leine möbl. Stabe mieten. Weidengajje 12. 15. Auguft eine Wohnung mieten. Nr. 193. Zweites Blatt. Donnerstag, den 21. August 1902. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 150. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Gießener 11. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362. Nenelle Nachrichten Seltersweg 14. schöne Mansarden. hnung zum 1. Septem ermieten. Bahnhofftr. 62. furterstraße 31 Mansardenwohnung, be 18 5 Zimmern, Küche 2. oder per 1. September ten. 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Ueber seinen Nachfolger ist noch nichts bekannt. - Der Verband der kath. Studentenvereine Deutschlands hält anläßlich der 49. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Mannheim mehrere Verbands- Festlichkeiten ab. - Göttingen. Besonders im letzten Semester hatte es sich mehrfach ereignet, daß Studenten um geringfügiger Differenzen willen diese durch Säbelmenfuren zum Austrag brachten. Dem wollen die akademischen Behörden energisch steuern, wie aus einer Verfügung des Rechtspflegeausschusses hervorgeht. In dem Schriftstück, dessen Inhalt jedes vernünftigen Menschen Beifall finden muß, heißt es:„ Es ist wiederholt zu unserer Stenntnis gekommen, daß die grobe Unsitte der Säbelmensuren auch an unserer Hochschule bedauerlich im Schwange ist. Wir sind entschlossen, dem Leichtsinn energisch zu wehren, der geringfügige studentische Ehrenhändel der Entscheidung durch schwere Waffen unterwirft, und wir warnen die Herren Studierenden dringend vor den Folgen einer Handlungsweise, die sich mit der gesunden Ordnung akademischen Lebens nicht vereinigen läßt. Der Privatdozent Dr. Georg Sultan an der medizinischen Fakultät ist von der Regierung durch Verleihung des Titels Professor ausgezeichnet worden. In Freiburg habilitierten sich der Kustos der dortigen Universitätsbibliothek Dr. E. Eckhardt für englische Sprache und der Assistenzarzt an der chirurgischen Klinik Dr. Perz für Chirurgie. berg, Großen- Bujed n, Lich, Lindenstrupt Winnrod, Wigma nner unferer Zeitung Berlag 28. - - Prof. Dr. D. Schäfer in Heidelberg lehnt die Berufung nach Berlin ab. Als Nachfolger Gerhardts in Berlin nennt die„ Kreuzztg." Dr. Kraus in Graz. Der Wiener Universitätsprofessor Gruber hat die Berufung auf den Lehrstuhl für Hygiene nach München als Nachfolger Pettenkofers angenommen. - Zum Streit der Klerikalen in Frankreich gegen die Regierung. In Saint Méen hat die Volksmenge das dem Grafen d'Estournelles gehörige Schloß Graans angegriffen. Die Dienerschaft wurde gefesselt und das Innere des Schlosses verwüstet. Paris, 20. August. Unter Vorsitz von Francois Coppée und der Baronin Neille fand gestern in Protest meeting statt. Am Schluß einer Ansprache forderte Coppée die zahlreich erschienen Zuhörer auf, die Steuerzahlung zu verweigern. Der Kabinettschef hat ein Schreiben des Grafen Oz hier erhalten, worin dieser mitteilt, daß er entschlossen sei, feine Steuern mehr zu bezahlen und sich schlimmsten Falls mit der Waffe in der Hand verteidigen werde. Die wahren Ursachen der gegenwärtigen ,, Kirchen berfolgung in Frankreich sind entdeckt; das Organ der flerifalen Republikaner der„ Univers" beweist es flipp und klar, daß Niemand