zu betrügen." Man sieht, in der Humbertschen Familie liebte man sich selbst zu verspotten. D[ Die Begimentspostfarte] ist die neueste Abart der vielbeliebten Ansichtspostkarten. Ihre Erfindung ist einem Italiener vorbehalten gewesen. Jedes italienische Regiment hat jeẞt seine eigene Spezialansichtskarte, mit den Waffen, Emblemen und Fahnen des Regiments und einer Liste sämtlicher Schlachten und Gefechte, an denen dieses teilgenommen hat. Die Karten werden an die Offiziere und Privatleute zu geringen Preisen verkauft und dienen so als eine Empfehlung der Vorzüge des Regiments, um diesem immer recht viel freiwilligen Ersaz zu schaffen. Ein französischer General will jetzt in Frankreich eine ganze Serie von Regimentern mit ähnlichen Postkarten auf eigene Kosten beschenken, um den kriegerischen Sinn in der französischen Jugend neu zu beleben.(!) [ Der Palast des Stahlkönigs.] Karl M. Schwab, der sogenannte Stahlfönig", läßt sich in New York einen Balast bauen, der die Reproduktion der schönsten Teile der Loire- Schlösser ist. Für diesen Palast hat er bei dem französischen Bildhauer und Maler Gérôme zwei Statuen bestellt, von denen die eine die ,, Arbeit", die andere die ,, Metallurgie" darstellt. Schwab und seine Gattin waren unlängst selbst im Atelier des Künstlers, um bestimmte Angaben über die von ihnen gewünschten Kunstwerke zu machen, die mit echt amerikanischer Eile fertig gestellt werden müssen. Die Gipsmodelle sind sast vollendet. Die ,, Metallurgie" wird durch eine nach antiker Art drapierte Frau dargestellt. Sie steht und rasst mit ihren Armen die herabfallenden Falten der Draperie auf. Der Gesichtsausdruck weist den ,, amerikanischen Typus" auf: Schönheit vereint mit Energie. Es fehlen an dem Entwurf nur noch die üblichen Symbole, die hinter der Frauengestalt stehen sollen. Es werden Werkzeuge sein, die Schwab selbst für die Stahlbereitung erfunden hat und denen er sein Glück verdankt. Die andere Statue ist realistischer. Sie stellt einen ,, Metallurgisten" dar, der kräftig eine Art Hebel handhabt, der die geschmolzene Metallmasse in Bewegung seßt. In den beiden Figuren ist das ganze Schicksal Schwabs versinnbildlicht. Bei der die Arbeit darstellenden Statue ist alles, selbst die Schuhe und die Beinkleider, genau nach der Wirklichkeit dargestellt Ein Bankdefraudant erwischt. Der Effektentassirer Gollnow, der der Berliner Bank sür Handel und Industrie bedeutende Summen unterschlagen hatte, wurde in Frankfurt a. D. verhaftet. Gollnow, der 15 Jahre bei der Bank in Stellung war, hatte sich durch ein kostspieliges Berhältnis mit einer Schauspielerin zu den Unterschla gungen verleiten lassen. Schwerer Eisgang auf der oberen Oder hat es leider nun doch zu Wege gebracht, daß mehrere von den hunderten von schwer beladenen Kähnen, die mitten im Strome eingefroren waren und erst jest nach eingetretenem Tauwetter abgeschleppt werden konnten, stark beschädigt wurden und von ihrer Ladung ganz oder teilweise erleichtert werden mußten. Hunderttausende von Mark sind verloren gegangen und das Elend der betreffenden Schiffer ist groß. In Böhmen und Mähren hat die überraschend eingetretene Schneeschmelze zu großen Ueberschwemmungen geführt. In Großheilendorf bei Hohenstadt in Mähren wurden 50 Häuser unter Wasser gesezt und sind dem Einsturz nahe. Eine Familie vermochte lich nur auf einem schwimmenden Schlitten zu retten. * Die Neujahrsfeier am Kaiserhofe verlief in althergebrachier seierlicher Weise. Morgens um 128 Uhr tönten von der Kuppel des Berliner Schlosses die seierlichen Klänge des Chorals Lobe den Herren" und bald daraus öffneten sich die großen Tore, um die Spielleute der 2. Garde- Infameriebrigade hinauszulassen, die die Linden unter lustigen Märschen entlangzogen. Nach der Rückkehr ins Schloß wurde auf dem großen Hof die mujikalische Einleitung der Feier durch den Choral ,, Nun Dantet alle Gott" und das große Becken" geschlossen. Bald darauf begann die Auffahrt der zur Cour geladenen verrschaften und um 10 Uhr traf die kaiserliche Familie und Bring Heinrich im