Nr. 290. Zweites Blatt. Abonnementspreis: in Gießen, abgebelt monatlich 50 Pfa., in's Haus gebracht 60 Tip., durch die Poft bezogen viertels jährlich Mt. 150. Brati beilagen: Cberhessische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Freitag, den 12. Dezember 1902. Gießener 11. Jahrgang. Jusertionsprei 8: Die einspaltige Petitzelle für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3269. Redaktion und Erbedition: Gieken Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Kunst und Wissenschaft in der Orthopädie. II. ( Nachdruck verboten.) Uebrigens nimmt sich dieser Ausdruck seltsam aus, wenn der genannte Gelehrte doch in derselben Vorlesung nicht umhin fonnte, den Dank gegen den hervorragenden Mechaniker" Helsing auszusprechen, dem wir de Herstellung mun fann wohl fogen vollendeter Apparate verdanken. Das sind vornehmlich die Stüßapparate für die Wirbelsäule und die Ech enenhülsen- Apparate, die es erst ermöglicht haben, die orthopädische Behandlung bei freim Umhergehen der Patienten durchzuführen. Dabei wurde dieser verdienst colle Bahnbrecher zuerst gerade von den höchsten Vertr tern der Wissenschaft, den Inhabern der akademischen Lehrstühle befänpft, wäbr nd Männer der P axis, meist aus„ Laien", " sich auf dass Ive Gebiet verlegten und zum Teil es s lbstständig weiter ausbauten, so namentlich der Dessauer Orthopäde Paschen, dessen fürzlich( in der Anhaltischen Berlags anstalt zu Dessau) erschienene Broschüre über den Schiefwuchs der Kinder, I. die Stoliose", an der Hand von über 100 Abbildungen die Erfolge seiner within bef. nnten Anstalt unwiderleglich vor Augen führt und bei Aer ten wie Laien berechtigtes Aufschen erregt.( Der Ertrag di ser Broschüre, Preis 1,50 Mt., ist als Beihilfe zum Bau eines Kruppelheims für arme Kinder bestimmt. Mögen auch Männer wie Hssing, Paschen u. A. als Mechanifer ihre Heilthätigkeit begonnen haben und der operat ven Chirurgie abhold sein, so gebührt ihnen doch angesichts ihrer Erfolge, deren sich fein Arzt zu schämen brauchte( a hören doch slbst Aerzte zu ihren Patienten), mit Juz und Redt die Bezeichnung als Dathopäden und als solchen die selbständige Ausübung ihrer Heilkunst. Der Vrfasser dieser Zeilen darf als mehrjähriger Bobacht r und passiver" Sachverständiger sich wohl ein Urteil erlauben, ist er doch selbst noch im Alter von über 30 Jahren, also als völlig erwachs ner Mensch, von einer weit vorgeschr ttenen Verf ümmung des Rückgrats nach fit- und einwärts( Sfoliofyphose), verbunden mit schwerem Nervenlerden und Störungen innerer Organe, in Basa, ens orthopädischer Heilanstalt fast vollständig geheilt worden, ein Fall, wie er wohl selt n in der ärztlichen Progis vorgekommen ist. Dieses erstaunliche Ergebnis ist freilich nicht blos durch das Tragen orthopädischer apparate, sond rn auch in demselben Maße durch zweckmäßige M ssage, Gymnastik, Bäder und Dist erre cht worden, alles Mit el, die ja auch die wissen schaftliche Orthopädie anerkennt und selbst verordnet, und die den Beweis lufern, daß die Anstalt nicht nur in der Her ft lung mechanischer Apparate auf der Höhe der W.fsen schaft steht. 