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Freitag, den 15. August 1902. Gießener 11. Jahrgang. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Weßlar und Marburg 10 Pfg sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Die neueste reichsgerichtliche Entscheidung zwischen Fabrik und Handwerf. ( Nachdruck verboten.) In einer Anzahl von Tageszeitungen fand sich vor furzem die Nachricht, daß in dieser so wichtigen und doch wieder so umstrittenen Frage das Reichsgericht gesprochen habe und zwar heißt es, daß dabei das höchste deutsche Gericht zu dem folgenden Resultate gekommen sei: Schulstraße 10 rterstraße 31 Stock, bestehend aus Bleichplay, Garten Bubehör, sowie Sta U- utiche wohnung, per u berm. Nah. bei ant, Bahnhofftr. 18. 31 terstraße fardenwohnung, be5 Zimmern, Küche 2c. Der per 1 Sep ember n. Näh. bei Fabrikant ist derjenige, dessen Arbeiter nur einen Teil des Werkes anfertigen, und bei dem infolgedessen mehrere Arbeiter an einem Werke thätig sind. Handwerker ist derjenige, dessen Arbeiter allein ein Werk fertig stellen". Angesichts der neuen Bedeutung, welche unser Reichsgericht für unsere gesamte Rechtsprechung hat, und weiter angesichts des Umstandes, daß auch die Entscheidungen, die im Verwaltungswege zu der in Rede stehenden Frage ergingen feineswegs ein irgendwie einheitliches Gepräge auf weisen, dürfte es für weite Kreise nicht ohne Interesse sein, wenn in Folgendem der Versuch gemacht werden soll, auf die Bedeutung dieser Entscheidung des Reichsgerichts für die Bror& einzugehen. Im Sinne der Bestrebungen, die im großen und ganzen eigentlich alle Handwerkskammern verfolgen und verfolgen müssen, und die auf eine Abgrenzung beider Begriffe bezw. auf eine Klärung der Katasterfrage den Handels- und Landwirtschaftskammern gegenüber gerichtet sind, bedeutet die neue Entscheidung des Reichsgerichts zunächst einen Fortschritt. Sie läßt deutlich erkennen, daß sie den Schwerpunkt legt auf „ die Art der Produktion an sich" und nicht den Umfang, der für die Eintragung ins Handelsregister viel leicht als entscheidend in Betracht kommen fonnte. Damit Hand in Hand gehen aber zwei Umstände, deren Borliegen der Klärung der Frage nicht weiter förderlich ist. Das ist einmal die ausschließliche Berücksichtigung der Neuarbeiten, auf die der Wortlaut der Formu lierung hinweist, sodann ist es die Außerachtlassung der Waschinenarbeit. Gerade die letztere ist aber für die Fabrikation dann von hervorragender redeutung, wenn die in dem Betriebe verwendeten Maschinen nicht blos verbiffentes Handwerkzeug bilden, sondern aus dem Rohstoff bis zur Verwertung fertig den Gegenstand herstellen, und zwar lediglich unter dem Einfluß einer sich rein mechanisch bethätigenden Krat stehend. Wir wollen hier nur auf die sogenannte Uhrjederstiftmaschine hinweisen. Fassen wir weiter das Uhrma hergewerbe im allgemeinen ins Auge, so ergiebt sich, daß nament lich für die Verhältnisse der Schweizer Uhren ndustrie die Definition des Reichsgerichts passen würde. Tas ist aber nur deshalb der Fall, weil der Arbeiter der Schweizer Fabriken, welcher die Zeiger macht, fein Rad machen fann 2c. Rein Arbeiter fann also in der Regel an die St lle des andern treten. Diese Thatsache läßt aber die reichsgerichtliche Begriffsformulierung nicht genügend erfennen. Zieht man sie jedoch in Betracht, so ergiebt sich, daß im ungünstigsten Falle der Arbeitnehmer eventuell durch eine Mashine, die