Nr. 185. Zweites Blatt. Dienstag, den 12. August 1902. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 150. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. em erfauften Saue eritrake 5 find Bar e Beletage, neu herge Bimmer, Badezimmer u ehor, per fofort zu ver: ann, Wegsteinitr. 40. furterstraße 3, Stod, 8 Bimmer, gr. Badezimmer u. Zubehör tober zu bermieten. 1107 en: Zahnarzt Jaeger 5- Zimmerwohnmit allem Zubehör, fo: r Edkladen, elekt. Licht. berm. Löwengaffe 27. 5 Zimmer, Manjarde 1. Oftober zu vermieten Näh. Löberstraße 8. obl. Zimmer per 10 päter zu vermieten. Nachfolg., Schulstra 5. August eine Wohnung ten. Seltersweg 14 gerichteter Laden en. Seltersweg 14. 3-4 Bimmerwohnung en. arde per 1. September Näh. 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Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362. Nenelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Eine der wichtigsten wirtschaftlichen Fragen der Gegenwart und Zukunft. In der Zeit der Dampfmaschine und der Elektrizität, die ihre Kraft und ihr Fundament aus den Steinkohlen, dem Eisen, Stahl und Kupfer erhalten, ist man in allgemeiner Einseitigkeit wenig geneigt, sich um die Ergänzung eines großen Bedarfsartikels zu kümmern, deſſen Produktion in fast allen Kulturländern entschieden im Abnehmen begriffen ist. Wir meinen das aus den Wäldern gewonnene Nutz- und Brennholz, dessen oft ganz plötzliche Preissteigerungen einen schwachen Begriff davon geben, was erst einmal für Stalamitäten entstehen, wenn die Wälder noch mehr verwüstet und der Holzmangel chronisch geworden ist. Zwar fönnen wir von allen deutschen Staaten und ebenso von den Ländern Oesterreich- Ungarns sagen, daß in ihnen die Forstwirtschaft schon seit Menschenaltern rationell betrieben und für rechtzeitige Aufforstung der Ländereien Sorge getragen wird. Abec was will dies bei dem großen Bedarfe an Nutzund Brennholz in der Kulturwelt bedeuten, wenn in fast allen anderen Ländern Forstraubbau seit Jahrhunderten getrieben wurde und das Deutsche Reich auch schon nicht mehr genug Waldflächen für seinen Holzbedarf besitzt, wenn wir nicht in den nächsten Jahrzenten einige hundert Quadratmeilen ödes Haideund Moorland in stattliche Wälder umwandeln. In dieser Frage muß vor allen Dingen bedacht werden, daß ein neuer Wald fast hundert Jahre zu seiner rechten Entwickelung braucht. Direkt holzarme Länder sind auch bereits Frankreich, Holland, Italien und Spanien, und sie büßen ihre Forstmißwirtschaft auch oft noch durch große Ueberschwemmungen, Hagelschläge und Dürre. Am ärgsten ist wohl in Nordamerika mit der Waldausrottung gewüstet worden, aber im Nordwesten Amerikas giebt es doch noch große Wälder. Für Deutschlands Forstwirtschaft und Holzversorgung haben Bolen und Rußland eine gewisse verhängnisvolle Rolle gespielt. Nach der polnischen Revolution 1853 wurden in Nussisch- Polen die gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse reguliert; das beste Land erhielten die Bauern zugeteilt, während die Gutsherren das Uebrige und den Wald erhielten. Diese waren in übler Lage und suchten sich dadurch zu helfen, daß sie ihren Wald zum Abholzen verkauften. Von dort wurde das natürlich billige Holz einen Holzzoll gab es noch - In eigener Sache Richter. Roman von L. Haidheim. ( Fortsetzung.) ( Nachdruck verboten.) Man sprach aufgeregt