44] Dr. Rumseys Patient. Noman von Dr. Halifar und T. L. Meade. Autorisierte Bearbeitung von C. Weßner. ( Nachdruck verboten.) „ Aber schnell. Ich komme gleich, John! Der Onkel ist auch nicht mehr so gutmütig wie früher, ich darf ihn nicht ungeduldig machen. Also was willst Du noch?" Sage mir, Tante, wenn der Baron ganz gefund ist- so gefund, wie er nur je im Leben gewesen- ob er sich dann erinnert?" Unsinn, das giebt es nicht! Er wird sich nie an das Vergangene erinnern! Die Audreys thaten das nie in solchen Fällen." Aber Tante, die anderen Audreys wurden auch nicht wieder gefund!" " Ja- da hast Du allerdings recht!" " Und die Leute sagen, Baron Robert wäre wieder ganz gesund 11 " Ja Hetty, dazu fann ich wirklich nichts sagen. Wir müssen abwarten Du und ich und heute abend aufpassen. Du bleibst dicht neben mir, wenn der Wagen die Allee herauffommt; wir sehen ihm beide scharf ins Gesicht, wenn er an uns vorbeifährt darnach werden wir schon wissen, woran wir sind. Du weißt doch, welchen merkwürdigen Ausdruck seine Augen seit tener Nacht angenommen haben?" Ja Tante, ich weiß ich bleibe also dicht bei Dir heute abend." Abgemacht, Hetty, doch iezt muß ich gehen. Sete Dich in die Stube und ruhe Dich aus." Hetty blieb den Nachmittag über in dem kleinen Wirtshaus. Segen abend fam Vincent ebenfalls hin. Hetty befand sich gerade in der Laune, liebenswürdig gegen ihn zu sein, und diese ungewohnte, so sehnlichst gewünschte Herzlichkeit seiner Frau erfüllte Den guten, braven Mann mit einem Glücksgefühl, wie er es fange nicht gefaunt. Ein sonniges Leuchten trat in seine treuSerzigen Augen, bie unverwandt auf seiner Frau ruhten. Das sonst so stille Dorf glich einem aufgestörten Ameisenhaufen. Ueberall herrschte eitel Freude und Aufregung Die Herrschaft fehrte heim, da mußte in Zukunft alles gut und schön gehen. Griffiths, der Verwalter, sprengte auf seinem Pferde bald hier bald dorthin; er war unausgelegt in größter Eile und gab seine Befehle mit wahrer Stentorstimme. Die Zeit der Ankunft des Barons und seiner Gattin rückte immer näher, die Bauern " Allerdings ist zu berücksichtigen, daß blos vereinzelte ,, La en"( wie auch nur wenige Aerzte) vollständig eingerich tete orthopädische Heilanstalten besigen. Die weitaus größte Mehrzahl der Mecanifer und Bandagisten unterhät nur rtſtätten zur Anfertigung von Apparat n, fünstlichen Gliedmaßen, Verbänden u. 1. w. Diese Kunsthandwerker müssen bei ihrer theoretischen Meister prüfung sich über allgemeines Wissen in der Anatomie, Kenntnis der wichtigsten M ßbildungen, der Bruchleiden, der in ihr Fach einschla genden Apparate, deren Zwecke und Behandlung u. a. mehr vor einem Acte ausweisen. Auch in diesen Kreisen finden sich ausgezeichnete Fachmänner, die in der praktischen Technik der Orthopädie Tücht ges leisten und in ihrer Kunstfertigkeit nicht so leicht von einem orthopädischen Arzte erreicht oder gar übertreffen werden dürsten. Daß dieser Arzt, so bemerkt das Factblatt:„ Der Bandagift", etwas von der Kunst verstehen soll, das wird jeder Bandagist für sich nur als vorteilhaft betrachten. Bielleicht erhöht sich dann die Achtung vor der Geschicklicht it und Erfahrung des Bandagisten, wenn der Arzt Enblick in die Schwierigkeiten erhält, mit denen die Herstellung guter und brauchbarer Apparate verknüpft ist!" Wenn auch der angeschenste Vertreter der wissenschaftlichen Orthopädie seine Schüler in die Technik der Apparate enzuführen sucht, wird es dennoch wohl noch eine gute Weile dauern, bis die Aerzte in größerer Anzahl sich selbst in der Werkstatt hinstellen und eigenhändig Apparate und fünstliche Glieder, sowie die nöt gen Ausbesserungen und Aenderungen fertig bringen werden. Imme. h n läßt sich aus einer innige en Bereinigung der ärztlichen Wissenschaft mit der mechanischen Kunstfertigkeit für das wette Feld der Orthopädie und damit für einen großen Teil der leidenden Wiensch, heit noch viel Segensreiches erhoffen, sei es nun, daß die beiderseitigen Vertreter möglichit Hand in Hand arbeiten, wie es wohl meistens wird geschehen