ähnlich arbeitet wie die Uhrfederstiftmaschine, erfeßt werden kann. Von anderen Gewerbearten gilt dies jedoch nicht ausnahmslos. Bei denselben läßt uns vielmehr der vom Neichsgericht gebotene Begriff der Arbeitsteilung der= Zerlegung im Stich. Er erweist sich für die Veraltungspraxis als völlig unbrauchbar und willkürlich, senn er ermöglicht es, jeden gewerblichen Betrieb, indem außer dem Inhaber selbst auch nur ein Geselle Meister fertigt die Platte, der Geselle die Zargen und auch auf die Art und Weise der Arbeit, oder kurz auf die Technik. Die Ansicht des Reichsgerichts steht zu der bislang herrschenden Ansicht aber noch insofern im Gegensatz, als sie lediglich die Teilarbeit als den Begriff der Fabrik kennzeichnend anführt. Bisher wurden noch eine größere Anzahl von Merkzeichen zur Entscheidung hierüber verwendet. Ob indessen mit dieser Sichtung der Kriterien nicht ein weiterer Fortschritt gegeben ist, diese Frage würde den Gegenstand einer anderen Untersuchung zu bilden haben. G. Schw. " § 616 B. G. B. Nach§ 616 B. G. B. muß der Arbeitgeber für verhältnißmäßig nicht erhebliche" in der Person des Arbeitnehmers begründete Unterbrechung der Arbeit den Arbeitslohn fortzahlen. Diese Bestimmung ist eine wichtige Neuerung des Bürgerlichen Gesetzbuches. Eine ihr entsprechende Vorschrift bestand bisher nur für andlungs- und höhere Gewerbegehülfen, doch nur dann, wenn der Hintergrund ein Unglücksfall war, doch galt dann die Verpflichtung, das Gehalt fortzu zahlen, bis zu einem Zeitraum von 6 Wochen. Für diese Kategorien von Angestellten ist die Vorschrift auch heute noch in Geltung. Die neue Bestimmung des Bürgerlichen Gesetzbuches ruft viele Meinungsverschieden heiten hervor, die, wenn sie nicht durch Nachgeben auf der einen oder anderen Seite beigelegt werden, meist vor den Gewerbegerichten und allenfalls vor den Land: gerichten in der Berufungsinstanz ausgetragen werden. Eine bestimmte Praxis hat sich bis jetzt noch nicht gebildet und wird sich auch, da höhere Instanzen nicht an Jerufen werden können, wohl nicht bilden. Dazu kommt noch, daß die verhältnismäßig unbedeutende Unterbrechung den verschiedenartigsten Ursachen entspringen kann und ferner, daß Ausdrücke wie„ verhältnismäßig" und nicht erheblich" an sich sehr wenig geeignet als Grundlage für die Rechtsprechung sind. Im Allgemeinen herrscht, entsprechend der Absicht des Gesezgebers, wohl Uebereinstimmung darin, daß Wahrnehmung von Terminen als Zeuge und Teilnahme an Kontrolversammlungen als derartige Unterbrechungen anzusehen sind, wobei es freilich strittig bleibt, wie lange der Zeuge von einem Termine in Anspruch ge= nommen werden darf, und ob die Bestimmung auch gelten soll, wenn ein Arbeiter gezwungen wird, als Beuge an einer Verhandlung teilzunehmen, die einen ganzen Tag oder gar mehrere Tage in Anspruch nimmt. Der Fiscus macht dabei ein ganz gutes Geschäft, wenn er unter Berufung auf die Bestimmung die Zahlung von Zeugengebühren verweigert und so die Kosten der Rechtspflege zu einem erheblichen Teile auf die Arbeitgeber abwälzt, die in Folge dessen doppelte Nachteile haben, indem sie einerseits auf die Arbeitskraft ihres Angestellten verzichten und außerdem diesem noch den Lohn zahlen müssen, der für die versäumte Zeit durch die Zeugengebühren ersetzt werden müßte. Ueber einen eigenartigen Fall, in dem der Arbeit geber sich weigerte, einem Arbeiter den Lohn für die Zeit, die er als Zeuge hatte verwenden müssen, zu zahlen, berichtet so eben die„ Ostsee- 3tg." aus Stettin. In einem großen Betriebe ist§ 616 durch die Arbeitsordnung nicht ausgeschlossen, die Arbeitgeber stützen sich eben darauf, daß die Löhnung der Arbeiter durch Zahlung eines Stundenlohnes erfolgte und auch bei AccordBlank, Bahnhofftr. 