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Jufectionsvreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Fernsprechanschluk Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Sanitäre Vorschriften für den Flaschenbierhandel. Wir werden um Aufnahme folgenden Artikels ersucht. Den Geschäftsleuten, namentlich den Wirten, ist feine Kontrolle ihrer Thätigkeit von Seiten der Behörden erspart. Nur der Flaschenbier handel ist nicht kontrollirt. Was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig. Die Wirte werden in der Reinhaltung ihres Ausschanks, ihrer Bierdruckapparate usw. überwacht, um dem Publikum eine Garantie für ein gesundheitliches Getränk zu bieten. Wie steht es nun aber mit dieser Garantie beim Flaschenbierhandel? Sie fehlt vollständig! Da ist es nun von den Behörden in Meiningen verdienstlich, daß sie in dieser Beziehung vorgegangen sind. " Auf mehrere Eingaben der Gastwirtevereine Meiningen und Salzungen, so schreibt der Deutsche Gastwirt" vom 30, August, hat der Herr Landrat des Kreises Meiningen eine Revision sämtlicher Flaschenbierhandlungen, sowie der Gast- und Schankwirtschaften vornehmen lassen und nach den hierbei gewonnenen Resultaten ein Kreisgesetz für den Kreis Meiningen, den Handel mit Flaschenbier und die Verwendung von Bierdruckapparaten beim Ausschank von Bier betreffend, entworfen. Der Herr Landrat hat aber dabei den einzig richtigen Weg eingeschlagen und damit ein dankens- und nachahmungswertes Beispiel gegeben, indem er zunächst einer einberufenen Kommission, bestehend aus den Herren Bürgermeistern von Meiningen und Salzungen, dem Herrn Kreisphysitus, den ersten Vorständen des Gastwirteverein Meiningen und Salzungen und zwei Brauereibefizern, den Entwurf zur Begutachtung übergeben hatte. Die Kommission hat nach manchen Henderungen den Entwurf in seiner jeßigen Fassung empfohlen. Wenn nun auch gerade die Mitglieder unseres Gewerbes in manchen Punkten einen recht schweren Standpunkt hatten, so wollten sie doch vorerst im Interesse des Wohles der Allgemeinheit mit dem einstweilen Gebotenen zufrieden sein und weitere, wenn auch noch so berechtigte Bünsche zurüchtehen lassen. Dieses Kreisgesetz möge nun für unsere Kollegen im Herzogthum Sachsen- Meiningen der Unfang einer fommenden besseren Zeit sein! Hoffentlich entschließt sich auch die Landesvertretung, in der Frage der Besteuerung des Flaschenbierhandels recht bald den Weg einzuschlagen, den der Bayerische Landtag und die Königlich Bayerische Regierung so erfolgreich seit mehreren Jahren beschritten hat und der dazu führt, eine Gleichheit in der Belastung des Produktes Bier herbeizuführen. Sodann folgen im D. Gastw. die Paragraphen über den Handel mit Flaschenbier" " In eigener Sache Richter. Roman von L. Haidheim. ( Nachdruck verboten.) ( Fortsetzung.) Nie in feinem ganzen Leben hatte Burkard von Frohberg eine Nachricht so unerwartet und so völlig überwältigend getroffen. Er war auf einen Stuhl gesunken, hielt die Hände vor das Geficht geschlagen und wiegte sich wie in unbeschreiblichem Schmerz hin und her: Joseph! Joseph! Alles, nur das nicht! nur nicht chrlos! Weiter empfand er zunächst nichts, als dies: Ehrlos! und ben Hefften Jammer darüber. Nie wie ein flüchtiger Schatten einer solchen Möglichkeit in die Gedanken niemals war ihm auch nur gekommen. Und dann fiel ihm des Großvaters herzlose Grausamkeit gegen diesen Enkel ein bas tiefe Mitleid, das ihn bewogen, an des Alten statt für des Vetters Existenz zu sorgen. Zu spät! zu spät! Erst ganz zuletzt tam die Erinnerung, daß er unter diesem Verbrechen schmählich an seiner Ehre geschädigt worden. Aber das betonten ja die beiden„ Blutzeugen", das hatte Joseph nie geahnt. Wie dieser grenzenlose Leichtsinn ihm so ähnlich sah! " Ich gäbe viel darum, ich hätte nie erfahren, was er gefehlt!" fagte er sich ermannend und in seinen Mienen zuckte die bittere Trauer. Es war gräßlich.