Nr. 216. Erstes Blatt. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1 50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Mittwoch ,, den 17. September 1902. Gießener 11. Jahrgang. Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernſprechaunschluß Nr, 362. Nenelle Nachrichten Neueste ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Was bieten die„, Giessener Neueste Nachrichten" ibren Lesern? Die„ Gießener Neueste Nachrichten" wollen zur politischen Aufklärung Jedermann beitragen und die Interessen aller Stände, vornehmlich die des gesamten Bürgerstandes und der wirtschaftlich Schwachen vertreten; sie dienen keiner ausgesprochen politischen Partet, aber weniger dem Interesse eines Einzelnen. порой Die„ Gießener Neueste Nachrichten" besprechen in zahlreichen Original- Leitartikeln und einer sorgfältig ausgearbeiteten politischen Rundschau die politischen und wirtschaftlichen Tages- und Zeitfragen in unabhängigem Sinne und Geiste. Täglich werden der Redaktion die wichtigsten Nachrichten aus aller Welt durch eins der größten Depeschen- Bureaus auf dem sichersten und schnellsten Wege übermittelt. Zahlreiche Korrespondenten aus dem gesamten Verbreitungsgebiete unferes Blattes teilen alles Wissenswerte in volkstümlicher und kerniger Form mit, decken vorhandene Mißstände auf und geben so ein interessantes und treues Spiegelbild des ländlichen Lebens.. - Im lokalen Teil werden die Tagesneuigkeiten zur Kenntnis gebracht, kommunale Fragen und Wünsche besprochen, die Erscheinungen des Vereinslebens registrirt, über die Stadtverordnetenjitzungen unterrichtet. Vorzügliche Romane, Feuilletons aus allen Gebieten, praktische Mitteilungen verschiedenster Art, allgemeiner Briefkasten bieten des Unterhaltenden und Belehrenden eine Fülle. In den Beilagen: Oberhessische Familienzeitung itung( täglich) kommen vorzügliche Romane und Packende Gedichte zum Abdruck, dabei ist für unsere Kleinen eine Rätselecke mit eingefügt. Die Giessener Seifenblasen( wöchentlich) sorgen für den nötigen Wig und Humor und in der Oberhessischen Zeitschrift für Landwirtschaft, Obstund Gartenbau( wöchentlich) finden unsere Landwirte und Gartenbesizer reiche Anleitungen und Belehrungen für die Bewirtschaftung ihrer Ländereien und für die Haltung aller nütlichen Haustiere; den schädlichen Tieren wird zur passenden Zeit ein Wort für deren Vernichtung und Bekämpfung geschrieben. Unablässig ist die Redaktion der„ Gießener Neueste Nachrichten" bemüht, den Kreis des Gebotenen zu erweitern, ausgehend von dem Gedanken, daß für das Volk nur das Beste gut genug ist. Man abonnirt für 60 Pfg. pro Monat bei freier Zustellung( incl. der drei Beilagen) bei unsern Trägern, in der Expedition, Gießen, Neuen weg 28, oder bei der Post. Die Redaktion der..Giessener neueste Nachrichten". dem Geseße in flikt gerathen konnte und hatte beschlossen, Renate person in Sicherheit bringen. giltigkeit, fie zeigte auch wenig Interesse für das Ereigniß, pernahm das Alles mit anscheinender Gleichganz Holmes in nerfetzt ihn auch noch aber etwas angekommen und wird einige Zeit dort verweilen." zögernd bei, mein Cousin ist glücklich in Amerika in der letzten Zeit; aber einer Sorge Gottlob, für den Augenblick überhoben," fügte er t" begann Renate noch nich fühlte sich bis ins Innerste bewegt. Von einem unwidereidung bot ein Bild unbeschreiblicher Verlassenheit. Paul ins Leere. Die gebeugte Gestalt in tiefer TrauerStuhl. Shre rechte Hand hing schlaff herab, ihre Augen Regungslos, blaß wie eine Leiche saß Renate auf ihrem itohlid urück und kniete an Gesicht der Scheu und Angst. Schmerz, der die Leute da quält. tritt leise auf, es wird fast nur im Flüsterton gesprochen, selbst die Bemeisten aus dem Publitum erzählen stumm von schwerem Kummer. Man burch den Raum, jeder sieht den andern von der Seite an, mit einem amten mäßigen ihre Stimmen gleichsam in instinktiver Scheu vor dem Both nicht. ,, Was liegt daran," möchte man all Denen zornig Die Thorheit verläßt den Menschen Wie ein stiller Seufzer geht es Du selbst nbriar missen, daß Ueber die hessischen Landtags- Wahlen schreibt die" Frff. 8tg." in ihrer gestrigen Abendausgabe: Das Großherzogtum Hessen steht kurz vor den Landtagswahlen, die Ende Oktober die zweite Kammer zur Hälfte erneuern sollen. Fast hatte es den Anschein, als ob den Neuwahlen eine Veränderung im Staatsministerium vorausgehen sollte; Staatsminister Rothe, so verlautete mit großer Bestimmtheit, sehe sich aus Gesundheitsrücksichten genötigt zurückzutreten. Es mag etwas an diesem Gerücht gewesen 1] Entlarvt. Roman von Moris Lilie. I. 39dedni Trad ( Nachbruck verboten.) Der Schloßherr von Roded. In einem mit allem Lurus, den Reichtum und Geschmack zu bieten vermögen, ausgestatteten Erferzimmer ſeines Schloſſes faß der Graf von Rodeck und schaute ernst und sinnend auf die Landschaft hinaus, die sich vor seinen Blicken ausdehnte. Sein Blick war umflort und eine düstere Wolfe lagerte auf der edelgeformten Stirn. Ein trüber, bleigrauer Februarhimmel lag über der Natur ausgebreitet, und öd und freudlos schien es auch im Herzen des Eigentümers dieses herrlichen Schlosses und der dasselbe umgebenden weiten Ländereien zu sein. Draußen im Vorzimmer lehnten zwei Diener in reicher Livree, der Befehle ihres Herrn gewärtig. Der eine von ihnen war im Dienste der Familie ergraut; fein Gefährte war weit jünger und erſt vor einigen Wochen angenommen worden. Leise flüsternd unterhielten sich die beiden. sein, da in der That der Gesundheitszustand des Leiters der hessischen Staatsgeschäfte zeitweilig sehr zu wünschen übrig ließ. Eine längere Erholungsfrist und die Kunst der Aerzte aber haben Herrn Rothe die volle Arbeitsfähig feit wieder gegeben, und