18.( Gehilfe) thätig ist, für einen Fabrifbetrieb zu erklären. arbeit zunächst im Stundenlohn gezahlt und der Ueber5- Zimmerwohn. Süchentisch angefertigt werden soll und zwar so: Der zahlt werde. Die Arbeiter fönnen jeder Zeit entlassen Oktober ev. früher ehmen wir an, daß in einer Tischlerei ein einfacher schuß erst nach Beendigung der Accordarbeit ausge5. Lublinoti, Edt der Lehrling die Füße. Nach Ansicht des Reichsgerichts wendung des§ 616 ausgeschlossen sei, weil bei ihm nobl 3mmer in ruhige scheidung würde aber wohl faum als den wirtschaft geschlossen würden. behör Gartenanteil zu and Steinstraße 41. Nähe der Kliniken per nder Erped. d. Bl. zu vermiet n. liegt dann ein Fabrikbetrieb vor. Eine derartige EntZimmer per 1. Auguft wenn wir der vom Reichsgericht vertretenen und sonst wendete Zeit zahlen müsse und das Landgericht hat eim. Weksteinftr. 22 II nöblirtes und ein fiein irtes 3mmer zu ver Afterweg 5. dathaus & werden. Der Arbeitgeber folgerte daraus, daß die Anwerden. Der Arbeitgeber folgerte daraus, daß die Andie Arbeitsverhältnisse stets nur auf eine Stunde abDas Gewerbegericht nahm aber lichen Verhältnissen entsprechend in der gewerblichen an, daß der Arbeitgeber auch in diesem Falle den Lohn Praris angesehen werden, und doch sie müßte ergehen, für die durch Ladung des Arbeiters als Zeuge verauch vielfach herrschenden Meinung folgen wollen. Da die dagegen erhobene Beschwerde zurückgewiesen. gegen würde man sich nicht so sehr wundern, wenn wäre nur wünschenswert, daß die Gründe, auf die sich abgesehen von den eventuellen sonstigen Erforderniffen das Landgericht stüßt, veröffentlicht würden. Zu billigen und Voraussetzungen- ein Tischlereibetrieb für einen sind das System der Stundenlohnung und der AusFabrikbetrieb erklärt würde, in dem Tischler, Holzbild- schluß jeder Kündigungsfrist in dem„ großen Betriebe" hauer oder Drechsler, Anstreicher und Polsterer be- und die Berufung darauf nicht; andererseits ist und schäftigt werden. Es kommt eben bei der Produktion bleibt es aber eine Ungerechtigkeit, daß die Arbeitgeber kommen. - Vermischtes. идит * Die Noblesse der Großen Berliner zeigt sich im fleinen wie im großen. Vor furzem veranstalteten die Straßenbahn Angestellten vom Bahnhof Schönberg ein Familienfest in Tegel. Sie erbaten sich von der Direktion eine Anzahl von Motor- und Anhängewagen zur Beförde rung der zahlreichen Teilnehmer. Die Direktion stellte die gewünschten Wagen auch zur Verfügung, berechnete ihren eigenen Angestellten jedoch 15 Mart pro Wagen. * Eine schwere Betriebsstörung, welche leicht ernstere Folgen hätte haben fönnen, aber einen verhältnismäßig guten Ausgang nahm, tam am Dienstag Nachmittag an der Niederwald Zahnradbahn vor. Als ein Zug, bestehend aus der Lokomotive und zwei besetzten Personenwagen, vom Denkmal abwärts fuhr, sprang plöglich an einer sehr steilen Stelle die Klappe des Verschlußventils mit einem starken Knalle los, sodaß der Dampf, mittelst welchem die Buggeschwindigkeit regulirt wird, zischend entwich und der Bug mit rasender Schnelligkeit einige Hundert Mater abwärts fuhr. Nur der großen Geistesgegenwart