- Eben noch vor einer furzen ViertelStunde hatte er sich dem armen Joseph so nahe gefühlt, so herzlich liebevoll, um ihn sich betrübt- und nun- Empfinden wandte sich von dem Toten ab. -jein ganzes Finster, schwer bedrückt verließ er das Gemach. Sordegni wollte heimwärts- Brucheisen hatte eine ganz furze Strecke denselben Weg mit Burkard Frohberg. So nahm er von dem ersteren Abschied, nicht einmal grüßen lassen konnte er seine Maria. Ein schrilles Klingeln an der Etagenthür berührte fie in biefer ernſten Stimmung wie ein verlegendes Getöse. Wer konnte es sein? Joseph hatte in letzter Zeit viele Freunde gehabt. Wenn man Geld hat, fehlt es daran nicht. Burkard Frohberg fuhr hastig zusammen bei dem leichten silbernen Lachen da draußen, in das sich eine grobe Männer§ 1. Beschaffung des Abfüllbieres. Bier, welches in Flaschen zum Verkauf kommen soll, muß unmittelbar vom Fasse aus auf die Flaschen abgezogen werden. Trübes, schal gewordenes oder sonst verdorbenes Bier, insbesondere Tropf- und Neigenbier, darf nicht in die für den Handel bestimmten Flaschen abgefüllt werden. § 2. Flaschenreinigungsraum und Abfüllraum. Bieres darf nur in zwei getrennten, rein gehaltenen, gut geDas Reinigen der Bierflaschen und das Abfüllen des lüfteten und genügend hellen Räumen mit festem, für Wasser und Bier undurchlässigem Boden stattfinden. Die Wände der betreffenden Räume sind wenigstens mit Kaltanstrich zu versehen. § 3. Reinigen der Flaschen und Geräte. Die zu füllenden Flaschen sind unmittelbar vor dem Füllen sauber zu reinigen; ebenso müssen die zum Abfüllen notwendigen Geräte regelmäßig unmittelbar vor und nach dem Gebrauche gut gereinigt und in der Zeit der Nichtbenutzung vor jeder Unreinlichkeit geschüßt, aufbewahrt werden. Die Reinigung hat in sorgfältiger Weise, soweit möglich, mit einer Flaschenbürste oder unter Verwendung von Porzellanschrot, Sand und dergleichen oder von heißer zweiprozentiger Sodalösung zu erfolgen und sich auf alle Teile der Geräte und Flaschen, insbesondere auch auf die Stöpsel und den Gummischluß zu erstrecken. Die Verwendung von Blei- oder Emailleschrot zur Reinigung der Flaschen ist verboten. Die Flaschen müssen von geeigneten, insbesondere nicht mit ansteckenden Krankheiten oder ekelerregenden Wunden behafteten erwachsenen Personen feinesfalls von Schulfindern gespült und es dürfen hierzu nur besondere, ausschließlich für diesen Zweck bestimmte. Gefäße verwendet werden. - § 4. Abfüllen des Bieres. Das Abfüllen des Bieres hat mittelst Hahnes oder Abfüllapparates zu erfolgen; die Verwendung eines Abfüllschlauches ist verboten. Schon einmal gebrauchte Kortstopfen und schadhafte, sowie schmußige Gummiringe bei Patentverschlüssen dürfen nicht wieder zum Verschluß der Flaschen verwendet werden. Flaschen, in denen sich zuvor Petroleum oder andere stark riechende, ungenießbare, gesundheitsschädliche oder efelerregende Flüssigkeiten befunden haben, ferner Flaschen, die am Rande beschäoigt sind und infolgedessen den Ansaz von Schmutz begünstigen oder beim direkten Genuß des Bieres aus ihnen Wunden verursachen können, dürfen zur Abfüllung des Bieres