* 12 Intelligenz-Blatt fuͤr die Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. L 7. Mittwoch den 25. Januar 1854. Amtlicher Theil. Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Landgeſtütsanſtalt, insbeſondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgeſtütsbeſchäler für 1854. Sie werden alsbald Ihren Bedarf an Verzeichniſſen und Bedeckſcheinen in obigem Betreffe einberichten. Friedberg den 20. Januarr 1854. Müller. Bekanntmachung. Am 9. d. M. iſt einem Reiſenden auf der Eiſenbahn zwiſchen Frankfurt und Gießen ein Geldbeutel mit 8 Louis— do'r entkommen. Der Geldbeutel war von ungebleichtem häufenen Zwirn und hatte 2 meſſingene Ringe und an den Enden 2 weiße metallene Knöpfchen. Ich erſuche die reſp. Sicherheitsbehoͤrden, nach dem entkommenen Gelde die geeignet ſcheinenden Nachforſchungen anzuſtellen und mir von den etwa ſich ergebenden Spuren Nachricht zu geben. Gießen den 18. Januar 1854. Großh. Kreisamt Gießen. Eckſtein, Regierungsrath. Bekanntmachung. In Gemäßheit Verfügung Gr. Miniſteriums des Innern vom 2. Januar d. J. wird hiermit zur offentlichen Kenntniß gebracht, daß die Hengſte von 1 Heinrich Knauf zu Fiſchbach, Kreiſes Alsfeld, Hengſt, von Farbe braun, ohne Abzeichen, 2) des Gr. Oberförſters Haberkorn zu Windhauſen, Kreiſes Alsfeld, Hengſt, von Farbe dunkelbraun, ohne Abzeichen, 3) des Freiherrn Adalbert von Nordeck zur Ra— ben au zu Londorf, Kreiſes Grünberg, Hengſt, von Farbe Schimmel, 4) Johannes Fiſcher J. zu Hutzdorf, Kreiſes Lau— terbach, Hengſt, von Farbe braun, ohne Abzeichen, und 5) Adam Marquard zu Winkel, Kreiſes Lindenfels, Hengſt, von Farbe Rothſchimmel, als zur Zucht tauglich erkannt worden ſind. Zugleich wird gemäß höchſter Verfügung verordnet daß außer dieſen tauglich erkannten Hengſten keine weiteren von Privatperſonen zum Bedecken von Stuten bei Mei— dung einer den Contravenienten treffenden Strafe von 3 bis 5 fl. verwendet werden dürfen. Die Gr. Bürgermeiſter, Gensdarmen und ſonſtige Polizeiofficianten haben auf den Vollzug dieſer Bekannt— machung zu achten und jede Zuwiderhandlung zur Anzeige zu bringen. Friedberg am 19. Januar 1854. Gr. Kreisamt Friedberg. MBI. Regierungsblatt- Auszüge. Nr. 2 vom 18. Jan. 1. umlagen zur Beſtreitung der Com- munalbedürfniſſe für die israelitiſche Religionsgemeinde Crainfeld, Kr. Lauterbach, für 1854.— 11. Ausſchlag zur Bezahlung der Unter⸗ forſtersbeſoldungen im Forſte Reinheim für 1853.— III. Verzeichniß rechtskräftig gewordener, in Gemäßheit des Art. 30 des Strafgeſetz⸗ buchs bekannt zu machender Straferkenntniſſe der Gerichte der Provinz Starkenburg, und zwar 13 von dem Gr. Aſſiſenhofe dieſer Provinz, welche wegen Meineids, Verſuchs der Nothzucht, Diebſtahls, Raubs ꝛc. Strafen von 1 Jahr Correctionshaus bis zu 6 Jahren Zuchthaus, dann gegen Catharina Pepl von Alsbach wegen Todtſchlags ihres Kindes 16 Jahre Zuchthaus, gegen Joh. Schmidt von Unterhambach wegen Raubs mit lebensgefährlicher Beſchadigung und Mordverſuchs die Todesſtrafe(auf dem Gnadenwege in ledens⸗ längliches Zuchthaus umgewandelt), gegen Phili zogt, ledig, Kriegs⸗ reſetviſt und Taglöhner von Seckmauern, wegen Mo 1 Maria Vogt, Frau des Phil Vogt senior daſelbſt, wegen cor ßiger Mitwirkung bei dieſem Verbrechen, Philipp Heß III., Forſtwart, und