Nr. 176, Erstes Blatt. AboauemevtSpreiS : in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg-. in'S HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mk. 1.50. Gratisbeilagen Oberhessische FamUievzettu«g (täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Cb ft nnd Gartenbau, sowie die Gießener L.ifenblase, wöchentlich). DaS Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. ____________Freitag, den 1. August 1902. Gießener 11. Jahrgang. InsartionSvretS : Die einspaltige Petitteile für Gießen wie ganz Oberbessen. die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Ferusz rechanschlnß Nr. 362. Aeuelle Hlachrichlen (Lietzener Dagevtatt) Htnaöhängige Tageszeitung (Hießener Aettung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. DruHo Verlander Gießener VerlagSdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei, (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen Kapital und Handwerk. (Nachdnick verboten.) In einer dec letzten Nummern der Zeitung: „Der Tag" kramt Herr Dr. Oppenheimer die — Weisheit aus, das; der moderne Kapitalismus dem Handwerk das Todesurteil gesprochen habe. Dem Handwerk sei nicht mehr zu helfen, es sei eine im Kampf ums Dasein unpassend gewordene Form, und weder Selbsthilfe noch Staatshilfe könne dem sterbenden Handwerk das Leben Uuedergeben. Die Ausgabe unserer Zeit sei nicht, die Leiche zu galvanisieren, sondern — den Handwerkern 511 helfen, nicht dem Handwerk! Obwohl nach Ansicht des Herrn Dr. Oppenheimer „jeder Appellationsfestung" gegen das Todesurteil, das Herr Professor Werner Sombart in seinem Werk: „Der moderne Kapitalismus" begründet hat, als „aussichtslos erscheint", so sei uns doch gestattet, die Frage auf- zuwcrfen: Ist denn die Lage des deutschen Handwerks wirklich so verzweifelt, daß gar nichts mehr zu hoffen ist? Wir können h^ec nicht auf eine ausführliche Widerlegung des „Todesurteils" eingchen, doch getrost behaupten, zu einem solchen grimmigen Pessimismus ist seine Veranlassung gegeben, einmal politisch nicht, zum andern wirtschaftlich nicht. Politisch—! Von allen Seiten bemüht man sich, aus den Handwerkerkreisen Stimmen zu gewinnen. Die Parteien trauen also doch wohl dem Handwerk noch Kraft genug zu, um sich von einem Zusammengehen mit diesem — „Leichnam" etwas zu versprechen. Sie müssen also wohl darüber unterrichtet sein, daß in dem Handwerkerstände doch noch etwas Leben steckt und ihm ohne Rücksicht auf die verschiedenen Wahlsysteme eine nicht ganz zu verachtende Bedeutung innewohnt. Wenn nun aber außenstehende Kreise in diesen Stand ein gewisses Vertrauen setzen und sich von ihm Nutzen versprechen, warum sollen dann die eigenen Angehörigen diesen Stand ausgeben? Warum selbst die Flinte ins Korn werscn, mit dec so gewiegte Kenner des politischen und wirtschaftlichen Lebens gern noch schießen möchten? Wirtschaftlich —! Man weist hier auf die Statistik hin, die darlegt, daß die Zahl dec Kleinbetriebe zurückgeht gegenüber den größeren Betrieben. Schön! Das mag stimmen. Damit giebt man aber nur die Thatsache an, ohne sich über die Ursache derselben klar zu sein. Wer im handwerklichen Leben steht und eine große Anzahl Handwerker kennt, der wird beobachten können, daß diejenigen Handwerker, die auf ihre Ausbildung in jeder Hinsicht Wert gelegt haben und die auch als Meister noch am Feierabend über ihren ErIn eigener Sache Richter. Roman von L. HaidHei m. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.") ihm Gelegenheit geben würde, sie anzured Kolonitz, der in Böhmen reich begüterte Um In der Nahe fand er sie noch viel hübscher, als von weitem; Mit Ungeduld wartete er auf den Moment, wo sie berschen und fbm Gelegenheit^geben würde,sie anzureden. Vergehens! Graf ^:. .^, - D 22^.:;.... D^D..:. Ungar, in seiner prächtigen ^Marenumsorm, nahm sie ganz in Anspruch und wenngleich kaum einmal lächelte, so sprach sie doch lebhaft und angeregt Mit ihm. Maria, die eben jetzt zur Mutter zurückkam, immer noch Sttuhrt von chrem alten Kammerherrn, warf einen Blick voll auf Llscha, und eine Wolke verdüsterte momentan ihr Lischa zu dem flotten Husaren- offlZier und Ne, die sich für viel schöner hielt, hatte den alten Herrn garnicht los werden können? - Ah. endlich, ihre Mutter nahm ihr den Kammerherrn ab und stellte ihr Melnicky vor. o , Mona sah sofort, dan derselbe, der etwa siebenundzwanzig Jahre zahlen mochte, mehrere hohe Orden trug “ Sie war sonst nicht für das Civil, der schmucklose Frack und wenn er noch so tadellos saß. war ihr ein Greuel- aber — ein junger Herr, der solche Dekorattonen trug, verdiente denn doch, wie sie sich sofort klar machte, ihre volle Beachtung. Ach. und sie war wie erlöst, daß sie den „alten Herrn- loS war! Sie lächelte und plauderte in ihrer gewohnten Art und wunderte sich heimlich, daß dieser junge Mann so ernst blieb, von ihrem Gespräch, ihrer heiter scherzenden Weise so garnicht fortreißen ließ. Plötzlich leuchteten seine Augen auf; Lischa trat zu ihnen. CT wurde ihr vorgestellt, er lächelte sie mit einem außerordentlich gewinnenden Ausdruck an und sprach plötzlich viel lebhafter. War es möglich? Galt diese Belebung Lischa? Das Blut schoß Maria in den Kopf, ihr Herz klopfte hart w'.id ra'ch Wie? man zog ihr diese braune kleine Cousine vor? . Diese blieb sich gleich, ruhig und doch mit Teilnahme sprach irnd blickte sie; und Baron Melnicky strahlte förmlich? Was ^nd er denn an Lischa? Und jetzt hörte sie, daß der Kammer- h a-r ihrer Mutter sagte: ^ 1D^ einmal unseres Kaisers rechte Hand werden, irenn der Thronfolger zur Regierung kommt. Die beiden sind zusammen erzogen und gleicher Denkart! Der ^^oherzog tyut Nichts ohne Aèetliickys Rat." holungen nicht ihr Fach vergaßen, sondern aus ihrer Fachzeitung und anderer derartiger Litteratur Belehrung schöpften, im allgemeinen vorwärts gekommen sind, und zwar zum Teil recht erheblich. Wer aber lässig und träge ist im Denken, wie im Handeln, dec kommt weder als Handwerker, noch als sonst etwas vorwärts. Daß die Handwerker deshalb vielfach selbst an ihrem Niedergänge schuld sind, wird selbst ein noch so warmer Freund des Handwerks nicht bestreiten. Aber, wie gesagt, auch in anderen Ständen kommen derartige Fälle nicht selten vor; und auch die Angehörigen anderer Stände gaben unter dem Kapitalismus in großer Zahl schwer zu leiden — ist darum auch diesen Ständen das „Todesurteil" gesprochen? Man hat den Handwerkern als wirksamstes Mittel gegen das Großkapital die Bildung von Genossenschaften empfohlen. Herr Dr. O. hält aber eine genossenschaftliche Bewegung unter den Handwerkern in großem Umfange für unmöglich. Warum? Wegen des Klassengegensatzes zwischen denjenigen Wirtschafts- subjekten, die noch Handwerker heißen, aber bereits kapitalistische Unternehmer sind, und denjenigen, die ebenfalls noch Handwerker heißen, aber bereits Proletarier sind". Gibt es denn aber nicht