so wird er denn hoffentlich noch lange in seiner ebenso einflußreichen wie verantwortungsvollen Stellung ersprießlich wirken können. Er hat es in den vier Jahren seiner ministeriellen Thätigkeit verstanden, sich nicht nur die Achtung, sondern auch die aufrichtigen Sympathien der politischen Welt innerhalb und auch außereinstige Majoratsherr der Herrschaft Rodeck, war dem Grafen sehr ähnlich eine schöne, hochgewachsene Erscheinung, edel und hochfinnig, aber stolz und unbeugiam, wo es galt, seinen Stand zur Geltung zu bringen, oder seinen Willen durchzusezen. Wenige Tage, nachdem er zum Gesandten in Madrid ernannt worden war, stürzte er mit dem Pferde und blieb auf der Stelle tot. Der zweite Sohn, Udo, war das Ebenbild seiner Mutter. Kaum fünfundzwanzig Jahre alt, heiratete er ein Mädchen aus hochadeligem Hause. Aber das junge Weib brachte den Keim des Todes mit in die Ehe; sie starb nach zwei Jahren an der Schwindsucht, und wenige Monate später folgte ihr der junge Mann ins Grab. Nun blieb noch der jüngste und legte übrig, der Liebling des Grafen, Georg. Als er mündig geworden war, verließ er das väterliche Schloß und ging nach Wien, wo er ein etwas lockeres Leben führte. Die Verschwendung Georgs wurde mahnungen nichts fruchteten, kam er auf den Gedanken, ihn zu dem Grafen schließlich zu arg, und als er sah, daß alle Erverheiraten. Als der Graf seinem Sohne von seinen Absichten Mitteilung machte, stieß er auf energischen Widerstand, weil . dieser bereits verheiratet war. Ein blutarmes Mädchen, aber aus guter Familie, war seine Frau geworden; ihre sanfte Schönheit, ihr bescheidenes, zurückhaltendes Wesen hatten das Herz des jungen Mannes gefangen genommen und ohne langes Besinnen führte er sie zum Altare. Er hatte diesen Schritt seinem Vater verheimlicht, weil er dessen Stolz kannte und wußte, daß ihn gelegentlich mit seiner Frau zuſammenzuführen und durch fie dieser niemals seine Zustimmung geben werde; dennoch hoffte er, eine Versöhnung mit dem erzürnten Vater anzubahnen. Aber der Graf war über diese Mitteilung so empört, daß er seinen Sohn enterbte und verstieß. Und seitdem ist der junge Mann ver vollen Tage nie wieder genannt." " Wie ich Dir schon jagte, Franz, es ist vieles im Schlosse anders geworden, ſeit ich vor länger als vierzig Jahren hier meinen Dienst antrat", sagte der Greis und legte die Hand auf die Schulter des jungen Mannes." Das Glück ist aus den Brunfgemächern dieses Grafenfißes geflohen und ein düsteres Verhängnis hat seinen Einzug gehalten." Er ließ das Keinn bekümmert auf die Brust sinken und schaute scholen, und der Graf hat seinen Namen seit jenem verhängnisfinnend vor sich hin. " Wie ist das alles aber so gekommen, Tom?" fragte der junge Lafai. L Der geschwäßige Alte schwieg einen Augenblick und lauschte: denn drinnen im Zimmer ertönten die Schritte des Grafen, der ruhelos auf und ab ging. Dann fuhr Tom fort: " Troß aller ſtarren Unbeugsamkeit, die im Charakter unseres Sohne forschen läßt; denn der Advokat, welcher so oft den Herrn liegt, glaube ich doch, daß er im geheimen nach seinem Grafen besucht, findet hier keine andere Beschäftigung." " Ja, wie ist das gekommen", wiederholte der Alte tonlos. Es war, als müsse sich ein Fluch erfüllen, der auf dem Hause Roded lag, so plöglich und unaufhaltiam brach das Verhängnis herein. Nicht lange bevor ich in das Schloß fam, hatte unser gnädiger Herr geheiratet, ein junges, schönes Mädchen, die reichste Grbin in der ganzen Gegend. Drei prächtige Jungen schenfte ſie im Laufe der Jahre ihrem Gatten, und feine Wolfe trübte ſollte, sann wird wohl der junge Herr Ancelot hier Erbe des bas Glück des gräflichen Paares während des langen Zeitraumes bon dreißig Jahren. Da tam ganz unerwartet der erste Schlag: die Gräfin starb eines plöblichen Todes und ließ ihren Gatten, „ Wenn der Verschollene nicht wieder aufgefunden werden Grafen werden?" warf Franz flüsternd ein. Der andere zuckte die Achseln. 28ohl möglich!" verseste er. Jedenfalls wünscht das der Verzweiflung nabe, aurüd. Der älteste obm, Si, er niet heblicher, als er selbit. Er hat es verstanden, sich die halb des Großherzogtums zu erwerben, und selbst die Vertreter der Opposition haben mit der Anerkennung nicht zurückgehalten, daß Staatsminister Rothe stets redlich bemüht gewesen ist, den Aufgaben seines Amtes unparteiisch und nach bestem Wissen und Vermögen gerecht zu werden. Er ist kein Staatsmann mit blendenden Gaben, aber ein tüchtiger und ehrlicher Mann, dem Voreingenommenheit gegen Parteien und Weltanschauungen jeglicher Färbung fern liegt. Das Großherzogtum Hessen ist unter seiner Leitung langsam, aber stetig vorangegangen in seiner Entwicklung, und Gunst des Grafen zu erwerben, dessen Vertrauen zu gewinnen, aber sicherlich trägt er fein großes Verlangen, zwischen Vater und Sohn eine Aussöhnung herbeizuführen. Mir gefällt der junge Herr nicht; in seinem Wesen liegt etwas Lauerndes, heim tückisches." " Ganz unverkennbar", stimmte Franz zu. Ist er schon lange hier im Hause?" feine Mutter ist „ Er tam nach dem Tode seiner Eltern eine weitläufige Verwandte der verstorbenen Gräfin gewesen Er wird das hierher und ist seitdem im Hause geblieben. Schloß wohl auch nicht wieder verlassen, wenigstens nicht frei willig, obgleich er ein ziemlich liederliches Leben zu führen scheint. In diesem Augenblick wurde die Thür geöffnet und ein junger Mann trat ins Zimmer. Er mochte etwa sechsundzwanzig Jahre zählen; seine Gestalt war schlank und schmächtig, schwarzes, dichtes Haar umrahmte das schmale, gelbliche Geficht, aus welchem ein Paar unſtät umherblickende Augen hervorleuchteten; ein schwarzer Schnurrbart bedeckte die Oberlippe, und fräftig entwickelte Augenbrauen zogen sich am unteren Rande der Stirn hin. Der junge Mann war eine elegante Erscheinung und sein ganzes Wesen mit dem ausgeprägt romanischen Typus feffelnd und interessant. Ohne die beiden Lakaien eines Blides zu würdigen, schritt er durch das Vorzimmer nach dem Gemache, in welchem der Graf weilte. " Ah, glücklich wieder zurück, Paul und hast Du Hartwig angetroffen?" fragte der alte Herr den Eintretenden " Ja, ich habe Ihr Schreiben in feine Hände gelegt und bin beauftragt, Ihnen diesen Brief zu übergeben", erwiderte Baul Ancelot, indem er ein verſiegeltes Papier hervorzog und dem Grafen überreichte.