Rr. 78. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., n's Haus gebracht 60 Bfg., burch die Poft bezogen viertel jährlich Mt. 1.50. Bratisbellagen: Oberbeffische Familienzeitun( täglich) Oberbeffiche Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Bartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittags. Donnerstag den 2. April 1903. Gießener 12. Jahrgang. Insertionspret& Die einspaltige Petitzeile für Gießen wi gang Oberbeffen, die Kreise Weslar und Marburg 10 Pfe fon 15 Pfg.: Reklamen die Betitgeile 30 resp. 40 fe Boftzeitungsliste No. 3869. Redaktion und Expedition: Gießen Rexenweg Fernsprechenfin Ar, 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Zur Kaiferreife nach Dänemark. )-( Im Schmuck der bunten Wimpel und Flaggen prangt die Rede von Kopenhagen: dem Deutschen Kaiser, ber vom Dienstag an der Gast des Dänenkönigs ist, gilt ber Willkommensgruß der dänischen Hauptstadt. Von ben Forts und den Kriegsschiffen, an deren: Gaffel der Danebrog weht, donnern die Ealutschüsse dem schmucken Raiserschiff entgegen, das den erlauchten Gast zum Königsschloß der Dänen trägt. Die Zeiten haben sich geändert: der Bruderstamm im Norden, der noch vor wenigen Jahren nur mit stillem Ingrimme auf den deutschen Nachbar blickte, hat versöhnlicheren Regungen in seinem berzen Plaz gemacht, und die Zeit ist vielleicht nicht ntehr fern, da Dänen und Deutsche, nicht nur der Bande des Bluts, sondern auch des politischen Vorteils eingedent, sich zu aufrichtigem Bunde wieder die Hand reichen. Nicht zuletzt hat Kaiser Wilhelms Politik dem Dänenreiche gegenüber diesen Umschwung angebahnt. Eeit dem Regierungsantritt Wilhelms II. hat es der beutsche Hof und die deutsche Politik an Aufmerkſamfeiten gegenüber dem grollenden Dänemark nicht fehlen lassen. So scharf die Regierung der dänischen Agitation in Nordschleswig auf die Finger sah, so entgegenkommend zeigte sich Deutschland überall da, wo sein Interesse nichts anderes gebot, den Dänen gegenüber. Und jo kam es denn, daß der Deutsche Kaiser bei seinem testen Besuche in Kopenhagen, nicht nur beim Hofe, sonpern auch bei der Bevölkerung einen herzlichen Empfang jand. So kam es, daß ein Dänenprinz beim 25jährigen Mililärjubiläum des Kaisers in Berlin die Glückwünsche des Kopenhagener Königshauses überbrachte, so kommt es, daß dem Kaijer jeßt, bei seinem zweiten Besuche am dänischen Hofe, nech her licherec Williomm entgegenschall, cls bei jenem ersten. Und auch politisch dürfte dieser zweite Raiserbesuch bedeutungsvoller sein als der erste: Die Tatsache, daß der Kaiser in Kopenhagen nicht nur mit der dänischen Königsfamilie, sondern auch mit der KaiserinBitwe von Rußland, mit der Königin von England, mit dem heffenischen Königspaar zusammentrifft, daß der Rönig von Schweden einen seiner Söhne zur Begrüßung bes Raisers entsendet, diese Tatsache deutet darauf hin, daß zwischen den Herrscherfamilien der Reiche am Baltenmeer die letzten Verstimmungen, die noch aus früherer Beit her teilweise bestehen mochten, völlig verschwunden sind. Ob die geheimnisvolle Andeutung politischer Zeichenbeuter, die fünftige deutsche Kaiserin werde eine Tochter Dänemarts sein, das Rechte trifft, bleibe unentschieden; Tatsache ist jedenfalls, daß der jezige Besuch des Kaisers auch politischen Zwecken, vor allem einer noch intimeren Annäherung der Tynastien Holstein- Sonderburg- Glücksburg und Hohenzollern gewidmet ist. Möge über den Raisertagen am dänischen Sund ein günstiger Stern walten. Die feuerbestattung. ( Von unserem ständigen C. B. Mitarbeiter.) Die letzte Sitzung im preußischen Abgeordnetenhause brachte noch einmal eine sehr lebhafte Debatte wegen der Frage der Feuerbestattung, die von drei Gesichtspunkten aus eine reine Parteifrage geworden ist. Die einen sind Gegner der Feuerbestattung aus religiösen Gründen, weil sie einen menschlichen Eingriff in den Auflösungsprozeß des Körpers für eine unzulässige Handlung halten; die anderen sind es aus juristischen Bedenken, weil ein Feuerbrand mit dem Körper auch alle Spuren eines Verbrechens vernichten könnte, und die dritte Gegnerschaft erwächst dem Verbren nungsprozeß aus ästhetischen Gründen. Die Anhänger der Jeuerbestattung aber berufen sich in ihren Bestrebungen auf die Toleranz, die es bedinge, daß man auch jeden nach seiner Façon dem Vernichtungswerte überliefern dürfe. Die heftigste und mächtigste Gegnerschaft aber setzt sich aus den treng religiösen Elementen zusammen, und das erklärt sich) am besten durch unsere geschichtliche Vergangenheit. Die alten Germanen kannten die Beiseßung in die Erde nicht. Bei ihnen wurde der Leichnam in feierlichem Gepränge öffentlich verbrannt. Wie der Inder bei diesem Akte die Frau mitnahm, so wurde unseren Vorfahren das Lieblingspferd mitgegeben, woraus sich die Sitte erklärte, daß bei fürstlichen Beisetzungen das Lieblingspferd hinter der Bahre mitgeführt wird. Das Christentum hat die Feuerbestattung beseitigt, weil es eine Wiederauferstehung auch des Fleisches lehrt und darum eine sichtbare Auflösung des Menschen in seine Atome nicht will. Dieser Standpunkt beherrscht noch) heute einen großen Teil der Bevölkerung, und, wie man alles, was mit religiösen Anschauungen zusammenhängt, unangetastet lassen muß, so läßt sich auch mit den religiösen Gegnern über diese Frage nicht rechten. Ein anderes aber ist, ob die juristischen Bedenken wirklich stichhaltig sind. Wir unsererseits glauben es nicht, weil eine sorgfältigere, dafür freilich auch kostspieligere Leichenschau diese Gefahr beseitigen müßte. Die Kosten dafür müßte von Rechts wegen der Staat tragen, denn die Leichenschau ist in gewissem Sinne eine öffentliche Last. Wenn man die Kosten der obligatorischen Zeichenschau der Familie des Ver. blichenen aufbürdet, dann werden die ärmeren Teile des Volkes verhältnismäßig höher belastet, als die reichen. Schon der ausgleichenden Gerechtigkeit wegen sollte also die Leichenschau auf Staatskosten übernommen und von Aerzten ausgeführt werden. Das Bedenken, das am geringsten wiegt, ist das ästhetische. Wir können mit dem besten Willen keinen ästhetischen Vorzug in dem Eingraben eines Menschen sehen, zumal man weiß, daß der Körper ein Raub gefräßiger Wesen wird. Da hat die Feuerbestattung zweifellos vom rein ästhetischen Gesichtspunkte aus doch große Vorzüge. Es bleibt also als einzig berechtigtes Bedenken mur das religiöse übrig. Wenn, wie die Mitglieder der konservativen