nicht verwendet werden. ſtimme miſchte:„ Ach, was, nicht zu sprechen! Für uns ist er zu sprechen, melden Sie nur Und während die Frauenstimme da draußen in ungenierter Weise plaudernd und lachend hörbar blieb, trat die Hauswirtin mit einer Visitenkarte ein: " Ich kann dem Herrn Grafen-? Er ist vielleicht doch ein Verwandter!" flüsterte sie erschrocken und verwirrt. Nichts in der Welt hätte Burfard von Frohbergs Gefühlen berlegender sein können, als eine solche Begegnung hier an diesem Sarge. Er wußte nie bis icßt von seinen Nerven, batte oft darüber gelacht, wenn andere über Nervosität flagten. Jegt plöglich-! Dies was er jegt empfand, das war die höchste Nervenpein, sagte er später. Und wie hätte Ernst Nepomuf, Graf von Ebern, sich auch im gegenwärtigen Augenblick anders hier einführen sollen, als in feiner bekannten formlosen Weise? Ohne auf die Rückkehr der Frau zu warten, stand er plöblich mitten im Binimer. Aber das Wort erstarrte ihm im Munde, als er sich Burkard und den beiden ihn ganz fremden älteren Herren gegenüber sah. Judes, das war nur sefundenlang. Er lachte spöttisch und wandte sich auf den Vorplaz zurück:" Bitte meine Gnädige, Sie treffen alte Freunde-!" Dann jagte er furz:" Ich sehe, Graf Ebern ist zu Haus, ihm gilt mein Besuch Burkard von Frohberg faßte sich schon und zwang die heiße Empörung nieder; ia, ihm fam eine wilde Schadenfreude, ein boshaftes Triumphieren, welches dem Feinde die Niederlage mit Wonne gönnt. " Ja, Graf Joseph von Ebern ist zu Haus, bitte!" sagte er scharf und laut und zeigte einladend auf die Thür zum Nebenzimmer. Ohne Antwort schritt der„ Afrikaner" darauf zu, öffnete ſie und- blieb starr darin stehen, erschrocken, wie wohl selten im Leben. Ein Sarg? Ein Toter? Was soll das?" schrie er dann grob auf und seine Augen funkelten wie Tigeraugen auf die zurückbleibenden Männer " Das soll Sie zunächst lehren, Graf Ebern, Nespekt vor fremder Häuslichkeit zu haben", trat Burfard jest in lodernder Wut heran, aber die Achtung vor der Heiligkeit des Todes ließ ihn dennoch die Stimme dämpfen und dann aber nein, nein, er vermochte es nicht über sich Josephs Schmach vor diesem verachteten Menschen aufzudecken, er nicht; er fonnte es nicht über § 6. Aufbewahrung des Flaschenbieres. Das abgefüllte Bier ist in einem fühlen, luftigen Keller oder einem ähnlichen Raum, keinesfalls in Wohn- oder Schlafräumen oder in Schaufenstern aufzubewahren. Der Aufbewahrungsraum ist reinlich zu halten, und es sind aus demselben alle mit diesem Zwecke unverträglichen Gegenstände fern zu halten. Politische Nachrichten. Kaiser Wilhelm über das englische Heer. Aus London wird telegraphiert: Nach einer Mitteilung des Daily Expreß soll sich Kaiser Wilhelm unlängst einem Spezial- Korrespondenten desselben gegenüber äußerst anerkennend über die seiner Meinung nach unschätzbaren Dienste ausgelassen haben, welche die Miliz während des südafrikanischen Krieges geleistet, und eine in sich geschlossene von der regulären Armee gesonderte Organisation der Miliz befürwortet haben. Armee- Korps paßten nach Ansicht des Kaisers nicht für England, wohl aber eine selbständige Miliz, die organisch mit dem Lande verwachsen sei. Der Kaiser habe einen Plan hierfür auf der Grundlage der österreichischen Landwehr entworfen, der vom Generalstabe ausgearbeitet sei. Eine Kopie desselben befindet sich in Händen eines schottischen, beim Staiser sehr beliebten Lords, der dem Kaiser bei seinem letzten Besuch in London attachtert war.