Nr. 205. Abonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertels fährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags. Mittwoch, den 2. September 1903. Gießener 12. Jahrgang Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfa. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzelle 30 resp. fg. Postzeitungsliste No. 3269. Rebattion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Mr, 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Bekanntmachung. Kommerzienrat Heichel Betr. Die Vergebung der heim- Stiftung". Aus obengenannter Stiftung haben am 1. November I. Js. 1304 Mark zur Verteilung zu gelangen. § 3 der Stiftungsurkunde fönnen zur Bewerbung um die Gaben nur zugelassen werden: a) Personen, welche während des Feldzuges 1870/71 im Militärverhältnis gestanden haben. b) Frauen u. Kinder solcher Personen, vorausgesetzt, daß diese sub a und b bezeichneten Bewerber einer der= actigen Unterstützung bedürftig und würdig sind und daß dieselben von der Zeit der Bewerbung rückwärts gerechnet mindestens zwei Jahre in Gießen ununterbrochen gewohnt haben. Die Bewerber werden hierdurch aufgefordert, sich bis zum 30. Spembe 1 J. bei der Großh. Bürgermeister i Gießen schriftlich oder zu Protokoll anzumelden und ihre Qualifikation zum Bezuge der Unterstützung näher zu begründen und zu belegen. Gießen, den 31. August 1903. Der Oberbürgermeister. J. V. Curschmann. Bekanntmachung. Die unterm 14. Juli 1903 angeordnete Sperre der Sandgasse, zwischen Marktstraße und der Straße In Löbers Hof" wird hiermit aufgehoben. Gießen, 2. September 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Betr. Die ärztliche Behandlung der Stadtarmen. Herr Privatdozent Dr. Bolhard ist vom 2. bis 27. September 1903 verreist. Meldungen von Stadtarmen sind an die medizinische Alinit während genannter Zeit zu richten. Gießen, den 2. September 1903. Amenamt Gießen. Bekanntmachung. Betr. te Versteigerung des Mobiliars im städt. Hospital. Morgen, Donnerstag, den 3. d. Mts., nachmittags von 2 Uhr an, werden die Betten und das Weißzug des städt. Hospitals versteigert. Gießen, den 2. September 1903 Die Armen Deputation der Stadt Gießen. Theoretische Politik. Aus politischen Kreisen wird uns geschrieben: Nichts ist für die absolute Stoffarmut an politischen Fragen kennzeichnender, als die fortdauernden Auseinanderseßungen über das Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und Freiſinn. Erklärt irgend ein„ Genosse", daß der Freisinn im Kampfe gegen die Reaktion" unterstützt werden müsse, dann jubelt ein Chorus von Redakteuren und fündigt eine baldige Mauserung zur Arbeiterpartei an, um niedergeschrieen zu werden, wenn an einer anderen Stelle ein gegnerischer Genosse die Freisinnigen sämtlicher Schattierungen nebst dem nationalsozialen Anhängse mit den anderen Parteien in den gleichen Kessel wirft und behauptet, das alles, was da drinnen focht und brodelt, sei Renttion. Diese Beweisführung ist absolut einseitig; beide Tendenzen zusammen genomnten beweisen, daß tatsächlich innerhalb der Sozialdemofratie innere Wallungen eingetreten sind, aber man würde dem Selbstbewußtsein dieser Partei selber zunahe treten, Denn man annehmen wollte, daß aus dem alten Stamm in absehbarer Zeit neue Triebe herauswachsen werden. Das vird erst dann geschehen, wenn sie als Partei dem Schicksal der bürgerlichen Welt verfallen ist, wenn sich um sie herum ine Schar von Kritikern sammelt, die ihr öffentliches Wirken und Wollen unter die Lupe nehmen und auch Proben ihrer Tätigkeit, Beweise ihres Könnens verlangen. Daß diese Zeit einmal kommen muß und sich um so mehr nähert, je räftiger die Sozialdemokratie wird, kann man ernstlich nicht bezweifcin; aber ebenso sicher ist, daß diese Entwickelung noch in weitem Felde steht. Außerdem wird die innere Wandlung nicht ohne Stoß sich vollziehen; ein Teil der Sozialdemokratie wird die Mauserung überstehen, ohne an dem Programm und an dem Radikalismus auch nur eine leise Retonierung vorzunehmen. Inzwischen aber arbeitet die Partcileitung zielbewußt an der Erweiterung ihrer Macht. Sie ist die einzige Partei, die sich nicht mit Theorien aufhält. In der gleichen Zeit aber können die bürgerlichen Parteien feine gemeinsamen Berührungspunkte finden. Charakte ristisch in dieser Hinsicht ist die Nachwahl in Dessau, wo man fich weder auf einer Nationalliberalen, noch auf einen freijinnigen Volksporteiler einigen konnte, obgleich die rechtsstehenden Parteien geneigt waren, einem Kandidaten aus einer dieser Parteien ihre Stimme zu geben. Infolge dieser Zersplitterung und Zerklitterung wird wahrscheinlich die Sozialdemokratie einen neuen Zuwachs erhalten. Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen aber arbeitet sie ebenfalls systematisch an ihrer Machterweiterung, indem sie jede prinzipielle Gemeinschaft mit irgend einer Partei, d. h. jede theoretische Verwandtschaft ablehnt und durch Kreierung absolut neuer Kandidaturen neue Agitatoren großzieht. Wenn man annimmt, daß sie nur in einem der zwei Dußend Wahlkreisen soviel Stimmen erhält, um einen Kandidaten aufstellen zu können, so wird die Kandidatenbenennung in jenen Bezirten mit einem Schlag eine Anzahl neuer Kräfte in die verdere Schlachtreihe stellen. Eine derartig praktische Politik weiß aber auch nicht eine einzige bürgerliche Partei zu betreiben. Britische Balkanintriguen. Ucbereinstimmend wird in der gesamten europäischen Presse der Begegnung Kaiser Franz Josefs und König Eduards in Wien cine hohe politische deutung beigemessen Und wer die Trinksprüche, die beive yürsten bei dem Be grüßungsmahl in der Wiener Hofburg wechselten, näher ins Auge faßt, wird unschwer inne werden, daß eine solche Auffassung der Vedeutung des Besuches gerechtfertigt ist. Kaiser Franz Josef spricht von den innigen und vertrauensbollen Beziehungen zwischen Leiterreich und England, er betont, daß zwischen beiden Ländern keinerlei politische Interessengegensätze beständen. Und König Eduard sagt mit anderen Worten ungefähr das Gleiche und ernennt den greisen Kaiser des Donaureiches zum Feldmarschall der britischen Armee. Die Frage ist nun, worin die politische Bedeutung des Be juches König Eduards an der Donau gefunden werden muß. Auch darüber ist sich die gesamte öffentliche Meinung Europas einig: Durchiveg wird. die mazedonische Frage als der Hauptgegenstand und Hauptzweck der Besprechungen zwischen den beiden Herrschern angesehen. Auseinander gehen die Meinungen lediglich über die Ratschläge, die die beiden Fürsten einander geben wollen. Und hier läßt sich in der Tat auch nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung anstellen, eine Rechnung, die freilich erleichtert