Nr. 158. Erstes Blatt. Freitag, den 11. Juli 1902. Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mt. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Gießener 11. Jahrgang. Jusertionsvreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie, ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Neuelle Nachrichten * ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießer Politische Nachrichten. Berlin, 10. Jult. Der Kaiser hat bei seinem legten Aufenthalte in Bonn, wie das Berliner Tageblatt erfährt, im engeren Klub der früheren und jetzigen Borussen noch eine für studentische Streise sehr bedeutungsvolle Rede gegen die studentischen Trinksitten gehalten. Der Kaiser ermahnte die Jugend, von dem an dem Corps- Wesen nagenden Mißbrauch geistiger Getränke zu lassen. Besonders abfällig sprach er sich dabei über das Zwangstrinken aus. Berlin, 10. Juli. Kaiser Wilhelm hat, wie nach träglich bekannt wird, die Besizer der fünf amerikanischen Yachten, welche der Kieler Woche beiwohnten, eingeladen, die Marienburg zu besichtigen. Demzufolge werden die Yachten morgen im Hafen von Neufahr= wasser bor Anker gehen. - Der Kaiser hat mit der Stellvertretung des Neichskanzlers in den Angelegenheiten der Verwaltung der Reichseisenbahnen den Chef dieser Verwaltung, Staatsminister Budde beauftragt. " -Wiederum weilt nunmehr Kaiser Wilhelm an den wildromantischen Gest a den Norwegen, wie dies der erlauchte Monarch fast von seiner Thronbesteigung an, allsommerlich für einige Wochen gethan hat. Diese Nordlandsfahrt bildet im Grunde die eigentliche einzige Erholung des Jahres für unseren Kaiser von seinem rastlosen Herrscherwirken, welche eine etwas längere Dauer aufzu weisen pflegt, und so wird denn der hohe Herr auch diesmal ungefähr drei Wochen im skandinavischen Norden zubringen. Die Rückreise wird von Drontheim aus erfolgen. Doch wird auch bei der jezigen Nordlandsreise des Kaisers die Bolitik keineswegs ganz vernachlässigt, es haben ihn " " hierbei auch diesmal Vertreter des Auswärtigen Amtes begleitet, und befinden sich ferner Hoffouriere in seinem Gefolge. Das Torpedoboot Sleipner" ist bekanntlich der Hohenzollern" als Depeschenboot beigegeben, außerdem wird die faiserliche Yacht von dem fleinen Kreuzer Nymphe" begleitet. Bur Fahrt der„ Hohenzollern" wird übrigens am 9. Juli aus dem dänischen Hafenorte Frederikshaven berichtet, daß die Yacht mit dem Kaiser an Bord, gefolgt von „ Nymphe" und" Sleipner", mittags nach Norwegen in See gegangen sei. Noch am Abend dieses Tages, gegen 71/4 Uhr, passierte dann die Hohenzollern" das Cap Lindesnärs an der Südküste Norwegens. Berlin, 10. Juli. Der Reichskanzler Graf Bülow ist zu einem mehrwöchentlichen Sommeraufenthalt gestern in Norderney eingetroffen. In seiner Begleitung befanden sich mehrere höhere Ministerial- Beamte. Man wird wohl in weiteren Streisen nicht ohne Verwunderung erfahren, daß erst durch einen bom Bundesrat in seiner legten Sizung gefaßten Beschluß Dresden, die Hauptstadt Sachsens, demnächst eine Reichsbankhauptstelle erhalten wird. Im Königreich Sachsen hatte bisher nur die Stadt Leipzig eine Reichsbankhauptstelle. Mit Dresden wird es fortan 18 Reichsbankhauptstellen im Deutschen Reiche geben, nämlich in Bremen, Breslau, Danzig, Dortmund, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Köln, Königsberg i. Pr., Leipzig, Magdeburg, Mannheim, München, Posen, Stettin, Straßburg im Elsaß und Stuttgart. Ein neuer fugelsicherer Bauzer. Nach einem Telegramm aus Rom fanden in der Villa Doria in Gegenwart des Kriegsministers und der auswärtigen Militär- Attaches Schieß- Experimente auf einen von einem gewissen de Benedetti erfundenen angeblich fugelsicheren Panzer statt. Weder die Geschosse des englischen ArmeeRevolvers noch die des italienischen Militär- Gewehrs durch schlugen den Panzer, dessen geringste Stärke 3 Millimeter beträgt während die Kugeln auf dem Panzer deformirt wurden. Man wandte diesen Panzer bei einem Esel und bei einem Hahn an. Die Tiere schienen nicht einmal den Schlag des Geschosses zu spüren. Alle Anwesenden waren über das Resultat dieses Versuches aufs höchste erstaunt. Der Kriegsminister ordnete weitere Schießproben an. De Benedetti gestattete Niemanden, das Gewebe, welches beliebig verstärkt werden kann, zu untersuchen. * 55 deutsche Kriegsgefangene, die bislang von den Engländern auf der Insel Ceylon interniert worden waren, find an Bord des Reichspostdampfers Oldenburg" von dort nach Deutschland abgegangen. - Was man in China von deutschen Erzeugnissen nötig hat, darüber giebt der Welthandel"( Beiblatt zur„ Deutschen Export- Revue") Aufschluß. Da werden Konfeft- und Biskuitwaren gewünscht, wobei die Blechdosen mit schönen Bildern verziert, eine Hauptrolle spielen, denn die Chinesen kaufen diesen Artikel schon der Dosen zultebe. Ferner braucht man Hustenbonbons, Maschinen für Zuckerraffinerien, Bruchmühlen, Sägemühlen, Streichholzfabriken, Nähmaschinen, Parfümerien, Schminke, Fahrräder, Droguen und Chemikalien, Bauhölzer und last not least fünft lichen Dünger. Ein Hauptfaktor bei allen Artikeln ist Billigkeit und schöne Aufmachung. Bezüglich der Waren zeichen, Etiketten und Farbenzusammenstellungen müssen ganz besondere Rücksichten auf den Aberglauben der Chinesen genommen werden. Die Wahl und Farbe der Warenzeichen ist daher überaus wichtig. Ein Chinese wird sehr häufig ein Packet