auch zahlreiche mittlere Handwerker, die zu seinem dieser beiden Gegensätze zu rechnen sind und wichtige Bindeglieder für den Zusammenhalt des ganzen Standes darstellen, die weder zu dem acendenten (aufsteigenden) noch zum descendenteu (herabsinkenden) Mittelstand zählen nach der Auffassung des.Herrn Dr. O. ? Fängt ein Handwerker mit nichts an, ist er ein „Proletarier", -fängt er aber, sagen wir, mit 1000 Mark an, so ist er ein kapitalistischer Unternehmer" — so seziert man in dec Theorie das Handwerk bei lebendigem Leibe, andere Stände würden sich das schön verbitten. Und kann man im Leben nicht vielfach beobachten, daß auch heute noch, trotz des Kapitalismus, kleine Anfänger in die Höhe kommen, während große Unternehmer zu Grunde gehen, im Handwerk wie in anderen Ständen. Zudem beweisen selbst viele kleine Handwerker, daß sie zur Bildung von Genossenschaften sich Beiträge ersparen können. Darüber mag Herr Dr. O. indessen denken wie er will, wenn er aber b.hauptet: „Was vom Handwerk überhaupt noch leben kann, verdankt diese letzte Existenz- möglichkeit einem bösen Parasitismus, einem Raubbau an der Jugend dec Nation, der Lehrlingszüchterei" — so ist das eine so leichtfertige Beleidigung des Handwerkerstandes, daß sich nicht gegen diesen Stand, sondern Ah! War es möglich? Dieser schlichte, ernsthafte, junge Mann eine solche Persönlichkeit? Daher also die Orden! Und der vergaß über dem Anschauen Lischas und dem Geplauder mit ihr gänzlich, daß es eine Maria von Wazlaw in der Welt gab? Was fand er denn nur an Lischa? Sie wandte sich den beiden wieder zu, beteiligte sich an der Unterhaltung, suchte auf alle Weise sich derselben zu bemächtigen; sie hatte sich nie so wie heute bemüht liebenswürdig zu sein, die Aufmerksamkeit des Partners auf sich zu ziehen. Vergebens! Baron Melnicky zeigte ganz offen, daß ihm Lischas Meinung, Lischas Teilnahme wichtiger war als jede andere, ohne Maria ein Recht zu geben, sich verletzt zu fühlen. Unterdes hatte Burkard Frohberg in einem der größeren Räume, die an den Empfangssaal stießen, einer Anzahl älterer Herren Rede stehen müssen über tausend Dinge, welche, wie er dachte, keinen von ihnen angingen, ihrer Meinung nach aber offenbar wissenswert zu sein schienen. Für ihn war schon der Gedanke peinlich, alle diese Zustände der Familie Ebern besprochen zu wissen: was gingen Dieselben andere an, die doch keinen Finger rührten Uebelständen abzuhelfen? Nur einer der Herren erregte seine lebhafte Teilnahme. Er hatte den verschollenen Ernst gekannt, des alten Grafen zweiten Sohn; wohl erinnerten sich auch andere desselben, aber dieser Mann, der Besitzer großer industrieller Unternehmungen sprach in einer Weise von dem Längstvergessenen, die seinem Herzen wie seinem Verstand alle Ehre machten. Er widersprach den anderen: „Er war ein guter und redlicher Charakter, die Geschichte, die ihn aus dem Lande trieb, war für ihn keine unehrenhafte. Er liebte unter seinem Stande und der Bruder und. Vater der Katharina Gränner nutzten seine Großmut au5, bis sie zur Schwäche und nahezu zum Verbrechen wurde." Burkard Frohberg wollte und konnte heute nicht naher nach fragen, so sehr dieses Urteil ihn um der Mutter willen interessierte, welche immer in ähnlicher Art von ihrem Bruder Ernst gesprochen. o Graf Bielstein wollte jetzt wissen, was mit den Wazlaws geschehen würde? Man konnte sie weder verhungern, noch Die Kinder ohne Erziehung lassen. ... , ; Das schöne Mädchen, die Baronesse müsse heiraten, natürlich durfte nur ein reicher Mann fid) gestatten ein so armes Ding beunzufuhren, aber auf jeden Fall mußte man sorgen ihr Verständnis für diese Wicht der Selbiterhaltung beizubringen. Hatte die unglückliche Frau von Wazlaw denn bereits Versuche gemacht, aus dem Waisenfonds für bobere Staatsbeamte die „Wissenschaftlichkeit" ihres Urhebers richtet. Als „Todesurteil" betrachten wir sie aber nicht, so grausam sind wir nicht. In innigerem Zusammenhang mit der Innung wird dagegen der junge, noch unreife Geselle für seinen künftigen Stand angeregt und lebhafter an seine jetzigen und späteren Rechte und Pflichten erinnert. Bei älteren Gesellen aber, die sich nicht mehr selbständig machen wollen oder können, ist zu bedenken, daß wir nicht mehr in Zeiten leben, wo ihnen selbst das Recht zum Heiraten versagt werden konnte. Wie viele davon sind heutzutage Familienväter, Vormünder und zu dem Staatsbürger mit gleichen Rechten wie die Meister, z. B. zur Reichstagswahl. Und wenn solche Gestalten, soweit sie sich nicht grundsätzlich ablehnend verhalten, zu manchen Veranstaltungen und Versammlungen dec Meisterschaft zugelassen werden, wird sich dadurch nicht auch ihr Standesbewußtsein, das Gefühl der Zugehörigkeit zum gemeinsamen Handwerkerstande heben? Wird sich nicht eine größere Annäherung beider Teile auf die Werkstatt übertragen und ein eifrigeres Handinhandarbeiten hecbeiführen? Es würde dabei viel auf das Taktgefühl der Meister ankommen, daß ihre Meisterwürde gewahrt bleibt, ja sogar an Ansehen gewinnt. Freilich würden manche Meister sich eine strengere Selbstzucht auserlesen müssen, wenn sie wissen, daß sich auch ihre Gesellen unter den Zuhörern befinden, doch kann dies öfters für einen sachlich ruhigeren Verlauf der Sitzungen.nur erwünscht sein. Gewiß werden häufig die Gesellen jede Aufforderung dec Meisterschaft mit Hohn beantworten, mancher aber aus Wißbegier oder Neugierde freiwillig erscheinen, andere dem Zuspruch der Meister oder der Eltern oder auch verständiger Altgesellen und Kollegen nachgeben, und so schließlich sich ein immer größerer Teil von jenen Einflüssen abwenden, die mit besonderer Vorliebe Feindschaft zwischen Meisterstand und Gesellenschaft zu säen belieben. Nicht wenige Gesellen werden dadurch überhaupt dem Handwerkerstande erhalten bleiben. Wohl sind wir uns bewußt, '^daß es leichter ist, einen Vorschlag auf dem Papier zu machen, als ihn in die Wirklichkeit zu übertragen, denn die Gegnerschaft zwischen Meistern und Gesellen scheint, namentlich in Großstädten, bisweilen fast unheilbar. Aber Ve^ suche in dec von uns bezeichneten Art werden doch gemacht werden müssen, um ein gedeihliches Verhältnis zwischen beidew.Seiten^herzustellen, und zwar gedeihlich für ihre Kinder Erziehungsgelder zu erlangen? Wollte Burkard sie einstweilen in Krapolno behalten? Glaubte er das dem der- einsttgen Erben gegenüber, juristisch gesprochen, verantworten zu Burkard von Frohberg hatte hundert ähnliche, oft sehr,indiskrete Fragen zu beantworten. Am peinlichsten wurden ihm diejenigen nach Graf Josephs Berechtigung sich, obwohl vom Großvater vollständig verleugnet, hier mit solcher sichcrbeit em- zufüyren. Die einen gaben dem Verstorbenen Recht, andere bestritten dies, dritte machten bedenkliche Mienen betreffs Graf Josephs feléer und thaten vorsichtige Fragen., welche Burkard ahnen ließen, daß sein Vetter doch vielleicht in Wien allerlei Anlaß zur Kritik seines Verhaltens gegeoen? Er wurde zuletzt von bieten vorsichtig tastenden Fragen ganz nervös und sehnte heimlich den Moment herbei, welcher feiner Gäste Abfahrt bedeutete.