wird durch die Unvorsichtigkeit, mit der die britisch offiziöse Presse nach altem Brauch die geheimen Absichten der britischen Politik ans Tageslicht bringt. Es scheint einem Zweifel zu unterliegen, daß England Desterreich dahin bringen möchte, daß es der britischen Balkanpolitik Vorspanndienste leiste. Die russisch- öſterreichische Kooperation auf dem Balkan war nicht nach Eng lands Sinne. England verspricht den Desterreichern jezi goldene Berge, es sichert ihnen seine geheinte, aber tatkräftige Unterstützung gegen Rußland, dessen egoistische Balkanpolitit natürlich besonders betont wird, zu; furz, man hofft— bei der ganz natürlichen Neigung der Desterreicher, Rußland auf dem Balkan, ein Schnippchen zu schlagen die Donau monarchie dahin zu bringen, daß sie von Rußlands Seite abund an England heranrückt. Das wäre ein Gegengewicht gegen Rußlands Erfolg in Ostasien, gegen seine Verein barung mit Japan, die den Briten h hst ärgerlich ist. Wird Desterreich auf diesen ziemlich plumpen Köderungs versuch hineinfallen? Ausgeschlossen ist das bei der nich gerade übermäßig großen Genialität der leitenden Männer am Donaustrande nicht. Das bedeutete dann den Anfanç des großen Balkanbrandes, der bald auf ganz Europa uni auch auf Asien und Amerika hinübergreifen würde. Hoffer wir, daß die vorsichtige Klugheit Kaiser Franz Josefs zu verhindern weiß, wozu seine Minister sich vielleicht leichter Herzens verstehen würden. Die Politik, Das Breslauer Hilfskomitee für die schlesischen Ueberschwemmten hat beschlossen, schleunigst Saatgut für die Herbstbestellung zu beschaffen. Zu diesem Zweck sollen von unter den aus Privatspenden aufgekommenen Geldern dem Anrechnung der früher schon überwiesenen Beträge Regierungspräsidenten von Oppeln 200 000 Mart, dem von Breslau 120 000 Mark und dem von Liegnitz 30 000 Mark überwiesen werden. Eine Zentralstelle für das evangelische Deutschland mit dem Siz in Berlin soll in nächster Zeit errichtet werden. Ihr Programm ist, durch soziale Reform die soziale Revolution zu überwinden. Beteiligt sind unter anderen: Die evangelischen Pfarrervereine und Lehrervereine, der Evangelisch- sciale Kongreß, der Deutsch- evangelische Frauenbund, die Allgemeine Konferenz der Sittlichkeitsvereine und der Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine Deutschlands. Die dritte Session des bayerischen Landtages wird demnächſt, wahrscheinlich zum 26. September, einberufen merden. Jür preußische Volks- und Mittelschullehrer soll ein Kurius im Zeichnen vom 7. September bis zum 3. Oktober an der Berliner Kunstschule abgehalten werden. Zweck des Kursus ist, die Lehrer durch methodische Unterweisung und praktische chung mit der neuen Methode des Zeichenunterrichts vertraut zu machen. Die Teilnehmer erhalten aus Staatsmitteln eine Beihilfe von 120 Mark. Der Zar hat Herrn v. Witte ein Pflaster auf die Wunde gelegt, indem er ihn in den Reichsrat berief. Die Auffassung, daß die„ Beförderung" Wittes eine Kaltstellung bedeutet, wird durch folgende Aeußerung eines hervorragenden Staatsmannes unserem Berliner CB- Mitarbeiter gegenüber bestätigt:„ Herr v. Witte ist eine Treppe hinauf. gefallen, aber er ist gefallen!" Der neue russische Finanzminister Eduard Dmitrie witsch Plesfe, bisher Direktor der Reichsbank, ist erst 51 Jahre alt. Er trat im Jahre 1872 in den Dienst des Finanzministeriums, wo er ziemlich schnell avancierte, so daß er schon im Jahre 1894 den Posten eines Direktors der Reichsbank einnahm. Auf diesen Posten war er vom Minister Witte berufen worden. A Die Lösung der ungarischen Krise scheint durch ein Einlenken der Obstruition erleichtert werden zu sollen. Einer der Führer der i struktionisten, Abg. Olay, hat erklärt, er sei bereit, die Frage der ungarischen Kommandosprache aus der Reihe der von der Obstruktion aufgestellten Forderungen auszuschalten und an der Herstellung der parlamentarischen Ordnung mitzuwirken, wenn die übrigen, zum Teil schon zugesagten nationica, orderungen der Ungarn erfüllt würden. Falls die Mehrheit der Obstruktionisten sich zu derselben Auffassung bekent, dürfte die Krise sich im Handumdrehen beilegen lassen. Die Forderung der ungarischen Kommandosprache im Heere war die einzige, die der Kaiser unbedingt ablehnte. Die bekannten Schutzzollpläne Chamberlains stoßen gerade da auf scharfen Widerstand, wo er Förderung zu finden hoffte. Ein britischer Politiker, der nach Australien reiste, um die Stimmung der Auſtralier für Chamberlains Pläne zu erkunden, berichtet einem Londoner Blatte, die Australier seien, abgesehen von einigen einflußlosen Politikern und Journalisten, gegen Chamberlains Pläne. Dieser Bericht macht in England großes Aufschen und stärkt die Position der britischen Gegner des Ministers. * Statt sich zu mildern, verschärfen sich die Gegensäge zwischen Briten und Holländern in Südafrika von Tag zu Tag. Die Buren flagen über die langsamen Fortschritte, Die die Wiederansiedelung der von ihren Farmen vertriebenen Landleute macht, und beschweren sich in scharfen Worten über die britische Bureaukratie, in der sie das Haupthindernis der Herbeiführung erträglicher wirtschaftlicher Zustände sehen. Außerdem verlangen sie die Gründung von mehr holländischen Schulen, während die Engländer englische Schulen gründen wollen. Diese Gegensäße bestehen nicht nur in den ehemaligen Burenfreistaaten, sondern auch in der Kapkolonie, wo ein offener Ausbruch dieser feind seligen Gesinnungen bevorzustehen scheint. Die Kapburen planen die Herausgabe einer sensationellen Broschüre, worin die Kriegführung und andere Ereignisse, die sich seither zugetragen, besprochen werden soller. Da wird man ja erbauliche Dinge zu hören bekommen. Nette Entdeckungen, die freilich nach dem skandalösen Verfahren bei der Ausrüstung der britischen Truppen für Südafrika durch englische Firmen nicht verwunderlich sind, sind vom Londoner Kriegsamt gemacht worden. Die Behörde hat festgestellt, daß der„ tolle Mullah", der den Briten so schwere Schlappen beizubringen vermochte, dazu von- Engländern in den Stand gesetzt war: Der Mullah erhielt sein Kriegsmaterial hauptsächlich von englischen Firmen über London und Marseille. Bei einer Londoner Firma wurden Papiere beschlagnahmt, die erwiesen, daß die Firma bereits seit Jahren Waffen und Munition an den Mullah lieferte! Es ist doch etwas schönes um den Patriotismus! A Herr Hayashi, der japanische Gesandte in London, erveist sich als ein zugänglicher und für einen Diplomaten ziemlich gesprächiger Mann. Er wird wohl wissen, warum: Im Interesse Japans liegt es, die von der britischen Presse der Welt aufgetischten Meldungen von einem unabwend baren und nahe bevorstehenden Zusammenstoß