müssen, oder sei es, daß einzelne Aerzte zum Mechan fer und Bandagisten herab finfen," oder auch daß manche besonders begabte Mechaniker sich durch wissenschaftliches Studium und vollendete Auz übung ihrer Kunst den Aerzten würdig an die Seite stellen. Für die leidenden Menschen hat ja die medizinische Wiss nschaft nicht als solche, sondern nur in ihrer Anw n- dung als Heilkunst einen Wert, indem sie Krankheiten und Gebrechen heilt oder lindert oder verhütet. In der Kunst gilt aber ein jeder, der etwas Vortreffliches leisten fann, ganz gleichgiftig, wie er sich dazu vorgebildet hat, und so hat insb sondere die medizinische Wissenschaft, die als Heilfunst schon so vieles den„ Laien" zu verdanken hat, gerade auf orthopädischem Gebiete alle Ursache, hervorragende Künstler dieses Faches als Mitarbeiter wilkommen zu heißen strömten in immer größeren Scharen herbei, feiner wollte bei dem Empfang fehlen. Die meisten stellten sich in der langen, direft in das Schloß führenden Allee auf. Hetty und Frau Armitage blieben dicht bei einander. Georg Vincent und John Armitage gingen einige Schritte hinter ihnen. Armitage dachte daran, daß er sofort nach der Ankunft der Herrschaft nach Hause müsse; Vincent hatte für nichts anderes Gedanken, als für Hetty, wobei er über Mittel und Wege nachdachte, wie er sich ihre Liebe erringen fönne. Hetty und ihre Tante dachten an nichts anderes, als daß das furchtbare Geheimnis, an dem sie so schwer trugen, jede Lebensfreude, jeden Sonnenschein aus beider Dasein verbannt hatte. Die zwei Baare gingen langsam die Allee hinunter und blieben auf einer Erhöhung stehen, von wo aus sie alles sehr gut übersehen konnten. Hettys Bulse flogen, ihr Herz klopfte zum Zerspringen. So schrecklich ihr Geheininis auch war, fie empfand dennoch eine große Freude darüber, daß der Baron heimkehrte. Bald würde fie ihn wiedersehen. Sein Anblick war ihr ia doch die höchste Wonne, er war nun einmal der Inhalt ihres Lebens. Ihre Augen glänzten wie ein paar herrliche Steine; ihre alte, berückende Schönheit schien wie durch Zauber zurückgekehrt. Vincent, der nicht weit von ihr stand, schaute sich alle Augenblicke nach ihr um. Na, weißt Du", meinte Armitage plötzlich mit verschmigtem Auflachen, Du scheinst in Deine Frau heute noch gerade so verliebt zu sein, wie vor fünf Jahren." " " Und ob ich in sie verliebt bin", gab der Bächter zurück, während seine leuchtenden Augen sich momentan verdunkelten. " Das kommt daher, weil ich ihre Liebe noch erst erobern muß. Sie sieht heute so merkwürdig iung, so glücklich aus, wie ich sie schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen habe." " Sie freut sich mächtig über die Rückkehr des Barons und der Baronin", versezte der Gastwirt. Sie war als Kind und auch als junges Mädchen ganz glücklich, wenn sie sie erblickte." Hm, hm", machte Vincent nachdenklich, abermals auf Gettys strahlendes Antlig blickend. Und plöglich schlich sich leise, ganz leise ein Gefühl des Mißtrauens, des Argwohne in seine Seele. In der Ferne ließ sich Stäberrollen vernehmen; in demselben Moment flammten auch an verschiedenen Stellen Frendenfeuer auf. Ein Geräusch, wie Meeresbrausen wurde hörbar, schwoll Yauter und lauter an, bis man bonnernde Hochs" und Hurrahs" vernahm fie tamen näher und näher, bie Gefichter Der Harrenden erstrahlten in inniger, tiefer Nührung, in manchem Auge glänzten Thränen. Jezt tauchten an ber Biegung der Allee Bie bekannten herrlichen Grauschimmel auf, die einen offenen Landauer zogen. und über das Wissen nicht das Rönnen gering zu achten zumal wenn der Arzt es nicht