„ Mein Erscheinen in seiner Stanzlei war ihm ſehr erwünscht, und er erklärte, daß er noch heute Ihnen seinen Besuch gemacht haben würde, wenn ich nicht gekommen wäre." Haftig und mit leiſe zitternden Händen erbrach der Graf das Siegel, während die dunklen Augen des Franzosen mit feineswegs besonders freundlichem Ausdruck auf ihm ruhten. Dem Himmel sei Dant, die legte Hoffnung meines Alters scheint sich verwirklichen zu wollen", sagte der alte Herr auf atmend. Georg ist gefunden." Der junge Mann ward freidebleich, aber sein Gönner bemerkte es nicht; wieder und immer wieder las er den Brief. „ Hat Ihr stolzer Herr Sohn fich endlich soweit zu demütigen vermocht, um an Sie zu schreiben?" fragte er mit gewohnter Freundlichkeit, aber unverkennbarer Bitterkeit im Ton. ** bleibt auch noch vieles zu wünschen, so darf doch anerkannt werden, daß politisch, sozial und wirtschaftlich manches Gute und Erfreuliche dem Ministerium Rothe seine Anregung und Entstehung verdankt. sammentritt dieser Fraktions- Delegierten für den 18. ds. M. fraglich geworden sein. Falls die Kommission den geschäftsordnungsmäßigen Usus befolgt, würde die zweite Lesung bis zum 14. Oktober feinesfalls beendigt sein können. Es dürfte Anfang November werden, bis der Tarif vollständig dem Plenum unterbreitet werden fann. Die Centrums- Fraktion des Reichstages ist heute Vormittag zusammen getreten, um Stellung zu den Beschlüssen der Zolltariskommission in der ersten Lesung zu nehmen. Wie ein parlamentarischer Bericht erstatter meldet, verlautet, daß im Großen Ganzen die Neigung vorherrsche, die Kommissionsbeschlüsse erster Lesung zur Basis der weiteren Beratungen in der Zolltarif- Kommission zu machen. In dem agrarisch gesinnten Teile der Fraktion scheint man fest entschlossen zu sein, an den Kompromis bezüglich der Getreide- und Viehzölle fest zu halten und der Regierungsvorlage in diesem Punkte keine Konzessionen zu machen. Auf bayrischer Seite wird namentlich Gewicht darauf gelegt, den Gerstezoll nach den Kommissionsbeschlüssen fest zu legen. Leicht war die geleistete Arbeit dabei wahrlich nicht. Die Parteiverhältnisse im Landtage brachten es mit sich, daß jeder Akt der Gesetzgebung nur möglich war auf einer Mittellinie, die die widerstrebenden Interessen der einzelnen Parteien einigermaßen vereinigte, und die Vermittelungskunst des Staatsministers mußte überall das Beste thun. Immer freilich vermochte auch sie die Gegensätze nicht auszugleichen, und so mußte denn manche gute Absicht der Regierung unverwirklicht bleiben. Dahin rechnen wir in erster Linie den Versuch einer Reform des Landtagswahlrechtes. Er scheiterte an dem blinden Egoismus der ländlichen Abgeordneten, und so müssen denn die Oktoberwahlen die Entscheidung darüber bringen, ob in künftigen Zeiten das direkte Wahlsystem der Volksmeinung unverfälscht zum Ausdruck verhelfen darf. Für oder gegen das direkte Wahlrecht, das müßte, sollen die Wahlen unter rein politischen Erwägungen vor genommen werden, die Parole des Wahlkampfes sein, und die Scheidung der Parteien wäre dadurch von selbst gegeben. Am Schluß des letzten Landtages hatte es auch den Anschein, als ob die ehrlich reform freundlichen Barteien die Stellung zur Wahlreform für ihre Wahltaktik entscheidend sein lassen wollten, offen und rückhaltlos bekannt aber haben sich bis jetzt zu dieser Parole einzig die Sozialdemokraten. Sie werden überall dort, wo sie eigene Kandidaten nicht auf stellen, demjenigen Mandatsbewerber ohne Parteiunterschied ihre Unterstützung leihen, der sichere Garantie für seine Reformfreundlichkeit bietet. Die übrigen Parteien haben sich offiziell noch nicht geäußert. Darf man aber nach den Aeußerungen der Presse urteilen, so sind die Anhänger der Centrumspartei zum Teil wenigstens geneigt, die Schwächung oder wenn angängig, die Vernichtung der sozialdemokratischen Partet mit allen Kräften anzustreben und dahinter alle politischen und Zweckmäßigkeitserwägungen zurücktreten zu lassen. Haag, 16. Sept. Wie üblich, fuhr die Königin im feierlichen Zuge mit Gefolge vom Schloß zum Thronsaal im Binnenhof, um die Generalstaaten zu ecöffnen. Im Gegensatz zu früher verlas die Königin die Thronrede sigend. Dieselbe enthält mit Bezug auf die auswärtige Politik nur die Versicherung, daß die Beziehungen mit den fremden Mächten unverändert die besten seien. tiber 20 gäbe, b und öffe legung b eine Rur in deren innun dem 1 Fleischp förmlid Ueberf Fleif ftand b Reihe bon wird, ähnl lich bezieh unfere loto Erwiderur gefagt wo nicht" w nicht!" bei einem tochen und Paris, 16. Sept. Ein Gruppe junger Nationalisten veranstaltete gestern Abend auf dem Boulevard eine Kundgebung. Sie durchzogen die Straßen, indem sie die Freimaurer verhöhnten und die Abzeichen derselben lächerlich machten. Es tam zum Zusammenstoß mit der Polizei, wobei 10 Verhaftungen vorgenommen wurden. Paris, 16. S pt. Die Wahl des Abgeordneten Maurice Faure in den Senat macht eine Neuwahl des Bize präsidenten der Kammer notwendig. Dieser Posten wird nunmehr einem Mitgliede der sozialistischen Partei, wahrscheinlich Millerand oder Jaurés zufallen. -Auf