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Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffent und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Das 6. deutsche Sängerbundesfest. wird vom 26. Juli bis 30. Juli in Graz abgehalten. Aus allen Teilen Deutschlands, oder besser: von überall her, wo die deutsche Zunge klingt", aus Schwaben und auch Tirol, aus Bayern und Franken, aus Königsberg und Reval im Nordosten, aus Triest und Pola im Süden, aus Bukarest, Azuge, Pitesti und Ploest brechen die Teilnehmer zum Fest auf. Die Steiermark stellt die stärkste Schar: 78 Vereine mit 1799 Sängern. Den zweitnächsten Plaz nimmt Niederösterreich ein, das 100 Vereine mit 1494 Sängern schickt. Nach den Niederösterreichern und Steirern kommen die Franken mit 66 Vereinen und 855 Sängern, die Bayern mit 41 Vereinen und 609 Sängern. Die Deutschen Böhmens stellen 61 Vereine mit 597 Sängern und so weiter. Eine fräftige Idee hat sie alle in Bewegung ge bracht. Es ist der Kernsatz der Statuten des deutschen Sängerbundes: " Durch die dem deutschen Liede innewohnende einigende Straft die nationale Zusammengehörigkeit der deutschen Stämme zu stärken und an der Einheit und Macht des Vaterlandes mitzuarbeiten. Daß dieser Satz nicht bloße Phrase ist, geht gerade wieder aus dem sechsten Bundesfest hervor. Die reichliche Beschickung beweist es ebenso wie die Thatsache, daß selbst aus England und Amerika Abordnungen eintreffen und die auf Cylon gefangenen Buren eine geradezu rührende Kunogebung nach Graz gelangen ließen. Mittlerweile rüstet Graz aufs angelegentlichste. Die große Sängerhalle hat Raum für 7500 Sänger und 8000 Zuhörer. Die Halle ist in geradezu folossalen Dimensionen angelegt. Ihre Spannweite ist 50 Meter, ihre Länge 96 Meter, ihre Höhe 212 Meter. Ungefähr 54 Thüren führen unmittelbar ins Freie, so daß selbst bei stärkstem Besuch die die Entleerung des Raumes rasch vor sich geht. " In dieser teuren Halle" wird also der große Sängerfrieg stattfinden. Indessen wird er ganz friedlich verlaufen und den einzelnen streitbaren Gruppen nur moralische Preise bringen, da ein Wettsingen" ausdrücklich ausgeschlossen ist. Die Festordnung ist die folgende: Samstag den 26. Juli: Festliche Empfänge auf dem Grazer Südbahnhofe. 9 Uhr abends: Begrüßung in der Sängerhalle. Sonntag den 27. Juli, 9 Uhr vormittags: Gesamtprobe( Sängerhalle), 2 Uhr nachmittags: Festzug. Anschließend ein Bartfest in den Anlagen der Industriehalle. 9 Uhr abends: Kommers in der Sängerhalle. Montag den 28. Juli, 9 Uhr vormittags: Gesamtprobe( Sängerhalle). 7 Uhr abends: Erstes Konzert, dann Kommers in der Sängerhalle. Dienstag den 29. Juli, 9 Uhr vormittags: GesamtDer Bürgermeister von Bloemfontein in Berlin. Eine sehr interessante Persönlichkeit ist in Berlin eingetroffen: Herr Dr. med. B. O. Kellner, der Bürger meister von Bloemfontein, der als solcher während des südafrikanischen Strieges in die Lage fam, die Schlüssel der Hauptstadt des Oranjefreistaates an Lord Roberts zu übergeben, und der auch jetzt noch, unter englischer Herrschaft, das Stadtoberhaupt von Bloemfontein ist. Dr. Kellner hat gestern einen Mitarbeiter des„ L.