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Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Abonnements- Einladung. Der 1. August steht vor der Thür. Da richten wir denn an unsere bisherigen Freunde und Leser die dringende Bitte, das Abonnement auf die „ Gießener Neueste Nachrichten" möglichst sofort zu erneuern, damit in der Zustellung des Blattes jede unangenehme Unterbrechung vermieden wird. In Folge neuer Anordnungen ist es jedem Abonnenten, der die Zeitung durch die Post bezieht, möglich gemacht, die Bestellung durch den Briefträger bes sorgen zu lassen, so daß der Gang auf das Postamt gespart wird. Es liegt daher im eigenen Interesse unserer Abonnenten, von dieser dankenswerten Einrichtung der Post Gebrauch zu machen. Wir richten an alle Leser und Gönner unseres Blattes die Bitte, nicht nur selbst die ,, Gießener Neueste Nachrichten" weiter zu bestellen, sondern auch allenthalben für die weitere Verbreitung derselben eintreten zu wollen und uns durch Empfehlung und durch Angabe von geeigneten Adressen behufs Versendung von Probenummern in der Gewinnung neuer Abonnenten zu unterſtüßen. Die„ Gießener Neueste Nachrichten" werden, wie bisher, über alle politischen Ereignisse schnell, zubersichtlich und eingehend berichten und in Leit und sonstigen Artikeln die auswärtigen und die inneren Ereignisse in für Jedermann verständlicher Weise beleuchten. Daß sie dabei ihr Augemerk fortdauernd darauf richten werden, die Interessen der schaffenden Stände, insbesondere der Landwirtschaft und des Handwerks in ernstester Weise zu wahren und zu fördern, bedarf nach der bisherigen Tradition der„ Gießener Neuste Nachrichten" feines besonderen Hervorhebens. Besonderes Gewicht wird ferner auf die Reichhaltigkeit des provinzialen und lokalen Teiles gelegt. Für Unterhaltung und Be chrung bieten die ,, Gießener Neueste Nachrichten" im feuilletonistischen Teile, namentlich aber in der ,, Oberbessischen Familienzeitung". anerkannt reichhaltiges und interessantes Material. Bestellungen werden fortwährend durch die Post- Anstalten, Landbriefträger, unsere Agenten und Boten, sowie in der Expedition Gießen, Neuenweg 28, entgegengenommen. Der Bezugspreis beträgt pro Monat nur 50 Pfa., in welchem billigen Preis noch unentgeltliche Zugaben mit einbegriffen find: Die vierseitige Humoristische Beilage .. ,, Die Seifenblasen".•• sowie die Oberb. Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- u. Gartenbau, welche wöchentlich erscheinen. Die große Verbreitung, sowie das fortwährende Steigen der Abonnentenzahl der ,, Gießener Neueste Nachrichten" in ganz Oberheffen und den Kreisen Wetlar und Marburg sowie vor Allem in der Stadt Gießen und nächter Umgebung selbst sichert den Annoncen den besten Erfolg. Probenummern stehen zu jeder Zeit zur Verfügung. Redaktion und Verlag der„ Gießener Neueste Nachrichten". Reformvorschlag für die Versorgung der| kommen, mit ca. 1400 Mt. beginnend und nach 21 Militär- Anwärter. Aus Militäranwärter- Kreisen wird dem B. Lokal- Anz. folgendes geschrieben: - - Nach Ableistung der 12 jährigen Dienstzeit gelangt der Unteroffizier in den Besitz des Zivilversorgungsscheines und tritt sodann in das Verhaltnis als Militär- Anwärter Nur in Ausnahmefällen und durch besonders glückliche Umstände gelingt es aber Anwärtern, bald nach absolvierter Dienstzeit in den Zivildienſt überzutreten; die große Mehrzahl ist gezwungen, im Verlauf weiterer Dienstjahre den Erfolg der Bemühungen um eine Stelle im Zivildienst abzuwarten. Ein Teil der Anwärter Reflektanten auf Unterbeamten- und