hin und her. Lischas sorgende Frge: Ob sie ihn wohl auch wirklich recht lieb hat?" trug ihr nen geradezu niederschmetternden Blick von Frau von Wazla ein und Graf Joseph verbesserte die momentan sehr wüle Stimmung nicht durch seine sehr tadelnde Frage: Wie tönnen Sie zweifeln, Lischa? Einen Baron Gorzberg nicht lieba?" In diesem Moment trat der jegt eben ganz unerwctet von feiner Reise nach Leipzig heimkehrende Burkard in das Bimmer. Niemand hatte ihn fommen sehen, wie aus der Ere emporgeftiegen war er da und fragte rasch, wie atemlos: Maria?! Ist sie mit Gorzberg verlobt?"- Wie ein heiserer schrei flang es. Einen Moment herrichte ob diesem Ton und Arfards Gefichtsausdruck völliges Schweigen. Lischa und Frau Cäcilie bedurften feiner weiten Erklärung. Um die allgemeine peinliche Stille zu brechen, sprayen sie auf und begrüßten Burkard lebhafter, als die kurze Abwenheit erklärte; schmolz doch ihr Herz vor Mitleid. Frau von Wazlaw machte sich schnell ur Herrin der Situation. Sie haben es gewiß schon geahnt als Sie Maria neulich besuchten, Burkard." Ja, freilich nur- nur wollte ich melen eigenen Augen so recht nicht trauen. Also doch!" " Aber selbstverständlich. Wie sollte Gufine Maria einc solche Partie abweisen? Das wäre einfach nehr als menschlich. Wenn sie dereinst ist, wonach ihr Herz so se verlangt, eine der großen Damen am Wiener Hofe, dann mden wir erſt ſehen, was in ihr stedt!" sagte Graf Joseph einer Weise, die es unflar ließ, ob er billigte oder spöttelte. Burkard schwieg. Jeder wollte erzählt und er saß schweigend dabei, während Frau von Wazlaw ihn Triumphgesang von neuem anstimmte. Finster sah er vor fi bin. Nur als sie ihn fragte, ob er denn feinen Glückwunschfür sie habe, schaute er auf und zwang fich zu einigen höflicherworten. Dann aber fam ihm doch plöglicdas Bewußtsein, daß er nicht den Verschmähten zu spielen beatchtigte. " Verzeihen Sie, Baronin, wennch so ernst erscheine. Es gehen große, schwere Dinge vor in eutschland, wir werden im Herbst vielleicht schon Strieg haben, Srieg gegen Preußen, den Krieg um die führende Stelle in Defland", sagte er mit einem tiefen Aufatmen. - nicht nach Deutschland ausgeführt. Auf der Chaussee nach Breslau zum Beispiel sah man damals meilenweit eine Fuhre mit Stämmen oder anderem bearbeiteten Holz hinter der anderen, daß kaum Platz für Post und anderes Fuhrwerk blieb, bis endlich die Eisenbahn gebaut war und den Transport übernahm. Kein Wunder, daß das bald die Holzpreise bei uns drückte, daß die Staats- und Privatwaldungen darunter litten und Holzhändler groß wurden. Seitdem geht die systematische Entwaldung Polens ihren Gang bald vierzig Jahre! Auch die deutsch- polnischen Landesteile blieben davon nicht verschont, wie dies auch die Motive zur neuesten Polenvorlage bestätigen. Zwar wurde mit der Zeit ein Holzzoll eingeführt, der aber vielleicht zu niedrig war. Jedenfalls wurde dem Unfug nicht genug durch ihn gesteuert. So wäre zu wünschen, daß einmal auf einem internationalen Kongresse, die Wald- und Holzfrage von langer Hand behandelt werden möchte. Schule und Kirche. Wann sollen die Sommer- Ferien beginnen? Von A. von Wernersdorf. Die Schulferien sollen für den Schüler eine Erholungszeit sein. Wenn der Schüler, besonders der noch in zarterem Alter stehende, monatelang die Schulbank gedrückt und seinen Stopf mit oft