Japans und Rußlands zu entkräften. Neuerdings hat Herr Hayashi deshalb wieder einem Vertreter des„ Reuterschen Büreaus" erklärt, Japan suche in Korea nichts als die Aufrechterhal hung seiner dortigen Interessen. Er sehe feinen Grund, veshalb es bezüglich Koreas oder der Mandschurei zu Un annehmlichkeiten mit Rußland kommen sollte. Es sei zweifel. los, daß Rußland sein Versprechen halten und im Oktober die Mandschurei räumen werde. Etwaige unbedeutende An lässe, welche Reibereien verursachen könnten, wie sie zeitveilig selbst unter den friedliebendsten Mächten vorfämen, würden in freundschaftlichster Weise geregelt. Ob der Reuterkorrespondent den japanischen Diplomaten nicht miß verstanden hat, wenn er ihm die Versicherung in den Mund legt, Rußland werde die Mandschurei räumen? * In Paris erschien, als einzige ihrer Art, eine täg liche Frauenzeitung, die Fronde", mit ausgesprochen radikal politischer Tendenz. Das Blatt hat in den Kreisen, füi die es bestimmt war, nicht die nötige Unterſtügung gefunden, o daß es gestern zu erscheinen aufgehört hat. ste rechte Prinzessin sich zusammengefunden, so wäre der und die rechte Prinzessin ebenso wie der rechte Erbprinz und Fennechiel recht höfe gemeſen aus: Das fürstliche Brautpaar, es lebe hoch!" unsere Teilnahme an dem freudigen Ereignis durch den Ruf ,, Mit Erlaubnis der Allerhöchsten Herrschaften drücken wir minfte hinaus und von neuem ,, Soll ich dirs vorlesen?" ,, Gewiß, fleine Frau!" Görbersdorf, den 14. Mai 1890, der Gräfin Bückler. im Florahaus, Heilanstalt geworden sein? borgezaubert! für Pläne geschmiedet, wie fich in ihrer Phantasie ihr deal Wie anders hatte sie es sich in ihrer Jugend ausgemalt; ma Was mochte aus dem Dreibund im Seminar Von Marga hatte sie die Verlobungsgeleien hon fedpig nie etwas gehört er hat recht," muurmelte fie, es ist fein Leben für mich. Heer und flotte. Das neue Rucksackgepäck, welches vor einigen Tagen dem Kaiser auf dem Uebungsplatz bei Altengrabom von einem Hauptmann des ersten Garderegiments vorgestellt wurde, besteht aus einem wasserdichten, braunen Segeltuchbeutel, dem Rucksack, der statt des Tornisters die für diesen bisher bestimmten Ausrüstungsstücke, wie Wäsche, ein paar Schuhe, Drillichzeug, Putzeug u. s. w. aufnimmt. An Stelle des Tornisters tritt ein starker, mit Riemen verschnürter, gut gepolsterter Lederrahmen, der zur Aufnahme des Rucksacks und zum Tragen desselben an den bisherigen Trageriemen dient. Die verschiedenen Ausrüstungsgegenstände befinden sich im Rucksack in verschiedenen Beuteln. Der Vorteil des Rucksacks besteht darin, daß sein Ledergestell den Mann weniger drückt als der Tornister und daß er wasserdicht ist und leicht dem Tragegestell entnommen und wieder eingefügt werden kann, sowie daß Ausrüstungsstücke, ohne das Tragegestell abhängen zu müssen, rasch und leicht entnommen und ebenso wieder beigefügt werden können. Allein ungeachtet dieser Vorteile findet das neue Rucksackgepäck, das nicht nur beim 1. Garderegiment, sondern bei zahlreichen Truppenteilen versuchsweise im Gebrauch ist, wenig Anklang, da es bieles Schnüren veranlaßt und sich auch in anderer Hinsicht nicht recht als praktisch erweist. Hof und Gesellschaft. Prinz Ruprecht von Bayern hat sich in Begleitung seines persönlichen Adjutanten Rittmeisters Grafen zu Pappenheim über Dresden nach Zaithain begeben. Dort nimmt der Prinz in seiner Eigenschaft als Generalleutnant à la suite des Leib- Kürassier- Regiments Großer Kurfürst" an der großen Parade vor dem Kaiser und dem Könige von Sachsen teil. " *** Die Leiche des Präsidenten des preußisch- englischen Kirchenrats, D. Berckhausen, der in Breslau einem plötzlichen Schlaganfall erlag, wurde nach Kloster Loccum in Hannover übergeführt. Dort wird der Verstorbene neben seiner Gattin, die ihm vor einigen Jahren im Tode vorangegangen ist, zur Lenten Rube bestattet werden. Die grosse Herbſtparade. O Berlin, 1. September. kolonnen, die selbständigen Bataillone in Rompagntefrontkolonnen, die Eisenbahnbrigade in Brigadekolonne; die Hauptkadettenanstalt machte den zweiten Vorbeimarsch nicht init; die Kavallerie defilierte in Eskadronsfronten, die Artillerie in Abteilungsfronten im Galopp. Als das erste Garderegiment, bei dem der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich eingetreten waren, antrat, zog der Kaiser seinen Säbel und führte das Regiment bei der Kaiserin vorüber; dasselbe geschah auch bei dem zweiten Borbeimarsch. Nach Beendigung der Parade um 113 Uhr hielt der Kaiser die Kritik ab. Dann setzte er sich an die Spitze der Fahnenkompagnie und kehrte im langsamen Zuge zum Schlosse zurück, von einer vieĭtausendköpfigen Menge überall enthusiastisch begrüßt. Die Schuljugend der Reichshauptstadt ist, wörtlich und übertragen genommen, rein aus dem Häuschen. Auf allen Straßen und Pläßen wimmeln sie seit der Morgenfrühe herum, die mehr oder weniger lieben Kleinen, und die helle Freude strahlt aus ihren Gesichtern. Mit gutem Grund. Durch eine eigenartige Konstellation haben sie ununterbrochen eine halbe Woche Ferien ergattert. Morgen ist Sedanfeier. Gestern siel die Schule aus wegen der angesezten Herbstparade, die aber mitten drin wieder abgesagt wurde, und heute findet die Parade nun doch noch statt, deren Ausfall jeder brave Berliner Junge gestern bitterlich beklagte. Herz, was willst du mehr! Und mit den Kleinen jubeln die Großen. Denn dem Berliner und nicht minder der Berlinerin steckt die Liebe zum Militär und vor allem zu den glänzenden Paradeschauspielen von jeher tief im Blute, wenn auch Männlein und Weiblein altem Herkommen gemäß über die Versperrung der Straßenzüge durch die zum Tempel: hofer Felde an- und wieder abrückenden Truppen nicht genug zu schelten wissen. Denn„ geschumpfen" muß sein, raisonniert muß werden, sonst ist's kein richtiges Amüsement. Der Kaifer" der ,, Camelots". Aus Paris kommt die Trauerbotschaft von dem Tod eines „ Kaisers", die aber keinem europäischen Hofe zugehen wird. Dieser Herrscher, der mitten in einem republikanischen Staatswesen regierte, hieß Napoleon Havard, und sein Reich lag in der Nähe der Rue du Croissant. Seine Untertanen waren alle„ Camelots", die Straßenhändler von Paris, die in ihm zugleich einen Herrn und einen guten Kameraden ehrten. Aus ihren Reihen war er hervorgegangen und hatte sich dann bis zu den Gipfeln irdischer Macht emporgeschwungen. Ein„ Camelot" war er allerdings längst nicht mehr. Man sagt sogar, daß er troy jeiner Liebe zum petit verre" ein hübsches Stückchen Geld zusammengerafft habe. Nur bewahrte er auch als„ Kaiser" die alte Einfachheit und verfehrte in jener merkwürdigen Welt der Camelots, in der alle Proletarier von Paris sich zusammenfinden, mit einer Kollegialität, als ob er immer noch genötigt wäre, die Blätter in den Straßen auszuschreien. So kam es, daß Noulahs Artikel ungedruckt blieben. Der Mann geriet in Not und konnte die Miete 90 Franken nicht bezahlen. Der Hauswirt ließ ihn pfänden, aber Noulah trug, weil er sein Weib nicht hungern sehen konnte, heimlich sechs gepfändete Teller, künstlerische Wertstücke, ins Leihhaus und versetzte sie für 20 Franken. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 50 Mark Geldstrafe, die aber pieder aufgehoben werden wird, wenn er sich innerhalb einer bestimmten Frist nichts mehr zu schulden kommen läßt. Nab und fern. Schuer Werft von er chinesische picilers. 3 ses Bugperi * IDer furzem ein testamentari heißt es im Der Kaiser in Dresden. Bald nach der Rückkehr von der Herbſtparade begab sich der Kaiser nach Dresden, wo er vom König von Sachsen, dessen Zustand sich gebessert hat, am Bahnhof empfangen wurde. Im Bankettsaal des föniglichen Schlosses fand eine Galata fel statt, an die sich ein Besuch des Opernhauses schloß. Um 9 Uhr wohnte der Kaiser dem großen Zapfenstreich auf dem Theaterplate bei. Heute nimmt der Kaiser mit dem Könige von Sachsen im Baradenlager Zaithain die große Parade des 12. Armeeforps und der Kavallerie- Division B ab. In dem Programm für die Anwesenheit des Kaisers in Dresden waren infolge der Verschiebung der Herbstparade des Gardekorps im letzten Augenblick eine wesentliche Aenderung eingetreten. Der Kaiser ließ sich bei dem geplanten Besuch in der Städteausstellung durch den Kronprinzen vertreten. Dieser traf gleichzeitig mit dem Großherzogspaar von Sachsen- Weimar in Dresden ein und wurde vom König von Sachsen, dem sächsischen Kronprinzen und den Pri zen des Hauses Wettin entpfangen. Nach dem offiziellen Einzug in die Stadt fand eine Frühstückstafel und darauf der Besuch der Ausstellung statt. Aus Anlaß des kaiserlichen Besuchs ist Dresden festlich geschmückt. Alle öffentlichen und zahlreiche Privatgebäude haben geflaggt. Einen besonders schönen Anblick gewährt der Altmarkt, auf dem das Siegesdenkmal sich in einem Halbbogen von Obelisken und Flaggenmasten vor einem aufragenden Wald von Kiefern und Fichten wirkungsvoll abhebt, rings um ihn an Häusern und Dächern Guirlanden und Kränze, Blumen und Teppiche. Prächtig ist die Zufahrtstraße zum Bahnhof mit ihren Guirlanden, ihren Flaggen und ihren blumen- und laubgeschmückten Häuserwänden. In den Straßen wogt bei prachtvollem Wetter eine zahlreiche Menschenmenge. Keiner verstand es, wie er, eine Sache oder einen Menschen populär zu machen. Aus seinem Laden ging jene ungeheure Menge von Eintagsplakaten, Reflamezetteln u. s. w. hervor, die sich jeden Tag auf die Boulevards niederſenkt. Gassenlieder, Postkarten, drollige Todesanzeigen, alles, was für zwei Sous auf den Terrassen der Pariser Kaffeehäuſer ausgebrüllt und verkauft, alles, bis herab zu den kleinen Schweinchen aus Goldschlägerhaut, die aufgeblasen werden und dann einen markerschütternden Schrei hören lassen( vor zwei Jahren hieß dieser Schrei der letzte Seufzer Chamberlains", jetzt heißt er der letzte Seufzer der großen Therese"), alles kam aus dem Laden Hayards. Denn er war ein Mann voll Ideen, und er war immer aktuell". Durch seine Lieder hat er Boulanger populär gemacht; er war es, der in Marseille den Empfang des Präsidenten Krüger mit Abzeichen, Chansons und Fahnen„ orga jierte"; er ging jüngst nach London, um Herrn Loubet bei den Engländern zu„ lancieren", und als seine„ Co lots" in Regentstreet ihr ,, Viens Mimile" ausriefen, lauschte ganz England. Eine sehr große Anzahl seiner Kompositionen ist berühmt geworden, aber von Kennern am meisten geschäßt wurde das herrliche„ En voulez- vous des z'homards?" Man war allgemein der Ansicht, daß der Mann, der diesen Titel gefunden hatte, nicht der erste beste sein konnte. Den Gipfel des Ruhmes aber erreichte Napoleon Hayard mit seinem neuen Liede( gedruckt in diesem Jahre"):„ Ah! pauv' Thérèse, tu vas en bouffer des haricots!"( Arme Therese, du wirst noch an den Bohnen sticken), eine zarte Anspielung auf die Zuchthauskost, die die große Therese Humbert erwartet. Der Kaiser der„ Camelots" starb also gewissermaßen in den Sielen", und er starb den Tod eines vornehmen, modernen Menschen, denn was kann vornehmer und moderner sein, als von einem Automobil überfahren zu werden? und Napoleon wurde überfahren! Gestern war denn auch in dem breiten Menschenwall, der vom Schloß bis zum Paradefeld hinaus die Straßen um säumte, durch die der Kaiser an der Spize seiner Truppen zurückkehren mußte das ist immer der Glanzpunkt des großen Schauspiels für den Berliner Paradebummler die Stimmung durchaus nicht gedrückt, als die Nachricht kam, die Parade wäre abgebrochen. Man hatte ja Grund dem kaustischen Berliner Wit freien Lauf zu lassen, und das genügt, um kein eigentliches Mißvergnügen aufkommen zu lassen. Als die zurückkehrenden Spielleute eines Garde regiments zufälligerweise spielten: So leben wir, so leben wir", tönte es aus der Menge: hr könnt lachen! " Jearbeetet" habt ihr heut nicht, und euer Paradegeschenk bekommt ihr doch!" Bekanntlich erhalten alle Mannschaften, die an den großen Paraden teilnehmen, das sogenannte Paradegeschenk aus der kaiserlichen Privatschatulle. Dieses beträgt für sämtliche Unteroffiziere mit und ohne Portepe 1 Mark, für die Gefreiten und Gemeinen 50 Pf. Die Auszahlung dieser Spende erfolgt am 11. d. Mts. bei der Löhnungszahlung. Heut haben sich nun aber die braven Gardisten ihr Geschenk nachträglich redlich verdienen müssen. Schon die Vorarbeiten waren doppelt schwer. Die Parade. monturen troffen vom gestrigen Regen, und das Lederzeug war durchweicht und schmuzig. Nun hieß es in der Eile alles wieder glänzend herrichten, um vor den kritischen Augen des obersten Kriegsherrn bestehen zu können. Offiziere, die schon auf Urlaub gegangen waren, mußten telegraphisc zurückgerufen werden, kurz, es gab Stunden fieberhaftester Arbeit und Aufregung gestern Abend in den Kasernen. Aber heute früh um 8½ Uhr standen die Truppen in tadellosem Paradeanzuge zum Einziehen in die durch Tafeln bezeichnete Aufstellung bereit, und alles klappte". Bauernaufruhr in Italien. In Ponte di Sarno bei Castellamare kam es wegen einer gesundheitspolizeilichen Anordnung der Behörde zu einem Zusammenstoß zwischen Carabinieri und Bauern. Diese warfen mit Steinen und verwundeten den Polizeikommandanten und einen_Unteroffizier. Als dann ein Carabinieri einen Schuß in die Luft abgab, wurde er von den Bauern umzingelt; er machte nun von der Wafef Gebrauch, tötete drei Bauern und verwundete mehrere. Das schaffte Ruhe bis zum