Partei und des Zentrums behaupten und wie auch die Ab. stimmung im Abgeordnetenhause andeutet, die Mehrheit in der Leichenverbrennung eine Verlegung religiöser Anschauungen erblickt, so ist das ein Standpunkt, den man respektieren muß. Die Leichenverbrennung wird hiernach für absehbare Zeit in Preußen ausgeschlossen sein. Die Politik. Elsaß- Lothringen bleibt Reichsprovinz. ::: Mit der Aenderung der staatsrechtlichen Stellung Elsaß- Lothringens im Reiche, wie sie der Straßburger Landesausschuß anstrebt, scheint es nichts werden zu sollen. Der Antrag des Landesausschusses geht dahin, ben Reichstag als gefeßgebenden Faktor für die Angelegenheiten Elsaß- Lothringens auszuschalten, dagegen bem Landesausschusse die Befugnisse und den Namen eines Landtages zu geben; ferner sollen drei von dem Landesherrn zu ernennende Vertreter des Reichslandes im Bundesrat an den Abstimmungen über elsaß- lothringische Angelegenheiten teilzunehmen. In der offiziösen Bresse wird jetzt ausgeführt, daß an eine Gewährung dieser Wünsche nicht zu denken sei. Kein Defizit in Preußzen! (!) Eine sehr erfreuliche Kunde wird offiziös verbreitet: Der preußische Etat für 1902 schließt nicht mit dem gefürchteten Fehlbetrag, sondern mit einem, wenn auch kleinen, Ueberschuß ab! Das rechtfertigt die Hoffnung, daß der Ueberschuß des laufenden Etats noch größer sein werde. Zurückzuführen ist dieses günstige Ergebnis auf die Besserung der wirtschaftlichen Lage, die namentlich die Eisenbahnerträge erhöht haben dürfte, und darauf, daß der Etat seinerzeit mit großer Sorgfalt und Vorsicht aufge= stellt worden ist. Die Angriffe, die wegen eben dieser angeblichen Aengstlichkeit der preußischen Finanzverwaltung bei der Etatsaufstellung laut wurden, sind durch diese Entwicklung glänzend widerlegt. Revolution in Mazedonien. Ziemlich heftig sezt die mazedonische Revolution denn um eine solche handelt es sich in der Tat- ein. Nach dem jüngsten Versuch, die inzwischen wieder hergestellte Eisenbahnbrücke bei Mustafa- Pascha in die Luft zu sprengen, haben die Albanesen das Dorf Vuciton bei Mitrowiza überfallen und die dortigen christlichen Gendarmen fortgeführt. Dann haben sie einen mit schweren Verlusten zurückgeschlagenen Angriff auf Mitrowiza gemacht, bei dem der russische Konsul durch einen Schuß in den Rücken lebensgefährlich verwundet wurde. Die Pforte hat infolgedessen alle verfügbaren Gendarmen und Truppen von Salonili und anderen Städten an Ort und Stelle entsendet. Mit Rücksicht auf die große Gefahr der Revolte für den Frieden nicht nur auf dem Balkan, sondern auch in Europa und der Welt, haben die Kabinette von Petersburg, Wien und Rom ihre Botschafter angewiesen, bei der Pforte energische Vorstellungen zu machen, daß sie die Unbotmäßigkeit der Albanesen im Baume halte. Hoffentlich folgt die Pforte im eigenen Interesse der Türkei diesem guten Rat. Ein Schachzug des tollen Mullah. )-( Eine überraschende Wendung hat der englisch- abessinische Feldzug gegen den ,, tollen Mullah" genommen: Der Mullah ist vom größten Teile seiner Truppen im Stich gelassen worden; viele seiner Anhänger haben sich in englische Gefangenschaft begeben, und er selbst hat sich nordwärts geflüchtet. Anscheinend gibt er aber seine Sache noch nicht verloren: durch einen schlauen Tric gedachte er sich seiner Feinde zu entledigen. Er hat nämlich den Franzosen das Protektorat über das ganze Somaliland angeboten. Offenbar hoffte er, die Franzosen, die neuerdings mit Abessinien schlecht stehen, würden das Anerbieten annehmen und mit den Engländern und Abbesiniern deshalb Händel anfangen. Die Franzosen haben ihm natürlich den Gefallen nicht getan, sondern das Angebot glatt abgelehnt. Rurze politische Nachrichten. * Der Geschäftsordnungsausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses. hat einen Antrag, wonach die Geschäftssprache des Hauses die deutsche sein soll, abgelehnt. Der Verfassungsausschuß des Abgeordnetenhauses nabm einen Antrag auf Aufhebung des„ Varagraphen 14" an, der der Regierung was echt gibt, die Verfassung außer Acht zu lassen. * In Marseille haben die Dock- und Hafenarbeiter beschlossen, gegen den Willen der Rheder den Neunstundentag einzuführen und alle Ueberstundenarbeit zu verweigern. Da wird wohl die Aussperrung nicht lange auf sich warten lassen. Der französische Gesandte in Caracas steht mit der venezolanischen Nationalbank wegen einer Konversion der venezolanischen Schuld und der Begründung einer französischen Bank in Caracas. * Die Nachrichten von einem Aufstande gegen den Sultan in Nord Marotto werden neuerdings bestritten. Hof und Gesellschaft. Das Befinden der Kaiserin ist so zufrieden. stellend, daß, wie der Leibarzt Dr. Zunker mitteilt, von jeẞt an keine Bulletins mehr ausgegeben werden. *** Der Kronprinz und Prinz Eitel Frie rich haben Aegypten verlassen. Sie reisen direkt nach Briechenland, ohne Palästina zu berühren, weil dort, vie schon gemeldet, Cholerafälle vorgekommen sind. Vor ihrer Abreise von Kairo soll der Kronprinz dem thedive eine Einladung des Kaisers überbracht haben, die der Vizekönig angenommen hat; er soll seinen Besuch in Berlin und Potsdam für Juli oder August zugesagt haben. Nach Besichtigung der wesentlichsten Sehens würdigkeiten Griechenlands reisen die beiden Prinzen nach Konstantinopel. Im allgemeinen sollen sie ihre Reise so beschleunigen, daß sie zur Zeit der Anwesenheit des Kaiserpaares in Rom schon dort eingetroffen sind. Die neue Dreyfuskampagne. Mit der Neuaufrollung des Dreyfusprozesses, die sich der französische Sozialistenführer Jaurès zur Aufgabe gemacht hat, scheint es doch recht wackelig zu stehen. Jaurès will die Wiederaufnahme des Prozesses durch Enthüllungen erzwingen, die sich je länger, je mehr als sehr fragwürdig herausstellen. Der französische Politiker behauptet, dem Kriegsgericht zu Rennes, das Dreyfus schuldig sp, sei hinter dem Rücken des Angeklagtem und seiner verteidiger insgeheim ein gefälschtes Schriftstück vorgelegt worden, auf das hin statt eines nach dem Ergebnis der Verhandlungen unumgänglichen Freispruchs die Berurteilung erfolgt sei. Dabei weiß aber Jaurès selbst noch nicht mit Sicherheit, was dieses gefälschte Schriftstüd eigentlich gewesen ist, ob es das vielerwähnte ,, Bordereau" mit Randbemerkungen des deutschen Kaisers, oder ob es ein gefälschter Brief des Kaisers an Treyfus und eine gleichfalls gefälschte Antwort des„, Verräters" an Kaiser Wilhelm