Nr. 1. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Setfenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 2. Januar 1903. Gießener 12. Jahrgang. Jufertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Big. fenft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362. Nenelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Ruffifche Minierarbeit? Nachwort zur Reise des Grafen Lambsdorff.- RK. Die freundliche Aufnahme, die der russische Minister des Aeußern Graf Lambsdorff bei seiner Anwesenheit in Wien sowohl am Hofe, wie auch bei der Diplomatie gefunden hat, gibt aller Welt Kenntnis von den guten Beziehungen zwischen beiden Regierungen. Das ist zunächst ein sehr erfreuliches Friedensmoment, das vor etwa 17 Jahren dem Fürsten Bismarck als Ideal vorschwebte. Denn damals bestand zwischen Desterreich und Rußland ein sehr gespanntes Verhältnis, weil der unter Alexander III. herrschende Pauslavismus eine unmittelbare Bedrohung der habsburgischen Monarchie enthielt, sodann aber auch mit Rücksicht auf die Balkanpolitik, die stets je nach den Beziehungen zwischen Oesterreich und Rußland hin und her geworfen wurde. Heute haben sich das Donau- und das Newakabinett soweit genähert, daß sie friedliche Vereinbarungen über eine Beseitigung der macedonischen Wirren tressen und mit vereinter Kraft bei der Pforte für die notwendigen Reformen eintreten. Wie verlautet, sollen 3 macedonische Bezirke unter christliche Gouverneure gestellt und deren Tätigkeit soll durch Rußland und Desterreich überwacht werden. Man könnte sonach auf den ersten Blick vielleicht glaube, daß Rußland sein Orientprogramm, bekannt als ar gebliches Testament Peters des Großen, geändert habe. Wer indes die Zähigkeit und die geduldige stille Arbeit der russischen Diplomatie fennt, weiß, daß man dort so leicht keine Position und kein Ziel in den Wind schlägt. Die Zeit, um auf dem Balkan die Kreise weiter vorzuschieben, ist noch nicht gekommen und ein vorzeitiger Ausbruch der Orientwirren würde ein ferngelegenes Aftionsprogramm empfindlich berühren. Sit dem chinesisch- japanischen Kriegs und dem Vertrag von Shimonosefi ist Rußland entschieden darauf bedacht, in Ostasien neben dem englischen einen russischen Einfluß aufzun ichten, und wer nicht die Augen geflissentlich gegen die Vorgänge auf jenem Gebiete schließt, wird erkennen, daß sich daraus allmählich auch ein schärferer Gegensazz z.vischen England und Japan einerseits und Rußland und Frankreich andererseits herausbildet. Für England könnte nichts erwünschter sein, als wenn irgend wo in einem Winkel Europas die russischen Heere blutige Arbeit fänden. Darum vertagt Rußland einstweilen die Balkanpolitik für eine spätere Zeit und läßt zunächst die ostasiatische Saat zu Körnern reisen. Der Panslavismus war ein territoriales, engumgrenztes Programm, die Regierungstätigkeit des Friedenszaren aber umfaßt weitere Ziele, die Rußland im Einvernehmen mit Frankreich betreibt. Freilich, wenn wir von der augenblicklichen Wirkung der Annäherung absehen, dann können wir auch nicht Dr. Numichs Patient. Roman von Dr. Halifar und T. L. Mcade. Autorisierte Bearbeitung von C. Weßner. 51] ( Nachdruck verboten.) „ Sie fann nicht, lieber Georg, sie hat die Milchkammer reinzumachen." " So werde ich Friedrich schicken, der fann das besorgen und Suse die Hauswirtschaft. Du bleibst still im Stuhl ſizen und ruhst Dich aus. Um zwölf komme ich zum Essen, und wenn Du da nicht frischer aussiehst, so hole ich sofort den Doktor Martin." „ Um Gottes willen, nein", wehrte Hetin erschreckt. Mir fehlt ja nichts. Gut also, ich bleibe hier sizen, Georg, bis Du wiederfommit." Der Vormittag verging ziemlich schnell. So lange ihr Mann in Sicht war, blieb Hetty am Fenster sigen. Dann stand sie auf, holte einen großen Karton vom Schraut, herunter und entnahm diesent einen breitrandigen Strohhut. Sie zupfte an den weißen Spizen herum, mit welchen er garniert war, und nähte einige Stiche daran, um die Schleifen gefälliger zu machen. Zwei- oder dreimal probierte sie den Hut auf, um zu sehen, ob er sie kleide. Dann holte sie noch ein Stück rotfeidenes Band und einen Blumentuff hervor und garnierte veides zwischen die Spiken. Es war ein hübscher Hut, der der zierlichen, antigen Frau ungemein gut stand, und unter demt ihr feines Gesicht hervorschaute, wie das einer Elfe aus einem großen Blumenfelch. Es ist mir schließlich einerlei, was ich frage", murmelte sie zu sich selbst.„ Aber ich möchte doch hübsch wie möglich aussehen, wenn ich zu ihm gehe. Frü fand er mich sehr hübsch an ienem schrecklichen Abend unten am Teich, wo ich die Bergißmeinnicht gepflückt hatte, da sab ich es in seinen Augen daß er mich bewunderte. Vielleicht denft er heute noch ebenso! Der Hut sieht jest wirklich ganz nett aus." Gegen Mitrag nahm Hetty wieder ihren Vlak im Lehnstuhl am Fenster ein, und Vincent war sehr erfreut, daß sie seinen Wunsch befolgt hatte. „ Hier habe ich ein paar junge Tauben mitgebracht, Schäßchen", sagte er fröhlich. Du fannst sie heute zum Abendbrot braten. Du mußt ordentlich essen, Hetty, damit Du wieder zu Kräften tommst. Ah, da kommt das Essen! Beefsteat und Schoten, mein Leibgericht! Ich habe aber auch einen wahren Wolfshunger mitgebracht." Suse hatte das Haus wieder verlassen, um ihren anderen Pflichten nachzugehen. Mann und Frau waren allein. Hetty verkennen, daß Rußland auch ein gegen uns gerichtetes Ziel im Auge hat. Rußland ist allmählich, nachdem es sich Italien und Dänemark näher verbunden und auch in den Balkanstaaten das volle Vertrauen der Bevölkerung gewonnen hat, in eine europäische Vormachtsstellung eingerückt. Während unter dem Fürsten Bismarck das Völkerkonzert von Berlin aus dirigiert wurde, blickt jetzt alle Welt auf den Petersburger Hof. Und Rußland ist systematisch darauf bedacht, Deutschland zu isolieren, um desto selbständiger seine eigenen Ziele verfolgen zu können. Diese sind ja freilich ihrer ganzen Natur nach nicht aggressiv gegen uns, denn, wohin man auch blicken mag, nirgends gibt es einen Gegensatz zwischen Deutschland und Rußland. Indem es aber die Mächte des Dreibundes- Italien mit einer Vereinbarung über das Mittelmeer, Desterreich mit einem Balkanübereinkommen von uns absondert, schwächt es die entscheidende Stellung, die der Dreibund einst unter dem Fürsten Bismarck im europäischen Völkerarcopag eingenommen hat. Und das ist trop aller friedlichen Wirkung der russischen Politik immerhin ein Zeichen dafür, daß unsere Diplomatie doch auf der Hut sein muß, wenn sie nach den verschiedentlichen Extratänzchen der beiden Dreibundstaaten nicht eines schönen Tages lleberraschungen erleben will. Der Abschluss der Dresdener Affaire. Um das Aergernis so schnell als möglich zu beseitigen, das das augenblickliche Stadium des Ehekonfliktes des sächsischen Kronvrinzenpaares bedeutet. hot Big Georg troy seines bedentlichen Zustandes doch bereits den Crlaß vollzogen, der das Ehescheidungsverfahren regelt. Die wesentlichsten Bestimmungen sind neben der schon mitgeteilten Einsegung eines Siebenmännergerichts jolgende: Das Chescheidungsverfahren wird wie jedes andere Scheidungsverfahren