deſſen Fr Margaretha, geb. Raubs, eben daſelbſt, letztere gebürtig aus Tr rth im Königreich Bayern, wegen Anſtiftung zu dieſem Verbrechen ſammtlich die Todesſtrafe erkennen(die Strafe gegen die Heß'ſchen Cheleute wurde durch Allerhöͤchſten Gnadenact in lebens⸗ längliche Zuchthausſtrafe verwandelt);— 4 von dem Gr. Provin⸗ zialſtrafgericht der Prov. Starkenburg, wegen Maleſtatsbeleidi⸗ gung, Schriftfalſchung, Betrugs ꝛc. zu 1 Jahr Corrections⸗ bis 4 Jahren Zuchthaus;— 31 von dem Gr. Hofgericht der Provinz Starkenburg, wegen Diebſtahls, Landſtreicherei, Körperverletzung, Betrügereien ꝛc. zu 1 Jahr Corrections- bis 5 Jahren Zuchthaus;— 12 von Stadt- und Landgerichten dieſer Provinz, und zwar 2 von dem Stadtgericht Darmſtadt, von dem Landgerichte Darm⸗ ſtadt, 1 vom L.⸗G. Beerfelden, l vom L.-G. Fürtb, 1 vom r.-G. Hochſt,— 2 vom L.⸗G. Lorſch,— 1 vom L.-G. Michelſtadt,— 2 vom L.⸗G. Offenbach,— welche wegen Diebſtahls, Bettelei, Land⸗ ſtreicherei ze. Strafen von 1— 2 Jahren Correctionsbaus verhängen. — Iv. Abweſenbeits⸗Erklärung: durch Urtbeil des Gr. Be⸗ zirksgerichts zu Mainz vom 25. Juni 1852 Chriſtian Kirchheim, Nu in Mainz.— V. Ermächtigung zur Annahme eines remden Ordens: am 2. Jan. Pfandamtscontroleur Falck zu Mainz für das ihm von S. M. dem Kaiſer der Franzoſen verliehene Ritterkreuz der Ehrenlegion.— VI. Dienſt nachrichten. Am 8. Dez. 1853 wurde Steuerpfandmeiſter Schmidt zu Bensheim in die Obereinnehmerel Darmſtadt, und Steuerpfandmeiſter Sames zu 26„ rden in die Obereinnehmerei Gleßen verſetzt;— am 23. der Nene in der Centralwerkſtätte der Malu edar- Eisenbahn zu Darmſtadt, Konig aus Hirſchhorn, zum Wagenwärter bei der Eiſenbahnſtation Offenbach ernannt.— VII. Dienſtentlaſſungen: am 12. Dez. 1853 Steuerpfandmeiſter Wüſt zu Lich,— am 20. der Rentamtmann des Rentamts Gladenbach, Strecker,— am 28. Steuerpfandmeiſter Engelhardt zu Romrod.— VIII. Geſtorben: am 26. Dez. 1853 penſ. Regierungsrath Schleier macher zu Darmſtadt. Koſackelch es. (Aus der Sinnſtube.) (Schluß.) Die Bauern aber gaben dem Judenmauſchel eine Karolin Zaſſeras und blieben bis tief in die Nacht beim Schöffen ſitzen, wo ſie Moſelwein oder Schnapps tranken, und es ſehr verwunderlich fanden, daß die Koſacken nicht mehr dem Schnapps zugeſprochen, da ſie doch ſonſt keine Koſtverächter ſein ſollten. 5 Am andern und in den folgenden Tagen hatten in— deſſen die Bauern noch weit mehr Urſache zum Erſtaunen; denn nirgends hatte man die drei Koſacken mehr erblickt. Kein Menſch wußte etwas von ſo viel Einquartirung; ja es zeigte ſich bald genug, daß keine Koſackenſeele um jene Zeit im ganzen Moſelthal ſich hatte ſpüren laſſen. Es lag außer allem Zweifel, daß die Geſchichte eine pfiffig angelegte Spitzbubengeſchichte war, und es war damals Schaden, daß der Zundelfrieder, der rothe Dieter und der Heiner zu Bruchſal im Zuchthaus auf neue Spitzbuben— ſtreiche ſtudirten, denn dies Stücklein hätte ihnen alle Ehre gemacht. 