-------- — —-- Wie er im Kreise der plaudernden und rauchenden Herren die Honneurs machte, hatte Graf Joseph dasselbe in dem Erfrischungszimmer gethan, wo man auf gronen Platten allericr Ebbares, kalles Fleisch, Butterbrote, Palleten, Lbll und We n aufgestellt hatte und wo einige der Diener Uill und Gäste versorgten, welche sich in kleineren oder größeren Gruppen hier emslellten.^ ^ ^ fcjne übernommene Wicht ihn feslhielt, um so weniger behaglich wurde cs.^mbabeu «j« daß er sich einen klaren Grund dafür sagen tonnte oder viel, tuebr wollte, ob in dem Wesen der meisten dieser Männer neben der vollendetsten Höflichkeit, em Etwas läge, was sich wie-ine Schranke zwitchen ihnen und ihm aufbaute. Er Eachtett genaue?auf Blicke und Benehmen bet einzelnen unb sMe sich amalmcnd. er habe sich getauscht, um bald darauf das Mißtrauen Leder in sich erwachen zu fühlen. Unb wenn es eimeine gab, die ihm sogar herzlich bt» aegneten, so waren das immer solche Herren, die von den Ebern- schen Verhältnissen nichts wußten, wie er aus ihren neugierigen Fragen entnahm. Die eigentlichen Freunde und Bekannten oeS Grotzvaters waren die Zurückhaltenden. In demselben Augenblick, wo er wieder so unruhig wurde, sprach ihn ein alter Herr freundlich an, erzählte ihm, er habe mit seinem braven Vater vor Custozza gekämpft und es sei ihm heute eine Freude den Sohn kennen zu lernen. Hoffentlich mache sich doch die ganze verfahrene Erbschaftsgeschichte besser, ali man jetzt denke. , (Fortsetzung folgt.) für jeden Teil, denn für den Meisterstand wie für die Gesellenschaft gilt das alte goldene Wort: Friede ernährt Unfriede verzehrt. Politische nachrichten. Rede des Ministers Budde in^Emden. Nach der Abreise des Kaisers gab die Stadt Emden im Saale des Klublokals den Ehrengästen ein Frühstück, an welchem die Spitzen der Civil-, Militär- und Marinebehörden, Minister Budde, der unS Gießener ja besonders nahe steht, und Staatssekretär Kraetke teilnahmen. Der Minister hielt dabei in Beantwortung der Begrüßungsrede des Oberbürgermeisters Fürbringer, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß, folgende Ansprache: Als die Wasserwege für Emden fertig gewesen, sei auch der wirtschaftliche Niedergang dagewesen. Bemängele jemand die geringe Tonnenzahl der auf dem Dorimund-Ems-Kanal verkehrenden Schiffe, so möge er nicht vergessen, daß in Hamburg und Bremen auch die Fracht fehle. ' „Was hier geschehen kann, wird geschehen, dafür bürgt die Direktive Seiner Majestät. Wie Flut der Ebbe, der Wellenberg dem Wellenthal, der heutige Sonnenschein dem gestrigen Regenhimmel folgt, so wird der wirtschaftliche Aufschwung dem Niedergang folgen. Die Schwankungen muß der Kaufmann durch sein Geschick überwinden helfen. Die Staatsregierunq wird mit Ihnen zusammenarbeiten. Volldampf voraus! Es wird nicht ferne sein, daß auch die Emdener Schiffe die deutsche Flagge hinaustragen in alle Lande." Der Minister schloß mit einem Hoch auf den Oberbürgermeister und die Emdener Bürgerschaft. Die Rede wurde mit großem Beifall ausgenommen. Ueber- Haupt war die Stimmung eine sehr gehobene. — Der Bund der Landwirte soll, wieder „Vorwärts" behauptet 150 Wanderredner beschäftigten, die für 6 Mack Diäten bei täglicher Kündigung für die Bundesforderungen Propaganda machen müssen. Zur Kongregationsbewegung in Frankreich. Im Arondissement Mortagne wurde eine Pcolest- Petition gegen die Ausweisung der Ordensschwestern von mehreren hundert Familienvätern unterzeichnet. Die Schwestern haben heute vor Gericht zu erscheinen, um sich wegen Aufreizung gegen die Staatsbehörden zu verantworten. In Tours hielt der Abgeordnete Serolle einen Vortrag über die Unterrichtsfreiheit. Nach dem Vortrage kam es unter den Anwesenden zu einem Handgemenge, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Tours, 31. Juli. Bei einer Versammlung, die gestern stattfand, um gegen das Vorgehen der Regierung gegen die Eongregationen Einspruch zu erheben, versuchten Sozialdemokraten in das Lokal einzudringen und warfen die Fenster des Gebäudes ein. Die Angreifer wurden von dec Polizei zuröckgetcieben, doch entstand am Ausgang des Hauses ein großes Gedränge. Die Ordnung wurde aber bald wieder hergestellt. London, 31. Juli. General Delarey wurde, in Kapstadt interviewt. Er schreibt den englischen Sieg hauptsächlich den Kolonialtruppen zu, die wie bie Buren fochten und ihre Methode kannten. General Dewet erklärte, die Buren seien schließlich der unerschöpflichen Zufuhr der Engländer an Menschen und Pferden unterlegen. Keine andere Macht als das seefahrende England hätten Oie Aufgabe unternehmen können. — Das notifizirte Programm der Londoner Krönungsfeier ist erschienen. Es sicht die Beteiligung des Königs und der Königin im Staatswagen beim Krönungs-- zuge vor und ist abgesehen von dem Ausfallen der FestUch- ketten fast ebenso glänzend wie das ursprünglich in Aussicht genommene. 1400 Offiziere und 24,000 Soldaten werden an dem Zuge teilnehmen. Rumänien. Nach den heutigen Blättern sind in den beiden letzten Tagen 200 Bukarester und 500 moldauische Israeliten nach Amerika ausgewandert. È£— In der Türker rumort es wieder. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Konstantinopel: Aus bem Mdiz Kiosk dringen wieder allerlei Aussehen erregende Ge-, In eigener Sache Richter. Roman von L. HaidHei m. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Bilde ich mir denn diese Reserviertheit gegen mich am Ende nur ein?" dachte Graf Joseph ganz erleichtert. Der alte Herr, ein Statthalter von Böhmen, ließ ihn nicht gleich los. „Die Frau Mama habe ich in Teplitz einst kennen gelernt", erzählte er, „charmante Dame, bildschön!" Wußte, ahnte er nicht, daß Graf Josephs Herz sich allemal schmerzhaft zusammenzog, wenn man seine Mutter erwähnte? Er dachte einfach nid t bare 1, daß man dem kleinen Buben schon die Ehrfurcht vor der Ntutter geraubt, daß ihm für sein Herr das Beste im Leben gefehlt, die Dt.ebrenbe Liebe. „Darum bin ich aiim geworden was ich bin!" blitzte es ihm durch den Sinn und mit der Erinnerung an die Todesstunde des Großvaters überkam ihn plötzlich mit niederschmetternder Wucht der Gedanke wieder: „Ich bin kein anständiger Mensch mehr, keiner dieser Herren würde mit mir sprechen, wenn sie wüßten —" Er fuhr sich mit der Hand über die feuchte Stirn. Welche Qual! Hub das, wenn er es auch einmal für ein paar Tage vergaß, sollte ihm immer wieder kommen? Neben ihm sagte eine scharf klingende Stimme: „Mick dünkt, des Ehrengerichts sollte es nicht bedürfen, das trägt doch jeder rechte Kerl in sich selber!" ~ Graf Joseph wurde le-chenblaß; der Statthalter, der noch immer ganz vergnügt und