in der eigenen Person verenigen fann, sondern auf die Mithilfe anderer angewiesen ist. Aus dem Gerichtssaal. - Schöffengericht. - Gießen, 9. Dezember. werden zwei Bettler vorgeführt. In Anbetracht der vielen Den Vorsitz führt Herr Gerichtsassessor Keller. Zunächst Vorstrafen erhält der eine 3 Wochen und der andere 4 Wohen Haft. Auch wird auf Ueberweisung an die Landespolizeibehörde erfannt. Anna L. aus Frankenberg erhät wegen Uebertretung der sittenpolizeilichen Vorschriften 4 Wochen Haft und wird ebenfalls der Landespolizeibehörde überwiesen. Ein Italiener Mathias Rod erhält wegen Hausfriedensbruch und Körperverlegung 4 Wochen Gefängnis. Der Schreinergeselle Dito M. von Gießen wird wegen Körperverlegung mit 30 Mt. Geldstrafe bedacht.- Karl Sch. von Gießen hat sich zu verantworten, weil er einen Jungen in den Rüden getreten hat. Das Urteil lautet auf 30 Mt. Geldstrafe. Johannes Grün aus Bornsfeld, der gegen einen Strafbefehl Einspruch erhoben hatte, erhält heute wegen Tierquälerei, begangen dadurch, daß er wunde Pferde zum Ziehen benutzt hatte, eine Geldstrafe von 10 Mt. Den Schluß bildeten 4 Pri atflagen wegen Beleidigung. - Kleines Feuilleton. ** Der tapfere Leutnant und der alte Esel. Aus Wien berichtet der Frff. 8tg" ein Mitarbeiter das folgende Stücklein, das nebenbei den Vorzug hat, wahr zu sein: Ein Oberleutnant und ein alter Herr in 3 vil stehen auf der„ Elektrischen", als plöglich der Mann im schwarzen Rock das Gleichgewicht verliert und dem Helden im bunten Rock auf die Zehen tritt. " Bardon!" auf der einen Seite, auf der anderen Seite:" Könnten's eh schon aufpassen, alter Esel Sie!" Und nun geschieht das Unfaßbare: Der alte Herr haut dem jungen Ober leutnant eine runter". Der greift flugs zum Säbel und hätte die freche That gewiß mit Blut gerochen, wenn ihm nicht andere Fahrgäste in den Arm gefallen wären. Der zweite Aft spielt auf dem benachbarten Polizei- Inspektorat. Der alte Herr will zuerst sprechen und wird angeherrscht zu warten, bis man ihn frag. Als dann die Reihe zuletzt an ihn fommt, legitimiert er sich als Feldmarschall- Leutnant in Benfion. - Druck und Verlag der Giesener Verlagsbruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruderet( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Audrey und Margarete, Seite an Seite sigend, kamen in Sicht. Dann folgten noch mehrere Wagen mit eingeladenen Gästen, die man jedoch kaum eines Blickes würdigte. Aller Augen, aller Aufmerksamkeit waren auf den Baron gerichtet. Gr saß aufrecht im Wagen. Den Hut in der Hand haltend, winkte er grüßend und lächelnd nach allen Seiten; hier und da rief er ein freundliches Begrüßungswort unter die Menge. Dann und wann lief ein oder der andere Mann eine Strede neben den Wagen her, um einen Händedruck des gnädigen Herrn" zu erhaschen. Keiner von denen, die ihn heute so strahlend heiter sahen, hätte in ihm den törperlich und geistig so elenden Menschen wiedererkannt, der vor wenigen Monaten in Großhofen gewesen. Seine Jugend, feine Elastizität waren wiedergefehrt; feine kräftige, gesunde Gestalt, sein blühendes Gesicht, die leuchtenden Augen- dag alles zeugte von vollkommener Gesundheit. Kein Zweifel: der von allen innig geliebte Besiger von Großhofen fehrte, an Leib und Seele gesund, in das Schloß seiner Väter zurüd. Margarete, welche sich gleichfalls lächelnd nach allen Seiten verneigte und freundliche Worte des Willkommens äußerte, fand lange nicht soviel Beachtung wie ihr Gatte. Nobert von Audrey war der Mittelpunkt des gesamten Interesses, der Held des Tages. Er war der Herr und Gebieter über so