Nadeln, eine Schachtel wird sehr häufig ein Packet Nadeln, eine Schachtel Zündhölzer, eine Flasche Parfüm, Süßigkeiten, Biskuits Zündhölzer, eine Flasche Parfüm, Süßigkeiten, Biskuits u. s. w. ebenso sehr wegen des Warenzeichens und der Etiketten kaufen, wenn er dies als glückverheißend ansieht, als wegen des Inhalts. Ebenso wird er aber auch von dem Ankauf eines Artikels, den er gerade beauch von dem Ankauf eines Artikels, den er gerade benötigt, abgeschreckt werden, wenn er das aufweist, was er als eine unheilvolle Marke oder Etikette betrachtet. In Farben empfiehlt es sich, reines Weiß, reines Braun und Zusammenstellungen von Blau und Weiß oder Blau und Braun zu vermeiden, da diese für einen Ghinesen sich mit den Begriffen Tod und Trauer verbinden, somit ein unheilvolles Omen darstellen. Die beliebtesten Farben bei den Chinesen sind Rot und Gelb, von denen sich das erstere mit dem Begriff Freude, das letztere mit dem der Würde verbindet. Die unbekleidete oder nur teilweise bekleidete Menschengestalt sollte vermieden werden. Ueberhaupt ist die Verwendung der menschlichen Gestalt bei Warenzeichen und Etiketten, die für China bestimmt sind, gefährlich. Eine uns vollständig harmlos erscheinende Kleinigkeit kann dabei für den Chinesen eine unheilvolle Bedeutung haben. So be: deutet z. B. eine grüne Kappe das größte Unglück, das einem Manne widerfahren kann. Dresden, 10. Juli. Die königliche Münze in Dresden wird zur Erinnerung an den Sterbetag König Alberts eine Anzahl filberner 5 Markstücke prägen und in Umlauf setzen. Hamburg, 11. Juli. Gestern erfolgte die Verhaftung des Direktors des dortigen Werk- und Armenhauses, Morath, wegen bedeutender Unterschlagungen. Der Verhaftete ist Vorsitzender des Vereins hamburgischer Staatsbeamten. aus Budapest: Die unerwartete Reise Coloman Szells Wien, 11. Juli. Das Berliner Tageblatt meldet und der Ressortminister nach Wien und die Wiederaufnahme der Ausgleichs- Verhandlungen hat hier sehr der Monarch in dem jüngsten Stronrat im Interesse des überrascht und man sieht hierin eine Bestätigung, daß Zustandekommens des Ausgleichs ein Machtwort gesprochen habe. Die hauptsächlichsten Differenzpunkte sind die ungarischen Forderungen nach Schutzöllen für Rohstoffe und die von Oesterreich geforderte LoyalitätsKlausel, welche die ungarische Regierung verhindern soll, die ungarische Industrie in der bisherigen Weise zu unterſtüßen. Voraussichtlich dürfen beide Parteien da sonst beide Kabinette demissioniren müßten. von ihrem bisherigen scharfen Standpunkte ablassen, Basel, 11. Juli. Ueber einem großen Teile der Schweiz gingen gestern schwere Gewitter nieder, welche an den Kulturen vereinzelten Schaden anrichteten. Bei dem Dorfe Gerslach im badischen Wiesenthal wurden zwei Männer auf offenem Felde vom Blig erschlagen. Paris. In den ersten Augusttagen treffen hier die amerikanischen Staatsvertreter Knor, Russel und Spooner ein zu entscheidenden Conferenzen in Angelegenheit der Uebernahme aller Rechte am Panamakanal Unternehmen. Sollten die Unterhandlungen glatt verlaufen, dann würde der Congreß von Columbia vor Jahresende die neuen Concessionen zu erteilen in der Lage sein und die Arbeiten könnten 1903 beginnen. London, 11. Juli. Bei einem vor wenigen Tagen stattgehabten Diner gratulierte eine Dame dem Herzog bon Cambridge zur Reconvalescenz des Königs. Der Herzog antwortete in ernstem Tone: Dem König geot es gut jetzt, wobei der Herzog besonders das legte Wort betonte. Es ist durchaus nicht unmöglich, fährt der Korrespondent fort, daß der König sich vielleicht einer zweiten wenn auch weniger gefährlichen Operation unterziehen muß. Die Preß- Association bestätigt die Timesmeldung, daß der 9. Auguft für die Krönung in Aussicht genommen ist mit dem Vorbehalt ärztlicher Zustimmung. Es heißt, der König werde zur Erholung zunächst nach Kingsgate auf der Insel Thanet gehen. - König Eduards Genesung. Der Zustand des Königs verbleibt zufriedenstellend. Er darf sich aber weder bewegen noch setzen. Noch immer find einige Aerzte ununterbrochen bei ihm. Das British Medical Journal schreibt: Die Besserung des Königs ist rapider als erwartet wurde, die Wunde granulirt gut, der Eiter- Ausfluß nimmt ab und ist von guter Beschaffenheit. Die Wunde ist aber noch tief und muß von unten herauf verbunden werden, um eine normale Heilung zu erzielen. Der König habe seine vor der Operation sehr durch Schmerzen geschwächten Kräfte fast ganz wiedergewonnen, sei aber noch an sein Lager gebunden. Es könne mit aller Bestimmtheit erklärt werden, daß bei der Operation sich feine Spur einer bösartigen Krankheit gezeigt habe und daß auch keinerlei Vorzeichen einer solchen seitdem eingetreten seien. Die Konstitution des Königs sei vollkommen gesund. Er werde den Buckinghampalast binnen Sturzem behufs Luftwechsels verlassen und das Datum der Krönung werde unmittelbar darauf angekündigt werden. - Aus der Türkei. Behufs Verminderung der zunehmenden Einwanderung rumänischer Juden nach der Türkei hat die Pforte an alle türkischen Hafen- Behörden die vertrauliche Weisung zugehen lassen, fremde Juden, welche feine ausreichende Legitimation besigen, nicht landen zu lassen. Giessener Cagesneuigkeiten. ** Ernennung. Karl Stadelmann aus Berlin wurde zum Präparator am zoologischen Institut der Landesuniversität ernannt. ** Darmstädter Schloßfreiheitslotterie. Man schreibt uns aus