-A." empfangen und ihm sehr bemerkenswerte Aufschlüsse über den Burenkrieg und die Persönlichkeiten gegeben, die in dieser Zeit besonders hervorgetreten sind, so über die Präsidenten Krüger und Steijn, Cecil Rhodes, Lord Roberts und Kitchener, Dewet u. A. mehr. Es heißt in dem Bericht u. A.: Dr. Kellner zählt jetzt 63 Jahre; er ist ein Charlottenburger Kind und macht so recht den Eindruck eines flugen und liebenswürdigen deutschen Arztes. Ich befragte ihn zunächst über die Stellung, die er selbst zu den Kriegsereignissen eingenommen habe. Ich war mit vollem Herzen auf Seiten der Buren," antwortete er freimütig, als der Krieg ausgebrochen war. Aber ich hatte vorher stets eindringlich vor dem Krieg gewarnt. Doch die Buren wollten nicht hören. Sie waren fest überzeugt, daß sie die Engländer schlagen würden." ,, Was halten Sie vom Präsidenten Steijn?" " Steijn ist fein fluger Stopf. Ich hatte ihm meine Stimme auch nicht gegeben. Er ließ sich völlig von Krüger beherrschen. Das sahen seine Freunde als eine Empfehlung an. Krüger und Steijn gehören zusammen wie Kopf und Müße!" sagten sie." Sehr wohl," ent" probe( Sängerhalle). 5 Uhr nachmittags: Zweites Konzert. 9 Uhr abends Kommers in der Sängerhalle. Mittwoch den 30. Juli: Besichtigungen und Ausflüge. 9 Uhr abends: Abschiedskommers in der Sängerhalle. Das Programm der beiden Hauptaufführungen ist folgendes: I. Hauptaufführung am Montag, den 28. Juli d. I.: 1) Orchestervortrag. 2) Gesamtchor, Dirigent Eduard Kremser( Wien):" Dem Vaterlande" von Hugo Wolf. 3) Gesamthor, Dirigent Gustav Wohlgemuth( Leipzig): Morgen im Wald" von Friedrich Hogar. 4) a) Einzelvortrag des Deutschen Sängerbundes in Böhmen Goten treue" von Hans Wagner. b) Einzelvortrag des Niederösterreichischen Sängerbundes:„ Mahnruf von Reinhold Becker. Die zweite Hauptaufführung am 29. Juli hat folgendes Programm: " " 1) Orchestervortrag. 2) Gesamtchor, Dirigent G. Wohlgemuth:" Hügel fallen, Berge weichen" von R. Müller. 3) Einzelvortrag des„ Stuttgarter Liederkranz"" Kaiser Karl in der Johannisnacht von Friedrich Hegar. 4. Gesamtchöre: a.„ Waldesweise" von E. S. Engelsberg( Dirigent E. Krem ser); b."' s Herz" von Fr. Silcher( Dirigent V. Ortner). 5) Einzelvortrag des Preußischen Provinzial- Sängerbundes"; c) Einzelvortrag des Wiener Männergesangvereins:„ Nur wer die Sehnsucht fennt" von Franz Schubert. 5) Gesamtchor, Dirigent Vinzeuz Ortner( Graz)," König Sigurds Brautfahrt" von Heinrich Zöllner. 6) Einzelvortrag des Königsberger Sängervereines" Sommernacht" von Wilhelm Berger. b) Einzelvortrag des Schubertbund", Rudolph v. Werdenberg" von Friedrich Hogar. c) Einzelvortrag des Kärntner Sängerbundes, zwei Kärntnerlieder. 7) GesamtKärntner Sängerbundes, zwei Kärntnerlieder. 7) Gesamtchor, Dirigent Gustav Wohlgemuth,„ Landesknechtlied" von Wilhelm Kienzl. 8) Gesamtchöre: a)" Untreue von Fr. Silcher( Dirigent V. Ortner). b) Mägdelein hab' acht" von Wohlgemuth( Dirigent G. Wohlgemuth). 9) Gesamtchor, Dirigent V. Ortner:„ An die Sonne" von J. C. Brambach. 10) Orchestervortrag: 11) Gesamthor, Dirigent Ed. Kremser:" Das Liebesmahl der Apostel" v. R. Wagner. „ Hymne an das Feuer" von Mary Zenger. 6) Gesamtchor. Dirigent E. Kremser:„ Prinz Eugen" von E. Kremser. 7) Orchestervortrag. 8) Gesamtchöre: a.„ Abschied" von Ad, Kirchl( Dirigent E. Kremser); b. Fahrende Leut" von H. Jüngst( Dirigent V. Ortner). 9. Einzelvortrag des Fränkischen Sängerbundes,„ Frühling am Rhein" von Simon Breu. 10) Gesamtchöre: a.„ Ave Maria" von J. E. Schmölzer( Dirigent G. Wohlgemuth); b. ,, Greteleien" von Rudolf Wagner( Dirigent V. Ortner). 11) Einzelvortrag des Schwäbischen Sängerbundes: Zwei schwäbische Volkslieder. 