des Zugführers ist es zu danken, daß der Zug, welcher mit etwa 60 Berfonen befest war, durch Aufwendung seiner ganzen Kraft von ihm an der einzig dazu geeigneten Stelle einer Kreuzung, von wo aus es nachher kein Halten mehr gegeben hätte Stehen gebracht werden konnte. Unter den Bassagieren war eine Banit ausgebrochen. Einige Damen fielen in Ohnmacht, einige andere riefen laut um Hilfe. Ein Herr war während der Fahrt aus dem Wagen gesprungen und wurde später schwer verletzt aufgefunden und in das Rüdesheimer Krankenhaus verbracht. zum * Aus dem Leben des Adels. Wegen Paletotdiebstahls und Zechprellerei wurde in Nürnberg der Maschinenbau studierende Freiherr v. Henpel- Barnski vom Schöffengericht zu zwei Monaten und 14 Tagen Gefängnis verurteilt Er hatte in einem Café zwei Sommerüberzieher im Werte von 70 resp. 80 Mt. gestohlen und in einem Wein- Restaurant eine Zeche von über 12 Mt. gemacht, ohne einen Pfennig Geld bei sich zu haben. * Der 100. Geburtstag Lenaus in Csatad. Esatad ( Ung.), 13. Aug. Die Geburtsstadt Lenau's war heute anläßlich dessen 100. Geburtstages festlich dekoriert und beflaggt. An mehceren Puntten waren prächtige Triumphpforten errichtet. Am Vormittag hielt die Gemeinderepräsentanz eine Fest sizung, an die sich ein Festgottesdienst in der katholischen Kirche schloß. Darauf zogen die Festteilnehmer vor das Gemeindehaus, wo der Präsident des Dentmalskomitees Bactold eine Begrüßungsansprache hielt. Der Dichter Franz Herczeg hielt die Festrede, die vielen Beifall fand. Nun erfolgte die Grundsteinlegung des Lenaus- Denkmals. Nachmittags vereinigte ein großes Bankett alle Festteilnehmer. * Starle Schneefälle fallen, seit Montag, wie aus Graz gemeldet wird, in Obersteiermart. Auch aus weniger gebirgigen Gegenden wird Winterwetter gemeldet. * Neapel, 13. August. Von einem aus Amerika eingetroffenen Dampfer sprang der aus der Proving Cosenza gebürtige Sganza während der Fahrt ins Meer und ertrank. Man hat Anhaltspunkte dafür, daß derselbe von Anarchisten mit der Vollführung eines Attentates in Europa beauftragt war. * Stockholm, 13. August. Die Reichsbant bezahlte drei von der Staatsfasse ausgestellte Sheds von 3000, 5000 und 9000 Stronen aus, welche auf 30 000, 50 000 und 90 000 kronen gefälscht waren, und erlitt hierdurch einen empfindlichen Verlust. Die Untersuchung ist im Gange. * Die Nonne als Kupplerin. Die Schwester Filomena in Neapel versorgte gegen Geld mit den ihrer Ob hut anvertrauten Mädchen im Alter von 9-13 Jahren die berüchtigtsten Lebemänner Neapels. Als gegen zwanzig threr häßlichen. Als gegen zwanzig threr Böglinge an derselben häßlichen Krankheit darniederlagen, machten die Aerzte Anzeige beim Gericht und erwirkten für das ruchlose Weibsbild die Verurteilung zu sechs Jahren Zuchthaus. Dafür aber, daß die Aerzte dieses himmel. schreiende Unrecht aufgedeckt hatten, wurden sie von der flerifalen Presse als Religionsspötter, Atheisten und Freimaurer" der Rache des aberg äubischen Böbels denunzirt, und richtig fiel der Primärarzt Dr. Del Gudice unter dem Dolchmesser der bezahlten Camorra. Newyork, 7. Aug. Ein zartes Frauengemüt gibt sich in folgender Meldung eines hiesigen Blattes fund. Frau Ella Hall von Valdosta, Ga., hat den Sheriff von Lowndes County gebeten, ihr zu erlauben, das Seil, an wird, ziehen zu dürfen. Bryant tödtete Frau Halls Vater, inefleisch 50% fgbon Gütern oder Werken nicht allein auf ein mathema- die