nach den Vorschriften der allgemei nen Geung geführt. Nur ist die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, eine Mitwirkung des Staatsanwalts findet nicht statt, die Parteien sind zum persönlichen Erscheinen vor dem Gericht oder vor einem ersuchten oder beauftragten Richter nicht verpflichtet. Sie lassen sich durch einen Rechtsanwalt vertreten. Der im regelmäßigen Verfahren vorgeschriebene Sühne versuch, der Erlaß der einstweiligen Verfügung und die Mitteilung des Urteils an das Vormundschaftsgericht finden nicht statt. Alle Rechtsmittel( Berufing, Revision, Beschwerde) sind ausgeschlossen. Etwaige weitere Aenderungen des regelmäßigen Verfahrens behält sich der König vor. Die Auffassung einiger Blätter, die Kronprinzessin könne nach dem Enriche dieses( 850erflärte, sie fühle sich weit besser, vielmehr ganz wohl und munter. Sie zog ihren Stuhl dicht neben den ihres Mannes und plauderte lebhaft, während er dem Essen tüchtig aufprach. Wie lieb und gut Du bist, Betty. Siehst Du, so ist es reizend. Wenn Du so weiter versuchen willst, dann glaube ich, wirst Du mich auch lieben lernen." Es war rührend, wie dieser starke, robuste Mann um die Liebe seiner Frau warb. " Es wird schon werden", erwiderte diese freundlich.„ Sag' mal, Georg, Du hast doch nichts dagegen, wenn ich heute nachmittag zu Tante Fanny gehe?" Sic brachte diese Worte fühl, ruhig heraus, dennoch wedien sie in Vincents Brust sofort einen heimlichen Verdacht. " Sieh mir mal offen in die Augen", versezte er furz. Sie sah ibu ruhig an, ohne mit der Wimper zu zucken. „ Rein, Du bleibst zu Hause", entschied er in bestimmtem Tone. Gieb Dir feine Mühe, es bleibt bei dem, was ich sagte. Wenn Du eine gute Frau bist und thust, was ich will, so werde ich den Wagen herausholen lassen und Dich heute abend ein Stündchen spazieren fahren." " O ja, das ist nett", entgegnete Hetty, die sich wohlweislich nicht merten ließ, wie sehr seine abschlägige Antwort sie verstimmte. Sie beugte sich nieder und hob ein Stückchen Brot auf, welches zu Boden gefallen war. Sie wußte recht gut, ihr Mann würde es nicht zugeben, daß sie die Verabredung mit dem Baron innehielt. Aber dies mußte fie ermöglichen, fofte es, was es wolle, und wenn sie die unerlaubteften Mittel anwenden sollte. Hetty dachte und dachte. Sie war erlich so erregt, daß sie faum einen Bissen zu essen vermochte incent gab sie mit all' seiner großen Zärtlichkeit und flüsterte ihr die innigsten Liebesworte zu. Sie ließ es sich ruhig gefallen. Endlich stand er auf. „ Ach, das war eine reizende Mahlzeit!" rief er glücklich aus. „ Wenn es doch immer so scin fönute! Ich bin um fünf Uhr wieder da, Schat. Du fannst etwas Thee bereit halten." Nein, Du befomust feinen Thee", verseste Hettu.„ Du bist jegt immer so früh aus dem Bett und brauchst viel Schlaf. Du mußt heute nach dem Vesperbrot ein bißchen schlafen. Thee regt die Nerven nur auf, ich werde Dir eine Flasche Porter geben." Borter?" rief der Bächter freudig überrascht- Porter war nämlich sein Lieblingsgeträntic mußte garnicht, daß Du welchen im Hause hast." " Ja", versezie sie lachend, ich habe fürzlich ein paar Flaschen für Dich mitgebracht. Doch nim eile, Georg, es wird Zeit, daß Du fortkommst." richts noch oder vor diesein Gerichte als Widerklägerin die Scheidungsklage gegen den Kronprinzen anstrengen, trifft nicht zu, da die Kronprinzessin bei Erlaß dieser königlichen Ordre unter dem Wettiner Hausgeset stand. Kronprinzessin Luise hat inzwischen in einer Unter redung mit einem sächsischen Journalisten eine neue Dar stellung der Entstehung ihres Ehefonilities gegeben, die die vom sächsischen Hose gegebenen Witteilungen durchaus beſtätigt. II. a. bestritt die Kronprinzessin, daß zwischen dem Kronprinzen und ihrem Bruder Leopold Ferdinand in Salzburg auch nur die geringste Meinungsverschieden heit zu Tage getreten jei, so daß es gar nicht zu den angeblichen Tätlichkeiten habe kommen fönnen. Sie gab ihrer Empörung Ausdruck über die Meldung eines Münchener Blattes, wonach sie durch die Schuld ihres Gatten erfraukt und deswegen gestohen sein sollte. Das sei eine Verleumdung ihres Gemahls, welche energische Zurückweijung verdiene. Eine Unterbringung im Irrenhause im Falle ihrer Rückkehr traue sie den Zhrigen nicht zu, wohl aber hätte sie ständige strenge Ueberwachung gefürchtet und darum den Vorschlag ihres Rechtsanwalts, ohne 20 jchen zurückzukehren, ein für allemal abgelehnt. Ihre Liebe zu iron sei nicht eine vorübergehende Leiden schaft, sondern innige Zuneigung, und von den gleichen Gefühlen für sie sei auch Giron selbst beseelt. Die Mel dung eines Münchener Blattes, Giron sei ein g wöhnlicher Expresser, sei eine dreiste Erfindung. Auf alle ihre Würden habe sie bereits freiwillig verzichtet, aber ihre Mutterrechte wolle sie sich nicht nehmen lassen. Vor ihrer Flucht aus Salzburg habe sie in einem Briefe an ihre Eltern vier Wünsche geäußert, nämlich: Man möge ihre Angelegenheit in Ruhe und ohne Aussehen erledigen, ihr Nachricht von ihren Kindern zukommen lassen, ihre Garderobe nachsenden und den Hormarschall v. Tümpling zu einer nterredung zu ihr tommen lassen. Steiner dieser Wünsche sei ihr erfüllt worden. Auf einen Brief an die Gouvernante ihrer Minder habe sie nur den furzen Bescheid erhalten, daß sie im Falle einer schweren Ertrantung eines der Kinder benachrichtigt werden würde. Tamit klagt die Kronprinzessin sich selbst an. Ihr Verfahren erscheint, wie wir schon andeuteten, nur begreislich, wenn man annimmt, daß sie sich bei ihrem derzeitigen physischer Zustand in einer sectischen Verfassung befunden habe, die sie die Tragweite ihrer Handlungsweise nicht überschauen ließ und sie großen Selbsttäuschungen über ihre Neigung zu Giron und über dessen persönlichen Wert verleitete. Der Beigier erweist sich immer mehr als ein eitler Geck und indistreter Prahlhans. Er ist einer von denen, die Nachrichten in die Welt jezzen, über die die Kronprinzessin nachher empört ist. 11. a. äußerte er zu einem Korrespondenten des„ Secolo". die Kronprinzessin hätte, wenn sie gewollt, leicht für 18 Millionen Mart Stronjuwelen mitnehmen fönnen.