nächsten Mal, wo irgend eine neue Verordnung die Oppositionslust der Bauern erivedte. Derartige törichte Aufstände sind in Italien eben an der Tagesordnung. Wir müssen aber als gewissenhafte Chronisten auch auf einen dunklen Punkt in diesem Lichtbilde hinweisen: Napoleon arbeitete auch auf Bestellung, und das war nicht immer hübsch von ihm. Er lieferte die„ Claque" in den öffentlichen Versammlungen. Man erzählt, daß vor ganz kurzer Zeit zwei Kandidaten, die in öffentlicher Versammlung einander gegenübertreten wollten, sich von Hayard Argumente" liefern ließen, jeder natürlich, ohne daß sein Gegner davon wußte. Die Argumente" bestanden in fünfzig ,, Camelots", die zur festgesetzten Stunde im Saale erschienen. Während der ersten Stunde brüllten sie:„ Hoch X...!" und während der zweiten ,, Hoch 3...!" So hatte jeder etwas für sein Geld. Eines Tages trat Hayard selbst als Parlamentskandidat auf oder vielmehr als„ halber Kandidat", denn er teilte die Kandidatur mit einem seiner Freunde, und beider Bilder erschienen auf den Wahlzetteln mit der Umschrift: ,, So, Volf von Paris, wirst du für 25 Franken( das ist der Diätenbetrag, den ein französischer Abgeordneter erhält) zwei Männer haben. Bis jetzt bist du ausgebeutet worden. Ich aber bin der billige Kandidat, der Kandidat für 12 Fr. 50." Der billige Kandidat wurde leider nicht ge. wählt. Jezt ist Napoleon Hayard tot. Die ganze Rue du Croissant( er duzte alle Leute, die dort wohnten) folgte seiner Leiche. Eines nach dem anderen verschwinden sie, die Dri ginale, die excentrischen Männer, die Pariser Typen". Brausende Hurrarufe der Menge empfangen die Leibkompagnie des 1. Garde- Regiments, die die glorreichen Feldzeichen überbringt. Am rechten Flügel der 1. Seftion marschiert, lebhaft begrüßt, Prinz Eitel Friedrich. Equipage auf Equipage rollt heran, Prinzen und Generale sprengen vorüber, und jetzt schallt es aufgeregt durch die dichten Reihen:„ Der Kaiser kommt!" Im offenen Wagen mit dem bekannten Schimmelgespann fährt er in der Paradeuniform des 1. Garderegiments z. F. nach der Kaserne des 1. Garde- Dragonerregiments, um dort sein gewohntes Baradepferd, einen großen Braunen, zu besteigen. In der Nechten den Marschallstab, reitet er, links neben ihm der junge Herzog von Koburg und Gotha, im Schritt auf das Feld, wo auch bald die Kaiserin erscheint und gemeinsam mit dem Kaiser die Paradeaufstellung besichtigt. Und nun ordnen sich die Truppen unter dem Kommando des Generals bon Kessel zum Parademarsch, den der Kaiser von dem gewohnten Standpunkte in der Nähe der einsamen Bappel ab. nahm. Es fanden zwei Vorbeimärsche statt. Die Fußtruppen kamen das erstemal in Kompagniefronten, die Leibgendarmerien und Eskadron- Gardejäger zu Pferde in Zügen, die Kavallerie in Eskadronfronten, die Feldartillerie in Batteriefronten, der Train in Kompagniefronten, die berittenen Truppen im Trabe; bei dem zweiten Vorbeimarsch defilierten die Neaimenter der Fuktruppen in Reaiments. " Hus dem Gerichtsfaal. Ein ganzes Dorf durch Fener zerstört. In demKirch dorfe Maidan( russ. Gouvernement Simbirsk) vernichtete ein Großfeuer bei Sturmwind 307 Bauernhöfe mit sämtlichen forngefüllten Scheunen. Das Feuer brach am Tage aus, während die Bauern auf dem Felde mit Ernteaebeiten beschäftigt waren. § Er hat das nicht so gemeint". Vor dem Breslauer Schöffengericht hatte sich ein Zimmermann wegen Körperperletzung und Bedrohung zu verantworten. Bei einem Neubau war er mit einem Maurer und dem Polier in Streit geraten, wobei er die beiden tätlich mißhandelte und dem Maurer gedroht hatte, ihn mit dem Beil zu erschlagen. In seiner Verteidigungsrede sagte er:„ Ich habe das nicht so gemeint. Wenn ich auch so gesprochen habe, so hätte ich es doch nicht getan. Es ist gerade so wie bei Ihnen( zum Gerichtshof); wenn die Herren jemand ärgert, so sagen Sie ihm auch: Ich schmeiße dir die Akten oder den Federhalter an den Kopf, weil Sie das gerade so bei der Hand haben, und doch tun Sie es nicht." Der Vorsitzende erwiderte lachend, daß solche Redensarten bei Gericht nicht Mode seien. Bald erfuhr auch der Angeklagte, daß seine Ausführungen wohl die Lachmuskeln des Gerichtshofes beeinflussen konnten, nicht aber dessen Rechtsauffassung; denn das Gericht verurteilte ihn zu zehn Tagen Gefängnis. Bunte Chronik. In Frankfurt a. M wird am 8. September das Grabdenkmal, das die Stadt ihrem Ehrenbürger Minister v. Miquel gewidmet hat, feierlich enthüllt werden. Teiftet hat, ni Sofiah Brigg [ Der f Stadt Sheffi auf Wahrhei Ein Herr ho Bei einem Renkontre mit zwei Wilderern wurde der Gemeindevorsteher Bentmann aus Zschiesewitz bei Bitterfeld durch zwei Schüsse tödlich verwundet. Es gelang ihm noch, sich nach seiner Wohnung zu schleppen; dort angelangt, fant er aber leblos zusammen. § Ein neues Opfer der Humbecis. Vor dem Pariser Zuchtpolizeigericht erschien dieser Tage ein Journalist namens Noulah unter der Anflage, gepfändete Gegenstände heimlich bersetzt zu haben. Der arme Teufel bezeichnete sich selbst als ein Opfer des Humbertprozesses. Er schrieb für mehrere Pariser Zeitungen und beschäftigte sich besonders mit Kolonialfragen. Die spaltenlangen Berichte über die HumbertSache machten es aber den Blättern in der letzten Zeit unmöglich, sich eingebend mit Kolonialfragen au befassen. Vermischtes. [ Das Ende des„ Durchsichtigen".] In Teplitz verstarb an Magenkrebs der sogenannte durchsichtige Mensch, Count Orloff, der sich längere Zeit in den verschiedensten deutschen Städten als Naturwunder für Geld sehen ließ. Orloffs gänzlich verkrüppelte und verbogene Gliedmaßen bestanden eigentlich nur aus Haut und Knochen, die aus einer eigenartigen durchsichtigen Masse bestanden. Zur Beerdigung mußte für den verkrüppelten Leichnam des Verstorbenen ein eigener Sarg gefertigt werden, in welchen er in sizzender Stellung hineingelegt wurde. fidh zu einer brunnen tre berhindert, liebten Na gut Glüd e am Spring tete eine gu war eben in an ihn beran Der Angered Telegramm Woher muf fragte er den und da Sic id), idh fönn wurde natü Ginen f Streit der [ Zweierlei Tuch" in Meißen.] Die Vorliebe des schönen Geschlechts für das zweierlei Tuch" ist in Meißen während der viertägigen Einquartierung von Manövertruppen in so aufdringlicher Weise hervorgetreten, daß sich das dortige Amtsblatt zu folgender zarten Ermahnung veranlaßt sieht:„ Daß sich die Mädchen und Frauen sehr für das Militär interessieren, kann wohl nicht schaden, nur müßte dieses Interesse nicht in unpassende Zudringlichkeit ausarten. Gerade gestern konnte man bei dem Marsche nach dem Nebungsgelände mehrfach junge Mädchen bemerken, deren Betragen viel an Tugendhaftigkeit zu wünschen übrig ließ. Sie