Nr. 149. Erstes Blatt. Dienstag, dm 1. Juli 1902. Abo»eme»«spretS: in Gießen, abgcbolt monatlich 60 Sßfg., in'« Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vicrlel- jährlich Mk. 150 Gratisbeilage» : Obe, hessische ffamilie»zettu»g ltLglich) Oberhelstsche 3«trfd)rift für Landwirtschaft, Cbfi nab «arteuban. sowie die Giesteaer Seifenblase» wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittag«. Gießener ________________11. Jahrgang. I»sertio»S«reiS : Die einspaltige Pctilieilc für Gießen wie, ganz Obcrbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Psg. sonst 15 Psg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Psg. Postzeitungsliste No. 3032. Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Aeuefle Hkachrichten (Gießener Tageökati) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Weitung) für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck uno Lerlag der Gießener VcrIagSdrucker. i, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckcrci, lgcgr. 1783); für die Redaktion verantworUich; Albin JH ein, Gictzin Poliiilcbe Nacbricdten. ♦ Der Kaiser schenkte der Kolonialschule zu Witzenhausen 10 000 Mk. , _ , Der Untergang des Torpedobootes S 42, hat zu folgendem Depeschenwechsel Veranlassung gegeben: Kiel, 30. Juni. Der Kaiser erhielt ein Telegramm der Königs Eduard aus London vom 28. dè , welches in deutscher Uebersetzung, wie folgt, lautet: „Mit tiefem Be- dauern höre ich soeben von dein UnglllckSfall, der Deinem Torpedoboot bei Cuxhaven zugestoßen ist und den Tod der Kommandanten, sowie mehrerer Mann der Besatzung verursachte. Ich weiß er hoch zu würdigen, daß der letzte Beseht der Leutnants Rosenstock vor dem Tod in den Wellen dahin lautete, daß die Engländer zuerst in das Boot genommen werden sollten." Edward R. Der Kaiser erwiderte: „Ties berührt von der freundlichen Bekundung Deiner warmen Teilnahme habe ich diese sofort der Flotte durch Signal bekannt gegeben. Die Offiziere und Mannschaften schätzen es hoch, daß die erste Handlung unserer neuen Admirals die so freundlich abgefaßte Botschaft war. Sie bitten ihren aufrichtigsten Dank auSzu- sprechen und vereinigen gleich mir ihre Wünsche mit denen Deiner Flotte für die vollständige Wiederherstellung Deiner so wertvollen Gesundheit. Wilhelm. Zu dem in englischer Sprache geführten Depeschen bemerken die Berliner „R. Nachr.": Ls muß energisch die Hoffnung ausgesprochen werden, daß die Ausschließung der deutschen Sprache beim Wechsel von Kundgebungen zwischen dem deutschen Kaiser und ausländischen Staatèhäuptern nicht Uebung wird, wie sie allmählich zu ganz entschiedenem Mißvergnügen keineswegs nörgelsüchtiger Patrioten einzureißen scheint. — Ganz richtig. Der neunte internationale SchisfahrtsKongreß wurde gestern in Düsseldorf durch den Kronprinzen eröffnet. Gegen 2000 Personen nahmen an demselben teil. Das Ausland, auch Asien, Amerika und Australien sind stark vertreten. Der Kronprinz gab den Gefühlen hohen Stolzes Ausdruck, daß er der Protektor einer so ansehnlichen und wichtigen Versammlung sein dürfe. Gr sei stolz, hervorragende Männer aus aller Welt an der Arbeit zu sehen. Es sei dieser Kongreß nicht nur ein wichtiger Meilenstein auf dem Wege der Entwickelung der Schiffahrt sondern einer jener Berührungspunkte, wo sich alle Nationen die Hand reichen und neidlos ihre gegenseitigen Vorzüge anerkennen. Staatssekretär Graf Posadowskh begrüßte sodann den Kongreß im Namen Grerteerd. Novelle von E. V e l y. 81] (Nachdruck verboten.) Nun wird'è erst schwer, heißt es dann unter den Männern und wirklich scheint das der Fall, denn immer wieder wird das Rettungsboot zurückgcwvrscn aus seinem Wege strandwärts. Tie brauchen jetzt selber Hülfe, sagt der alte Kapitän. Mit Mann und Maus müssen sie hinunter, brummt Maniel und schleudert die Wasscrtropsen von seinem breilkrämpigen Filzhut. Tchadc um die braven Jungens, heißt cs hüben und drüben und unter den Leibern erhebt sich ein Geschluchze. Ter Kapitän sicht um sich. Hart an unserm Strand sollen unsre eignen Leute umkommen? Sie wissen nicht, wie sie durch sollen, sagt Maniel. Ich wußte es ich möchte am Steuer sein. Tas fährt durch die Welt, murmelt der Kapitän, und kennt den eignen Strand nicht. Oh — ohoi! — Ja, kein Zuruf kann durch das Meer- brausen bringen. Ich wüßl's, ich wüßt's! schreit Maniel. Ter Kapitän sieht sich um. Sollen wir's leiden? Wer ist mit dabei? Ta richtet sich Maniel auf. Käptcin, ich habe nur ein Auge und eine Tccrn, an mir ist nicht viel verloren. Die Laterne lern' tes gut — ich will! Ich thu mit! sagt ein Jüngerer, den vorhin Jo Toben ver- d>......: hat. Die Drei schreiten durch's Wasser bis zu dem kleinen Boot des Kapitäns, kein Zuruf, keine Warnung begleitet sie, sie müssen wissen, -was sic thun. Trockenen Auges blickt ihnen 'Ne ick nach. Nun wird das Boot flott, nun steuern sie gut — und hohe Zeit ist's, die Dunkelheit fommt. Tie Weiber werden nach Laternen gesandt, blos Reick bleibt ans ihrer Stelle, sic trägt auch niemandem aus, Jo'è junges Weib von der Gefahr zu unterrichten, in der ihr Mann schwebt. des Reiches und der neue Eisenbahnminister Budde hielt als Vertreter des preußischen Staatsministeriums seine Jungfernrede als Minister. Die verschiedenen Verkehrsmittel, so führte er aus, müssen sich ergänzen, fördern und unterstützen. Keine Konkurrenz bestehe zwischen Landstraße, Eisenbahn und Wasserweg sondern ein edler notwendiger Streit im Dienste der Kultur, der sich friedlich erledigen lasse. Praktische Männer müßten einig sein in der Beseitigung von Schwierigkeiten, in der Anerkennung aller Verkehrsmittel. Dies sei ein großes volkswirtschaftliches Ziel. * Berlin, 30. Juni. Der Abgeordnete von Hert- lin hatte am 24. Juni eine Pcivataudienz beim Papst, wobei dieser sich sehr eingehend und mit hoher Genugthuung über Deutschland und Kaiser Wilhelm ausgesprochen habe. Berlin, 30. Juni. Der Kommandant der kaiserlichen Jacht „Hohcnzollern", Graf Baudissin wurde zum zweiten Admiraldes Kreuzeschwaders ernannt und gibt sein Kommando Mitte August an den Kapitän z. See von Usedom ab. Berlin, 30. Juni. Wie mehrere Blätter melden ist die Mitteilung betreffend die Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in Berlin unbegründet. * Berlin, 30. Juni. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der deutschen Kolontal-Gesellschaft Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg findet am 10. und 11. Oktober im Reichstagsgebäude der deutsche Kolonial-Kongreß statt. — Eine bedauerlicheTaktlosigkeit bedeutet es, daß die letzte Nummer der „Lustigen Blätter" auf der Titelseite ein Bild König Eduards und Chamberlains enthält mit der Unterschrift : „Drei Jahre war der King jo krank — Jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank." Da das Erscheinen biefei Scherzes mit der schweren Erkrankung des Königs zusammenfällt, hätte unseres Erachtens seine Verbreitung verhindert werden müssen. Konnte sich der Verlag der „Lust. Blätter" dazu nicht entschließen, so muß er es sich gefallen lassen, daß man die Verbreitung der betr. Nummer unter den gegenwärtigen Verhältnissen als eine sehr „bedauerliche Ungehörigkeit" bezeichnet. — Letztere Bezeichnung verdienen übrigens auch die faulen Witze, die sich eine Reihe anderer Witzblätter nach wie vor auf Kosten Englands leistet. Die Unterwerfung der Buren ist doch nun einmal eine nicht mehr rückgängig zu machende Thatsache, und wir halten er darum für überaus thöricht, und politisch unklug, das englische Volk unnützerweise in den Augen der Deutschen herunterzusetzen. Plötzlich ein Schrei — vom Lcuchtthurm her noch ein Licht- ausziickcn, baun erlischt bie Laterne. Was ist da passiert? Jetzt, jetzt gerade ist der Weiser des heimathlichen Leuchtfeuers am nöthigsten. Echt nach dem Wächter — da hat's ein Unglück gegeben! Die Dunkelheit wird nun bald völlig einbrechen. Ein aller fUlanu sagt: Kommt Keiner zurück. Niemand wagt eine Antwort darauf. Von den Dünen herab gleitet eine weibliche Gestalt, wer's ist, wird nicht gefragt, noch vermag man aus dem Meere die dunklen Punkte, die beiden Fahrzeuge, zu unterscheiden, das kleinere arbeitet sich nach dem größern durch. Den brobcii wird's schwer treffen sagt der alte Fischer. Dann eine lange, lange Weile tiefe Stille — sie fühlen mehr, als sie's wissen können, daß sich jetzt das Loos der kühnen Männer entscheiden muß. Es ist auch, als bliese der Sturm nicht mehr so wild, als gingen die Wogen plötzlich niedriger. Aus dem Leuchllhurm erglänzt das Feuer wieder. Ein halberwachsener Bursche kommt von dort zurück und ruft: Der Wächter sagt, er weiß nicht, wie'è zuging, aber blaß ist er, wie ein Scegefpenft. Ein Fremdländischer — auf Fremdländer ist kein Verlaß, entgegnet der Greis. Wie ein Steingebilbe steht Reick Tuben. Den sonst selber wortkargen Weibern ist's unheimlich, daß sie so gar keinen Ausruf hat und darum wagt Niemand eine Ansprache an sie. Eine Stunde langen Harrens, noch eine, vergeht denen am Strande. Der Sturm wird gelinder, aber es ist noch immer eine Riesenarbeit, sich durch die Wogen zu sümpfen. __ , Sie zählen die Stiinbeii nicht, die sie ausharrc». — ie sind s auf dem gelben Eiland gewöhnt, manche Schrcckcnsnacht so zu verbringen. Eine solche hat oft bis zum Morgengrauen viel Wittwen und Waisen gemacht. Was Gott will und das Meer thut, in das müssen sie.sich fügen. . = ... . Ganz in der Ferne tauchen Lichtpunkte auf; da. ist ein großer Dampfer, der seine Straße zieht — ruhig jetzt — und Zur Erneuerung des Dreibundes bemerkt die franz. „Narodny-Listi", daß durch die Verlängerung des Dreibundes die Sklaven Oesterreichs mit neuer Sorge erfüllt würden und sie zur erhöhten Vorsicht genötigt seien. Paris, 30. Juni. Während des gestrigen National-Turnfestes, welchem Präsident Loubet beiwohnte, drängte sich ein junger Mann, welcher auf dec offiziellen Tribüne Platz genommen hatte, an den Präsidenten heran und rief ihm zu: Wenn Sie die Turnvereine so lieb haben, wie Sie behaupten, so lassen Sie Dècoulède zurückkehren. Dieser Ausruf veranlaßte eine Kundgebung gegen den betreffenden jungen Mann, der sofort aus dem Saale entfernt wurde, während die Menge dem Präsidenten Ovationen darbrachte und die anwesende Militär-Kapelle die Marseillaise spielte. In Frankreich ist ein gleicher Fall zu verzeichnen. Auf Befehl der Seine-Präfekten haben sämtliche Polizei- kommissare in Paris die Anweisung erhalten, das illustrierte Blatt „Offietta du Beure" zu beschlagnahmen wegen einer darin enthaltenen Beleidigung der Königs Eduard. London. Das englische Kciegsnnnisterium ist durch die Thatsache überrascht worden, daß mehr als 1200 Offiziere ihren Abschied eingereicht haben. Giessener Cagesneuigkeiten. — * Ernennung. Der Zahlminister Habn wurde dem 2ten Bataillon unseres Jnf.-Rgts zusieteilt. Ernannt wurde am 26. Juni Franz Ttppel aus Gießen zum Kanzleigehilfen am Landgericht der Provinz Oberhessen. — In den Ruhestand wurde versetzt der Weichensteller in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Karl Freitag zu Gießen mit Wirkung vom 1. Juli 1902 an. *** Die nächste Stadtverordnetensitz- ung findet kommenden Freitag, den 4. Juli, nachmittags 4 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mitteilungen 2. Baugesuch des Karl Dorfeld zu Wieseck für die Marburger- straße; hier: Dispens. 