(? Die Red.) Der Kaiser hat die für nächsten Sonntag geplante Reise nach Wilhelmshaven aufgegeben. Der Monarch wird sich um diese Zeit zur Teilnahme an den Flotten- Manövern in Turhaven an Bord der " Hohenzollern" einschiffen. Nach den Flotten- Manövern gedenkt der Kaiser eine Besichtigung der neuen HafenAnlagen in Hamburg vorzunehmen. Ferien für Fabrikarbeiter sollen nach der ,, Vossischen Zeitung" in den Militärwerfstätten in Spandau eingeführt werden. Dieser Tage wurden die Direktoren der töniglichen Fabrifen in Spandau zu einer Konferenz nach dem Kriegsministerium berufen. Gegenstand der Besprechung war der Gedanke, daß in Zukunft allen Arbeitern jährlich ein Urlaub gewährt werden soll, während dessen Dauer sie feinen Verlust am Einkommen erleiden. Nach dem Ergebnisse der Konferenz ist anzunehmen, daß die Urlaubszeit auf 8 bis 14 Tage bemessen wird. Der für das Herz bringen. Der Majoratsherr sah verständnislos von einem zum andern.- dann werden diese Herren vielleicht die Güte haben?" Ich fann es nicht; bitte, ersparen Sie mir, was gesagt werden muß!" hatte Burkard sich ihnen zugewendet, die mißfällig auf den vornehmen Herrn" blickten." Und während er sprach, sah er mit dumpfem Erstaunen, daß Lenette wirklich eingetreten war, fie, deren Stimme er sofort erkannt, sie, ihm das verhaßteste Weib jezt auf dem ganzen Erben rund! sie, die mit seinem nächsten Feinde zusammen hierher gefommen, sicher, um ihm zu schaden! Aber was hieß denn das Brucheisen fannte sie? Sie erschrat vor dem guten, lieben alten Herrn, sie wollte zurüdweichen, rasch seiner Begrüßung zu entgehen suchen, blaß und rot werdend. Ebenso überrascht und doch betroffener wie er zeigen wollte, hatte der Afrifaner" bagestanden. Er wußte es wohl selbst nicht, wie viel Kleinlauter feine ungebildete Sprechweise flang, als er die Hauswirtin, die in ihrer brennenden Neugier immer noch in der offenen Thür stand, fragte: Wann ist der- da drinnen der Herr Graf denn gestorben?" Eine Antwort wartete er nicht ab, er trat in das andere Zimmer, dicht an den Sarg und die Frau folgte ihm auf seinen Wint. Unterdes trat Lenette zu Burkard. Baron! Baron Frohberg, verurteilen Sie mich nicht, ich habe nicht eingewilligt, ich. Der Herr Graf " Sie waren im Begriff, mit dem Herrn Grafen da brinnen gegen mich zu konspirieren? Ich brauche Ihre Entschuldigungen nicht, Frau Mertoni-!" wies er fie eisig talt zurüd. Mertoni?" wiederholte Brucheisen überrascht und fah Lenette groß und fragend an, in deren Gesicht sich der tödlichste Schrecken malte. " Ah, Sie tennen die Dame, Brucheisen?" Benettes Augen flehten den alten Herrn unendlich beredt an:„ Schweig! O bitte, schweig!" Und Brucheisen sah ganz bestürzt- fte vollkommen ver stehend, aber nicht begreifend, von ihr auf Burkard. Da trat Sordegni plöglich entschlossen vor. Mir scheint, wir haben Ursache, uns zu dieser Begegnung 31 gratulieren, Baron Frohberg. Herr Brucheisen fennt offenbar die Dame unter einem anderen Namen- und dieser andere ist uns hochwichtig." Allerdings- allerdings aber mir scheint Frau Konigkh fieht es nicht gern-." ( Fortsetzung folgt.) diese Zeit zu gewährende Lohn soll nach dem Durchschnitts-| lohn berechnet werden. Die Einführung dieses Urlaubs der Arbeiter wird voraussichtlich nach dem 1. April 1903 erfolgen. Köniz Georg von Sachsen hielt heute Nach mittag 2.30 Uhr unter Glockengeläute seinen feierlichen Einzug in die festlich geschmückte Stadt. Auf die Ansprache des Oberbürgermeisters Beck erwiderte der König: Nach seiner Thronbesteigung sei es sein innigfter