5 Es konnte nicht fehlen, daß ſowohl die Polizei, als auch die Gerichte von der Sache Kenntniß nehmen mußten. Wochenlang wurden an Ort und Stelle Zeugen ver— hört, beſonders das Mauſchelche, das den Unterhändler gemacht. Er wurde ſogar eingeſteckt, da der Prokurator kuſt gehabt hätte, drauf zu ſchwören, er müſſe die Hand mit im Spiele gehabt haben; allein er wies ſich aus, daß er an dem Tage mit dem Bruder des Schöffen einen Viehhandel gemacht und rein zufällig anweſend geweſen war. Auch hatten ihm die Bauern das Zaſſeras verſpro— chen, er aber nichts gefordert. Er hatte die Spitzbuben ſo gut für leibhaftige Koſacken gehalten, wie die Bauern auch. Sie mußten ihn wieder laufen laſſen, und die Ge— ſchichte wurde vielfach Veranlaſſung zur Neckerei, wenn ſich die Bauern aus dem Dorfe irgendwo auf Märkten oder ſonſt ſehen ließen. Der Gevatter kratzte ſich hinter den Ohren und ſagte, das iſt eine malefitzige Geſchichte! Man ſollte ſagen, es käme Niemand auf einen ſo verwetterten Einfall. Wenn ich mir aber ſo die Sache zurechtlege, möcht' ichs auch mit dem Prokurator halten. Das Mauſchelche iſt mir verdächtig! Da der Schmiedjacob hinausgegangen war, ſo gab's in der Spinnſtube eine lange Unterredung und es bildeten ſich Parteien für und gegen das Mauſchelchen, die ziem— lich hitzig ſtritten. Als der Schmiedjacob wieder hereinkam, rief der Nachbar Veit, der gegen den Gevatter ſtimmte. Macht fort, Schmiedjacobsvetter, und erzählt uns das Ende, denn, wenn ich der Worte gedenke, die Ihr ſo als eine Einleitung redetet, ſo iſt die Sache vor die rechte Schmiede gekommen! Ich dachte, ſprach der Schmiedjacob, ich wollte Euch einmal den Prozeß ausfechten laſſen, ob nicht Einer von Euch, wenn wir nun auch Geſchwornengerichte kriegen, ſo ein feinnaſiger Staatsprokurator werden könnte. Der Alte lachte herzlich über die Hitze des Streites. Jede Partei wollte wiſſen, ob ſie Recht habe; aber der Schmied⸗ jacob ſagte: Wart's ab, ſagt der Jekuf! Und fuhr dann zu erzählen fort in aller Ruhe. Es ging mit der Geſchichte, wie hundert andere. Einige Monate wird im Winter davon geplaudert, dann werden ſie vergeſſen. Auch die Gerichte ließen nach, zu forſchen. Nur dem Prokurator lag ſie wie ein Stein im Magen. Insbeſondere ließ er das Mauſchelche ſcharf be— obachten, beſonders, ob er nicht ſeitdem mehr Geld habe; allein das arme Jüdchen blieb ein armes Jüdchen, und es wuchs Gras über die ganze Geſchichte mit Allem, was dazu gehörte. Selbſt die Bauern verſchmerzten ihr Geld. Drei, vier, fünf Jahre gingen ins Land und Niemand gedachte mehr in irgend einer Weiſe der Koſacken und ihrer Prellerei in dem Eifeler Dorfe, da traf es ſich, daß in einem der größeren Flecken am Ufer der Moſel Krämer— und Viehmarkt war. Ihr wißt Alle, daß, wo ſo ein Viehmarkt iſt, die Juden aus weiter Ferne zuſammenſtrömen, um ihre Hän— delchen zu machen. Ich habe mich oftmals dran ergötzt, fuhr der Schmied— jacob fort, wenn ſo zwei oder drei Juden ſtreitig werden. Dieſe Wuth, dies Schreien, Verwünſchen und Spektakel machen, ohne daß doch Einer dem Andern ein Haar krümmt— es iſt wirklich zum Todtlachen! Auf jenem Jahrmarkte war auch des Schöffen Sohn aus dem Orte, wo die Prellerei vorgekommen war. Damals noch ein Bub, war er jetzt ein junger Mann, der unter den Preußen gedient hatte, und gewürfelt heimgekommen war. Er hatte ein Paar junger Ochſen gekauft, ſaß nun in der Ecke am Ofen im Wirthshaus, da es im Novem— ber und ſo naßkaltes Wetter war. Er wickelte ſich aus ſeinem Papier eine Leberwurſt und ein ordentlich Kruſtchen Brod, und trank dazu einen