anders hinter ihr stede als ttt der Teufel. " Wenn man die Ereignisse, die sich vor unsern Augen abspielen, in dem Lichte betrachtet, das von oben kommit, so werden sie alsbald sehr einfach und flar erkennbar. Man entwirrt dann leicht aus ihnen die tiefere Ursache und kann ohne Mühe auch ihren tröstenden Ausgang voraussehen. Das H. Herz wollte, indem es sich Frankreich offenbarte( vor den Augen der selig gesprochenen Marie Alocoque), daß unsere Nation sich ihm ganz hingebe und es in der ganzen Welt verbreite.. Es wäre aber entgegen der Geschichte alles religiösen Fortschritts gewesen, wenn diese herrliche Entfaltung( der nationalen Verehrung des h Herzens in Frankreich) nicht in der Hölle einen Ausbruch wahnsinniger Wut erregt hätte. Jedes Werk der Vorsehung muß, ehe es zum Siege gelangt, seine Feuerprobe bestehen, und der Schöpfer hat vor der menschlichen Freiheit eine so hohe Achtung, daß er sie manchmal seine eigenen Absichten hemmen läßt. Es wäre entgegen allen Voraussag ungen unseres Herrn Jesus Christus selbst, wenn die bon seinem göttlichen Herzen gemachten Groberungen feinem Hindernis begegneten und feinem Hemmnis unterlägen. Die selige Margarete Marie, seine Botin und sein Apostel, hat es förmlicherweise angekündigt, daß der Fortschritt der Verehrung des Herzens Jesu Noch mehr! in dem Heere des Teufels eine furchtbare Wut erregen und das der Teufel, um seinen Triumph zu hindern, sogar die Welt umzustürzen versuchen würde. Das ist die Wut, die wir heute entfesselt sehen. Niemandem, der noch an das Ülebernatürliche glaubt, ist es gestattet, zu verkenneu, daß ein bemerkenswerter Zusammenhang zwischen diesen freimauerischen Gewaltthaten und dieser Blüte der Herz- Jesu- Verehrung besteht. Aber wir wissen auch, daß der schließ liche Sieg dem Herzen Jesu gehört. Wie der Kampf, so ist auch der Triumph von der Jungfrau v. Paray voraussagt worden. Es wird herrschen, sagte sie als Werkzeug der göttlichen Offenbarung, trotz des Teufels und seiner Helfershelfer." Nun wissen die bretonischen Bauern, wogegen sie ihre Heugabeln schwingen. Giessener Cagesneuigkeiten. ** Die abnormen Temperaturverhältnisse dieses Sommers, vor allen Dingen die häufigen Niederschläge und die anhaltend niedrige Temperatur sucht der bekannte Astronom Flammarion in den großen Massen Treibeis im atlantischen Ozean zu erklären. Diese Anficht wird neuerdings durch dänische Schiffsoffiziere bestätigt, die während der Reise über den Ozean unter empfindlicher Kälte zu leiden hatten. Die Ursache dieser Kälte ist in den großen Massen von Polareis zu suchen, das in diesem Sommer weit südwärts in den Atlantischen Ozean hineingetrieben ist. ** Die Zwanzigpfennigstücke aus Nickel wollen noch immer nicht aus dem Verkehr verschwinden. Im nächsten Jahre werden sie außer Kurs gesetzt werden, weshalb dem Publikum empfohlen wird, diese Münzen schon jetzt zu Zahlungen an die Reichs- und Landesfassen zu verwenden. Bom Petroleummarkt wird uns Folgendes geschrieben: teresse daran haben, seinen inländischen Handel zu Gunsten einer größtenteils ausländischen Aktien- Gesellschaft vernichtet zu sehen. Zum Schluß sei darauf hingewiesen, daß seitdem die D.-A. P.