( Das härte die kronprinzessin schon deshalb nicht tun förnen. „ Du scheinst wirklich den besten Willen zu haben, lieb zu mir zu ſein", sagte Vincent frenbestrahlend. Wie besorgt Du auf einmal um mich bist! Wie mich das beglückt! Also ich elle mich um fünf Uhr zum Vorter ein. Gieb mir einen Stuß auf cen Weg." Er ging fort. Hetty beobachtete ihn, während er über den Hof schritt. Ihre Wangen glühten, ihr Herz flopfte zum Zerspringen. Sie hatte einen füihnen Entschluß gefaßt sie wollte ihn mittelst Porter betäuben. Vincent war weder ein schläfriger, noch ein bequemer Wienich. Er arbeitete hart vom frühen Morgen bis zum Abeno, ohne sich irgend welche Extravaganzen zu gönnen. Er zog in allgemeinen Thee oder Kaffee iedem anderen Getränk vor; aber Porter ia, das war ein Labsal, eine Delikatesse für ihn. „ Er soll schlafen", sagte Heit zu sich, das wird ihm auch gut thum. Als ich Tantes Bahnschmerzentropfen zum ersten Dial hinunterschluckte, schlief ich volle acht Stunden hintereinander wie ein Murmeltier. Wie elend war mir zu Mute, als ich mich hinlegte, und wie frisch und leicht fühlte ich mich beim Erwachen! Georg muß schlafen, während ich fort bin. Ich werde ihm ein paar von den dunklen Tropfen ins Bier gießen, danach wird er wunderschön schlafen, ich fann ruhig fortgehen und längst wieder 31 Hause sein, bevor er aufwacht. Auf diese Weise erfährt er nichts." Sie traf alle ihre Vorbereitungen mit größter Borsicht und List. Gegen dreiviertel fünf Uhr begab sie sich in die Küche und zog die Flasche auf, welche sofort überidianute; nun füllte sic einen Teil des Porters sorgfältig in ein großes Glas- plöglich vernahm sie die Schritte ihres Mannes. Saftig verbarg sie das Fläschchen mit den Opiumtropfen in ihrer Kleidertasche und Lauschte. Vincent blieb im Hofe ſtehen, dann trat er in den Bferdeftall. Ghe er von dort zuriatant, bergingen gewiß zwei Minuten also schnell sonst war die Gelegenheit vorüber mit größter Hast nahm sie das Fläschchen wieder aus der Tasche, goß einen Teil des Jubalts, den sie für gering, aber doch fitt genügend hielt, in das Glas, forfte die fleine Flasche wieder zu und versteckie sie abermals in der Tasche. Dann rührte sie den Juhalt in dem Glase um, nabut die Borterflasche wieder zur Hand, behielt sie eine Weile in derselben, ohne sich zu rühren und fing erst wieder an, das übrige Bier langiam in das Glas zu füllen, als sie ihren Wann schnell auf das uns zufommen jab. Ihr Gesicht brannte, ihr Herz flopfte gea, als wolle es ihr die Brust seriprengen, und ihre Augen glänzten wie im Fieber. weil das Diebstahl gewesen wäre.) Die sächsische Bolizei gebe nicht die Hoffnung aus, sich der Kronprinzessin gewaltsam zu bemächtigen, um sie ins Irrenhaus oder ins Kloster zu bringen. Im Hotel d'Angleterre" seien ja, wie befannt, deshalb sächsische Polizei- Agenten installiert. Die Kronprinzessin hat, wie sich aus obigem ergibt, diese Geschichte ins Reich der Fabel verwiesen. Der Tag ist vielleicht nicht mehr fern, an dem die Kronprinzessin einsieht, daß ihre beflagenswerte Verirrung sie einem Unwürdigen in die Arme getrieben hat. Höchst fraglich ist es noch, ob Giron die verführte Frau ehelichen wird. Solange beide der fatholischen Kirche angehören, ist zwischen ihnen eine von der Kirche bestätigte The nicht möglich. Und wie man Monsieur Giron zu tagieren Grund hat, wird er sich zu einem Glaubenswechsel nur verstehen, wenn der Kronprinzessin genügend Mittel bleiben, um ihm ein behagliches Leben zu ermöglichen. Caftros frevelmut. Präsident Castro treibt es immer toller. Ein Zeitungstorrespondent, der den Präsidenten fürzlich bei dessen Besuch in einer Landvilla sah, entwirft von dem Abenteurer eine Schilderung, die ihn als einen in den Tag hinein lebenden Hansnarren erscheinen läßt. Der Journalist fand Signor Castro zur Mittagsstunde Lei Tanz und Frühstück im Garten, seine Geliebte am Arm. Der Herr der Villa, General Alfantara, bei dem Castro zu Gaste war, erflärte, er fürchte, den Präsidenten in seinem Vergnügen zu stören, wenn er den Journalisten vorstelle. Dabei zeigte Altantara diesem ein Bündel Staatsdepeschen und sagte, der Präsident werde sogar ungehalten, wenn er ihm diese Depeschen vor dem Ende des Festes zeige. Während der Tanzpause stellte sich der deutsche Zeitungsmann troßdem dem Präsidenten vor und fragte ihn, ob er von dem Entschluß der Mächte bezüglich des Haager Tribunals schon Kenntnis erhalten habe. Castro bejahte, lachte triumphierend und sagte dann: ,, Sie mußten mir ja tommen." Auf die Frage, ob er willens sei, Abbitte zu leisten, antwortete Castro:„ Ich bin der Beleidigte, ich brauche und werde also niemandem Satisfattion geben." Bei diesen Worten umbrängten ihn die Anwesenden, Frauen und Männer, unter Toben, Klatschen und Hochrufen. Seine Geliebte flopste ihm schallend auf die Schulter, dann wirbelten sie tanzend davon, um bald darauf zurückzukehren und in ihrer lauten Unterhaltung fortzufahren. Neben ihnen stand ein mit Flaschen beladener Tisch... Daß die Revolution täglich und stündlich in Venezuela neue Fortschritte macht und Castros Lage von Stunde zu Stunde bedenklicher macht, ficht den völlig verblendbeten Mann nicht an. Als er von dem Landaufenthalt nach Caracas zurückkehrte, ließ er sich großspurig mit Musik und Salut begrüßen! Hoffentlich zeigen die Mächte ihm, daß er, selbst wenn er sich der Revolution zu erwehren vermag, doch zivilisierten Nationen gegenüber einen anderen Ton anschlagen muß, als er ihn anzuschlagen sich erdreistet. Darauf deutet die jüngste Meldung aus Washington hin, die besagt, daß der amerikanische Staatssekretär Hay am Sylvester Castros Antwort auf den Vorschlag, die Streitfrage dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten, erhalten hat. Castro nimmt im allgemeinen die Grundsäße des Anerbietens an. Die Antwort wurde sogleich nach London, Berlin und Rom übermittelt. In Maracaibo ist es zu einem neuen Konflikt zwichens den venezolanischen Behörden und dem Kommanbanten des deutschen Kreuzers Falke" gekommen: Der Postmeister von Macaraibo hatte gewiße deutschen KaufTeuten gehörige Postsachen zurückgehalten. Der ,, Falke" drohte deshalb, die Stadt zu bombardieren. Was aus der Sache werden wird, ist noch ungewiß. Wahrscheinlich werden die Venezolaner nachgeben. Die Beschlagnahme ist angeblich deshalb erfolgt, weil diese Briefschaften Beweise dafür seien, daß die Revolution gegen Castro durch deutsches Geld unterstützt werde. Die Politik. Neue Unruhen in China werden tatsächlich in den Briefen der dortigen Europäer befürchtet. Nach einer Meldung aus Shanghai hat der englische Generalkonsul in Hantau den Missionaren in der Gegend von Hsianfu mitegteilt, sie sollten sich bereit halten, die Gegend zu verlassen, falls dies notwendig werden sollte; desgleichen empfahl er, Frauen und Kinder nach sicheren Hasenstädten. zu senden. Die Aufrollung der marokkanischen Frage wird durch die Vorgänge in Marokko in greifbare Nähe gerückt. Der Sultan, der kaum noch über 9000 Mann verfügt, wird in Fez von 30 000 immer näher anrückenden Rebellen bedroht. Die Stadt, deren Bevölkerung dem Sultan feindlich gesinnt ist, kann jeden Augenblick von den Rebellen gestürmt werden. Nur eine Rettung scheint es für den Bedrängten zu geben: die schleunige Einmischung der Mächte. Gegen diese ihnen bereits aus der Umgebung des Sultans dringlich nahegelegte Maßregel sperren sich die Mächte einstweilen noch; feine will die erste sein, die einspringt und damit den Anstoß zur Aufrollung der ganzen heitlen Marokkofrage gibt. Nichtsdestowe niger wird die europäische Einmischung nicht unterbleiben können, sobald der Thronprätendent den ,, heiligen Krieg" zur Vernichtung und Vertreibung aller Europäer predigt. Dann ist mit tötlicher Sicherheit zu erwarten, daß wegen Maroffo internationale Verwickelungen entstehen. Dieser Auffassung geben auch die Londoner offiziösen Blätter durchweg Raum. Treffen diese Befürchtungen ein, so kann das Frühjahr 1903 für die Weltpolitik sehr bewegt, ja vielleicht verhängnisvoll werden. Kurze politische Nachrichten.. * Berlin, 1. Januar.