drängten sogar zwischen die Kolonnen hinein und mußten sich dann von Offizieren beschämende. Verweise gefallen lassen. Wo bleibt da Anstand und gute Sitte?" Nach dieser öffentlichen Bußpredigt zu schließen, müssen die in zweierlei Tuch verliebten Sächsinnen es allerdings etwas ſtark getrieben haben. [ Ein dankbarer Patient.] In London herrscht in den letzten Tagen ein großer Andrang von jungen Mädchen aller Stände zu dem schweren und gefährlichen Amt der Krankenpflegerinnen. Woher mit einmal diese Hochflut von Kandidatinnen? Die 3' ungen hatten gemeldet, daß eine Krankenschwester rumens Wienes von einem Kranken, den sie während seiner Pockenkrankheit pflegte, fünf Millionen Francs geerbt hat. Was Fräulein Wienes passierte, denken die neuen Samariterinnen, fann uns ja auch blühen. Aloj schleunigst Krankenpflegerin werden, um auch solchen dankharen Patienten eraattern zu können. leber Uripr Jaro": Es f wedhjei" Ge habe, 8 Tag jei aber nich werde feine wird die Dis fördert.... ** Geflickte Reichskassenscheine. In den Bestimmungen für den Umtausch durchgerissener und wieder zusammengeklebter Reichskassenscheine ist eine Aenderung eingetreten. In Zukunft werden nur solche geflickte Scheine bei den öffentlichen Kassen eingelöst, in denen sich ein Stück befindet, das mehr als die Hälfte des Scheines ungeflebt zeigt. Ein Kassenschein z. B., der durch seine gewöhnlichen Knickflächen in vier gleichgroße Teile„ zerfällt", wird fortan nicht mehr umgetauscht, sondern nur noch bei der Reichsschulden- Verwaltung in Berlin eingelöst. Es ist daher die größte Vorsicht bei der Annahme geflickter Reichskassenscheine zu üben. Eine österreichische Unterhandlu der es dem von Stalien ftige Erledig rg. Zu de welche für li Kenner der si von Sibirien ding. Es w rend einiger und Petersb so daß für noch immer land ist, was ift jogar nur Truppen in Kansas City der Sage vo Mit den ang Berlin( 10 pro Waggon u der nach Been haltungsbeila vollen Bilder heutigen ruff Der it ht im Mi Streitenden S flaff n des wie in einen Spiegeln. D halt des Ro Strudom zu funft, lange fchloffen bor gum lebten hält.. auf dem Der InfanterieRommandier ** Die Broving werden Mo Juftigt änd Landgerichts Da Tag, an und des burg und best mmt. Slaatslotte am 10., 24, 25, welchem die find, heraus Wegen der bet inntlich Fahrpreiser Im Diritti eingetreten, leben. Det 90 Franken anden, aber ehen konnte, ertitude, ins Gerichtshoj afe, die aber erhalb einer en läßt. üdfehr von Dresden, wo ebeiiert hat, ettfaal des an die sich wohnte der terplage bei. Sachsen im 12. Armee Programm aren infolge sim letzten reten. Der Städteaust traf gleidh Weimar in , dem sächsi Wettin emdie Stadt ch der AusBesuchs ist nd zahlreiche schönen Antegesdenkmal aggenmasten nd Fichten und Dächern e. Prächtig Guirlanden, geschmidten prachtvollem i Sarno bei spolizeilichen toß zwischen Steinen und einen Unterin die Luft machte nun verwundete en Mal, wo der Bauern Stalien eben in demKirch ) vernichtete e mit jämt ch am Tage rntenebeiten am 8. SepEhrenbürger üllt werden. wurde der Sei Bitterfeld ng ihm nodi, gelangt, fant Teplit ver ige Mensch, rschiedensten sehen ließ. Gliedmaßen en, die aus 1. Zur Be m des Verwelchen er orliebe des in Meißen Manövern, daß sich hmung veren sehr für , nur müßte eit ausarten. e nach dem erfen, deren übrig ließ. und mußten je gefallen Nach dieser in zweierlei s ſtarf ge richt in den ädchen aller er Kranken von Kan , daß eine anfen, den Millionen erte, denken ühen. Aloj olchen dant ftimmungen zufammeneingetreten. ine bei den üd befindet, zeigt Gin Anidflädjen nicht mehr hulden- Ver größte Bor ie zu üben. + Schweres Eisenbahnunglück. Auf einer Brücke, 742 Werst von Charbin belegen, entgleiste ein Eisenbahnzug er chinesischen Ostbahn infolge Unterspülung eines Brückenpfeilers. Zwei Zugführer wurden getötet und sechs Mann des Zugpersonals schwer verletzt. * Der dankbare Ehemann.] In St. Louis starb vor furzem ein reicher Mann, der einem gewissen Josiah Briggs testamentarisch 1000 Dollars hinterließ. Ich kann ihm", heißt es im Testamente, den Dienst, den er mir einst geleistet hat, nie vergessen." Der Dienst" bestand darin, daß Josiah Briggs die Frau des Erblassers entführte. [ Der findige Telegraphenbote.] Aus der englischen Stadt Sheffield wird ein Stücklein berichtet, das, wenn es auf Wahrheit beruht, dem Telegraphenamt alle Ehre macht. Ein Herr hatte sich mit seiner Braut verabredet, daß beide sich zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Spring. brunnen treffen wollten. Die Dame war in letter Stunde verhindert, zu kommen und wußte nicht, wie sie dem Geliebten Nachricht geben sollte. Schließlich schickte sie aus gut Glück ein Telegramm ab mit der Adresse: Herrn X.. am Springbrunnen, Picadilly Circus. Der Adressat wartete eine gute Viertelstunde an der bezeichneten Stelle und war eben im Begriff, wegzugehen, als ein Telegraphenbote an ihn herantrat mit der Frage: Sind Sie Herr X....?" Der Angeredete bejahte und war nicht wenig erstaunt, das Telegramm mit der merkwürdigen Adresse zu bekommen. Woher wußten Sie, daß das Telegramm für mich war?" fragte er den Boten. Ich habe 10 Minuten hier gestanden, und da Sie aussahen, als erwarteten Sie etwas, so glaubte ich, ich könnte einmal mein Glück versuchen." Der Bote wurde natürlich für seine Findigkeit belohnt. Einen sonderbaren Ausgang nahm der bereits erwayne Streit der französischen Generale Deſserier und Percin. leber Ursprung und Ausgang des Streites meldet der„ JiJaro": Es sei richtig, daß nach einem etwas erregten Briefwechsel" General Desserier den General Percin aufgefordert babe, 8 Tage in Zimmerarrest zu verbringen, die Bestrafung jei aber nicht aufrechterhalten worden und der Zwischenfall werde feine Folgen haben. Durch solche Friedfertigkeit" wird die Disziplin im französischen Heere nicht gerade gefördert.... Eine eigenartige Etikettenfrage beschäftigt jetzt den österreichischen Hof. Desterreich steht nämlich zur Zeit in Interhandlungen mit dem Vatikan betreffend einen Modus, der es dem Kaiser Franz Josef gestatten würde, den König von Stalien zu besuchen. Es soll Hoffming auf eine günstige Erledigung der Angelegenheit bestehen. Der Landwirt. rg. Zu den Massen- Fleischlieferungen ans Sibirien, über welche fürzlich berichtet wurde, läßt sich jetzt ein genauer Renner der sibirischen Verhältnisse wie folgt aus: Rindfleisch von Sibirien nach Deutschland zu schicken, ist ein reines Unding. Es wird dort nur nur im Herbst und Winter wäh= rend einiger Monate etwas geschlachtet, das die Moskauer und Petersburger Wurstfabriken zu guten Preisen abnehmen, so daß für den Erport durchaus nichts übrig ist. Es gibt noch immer