war. Ebensowenig hat Jaurès irgendwelche schlagenden Beweise dafür, daß dem Kriegsgericht derartige Schriftstücke überhaupt vorgelegt worben sind. Die Generale Mercier und de Saint- Germain, die von der Sache etwas wissen müßten, erklären auf ihr Wort, daß nichts dergleichen vorgekommen sei. Jaurès beruft sich auf Aussagen zweier Militärs, die in der ausschlaggebenden Minute des Prozesses ein entscheidendes Wort zu Dreyfus' Ungunsten gesprochen haben sollen. Aber diese ,, Geständnisse" sind nicht ihm selbst gegenüber abgegeben worden, sondern er hat davon nur auf Umwegen etwas läuten hören. Es ist also höchst fraglich, ob überhaupt etwas an diesen Geständnissen ist. Unter diesen Umständen werden auch die Anhänger Dreyfus den Wert der Jaurès'schen ,, Enthüllungen" sehr skeptisch beurteilen müssen. Im günstigsten Falle könnte der neue Treyfus- Anwalt mit diesem fadenscheinigen Material erreichen, daß eine Untersuchung eingeleitet würde, ob tatsächlich den Kriegsrichtern derartige gefälschte Geheimaften vorgelegt worden sind. Von einer solchen Untersuchung bis zur Wiederaufnahme des Dreyfusprozesses ist dann immer noch ein weiter Weg Und wahrscheinlich ist es nicht einmal, daß es zu einer solchen Untersuchung tommt. Einstweilen also sind die Aussichten auf eine Wiederholung des Prozeßspektakels nicht eben groß. 5. Gigung Preussifcher Landtag. Berrenbaus. Eigener Bericht. Polnisches. Eine Polendebatte beherrschte fast die ganze heutige Sizung. Der Domänen- und der Forstetat wurden ohne sonderliche Debatte genehmigt. Beim Etat des Finanzministeriums, mit dem zugleich auch die Ostmarkenzulage beraten wurde, gab Graf Hutten- Czapsfi den Anstoß zu der dann folgenden Auseinandersetzung. Der Schloßhauptmann von Bosen stellte sich auf den Standpunkt der Regierungsvorlage und hieß vor allem die Erbauung des Kaiserschlosses in Posen willkommen, weil sie die häufigere Anwesenbeit des Kaiserpaares und damit eine Verentgegen. Richtung nach ber Hauptstadt des Reiches, dem Glüd Tuch abzunehmen, womit sie ihm den Arulina begleitete fte. Dreiunddreißigstes Kapitel Eine helle und stille sibirische Nacht hatte sich her Adieu, Freunde!" habem Lächeln zu. Als sie fertig waren, sprang er in den Mund verbunden Wie vorher sah ihnen Müller mit unheilverkün Sattel. Die Verbannten sprangen die Felsen hinan und ware ,, Beachte das nicht. Ich durchschneide deine Fesseln, dich aufmerksam aber trotzdem höre ich Müller durchschnitt Füße an den Sassel befestigt waren. an." die ganze Last seines Körpers ruhte. sant halb im Wasser und empfand zu gleicher Reit einen in den Händen, auf denen nunmehr den Riemen, mit dem Schelms Der Exrevisor verheftigen Schmerz nach getaner Arbeit, gab man fia gern ben Freuden bes aber Tanzes hin. Feste, die Seele des gangen waren doch die tanz der Seminolen erfaßt und machten daraus den ,, Cakenicht sagen konnte. Die Neger hatten aber bald den Kriegsdie eine Tradition" hatten, was man von den Negern fann man beim Cake- Walt zwei Tie Neger waren die Anreger dieser butoSeminolen, föhnung der Volksschichten zur Folge haben werde. Finanz minister Frhr. v. Rheinbaben war derselben Ansicht, anders aber urteilte Herr v. Chlapowski, der sich als Pole gegen alle Maßnahmen zum Schuß des Deutschtums erklärte und die Polen gegen den Vorwurf, sie erstrebten eine Losreißung des Ostprovinzen von Preußen- Deutschland, verteidigte. Eine Beschwerde des Redners über die Postverwaltung, die polnische Briefadressen nicht zulasse, fand eine energische Zurückweisung durch den Finanzminister, der diese Maßnahme als Konsequenz der Sucht der Polen, deutsche Ortsnamen zu polonisieren, bezeichnete. Nachdem noch einige andere Redner sich für die Regierungspolitik ausgesprochen, genehmigte das Haus ben Finanzetat,- Nab und fern. !! Eine neue Potsdamer Liebestragödie. Schon wieder wird der Doppelselbstmord eines Liebespaares aus Potsdam gemeldet. In einem dortigen Hotel wurden der Kaufmann Emil Leser aus Rirdorf und seine Braut Helene Stolzenburg in ihrem Zimmer erschossen aufgefunden. Ueber die Motive der Tat ist man bis jetzt noch im Duntel. Das Verhältnis zwischen den beiden war das denkbar günstigste und die Hochzeit sollte schon in nächster Zeit stattfinden. Leser, der sich in lezter Beit sehr aufgeregt gezeigt hatte, traf sich abends mit seiner Braut aus dem Rixdorfer Bahnhof. Beide fuhren dann nach Pots, dam und nahmen in dem Hotel Wohnung. Nach dem Leichenbesunde wird angenommen, daß Leser in der Nacht erst seine Braut und dann sich selbst durch Revolverschüsse getötet hat. Die Abessinier auf dem Kriegspfade. Tas abessinische Truppenkorps, welches mit den beiden englischen Kolonnen in dem Feldzuge gegen den Mullah zumammenwirkt, ist in Bari eingetroffen. Der Aufbruch der Abessinier von Harrar bot einen malerischen Anblick dar. General Gabri, der Oberbefehlshaber, hatte in einem Tagesbefehl angeordnet, daß der Abmarsch in großer Gala vor sich gehen solle. Die Truppen trugen Schilde, die mit Büffel- oder Löwenfell überzogen waren. Die Schilde der Offiziere waren mit Gold und Silber verziert. Die Ausrüstung der abessinischen Truppen hatte einen ganz mittelalterlichen Anstrich. Tie Infanterie war nicht gerade reich mit Kleidungsstücken versehen. Sie trug bis zum Knie reichende Strümpfe aus einem Baumwollstoff und eine Art Lederkoller mit Kapuze. Ihre Waffenausrüstung bestand aus einem Gewehr und einer Lanze. Die Pferde der Kavallerie waren mit von Gold- und Silberzierrat schimmernden Schabracken bedeckt. Der Mullah hat Galadi verlassen und sich nach der Hochebene von Scebeli zurückgezogen. Ein entscheidendes Treffen dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. = Ein verarn ter Wucherer. In Berlin erschoß sich, als er wegen falschen Offenbarungseides verhaftet wer den sollte, der 61 Jahre alte Privatier Karl Stahl. Er war mit einem Vermögen von 130 000 Mart nach der Hauptstadt gekommen und hatte Wuchergeschäfte begonnen, die aber so schlecht gingen, daß er gänzlich verarmte. Stahl war mehrfach wegen Wucherns bestraft. Der Nachlaß der Königin Henriette. Dass betgtsche Hofblatt Etoile Belge" veröffentlicht folgende offizielle Note: Königin Marie Henriette ist vor sechs Monaten verschieden, die Erbschaft ist aber noch nicht liquidiert. Graf Lonyay, der Gatte der Prinzessin Stephanie, trägt an dieser Verzögerung hauptsächlich Schuld, troß aller Schritte, die von hier aus bei ihm unternommen wurden, um diese Angelegenheit zu regeln." - Eine Stadt aus der Steinzeit entdeckt. Ueberreste einer uralten Stadt aus der jüngeren Steinzeit sind auf dem Monte Lozzo bei Este entdeckt worden. die Feuerherde der Hütten sind durchweg erhalten. Die Gelehrten schreiben dieser Entdeckung eine hohe Bedeutung zu. Bunte Chronit. Eine sensationelle Enthüllung weiß ein belgisches Blatt zu berichten. Danach erklärte ein Dienstmädchen der Brüsseler Polizei, daß in einem dortigen Hotel, in welchem es bedienstet gewesen, mehrere Reisende ermordet worden seien. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Unter dem Verdacht des Kindesmordes wurde in Berlin das Dienstmädchen Spehr verhaftet. In Konstanz wurden durch eine nächtliche Feuersbrunst, die in einem Spediteur- Lagerhause ausgebrochen war, 12 Wohnhäuser und 4 Nebengebäude eingeäschert. Es wurden mehrere Personen wegen Verdachts der Brandstiftung verhaftet. - In Mtona erschoß der Kaufmann Robert Meis aus Prag seine Frau und sich selbst. Der Grund zu der unseligen Tat bilden verfehlte Börsenspekulationen, durch die Meis sein ganzes großes Vermögen verloren hat. + Ehrung. Wie wir erfahren waren es am 2. November v. J. 10 Jahre, daß die hiesige Gewerbeschule unter der Leitung des Großherzegl. Hauptlehrers Traber reorganisiert ist. Aus diesem Anlaß haben die Schüler der Anstalt eine Gedenktafel gewidmet, welche bei Herrn Glasers meister Hirz- Selters weg ausgestellt ist. Angefertigt ist diese.be von einem Schüler der zweiten Abteilung unter Anleitung des technischen Lehrers Architekten Demmer. Diese Arbeit giebt ein beredtes Zeugnis von den gediegenen Leistungen der Schule und dem harmonischen Zusammenwirken von Lehrern und Schülern unter der bewährten jezigen Leitung.( Wir freuen uns dies konstatieren zu fönnen, und wünschen der Anstalt ein ferneres Blühen und Gedeihen. D. R) - Auf Antrag der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wurde in Bad Nauheim Leutnant a. D. v. Loew wegen Meineids verhaftet. Der Prozeß dürfte sich zu einer großen Skandalaffäre auswachsen. v. Loew wird beschuldigt, in einem Beleidigungsprozeß seine intimen Beziehungen zu einer Düsseldorfer Ingenieurfrau Ed unter seinem Eide fälschlich bestritten zu haben. Frau Eck, die gleichfalls eine Anklage wegen Meineids zu gewärtigen hatte, hat sich vergiftet. In die Angelegenheit sollen auch noch andere angesehene Bürgerfrauen verwickelt sein. *** Mit peinlichster Genauigkeit hat sich der Wettergott in diesem Jahre nach dem Kalender gerichtet. Der April ist da- aber damit sind auch die schönen Tage von Aranjuez vorüber bald trüber Tag, bald heitrer Sonnenschein, wie's der Aprilgott nur allein," fönnte man fingen, wenn einem bei dem Wetter die Lust zum Singen nicht verleidet wird. Professor Falb scheint dies mal mit Prophezeitung das Richtige getroffen zu haben na, einmal muß es doch auch stimmen. Immerhin ist die MutterErde durch die lange Trockenperiode etwas durstig geworden, der so etwas Nasses durchaus nicht schaden kann. Hoffen wir, daß sie es nicht zum Ueberfluß erhält. - In Braddock( Pennsylvanien) fand eine Explosion in dem Hochofen der Carnegie Gesellschaft statt. Eine Person wurde getötet, sieben Personen sind durch Brandwunden lebensgefährlich verletzt, zwei werden noch bermißt. Das Dorf Besande( Spanien) wurde von einer Feuersbrunst heimgesucht; 32 Häuser und 41 Viehställe sind eingeäschert worden, die meisten Einwohner haben thre ganze Habe verloren. - Der Bombenwerfer Machetto ist von den schweizerischen Gerichten für unzurechnungsfähig erklärt und einer Frrenanstalt überwiesen worden. Machetto war der Urheber des Bombenattentats auf die Genfer Kathedrale. - *** Der Finanzausschuß des Komitees für den in Frankfurt stattfindenden Sängerwettstreit macht bekannt, daß der Verkauf der Dauerkarten für alle Konzerte und Wettgefänge voraussichtlich Anfang April beginnen wird. Vormerkungen nehmen schon jest entgegen die Frankfurter Musikalienhandlungen von C. A. Andre( Steinweg), Firnberg( Schillerstraße), Th. Henkel( Theaterplatz). - Auf der Zeche ,, Neu- Iserloh" bei Dortmund wurden ein Fördereraufseher und ein Hauer in der Bremsvorrichtung vom Förderkorb erfaßt. Der Aufseher war gleich tot, der Hauer hat beide Beine gebrochen. ** Gießener Volksbad. Im März wurden 7921 Bäder verabreicht, gegen 7581 im Februar 1903 und 7244 im März 1902 oder im Durch ſchnitt auf den ganzen Badetag 278 Bäder gegen 297 im Februar 1903 und 278 im März 1902. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad: 3766 Männer, darunter 744 zu 10 Pfg. 765 Frauen 177, 10, Wannenbäder: 1. I. 259 Männer, 92 Frauen, 2. l. 703 461 Dampf und Heißluftbäder, sowie Maffage zufowie Massage zusammen 146 Männer, 41 Frauen. Brausebäder 1439 Männer, 249 Frauen. Die Personenwage wurde von 200 Personen be= nuzt und das Bad von 1 Person besichtigt. Aus Hessen und Dachbargebieten. Grünberg, 2. April.( Wochenmarkt.) Der Markt war gut besucht, der Handel flott, besondees in Kleinbieh. Es fosteten Schweine 60-70 Mt., Mutterschafe 30-32 Mt., Jährlingslämmer 38-50 Mt., die allerdings sehr schwach aufgetrieben waren. Rindvieh stand annähernd 150-170 Stück, Schweine 1000-1200 Stück. H. Nieder- Weisel. Die am 15. März dahier abgehaltene Vorturnerstunde des Bezirks Buzbach- BadNauheim hatte sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen. Anwesend waren 30 Turnwarte und Vorturner. Das herrliche Wetter benutten viele Turner, um bei dieser Gelegenheit einen Ausflug nach hier zu unternehmen. Auch einige Damen hatten sich als Zuschauer eingefunden. Wir hoffen, daß diese Vorturnerstunden noch öfters in unserer Turnhalle abgehalten werden, da ein junger Verein, wie der unserige, sich manche turnerische Handgriffe absehen kann und Lust und Liebe zur Turnerei gefördert wird. ** Fast unglaublich. Dieser Tage betam, so wird uns von einem Gönner aus Grünberg berichtet, ein Landwirt seinen Anzeiger unter Kreuzband zugesandt. Natürlich die Hülle eins, zwei, drei heruntergerissen, um zu lesen, was das Blättchen Neues bringt. Aber, o weh, die schwarzen Buchstaben fingen vor seinen Augen an lebendig zu werden; die Sache schärfer auf's Korn genommen, macht der Bauer die unangenehme Entdeckung, daß in seiner Beitung sich Wanzen mit eingenistet hatten. Natürlich mit dem Lesen war's vorbei, vorbei auch mit der Ruh'; ein Vernichtungstampf begann, dessen Ausgang uns allerdings nicht bekannt tst. Muß das aber eine saubere Lieferantin sein die betreffende Druckerei! 