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Gießener 11. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Giessener Cagesneuigkeiten. ** Gewerbebetrieb oder Landwirtschaft? Eine interessante Entscheidung hat das Gewerbegericht Mainz getroffen. Es handelt sich um die principielle Entscheidung, ob eine Kunst- und Handelsgärtnerei als Gewerbebetrieb aufzufassen oder als zur Landwirtschaft gehörig zu betrachten ist. Bekanntlich wurde von dem preußischen Ministerium s. 3. entschieden, dag die Gärtnerei nicht als Gewerbe, sondern als zur Landwirtschaft gehörig zu erachten sei. Inzwischen wurde aber von den Gerichten in Berlin, München 2c. entschieden, daß bei den Kunst- und Handelsgärtnereien alle Voraussetzungen zu einem Gewerbe gegeben seien. Einem Mainzer Falle liegt folgender Thatbestand zu Grunde: Dem Gärtnergehilfen Johann Schweizer war von dem Kunst- und Handelsgärtner Jakob Körner auf 14 Tage gefündigt worden. Schweitzer verweigerte am am anderen Tage- an einem Sonntag- daraufhin die Arbeit, weil er Sonn- und Feiertags nicht zu ar beiten brauche. Schw. wurde nun sofort entlassen und klagte nun deshalb auf eine Entschädigung von 30 Mt. Der Beklagte erhob aus den obenangeführten Gründen den Einwand der Unzuständigkeit des Gewerbegerichts, weil die Gärtner nur den ordentlichen Gerichten unterworfen seien. Das Gericht entschied dahin, daß bei dem Beklagten alle Merkmale eines Gewerbes vorlägen, er beschäftige sich mit Bindereien, beziehe Pflanzen von auswärts, lege Vorgärten an und übernehme auch Arbeiten für den Friedhof, das Gericht müsse deshalb seine Zuständigkeit aussprechen. Die Ansicht des preußischen Ministeriums sei in der letzten Zeit von der Praxis der Gerichte verschiedener Städte anders ausgelegt und die Gärtnereien als Gewerbebetriebe anerkannt worden. In der Sache selbst war der Beklagte zur sofortigen Entlassung des Klägers wegen Nichtausübung der Arbeit berechtigt und dessen Klage auf Entschädigung mußte abgewiesen werden. ** Ein bemerkenswertes Urteil über, die Zulässigkeit der Züchtigung eines ungezogenen Kindes hat jüngst das sächsische Oberlandesgericht gefällt. Ein Angeflagter hatte dem im 13. Lebensjahre stehenden Sohn des Privattlägers, nachdem er ihn auf seinem Grundstücke beim Kirschendiebstahl betroffen hatte, einen Schlag über das rechte Ohr versetzt. Wegen der ihm deshalb beigemessenen förperlichen Mißhandlung ist er in der ersten Instanz unter der Annahme, daß seine Handlungsweise teine rechtswidrige gewesen sei, freigesprochen, dagegen ist er in zweiter Instanz verurteilt worden. Dabei ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, daß der Angeklagte weder in berechtigter Nothweyr, noch auch in berechtigter Ausübung eines Züchtigungsrechtes gehandelt habe. Die vom Angeklagten wegen Verlegung materieller Rechtsnormen eingelegte Revision hat Erfolg gehabt, das Urteil ist aufgehoben, der Angeklagte somit freigesprochen worden. Aus der Begründung des Urteils des Oberlandesgerichts sei das Folgende hervorgehoben: Die Erfahrung des täglichen Lebens lehre, daß bei Erziehung der Kinder eine angemessene förperliche Züchtigung unentbehrlich und unter Umständen das wirkjamste Mittel set, um auf ein Kind erzieherisch einzuwirken, sowie daß das Zuchtmittel der Regel nach seinem Zweck am meisten entspreche, also die heilsamste erzieherische Wirkung dann ausübe, wenn die Ahndung der That auf dem Fuße folgt und die Züchtigung