Leute, welche glauben, daß Sibirien ein Fleischland ist, was aber durches nicht der Fall ist. Rindfleisch ist sogar nur sehr wenig vechanden. Die gesamten russischen Truppen in Ostasient cleischkonserven aus Chicago, Kansas City u. s.w., was doch schon genügen müßte, um der Sage vort iehreichtum Sibiriens ein Ende zu machen. Mit den angeblich geplanten Fleis sendungen von dort nach Berlin( 10 000 Kilo- Waggons, bei 3500 Mark Unkosten pro Waggon) scheint es demnach noch gute Wege zu haben. Unser neuer Roman, der nach Beendigung des laufenden in unserer täglichen Unterhaltungsbeilage beginnt, führt den Leser in bunten, wechselvollen Bildern in das Leben und die Anschauungen der heutigen russischen Gesellschaft ein. Der Herr von Zalaur st ht im Mittelpunft eines Kreises, in deren sich die widerstreitenden Interessen der verschiedenen Stände- und Berufstlass n des großen mostowitischen Riches auf kleinem Raum wie in einem gemeinsamen Brennpunft sammeln und wiederspiegeln. Der tiefe, ethnologische und kulturgeschichtliche Gehalt des Romanes, den die bekannte Schriftstellerin Alice C. Strückow zur Verfasserin hat, die, obgleich von deutscher Abfunft, lange Jahre im heiligen Rußland gelebt hat, ist um schlossen von einer packenden Handlung, die den Leser bis zum lebten Augenblick in immer wachsender Spannung erhält.. Lokales. Gießen, 2. September 1903. Der Großherzog wohnte Montag vormittag auf dem Truppenübungsplaße den Besichtigungen der Infanterie- Regimenter Nr. 115 und 168 durch den Herrn Rommandierenden General bei. * Die Sigungen des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen für das 3. Vierteljahr 1903 werden Montag, den 28. Sept., vorm. 91/2 Uhr, in Justizg tände in Gießen unter dem Vorsitze des Großh. Landgerichtsrats Schmeckenbecher ihren Anfang nehmen. ** Das Großh. Ministerium der Justiz hat als den Tag, an welchem mit der Anlegung des Grundbuchs und des Berggrundbuch der Gemarkungen Ar n= Burg und Hofgüll zu beginnen ist, den 20. Sept. 1903 Best mmt. ** Die Ziehungstage der 2. Hessisch- Thüringischen Staatslotterie beginnen am 9 Sept. und werden fortges ht am 10., 11., 12., 14, 15., 17., 18., 19, 20., 21., 23, 24, 25, 26. und 28. Sept. und der Schlußtag, an welchem die letzten Prämien, soweit sie noch nicht gezogen find, herauskommen, am 1. Oft. d. I. * Beschränkte Fahrpreisermäßigung Wegen der großen Manövertransporte im September werden Befinntlich im B zirke der Direktion Köln überhaupt feine Fahrpreisermäßigungen bis Ende September mehr gewährt. Im Direftione be, ut Frankfurt ist eine Beschränkung insofera eingetreten, als die Direktion sich vorbehalten hat, bis Ende| September die einzelnen Gesuche um Fahrpreisermäßigung bei Gesellschaftsfahrten 2c. zu genehmigen oder abzulehnen, falls mehr wie ein Wagen zweiter oder dritter Klasse erforderlich ist. ** Die Weiterführung der nahezu vollendeten Bahnstrecke Bußbach- Lich über Lich hinaus bis Grünberg beschäftigt schon jgt die in Betracht kommenden Gemeinden sehr lebhaft. In aller Kürze soll in Lich eine Versammlung der Bürgermeister der Gemeinden Nie er Bessingen, Ober- Bissingen, Münster, Ettingshausen, Dueckborn und Grünberg stattfinden. Auch die Landtagsabge ordneten der betreffenden Bezirke werden daran teilnehmen. Erst nach Weiterführung bis nach Grünberg wird die Bahn ihren vollen Wert erhalten und für den Bergbau und die Industrie ein neues Gebiet erschließen. Dueckborn besitzt ein großes Holzschneidewerk und bedeutende Lung steinbrüche, Ettingshausen und Ober- Bessingen sind reich an vorzüglichen Basaltlagern und bei Münster liegen noch Braunkohlen. Die G markungen Ettingshausen und Nieder- Bessingen besigen viel Roteisenerze; die Gruben mußten vor Jahren infolge zu hoher Transportkosten eingestellt werden. Alle diese Bodenschäße würden durch die Bahnstrecke an Wert gewinnen, den betreffenden Gemeinden Verkehr und Industrie und d n Bewohnern Verdienst bringen. ** Im Neuen Saalbau zu Gießen fonzertiert Donnerstag abend die Kapelle des 4. Hess. Inf. Reg. Nr. 118 aus Worms. Freunde einer guten Militärmusif sind höft. darauf aufmerksam gemacht. * 8um Sedan fest haben in Gießen alle staatlichen und städtischen Gebäude geflaggt. Um 7 Uhr morgens wurde vom Turm der Stadtkirche der Festtag mit dem Choral:" Lobe den Herren", gespielt von der Feuerwehrtepelle, eingeleitet. ** Sedanfeuer. Ein weithin leuchtendes Sedanfeur wurde am 1. Sept. abends auf dem Wartberg bei Grünberg abgebrannt. Zahlreiche Zuschauer tatten sich eingefunden, um dem Schauspiel zuzusehen. Mit den Jahren sind diese Sedaufeuer, die in der Regel am 2 Sept. abgebrannt wurden, immer mehr im Schwinden begriffen. In früh ren Jahren konnte man in manchen Gegenden Deutschlands von einem Punkt aus 20-30 solcher Sedanfeuer beobachten. ** Die Zentralleitung des Verbandes der Südwestdeutschen Detaillisten Vereine wird am 13. Sept. in Larmstadt eine größere Konferenz abhalten, in welcher eine Anzahl wichtiger Verbandsfragen ihre Er= ledigung finden sollen. gel * Am 1. Januar 1904 werden alle Handlungsehülfen und Lehrlinge mit einem Jahres gehalt bis zu 2000 Mt. frankenversich rungspflichtig. Es empfiehlt sich deshalb für alle Beteiligten, rechtzeitig die bezüglichen Schritte zu thun. Die Arbeitgeber haben die Pflicht der Anmeldung. nen || Auf der cm Sonntag in Klein- Auheim abgehalteSozialdemokratischen Kreis konferenz Offenbach Dieburg" sprach sich der Landtagsabgeordnete Ulrich bezüglich der Vizepräsidentenfrage im Sinne Bernsteins und Vollmars aus. Wegen seiner Niederlage im Reichstagswahlkampfe befam Herr Ülrich harte Worte zu hören. Er soll nicht geung agitiert haben. Auf der Konferenz waren 35 Ditschaften mit 63 Delegierten vertreten. ** Gießener Volksbad. Im Auguſt wurden verabreicht, 8883 Bäder gegen 12421 im Juli 1903 und 9132 im August 1902, oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 312 Bäder gegen 428 im Juli 1903 und 326 im August 1902. Der Besuch hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad: 3640 Männer, darunter 922 zu 10 P. 1472 Frauen 326 ,, 10" Wannenbäder: 1. Kl. 222 Männer, 147 Frauen, 2. Al. 692 547 Dampf und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 109 Männer, 20 Frauen. Brausebäder 1732 Männer, 302 Frauen. Die Personewage wurde von 240 Personen benutzt, das Bad von 10 Personen besichtigt. Wichtige Gerichtsentscheidung. Eine gerade für Gastwirte wichtige Entscheidung fällte das Schöffen gericht Zwickau, indem es einen dortigen Gastwirt mit 10 M. Geldstrafe belegt, weil er geduldet hatte, daß zwei umherziehende Artisten in seinem Schanklokale ohne polizeiliche Genehm gung Vorstellungen veranstalteten und danach bei den anwesenden