3. Gesuch des Konrad Rübsamen dahier um Eclauonts zur Vornahme von Bauvecänder- ungen an seiner Feldscheuer in der Schwarzlach- 4. Die Militärschwimmanstalt; hier: Dispens. 5. Bau. gesuch des Phil. Kröck für die Rodheimerstraße; hier: Befestigung des Bürgersteigs. 6. Gesuch deS H. Boller ba, plötzlich, kleine Lichter — sie sind dem Strande zugewendet, sie kommen näher, — ja, es ist keine Täuschung hoffender Herzen — näher und näher — Sie kommen l Kei» Aufschrei, kein vorschneller Jubel. Kann immer wer darunter fehlen, der mit hinaus gezogen ist. Noch eine Zeit geduldigen Wartens — bann deutlich rufende Stimmen — vom Strande antwortet man kräftig wieder. Sie legen an. Männer und Weiber eilen herbei. Es geht langsam, bis sie an Land geführt und gehoben werden, die Fremden, denen man zu Hülfe geeilt ist und die matt und halb erstarrt sind — dann die tapfere Bemannung des ersten Bootes, das sich von dem des Kapitäns doch hat in's Schlepptau nehmen lassen müssen. Reick ist langsam herangetreten — ihre starren Augen suchen Jo vergebens. Tie Einhciinischcn machen sich mit den Fremden zu thun. — Reick fragt nicht, wo ist mein Jo? Wenn er nicht kommt, so kann sie sich selber die Antwort darauf geben. Sinn betritt der Kapitän den Strand. Er stößt einen kräftigen Fluch in freudigem Tone aus, als er wieder festen Boden unter sich fühlt — jedes Jahr schwört er, kein Waghalè mehr sein zu wollen, und immer wird er diesem Vorsatz noch einmal wieder untreu. Aarte Arbeit! sagt er, an Reick vorbei gehend. Ter Jüngere, den Jo vorhin zurückgedrängt, ruft Etwas herüber, èb er das Boot verläßt. Sie sollen helfen, es auf bas Trockene ziehen. Reick kennt die Art der Leute. Keiner übermittelt gern eine Unzlücks-Bvlschast; kann sich Jeder selbst überzeugen, ob der, welchen man erwartet, hcimkchrt ober nicht. Was ihn dann erreicht Ijat, weiß man ja. Jetzt taucht Maniel Hay auf — mühsam kommt er heran, er trägt eine Last in seinen Armen, er ist einer von Denen, die nicht genug klagen können, daß das Strandrecht aufgehoben ist — hat er nebenbei eine Beute gemacht? (Fortsetzung folgt.) dahier um Erlaubnis zur Benutzung des städtischen Platzes neben seinem Grundstück Frankfurterstraße 58. 7. Gesuch des Weichenstellers Ludwig Mattern um pachtweise lleberlassung eines ftübt Grundstücks an der Klinikstraße. 8. Gesuch des Bäckermeisters Karl Horn um pachtweise lleberlassung eines Holzlagerplatzes am Lutherberg. 9. Straßenunterhaltung; hier: Lieferung von Basaltgrus pro 1901/02. 10. Anschaffung einer Handwalze für das Einwalzen von Kiesbanketten pp. 11. Anschaffung eines Fahrrades zum Dienstgebrauch für das Personal des Stadtbauamts. 12. desgl. für den Straßenmeister. 13. Verlängerung der Gas- und Wasserleitung am Schiffenbergerweg. 14. Errichtung von Schulbaracken auf dem Hamm; hier: Verlegung der Wasserleitung. 15. Stelbauten; hier: Verlegung der Gasleitung in der Licher- und Grünbergerstraße. 16. Herstellung der früheren Maschinen- und Kesselhallen auf der Margaretenhütte als Lagerplätze für die Sielbaumaterialien; hier: Arbeitsver- gebung. 17. Beitritt des städt. Elektrizitätswerks zur Vereinigung von Elektrizitätswerken 18. Uebernahme der Unterhaltung der Erbbegräbnisstätte der verstorbenen Wilhelm Reibers Ehel. seitens der Stadt. a. Berufung. Wie wir hören, hat der o Professor an der Landesuniversität Gundermann einen Ruf nach Tübingen auf einen Lehrstuhl für klassische Philologie erhalten. * Geh. Medizinalrat Professor Dr. Schmidt- Metzler in Frankfurt a. M., hat den Roten Adlerorden 2. Klaffe verliehen bekommen. r Die Generalversammlung des Geselligkeitsvereins Gleiberg wurde gestern Abend um 5 Uhr auf dem Gleiberg abgehalten. Trotz der großen Hitze hatten sich doch genug Teilnehmer eingefunden. Die Versammlung wurde durch den Provinzialdirektor v. Bechthold eröffnet. Nachdem Geschäftsbericht abgelegt und über die Bauveränderungen des letzten Jahres berichtet war, machte Herr von Bechtold die Mitteilung, daß die hessische Regierung, wie in früheren Jahren, so auch dieses Jahr wieder 300 Mk. zuschießen werde. Der Bürgermeister von Krofdorf setzte die Versammlung davon in Kenntnis, daß die preußische Regierung 1000 Mk. in Aussicht gestellt habe. —a Bou heute Abend 6 Uhr an ist das neue Wiener Eafè Ecke Plock- und Johannisstraße geöffnet. □ Demnächst findet eine größere militärische Uebung für Volksschullehrer statt, welche zu einer Compagnie zusammengezogen werden Wie bestimmt verlautet, findet beim 18. Corps im nächsten Jahre Kaiser-Manöver statt. e. Am Sonntag sand unter zahlreicher Beteiligung von den umliegenden Ortschaften, Wetzlar und Gießen das Dünsberg-Fest statt, welches den Charakter eines Volksfestes trug. V Die Freiwillig-Gailsche Feuerwehr hielt gestern Abend im Beisein des Branddirektors Herrn Traber ihre diesjährige Hauptübung verbunden mit Brandangriff, ab. Die Mannschaft war außerordentlich zahlreich erschienen. Zunächst fand auf Oswalds Garten eine kurze Detail-Uebung statt, dann erfolgte ein Brandangriff. Herr Kaufmann Karl Frensdorf war so liebenswürdig gewesen und hatte dem Korps sein in der Neustadt, Ecke der Bahnhofsstraße gelegenes Haus zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt. Durch die der Neuzeit entsprechende Bauart (Fensteiverdachungen pp) hatten die