12) Gesamtchor( Dirigent G. Wohlgemuth), Friedrich Rotbart" von Theodor Podbertsky. " Die Uebergabe des Banners des deutschen Sängerbundes gegneten wir, nur ist Krüger der Kopf und Steijn die Müße!" Und Krüger selbst?" „ Ein halsstarriger Mann, der unter allen Umständen Präsident bleiben wollte. Er hätte es auch ständen Präsident bleiben wollte. Er hätte es auch bleiben, Südafrika hätte selbständig werden können, wäre er Cecil Rhodes gefolgt." Wie? Cecil Rhodes?" Dr. Kellner lachte hell auf.„ Freilich! Meinen Sie wirklich, daß Rhodes der Patriot war, der nur an Englands Größe dachte? Zunächst wollte er Herr von Südafrika werden, ob als König oder Präsident sei dahingestellt. Um sich in den Sattel zu schwingen, brauchte er vor allem Transvaal. So knüpfte er mit Krüger an, der wohl wußte, daß er von England alles zn befürchten und nichts zu erhoffen hatte. Wie aber Rhodes eines Tages wieder nach Pretoria kommt, um über seine Pläne weiter zu beraten, trifft er Ohm Paul mit der Bibel unterm Arm auf der Straße. " Jetzt muß ich zur Stirche!" fnurrt er in seiner rauhen, wenig manierlichen Art Cecil Rhodes an und läßt ihn wie einen dummen Jungen stehen. Von dem Augenblick an erkannte Rhodes, daß mit diesem Mann nichts zu unternehmen sei, und nun sollte England die beiden Republiken erhalten." Und wird der nunmehrige Ausgang der Dinge gut für die annektierten Staaten sein?" " Zweifellos! Mit England sind Freiheit und Fortschritt. Alle seine Stolonien blühen, und auch Transvaal und Oranje- Freistaat gehen einer guten Zukunft entgegen. In Bloemfontein z. B. hat man auch bereits das bestimmte Gefühl dafür. Einige meiner Liegenschaften kann ich dort um einen vielfach an die Stadt Graz erfolgt beim Begrüßungsabend am 26. Juli. An dem Sängerfest werden im ganzen 1101 Vereine mit 11,476 Sängern teilnehmen, außerdem werden ca. 80,000 Fremde erwartet in einer Stadt, die selbst 140,000 Be wohner zählt. Selbstverständlich trifft auch der Gesamtausschuß des deutschen Sängerbundes, sozusagen der Generalstab des Festes, ein. Wie eine schöne Frau, die sich zu einem besonderen Besuch toilettiert, rüstet und pugt sich jetzt die urbs gratiarum an allen Ecken und Enden. Die Firmen undStraßentafeln wurden auf ihre Orthographie hin revidiert, und auf den großen Standplätzen erheben sich Riesentribünen. Der Festzug wird in seiner Art ein glänzendes Schauspiel sein. Er wird von 63 Gruppen gebildet. Er mußte wegen seiner follossalen AusdehnDie Anmarschung strategisch entworfen werden. linie umfaßt ein ganzes Stadtviertel. Er weicht darum bon der üblichen Feſtparade ab, weil Allegorien fast ganz ausgeschlossen sind, es soll vielmehr eine Art ethnographischen Bildes aufgerollt und das deutsche Volksleben in seinen verschiedenen Erscheinungen und So marschiert denn Varianten dargestellt werden. an der Spitze ein bayrisches Trompetercorps; dann kommen 15 Festwagen, die vollständige Almwirtschaften enthalten, andere, die eine Gebirgsmühle darstellen; Schießwägen bringen frisch geschossenes Wild, von Jägern und einer Meute umgeben. Musikwagen folgen mit steirischen Musikkapellen, dazwischen sieht man Hochzeitszüge, Costümscenen 2c., furz: der Festzug ist ein Ausschnitt aus dem deutschen Volksleben, ein Bild von plastischer Wirklichkeit. Der Teilnehmer am Festzuge harrt eine hübsche Ueberraschung. Graz ist zu einer Blumenstadt geworden. Nicht etwa zarte Rosen und liebliche Veilchen werden zum Sängergruß für den Festzug verwendet werden. Die Berge liefern einen selten Schmuck, und als Wurfbouquets werden Edelweiß- Sträußchen und Alpenblumen