leider nur zu überflüssigem Ballast beschwert hat, dann fühlt er das Bedürfnis nach Ruge und Erfrischung, die Sehnsucht nach Freiheit aus dem strengen Schulzwang. Mit unverholener Freude sieht er die Quartale zu Ende gehen, und mit hellem Jubel verläßt ce am Schlußtage die klasse, die Aula. Einsichtige Pädagogen haben daher mehr nnd mehr in manchen Orten sogar gänzlich die Ferienauf gaben abgeschafft, denn nur dann wird sich der Schüler geistig und förperlich zu fräftigen, zu regeneriren vermögen, wenn ihm alle Fesseln abgenommen sind. Ja mehr noch: in einzelnen Städten, deren Schulwesen auf der Höhe der Zeit steht, deren Lehrkräfte nicht nur gesellschaftlich die ihnen als Voltserzieher und Menschenbildner gebührende Achtung genießen, sondern auch ihrer verantwortungsvollen Thätigkeit angemessen dotirt werden, z. B. in Hamburg, hat man die sehr wese Einrichtung getroffen, den Schülern die Censuren erst nach den Ferien zu erteilen; denn gar viele allzustrenge Eltem wissen ihren mit einem ungenügenden Zeugnis am Fenenbeginn heimkehrenden Kindern alle Freude an der stlichen Zeit" zu vergällen. Eine Reihe höchst bedeutsamer Verbesserungen auf dem Gebiet des Unterrichtswesens hat die Schulreform gezeitigt. " Ja freilich, das lesen wir in den Zeitungen, aber wer glaubt daran?" sagte sie obenhin. Ganz Desterreich glaubt daran, die ganze Welt hallt wider vom klirren der Waffen!" " Ah! das ist blinder Lärm. Allenfalls gegen Italien." Er zuckte die Achseln. Was sollte er die Glückliche in ihren schwiegermütterlichen Hoffnungen stören? Glauben Sie es auch nicht?" wollte er Joseph Ebern fragenDas war aber nicht nötig. Der glaubte es. ,, Lischa, ich gehe mit! Sie sollen Freude an Ihrem Schüler erleben!" rief er mit nie an ihm erlebten Enthusiasmus:" Jezt will ich ein nüzlicher Mensch werden, Sie sollen es sehen." Und da kniete er schon neben ihr und sagte halblaut mit einem Herzenston, der Burkard sehr erschreckte:„ Sie haben so oft gesagt: Gott wird Ihnen eine Aufgabe schicken, Lischa, da ist fie!" Und sich zu Burkard wendend, fuhr er aufgeregt fort: " Ihre Schwester ist eine Heilige; sie hat mir gepredigt, daß ich ein unnüges Wesen bin, feinem zu Nußen, feinem zur Freude und mir selbst verhaßt. O sie hat mit ihrer lieben Stimme mir zu Herzen geredet! Lischa, Lischa, wie soll der Himmel Ihnen vergelten, daß Sie es der Mühe wert fanden, sich um mich elenden Nichtsnuß zu fümmern? Burkard lassen Sie mich fort nach Wien, ich werde mich sofort einstellen, ist es nicht als Offizier, so als Unteroffizier oder Gemeiner, nur nüßen will ich, will Lischa zufrieden stellen." Es blieb gar kein Zweifel, aus jedem Ton, jedes Wort Graf Josephs sprach- Liebe? War es denn möglich? Der jeichte, oberflächliche Mensch redete da in einer Wärme und Begeisterung, die niemand je bei ihm gesucht hätte, die er eine halbe Stunde früher noch durch seine spöttischen Bemerkungen selbst verleugnete. Burkard hatte Mühe seine Züge zu beherrschen. Gleich morgen sollen Sie fort, Vetter! Sie werden ein Beispiel sein für hundert andere Söhne unseres Adels, die jest, wie Sie, feinen rechten Lebenszwed haben", rief er in tiefer Unruhe und sehr froh dieses Ausweges. Die Sorge, daß Lischa und Joseph-! O, Himmel, er mochte den Gedanken nicht ausbenfen. Und wie sanft und glückselig blickte Lischa in Josephs Augen. Wie mütterlich