Darmstadt: Wenn von auswärtigen Kolletteuren trotz bestehender Vertriebs- oder Spielverbote Originallose zugesendet werden, so mag die vollkommene Außerachtlassung solch einer Sendung am Blaze sein. Eine andere Behandlung möchten aber Originallosofferten dann verdienen, wenn es sich um erlaubte Lose handelt. Hier tommt in Betracht 1) daß es sich um einen Zweck handelt, der bei behördlicher Prüfung der Zulassung des Lotterieunternehmens für gut erfannt worden ist, 2) daß der Losevertrieb für zahlreiche Menschen als eine ordnungsmäßige geschäftliche Existenzquelle angesehen werden muß und daß es eine empfindliche Vermögensschädigung dieser Geschäftsleute bedeutet, wenn vertrauensvoll übersendete Originallose, die man nicht zu spielen wünſcht, anstatt fie unter Benußung zuvertrauen, einfach weggeworfen werden. der beiliegenden Freicouverts, dem nächsten Briefkasten anMarie, Königin von Belgien. Königin Marie Henriette von Belgien, eine geborene kaiserliche Prinzessin und Erzherzogin von Desterreich, steht zur Zeit im 66. Lebensjahre. Im nächsten Jahre fann sie mit ihrem Gemahl Leopold, dem König der Belgier, das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Aus ihrer Ehe entstammen drei Beinzessinnen, die bekannte Prinzeß Luise Königin Marie Henziene von e.gien ( chwer eriran.1). Nr. 157. Oberheffische Familienzeitung. durch alle Stationen, der ent und ih- Sie wissen, Leute gesellschaft in Neuseeland reiſte, dachte ich nicht so. Wir kamen " Das mag fein! Aber als ich für eine VersicherungsBeziehung etwas unpaffend war. war taum ausgesprochen, als ihm einfiel, daß es in dieser Kapitel. Seite 2. schneemeiß wie das Dert eines ar ein schmaler Streifen Teppich, aber die Bretter roaren fo töstlich frisch, fauber und bequemt. Vor einem Bett lag nur Did fand ein Zimmer einfach und färglich möbliert, aber Neunzehntes alichiffe das schmale Nr. 155. Kleines Oberhessische Familienzeitung. Seite 3. ber= Wo is fp bille von da. schmissen worden sein. forfallen des Regulatora der Rejulator? Her damit!" war voch nicht mehr brannt und die Uhrjewerkdheele verschenft oder Borsigender: So recht glaubhaft flingt das Haben Sie irgend einen Zeugen, der Kurz, wie et hieß: Mogen 311 ( Berliner Gerichtsszene.) Feuilleton. Wie ein Regulator verschwinden kann. hat sich der Arbeiter Karl N. nun gerade nich. ( Nachdruck verboten.) Gemahlin des Prinzen Philipp von Sachsen- Koburg und Gotha, die Gräfin Lonyay( ehedem Wittwe des Kronprinzen Rudolf von Defterreich) und die noch unvermählte Prinzeß Klementine. Die verwittwete Herzogin Friederike von Anhalt- Bernburg ist gestern Vormittag um 11 Uhr in Alexisbad bei Ballenstedt verschieden. Mit der Herzogin, welche am 9. Oktober vorigen Jahres in vollſter Frische des Geistes ihren 90. Geburtstag feiern konnte, ist die Seniorin nicht nur der deutschen, sondern auch aller europäischen regierenden Familien dahin gegangen. Die nunmehr Verstorbene war als Prinzessin von Schleswig- HolsteinSonderburg- Glücksburg am 9. Oktober 1811 zu Schloß Gottorp geboren. Von ihren zahlreichen Geschwistern find noch drei jüngere Brüder am Leben, deren ältester der durch das Londoner Protokoll zum Throne berufene, jezt 84jährige König Christian IX. von Dänemark iſt, während Prinz Julius im 78., Prinz Hans im 77. Lebensjahre steht. Prinzessin Friederike vermählte sich in prangender Jugendschönheit am 30. Oftober 1834 mit dem sechs Jahre älteren Herzog Alexander von AnhaltBernburg, bei dem sich sehr bald dauerndes Siechtum herausstellte. Schließlich ließ es sich nicht mehr umgehen, ihn offiziell für regierungsunfähig zu erklären und so wurde 1855 die Herzogin Regentin. Sie hat das Ländchen dann noch unter der Beratung des ihr stüßend zur Seite stehenden Ministers von Schätzell acht Jahre hindurch verwaltet. Am 19. August 1863 starb ihr kranker Gemahl und, da die Ehe kinderlos geblieben war, fiel, nach der askanischen Erbverbrüderung, Bernburg an die Dessauer Linie, die bereits 16 Jahre früher unter ähnlichen Verhältnissen auch in Köthen succediert hatte. Herzogin Friederite von Anhalt, Aus Hessen und Nachbargebieten. fc. Butzbach, 10. Juli. Der Oberbessische Obstbauverein hält hier vom 19. bis einschl. 22. September im Saale des Hessischen Hofes cine Obstausstellung ab. * Aus dem Rodgau. Bei allen Anwohnern der Rodgaubahn wird die nachstehende Mitteilung lebhafteste Freude hervorrufen, daß laut Entschießung der Bahnb hörde v m 1. Oftober d. J. ab ein Personenzug von Ober- Ro den 6.16 Uhr vormittags nach Dieburg neu eingelegt wird, der den Reisenden einen besseren Anschluß nach Darmadt und Aschaffenburg ermöglicht und namentlich auch den Schülern der Realschule zu Dieburg zu gute kommt. * Wöllstein, 9. Juli. Gestern wurde hier die diamantene Hochzeit der Eheleute Johann Wolf und Katharine geb. Stellwagen gefeiert. V. Frankenberg, 10. Juli. Ein 21 jähriger junger Mann J. war beim Baden ganz erhitzt ins Wasser ge= sprungen. Ein plötzlicher Herzschlag war die Folge. Eine Näherin im nahen W. hate die üble Gewohnheit, Nähnadeln zwischen den Zähnen zu halten. Plötzlich verschluckte sie cine, dicse mußte durch einen sehr gefahrbollen operativen Eingriff wieder entfernt werden. Ems, 8. Juli. Der Heimgang des Königs Alte t von Sachsen ruft eine Emser Erinnerung wieder wach. Als Kön g'n Cirola ihren Gemahl im Jahre 1831( ein zweiter Besuch folgte 1887) nach Ems zur Kar begleitet, zeigte