Wunsch gewesen, vor Allem der ersten Handels- und Industriestadt des Landes Chemnitz, einen Besuch abzustatten. Heute Abend bringt die Arbeiterschaft in einer Anzahl von 9000 Mann dem Könige einen Fackelzug dar. Die sächsische Staatsbahnverwaltung will einen Versuch mit der Einführung von Motorwagen auf normalspurigen Strecken machen. Es werden gegenwärtig drei solcher Wagen gebaut und sollen am 1. Mai 1903 in Betrieb genommen werden. Auch wird die Verwendung von Motorwagen für schmalspurige Linien erwogen, die wegen der vielen Nebenbahnen in Sachsen besonders häufig sind. Im Dezember d. Is. wird die Generaldirektion der Staatsbahnen zehn Personenwagen mit elektrischer Beleuchtung versuchsweise einstellen. Die neuen Wagen sind bereits im Bau begriffen. Konstantinopel, 10. Sept. Der italienische Botschafter protestierte energisch bei der Pforte gegen das Vorgehen des Gouverneurs von Janina, welcher sich der Eröffnung des neuen dort etablierten italienischen Bostamtes widersetzt. Giessener Cagesneuigkeiten. ** Die neue Rechtschreibung. Die amtliche Ausgabe der neuen deutschen Rechtschreibung ist jetzt im Druck erschienen. Die Einführung in den Schulen soll erst zu Ostern des nächsten Jahres erfolgen; doch ist die Anwendung der neuen Schreibweise schon jetzt gestattet. Der leitende Grundsatz, nach dem bei der Neubildung unserer Rechtschreibung gearbeitet wurde, war, eine Ortographie zu schaffen, in der alle deutschen Länder, auch Desterreich und die Schweiz, mit den Eigentümlich feiten ihrer Schreibweisen möglichst zu ihrem Rechte tommen. Infolgedessen sind manche Infonsequenzen zu verzeichnen, so z. B., daß fortan giebst", gibst" zu schreiben ist unter Wegfall des Dehnungs- e, während die Endsilben ,,- teren",-terung" mit Dehnungs- e geschrieben werden. Späterer Zeit bleibt also noch ein gutes Stück Arbeit vorbehalten. Von den Einzelbestimmungen der neuen Rechtschreibung sei erwähnt, daß ,, th" in den deutschen Wörtern nicht mehr geschrieben wird; es heißt fortan ,, tun" anstatt ,, thun" und ,, Tür" anstatt ,, Thür". Ausgenommen von dieser Regel sind aber einige deutsche Eigennahmen, von denen einige das„ h" behalten müssen, einige jedoch auch eben so gut verlieren, wie behalten dürfen. Eine doppelte Schreibweise ist auch freigegeben für die zweite Person derjenigen Zeitwörter, deren Stamm auf einen S.- Laut endigt; so bleiben also z. B. neben den Formen ,, du lieft", du wächst", die veralteten ,, du liesest" und" du wächsest" bestehen. Am vielseitigsten und schwierigsten bleibt auch in der neuen Rechtschreibung das Kapitel über die Anfangsbuchstaben. Im Allgemeinen ist die Stimmung für die kleinen Anfangsbuchstaben gemäß der Vorschrift: In zweifelhaften Fällen schreibe man mit kleinen Anfangsbuchstaben." Indessen soll | hatte. Durch den Brodem in der Küche hatte sich die Farbe aufgelöst und die schädlichen Erscheinungen hervorgerufen. * Ein Telegramm aus Bauzen meldet die Verhaftung eines angeblich aus Berlin stammenden Hoch staplers, der sich Dr. Karl Schulz nennt.. Im Besitz des Feitge nommenen wurde eine umfangreiche anarchistische Korrespon denz aufgefunden * Dresden, 9. Sept. Heute wurden 15 Frauenspersonen wegen Abtreibung zu Gefängnis, wegen Beihilfe die frühere Hebamme Kolosche zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. 