sofort nach Verübung der Ungezogenheit oder sonstigen Verfehlung erteilt wird. Daß dieser Standpunkt auch der Gesetzgebung nicht fern liege, sei von selbst gegeben. Denn andernfalls würde vom Gesetz nicht den Eltern und anderen zur Erziehung fremder Kinder berufenen Personen ein Züchtigungsrecht zugebilligt worden sein. Auch sei es weiter in der Erfahrung des täglichen Lebens begründet, daß verständige, vernünftige Eltern damit einverstanden sein werden, wenn falls sie selbst in Folge Abwesenheit nicht in der Lage sind, die Ungezogenheit ihres Kindes alsbald zu ahnden, die an sich durch die Umstände gebotene sofortige Züchtigung vornehmen zu können, ein Dritter und insbesondere ein solcher, der durch die Ungezogenheit des Kindes unmittelbar berührt wird, für sie eintritt und sofort an ihrer Stelle dem Stinde die Büchtigung angedeihen läßt. Nehme nun auf Grund solcher Erfahrung und in der Annahme, daß er damit nur dem Willen der Eltern entspreche, ein Dritter die Züchtigung eines ungezogenen fremden Kindes vor, 10 handele er solchenfalls nur im Einverständniß des an sich Berechtigten und sonach mit dessen Zustimmung an in Ausübung einer Befugniß. sich diesem zustehenden P.-A. Beim 26. Mittelrheinischen Kreisturnfest in Worms( Beginn 27. Juli, Ende 10.Aug.) dürfte einer der Glanzpunkte des Festes der am Hauptfesttage, Sonntag, den 3. August, Mittags um 1 Uhr, abgehende große Fest z ug werden. Der Mittelrheinkreis ist seit dem letzten in Worms abgehaltenen Streisturnfeste 1886 ganz bedeutend gewachsen; die Zahl der Gaue ist von 14 auf 19 gestiegen, die Zahl der Vereine, hat sich mehr als verdoppelt( von 333 auf an27 500 auf über 67 000 angewachsen, und gerade den nähernd 700), die Gesamtzahl der Mitglieder ist von stärksten Zuwachs haben die Vereine in den größeren Städten und deren Nähe und auch die Landbezirke in den Provinzen Rheinhessen und Starkenburg. So ist die Zahl der Turnvereine in Rheinhessen seit dem Jahre 1886 von 71 auf 127 gestiegen, von diesen dürften allein mehr als die Hälfte beim Festzug vertreten sein. Dabei hat der Mittelrheinkreis aber 19 Gaue, von denen allerdings der Gau Rheinhessen weitaus der größte ist. Der Festzug dürfte, da sich auch eine Reihe Wormser Vereine daran beteiligen, eine enorme Länge bekommen und sich zu einer gewaltigen Kundgebung für die deutsche Turnsache gestalten. Aus Hessen und nachbargebieten. Wetzlar, 22. Juli. Unser Radfahrverein hat am Sonntag auf dem Bundestag des deutschen Radfahrbundes zu Kassel im Großen Achter- Niederrad- Kunstfahren mit 6,1 Punkten sich den 3. Preis geholt. M. Ober- Hörgern, 20. Juli. Der Schweinehändler Türinger von hier ist seit einigen Tagen flüchtig geworden. Er wird beschuldigt, schwere Wechselfälschungen etc. verübt Er wird beschuldigt, schwere Wechselfälschungen etc. verübt zu haben. M. Butzbach, 21. Juli. In dem benachbarten Gambach ereignete sich ein sehr bedauernswerter Unglücksfall. Der dortige Kirchendiener Herr Joh. Mohr II. war damit beschäftigt, seinem Pferde Heu in der Scheune zu holen. Auf einem ziemlich hohen Gerüst glitt er aus, fiel zu Boden und zog sich schwere Verlegungen zu. Besonders schwer sind die Verlegungen am Kopfe, aber auch Arme und Beine sind sehr beschädigt worden. Frankfurter Obstbericht. Das Geschäft war- so schreibt die hiesige Zentralstelle für Obstverwertung in ihrem Bericht über die letzte Woche lebhaft, - namentlich wurden in Kitschen erhebliche