sie ihm im Kurhause die Räume, die sie einst als jugendliche Brinzessin Wasa mit ihren Eltern bewohnt hatte und in denen sie einmal in große Lebensgefahr geraten war. Durch unvorsichtige Handhabung einer Spirituslampe war ein Bimmerbrand entstanden und schon hatten die Kleider der fleinen Prinzessin Feuer gefangen, als ein im Kurhaus angestellter Rüfer herbeistürzte und das Kind aus den Flammen davontrug. Auch nach ihrer Thronbesteigung hat die Lohe Frau ihres Lebensretters nicht vergessen. Als sie später das erstemal mit ihrem Gemahl in Ems weilte, ließ sie den Rüfer tommen, der dem König den ganzen Vorgang ausführlich erzählen mußte. Ein Bild der Königin und ein reiches Geldgeschenk war sein Lohn. Als der Mann alt und erwerbsunfähig wurde, ließ ihm König Albert eine monatliche, mehr als den Lebensunterhalt deckende, Rente auszahlen. Der Küfer ist hoch betagt vor einigen Jahren gestorben. c. Worms, 10. Juli. In der Lederfabrik zu MariaMünster geriet ein 17jähriger Arbeiter aus Kleinniedesheim mit dem Kopf zwischen einen sog. Ausrecketisch und zwei rotierende eiserne Walzen. Der Schädelknochen wurde zertrümmert. Nach einigen Minuten trat der Tod des jungen Menschen ein. Bur Eisenbahnfrage für den höheren Vogelsberg( Ein gesandt.) Ueber den Bahnbau in dem höheren Vogelsberg gehen bis jetzt noch die Ansichten auseinander. Während ein Teil für die kürzere Strecke von Grebenhain über Hartmannshain nach Gedern ist, erheben sich viele Stimmen für die von Grebenhain, Bermuthshain, Voltartshain, Gedern, zumal auf lepterer weniger Steigung zu überwinden ist, dagegen über Hartmannshain 40 Broz. Auf beiden Strecken ist doch wohl der Umstand Bedenken einflößend, daß in manchen, sogar den meisten Wintern der Schnee auf längere Entfernungen mehrere Meter hoch liegt, und das öftere Aufgraben große Kosten verursacht. Ueberdies fragt sich gar mancher: Wie ist bei dem geringen Verkehr, sowie den geringen Frachten nur an eine einigermaßen Rentabilität über solche Bahn zu denken? Die Ausfuhr von Holz würde etwa unsern schönen Oberwald mit seinen meistenteils Buchenbeständen zu sehr decimieren. Es tönn ten nur als Frachtgut von unserem Basaltgebirge, welches nebenbei bemerkt, der größte Basaltstock der Erde ist, Bau- und Pflastersteine ausgeführt werden. Der Schluß des 31. hessischen Landtages, welcher heute Freitag, 11. Juli, nachmittags 41½ Uhr stattfindet, erfolgt unter folgendem Programm: Um 4 Uhr versammeln sich im Schloß die dienstthuenden Kammerherrn und Kammerjunker: in dem Fahnensaal; um 414 Uhr: die Mitglieder der Ersten Kammer: in den Assembléezimmern; die Mitglieder der Zweiten Kammer: in den Russischen Zimmern; die Mitglieder des Staatsministeriums: in dem Fahnenfaal: die Hofstaaten und Adjutanten: in dem Rampensaal. Die Zweite Kammer wird durch den als Ceremonienmeister dienstthuenden Kammerherrn Freiherrn v. Bellersheim in den Thronsaal eingeführt. Nachdem dieselbe ihre Pläße eingenommen hat, erfolgt die Einführung der Ersten Kammer durch den Ober- Ceremonienmeister und hierauf diejenige der Räte der Ministerien durch den als Ceremonienmeister dienstthuenden Kammerherrn Freiheren A. v. Rotsmann. Die Erste Kammer erhält ihre Bläge zur rechten, die Zweite Kammer zur linken Seite des Thrones, demselben gegenüber, die Räte der Ministerien nehmen die Päße zur linten Seite des Thrones ein, in tem Raume zwischen dem= selben und den Sißen der Abgeordn ten zur Zweiten Stammer. Der Großherzog tegi bt sich auf die Meldung des Ober Ceremon e miners, daß die Enfuh ung der Ve samlung stattgefunden habe, in den Throns a'. Der Zuz gelt in folgender Ordnung: zne: F. ur ere, die diens thunden Kammerjurker, die dienst huenden Komm rhein, die Cremonienmeister, der Duceremonienmeister, Seine Kön glide Hoheit der Großherzog, der Staa emin ster und die Minister der Justiz und der Finanzen, tie General- und Flügeladjutanten, tie nicht funft onierenden Hofchargen. Bin ritt des Zuges in den Saal erhebt sich die Bersammlung von ihren sißen. Ter v rantretende Dienst begiebt sich auf die linke Seite des Thrones. Die Fouriere nehmen zu beiden Seiten am Thronhimmel Stellung. Der Staatsminister, die Minister der Justiz und der Finanzen stellen sich zur Rechten des Thrones. Der Großherzog hält von dem Throne eine Anrede an die Stände und verläßt hiernach in Begleitung in der nämlichen Ordnung wie beim Eintreten den Thronsaal. Der Staatsminister giebt sodann den Landtags- Abschied bekannt und erklärt hiernach auf Befehl des Großherzogs den Landtag für geschlossen. Alle Anwesenden, welche zum Tragen von Uniform berechtigt sind, mit Ausnahme der Witglieder der 3 veiten Rammer, crshemen in Gala, die O fiz ere mit Dienstzeichen. Aus dem Gerichtssaal. Schöffengericht. Gießen, 11. Juli. Versiß. Dr. Gebhardt, Schöffen: Ludwig Schneider von Steinbat, Korrad Schneidmüller aus Leihgestern. Der Fabrifarbeiter Friß Herber aus GroßenBused at ein Kind über ahn, wobei dieses ein Bein brach. Die Verhandlung wird b hufs weiterer Beweis auf name bis 1. August de. It. ausgesetzt. Der Buchdrucker Heinrich Leier in Magdeburg erhält wegen Bechprellerei 20 Mt. Geldstrafe. Der Maurer Karl Junker von Steinberg erhält wegen Beleidigung und Bedrohung des Der Joh. dortigen Feldschüßen 25 Mark Strafe. Wallon von Allendorf a. Lda. hatte wegen Ruhestörung und groben Unfuges ein Strafbefehl über 7 Tage erhalten. Der