3. B. die Anrede ,, du" und ihr" auch in Zukunft groß| geschrieben werden; es soll fünftig auch heißen:„ Das Königlich Preußische Zollamt" Königlich Preußisch mit großen Anfangsbuchstaben dagegen z. B. die preußischen" Beamten. Im ersteren Falle find die beiden Eigenschaftswörter Teile von Titeln, im zweiten nicht. Gin ähnlicher Unterschied bleibt in der Schreibweise derjenigen Eigenschaftswörter, die von Eigennamen abgeleitet sind. Bezüglich der Fremdwörter wird gesagt, daß ,, für die Schreibung der Fremdwörter sich allgemein giltige Regeln nicht aufstellen lassen". Als Grundsak gilt, die Fremde Schreibweise beizube-* Köln, 9. Sept. Jm benachbarten Herrig er. halten, sofern die fremde Aussprache keine Aenderung schoß sich in seiner Wohnung ein seit langen Jahren erhalten hat; doch sollen fremdwörter, die keine dem dortselbst amtirender Volksschullehrer. Als Motiv Deutschen fremden Laute enthalten, vielfach ganz nach zur That wird angegeben, daß der Lehrer eine ausdeutscher Weise geschrieben werden, wie z. B. Bluſe, wärtige Festlichkeit besuchte und deshalb mehrere Tage Sekretär u. a. Der K- Laut soll aber meist mit" lang den Unterricht ausgesetzt hatte. und der Z- Laut mit ,, z" geschrieben werden. An Stelle bon ,, ce" darf, wenn es den Laut von„ kz" hat, auch tz gesetzt werden, man darf also ebenso gut wie z. B. Accent und Acciſe, auch Akzent und Akzise schreiben. Sehr zur Nachachtung zu empfehlen ist der Schlußsak der amtlichen Ausgabe:„ Viele Fremdwörter können durch völlig gleichwertige, gute, deutsche Ausdrücke ersetzt werden; entbehrliche Fremdwörter soll man überhaupt vermeiden." Vermischtes. * Die Großmutter als Umzugsgut. Auf einer Station im Osten Deutschlands erschien in den Abendstunden ein Ehepaar, das sich angelegentlicht erfundigte, ob ein am Morgen zur Beförderung aufgegebener Wagen mit Umzugsgut für sie noch nicht eingegangen sei. Auf die verneinende Antwort des Beamten sichtliche Bestürzung und längere geheimnisvolle Beratung, mit dem Ergebnis, daß beide Fragesteller sich zögernd entfernten. Am Vor- und Nachmittag des nächsten Tages wurde die Anfrage mit gleichem negativem Ergebnis wiederholt. Erneute Beratung und als deren Folge endlich gemeinsame Abfahrt nach N, dem nächsten Knotenpunkt in der Richtung, aus der das Umzugsgut erwartet wurde. Bald nach der Abfahrt des Ehepaares verbreitete sich das Gerücht, in dem er warteten Wagen mit Umzugsgut sei, der Fahrgeldsparnis halber, auch eine franke Großmutter mit verladen, über deren Verbleib und Befinden man in berechtigter Sorge sei. Und richtig: In N., wo der Wagen einen unerwarteten Aufenthalt hatte, war der Alten ihre freiwillig(?) übernommene Gefangenschaft unerträglich geworden. Zum nicht geringen Schrecken des Bahnhofspersonals machte sie sich durch Klopfen bemerkbar und wurde nun, nicht gerade von Segens wünschen begrüßt, aus ihrer Haft befreit. Für die fürsorglichen" Verwandten aber dürfte ihre übelangebrachte Sparsucht noch ein unerwünschtes Nachspiel haben. * Ein eigenartiges Vorkommnis wird aus Meißen erzählt. Ein dortiger Bürger machte wiederholt die Wahrnehmung, daß vom Mittagstisch übrig gebliebene und in der Küche aufgehobene Salzkartoffeln am Abend eine rote Farbe zeigten. Eines Tages färbte sich auch der nichtgenossene, ebenfalls in der Küche aufbewahrte Kalosbraten rot. Da gleichzeitig die Frau ertranfte und über Schwindel und Uebelkeit klagte, tam man auf die Vermutung, daß den Speisen Gift zugesezt sein müsse, was sich auch insoferne bestätigte, als eine chemische Unterfuchung des Farbenanstrichs der Küche ergab, daß beim Molen Anilinfarbe Verwendung gefunden Giessener Verlagsdruckerei vorm. Wilh. Keller'sche Druckerei( gegr. 1783) Verlag