Antäufe gemacht. Die Nachfrage nach Aprikosen war besonders stark, das Angebot ganz minimal, der Preis hierfür ging merklich in die Höhe. In Pfirsichen war das Geschäft ruhiger, auch in Heidelbeeren sind troz großer Nachfrage und genügendem Angebot große Verkäufe noch nicht zu verzeichnen. Die Durchschnittspreise waren: Kirschen Mt. 12-22, Erdbeeren Mt. 35, Walderdbeeren Mt. 45-50, Stachelbeeren Mt. 8-10, Johannisbeeren Mt. 111/2, schwarze Mt. 12, Aprikosen Johannisbeeren Mt. 112, schwarze Mt. 12, Aprikosen Mt. 35, Pfirsiche Mt. 40, Heidelbeeren Mf. 18, Himbeeren wit. 30, Frühbirnen Mt. 12-18 per Zentner. A Hundertjahrfeier des Eulbacher Marktes zu Erbach i. O. Vom Wetter außerordentlich begünstigt, nahmen am Sonntag die Festlichkeiten dieses vor 100 Jahren von dem Grafen Franz zu Erbach- Erbach in der bestimmten Absicht:" Den Frohsinn aller Bewohner des Odenwaldes dabei zu vereinigen" gegründeten sog. Gulbacher Marktes ihren Anfang. Ein großer Teil dieser edlen Absicht hat sich denn auch stets von Jahr zu Jahr erfüllt und auch heute wieder strömten Tausende und Abertausende zu Fuß, Wagen, zu Pferd, Rad oder Eisenbahn, selbst der„ Auto" fehlte nicht, nach dem herrlich gelegenen Festplatze zu, woselbst in gemeinsamer eifriger Thätigkeit der Grafen wie auch der Gemeinde Erbach die Vorbereitungen zur würdigen Begehung des Festes in entsprechender Weise getroffen waren. Die eigentliche Einleitung bild te das Nachmittags 12 Uhr im Saale unter den Linden stattgehabte Jubiläumsfestessen, an welchem sich sowohl der regierende Graf Georg Albrecht von Erbach Erbach, deſſen Bruder Graf Arthur, Kreisrat Schliep atte, Bürgermeister Stegmüller, zahlreiche Beamte, geladene Gäste etc. beteiligten. Graf Georg Albrecht hielt eine Ansprache, in welcher er des Gründers des Marktes seines Großvaters Franz gedachte und auf die Geschichte und Entwickelung Erbachs hinwies, auf dessen weiteres Blühen und Gedeihen er ein beifällig aufgenommenes Hoch ausbrachte. Ein sehr geschmackvoll gedichtetes Poem" Die drei Sterne"( Wahrzeichen Erbach) nach der Melodie"" Deutschland über Alles" fand großen Beifall. Graf Georg Albrecht hat aus Veranlassung der 11 Feier eine Jubiläumsdenkmünze schlagen lassen, welche auf der Vorderseite das Bild des Gründers, seines Großvaters Grafen Franz und auf der Rückseite eine entsprechende Widmung trägt. Diese Münze ließ der Graf einer Anzahl früher und jetzt um das Fest verdienter Herren überreichen. In Worms wird der bekannte ungarische Billardtünstler Johann Trébúr, bei dem Serien von 3000 bis 4000 Points feine Seltenheit sein sollen(??!), im Kaiser- Café spielen. Vermischtes. * Berlin, 22. Juli. Die 29jährige Ehefrau des Stellmachers Otto Schulz tötete ihre beiden im Alter von 13 Jahren und 7 Wochen stehenden Kinder und dann sich selbst durch Erhängen. Nahrungssorgen und eheliche Zwistigkeiten waren die Beweggründe zu der That. Berlin, 21. Juli. In der Nähe der Stadt haben zwei Kaufleute im Alter von 53 und 35 Jahren Selbstmord durch Erschießen begangen. zösischen Botschaft, Herr Monod, ist in Schweden * Der Handelsattaché der Berliner franbei einer Bergpartie abgestürzt und wurde todt aufgefunden. * Aus Thüringen. In einer in der schwarzburgischen Oberherrschaft gelegenen Ortschaft ist der Standesbeamte zugleich Fleischbeschauer. Bei einer Trauung nun ereignete sichs, daß der Mann den falschen Stempel erwischte und so stand auf dem Trauschein zu lesen: ,, Trichinenfrei". Das trichinenfreie junge Ehepaar soll sehr glücklich leben. * Kein Telephon. Merkwürdig ist folgende telepho nische Geschichte, die der„ Frff. Ztg." mitgeteilt wird. Ein Frankfurter verkehrt seit längerer Zeit mit einem Geschäftsfreund in Waltershausen in Thüringen telepho nisch. Am 15. Juli stattete er jenem einen Besuch ab und wollte seine Abschlüsse telephonisch hierher melden. Zu seinem nicht geringen Erstaunen wurde ihm. vom Telephonbeamten der Bescheid, daß eine Verbin dung zwischen Waltershausen und Frankfurt nicht bestehe!„ Auf wiederholtes Nemonstrieren gab der Beamte zur Antwort, falls von Frankfurt aus seither nach Waltershausen telephoniert worden sei, so ſprechamtes, denn die Instruktionen gestatten feine Verberuhe dieses auf einem Versehen des Frankfurter Fernbindung." Hoffentlich ist bei der nächsten amtlichen Meldung über„ Erweiterung des Fernsprechverkehrs" auch Waltershausen unter den Orten aufgeführt, denen die Vorzüge des Telephons ungeschmälert zuteil geworden sind. * Die Unschuld vom Lande. Aus Niederhausen wird berichtet:„ Eine große Hochzeit sollte in einem benachbarten Dorfe stattfinden. Mehr als 100 Gäste waren dazu eingeladen, zirka ein Zentner Bratenfleisch, riesige Mengen Würste und über 40 mächtige Kuchen, sowie zwei Fässer Wein 2c. waren für die ledlichen Bedürfnisse der Gäste bereitgestellt. Als das Brautpaar sich eben anschickte, die standesamtliche Trauung vollziehen zu lassen, wurde dem Bräutigam von einem Freunde" die Nachricht hinterbracht, daß seine 22 jährige Braut in ihrem Heimatsdorfe S. im unerlaubten Verkehr mit einem 64 jährigen verheirateten Manne, Vater von 10 Kindern gestanden und Folgen davon zu erwarten habe. Hierauf große Szene zwischen dem Brautpaac init Unschuldebeteuerungen der Braut; der Bräutigam bestand jedoch auf ärztlicher Untersuchung, welche auch die Richtigkeit der dem Bräutigam hinterbrachten Nachricht ergab, worauf dieser die Braut aus dem Hause jagte. Den Verwandten der Braut wurde abtelegraphiert, während diejenigen des Bräutigams erschienen und nach besten Kräften versuchten, die für den Hochzeitsschmaus aufgestapelten Vorräte zu verringen. * Alter schützt vor Thorheit nicht. Der 69 Jahre alte Steuerbeamte Alexander Zunder, der bis vor neun Jahren in einer Stadt am Rhein angestellt war, seitdem im Ruhestand lebte, und seit einem halben Jahre in Berlin ein möbliertes Zimmer bewohnte, war hier anfangs ein ganz solider Mann und bezahlte alles pünktlich. Seit drei Monaten aber blieb er Miete und Stoſtgeld schuldig. Von seiner Monatspension von 50 Mr. hatte er jedesmal schon nach wenigen Tagen keinen Pfennig mehr. Da er nicht trank, so konnte man sich nicht erfären, was er mit dem Gelde anfing, bis man erst vor wenigen Tagen erfuhr, daß er zwei„ Bräute" hatte, denen er Geschenke machte. Als in der vorigen Woche die eine ihren Geburtstag feierte, mußte er Uhr und Kette versetzen, um ihr eine Aufmerksamkeit zu er weisen. Als dann auch die 40 Mk., die er vom Pfandleiher erhalten hatte, aufgebraucht waren, flagte er vorgestern seinem Wirt:„ Nun habe ich kein Liebchen mehr auf dieser Welt und auch kein Geld mehr. Uhr und Kette sind auch weg. Was soll ich nun noch länger hier? Am andern Morgen fand ihn der Wirt, der ihm den Koffee bringen wollte, als Leiche wieder; er hatte sich an einem Kleiderhaken erhängt. * Politik in der Kinderstube. In Leipzig erscheint ein„ Der