ahnungslos auf ihn einredete, horchte, die Augen dahin wendend, hoch auf und sah darüber nicht, wie es um den Mund seines Zuhörers zuckte. Atemlos horchte der letztere und mochte nicht hinzusehen, in der furchtbaren Angst zu finden, daß fick die Blicke aller auf ihn richteten. < Dieselbe Stimme, es war die des Grafen Kolonitz, fuhr eben so scharf fort: „Wir alle haben wohl Ursache für manche Dummheit und vielleicht auch für diesen und jenen unaualifizier- baren Stteich auf Nachsicht untereinander zu rechnen. Wenn man aber die Kavaliersehre und die einfache wahre Mannesehre ausemandn halten und da Unterscheidungen machen will, so protestiere ich, die Ehre ha.nicht zwei Gesichter, sie bat nie mehr ft ^Ä'Ä^ sie unverletzt und geil ober, sie ist es eben nicht mehr. Basta! Bis in die Lippen erbleichte Graf Joseph, da erst hörte er, MW sprach IN lener Gruppe von einem sali, der in diesen Tagen rächte in die Außenwelt. Der Thronfolger Prinz Reschad soll seit einigen Tagen verhaftet und in Jildiz internirt sein. — In Tripolis wurde am 29. Juli anläßlich des Todestages des Königs Humbert zum ersten Male die italienische Flagge gehißt, allerdings auf Anregung des italienischen Konsuls. Sollte dies als ein Vorzeichen der künftigen Herrschaft Italiens über Tripolis zu betrachten sein? — Ein jüdischer Leichenzug in New York verspottet. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus Newyork: Fast 100,000 Newyorker Juden folgten, ihre Klagelieder singend, durch den Ghetto dem Leichenwagen bei der Bestattung des Oberrabbiners Joseph, eines überaus wohlthätigen Mannes. Als der Zag christliche Stadtteile passirte wurde er mit Spottrusen empfangen, welche die Teilnehmer an dem Begräbnis aufreizten. Als von den Fenstern einer Fabrik Wasser hecabgeschüttet wurde, versuchten die Juden Wuthgeschrel ausstoßend das Haus zu stürmen. Die Angriffe wurden mit Hilfe einer Feuerspritze abgeschlagen. Nun warfen die Exzedenten mit Steinen die Fenster der Fabrik ein und die rasch erschienene Polizei wurde ebenfalls von einem Steinhagel der Juden überschüttet. Mehrere Beamte wurden schwer verletzt. Die and ren hieben erbittert mit ihren Knüppeln scharf ein. Der Mob des Ghetto belagerte dann die Fabrik wobei 1800 Angestellte des Etablissements unter polizeilichem Schutz heimgelectet werden mußte. Der Mob durchzog noch nach Mitternacht heulend das Judenviertel und veranstaltete eine Massen-Versammlung. Giessener Cagesneuigkeiten. ** urlaub. Herr Provinzialdirektoc Dr. Breidert ist seit gestern beurlaubt; mit seiner Vertretung ist Herr Regierungsrat Dr. Wagner beauftragt. ** Zu dec Versetzung des Heccn Pfaccec Dc. G r e in schreibt die „Dacmst. Ztg.": Der zum Stadtpfaccec in Dacmstadt ernannte Pfaccec Dr. Friedr t ch Grein in Gießen ist ein Sohn des hier in weiten Kreisen in gesegnetem Andenken gebliebenen, im Jahre 1888 verstorbenen Hofpcedtgers Ernst Grein. Ueber den jetzt im 35. Lebensjahre stehenden neuen Geistlichen unserer evangelischen Stadtgemeinde erfahren wir, daß er das hiesige Gymnasium absolvierte, im Sommer 1889 zu Gießen sein Fakultätsexamen machte und, nachdem ec in Hannovec seiner Rkilitärpflicht genügt hatte, im Sommer 1892 die hessische theologische Schlußprüfung mit sehr gutem Erfolg bestand. Im Herbst oesselben Jahres wurde Dr. Grein zum Pfarrverwalter in Gießen ernannt, wo ec seithec, im August 1895 definitiv angestellt, als Pfaccec an dec Mackus- und dec Ml>itär- gemeinde, die ihn nur sehc ungern scheiben sehen, als beliebter Pcedigec wie treuer Seelsorger segensreich gewirkt hat. Mit Herrn Dr. Greins Ernennung zum Pfarrer in Darmstadt wurde, wie wir hören, einem Wunsche des Kirchenvorstandes dec Stadtgemeinde entsprochen, dec ihn für die durch die Berufung des Herrn Pfarrers Petersen ins Oberkonsistorium frei gewordene hiesige Pfa'ccstelle einstimmig in Vorschlag gebracht hatte. * * Auf dem zuWeimar abgehaltenen deutschen Jmkertag ist der Beschluß gefaßt worden, einen Reichsverein für Bienenzucht zu gründen. * * Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben ist eine Formel, die gewöhnlich unter den Protokollen durch „v. g. u." abgekürzt wird. Ern Urteil ces Ooerlandeè- gerichtS in Königsberg hat nunmehr festgestelll, daß Diese Abkürzung nicht genügt, daß sie dem Protokoll sogar den Cyaratter einer öffentlichen Urkunde nimmt. * • Auf der am 4. und 5. August in Leipzig stattfindenden Generalversammlung des Zentral- Verbandes deutscher Kaufleute und Gewerbe- treibender^soll u. A. auch bie Errichtung einer Groß- Einkaufs-Genossenschaft für d.e dem Verbände angeschlossenen Kolonialwarenyändler zum gemeinsamen Bezüge von Warcn begründet und organisier werden. ourch die Zeitungen gegangen war und nichts, aber garnichtS zu thun hatte mit — ihm. Ohne an die Unschicklichkeit zu denken, die er beging, verließ er den alten freundlichen Herrn und schritt hinaus. Er hätte es keine Minute länger drinnen ausgehalten, ohne laut aufzuschreien. Jetzt lief er hinab auf den Hoff wo eben die Wagen der Herren in langer Reihe vorfuhren. Er wandte sich zurück und trat durch eine gegenüberliegende Thür in den Park. Da war er allein. Und da schrie er nicht, aber er stöhnte laut auf. Großer Gott! Wenn er den unseligen Moment doch ungeschehen machen könnte! Er wollte ja das gottverfluchte Geld nicht, in der verzweiflungsvoller Aufregung, im Wahnsinn hatte er es genommen und das einzige, was er noch gehabt, seine Ehre dafür Angegeben! Was konnte er thun sie wieder rein zu waschen? So — so wie jetzt ertrug er das Leben nicht! Lieber tot sein! Aber als ein Lump ins Grab? Reinl Was thun? was thun? Erst wieder ehrlich —! — Es schneite leicht, der erste Schnee wars! Auf einmal packte ihn ein jammervolles Mitleid mit sich selber. Welch unseliger Mensch war er doch! Lieber ja der ärmste Bauernbub sein, der die Schafe hütet, als Graf Joseph von Ebern! Die ganze Summe dessen was das Schicksal ihm schuldig geblieben, orückte sein Herz zusammen und ihn zu Boden. Er hatte gute Lust sich damit selbst zu entschuldigen; aber seit er hier mit Burkard von Frohberg verkehrte und aus dessen Wesen heraus jeden Augenblick fühlte, daß Ehre und Rechtschaffenheit dem so unveräußerlich waren, wie die eigene Haut, seitdem drängte sich ihm oft mitten in sein gedankenloses Dahin- lebcn hinein das schrecklich demütigende Bewußtsein seiner Minderwertigkeit auf, das zuweilen, wie in diesem Moment, bis zur niederschmetterndsten Reue wuchs. Gott sei Dank, endlich waren sie alle fort. Jedes Glied der Familie fühlte sich wie erlöst, aber auch froh sich zurückziehen und zur Ruhe gehen zu können. e „Wie ist es doch so jammerschade" sagte Baronesse Maria am anderen Tage zu Graf Joseph, „daß wir nicht hier bleiben sollen! Ich verstehe nicht, was Vetter Burkard sich dabei denkt? ftrapolno ist kein standesgemäßer Aufenthalt und wozu soll dies schöne Klaino wieder hinter herabgelassenen Rouleaux und verschlossenen Läden unbewohnt stehen? Warum sollen wir. die wir durch unsere Geburt berechtigt sind in einem solchen Schlosse zu leben, durchaus wieder in dies wüste, nüchterne Krapolno zurück?" Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 31. Juli. Um 4^ Uhr eröffnete Bürgermeister Mecum die Sitzung. Anwesend sind außer ihm Beigeordneter Georgi, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Gutfleisch, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Heiligenstädt, Huhn, Jann, Keller, Kirch, Leib, Löber, Loos, Ocbig, Petri, Pirr, Schaffstädt, Schiele, Wallenfels. Entschuldigt sind die Herren Beigeordneten Grüneberg, Gaffky, Krumm, Schmall, Fuhr, Schäfer. Bürgermeister Mecum teilt zunächst mit, daß die Familie v. Bechthold den Stadtverordneten ihren herzlichsten Dank für die Teilnahme an dem Tod des Pro- vinzialdicektors V. Bechtold aussprechen läßt. Das Jugendfest. Die hiesigen Wirte haben für die Plätze im Philosophenwald 10, 15 und 20 Mark geboten, während früher bedeutend mehr gelöst wurde. Der Bürgermeister ist dec Ansicht, und diese Ansicht findet allgemeine Zustimmung, daß man diesen Ring zu bekämpfen habe, indem man entweder die Plätze neu für alle Interessenten, also nicht allein für die Gießener, ausjchrelbe oder den Preis nach den verzapften Hektoliter berechnen soll. Die Sache bleibt mit dem Einverständnis der Versammlung dem Gutdünken des Bürgermeisters überlassen. — Alsdann bringt Bürgermeister Mecum ein neues Schreiben der Lehrer der höheren Töchterschule zur Vorlesung. In diesem Schreiben kommen bie Lehrer nun endlich mit Einzelheiten. Im Jahre lb93, so schreiben sie, hätten ältere Schüler, Studenten rc. Mädchen mit Pfauenfedern, ja sogar mit den Fingern gekitzelt und ein Student habe einem Kmd die Wange gestrichen. Auch hätten die Mädchen untereinander sich balgt u. s. f. Der Bürgermeister erklärt, wenn dies auch damals vorgekommen sei, was er dahingestellt jein lasse, so sei das noch kein Grund, ein für alle Mal sich der Beteiligung am Jugendfest zu enthalten. Außerdem treffe doch dann die Schuld diejenigen Lehrer, die ihre Schülerinnen nicht genügend beaufsichtigen. Trotz des Schmollens der Herren hätten sich 275 Mädchen zur Teilnahme am Fest gemeldet. Diese Mitteilung wird mit Befriedigung aufdie ge- ge- nun genommen. Stadtv. Haubach fragt an, ob auch die anderen Mädchen, also die, die nicht die höhere Töchterschule besuchen, belästigt worden seien. Dec Bürgermeister erörtert, ihm sei nichts davon bekannt geworden. Uebec- Haupt hat keiner der .Herren bisher irgend eine Beschwerde in dieser Hinsicht vernommen. Bauangelegenheiten. Ernst Blödner will in dec Plockstcaße auf sein Haus ein neues Stockwerk setzen. Auf Vorschlag der Baudeputation wird indessen sein Gesuch abgelehnt, da das untere Fachweck ist. — Dec Apotheker Schwieder, dec bekanntlich eine neue Apotheke bauen will, hat sich nunmehr mit dec Stadt auseinandergesetzt. Danach wird die Ecke Schulstcaße—Marktplatz abgeschrägt, sodaß die leidige, jetzt so störende Ecke wegfällt. Die Versammlung ist mit den Abmachungen, tue in dieser Hinsicht getroffen worden sind, einverstanden. — Die Bauhütte, die seither auf dem Friedhof gestanden hat, wird auf einem zu der höheren Töchterschule gehörigen Bauplatz verlegt. Dem Bildhauer Emil Kalbfleisch wird die Ausführung einer Marmorsäule für den Friedhof übertragen. Der Preis beträgt 1300 Mark. 2u00 Mark hat die Familie Röder der Stadt pro Jahc Übermacht. Fünfhundert Mark sind für Unterhaltung der Begcävniß- stätte ausgesetzt. Die Versammlung ist mit diesem Vorschläge einverstanden. Die Marktlauben sind vor Jahren von dem früheren Besitzer des,, Frankfurter Hofes" auf 20 Jahren gemietet worden. Derselbe Vertrag geht auf den neuen Besitzer über. Vom S i e ch e n h a u s. Die Entwässerung des Pcovinzial-Siechenhauses _ -.'Das, fragen Sie Burkard doch Ueber nicht, Cousinchent Er wird leine Grunde danir haben, aber mir ahnt, rr läßt sich ln leine Anordnungen nicht darein reden!" meinte Graf Josepb bedenklich. ' , .'M sehe nicht ein, warum wir uns seine Herrschsucht so ME. Widerrede gefallen lassen sollten?" murrte sie, weiter- schrettend unb mit gierigem Blick die herrlichen Räume des Schlosies unter Graf Joiephs Führung musternd. „Wenn er so wenig vornehmen Geschmack hat, daß er unempfindlich ist gegen oll diese Macht und Schönheit, so —. Wir anderen haben es wohl im Blut, daß wir uns nur wohl fühlen können in einer Umgebung, die mit unserem Rang und Namen harmoniert. Das freilich uicht erwarten, dergleichen ist auch . . '^le müssen einmal einen Millioiiär heiraten, Cousine, aber mindestens einen zehnfachen!" lachte er etwas spöttisch, denn ihn ärgerte im Grunde bi eie kleine Bettlerin, die vor orei Tagen noch Gott.dankte, bgßjie in Krapolno Unterschlupf fand. Mana verstand leine Gedanken nicht; sie war viel zu sehr mit den eigenen, beichaftigt. Einen Millionär! Natürlich! Mer denken Sie nur nicht, klnen reich geiuorbenen Parvenu heiraten, um seines Geldes willen! Dazu bin ich mir doch selbst zu gut!" Wie das klang und wie hübsch sie war mit den blitzenden blauen „Gut!" sagte er sie bewundernd anblickend, „also ein Magnat, der nebenher sich als Krösus ausweisen kann! Ihre Mädchen- Phantasie nimmt einen hohen Flug. Von weiteren glänzenden Eigenschaften sehen Sie doch hoffentlich nicht ab? Jung, schön, elegant, fing und so weiter 111113 er doch auch sein?" „ „Sie verhöhnen mich, ich fühle es ganz genau!" rief sie sich erzürnend. „Nun, ich ertrage cs mit Würde — wir werden ja sehen!" Das tiefe ärgerliche Not machte sie noch hübscher. Dennoch fiel ihm keine Sekunde ein sich in sie zu verlieben. Dafür war er zu sehr Großstadtmensch, der zunächst auf das Geld sieht. Aber sie war ihm in ihrem thörichten Verlangen nach Glanz und Reichtum und ihrem, im Gegensatz dazu, so kindlichen Unverstand neu und anziehend und sah in der neuen Trauertoilette wie eine echte Aristokratin aus, die sie von Geburt ja auch war. ~ Burkard kam ihnen mit Marias Mutter entgegen. Der altmodische Laubengang, der sich über ihnen wölbte und auS dem man für die Herrschaften heute den ersten Schnee weggefegt hatte, aab für beide Paare einer. Rahmen ab, aus bim sich die Figuren interessant abhoben. . . (Fortsetzung folgt.) ist a^ v . > auch Für ich gebracht i M bOB / M SÄ Dem Loi Ms^ Wi Liholi» I und »M i tot. An d * Lühmackt, z * linet Gegcni M. - ^ h * ^ ^riW Die ^Mtirt sink CftiM Monate von UWW, das s Mn 193500 Ä Liegenschaft de 5*. MAI 1 am chmchn z Mische Sw sHtyl den Cha Lamstad : iProvinzialdir i raths Dr. 81 ! tragende Rat i W â, ein 'Mer, in Nu* In Sarinit M^tiat^ M. â \w § Der vv Iber kGn * «vermacht. Dieburg. IPlage tritt '' ^eise entgege ’ statteten âeifts i NM«» Id runden Aus ' und namtntt ■ den Gemeind 1 Wen, weil 3 '^N hh Zn f( '«tat ..