ähnliche Stellen gelangt im allgemeinen nach einem bis zwei, oft aber auch erst nach mehreren Jahren zur Einberufung und Anstellung, der andere Teil- Reflektanten auf Kanzlei- und Bureaubeamtenstellen muß zirka 2-4 Jahre auf diese Einberufung warten. Nach dargethaner Befähigung schließt sich an die Probe- 2c. Zeit eine 3-4 jährige, ja oft 6- und mehrjährige Diätarzeit an und erst im Anschluß an diese erfolgt die definitive, mit Pensionsberechtigung verbundene Anstellung. Der Anwärter hat demnach beim Eintritt in die unterste Stufe der Gehaltsstala seiner Stelle durchschnittlich das 40. Lebensjahr erreicht, ein Alter, in welchem der Zivilanwärter meistens die auf 21 bis 24 Jahre berechnete Stala fast durchschnitten hat. - Es besteht also nur für einen Teil der Militäranwärter die Wahrscheinlichkeit, die oberste Gehaltsstufe zu erreichen oder gar einige Jahre im Genuß derselben thätig zu sein. Diese offenbar ungünstigen Verhältnisse resultiren aus der großen Ueberzahl der Weilitäranwärter gegenüber der Zahl der ihnen vorbehaltenen Stellen. Eine günstigere Gestaltung des Verhältnisses durch Einstellung einer entsprechend höheren Bahl von Beamten bei den Zivilbehörden ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, und es erübrigt nur, Umschau nach anderer Gelegenheit zur Unterbringung versorgungsberechtigter Militär- Anwärter zu halten. Diese bietet sich meines Erachiens innerhalb der Heeres Verwaltung selbst. Ich deute hierbei an die große Zahl vorhandener Bataillons, Regiments-, Brigade, Divisions, Inspek tions- 2c. Schreiber, Bezirksfeldwebel- Stellen, welche die Truppentheile gegenwärtig mit in Ableistung ihrer zwölfjährigen Dienstzeit begriffenen Unteroffizieren besetzen. Der Dienst in diesen Stellungen ist lediglich Bureaudienst. Er beansprucht bautechnische Stenntnisse, Gewissenhaftigkeit und geistige Fähigkeiten in demselben Maße, wie die verwandten Stellungen im stanzlei- und Bureaudienst der Civilbehörden. Genannte Stellen würden sich hiernach als durchaus zur Umwandlung in solche für civilversorgungsberechtigte Militäranwärter eignen. Die betreffenden Inhaber würden dem Dienstrange nach zwischen den oberen und unteren Militärbemten rangiren und als Dienstkleidung eine diesem ienstrange entsprechende Uniform tragen. Ein EinDienstjahren bis auf ca. 2100 Wt. steigend, bildet ungefähr den Durchschnitt desjenigen der oberen und unteren Militär- Beamten und würde, trotzdem es nicht unerheblich hinter demjenigen der in den Civildienstüber tretenden Militäranwärter zurückbleibt, hinreichen, um begehrenswert erscheinen zu lassen. dem Unteroffizier die Erlangung einer solchen Stelle Bereitstellung der erforderlichen Mittel, deren Höhe bei Schwierigkeiten bietet voraussichtlich zunächst die einer rund 1000 betragenden Zahl in Betracht kommender Unteroffiziere auf ca. eine Million Mark zu schätzen sein wird. Aber auch diese Schwierigkeit wird der Dringlichkeit des Bedürfnisses, mit der Zeit weichen müſſen. Aus Hessen und Nachbargebieten. Hochstapelei in der Maske eines Offiziers. Der berüchtigste Hochstapler, frühere Drogist Carl Bordato ist in Wiesbaden und Umgegend wohlbekannt, hat er doch vor nicht langer Zeit hier und in Biebrich biele Leute gebrandschatt. Der Mann, der erst vor einem Jahre wegen zahlreicher Schwindeleien zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus, 1800 Mt. Geldstrafe, Ehrverlust, Polizeiaufsicht und wegen widerrechtlichen Tragens einer Uniform zu vier Wochen Haft zweiten Ferienstraffammer am Landgericht II zu Berlin, verurteilt wurde, stand