- Gesellschaft die Konkurrenz der Seepläge be seitigt und ihre Tantanlagen in allen zu Schiff erreichbaren größeren Binnenpläßen hat, die Preise für Petroleum trob vermehrter Produktion nicht billiger, sondern vielmehr teurer geworden sind, womit auch die hohen Dividenden, welche diese Gesellschaft nach den Zeitungsberichten seither verteilt hat, zusamenhängen mögen, während sich der Engros- und Detailhändler mit einem vielfach recht geringen Nußen begnügen müssen. ―rr. Aus Hessen und Nachbargebieten. - - ** Mainz, 19. Aug. Zwölf Arbeiter der Gastell' schen Waggonfabrik haben sich dieser Tage zum Besuch der Ausstellung nach Düsseldorf begeben und zwar- auf Kosten der Fabrikbesizer. Jeder der Arbeiter- 18 folgen noch erhält 85 Mr. In einer angesehenen Familie wurde dieser Tage die Hochzeit eines Angehörigen gefeiert und dabei wurden auch Pilze aufgetischt. Alle Hochzeitsgäste sind nun nicht unerheblich erkrankt. Die Aerzte glauben, daß die Pilze daran schuld find. ** Mainz, 19. Aug. Die hiefige Straftammer verurteilte den Küfer Michael Schmitt von Büdesheim wegen Grabschändung zu 1 Monat Gefängnis. Der Frevler hatte in angetrunkenem Zustande auf dem Grabe eines Baumeisters einen Nosenstock herausgerissen. ** Vom Main, 19. Aug. Beim Bau der Wasserleitung in Untersambach wurde der 20 jährige Installateur J. Mehlstaub von einstürzenden Sandmassen ver. schüttet. Der junge Mann wurde als Leiche herausgegraben. ** Weisenau, 19. August. Nach zweijährigem Aufenthalt in China kehrte endlich der Jäger zu Pferde Franz Weiß wohlbehalten hierher zurück. ** Brezzenheim, 17. Aug. Vom 9.- 16. Auguft famen hier 62,794 Mäuse und 503 Hamster zur Ablieferung. Da aus der Gemeindekasse für eine Maus 1 Pfg. und für einen Hamster 10 Pfg. vergütet wurden, so famen 678 Mt. 24 Pfg. zur Auszahlung. ** Odernheim, 19. Aug. Ich schieße dich tot", sagte im Scherz der Landwirt Balz dahier zu seiner Frau und zielte dabei mit einem Revolver auf dieselbe, den er für ungeladen hielt. Da frachte ein Schuß, und in's Herz getroffen brach die Frau tot zusammen. Erst am Sonntag hatte das Ehepaar das Tauffest seines ersten Sprößlings gefeiert. ** Gau- Odernheim, 19. August. Die Ehefrau des Bahnarbeiters Balz, seit 8 Wochen verheiratet, hantierte gestern mit einer geladenen Pistole. Plößlich krachte ein Schuß und die Frau sank ins Herz getroffen zusammen. Sie war nach einigen Augenblicken eine Leiche. * - Gegenüber dem von Ihnen unterm 18. August in Ihrer Zeitung gebrachten Artikel betreffend Errichtung von Tankanlagen der deutsch- amerit. Petroleumgesellschaft wird von einer Seite, die sich zunächst zur Wahrung ihrer eigenen Interessen berufen hält, eine der mitgeteilten gerade entgegengesezte Änschauung geltend gemacht, die den Standpunkt weiterer Kreise vertritt. Wenn in oben erwähntem Artikel gesagt ist, daß die Agitation gegen die Bassin- Anlagen der D.-A. P.- Gesellschaft nur die Wahrung der eigenen Interessen und nicht das Algemeinwohl im Auge habe, wenn der ehrliche Kampf für die eignen Interessen anerkannt und vom Standpunkt der Geschädigten nur bedauert wird, daß der Kampf ein unnüßer sei, weil nicht gegen eine Person, sondern gegen ein System gerichtet, das System der Ausschaltung des Zwischenhandels und möglichst direkter Versorgung des Konsums,( soll hier zunächst des Engroshandels heißen), so läßt sich dagegen doch Vieles einwenden. Zunächst die Frage: Veranlaßt die Deutsch A.