( Hofbericht.) Der Kaiser wird am 9. d. Mts. abends von der Hofjagd im Saupark bei Springe fommend, in Hannover eintreffen und im dortigen Residenzschlosse Wohnung nehmen. Am 10. vormittags 9 Uhr konzertiert der Hannoversche Gesangverein vor dem Kaiser im Schlosse. Die Rückkehr des Monarchen erfolgt voraussichtlich noch am selben Abend.- Das Kaiserboot Sleipner" erhielt Befehl, im Februar eine Fahrt nach Helgoland anzutreten. Der Kaiser gedenkt, alsdann dort einzutreffen und das Hochseetorpedɔbot zu benußen. Die ,, Hohenzollern", die sich für die Italienreise rüstet, ist im Februar noch nicht verwendungsfähig. Prinz Heinrich ist am Sylvester- Abend von Kiel im Neuen Palais bei Potsdam eingetroffen. * Der Präsident des Reichstages Graf Ballestrem überwies seinen Arbeitern eine weitere Geldipende von 50 000 Marf. * Die österreichisch- ungarische Ausgleichsfrise steht noch auf dem alten Fleck, man..hofft" aber, daß bald eine entscheidende Wendung eintritt * Die Lage des portugiesischen Kabinets gilt Opposition Franco eine zweistündige Unterredung, die zu vielen Mutmaßungen Anlaß giebt. * Die Beendigung des großen Ausstandes der Arbeiter der Union Pacific Bahn in Chicago steht bevor. Juhabern von Pacific- Werten wird die Beilegung des Streits von großem Werte sein. Vermischtes. A[ Aus der Schule.] Die Mutter eines erkrankten Kindes in einer schlesischen Stadt sandte nachstehenden ,, ungeheuren" Entschuldigungszettel an die Lehrerin des Kindes: Sehr geertes Fräulein Leererin! Sie entschuldigen gitigst, daß meine Tochter Gretel nicht zur Schule tommen fann. Sie mußte lezte Nacht Ungeheuer speien. Hochachtungsvoll M. G." [ Eine Zengin der ,, Franzosenzeit".] Bis in die Zeit der Freiheitskriege reichen die Jugenderinnerungen der Frau Avon de Vermond zurück, die vor einigen Tagen in Brooklyn gestorben ist. Bis wenige Stunden vor ihrem Verscheiden erinnerte sich die 105 Jahre alte Dame der großen Zeit hatte sie damals doch ihre glücklichsten Tage verlebt. Sie war die Tochter eines Barons von Stübinger, der an einem kleinen Hofe lebte. Als Napoleons siegreiche Armee durch die deutschen Lande arschierte, da wurde auch ihre Heimat von den Franzosen occupiert. In ihrem Hause quartierten sich französische Offiziere ein, Sarunter ein blutjunger Leutnant de Vermond. Es war ein lustiges Leben in der kleinen Stadt. Der Leutnant führte die hübsche Tochter seines Hauswirts zu Festlichkeiten, welche die französischen Offiziere veranstalteten, und als das Regiment weiterzog, da gab es zwischen den beiden jungen Leuten ein wehmütiges Scheiden. Ein Jahr später, als das geschlagene Heer Napoleons sich auf dem Rückzuge aus Rußland befand, kehrte de Vermond wieder bei dem Baron von Stübinger ein. Er hielt um die Tochter an, und die Eltern gaben ihre Einwilligung zu der Verbindung. De Vermond reiste nach seiner Heimat, um auch von seinen Eltern die Zustimmung zu erlangen. Aber diese widersetzten sich einer Ehe ihres Sohnes mit einer Deutschen. De Vermond hoffte, daß es ihm gelingen werde, das Vorurteil seiner Angehörigen zu überwinden. Fünfzehn Jahre blieb er zu Hause. Er wechselte regelmäßig Briese mit seiner Geliebten, und als seine Eltern im Jahre 1830 starben, holte er seine Braut heim. Das späte Liebesglück der beiden währte aber nicht lange. Im Jahre 1837 starb der Gatte, und Frau de Vermond reiste mit ihren Kindern, einem Sohn und zwei Töchtern, nach Amerika. Der Sohn kämpfte im Bürgerriege. Er, sowie die Töchter, sind der Mutter schon lange im Tode vorangegangen. Die Greisin lebte in den letzten Jahren im Hause einer Enkelin. Die Spuren ihrer einstigen Schönheit waren vom Alter nicht verwischt worden. Die Ereignisse aus den Jugendjahren waren der alten Frau im Gedächtnis hasten geblieben, und sehr oft erzählte sie ihren Enkeln und Urenkeln von den Tagen an dem Fürstenhofe, an welchem sie gelebt. [ Berfehlte Wirkung.] Ein junger Lebemann stellt einer süddeutschen Zeitung den folgenden von seinem Schneider erhaltenen Mahnbrief zur Verfügung: ,, Wer war es, der im Sommer mich dazu zu bewegen wußte, Ihnen einen Anzug auf Kredit zu liefern? Sie, Herr A. Wer versprach mir hoch und heilig, bis zum 1. Dezember zu bezahlen? Sie, Herr A. Wer war es aber, der nicht bezahlte? Das waren Sie, Herr A. Wer ist also ein elender Betrüger und großer Lump? Ihr ergebener Hansen, Schneidermeister." $[ ,, Old Moores" Prophezeiungen für 1903.] Das englische Volk ist, obwohl es als sehr praktisch gilt, sehr abergläubisch. Es glaubt an Wahrsagerinnen, Orafel, Gespenster, besonders aber an ,, Old Moore's" Kalender, der mit sibyllinischer Geheimtuerei die Ereig nisse kommender Jahre voraussagt. Seitdem„ Old Moore" die Krankheit König Eduards prophezeit hat, ist er in der Achtung seiner Landsleute noch ganz bedeutend gestiegen. Man sah deshalb mit großer Spannung seinen Prophezeiungen für 1903 entgegen, und die Spanmung war sehr gerechtfertigt, denn es wird ein böses Jahr. Der Januar schon bringt neue Wirren im Orient, eine Panif in Spanien, einen Finanzkrach in Newyork und ein Attentat auf den König von Portugal. Das Jahr fängt also gut an. Im Februar herrschen Feuer und Schwert" in Desterreich und in China, außerdem gibt es Unruhen in Indien. Der März bringt einen ernsten diplomatischen Zwischenfall zwischen England und einem anderen Reiche, außerdem Wirren in Algerien. Sehr verheißungsvoll beginnt der April: es werden Gold- und Tiamantbergwerke entdeckt. Dann aber wird es fürchterlich: Revolution in Konstantinopel, Krach in London, Unruhen in Belgien, eine große Eisenbahnkatastrophe, bei der ein berühmter Prälat den Tod findet das sind so die schönsten Ereignisse im April! Der Mai beginnt mit einer wichtigen medizinischen Entdeckung, worauf etwas schreckliches in Windsor passiert― man weiß nur nicht, was! Juni ist der Monat der Schiffbrüche. Im Juli ereignet sich ein ernster Vorfall in Holland. Im September macht ein Vertrag von sich reden, der ganz besonders England interessiert, und dem wichtige Ereignisse in Gibraltar vorangehen. Im Oftober gibt es ein neues Eisenbahnunglück; unter den Opfern befindet sich ein englischer Minister. Wirren im Orient werden für November prophezeit, und im Dezember passiert irgend etwas Furchtbares in den Vereinigten Staaten. Es haben also fast alle Völker Grund, dem Jahre 1903 mit Mißtrauen entgegenzublicken! ::[ Einen Spaziergang zum Nordpol] will ein Herr Pelletier aus Buffalo unternehmen. Es ist jedenfalls die eigenartigſte Nordpolexpedition, die jemals dagewesen ist. Man hat den Pol schon zu Schiff, im Schlitten, im Luftballon zu erreichen gesucht, aber auf den Gedanken, ohne jedes Fahrzeug hinzupendeln, war bis jetzt noch niemand gekommen. Nur einem Amerikaner fonnte diese großartige Idee einfallen! Herr Belletier will mit einem Freunde von can grant au und auf einem von fünf Hunden gezogenen Schlitten nur etwas Handgepäck und einige Lebensmittel mit nehmen. Pelletier war früher Depeschenträger in Alaska und hat in dieser amtlichen Eigenschaft herausgefunden, daß gegen die Temperatur der Eiszone die vegetarische Lebensweise das beste Schuhmittel ist. Also wird er am Nordpol die Fahne des Vegetarismus aufpflanzen. Herr