62 jährige Privatier Eduard Trier wegen einer unheilbaren Frankfurt a. M., 1. April. Hier erhängte sich der Krankheit. + Beerfelden i. O., 1. April. In Abwesenheit der Eltern hantierten hier 2 Knaben mit einem geladenen Revolver. Dabei entlud sich die Schußwaffe, und die Kugel drang dem jüngeren Bruder in die Hüfte. *** Kirtorf. Am 27. vorigen Monats brannte ein Abtreibungsterrein des Grafen von Lehrbach ab, wobei der große Wirbelwind große Stücke mit hinweg nahm. Man ist bis heute noch im Unklaren, wie das Feuer entstanden ist. Die Sache soll der Staatsanwaltschaft übergeben werden. *** Auf der Arbeiter- Rolonie Neu- Ullrichstein waren am 1. März 111 Arbeitslose. gangen fhredli haben fich ung abgespielt, fo Perfonen bavor wohner im fel Mitteilung day Ein Gendarm vor dem Kriegsgericht. Im Jahre 1897 wurde der Gendarmerie- Oberwachtmeister Rath nach Höchst versezt. Nach seiner Angabe war der ganze Beritt durch seinen Vorgänger vernachlässigt worden. Raih führte deshalb, dabei auch einem Wunsche seines Vorgesezten, des Distriksoffiziers Major v. Dichend in Wiesbaden folgend, ein strenges Regiment ein, um„ Schwung in die Kolonne zu bringen." Darob herrschte gar bald große Unzufrieden heit unter den Gensdarmen des Beritts, der so weit gedieh, daß die Gensdarmen Versammlungen abhielten, um über ihre bedrückte Lage zu beraten. Viel kam dabei nicht heraus. Schärfer sprachen sie sich schon gegenseitig aus, wenn 2 sich unter 4 Augen trafen. Da ist es wohl vorgekommen, daß von Veröffentlichung in der Presse, Beschwerden u. s. w. gesprochen wurde. Die heutige Verhandlung war nur durch gendarmerie in Berlin veranlaßt, in denen Oberwachtmeister 3 anonyme, bez. pseudonyme Briefe an den Chef der LandRath allerlei dienstliche Vergehen, Uebergriffe u. s. w. vorgeworfen wurden. Auch an Schimpfworten fehlte es nicht, so daß die 3 Briefe zweifellos beleidigenden Charakters gensdarm Göricke aus Bad Soden angeklagt. Der Mann waren. Diese Briefe geschrieben zu haben, war der Fußist wegen dieser Sache seit 10 Monaten vom Dienst suspen dirt und so auf halben Sold gesezt. Die Beurteilung des Falles hing wesentlich von dem Gutachten der Schriftexporter ab. Die Anklagebehörde hatte sich als solchen den früheren *** Kirtorf. Bei der am 26. vor. Monats hier abgehaltenen Holzversteigerung wurden im Verhältnis zu den Holzversteigerungen in der Umgegend geringe Preise erzielt. Im Durchschnitt macht es 4-5 Mt. am Meter aus. Auf dem diesjährigen Ostermarkt waren durch das schlechte Wetter, welches bis 9 Uhr Morgens anhielt, wenig Schweine und 104 Ferkel aufgetrieben. Das Paar Fertel toftete 50-60 Mt. An Läufern wurden nur 6 Stück verkauft, das Paar kostet 60-70 Mt. Den Krämermarkt zierte nur ein Stand. r. Kinzenbach, 1. April. Eine große Ueberraschung wurde den in der Fastnacht die Spinnstube besuchenden Burschen und Mädchen bereitet, indem in jener Nacht sämtliche Spinnstuben von der Polizei ausgehoben wurden. Allgemein war man nämlich der Ansicht, daß die Fastnacht ähnlich wie auch Sylvester für die jungen Leute frei sei. In noch größeres Erstaunen wurden aber alle Spinnstuben besucher versetzt, als ihnen in diesen Tagen eine Polizeistrafe von 5 Mt. vom Bürgermeisteramt zuging. Die so unerwartete Strafe soll weit über 200 Mt. ausmachen. Wie wir erfahren, so haben sämmtliche Interessenten Einspruch gegen diese Polizeistrafe erhoben, auf deren Ausgang man allgemein gespannt ist. Volksschullehrer, jezigen„ renitenten Pfarrer" und Schreiblehrer Konrad Stern aus Kassel verschrieben. Dieser begutachtete, daß die 3 Briefe von Göricke geschrieben seien. Bei der Abgabe des Gutachtens verfehlte der aus eigner Machtvollkommenheit zum" Pfarrer" avancirte Schriftverständige nicht, den lebendigen Gott" verschiedentlich zu er wähnen. Der sonderbare Heilige" werde von dem durch die Verteidigung geladenen Gegengutachter Landgerichtssekretär Bähler dahier gehörig zugedeckt. Herr Bähler wies überzeugend nach, daß die 3 Briefe nicht von Göricke geschrieben feien, daß sie ferner überhaupt nicht von ein und derselben Hand geschrieben seien und daß sie endlich diktirt seien. Da in letzterer Beziehung Göricke nichts zu beweisen war, er. folgte seine Freisprechung, ohne daß man in eine Prüfung darüber trat, ob die dem Oberwachtmeister gemachten Vorwürfe wahr sind oder nicht. i. Wetzlar, 2. April. Gestern wurde die vor den Thoren Weglars liegende Landgemeinde Niedergirmes mit der Stadt Wezlar vereinigt. Somit wird durch die unter dem 2. Februar getroffene fönigliche Entscheidung eine Streitfrage gelöst, die lange Jahrzehnte hindurch den Gegenstand von Verhandlungen und Erörterungen bildete. Wezlar rückt durch diese Buteilung zugleich in die Reihe der Städte ein, welche über 10000 Einwohner befizen und somit mit besonderen Rechten ausgestattet sind. ** So Jemand eine Reise thut, dann kann er was erzählen! Fuhr da am 17. Januar d. Js. ein Gastwirt aus Arheiligen bei Darmstadt hierher nach Franks furt a. M., um Einfäufe zu machen. Das Frankfurter Pflaster ist nun sehr schlüpfrig, was Wunder, daß unser biederer Hessischer Wirt in's Straucheln gertet. Am 18. früh erwachte er nicht bei den heimischen Penaten, sondern in einer Mansarde in der Taunusstraße dahier. Wie war er nur dahin gekommen? Nachdem er sich den Verstandskasten etwas zurecht gerückt hatte, fiel es dem guten Manne ein, ein freundlicher Frankfurter hatte ihn, da der letzte Bug doch versäumt war, mit heraufgenommen. Dort oben lasse sichs billig in Damengesellschaft übernachten!" Es waren auch zwei Dämchen da gewesen, aber sie waren verschwunden, und Uhr mit Kette im Werte von 320 Mt., das Portemonnaie, mit ihnen Weste, Rock, Ueberzieher, Hut, Stiefel, goldene die gekauften Waren u. s. w. Nur die Hose hatte man dem Geplünderten gelassen, so daß er wenigstens nicht ganz in Adams Kostüm da in der Welt stand. Die Bauernfänger wurden alsbald ermittelt und heute vor der Straftammer abgestraft. Der Schlosser Otto Kohlmeier aus Chemniß erhielt 18 Monate, der Schlosser Heinrich Stuckardt 2 Jahre Buchthaus, die zwei Damen" je 3 Monate Gefängnis. In Mainz waren sie erwischt worden, als sie die von dem Wirt gekauften Waren verschleißten. Die Gi Unfere ge weitere ftaatlic bon folchen, i Schüler ihren erfte Vorbildur ertonen; nein Tegniter und für arme und Statenliebe, in die Hände Cassel. In einem Hause der Hohenzollernstraße, in der Nähe der