Hauslehrer, Wochenschrift für den geistigen Verkehr mit Kindern" betiteltes Blatt, das sich felt samer Weise auch mit Politik beschäftigt. Die soeben erschienene Nummer 24/25 enthält neben einem stack politisch gefärbten Artikel über den König von Sachsen auch einen„ Die Polengefahr" betitelten Aufsatz, in dem regelrechte Scharfmacherei betrieben wird. In welcher Weise dieses geschieht, erhellt u. A. aus dem classischen Sage: Laß polnische Kinder gern mitspielen, nur nicht soviel, daß mehr Polen als Deutsche beim Spiel sind!" Das hat noch gefehlt, daß so etwas im geistigen Verkehr mit Kindern" getrieben wird. Solche Kinderfreunde sind falsche Freunde. Politik verdirbt den Erwachsenen den Charakter, um wie viel leichter den Kindern. * Eine interessante Streitfrage, die durch die Einführung der 45 tägigen Rückfahrkarten besondere Bedeutung erlangt hat, ist vor einiger Zeit von der Bahnbehörde entschieden worden. Es handelt sich um die Frage, ob für ein Kind, das zwar vor Antritt der Fahrt noch nicht zehn Jahre alt war, dieses Alter aber erreicht, ehe die Rückfahrt begonnen worden ist, das Fahrgeld für Kinder oder für Erwachsene entrichtet werden muß. In dem vorliegenden Falle war dem Vater des betreffenden Kindes von der Heimatsstation ein Kinderbillet verabfolgt worden. Auf der Rückfahrt das Kind war inzwischen zehn Jahre alt geworden - ergaben sich Schwierigkeiten, und der Vater des Kindes wurde zur Nachzahlung veranlaßt. Auf eine später an die Eisenbahndirektion gerichtete Reklamation, die auch dem Ministerium vorgelegen hat, wurde ihm das nachverlangte Geld zurückerstattet mit dem Bemerken, daß für die Beurteilung des Alters den Tag des Fahrtantritts in Betracht komme. An dieser Bestimmung der Verkehrsordnung si bei Einführung der Rückfahrkarten mit 45tägiger Daner nichts ge= ändert worden. * Der Storch hinter den Coulissen. Aus einem eigenartigen Anlasse mußte am Samstag eine Vorstellung in Berlin abgebrochen werden. In einem Etablissement des Nordens feierte ein Vergnügungsverein sein Stiftungsfest. Natürlich durfte dabei auch die obligate Theateraufführung nicht fehlen. Eine der Hauptrollen ag, da man ein anderes dazu geeignetes Vereinsmitglied nicht fand, in den Händen der talentirten Gattin des Plempnermeisters W. Die Dame hatte sich zwar anfangs Dagegen gesträubt, weil sie in längerer Zeit den Besuch es Storches zu erwarten habe, allein man wußte ihr Jedenken derartig zu zerstreuen, daß sie sich zur Mitpirkung bereit erklärte. Am Samstag- Abend wurde Frau W. während der Festvorstellung von einem Unohlsein befallen, so daß der Vorhang niedergehen ußte. Dreiviertel Stunden nach dem Fallen des Voranges hatte ein Knäblein das Licht der Welt erblickt. as freudige Ereignis trat um so unerwarteter ein, Is der junge Erdenbürger fahrplanmäßig erst zwei Jugendkest. Die für das diesjährige Jugendfest vorgesehenen sieben sirtschaftspläße im Philosophenwald nebst einem an einen onditor abzugebenden Platz für Verabreichung von Kaffee id Gebäck sollen auf dem Wege der Submission vergeben erden. Bedingungen und Angebotsformulare fönnen im Knabenulhause an der Nordanlage, Zimmer Nc. 2, am 25. und 1. Juli, vormittags von 10 bis 11 Uhr, in Empfang ge= mmen und der daselbst aufliegende Plan eingesehen werden, selbst auch die Angebote abzugeben sind. 45 Angebote nach dem 26. Juli bleiben unberücksichtigt. Gießen, den 22. Juli 1902. Der Fest- Ausschuß: Mecum, Bürgermeister. | Monate