Schlosse ein. In der Schloßfapelle fand vor glänzender Festversammlung ein feiericher Gottesdienst statt, den Oberhofprediger von Dryander leitete. Sodann folgte die große Gratulationscour im Weißen Saale. Unter den klängen einer sansen Musif, in der Polonaisen, Kavalleriemärsche und marschartige Melodien aus Opern abwechselten, schritten die zur Cour befohlenen Herren vorüber, auf ein Zeihen des Oberhofmarschalls Grafen zu Eulenburg und geführt von dem Zeremonienmeister Baron v. d. Knesesec. Ten Reichstanzler zeichneten beide Majestäten durch Händedruck und Ansprache aus. Um 12½ Uhr schritt der Raiser, gefolgt vom Kronprinzen, den Prinzen Gitel Friedrich und Adalbert, über die Linden hinüber zum Zeughause, wo im großen Lichthof die Parole- Ausgabe tattfand. Die Parole lautete wie immer am Neujahrsage ,, Königsberg- Berlin". Der Kaiser nahm hier die Kapporte der Leibregimenter und militärische Meldunjen entgegen.. Hus der Reichshauptstadt. [ Nachdruck verboten.] CB. Berlin, 2. Januar. Eine gelinde Aschermittwochs- Stimmung liegt über Berlin, das nach den Festen wieder zur ernsten Arbeit zurückgekehrt ist, so weit es sich überhaupt davon entfernt hat. Es ist wahr, der Berliner arbeitet intensiver, als der Bewohner einer mittleren und kleinen Stadt, aber er amüsiert sich auch reichlicher. Das zeigt seine Art, Weihnachten zu feiern, und noch mehr der Sylvester- Rummel. Wir denken davei nicht an jene Glemente, die die ganze Neujahrsnacht hindurch andauernd ihr ,, Prosit Neujahr" brüllend durch die Straßen ziehen, etwaige Cylinderhüte, die sich unvorsichtigerweise hinausgewagt haben, erbarmungslos eintreiben, denn die Elemente hassen das Gebild von Menschenhand" und überhaupt in den verschiedensten Variationen die ruhigeren Passanten anrempeln. Das sind ja zumeist Leute, die von der Arbeit nicht übermäßig eingenommen sind und die nicht nur aus Beruf, sondern auch aus Neigung zu den Arbeitslosen zählen. Aber abgesehen von diesen Radaumachern fühlen alle Kreise der Bevölkerung in dieser Nacht die heilige Pflicht, lustiger und leichtsinniger zu sein, als Der ,, Normal- Arbeitstag", eines besonders gewissenha ten Sylvester- Feiernden beginnt mit Theaterbesuch. Durch ein leichtes Lustspiel oder einen derben Schwank angeregt, geht man dann zum Souper in Familie oder in einem Hotelzimmer. In vorgeschrittener Nachtstunde macht man noch einen kleinen Abstecher in die Philharmonie oder zu einer anderen öffentlichen Feier und erwartet schließlich in einem Kaffeehause den Sonnenaufgang des neuen Jahres. Das Gegenstück zu solchem Genußmenschen bildet der Blasierte, der mit stolzem Lächeln erzählt, er sei am Sylvesterabend statt wie sonst um zwölf Uhr, schon um elf zu Bett gegangen, um die Narrheiten nicht mit anzusehen und anzuhören. Solche stille ,, Vornehmheit" verschwindet natürlich in dem Lärm der allgemeinen Festesfreude, die nach dem reichlich genossenen Mitternachtspunsch ihren Gipfelpunkt erreicht. Diese Flüssigkeit mit dem konkurrierenden Sekt ist wohl auch Schuld daran, wenn es selbst bei den vornehmeren öffentlichen Festlichkeiten nicht aanz ohne Robeiten abacht und späterhin auch PALMIN Palmin ist ein reines Naturprodukt, von angenehmem Geschmack und ohne jeden Geruch. Sämtliche mit Palmin hergestellte Speisen und Backwaren werden äusserst wohlschmeckend. Wir machen darauf aufmerksam, dass in der letzten Zeit unter ähnlich klingenden Namen Pflanzenfette angeboten werden, deren Qualität häufig zu wünschen übrig lässt und ersuchen daher unsere verehrlichen Kunden beim Einkauf von ,, PALMIN" entsprechende Vorsicht walten zu lassen. Nur Packete, welche den uns gesetzlich geschützten Namen ,, PALMIN" tragen, sind echt und übernehmen wir für deren Güte volle Garantie. H. Schlink& Co. Mannheim. Alleinige Produzenten von Palmin. Diejenigen, deren Irrfahrten nicht auf der Polizeiwache endigten, eine Katerſtimmung beherrscht, in der sich das neue Jahr viel unfreundlicher präsentiert, als in der vergangenen Jubelnacht. Und gerade diesmal haben die Berliner besondere