der„, Giessener Neueste Nachrichten" ent Briefbogen Couverts >>>>>>>>>>> Neuenwge 28. e******* * Lüdenscheid, 8. Septbr. Die Typus epidemie hat soweit nachgelassen, daß in der nächsten Woche die Die Schüler Schulen wieder eröffnet werden können. aus infizierten Häusern werden jedoch vorläufig noch nicht wieder zum Unterricht zugelassen. Insgesamt sind von 202 Erkrankten 10 gestorben. Kopenhagen, 9. Sept. Hier wurde gestern unter großer Teilnahme ein neues Serum- Institut eröffnet. Die wissenschaftliche Welt war bei der Eröffnung stark vertreten. Von deutschen Gelehrten waren Prof. Paul Ehrlich und Karl Weigert aus Frankfurt a. M. als geladene Gäste anwesend. * * Petersburg, 5. Sept. Ein ungewöhnlicher Unglücksfall trug sich unlängst auf der Südwest bahn zwischen den Stationen Popeljucha und Kryshopol zu. Ein Reisender warf während der Fahrt aus einem Wagen eine große leere Weinflasche hinaus. Sie flog einem Bahnwärter, der auf seinem Bosten stand, so unglücklich an die Schläfe, daß der Mann auf der Stelle tot war. vorsichtige Werfer ist nicht gefunden worden. Der un * Paris, 10. Sept. Ein Telegramm aus Fort Castris meldet, daß die sanitäre Lage in Fort de France äußerst besorgniserregend ist. Der größte Teil der Bevölkerung iſt tranf. Die Ruhr fordert täglich zahlreiche Opfer. Die Auswanderung der Bevölkerung ist panifartig. Birfa 80,000 Ginwohner wollen die Insel verlassen. Die eventuelle Inſtandsegung der Fabriken und Ansiedelungen würde 50 Jahre in Anspruch nehmen. * Catania, 10 Sept. Der Stramboli ist ebenfalls in Thätigkeit getreten. Unterirdisches Getöse wird v.rnommen und dichte Rauchwolken lagern über der Insel. * Neapel, 9. Sept Vincenzo Guerriero, der am 25. Mai 1902 zwei Steine gegen den föniglichen Eisenbahnzug warf wurde heute zu 6 Jahren 8 Monaten Zuchthaus und 800 Lire Geldstrafe verurteilt. * Halberstadt, 8. Septbr. Infolge Higschlages berunglückten im Manöver 10 Reservisten vom 27. Inf.Regiment. 2 waren auf der Stelle tot, die übrigen wurden nach Halberstadt zurücktransportiert. * Paris, 10. Sept. In dem Gewölbe der Bank von Frankreich wurde ein Diebstahl von Goldmünzen im Betrage von einer Viertelmillion entdeckt. Die Polizei ist der Ansicht, daß nur Beamte der Bank den Diebstahl ausgeführt haben können. * Arad, 10. Sept. Wallachische Zigeuner steckten in der vergangenen Nacht eine Scheune in Brand, in der zahlreiche Wallfahrer übernachteten. 8 Personen tamen in den Flammen um, 9 erlitten schwere Verlegungen. Die Bande gehörte gerädert zu werden. 1212 Empfehle mich in allen vorkommenden Spenglerarbeiten, insbesondere Neubauten. Reparaturen gut und billig. Christian Arnold Spenglermeistering 6 Dammstraße 6. Mitteilungen Preis- Courante Prospekte Quittungen dem Rechnungen Eintrittskarten Mitgliedskarten Tanzkarten bin Einladungskarten od nd Verlobungskarten Visitenkarten Hd Programme Diplome Statuten Vereinsschilder Plakate Trauerbriete P. P. Empfehle unsere Buchdruckerei, mit reichhaltigem Material aufs modernste eingerichtet, zur Herstellung von nebenstehenden Druckarbeiten unter Zusicherung bester und billigster Ausführung. Massen- Auflagen, Beilagen, Prospekte u. dgl. mehr liefern wir in kürzester Frist. Muster und Preisofferten stehen zur Verfügung. Giessener Neueste Nachrichten Giessen, Neuenweg 28. Halte mich zur Lieferung von Rolladen, Jalousien und Marquisen nach neuester Konstruktion bestens empfohlen. Seiden Hrch. von Schön, Liebigstraße. Zürich haben Weltruf. 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