liebevoll ließ sie ihm ihre Hand? Aber so unbefangen blickt die Liebe doch nicht? Ja, ja, gleich morgen! Geld für Ebern mußte beschafft werden. Burtard nahm den Berter unter den Vorwand von notwendigen Besprechungen mit sich hinaus, schickte einen Expreßboten nach B., dort vom Bankier das nötige zu holen. Eins aber ist dabei verabsäumt worden: die Verlegung der großen Ferien in eine andere Zeit des Sommers. Gerade die Hauptferien sollen dem Schüler dazu dienen, seine in der Unterrichtszeit verbrauchten förperlichen und geistigen Kräfte zu ersetzen, gerade die Sommerferien, die Zeit der Reisen, gehören voll und ganz der Erholung unserer Jugend. Nun ist es aber eine alte Erfahrung, daß diese schönsten Tage der goldenen Freiheit in den meisten Jahren durch schlechtes, regnerisches Wetter beeinträchtigt werden, und daß die größte Bahl derselben bei den häuslichen Penaten durchlang weilt werden muß. Denn Spaziergänge, Ausflüge, Reisen haben ihren Zweck verfehlt, wenn sie berregnen; sowohl die lieblichsten Seebäder als auch die großartigsten Gebirgsgegenden verlieren ihren Reiz unter dem unfreundlichen Gesicht des Jupiter pluvius. Woran liegt das? Ganz einfach daran, daß man die großen Ferien auf eine Periode verlegt, die fast jedes Jahr eine Regenzeit in sich schließt, nämlich den Monat Juli. Der Begründer der wissenschaftlichen Meteorologie, der berühmte Gelehrte Heinrich Dove, that einst( 1862) einen Ausspruch, der für die leitenden pädagogischen Kreise, insonderheit für die Schulbehörden, von hervorrager Bedeutung ist und sorgsame Beachtung verdient. Er sagte nämlich: So arbeiten wir uns in Norddeutschland im Monat Juli immer mehr in eine Regenperiode ein". Aber die deutschen Pädagogen haben daran leider nicht gedacht, sonst würden sie nicht nach wie vor die großen Ferien in den Juli verlegen, um sie für sich und die Kinder verregnen zu lassen. " Unterzieht man das letzte Vierteljahrhundert daraufhin einer näheren Prüfung, dann ergiebt sich in der That die Richtigkeit des Doveschen Ausspruchs, für den er natürlich triftige Gründe gehabt hat. Betrachten wir zunächst einmal die mittleren Werte der monatlichen Niederschlagsmengen in der Tabelle, so sehen wir, daß das Maximum der Regenmenge auf den Juli fällt. Vergleichen wir hiermit die monatlichen Temperaturmittel, so finden wir wiederum das Maximum im Juli. Das Geseß, daß der wärmste Monat auch zugleich der fruchteste ist, wird hierdurch bestätigt. In Einklang damit stehen die Zahlen der mittleren monatlichen Bewölfung und des mittleren monatlichen Sonnenscheins. Für die Bewölkung ist die Zahl 10 der Ausdruck für ganz bedeckten Himmel, die Zahl O derjenige für ganz flaren Himmel, mithin 3. B die Zahl 5 der Ausdruck für Halbbedeckten Himmel. Die Reihe der mittleren monatlichen Bewölkung ergiebt sich ebenfalls aus der Tabelle. Wenn man die Wintermonate ausschließt, in denen eine stärkere Bewölkung selbstverständlich ist, und nur die für unseren Zweck in Betracht kommenden Monate Mai Juni, Juli, ,, Sie haben große Eile mich fortzuschaffen, Vetter Frohberg"" sagte Joseph argwöhnisch und nun schon unlustig, da er handeln sollte. Gute Entschlüsse fann man nicht schnell genug ausführen." Mir scheint, ich bin wohl schon längst im Wege gewesen, da Sie so sehr eilen mich auf den ersten Laut hin an die frische Luft zu sehen." Wozu