verwendet werden. Nach dem Numor der Festkonzerte und Sommerse wird man den Gästen das Schönste zeigen, was die Steiermark besigt, ihre Gebirgswelt. Mittwoch, den 30. Juli beginnt der große Ausflug in die Obersteiermark( über den Erzberg zum Leopoldsteiner See), dann die Fahrt nach Admont, St. Gallen und Aussee. Außerdem giebt die Rosegger- Gesellschaft am 31. Juli auf der Pretulalpe bei Mürzzuschlag ein großes Volksfest und von allen anderen Gelegenheitsausflügen abgesehen. Ueberall haben die Eisenbahnen Fahrtbegünstigungen gewährt und die Oesterr. Südhöheren Preis verkaufen, als sie vor fünf Jahren bes wertet waren. Aber ich verkaufe nichts, weil sie noch höheren Preis bringen werden." Wir sprachen von den Führern des Kleinkrieges, und ich bemerkte, daß Dewet im Mittelpunkt unseres Intereffes geftanden habe. " Ich teile die Bewunderung", meinte Dr. Keller, ,, die dieser kühnste aller Führer bei Freund und Feind erweckt hat. Aber um so mehr wird es Sie überraschen zu hören, daß dieser Mann, der als Soldat die Personifikation des schnellen Zugreifens und unbedenklichen Vorwärtsdringens bildete, als Politiker der stock. fonservativste Bauer war. So gehörte er im Volksraad zu der Partei, die, weil sie jeden Fortschritt bekämpfte, der„ Hemmschuh" genannt wurde, und er hat mit aller macht sich dagegen erklärt, daß der Freistaat Eisenbahnen erhalten sollte. Dann fämen die Fremden und die Engländer, meinte er. Und jetzt will das neue Gouvernement 30 Millionen Mark für die Ausgestaltung unseres Bahnnetzes aufwenden! Andere Herren sind gekommen, und sie bringen uns andere und hoffentlich auch für die Buren glückliche Zeiten!" Und nun zum Schluß noch eine Frage, Herr Doktor: „ Mußten die Buren jezt Frieden machen?" " Ja fie mußten! Der einzelne zeigte es zuletzt in seiner Erscheinung, daß es mit der Gesammtheit zu Ende gehe. Die eingebrachten Gefangenen boten ein Bild, das herzlichstes Mitleid erregte. Die Kleidung. so tamen sie zerrissen, die Gestalten abgemagert todtmüde und traurig an. Proviant und Munition waren zur Neige gegangen. Von allen Seiten umstellt und gehetzt, mußten sie Frieden machen. Das Spiel war aus!" - bahn hält vom 27. bis 30. Juli Tag und Nacht ihre Fahrkartenschalter offen. Kein Fremdenverkehrsverein fann solche Reformen durchsetzen und solche Massen in Bewegung bringen, das vermochte einzig nnd das deutsche Lied. allein - Aus Heffen und Nachbargebieten. C. Raffel, 24. Juli. Der Deutsche RadfahrerBundestag schließt mit einem Defi zit das zu einer Inanspruchnahme des Garantiefonds in Höhe von 60 Prozent zwingen wird. C. Frankfurt a. M., 24. Jult. Im benachbarten Fechenheim suchte sich heute morgen die Ehefrau Schäfer, Mutter von 5 fleinen Kindern, auf eine grauenvolle Art das Leben zu nehmen, indem fie sich mit Petroleum begoß und dann dieses in Brand sezte. Hinzukommende Angehörige erstickten zwar 1ofort die Flammen, doch hatte die Frau bereits sehr schwere Verlegungen erlitten. Die Unglückliche war seit längerer Zeit kränklich und fürchtete Stechtum. f. Frankfurt a. M., 24. Juli. Beim Pferdeschwemmen rutschte der Fahrbursch Karl Schmetzer aus Isenburg vom Gaul und ertrant im Main. § Frankfurt a. M., 24. Juli. Seelöwen sind im Zoologischen Garten in Frankfurt zu sehen. Während Seehunde im Aquarium des Zoologischen Gartens seit langem regelmäßig gehalten werden, haben Seelöwen bis jeßt gefehlt. Auch sonst sind noch intereffante Ankömmlinge im Garten eingetrossen; so die Storchschnepfen oder Strandreiter, schwarzweiß mit bleistiftdünnen, aber sehr langen Beinen; verschiedene Känguruhs, sowie eine Kollektion schön gefärbter Schlangen aus Florida. Frankfurt, 24. Juli. In einem Schreiben an die Handeskammer macht der hiesige Verein der Detaillisten Mitteilung über eine bei den Detailkaufleuten der Lebensmittel- und Kolonialwarenbranche einge bürgerte sehr merkwürdige Praxis. Der Verein ersucht nämlich, so schreibt die Franff. 