später hätte erscheinen dürfen. Frau W. wurde| mittels Droschke nach einer Klinik gebracht. Ihr Zustand ist sehr besorgniserregend. Die behandelnden Aerzte sind der Ueberzeugung, daß die Aufregungen des Spiels und der damit verbundene Toilettenzwang das Vorkommniß verschuldet haben. Ein Automobil vom Bliz zertrümmert * Budapest, 21. Juli. Der preußische Ingenieur Robert Hilbert unternahm mit seinem Kollegen Adolf Buschwitz eine Automobilfahrt. Während derselben wurden sie von einem heftigen Gewitter überrascht. Der Blizz schlug in das Automobil ein, dessen Benzin- Reservoir im nächsten Moment explodirte. Buschwitz wurde auf der Stelle getödtet, Hilbert erlitt lebensgefährliche Verlegungen. * Die prüde Dame. Eine der ersten Jugendblüte entwachsene ledige Dame, die von der englischen Presse sehr ungalanter Weise alte Jungfer" genannt wird, nahm ihren Sommeraufenthalt in dem bekannten Seebade Yarmouth. Vor einigen Tage führte sie nun bei den Stadtvätern Klage, daß ein Herr gerade ihrem Fenster gegenüber um fünf Uhr Morgens sein Seebad genommen habe. Der Stadtrat schrieb dem betreffenden Herrn, und dieser entschuldigte sich damit, daß er geglaubt habe, zu so früher Stunde unbeanstandet sein Bad in der verpönten Zone nehmen zu können. Er werde aber fünftig eine( engl.) Meile weiter baden, um feinen Anstoß zu erregen. So that er auch. Am Sonnabend erhielt aber der Stadtrat zu seiner Ueberraschung eine neue Beschwerde seitens der prüden Dame, in der es hieß: „ Der Mann, über den ich mich beklagt habe, badet jetzt schon um vier Uhr Morgens eine Meile oberhalb der Stadt, wo ich ihn aber immer noch ganz deutlich mit einem Fernrohr seben fann." Die Dame ist nun schwer beleidigt, da ihr empfohlen wurde, entweder eine Stunde länger der Ruhe zu pflegen oder aber ihr Fernrohr nach einer anderen Himmelsrichtung hinzuwenden. ein, auf welchem sich 12 Arbeiter befanden. 9 wurden * Paris, 21. Juli. In Nieul stürzte ein Gerüst tötlich, 3 leichter verletzt. * geteilt: Zwei Polizisten verfolgten am Freitag einen Folgender Spitzbubenstreich wird aus Paris mitTaschendieb, den sie am Omnibusbureau der Rue Drouot ertappt hatten. Es war ein flinker Bursche, der mitten in der Rue Rochechouart plötzlich vor den Augen der beiden Beamten verschwand. Diese sagten sich, er müsse in einem der Häuser sich versteckt haben, und stellten sich daher auf die Lauer. Der Bursche war inzwischen in eine Badeanstalt getreten und erfrischte sich in der fühlen Flut. Er fürchtete indeß mit Recht, daß die fühlen Flut. Er fürchtete indeß mit Recht, daß die Polizisten ihm noch immer auflauerten. Er mußte sich also unkenntlich machen, um sich fortschleichen zu können. Er drang nun in die Kabine cines anderen Badenden, zog dessen elegante Sommerkleidung an und ging stolz und ruhig an den beiden Polizisten vorüber, die in ihm den zerlumpten Dieb nicht wieder erkannten. Als aber einige Minuten später der Besitzer der eleganten Kleidung das Bad verlassen wollte, geriet er in furchtbaren Zorn, als er statt seiner Kleidung die schmutzige Hülle des Taschendiebs in seiner Kabine aufgehängt fand. Der Besitzer dr Badeanstalt bot ihm Ersatz für die gestohlene Kleidung an, bat ihn aber, um Aufsehen zu vermeiden, die Lumpen des Taschendiebes anzuziehen, um sich entfernen zu können. Dem Aermsten blieb schließlich auch nichts anderes übrig. Kaum war er aber auf derStraße, als die Beamten, die ihn für den Taschendieb