soll ich es leugnen, Ebern? Das Nichtsthun von Ihrer Seite und Lischas brennender Eifer Sie zu befehren, finden je eher je besser diesen Abschluß." Und Lischa natürlich ebenso eine große Partie wie Ihre angebetete Maria?" Lassen Sie, bitte, mich aus dem Streise Ihrer Bemerkungen ebenso fort, wie meine Schwester", wurde Burkard zornig. „ Aber sie liebt diesen Stolonig nicht! Wenn sie ihn liebte, würde sie sich nicht so voll Engelsgüte-." „ Ebern! Kein Wort weiter! Ich will nichts gehört haben. Wehe Ihnen, wenn Sie die Gastlichkeit dieses Hauses damit belohnt hatten, Lischas Herzensfrieden zu stören!" Und wo wäre der Mann, der falt bliebe bei eines solchen Mädchens- Sie liebt mich sie liebt mich!" Beide Männer standen sich mit heißen Stöpfen und flammen den Augen gegenüber. Graf Josephs Jubelschrei hätte Burkards Herz rühren fönnen, denn es flang aus demselben zugleich sein ganzes Verlassensein, die bittere Herzensverarmung. Aber den Klang wollte, durfte Burkard Frohberg nicht hören. Und wenn meine Schwester mich auf den Knien anflehte und Sie wären reich wie ein Strösus, ich würde Sie Ihnen immer versagen, Graf Ebern. Ich bin der legte, der sich das Recht nehmen dürfte, den Tugendspiegel spielen zu wollen, aber ich fann es Ihnen nie verzeihen, was Sie auf der Seele haben. Ich kenne Ihr Abenteuer in Agram, Vetter, lassen Sie uns nicht weiter davon reden und Wer? Wer?" feuchte leichenblaß und ganz fassungslos Graf Adelsberg hat es mir gesagt. Er hielt es für seine Jofeph. Pflicht." Aber er er tannte nur die äußers Thatsachen; die inneren Vorgänge Das junge Mädchen ihrem Bräutigam abwendig gemacht, die glücklichste Verbindung zerstört, den Bräutigam zum Selbst mord getrieben- und Aber sie war es längst- längst-." ( Foiyezung joigt.) Auguft und September berücksichtigt, so fällt abermals das Maximum auf den Juli. Dasselbe Resultat ergiebt die Registrierung des mittleren monatlichen Sonnenscheins. Während von den hier in Betracht kommenden 5 Monaten Mai bis September der Mai in den Sonnenschein Verhältnissen nach jeder Richtung hin, eine ausgesprochen günstige Stellung einnimmt, charakterisiert sich der Juli wiederum als geringwertigster Monat, er befizt erwiesenermaßen den wenigsten Sonnenschein. Selbst die Gewitter erreichen im Juli ihre größte Frequenz, wie die Tabelle zeigt. Nieder- Tempe Bewöl- Sonnen- Gewitter Schlag ratur fung schein %( Celsius) % Januar 6,4 0,7 7,5 10,80 % 1,2 Februar 6,5 0,6 7,3 22,16 1,0 März 7,5 2,8 6,8 23,03 3,3 April 5,5 7,4 6,4 32,15 5,1 Mai 7,2 11,7 5,9 38,74 14,01 Juni 10,3 15,6 5,9 33,58 16,6 Juli 12,6 16,8 6,8 26,67 27,9 August 10,4 16,4 6,4 35,99 19,8 September 8,7 13,5 6,1 35,78 Oftober 10,2 8,5 7,4 19,10 4,1 7,7 0,6 8,0 15,60 8,75 6,9 2,0 1,2 1,0 November 6,7 Dezember 8,0 Nach diesen auf der zuverlässigen Grundlage der Beobachtungen der Deutschen Seewarte beruhende Tabellen ist unter allen Sommermonaten der Juli vom schlechtem Wetter in geradezu auffallendem Grade ausgezeichnet: er besitzt die größte Regenmenge, die stärkste Bewölkung, den geringsten Sonnenschein und die meisten Gewitter! Ünter diesen Gesichtspunkten wäre es dringend zu wünschen, den Juli als Erholungs- und Ferienmonat ein für alle Male fallen zu lassen und die Zeit der größten Sommerferien auf eine in meteorologischen Hinsicht von der Natur weniger stiefmütterlich