-P.-G. bei ihrem Vorgehen wohl das Allgemeinwohl** Bingen. Die Hebungsarbeiten an dem bei Aßmannsmehr als das eigene Interesse? Hat die große Aktiengesell- hansen gesunkenen Schleppkahn,„ Gertrud Sybilli“ sind mißschaft den Kampf mit dem Engroshandel wohl begonnen, um lungen. Der Dampfer wird gesprengt. In verschiedenen zunächst den Detailhandel und sodann die Konsumenten mit Weinbergen der hiesigen Gemarkung ist der Sauerwurm aufrecht billigem Petroleum zu versorgen? Verkauft sie deshalb getaucht. an Blägen, wo sie sich einführen will, bei kleinen Wochenlieferungen billiger, als sie an denselben Plägen dem Engroshändler bei großen Mengen abgiebt? Hat sie auch das Allgemeinwohl im Auge, wenn sie dem Detailhändler die Gefäße unentgeltlich leiht, aus denen er später nur ihr Petroleum verkaufen darf; der vielen anderen Unkosten nicht zu gebenken die sich die Gesellschaft zur Erreichung ihres Bwecks macht? Will sie etwa hierdurch nur die Konkurrenz russischer, rumänischer, österreichischer, oder auch anderer amerikanischer Delgesellschaften bekämpfen? Zu diesem Zweck haben bisher gute Ware und reelle Preise genügt. Offenfundiger ist doch die Absicht, alle in- und ausländische Konfürrenz zunächst durch Unterbietungen zu beseitigen, um für sich ein Monopol zu erwerben, nach dessen Erlangung die zunächst gebrachten Opfer jedenfalls reichlich wieder zurück gewonnen werden sollen. Dies ist ohne Zweifel auch die Anschauung der Handelskammern und Staatsverwaltungen, die sich seither den deutsch- amerikanischen Anschauungen nicht geneigt zeigten. Unverständlich aber ist es, welche Macht und Einfluß der Staat auf die Gesellschaft haben soll, nachdem er derselben sein Gelände überlassen und durch ruhiges Geschehenlassen zur Förderung ihrer Absichten beigetragen hätte. Mit dem Staat dürfte dann die Gesellschaft ein leichteres Spiel haben, als mit dem Engroshandel und den Handelskammern. Auch kann der Staat tein InKoblenz, 15. Auguft. Ueber den schon gemeldeten Radfahrer- Unfall bei Stoblenz berichtet der „ oblenzer General- Anzeiger":" Ein fremder Nadfahrer fuhr in größter Geschwindigkeit den steilen Hayerweg hinunter. Oberhalb der Häuser, an der ersten Kreuzwegstation, verlor er die Herrschaft über sein Rad, schlug links gegen die Mauer, flog dann gegen den dort be findlichen Gartenzaun, wo er sich die Schädeldecke einstieß und gleichzeitig das Genick brach. Ein Mann von hier sprang sofort herbei, um ihm Hilfe zu leisten. Dr. Käufer, der ebenfalls sofort zur Stelle war, konnte nur noch den inzwischen schon eingetretenen Tod feststellen. Bei Durchsicht der Sachen stellte man fest, daß der Verunglückte aus Münster in Westfalen stammt und zur Zeit mit seiner Frau in Bfaffendorf zur Sommerfrische weilt. Er hatte einen Geldbetrag von etwa 400 Mark bei sich. Gegen 2 Uhr traf seine Frau, die man telegraphisch benachrichtigt hatte, hier ein. Das Wiedersehen der Frau mit ihrem leblosen Manne, der sie heute Morgen noch geſund und munter verlassen hatte, um einen Bekannten in Rübenach zu