Pelletier ist trotz der Schlappen seiner Vorgänger voll Mut und Hoffnung, und blickt so optimistisch in die Zu funft, daß er auch einen photographischen Apparat mi nimmt, um den Nordpool, sobald er ihn gefunden, für einen Fabrikanten von Ansichtskarten zu photogra hieren. Ein Millionärsjohu als Wechselfälscher. Aus Berlin ist nach Verübung einer Reihe von schweren Wechsel fälschungen ein junger, sehr bekannter Sports- und Lebe mann, Martin Manasse, flüchtig geworden. Er hat u. a. auf den Besitzer des bekannten Hotels und Cafés Bauer unter den Linden mehrere falsche Wechsel in bedeutendem Betrage ausgestellt. Die Mutter Manasses, die Witwe eines Würzburger Millionärs, hatte bereits mehrere falsche Wechsel eingelöst, wurde aber schließlich der vielen schlech ten Streiche ihres Sohnes überdrüssig und weigerte sich, weiter für ihn einzutreten. Daraufhin erstattete einer der Geprellten Strafanzeige, Manasse hatte sich aber bereits durch die Flucht der Verhaftung entzogen. :: Wie die Humberts im Gefängnis leben. Wie scho gemeldet, ist Eva Humbert bereits auf freien Fuß ge setzt. Nunmehr sollen auch Emile und Maria Daurigna aus der Haft entlassen werden, vielleicht auch Frederic Humbert, dessen Gesundheit stark erschüttert ist, so daß dann nur noch Therese Humbert im Gefängnis zurückbliebe Indessen brauche sie dies nicht allzu tragisch zu nehmen, denn besser als im Gefängnis kann sie es anderwärts auch kaum haben. Der Figaro ist in der ,, glüdlichen" Lage eins ihrer Tagesmenus veröffentlichen zu können: Zum Frühstück erhielten die Gefangenen Lachsforellen mit holländischer Sauce, gekochte Eier, Hasenrücken. Dazu tranfen sie Bier. Am Nachmittag ließen sie sich aus einem Restaurant Bouillon bringen, und um 7 Uhr abends nahmen sie folgendes Diner ein: Omelette, Filet, grüne Bohnen, Orangen, zwei Flaschen Wein. Ein fideles Gefängnis! * Ein Eisenbahnzug von einer Lawine erfaßt. Bei der Station Gossensaß am Brenner wurde der Expreßzug von Verona nach Berlin von einer Schneelawine ver schüttet und mußte ausgeschaufelt werden. Der Zug hatte fast 24 Stunden Verspätung und naturgemäß mußte der ganze Eisenbahnverkehr über den Brenner unterbrochen werden. Mehrere andere Unglücksfälle durch Lawinen werden aus dem Alpengebiet gemeldet. Ein LawinenSturz am Schwarzenstein im Zillertal kostetete dem Studenten der Medizin Walter Goeße aus München, der eine Hochtour unternommen hatte, das Leben. Seine Leiche ist unauffindbar. Auf dem Casanapaß sind zwei junge Männer, die aus dem italienischen Livignotal ins Engadin wollten, ebenfalls von einer Lawine verschüttet und getötet. Die Passagiere des verschneiten Expreßzuges können sich übrigens damit trösten, daß auch im Flach lande sich solche Fälle ereignen fönnen. Nach Meldungen aus Sombor in Galizien ist ein dort nach Stry abge lassener Personenzug eingeschneit und fonnte erst nach achtzehnstündiger Arbeit freigemacht werden. Bei einem anderen Personenzuge rissen infolge Vereisung die Kuppelungen, wobei mehrere Personen und Bahnbedienstete erhebliche Verletzungen erlitten. Heroische Pflichttreue eines russischen Soldaten. Während des furchtbaren Erdbebens in Andischan( Turtestan) stand, wie aus Petersburg gemeldet wird, ein russischer Füsilier, namens Saschut, bei der Fahne und dem Geldkoffer seines Bataillons auf Wache. Durch herabstürzende Trümmer wurde ihm das Gewehr aus den Händen gerissen und zerschlagen. Ebenso wurde der Fahnenstock zerschlagen, und Saschuk selbst von den Trümmern eingeschlossen. Er blieb aber ruhig unter den Trümmern ſtehen, bis er von dem ablösenden Unteroffizier herausgeholt wurde. Kannibalismus in Neu- Guinea. Zu den Gerüchten über neuerliche Menschenfressereien in Neu- Guinea wird jetzt offiziell von dort gemeldet, daß zwei europäische Goldsucher von Eingeborenen grausam ermordet worden seien und man fürchte, daß noch mehr Mordtaten begangen worden sind. Unter den Eingeborenen herrsche infolge furchtbarer Trockenheit Hungersnot, Tausende nährten sich nur von Wurzeln. Menschenfresserei sei die Folge dieser Verhältnisse. In einem Kampfe zwischen Stämmen seien 25 Eingeborene getötet worden. Bunte Chronit. Wie in Karlsruhe, so herrscht auch in Stuttgart die Influenza in unheimlicher Weise. Die Aerzte schätzen den Krankenstand auf über 20 000 Bersonen. Doch verläuft die Krankheit im allgemeinen gutartig; die Sterbeziffer weist keine erhebliche Steigerung auf. Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. beschloß den Ausbau des Kaisersaales im Römer nach dem Entwurf des Baurats Meckel und bewilligte hierfür 120 000 Mark. Außerdem wurden 45 000 Mart für Erneuerungsarbeiten am Römer bewilligt. Ein Händler aus Klezko verheiratete dieser Tage eine Tochter. Die Trauung sollte in Berlin stattfinden; da aber der Bräutigam die erforderlichen Papiere nicht beibringen fonnte, ließ man die Trauung in London vollziehen. Bei der Hochzeit wurde dem Schwiegersohn die versprochene Mitgift ausgehändigt. Bald darauf entfloh der junge Ehemann mit dem Gelde, denn es stellte sich heraus, das er bereits in London verheiratet war und Bater mehr Kinder ist.( FIC Aleine Gerichts- Chronif. Die Strajfammer in be feld verurteilte den Fabrikanten Karl Heinrich Otto aus Barmen zu fünfzehn Monaten Gefängnis und ordnete sofortige Verhaftung an. Otto hat vier Bersonen durch Vorspiegelungen zum Ankauf von Anteilscheinen der Kalibohrgesellschaft Hannashall" in Thüringen veranlaßi und um 61 000 Mart geschädigt. -Aus Bauzen wird gemeldet: Der frühere Gemeinde vorsteher Weichelt aus Groß- Schönau, der vor einigen Monaten nach Unterschlagungen in Höhe von 150 000 Mark flüchtig geworden und in der Hohen- Tatra verhaftet wurde, ist zu sechs Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt worden. We ** Lan Vorig ber heutigen La Güngerig den Gr. Un ein, als an Praetori tritt. Die fieht der sei ** Obe standsfizung fchloffen, d über die G 1904 zu be beraumte Wolff aus ung der muß wege ** Da forderung: Gießen wol ben Nachla storbenen zu machen Erben über ** J Landesunit wiffenfchaft Blättern b Ausschreib in weldjen zug auf Selbstmord Studiums macht wir Bu Großh. Cr ** nachstehend Gefellen ab des Einlau lift früh mader in stelle für d 2. 68 21. Darmstadt Gewerbe, 1903. Fi Kunstgewer Sreine Bölger, in Station für bis 11. J 25. 