„.y bcm 'N der i^ 8fr «fl fauen A "“‘«4 MN stit Atu I) KL M' Ü'WrA^ G^Mtim Ä II "Wer, y» «elf, ) toten Seh'S>le, n taff, Sn^to^eten âG«'?^ -LS- gemeine Lu^ ^^ hebe, JJ>i ibe 6öer V‘l° Nt W er ßf x 3^re lb93, er'.Renten rc. bi Nngern g(: K'nd bie Ännge L Ulltm.nander sich L M wenn bieé nun dahingestellt jein» â Mal sich her $e, ^ußerbem treffe doch Oie ihre Schülerinnen des Schmollens der r Teilnahme am gest Sefriebigung auf. ltuch bie anbeeen xZötyec^ Bürgermeister er- tzmv^en. Wv : irgend eine Leen. üten. Blockstraße auf jcin Aus Vorschlag der Jesuch abgelehnt, da lpothekec Schlvieder, bauen will, hat sich ndergesetzt. Danach 'la^ abgeschrägt, so- Ecke wegsällt. Die nngen, bie in dieser unverstanden. - Die .edhoj gestanden hat, Töchterschule gehörigen -sch wird bie Äusfuhl- Scicb^of übertragen. WO Mark M die hr Übermacht. MÈ ituns dââU nß ist MchmM- erhalten Birkenstock und Schneider für 7327 Mk. Das Höchstgebot war 18 700 Mk. Die Sielbauarbeiten. Loos I erhalten Jäger & Rumpf in Hanau. Es luirb bei der Behandlung dieser Frage festgestellt, daß Der Mainsand zur Herstellung solcher Arbeiten geeigneter ist als bet Lahnsand. Die Firma^ Jager & Rumpf erhält auch Loos II. Zusammen 14/ 000 Mk. Vom alten schloß. Für die Treppe, die am neuen „alten schloß an- acbracht wird, werden 562 Mk. bewilligt. Das Ortsstatut für das Gewerbegericht Gießen wird in der von Assessor Schlosser vorgenommenen Fassung genehmigt. Hessische Hypothekenbank An Der projektierten Hypothekenbank beteiligen sich: Oberhessen mit 10,000, der Kreis mit 5000 und die Stadt Äießen mit 10,000 Mark. Der Stadtgeometer erhält auf Vorschlag des Bürgermeisters die Funktionen eines Krcisgcometecs. WirtschaftSkonzessionen. Dem LouiS Euler wird die Konzession zum Betrieb der Wirtschaft Grünbergerstraße 15 erteilt. — Dem Kantinen- mirt, dem neuen, wird natürlich die Konzession anstandslos Keivährt — Dagegen werden dem Martin Langsdorf und dem H. Bellos, Alicestraße, ihre entsprechende Gesuche ab- gsj klagen. Ä« dcS„FM>' feiet worden. W Besitzer über. !L°l-Si°chenh°^ lieber nm ^^ sich ^tf'w ns fe^« WW1 MM er st H OT^Kn habe".18 Wir «nbetei ijii ell)t( ,1 f*JS $gi x7dK-"«^ w«äS V-s« w« Ms^ 11 '(en Sie «"A nut Magnat» gSr#* SÄ'i^ö N6® Wit®* ^* seni^ W „I V^Mtliii''' äWF Bus stellen und Naebbargebieten. Schotten, 30. Juli. Nächsten Montag Dienstag [ mib Mittwoch findet unser sogen. „Sommermackt" hatt. An den beiden ersten Tagen ist ein bedeutender Vikhmarkt, zu dem sich Handelsleute bis aus der Berliner Gegcnd'einstellen. Dec Krämermarkt ist dagegen klein. - Das Lehrerheim „Vogelsberg" erfreut sich ’ Zt. eines zahlreichen Besuches von Lehrern und Privaten, die zur Erholung auf einige Zeit dort ein- ; Mrtirt sind. Cffcnbad). In der letzten Generalversammlung der Aktionäre von Schlossers Liegenschaft wurde einstimmig b schlossen, das Gebot der Stadt Offenbach in Höhe von 193 500 Mark zu acceptiren. Somit würde die Liegenschaft definitiv in den Besitz der Stadt übergehen. Darmstadt. Der Großherzog hat dem Assistenten am chemischen Institut und Privatdozentin für pharma- z mische Chemie an der Technischen Hochschule Dr. Georg hN)l den Charakter als Professor erteilt. Darmstadt, 30. Juli. Als Nachfolger des als Provinzialdirektoc nach Gießen versetzten Ministecial- nlhs Dr. Breidert ist der Obecregierungsrat und Vortragende Rat im Ministerium des Innern, Karl August Weber, ein Sohn des verstorbenen Finanzministecs Weber, in Aussicht genommen. In Darmstadt starb dieser Tage dec ehemalige Kanzleirat Christoph Mendel im Alter von 85 Jahren. 3)1. wirkte lange Jahre an dec Großh. Hofbibliothek. § Der verstorbene Fürst Wilhelm zu Hanau hat der Kasseler Araunverwaltung 3000 Mark testamentarisch vermacht. Dieburg. Der überhand nehmenden Zigeunerplage tritt unsere Kreisbehörde in dankenswerter Weise entgegen. Gelegentlich einer in den letzten Tagen siattgehabten Versammlung sämtlicher Bürgermeister beè Kreises wurden letztere ersucht, künftighin den Zigeunern keinerlei Bescheinigungen mehr über vorüber- gchenden Aufenthalt, Wohlverhalten u. s. w. auszustellen Md namentlich auch dafür zu wirken, daß denselben in den Gemeinden keinerlei milde Gaben mehr verabreicht werden, weil hierdurch dec Bettel nur unterstützt werde. - Sehr nachahmenswert! Bensheim. In einem Wäldchen nahe Würzburg wurde dcr von hier gebürdigte Herrman Bentheim erhängt aufgefunden. In feinen Kleidern fanden sich noch zirka 120 Mk. bar sowie eine goldene Taschenuhr. Nach dem Polizeibericht liegt Selbstmord vor. Die Ursache dürfte Krankheit sein. Aus dem Odenwald. Auch in diesem Jahi-e dürfte, iuch dec Unzahl der auftretenben Kohlweißlinge zu urteilen, eine Beeinträchtigung dec Gemüse- kr träge durch die Kohlraupe eintreten. Ein ebenso billiges wie leicht anwendbares Mittel zur Weitilgung der Kohlraupe ist das Ausstceuen von Thomasmehl. Im vorigen Jahre machte ein Kraut- Panzer den Versiich, auf einem Morgen Gemüse- Wanzen etwa 1 Zentner Thomasmehl auszustreuen. Amtliche von dem Thomasmehl getroffenen Raupen Mgen teils schon an demselben Tage, teils am weiten Tage zu Grunde. Später wurde das Aus- teucn wiederholt. Eine gründliche Säuberung des pmiüfefelbeS von Raupen war die Folge. Im In- Mise der Landwirtschaft dürften sich ähnliche Versuche Md die Veröffentlichung der Ergebnisse empfehlen Eine „rührende" Geschichte, die sich bei Mainz abspielte, erzählte ein Zugführer: Eine Dame kam mit i^em Hündchen auf dem Arm an den Zug und wollte tbm in einem Damenabteil Platz nehmen, als der Schaffner hinzukam und gegen die Mitnahme des Tieres in Len Wagen protestierte und verlangte, daß der Hund bie Reise im Hundeabteil zu machen habe; dabei blieb dec Beamte, trotz aller Bitten. Die Dame gab endlich mH und geleitete ihren Liebling, einen kleinen Pintscher, W zu dem Hundegelaß, wohinein das Tier dann Wch zärtlichem Abschiede geschoben wurde. Nun aber Wlte der Hund erst den Trennungsschmerz und fing Munerlich an zu heulen. Das war der Dame zu viel, ■hüt weinend bat sie nun, daß, wenn der Hund denn IfW mit ins Damenabteil dürfe, so möge man doch x Ln$ Hundeabteil lassen (dabei hatte sie schon ^n Kopf in die Oeffnung gesteckt), denn weder sie noch j^unb würden, wenn getrennt, lebend am Ziel ihrer Neiße ankommen 1 Nun ging die Sache doch ten Beamten gegen die Hutschnur, sie erklärten, ohne Hund und Herrin abzufahcen — da fügte sie sich in ihr Schicksal und — weder Hund noch Dame waren am Heimweh gestorben, als man das Ziel der Reise der beiden erreichte. Natürlich hatten die übrigen Reisenden ein kolossales Gaudium an der Geschichte. In Oppenheim hat dieser Tage eine israelitische Witwe gegen ihren 20jährigen Sohn Strafantrag beim Amtsgerichte gestellt. Derselbe mißhandelte des öftern seine Mutter und Geschwister, beschädigte verschiedene Hausgeräte, wenn er nicht genügend Taschengeld bekam, so daß zuweilen die Gendarmerie zur Abwehr gerufen wurde. Er