guten Schoppen Moſelwein, der ihm um ſo beſſer ſchmeckte, als er einen ſehr guten Handel gemacht hatte. Die Stelle, wo er ſaß, war hinter einem weitvor— ſtehenden Kochofen, wie man ſie dort zu Lande überall hat, und man konnte ihn vornen in der Stube kaum ſehen. Die Wirthsſtube war noch völlig leer, denn der Markt war noch erſt recht im Werden. Plötzlich geht die Thür auf und es kommen zwei Juden herein, die ſich heftig zanken. Bald reden ſie in ihrem kauderwelſchen Judenhebräiſch, bald deutſch. Man konnte aus den einzelnen Aeußerungen entnehmen, daß der Eine den andern im wohlbegründeten Verdachte hatte, er wolle ihn bei einem gemeinſamen Handel ſtark übervortheilen. Dem jungen Manne hinter dem Ofen machte der Streit großes Vergnügen. Er konnte ſie durch den Raum, der zwiſchen dem freiſtehenden Ofen und der Wand war, genau beſehen. Immer hitziger wurde der Streit der Juden. Plötzlich rief der Eine: Du machſt es immer ſo, Mordche. Mit der kann kan Menſch handele! Was ſagſte? ruft grimmig der Andre und ballt ſeine Fauſt. Nu— meinſte, ich ſollt mich fürchte? ruft der Erſte. Haſt du's nit ebeſo gemacht, als mer in der Eifel „Koſackelches“ geſpielt habe?— He? Haſte nit vun de fünfhundert Gulde, die de Bauern bezahlt habe, vor dich alläan zwei Hundert genomme?— Red'ſt du dovun noch 4 Wort, ſo dreh ich der de Hals um! ruft jetzt mit fürchterlicher Wuth das Mordche. a Der junge Menſch, dem die Koſackengeſchichte noch friſch im Andenken war, hört das Wort und ſteht ſchnell, aber ſo leiſe auf, daß es die ſtreitenden Juden gar nicht hören und ſchleicht zur Thuͤre, die in die Küche fuͤhrt, noch immer ba Stiedensrichker Herr Ftie dieſe beiden Jus verkleidet in u fünfhundert Gu geſelen um za Eben haben ee In dieſer Mordche genan würde ihm erbt ihn ergriffen uns vertaide Beide w abgeführt. e ein, und auch Gelt, ie Die Anderen Ju, Jbr jacob; die Sa waren bei ein, Koſacken zu r Pferde, Nacht fudenden Hoc zu machen. 1 iin, und es ſo Wurde mit gre Mugche bei Die dunzen da nung des Ann. Da ſe ale Ro bei der dend allem Tune uberall amn Als M. gehalten, un haft ausgefſ luchungehaft, richt geſtellt zundert Gul Zichthausſera Das wa Seht, ſe * 04 a Nun, 27 hinaus. In der Küche ſteht der Wirth und holt ſich ein Koͤhlchen auf ſeine Pfeife. Der junge Menſch fragt ihn, ob er die beiden Handelsjuden, die in der Stube ſtritten, kenne? Gewiß, ſagte der Wirth, und nannte Beide bei ihrem Namen, und auch ihren Wohnort. So klug war der Burſche ſchon, daß er über den Streit mit dem Wirthe lacht und ihm ſagt, es mache ihm ſo viel Freude, die Juden ſtreiten zu hören, der Wirth ſolle ihm den Gefallen thun und ſie noch ein Bißchen hetzen und feſthalten, er habe noch ein paar Burſche aus ſeinem Orte hier, die wolle er ſchnell herrufen, daß ſie den Spaß mit genoſſen. Der Wirth, der gleich auf ein paar zu verzapfende Schoppen ſpeculirte, lacht herzlich und verſpricht, ſeinen Wunſch zu erfüllen, und geht in die Stube, wo er ſich in den Streit der ihm wohlbekannten Juden miſcht. Der Burſche aber eilt zum Friedensrichter, der zum Gluck ein Freund des Prokurators war, und ſeiner Zeit auch den Auftrag hatte, überall aufzupaſſen, und erzählt ihm ſchnell, was er gehört. Vortrefflich! ruft der Friedensrichter. Nun haben wir ſie! Er läßt