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Die auf nächsten Montag an beraumte Sigung des Vereins, in der Herr Professor Wolff aus Frankfurt über die Eroberung und Sicher ung der Wetterau durch die Römer sprechen wollte, muß wegen Erfrankung des Redners ausfallen. ** Das hiesige Amtsgericht erläßt folgende Aufforderung: Die Rosine Bey von Wiesenbach, zuletzt in Gießen wohnhaft, wird aufgefordert, ihre Ansprüche an den Nachlaß des am 10. März 1883 zu Gießen verstorbenen Michael Bey binnen 3 Monaten geltend zu machen, widrigenfalls der Nachlaß den bekannten Erben überliefert wird. ** In dem anatomischen Institut der Landesuniversität ist ein Mangel an Leichen für wissenschaftliche Zwecke eingetreten. In den ProvinzBlättern haben daher die Verwaltungsbehörden ein Ausschreiben an die Kommunalverwaltungen erlassen, in welchen auf die bestehenden Bestimmungen in Bezug auf die Ablieferung von Leichen unbekannter Selbstmörder 2c. zum Zwecke des wissenschaftlichen Studiums auf der Landesuniversität aufmerksam gemacht wird. - schuh, Herrn J. Schrapenborg. Derselbe begrüßte zunächst den Berband Gießen und die Festversammlung Namens der Oberfechterei Mainz und schilderte dann das Wohlwollen und Wohlthun der Menschheit bis in die älteste Zeit zurück. Von Stufe zu Stufe führte er die einzelnen Völker, die einzelnen Zeitperioden an, wie und auf welche Art man schon in den ersten Jahr hunderten arme verlassene Kinder pflegte und hütete aber auch bei manchen Völkern vernichtete. Im zweiten Teil ging Schrapenborg über auf das Christentum und die Fürsorge desselben für die armen Waisen und Krüppelin den letzten Jahrzehnten. Den ersten greifbaren Anstoß zum Schutz dieser Armen habe der Engländer Dr. Bernardo gegeben. länder Dr. Bernardo gegeben. Im Jahre 1866 gründete dieser Wohlthäter in London das erste Kinderhaus mit 40 Betten, jest giebt es dort 48 Häuser, in welchem jährlich über 2000 arme Waisenkinder erzogen werden. Des Lahrer Gigarrenspiẞen- Vereins gedachte der Redner und die damit beabsichtigte Gründung eines Reichswaisenhauses durch Albert Bürklin; die deutschen Reichsfechtschulen und ihr Förderer Heinrich Nadermann stehen nicht minder hoch angeschrieben als Wohlthäter der Kindheit, ganz besonders anerkennenswert ist das Walten und Schaffen des Pestalozzi Dieser Kinderfreund, selbst arm an irdischen Gütern, hat mit seinem sehr reichen Schatz von Menschen- und Kinderliebe manchem armen verlassenen Knaben oder Mädchen das Vaterauge oder Mutterherz ersetzt. Das sind aber alles auswärtige Wohlthäter, wir hier in Hessen haben unseren Hessischen Fechtverein Waisenschutz, der durch die Opferwilligkeit seiner Mitglieder und Freunde ein Vermögen von über 53 000 Marf zur Erbauung eines Kinderheims für arme Halbwaisen be sitzt. Alljährlich werden in unserer engeren Heimat über 200 Kinder zu Weihnachten bekleidet und z. Zt. werden durch den Verein 12 Kinder in offener Waisenpflege unterhalten. Dem Redner wurde am Schlusse seines langen Vortrages reicher Dank gezollt. Es folgte jetzt die Bescheerung der 21 Kinder. Man muß sagen, es leuchtete in den Kinderaugen und wie sie alle um den brennenden Christbaum herumſtanden und vier unter ihnen- darunter der jüngste Stnabe- die Anwesenden durch wirklich gut vorgetragene Gedichte erfreute, da konnte man so recht den Segen und die Wohlthaten des hessischen Fechtvereins mitverspüren. Als Geschenke bekamen die Kinder je nachdem es nötig war ein Paar Schuhe oder Kleidungsstücke. Die nächste Nummer des Festes galt den Freunden und Gönnern, sowie den Mitgliedern selbst. Eine Verlosung war's, die in ihrem Verlauf recht guten Anflang fand. Zum Schluß des offiziellen Teiles wurden folgenden um die edle Sache besonders sich verdient gemachten Fechtschwestern und Fechtbrüdern Diplome überreicht; es waren dies die Frl Elsa Reibeling, Elise Küchmann und Osinski, die Mitglieder Schneider Lehnhardt, Jakob Aybach( Oberfechtwart), Jean Arnold und Schreiner Weber( Fechtwart). So ist denn auch dieses Mal das Wort: ** Bu Anfang des kommenden Jahres werden von Großh. Cntralstelle für die Gewerbe zu Darmstadt die nachstehend verzeichneten Ausbildungskurse für Meister und Gesellen abgehalten. Da die Gesuche in der Reihenfolge des Einlaufes berücksicht gt werben, so empfiehlt sich möglichst frühzeitig Anmeldung.- 1. Aurs für Schuh, macher in Darmstadt, im Dienstgebäude Großh. Centralstelle für die werbe, vom 5. bis 24. Januar und vom 2. bis 21. Februar 1903.- 2. Kurs für Schneider in Daraistadt im Dienstgebäude Großh. Centrafstelle für die Gewerbe, vom 5. bis 24. Januar und vom 2. bis 21. Febr. 1903. Fin gleicher Kurs findet zur selben Zeit in der Kunstgewerbeschule in Wainz statt.- 3 Kurs für Schreiner im Auffärben, Beizen und Fournier n der Hölzer, in Darmstadt, im Dienstgebäude Großh. Prüfungsstation für die Gewerbe und zwar für Anfänger vom 5. bis 11. Januar 1903 und für Vorgerückte vom 19. bs 25. Januar 1903- 4. Kurs für Sattler, insbeson dere in der Herstellung von Rummeten, in Zwingenberg und in Groß Felda vom 5. bis 17. Januar 1903.- 5. Kurs für Maler in Holz- und Marmormalen nach der Natur und zwar in Darmstadt im Gebäude der GewerbeDas Fechten fennt hier kein Verbot, schule und in Mainz in der Kunstgewerbeschule vom 5. bis Es lindert armen Waisen Not 17. Januar 1903, nötigenfalls zum zweitenmale vom 26. im vollem Maße beſtätigt worden; möge es Januar bis 7. F bruar 1903. 6. Kurs in Buchhaltung so bleiven. im Dienstgebäude Großh. Tntralstelle für die Gewerbe, vom** Wie alle Jahre, so feierte auch in verflossener 19 bis 24. Januar 1903. Im Weiteren sei darauf auf- Sylvesternacht der Bäckerverein Frühauf" seinen gemerfiam gemacht, daß ein viermonatlicher Unterricht im Aft- bräuchlichen Sylvefterball im Café Leib. Unsere Wcfabrizeichnen für Kunstgewerbe- und Gewerbetreibende am 1. De- tanten mit ihren Angehörigen, sowie deren Gehilfen waren zember 1902 begonnen hat und ein Ausbildungskurs für flott beim Vergnügen, fommt es doch im Jahr sehr wenig Lehrer der Handwerker schulen, der sich auf den Unterricht in vor, daß ihnen dazu Beit geboten wird. Unter Mitwirkung darstellender Geometrie und Fachzeichnen, sowie auf die B. des Tanzlehrers Schmidt fand man Gelegenheit bis Tagessprechung ens einheitlichen Unterrichtsganges erstreckt, im aubruch auszuharren. Diengebäude rosh. Centralstelle für die Gewerbe in Darmstadt, von 12 bis 24. Jannar 1903 abgehalten wird. j. Stadttheater. Nachdem am gestrigen nach mittag bei gut beseztem Hause zum drittenmale„ Das Theaterdorf" zur Aufführung gelongte, wurde abends zum erstenmale die vieraftige Gesangsposse„ Höhere Töchter" von Mannstaedt und Schott gegeben. Die von Steffens gelieferte Musik führte die Regimentskapelle der 116er aus und läßt sich daran nichts wesentliches friteln. Das Stück selbst jedoch zeugt wieder einmal von sonderbaren Schaffensmomenten unserer heutigen Theaterautoren. Unübersichtlich beginnt und verläuft der erste Akt, die übrigen Szenen zappeln unverständlich, einem automatischen Musikwerk gleichend, ihrem Ende zu, sodaß man beim jäh eintretenden Schluß des Ganzen nicht imftande ist, ein klaves Bild des Stückes zu retouchieren. Welchen Eindruck die Aufführung beim Bublifum hinterließ, merkte man an das sich nach dem dritten Aft auffällig leerende Haus. Sollte die doch sonst so umsichtige Direktion den faden Inhalt nicht gemerkt haben? Und dann noch erhöhte Preise? Was die Leistungen der einzelnen Personen anbetrifft, dürfte Frl. Lieschen Sieg als eine von den höheren Töchtern" und Herr Heinrich Gerlach als Tapezierer Fiedler am meisten gefallen haben, während Frizz Becker als Gelegenheitsdichter Kluckhuhn seine allerdings bewundernswerte Gelenfigkeit zu deutlich bewies, hingegen eine annehmbare omit und Mimik an den Tag legte. Hoffen wir, daß die verunglückten„ Höheren Töchter" das Repertoir des Gießener Stadttheaters nicht wieder unsicher machen. *** Der Hessische Waisenschutz, Verband Gießen, feierte gestern Abend im