Steiger einen besonders schweren Stand und war es nur der sachlichen Ruhe dieser Mannschaften zu verdanken, daß der Angriff so vorzüglich ausgeführt werden konnte. Nach der Uebung wurde beim Kamerad Sauer noch der Gemütlichkeit Rechnung getragen. V Der Vogcihäudler. Einen vollen Erfolg hatte das gestrige Probegastspiel des Emser Kurtheater- Ensemble in unserem Stadttheater mit einer vortrefflichen Aufführung der populären Operette „Der Vogel? Händler. — Der Theater-Verein vereinbarte für diesen Monat ein weiteres 4—6 maliges Gastspiel des Emser Stadttheater-Ensemble. Zu diesen Gastspielen wird ein Bons-Abonnent ausgegeben. Ein halb Dutzend Bons Loge 15 Mk., Sperrsitz 12 Mk., 1. Parguett 9 Mk. Die Bons haben zu jedem Gastspiel in beliebiger Anzahl Gültigkeit. Für größere Familien sehr zweckentsprechend. Der Theater-Verein hat aus dem Repertoir zur Aufführung für Gießen gewählt: „Der Kellermeister", „Die Puppe", „Der Landstreicher", „Die kleinen Lämmer", „Waldmeister" „Mikado". * „Vorsicht! Tafelobst!" Durch Verfügung des Staatssekretärs wird den Postanstalten schonende Behandlung der Obst- und Tranbensendungen zur Pflicht gemacht. Solche Sendungen sollen beim Umladen thunlichst von Hand zu Hand weitergehen und behutsam niedergelegt werden. In Wagenräumen und Packkammern sind Obstsendungen derartig zu lagern. Empfohlen wird daher ein recht auffälliger Vermerk über dem Inhalt der Sendung, z. B.: Vorsicht! Tafelobst! Bitte nicht werfen! p. H o chto uri st is che s. Die Reisezeit hat begonnen, und viele werden ihre Schritte nach Süden lenken, um in der kräftigen Hochgebirgsluft der Alpenländer Körper und Geist zu neuer Arbeit zu stärken. Denjenigen, welche ihre Reise nach der bergumkränzten Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck führt, sei der Be- such der „Starkenburger Hütte" im Stubai dringend empfohlen. Die Hauptorte des Stubaithales, g“™ f c™ ??? ^^ustift, sind von Innsbruck, bezw m ^ ^ Brennerbahn aus leicht auf p^chtigen Wegen sowohl zu Fuß als mit Stellwagen ^o" hier aus gelangt man in 3—4 Ken Lr^ auf 9ut angelegten ^gen zur H a s l e r - G r u b e n, wo in 2250 Metern Höhe die schmucke „Starkenburger Hütte" steht, welche die zwar kleine, aber mit um so größerer Liebe an der hehren Alpenwelt hängende Sektion Starkenburg des Deutschen u n d O esterr eich i s ch en Alpenvereins in Darmstadt hier errichtet hat. In überwältigender Weise repräsentieren sich die gewaltigen Eisriesen dec Stubaier Gletscherwelt: Wilder Freiger, Zuckerhütl, Wilder Pfaff, Schaufelspitze usw. Links von dem trotzig emporragenden Habicht grüßen die mächtigen Gestalten der Zillerthaler Gruppe herüber, während zur Rechten das Auge über die kühnen Felsgestalten der Kalkkögel bis hinüber znm blinkenden Alpeiner Ferner schweift. Vorzüglich ist man auf der „Starkenburger Hütte" — sowohl was Unterkunft als auch Verpflegung anlangt — aufgehoben. Die Bewirtschaftung der trefflich ausgestatteten, von jetzt bis Mitte September geöffneten Hütte liegt in den bewährten Händen der bekannten Neustifter Bergführer Michail Egger und Johann Hofer. Zahlreiche, der Sektion Starkenburg im vergangenen Jahr zugegangene Anerkenn ungs-Sch reiben beweisen, daß die Genannten das von der Sektion in sie gesetzte Vertrauen in vollem Maße rechtfertigen. Die „Starkenburger Hütte" erfreute sich schon im vorigen Jahre, dem ersten ihres Bestehens, der stattlichen Äe- sucheranzahl von 230 (die Thalbewohner ausgenommen.) Aus Reffen und Dacbbargebieten. rz. Vom Diinsbcrg In den Kreisen der Dünsberg- freunde hofft man die Erbauung des Dünsberg- turmes sowie die Veranstaltung der Dünsbergfeste werde immer weitere Kreise für den Dünèberg interessieren. Allein auch das am Sonntag abgehaltene Fest hat fast das Gegenteil bewiesen, indem aus den beiden Städten Gießen und Wetzlar nur spärliche Besucher erschienen waren. Sollen die Dünsbergfeste ähnlich den Feldbergfesten sich zu wahren Volksfesten gestalten, so müssen Einladungen an dieVereine der benachbarten Orte, namentlich an die Turnvereine ergehen. Werden die Vereine, welche gewiß einer solchen Einladung Folge leisten, aus der Höhe des Dllnèberges ihre Vorträge halten, sei es durch Gesang oder turnerische Uebungen, so werden die Dünsbergfeste, auf diese Art arrangiert, sicherlich ihre Wirkung nicht verfehlen. o. Dutenhofen. Während der hiesige Gesangverein vor kurzem ein Sängerfest abgehalten, so steht auch dem Kriegerverein in diesem Jahr eine Festlichkeit bevor. Derselbe besteht nunmehr 25 Jahre und erfreut sich einer sehr großen Mitgliederzahl. Durch den Herrn Landrat ist dem Verein angekündet worden, daß die Fahnenschleife, welche Kaffer Wilhelm allen Kriegeroereineu bei ihrem 25 jährigen Stiftungsfeste überreichen läßt, bereits angekommen ist. Jedoch will der Kriegerverein von einer größeren Festlichkeit absehen und diese Feier mit der diesjährigen Kirmes verbinden V Steinberg. (Fahnenweihe.) Unter dem Einfluß heißglühender Sonnenstrahlen bewegte sich am Sonntag ein Festzug von 18 Vereinen durch unsere Gemeinde. Es galt, das 33. Stiftungsfest der „Eintracht", soivie zugleich die neu geschaffene Vereinsfahne der Weihe zu unterziehen. Die Weiherede erklang kurz aber von eindringlicher Wirkung. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Fahne in keiner Fabrik sondern in unserer Gemeinde selbst angefertigt wurde. Sic steht in Bezug aus Eleganz keiner anderen nach, und ist in Rücksicht auf unsere Vercinskasse von günstiger Wirkung. Der Gesangsreigen, unter welchem sehr ansprechende und freudige Gefühle erweckende Chöre zur Aufführung kamen, mußte unter der großen Hitze mehrfach Beeinträchtigung erfahren. Mit einbrechender Dunkelheit huldigten fast alle noch anwesenden Gesangsfreunde dem Tanze bis znm frühen Morgen. Sämtliche Festgäste erfreuten sich während ihres Aufenthaltes des Schutzes gegen die heißen Sonnenstrahlen. Ueberall frohes freudiges Leben ohne die geringste Störung, und die Anwesenden haben hier zur Genüge bewiesen, daß das Sprichwort: „Wo man singt, da laß dich ruhig nieder" doch kein leerer Wahn ist. s. Wetzlar. Die Kreissynode Wetzlar, welche in diesen Tagen in unserer Stadt tagte, hat zu Deputierten für die im Monat August zusammengesetzte Provinzialsynode Herrn Pfarrer Fröhlich, Hochelheim und Herrn Lehrer Lochau, Gleiberg als Deputierte gewählt. * Marburg, 30.. Juni Am Samstagabend stürzte ein aus Wetter gebürtiges Dienstmädchen beim Fensterpuhen aus dem dritten Stock eines Hauses zwischen den Treppen hinunter in den Hausgang, wo es besinnungslos liegen blieb. Es mußte in die Klinik geschafft werden. □ Klein-Linden (Fund beimEisenbohnbau.) Die Regulierungsarbeiten der Dammrutschungen zwischen Gießen und Großen-Linden nehmen infolge der seit einigen Wochen herrschenden günstigen Witterungsverhältnisse einen recht erfreulichen Fortgang, und werden aller Berechnung nach mit Ende des kommenden Spätjahres beendet sein. — Bei diesen Erdabhebungen entdeckte vor wenigen Tagen ein Arbeiter verschiedene Gegenstände, die ihrem Bestand und ihrer Form nach doch etwa über 100 Jahre hier eine Begräbnisstätte gefunden haben. Da nebenbei ein Beil und eine Hacke sich vorfanden, so könnte wohl daraus gefolgert werden, daß hier vor Zeiten ein Mord staltgefunden und der Thäter seine Werkzeuge am Thatort zurückgelassen und begraben habe. u. Kirchgönè, 30. Juni. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, fand am gestrigen Sonntag das Bundesfest des Wetterauer Turnerb undeè, verbunden mit der Fahnenweihe des Turnvereins „Vorwärts" statt Am Vormittag wurde das Einzelwettturnen der verschiedenen hier erschienenen Vereine abgehalten. n. Butzbach, 30. Juni. Das Kriegsgericht hielt am Samstag in Frankfurt eine lange Sitzung hinter verschlossenen Thüren ab. An einem verschwiegenen Ort der Kaserne zu Butzbach hatte man an der Wand Zeichnungen entdeckt, die mit überraschender Aehnlichkeit Offiziere des Battaillons in Karrikatucen Wiedergaben. Man fahndete nach dem Zeichenkünstler und entdeckte ihn schließlich in der Person des Ingenieurs Friedrich Wilhelm Wüst, der seinerzeit einjährig gedient hatte und jetzt seine erste ächtwöchentliche Uebung bei der 2. Komp, des 168. Jnf.-Regts. machte. Das Kriegsgericht verurteilte ihn wegen Beleidigung und Achtungs- Verletzung zu sechs Monaten Gefängnis. Friedberg, 1. Juli. Morgen Mittwoch, 2. Juli von von 11,30 Uhr Vormittags ab, findet hier im großen Saale des „Hotels Trapp" die Jahresversammlung der „Evangelischen Konferenz statt. Bei derselben wird Herr Pfarrer O. Schulte von Beuern bei Gießen über die Frage: „Worin erkennt der Bauer des nördlichenoberenVogelsberges Dasein und Wirken Kottes?" ein Referat erstatten, und hieran sich eine Diskussion onschließen. Das interessante und seit dem Erscheinen des Drewsffchen Werkes „Evang. Kirchcnkunde" (zunächst für Sachsen doppelt bedeutsame Thema wird gewiß viele Besucher herbeifühcen. Außer den Mitgliedern und näheren Freunden der Konferenz sind auch sonstige Gäste herzlich willkommen. Lauterbach. In den letzten Tagen haben sich hier im Zeitraum von wenig mehr alè einer Woche drei Personen durch Erhängen entleibt und ein Mann, der trunken heimkam, wurde von seiner Frau derart aus den Hinterschödel mit einem schweren Stück Holz geschlagen, daß der Tod durch Verblutung eintcat. fc. Frankfurt a. M., 30. Juni. Gestern und heute erlitten hier mehrere Personen Hitzschlag. Heute Vormittag gegen 10 Uhr, als die 2. Komp 81. Jnf.-Rgts. von einer Felddienstübung heimkehrte, brach in der Tauuusanlage der Musketier Kraus plötzlich zusammen Er war noch nach einer halben Stunde bewußtlos und mußte mit dem Rettungswagen in das Lazarett gebracht werden. fc. Offenbach, 30. Juni. Einer hierher gelangten Depesche zufolge ist im Golf von Mexiko der Weißbindermeister Karl Nilson von hier auf dem Dampfer „Asia" über Bord gesprungen und ertrunken. Darmstadt, 29. Juni. Die ursprünglich am 28. Juni von London beabsichtigte Rückreise des Großherzogs wurde bis auf weiteres verschoben. ** Darmstadt. Unser Prinzeßchen Elisabeth hatte sich eine starke Erkältung mit Husten 2t. zugezogen, sodaß es besonderer Pflege bedurfte, und die anfangs beabsichtigte Reise nach Coburg unterbleiben mußte. Wie wir jetzt zu unserer Freude vernehmen, ist sie wieder auf dem Wege der Besserung. A Darmstadt, 30. Juni. Die verschiedenen Ausschüsse der ersten Kammer der Landstände werden Dienstag den 1., Mittwoch den 2, und Donnerstag den 3. Juli zur Beratung der von der ersten Kammer erledigten Gegenstände zusammentreten und dürften die Plenar-Sitzungen nächsten Dienstag beginnen. — dt. Darmstadt, 30. Juni. Von dem letzten gestern Abend aus dem Odenwald hier eintreffenden Zug sind bei Kirch-Brombach zwei Wagen entgleist. Der übrige Teil des Zuges kam mit mehrstündiger Verspätung hier an. = Darmstadt, 30. Juni. Am Samstag fand im Kaisersaal die Eröffnung der Aquarien- und Terrarien« Ausstellung des Vereins „Hottonia" statt. Die Ausstellung bietet dem Freund der Tierwelt, insbesondere der Fische und Amphibien, mancherlei Neues und Interessantes. * Darmstadt. Wie schon berichtet, werden unsere Truppen am 26. August zu den Manövern ausrücken und wird der Regimcntsstab des Jnf.