behandelte Periode zu verlegen, also entweder auf Mai(?) und Juni oder auf August und September, eventuell Oktober. In Desterreich hat man diesen Umstand längst zu würdigen gewußt und giebt dort bis Mitte August Unterricht und von da ab bis Mitte Oktober große Ferien. Möge man auch in Deutschland, vor allem in deſſen nördlicher Hälfte, bald zur Erkenntnis gelangen der Dank der Millionen Schüler und nicht minder ihrer ebenso erholungsbedürftigen Lehrer wird sicher nicht ausbleiben. In der Kräftigung der Jugend liegt die Stärke des Vaterlandes! Bei( uns in Hessen sind die Ferien schon nach diefem bernünftigen Grundsatz gelegt. Wenn erst die 6 wöchentlichen Sommerferien eingeführt, werden unsere höhere Schulen einen weiteren Fortschritt vor den preußischen Schulen zu verzeichnen haben. ** Aus Hessen und nachbargebieten. Friedberg, 8. Auguft. Der Altertumsverein, der beim Fauerbacher Thor einen alten römischen Brunnen ausgraben ließ, machte dabei einen interessanten Fund, indem ein römischer, dem Jupiter gewidmeter Votivstein entdeckt wurde, der die gut er haltene Inschrift: ,, J. O. M."( Jovi Optimo Maximo) trägt. Der Fund wurde dem Altertums- Museum in Darmstadt überwiesen. ** Homburg v. d. H., 11. Auguft. Gelegentlich der zweiten Saalburg- Fahrt der Vereinigung der Saal burg- Freunde wird am 18. August auf der Saalburg eine Ausstellung veranstaltet werden, welche die bis herige Thätigkeit und Bestrebungen der Vereinigung Der Kaiser wird eben zum Ausdruck bringen wird. falls der Ausstellung einen Besuch abstatten. o. Mainz, 11. Aug. Die israelitische Religionsgemeinde beabsichtigt ein neues israelitisches Hospital in der Gonsenheimer Hohl zu erbauen. Jugendfest. Das diesjährige Jugendfest, zu welchem 3215 Kinder angemeldet worden sind, soll Mittwoch den 13. August im Philosophenwald abgehalten werden. Nachmittags 2 Uhr stellt sich der Festzug in der Ost- und Südanlage zum Abmarsche auf und nimmt seinen Weg durch die Grünbergerstraße nach dem Feſtplaze Erwachsenen Personen ist das unbefugte hereindrängen in den Zug, sowie das Betreten der Spielplaße und das Eingreifen in die Spiele streng stens untersagt. An den Eingängen zum Festplat wird zur Bestreitung der Kosten von allen nicht zum Buge gehörenden Festteilnehmern ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. erhoben. Auch können am Festtage gelegentlich des Ganges zum Philosophenwalde Karten à 30 Pfg. in der Ostanlage am Justizgebäude und in der Grünbergerstraße am Anfange der Moltkestraße von mittags 12,30 Uhr bis nachmittags 4 Uhr gelöſt werden. Die vorhergelösten Karten sind an den Kassenstellen im Walde vorzuzeigen. Von nachmittags 2,30 Uhr an läßt die Omnibusgesellschaft ihre Wagen vom Neuenwegerthor aus alle Viertelstunde nach und von dem Philosophenwalde verkehren, worauf aufmerksam zu machen wir nicht versäumen wollen. Hauſierern mit Luftballons, Pfauen federn und Lärminstrumenten ist der Zutritt zum Festplaße untersagt. Gießen, den 9. August 1902. Der Festausschuß. Mecum, Bürgermeister. Vermischtes. * Die Handwerkervereine verschiedener Ortschaften der Kreise Osthavelland und Niederbarnim, u. a. in Velten, Eich städt, G.