Einspruch hatte insofern Erfolg, als er diesmal mit 10 Mark Geldstrafe davonkommt. Straffammerfihung. ** Gießen, 11. Juli. Fr. Hoffmann aus Vilbel hat gegen das Urteil des Vilbeler Schöffengerichts Berufung eingelegt, das gegen ihn wegen unberechtigter Verbreitung sozial demokratischer Schriften auf 6 Mt. Geldstrafe erkannt hatte. Er wird freigesprochen, da sämtliche Paragraphen des Preßgesetzes und des Polizeigesetzes, die das Schöffengericht für verletzt hielt, für nicht verletzt gehalten werden. Der Joh. G. K. Roth aus Nieder- Florstadt war vom Schöffengericht Friedberg wegen Diebstahls zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Er legte gegen dieses Urteil Berufung ein, der stattgegeben wird. Der Ziegler Eyring aus Ober- Mockstadt war vom Schöffengericht Nidda wegen Betrugs zu 15 Mt. Geldstrafe verurteilt worden. Er soll die Wittwe Ringshausen um 13 Mt. | - beschwindelt haben. Der Staatsanwalt hat ebenfalls Berufung eingelegt und beantragt 1 Woche Gefängnis. Das Urteil lautet dem Antrag des Staatsanwalts - Der Dienstknecht Georg Köhler aus gemäß. Bernburg ist mehrerer in Alsfeld begangener Diebstähle angeflagt. Er ist nur in einzelnen Fällen geständig. Der Staatsanwalt beantragt im Ganzen 4 Monate und 2 Wochen Gefängnis. Das Urteil lautet diesem Antrage gemäß. Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte zu tragen.- Hermann Bartel, früher Buffetier in hiesiger Bahnhofsreitauration, ist der wiedernatürlichen Unzucht angeklagt, im Sinne des§ 175. Die Oeffentlichkeit wird ausgeschlossen. Das Urteil lautet in einem Fall auf Freisprechung. wegen des andern bleibt die Untersuchungshaft weiterbestehen.- Es erscheint alsdann die Prostituierte Mader aus Burghausen. Sie bestraft. Sie ist auch diesmal des Diebstahls im ist mehrfach wegen Diebstahls mit Zuchthaus vorRückfall angeklagt. Auch hier wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Urteil: 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrver lust.- Der Joseph Hermann aus Mährisch- Tribau ist gleichfalls schon vorbestraft. Heute lautet die Anflage auf Verbrechen im Sinne des§ 175. Urteil: 4 Monate Gefängsnis nach dem Antrag des Staatsanwalts und die Kosten. Not der Landwirtschaft. Ein Landwirt aus einer benachbarten Provinz schreibt Folgendes: In letzter Zeit lesen wir täglich von der Not der Landwirtschaft und von der vernichtenden Konkurrenz des fremden Getreides für unsere einheimische Ware. Man glaubt in hohen Eingangszöllen das Universalmittel gefunden zu haben, um der Landwirtschaft aufzuhelfen, und berücksichtigt nicht, daß diese hohen Zölle nur für kurze Zeit der Landwirtschaft scheinbaren Nutzen bringen, während solche die Gewerbetreibenden und Arbeiter ungerechtfertigter Weise belasten würden. Daß der Nutzen der Zölle nur ein scheinbarer sein dürfte, würde sich nach Inkraftreten hoher Zölle sofort zeigen, denn der heute schon zu hohe Grundwert würde sofort im Verhältnis zur Ren'e in ungesunder Weise steigen und dann wäre der Landwirtschaft nicht geholfen, da bei gesteigerten Grundpreisen die Rente davon wieder cine ungenügende sein würde. Warum sucht man seitens der landwirtschaftlichen Vereine und Verbände nicht nach der Ursache, warum unser einheimisches Getreide gegenüber fremden Provenienzen zurücksteht und weniger bewertet wird; es ist doch seitens der Konsumenten fein Luxus, mehr Geld für fremde Ware zu bezahlen und diese weither heranzuziehen, wenn er die gleichen Eigenschaften bei der heimischen Ware finden kann! Hierin liegt die Ursache und dagegen verschließt man seitens unser Landwirte größtenteils die Augen; unsere einheimische Frucht hat die guten Eigenschaften der fremden Provenienzen nicht mehr und kann deswegen nicht mehr am Weltmarkt mit in Konkurrenz treten. Nicht allein, das man in der Aussaat vielfach fündi jt und billige, minderwertige, schlecht gereinigte Sautfrucht verwendet, daß man zu wenig mit der Saatfrucht wechselt und wenn man wechselt, nicht die richtige Auswahl trifft. Schon bei der Düngung werden Fehler gemacht, es wird vielfach zu viel künstlicher Dung und zu wenig natürlicher Dung verwendet. Dann schließ= lich werden noch Hauptfehler bei der Ernte, bei dem Einheimsen und Drusch gemacht! Die Ernte steht be= vor und diese Ausführungen bezwecken, unsere Landwirte auf große Mißstände bei der Ernte aufmerksam zu machen, damit solche vermieden werden! Der erste Mißstand ist nach dem Schnitt das Lagern auf Haufen, anstatt daß man die Barben stellt, wie es noch in der Wetterau zum Teil üblich ist; wenn schlechtes Wetter während oder nach dem Schnitt eintritt, leidet das Getreide, das in Haufen am Boden lagert, ungemein und fann leicht ganz verderben, während auf Haufen stehende Garben du ch Stroh gestützt werden können und lange Zeit ungünstige Wut rung, ohne Schaden zu leiden, ertragen fönnen; dann lagert man oft aus Playmangel in großen Haufen im Felde und größtenteils immer Gerste, welche gerade in der Qualität am empfindlichsten ist. Rogger, Weizen und Hafer ist herin weniger empfindlich. Es ist also das Hauptgewicht nach dem Schnitt darauf zu legen, in erster Linie die Gerste trecken unter Dach zu schaffen: ein Regen nach dem Schnitt beeinträchtigt beträchtlich! Dann werden beim Drusch durch die Maschinen unverzeihliche Fehler gemacht; es fommt Ware zum Angebot, die fast zwei Drittel durch die Dreschmaschine zerschlagene und beschädigte