3tg.", die Kammer, die Einführung von Gewichtstücken zu 250 und 125 Gramm zu befürworten. In dem Schreiben wird ausgeführt, daß sich das Publikum in einem Zeitraum von fast 30 Jahren noch nicht davon habe entwöhnen können., seine Einkäufe nach Pfunden oder deren Bruchteilen borzunehmen, ja, die Gewohnheit sei derart eingebürgert, daß regelmäßig z. B. in den Lebensmittelgeschäften nicht etwa ein Viertel Pfund", sondern furz ein Viertel" verlangt werde, wobei Käufer und Verkäufer als ganz selbstverständlich vorausseßen, daß ein viertel Pfund, nicht etwa ein viertel Kilo, gemeint sei. Dem Detailkaufmann bleibe somit nur übrig, den Wünschen seiner Hunden zu entsprechen und= bezw. 1/ 2- Pfunde abzuwiegen. Hierzu seien jedes Mal drei bezw. zwei Gewichtstücke notwendig. Beim Abwiegen von Viertelpfunden müssen zwei sehr kleine Stücke( 20 und 5 Gramm) benutzt werden, von denen das letztere beim Gebrauch so sehr häufig verloren gehe.„ Es hat sich dadurch so „ die sagt der Detaillistenberein, der es wissen muß Praris herausgebildet, zum Abwiegen von 1/ 4- Pfunden nur zwei Stücke( 100 und 20 Gramm) zu benutzen. Von der Richtigkeit dieser Behauptung wird ein Gang in verschiedene Lebensmittelgeschäfte sofort überzeugen; daß aber eine Aenderung dieser Praris dringend zu wünschen wäre, bedarf keiner besonderen Ausführung." Allerdings ist eine Aenderung dieser durchaus unzulässigen und verwerflichen„ Praris" zu wünschen, ob nun die Viertelpfund- und Halbpfund- Gewichtstücke eingeführt werden oder nicht. " Darmstadt, 24. Juli. Der von dem Ortsgewerbeverein Darmstadt geplante Ausflug zum Besuche der Düsseldorfer Ausstellung wird Mitte August stattfinden. Der Gewerbeverein zu Düsseldorf, der für den hiefigen Verein die Reisedispositionen festgestellt hat, wird auch die Führung der Teilnehmer übernehmen. Die Dauer der Exekution einschießlich Reise ist auf fünf Tage festgesetzt. Heidelberg, 24. Jult. Hier pulsiert noch fröhliches Studentenleben und wird vom größten Teil der Bevölkerung auch als solches aufgenommen und beurteilt. Das beweisen wieder so schreibt das„ Hdbg. Tgbl."- zwei Vorgänge, die von einer vielföpfigen Zuschauermenge herzlich belacht wurden. Morgens gegen 8 Uhr begleitete eine Studentenverbindung einen zu einer Karzerstrafe verurteilten Kommilitonen nach dem„, fidel cn Gefängnis". Der Delinquent befand sich, mit schweren, rostigen Ketten gefesselt, auf einem zweirädrigen, mit einem Pferde bespannten Karren und wurde an dem Thore des berühmten Studentengefängnisses zur Verbüßung seiner Strafe abgeliefert.