dieser Tage wieder vor der zweiten Ferienſtrafkammer am Landgericht II zu Berlin, um sich wegen einer Reihe weiterer Schwindeleien furt a. M., in Gießen und in Darmstadt verübt hat, zu verantworten, die er in Bad Nauheim, in Frankaußerdem auch wegen eines Diebstahls. Auf seinen furt a. M., in Gießen und in Darmstadt verübt hat, Beutezügen trug er eine Offiziersuniform. In dieser erschien er in Pensionen und Chambregarnies, mietete für sich oder einen angeblichen befreundeten Offizier zwei bis drei Zimmer mit Burschengelaß und verstand erhebliche Vorschüsse abzuschwindeln, worauf er sich es dabei, den Vermietern unter irgend einem Vorwande nicht mehr sehen ließ. In Spandau ist er schließlich abgefaßt worden. Für die erschwindelten Vorschüsse hat er stets gefälschte Checks oder Wechsel hinterlegt. Endlich hat er verschiedene Schneidermeister um graue Offiziermäntel teils geprellt, teils zu prellen gesucht. unter den zur Anklage stehenden fünf Fällen befanden sich zwei, in denen er den Gastwirt Thiel in Bad Nauheim und den Kaufmann Schäfer in Frankfurt a. M. den Einen um 1200 Mark, den Anderen unter dem falschen Vorgeben beschwindelt hat, daß er ein Patent zur Erzeugung eines besonders wirksamen falten Wasserstrahles(?) besige und ausnußen wolle. Den ihm zur Last gelegten Diebstahl hat er in der Weise begangen, daß er einem Studenten, der ihn nach einer fidelen Kneiperei mit auf seine„ Bude" nahm, beim Weggange einen um 100 Mark - | seidenen Regenschirm stahl. Nach erfolgter Beweisaufnahme, die der Staatskasse viel Kosten gemacht hat, da die Zeugen aus Nauheim, Frankfurt, Darmstadt persönlich vor Gericht erscheinen mußten, wurde der Angeklagte zu sechs Monaten Zuchthaus, 450 Mark Geldstrafe und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Vermischtes. * Berlin, 30. Juli. Der sozialdemokratische Stadt verordnete Wehl in Spandau und dessen Schwager wurden verhaftet. figt und in finanzielle Bedrängnis geraten war, soll Wehl, der eine Gastwirtschaft beangeblich mit seinem Schwager Urkundenfälschung begangen haben. Berlin, 30. Juli. Der Magistrats- Hilfsarbeiter Ulbrich, der s. 3. dte städtische Sparkasse um 16 000 Mark betrogen hat, hat sich freiwillig der Behörde gestellt. unglück 14 Wittwen mit Kindern und 50 Bollwaisen Hamburg, 30. Juli. Bis jezt sind von dem Schiffszu unterstüßen. Das Komitee braucht 150,000 cf. ubie Hinterbliebenen davor zu bewahren, der Armen- Verwaltung zur Last zu fallen. * Leipzig, 30. Juti. Die Staatsanwaltschaft hat auf die Einlegung der Revision gegen das Urteil des Leipziger Schwurgerichts vom 23. Juli gegen die Direktoren und Aufsichtsräte der Leipziger Bank verzichtet. Das Urteil kräftig geworden. gegen Dr. Genzsch und die Aufsichtsräte ist somit rechtsRudolstadt, 29. Juli. Die hiesige Straffammer ber urteilte heute den sehr angesehenen Inhaber der fürstlichen 3 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Hofwagenbauerei Jahn wegen 78 Wechselfälschungen zu * Lemberg, 29. Juli. Die Meldungen über die sou Plünderungen und Brandstiftungen lauten höchft eraft, den streifenden Feldarbeitern verübten Gewaltthaten, Die Streifenden versuchen, die Brücken über die Flüsse nahe bebor. zu zerstören. Die Verhängung des Standrechtes steht schäftigte den Bezirksausschuß in Trier eine Ungelegenheit, * Der fiskalische Hund. 8um zweiten Male bedie auch für weitere Kreise von Intereffe sein dürfte. Im Kreise Bitburg ſind nach der dort beſtehenden HundesteuerOrdnung nur diejenigen Hunde steuerfrei, welche zur Bewachung einzelner Gehöfte und zu gewerblichen