Infanterie- Kaserne hat sich in der Dienstag Nacht ein schreckliches Liebes drama ereignet. Ein junges Mädchen, das, wie man hört, in Berlin wohnt und mit einem jezt hier anwesenden Herrn ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, das nicht ohne Folgen geblieben war, fam, von Eifersucht getrieben, hierher, da es sichere Beweise für die Untreue des Liebhabers zu haben glaubte. Sie traf gestern Abend spät hier ein, begab sich sofort nach der Wohnung des Geliebten, wo sie durch Zufall Einlaß erhielt und ging auf das Zimmer des Herrn, der gerade im Begriffe war, sich zu Bett zu begeben. Der Herr wurde überrumpelt und von der Dame nach einem furzen Wortwechsel niedergeschossen. Darauf richtete sie die tötliche Waffe gegen sich selbst und sant dann entseelt in demselben Zimmer nieder. Durch die Schüsse aufgeschreckt, wurden die Bewohner des Hauses allarmiert und benachrichtigten die Polizei, welche alsbald erschien und nach Feststellung der üblichen Formalitäten die Ueberführung der beiden Leichen nach dem Leichenhause anordnete. Die Mörderin heißt Emma Sachs, steht, Mitte der zwanziger Jahre und ist aus Berlin; der von ihr erschossene junge Mann ist der Kaufmann May Flegenheim, gebürtig aus Frankfurt a. M., früher war er ebenfalls in Berlin, wo er mit der Sachs befannt wurde und ver fehrte, in der letzten Zeit hatte er jedoch eine Stellung hier in dem Bankgeschäft von Otto Grunsfeld inne. hatte an alle ergeben laffen die oberfte St forps, die Sta II.2. bemert ben Herrn W direktor Her Die F burch Herrn Ansprache h Бофо ving Obe der Benu einiges mitzuteilen lag mit 1 hatte, eine fehlte es Bau aus genügende Alterssch der Kreif Dltober Auftrag, auszuarbe aber zur fönne. S 1899 ein und beau einiger no miffion er und Besch Provinzial auf den Sache. wendigkei über den Schwieri und Lich forderlich Die Vor Plazes liche, daß Siechenha einigen Roftenauf geftellten genehmigt 1900 und der Baup dieser Au mächtigun nun fogle und die Am 21. am 8. Ju ember wat Entritt des 30. Janua der über ausgeführt günftiges Montager die Tünd 1. Juli Jahres er tommiffion dem mit! fung von Bei dem Bestreben, in vollem bie verfüg Möcht Bertraue die den Beugnis die Brobi Zum Bei Anstalt g Herrn Pr Herrn fyn herzlichen Alter& müd tommenes Ga nahn Dr. Breid Die an die Verfa Sabier abgehaltene uzbach- Badiches zu erfreuen. rner. Das herr ganzen schrecklichen Vorgänge zwischen 12 und 1 Uhr nachts haben sich ungewöhnlich schnell und verhältnißmäßig ruhig abgespielt, so daß in und außer dem Hause nur wenige Personen davon Kenntnis erhielten, ja ein Teil der Bewohner im selben Hause hat erst durch den Zeitungsbericht Mitteilung darüber erhalten. i diefer Gelegen en. Auch einige en. Wir hoffen, unferer Turnhalle vie der unferige, tann und Luft erhängte sich der einer unheilbaren Abwesenheit der m geladenen Se e, und die Kugel idt. Im Jahre ifter Rath nad der ganze Berit n. Raih führte Borgesetzten, des sbaden folgend, in die Kolonne oße Unzufrieden er so weit gedieb, hielten, um über dabei nicht her feitig aus, wenn ohl vorgekommen, schwerden u. s. w. g war nur dur Chef der Land Oberwachtmeister iffe u. f. w. bor fehlte es nicht, nden Charakters , war der Fußgt. Der Mann Dienst suspen Beurteilung des er Schrifterporter hen den früheren r" und Schreibeben. Dieser be geschrieben seien. der aus eigner cirte Schriftver hiedentlich zu er e von dem durch andgerichtssekretär hler wies über Böride geschrieben n und derselben Diftirt feien. Da weisen war, er in eine Prüfung r gemachten Vor hut, dann kann anuar d. Js. ein erher nach Frant Das Frankfurter under, daß unser tet. Am 18. früh aten, sondern in er. Wie war er en Verstandslasten guten Manne ein Der legte Bug dod rt oben lasse sid Es waren auch verschwunden, und Stiefel, goldene as Portemonnaie, Hose hatte man teng nicht ganz in Die Bauernfänger Der Straftammer us Chemnitz er icardt 2 Jahre Mate Gefängni sie die von den nzollernstraße, i in der Dienstag eignet. Ein junge esverhältnis unter n wohnt und mit ben war, tam, vor e Beweise für di Sie traf geften ch der Wohnun erhielt und gin im Begriffe w e überrumpelt un fel niedergeschoffen gen fich felbft un nieder. Durch di hner des Hau ei, welche alsbal Formalitäten d Beichenhause a Sachs, steht, Mi der von ihr er Mar Flegenbein war er ebenfalls t wurde und ver eine Stellung bier felb tune.- Die Die Einweihung der ProvinzialSiechenanstalt. Gießen, 1. April 1903. Unsere ganze Provinz hat mit dem heutigen Tage eine weitere staatliche Anstalt definitiv erhalten; es ist aber feine von solchen, in denen Kunst und Wissenschaft gelehrt wird, Schüler ihren ersten Unterricht bekommen, junge Leute die erfte Vorbildung absolvieren oder wo militarische Kommandos ertönen; nein, es hat eine Anstalt ihre Tore nun, nachdem Techniker und Bauleute Stein auf Stein gefügt, geöffnet für arme und franke Mitmenschen. Es ist ein Haus der Nächstenliebe, welches der Staat heute still und doch feierlich in die Hände de Berwaltung gab. Der Povinzialausschuß hatte an alle dabei maßgebender Persönlichkeiten Einladungen ergehen lassen; vertreten waren das Großh. Ministerium und die oberste Staatsbehörde, die Landesuniversität, das Offizierforps, die Stadt Gießen, viele Landgemeinden von Oberhessen. 1. A. bemerkten wir den Herrn Finanzminister Dr. Gnauth, ben Herrn Ministerialrath Weber und unseren Provinzialbirektor Herrn Dr. Breidert. Die Feier wurde eröffnet um 21 Uhr Nachmittags burch Herrn Geh. Oberbaurath v. Welgien, der folgende Ansprache hielt: Hochgeehrte Herren! An dem Tage an dem die Provinz Oberhessen den ersten von ihr errichteten Hochbau der Benußung übergeben will, ist es wohl begründet, einiges übar seine Entstehung und seiner Baugeschichte mitzuteilen. Seit dem am 14. Juli 1880 der Provinzialtag mit 12 gegen 10 Stimmen den Antrag abgelehnt hatte, eine Siechenanstalt für 300 Pfleglinge zu erbauen, fehlte es nicht an stets erneuter Anregung einen solchen Bau auszuführen, um eine den heutigen Ansprüchen besser genügende Fürsorge für gebrechliche, chronisch Kranke und Altersschwache zu schaffen, die bisher der Armenversorgung der Kreise und Gemeinden anheimfielen. Unter dem 26. Oltober 1898 erteilte der Prvinzial- Ausschuß mir den Auftrag, den generellen Entwurf zu einer Siechenanstalt auszuarbeiten, die zunächst in fleinerem Umfange errichtet, aber zur Aufnahme von 600 Pfleglinge erweitert werden fönne. Der Provinzialtag vertagte