besuchen, war ein herzzerreißendes. Dr. Käufer brachte die bedauernswerte Frau ins Hotel Zillien und nahm auf ihren Wunsch eine Instandsetzung der Leiche vor. Der Name des Ver unglückten ist Striegsgerichtssekretär Wiese. Das Denkmal in der Sachsenklemme. Dort, wo sich im schönen Land Tyrol für den vom Norden kommenden Reisenden, wenn ein Zug die Brennerhöhe passiert hat, das bisher liebliche Thal verengt und in himmelragender Höhe die mit düsterem Nadelholz bewaldeten Berge sich zusammenschließen, daß kaum mehr für den Eisack, die Bahn und die altberühmte Brennerstraße Raum bleibt, haben am 4. und 5. August 1809, vor nun mehr als 93 Jahren, jene geschichtlich denkwürdigen Kämpfe stattgefunden, welche als der dritte Tyroler Aufstand bekannt sind. Zur Erinnerung an jene Tage, nicht als Zeichen des Sieges über die heutigen Verbündeten, wurden an der Stätte des damaligen Kampfes Dentzeichen errichtet, welche am 15. August in Anwesenheit von 1400 bayerischen Veteranen, Vertretern von über 50 Vereinen des bayerischen Kampfgenossenbundes und etwa 60 Tyroler Schüßen-, Veteranenund Reservisten- Kompagnien mit etwa 1900 Mann enthüllt wurden. Das eigentliche Denkmal, welches die Stelle bezeichnet, wo die Kämpfe begannen, ist ein etwa 8 Meter Mill KHAYI Denkwal der Sachfenklemme. K hoher, aus Granit( jenem Steine, aus welchem die Felsen der Sachfenklemme bestehen) gemeißelter Obelist, dessen Sockel in prächtiger Ausführung die Bronzewappen von Desterreich, Tyrol, Sachsen und Bayern und Inschriften zu Ehren der Tyroler, welche siegreich in den Tod gingen, zum Andenken an die heldenmütigen bayerischen Krieger und zum Gedächtnis der tapferen Sachsen trägt. Thalabwärts bei Oberau ruhen unter 3 mächtigen Kastanienbäumen zwei Brüderpaare, die ein tragisches Geschick am selben Tage der Heldentod sterben ließ: die Kapitäne Wilhelm von Schierbrard und Emil von Höning und die Setondeleutnant Gustav v. Höning und v. Schierbrand, welchen nun gleichfalls ein Denkstein errichtet wurde. Das Sachsenkreuz am sogenannten Sachfenacker, wo gegen 200 Thüringer begraben liegen, wurde neu errichtet und am Gasthofe in Unterau, dem Endpunkte der Sachsenflemme, eine Gedenktafel angebracht. Vermischtes. * Berlin. Der seiner Zeit mit 55 530 Mr. flüchtig gegangene Kassenbote Wagner wurde am Samstag zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt. * Berlin, 19. Aug. Letzte Nacht fand im Charlotten burger städtischen Familieno bdachhause eine blutige Schlägerei statt. Ein Ehepaar wurde derart zugerichtet, daß es ins Krankenhaus geschafft werden mußte. * Ein Berliner Barbier- Herr, der Gehilfenlohn sparen wollte, hat seine Tochter und Frau nach langem, gründlichem theoretischen und praktischen Unterricht in die Kunst des Rafirens eingeweiht, und nun üben beide mit Geschick ihre Kunst aus. Die jungen Leute strömen aus dem ganzen Norden herbei, um von zarten Händen rasirt zu werden was für Berlin den Reiz einer Neuheit hat, in Böhmen und Ungarn aber ebenso wie in Skandinavien gang und gäbe ist. Schönhausen, 15. August. Zur Affäre Dr Wothe. Jahrelang und gewerbsmäßig hat Dr. Wo the aus Schönhausen, über dessen Flucht wir schon berichteten, seine verbrecherische Thätigkeit( Verbrechen