-Regts. 115 am ersten Tag in Münzenberg, Butzbach, Griedel und Gambach einquartirt werden und findet zunächst Gefechtsschießen im Manövergelände statt, »voran sich die Brigade-, Divisions- und Corps-Manöver schließen. Mainz, 30. Juni. Als gestern Mittag ein Herr die Grebenstraße passierte, ivurde ihm von einem entgegenkommenden unbekannten Menschen die Busennadel mit einem Griff abgerissen. Die lleberraschung des HebersaIlenen war so groß, daß der freche Straßen- räuber mit seinem Raube davoneilen konnte. Mainz, 30. Juli. In der Samstag Nacht ist bei einem Streit einem Arbeiter fast die ganze linke Hand am Gelenk durchschnitten worden, während ein anderer einen tiefen Stich in den Oberarm erhielt. Wegen unlauteren Wettbewerbs hat der Vorstand des Vereins Mainzer Kaufleute gegen das Manu- fakturwarengeschâst von Fritz W. Wagner Klage erhoben. Wagner war im Juni in Konkurs geraten, die bedeutenden Warenbestände wurden vom Konkursverwalter zu billigen Preisen an einen Berliner Unternehmer verkauft, der den Ausverkauf dem Wagner übertrug. In Inseraten und Pla- katen wurde angekündigt, daß der Ausverkauf der Waren- bestände aus der Fritz W. Wagner'schen Konkursmasse zu billig taxierten Preisen stattfinde. Von den Klägern wurden besonders die Bezeichnung „Konkursmasse zu billig taxierten Preisen" beanstandet, weil damit der Glaube erweckt werde, die Waren seien vom Konkursverwalter taxiert worden, was nicht der Fall sei. Auch seien aufgekanfte Waren nachgeschoben worden. Die Kammer für' Handelssachen entschied dahin, daß der Wortlaut für Inserate und Plakate zu verbieten sei. Bei Zuwiderhandlungen wurde eine Geldstrafe Bon 1000 Mk angesetzt. Auch bei der Staatsanwaltschaft ist Anzeige wegen unlauteren Wettbewerbs erstattet worden. Bodenheim, 30. Juni. Gestern Mittag ertrank der kaum 17jährige Schreiner Eckardt aus Sachsen beim Baden im offenen Rhein. Hus dem GericbtsfaaL Strafkammer. Gießen, 1. Juli Vorsitzender ist Dr. Güngerich. Der Gastwirt Jakob Berg aus Traiè-Horloff ist angeklagt, einen polnischen Berg- MWt bet0Mn 'Hedrich bei U ** • 3uli bon ", Sroßeu ' ® m m: ’m Eei 'andere der itereffanteS. en unsere ausciicken . 115 am Griebel betjunW woran M er schlieken^ Mittag ein von einem die Busen- -berrastbung he Straßen- 'acht -st bei linke Hand ein anderer arbeitet durch 2 Gewehrschlisse verletzt zu haben. Eine Anzahl russischer und polnischer Arbeiter hatte »acht« versucht, die Wirtschaft des Angeklagten, der sie hinausgewiesen hatte, zu stürmen. Berg gab zwei Schüsse auf sie ab und verletzte durch sie einen anscheinend Unschuldigen. Urteil: Berufung wird verworfen — Heinrich Momber ger von Heppenheim hat gegen ein Urteil de« Schöffengerichts Vilbel, das wegen Beleidigung zu einer G-ldstrasc lautete, Berufung eingelegt, die v e rw o r s e n wird — Friedrich 3 bé aus Als- felb erhält in der Berufungsinstanz wegen Diebstahls und Zechprellerei 4 Monate 3Woch«n Gesänqni« und die Kosten. - Joh. Phil. Schick aus Altenbuseck erhält in der Berufungsinstanz eine Woche Gefängnis wegen Diebstahl« Der Maurergeselle Friedrich Bohner au« Arnsherm erhält wegen Sittlichkeiièverbrechen, begangen rin einem siebenjährigen Kinde, in 2 Fällen, 9 Monate Gefängnis, wovon 2 Woch n auf die Untersuchungshaft angerechnet werden. — Karl Eurich au« Ilbeshausen war vom Schöffengericht Herbstein wegen Unterschlagung zu 5 Tagen verurteilt worden. Seiner Berufung wird stattgegeben, er wird srei- ge s p r o chen. — Ein Schuhmacher Namens Paul Hocheisel wird wegen Landstreicherei in der Berufungsinstanz auf Antrag des Staatsanwalts freigesprochen. Frankfurt a. M., 30. Juni. Am 12. April d. J. saß der Musketier Joh. Fleischmann von der 2. Komp. 117. Jnf.-Regts. (Mainz) in einer Wirtschaft der Synagogengasse. Auch mehrere 88er waren dort. Zum Schluß kamen auch noch zivei 87 er in Begleitung eines Mädchens. Das letztere machte ihnen der 117 er abspenstig. Davon waren die beiden — es waren Ipielleute — natürlich nicht sehr erbaut. Zunächst begann eine heftige Schimpfkanonade. „Blinder Heß', Du hast ja keine Nummer!" riefen die 87 er. „Ihr Stinkpreußen, was Ihr seid, bin ich noch alle Tage!", replizierte der Hesse und bewaffnete sich mit einem Stuhle. Diesen entwand ihm ein 88 er. Als ihm aber gleich darauf ein Bierseidel an der Nase vorbei- flog, zog Fleischmann vom Leder und schlug den gegen ihn anspcingenden Musketier Engemann Dom 88. Rgt. auf den Kopf, daß eine Wunde entstand. Das Kriegsgericht des Gouvernements Mainz hatte ihn dafür zu 43 Tagen Gefängnis verurteilt. Dagegen hat Fleischmann Berufung eingelegt mit der Begründung, er habe in Notwehr gehandelt, da er annchmcn mußte, Engemann wolle ihn angreifen, während dieser behauptet, er habe ihm nur die Waffe wegnchmcn wollen um lveiteres Unglück zu verhüten. Das Oberkciegs- gericht hob das erste Urteil auf und sprach den von Dr. Pagenstecher verteidigten Angeklagten frei, da er in Notwehr, allerdings irrtümlicher Weise gehandelt habe. fiocbKhulnachrkhten. Als Nachfolger des mit Beginn des Wintersemesters nach Berlin gehenden Professor Herrn Dr. Rothe an bet Universität Göttigen ist der Professor der deutschen Sprache und Litteratur Herr Dr. E. Schröder in Marburg berufen. Er hat den Ruf angenommen. — Der Rcgicrungs- und Baurat v. B o r r i e s in Hannover ist unter Verleihung des Charakters als Geheimer Rcgierungsrat an die Berliner technische Hochschule berufen