eiligſt die zwei im Orte ſtationirten Gensd'armen(ſprich: Schandarmen) holen und folgt dem Burſchen ins Wirthshaus, wo wirklich die beiden Juden noch immer hadern. Sie machen große Augen, als der Friedensrichter mit den beiden Polizeiſoldaten eintritt. Herr Friedensrichter, ſagt der Burſche zu dem Richter, dieſe beiden Juden ſind die, welche Anno 1814 als Koſacken verkleidet in unſer Dorf kamen und unſere Gemeinde um fünfhundert Gulden prellten. Der hier hat noch ſeine Spieß— geſellen um zwei Hundert von dem Sündengelde betrogen. Eben haben ſie es ſich hier einander vorgeworfen. In dieſem Augenblicke warf ſich der, den der Andere Mordche genannt hatte, wie ein Tiger auf dieſen, und würde ihn erdroſſelt haben, wenn nicht die beiden Haltfeſte ihn ergriffen hätten. Siehſte, ſchrie er, du Hund, hoſt uns verrathe und ins Unglück gebracht! Beide wurden ſogleich geſchloſſen und ins Gefängniß abgeführt. Schon im erſten Verhöre geſtanden ſie Alles ein, und auch der dritte und— Mauſchelche wurden arretirt. Gelt, ich hatte Recht? rief frohlockend der Gevatter. Die Anderen ſchwiegen. Ja, Ihr hattet Recht, Gevatter, ſagte der Schmied— jacob; die Sache ſtellte ſich ſo heraus. Die vier Juden waren bei einander, und der Mordche ſchlug vor, ſich als Koſacken zu verkleiden, Alles, Bärte, Lanzen, Piſtolen, Pferde, Nachts in einen unfern ihres Wohnortes ſich be— findenden Hochwald zu bringen und von da aus den Ritt zu machen. Das Mauſchelche ſollte dann ſo zufällig dort ſein, und es ſo machen, wie er es wirklich ausgeführt. Alles wurde mit großer Klugheit vollbracht. Die Bärte kaufte Nordche bei einem verſoffenen Perückenmacher in Trier. Die Lanzen hatten ſie ſelbſt im Hauſe, da das die Bewaff— nung des Anno 1814 dort eingerichteten Landſturmes war. Da ſie alle Roßtäuſcher waren, hatten ſie die Pferde ſchnell dei der Hand Die Mutzen und Kleider wurden aus allem Trödel zuſammengeflickt, und die alten Piſtolen überall zuſammengeſchachert. Als Alles vorhanden war, wurde ordentlich Probe gehalten, und dann das ganze Spitzbubenſtückchen meiſter— haft ausgeführt. Ein halbes Jahr ſaßen ſie in Unter— ſuchungshaft, und dann ſind ſie vor das Geſchwornenge— ticht geſtellt worden, das ſie zur Rückzahlung der füuf— hundert Gulden, in alle Koſten und zu zehn Jahren Zuchthausſtrafe verurtheilte. Das war vollkommen Recht, ſagte der Gevatter. Seht, ſchloß der Gevatter, hier liegt's wieder klar vor Euch da, wie Gott es leitet und fuͤgt, daß ſolche Ver⸗ brecher meiſt ihre eigenen Ankläger werden. Er bringt auch das Verborgenſte an den Tag, mag ſich auch das Laſter noch ſo ſehr ins Dunkel hüllen! Es iſt nichts ſo fein geſponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen! Die Schrift ſagt: Bei Allem, was du thuſt, bedenke das Ende, ſo wirſt du nimmermehr Unrecht thun! Ein eigenthümliches Familienfeſt. Wir entnehmen den intereſſanten Reiſen Friedr. Gerſtäckers folgende anziehende Beſchreibung eines Fa— milienfeſtes in Valparaiſo, zu welchem derſelbe eingeführt worden war.