Gästen Geld dafür einkassierten. Die Gastwirte werden daher qut tun, sich von den Artiſten 2c. stets erst die polizeiliche Erlaubnis vorzeigen zu lassen, bevor sie ihre Zustimmung den Leuten geben. § Krofdorf. Ueber die Gehöfte des Heinrich Müller in Azbach und Friedrich Weber in Dutenhofen ist wegen Rotlauffeuche die Sperre verhängt. Bad Nauheim, 30. Aug. In der abgelaufenen Woche sind 776 Kurgäste angekommen und beträgt die Gesamtfrequenz bis zum 27. August 1903 21 804 Personen ( 1902: 20 445), wovon am genannten Tage noch 4372 ( 1902: 3927 anwesend waren. Bäder wurden bis zum legten Donnerstag 279 668( 1902: 255 074) abgegeben. )( Dillenburg, 2 Sept. Das nationalliberale Wahlfomitee beabsichtigt den bisherigen Abgeordneten Herrn Amtsgerichtsrat Hofmann als Kandidat für die Landtagswahl wieder aufzustellen. Frankfurt a. M., 1. Sept. Die 4 Kavallerieregi menter des 18. Armeekorps haben je 12 ihrer besten Pferde für das Gefolge des Kaisers während der Kaisermanöver zur Verfügung zu stellen. Die Pferde wurden gestern in Hanau verladen. Frankfurt, 1. Sept. An der in auswärtigen Blättern verbreiteten Nachricht, die hiesigen Demokraten beabsichtigen, bei der bevorstehenden Landtagswahl den freisinnigen Abgeordneten Fund fallen zu lassen und mit den Sozialdemokraten unter Ueberlassung des einen Abgeordnetenmandates einen Bund zu schließen, ist natürlich kein wahres Wort. Die Demokraten und Freisinnigen haben heute vielmehr ein gemeinschaftliches Wahlbureau eröffnet und halten an ihren Kandidaten Funck und Deser fest. + Wiesbaden, 1. September. Louis Botha trifft nächste Woche zu längerem Kurgebrauche hier ein. Er nimmt in der Villa„ Prinzessin Louise" Wohnung. In der Vlla wohnt schon seit längerer Zeit Bothas Schwester. Wiesbaden, 1. Sept. Bei einer hiesigen Familie, wo sich das zweite Kind erst nach mehrjähriger Pause eingefunden hatte, fragte ein Polizist im Auftrage des Standesamtes, ob die Sache ihre Richtigkeit habe.(!) und nebenbei verlangt man noch von der Polizei, daß sie Spizbuben fange!" bemerkt hierzu die Frff. Ztg." Warum das Nürnberger Turnfeft verregnete. Der Grund, warum es beim Turnfest in Nürnberg ge= regnet hat, ist verbürgten Mitteilungen aus dem Wolkenreich zufolge der: Als Petrus fürzlich runter sah Zu unserm Turnerfeste Und all den frohen Menschen da, Gefiel es ihm auf's beste. Doch wie er seine Brille dann Sett' auf die alte Nase, - Er sieht halt auch nur etwas schlecht- Rief er: Nein, seht die Blase, Die schenkt ja taum dreiviertel voll Den Turnern ihre Krüge, Und läßt sich zahlen doch für's Bier Warhaftig zur Genüge. Ein schlechtes Maß, das wurmt mich ſtets, Es ist auch eine Schande- Und bringt mein Nürnberg in Verruf Im ganzen deutschen Lande. Soll ich für so ein schlimmes Tun Noch gutes Wetter spenden? Dazu bin ich nicht aufgelegt, Man fann mit's nicht verdenken." Er schaltet schnell die Sonne aus, Stellt ein dafür den Regen So mancher ruft am Feste bald: Hör' auf mit deinem Segen- Allein der Petrus hört nicht auf Und spricht dabei ganz munter: Für jeden Tropf n Mindermaß Schütt' ich Millionen' runter!" Martt. Obstmarkt. Der Wochenbericht der Zentralstelle für haltend äußerst lebhaft. Angebote in Kernobſt laufen zahl= Obstverwaltung zu Frankfurt besagt: Das Geschäft ist anreich ein, namentlich in Zwetschen, von welchen in den letzten Tagen über 30 000 Zentner angeboten würden. Die Abschlüsse erstrecken sich fast ausschließlich auf Steinobst. Birnen und Aepfel, namentlich Mostäpfel, sind sehr gefragt und Angebote hierin der Zentralstelle erwünscht. Die Durch schnittspreise betrugen: Mirabellen 20-25 Mt.( beste Konserv ware b8 30 Mt.), Reineflauden 17-20 mt., Preißelbeeren 12-14 Mt., Pflaumen 8-10 Mt., Frühäpfel 10-15 Mt., Frühbirnen 10-20 Mt., Pfirsiche 30 Mt., Frühzwetschen in Waggons 5 Mt. pro 50 Kilogramm. Frankfurter Heu- und Strohmarkt vom 1. Sep3.00-3.50, Stroh per Zentner Mt. 1.80-2 20. Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil Albin klein: Har bas Botale, ben„ Gerichts." und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Lppermann Dead and Berlag der Gießener Verlagsbruderei( vorm. Wilb. Keller), Gießen. Daß eine Spekulation auf den möglichen Höchstgewinn der Gothaer Seldlotterie im Betrage von 125 000 Mf. feine zu kühne iſt, ergiebt sich aus der Tatsache, daß sogleich bei der ersten Ausspielung der Darmstädter Schloßfreiheitslotterie der mögliche Höchſtgewinn von 250000 mf. von einem Spieler wirklich erzielt worden ist. Die Ziehung findet unwiederruflich vom 2. September ab statt. Loſe ſchon für 3 Mark bei allen Loseverkaufsstellen. ** Absender als Adressaten. In der ,, Nordd.tember.( Amtliche Notierungen.) Heu per Zentner Mk. Aug Bta." liest man: Einem Betrug ist die Postverwaltung| auf die Spur gekommen. Drucksachen werden bekanntlich nur dann befördert, wenn sie vollständig freigemacht sind, anderenfalls gelangen sie an den Absender zurück, soweit sich dieses durch Aufdruck usw. durchführen läßt, ohne daß der Absender Strafgeld zu zahlen hätte. Es giebt Leute, die slbst auf das Ersparen einer Zweipfennigmarte Gewicht legen, da die Ersparnis bei einer größeren Anzahl solcher Sendungen sich bis zu einem sehr bemerkenswerten Betrage vervielfältigen kann. Und es ist gar nicht so schwer, nach dieser Richtung hin das Poſtgesetz zu umgehen. Man schreibt nämlich ganz einfach seinen eigenen Namen als den des Empfängers auf die Drucksache und den Namen dessen, für den die Sendung bestimmt ist als den des Atsenders auf die Rückseite. Da nun nicht freigemachte Drucksachen nicht befördert werden dürfen, so gehen die Sendungen postwendend" an den ,, Absender" zurück, d. h. sie gelangen frei in die Hände dessen, für den sie bestimmt sind. Dieser schlaue Aniff läßt si o zwar nur im Ortsverkehr anbringen, aber trotzdem wird er von vielen angewandt. Daß dies ein Betrug ist, darüber seht man sich hinweg. Die Postverwaltung ist nun aber doch hinter das Verfahren gekommen un sucht einen Uebeltäter zu fassen, um ein warnendes Beispiel aufstellen zu lassen. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt der Pres Kourant des Engros- Versandthauses Gebrüder F& P. Schulhoff in München bei, welches seine Artikel der Weiß-, Woll, Schnitt-, Kurz- und Spielwa enbranche besonders Wederverkäufern empfiehlt. Städtisches Schlachthaus. Faselochs 40 Pig. Heute und morgen. Geschäfts- Empfehlung. Den verehrlichen Bewohnern von Gießen und Umgegend die ergebene Mitteilung, daß ich die von mir fäuflich erworbene Gastwirtschaft ,, zum Löwen" Gießen, Neueuweg 28 vollständig renoviert und mit allen Bequemlichkeiten der Neuzeit ausgestattet habe. 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