worden. Die an der genannten Anstalt neu begründete Stelle eines Dozenten für Nationalökonomie ist dem Prof. Dr. Warschauer übertragen worden. — An der Technischen Hochschule in Karlsruhe hat sich Dr. Paul Eitner als Privatdozent für chemische Technologie niedergelassen. — Tübingen Der Philologe Prof. Dr. E. v. Herzog an der philosophischen Fakultät, der im 68. Lebensjahr steht, tritt mit Ende des Semesters in den Ruhestand. Ihm zu Ehren veranstaltet die Studentenschaft in nächster Woche einen Fackelzug. Der Nachfolger Hasserts Prof. Dr. S a p p e r an derselben Fakultät hielt am 27. d seine Antrittsrede über die niittclamerikanische Landschaft. Dem Pcivatdozenten Dr. Günter wurde die erledigte Professur für Geschichte übertragen. — Halle. Der Althistoriker Prof. Eduard Meyer hat den Ruf an die Universität Berlin angenommen. Prof. Dr. H. Minkowski, Dozent für höhere Mathematik am Züricher- Polytechnikum hat einen Ruf an die Universität Göttingen erhalten und angenommen. — Die Leitung der pharmazeutisch chemischen Universitätsanstalt in Dahlem ist, nachdem Prof. Beckmann in Leipzig die Berufung nach Berlin abgelehnt hatte, der „Boß. Ztg." zufolge, dem a.-o. Professor der pharmazeutischen Chemie an der Universität Berlin Dr. Thoms übertragen worden. — Zum Rektor der llniversität Lausanne ist für eine zweijährige Amtsdauer der Prof, der juristischen Fakultät Louis Grenier gewählt worden. UermHcMes. * Reutlingen, 30. Juni. Der Redakteur und Mitinhaber des Reutlinger General-Anzeiger, Spoerer, ist gestern Abend bei einem Ausflüge mim Lichtenstein- Felsen abgcstürzt. Er trug so schwere Verletzungen davon, daß er bald darauf verstarb. * Osnabrück, 30. Juni. Das hiesige Stahlwerk, sowie das Kupfer und Draht-Werk steht seit heute Morgen in Flammen. Das Feuer, tvelches bereits ein Gebäude vollständig eingeäschert hat, nimmt immer größere Dimensionen an. Eine Person ist ums Leben gekommen. * Paris, 30. Juni. In Rouen verfolgten zwei junge Leute einen Dieb. Dieser sprang, um sich zu sichern, in die Seine. Seine Verfolger sprangen ihm nach, wobei einer derselben ertrank. Ein Fischer, welcher den Unglücklichen retten wollte, ertrank ebenfalls. Neuest- Nachrichten. Aus Elbing wird telegraphiert: In der Schule der Ortschaft Zuschkcn Kreis Berent, die ausschließlich polnische Bevölkerung hat, überfiel während des Unterrichts auf das Signal eines Schülers die ganze Schuljugend den Lehrer mit Stöcken, der sich nach Kräften wehren mußte, um den Angriff seiner Schüler abzuschlagen. * London, 1. Juli. Wie versichert wird, kann das Datum der Krönungsfeier zwar nicht ganz genau festgesetzt werden, aber es scheint nunmehr sicher, daß die Feier im Monat September stattsinden kann. Gestern wurde der Befehl erteilt, die Westminsterabtei in ihrem gegenwärtigen Zustande zu belassen, damit die jetzige Ausschmückung noch im September verwendet werden kann. Das gestern Abend ausgegebene Bulletin über das Befinden des Königs verzeichnet weitere Fortschritte in der Genesung. * Petersburg, 1. Juli. Nachdem alle polizeilichen und militärischen Maßnahmen behufs Unterdrückung der Baucru-Unruhen sich als tvickungslos erwiesen haben, befiehlt ein kaiserlicher Ukas dem geistlichen Consitorium zu Pultawo, durch die Geistlichkeit beim Sonn- und Fcicrtagsgottcsdicnsk, fomie bei der Vornahme sonstiger kirchlicher Akte den Gemeindcmitglicdern cinzuslößen, daß sie den von Gott und dem Zaren eingesetzten Behörden unbedingt Folge zu leisten haben und daß sie nicht auf solche Leute hören sollen, die nur beabsichtigen, ihnen Schaden zuzusugen. * Konstantinopel, 1. Juli. Hier sind 4 Pcstfällc vorgckommeu. Der Sanitätsrat hat alle notwendigen Maßnahmen ergriffen. Paris, 1. Juli. Der Gemeinderat hat gestern den Wunsch ausgedrückt, die Regierung möge die Vollstreckung von Todesurteilen abmatten und auf alle Fälle keine Hinrichtungen mehr in Paris vornehmen lassen. Rom, 1. Juli. Die Wahlen 3 u m Pr 0 Vin- 3talrat in R0m sind zu Gunsten der Liberalen ausgefallen. Gewählt sind zwei Katholiken, 6 Liberale und ein Mitglied der äußersten Linken. Die Liberalen gewannen 2 Sitze. — Bei den Gcmeinderatswahlcn sind gewählt: 20 Liberale, 17 Katholiken und ein Mitglied der äußersten Linken. Es ist das erste Mal, daß die Liberalen ohne Mitwirkung der Linken den Sieg davon getragen haben. * Ticnisiu, 1. Juli. 400 Mann französische und 200 Mann deutsche Truppen haben gestern die Stadt geräumt. * St. Helena, 1. Juli. Eine große Anzahl Buren- Gefangener haben gestern den Eid der Treue abgelegt. Unter ihnen befindet sich auch General Cronje. 'Wo herrscht Keuchhüsün? J^»^. $>eifertdt, Katarrh, HolS-, Bru ff und tftntgtnleibcn' Influenza ? In allen (fällen, auch da, wo bereits in Folge Gebrauch kleinlicher, wertloser Mittel oder schädlicher Gehcim- mittel Schwächezustände durch Rückgang der Sörpertrâfte einge- treten sind, gebrauche man mit bollem Vertrauen den seit 36 Jahren unübertroffen und einzig bewährten, dabei hoch- köstlichen u. billigen Rheinischen Tranbcn-Brust-Honig, echt unter Garantie allein bei 4586 C. G. Kleinhenn, Delikat.-Handl. Unregelmäßigkeiten beim Zustellen der Zeitungen bitten mir sofort direkt uns melden zu wollen. Expedition der «ießener Neueste Nachrichten. Marktbericht. titiehr». 