und soviel Unterthanen, ein Stück von diesen selbst er war ihr König, ihr Abgott. Und seine Rückkehr in die Heimat glich in der That dem Triumphzug eines geliebten Landesfürsten. Hetty und ihre Tante befanden sich in der vordersten Reihe der Zuschauer. Jest näherte sich der Wagen der Stelle, wo sie ſtanden. Audreys lächelnde Lippen schlossen sich plötzlich, das Lächeln verschwand. Einen Moment tauchten Hettys Augen wie suchend in die seinen. Der Baron zog wie in flüchtigem Schmerz die Brauen leicht zusammen dann war er wieder ganz Freundlichgrüßend und danfend fuhr er weiter. feit, ganz Lächeln " Tante Fanny", flüsterte Hetty mit bebender Stinime ,,, er erinnert fich!" Achtzehntes Kapitel. Der Baron hatte in der Gile, so gut es eben zu beschaffen war, in den drei großen Scheunen ein reichliches Mahl für die Großhofener herrichten lassen. Griffiths, der Verwalter, hatte ben Leuten die Einladung überbracht; jest tam er auch an Hetty borbei, deren blühendes Aussehen ihm auffiel, und lud auch fie im Namen des Barons zu dem Feste ein. " Sie müssen tommen, Frau Vincent", sagte er, ohne Sie geht es nun einmal nicht. Ihr Mann hat auch bereits zugesagt." Mädchens. In ungefähr vierzehn Tagen," ſagte Ein Schatten flog über die flaren Züge des jungen bas Haus verlassen? Wann den Umzug beweriſtelligen?" sie dann ,,, den eblen Geficht seiner Wirtin ruhten ,,, wann werden Sie fast Die der Schwur das Glück von Liebe und Soffnungen Gin leichter Schauer überflog wo alle Erinnerungen wach wurden, stieg auch diese aus vertiefte sich nicht oft in die Vergangenheit, heute aber, das Glück war nicht gekommen. Tren war vergessen, und tauchten Regina Schmetter verArzt geschickt worden. ,, Großer Gott, ein Schlaganfalí Bruder ist jetzt bei dem Kranken, und es ist auch nach dem Reginas Augen erweiterten sich erschrocken. Eesserte sich Esser." Bitte, beruhigen Sie sich. Ihr Herr " Ein einer Schwindel, gnädiges Fräulein," Ich erlaube mir, auf dessen Ausspruch zu warten, indessen ist, hoffe ich, kein Grund zu troß ihrer näher getreit zum Durchbruch tam, war er Unterhaltung raten; mit zwanzig Jahren war Fräulein Louise v. Lerk 18 mise ohne Mitgift von Frau Primeau, einer entfern Mädchens erfuhr er, daß er ihre Geschichte richtig er alten Dame, als durch die kurzen Antworten des junger tionen der Magd und das phantastische Geschwäß den hatte sich nach 75 und mehr durch die Indistre uch an ihren 1902. Auch eine Bescherung! Weihnachtshumoreste von Paul Bliß. ( Nachdruck verboten.) Um Christabend um fünf Uhr ist Herr Anton Rüstig in den 8ng gestiegen, der ihn in wenigen Stunden seiner Heimat zu führen soll. Daheim! Wie es ihm warm wird bei dem Gedanken an feine Familie, feine niedliche kleine Frau und seine drei blondhaarigen Mädchen. Daheim, wo ihn die Freude und das Glid erwartet, und die gemütliche Häuslichkeit, die ihm sein Weibchen bereitet, prächtig! Und vergnügt reibt er die Hände. Ist er doch auch lange genug fortgewesen von seinen Lieben, ja, volle acht Monate! Fast scheint es ihm selbst, als fönne es noch garnicht so lange her sein, aber er rechnet und rechnet, wieder und wieder, und richtig, es bleiben acht Monate. Wahrhaftig! Es ist doch eine Blage, so in der Welt sich berumtreiben zu müssen! Hätte jemand ihm das früher provhezeit, er würde ihn einfach ausgelacht haben. Aber so geht es, wenn man gar fo früh hineinspringt in bas eheliche Glück. Wohl flingt recht hübsch ein Sprichwort, daß es noch feiner berente, jung gefreit zu haben; aber wenn es jedermann wirklich ehrlich mit sich meint, sollte ihm da nicht boch manchmal ein leichter Zweifel an der Richtigkeit dieses Auss spruchs gekommen sein? Sicherlich, denkt Herr Anton Rüstig, sicherlich! Und auch ihm geht es ja so; nicht, daß er bedauert, früh geheiratet zu haben; bewahre, aber er hätte immer noch ein paar Jahre warten und dann freier und sorgenloser das Leben genieten können, so aber- Ja, du lieber Gott, das schaut alles gar so verführerisch und schön aus, so verlockend und vielversprechend: ein eigenes Heim, eine niedliche kleine Frau und dann: wie?