- Am Nachmittag brachten Mitglieder einer anderen Verbindung dreien ihrer Kommilitonen, die auf einige Tage in den Karzer wanderten, ein fröhliches, etwas glänzenderes Komitat. Eröffnet wurde dasselbe durch Herolde, denen ein Trompetercorps auf einem Leiterwagen folgte. Die Karzerkandidaten waren in einem großen, von Kühen gezogenen Käfig untergebracht. Der Henker im roten Gewande hielt Wache davor, und jammernd umstanden ihn drei„ zarte Mägdelein". In einer aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Salesche wurden die Betten und sonstigen Requisiten der Verbrecher" mitgeführt, während die Aktiven unter Singen das Ganze durch die Anlage und Hauptstraße an seinen Bestimmungsort esfortierten. Mainz, 24. Juli Der Fuhrmann Krämer des Fuhrunternehmers Hinrich war gestern Abend mit dem Abladen von Weinfässern beschäftigt; dabei entglitt ein Faß seinen Händen, stürzte vom Wagen auf das Trottior und traf mit voller Wucht ein 4 jähriges Mädchen, das neben dem Wagen stand, worauf das Faß über seinen Kopf und Leib route. Als blutige Masse hob man das Kind auf und brachte es nach der Wohnung seiner Eltern, wo das arme Wesen bald verschieden ist. Zum Untergang des„ Primus“. Einhundert und zwölf Todte hat das grauenvolle Unglück gefordert. Nachdem die vielfach noch gehegten Hoffnungen, es werde mancher der Vermißten sich noch einfinden, sich leider als trügerisch erwiesen haben, hat sich eine dumpfe Resignation der Bewohnerschaft Eilbecks bemächtigt. Es gibt fast fein Haus in Eilbeck, in das nicht tiefe Trauer über den Verlust eines Familienmitgliedes oder Verwandten eingezogen ist. Leben und Tod, wie nahe wohnen sie beieinander! Fast alle Frauen tragen tief schwarze Trauerkleider, in den verweinten Gesichtern zuckt der Schmerz. Ein altes schwarzgekleidetes Mütterchen, wohl an die achtzig Jahre, wird mit Hilfe freundlicher Nachbarn in einen Straßenbahnwagen geleitet. Ihre zitternden Hände umfassen einen großen Rosenstrauß, den sie hinausbringen will in die Nienstädter Kirche, wo der Sohn aufgebahrt liegt, der mit Frau und 4 Kindern das Leben lassen mußte. Sechs ihrer Lieben hat sie auf einmal verloren. Thränenverschleierte Blicke der Bassagiere ruhen auf dem faltenreichen Gesicht der Matrone. Die Theilnahme der Bevölkerung ist eine so tiefmitfühlende, als ob ein Jeder persönlich von dem herben Mißgeschick mit getroffen wäre. Groß ist die Zahl der Kinder, welche durch die Katastrophe zu Halb- oder Ganzwaisen geworden sind. Mehrere Personen haben sich bereit erklärt, Kinder der Verunglückten an Elternstatt anzunehmen. Die kleine Nienstedter Kirche kann die Todten nicht mehr aufnehmen; sie ist überfüllt. Ein verkommener Mensch hatte sich in die Kirche geschlichen, um die Leichen zu berauben. Er wurde verhaftet. Der Taucher hat den„ Primus" auf Grund gesetzt. Das Schiff hat sich vollkommen gedreht, so daß der Boden nach oben gefehrt ist. Vermischtes. * Berlin, 24. Juni. Fräulein Dr. phil. Elise Neumann, die Tochter des verstorbenen Zoologen Neumann wurde gestern Nachmittag in einem Laboratorium, woselbst sie beschäftigt war, todt aufgefunden. Sie hatte sich mit Chankali vergiftet. Ob ein Unfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. Berlin, 24. Juli. Der mit 56,000 Mart flüchtig gegangene Kassenbote der Seehandlung Wagner stellte sich heute früh der Staatsanwaltschaft. Er behauptet, das Geld verloren zu haben. * Münster i. Westf., 24. Juli. Die Spinnerei von C. Kümpers Söhne in Rheine wurde durch eine Feuersbrunst fast vollkommen zerstört. Kaum ein Drittel derselben ist betriebsfähig geblieben. * Halle a. S., 22. Juli. In dem anhaltinischen Dorfe Rieder tötete die Frau eines Landmannes im Streit ihren Gatten, der sie bedroht hatte, durch einen wuchtigen Schlag mit einer Flasche. Effen, 23. Juli. Wie der deutschen Bergwerkszeitung aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, haben die Gebrüder Röhling in Saarbrücken 