1 Juli. Aus dem heutigen Wochenmarlt totteten Butter per ®fb. 0.75-0.85 Mk. Hühnereier 1 St. 4—5 Pfg., Enteneier St. 6—71W<1.. Gänseeier I St. 10—12 Pfg., Käse per St. 6—8 Psg., Erbsen per Liter 19 Psg., Linien per «Her 32 Psg , Tauben per Paar Mk. 0.80—1.00, Hühner per Stück Mk 100 1.50, Hahnen, fr Stück Mk. 0 03-1.00, guten per Stück 2.40-2.60. Gänse p Pld 0.60—0.75 Mk., Ochsenfleisch per Pfd. 66—76 Psg., Rindfleisch per Psd. 60—64 Psg. Schweinefleisch per Pfd 70—80 Psg. Schw'ine- fleisch gesalzen per Pfund 0.84 Psg. Kalbfleisch per Pfd. 66—70 Pfg., Hammelfleisch per Psd. 50—70 Pfg., Kartoffeln per Ztr. 4 00—5,00 Mk., Zwiebeln per Zt. Mk. 7.00—7.50, Miich per Liter 18 Pfg. LLLLL5LLLL2LLLLL2LLL M ^MMMMgSggSgfig rbè Hal bn ndaiManu' QnC erhoben /bedeutend'" L d-rd-n SW ' t her İ«° rk^chze- . tll vN' !l°!°i'L«°i- -in- ®e\tM 19 ^m bein1 Line gute und zugkräftige Aeklame. Wir werden morgen anläßlich des Universitätsfestes eine = Lestnuintner z===- herausgeben, welche geschichtliche wie humoristische Begebenheiten aus Gießen und seiner alma mater Ludoviciana enthält Mehrere gewandte Mitarbeiter, darunter Plumps und Müller und Schulze, wie auch der Alte vom Nordplatz haben dazu ihre Federn gespitzt und machen wir heute noch besonders daraus aufmerksam. Den Herren Uauftente«, Handwerkern p. P. ist mit dieser Nummer reiche Gelegenheit geboten, in dem angefügten Inseratenteil eine zweckentsprechende Empfehlung ihrer Gcschöste zu machen. Zugedachte Aufträge für diesen Teil erbitten wir uns bis morgen Mittwoch, spätestens 9 Uhr. Gießener Neueste Nachrichten. Neuenweg 28. Saison-Räumungs - V erkauf. Infolge der vorgerückten Sommer-Saison gewähre ich in allen Abteilungen meines Warenhauses ganz bedeutende Preisermässigungen ; Rabatt 15% Rabatt | 20% Rabatt \ 25% Rabatt Zmückgesetzte s-iik-i: IO- auf sämtliche gelbe und braune Damen-, Herren- und Kinderstiefel. auf Damenblusen, Hemdenblusen, Knabenblusen. Ein Posten in der Auslage angestaubter Wäsche, »m» d1&nil> »“^ **■* Herren- und Snaben-Allzhülè. | Formen, Garnierungen. wie: Damen-, Mädchen und Kinderhemd-n, Host Kaffee- u. Milchkannen, Wasch-Garnituren, Taffen, Terrinen, Fleischplatten, verschied. Glaswaren zu halben Preisen. a, Schürzen, Oberhemden re. «in Posten Reste HM ganz besonders billig. 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Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, rechts der Lahn; hier: die Zuziehung eines Teils der Gemarkung Heuchelheim. Nachdem vom Gemeinderat und von einer Anzahl beteiligter Grundeigentümer der Antrag aus Einleitung des Verfahrens der Feldbereinigung für die Fluren XVI bis XXI der Gemarkung Heuchelheim und die Zuziehung dieser Flächen zu der Feldbereinigung Gießen, rechts der Lahn, gestellt werden ist, und nachdem dieser Antrag von Gr. Min stcrium des Innern, Abteilung für Landwirtschalt, Handel und Gewerbe auf Grund deS Art. 2, 5 und 6 des Feldbereinigungs- gcsctzes für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Kommissär zur Leitung der Abstimmung ernannt worden ist, so wird hiermit Tagfahrt zur Abstimmung der beteiligten Grundeigentümer über den erwähnten Antrag aus: Samstag, 12 Jult l I., vormittags von 11 bis 12 Uhr, in daS Rathaus zu Heuchelheim bestimmt. Diejenigen beteiligten Grundbesitzer, welche in ber anberaumten Abstimmungssahrt weder persönlich noch durch gehörig Bevollmächtigte abstimmen, werden als für das Verfahren stimmend angesehen. Gleichzeitig fo derc ich hiermit die außerhalb des Bereinigungs- bezirks wohnenden AuSmärker auf, zur Wahrung ihrer Interessen einen im Bereinigungsbezirk wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, da eine weitere besondere Zuschrift im Laufe deS Verfahrens an sie nicht mehr, erfolgt. Friedberg , den 20. Juni 1902. Der Großh Fcldberitnlguugskommisiär: __________ Spamer, Kreisamtmann. P. P. Hierdurch erlaube ich mir, die ergebene Mitteilung zu machen, daß ich mit dem heutigen Tage am hiesigen Platze und zwar im elterliche Hause Reuen Baue Nr. 17, ein Colonialwaren « Delikatessengeschäft errichtet habe. mir zu i im Gestützt auf langjährige Thätigkeit, ausschließlich in diesen Branchen, werde ich stets bemüht sein, : durch Verabfolgung nur bester Qualitäten zu mäßigen Preisen das Vertrauen meiner werten Kundschaft erwerben. Indem ich höflichst bitte, meinem.Unternehmen gütige Unterstützung zu teil werden zu lassen, sichere ich Voraus gewissenhafte und zuvorkommende Bedienung zu. Telefon Nr. 346. Hochachtungsvoll! Ludwig Steinhäuser Großer Saifon-Ausverkauf. Bis Ende Juli gewähre ich auf sämtliche braune und farbige Schuhwaren einen w- egtraen Üabaii ^ von 1501 üniversitätsfest. Die Listen zum Einzeichnen für die Teilnahme an dem zur Feier der Immatrikulation des tausendsten Studenten unserer Hochschule am 2. Juli ac. im Philosophenwald stattfindenden Festes werden heute abend geschlossen. 1325 Giessen, den 1. Juli 1902. Der Festausschuss : i. A. Mecum. Bürgermeister. srsrsr * ggggsg Neu! Neu! Etablissement-Orpheum. ^ans ptcttensei«. Schauzenstratze 18, Schauzenstratze 18 Von heute ob täglich ■■ großes Konzert der Hloderländ. Damen-Kapelle. 5 Damen, 2 Herrn. Eintritt frei. Eintritt frei. Neu!Täglich neues Programm.Neu! <§»(^<§)<§>«& <§)<8><8><§> Maeulatnr-Pavier abzugeben. „Gießener Neueste Nachrichten." ®®®®® <*)<•;<•;<•)<•) Keine Partie-Waren. Keine Gelegenheitskäuse. ;S. Süß, Schllhwlircnhaus. Alleinverkauf der bekannten „Herz"-Schuhwaren. nouywe Annoncen, in .welchen die Inserenten nicht genannt sein wollen wie Stellengesuche, Stellenangebote, Anu Ver-Käufe,Immobilien Hypotheken-Grsuche re besorgt für alle existirenden Zeitungen direkt, zuverlässig und die älteste nonccn Expedition billig Haasenstein ä- Vogler A. G. Zeil 48. Frankfurt a. M. Seit 48. 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