- Nun ia, man muß doch auch gleich mit der Zukunft rechnen, Familie mird doch sicher nicht ausbleiben. Gewiß nicht! Nur hatte er bescheidener gerechnet. Eins fam im ersten Jahre, ein derbes, fräftiges Mädchen, zwar hätte er einen Jungen lieber gehabt, aber na-; dann im nächsten Jahre wieder ein Mädchen, eigent lich wieder eine Enttäuschung, aber das kleine dralle Wurm blickte so lüstern und bergnügt ins Leben, daß der scheinbar glückliche Vater nun wirklich glücklich wurde. Und dann im dritten Jahr - wahrhaftig wieder ein Mädchen; das war doch wirklich beinahe au arg! Drei Mädchen, Allmächtiger! und später dreimal die Sorge, fie an den Mann zu bringen, o, das ist nicht so leicht! und fast unwillig wandte er sich ab, wenn man ihm wieder mit bem zur frühen Che ratenden Sprichwort tam. Drei Mädchen in brei Jahren, Tausend! damals war es Herrn Anton Rüstig doch ein wenig warm geworden, wenn das so fortgeht! Und was für Mich fosten die Haushaltung jetzt schon erforderte, soviel Lonnte sein verhältnismäßig geringer Verdienst als Buchhalter unmöglich ausgleichen. Da mußte Abhilfe geschaffen werden, schleunige Abhilfe. Und mit fieberhafter Tätigkeit hatte er sich bann um eine andere Stelle beworben, bis er diese endlich in einem scheinbar einträglichen Reisevosten fand. 3war mußte er fich fast dreiviertel des Jahres draußen im Reiche herumtreiben, Frau und Kinder der Obhut seiner Schwiegermutter überlassen, aber es war doch nicht gut anders einzurichten, er hatte als Bater von drei hoffnungsvollen Töchtern die Verpflichtung, für die von Jahr zu Jahr sich steigernden Erziehungsansprüche zu sorgen, mußte an drei, wenn auch nur bürgerlich einfache Auss stattungen denken, o Himmel! o Himmel! wie ihm der Kopf brummite. Also zugegriffen. Und darauf hatte er die Reisestelle ( Auch eine Bescherung 1. Nr. 8.) angenommen. Und nun sollte er wieder nach Haufe tommen. Seine Tour war beendet, diese erste Tour, die ihm manchmal wie eine Ewigkeit vorgekommen war, nun ging es nach Hause zu ihr, der lieben fleinen Frau, und zu den drei blond haarigen und rotwangigen Mädchen; ach, so glücklich ist er, so unaussprechlich Bestellungen auf alicklich! O, das wird eine Frenbe geben, und eine leberraschung. Ja! Ja! Er lächelt nach seinem vollgestopften Reisesack hinüber und denkt an all die fleinen Aufmerksamkeiten und Geschenke, die er so sorgsam da drinnen geborgen hat. Und was man wohl für ihn aufbauen wird?- Seit Jahren hat er sich nicht so auf das Christfest gefreut, fast fommt er sich wieder wie ein fleiner Knabe bor, wie damals vor vielen, vielen Jahren, als man ihm die große Festung und den berrlichen Kaufladen beschert hatte, ach! Er holte tief Atem, die Luft wird immer unerträglicher in dem überheizten Couvee! Und sie? Was sie wohl für ihn haben mag, seine schelmische fleine Frau? Wie andeutungs- und geheimnisvoll fie schon in allen ihren Briefen that, und wieder lächelt er still. Und nun gar in dem legten Schreiben, das vom Tage vorher datierte, worin sie ihm die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches versprach. Was konnte sie