Saale des Hotel Einhorn seine diesjährige Weihnachtsfeier in recht familiär gemütlicher Weise. Der Einladung waren sehr viele Freunde und Gönner dieser edlen Sache gefolgt, so daß der Saal vollständig besetzt war. Herr Ochs, der Leiter der ganzen Feier, dankte im Angesicht des brennenden Tannenbaumes, den Erschienenen und bot um Ruhe für den speziell von Mainz gefommenen 1. Vorsitzenden des Landesverbandes Hessischer WaisenAus Fe a. Krofdorf sich rühmen, eine welchen die Zusamm wird. Als Beihilfen Zuschüsse, die für die jest Regulierungen etwa der a. Wißmar. Das verflossene Ja Dorfe mit seinem stetig zunehmendem Postverbindung mit selbstständiger Po bracht. Nun wäre zu wünschen, daß zu Jahren bestehenden Haltestelle für Personenvertel Güter- Verladestelle hinzukommt. ** Kirtorf. Am letzten Sonntag verstarb h Stadtrechner Hrch. Fauldrath, eine Persönlicht nicht allein die Sympathie der gesamten hiesigen Einwo schaft besaß, sondern deren Name auch in weiteren Kre unserer Heimatsproving bekannt und geschäßt war. Seit Jahren verwaltete derselbe hier die Gemeinde- und Kirch fasse mit seltener Treue. Auch war ihm vom Staate Untererhebstelle übertragen. Der Verstorbene war Ehre präsident des Männergesangvereins, des Kriegervereins ur der freiwilligen Feuerwehr. Auch der Landesverband Hafst verliert in ihm einen treuen Mitkämpfer für die gute Sad der Kriegervereine. Er war ein Mitbegründer des Bezi Alsfeld, zu dessen Ehrenmitglied er ernannt war. ** Weglar. Gestern am 1. Januar waren es Jahre, daß der Leiter der hiesigen evangelischen Schul Herr Rektor und Lofalinspektor Querssen, mit seine wichtigen Amte betraut wurde. Groß- Gerau, 28. Dez. Ein trauriger Unglücksfa vergällte emer hiesigen Familie die Weihnach sfreuden. Zwe Schüler des Darmstädter Gymnasiums Adam Herbert und Friz Stier, die hier in den Ferien waren, hantierten an 2. Feiertage mit einer Flinte, um sie auf ihre Brauchbar feit für das Neujahrschießen zu prüfen. Durch eine ungeschickte Manipulation entlud sich die Waff, gerade als die Mündung auf der Brust des 13 jährigen Stier, Sohn des otwarts Stier gerichtet war. In die Lunge getroffen sank der Hoffnungsvolle Jüngling. Der unglückliche Schüße Adam Herbert, Sohn des hiesigen Kreisamtsbureauvorstehers Herbert, fiel vor Schrecken bewußtlos um und war den ganzen Tag über nicht vernehmungsfähig. ** Mainz, 30. Der.( Das böse Gewissen.) Vor einigen Tagen wurde einem hiesigen Restaurateur von seinem Schreib sch 800 Mt. gestohlen. Jetzt erhielt der Bestohlene das Geld anonym von Frankfurt a. M. zurückgesandt Mainz, 1. Jan. Oberbürgermeister Gaßner wird den Stadtverordneten in einer der nächsten Sigungen die Eingemeindungsangelegenheiten von Mom bach, Brezenheim und Gustavsburg unterbreiten. Mainz, 1. Jan. Die Mombacher Waggonfabrik sah götigt, aus Mangel an Aufträgen einer Anzahl Arbeiter zu fündigen. si Kaffel, 1. Jan. Der Provinzialausschuß für die Provinz Hessen- Nassau beschloß entsprechend einem Antrag des Verbandsdirektors ländlicher Genossenschaften des Regierungsbezirks Kassel die Einführung obligatorischer Fortbildungsschulen auf dem Lande. Eine Kommisimmersion wurde mit den Vorarbeiten zur Durchführung des Planes beauftragt. Ferner wurde auf Antrag des Landeshauptmanns Frhrn. v. Riedesel zu Eisenbach die Einrichtung einer Haftpflicht- Versicherungs- Anstalt der Hessen- Nassauischen Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft beschlossen. ** Die Neujahrsnacht verlief bei uns in Gießen im Allgemeinen ruhig. Die Wirtschaften waren mäßig besucht, man ist eben an diesem Abend lieber zu Hause mit seinen Angehörigen. Der Straßenunfug wie Abbrennen von Feuerwerkskörpern und insbesondere das Werfen gefährlicher Sprengstoffe aus Häusern und Fenstern 2c. war auch diesmal, trotz Verwarnung in der Zeitung, leider wieder zu bemerken. Es wurden eine Anzahl Personen wegen Abbrennen von Feuerwerkskörper, Ruheſtörung und Körperverletzung zur Anzeige gebracht. Mehrere junge Leute, welche fort gesezt in ungebührlicher Weise ruhestörenden Lärm verübten, und trotz polizeilicher Verwarnung den Unfug fortsegten, mußten, um dem ungebührlichen Treiben ein Ende zu machen, verhaftet werden. Es sind dies bekannte Persönlichkeiten, welche sich bei derartigen Gelegenheiten stets besonders hervor thun.- Anders war es z. B. in Frankfurt a. M. Dort böllerte und krachte es in allen Ecken. Immerhin sah sich die in voller Stärke ausgerückte Polizei auf der Zeil nur einmal genötigt, vom Leder zu ziehen, um den sich staunenden randalierenden Pöbel zu zerstreuen. Verhaftungen wurden bis 1 1hr nur 12 vorgenommen. Den Verhafteten folgten jedesmal eine johlende und spektakulierende Menge bis vor das Polizeigefängnis. Angströhren" und" Hartmänner" wurden in Massen eingetrieben". Ein junger Ercedent hatte sich auch durch Abbrennen eines Feuerwerkskörpers schwere Brandwunden an den Augen zugezogen. **( Schlägerei.) In der Neujahrsnacht kam es gegen 4 1hr am hiesigen Bahnhofe im Wartesaal 3. Klasse zu einer Schlägerei. Einigen herbeieilenden Bahnbediensteten, welche Ruhe geboten, wurden teilweise mit mißhandelt. Leider hat bei dieser Affaire auch das Messer wieder eine Rolle gespielt. Es famen derartige Verlegungen vor, daß einer der Beteiligten in die hiesige Klinik überführt werden mußte und so die Sache wohl noch ein gerichtliches Nachspiel haben wird. Auch in der Ostanlage wurden Passanten von mehreren Burschen überfallen und mit Messerstichen verlegt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Sonntag nach Neujahr, den 4. Januar. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrassistent Vogt. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markus. gemeinde. Pfarrer Scheunemann. Nachmittags 5 Uhr: Siehe Johanneskirche. Donnerstag, den 8 Januar, abends 8 Uhr im unteren Norfirmandensaal, Kirchstraße 9, Bibelſtunde. Marc. 2. Pfarrer Scheunemann. In der Johanneskirche. Sonntag nach Neujahr, den 4. Januar. Vormittags 9.30 Uhr Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Ludwig Naumann aus Siefersheim. Am Sonntag den 4. Januar, abends 8 Uhr, Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Montag, den 5. Jan., abends 8 Uhr, Bibelstunde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Pfarrer Euler. Tert Psalm 115. Nächstfünftigen Sonntag, den 11. Januar Feier des Landesmissionsfestes. An diesem Tage wird in beiden Kirchen eine Kollette für die Heidenmission erhoben werden. Da die Ziehung 3. Klaffe der 1. Heffisch Thüringischen Et: atslotterie bereits am 6. Januar 1903 beginnt, sei hier= Die Gewinnaussichten steigen zwar von Klasse zu Klasse ganz ermit an die sofortige Lo8- Erneuerung zu dieser klaffe erinnert. heblich, dafür müssen aber für im Laufe der Lotterie erworbene Lose die Vorklassen mitbezahlt werden. Es empfiehlt sich daher, sich spätestens jetzt noch vor der 3. Klasse ab an dem Spiel zu beteiligen. Allen Exemplaren unserer heutigen Ausgabe ist en Prospeft betr. Lungenleiden" beigelegt, worauf wir hierdurch ganz besonders aufmerksam machen. Druck und Verlag der Gießener Verlagsbruderet, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruderei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Ibin klein. Gießen Städtisches Schlachthaus. Morgen Kuhfleisch 52 Pfg. 6 Ag. entlichen Kenntnis, oneten- Versammlung hmigung Großherzgl. s. Mts. die Gemeinde Oberh. Geschichtsverein. Kartoffeln, Die auf Montag den 5. 