Körner aufweist! Wenn dies aber bei Roggen und Weizen weniger ins Gewicht fällt, so ist eine derartig beschädigte Gerste für den Brauer und Mälzer ganz unverwendbar. Warum unsere Mälzer und Brauer in lezter Zeit die einheimische Gerste vernachlässigen und lieber fremde Provenienzen zu teuren Preisen kaufen, ist daraus ersichtlich. Also Landwirte, habt Acht beim Schnitt, habt besonders Acht beim Drusch, ehe Ihr Gerste drescht, beseyet zuerst die Maschine, daß dieselbe von anderem Getreide rein ist, sorget, daß durch die Dreschmaschine Eure Gerste nicht zerschlagen und beschädigt wird. Es ist dies nur euer Interesse, Guer Geldbeutel leidet dadurch Not und diese Not habt ihr dann selbst verschuldet! Wann finden die nächsten Reichstags= wahlen statt. Durch einen großen Teil der Presse ist eine Mitteilung gegangen, wonach die Legislaturperiode dieses Reichstages nicht fünf Jahre nach seiner Wahl am 14. Juni 1898, sondern erst fünf Jahre nach seinem Zusammentritt am 5. Dezember 1898 zu Ende geht. Das ist falsch. Die diesmalige zehnte Legislaturperiode des Reichstags läuft am 16. Juni 1903 ab. Im periode mi einfest, bi laturperiod faffung fel Reichsverfa bom 19. M jährige Le die Legis Nun gieb wie Born der Legis öffnung Mehrheit Laband, b den entgege Lebrbücher Legislaturp Wahlen be Legislatur legten allg berufung 3 ginnt die Die Ve rufen fich da bn fiebziger Standpunkt den preußisc für den den Regierung regierung. entgegengefe des Wahlge die erfte Leg 1870 ihr& Legislaturpe Die T fich ftets an zum Reichsta ihr natürliches lofung berfiel Tage ftattgefur borber die Rei Regierung hie Legislaturperio zeigen, gebe Legislaturperi I. 3. Mä II. 10. S III. 10. IV. 30. V. 27. 0 VI. 28. O VII. 21. F VIII. 20. Fe IX. 15. Jun X. 16. Jun Nun eber periode des R auch die Rec berufen, dam zum Juni z Statt zufinden denn Art. des Reichst innerhalb 9 zu erfolgen Legislaturpe Bestimmung rufung des nächsten W neue Reids fann. Die nadhiten Wa es auch niát Wahlen fich that ebenfalls che Gefängnis. Staatsanwalts Köhler aus gangener Dieb nen Fällen ge gt im Ganzen . Das Urteil often des Ver1.- Hermann Bahnhofsreitau angellagt, im wird ausge all auf Frei bt die Unterjeint alsdann aufen. Sie uchthaus vor Diebstahls im Deffentlichkeit thaus und 5 crmann aus joa vorbestraft. en im Sinne Snis nach dem ten. ft. arten Proving on der Not der On Monkurrenz cimische Bare. das UniversalOwirtschaft auf se hohen Zölle inbaren Nugen benden und Arwürden. Daß er sein dürfte, efofort zeigen, twürde sofort Weise steigen geholfen, da Davon wieder t man seitens de nicht nach Setreide gegen d weniger be sumenten fein bezahlen und die gleichen finden kann! erschließt man Augen; unsere enschaften der ann deswegen Eurrenz treten. elfach fündi jt gte Saatfeucht Der Saatfrucht ie richtige Auswerden Fehler cher Dung und Dann schließ ente, bei dem ente steht: beunsere Land e aufmerksam ! itt das Lagern ut, wie es noch chlechtes Wetter Det das Getreide, und kann leicht de Garben du.ch Bit ungünstige en fönnen; dann Haufen im Felde cade in der Quali en und Hafer ist Das Hauptgewicht r Linie die Gerste nach dem Schnitt Vermischtes. Greiz, 10. Juli. Der fürstliche Seminar- Oberlehrer und Theologe Collmann, ein Mitglied der ersten Gesellschaftskreiſe, ist unter der verstorbenen Fürstin Im übrigen ist diese Streitfrage, ob die Legislaturperiode mit den Wahlen oder mit dem Zusammentritt einsetzt, bisher vor jedem Beginn einer neuen LegisDie Reichsverlaturperiode aufgeworfen worden. fassung selbst besagt hierüber nichts. Artikel 24 der Reichsverfassung besagt nach der Verfassungs- Alendernng wegen schwerer Sittlichkeits- Verbrechen, die er seit Jahren als Motiv der That angiebt und um Vornahme der vom 19. März 1888, welche die dreijährigen in fünf jährige Legislaturperioden verwandelte, lediglich, daß die Legislaturperiode des Reichstages 5 Jahre dauert. Nun giebt es in der That einzelne Staatsrechtslehrer, wie Bornhat, v. Stengel und Arndt, welche den Beginn der Legislaturperiode auf den Tag der Sessions- Eröffnung verlegen. Aber die bei weitem überwiegende Mehrheit der Staatsrechtslehrer, so b. Roenne, v. Ecydel, Laband, b. Mohl, Georg Meyer, Zorn, stellt sich auf den entgegengesetzten Standpunkt, der auch in fast alle Lehrbücher des Staatsrechts übergegangen ist, daß die Legislaturperiode des Reichstags mit dem Tag der Wahlen beginnt. So erklärt Seidel:„ Die fünfjährige Legislaturperiode des Reichstags ist vom Tage der legten allgemeinen Wahl, nicht vom Tage der Einberufung zu berechnen, denn mit dem Wahltage beginnt die Abgeordneteneigenschaft. Die Ve tieter der entgegengesetzten Anfdauungen berufen sich darauf, daß die preußische Regierung sich noch in bn siebziger Jahren in Bezug auf den Landtag auf diesen Standpunkt gestellt habe. Das ist zutreff u, aber was für ben preußischen Landtag gelten fönnte, gilt noch lange nicht für den deutschen Reichstag; und die Ansicht der preußischen Regierung ist in feiner Weise bindend für die Reichsregierung. Diese hat sich in der That ausrücklich zu dem entgegengesetzten Standpunkt bekannt, denn in der Begründung des 2Bahlgefeßes für den Nordeutschen Bund hieß es,„ daß die erste Legislaturperiode des Reichstages au 31. August 1870 ihr Ende ereiche, da die allgemeinen Wahlen für diese Legislaturperiode am 31. August 1867 vollzogen wurden." Die Thatsachen zeigen auch, daß die Reichsregierung fich stets an diese Auffassung gehalten hat, denn die Wahlen zum Reichstage haben bisher, so weit die L gislaturperiode ihr natürliches Ende fand und der Reichstag nicht der Auflösung verfiel, mit einer Ausnahme sogar fast genau an dem Tage stattgefunden, an dem die entsprechende Anzahl Jahre vorher die Reichstagswahlen stattgefunden hatten, sodaß die Regierung hierdurch schon äußerlich dokumentierte, daß die Legislaturperiode mit dem Wahlterinin beginnt. Um dies zu zeigen, geben wir in folgendem die Tabelle der bisherigen Legislaturperioden des Reichstags wieder: I. 3. März 1871 bis 29. Nov. 1873.