denn nur meinen? Warum so geheimnisvoll? Er sinnt und sinnt, alles mögliche erwägt er, aber nein, er kommt zu keinem Resultat. O, dieser kleine Nacker! Wie sie es verstand, ihn auf die Folter zu spannen. Und mit Windeseile saust der 3ng dahin durch die weiten Schneefelder. Vorüber an alten gekrövften Weiden, auf deren Inorrigen Kronen sich hoher Schnee gesammelt hat, vorüber an Schlaufen träumenden Pappeln, an traulich winfenden Tannen und Fichten, weiter, immer weiter. Jezt kommt ein Dorf in Sicht. Ein großes, wie es scheint, von wohihabenden Bauern bewohntes Dorf mit hübschen freundlichen Häusern und einer ziemlich sauber gehaltenen breiten Straße. Hier hält der Zug eine Weile, und täuscht ihn nicht alles, leuchtet dort schon ein brennender Christbaum. Wahrhaftig, es ist einer! In dem Herrenhause beschert man dem Gesinde. Eine große, mit reichem buntem Behang und vielen hellstrahlenden Lichtern geschmückte Tanne wirit weithin ihren Schimmer, und um denselben sammeln sich nun die Leute mit glücklichen Gesichtern, er sieht es ganz dentlich, denn der Zug hält mehrere Minuten an dieser Bahnstelle; die Großen und die kleinen, sie alle kommen und blicken froh bewegt auf zu dem prächtigen Weihnachtsbaum. Dann nahmen sie ihre Teller mit den vielen Aepfeln und Nüssen und den riesigen Pfefferkuchen oder auch den braung backenen Christstollen, um sich unter nochmaliger Verbeugung von ihrer Herrschaft zu verabschieden.- Ein furzer schriller Pfiff der Lokomotive und weiter geht es. Von nenem eintönige Schnecflächen, zugefrorene Gräben und Flüsse, dicht beschneite Bäume, frächzend auffliegende Raben, hin und wieder auch ein hungriges Wild, das den nah geleg nen, schüßenden Wald zu erreichen bestrebt ist, und weiter, immer weiter. Doch plöslich beginnt sein Auge zu glänzen, er wischt die angelaufenen Fensterscheiben ab und schaut binans in die Abends dämmerung. Ja, das sind schon die Heimatlichen Fluren, die Stätten seiner Jugenderlebnisse, dort der fleine von Weiden umstandene See, und da, die alten schon halb verfalleren Schanzen und weiter drüben die kleine Anhöhe mit der berühmten Ruine, sie alle, die Schaupläße seiner jugendlichen Tollheiten, und hier zur Slechten, die Promenade zum Sce, die prachtige Kastanienallee, damals von seinen Altersgenossen die„ Seufzerallee" genannt, dort, wo er zum ersten Mal seine Frau gesehen hat; ach und bie Grinnerung an alle die in dieier lauschigen, schattigen Allee so glücklich veriräumten Sommernächte. Ja, er hat doch eine schöne Jugend gehabt. Nun fährt der Zug nach und nach langsamer; ein Pfiff, bann hält er. ( Auch eine Beicherung 2. Nr. 8.) Herr Anton Nüstig ist zu Hause. Aber noch ganz von den Erinnerungen seiner glücklichen Jugendzeit umfangen, hat er es garnicht gemerkt, bis erst der Schaffner laut den Namen der Station ruft. Nun aber rafft er sich auf, greift nach seinem Geväck und sieht banu zum Fenster hinaus, cinen seiner Lieben zu eripihen. Aber wie? Niemand zu sein m Empfang da? Ja, ist es denn möglich? Er steigt aus, sicht sich noch einmal um, wahrhaftig, fein Mensch. 5252525 der ihn erwartet. Ja, was heißt benn bas? Oder follte vielleicht die Kälte? Aber es ist fa garnicht so gefährlich falt; er begreift es nicht. Endlich nimmt er einen Wagen und fährt allein nach Hause. Er ist so in der Aufregung, daß er auf nichts achtet, was um ihn her vorgeht, nicht einmal das erbärmliche Pflaster, das ihn auf dem schlecht gepolsterten Siz immer hin und her schüttelt, fann feine Aufmerkjanikeit für die Dauer fesseln, et denft nur an sie, seine Frau, seine liebe, kleine Frau. Was ist borgefallen, daß sie nicht gekommen ist, ihn abzuholen? Und endlich ist er zu Hause. Im Fluge die Treppen hinauf, vocht er nun an die Thür. Aber umsonst, man öffnet nicht. Erregter werdend, klopft er stärker und anhaltender, reißt sogar an dem Klingelzug. Da kommt jemand, langsam und leise, faſt schleichend, er hört es; aber wessen Schritte? die ihrigen sind es nicht. Nun wird geöffnet, ganz behutsam und vorsichtig o Schred! seine Schwiegermutter!