Ausgaben tragen sollen, die der Staatskasse zu welchem der Neger Donsey Bryant zum Galgen gezogen fleis 50 Big heute. tisch zu bestimmendes Quantum von Arbeit an, sondern Der Sheriff hat seine Einwilligung gegeben, aber man nimmt an, daß die staatliche Behörde einschreiten und die Frau verhindern wird, des Sheriffs Arbeit zu thun. * Beim Stapellauf des für den Norddeutschen Lloyd gebauten Riesen- und Prachtdampfers, Kaiser Wilhelm II. dem auch der Kaiser in Stettin beiwohnte, wurde von der Tochter des Generaldirektors Wigand ein von Dr. Stettenheim verfaßtes Taufgedicht gesprochen. Aus diesem geben wir nachstehende Strophen wieder: sid Heil dem Kaiser! Ueberkommenes Erbe Hütet er treulich. Bu hohen Zielen Führt er sein Volk Mit Kraft und Weisheit. Er lenkt den Blick Auf das weite Meer Und schreitet voran, Das Meer zu erobern In friedlichem Kampf. Nun eile hinein In dein fünftiges Reich Und trage den Namen, Der dir beschieden, Mit Stolz und Ehren. Hoffnungsfroh folgen dir Unsere Bünsche, Jubel umrauscht Deine ersten Schritte. Und so taufe ich dich Auf den Namen des Kaisers: " Kaiser Wilhelm der Zweite" Seift du genannt! Hierauf wurde die Taufe mit einer Flasche„ Kupferberg Gold", extra dry, vollzogen, und stolz glitt das mäch tige Schiff in die Flut. audi * Der Prinz als Geiger. Mie dem„ Kl. Journ." aus München gemeldet wird, hat Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern, der nicht nur ein viel gesuchter Arzt, sondern auch Musiker und Kunstmäcen ist, als erster Violinist bei der Aufführung der„ Meisterfinger" im Orchester des Prinzregenten- Theaters mitgewirkt. * Ein wanderndes Schloß. Ein in letzter Zeit u. A. aus Anlaß des Todes Rudolf v. Bennigsen's öfters geuanntes Schloß, dessen Vorgeschichte wenig bekannt ist, aber aufgefrischt zu werden verdient, ist das Schloß Monbrillant bei Osnabrück. Es wurde unter dem König Ernst August von Hannover erbaut, und zwar in Herrenhausen bei Hannover. Im Jahre 1857 wurde es, wie der„ Voss. Ztg." berichtet wird, an den Georgs- Marien- Bergwerks- und Hüttenverein verkauft, regelrecht abgebrochen und in seinen einzelnen Teilen buchstäblich auf Wagen eine Bahn von Osnabrück nach Hannover gab es damals noch nicht nach seinem jezigen Bestimmungsort, Georg- Marienhütte bet Osnabrück, transportirtein denkwürdiger Häusertransport vor 45 Jahren! Der Wiederaufbau erfolgte merkwürdiger Weise so, daß die Front nach dem Parke zu zu stehen kam, die Rückseite ein wenig föniglicher Anblick nach der Straße zu! * - - Port Arthur, 11. Aug. Seit dem 15. Jult bis 2. August find 246 Chinesen und 70 Europäer an der Cholera erkrankt. Davon starben 219 Chinesen und 27 Europäer, darunter 11 russische Soldaten. Viele tausend chinesische Arbeiter verließen aus Furcht vor der Cholera die Stadt und begaben sich nach Tschifu. Die Gesellschaft des russischen Roten Kreuzes versieht die Stadt mit gutem Trinkwasser. * Der Thaler, das alte und im Verkehr vielbeliebte Münzstück, dürfte nun doch aus dem Handel scheiden, nachdem auch der deutsche Handelstag sich eingehender mit dieser Frage beschäftigt hat und bei aller Wertschäßung des Thaler stückes ihm doch das Bedürfnis für seine Beibehaltung abgesprochen wird. Wohl erkennt man n, daß das Fünfmarkstück in seiner heutigen Gestalt eine sehr unhandlich Münze ist, aber man hofft, um diese Unzuträglichkeit dadurch herumzukommen, daß das Fünfmarkstück durch Verwendung feineren Metalls fünftighin