1. M. angesagte Versammlung zen vom 1 Januar 1903 des Vereins wird wegen Erkrankung des Redners bis auf en und die Mitglieder derselben Weiteres tentasse Gießen überwiesen worden den 30. Dezember 1902. gerzogliche Bürgermeisterei Gießen Mecum. Bestimmungen die Zulassung von Installateuren zur Ausführung n Anlagen im Anschluß an das Gas- und Waffer werf der Stadt Gießen. § 1. verschoben. Gießen, 1. Januar 1903. Der Vorstand. Marktplatz 2. W. Herbert. Marktplatz 2. Specialgeschäft moderner und gediegener Schuhwaren Für den Winter empfehle in allerersten Fabrikaten: Schnürstiefel Schnallenstiefel mit echtem Pelzfutter für Damen und Herren. für Knaben und Mädchen in natur-gemässen Formen. in eleganter Ausstattung. Personen, welche Anlagen an das Gas- und Wasser- Ideal Schulstiefel sert der Stadt Gießen ausführen wollen, haben die Ere Jagdstiefel ellung eines Zulassungsscheins bei dem Bürgermeister u beantragen. Sie müssen ihren Wohnsitz oder eine Tanz- und Gesellschaftsschuhe werbliche Niederlassung in Gießen besitzen und sid) Filzstiefel und Filzschuhe in allen Peislagen. ber ihre Befähigung ausweisen. Petersburger Gummischuhe anerkannt bestes Fabrikat § 2. Die Zulassung erfolgt auf jederzeitigen Widerruf Surch Ausfertigung eines Zulassungsscheins durch den Bürgermeister. § 3. Der Installateur hat vor der Zulassung diese Bestimmungen und die Vorschriften über die Ausführung von Anlagen im Anschluß an das Gas, und Wasserwerk der Stadt Gießen als für ihn verbindlich anzuerkennen. Er ist für alle unter seinem Namen ausgeführten Arbeiten verantwortlich und wird durch die erfolgte Abnahme der Arbeiten durch das Werk von dieser Verantwortlichkeit nicht entlastet. Gießen, den 29. Dezember 1902. Der Oberbürgermeister Mecum. Gascokes. In der Stadtverordnet n- Versammlung vom 22. 6. Mts. wurde beschlossen, die am 10 April d. J. festgese ,, ten Preise bis auf weiteres beizubehalten, mit der einzigen Ausnahme, daß der Preis für Nuñcofes, Größe Nr. 2, um 5 Pfennig für den Gentner herabgesetzt wird. sodaß die Nußcofes Nr. 1 und 2 jetzt gleichen Preis haben. Die Cocespreise stellen sich hiernach wie folgt: Für den Centner ab Verkaufsstelle: 1,10 Mr. Stück- Cokes Buß- Cokes, ausschließlich trocken gelagert in 2 verschiede nen Korngrößen für Stubenbeizung und für weite und enge Ofenschächte passend zerfleinert: Größe Dr. 1. etwas größer als durchschnittlige Korngröße des Anthracit, gangbarste Sorte Größe Nr. 2, fleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit. 1,25 Mr. In Wagenladungen von mindestens 36 Centnern: Stückcokes Bußcokes Nr. 1 Nußcokes Nr. 2 1,25 Mr. 1,05 Mr. 1,20 Mr. 1,20 Mt. 1,00 Mr. 1,15 ME 1,15 Mf. Bei Entnahme von mindestens 200 Centnern: Stückcokes Uußcokes Nr. 1 Yußcakes Br. 2 Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppel. waggons bezichen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Centner. berechnet. Für Unfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Centner NB. Sofern das Verbringen der Cokes bis zu 6 Centnern - auf die betr. Lagerpläße( Keller, Stall ic.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschicht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centner Cofee statt; dagegen bleibt bei folgenden biesigen Firmen der Kleinverkauf unserer Gascokes von 1 bis 5 Centner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Bachenheimer u. Schaumberger, Marburgerstr. 22 andreas Euler, Steinstraße 11. Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 34( Hohenzollern), Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Ed. Klinkel, Bahnhofstraße 10, Emil Lot, Kirchenplatz 9, Emil Bistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, Auguft Strud, Bismarckstraße 6, Georg Uuverzagt, Kaplansgasse 5, Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gascofes samt Anfuhr wie das Gaswerf und verabsolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Centnern. Die Preise unserer Gascofes für die Abnehmer auß rhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Octroirückver gütung von 4 Pfennig für den Gentner. Gießen, den 31. Dezember 1902. Städtisches Gas und Wasserwerf Gießen. Otto Bergen. Bekanntmachung. In der ersten Hälfte des Monats Januar( bis einschließlich den 17.) ist unsere Stasse jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag geöffnet. Gießen, den 30. Dezember 1902. Der Direktor der Spar- und Leihkasse Gießen. Wiener. la. Nusskohlen, frei ans Haus, billigst Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10. Für Magenleidende. Allen denen, die sich durch Er' ältung oder lleberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher zu heißer oder zu falter Speisen oder durch unregelmäßige, Lebensweise ein Magenleiden, ie: Magenkatarrh, Magestcamps, Magenschmerzen, schwere Verdanung oder Verschleimung zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen, dessen vorzügliche Heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das Verdauungs- und Blutreinigungsmittel, der Hubert Ullrich'sche Kräuter- Wein. Dieser Kräuter- Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig befundenen Kräutern mit gutem Weine bereitet und stärkt und belebt den ganzen Verdauungsorganismus des Menschen ohne ein Abführmittel zu sein. Kräuterwein beseitigt alle Störungen in den Blutgefässen, reinigt das Blut von allen verdorbenen krankmachen= den Stoffen und wirkt fördernd auf eine Neubildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter- Wein werden Magenübel meist schon im Keime erstift. can sollte also nicht fäumen, feine Anwendung allen anderen scharfen, äßenden, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome wie Bopfschmerzen Auffioßen, Sod' rennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen( veralteten) Magen. leiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. Stuhlverstopfung und deren unangenehme Folgen, wie Beklemmung, Balik chmerzen, g Herzklopfen, Schlaflosigke t, sowie Blutanstauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem( Hämorrhoidalleiden werden durch Kräuter- Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter- Wein belebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleiches Aussehen, Blutmangel, Entkräftigung sind meist die Folee schlechter Berdauung, mangelhafter Blutbildung und eines frankhaften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit, unter nervöser Abspannung und Geaütsverstimmung, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, fiechen oft solche Kranke lang'am dahin. Kräuter- We'n giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. Kräuter- Wein ste gert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffw chsel kräftig an, beschleunigt und der bessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft, dem Kranten neue Kräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. 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