20 Kohlenfelder von Racky erworben. * Die erste deutsche Lehrerfahrt nach EgyptenPalästina, die von Lehrer Bolthausen in Solingen veran staltet wird, dauert vom 1. Aug. bis 10. Sept. d. J. In Anbetracht des erheblichen Kostenpunktes pro Person annäherno 800 Mark- dürfte die Beteiligung eine nicht gerade sehr lebhafte werden, zumal die meisten Landlehrer um die angegebene Zeit feine Ferien haben. - * Millionenschenkung. Der in Reims verstorbene Herr d'Huit hat der Stadt Paris seine Gemälde- Sammlung im Werte von 5 Millionen Francs sowie 3 Millionen in baar testamentarisch vermacht. * Eine tapfere Schauspielerin ist Frau Pohl- Meiser vom Josefstädter Theater in Wien. Sie spielte in Ischl im Lumpazivagabundes" den Schneider in Anwesenheit des Als sie auf den Tisch sprang, tippte dieser um, und die Kaisers Franz Josef und der Erzherzogin Marie Valerie. Künstlerin fiel so unglücklich, daß sie den Arm brach. Troßdem spielte sie den Aft zu Ende. Im Zwischenakt legte ihr der Theaterarzt einen provisorischen Verband an, dann spielte Frau Pohl mit scheinbar ungetrübter Heiterkeit ihren Part bis zum Schluß des Stückes. Hochschulnachrichten. Aus Jena wird geschrieben: Aus sicherer Quelle fann die Nachricht auswärtiger Blätter, die Verhandlungen der thüringischen Regierungen wegen Errichtung einer technischen Hochschule für Thüringen mit dem Siz in Jena, seien dem Abschluß nahe, als erfunden bezeichnet werden. Ein derartiges Projett besteht überhaupt nicht.- Die theologische Fakultät der Universität Jena verlieh, wie man mitteilt, dem Superintendenten Loebe in Roda ( Sachsen- Altenburg) den Doktortitel honoris causa.- Würzburg. Der Assistenzarzt am Julius- Spital Dr. Ludwig Burkhardt habilitierte sich heute als Privatdozent für Chirurgie mit einer Probe- Borlesung über„ operative Eingriffe am Magen".- Breslau. Vielfach wundert man sich darüber, daß den von der Universität unabhängigen Bibliotheksbeamten Befreiung vom Unterrichtshonorar auf den Universitäten gewährt wird, während den Lehrern an den höheren Unterrichtsanstalten die Wohlthat der Befreiung vom Schulgeld für ihre Söhne entzogen ist. Der preußische Unterrichtsfiskus ist zwar von einer unbegrenzten wohlwollenden Freigebigkeit; aber er übt diese Tugend nur, wenn es auf fremde Kosten geschehen kann. Das Schulgeld erhält der Staat, während die Universitätshonorare den Professoren zufließen, die auch wenigstens hier in Breslau, dieser Verfürzung ihrer Einnahmen entschieden aber erfolglos widersprochen haben. Serbes Meß- Adreßbuch für Leipzig, zugleich Export und Auskunftsbuch erscheint zur diesjährigen Herbstmesse( Ende August) in 100. ganz bedeutend verstärkter Auflage, es ist dies der zutreffendste Beweis für die Beliebtheit, der sich das Buch in den interessirten Kreisen erfreut; und wohl mit Recht! Serbes MeßAdreßbuch zeichnet sich in erster Linie durch seine praktische Anordnung sowie durch seinen gediegenen Inhalt aus; die Verlagsbuchhandlung ist stets bestrebt, das Beste zu leisten; diesen Bestrebungen ist es auch gelungen, das Buch zu einem Publikations- Organ ersten Ranges zu gestalten. Das Buch hat für Jedermann einen allgemeinen und dauernden Wert. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße Nr. 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern( Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehr= lingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 geöffnet. 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