seine unhondlichen Formen der liere und nicht viel größer als der jeßige Thaler ausfalle. * Aus Kindermund. Am Familienisch hatten nur die vier großen Kinder Platz und der kleine Hans mußte zu Wer Sprachen kennt, ist reich zu Das nennen Meisterschafts- System zur praktischen und naturgemässen Erlernung der deutschen, französischen, englischen, italienischen, spanischen, portugiesischen, holländischen, dänischen, schwedischen, polnischen, russischen u. böhmischen Geschäfts- u. Umgangssprache. Eine neue Methode, in 3 Monaten eine Sprache sprechen, schreiben und lesen zu lernen. jolt Zum Selbstunterricht von ibedogjun, theili Dr. Richard S Rosenthal Französisch Italienisch Englisch Spanisch Polnisch, complet in je 15 Lectionen à 1 Mk. Russisch, complet in je 20 Lectionen à 1 Mk. Schlüssel hierzu à 1 Mk. 50 Pf. Holländisch Dänisch Schwedisch Böhmisch, complet in je 10 Lektionen à 1 Mk. Probebriefe aller 12 Sprachen à 50 Pf. Rosenthal'sche Verlagshandlung. Deutsch tugiesisch Leipzig. 1 side in Porseinem großen Leidwesen seine Mahlzeiten am Razentischchen einnehmen. Eines schönen Tages rief er mit einem tiefen Seufzer aus:„ Ach Gott, Mama, wenn doch nur endlich einmal eines von den Großen sterben würde, daß ich auch an den großen Tisch könnte!" " * Mühlhausen, 14. Aug. Heute früh kurz nach 4 Uhr brannte die große Möbelfabrik Hirler gänzlich nieder. Der Schaden ist ernorm. Der Besizer befindet sich gegenwärtig auf einer Geschäftsreise. * Esisheim, 14. Aug. Gestern Abend wurde ein Zuchthaussträfling, der aus dem Gefängnis en' fliehen wollte, auf der Gefängnismauer von einem Wachtposten erschossen. Zürich, 14. Aug. Die Gipfel der umliegenden Berge sind mit Schnee bedeckt und aus den meisten Ortschaften wird über heftiges Schneegestöber berichtet. Das Thermometer ist unter Null gesunken. * Ein wertvolles Krönungsgeschenk für Eduard VII. König Eduard empfing im Buckingham- Palast den Lord mayor von London, der ihm das Krönungsgeschent Englands in der Form eines Checks über 115,000 Pfund Sterling ( 2,300,000 Mart) überreichte. Diese Summe war von allen Schichten der englischen Bevölkerung in großen und kleinen Beträgen zusammengebracht worden. Der König zeigte sich hocherfreut und überwies die Summe sofort dem King Edward Hospital Fund, einer Stiftung der Königin Viktoria, welche bezweckt, die Hospitäler Londons schuldenfrei zu machen. Der anwesende Prinz von Wales, welcher Präsident dieser Stiftung ist, nahm den Millionen- Check an sich. * Ein ganzes Dorf an die Luft gesetzt. Man schreibt den Münch. N. N." aus Madrid: Der Hauseigentümer des fleinen Dorfes Campocerrado in der Provinz Salamanca, ein Herr Cobalega, hat sämtliche Einwohner, die seine Mieter sind, auf die Straße seßen lassen. Vom Standpunkt des geschriebenen Rechts ist eine Ruhestörung befürchtete, gewiß richtig handelte, nichts dagegen einzuwenden, sodaß die Regierung, welche als sie eine zahlreiche Gensdarmerie entsandte, um die Execution ordnungsmäßig vollziehen zu lassen. Es fragt sich aber, ob es im Interesse des Staates liegt, ein ganzes Dorf, und wenn es auch nur, wie Campolerrado, 161 Einwohner hat, auf den einfachen Antrag eines Hauseigentümers hin plötzlich zu ent* Deutsche Lehrer in Konstantinopel. Die Herren, die sich zu einer deutschen Lehrerfahrt nach dem Orient vereinigt haben, sind am 5. Aug. wohlbehalten in Konstantinopel eingetroffen. Auf der Wanderung durch die Stadt wurde am