- Ziethen, Vehlefang, Heinersdorf, beabsichtigen, sich zu einem Bunde zu vereinigen, um ihre Ziele wirksamer durchführen zu können. Aus der Bundeskasse sollen die Kosten für geeignete Redner in den Vereinsversammlungen bestritten werden. * Aus Eifersucht auf ihren Mann hat die 26 Jahre alte Frau des Möbelpoliers Paul Hartung in Berlin sich und ihr Kind durch Gift umgebracht. Die Frau hat dem Kinde Lysol zu trinken gegeben und dann selbst dieses Gift zu sich genommen. Wie versichert wird, war die Eifersucht der Frau völlig grundlos. * Hatte testamentarisch den Pfarrer seines Wohnortes als unwürdig von seinem Leichenbegängnis ausgeschlossen und mit seiner Beerdigung den Pfarrer von Lunka beauftragt. Als dieser im Leichenhause erschien, wurde er, wie uns berichtet wird, von seinem Pojaner Amtsbruder mit den Worten:" Du Räuber, willst mich um meine 20 Kronen Stolgebühr bringen!" empfangen und mit einem Stocke niedergeschlagen. Darauf gab es eine allgemeine Prügelei; der Pojaner wurde aber mit seinem Anhang bezwungen, worauf der Lunkaner Pfarrer mit verbundenem Kopfe die Bestattung vornahm. * Was man nicht töten soll. In Frankreich enthalten die Schulbücher Belehrungen über die Nützlichfeit mancher Tiere, die vielfach getötet werden, die man aber nicht töten sollte. Es heißt darin: Igel. Lebt meistens von Mäusen, kleinen Nagetieren, Erd- und Wegschnecken und Engerlingen alio von Tieren, die dem Ackerbau schädlich sind. Tötet daher feinen Igel! Kröte. Eine wahre Gehilfin des Landmannes. Jede vernichtet 20 bis 30 Insekten in der Stunde. Tötet die Kröte nicht! Maulwurf. Er verzehrt un blässig Engerlinge, Larven, Raupen und andere den Ackerbau schädigende Insekten. Keine Spur von Pflanze wurde jemals in ſeinem Magen gefunden. Tötet den Maulwurf nicht! Vögel. Jede Provinz hat alljährlich große Verluste durch die Insekten. Vögel sind die einzigen Feinde derselben, welche imstande sind, tüchtig aufzuräumen. Sie sind die großen Raupentöter und Gehilfen des Ackerbaues wie der Obstzucht. Nehmet keine Vogelnester aus! Marienkäferchen. Diese sind die besten Freunde der Feidbauer und Gärtner, indem sie Blattläuse auf den Gewächsen in Menge verzehren. Tötet die Marienkäferchen nicht! Hochschulnachrichten. Gegenüber der Mitteilung einzelner Blätter, Professor Rudolf Birchow werde seine Lehrthätigkeit einſteuen, bemerkt die Bossische Zeitung, daß mit dem Rücktritt des Gelehrten von seinem Lehramt teine der zuständigen Stellen sich bisher zu beschäftigen gehabt habe. Interessante Mitteilungen über die Landesheere europäischer Großmächte bingen die Löbellschen Jahresberichte. Die Etatsstärke des deutschen Heeres beträgt 24,134 Offiziere, 80,642 Unteroffiziere 494,471 Gemeine, 104,485 Dienstpferde, 3066 bespannte Geschütze. Defter reich- Ungarn zählt im Frieden 18,677 Offiziere, 336,502 Unteroffiziere und Mannschaften, 1048 Geschütze; Italien 10,916 Offiziere, 234,481 Unteroffiziere und Mannschaften, 870 Geschütze; Frankreich 29,998 Offiziere, 543,538 Mann; Rußland 42,000 Offiziere, 1,074,000 Mann. Von besonderem Interesse erscheinen die Angaben über die Befreiungen vom Militärdienſt. Danach sind überhaupt vom Militärdienst befreit: In Desterreich- Ungarn 50 vom undert, Deutschland 37 vom Hundert, Italien 27 vom Hundert, Frankreich 21 vom Hundert und Rußland 17 vom Hundert. Wirklich eingestellt werden: In Frankreich 78, Deutschland 51, Desterreich 40, Italien 33 und in Rußland nur 29 vom Hundert. Wegen Untauglichkeit werden befreit: In Frankreich 21, Deutschland 37, Desterreich 