indessen am 8. Juli 1899 eine Beschlußfassung über diese Bauangelegenheit und beauftragte eine Kommission mit der Klarstellung einiger noch aufklärungsbedürftiger Punkte. Diese Kommission erstattete unter dem 7. März 1900 einen Bericht und Beschluß in einer gemeinschaftlichen Sigung mit dem Provinzialausschuß die Einberufung des Provinzialtages auf den 4 Juli 1900 zur endgültigen Erledigung ber Sache. In dieser Sizung herrschte zwar über die Notwendigkeit des Baues Einigkeit doch bot die Entscheidung über den Ort, an dem die Anstalt zu errichten sei, einige Schwierigkeit, weil außer Gießen auch Grünberg, Alsfeld und Lich sich um die Anstalt bewarben nnd das dazu er= forderliche Gelände kostenfrei zur Verfügung stellen wollten. Die Vorteile des von der Stadt Gießen angebotenen Blazes ergaben sich bei der Abwegung nur als so erhebliche, daß der Provinzialtag beschloß, auf diesem ein Siechenhaus für zunächst 250-280 Pfleglinge unter einigen Abänderungen des generellen Entwurfs mit einem Rostenaufwand von 600 000 Mt. zu erbauen. Die dem gestellten Verlangen entsprechend abgeänderte Entwurfsskizze genehmigte der Provinzialausschuß am 26. September 1900 und beauftragte mich dann mit der Ausarbeitung der Baupläne und des Kostenanschlag 8. Nach Erfüllung dieser Aufgabe erhielt ich am 27. April 1901 die Ermächtigung, mit der Bauausführung vorzugehen. Es ist nun sogleich die Vergebung der Bauarbeiten vorbereitet und die baupolizeiliche Genehmigung eingeholt worden. Am 21. Mai 1901 wurde mit den Erdarbeiten begonnen, Sehr geehrte Herren! Es find nun gerade zehn Jahre, daß es der dankenswerten Thätigkeit des da maligen Provinzialdirectors der Provinz Rheinhessen jezigen Herrn Staatsminister Rothe Grellenz gelungen war, das erste Provinzialfiechenhaus des Landes in Heidesheim zu eröffnen. Heute ist die Provinz OberHessen im Begriff, dem bewährten Beispiele der Schwesterprovinz zu folgen. Wenn der Bau heute vollendet, in gefälligen und anständigen Formen vor Ihnen steht, so gebührt der Dank dafür in erster Linie der Opferwilligkeit der Provinz und ihrer Vertretungsförper, dem freundlichen Entgegenkommen der Stadt Gießen und ihres Stadtvorstandes, der trefflichen Bauleitung und allen, die sie unterſtüßt und gefördert haben, ganz besonders aber dem Provinzialausschusse, der von ihm gewählten Commission und seinem Borsigenden, leider nicht mehr unter uns weilenden Herrn Geheimrath von Bechtold, der sich durch seine großen Verdienste um das Zustandekommen und die Errichtung des Stechenhauses ein unvergängliches Denkmal gesezt hat. Aber nicht allein die ganze Provinz ist ihm dafür zu Dank verpflichtet, sondern auch die zahlreichen Siechen und Gebrechlichen, für welche dies Haus gebaut ist, und welche in ihm eine liebevolle Aufnahme, eine gute Heimstätte und sorgsame Pflege finden sollen. Denn des Menschen vornehmste Aufgabe zu erfüllen, anderen Menschen zu helfen, wenn sie der Hülfe bedürfen dazu ist das Siechenhaus bestimmt. Diesem edlen und erhabenden Zwecke zu dienen haben Sie überDem Leiter der Anstalt mit dem Verwalter, den Schwestern, Oberwärtern, Wärtern und dem gesamten Personal ihrer liebevollen Fürsorge, ihrer treuen hingebenden Sorgfamkeit übergebe ich das Haus und seine Pfleglinge mit der Hoffnung, aber auch mit der festen Zuversicht, daß es ihnen ge= liugen wird, den ihnen anvertrauten Armen und Hülfsbedürftigen in diesem Hause jederzeit ein zu friedenes und segensreiches Leben zu bereiten. nommen. Die letzten Worte verfehlten ihren Zweck nicht, und der Anstaltsarzt Herr Dr. Markwald nahm die Schlüssel entgegen und antwortete folgendermaßen: Indem ich den Schlüssel und damit die Leitung dieser Anstalt übernehme, spreche ich meinen Dank dafür aus, daß Sie mir die Leitung dieser Anstalt übertragen haben. Ich bin überzeugt, daß ich ein schwieriges Amt übernehme und bin mir auch ver Anforderungen bewußt, die an einen Anstaltkarzt gestellt werden. Dr. Markwald erwähnte weiter, daß die Anstaltspfleglinge Anspruch auf ärztliche Hilfe hätten und daß er dieser Ansprüchen in jeder Beziehung gerecht werden würde. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß bei der den Pfleglingen werdenden außerordentlichen Försorge sowohl in ärztlicher Beziehung, als auch in der sonstigen Pflege dieselben sich in der Anstalt wohl fühlen und sich auch recht bald an ein Busammenleben gewöhnen würden. Er hoffe, daß die an die Anstalt geknüpften Erwartungen in jeder Hinsicht erfüllt, und daß dieselben ein Segen für die Insassen und für die ganze Provinz sein würden. Hierauf üb erreichte Ministerialrat Weber namens des Staatsministers mit einer kurzen Ansprache dem Herrn Landgerichtsrat Dr. Schäfer und dem Ingenieur Schiele zu Gießen die Krone zum Ritterkreuze I. Kl. des Philippsordens, worauf eine Besichtigung der Anstalt vorgenommen wurde, deren Führung Herrn Dr. Schäfer, Geh. Oberbaurat v. Welgien und Baurat Diehm übernahmen. Man begab sich sodann in Steins Garten zu einem gemütlichen Zusammensein. Ueber den weiteren Verlauf berichten wir morgen. Amtliche Bekanntmachungen. Gießen, den 6. März 1903. Betr. Frühjahrs- Kontrolversammlungen. und Am 4. Arpril 1903. 1. Appell vormittags 8 Uhr. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve Landwehr 1. Aufgebots. Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1895 und 1896 eingetreten sind. 2. Appell vormittags 10 Uhr. Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1897 und 1898 eingetreten sind. 3. Appell nachmittags 3 Uhr. Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1899, 1900, 1901 und 1902 eingetreten sind, sowie sämtliche zur Disposition der Truppenteile und der Ersatz- Behörden entlassenen Mannschaften der Infanterie. Am 6. April 1903. 1. Appell vormittags 8 Uhr. Wehrleute 1. Aufgebots der Infanterie, welche in den Jahren 1890 und 1891 eingetreten sind. 2. Appell vormittags 10 Uhr. Wehrleute 1. Aufgebots der Infanterie, welche in den Jahren 1892, 1893 und 1894 eingetreten sind. 3. Appell nachmittags 2 Uhr. Sämtliche Reservisten der Garde, Jäger, Kavallerie, Feld- und Fuß- Artillerie, Pioniere und Verkehrstruppen ( Eisenbahn-, Telegraphen- und Luftschiffertruppen). Am 7. April 1903. 1. Appell vormittags 8 Uhr. Sämtliche Reservisten des Trains( einschließlich Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonals, Büchsenmachergehilfen, Dekonomiehandwerker und Marine Mannschaften, sowie zur Disposition der Truppenteile und der Ersatz- Behörden entlassenen Mannschaften der Spezialwaffen. 