Zwecken unentbehrlich sind. Der Eisenbahnstationsvorsteher Wirz zu Erdorf- Bitburg unterhält nun auf Kosten der Eisenbahnverwaltung einen Hund zur Bewachung der Stationskasse und der auf dem Bahnhof lagernden Güter, wofür er eine Hundesteuer von 5 Mt. entrichten soll. Hiergegen erhob er in Gemeinschaft mit der Saarbrücker Eisenbahndirektion Klage im Verwaltungsstreitverfahren mit dem Antrage auf Befreiung von der Steuer. Der Bezirksausschuß wies die Klage mit der Begründung ab, daß der Bahnhof nicht als Gehöft und die dort liegenden Warenvorräte nicht als Handelsgut zu betrachten seien. Die erhobene Reviston beim Oberverwaltungsgericht hatte zur Folge, daß die Sache noch mals an die Vorinstanz zurückverwiesen wurde, da nach Ansicht dieses Gerichts der Bezirksausschuß dem Bahnhof die Bezeichnung„ Gehöft" im Sinne der Einzellagerung mit Unrecht abgesprochen habe. Unten Gehöft seien nicht nur die zu einem Ackerhof gehörigen Gebäude zu verstehen. Ferner habe der Bezirksausschuß auch der Begriff Warenvorräte" zu eng gefaßt, es genüge, daß überhaupt Warenvorräte in Frage stehen, wenn auch die dem Eisenbahnfiskus gehörigen Baumaterialien als solche nicht zu betrachten seien. Es bleibe daher nur die Frage der Unentbehrlichkeit zu prüfen. Der Bezirksausschuß beschloß in seiner neuen Sigung nunmehr Ortsbesichtigung über die Lage und Sicherheit des Bahnhofs und der Transportgüter sowie über die thatsächliche Verwendung des Hundes als Wächterhund. Jetzt wird also Phylax in Ausübung seiner amtlichen Thätigkeit beobachtet werden. Hoffentlich versteht er die Sache nicht falsch und benimmt sich gegen die Kommissionsbesucher zart und rücksichtsvoll. Aber wenn er, falls die Herren sein Arbeitsfeld in der Nacht besuchen, nicht gegen sie vorgeht, wird er dann überhaupt als wachsamer Hund angesehen werden? Eine verzwickte Frage! * - Der Ausschuß der Deutschen Turnerschaft hielt in Nürnberg seine geschäftliche Sigung ab. Der Deutschen Turnnerschaft gehörten am 1. Januar an 6915 Vereine in Deutschland und Desterreich mit 590 000 Mitgliedern 105 000 3öglingen im Alter von 14 bis 18 Jahren, 28 000 Turnerinnen, 33 000 Knaben und 10 000 Mädchen an. Der Ausschuß hat sich als ,, Berein" eintragen lassen, um die Turnerschaft rechtlich bertreten zu können. Die Notwendigkeit, wegen des diesjährigen deutschen Sängerfestes in Graz das deutsche Turnfest in Nürnberg auf 1903 zu verschieben, veranlaßte den Ausschuß, den deutschen Turnertag auf 1904 zu verlegen. An den Reichskanzler wurde eine Eingabe um Unterstüßung der deutschen Turnvereine in den Ostmarken zur Förderung des Deutschtums gegenüber den polnischen Bestrebungen gerichtet. Eine namhafte, einem Vereine dort gewährte Unterstützung darf als Erfolg der Eingabe betrachtet werden. Das Vermögen der Deutschen Turnerschaft beträgt rund 42000 Mt.; die Abgeordneten- und Kampfrichterkasse besitzt 19 000 Mark und die Stiftung zur Errichtung deutscher Turnstätten 42 000 Mt. " * Damenstudium an preußischen Universitäten. Der Erlaß des preußischen Cultusministers vom 23. Juni, betr. die Zulassung von russischen Damen zum Hospitiren an preußischen Universitäten ist in dem Sinne aufgefaßt worden, als ob durch ihn die Zulassungsbedingungen für die Russinnen anders, und zwar schwerer gestaltet seien, als für sonstige ausländische und für inländische Hospitantinnen. Diese Auffassung wird jetzt durch die Nordd. Allg. Zeitung" für irrig erklärt. Es ist nicht darauf abgeschen, die Russinnen ungünstiger zu behandeln als andere Ausländerinnen. Vielmehr gilt für alle Ausländerinnen ohne Unterschied der Grundsatz, daß sie unter denselben Bedingungen zuzulassen find wie die Inländerinnen. Bezüglich der Russinnen lag nur die besondere Frage vor, wie die Reisezeugnisse der russischen Mädchengymnasien im Vergleich zu unseren Lehrerinnenzeugnissen zu bewerthen sind. Lediglich auf diese Frage darf der Erlaß bezogen werden.