dem sozialistischen Parteitag wurden gestern die von der Prüfungsfommission geprüften 205 Mandate für gültig erflät. Genosse Böhle- Straßburg spricht sich gegen die Gründung eines neuen Blattes in Mülhausen aus. Genosse Leidecker wendet sich scharf gegen die Akademiker und verurteilt den Streit, der schon so lange in der Partei herrsche. Er meint, man solle den gut fituierten Parteigenossen ein bischen auf den Pelz klopfen, damit sie die Partei unterstüßen. Abgeordneter Kolb- Karlsruhe regt an, man solle dem Partei- Borstande etwas an die Hand gehen, damit er die Mitglieder zu Unterstüßungs- Beiträgen nötigen för ne. Abgeordneter Rollwagen verteidigt im Augsburger Antrag, der hauptsächlich bezwecke, daß die Abgeordneten Mitarbeiter der Partei Organe werden. Genosse Kautsky weist den Vorwurf zurück, als ob er die Mitarbeiter der " Neuen Zeit" vertreten wolle und verteidigt den jungen Liebknecht, der ein tüchtiger Mann sei. Bollmar erklärt, daß der Streit kein Ende nehmen werde und die Sache überhaupt nicht besser werde, wenn fein regeres Interesse an der Neuen Zeit" eintrete. Genosse Stadthagen wendet sich gegen die Monatsschriften. Genossin Bettin bricht eine Lanze für die„ Neue Zeit". Genosse Ulrich meint, man solle wegen des guten Tones nicht so empfindlich sein. Schließlich wird die Weiterberatung auf Nachmittags 3 Uhr vertagt. Das wäre, auch vom Centrumsstandpunkt angesehen, für die hessischen politischen Verhältnisse ein grober Fehler. Man kann dahingestellt sein lassen, ob die persönliche Empfindlichkeit mancher Centrumsführer gegen die Sozialdemokraten begründet ist; politisch unflug aber wäre es ganz gewiß, dieser Empfindlichkeit zu Gunsten der Partei Ausdruck zu geben, die wie keine andere, dem Centrum feindlich gegenübersteht, die bon ihren traditionellen kulturlämpferischen Neigungen heutigen Tages noch beseelt ist und den fortschrittlichen Bestrebungen, denen dem Programm nach wenigstens auch das Centrum huldigt, int günstigsten Falle nur laue Unterstützung, bielfach aber offenen Widerstand bietet der nationalliberalen Partei. Sie hat das Scheitern der Wahlrechtsreform in erster Linie zu verantworten. Im letzten Landtage noch zählte die nationalliberale Fraktion 20 Mitglieder, und der eine oder andere der Wilden kann in allen wichtigeren Fragen zu ihnen gezählt werden. Ein Zuwachs von wenigen Mandaten, der im Falle einer Unterstützung durch das Centrum feineswegs ganz ausgeschlossen wäre, würde genügen, um den Nationalliberalen bei einer Gesammtzahl von 50 Kammermitgliedern die Mehrheit zu verschaffen. Die Sozialdemokraten besaßen bisher 6 Mandate, erheblich mehr werden sie, Paris, 16. Sept. Ein Provinzblatt versichert, Beweise dafür zu haben, daß der frühere Justizminister Humbert an den Betrügereien seiner Entelin, der Frau Humbert beteiligt gewes n ist. Das Blatt wirft Waldeck- Rousseau vor, die Angelegenheit erstickt zu haben, um mehrere seiner politischen Freunde, welche dabei kompromittiert seien, zu retten und fordert den Untersuchungsrichter auf, seinen Direftor zu vernehmen. Ein steinern Herz soll die Heldin des so betitelten Original- Romans aus der Feder der beliebten Erzählerin F. Klint- Lütetsburg, der heute in unserer täglichen Unterhaltungsbeilage beginnen wird, besigen! Gewiß ein harter Vor wurf, den eine egoistische Stiefmutter, eine verzärtelte Stiefschwester und ein unwürdiger, ehemaliger Liebhaber gegen ein junges Mädchen erheben, das fich fräftig losringt von den fie umgebenden unhaltbaren Familienverhältnissen. In Wahrheit ist es aber ein echtes, edles Frauenherz, das vor den teilnehmenden Augen des Lesers seinen vollen Reichtum entfaltet und sich zur köstlichen Blüte wahrer thätiger nächstenliebe erschließt. Sie hat Mit den Verhältnissen im deutschen Often das Herz auf dem rechten Fleck. wird sich aller Voraussicht nach demnächst der preußische Kronrat zu befassen haben.-Im Kultusministerium fanden Ergreifende Schilderungen aus dem Arbeiterleben, trefflichung der Kultur- Bestrebungen für die Provinz Posen statt. Charaktere und vornehme Sprache vereinen sich mit bereits gestern und heute Besprechungen über die Verwirkliche landschaftliche Bilder, feine Durcharbeitung der Es wurde mitgeteilt; daß sich der Kaiser bei seiner neulichen packender Handlung zu einem Ganzen, das, wenn auch Anwesenh it in Poſen unter Ablehnung einer eigentlichen der Schauplatz nach Schweden verlegt ist, bei der GleichHochschule für die Einrichtung fester akademischer Kurse in heit der Anschauungen hier und dort mit vollem Necht Posen entschieden hat. Infolgedessen wurde ein weiteres die Bezeichnung verdient: Vorgehen in diesem Sinne beschlossen. E.n echt deutscher Familien- Roman. selbst wenn sie hie und da neue Erfolge erzielen sollten, auch im neuen Landtage nicht haben. Gewinne würden sie ja wohl zudem in der Hauptsache auf Kosten der Nationalliberalen machen; das könnte aber dem Centrum, dessen parlamentarische Bedeutung dadurch steigen würde, doch nur angenehm sein. Die leidenschaftslose, rein praktische Erwägung der Verhältnisse dürfte deshalb der Leitung des hessischen Centrums eine andere Taktik diktiren, als sie von manchen gereizten Heißspornen gewünscht und empfohlen wird. Ein besonderes Interesse wird die Vergebung der Mandate in den Städten beanspruchen, namentlich in Darmstadt und Worms. In beiden Städten waren bislang die Nationalliberalen Inhaber der Landtagsfiße, und wenn auch in Darmstadt bei der letzten Ersatzwahl das eine der viandate an den„ Wilden" Morneweg überging, so ändert das im wesentlichen bei der Sache nichts. Man wird diesmals versuchen müssen, Vertreter * * Ein zweiter neuer Roman - Als fünftiger Oberbürgermeister von Bofer, an Stelle