wollte auch, indem er die Wasserleitung aufschraubte, die ganze Familie ertränken. (!) Er wurde ins Haftlokal eingeliefert und wird sich nun wegen Mißhandlung, Bedrohung und Sachbeschädigung zu verantworten haben. Alzey, 29. Juli. Heute Nachmittag gegen 4 Uhr drang der Theilhaber Stoll des in der Antoniterstraße wohnenden Kurzwarenhändlers Adam Schneider in dessen Abwesenheit in die Wohnung desselben ein, erbrach das Pult, verübte großen Lärm und schleifte die Ehefrau Schneider an den Haaren herum, wobei er ihr das Gesicht zerkratzte. Stoll lebt schon lange Zeit mit seinem Kompagnon in Unfrieden In Alzey giebt ein Vorkommnis Stoff zur großen Heiterkeit. Die Frau eines Oekonomen machte in letzter Zeit die Wahrnehmung, daß die Zahl ihrer jungen Tauben sich stets verminderte, ohne daß sie sich deren Abnahme recht erklären konnte. Sie glaubte schließlich, daß ihre Lieblinge sich vielleicht in einen fremden Schlag verirrten, um von da aus im gebratenen Zustande als zarte Leck rbiss n auf der Tafel zu erscheinen. Die sehr energische Frau mußte sich überzeugen, ob ihr Verdacht sich rechtfertige, und die Gelegenheit hierzu war, als die Nachbarsleute in die Sommerfrische gegangen waren, sehr günstig. Die Frau stellte eine Leiter an das betreffende Haus, flugs gings die Sprossen hinaus und erreichte sie bald glücklich die äußere ziemlich weite Oeffnung des Nachbartaubenschlages. Kurz entschlossen kroch die kühne Steigmn in den Schlag, aber hier erwartete sie eine große Enttäuschung, denn in diesem Raume war auch nicht die Spur von Tauben zu finden. Nun galt es unbemerkt den Rückzug anzutreten, der jedoch nicht so glatt, wie der Aufstieg von statten ging, da sich bei dem hinierwärts Herauskriechen die Kleider der Frau zurücksträubten und letztere dadurch in luftiger Höhe in eine recht fatale Lage geriet, über die des Sängers Höfl chkeit besser schweigt. Nachdem die Frau mit einiger Mühe das Hindernis wieder beseitigt, gelang ihr, wie mehrere diese Szene Beobachtende bemerkten, der Abstieg. vermischtes. * Mit dem Tod des Geh. Hofcat Josef Kürschner haben die Litteratur, das statistische Gebiet wie auch andere eine große Lücke erhalten. Kürschner hat eine Reihe inhaltreicher und praktisch recht brauchbarer Sammel- u. s. W. Werke herausgegeben, die viel Anklang gefunden und auch in dieser Zeitung Würdigung fanden, so daß „Jahrbuch", das „Weltsprachen-Lexikon", das „Handbuch dec Presse", das „Staats-, Hof- und Kommunalhandbuch" u. s. w., nicht zu vergessen den „Deu schen Litteratur-Kalender". Aber auch eine ganze Anzahl litterarischer und politisch-nationaler Werke ging aus seiner Feder hervor, wie auch dec Unermüdliche noch Zeit fand, einige Zeitschriften ständig zu redigiren. Kürschner war noch keine 49 Jahre alt, (geb. am 20. September 1853 in Gotha), ist also im besten Mannesalter gestorben. * Prag, 31. Juli. Heute Vormittag stürzte in dec Nähe dec russischen Kirche ein Neubeu ein. Bisher wurden 5 Leichen aus den Trümmern gezogen, 9 Arbeiter werden noch vermißt. * In Goisern in Obecösterreich ist am 26. Juni der ä l t e st e S t a a t s p e n s i o n i st dec österreichischen Monarchie, dec ehemals äcarische Holzarbeiter Josef Pesendorfer, im Alter von 104 Jahren gestorben. Ec war am 13. Januar des Jahces 1798 geboren und hat somit in drei Jahrhunderten gelebt. Bl'nder E.ser schadet nur! Eine fremde Herrschaft gab in München dem Kutscher des Hotels bei dec Abreise den Auftrag, das Gepäck in den Zug zu bringen und zugleich das betreffende Koupee zu reservieren. Anstatt nun dem Kondukteur die bezügliche Mitteilung zu machen, blieb dec Kutscher dec Sicherheit halber selbst im Wagen sitzen, während die Herrschaft in einem anderen Koupee Platz nahm. Richtig verließ denn auch dec Schnellzug die Halle und dec diensteifrige Rosselenker, dessen Omnibus unterdessen am Zentralbahnhof vergeblich auf ihn wartete, mußte die Reise nach Nürnberg mitmachen, wo ec das Gepäck den Eigentümern zustellen konnte, zugleich aber die Kosten dieser unfreiwilligen Fahrt auf eigene Rechnung bestreiten mußte. * Eine Starke vom 'chwachen Geschlecht. Gegen eine Artistin, bie sich „Heckulina" nennt, wurde ein Strafverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet, weil sie im Streite mit einem Herrn demselben mit dec flachen Hand quer über das Gesicht einen Schlag versetzte, dec ihm das Nasenbein zertrümmerte und zwei Vordeczähne ausschlug. Die streitbare Artistin wiegt 236 Pfund und tritt als Riesendame auf. WHm Berlin, 1. August. Wa ldeck-Rousseau ist gestern auf dem Par.ser Nordbahnhose angekommen und wurde von seinen ehemaligen Minister-Kollegen begrüßt. Er verweigerte sämtlichen Interviewern Details über seine Unterredung mit Ka ser Wilhelm. Frankfurt a. M., 1. August. Der Großherzog von Mecklenbucg-Strehlitz traf heute früh hier ein und fuhr sofort nach Bao Homburg weiter. Venedig, 1. August. Deutsche Sänger, die vom Sängecbundesfest in Graz hierher gekommen waren, veranstalteten gestern auf dem Markusplatz ein Konzert, wobei ihnen Huldigungen bereitet wurden. Nach oem Konzert fangen 200 andere deutsche Sänger, die inzwischen aus Triest eingetroffen waren, deutsche Lieder und das zahlreich anwesende Publikum bewies auch ihnen seine Sympathie durch lebhaften Beifall und freudiges Tüchecschwenken. Rom, 1. August. Pastor Lang hat auf seinem Antrag sein Amt als deutscher Botschafts-Previger in Rom niedergelegt. London, 1. August. Das „Londoner Medical" Journal schreibt über den Zustand Könia Eduards: Der König befinde sich wohl und die Besserung in seinem Befinden schreite schneller vorwärts als man erwarten konnte. Die Wunde selbst ist auf einen kleinen Umfana zurückgegangcn. Wenn man nicht mit unglücklichen Zufällen rechne brauche das Publikum keine zweite Verschiebung der Krönung zu befürchten oder darüber beunruhigt zu sein, ob der König im Stande sein wird, die KrönungS-Ceremonie wohlbehalten und ohne Erschöpfung durchzumachen. — DreyfuS verlangt in einem offenen Briefe, die russische Regierung möge erklären, daß DreyfuS weder direkt noch indirekt für sie gearbeitet habe und bedauert, daß Gallifet, welcher DreyfuS in Marienbad als russischen Agenten bezeichnen hörte, falsch berichtet worden sei und eine Verleumdung weiter erzählt habe. Daß DreyfuS kein Agent Deutschlands gewesen sei, habe Gallifet übrigens allgemein ganz positiv versichert. London, 1. August. Bei einem Locd Kitchener zu Ehren gegebenen Diner im Hotel Metropol überreichte der Lord Major von London Kitchener einen ihm von der Stadt Kapstadt gestifteten Ehrensäbel. Kitchener erklärte, indem er für die Ehrengabe dankte, er sei überzeugt, daß in Südafrika das Schwert niemals wieder aus der Scheibe gezogen werden würde. Kitchmer zollte ferner seinem Freunde Lord Milner warme Anerkennung. Ihre Freundschaft sei durch Sturm und Drang gemeinsam erlebter kritischer Tage gefestigt worden und er zweifle nicht, daß MilnerS großr Eigenschaften immer mehr gewürdigt werden würden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 10. Sonntag nach TrinitattS, den 3. Aug. G ott esdi enst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmirten der Matthäus- gemeinde. - Vormittags 9.30 Uhr: P'arrer Dr. Grein. Beichte und heiliges Abendmahl für Matt räuS- und Markus- gemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MarkuSgemeinde. Pfarrer Dr. Grein. In der JohanneSktrche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Di. Naumann. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmietten auS der Johannesgemeinde. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr Kinder gottesdienst für die LukaSgemeinde. Pfarrer Euler. Nach allen Gottesdiensten Sammlung für die Innere Mission. Sonntag, abends 8 Uhr Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Katholische Gemeinde. Samstag, 2. Aug. Nachmittags um 5 Uhr und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit jur heiligen Beichte. Sonntag, den 3. Aug. 11. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6.30 Uhr: Gelegenheit zur Heil. Be.chte. „ „ 7 Uhr : Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heiligen Kommunion. „ 8 Uhr: Die zweite Heil. Messe. „ „ 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2.30 Uhr: Andacht Gottesdienst der israelitischcil Kellgionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Samstag, den 2 Aug. Vorabend 7,45 Uhr Morgens 8,30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Predigt. Sabbatbausgang 9,10 Uhr. Methodisten-Gemeinde, risterweg 16. Sonntag Abend 8 Uhr Predigt und jeden Mittwoch Abend * * „3ft Gießen Badeort geworden?" frug gestern in einer hiesigen Gastwirtschaft ein durchwandernder Tourist. „Wie meinen Sie dies?" frug mit gekränktem Nationalstolz dec Wirt. „Ja", entgegnete der Tourist, „ich sah, daß die rot-weißen Wegweiser- pfosten jetzt rot-gelb gestrichen werden. EittentNr. * * Das von uns in Nr. 167 der „Oberhess. Familienzeitung" abgedruckte Gedicht „Hessenblut", welches so großen Anklang gefunden hat, ist dem „Hessenland" entnommen; der Verfasser ist H. Bertelmann in Kassel. Die kleine Fußnote ist ein Auszng aus „Hessische Ehrentafel"._____________ __________ Geschäftliches. Simonsbrot. Es dürfte für eine große Anzahl unserer Leser, besonders alle, welche mit den bisher üblichen Brotarten nicht zufrieden sind, und für viele Leidende von Interesse fein zu erfahren, daß auch in Hessischen Landen eine erste Simonsbrotfabrik entstanden ist und zwar in Eltville a. R h. wie aus dem Annoncen-Teil heutiger Nummer ersichtlich. Die Ziehung 5. Klasse der Landestotterie findet am 4. August statt. Diejenigen Spieler, die ihre Loose zur 5. Klasse etwa noch nicht erneuert haben sollten, wollen dies daher zur Sicherung ihrer Ansprüche an einen etwaigen Gewinn umgehend noch nachholen unter Einsendung des Erneuerungsbetrages an denjenigen Hauptkollekteur berw. Kollekteur oder Loose- Verkäufer, von dem sie die Loose der Vorklassen bezogen haben. Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meine liebe, unvergessliche fürsorgende Gattin, unsere gute Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwägerin, Tante ^und Cousine Frau Mathilde Fischer geb. Schröter nach schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden im 31. Lebensjahre zu sich zu rufen. GGGGGGGGGG Psiichtfeuerwehr. Zuvermieten schöne S-Zimmerwohn- ung mit allem Zubehör, sowie grofter Eckladen, elekt. Licht. per sof. zu verm. Löwengasse 27. Um stilles Beileid bitten Giessen, Oslenbach, Frankfurt a. M., Neunkirchen, Zürich, den 31. Juli 1902. Die tieftrauernden Hinterbliebenen i. d. N. Jakob Fischer. Die Beerdigung findet am Samstag den 2. August nachmittags 6 Uhr vom Sterbehause, Ebelstrasse 2 aus statt. Donnerstag den 7. August d. I., abends 8.30 Uhr am Turmhanse am Brand: Uebung der 1.2.3.4. Rotte. Gießen, am 1. August 1902. Traber, Branddirektor. "Achöne Wohnung, bestehend aus w 4 Zimmern u. 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September findet auf den städtischen Marktanlagen nächst der Rodheimerftraße Pferdemarkt statt. Für Stallungen in der Nähe des Marktes ist ausreichend Sorge getragen - wegen derselben wolle man sich an £krrn Hoflohnkatscher Huhn dahier wenden. Auskunft über sonstige Marktangelegenheiten erteilt Herr Wein Händler August Schwan dahier. Mit dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung verbunden, für welche 1565 Mk. zur Verfügung stehen. Der Pränkii'ungsplan ist von Herrn Oe konomie- kat Schleuke Hardthof bei Gießen zu erbitten. Die Preisvecteilung erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 12Va Uhr. Omnibusverbindung von dem Bahnhof nach dem Marktplatz und zurück. Am 11. September, nachmittags 2 Uhr findet in der Turnhalle.der Stadlknabenschule ehe Berlooyung statt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Gerätschaften, Haushastungs- und Ge brauchègegenständen. Der Generalvertrieb der Lose â 1 Mk ist dem Herrn Richard Buchacker dahier.übertragen. Gießen, Juli 1902. do mit Sotzle u. Absatz â 1.50 Mk. Kinderhausschuhe â 60 und 70 Pfg. <8 .2 4/ IM 4/ WM *• X Die Pferdemarktkommisston z« Gießen. Jean Kirch, Stadtverordneter. Eintritt 50 Es» Eintritt 50 P/y Oswaldsgarten — Gießen. Bläser’s Original- ^-Biographd« Riesen-Kinema tograph. Deute Freitag n«d morgen Samstag, abends 8 und 9 Uhr: Gr. Brillant - Borstellmigett mit jedesmal neuem Programm. Entree - Stuhlsitz 80 Psg., Il Platz 50 Psg., III. Platz 30 Pfg., Kinder und Militär halbe Preise. Au beiden Abenden nach Schluß der s Uhr-Borftcllung âr von VoL stelèttug. Zutritt haben nur Herren über 20 Jahre alte Vorführung der Operationen des berühmten Chirurgen Profess r Dr. Togen zu Paris. 2 © Ä © s © S s ft * s © © > © ä Q s © -w e © 00 h :s 8 ^ V 00 © s 6 M © M Vergebung von Banal beite«. iWL»ELW-s» Lie zur Erbauung eines Härtner'Wobnhauses bei Dj? Flnschrubirrhandlung der psychiatrischen Klinik zu Gießen nötigen Arbeiten nebst Materiallieferungen, nämlich: Maurer-, Steinhauer-, Zimmer-, Dachdecker-,Schreiner ,Schlosser-, Glaser-, Weißbinder- und Spenglerarbeit werden hieidurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Submissionsweg ausgeschrieben. Die Ausführungsbedingungen, Zeichnungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserm Amtslokal zur Einsicht offen, und können letztere, mit Vordruck zu dem bezüglichen AngebolS- Vermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden. Angebote sind bis zum 9. August d. Js., vormittags 10IUhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 29. Juli 1902. GroßherzogliLes Hochbauamt Gießen. Neuling. von Heinrich Jost — 10 Kaplausgasse 10 — offerht ölerderMticn-ßraucrei Gt^ en, hell, dunkel, 942 Pilsener und Eis Pr.Aepfeiwein. 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