Ursachen, hoffnungsfreudiger in die Zukunft zu schauen; zum mindesten diejenigen, welche nicht nur vom neuen Jahr, sondern auch von,.neuen Männern" erwarten, daß sie das Sprichwort von den neuen Besen bewähren. Die Polizeileute begrüßten die Aera eines neuen Chess, die städtischen Behörden haben seit langem wieder einmal einen richtigen bestätigten ziveiten Bürgermeister, die Theaterfreunde erwarten von dem neuen Chef der Königlichen Schauspiele all das Gute, was dem Vorgänger zu bringen nicht vergönnt war. Tie Rücklehr Weingartners in seine Kapellmeister- Stellung, von der man spricht, scheint bereits eine Frucht des Generalin endantenwechsels zu sein. Der Wiedereintritt dieses beliebten Dirigenten in seine frühere Stellung würde ein freudiges Echo in allen musikalischen Gemütern wecken. Scit Bülow ist wohl fein Kapellmeister hier so vopulär gewesen, wie er. Seine Exaktheit und sein Temperament reißen die Hörer fort und sein elegantes Dirigieren hat ihm in den Herzen der Backfische einen Plas neben dem schneidigsten Gardeleutnant verschafft. Damit das weibliche Geschlecht aber nicht zu furz tommt, möchten wir neben den neuen Männern auch eine Dame erwähnen, die uns das neue Jahr brachte. Im Passage Theater singt und tanzt jest Fräulein Adamovic. Freilich ist es nicht die schöne Braut des Erzherzogs Leopold Ferdinand; vielleicht ist sie nicht einmal ine richtige, sondern nur eine Theaterschwester" der fünftigen Frau Wölfling. Aber die sindige Tirettion hat wieder eine Zugkraft, die sich mit Trandchen Hundgeburth, der poetischen Kuhmagd auf dem Ueberbrettl, me sen kann, bei deren Popularität bekanntlich dieselben Tirektoren ,, Geburts" Helfer waren. Jezt nach den Festen erscheinen auch statistische Notizen, die in recht interessanter Weise den Feiertagsver fehr beleuchten. Da liest man, wie viel Sistierungen die Polizeimannschaften in der Neujahrsnacht vorgenommen haben; daß zu den Weihnachtsfeiertagen über zwei Millionen Pakete in den hie i en Postämtern ,, umge est' wu den und was am auffallendsten ist ungefähr fünfzigtausend Tannenbäume weniger verkanst worden sind, als im vorigen Jahre. Ob für diese eigentümliche Tatsache die so viel zitierten schlechten Zeiten oder der zunehmende Materialismus als Ursache bezeichnet werden muß, ist schwer zu entscheiden. Die Mitteilungen über den Weihnachtsverkehr und über den riesigen Umfang des Neujahrsbriefverkehrs geben ein deutliches Bild der angestrengten Tätigkeit unserer Postbeamten, die ihre ganze Kraft und nicht zum wenigsten die ihrer Beine in den Dienst der Festes rende anderer stellen. Die hellste Empörung muß es daher hervorrufen, wenn grausame Portiers, wie es jüngst eine Gerichtsverhandlung an das Licht der Deffentlichkeit brachte, diesen edlen Menschenfreunden den Aufgang für Herrschaften" verlegen und sie auf die beschwerliche Hintertreppe verweisen wollen. So leiden die armen Briefträger, one einen Sylvesterrausch gehabt zu haben, unter der aschgrauen Stimmung, der sich selbst der Himmel nicht entziehen konnte, der mit trüber Miene in das neue Jahr hineinschaut. Auch die Geschäftsleute sehen den lebhaften Verkehr der Nachfeiertage in ihren Verkaufsräumen mit mehr weinenden, als lachenden Augen an; denn sie wissen wohl, daß diese Käufer nicht immer das sind, was sie scheinen; sie wollen nicht kaufen, sondern tauschen, und besonders das zarte Geschlecht leidet am hartnäckigsten an dieser Tauschkrankheit, deren Kosten die Kaufleute zu tragen haben. Neuheiten in Pelzwaren Massen- Auswahl. Billigste Preise Muffe, Boas, Collie s, Kindergarnitu en e c. empfiehlt J. Kaan jr. Kreuzplatz 10. Kreuzplatz 10. C. Lück's Kräuter- Chee. Carl Gärthe, Weklar Telephon 24 em pfiehlt zweiteilige hölzerne RiemScheiben dieselben sind Leicht! Billig! Unübertroffen Es wird für jede Scheibe volle Garantie geleistet. Gangbare Größen stets vorrätig. Preislisten franco. Kernleder: Treibriemen, Näh- und Binderiemen, Verbinder, Riemenwachs. 8061 Samsta sische deu 3. apnuos Familienz Mr. 2. 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