des Geh. Regierungsrats Witting, der in das Direktorium der Nationalbank eintritt, gilt beginnt ebenfalls mit heutiger Nummer unterm Strich. der dortige Stadtverordneten- Vorsteher Justizrat Dr. Lewinsky. - Oberstleutnant a. D. von Witzleben sagt über die Stavallerie attacken der lezten Kaiser manöver:„ Wir können nur konstatieren, daß der an den beiden letzten Manövertagen geführte Beweis von der Möglichkeit der Verwendung großer Reitermassen in der Schlacht und von der schwerwiegenden Bedeutung für den Erfolg des Tages bei richtiger Wahr= nehmung des zum Einsetzen günstigen Momentes schlagend genannt werden muß. Macht die auswärtige Presse ein Schaustück daraus, so ist sie von denjenigen Berichterstattern irre geführt, die die Form für das Wesen genommen haben." der Städte in die Kammer zu entsenden, die besser als die bisherigen für die speciellen Bedürfnisse der städtischen Bevölkerung einzutreten gewillt sind. Das könnten nach Lage der Dinge nur Angehörige der entschtedenen Linken sein, und es steht zu hoffen, daß eine Verständigung über die Kandidaten zu einem Ginvernehmen und geschlossenen Vorgehen führen wird. An tüchtigen und erfahrenen Männern fehlt es nicht, und es wäre sehr wohl möglich, bei geeigneter Personalwahl auch die linksnationalliberalen Elemente in eine Wahltoalition einzubeziehen, die sich eine wirtschaftlich und politisch- fortschrittlich und sozial reformfreundlich gerichtete Vertretung der Städte zum Ziele sezte. Politische Dachrichten. Berlin, 16. Sept. Die Enthüllung des Denkmals Friedrichs des Großen in Washington, das vom Kaiser gestiftet wurde, wird erst im nächsten Jahre erfolgen. Der Bayerische Landwirtschaftsrat erläßt im Hinblick auf die große Wichtigkeit der Frage der Fleischversorgung in den größeren Städten durch sein Organ einen Aufruf an alle Landwirte Bayerns, der folgende Ueberschrift hat:„ Landwirte! Züchtet Schweine und bringt schlachtfähige Schweine baldigst In Reichstagskreisen wird einer parlamentarischen Korrespondenz zufolge jetzt behauptet, daß nicht eine Unterkommission der Zolltarifkommission in offizieller Eigenschaft zusammentreten wird, sondern daß von den einzelnen Fraktionen bestimmte Vertrauensmänner die zweite Lesung vorberaten sollen. Auch soll der Zuzum Markt!" Entlarvt von Moritz Lilie, wird uns ebenso wie die bis jetzt veröffentlichten Romane infolge seines sehr spannend geschriebenen Inhaltes neue Freunde und Leser bringen. Diejenigen, welche am 1. Oktober die Gießener Neueste Nachrichten" bestellen, erhalten schon jetzt die Zeitung gratis zugestellt. Kaiser Franz Josef verlieh von dem Gefolge des Deutschen Kronprinzen dem Obersten von Prizelwig sein mit eigenhändiger Unterschrift versehenes Bild in Goldrahmen; dem Oberleutnant v. Stülpnagel wurde die Eiserne Krone 3. Klasse verliehen. Der Kronprinz überreichte dem ihm zum Ehrendienste zugeteilten Feldmarschall- Leutnant Grafen Karl v. Auersperg den Noten Adlerorden 1. Klasse und dem Oberst seines ungarischen Regiments Wilhelm Feigl den Kronenorden 2. Klasse. Giessener Cagesneuigkeiten. ** Der Großherzog hat am 13. d. Mts. dem Mitinhaber der Firma J. Langenbach u Söhne zu Worms, dem Kaufmann Rudolf Langenbach daselbst, den Charakter als Kommerzienrat verliehen. Pfarrer Dr. Grein ist vom Großherzog Herr Pfarrer ** An Stelle des nach Darmstadt versetzten Herrn starl Scheuermann, bisher in Dalheim( Rheinhessen), nach hier berufen worden. Budapest, 16. Sept. Der Redakteur eines in Groß- Kikinda erscheinenden deutschen Blattes, Arthur Korn, wurde heute wegen der Veröffentlichung eines Gedichtes, das die Ueberschrift:„ Ich agitiere" trägt, von den Geschworenen des Szegediner Gerichts der Aufreizung schuldig gesprochen und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In Hatzfeld fam es gestern in einem öffentlichen Speisehause zwischen mehreren deutschen Ortsinsassen und ungarischen Beamten zu einem Skandal, weil letztere nicht zugeben wollten, daß die Musikkapelle die Wacht am Rhein spielte. Die Szene endete mit einer argen Schlägerei. fann finde nähen" und oder mag einfach ler da es biel müffen. 2 eine Frau haben!" o feben!" nun alle fo armen fran jündigung, u daß gerade Mann oder und nicht gef mußten. Es bot Geiftestran weiter Furcht Mitleid bei ihn boll zu begeg wirklich gebild wenn es statt G8 ift entwed Verzärtelung. nicht auf di bethätige die jedem Leidend ** In die hiesige Klinit eingeliefert wurde heute ein Arbeiter des Krupp'schen Bergwerks in Weilburg. Demselben hatte ein herabfallender Kamin den Oberarm zerschmettert. ▲ Gute Freunde. getreue Nachbarn und desgleichen. Ein Ochsengespann und ein vierschrötiger Bauer waren heute Morgen auf dem Wege nach Klein- Linden zu. Oben auf der Höhe bekommt das Bäuerlein Lust zum Rauchen, holt sein Pfeifchen aus dem Rocksack, stopft es und- um es zum Qualmen" fertig zu machen- streicht am rechten Oberschenkel ein deutsches Schwefelhölzchen an. Da- o Weh die Ochsen riechen Schwefel u. fort geh's im Galopp. Was macht der Bauer in seiner Hilflosigkeit, die Zügel waren ihm entfallen, er ruft die zuerst ihm begegnenden Passanten zwei Damen und zwei Herren in bester Garderobe ( man sagte uns es wären höhere Herrschaften gewesen) an: Du, Du, he Du, hält mer mei Ochse uff, hält mer mei Ochse uff. Große Erheiterung bei den Nachfolgenden. зи fich: Ich m man fann. Aus Fe s Die Ober bom 19. bis 22. fich nicht allein fondern diese feit und Mann der Aussteller u mobus anbelang die im großen anstaltet wird, Borbereitungen in offnung dem Be intereffantes Bild Freitag, den 19 den Bräsidenten Grafen Oriola gefagt Herr Kreis Broving Oberhe schaftsrats und Ausstellung find b Mit der Ausstell Dbfbanangebot wozu das Los nu ** Aus dem 6.M. bei