( Auflösung.) II. 10. Januar 1874 bis 22. Dez. 1876.( Schluß.) III. 10. Jan. 1877 bis 11. Juni 1878.( Auflösung.) IV. 30. Juli 1878 bis 15. Juni 1881.( Schluß.) V. 27. Oft. 1881 bis 28. Juli 1884.( Schluß.) VI. 28. Oft. 1884 bis 14. Jan. 1887.( Auflösung.) VII. 21. Febr. 1887 bis 25. Jan. 1890.( Schluß.) VIII. 20. Febr. 1890 bis 6. Mai 1893.( Auflösung.) IX. 15. Juni 1893 bis 6. Juni 1898.( Schluß.) X. 16. Juni 1898 bis? Nun eben bis zum Juni 1903, wo diese Legislaturperiode des Reichstags ihr Ende findet. Eben deshalb hat auch die Regierung den Reichstag schon auf den 14. Oft. berufen, damit er, was überhaupt erledigt werden kann, bis zum Juni zustande bekommt. Wann jedoch die Neuwahlen stattzufinden haben, darüber bestimmt die Verfassung nichts, denn Art. 25 besagt lediglich, daß im Falle der Auflösung des Reichstages innerhalb 60 Tagen die Wahl und innerhalb 90 Tagen der Zusammentritt des Reichstags zu erfolgen hat. Bei dem gewöhnlichen Schluß der Legislaturperiode kommt für die Neuwahlen nur die Bestimmung des Art. 13 in Betracht, wonach die Berufung des Reichstags alljährlich stattfindet. Die nächsten Wahlen haben also so stattzufinden, daß der neue Reichstag noch im Jahre 1903 zusammentreten tann. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die nächsten Wahlen schon im Juni 1903 stattfinden, wenn es auch nicht ausgeschlossen ist, daß die Ansetzung der Wahlen sich bis zum September hinzieht. eim Drusch durch acht; es fommi urch die Dresch Cörner aufweist! Weizen weniger derartig be Mälzer ganz un und Brauer in nachläffigen und Preisen faufen, habt Acht beim Drufch, che Ihr hine, daß diefelbe daß durch die fchlagen und beIntereffe, Guer fe Not habt ihr Reichstags= effe ift eine Mit turperiode diefes ner Wahl am 14. nadh feinem Zu u Ende geht. Das gislaturperiode des ab. " an Schülern und Schülerinnen verübt, verhaftet worden. Die Verhaftung erregt großes Aufschen. * Hirschberg. 10. Juli. Wie die Schlesische Gebirgszeitung berichtet, wurde vom hiesigen Schwurgericht nach zweitägiger Verhandlung der 20 Ihre alte Schlosser Lorenz wegen Werdes und die 38jährige Steinfegersfrau Neuge= bauer wegen Anstiftung zum More zum Tode verurteilt und der bürgerlichen Ehrenrechte für verlustig erfläct. Lorenz hatte auf Antiftung der Neugebauer, mit der er ein LiebesVerhältnis unterhielt, den Ehemann Neugebauer am 19. Nov. v. Js. durch Veithiebe getödt t. Beide haben dann den Leichnam z rückelt, den Kopf im Stubenofen verbrannt, den Rumpf und die Eene in einen Sack genäht und diesen dann in den nahen Fluß geworfen. * Stuttgart. Der Lehrling des Stuttgarter Bankgeschäfts August Fritsch verlor heute Vormittag zwei Wechsel im Betrag von 17 000 Mt., die noch nicht beigebracht sind. * Trier, 10. Juli. Bei einem Brande im Eifel dorf Gindorf verunglückte eine Mutter mit ihren zwei Kindern; ein Kind ist tot. Neuwied, 10. Jult. Bei der heute Nachmittag erfolgten Enthüllung des Raiffeisen- Denk mals in Heddesdorf verlas Erbprinz Wied namens seines Vaters die Weiherede. Der Fürst von Wied gelobte festzuhalten an den Bestrebungen Raiffeisens und legte einen Kranz nieder, der die Widmung trug: „ Meinem Freunde Raiffeisen". Zahlreiche Vertreter aus deutschen Gauen, auch aus England, Frankreich, Holland 2c. legten ebenfalls Kränze am Denkmal nieder. Generaldirektor Heller übernahm das Denkmal in seine Obhut. Nach der Denkmalsenthüllung fand ein Festessen statt, an dem über 2000 Personen teilnahmen. der Detonation Leute herbeieilten, fanden sie an der Außenseite der Stabinetthür einen Zettel augebracht, der von Zillichs Hand die Worte trug:" Ich bitte nicht Zettel, auf dem der Buchhalter ein hochgradiges Leiden erschrecken!" Auf dem Schreibtisch lag ein zweiter Obduktion seiner Leiche bittet. Dem Zettel waren 6 Stronen beigelegt. Diese bestimmte Zillich schließlich als Entschädigung für die Leichenträegr. Zillich war unverheiratet. Briefkasten. Wiesed. Ein Mietvertrag für längere Dauer als 1 Jahr muß schriftlich abgefaßt sein. Daher hat auch Ihr mündlich getroffenes Abkommen über diese Zeit hinaus keine Wirksamkeit. Daraus folgt das Recht des Vermieters, Jönen nach Ablauf des Jahres nach den gesetzlichen Bestimmungen betr. die Kündigung von Wohnräumen zu fündigen. Da Jhre Mietszahlung nach Jahren bemessen ist, ist die Kündigung gemäß § 565 B. G.-B. nur auf den Schluß eines Kalender vierteljahres zulässig und hat innerhalb der drei ersten Werktage des Vierteljahres zu erfolgen. Hat der Hauseigentümer also erst am 5. April auf den 1. Juli gefündigt, so ist dieselbe ungültig. Sie können jetzt bis zum 1. Oktober 1902 wohnen bleiben. Mündliche Stündigung ist gültig. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 7. Sonntag nach Trinitatis, den 13. Juli. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. * Düsseldorf, 10. Juli. Seitdem bekannt ist, daß heute oder morgen der million ste zahlende Besucher die Ausstellung betreten wird, beschäftigt sich das Publikum viel mit der Frage: Wie wird der„ millionste gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Diese Frage wird auf folgende zahlende" ermittelt?" Weise gelöst: Die Hauptkasse der Ausstellung ist über den stündlichen Besuch jederzeit aufs Genaueste unterrichtet, so daß die Stunde, wann der millionste Besucher eintreffen wird, leicht vorher bestimmt werden Als Preis ist eine Uhr ausgesetzt, ganz gleich ob der millionste Besucher ein Herr oder eine Dame ist. * Eine Sonderkanditatur des Bundes der Landwirte im Lieberschen Wahlkreise. Aus St. Goarshausen wird gemeldet, daß die Vertrauensmänner des Bundes der Landwirte einstimmig die Unterstützung der bisher aufgestellten Reichstagsfanditaten abgelehnt und in einer Versammlung zu Nastätten Herrn Brand( Netzbach) als eigenen Kanditaten für den Wahlkreis Wiesbaden III MontabaurSt. Goarshausen aufgestellt haben. * Zugleich Christenlehre für die Neutonfirmierten aus der Vormittags 9.30 Uhr: Professor D. Drews. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die JohannesSonntag, Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Katholische Gemeinde. Samstag, 12. Juli. Nachmittags um 5 Uhr und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte. Sonntag, den 13. Juli. 8. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6.30 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. ,, 7 Uhr: Die erste heil. Messe, " " vor und in derselben Austeilung der heiligen Kommunion. 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2.30 Uhr: Andacht. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Samstag, den 12 Juli. Borabend 7,45 Uhr. Morgens 8,30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Schrifterklärung. Sabbathausgang 9,40 Uhr. im Großes Konzert Auf eine ganz absonderliche Art seinem Leben ein Ziel gesetzt hat in Wien der 48 Jahre alte Buchhalter Billich. In seinem Zimmer hat er, um sicher den Tod zu finden, einen sechsläufigen Revolver durch Schnüre an zwei in Mannshöhe in die Wand geSchnüre an zwei in Mannshöhe in die Wand ge- Freitag, 11 Juliet Garten d.Café Leib triebenen Nägeln firiert. Dann schlug er einen dritten Nagel noch höher vom Erdboden ein. Nagel legte er einen Strick, in dessen unteres Ende er eine Schlinge machte, die er sich um den Hals wand. Mit dem Kopf vor den Lauf des Revolvers tretend, Tiroler Gesangs- Quartetts gen. Süddeutsche Bauern drückte er dann die Waffe los Der Schuß ging los und die Kugel drang dem Unglücklichen in den Kopf. Bewußtlos sank er zusammen. Die Schlinge zog sich zn, der Körper glitt wohl nieder, sank aber nicht zur Erde, sondern blieb in der Schlinge hängen und Zillich fand, erschossen und erhängt, seinen Tod. Als infolge statt. des hier so schnell beliebt gewordenen - 2 Damen, 2 Herren in Nationaltracht. Feinstes Familienprogramm. Geschulter Gesang, Eintritt 25 Pfg. Anfang 8½½ Uhr. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saal statt. Extra- Angebote Herren Kalbleder Wallsticef Herren Schnürstiefel Gelbe Damenstiefel Damen Spangenschuhe Damen Lederhalbschuhe meistens Gelegenheitskäufe. Schuhwaren für Mf. 7.50 8. " " 5.PP 3.- " 2.50 Herren Segeltuchschuhe " Damen Segeltucjauhe 250 220 " Herren- und Damen- Hausschuhe Kinder Erstlingsschühchen 0.30 " 0.50 " sowie alle Sorten Herren, Damen und Kinder. Spezial Schuhwarenhaus Chr. Kaufmann Nachfolger. Seltersweg 22. Gießen. Seltersweg 22. Bekanntmachung. Nach Artikel 3 des Gesetzes über das Faselwesen vom 7. August 1901 sollen in einer Gemeinde in der Regel Faselstiere verschiedener Rasse nicht neben einander gehalten werden. Zur Anhörung der Viehbesizer darüber, welche Rasse Rindvieh in der Stadt als Faselstiere gehalten werden soll, lade ich die beteiligten Besiker von Bindvieh zu einer Versammlung auf Mittwoch, 16. ds. Wits., vormittags 9 Uhr Im Bürgermeistereigebäude, Gartenstraße 2, Zimmer 11 ergebenst ein. Gießen, 10. Juli 1902. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Vergebung von Bauarbeiten. Die zur Herstellung eines eisernen Thores mit Lungsteinthorpfeilern beim Kesselhaus der neuen Kliniken nötigen Steinhauer- und Schloffer- Arbeiten nebst Materiallieferungen, werden hierdurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Submissionsweg ausgeschrieben. Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen, und können lettere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots- Vermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden. Angebote sind bis zum 25. d. Mts., vormittags 10 Uhr, bersiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist 2 Wochen. 1443 Gießen, 9. Juli 1902. Großherzogliches Hochbauamt Gießen. Reuling. Stein's Garten. Dienstag, den 15. Juli Große Konzerte, 0000000000000000 Geschäftsverlegung! Mit Heutigem verlegte ich mein Uhren- und Optisches Geschäft nach Seltersweg 2 im Hause des Herrn Kaufmann Adolf Geiße. Indem ich jetzt über bedeutend größere Lokalitäten verfüge, habe ich mein Geschäft bedentend vergrößert und bin im Stande, allen Anforderungen gerecht zu werden. ausgeführt von der Kapelle des II. Garde- Dragoner- Regiments( Kaiserin Alexandra von Rußland) unter persönlicher Leitung des Kgl. 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