- Gerade fein gutes Omen, denft er, begrüßt sie aber so freundlich wie nur möglich, dann fragt er nach seiner Frau. Und die Schwiegermutter staunt ihn an, von oben bis unten, und giebt ihm durch Geiten zu verstehen: St, ruhig, ruhig, jede Aufregung vermeiden. Er aber wird immer erregter, fragt nun von neuem und will„ Mamachen" auf die Seite drängen. Doch die alte Frau blickt ihn wieder sprachlos an. Dann plöblich lächelt sie heimlich- ach so, er weiß ja noch garnichts davon. ( Auch eine Bescherung 3. Nr. 8.) Nun ist es aber um seine Ruhe geschehen; er wird laut, brängt sich vor, gewinnt die Thür zum Schlafzimmer, reißt diese auf, will weiter eilen- da plöglich steht er wie gebannt, starr und sprachlos. blickt erst nach rechts, dann nach links und dann dort, in dem schneeweißen Bett, seine Frau, seine liebe, fleine Frau, bleich und blaß, aber unendlich glückselig und zufrieden. Sie lächelt ihn an und er ist beruhigt. Aber hier? Was ist denn das? Die Wiege? Die Kinderwiege? Unb darin?- Allmächtiger! Zwei neue Gesichter! Oh! Oh! Das also war die leberraschung, die sie für ihn batte! Und dann ist er niedergesunken an dem Bett seiner schwachen, blassen Frau, dann hat er ihre zarte blasse Hand ergriffen, viele heiße Küsse darauf gedrückt. Und was er denft? Du lieber Gott, er benkt garnichta, oder richtiger, viel zu viel, benn alle die neuen Sorgen, die sich dem glücklichen jungen Vater jetzt wieder aufdrängen, lassen ihn noch keinen flaren Gedanten fassen. Und nun gleich zwei auf einmal - wahrhaftig auch eine Bescherung! Am Ende gar wieder Mädchen, aber nein, die ſtill lächelnde Mutter flüstert ihm ganz leise zu, die Erfüllung seines lange gehegten Wunsches: " Bu en, zwei stramme Buben!" „ Wirklich! Buben, zwei stramme Buben?!" Und er nimmt die beiden kleinen strampelnden und schreienden Weltbürger aut dem Bettchen auf, hebt sie jubelnd in die Höhe und drückt sie dann, einen nach dem andern, an die Brust und herzt und füßt bie fleinen zappelnden Wesen, denn er ist glücklich, überglücklich! Und dann faßt er die Hand seines lieben Weibes von neuem, finft an ihrem Bett nieder auf seine Kniee und aus seinen glüd strahlenden Blicken ist es zu lesen, daß er sich start genug füblt, seinen Kindern ein Vater, ein braver Vater zu werden. „ Mamachen" aber hat in der guten Stube inzwischen den Christvanm angezündet, und die beiden Flügel der Thür weit ccöffnet, daß der helle Kerzenglanz in das trauliche Zimmer hineinleuchtet und eine frohe Festfreude auf alle Gesichter Und nun feierte man dieje föstliche Bescherung! Gratulationskarten nehmen wir schon jetzt entgegen. zum Neujahr 34 -GadeGiessener Verlagsdruckerei. zaubert Billigste, beste, elegante u. dauerhafte deutsche und insbesondere auch weltberühmte Dürkopps Nähmaschinen in größter Auswahl, auch solche zum Vor- und SüdwärtsNähen, Sticken und Stopfen eingerichtet.- Meine Firma wird von dem Verein deutscher Nähmaschinen Fabrikanten bem verehrlichen Publikum als Lieferant besonders empfohlen. Jon Friedr. 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Feitan, essische 12 Dezember Familienzei Tägliche Unterb M