Kaiserbrunnen, dem Geschenke Kaiser Wilhelms II an den Sultan, den beiden Herrschern eine Huldigung dargebracht. Lehrer Köhler aus Köln, der unter den Orientfahrern einen Sängerchor gebildet hat, hielt eine Ansprache, der ein musikalischer Vortag des Chors folgte. Die im Augenblicke zu Hunderten angewachsene Menge, die den Sinn des Vorgangs bei der Namensnennung des Sultans begriff, nahm die Huldigung begeistert auf. Die Gesellschaft schiffte sich dann nach Athen ein. Hochschulnachrichten. Heidelberg. Der Custos an der UniversitätsBibliothek, Dr. N. Sillib, ist zum Bibliothekar ernannt worden.- Marburg. Der Professor der Philosophie Fr. Schottky beabsichtigt, einen an ihn ergangenen Ruf an die Universität Berlin anzunehmen. Bei der medizinischen Fakultät der Universität Berlin ist Dr. med. Gustav Brühl als Privatdozent für Ohrenheilkunde und Dr. med. et rer. nat. Franz Müller als Dozent für Arzneimittellehre zugelassen worden. In der philosophischen Fakultät der Universität Berlin führte sich Dr. Josef Horovitz aus Frankfurt a. M. als Privatdozent ein. Seine Antrittslehre handelte von der ältesten geschichtlichen Litteratur der Araber- Der Professor Dr. Eduard Jacobi in Freiburg i. B. ist zum etatsmäßigen außerordentlichen Professor der Dermatologie ernannt worden. Die philosophische Fakultät der Universität Breslau hat den Provinzialschutrat Thalheim in Breslau zum Ehrendoktor ernannt. Dieselbe Auszeichnung ist dem Geh. Hofrat und ordentlichen Professor an der juristischen Fakultät Leipzig Ludwig Mitteis zu teil geworden. Die königlich sächsische Gesellschaft der Wissenschaften ernannte die außerordentlichen Professoren der Leipziger Universität Dr. phil. Karl Die Berufswahl im Staatsdienst. Vorschriften über Annahme, Ausbildung, Prüfung, Anstellung und Beförderung in sämtlichen Zweigen des Reichsu. Staats-, Militär- und Marinedienstes. Mit Angabe der erreichbaren Ziele und Einkommen. Nach amtlichen Quellen von A. D. eger. 7. Auflage 1902, Geheftet 3,60 Mk., gebunden 4,50 Mk. Die Nester und Eier der in Deutschland brütenden Vögel. Mit 229 farbigen Abbildungen. Von Dr. E. Willebald. 3. Aufl. 3 Mark. Fidelitas. Zeitschrift enthaltend Lustspiele, Couplets( mit Musik), Vorträge, Spiele. Halbjährlich 2 Mark. Probeheft 8 Stück enthaliend, 40 Pf. 110 C. A. Koch's Verlag in Dresden u. Leipzig. rankfurter Lebens- VersicherungsGesellschaft in Frankfurt a. m. F Grundkapital. Ausgezahlte Sterbekapitalien, Benten u. s. w. b Ende 1900. [ Errichtet Mk. 5142 840 " 46600 000 Den am Gewinn der Gesellschaft beteiligten Versicherten wurden bisher 3866 000 Mk. Dividende überwiesen. Correns( Botanik), den zweiten Prorektor am anatomischen Institut Dr. med. Hans Held und den ehemaligen Assistenten am physiologischeu Institut Dr. phil. Mar Siegfried zu außerordentlichen Mitgliedern der mathematisch- physikalischen Klasse. Als Nachfolger des verstorbenen Professors Gerhardt für den klinischen Lehrstuhl an der Universität Berlin fommt auch Professor Dr. v. Noorden, der Direktor des städtischen Krankenhauses in Frankfurt a. M., in Betracht. Ferner werden Professor Müller in München, bis vor kurzem in Marburg, ein ehemaliger Assistent Gechardts, und Profeffor Krahl- Leipzig, dem die Nachfolgerschaft Müller's in Marburg zugedacht war, als Kandidaten genannt. Professor Dr. Alexander Cartellieri an der Universität Heidelberg hat einen Ruf als etatsmäßiger Extraordinarius für mittelalterliche