hielten, ihn beim Stragen faßten und auf die Wache Pflichtfeuerwehr. Donnerstag den 24. Juli d. J., abends 8.30 Uhr im Turmhause am Brand: führten. Hier klärte sich natürlich der Sachverhalt bald auf. Den Taschendieb hat man aber noch nicht bekommen. hier ungeheuren Schaden angerichtet. Die Weinberge * Constantine, 21. Juli. Die Heuschrecken haben und große Strecken Ackerland sind vernichtet. Moderne Schlachthaustechnik. In welcher außerordentlichen Weise die Technik in den Schlachthäusern Chicagos ausgebildet ist, davon giebt folgende Schilderung eines englischen Blattes einen Begriff. Auf den Chicagoer Viehhöfen werden von mehreren der ersten Firmen 5000 bis 6000 Mann in den Schlachthäusern beschäftigt. Ein großer Teil der Arbeit wird durch Maschinen geleistet und die Arbeitseinteilung ist äußerst entwickelt. Zwanzig Mann werden gebraucht, um einen Ochsen zu schlachten, und fast ebensoviel sind bei einem Schaf oder Schwein beschäftigt. Jeder vollführt seine Arbeit halb mechanisch. Das Niederwerfen, Bluten, Abziehen und Zerlegen eines Ochsen dauert nur 39 Minuten, für ein Schaf werden 30 bis 34 Minuten gebraucht. Einige Firmen tödten und richten Schweine. Die Schweine werden jetzt mechanisch durch her in einer Stunde 300 Ochsen und 700 Schafe oder Douche gekühlt. Wenn sie quikend den Todesraum betreten, gehen sie unter einem großen Rade mit herabhängenden Ketten vorbei. Ein untenstehender Mann ergreift einen Huf, befestigt eine Kette, und das Rad zieht das Tier hoch und bringt es zu einem Haken mit schrägen Riegeln. Die Schwerkraft trägt das Tier zu einem Mann, der seine Gurgel schlitt; in jenem Augenblick drückt es einen elektrischen Knopf, der den Tod im Komptoir registriert. Durch sein Eigengewicht kommt es in ein heißes Bad, eine sich umdrehende Schaufel wirft es wieder hinaus, und es geht zu einer wunderbaren Schabmaschine. Auf dem Schlächtern vorbei, die es föpfen, spalten usw. Die Querholz fommt das Schwein nacheinander bei sechs getrennten Seiten kommen auf verschiedenen Wagen weiterem Zerlegen auftauchen. Die Rinder werden in ins Kühlhaus, aus dem sie einige Stunden später zu Hürden niedergeworfen, dann auf Riegel gehängt, von wo sie zu zwölf Abteilungen gelangen, in denen sie gespalten, gereinigt, zerlegt und gekühlt werden. Ein Mann schneidet den ganzen Tag nur Köpfe ab, ein anderer schneidet nur Zungen heraus, einer schneidet Hufe ab, ein anderer die Haut. Jeder Teil wird sorgsorgfältig gesammelt und gebraucht; der Gewinn von den letzteren beträgt im Laufe eines Jahres eine bedeutende Summe. Hochschulnachrichten. Das Prorektorat der Universität Jena geht am 1. Okt. Prof. Dr. A. Schulze über. Als Lettor der franvon Gh. Hofrat Prof. Dr. Göz auf Oberlandgerichte rat zösischen Sprache ist zum nächsten Semester Herr Leon berufen worden. Desdonits, Licencié des lettres, aus Versailles hierher Gestorbene. Am 21. Juli: Karl Ludwig Strauch, 45 Jahre 6 Monate alt, Eisenbahn- Betriebssekretär dahier. Desinfektionsmittel aller Art 01000000 Salicylstreupulver. Taschen- u. Reiseapotheken. Mittel gegen Wanzen, Motten, Uebung der 3. und 4. Rotte. Schwaben u. Gießen, am 18. Juli 1902. Traber, Branddirektor. dergl. Insektenstifte. Nr. Abonnement in's Haus gebr for Gratisbeilager Oberbeffifche Gartenbau, Das Blatt e für S Der Le Die g Verlauf die für die d Schmerzliche Mahnung diefer Ban und so M Vermögen gemacht. 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