„Nachdem ich dem gaſtlichen Angebot von Eſſen und Trinken genügt, und meine Papiercigarre an— gezündet, fiel mein Blick auf einen Gegenſtand, den ich in dem allgemeinen Lärm und dem vielen Neuen, was ſich mir ringsum bot, bis dahin nicht ſo beachtet hatte. Es war dieß ein etwa ſieben Fuß hohes Geruſt, um das die Muſici herumſaßen und das mit Blumen, Lichtern und Heiligenbildern bedeckt ſchien. Der wunderlichſte Zierrath darauf war aber eine vortrefflich gearbeitete Wachspuppe — ein kleines Kind vorſtellend, das in einem ſchneeweißen Kleidchen, mit geſchloſſenen Augen, die zarten bleichen Wangen von einem leichten Roſenſchein überhaucht, und von Blumen umgeben, auf einem kleinen Kinderſtuhl ſaß. So täuſchend war die Puppe gemacht, daß ich das Kind im Anfang fur ein wirkliches hielt, und die Augen nicht abwenden konnte davon, beſonders da gerade darunter eine ſchoͤne, bleiche, junge Frau mit Thränen in den Augen ſtand, die recht gut hätte als deſſen Mutter gelten konnen. Darin hatte ich mich aber geirrt, denn gerade jetzt trat einer der Männer lachend auf ſie zu, ſie zum Tanze ab— zuholen, und ſie folgte ihm nicht nur, ſondern war auch in wenigen Augenblicken mit die Fröhlichſte der Schaar. Aber es mußte ein wirkliches Kind ſein— ſo täuſchend konnte kein Künſtler die Formen nachbilden— und jetzt verloͤſchte das eine Licht dicht neben ſeinem Köpfchen, und die kleine, ihm zugedrehte Wange verlor dadurch den roſigen Schein.— Meine Nachbarn mußten endlich merken, mit welcher Aufmerkſamkeit ich jenes Kind oder jene Figur, was es nun auch ſein mochte, beſchaute, und der mir Nächſte erzählte mir, es ſei das jüngſte Kind jener Frau mit dem bleichen Geſicht, die da ſo froͤh— lich tanze, und die ganze Feierlichkeit in der That nur jenes kleinen geſtorbenen Engelchens wegen. Ich ſchüttelte ungläubig mit dem Kopf, mein Nach— bar aber, um mich zu überzeugen, nahm mich beim Arm und führte mich zu dem Geſtell, neben dem ich auf einen Stuhl und Tiſch treten mußte, die kleinen Händchen des Kindes zu berühren. Es war eine Leiche— und die Mutter, als ſie ſah, daß ich daran gezweifelt hatte und mich jetzt überzeugt wußte, trat von ihrem Tänzer ab auf mich zu und lächelte mich an.— Sie ſagte mir, das ſei ihr Kind geweſen und jetzt ein Engelchen im Himmel und die Guitarren fielen wild ein— ſie mußte zum Tanze zurück. Wenn in Chile ein Kind bis zu vier Jahren oder noch jünger ſtirbt, ſo glauben die Leute, daß es direkt zum Himmel eingehe und ein Engelchen werde— und die Mutter iſt ſtolzer darauf, als ob ſie es zu kräftigem Alter friſch und fröhlich herangezogen hätte. Die kleine Leiche wird dann ausgeſtellt und lange davor getanzt und getrunken. Die Mutter aber, ſo weh ihr auch immer ums Herz ſein mag, muß lachen und fröhlich ſein und tanzen und ſingen.— Sie darf nicht an ſich ſelber denken, es gilt ja das Glück ihres eigenen Blutes.— Bekanntmachungen von Be— hoͤrden. NN Holzverſteigerung. (88) Donnerſtag den 26. d. M., Vormittags 10 Ubr anfangend, ſollen im Gräfl. Solms⸗ Rödelbeim'ſchen Walde bei Wickſtadt verſteigert werden: 6 Stecken Buchen ⸗Scheitholz, 146„„ Prügelholz, 12„ Eichen-„ 86„ Buchen⸗Stockholz, 271 7„ Reisholz, 7„ Eichen-* 50 Wellen Dorn, 8 4 Buchen⸗Werkholzſtangen, 13 Cubikfuß enthaltend, f 37 Fichten ⸗Werkholzſtangen, 56 Cubikfuß enthaltend, 50 Stück Fichten⸗Baumſtangen, 1000„ Buchen-Bohnenſtangen. Forſthaus Beinhards am 17. Januar 1854. Der Gräfl. Revierförſter Hartmann. Edietalla dung. (1060 Das Fürſtlich und Gräfliche Geſammt— haus