50, Italien 27, Rußland 17 vom Hundert. Von 1000 Männern in dem erwerbsfähigen Alter von 21 bis 60 Jahren stehen im Dienst: In Frankreich 58,4, Deutschland 48, Rußland 43, Italien 30. Zur Kriegszeit steher von 1000 Mann desselben Alters im Dienst: in Deutschland 139, Desterreich 96, Frankreich 171, Italien 107, Rußland nur 81 Mann. Es ergibt sich aus dieser Zusammenstellung, daß die Wehrpflicht auf Frankreich am höchsten lastet, am geringsten auf Rußland. Deutschland steht ziemlich in der Mitte. Deutschland und Desterreich wird das Hauptgewicht bei der Man schreibt aus Heidelberg: Der a. o. Professor Einstellung auf förperliche Tüchtigkeit gelegt, während der Laryngologie Dr. Jurasz, und der a. o. Professor der in Italien und Rußland geringere Ansprüche gestellt romanischen Philologie Dr. Schneegans wurden zu etatwerden. Die geringsten Ansprüche daran machtmäßigen a. o. Professoren, Dr. Rissom zum etatmäßigen chemischen Laboratorium ernannt. Frankreich, wo jährlich 25,000 eingestellte Rekruten Assistenten am Tübingen: Professor Heinrich Maier in Zürich hat den wieder als unbrauchbar entlassen werden müssen. an ihn ergangenen Ruf als Nachfolger des verstorbenen Professors Dr. v. Bleiderer an der philosophischen Fakultät angenommen und wird mit Beginn des Wintersemesters sein Wie die Allgemeine Zeitung mithiesiges Amt antreten. theilt, wurde der Privatdozent für neuere Literaturgeschichte an der Münchener Technischen Hochschule Dr. E. SulgerGebing zum a. o. Professor für deutsche Sprache, sowie für allgemeine und deutsche Literaturgeschichte an der geDer Professor der klassischen nannten Hochschule ernannt. Philologie an der Universität Berlin Geheimrat Dr. Joh. Bahlen begeht am 11. Aug. das goldene Doktor- Jubiläum - Köln: Die hiesige Handels- Hochschule hat nun ihr drittes Semester geschlossen. Im Ganzen haben im Sommer- Semeſter 750 Besucher an den Vorlesungen und Uebungen teilgenommen. Davon waren 146 immatrifulirte Studirende( gegen 68 im ersten, 117 im zweiten Semester), 59 Hospitanten und Mitglieder des Handelslehrerseminars und 545 Hörer, die an den öffentlichen Vorlesungen, welche in 23 Abendstunden wöchentlich abgehalten wurden, teilnahmen. Von den Studirenden sind 134 Deutsche und 12 Ausländer. * Genua, 10. Aug. Der vor einigen Tagen ausgebrochene Straßenfeger- Streit ruft große Kalamität hervor. Die 8ustände in den Straßen sind geradezu gesundheitsgefährlich. Der Gemeinderat beschloß, falls teine Einigung erzielt wird, fremde Arbeiter heranzuziehen. * Der erste Siebenmaster ist füngst in der Werft von East Weymouth( im amerikanischen Staat Massachutts) vom Stapel gegangen. Dieses ungeheuere Segelschiff gehört einer völlig neuen Bauart an, nag der jedoch, falls sie sich bewährt, noch mehrere Fahrzeuge erbaut werden sollen. Das neue Riesenschiff faßt 11,000 Tonnen, besigt beinahe 150 Meter Länge und wird bei voller Ladung einen Tiefgang von 262 Fuß haben. Die Masten sind nahezu 50 Meter hoch und aus Stahl mit Spitzen aus Fichtenholz hergestellt. Das ganze Schiff kostet gerade eine Million Mark. Es soll zunächst Fahrten zwischen nord- und südamerikanischen Häfen ausführen. Da es zum Betriebe lediglich der Segel bedarf, so stellt sich die Fahrt bedeutend billiger, als die der Dampfer. * Unlauterer Wettbewerb. 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