Büdinger übungen mit schn herzog von Heffer Dauer der Uebung Biritein. Auch eine ** Aepfelsegen. Tragen anderwärts die Aepfelbäume in diesem Jahre herzlich wenig, so sieht man dem gegenüber im Bieberthal einer Aepfelernte entgegen, wie faum je zuvor. Die reichste Ernte versprechen die Goldp armänen. Armeeforps wird piel beiwohnen. ** Bon der S bare Lichtenburg Borfall zu bewa zur Erhaltung wurde im Anfa Poppo II. bon wurde sie dem furzer Zeit wi Burg ist der Gr Candler aus der Schotten. eine fear anftändige Bet Tang berweilt, Sau und Theater unter Findet am 23. Okto un in den nenen Morded flatt, wozu he Rönigin im zum Thron taaten zu Die ontgin mit Bezug fidherung, da en unverändert er Rationalif rd eine Rund fie die Frei elben lächerli Bolizei, wobei bgeordneten hi des Vizes Boiten wird Partei, mabr berfichert, Be minister Hum Frau Humbert bed- Rouffeau mehrere feiner ert feien, zu uf, feinen Di Romans aus t- Lütets: terhaltungsharter Bor berzärtelt aliger Lieb 7, das fich unhaltbaren & aber ein Inehmenden ntfaltet und tächstenliebe ed. erleben, treff rbeitung der nen sich mit 8, wenn aud bei der Gleid vollem Red man. It term Strich. bis jetzt ber pannend ge eser bringen. Oktober die thalten fon citen. ts. dem Mitzu Worms, den Charakter csetzten Herrn Herr Pfarrer heim( Rheinwurde heute in Weilburg. n den Ober desgleichen. Bauer waren in- Linden zu. Lein Lust zum Rodjad, stopft 9 zu machen- ein deutsches ** Zur Fleischnot. Es ist jüngst in ziemlich pofi tiver Weise bezweifelt worden, daß es Mezgerinnungen gäbe, die als solche preiserhöhende Beschlüsse gefaßt und öffentlich bekannt gegeben hätten. Zur Widerlegung dieses eigentümlichen Zweifels ist uns soeben eine Nummer einer badischen Zeitung vorgelegt worden, in deren Inseratenteil in aller Form die Fleischer innung in Freiburg im Breisgau unter dem 14. September d. Js. die Erhöhung der Fleischpreise bekannt giebt. Es handelt sich um einen förmlichen Preistarif für Fleisch- und Wurstwaren. lleberschrieben ist derselbe mit den Worten:" Die Fleischerinnung", unterschrieben:" Der Vorstand der Fleischerinnung". In einer ganzen Reihe von anderen Städten liegen, wie uns versichert wird, ähnliche Innungsbeschlüsse vor. Selbstverständlich beziehe man vorstehende Aufklärung nicht auf unsere lokalen Verhältnisse; in einer gestern gebrachten Erwiderung ist das bereits in sehr deutlicher Weise gesagt worden. - ** Können und Wollen. Das Wort„ Ich kann nicht" wäre meist richtiger bezeichnet mit„ ich will nicht!" Wie oft hört man zum Beispiel den Ausspruch bei einem Dienstmädchen angewendet:" Ich kann nicht fochen und dabei noch andere Arbeiten verrichten",„ ich fann Stinder nicht behandeln" oder auch ich fann nicht nähen" und so weiter. Das heißt faßt immer, ich will oder mag nicht, denn was man nicht fann, soll man einfach lernen, aber das wollen viele Menschen nicht, da es viel bequemer ist, es überhaupt nicht thun zu müssen. Wie herzlos und unverständlich lautet es, wenn eine Frau sagt:„ Diese krante möchte ich nicht um mich haben!" oder„ diese Zufälle fönnte ich nicht mit ansehen!" Warum fann gerade sie es nicht? Wenn nun alle so sagen wollten, wer pflegte da wohl die armen Stranken! Solch ein Ausspruch ist eine Versündigung, und oft hat man die Beobachtung gemacht, daß gerade diese Frauen noch in ihrer Familie, bei Mann oder Kindern haben Pflegerinnen sein müssen, und nicht gefragt worden, ob sie fönnten, sondern sie mußten. Es ist sehr unrecht von Erwachsenen, Kindern vor Geistesfranken, mit Krämpfen Befallenen und so weiter Furcht beizubringen; man soll bielmehr das Mitleid bei ihnen wecken und sie lehren, Kranken liebe: boll zu begegnen. Das schönste Mädchen wird bei wirklich gebildeten, zartfühlenden Menschen verlieren, wenn es statt Hilfe zu leisten, sagt:„ Ich kann nicht!" Es ist entweder Herzlosigkeit, Charakterschwäche, oder Verzärtelung. Man sage Gott sei Dank, wenn man nicht auf die Gnade des Nächsten angewiesen ist und bethätige diesen durch freudiges Entgegenkommen bei jedem Leidenden. In allen Lebenslagen aber sage man sich: Ich muß" und man wird erst sehen, wie viel man fann. Aus Heffen und Nachbargebieten. S s Die Oberhessische Obst- Ausstellung in Buzzbach, die vom 19. bis 22. September einschließlich stattfindet, verspricht, sich nicht allein ihren Vorgängerinnen würdig anzuschließen, sondern diese noch zu übertreffen, sowohl was Reichhaltigteit und Mannigfaltigkeit der Beschickung, wie auch Anzahl der Aussteller und verschiedene Neuerungen im Ausstellungsmodus anbelangt. Mit dem Arrangement der Ausstellung, die im großen Saalbau des Hotel„ Hessischer Hof" veranstaltet wird, ist bereits begonnen worden und sind die Vorbereitungen im flotten Gange, so daß am Tage der Eröffnung dem Besucher sich ein prächtiges, lehrreiches und interessantes Bild bietet. Die feierliche Eröffnung findet am Freitag, den 19. September Vormittags 1/212 Uhr, durch den Präsidenten des Oberhessischen Obstbauvereins, Herrn Grafen Oriola, statt. Ihr Erscheinen haben ferner zugesagt Herr Kreisrat Fey, verschiedene andere Kreisräte der Provinz Oberheffen, ein Vertreter des Hessischen Landwirtschaftsrats und des Ministeriums 2c. Als Neuerung auf der Ausstellung sind besonders zu erwähnen die 10 Pfund- Körbchen. Mit der Ausstellung verbunden ist eine Nachweis stelle für Obstbauangebot und Obstnachfrage, ferner eine Tombola, wozu das Los nuc 20 Pfennig fostet. ** Aus dem Manövergelände. Den am 22. und 23. d. M. bei Büdingen und Birstein stattfindenden Angriffs= übungen mit schwerer Artillerie wird auch der Großherzog von Hessen beiwohnen. Er ist während der Dauer der Uebungen Gast des Fürsten von senburgBirstein. Auch eine Anzahl höherer Offiziere