2. Appell vormittags 10 Uhr. Wehrleute 1. Aufgebots aller übrigen Waffen. 3. Appell nachmittags 2 Uhr. Ersatz- Reservisten der Jahrgänge 1890, 1891, 1892 und 1893. Am 8. April 1903. 1. Appell vormittags 8 Uhr. Ersatz- Reservisten der Jahrgänge 1894, 1895, 1896 und 1897. 2. Appell vormittags 10 Uhr. Ersatz- Reservisten der Jahrgänge 1898, 1899, 1900, 1901 und 1902. B. zu Lollar an dem Bahnhofe für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Lollar, Mainzlar, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., und zwar: Am 15. April 1903. 1. Appell vormittags 8 Uhr 45 Minuten. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr 1. Aufgebots. Reservisten und Wehrleute 1. Aufgebots, sowie zur Disposition der Truppenteile und der Ersatz- Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. 2. Appel vormittags 11 Uhr 30 Minuten. Sämmtliche Ersatz Reservisten. Großherzogliches Bezirks- Kommando Gießen. v. Mosch, Oderstleutnant und Kommandeur des Landwehrbezirks Gießen. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es tönnen eingestellt werden: 33 Dienstmädchen für sofort und später ( hier und ausw.) bei hohem Lohn, 2 Kindermädchen, 2 Schreiner( hier), 2 Schreiner( ausw.), einige Tapezierer für dauernde Arbeit bei hohem Lohn nach ausw., 1 Anstreicher( ausw.) 2 Schneider( hier), 2 Schneider( ausw.), 1 Krankenpfleger, 1 jüngerer Kellner, 1 Gärtner, 6 landwirtschaftl. Knechte, 1 landw. Arbeiter, 1 Pferdeknecht, 2 Hausburschen, 1 desgl., der Gartenarbeit verrichten kann, 1 Weißzeugnäherin, 3 Köchinnen, 3 Lauf- bezw. Buzfrauen, 1 Waschfrau, 3 landw. Mägde, 1 Milchaustragerin. Lehrlinge: 1 Gärtner, 1 Spengler, 3 Schmiede, am 8. Juli ber erste Stein vermauert und am 10. De Das Großherzogliche Kreisamt Gießen( 1 hier, 2 auswärts), 1 Wagner, 1 Küfer, 4 Schloffer, sember war das Dach des legten Gebäudes gerichtet. Dei 1 Stuffer,& Eintritt des Winters waren alle Tächer eingedeckt. Vom 30. Januar bis 1. Februar 1902 fanden Probebelastungen der über den Schlafsälen der großen Pfleglingsgebäude ausgeführten Henneligen- Decken statt, die ein durchaus günstiges Resultat ergaben. Am 20. Januar wurden die Montagen der Heizanlagen begonnen, am 1. März die Tüncherarbeiten im Innern der Gebäude und am 1. Juli die Kanalisationsarbeiten. Am 6. März dieses Jahres erfolgte die Uebergabe der Gebäude an die Baufommission des Provinzialausschusses, der die Bauten seit dem mit Betriebsinventar ausstattete, bei dessen Beschaffung von meiner augebotenen Mitwirkung abgesehen wurde. Bei dem Entwurf wie bei der Ausführung war es mein Bestreben, den eigenartigen Anforderungen der Bauanlage in vollem Maße Rechnung zu tragen, jedoch in der durch die verfügbaren Mitteln gegeben n Begrenzung. Möchte es mir gelungen sein, das in mich gesetzte Vertrauen verdient und eine Anstalt erbaut zu haben, die den neuzeitlichen Verhältnissen entspricht und Zeugnis ablegt bon der großen Fürsorge, welche die Provinz Oberhessen ihren Pflegebedürftigen widmet. Zum Zeichen, daß denselben nunmehr die Pforten der Anstalt geöffnet werden können, überreiche ich dem Herrn Provinzialdirektor, als den Vertreter der Bauherrn symbolisch diesen Schlüssel begleitet von dem Herzlichen Wunsche, daß alle armen Gebrechlichen und Altersmüden des Oberhessischen Landes hier ein will. kommenes Alyl finden mögen. Das walte Gott. Es nahm hierauf unserer Provinzialdirektor Herr Dr. Breidert das Wort und richtete folgende Worte an die Versammlung: an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. übliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen. Die nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsDr. Breidert. Bekanntmachung. Betr.: Wie oben. Bei den diesj. Frühjahrskontrolversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen gehörigen: 1. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve und Landwehr 1. Aufgebots( Kleiner Dienstanzug: Müze, Waffenrod oder Ueberrod, Achselstücke, lange Hosen oder hohe Stiefel beliebig, bei schlechter Witterung Paletot); 2. Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden Entlassener aller Waffen; 3. Wehrleute 1. Aufgebots, die vom 1. Oftober 1890 ab eingestellt worden sind; 4. Ersaz Reservisten, geübte und nicht geübte. Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Kontrolpflichtigen anzutreten haben. A. zu Gießen im Hofe der alten Kaserne am Brand für die Bewohner von Annerod, Allendorf a. d. Lahn, Alten- Bused, Beuern, Burkhardsfelben, Gießen mit Schiffen berg und Herrnwald, Großen- Bused, Großen- Linden, Heuchelheim, Alein- Linden, Lang- Göns, Leihgestern, Oppenrob, Rödgen, Trohe, Wagenborn und Steinberg, Hausen, Wieseck, und zwar: 1 Schreiner( ausw.), 1 Stellmacher und Wagenbauer( ausw.), 3 Buchbinder, 3 Bäcker( 1 hier, 2 ausw.), 2 Schuhmacher, 4 Schneider, 1 Friseur, 2 Glaser, 1 Weißbinder, 2 Kaufleute. Es suchen Arbeit: 3 Bau- und 1 Maschinenschlosser, 1 Mechanifer, 1 Buchbinder, 1 Sattler, 2 Schreiner, 2 Schneider, 1 Maler bezw. Anstreicher, 1 Glaser, 1 Herrschaftsgärtner, 1 Buchhalter oder Schreiber, 1 Büreaugehilfe oder Aufseher, 1 Aushilfsfellner, 6 Knechte, 10 Taglöhner, 2 Gartenarbeiter, 2 Rutscher, 12 Hausburschen, 1 Kinderfräulein bezw. Gesellschafterin, 1 Haushälterin, 1 Rrantenpflegerin, 2 Lauffrauen, 1 Baschund Busfrau. Lehrlinge: 1 Schreiner, 1 Weißbinder, 2 Kaufleute, 9 Schreiber. Gießen, 2. April. Auf dem heutigen Wochenmartt lofteten Butter per Bfb. 0.85-1.10 Mr. Hühnereier 6 Pfg., 2 St.11 Pfg., Enteneier St. 6-7 Pfg., Käse per St. 5-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Bfg., Linsen per Liter 32 Bfa, Tauben per Paar m. 1.00-1.20, Sühner per Stüd Mt. 1.00-170, Hahnen, per Stüd Mt. 0,85-2.00, Enten per Stüd 2.00-2.40, Gänse p. Bid. 54-60 Bfg., Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Big., Rindfleisch per Bfb. 60-66 Pfg. Schweinefleisch per Bfo. 66-76 Bfg. Schweinefleisch gesalzen per Pfund 0.80 Bfa., albfleisch per Pfd. 66-72 Bfg., Sammelfleisch ver Pfd. 52-72 Bfg., Startoffeln per 100 kilo 6.00-6.50 m., Zwiebeln per 3t. Mt. 6.00-7.00, Milch per Liter 18 Vfa. Schlachthaus Gießen. Ochsenfleisch 36 Pf. Schweinefleisch 55 Pfg. Heute u. morgen Drud und Verlag der Gießener Verlagsbruderet, vorm. Wilh. Keller'sche Buchbruckerei( gegr.1783); für die Redaktion verantwortlich: Ibin Klein, Gießen. Markt 16. 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