- Hierzu bemerkt die„ Voss. 3tg.":" Die offiziöse Kundgebung ist in einer Hinsicht erfreulich. Es war verbreitet worden, die russischen Studentinnen hätten sich in ihrem sittlichen Verhalten Etwas zu Schulden kommen lassen und deswillen bemüht sich die Unterrichtsverwaltung, durch die Erschwerung der Zulassungsbedingungen sie von den preußischen Hochschulen fern zu halten. Die Darlegung der Nordd. Aug. 3tg." lehrt, daß jene Beschuldigung der Russinnen durchaus zu Unrecht erhoben wurde. Die Frage, ob das Reifezeugnis eines russischen Mädchengymnasiums dem deutschen Lehrerinnendiplom gleichwertig ist, haben wir offen gelassen. Nach den Erörterungen in der Presse gehen die Meinungen darüber auseinander. Aber warum unterzieht die preußische Unterrichtsverwaltung nur die Bestimmungen über weibliche Studirende einer Durchsicht. Nicht minder dringlich ist die Abänderung derjenigen Paragraphen der Universitäts- Sagungen, die sich auf die Einschreibung männlicher ausländischer Studirender beziehen. Auch hiec muß der Sag gelten, daß an die Ausländer zum mindesten dieselben Anforderungen geG 52 | * Newyork, 29. Juli. Auf den Eisenbahnen der Vereinigten Staaten sind im 1. Vierteljahr 1902 faut amtlicher Statistit bei Busammenstößen und anderen Unfällen 53 Passagier getötet und 1259 verlegt worden. Der„ Newyork'r Herald" weist demgegenüber dar uf hin, daß auf den Eisenbahnen Großbritanniens im Jahre 1901 nicht ein einziger(?) Reisender getötet wurde. stellt werden, wie an die Inländer. Erst dann wird| Karl Halter bei dem Versuch, eine auf dem Schießder Mißbrauch beseitigt sein, daß z. B. Amerikaner mit plaz gefundene Bombe zu öffnen, in Stücke gerissen. Tertianerbildung Berliner Doktoren der Medizin werden". Fleischteile des Unglücklichen waren bis auf eine Strecke Das sechste deutsche Sängerbundesfest in Graz. von etwa 100 Meter zu finden. Dienstag Nachmittag fand, wie der„ Frff. 8tg." gemeldet wird, in Gegenwart der Komponisten Theodor Poobertsky und Hugo Jüngst die zweite Hauptaufführung des Sängerbundfestes statt. Am Tage vorher wurde ein herzliches Verbrüderungsfest zwischen den Sachsen und Grazern gefeiert, wobei die österreichische und die deutsche Hymne unter endlosen Heilrufen gefungen wurde. Gestern Vormittag fand ein Frühschoppen der Burschenschaften statt, zu dem sich außer den Grazern besonders zahlreich die Jenenser, Königsberger, Gießener, Nürnberger und Münchener Burschenschaften einfanden. Dr. Kaiser( Graz) sagte in seiner Ansprache: Wenn auch seit dem Jahre 1866 die Burschenschaften in Desterreich und Deutschland nicht mehr in reger Fühlung mit einander stehen, umschlinge doch alle ein festes Band, nämlich der gemeinsame nationale Gedanke. So mögen Sie denn, schloß der Redner, die Empfindung haben, hier in einem deutschen Lande auf deutschem Heimatsboden zu stehen. Nach Absingung des Gaudeamus hielt der Schriftsteller Heinrich Wastian eine von nationaler Begeisterung erfüllte Nede, die stürmische Zustimmung fand. Als Ehrengäste waren anwesend: Statthalter Graf Clary, Landeshauptmann Graf Attems und der Bürgermeister von Graz, Dr. Graf. Ein Gaunerstreich. Em niedliches Geschichtchen wird der Franff. 