Geschichte an der Universität Jena erhalten und wird demselben schon zum 1. Oktober d. J. Folge leisten. Professor Cartellieri ist zu gleicher Zeit mit der Vertretung von Professor Ottokar Lorenz beauftragt, der aus Gesundheitsrücksichten den Winter in Italien zuzubringen gedenkt. Würzburg. Prof. Dr. Theodor Boveri, Vorstand des zoologisch- zootomischen Instituts der hiesigen Universität, erhielt für sein 1900 erschienenes Werk Zellenstudien"," leber die Natur der Centrosomen" den Stiebel- Preis der Senckenbergischen Stiftung in Frankfurt a. M., der alle vier Jahre zur Verteilung gelangt. Der berühmte Augenarzt Geh. Nat Professor Dr. Karl Schweigger in Berlin feiert heute sein goldenes Doktorjubiläum. Am 23. feiert der Professor der Theologie an der Leipziger Universität, Direktor des neutestamentlichexegetischen Seminars, Geh. Nat Dr. theol. et phil.&. A. Fricke seinen 80. Geburtstag. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Schweigger, der verdienstvolle Berliner Augenarzt, feiert heute, am 15. August, das goldene Doktorjubiläum. Der Gelehrte promovierte vor 50 Jahren zu Halle, wo sein Vater Joh. Sal. Chr. Schweigger ( 1779-1857), der Erfinder des elektromagnetischen Multiplicators, Professor der Physik war. Sein Sohn Karl promovierte, 22 Jahre alt, in Halle, wo er Assistent des Klinikers Peter Krutenberg war und als solcher einer der ersten, die Kurse in der Auskultation und Perkussion in Deutschland erteilten. Von 1857-1865 stand er als Assistent dem genialen Albrecht v. Gräfe in dessen Augenklinik zur Seite; auch nahm er in dieser litterarisch ertragreichen Zeit rühmlich an dem Ausbau des wissenschaftlichen Teiles der Augenheilkunde Anteil. 1860 wurde er Privatdozent an der Berliner Universität. 1868 wurde er ordentlicher Professor und Leiter der neubegründeten Augenklinik in Göttingen, und 1871 folgte er dem früh dahingeschiedenen Albrecht v. Gräfe in der Berliner Professur nach. Vor zwei Jahren zog er sich aus Gesundheitsrücksichten von seiner erfolgreichen Wirksamkeit als Kliniker und Lehrer zurück. Litterarisches. Weltall und Menschheit. Hans Krämer, der Herausgeber des bekannten Werkes„ Das 19. Jahrhundert in Wort und Bild", läßt jetzt im Verlage des deutschen Verlagshauses Bong u. Co. unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner ein neues Werk unter dem Titel" Weltall und Menschheit" heraus. Wie der Untertitel sagt, soll dasselbe eine Gegenüberstellung von Naturivunder und Menschenwerk, eine Gefchid.te der Erforschung der Natur und Verwertung der Naturkräfte geben. Nach den vorliegenden Lieferungen ( es werden deren im ganzen 100 zum Preise von je 60 Pfennige erscheinen) zu urteilen, giebt es ein monumentales Werk, das seinesgleichen sucht, und die Zierde einer jeden Bibliothek und die Freude eines jeden Buchliebhabers bilden wird. liebhabers bilden wird. Die beigegebenen Abbildungen sind wahrhaft fünstlerisch ausgeführt, und geben ein lebenswahres Bild von Teilen der Erdoberfläche und deren Umbildungen durch vulkanische Eruptionen. Für letztere dürfte wohl hinsichtlich der Ereignisse der jüngsten Vergangenheit ein besonderes lebhaftes Interesse herrschen. Andere Abbildungen führer dem Leser die Auffassung früherer Zeiten über erwähnte Umbildungsprozesse vor. wuf ist in jeder Küche unentbehrlich. Atelier für Portraitmalerei von Otto Fritz akad. Kunstmaler. Unterricht. 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