aus andern Armeekorps wird dem interessanten militärischen SchauSpiel beiwohnen. Bon der Rhön, 15. Sept. Um die weithin ſicht bare Lichtenburg bei Ostheim v. d. Rhön vor dem Vorfall zu bewahren, hat sich in Ostheim ein„ Verein zur Erhaltung der Lichtenburg" gebildet. Die Burg wurde im Anfang des 12. Jahrhunderts vom Grafen Boppo II. von Henneberg erbaut. Im Bauernkriege wurde sie dem Erdboden gleich gemacht, aber nach furzer Zeit wieder aufgebaut. Jezziger Besitzer der Burg ist der Großherzog von Sachsen- Weimar. - die Ochsen pp. Was macht Ligel waren ihm nden Paffanten efter Garderobe Herrschaften ge met Ochle uff eiterung bei den rts die Nepfel 8, fo fieht man felernte entgegen, te versprechen die Schotten. Kommt da vor einiger Zeit ein Kleinhändler aus der Wetterau in angetrunkenem Zustande in eine sehr anständige Wirtschaft und fragt, nachdem er eine Beit lang verweilt, nach dem Abort. Der um Bescheid geLaubhüttenball fragte, jedenfalls ein Wisbold, weist ihn nach dem Keller. Da der also Beschiedene etwas länger als gewöhnlich aus blieb, schickte man nach demselben und fand, daß er sich in dem Kellerraum verirrt hatte und ein in demselben offen stehendes Faß, in welches schon ein Teil Bohnen eingemacht waren- wohl in seinem Dusel als Ablagerungsstätte benugte. Man kann sich die Bestürzung der sehr reinlichen Wirtsleute denken, als dieselben die Bescheerung" erblickten. Der Missethäter mußte natürlich seinen Irrtum büßen und Faß und Bohnen bezahlen. ** Hungen. Am verflossenen Mittwoch feierte, vom schönsten Wetter begünstigt, die Höhere Bürgerschule das 25 jährige Jubiläum ihres Bestehens. Der eigentliche Jubiläumstag ist zwar der 1. Dezember dieses Jahres, allein die von einer früheren Schülerin, Freifi au v. Lipperheide, für ein Jugendfest geftiftete hochherzige Gabe, welche durch weitere Zuwendungen verstärkt wurde, legte den Gedanken nahe, die Feſtlichkeit in eine bessere Jahreszeit zu verlegen. Herr Rektor Völsing hielt die Festrede. Er begrüßte zunächst in herzlicher Weise alle Festteilnehmer, schilderte dann in begeisterten Worten die hohe Bedeutung der Schule für die Jugend und das Volksleben durch das, was sie im Unterricht darbietet und in der Erziehung leistet. Aus den Mitteilungen über die Entwicklung der Schule heben wir nur hervor, daß das Jubiläumsjahr die größte Schülerzahl aufweist. Der Feier wohnte die Prinzessin Hermann zu SolmsBraunfels mit bei. ** Gedern, 14. September. Während des heutigen Nachmittagsgottesdienstes brach ein Schadenfeuer aus. Eine Scheune mit Stallung stand im Nu in Flammen. angrenzende Wohnhaus aus, von dem nach angestrengter Das Feuer dehnte sich auch bald auf das Thätigkeit der beiden hiesigen Wehren der unterste Stock stehen blieb. Ueber die Entstehungsursache verlautet bis jetzt nichts. ** Schönbach, 15. Septbr. Unser Dörfchen steht mit an der Spize der Anti- Alkoholbewegung. Das beweist der Umstand, daß wahrscheinlich mit dem 1. Oktober unsere einzige Wirtschaft aufhört, zu bestehen. dürfte es schwer fallen, einen anderen Einwohner zur Uebernahme des allerorts so begehrten Betriebes zu gewinnen. ** Auch dorf stattgehabten Hufbeschlag- Wettbewerb nahmen 94 Weylar, 16. Sept. An dem gestern in Düsselgeprüfte Hufschmiede Teil. Hierbei erhielt Herr Christian Befort von hier den 3. Preis. ** Vogelsberger Rindviehs auf der ProvinzialtierWetzlar. Bei der Prämiterung unseres heimischen schau in Düsseldorf fielen folgende Preise nach hier: Klasse VI.: Bullen, sprungfähig, mit zwei breiten Zähnen und darunter: 1. Preis: Gemeinde Wißmar 200 Mt. Klasse V.: Bullen, sprungfähig mit mehr als zwei breiten Zähnen: 1. Preis: Friedrich Schmidt, Großrechtenbach 200 Mark und silberne Medaille. 2.. " 1 3. Karl Ebert, Wezlar 150 Mt. Karl Jung, Hochelheim 80 Mr. Kühe in Milch, 4 Jahre und älter: 1. Preis: Wilhelm Amend, Groß- Rechtenbach Klasse VI. 2. " 3. " 150 Mark. Adam Tasch, Azbach 100 Mt. Georg Koch, Azbach 40 Mt. Klasse VII. Kühe in Milch unter 4 Jahren: Klasse VIII Kühe, sichtbar tragend, vier Jahre alt und 1. Preis: Johann Scheepers, Burgsolms 150 Mt. älter: 1. Preis: Ferd. Völk, Wetzlar 150 Mt. und Broncene Medaille. Friedrich zu Solms- Braunfels 200 Mt.( für die beste Desgleichen Preis Seiner Durchlaucht des Prinzen Kuh der ganzen Sammlung.) 3. Preis: Ludwig Velte- Azbach 40 Mt. Eine Anerkennung: Wilh. Medebach, Azbach. Klasse IX.: Kühe, sichtbar tragend, unter 4 Jahren 1. Preis: Adam Tasch, Azbach 150 Mt. Ludwig Velte, Azbach 100 Mt. Wilhelm Otto, Wetzlar 40 Mt. Klasse X.: Rinder bis 30 Monat alt, nachweisbar tragend: 1. Preis: Heinrich Weber, Azbach 100 Mt. und Broncene Medaille. 2b " 3. " 2. " 2. " " 4. Wilhelm Amend, Groß- Rechtenbach 60 Mt. Klasse XI.: Rinder bis zu 18 Monat: 1. Preis: Heinrich Feiling, Azbach 100 Mt. Johann Schäfer, Azbach 60 Mt. Ferdinand Völk, Weglar 40 Mt. gemeldet, der Ehrenpreis von 250 Mk., welchen FreiAußerdem fiel in den Kreis Wezlar, wie bereits herr von Schorlemer- Lieser für den Wettbewerb der beiden kleineren Höhenschläge der Rheinprovinz( Wester: wälder und Vogelsberger) gestiftet hatte. Der Preis sollte demjenigen Zuchtgebiet zufallen, welches die beste Gesamtleistung in der Ausstellung zeigte. ** Frankfurt a. M., 16. Sept. Am 22., 23. und 24. September findet in der Stadthalle dahier ein Kelterobstmarkt statt. Es ist das erste Mal, daß ein derartiger Markt hier veranstaltet wird. ** Frankfurt a. M., 16. Sept. Auf dem Wege zur graphenassistenten Scheibe von einem schweren Fuhrwerk überSchule wurde heute das 7 jährige Töchterchen des Teleöbl. Zimmer, 1 Treppe hoch per 1. Oktober oder später. zu vermieten. Näh. Wallthorstr. 53, I Möbl. Zimmer und Theater unter Mitwirkung der Marburger Jägermusik zu vermieten. findet am 23. 