8tg." von einer deutschen Hochschule berichtet: Wirkt da seit Kurzem, sehr wider den Willen der Universität und deshalb völlig isolirt, ein junger Professor. Seine politische Stellung und manche Andere trägt daran die Schuld, daß es ihm nicht gelungen ist, in irgend welchem gesellschaftlichen Verkehr mit den Kollegen zu treten. stürzlich klopft nun ein verbummelter Student an seine Thür mit der Bitte, ihm eine Unterstüßung zu gewähren und ihn gefälligst weiter zu empfehlen. Rasch besonnen seßt sich der jugendliche Ordinarius hin und empfiehlt den Buttsteller dem Wohlwollen einiger seiner Kollegen aufs Wärmste. Was dem Herren Professor selten gelungen, erreicht nun sein Schüßling. Dieser tritt im Universitätsviertel ſiegreich seine Wanderung von Haus zu Haus an, natürlich Gehrock, elegant und würdig, wird liebenswürdig empfangen, richtet da und dort die herzlichsten Grüße" von dem Herrn Professor N. N. aus und erhalt sofort von jedem der verblüffien P.ofessoren die erbetene Unterstüßung. Nur einer meinte, Das sei„ nai" von dem Herrn Prosessor N. N., aber nichtsdestoweniger spendete er wacker mit, ohne zu ahnen, daß der Gauner- und ein solcher war der Petent doch nur auf das Feingefühl der Professoren seinen fühnen Plan gebaut hatte; denn selbstverständlich war er nicht allen lieben Kollegen" empfohlen worden. Die Ernte muß übrigens sehr ergiebig gewesen sein; denn Einer, der ihm Vorschuß und eme Abschreibe- Arbeit gegeben hatte, soll schon am nächsten Morgen sein völlig unabgeschriebenes Manuskript wieder vorgefunden haben, freilich ohne den Vorschuß. " - * Ein Denkmal für die Verunglückten des Primus" soll auf dem Friedhofe zu Oylsdorf in der Mitte Primus" soll auf dem Friedhofe zu Oylsdorf in der Mitte des als Ruhestätte für die Verunglückten bestimmten Plages errichtet werden. Der Kaiser hat aus seiner Privatschatulle einen Betrag von 500 Mt. gestiftet. * Von Bienen getötet wurden am Sonntag in Reichenbach bei Ettlingen 2 Pferde; der Fuhrmann wurde so bes denklich zugerichtet, daß sein Leben sehr gefährdet erscheint. Ein Fuhrmann hatte eine Anzahl Bienenstocke nach Reichenbach verbracht. Beim Abladen warde an einen Stock gestoßen, er fiel um, infolgedessen wurden die Bienen wild und stürzten sich auf Fuhrmann und Pferde, die natürlich nach allen Seiten hinausschlugen, den ganzen Wagen mit 20 Stöcken umwarfen und das Bienenvolf dadurch erst recht aufregten. In ganzen Klumpen hängten sich die Bienen an die Pferde, die noch eingespannt waren und dadurch nicht flüchten konnten; von Wenschen wagte sich längere Zeit auch niemand in die Nähe, um die Tiere los zu binden, und dem Fuhrmann saßen die Bienen wie ein dichter Bart an Backen und Hals. Schließlich gelang es dem Eigentümer der Bienen, die Pferde los zu machen, aber es war schon zu spät. Sie rannten zwar noch davon, wälzten sich vor Schmerz auf dem Boden, allein eines verendete alsbald auf dem Plaze und das andere Pferd turz darauf im Stall, während der Fuhrmann in einem entschlichen Zustand ins Spital verbracht wurde. * In Schirrheim bei Straßburg wurde der 20jähr. * Wer hat Lust? Die Stadt Saloniki in Macedonien sucht zum 10. September d. Js. einen deutschen Lehrer, der die Befähigung hat zur Erteilung des Religionsunterrichts und der Stenographie, System Gabelsberg. Anfangsgehalt 84 türkische Goldliren= 1560 mt, ein möbliertes Zimmer, freie Hinreise und nach mindestens dreijähriger Dienstzeit auch freie Rückfahrt. Man scheint auf eine hübsche Erscheinung zu reflektiren; denn die Einsendung der Photographie ist erwünscht. Also auf nach Salonifi! * Wieder