gegen das feimende Leben) betrieben. Nicht weniger als 240 Fälle find zur Anzeige gebracht. Wie verlautet, hielt sich W. zeitweise in Magdeburg, Halle a. d. S. und anderen Städten auf, um dort seine weisen" Ratschläge zu erteilen. Die Untersuchung soll weite Kreise ziehen und man darf auf einen Sensationsprozeß gespannt sein, wenn es der Behörde gelingt, des Wothe habhaft zu werden. " 1 * Düsseldorf, 17. August. Ueber die Abfahrt des Kaisers von Düsseldorf schreibt die„ Köln. 3tg.": Als das Kaiserschiff unter dröhnenden Böllerschüssen in in die Höhe der Ambachschen Badeanstalten kam, setzten fich an hundert Schwimmer in Begleitung von Nachen in Bewegung und boten im Vorbeischwimmen dem Kaiser aus dem Wasser auf Kommando ein kräftiges Gut Naß. Hurrah!" Der Kaiser schten über btesen auch ihm wohl selten begegnenden Schwimmparademarsch sehr erfreut und winkte den wadern Schwimmern freundlich zu, die die Wacht am Rhein fingend bald entschwanden. Trier, 19. Aug. Gestern wurde einem jungen Mann vom Zuge der Kopf abgefahren. In Osann wurden durch Blitzschlag 5 Häuser zerstört. * Vom Besuch des Kronprinzen in Hohwald im Elsaß wird folgende Szene mitgeteilt: Zwei Damen hatten die Absicht, den Kaisersohn zu photographieren, fanden aber nicht den Mut dazu. Der Kronprinz ahnte die Absicht, photographierte nun seinerseits die Damen, worauf er seine Müge zog und lachend sagte:„ Bitte, jetzt komme ich an die Reihe." Die Aufnahme geschah. ** Karlsruhe, 18. August. Als heute Vormittag 10 Uhr 42 Minuten der Paris- Wiener Schnellzug den hiesigen Hauptbahnhof verließ, fuhr ihm eine Rangiermaschine in die Seite. Der direkte Wagen AvricourtMünchen wurde vollständig aus dem Geleise gehoben. Ein Personenwagen wurde zertrümmert. Der Schaffner Romacker wurde schwer verletzt. Von den Reisenden hat Niemand Verletzungen erlitten. * Ein herrenloses Klavier. Es ist bekannt, daß die mannigfaltigsten Gegenstände in Verlust geraten oder irgendwo Jahre hindurch herrenlos liegen bleiben; daß dies aber auch bei einem Klavier vorkommen fann, bleibt immerhin merkwürdig. Auf dem Wiener Bahnhofe der Eisenbahn Wien- Aspang ist seit 6 September 1901 ein Klavier( deutsche Fabrikmarke) herrenlos, und es ist der Bahnverwaltung bisher nicht gelungen, den rechtmäßigen Besitzer ausfindig zu machen. * Neue Erklärung. Vor einigen Tagen, so schreibt man den„ M. N. N.", stand ich spät abends auf dem Perron des Münchener Zentralbahnhofes und wartete auf einen Zug. Zwei Bauern standen in meiner Nähe. Ein Zug fuhr in die Halle. Da ziemlich rasch und fest gebremst wurde, schleiften einige Räder auf den Schienen, wodurch liebliche Töne entstanden: die Räder jauchzten gleichsam aus Freude, wieder in München zu sein. Aus dem Genuß dieser Symphonie wurde ich durch ein Gespräch der beiden„ Luftg'selchten" aufgeschreckt. Du, Seppi, do schau her, was der Zug für a Musi macht."