Iſenburg bat die nachſtehend verzeichneten im Flurbuche ihm zugeſchriebenen Grundſtücke: Gemarkung Unterflorſtadt: Flur und Nr. der Grundſtücke 1/8, 11/22, 177/183, 1/84, 117294, 1/299, 11/99, 11½ 19, 11/128, 11/178, 11/13, 11/83, 117333, 111/358, 111/361, 1½90, 1/396, IV/ Io, IV/25, IV/64, 1v/76, 1v/Is6, 1v/163, 1V/205, 1v/218, 1vV/223, IV/269, IV/280, 1vV/½õ320, 19/35, IV/353, 1V/366, 1v/388, IvV/434, v/I8, V/I39, W170, vV/I88, V/2I¹, v7, V, 237, v/õs60, v/364, v/14, V/a22, V/, v/498, /ig, 514, v/õ30, v/̃35, v/563, V/663, v/664, V/ vI/33, V/A, v/o, v/7o, v/82, vI/137, v/162, ½½08, V/ 212, v%/36, VII/ 44, vu /100, vI/149, vI/159, vI/174, VII 176, vI/185, VII/ 205, VI½20, VI, VII/278, VII,321, V /324, Vn/37o, vII 382, VI/403, VII/426, VI/436, VI /447, VII/486, VI/15, VI/531, VII/37, VIII/133, VIII/146, VIII/ 165, VIII 179, vI)/206, VII/276, VIII/ 289, VIII/ 306, vIII/3 12, VIIJ/326, VIIU352, IX/12, IX /i7, IX 729, IX /A, IX/S4, IX/252, IX/ 294, IX/323, 1X 7348, IX)350, IX/ 465, 1X/ 95, XI/14, Xx/43, X/, X/, X/, 1/363, 1,337, 11/2, 111/175, IX/415, X/83, X/218, Gemarkung Oberflorſtadt: Seite und Nr. des Flurbuchs 178/26, 177/25, 181/44, 255/15, 399/75, an Joſeph Guffanti Sohn zu Cöln, ſowie an Heinrich Konrad und Heinrich Karl Schaubach zu Florſtadt verkauft, ohne das Eigenthum an dieſen Grundſtücken urkundlich nachweiſen zu können. Auf geſtellten Antrag werden alle, welche Anſprüche an jene Grundſtücke machen, alſo die Vollziehung des gedachten Verkaufs hindern zu können glauben, aufgefordert, jene ſogewiß binnen 6 Wochen von heute an hier anzuzeigen, als ſonſt das Eigenthum des verkaufenden Theiles für genügend nachgewieſen erachtet und den Kaufbriefen die gerichtliche Beſtätigung er— theilt werden wird. Friedberg den 14. Januar 1854. Großberzogl. Landgericht Hofmann. Ei m Ka p f (107) von 250-300 fl. liegt bei hieſiger Kirchenkaſſe zum Ausleihen bereit. Fauerbach II. den 19. Januar 1854. Der Kirchenvorſtand. Bekanntmachung. (108) Die am 20. d. M. in hieſigem Ge- meindewalde, Diſtrikt Auwald, abgehaltene Holzverſteigerung iſt genehmigt und kann jeden Tag abgefahren werden. Aſſenheim den 21. Januar 1854. Der Großberzogl. Bürgermeiſter Schmidt. Fruchtverſteigerung. (109) Donnerſtag den 26. d. M., Morgens 10 Übr, ſollen im hieſigen Pfarrhaus: 20-25 Malter Korn, 12—15 Malter Gerſte, 6 Meſten Erbſen, 6„ Linſen, 4 Fuder Kornſtroh, 2„ Geerſtenſtroh, welches der bieſigen Pfarrei zuſteht, meiſtbletend verſteigert werden. Langenhain am 20. Januar 1854. Der Großberzogl. Bürgermeiſter Rumpf. Privat- Bekanntmachungen. W. Finlay in Mainz Reiſegelegenheit Amerika. (900 Für die Herren Schiffsrheder und Schiffseigener J. Le und Havre befoͤrdere ich im kommenden Monat Februar viermal, den 1., 12., 20. und 28. Auswanderer ab Havre, von Main New⸗ über Kehl, Strasburg und Paris nach New⸗York und rleans, prompt und ſicher gegen billige Preiße. Irrländer werden als Paſſagiere bei dieſen Reiſegelegenheiten nicht aufgenommen, was ich zur Entfernung eines ſich verbreiteten irrigen Gerüchts hierher bemerke. G. F. Nau, conceſſionirter Agent zu Friedberg. Zu verkaufen. (37) Eine große Parthie Spreu, Stroh, Futter, Acker und Oeconomie-Geräthſchaften, auch Rindvieh und Schweine ꝛc., ſind bis zum 10. Februar aus freier