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In einem Nachbardorfe wollten einige zeit vor der Wohnung des Schullehrers das bekannte Spottstattete jedoch Anzeige wegen Beleidigung und das Gericht lieb vom„ armen Dorfschulmeisterlein." Der Lehrer ererkannte gegen die Sangesbrüder auf je 8 Tage Gefängnis. Schreiner Wilh. Duttenhöfer hat im angetrunkenen zu** Dienheim( Rheinh.) Der 50jährige Wirt und stande Aeußerungen gegen den Kaiser und den Großherzog gethan. 2 Monate Gefängnis muß er nun dafür hinter den schwedischen Gardinen zubringen. Frühburgundertrauben ** Nieder- Jagelheim, 16. Sept. Mit der Lese der 18. September, begonnen. wird morgen, Donnerstag, Vermischtes. Jubiläum feierte gestern der Nestor der Berliner Stadt* Berlin, 14. Sept. Das diamantene Doktorverordneten, Sanitätsrat Dr. Neumann. Am 13. Sept. 1842 promovirte er in Halle. Der fast 83 jährige Jubilar ist das älteste Mitglied der Stadtverordneten- Versammlung, der er seit 1859 ununterbrochen zugehört. hat an Stollegen hektographisch vervielfältigte Briefe ge= Ein Arzt mit 30 Vertretern. Ein Berliner Arzt richtet, laut welchen ihm vom 1. Januar 1903 ab die gesamte ärztliche Behandlung der Mitglieder der Central. Kranken- und Sterbekasse der Tischler übertragen worden sei. Da er sich indessen allein nicht imstande fühle, allen Anforderungen gerecht zu werden, sei er genötigt, eine Anzahl Kollegen zur Mitarbeit heranzuziehen, die ihn in seiner Thätigkeit bertretungsweise unterstützen sollen. Ob die ärztlichen Aufsichtsbehörden dieses ärztliche Zwischenmeistersystem" gutheißen werden, hält die Medizinische Reform für zweifelhaft. Nach derselben Onelle soll sich der von der Kasse angestellte Arzt vertraglich verpflichtet haben, die 30 Vertreter bis zum 1. Januar 1903 anzuwerben, anderenfalls er eine Conventionalstrafe von 3000 Mr. zu zahlen hätte. * Zeitgemäß. In einer Dresdener Beitung ist das folgende zeitgemäße Inserat zu lesen:" Bu verkaufen ein Fahrrad, dasselbe ist nicht gestohlen." * Rolizau( Böhmen), 16. Sept. In der Ortschaft Mauth brach Nachts ein großes Schadenfeuer aus, welches zahlreiche Häuser einäscherte. wurde von einer Irrsinnigen angelegt, die dabei ums Das Feuer Leben kam. * Paris, 16. Sept. Der Marquis Castellane ver. weigerte gestern zum zweiten male dem behufs Vornahme der Pfändung wegen nicht bezahlter Steuern bei ihm erschienenen Gerichtsvollzieher den Zutritt zu seinem Schloffe. * Paris, 16. Sept. Der wissenschaftliche Delegierte Lacroix reist heute nach Martinique ab, wo er eine Reihe von Beobachtungsposten am Mont Pelé errichten wird, welche mit Fort de France telegraphisch verbunden werden sollen. Lacroix glaubt nicht, daß eine Räumung diesbezügliche Vorlesung in der Akademie der Wissender Insel notwendig sein wird. Er hat bereits eine schaften gehalten. * Karlskrona( Schweden), 16. Sept. Vier Offiziere auf noch unaufgeklärte Weise ertrunken. Die Schiffswache heute Nacht bei der Rückkehr von der Stadt nach dem Schiffe von dem hier ankernden dänischen Uebungs- Geschwader find sagt aus, daß sie nur einen Notschrei gehört habe. Die Leichen der ertrunkenen Offiziere fonnten geborgen werden. Hochschulnachrichten. Es haben folgende Berufungen stattgefunden: Der ord. Prof. für Strafrecht in Münster Dr. J. Heim. zu verzeichnen: Privatdozent Dr. P. Holdefleiß berger nach Gießen; ferner sind folgende Ernennungen zum a. o. Professor für Landwirtschaft in Halle, der a. Mezger zum ord. Professor, der Privatdozent für 0. Professor für Dogmatik in Basel Dr. Paul neutestamentliche Eregese Lic. theol. Vischer ebenda zum a. o. Professor. Der Greifswalder Archäologe Prof. Dr. August Preuner feierte seinen 70. Geburtstag, der Sanitätsrat Dr. Neumann in Berlin das in Kiel wurde ordentlicher Professor. diamantene Doktorjubiläum. A. o. Prof. Dr. Matthäi Frankfurter Opernhaus. " Mittwoch, 17. Sept.:„ Der Ning des Nibelungen". 3weiter Tag:" Siegfried". Beginn 127 Uhr. Donnerstag, 18.":" Bar und Zimmermann" Freitag, 19. :„ Hoffmanns Erfählungen". Beginn 1/28 Uhr. Samstag, 20.:„ Der Ring des Nibelungen". Dritter Tag:" Götterdämmerung". Beginn 6 Uhr. Sonntag, 21. " " :„ Undine". Beginn, wenn nicht anders vermerkt, 7 Uhr. Schöne 3 Zimmer- Wohnung per 1. Oktober zu vermieten. Näh. Hammstraße 11, part. Geräumiges Logis Mansardenwohnung 4 Zimmer mit Zubehör zu ber mieten. Emil Loh, Kirchenplay. Möblirtes Zimmer im Hinterhaus sofort oder später zu vermieten. zu vermieten. Grünbergerstraße 36, II. chön möblittes Zimmer( par: in ruhiger Lage fofort od. 1. Stod alsbald zu vermieten. später zu vermieten. Neustadt 14 part. Näh. 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Jahrgang) enthält als Amtsblatt der Stadt Wiesbaden alle offiziellen städtischen Bekanntmachungen, Civilstandsnachrichten, die amtlichen Fremdenlisten, die Curhausprogramme etc. allein authentisch. Der, Wiesbadener General- Anzeiger" erscheint täglich 12-28 s Seiten stark und ist in Wiesbaden und ganz Nassau unter allen Schichten der meist wohlhabenden Bevölkerung ausserordentlich stark verbreitet. Im kaufkräftigen Rheingau und wohlsituirten Blauen Ländchen hat der ,, Wiesbadener General- Auzeiger" die grösste Auflage aller Blätter aufzuweisen. INSERATE - kosten die 6- gespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., Reclamen 30 Pfg., bei öfteren Wiederholungen und grösseren Aufträgen weitgehender Rabatt. Vorausberechnungen und Probenummern stehen kostenlos zur Verfügung. Der Bezugspreis des ,, Wiesbadener General- Anzeigers"( Postzeitungsliste Nr. 8167) beträgt trotz der grossen Reichhaltigkeit des Inhalts nur Mk. 1.75 excl. Postzuschlag. Tanzunterricht. Zur geft. 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