„ Ja woaßt, Barthel, des dean ( thun) solchene Züg allewei; zwegn dem nennt ma's ja a ( auch) Harmonikazüg." - * Der Fall Löhning auf dem Brettl. Im„ ,, Kaisergarten in Bosen tritt gegenwärtig mit großem Erfolge der Humorist Hans Heimer auf. Dieser trägt u. a. auch ein humoristisches Potpourri vor, das folgende Strophe enthält: Zur Heirat will sich niemand gein bequemen. Denn sehr ristant ist's, sich ein Weib zu nehmen; Die Aussicht wird für Mädchen immer schlechter, Besonders aber für Feldwebelstöchter. Die Anspielung auf die bekannte Posener Affaire" wird bom Bublifum stets mit verständnisinnigem stürmischem Beifall aufgenommen. und Kutscher beschlossen heute den Streit vorläufig auf* Hamburg, 19. Aug. Die ausständigen Fuhrherren, zu heben. Kurz nach der Versammlung wurde der Betrieb wieder aufgenommen. * Sprottau, 19. Aug. Am Montag ging über Sprottau traf das städtische Oberforsthaus und richtete große Verund Umgebung ein schweres Gewitter nieder. Ein Blißstrahl wüstungen an. Die Frau des Försters wurde zu Boden geworfen und blieb mit Lähmungserscheinungen liegen. * Magdeburg, 19. Aug. Einen Doppelselbstmordversuch unternahmen in einem Gasthause an der Lübecker Straße der Sergeant Röder vom 27. Infanterie- Regiment und ein junges Mädchen, welches er für seine Schwester ausgegeben hatte. Die Persönlichkeit derselben ist noch nicht festgestellt. Beide funden, doch hofft man sie am Leben zu erhalten. Es handelt wurden mit geöffneten Pulsadern auf ihrem Zimmer ge= funden, doch hofft man sie am Leben zu erhalten. Es handelt sich anscheinend um ein Liebesdrama. * Ein Mord und Selbstmord wurde in Leipzig verübt. Gegen 6 Uhr drang der 45 jährige Schuhmacher Töpfer in die Wohnung der 36 jährigen Zeitungsträgerin Witwe Dieße, schoß die Frau nieder und richtete dann die Waffe gegen sich. Er ist kurz nach seiner Einlieferung im Hospital gestorben. Der Grund zu der Mordthat war verschmähte Liebe. * Klagenfurt, 18. August. Die Seethalhütte ist abgebrannt. Der Bächter, seine Frau und das Dienstpersonal sind sämtlich verbrannt. * Zürich, 19. Aug. Auf dem Trientiner(?) Gletscher ist ein Offizier des Forts Savatan verunglückt. * Wien, 18. August. Der bekannte Professor für Embryologie Dr. Schenk ist vergangene Nacht in Schwanen in Steiermark gestorben. Professor Schenk, * Nachstehendes Gedicht, das ein schlichter Mann zur Veröffentlichung gegeben, ist zwar nicht ganz funstgerecht, zeigt aber warme Empfindung und geschichtliches Verständnis. Kaiser Wilhelm's Rheinfahrt. Es geht eine alte Sage, Daß Sommernachts am Rhein Ein großer Kaiser wandle Bei hellem Mondeschein. Es ist dies Karl der Große, Der wandelt da am Rhein, Wann Trauben blüh'n und duften Am Berg bei Ingelheim. Jüngst ging der Kaiser wieder Den altgewohnten Gang, Da sieht er Freudenfeuer Und hört den Böllerklang. Und jauchzend hört er rufen: Heil Kaiser Wilhelm, Dir! Das schallt von beiden Ufern, Verwundert ist er schier. Da sieht ein Schiff er schwimmen, Ein Kaiser steht darauf, Dem gelten diese Stimmen, Die schallen bis hinauf. Hinauf bis an die Mauern, Wo stolz ein Schloß einst stand, Darin ein Kaiser thronte, Der große Karl genannt. Da spricht der große Kaiser: Wohl bist Du würdig mein, Bieh' Wilhelm ein in Frieden In's goldne Mainz am Rhein! * Ein Anzeigenduell fand, wie die„ K. A. 3." erzählt, fürzlich in Neuhaus a. Q. statt. Es erschienen die beiden folgenden Inserate: Warnung. Ich warne hiermit Jeden, meiner Frau auf meinen Namen zu borgen, da ich für die Schulden meiner Frau nicht hafte. Ziegler Wilhelm Hunstock, 3. 