Hand zu verkaufen bei C. F. Petſch zu Niedererlenbach. Lehrlingsgeſuch. (100) In eine frequente Colonialwaarenhand⸗ lung wird ein Lehrling geſucht. Zu erfragen bei der Expedition d. Bl. Hofraitheverſteigerung. (110 unterzeichneter iſt geſonnen ſeine Hof- raithe nächſt dem Heiligenſtock an der Bönflädter Cbauſſee, beſtehend in Wohnhaus mit Wirth— ſchaft, Scheuer, Stallung für 8 Pferde und ¼ Morgen Garten mit edlen Obſtbäumen, Mitt⸗ woch den 22. Februar dieſes Jahrs, Vormit⸗ tags um 10 Übr, auf bieſigem Rathhauſe öffentlich meiſtbietend verſteigern zu laſſen. Auf Verlangen können noch circa 4 Morgen Acker- land mit Obſtbäumen abgegeben werden. Eben— ſo bin ich bereit bis zum Termin bei annehm— barem Gebot einen Verkauf aus der Hand abzuſchließen. Boönſtadt den 19. Januar 1854. G. Faul ſtich. Klavier⸗Verkauf. (111) Ein noch gutes, dem Singverein zu Oberrosbach gehöriges Klavier(boctavig) iſt wegen Auflöſung des Vereins billig zu verkau⸗ fen. Näheres bei Lehrer Werner daſelbſt. Wohnungsveraͤnderung. (112) Meinen bieſigen und auswärtigen Kunden diene zur Nachricht, daß ich meine ſeit⸗ herige Wohnung bei Herrn Heinrich Engel in der Üſergaſſe verlaſſen habe und jetzt dem Herrn Profeſſor Dr. Dieffenbach vis-à-vis, in dem geweſenen Scheich'ſchen Hauſe, wohne. Zugleich bitte ich das mir ſeither geſchenkte Vertrauen auch in meiner neuen Wohnung erhalten zu wollen. Friedberg im Januar 1854. W. Fr. Schneider, Herrenkleidermacher. Zu vermiethen. (113) Eine freundliche Wohnung, beſtehend in Stube nebſt Cabinet, möbelirt, hat zu ver⸗ miethen Wilhelm Schmidt, neben dem Landgericht. Zu verkaufen. (11) Zwei neue Wagen mit eiſernen Achſen ſtehen zu verkaufen bei Schmiedemeiſter Becker in Petterweil. Zu verkaufen. (115) Ein fünfjäbriges fehlerfreies braunes Wallachpferd und ein noch ganz neuer einſpän⸗ niger Oekonomiewagen mit allem Zugehör, ſieht aus freier Hand zu verkaufen. Wo ſagt die Expedition d. Bl. Eiſeubahn⸗Frachtbriefe (116) ſind ſtets vorräthig bei Friedberg. C. Bindernagel. Anzeige. Literariſche (117) In der C. J. Edler'ſchen Buch- handlung in Hanau iſt ſoeben erſchienen und in allen Buchhandlungen, in Friedberg bei C. Bindernagel, zu haben: Der Auswanderer. Ein unpartheuſcher Rathgeber und ſiche⸗ rer Führer für Auswanderer aller Klaſ—⸗ ſen und Stände, nach den verſchiedenen, in der neueſten Zeit empfohlenen Aus⸗ wanderungszielen in Europa, Afrika, Auſtralien, Süd-, Mittel⸗ und Nord-Amerika. Nach den neueſten und beſten Quellen und in bequemer Ordnung bearbeitet von H. F. Mülot. Mit einer Karte der vereinigten Staaten von Nordamerika. Preis 1 fl. 30 kr. oder 25 Sgr. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedberg. — 8. eu e 5 5 an einer 90 g Bande Wia Zeit der bie den unglücklche Ungunſt von Kite gelen kein lieblicherce Fluthen; das Ohr, und der als der schone ſonne. Denn Küſte toste, la über die Küper welche des felſen geleckt Und ſchauriger ten Schiffes all die wilden menſchen ſoga Mittel bedient, in den Bereic locken, auf w falſche Signa Leuchtthürme krügeriſchen H Dutzende von Verderben gel Das Di lich von Leute gewerdmaßig Haufen arm. aus den Tru zeuge eitaut aus, die ger müͤhſamen d ſtens im dei ſchͤnes We fehr lohnend Familien, u. ger Zeit, ja den Mütter. eiber nat; war ein