ein großes Schiffsunglüd. Aus Singapore wird telegraphiert, daß bei einer Kollision der Dampfer Brince Alerander" und" Bau- Hen- Guin" der erstere fank. Der letztere wurde schwer beschädigt nach Singapore geschleppt. Vom„ Prince Alexander" sind 40 Mann ertrunken. * Für Auswanderer. Nach einem neuerdings veröff: ntlichten Edikt müssen alle Passagiere, die auf portugiesischem Gebiet zu landen wünschen, 20 Pfund Sterling hinterlegen und sich nach 8 Tagen melden. Wenn sie nach dieser Frist feine Arbeit gefunden haben ohne die nötigen Subsistenzmittel zu besißen, werden sie ausgewiesen. * Aus dem inneren Afrika kommt die Nachricht, daß der Kommandant der Eingeborenen Miliz im französischen Kongo- Gebiet, d'Anglais, von Beduins bei Libreville ermordet worden sei. *( Im Eramen.) Professor: Wie bestimmt man die Größe eines Cylinders?" Kandidat: „ Nach der Kopfweite!" *( Boshaftes Mißberständnis.) Junge Dame:„ Ich machte einst mit einer Freundin und zwei Bekannten eine Ruderpartie auf dem Rhein. Ich sang ein Lied und plötzlich fiel einer der Herren ins Wasser!"- Herr:„ Ja, weshalb sangen Sie?" Hochschulnachrichten. Erlangen. Den ordentlichen Professoren Dr. Conrad Hellwig und Dr. Ludwig Ihmels wurde die erbetene Guthebung von ihren Stellen bewilligt. Göttingen. Die von der Gesellschaft der Wissenschaften vollzogenen Wahlen der ordentlichen Professoren in der philosophischen Fakultät unserer Untversität, Dr. Wackernagel, Dr. Morsbach und Dr. Schwarz zu ordentlichen Mitgliedern ihrer philologisch- historischen Klasse sind bestätigt worden. Heidelberg. Durch die Berufung Professor Hensel's nach Erlangen ist die zweite philosophische Professur, die zur Entlastung Kuno Fischer's geschaffen wurde, in Erledigung gekommen. Es entspräche dem Wunsche des greifen Gelehrten, sie mit einem seiner bedeutendsten Schüler, der dem Meister auch sonst nahesteht, mit Professor Windelband aus Straßburg, besezt zu sehen. Das erfordert freilich ein bedeutendes pekuniäres Opfer, da Professor Windelband's Stelle in Straßburg sehr gut dotict ist. Aber die Gewinnung einer so bedeutenden Kraft wäre damit nicht zu teuer erkauft. Tübingen. Sicherem Vernehmen nach ist als Nachfolger des im April verstorbenen Prof. Dr. Pfleidner Prof. Dr. Heinrich Maier in Zürich in Aussicht genommen. Gestorbene. Am 29. Juli. Elise Weber, 79 Jahre 4 Monate alt, ohne Beruf dahier. NUR 25 Pfg AMTLICH GLÄNZEND BEGUTACHTET: BE NUR 25 Pfó SALUTARIS TOILETTE- FETT- SEIFE Unübertroffen für Haut- x Ceintpflege: Rein, mal14, sparsam. C. Naumann, Seifen- u. Parfümeriefabrik, Offenbach a.M. 1901: 255,000" Münchener Bürgerbräu, Production 1880: 30,000 hectoliter. Münchener Loewenbräu, Production 1901: 642,000 hectoliter, in den bekannten feineren Cafés und Restaurationen in Gießen und Umgebung im Ausschank: Beide Hochfeine Biere sind vielfach mit höchsten Auszeichnungen prämiirt. Durch allwöchentlich einlaufende Eiswagen ist fortwährend ein feiner Stoff bei coulanter Bedienung gewährleistet durch die Biergrosshandlung und Eiskellerei von Emil Schmall, Hessischer Hof. Gebinde von 20-100 Liter. ( 933) Telephon 83. RAS Nr. 175 Oberhessische Familienzeitung. Wafferfluten gegebenen Signale bemerkt und den Train unter dem großen Gaachdem nun der Herr Vorsteher zum Stehen bringt. der Passagiere mit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit * Das Höchste bleibt ein freier Wille, Seite 4. Der, unverwirrt von Fleisch und Blut, Fest und getreu in Sturm und Stille Das Gute, mail 72 175. Donnerstag, den 31 Juli 1902. Oberbeflische Familienzeitung.