3t. Ziegelei Ahlf u. von Heyn, Bülkau. Erwiederung. Lieber Mann! Habe nur keine Angst, daß mir Jemand auf Deinen Namen etwas borgt, denn Dir borgt ja selbst Niemand etwas. Frau Marie Hunstock, 3. Zt. Dingwörden. * London, 18. Aug. Aus Kapstadt wird gemeldet: Die Barke Highfields stieß, als sie bei starkem Sturme in den Hafen einlief, mit dem deutschen Dampfer Kaiser" zu sammen. Die Barfe sant sofort. Der Kapitän, 2 Offiziere und 31 Mann der Besagung ertranfen. * Schwerer Unfall bei einem Festzug in Antwerpen. Als Huldigung für die Entwickelung des modernen Beleuchtungswesens hatte die Stadt Antwerpen einen großen Umzug veranstaltet. Unter den zahlreichen Festwagen befand sich einer, der besonders wirkungsvoll ausgestattet war und den Winter darstellen sollte. Ketten bunter elektrischer Lämpchen zogen sich um die Plattform des Gefährts, auf welcher fünf Damen in Kostümen unter einem Baldachin placiert waren. Plötzlich stand der ganze Wagen in Flammen. Vor den Augen des Publikums verbrannte die auffallend schöne Frau, welche die Wintergöttin repräsentirte, die vier anderen Damen erlitten schwere Verlegungen. Trok des fürchterlichen Eindrucks dieser schrecklichen Scene auf die Zuschauer segte der Festzug seinen Weg fort. Man sollte es kaum glauben, daß die Festleitung nach einem solchen Unglück den Festzug weiter passiren laffen konnte. Kairo, 18. Aug. Bisher sind 381 Pestfälle in Egypten fonstatiert worden. Gestern wurden 31 Fälle, darunter 21 mit tötlichem Ausgang festgestellt. In Alexandria hat sich gestern ein Fall ereignet. Im Ganzen befinden sich daselbst 9 Kranfe. Seit dem 7. August siud 229 Fälle, darunter 149 tötliche, in Kairo zu verzeichnen gewesen. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße Nr. 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern( Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 geöffnet. Angebot der Arbeitnehmer: 1 Buchbinder, 1 Heizer oder Steffelwärter, 2 Schreiner, 1 Schlosser, 1 Arbeiter, 2 Hausburschen, 6 Taglöhner, 2 Knechte, 1 Gärtner, 1 Maurer, 4 Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 1 Laufmädchen, 1 Näherin, 1 Kaufmann, 1 Expedient. Lehrlinge: 1 Spengler zu strengem Meister. Nachfrage der Arbeitgeber: 2 Glaser, 1 Wagner, 1 Schreiner, 1 Knecht, 2 Hausburschen, 1 landw. Arbeiter, 10 Dienstmädchen. Lehrlinge: 2 Bäcker. Die Ziehung der Haupt- und Schlußklasse der Landeslotterie, in der 14,000 Gewinne und 2 Prämien mit zusammen 5 Millionen 153,000 mark zur Ausspielung fommen, beginnt bereits am 22. August. Wer sein Los zur Schlußklasse, die ihrer großartigen Gewinnaussichten wegen als eine Lotterie für sich bezeichnet werden fann, noch nicht erneuert haben sollte, versäume daher nicht, solches zur Sicherung seines Anrechts an einen etwaigen Gewinn unter Zahlung des Erneuerungsbetrages umgehend noch zu thun. Athemwege im Handumdrehen fertig. un, wenn das fleine Leiden lange anhält und allwiederkehrt, dann dürfte nach und nach das Lunferen Jahren furzat zität einbüßen, Sie würden in ſpäStataras tann denn daraus werden?" Temperaturweden sind Sie auch nicht, und so ist ein en Gewebe an thmia Donnerstag, den 21. Auguſt 1902. Oberbelische Famil en Zeitun Nr. 193.